GERHARD PFOHL
Wahrheit und Pietät

Schnell ist die Tat dem Äug des Tags entschwunden,
Doch ist sie nicht verloren und zu nickte,
Sie bleibt, als hätt ein Zauber sie gebunden,
Gefesselt von dem Auge der Geschichte.
Nikolaus Lenau

»Die Wahrheit ist das Auge der Geschichte.« Hellmut Diwald drängte sich 1989 dieses Wort des klassischen Historikers Polybios auf und er erinnert dabei an Ranke, welcher das Ziel der Geschichtsdarstellung in der »Vergegenwärtigung der vollen Wahrheit« gesehen habe 1. Immer schon hatte Professor Diwald seinen Mut zur Geschichte mit seinem Mut zur Wahrheit verquickt 2; denn auch aus der Geschichte ergebe sich die Wahrheit, auch aber wußte er um »die ganze Brisanz« seiner Formel von Geschichte und Wahrheit, sie dünkt ihm »hochexplosiv«. Das aber machte ihn nicht mutlos; 1985 erschien sein Buch Mut zur Geschichte 3, in dem hinwieder die »historische Wahrheit« sein Leit- und Leidmotiv ist wie schon dem großen Sokrates und seit ihm, in dem er Geschichte und Wahrheit in innigem Verbünde erblickt. »Wenn der Mut zur Wahrheit identisch ist mit dem Mut zur Geschichte, dann müssen wir auch so tapfer sein, nichts zu verleugnen, was zu uns gehört und zu dem wir selbst gehören.« Das mag so gesagt sein, leicht getan ist es nicht: denn wieso würde es sonst einer Tapferkeit bedürfen? Jedenfalls erachtet Hellmut Diwald des Karl Jaspers Forderung von 1951, die »Ausbildung eines deutschen Geschichtsbildes« für unerfüllt. Richtig ist so viel: »Uns steht die Erinnerung an Wahrheiten zu, deren Gehalt von keinem Datum abhängt« 4.

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I.

»Die Wahrheit ist das Auge der Geschichte«, es ist ein gestrafftes Zitat aus den ›Historiai‹ des Polybios von Megalopolis, der im 2. Jahrhundert vor Christus lebte. Lange suchte ich das Original, dann wandte ich mich an Professor Frank W. Walbank (Cambridge/England), den Polybioskenner und Polybioskommentator 5. Ihm verdanke ich die Stelle 114, 6:

ώσπερ γαρ ζώου των όψεων άφαιρεδεισων άχρειοΤται το 6'λον, οΫτωσς εξ ιστορίας άναιρεδεΐσης mffη όλη δειράς το καταλειπόμενον αυτής ανωφελές γίνεται δι ήγημα. 6

»Genau so wie ein lebendes Geschöpf, das man seines Augenlichts beraubt hat, vollkommen behindert ist, so bleibt, wenn man von der Geschichte die Wahrheit wegnimmt, von ihr eine unnütze Erzählung übrig.« 7 Polybios wünscht wirkliche Forschung (di autes tes historias), eine pragmatische systematische Geschichtsschreibung (pragmatike historia, pragmateia), bei der es auf die ›prattomena‹ ankommt, auf das was sich wirklich tut, getan hat 8. Im Ganzen und im Einzelnen (schema kath' holon kai meros) kommt es ihm auf die volle Wahrheit an: »Mit Beifall wird XII 11,8 das Wort des Timaios zitiert, der größte Fehler in der Geschichtsschreibung sei die Unwahrheit (pseudos); wer sich dabei betreffen lasse, der solle für seine Schriften einen ändern Namen suchen, jedenfalls sie nicht ›historia‹ nennen 9. (. . ) Natürlich ist man (XVI 14,7) als Mensch nicht gegen Irrtümer aus Unkenntnis gefeit. Aber wenn wir aus Vorsatz Falsches schreiben (kata proairesin pseudographomen), so unterscheiden wir uns in nichts von den feilen Lohnschreibern (ton apo toutou ton bion porizomenon). Zeitgenossen und Nachfahren fordert er auf (XVI 20, 8), wenn er sich in seiner Arbeit auf einem vorsätzlichen (kata prothesin) Verstoß gegen die Wahrheit betreffen lasse, ihn unnachsichtlich zu verdammen; wenn aber auf einem unwissentlichen, dann ihm zu verzeihen, zumal im Hinblick auf den großen Umfang des Werkes und seinen universalhistorischen Charakter« 10. Die Wahrheit sei von Natur aus die größte Göttin, »manchmal auch lange Zeit verdunkelt gewinnt sie am Ende doch den Sieg und kämpft aus eigener Kraft die Lüge nieder« 11. Polybios warnt die Hundertprozentigen vor Einseitigkeit: denn die Menschen tun nicht immer das Richtige noch immer das Falsche (I 14).

Anliegen und Topos des Polybioswortes gelten bis in jüngste Gegenwärtigkeit. Am 2. Oktober 1992 hatte eine Festveranstaltung der Sudetendeutschen Landsmannschaft zum 80. Geburtstag ihres Altsprechers Dr. Walter Becher stattgefunden, die Broschüre der gehaltenen Reden trägt den Titel Die Wahrheit ist das Auge der Geschichte 12. Der deutsche Botschafter Erwin Wickert verfaßte einen Aufsatz »von der Wahrheit im historischen Roman und in der Historie«13; darin befaßt er sich ernsthaft mit Polybios als dem Geschichtsphilosophen der Wahrheit und er zitiert dabei diese Stelle: »Die bloße Darlegung der Tatsachen selbst ist lediglich unterhaltend, bringt uns aber keinerlei Nutzen«

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(psychagogei men, ophelei d'ouden) 14. Es läßt an die hippokratische Maxime ›nil nocere‹ denken: nützen und wenn schon nicht nützen, so doch wenigstens nicht schaden 15.

II.

