Naturwissenschaft als Kern einer demagogischen Ideologie

Es ist die feste Überzeugung eines jeden Bürgers, der in seiner Schulzeit mit dem wissenschaftlichen Denken in Berührung gekommen ist, daß diese Art der Lehre und Forschung, gar die der Naturwissenschaften, völlig ideologiefrei ist. Jede Art ideologischer oder religiöser Voreingenommenheit muß zurückgestellt oder gar aufgegeben werden, wenn sie nicht mit den Erkenntnissen der exakten Naturwissenschaften zu vereinbaren ist. Die Aussagen der Wissenschaft sind objektiv, was nichts anderes bedeutet, als daß sie jederzeit durch experimentelle Reproduktionen beweisbar sind, daß sie Gesetzmäßigkeiten erarbeiten, die so zuverlässig sind, daß wir danach am Reißbrett Hochhäuser, Maschinen, Apparate und gar Weltraumraketen planen und konstruieren können, welche dann genau jene Bedingungen erfüllen, die wir bei der Planung nur erdacht haben.

Die hierbei zugrunde liegenden Gesetzeskenntnisse lassen keine Ausnahmen zu. Sie funktionieren, weil sie funtionieren müssen. Vergegenwärtigt man sich dagegen die vorwissenschaftlichen Zeiten des religiösen Mystizismus, in denen alles Sein und Geschehen von einem unerforschlichen göttlichen Willen abhängig war, in denen das Voraussehen den verschlüsselten Aussagen von Propheten oder Astrologen überlassen wurde, in denen wir durch Glauben und Gebete ein erfolgreiches Gelingen zu beschwören versuchten, so war die naturwissenschaftliche Art des Denkens und Wissens

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geradezu eine Erlösung aus einer kindlichen Naivität. Mit den Methoden der Naturwissenschaft ist es uns möglich, die Ontogenese über Jahrmillionen zu rekonstruieren, die materiellen Dinge bis jenseits des Atoms zu analysieren und die Zusammenhänge von Ereignissen klar zu erkennen. Wir haben Stoffe künstlich synthetisiert, die in der freien Natur gar nicht vorkommen, wir haben unsichtbare Strahlen in Techniken verwandelt, die uns noch vor 100 Jahren als unerklärliche Wunder gegolten haben würden.

Damals, 1897, als der Zionistenkongreß in Basel zusammentrat, um erstmals die Forderung nach dem Staate Israel zu erheben, und als gleichzeitig jene Geheimsitzung tatsächlich oder auch nur angeblich stattgefunden hat, über die die ominösen Protokolle der Weisen von Zion berichten, standen die großen Offenbarungen naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungen noch vor uns. Die umwälzende Dynamik, welche die Welt mehr veränderte als die Jahrtausende zuvor, konnten einige wenige vielleicht ahnen, aber nicht wissen. Zu dieser Zeit oder - wenn wir die Dialoge von Joly einbeziehen - schon viele Jahre vorher wußte dieser kleine Kreis der Weisen bereits, was es mit dieser neuen Wissenschaft in Wirklichkeit auf sich hatte. So lesen wir im Kapitel II der Protokolle:

Laßt für jenes Spiel die Hauptsache sein, daß wir sie überredet haben, die Erfordernisse der Wissenschaft anzunehmen. Angesichts dieser Tatsache haben wir unablässig mittels unserer Presse ein blindes Vertrauen auf diese Theorien hervorgerufen. Die Intellektuellen der Gojim werden sich mit ihren Kenntnissen anpreisen. Sie werden alle Ergebnisse der Wissenschaft ohne ihre logische Bestätigung in die Tat umsetzen. Jene aber haben unsere Regierungsspezialisten schlau zusammengebraut, um den Geistern der Gojim jene Richtung zu geben, die wir haben wollten.

