Presse und Erziehung

Neben dem Gold rangiert die Presse als ein wichtiges Instrument der Machtausübung, von dem die Weisen schon damals behaupteten, es sei bereits in ihren Händen, was eben durch die Macht des Kapitals möglich wurde. Unter allen geforderten demokratischen Freiheiten waren die der Meinungs- und Pressefreiheit die vordringlichsten. Die Regierungen wurden wesentlich danach bewertet, wie sie diese Meinungs- und Pressefreiheit gewährten.

Da die Weisen mit dieser Presse ganz gezielt eine allgemeine Verunsicherung anstrebten, also auch mit den Mitteln der Lüge und Falschmeldung zu operieren trachteten, verlangten sie eine gewisse Absicherung für eine solche Vorgehensweise, wie sie sie in Kapitel XII, 3. Absatz, zum Ausdruck brachten:

Es gibt heute schon Formen (um die französische Presse zu nennen), welche die freimaurerische Losung vertritt: alle Blätter haben das Berufsgeheimnis zu wahren. Gleich den Auguren wird niemand das Geheimnis seiner Nachrichtenquellen preisgeben...

Die Wahrung des Pressegeheimnisses ist längst Allgemeingut aller freiheitlichen Demokratien. Doch sobald die Weisen ihren Herrschaftsstaat errichtet haben, werden sie diese Pressefreiheit mit allen Mitteln bekämpfen. In Kapitel XII, 1. Absatz, werden die Vorgehensweisen offengelegt:

Wir wollen zur Zukunft der Druckpresse zurückkehren. Jeder, der gern Verleger, Bücherwart oder Drucker sein will, muß sich mit den

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betreffenden Diplomen versehen, die ihm im Falle eines Fehltritts sofort entzogen werden. Durch solche Maßnahmen wird das Instrument des Denkens zum Erziehungsmittel in der Hand unserer Regierung. Sie wird nicht länger erlauben, daß die Massen des Volkes irregeführt werden durch Phantasien über die Segnungen des Fortschritts

Wir kehren zur periodischen Presse zurück. Wir werden ihr, wie allem Gedruckten, Stempelsteuer auferlegen und die Hinterlegung von Sicherheitsgeldern fordern. . . um einerseits die Zahl der Streitschriften zu verringern, welche die schlimmste Form des gedruckten Giftes darstellen, und andererseits die Schriftsteller zwingen, so umfangreiche Abhandlungen zu schreiben, daß nur wenige sie lesen werden, weil sie zu teuer sind. Hingegen wird alles billig und spannend zu lesen sein, was wir selbst herausgeben, um die geistige Entwicklung in der Richtung zu beeinflussen, die unserem Vorteil dient. Der Verleger oder Drucker wird die Obrigkeit um Erlaubnis zu fragen haben, ehe er ein Schriftstück zur Veröffentlichung annimmt...

Um unser Zeitungsheer in diesem Sinne leiten zu können, müssen wir besondere Sorgfalt auf die Organisierung dieser Sache verwenden. Unter dem Namen »Hauptpresseamt« werden wir literarische Versammlungen veranstalten, bei denen unsere Agenten ohne Aufsehen zu erregen, die Befehle und Losungen des Tages ausgeben.

Unter Hitler gab es die Reichsschrifttumskammer. Schriftsteller mußten Mitglied dieser Organisation seien, und wer aus Gründen der politischen Unzuverlässigkeit nicht in die Kammer aufgenommen wurde, konnte nichts verlegen. Die Reichsschrifttumskammer prüfte bestimmte Arten von Manuskripten vor dem Druck. Manche Schriftsteller, Bühnen- oder Filmautoren haben ihre Arbeiten unter den Namen von lizenzierten Publizisten veröffentlicht.