Hellmut Diwald hat es sich mit der Wahrheit nicht einfach gemacht, er hatte ein wachsames Auge auf sie. Das Polybioswort hörte ich aus seinem Munde persönlich. Er war ein wahrhaftiger Mensch, was nicht besagt, daß ein solcher in allem recht hat. Aber unsere Pflicht ist unser Dank. Undank ist wie Diebstahl. Wichtig sind Aufrichtigkeit und Offenheit, gegenüber Freunden und Völkern. Denn nur wer sich äußert ist korrigierbar. Das führt uns am Ende alle weiter, wenn auch nicht ans Ziel - dieses ist Gott allein. Dios solo basta. Gott allein basta 16. Ich weiß, aus welcher Schule Professor Diwald kommt: wir haben zusammen in Erlangen studiert und hatten gemeinsame Lehrer: Hans-Joachim Schoeps in Religions- und Geistesgeschichte 17, den Germanisten Friedrich Stroh, die Althistoriker Johannes Sträub und Helmut Berve 18 und den Graecisten Kurt Witte. Dieser legte uns eindringlich Spinozas Devise ans Herz: Humanas actiones non ridere, non lugere neque detestari, sed intellegere 19. »Die Handlungen der Menschen nicht belächeln, nicht beweinen noch sie verabscheuen, sondern verstehen.«

Diwald stellte sich die klassische Frage des Lukianos von Samosata (2. Jh. n. Chr. ): pos dei historian syngraphein. »Wie muß man Geschichte schreiben?« Und er hatte in Erlangen wie wir alle klassische Lehrer 20. Er ist in die Schule des Thukydides gegangen, »daß die Geschichte nicht der augenblicklichen Unterhaltung des Lesers, sondern der genauen Erkundung der Wahrheit und so der Belehrung zu dienen hat« 21: ktema es aiei mallon e agonisma es to parachrema akouein. »Nicht als agonales Prunkstück, sondern als einen über die Zeiten reichenden Besitz (ktema es aiei) geschaffen« 22. »Wenngleich die einzelne Situation etwas schlechthin Unwiederholbares ist, so geben sich dem Kundigen in ihr doch Kräfte zu erkennen, die dem Bereiche des Stetigen angehören« 23. Bei Thukydides ist »alles dem einen Zwecke dienstbar gemacht: zu ermitteln, wie es in Wahrheit gewesen ist«24. »Thukydides doziert nicht, er stellt dar« 25. »Mit der Methode des ›eikazein‹ sucht er so nahe an die Wahrheit heranzukommen, wie es eben möglich ist« 26. Immer geht es um den Begriff der inneren Wahrheit. Dazu gehört epochemachend die kritische Unterscheidung zwischen rein äußeren und äußerlichen Anlässen und Erscheinungen und der eigentlichen tieferen Ur-Sache.

Im fünften Buch des Thukydides (V 89) hat Diwald gelernt, die verschleiernden für die Öffentlichkeiten fabrizierten Scheinargumente, das Geschmeiß zynischer Arroganz offizieller Lüge (onomata kala »schöne Worte«) von den wahren Absichten (alethos phronein »das wirkliche Denken«) zu unterscheiden. Fern den geschichtlichen Deterministen, fern dem Chronozid öffnete er

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sich der inneren Wahrheit der Dinge. Er wollte Zusammenhänge erkunden und konnte es, weil er es konnte. Dazu muß man ein philologischer Mensch sein: »der warme Wind bemüht sich noch um Zusammenhänge, der Katholik« (Bertolt Brecht). »Der Gedanke in den Werken der Klassiker« er mag ruhig arrogant sein, »denn er ist seiner Nützlichkeit sicher. Es bekümmert ihn nicht, daß du ihn schon kennst, ihm genügt es, daß du ihn vergessen hast« (B. Brecht). Es müssen alte Normen obwalten, die der Homerexegese des Aristarch 27: Homer aus sich selbst erklären, der Dichter interpretiert sich selbst (Homeron ex Homerou saphenizein auton exegoumenon heauton, pote men parakeimenos, allote d'en allois). Mit solch innerer Kritik gibt man den Epochen und ihren Autoren ihre eigene Dignität, so daß sie nicht zu Steigbügelhaltern späterer Fortschrittsfetischisten degradiert sind. Freilich verliert, und zwar zurecht, seine Gültigkeit was Cicero noch meint: Historia vitae magistra. ›Vérité historique‹ sehr wohl, nicht ›vérité politique‹, nicht Tendenzgeschichte 28. Die so gewonnene historische Wahrheit braucht nicht das Wenn und Aber von Zeitgemäßigkeit, sie kann sich das einfache Wort leisten: denn »das Wort der Wahrheit ist immer einfach« (Euripides); simplex sigillum veri »das Siegel des Wahren ist einfach« 29.

Stiftung der klassischen Antike sitzt die wissenschaftliche Wahrhaftigkeit den abendländischen Menschen tief im Blute. Sie äußert sich allerorten. Da findet der Romreisende in der Vorhalle der Kirche S. Maria in Cosmedin den Wahrheitsmund, »la Bocca della Verità« 30. Da haben wir Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten: nicht wahr? So wahr mir Gott helfe. Wahr und wahrhaftig. Das kann doch nicht wahr sein. Das ist schon gar nicht mehr wahr. Im wahrsten Sinn des Wortes. Die größten Feinde der Wahrheit sind die schrecklichen Vereinfacher, die »terribles simplificateurs« des Jacob Burckhardt, vor denen auch Eduard Schewardnadse warnt 31. Galileo Galilei soll gesagt haben: »Wer die Wahrheit nicht weiß, ist bloß ein Dummkopf; wer sie aber weiß und dennoch Lügen spricht, der ist ein Verbrecher«. H. Diwald 32 spricht vom »triumphierend hingeschmetterten Wort« Pravda vitezi, das Masaryk nicht gehört, er hat es dem lateinischen Sprichwort entnommen: veritas vincit. Der Sozialdemokrat Volkmar Gabert schreibt am 28. Jänner 1994 in der Sudetendeutschen Zeitung S. 3 f. einen Brief an Pavel Kohout; die Überschrift ist »auf der Suche nach der Wahrheit geschrieben« und er konstatiert: »Ich kann Ihren gemachten Feststellungen in wesentlichen Punkten nicht folgen, weil sie nicht der historischen Wahrheit entsprechen. (. . ) Der Brief ist auf der Suche nach der Wahrheit geschrieben worden«. In derselben Zeitung am 21. Jänner 1994 S. 4 wird über ein Interview mit Jiri Dienstbier berichtet; er antwortete dem Fragenden: »Wir hatten erstmals nach dem Krieg die Möglichkeit gehabt, uns zur Abschiebung als einer Kollektivstrafe zu äußern, die auch viele unschuldige Leute betroffen hatte. Sogar auch diejenigen, die gegen den Faschismus gekämpft hatten. Es ist nicht möglich, eine demokratische Gesellschaft aufzubauen, wenn sie über ihr eigenes Versagen nicht die Wahrheit

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sagt«. Der Innsbrucker Rektor Josef Kolb sprach in seiner Antrittsrede 1971 über »wenige Worte über wahre Werte und wirksame Werke zum Wandlungsoptimum« 33. Jüngst schrieb Kardinal Joseph Ratzinger ein Büchl über Wahrheit, Werte, Macht - Prüfsteine der pluralistischen Gesellschaft 34. Und Einleitung der neuesten päpstlichen Moralenzyklika, Entzücklika ist ›Veritatis splendor‹ »der Wahrheit Glanz«. Am 26. Dezember 1993 starb der Baseler Professor Max Thürkauf, ein Kritiker der modernen Naturwissenschaft. Pater Niklaus Pfluger sprach in seinem Nekrolog von des Toten Suche nach der Wahrheit, der Liebe zur Wahrheit, dem Zeugnis für die Wahrheit 35.