Was ist das für ein »Spiel«, zu dem die Weisen von Zion überredet haben? Was sind das für Theorien, auf die die Weisen mittels ihrer Presse ein blindes Vertrauen hervorgerufen haben? Rekapitulieren

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wir einmal die wesentlichen Etappen der Wissenschaftsentwicklung und das besondere Interesse, welches die Juden daran gehabt haben könnten:

Das allgemeine Weltbild wurde bis zum ausgehenden Mittelalter aus der Bibel interpretiert. Danach war die Erde eine schwimmende Insel inmitten eines Weltmeeres, geschaffen von Gott, dem Schöpfer aller Ordnungen des Seins und des Lebens. Alles Geschehen und das Schicksalhafte folgte und gehorchte dem unerforschlichen Willen des einzigen allmächtigen, allwissenden und ewigen Gottes.

Wenngleich das Christentum jüdischen Ursprungs ist, belastet eine religionsgeschichtliche Feindschaft das Verhältnis zwischen Christen und Juden; denn der Jesusjünger Judas Iskariot soll nach Matthäus 26/27 u.f. Jesus für einen »Judaslohn« an die Römer verraten und damit dessen heimliche Verhaftung und spätere Kreuzigung verschuldet haben. Judas erhängte sich zwar ob dieses schändlichen Verrates, aber der Fluch »Sein Blut komme über euch« lastet seitdem auf dem Volk der Juden. Daß sie aus ihrem Lande vertrieben und in alle Welt zerstreut wurden, sah man als die gerechte Strafe Gottes an. Noch lange Zeit gehörte es zum christlichen Ritual, eine Strohpuppe, welche Judas und die Juden schlechthin symbolisierte, zu Ostern zu verbrennen. Die Juden ihrerseits waren beherrscht von einem Rachegedanken, da sie die Schuld für ihre Vertreibung, Isolierung, Verfolgung und Unterdrückung den Christen anlasteten.

Im 13. Jahrhundert lebte in England der Naturforscher und Philosoph Roger Bacon. Man nannte ihn »doctor mirabilis«; denn er wandte - nach Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen - als erster das Experiment an. Dieses heute so Selbstverständliche wurde damals als Wunder angesehen; denn in seinen - apparativen - Experimenten demonstrierte Bacon, daß ein unter gleichartigen Bedingungen wiederholtes Ereignis stets dasselbe Ergebnis zeigte. Wunderbar war dieses deswegen, weil man doch in den Glauben verhaftet war, daß alles Geschehen einem unerforschlichen Willen Gottes unterlag,

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während Bacon dagegen »bewies«, daß er mit seinem Experiment bestimmte, was Gott zu wollen hat. Darüber hinaus prophezeite Bacon, daß sich der Mensch eines Tages zu Wasser, zu Lande und in der Luft ohne Muskelkraft fortbewegen können würde. Eine derartige Ketzerei rief den Klerus auf den Plan. Bacon wurde aus der Kirche verbannt und viele Jahre eingekerkert.

Im 14. Jahrhundert wurde der italienische Astronom Cecco d'Astoli auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil er wider kirchliche Dogmen behauptet hatte, daß die Erde keine schwimmende Insel im Weltenmeer, sondern eine Kugel sei. Einhundert Jahre später hob Kopernikus, Astronom und Domherr aus Thorn, das kirchliche Weltbild aus den Angeln, indem er überzeugend erklärte, daß sich nicht die Sonne um die Erde bewege, sondern umgekehrt. Nicht die Erde, sondern die Sonne sei der Mittelpunkt der Welt. Ein ganzes Jahrhundert wehrte sich der Klerus gegen dieses heliozentrische Weltbild. Zehntausende von Ketzern, die gleiche und ähnliche Zweifel äußerten, wurden verbannt oder verbrannt. Der italienische Philosoph und Freidenker Giordano Bruno, im Jahre 1600 deswegen verbrannt, wurde zum Märtyrer der neuen wissenschaftlichen Denkweise.

Je tiefer man einen Ball unter Wasser drückt, desto höher springt er wieder heraus. Im übertragenen Sinne bedeutet das, daß die moderne Wissenschaft ihren Erkenntnisdrang vornehmlich als einen Kampf gegen die sie bevormundende und unterdrückende Kirche betrachtete. Als der große Isaak Newton, einer aus dem Volk der Juden, die Gesetze der Schwerkraft vorlegte und damit die Mechanik, die Grunddisziplin der Physik, begründete, wurde damit der Grundstein für ein mechanistisches Weltbild, der naturwissenschaftlichen Grundlage des Materialismus, gelegt.