Unter Hitler gab es das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda, geleitet von dem genialen Medienstrategen Joseph Goebbels, ein Schüler jener Jesuiten, welche von den Weisen als eine

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intellektuelle Konkurrenz am meisten gefürchtet wurden. Auch Goebbels gab täglich für die Presse Losungen und Parolen heraus. Die Goebbelssche Propaganda war so wirkungsvoll, daß man ihn in der internationalen Presse als einen der größten Lügner bezeichnete. Das ist jedoch sachlich nicht gerechtfertigt. Die Goebbelsschen Tagesparolen sind noch vollständig erhalten. Goebbels haßte die Lüge, weil sie, einmal entdeckt, die gesamte Presse- und Propagandaarbeit unglaubwürdig machte. Es gab genügend Möglichkeiten, Negatives abzuschwächen oder gar völlig zu unterschlagen und dafür das Positive besonders aufzubauschen.

Wenn die Autoren der Protokolle bereits vor hundert Jahren die Presse als ein bedeutsames Machtinstrument erkannt haben, um politische Systeme zu destabilisieren, so ist diese Macht heute durch Rundfunk und Fernsehen zu einem hundertfach größeren Machtinstrument angeschwollen. Allein fünf Stunden verbringt der Bürger durchschnittlich täglich vor seinem Fernsehgerät, eine weitere Stunde beschäftigt er sich mit der Tageszeitung und mit Illustrierten. Das ist mehr Zeit, als ein Schüler für sein Lernpensum täglich aufwendet. Schon damals behaupteten die Weisen, das Instrument der Presse zu kontrollieren und zu beherrschen, heute ist ihre Beherrschung der inzwischen weitaus mächtigeren Medien ein offenes Geheimnis. Ebenso offensichtlich ist es, daß die Politiker vollauf damit beschäftigt sind, auf die Publikationen und die Meinungsmache der Presse zu reagieren und ihr gegenüber ein Wohlverhalten an den Tag zu legen. Sie müssen es sich sogar gefallen lassen, in provozierenden und oft genug schnodderigen, respektlosen Interviews abgekanzelt zu werden und dabei auch noch gute Miene zum bösen Spiel zu machen. So sind sie längst Sklave jenes Instrumentes geworden, dem sie aus Prinzip alle, selbst die ungezügeltsten Freiheiten zuer-kannt haben.

Wie naheliegend ist es doch, dieses Instrument der Politik unterzuordnen! Nehmen wir einmal ein fiktives Beispiel für ein positives Zusammenspiel zwischen Politik und Presse: Eine Regie-

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rung ist aus Devisenmangel nicht in der Lage, Pfeffer zu importieren. Sie läßt durch die Presse verbreiten, daß Pfeffer nicht nur überflüssig sei, sondern gar schädlich. Pfeffer macht dumm. Folglich verzichtet das Volk freiwillig auf Pfeffer, womit dieses Problem gelöst wäre. Die freie Presse, primär darauf bedacht, Schwächen in der Politik aufzudecken und anzuprangern, würde dagegen die Wichtigkeit und Unverzichtbarkeit des Pfeffers so aufbauschen, daß mehr Pfeffer denn je verlangt wird, um damit ein politisches Problem heraufzubeschwören.

Die Weisen, die Vertreter der Pressefreiheit, werden diese Presse konsequent ihren Zielen unterordnen. Aber diese Medien sind ja nicht das einzige Instrument der Beeinflussung eines Volkes. Es kommt die schulische Erziehung und Lehre hinzu. Auch mit der demokratischen Freiheit der Lehre und Forschung wird es aus sein. Die Protokolle schreiben hierzu im 2. Absatz des Kapitel XVI:

Wir werden jede Lehrfreiheit abschaffen. Lernende jedes Alters werden das Recht haben, sich mit ihren Eltern in den Erziehungsanstalten wie in einem Klub zu versammeln. Während dieser Versammlungen an den Feiertagen werden die Lehrer freie Vorlesungen über alle möglichen Fragen des menschlichen Lebens halten, z.B. die Gesetze, die Grenzen, die den unbewußten Beziehungen gezogen sind, und schließlich über die Philosophie neuer Lehrmeinungen, die der Welt noch nicht erklärt worden sind. Diese Lehrmeinungen werden wir zu einem Glaubensdogma erheben als Übergang zu unserem Glauben. .. Wir wissen durch die Erfahrungen mancher Jahrhunderte, daß das Volk nach Ideen lebt und von ihnen geleitet wird, daß diese Ideen vom Volk nur durch die Erziehung aufgenommen werden, die jedem Alter angepaßt ist, aber natürlich sich in ihren Maßnahmen ändert. So werden wir künftig das Aufkeimen jeder freien Meinung zu verhindert wissen und allein die öffentliche Meinung beherrschen. Die Zügelung des Denkvermögens ist schon ein Teil im sog. Lehrplan der Ziellehre, deren Zweck es ist, die Gojim zu gedankenlosen Tieren zu machen, die geduldig auf das warten, was man ihnen vorsetzen wird.

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Wie sehr sind wir heute dem wissenschaftlichen Materialismus und der materialistischen Denkweise verfallen, überzeugt, daß dieser ideologiefrei sei und die einzig wahre Wahrheit repräsentiere. Wir verzichten auf eine Erziehung, fördern die Antiautorität in der Überzeugung, daß allein die Vermittlung wissenschaftlicher Wahrheiten die Voraussetzung für ein angepaßtes Vernunftverhalten bietet. Die Weisen hingegen wußten sehr wohl, daß dieses falsch ist, daß das Volk in Wirklichkeit nach Ideen lebt und daß diese Ideen weniger gelehrt als anerzogen werden müssen. Sie selbst betrachten ihren Glauben, einen irrealen Idealismus also, als das Ziel ihrer Erziehungsarbeit.

Die Erziehung im Dritten Reich war - nach ähnlichen Erkenntnissen - auf eine nationale Erstarkung ausgerichtet, auf Ertüchtigung, Opferbereitschaft, Ordnung und Disziplin, auf gerade jene Elemente also, die durch das »Gift des Liberalismus« geschwächt werden. Trotz des Wirtschaftswunders nach 1933 waren weder Wohlstand noch gar Luxus etwas bewußt Erstrebenswertes.

Daß diese völkisch-nationalistische Erstarkung im Dritten Reich den Absichten und Zielen der Weisen völlig zuwiderlief, ist schwerlich zu verkennen. Man kann sich vorstellen, daß diese kurze Epoche in Deutschland die in den Protokollen zu erkennende programmatische Entwicklung erheblich störte, daß sie - bei aller Weitsicht der Weisen - ebenso überraschend wie unvorhersehbar war und nun eine Todfeindschaft heraufbeschwor. Mögen die Weisen grundsätzlich recht haben, wenn sie zu Beginn des Kapitels IX behaupten:

Aber wenn Sie die Behandlung jener behutsam annähern, werden sie feststellen, daß noch kein Jahrzehnt nötig ist, um auch den zähesten Charakter zu ändern und wir ein neues Volk zu den schon von uns unterworfenen hinzufügen können.

Wie schnell ist nach dem Ersten Weltkrieg durch Auferlegung einer Demokratie aus den kaisertreuen Deutschen, die in ihrer Geschichte nichts anderes als Monarchien kannten, ein Volk geworden, das sich

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mit großer Hingabe in eine Vielzahl von Parteien zersplitterte, und kaum mehr als ein Jahrzehnt hat es gedauert, daß sich dieselben Deutschen unter Hitler mit unbestreitbarer Begeisterung in einer Diktatur vereinigt und sich leidenschaftlich für die neuen Ideale und die neue Ordnung eingesetzt haben.