III.

»Was Wahrheit ist, das weiß ich nicht« bekennt 1993 Botschafter Wickert 36. Die Pilatusfrage ›quid est veritas?‹ ist also unbeantwortet, weil nicht zu beantworten. Wer also vorgibt im Besitz der Wahrheit zu sein lästert Gott. Nachzudenken ist über des Menschen Wesen, das ›ethos anthropeion‹ »menschliches Wesen« des Heraklit. »Sein Wesen ist dem Menschen sein Dämon« (ethos anthropo/i daimon) 37. Sein Wesen sind seine Beschränktheit und Engstirnigkeit in Wortsinn und Ausdrücklichkeit. Das war dem Logographen Hekataios von Milet (555-497) bekannt: »Das Vorliegende schreibe ich, wie es mir wahr zu sein scheint; denn die Erzählungen der Griechen sind ebenso zahlreich wie lächerlich, wie sie mir scheinen«. »Wahrheit und Richtigkeit im juristischen Denken« ist durchaus ein fragwürdiges Thema unserer Zeit 38. Es kann nicht anders sein, wir sind alle Geschöpfe unserer Biographien, ihre Opfer und Gesegneten. »Wahrhaftigkeit ist weder Doppelseitigkeit noch Objektivität, Wahrhaftigkeit ist gerade die uneigennützige Subjektivität« 39. Auch einem anderen entgeht der Mensch nicht: Res in tantum intellegitur, in quantum amatur. »Eine Sache wird nur insoweit erkannt als sie geliebt wird.« 40

Der moderne Wissenschaftsbegriff, der vornehmlich naturwissenschaftlich ist, beruht auf der Wiederholbarkeit der Experimente, der Überprüfbarkeit der Behauptungen, der Falsifizierbarkeit der Theorien. Dieser Wissenschaftsbegriff ist nicht bedingungslos überall gültig 41. Die Geschichte z. B. kennt Wiederholung nicht, sie ist schon gar nicht reproduzierbar, falsifizierbar freilich schon. Bloße Meinungen können Daten und Taten sein. Geschichte ist eben nicht reproduzierbar und daher auch nicht adaequat und bezüglich einer Belehrung fraglich. Der Grundsatz ›historia magistra‹ ist gefährlich, weil er die Gegenwart der Vergangenheit überstülpt je nach des Tages Laune und Politik und ›political correctness‹. Deswegen ist es schon methodenkritisch fraglich, ob aus der Geschichte zu lernen sei. Am 17. Dezember 1824 sagte Goethe zum Kanzler F. v. Müller: »Die Geschichte läßt ganz wundersame Phänomene hervortreten, je nachdem man sie aus einem bestimmten Kreispunkt betrachtet. Und doch kann eigentlich niemand aus der Geschichte etwas lernen, denn sie enthält ja nur eine Masse von Torheiten und Schlechtigkeiten« 42. Das

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erinnert an Burckhardt: »Das einzige, was man aus der Geschichte lernen kann, ist, daß man nichts aus ihr lernt«. Im Nachruf auf den großen Historiker Helmut Berve, der Diwalds und mein Lehrer war, macht der Münchener Althistoriker Hermann Bengtson darauf aufmerksam, daß nach Berves Dafürhalten »die Geschichte keine Rezepte zu geben vermöge und daß der Historiker kein Prophet sei« 43. In der Festrede »Friedensordnungen in der griechischen Geschichte« handelt Berve davon und zum Schluß sagt er: »Gewiß gibt die Geschichte keine Rezepte und der Historiker ist kein Prophet« 44. Auch Thomas Nipperdey hielt nicht viel von der Ansicht, einer könne aus der Geschichte lernen; die wertfreie Geschichtsbetrachtung trage ihren Sinn in sich selber. Nach Thornton Wilder ist »Geschichtsschreibung Planung für die Vergangenheit« und Paul Reynaud denkt so: »Aus den Geschichtswerken erfährt man mehr über die Historiker als über die Geschichte«.

Eduard Schewardnadse verdanken wir ein Buch über Die Zukunft gehört der Freiheit 45. Auf der Seite 254 meint er noch: »Auch sind die Lehren der Geschichte allerhand wert«, auf der nächsten Seite aber ist zu lesen: »Generell bin ich dagegen, daß man über die Geschichte rückblickend richtet, dagegen, daß man versucht, sie in die ›richtige‹ und die ›irrtümliche‹ zu teilen. Was geschehen ist, läßt sich nicht aus der Welt schaffen. (. . ) Es wäre absurd, wollte man an unserem heutigen Maßstab die Vergangenheit messen und fragen, wieso man damals (1945) so und nicht anders verfahren sei. Und noch eines: Nicht wir waren es, die als erste eine Atombombe zur Explosion brachten«. Er ist skeptisch bei der »Gegenüberstellung von ›damals‹ und ›heute‹ außerhalb des konkreten historisch-politischen Kontexts«, das erscheint ihm »anfechtbar, um nicht zu sagen methodologisch falsch« (S. 257). »Die Vergangenheit sträubt sich dagegen, sich ›abschließen‹ zu lassen« (S. 297). Er mißtraut den Prognosen und Propheten; »nicht ohne Grund erhebt die moderne Futurologie Anspruch darauf, als exakte Wissenschaft zu gelten, doch auch ihre scheinbar exakten Computerberechnungen und mathematischen Modelle scheitern an der Unkalkulierbarkeit des Lebens« (S. 270 f. ).

Hellmut Diwald sieht das Problem so: »Immer wieder hörten Historiker das Zweifelnde: Was läßt sich aus der Geschichte lernen? Eine Frage von gnadenloser Schlichtheit. Sie war von jeher falsch gestellt. Es geht nicht darum, was die Geschichte lehren kann und lehrt, sondern um das Problem, warum man nicht aus ihr lernt, nichts lernen kann oder lernen will. Was Nutzanwendungen betrifft, verhält es sich mit der Geschichte nicht anders als in jeder Sparte, in der es um unsere Lernbereitschaft und Lernfähigkeit geht« 46.

Der Amsterdamer Soziologe Gerhard L. Durlacher antwortete auf die Frage »Sie glauben nicht, daß man aus der Geschichte lernen kann?« so viel: »Nein, im Gegenteil: Man lernt, es noch schlimmer zu machen. Das einzige, was man tun kann, ist, gegen das Vergessen anzusteuern« 47.

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IV.

Durchschaut hat unsere Engstirnigkeit schon der griechische Philosoph Protagoras: »Über die Götter allerdings habe ich keine Möglichkeit zu wissen weder daß sie sind noch daß sie nicht sind noch wie sie etwa an Gestalt sind; denn vieles gibt es was Wissen behindert: die Nichtwahrnehmbarkeit und daß das Leben des Menschen kurz ist«48. Arzt und Philosoph war Alkmaion von Kroton, dessen Selbstbescheidung heute noch unüberholt in Kraft ist: »Über das Unsichtbare wie über das Irdische haben Gewißheit die Götter, uns aber als Menschen ist nur das Erschließen gestattet« 49.