Baruch Spinoza, ein aus Portugal stammender jüdischer Holländer, war einer der ersten, der das Newtonsche Weltbild in einer Lehre vom Determinismus zu einer Identitätsphilosophie verarbeitete. Er lehrte die Identität von Gott und Natur, einen »Pantheismus«, in dem

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der göttliche Wille durch eine mechanistische Determiniertheit, also die strenge Folge von Ursache und Wirkung, eingeschränkt wurde. Wegen seiner religiösen Freigeistigkeit wurde er sogar aus der Gemeinschaft der Juden ausgeschlossen.

Die Juden nämlich, als Gastvolk unter den Christen ohnehin nur widerwillig geduldet und durch die Inquisition bereits seit dem 12. Jahrhundert in Europa der Verfolgung ausgesetzt, wollten es nicht riskieren, daß einer aus ihren Reihen sich so sehr gegen die Kirche exponierte. Außerdem aber war ihr eigener Monotheismus davon ebenfalls betroffen.

Doch die neue Gedankenwelt, die das Glauben durch eine kritische Vernunft zu ersetzen bestrebt war, setzte sich durch. Es galt das experimentelle Beweisdenken, nach dem nur das als Wirklichkeit Bestand hat, was experimentell bewiesen werden kann. Es begannen die Aktivitäten der »Aufklärer«, repräsentiert durch den französischen Philosophen, Dichter und Historiker Voltaire, der einige Jahre am Hofe Friedrichs des Großen in Preußen verbrachte und dessen poetischer Lehrmeister wurde. Seine Aufklärung war gezielt kirchenfeindlich.

1833 forderte nunmehr Ludwig Feuerbach in seiner Reform der Philosophie die endgültige Abkehr von der These, daß das Sein vom Denken komme und die Hinwendung zu der Tatsache, daß das Denken vom Sein komme. Lenin formulierte später, daß der Geist, das Denken, die Leistung einer hochorganisierten Materie sei.

1848 stellte Karl Marx die berüchtigte These auf, daß Religion das Opium des Volkes sei und verwandelte Hegels Dialektischen Idealismus in einen »Dialektischen Materialismus«. Und als Charles Darwin im Jahre 1859 seine Arbeit über Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl veröffentlichte, war die Begeisterung der antiklerikalen Wissenschaftler besonders groß, weil damit die These von der einmaligen und unveränderten Schöpfung der Kreaturen, also das göttliche Schöpfungsmonopol, als bisher unangetastete religiöse Bastion auch noch in Frage gestellt wurde.

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Zwar ist kein Biologe jemals mit den Darwinschen Theorien glücklich geworden, doch allein die Feststellung, daß der Mensch nicht die Krone göttlicher Schöpfung sei, sondern vom Affen abstamme, wurde, was Darwin selbst gar nicht so sehr in den Vordergrund gestellt hatte, als der größte Triumph über die Kirche gefeiert.

Man kann sich vorstellen, daß die Juden als Erzfeinde des Christentums diese Entwicklung, an der sie kräftig mitgewirkt haben, nicht nur mit einer gewissen Genugtuung verfolgt haben; sie interpretierten diese Entwicklung vielmehr als einen geplanten taktischen Schachzug, der ihren Zielen und Zwecken untergeordnet war. So liest man in Kapitel II der Protokolle folgende Passage:

Denken Sie an die Erfolge, die wir mit dem Darwinismus, Marxismus und Nietzschismus errungen haben. Wir Juden sollten in jeder Beziehung klar erkennen, welche unermeßlichen Verwüstungen diese Richtung in den Geistern der Gojim angerichtet hat.

Für sie also war es kein Triumph einer objektiven, allein der Wahrheit dienenden Wissenschaft, sondern die Bestätigung einer Strategie, welche »unsere Regierungsspezialisten schlau zusammengebraut haben«, um die geplante Verwirrung in den Geistern der Gojim zu erreichen. Man muß sich zurückversetzen in das vorige Jahrhundert, als die große Masse des Volkes in den Kirchen immer noch ihrem Glauben huldigte, und ein kleiner Kreis von Intellektuellen unter Berufung auf wissenschaftliche Erkenntnisse das Primat der christlichen Lehre und Weltsicht als eine Verdummung des Volkes zu verhöhnen begann. Sie legten die Zweifel und ersetzten den Glauben durch ein besseres Wissen.