Als besonders typisch für Diktaturen und daher verabscheuungs-würdig gilt das System der Bespitzelung, um Volksfeinde zu ermitteln und dingfest zu machen. Das erübrigt sich in einer Demokratie, in der jeder seine Meinung sagen darf - ausgenommen vielleicht jene Meinungen, die durch eine Serie von sogenannten »Maulkorbgesetzen« - Völkerverhetzung, Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Verherrlichung der Nazidiktatur, Verharmlosung der Naziverbrechen u. a. - zu verbreiten verboten sind. Wie sehr beschäftigt uns nach der Wiedervereinigung jener »Stasi«, für den etwa 70 000 Spitzel tätig gewesen sind. Kann eine Diktatur überhaupt auf ein solches System verzichten?

Auch die Weisen können es nicht. Im 3. Absatz des Kapitel XVII legen sie dar:

Unser Königreich wird eine Apologie des Gottes Wischnu sein: in hundert Händen werden wir die Triebfeder der sozialen Maschinerie halten. Wir werden alles ohne Hilfe der Polizei erfahren, die wir nur geschaffen haben, um den Spielraum der Gojim zu vermindern, die im übrigen aber unsere Regierung am Sehen hindert. Nach unserem Plan wird ein Drittel unserer Untertanen die übrigen beobachten, aus Pflicht, als ein freiwilliger Dienst am Staate. Es wird dann keine Schande sein, ein Späher und Unterweiser zu sein, sondern ein Verdienst. Unbegründete Angebereien werden wir jedoch grausam bestrafen, damit sie sich nicht zum Mißbrauch dieses Rechts entwik-keln. Unsere Agenten werden wir sowohl aus den höheren als auch aus den niederen Kreisen der Gesellschaft nehmen. . . Diese polizeiliche Körperschaft, die keinerlei Recht hat und nichts auf eigene Faust unternehmen darf und daher eine Polizei ohne Gewalt ist, wird nur Zeugnis ablegen und Bericht erstatten. Die Beurkundung ihrer Berichte und Feststellungen wird von einer Gruppe von verantwortli-

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chen Kontrollbeamten der politischen Angelegenheiten abhängen, während die eigentliche Festnahme von der Gendarmerie oder der Stadtpolizei ausgeführt werden wird. Jemand, der von dem, was er über politische Fragen hört und sieht, keine Meldung erstattet, wird wegen politischer Hehlerei zur Verantwortung gezogen. In unserem, die ganze Welt umfassenden Königreich wird jeder Untertan verpflichtet sein, dem Staat in dieser Beziehung zu dienen, genau so, wie heute unsere Brüder verpflichtet sind, auf eigene Gefahr Abtrünnige des Kanals anzuzeigen, selbst wenn es Glieder der eigenen Familie sind, und ebenso jeden, der dabei gesehen wurde, wie er etwas den jüdischen Sittenvorschriften Gegensätzliches tat.

Kahal - nebenbei erläutert - bedeutet im Hebräischen die Gemeinde, hier gebraucht als Kultusgemeinschaft, deren Gesetze in einem Konsistorium festgelegt werden.

Das hier geschilderte Bespitzelungssystem hatte bis dahin noch keine Vorbilder, wenn man vielleicht von der Zeit der Inquisition absieht. Hat Hitler hieraus Anregungen für seinen Sicherheitsdienst, den SD, erhalten? Ausgerechnet ein Jude, Dr. Dr. Goldmann, der Mitarbeiter des SD gewesen ist, schildert dessen Tätigkeit in seinem Buch Wanderer zwischen den Völkern. Auch diese Mitarbeiter oder Spitzel besaßen keinerlei Exekutivvollmachten. Sie horchten die Meinung des Volkes ab, um zu erfahren, wie es auf diese oder jene politische Maßnahme reagiert hat. Bei den Berichten wurden nur in seltenen Fällen Namen genannt. Heydrich, der Organisator und Leiter des Systems, vertrat den Standpunkt: Wenn das Volk unzufrieden ist, liegt es nicht am Volk, sondern an der Politik. Der SD ersetzte damals im Prinzip die Tätigkeiten der heutigen Meinungsforschungsinstitute. Diese Tätigkeit verschärfte sich allerdings während des Krieges, in dem ohnehin schärfere Gesetze als in Friedenszeiten gelten.

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