Es gibt Fakten und Interpretationen. Letztere sind rein individuell und sie haben individuell verschiedenes Recht. Faktenhuberei und Maulwurfhistorie sind von vornherein lächerlich. »Nicht aus ›der Geschichte‹ lernen wir, wie man zu sagen pflegt; Geschichte ist der täglich wachsende Haufe stummer dummer Fakten; erst vom Geist durchleuchtet kann sie die Gegenwart lehren« 50. »Der Historiker aber, als redlicher Wissenschaftler wohlgemerkt, wird die Fakten sine studio auswählen, sich hüten, sie so zu behauen, zurechtzubiegen oder gar zu fälschen, etwa um sie für eine vorgefaßte Theorie passend zu machen. Dem Historiker sind sie das Material, aus denen er sein Gebäude errichtet. Sie sind ihm sakrosankt oder sollten es sein. Doch jeder weiß, auch die Hand des Historikers, selbst wo er sine studio die Wahrheit sucht, wird schon in der Auswahl der Fakten gelenkt: Sein Auge ist durch seine Persönlichkeit, seine Erfahrungen, seine Zeit, seine früheren Forschungen und Publikationen konditioniert. (. . ) Er ist Objekt und Subjekt zugleich. (. . ) Die ganze Wahrheit wird er ebenso wenig erkennen wie der Autor historischer Romane, aber beide können sich ihr annähern« 51.

Ist schon die Faktensuche nicht zweifelsfrei, ist es deren Interpretation um so mehr. Das erste Interpretationsseminar wird an sprachlichen Gebilden abgehalten und wie es sich da verhält, wie frei und vage der Leser sein kann und es darf, das erfährt man gut aus einer Rede, welche mein Erlanger Studienkommilitone Hans Magnus Enzensberger in Amerika gehalten hat: »Ein bescheidener Vorschlag zum Schütze der Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie. Den Deutschlehrern der Republik zugedacht« 52.

Den Positivismus haben wir ja gottlob hinter uns und amüsant dabei ist dies: »Die Aufstellung des Falsifikationsprinzips durch Karl R. Popper (im Jahre 1935, also schon vor fast einem halben Jahrhundert !) hatte indirekt die Widerlegung des logischen Positivismus zur Folge. Damit aber hat sie eben jenem ›religionsähnlichen Anspruch‹ auf die Möglichkeit einer Totalerklärung der Wirklichkeit die Grundlage entzogen. Popper hat den logischen Nachweis geführt, daß endgültige Wahrheiten den Menschen auf keinem Wege erreichbar sind, auch nicht auf dem der Naturwissenschaften« 53.

Relativitätstheorie, Unschärferelation: sie müssen endlich auch den machthabenden Rechthabern eine Lehre sein. Man kann mit richtigen Tatsachen eine

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falsche Geschichte schreiben, wie viel mehr also mit falschen Tatsachen. Nicht nur für die physikalische Beobachtung gilt das Problem vom beobachtenden Subjekt und vom beobachteten Gegenstand; das ändert freilich nichts daran, daß interessant allein die Wahrheit sei 54. Heraklit hat auch das durchschaut (B 107): Kakoi martyres anthropoisin ophthalmoi kai ota barbarous psychas echonton - »Schlechte Zeugen sind den Menschen Augen und Ohren, sofern die Menschen Barbarenseelen (ungebildete, ungeschulte Seelen) haben« 55.

Die Infallibilität der Gralshüter muß sich sagen lassen, daß sie um nichts tüchtiger und gar nicht gescheiter sind als die gefesselten Sklaven im Inneren der Höhle von Platons Höhlengleichnis (siebentes Buch des Staates), die mit dem Rücken zum Eingang auf die Rückwand der Höhle blicken: wir wie sie sehen nur die Schattenbilder auf dieser Rückwand, wir wie sie halten sie für die wirklichen Dinge, die sie eben nicht sind. Da ist ein Mensch wie Paul Feyerabend der Wahrheit näher als deren wissenschaftliche Machthaber (als vorgebliche Rechthaber); Feyerabend ist sympathischer, weil gemütlicher. In Erkenntnis dessen, daß der Komplex von Wissenschaftlern oft tanzt (nach Friedrich Torberg), will er in seinem Kampf wider den Methodenzwang (1975) die Wissenschaft verwandeln »aus einer strengen und anspruchsvollen Herrin in eine attraktive und nachgiebige Kurtisane, die jeden Wunsch ihres Liebhabers zu erahnen versucht« (S. 221). Der Grundsatz, keinen zu haben, ist so schlecht nicht: anything goes! Was eigentlich bilden sich aufgeklärte Herren ein? »Die Wissenschaft ist nicht (so) sakrosankt und der Streit zwischen Wissenschaft und Mythos ist (doch) unentschieden ausgegangen (. . ). Die Wissenschaft steht also dem Mythos viel näher, als eine wissenschaftliche Philosophie zugeben möchte. Sie ist eine der vielen Formen des Denkens (. . ) und nicht unbedingt die beste. Sie ist laut, frech und fällt auf: grundsätzlich überlegen ist sie aber nur in den Augen derer, die sich schon für eine bestimmte Ideologie entschieden haben, oder die die Wissenschaft akzeptiert haben, ohne jemals ihre Vorzüge und ihre Schwächen geprüft zu haben« (Feyerabend, S. 239 u. 392).

No ja, man soll nichts übertreiben. Die Mesometrie des Aristoteles und Ovids ›medio tutissimus ibis‹ »In der Mitte wirst du am sichersten gehen« deuten das Erreichbare an: in medio virtus.

V.