War es ein besseres Wissen? Während die einen wußten, daß sie glauben, glaubten die anderen, daß sie es wüßten - wer war da der Wahrheit näher? Erstaunlich ist eine Passage im Kapitel IX der Protokolle, in der es heißt:

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Wir haben unsere Hand... aber hauptsächlich in der Erziehung und Bildung als den Ecksteinen eines freien Daseins. Wir haben die Jugend der Gojim irregeführt, getäuscht und verdorben, indem wir sie nach Grundsätzen und Theorien erzogen, die uns zwar als falsch bekannt sind, die wir ihnen aber dennoch einschärften.

Bedeutsam ist hier die Formulierung von den Ecksteinen eines »freien Daseins«, womit nichts anderes gemeint ist als eine Befreiung von traditionellen und autoritären Doktrinen. Heute fordern wir mehr denn je eine Freiheit der Wissenschaft, Forschung und Lehre und meinen damit deren Unabhängigkeit von parteipolitischen Zielen und Zwecken. War es schon damals das Ziel der Weisen, unter dem Schutz der Freiheit der Lehre ihren Einfluß hierauf so auszuüben, wie es bald darauf in Amerika geschah? Es war die Familie Rockefeller, seinerzeit als Rocquefeuille (Felsenblatt) aus Frankreich nach Deutschland eingewandert und von hier als Rockefeller in die USA emigriert, welche durch das Ölgeschäft zu Reichtum kam und über steuerfreie Stiftungen eine Menge von Universitäten, Diplomatenschulen und anderen Bildungsstätten gründete, um damit die freie Lehre zu kontrollieren.

Warum aber dieser Aufwand, wenn letztlich die von den Weisen kontrollierte Lehre nach Grundsätzen und Theorien erzieht, »die uns zwar als falsch bekannt sind«, die sie aber dennoch einschärfen, um die Jugend der Gojim - nicht auch die der Juden? - irrezuführen, zu täuschen und zu verderben?

Damals, als die Protokolle durch die gegen Napoleon III. gerichtete Streitschrift des Freimaurers M. Joly verfaßt wurden, begann sich der wissenschaftliche Materialismus oder die materialistische Wissenschaftsauffassung durchzusetzen. Die gewaltige Dynamik dieser neuen Wissenschaftsrichtung stand erst am Anfang ihrer explosiven Erkenntnisentwicklung. Von dem Fortschritt, den wir heute wie als etwas Selbstverständliches genießen, hat man damals kaum zu träumen gewagt. Dennoch behaupten die Weisen, diese

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wissenschaftlichen Theorien und Grundsätze schon als falsch erkannt zu haben.

Später erst, als Max Planck das Wirkungsquant entdeckte, als 1905 Albert Einstein die zunächst noch umstrittene spezielle Relativitätstheorie vorlegte, als man das als unteilbar angenommene Atom in immer mehr Elementarteilchen zerlegen konnte, als die Newtonsche mechanistische Kausalität unhaltbar wurde, als sich die angeblichen Naturfundamente von Raum, Zeit und Masse als nur willkürlich gewählte Orientierungshilfen erwiesen, konnte sich allmählich die Erkenntnis durchsetzen, daß die Naturwissenschaft nur eine von wahrscheinlich unendlich vielen Möglichkeiten ist, eine einzige Seite dieser Welt zu beschreiben. Damals aber, 1864 oder 1897, war diese Erkenntnisentwicklung noch gar nicht abzusehen.

