Rassismus

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Wortschöpfung vom Rassismus zu einem Schlagwort, mit dem jede Abwertung anderer Völker und Rassen, auch das Vorurteil gegen das Fremde, angeprangert und verurteilt wurde. Die »Völkerverhetzung«, das »Verunglimpfen des Andenkens Verstorbener« wurden unter Strafe gestellt, und das alles mit der Begründung, daß die Rassenideologie ein wesentlicher Bestandteil der Naziideologie gewesen, die Überheblichkeit der eigenen Rasse und die Abwertung aller »Nichtarier« zu einem politischen Programm erhoben worden sei.

Diese Aufhetzung des Volkes gegen Andersartige und gar Andersdenkende sei die entscheidende Motivierung zum Zweiten Weltkrieg gewesen mit dem Ziel, die »Untermenschen« zu versklaven, zu vernichten und sich in den Besitz ihrer Güter und Länder zu setzen. Der Holocaust an Juden, Polen und Russen sei das Ergebnis dieser Volksverhetzung gewesen.

Lassen wir die historische Berechtigung einer solchen Vereinfachung und Reduzierung der deutschen Politik unter Hitler auf diesen Komplex dahingestellt sein. Lassen wir auch die Tatsache, daß in der Waffen-SS, der »germanischen Elite«, alle Völker, Rassen und Religionen Europas gemeinsam und leistungsstark gegen den Bolschewismus gekämpft haben, damit begründen, daß die reine Personalnot dazu gezwungen habe. Die deutsche Geschichte wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Siegern geschrieben und diktiert, und diese haben ganz offen zugegeben, daß das deut-

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sehe Volk umerzogen werden müsse. Damals war ein Nationalismus noch die selbstverständlichste Denkweise und Motivation aller Völker der Erde. Jede Nation hat ihre Geschichte selbst geschrieben und mit Stolz darauf zurückgeblickt, jeder Politiker hat an das Selbstbewußtsein des Volkes appelliert, hat es über andere erhoben, aufgewertet als eine »grande Nation« oder Ansprüche auf ein großes panslawisches Reich gestellt. Jedes Volk war stolz auf seine Kultur, fanatisch in seinem Glauben, die Ungläubigen verachtend und voreingenommen und abwehrend gegen alles Fremde.

Die Situation der Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg war eine ebenso besondere wie einmalige: Durch den Versailler Vertrag wurden 6 Millionen Deutsche fremden Herrschaften unterstellt, es wurden dem deutschen Volke maßlose Bußen und Verbote auferlegt, darüber hinaus wurde es nicht nur alleinschuldig am Weltkrieg gesprochen, sondern es wurden ihm in seiner Gesamtheit schlimmste Verbrechen unterstellt. Kurz: Es wurde disqualifiziert und lief Gefahr, seine Selbstachtung zu verlieren.

Es war das Ziel eines jeden Politikers, diese Schande zu revidieren und die Entmachtung rückgängig zu machen. In diesem Wettbewerb war Hitler der erfolgreichste. Er appellierte an das Selbstwertgefühl und nutzte die bestehenden Rassentheorien, die schon vor ihm Bestandteil des Biologieunterrichts waren, um auch aus diesem Aspekt die Deutschen aufzuwerten und sie damit gegen Fremdeinflüsse immun zu machen. Natürlich kannte Hitler die Protokolle der Weisen von Zion und hielt sie wohl für echt. So hat er denn auch im Kapitel XV, Absatz 4, gelesen:

Aus diesem Unterschied der Geistesverfassung zwischen den Gojim und uns kann man klar das Siegel unserer Auserwähltheit und unseres höheren Wertes an Menschlichkeit erkennen, im Gegensatz zu dem rohen Geist der Gojim. Ihre Augen sind offen, aber sie sehen nichts vor sich und erfinden nichts (höchstens materielle Dinge). Danach ist es klar, daß uns die Natur selbst dazu bestimmt hat, die Welt zu führen und zu beherrschen.

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Von Natur aus dazu bestimmt zu sein, ist nichts anderes als die Beanspruchung einer rassischen Elite. Gerade von den Deutschen, dem Volk der Dichter und Denker, zu behaupten, sie wären unfähig - außer in materiellen Dingen, also in der Technik -, etwas zu erfinden, ist, bei aller Anerkenntnis der jüdischen Intelligenz, eine unberechtigte Überheblichkeit.