»Wie nahe aber der Historiker der Wahrheit kommt, das ist für uns nicht endgültig zu entscheiden; denn unsere Perspektive ändert sich, da wir in und mit dem Strom der Geschichte dahintreiben, so daß, was vor hundert Jahren als wahr gegolten haben mag, uns heute weit von der Wahrheit entfernt erscheinen kann« 56. Historie ist Wahrheit auf Zeit. Freilich bleibt ein Verbrechen immer ein Verbrechen 57. Und um anständige Menschen zu sein brauchen wir die Geschichte nicht, wir haben die zehn Gebote und die Bergpredigt, das

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Naturrecht auch. Man kann sich nicht über katholische Dogmen lustig machen und zugleich sich zum Dogma machen, ›eis aiei‹ 58. Eine Zeit, die nur sich sieht, nicht rückwärts noch vorwärts, alles verpraßt für ihre Egoismen und gegen ihre Enkel, ist Unzeit. Gegenwartsschrumpfung, Hervorbringungen beamteter Nihilisten, die Wahrheit als nur noch ›filia hospitalis‹ als sporadischen Gastbesuch: derlei ist nicht gefällig. Vita brevis, historia longa. Das eine ist traurig, das andere tröstend. Wenn auch die Wahrheit das Auge der Geschichte ist, so ist die Geschichtsschreibung immer nur Wahrheit auf Zeit. Man kann es auch umdrehen: Geschichte ist Wahrheit auf Zeit, immer aber ist die Wahrheit das Auge der Geschichte. Kriterium eines Forscherlebens ist nicht, ob einer die Wahrheit gefunden hat, vielmehr: ob er sie redlich unermüdlich gesucht hat, dabei ein anständiger Mensch war. Man muß behutsam sein und sacht: »Heute muß man Geschichte mit dem Bleistift schreiben; es läßt sich leichter radieren« (Pierre Gaxotte). Helmut Berve erinnert in seiner Akademierede an das klassisch-antike Gebaren: »Als Gewinner des Krieges galt unbestritten, wer auf dem Schlachtfeld das Siegeszeichen errichten konnte, doch sollte dieses aus vergänglichem Material bestehen, damit es nicht dauernde Erbitterung und Rachsucht der Unterlegenen erweckte« (S. 8).

Es gibt die Unzeitgemäßen, die katholische Kirche zeigt es mit ihren Heiligen. Da kann es sein, daß ein Unsterblicher vor sterblich Richtendem steht. Wer weiß das schon? Zukunft wird es weisen, aber wir müssen damit rechnen. Andererseits hochgelobte Erkenntnis von heute kann Gerümpel von morgen sein, nicht nur die Naturwissenschaft lehrt es. Da kann es eben sein, daß einer vor dem sterblichen Richter sagt: So war es; ich habe es so gesehen.

VI.

Der Irrtum gehört wesenhaft und wesentlich zur Wissenschaft. Mein Fakultätskollege Helmut Stickl erachtete »Irrtum und Fehler als notwendige Ingredienzien wissenschaftlichen Fortschritts« 59. Der Archäologe Heinrich Brunn (1822-1894) sah die Dinge so: In critica arte malo errare via et ratione quam sine ratione verum invenire »in der Kunstgeschichte will ich lieber mit Methode und Überlegung irren als ohne sie das Wahre finden« 60. Und der große Mommsen immerhin befand: »Man kann auch dadurch vom rechten Weg abkommen, daß man zu lange auf dem geraden Pfade bleibt« 61. Zur Freiheit andererseits gehört wesenhaft das Recht zu irren, anders wäre es Pharisäerei. »Wo immer ernsthaft geforscht wird, beanspruchen die so Bestrebten den Schutz ihrer Arbeit durch das Grundrecht der Freiheit von ›Forschung und Lehre‹ (Art. 5 GG). Da jedes Forschungsergebnis und erst recht jede wissenschaftliche Hypothese sich der Fachwelt zur Diskussion stellt, ja sich anbietet zur Widerlegung, umfaßt Forschungsfreiheit auch das Recht auf Irrtum. Es wäre daher nicht nur rechtlich bedenklich, sondern auch wissenschaftlich absurd, einen Forscher zu bestrafen, weil er sich forschend geirrt hat oder aus

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erforschten Fakten falsche Schlüsse gezogen hat« 62. Sympathisch, wie Schewardnadse seine Irrtümer darlegt 63.

Die Propheten nach Dienstschluß haben es leicht. Vaticinatio ex eventu, post eventum. Prophezeiung, wenn's passiert ist. Distinguendum est. Was muß das für ein Mensch sein, der »wie das Gesetz es befahl« immer hundertprozentig war: in der österreichischen Monarchie, der deutschen auch, der österreichischen Republik, der deutschen auch, der tschechischen desgleichen, dem Dritten Reich, der DDR, den Demokratien nach 1945? (Vgl. jetzt D. Wellershoff, Das Geschichtliche und das Private. Aspekte einer Entzweiung, Mainz 1986. )

Da sind Goethe und Ernst Jünger nachsichtig: »Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben« 64, »Wenn ich irre, kann es jeder bemerken; wenn ich lüge, nicht« 65. »Beim Freispruch im Totengericht zählen nicht nur die guten Taten, es zählen auch Irrtümer« 66. Alte ärztliche Devise ist ›oportet misereri‹ »barmherzig muß man sein«. Wir müssen benediktinisch miteinander umgehen, friedfertig und unterscheidend: discretio benedictina 67. Hellmut Diwald erwähnt das alte Gebet eines Benediktiners: »Gott gebe uns die Gelassenheit, das Unrecht so lange zu ertragen, solange wir es nicht ändern können, und den Mut, Unrecht zu ändern, das wir ändern können, und die Vernunft, das eine vom ändern zu unterscheiden« 68.

Es gibt die sprichwörtliche Redensart »sich um Kopf und Kragen reden«; zu dieser bemerkt das idiomatische Dudenwörterbuch: »Unter einem totalitären Regime hat sich schon mancher um Kopf und Kragen geredet« 69. Es soll so bleiben, vorbehalten den Diktaturen und schändlichen Diktatoren, nicht würdig der einer Demokratie allein würdigen Parrhesie 70.

VII.

Vita brevis ars longa. »Das Leben ist kurz, die Kunst lang.« Das ist der erste hippokratische Aphorismus, der auch Goethe beeindruckt hat: »Ach Gott! die Kunst ist lang, / Und kurz ist unser Leben!« (in Wagners Versen im Urfaust: Nacht: Wagner V. 558). Verhinderung von ›ars longa ‹ ist Verkürzung auch des Lebens, des sowieso kurzen, ›vita brevis‹ 71. Aber wenn das Leben auch kurz ist, ist die Geschichte doch lang: vita brevis historia longa. Daher kann »über Geschichte niemand urteilen, als wer an sich selbst Geschichte erlebt hat. So geht es ganzen Nationen« (Goethe) 72. »Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben aber muß man es vorwärts« (Kierkegaard). Es gibt lebensecht auch die Antinomie: das Leben blickt niemals zurück und diese läßt an Orpheus denken; er steigt zum Hades hinab und bittet ihn um die Freigabe seiner Gattin Eurydike; Hades macht zur Bedingung, daß sich Orpheus vor der Rückkehr zur Oberwelt nicht nach Eurydike umdrehen darf; er aber schaut zurück und Eurydike entschwindet ihm für immer 73.