Erinnern wir daran, mit welchem Aufwand die Zionisten in den zwanziger Jahren die Echtheit der Protokolle und damit ihre Verantwortung für das, was darin geschrieben wurde, bestritten haben. Warum? Es ist unbestritten, daß sich die in aller Welt verfolgten und unterdrückten Juden zu einem der intelligentesten Völker entwickelt haben. Gerade sie mußten sich mehr als alle anderen darum bemühen, mehr zu wissen und mehr zu können, um Anerkennung zu gewinnen. Die führende Rolle der Juden in Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Wirtschaft ist unbestreitbar. Wenn wir schon Einstein als einen großen Vorausdenker verehren, warum sollten dann nicht auch die Weisen von Zion, welche Personen auch immer damit gemeint gewesen sind, jene Weisheit besessen haben, die schon frühzeitig erkannt hat, was es mit dieser materialistischen Wissenschaftsauffassung in Wahrheit auf sich hat.

Lesen wir im Kapitel XIII der Protokolle weiter über den Sinn und Zweck der bewußten Falschlehre:

Darum werden wir ihre Gedanken auch weiterhin auf leere Begriffe, phantastische Theorien und neue, scheinbar fortschrittliche Ideen hinlenken. Denn haben wir nicht die hirnlosen Köpfe der Gojim mit vollem Erfolg durch Fortschrittsphrasen verdreht gemacht, bis es

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zuletzt keinen Goy mehr geben wird, der begreifen könnte, daß in diesem Wort die Verdunklung der Wahrheit liegt, und zwar überall da, wo es sich nicht um materielle Erfindungen handelt? Denn die Wahrheit ist Eins, und in ihr ist kein Raum für den Fortschritt. Der Fortschritt dient wie jede trügerische Idee dazu, die Wahrheit zu verdunkeln, so daß sie niemand erkennen kann außer uns, dem auserwählten Volke, die wir ihre Hüter sind.

Dieser Fortschritt also, den der staatskapitalistische Kommunismus auf seine Fahnen geschrieben hat, weil er den einzig möglichen Weg ins Paradies der Arbeiter und Bauern kennzeichnet, oder der Fortschritt des westlichen Privatkapitalismus, der sich von einem ständigen Wirtschaftswachstum abhängig gemacht hat, diese Fortschrittsideen verdrehen »die hirnlosen Köpfe der Gojim«, sie sind trügerische Ideen, welche die Wahrheit verdunkeln.

Und diese trügerischen Ideen, denen inzwischen die ganze Menschheit frönt, haben die Weisen zu keinem anderen Zweck lanciert, als eine geistige Verwüstung in den Gehirnen der Gojim, der Nichtjuden also, zu erreichen? Ist das eine übertriebene, durch nichts begründete Anmaßung oder eine ebenso erstaunliche wie bewundernswerte prophetische Weisheit? Wenn diese zunächst keinen anderen Sinn und Zweck gehabt haben sollte, als die Wahrheit zu verdunkeln, was ist dann die wahre Wahrheit, die »niemand erkennen kann außer uns, dem auserwählten Volk, der wir ihre Hüter sind«?

Was diese Wahrheit in Wirklichkeit ist, verraten die Protokolle nicht. In Kapitel III jedoch wird angedeutet, was die Weisen tun und lehren werden, wenn sie dereinst, als Retter aus einem geistigen Chaos gerufen, die Macht übernommen haben:

Die Gojim haben die Gewohnheit des Denkens verlernt, wenn sie nicht von den Eingebungen unserer Spezialisten angetrieben werden. So sehen sie nicht, daß wir, wenn unser Königreich gekommen ist, zugleich eines tun werden, nämlich in nationalen Schulen ein Stück

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Wissenschaft, die Grundlagen aller Wissenschaften zu lehren - die Wissenschaft von dem Bau des menschlichen Lebens ...«

Was ist die Wissenschaft von dem Bau des menschlichen Lebens? Es gibt in der Tat keine Disziplin, welche dieses »Leben« lehrt oder gar erklärt. Was ist das Leben? Eine Funktion aus Physik und Chemie?