Aus den wenigen in dieser Arbeit wiedergegebenen Zitaten geht immer wieder hervor, aus welchem Rassenhochmut die Verachtung aller Nichtjuden, der Gojim, zum Ausdruck gebracht wird. Wie »dumme Papageien« plappern sie die ihnen vorgesetzten Parolen nach. Sie sind eine »Schafsherde«, ihre Gehirne sind »vernebelt«. Sie sind ein »Pöbel«, ein »Rohling«, »unfähig«, sie haben »nicht die geringste Ahnung«, ihre Politiker sind »unsere Puppen, Sklaven«. Die Weisen sprechen gar (Abs. 3, Kapitel XV) von ihnen als von einem tierischen Geschlecht, während sie selbst von ihrem erhabenen Genius ausgehen und immer wieder ihr Auserwähltsein betonen.

Man muß auch hierfür aus der geschichtlichen Vergangenheit der Juden Verständnis haben. Sie sind keine staatliche Nation, die sich mit militärischer Macht Respekt verschaffen konnte. Als verfolgte und in alle Welt verstreute Gruppen waren sie gezwungen, andere Wege als die der organisch gewachsenen Nationen zu suchen, um ihre Selbstachtung und den gemeinschaftlichen Zusammenhalt nicht zu verlieren. Sie haben ihre Mittel gewählt und - das ist anzuerkennen - glänzend durchgesetzt. Sie haben aus ihrer Not eine Macht entwickelt, die sich nicht gegen irgendein Volk, sondern gegen die gesamte nichtjüdische Menschheit richtet, weil eben diese nichtjüdische Menschheit sie verfolgt, gettoisiert und verachtet hat.

Der Erfolg hat ihnen recht gegeben.

Der Erfolg ist naturgemäß verbunden mit einer Verachtung der Gegner, die ihnen diesen Erfolg leicht gemacht haben. Mit der Verachtung der Gegner wächst im gleichen Maße die Selbstverherrlichung, die Betonung der genialen Überlegenheit.

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Es liegt in der menschlichen Natur, einen akuten Feind zu schmähen, ihn zu beschimpfen, zu verachten, zu deklassieren, sich über ihn zu erheben, und zwar um so mehr, je mehr man ihn fürchtet.

Auch die Deutschen, bedingt durch ihre geopolitische Lage, in der sie von einem Dutzend feindlicher Nachbarn umgeben waren, haben sich unter einem ständigen Druck befunden, einem Selektionsdruck, der sie erstarken und über sich selbst hinauswachsen ließ. Sie wurden auf allen Gebieten ein tüchtiges Volk und provozierten damit die Furcht und die Feindschaft der anderen. Dieses Deutschland war nicht nur ein echter Rivale, sondern drohte, durch seine antikapitalistische, antiliberale, ideologische und antisemitische Ausrichtung die Weltherrschaftspläne weniger durch seine militärische Stärke als durch seine Beispielhaftigkeit zum Scheitern zu bringen. Wenn in Kapitel XIV der Protokolle zugegeben wird:

In Ländern, die als fortschrittlich und aufgeklärt bekannt sind, haben wir eine sinnlose, schlüpfrige und unsittliche Literatur geschaffen..,

so war dieses in Kenntnis der Protokolle geradezu eine Aufforderung, einer solchen Zersetzung entgegenzuwirken und unter Propagierung eines Germanenkults, ob dieser historisch gerechtfertigt war oder nicht, Sitte, Moral und Anstand als das wahre kulturelle Volkserbe zu fordern. Mag dieser rassenideologische Kult auch die gesamte Kultur, Literatur und Kunst beeinflußt oder gar beeinträchtigt haben, so war der Rassengedanke primär defensiver Natur.

Der dagegen in den Protokollen zum Ausdruck gebrachte Rassenhochmut, der für sich selbst die Reinhaltung der Rasse und Kultur beanspruchte, alle nichtjüdischen Völker und Menschen aber unter der Behauptung der Gleichheit aller Menschen in einen Schmelztiegel des Pöbels verbannte, um über der »Schafsherde« eines Tages die Weltherrschaft errichten zu können, ist der wahre aggressive Rassismus.

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