Guter Rat ist teuer. Aber wie auch immer, bleiben muß Voltaires Haltung: »Herr Abbe, ich verabscheue was Sie schreiben, aber ich würde mein Leben

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dafür hingeben, daß Sie weiter schreiben können!« 74. »Freiheit ist immer nur Freiheit des anders Denkenden« 75. »Die Aggression des Andersdenkenden macht sich keine Gedanken darüber, was dem Angegriffenen teuer ist und was nicht« 76. Es mag auch dies geben: Geltenlassen des anderen als eines allenfalls Möglichen. Wenn Hans Weigel recht hat, daß man nicht ruhig darüber reden könne 77, dann ist ja unsere Gesellschaft gar nicht so pluralistisch. Unterstellung der Unredlichkeit ist eine Ehrabschneidung, diese allerdings ist eine große Sünde. Allein wichtig ist, ob einer die Gebote Gottes hält und wie er vor Diesem besteht, nicht vor ephemerer ›political correctness‹. Wer die unbedingt predigt, schaufelt der Demokratie ihr Grab. Ich darf doch nicht voreilig einen anderen anschauen, als hätte er einen nahen Verwandten von mir umgebracht. 1935 gefragt, was er von der neuen Zeit halte, antwortete Karl Valentin ängstlich: »I sag gar nix, des werd ma do no sagn dürfn«; recht hatte er - damit wollte er sagen, daß man nicht alles sagen dürfe - aber das war ja noch ärger 78.

VIII.

Auftragshistoriker zu sein ist leicht. Leicht auch: wer taub und blind ist und den Mund hält, wird in Frieden 100 79. Einem politisch streitbaren Vatikanbischof riet ein römischer Prälat: »Warum schreiben Sie nicht lieber Betrachtungs- oder Gebetsbücher? Sie verdienen gut, ohne Neues sagen oder viel forschen zu müssen. Überdies bleiben Sie eine Persona grata«. Mundtot zu sein kann nicht der Wunsch eines Demokraten sein, allerdings ist ihm ›ultima ratio regis‹ nicht das, was gemeint war, als diese Worte den preußischen Geschützen unter Friedrich dem Großen eingeschrieben waren. »Die Gedanken sind frei« singt das Lied so schön, aber es ist zu wenig. Keiner wünscht sich gedämpft-stockiges leisetreterisches Beamtentum. »So war es immer schon« 80 kann auch nicht trösten: es geht nirgends so zu wie auf der Welt, gemeint ist das Welttheater 81, das Narrenhaus. Wenn dieses aber zum Kasperltheater wird, ist der Froschmäusekrieg nahe 82.

Hellmut Diwald meint, »für einen guten Politiker ist ein schlechtes Gedächtnis unersetzlich. Historiker dagegen zwingt ihr Beruf dazu, mit dem Gedächtnis sorgfältiger umzugehen: ein mühsames, zumeist langwieriges, nur selten amüsantes Geschäft«; vonnöten sei eine »Erinnerung an Wahrheiten« 83. Und man muß weit zurückgehen; in einem griechischen Epigramm des 6. /5. Jh. v. Chr. aus Olbia 84 spielt eine Rolle ›ho myrietes chronos‹ »die zehntausendjährige Zeit«, gemeint freilich eine sehr lange Zeit. Und je länger man als Hochschullehrer existiert hat, desto leichter fallen einem die Typologien und Topoi: mir geht es wie Hellmut von Glasenapp, der »gegen Ende seines Lebens - selbst vom Katheder aus - eigentlich nur noch Anekdotisches erzählte« 85. Es hat schon sein Gutes, Historie mit der Wahrheit von Anekdoten zu bestreiten.

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Als ich einmal einem hochrangigen Katholiken meine Zweifel am Konzil kundgab, schrieb er mir, ich hätte das Wesen des Konzils nicht begriffen, welches die Liebe über die Wahrheit stellte. Das ist blanker verwaschener Humanismus. Incredibile auditu. Die Entsprechung auf der politischen Seite ist eine Syntax, die sich ›political correctness‹ heißt. No ja, meinetwegen auch das, wenn sie nur nicht zur Intoleranz führt. Der Münchener Verleger Herbert Fleissner spricht in einem spezifischen Fall von »verdeckender Heuchelei unter dem neuen Schlagwort ›Political correctness‹« 86. Ministerialrat Stefan Krimm 87 schrieb einen Aufsatz »vom Nutzen der Historié für die Schule und das Leben« 88. Er zeichnet mutig ein Ideal. Wie aber schaut's mit einem Blick in die Wirklichkeit aus? Gibt's auch Vorgaben der genannten ›Korrektheit‹? Was meint Krimm zu den Phänomenen Desinformation, lie factory, atrocity stories und dazu, »wie Desinformationspropaganda zur Geschichtsschreibung wurde« 89? Was meint er zu dem, was der Vatikanhistoriker Pater Robert A. Graham 90 beobachtet: »So sind Historiker, welche die propagandistischen Machenschaften des Zweiten Weltkriegs nicht kennen, ständig in der Gefahr, solchen Falschmeldungen zum Opfer zu fallen«?

Wir haben das Fremdwort ›ephemer‹ (auch ›ephemerisch‹), es bedeutet »eintägig, kurzfristig, schnell vergänglich« 91. Hermann Fränkel verdanken wir den Aufsatz »Ephemeros als Kennwort für die menschliche Natur« 92. Diese ist also unvollkommen und dem Irrsal wie der Eintäglichkeit preisgegeben. »Die Kriminalisierung irriger Meinungen (. . ) widerspricht auch der Tradition abendländischer Toleranz. Es kann, mit John Locke gesprochen, nicht die Aufgabe der Gesetze sein, ›für die Wahrheit von Meinungen zu sorgen‹. Nur der Versuch, das Irrige gewaltsam durchzusetzen und auszubreiten, sollte im Recht eine Schranke finden« 93.

IX.

Der Erlanger Latinist Carl Koch, unser Lehrer, verfaßte den bedeutenden RE-Artikel ›Pietas‹ 94. Sie war eine der großen römischen Tugenden, bezeichnete die Pflicht gegen Eltern, Kinder, Verwandte, Verstorbene, das Vaterland, gegen Gott und Mensch. Bei der Eroberung Trojas rettete Aeneas auf den Schultern seinen gelähmten greisen Vater Anchises aus dem brennenden Troja, ohne daß die Griechen ihn behelligten. Documentum pietatis ist des Theodor Heuß Gedenkrede zum 20. Juli 1944 am 19. Juli 1954: »Dank und Bekenntnis«.

Für unsereinen gibt es auch eine Theodizee der Geschichte. Das ist das Prinzip Hoffnung: »Halte Deutschland nicht für tot, ehe du seine Leiche gesehen hast. Und selbst dann dürftest du dich irren« 95. Je weniger Religion ist, umsomehr ist Wissenschaftsgläubigkeit, strenge, wie sie sich tituliert und dabei den Menschen täglich entformt 96. Solange noch wir Gott im Grundgesetz haben, müssen wir nicht bangen 97.