Im vergangenen Jahrhundert wurde intensiv für und gegen die neue materialistische Wissenschaftsauffassung gekämpft. Im Jahre 1880 war Emil Dubois-Reymond, Physiker, Physiologe und Philosoph, Präsident der königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Er hielt damals eine aufsehenerregende Rede, die als »Ignorabimus-Rede« in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen ist. Ignorabimus heißt, wir werden es nicht wissen. Unter diesem Tenor stellte er sieben Welträtsel auf, die er für unlösbar hielt. Es handelte sich dabei um l. das Wesen von Kraft und Materie, 2. den Ursprung der Bewegung, 3. das Wesen und die Entstehung der Sinnesempfindungen, 4. die Willensfreiheit, 5. die Entstehung des Lebens, 6. den Zweck der Natur und 7. Wesen und Ursprung des Denkens.

Wir müssen wohl eingestehen, daß wir einerseits eine Antwort auf diese Fragen nicht kennen und daß es auch keine Wissenschaft gibt, welche diese Probleme zu lösen beauftragt ist. Andererseits aber ist ein Weltbild, eine Wahrheit, ohne Lösung dieser Fragen mehr als unvollkommen. Und tatsächlich ist die Lösung dieser Fragen unmittelbar verbunden mit einer Wissenschaft vom Bau des menschlichen Lebens. Wenn sich die Physik als die Lehre von den Kräften bezeichnet, so lehrt sie von den Kräften selbst nichts, sondern nur von ihren Wirkungen, welche unter bestimmten Bedingungen entstehen. Was beispielsweise wissen wir von der Muskelkraft? Nicht mehr als eine nachträgliche Berechnung einer Leistung, die wir mit Hilfe der Muskelkraft vollbracht haben. Diese Kraft aber ist untrennbar verbunden mit dem Komplex Leben; denn

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wenn dieses Leben beendet ist, ist auch die Muskelkraft verschwunden.

Der große Widersacher von Emil Dubois war Ernst Haeckel, Biologe und Philosoph. Er war der Begründer der volkstümlichen Philosophie des Monismus, in der Haeckel alles Sein und Geschehen, auch die Psyche und das Denken, als bloße Funktionen der allein realistischen Materie erklärte. Er veröffentlichte 1899 ein Buch über die Welträtsel, in dem er behauptete, daß diese angeblich unlösbaren Rätsel entweder bereits gelöst seien oder kurz vor ihrer Lösung stünden.

Wir wissen, daß noch keines dieser Rätsel bis heute gelöst ist. Damals jedoch gab es kaum mehr als zwei Dutzend Wissenschaftsdisziplinen, welche - nach Haeckel - schon kurz vor der Lösung aller Rätsel und Probleme zu stehen glaubten. Inzwischen aber haben wir weit mehr als zweitausend Wissenschaftsdisziplinen. Jede Disziplin, zur Lösung einer Aufgabe angesetzt, stößt auf neue Probleme, zu deren Lösung neue Disziplinen angesetzt werden, so verzweigt und verästelt sich der Bau unseres Wissens immer mehr. Aber was wissen wir wirklich? Es ist, als ob wir ein Team von Kriminalisten darauf ansetzen, unter einer Gruppe von Unschuldigen den Täter zu suchen. Sie werden sich eifrig bemühen, Material zusammenzutragen, und dabei auf immer mehr Indizien und Verdachtsmomente stoßen, welche sie veranlassen, weitere Kriminalisten darauf anzusetzen. Ihre Akten, ihr Wissen, wird immer umfangreicher, ihr Apparat immer größer, doch je näher sie sich der Überführung glauben, desto weiter entfernen sie sich von dem wirklichen Täter.

So ist es mit unserer materialistischen Wissenschaftsauffassung, von der die Weisen behaupten, sie hätten ihr diese Richtung verliehen, um die Gojim auf eine Spur der Fortschrittsideen zu setzen, um sie damit von der Wahrheit abzulenken.

Nun ist ja die Wissenschaft, selbst wenn deren Freiheit gefordert wird, nicht reiner Selbstzweck, sondern immer nur ein den mensch-

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liehen Gesellschaften untergeordneter Zweck. Warum legen die Weisen einen so großen Wert darauf, die Gojim bewußt und gezielt auf eine falsche Spur zu setzen? Warum kommt es ihnen darauf an, die religiösen Glaubensbindungen zu zerstören und diese durch Theorien zu ersetzen, die ihnen als falsch bekannt sind?

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