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Hellmut Diwald fragte einmal, »ob nicht zur Würde des Todes vor allem die Tatsache gehört, daß die Feindschaften des Lebens am Grabe enden« 98. Wir fragen, ob ihm dem Toten selber dies zuteil geworden ist. Professor Karl H. Metz, Erlanger Historiker, jedenfalls sah einen Anlaß zu mahnen: »Wie sollte man noch mit Worten jemanden berühren, der einem Toten ins Grab spuckt« 99. Ich denke an jenen Satz, durch den die platonische Apologie ihren Abschluß findet und in welchem Sokrates sterbend spricht: »Jetzt aber ist es Zeit, daß wir weggehen, ich zum Tod, ihr zum Leben. Aber wer von uns beiden dem besseren Lose entgegengeht, das weiß keiner außer dem Gott«. Für den Christgläubigen gilt noch immer der Trost ›vita mutatur non tollitur‹ (das Leben ändert sich zwar, endet aber nicht), manch anderem aber ist die Erinnerung allein der Garant des Weiterlebens. Er aber, den wir meinen und der sich bei der Wahrheit auf Sokrates beruft 100, wird weiterleben: so oder so.

Anmerkungen

1. Die Welt vom 18. November 1989.

2. Hellmut Diwald, »Mut zur Geschichte - Mut zur Wahrheit. Vortrag vor dem Witikobund, gehalten am 14. Oktober 1979 bei der Jahrestagung in Gießen«, München 1979 S. 7 u. 19.

3. Bastei Lübbe Taschenbuch 65069, Bergisch Gladbach 21986, S. 6, 45, 272 f. u. 293.

4. H. Diwald, Unsere gestohlene Geschichte, München o. J. (wohl 1992 = Schriftenreihe der Deutschen Akademie für Bildung und Kultur, Heft 40), S. 5.

5. A historical Commentary on Polybios, Oxford 1957 ff.

6. Theodorus Büttner-Wobst, Polybii Historiae. Editio altem, Vol. I, Leipzig 1905, S. 18.

7. Hans Drexler, Polybios Geschichte, Zürich-München, Bd. 1 21978, Bd. II 21979. Er übersetzt so: »Denn wie ein lebendes Wesen, wenn es das Augenlicht verloren hat, zu nichts mehr zu brauchen ist, so wird, wenn aus der Geschichtsschreibung die Wahrheit hinweggenommen wird, das, was dann noch von ihr übrigbleibt, ein unnützes Gerede«. Konrat Ziegler in der RE = Pauly-Wissowa, Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, XXI (1952) Sp. 1506: »Nimmt man aus ihr (der Geschichtsschreibung) die Wahrheit, heißt es 114, 6, so ist das, was von ihr bleibt, eine nutzlose Erzählung (anopheles diegema), so wie ein Lebewesen, dem man die Augen nimmt, zu nichts mehr nütze ist«. W. R. Paton, Polybius. The Histories, Volume I (Cambridge/ Mass. , London 1922=The Loeb Classical Library). S. 35/37: »For just as a living creature which has lost its eyesight is wholly incapacitated, so if History is stripped of her truth all that is left is but an idle tale«.

8. III 6-8. »Careful to observe throughout the proporrion and the continuity of things, he composed his systematic history (pragmateia) to be at once ›catholic‹ (kath' houlon) in its relation to the general history of the world, and ›pragmatic‹ or ›apodeictic‹ in its conscious demonstration of the principle of cause and effect« (Paton, aaO. (Anm. 7), S. XI. )

9. Drexler, aaO. (Anm. 7), S. 795.

10. K. Ziegler, aaO. (Anm. 7). Vgl. auch Polybios XXIX 12, 9/12; Drexler, aaO. (Anm. 7), S. 1396 s. v. »Irrtum verzeihlich«.

11. XIII 5, Drexler, aaO. (Anm. 7), S. 834, vgl. dort S. 1395/1398 s. v. Wahrheit. Vgl. das lateinische Sprichwort ›Veritas vincit‹, »die Wahrheit siegt«.

12. Dr. Becher zitiert das gerne und zu Recht in seinen Reden.

13. Akademie Mainz, Abh. d. Kl. d. Lit. , Jg. 1993, Nr. l, S. 5.

14. RE, aaO. , Sp. 1502.

15. Vgl. K. Ziegler, RE, aaO. (Anm. 7), Sp. 1505.

16. Theresia von Avila.

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17. Prof. Schoeps und ich hatten einen gemeinsamen Freund, den jüdischen Berliner Richter Reinhold Regensburger, vgl. G. Pfohl, »Enzyklopädie des menschlichen Geistes: Zum Tode von Reinhold Regensburger«, in Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, hrsg. von H. J. Schoeps, 25, 1973 S. 348 /350; R. Regensburger, Kleiner Liebesbrief an das große Berlin, Stuttgart 1967; ders. »Was ich dem deutschen Gymnasium verdanke«, in Jahresbericht des Neuen Gymnasiums Nürnberg, 1968/69.

18. Vgl. Franz Hampls Nachruf auf H. Berve im Gnomon, 51,1979 S. 413/415; Hermann Bengtsons Nachruf im Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1979.

19. B. Spinoza, Tractatus politicus, 1,4.

20. Klaus Meister, Die griechische Geschichtsschreibung von den Anfangen bis zum Ende des Hellenismus, Stuttgart 1990. Rezensiert von J. M. Alonso-Núnez, in Classical Review, 41, 1991, S. 497.

21. K. Ziegler, RE, aaO. (Anm. 7), Sp. 1522 f. , 1503. Bei Thukydides »steht Wahrheit gegen Unwissen und Irrtum der dumpfen, kritiklosen Menge« (Georg Peter Landmann, Thukydides, München 1993 = Sammlung Tusculum, S. 1260).

22. Albin Lesky, Geschichte der griechischen Literatur, Bern 31971. S. 534. Genauer: agonales Prunkstück für den gegenwartshörigen Zuhörer.

23. Ebenda, S. 535.

24. Ebenda, S. 532.

25. Ebenda, S. 536.

26. Ebenda, S. 517. Wahrscheinlichkeitsschlüsse (›eikazein‹ »vergleichen«), welche »die Sophistik in enger Verbindung mit der Praxis der Gerichte zu bedeutender Höhe ausgebildet hatte« (ebenda, S. 517 u. 533). Zum historischen Vergleich jetzt Konrad Repgen, »Unpräzises von Frau Süßmuth«, in FAZ vom 18. November 1993, S. 10.

27. Zu Porphyrios als Autor vgl. Rudolf Pfeiffer, Geschichte der klassischen Philologie, München 21978, S. 276. Überliefert auch ›autos heauton ta polla Homeros exegeitai‹. Zu Selbstinterpretationen bei Homer, Homer als sein eigener Interpret: »Er hat seine eigene kraftvolle Sprache nicht nur geschaffen, sondern sie auch immer wieder im Verlauf seines Gedichtes selbst ›interpretiert« (Ebenda, S. 18 f. )

28. Vgl. Luciano Canfora, Politische Philologie. Altertumswissenschaften und moderne Staatsideologien, Stuttgart 1993.

29. Phoenissae 469: Haplous ho mythos tes aletheias ephy (aei). Veritatis simplex oratio est (Seneca, Epistulae morales,49,12). Veritas sermo est simplex. Vgl. beim Historiker Ammianus Marcellinus XIV 10,13: Veritatis enim absoluta semper ratio est simplex. - Zur Topik: Vitam impendere vero (luvenal, Satiren IX 91), »das Leben der Wahrheit weihen (für die Wahrheit einsetzen)«. Nuda veritas »nackte Wahrheit« (Horaz, Carmina 124,7). Patet omnibus veritas »die Wahrheit ist für alle offen« (Seneca, Epistulae morales 33,11). Amicus Plato, sed magis amica veritas. »Plato ist mir lieb, aber noch lieber ist mir die Wahrheit« (Aristoteles, Ethica Nicomachea 1,4 1096a 16). Obsequium amicos, veritas odium parit. »Willfährigkeit schafft Freunde, Wahrheit Haß« (Terenz, Andria 68). Veritas obscurari nonnumquam potest, exstingui nunquam. »Die Wahrheit kann bisweilen verschleiert werden, ausgelöscht niemals« (Livius).

30. Reinhard Raffalt, Concerto Romano, München 101977, S. 164 f. u. 326/329.

31. Die Zukunft gehört der Freiheit, Reinbek bei Hamburg 1991, S. 49.

32. »Mut zur Geschichte«, aaO. (Anm. 2), S. 7.

33. Veröffentlichungen der Universität Innsbruck, 71, Innsbrucker Universitätsreden, VI, Innsbruck 1972.

34. Freiburg i. Br. 1993.

35. Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St. Pius X. für den deutschen Sprachraum, Nr. 182, Feber 1994, S. 21/25.

36. Von der Wahrheit (s. Anm. 13),S. 13. Zum Problem von Wahrheit und Unwahrheit weiß Schewardnadse Wertvolles beizutragen: S. 307, 320, 341 u. 344); er zitiertauch »Plato ist mein Freund, doch die Wahrheit ist mir teurer«.

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37. Erec Robertson Dodds, Die Griechen und das Irrationale, Darmstadt 1970, S. 29 f. ; Martin Heidegger, Über den Humanismus, Frankfurt/M. 81981, S. 44/47.

38. Thema des Karl Engisch für seinen Vortrag beim 491. Stiftungsfest der Ludwig Maximilians Universität München am 6. Juli 1963 (Münchener Universitätsreden, Neue Folge, Heft 35). Vgl. Bernd Rüthers (Rechtsgelehrter der Universität Konstanz), »Akrobatik des Deutens. Schwierigkeiten mit der ›juristischen Zeitgeschichte‹«, in FAZ, 26. Jänner 1994, S. 5. Jetzt Klaus Detlev Godau-Schüttge, Ich habe nur dem Recht gedient. Die »Renazifizierung« der schleswig-holsteinischen Justiz nach 1945, Baden-Baden 1993.

39. Knut Hamsun, Vom Geistesleben des modernen Amerika.

40. Überlieferung auch so: Res tantum cognoscitur, quantum diligitur. »Der Mensch erkennt nur das, was er erkennen will. Es ist vergebliche Mühe, Menschen etwas verständlich zu machen, was sie gar nicht erkennen wollen« (Land an der Miesa, Jänner 1994 S. 27).

41. Aber in der Gegenwart vollzieht sich guter Wandel: »Während sich die Physik bislang mit reproduzierbaren Phänomenen auf der Ebene allgemeiner Naturgesetze beschäftigt habe, gerate im Rahmen der Evolutionsbiologie das unumkehrbare Historische und Individuelle - bislang das Gebiet der Geisteswissenschaften - in ihren Blick. Das Verbindende beider Disziplinen seien die Strukturwissenschaften wie die Informatik oder die Spieltheorie« (Edgar Lüscher, Rolf Günther, Bernd-Olaf Küppers zitiert von Stephan Wehowsky in der Süddeutschen Zeitung vom 3. Feber 1987: »Querdenker oder Jasager? Zu einer Tagung in Tutzing: Der Ruf nach den Geisteswissenschaften«).

42. Ernst Grumach, Goethe im Gespräch, Hamburg 1960, S. 114.

43. Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1979.

44. Akademierede am 3. Dezember 1966, München 1967, S. 19.

45. Reinbek bei Hamburg 1991.

46. Ein Querkopf braucht kein Alibi. Szenen der Geschichte, Frankfurt/M. -Berlin 1991, S. 393 f.

47. FAZ vom 10. Feber 1994, S. 15: »Nach Auschwitz hat man keine Angst mehr. Gepräch mit dem Schriftsteller Gerhard L. Durlacher, der als Kind den Holocaust überlebt hat«.

48. 480-415 v. Chr. Frg. 4 Diels.

49. 6. /5. Jh. v. Chr. Diels I, S. 214.

50. Landmann, Thukydides, aaO. (s. Anm. 21), S. 1258.

51. Wickert, Von der Wahrheit, aaO. (Anm. 13), S. 13. Das hatte bereits Polybios in der Nachfolge des Thukydides erkannt (vgl. K. Ziegler, RE (aaO. , Anm. 7), Sp. 1508/1510.

52. Gehalten Ende August 1976 in Cherry Hill bei Philadelphia vor einem internationalen Deutschlehrerpublikum, das die American Association of Teachers of German eingeladen hatte. Abgedruckt an verschiedenen Orten: The German Quarterly Vol. 49, November 1976, S. 425/437; FAZ vom 25. September 1976.

53. Hoimar v. Ditfurth, in Der Spiegel, Nr. 51, 20. Dezember 1982; Popper, Logik der Forschung, Tübingen 81984, S. 47 ff. ; ders. , Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, 2 Bde. , München 61980. Vgl. Gerard Radnitzky, Die falsifikationistische Methodologie und ihre Ökologie (Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften, Geistesw. Kl. , Sb. Jg. 1988, H. 7). Von dem Unfug, den man mit Soziologie anrichten kann, will ich erst gar nicht reden. Sie kann u. a. auch »die wissenschaftliche Hausreligion des Marxismus« sein (Georg Franz-Willing). »Soziologie is de Wissenschaft wo ma selwa nix tuat, damit ma de andan erklärn ko, was s toa soin. Oda woaß da wer was andas? Oiso-!« (Kurt Wilhelm, damits ein echter Bayer wird, S. 152).

54. Heinrich Wölfflin: »Wenn man anders sieht, so sieht man anderes«.

55. Kurt Tucholskys Gedicht ›Parc Monceau‹: »Hier ist es hübsch. Hier kann ich ruhig träumen. / Hier bin ich Mensch und nicht nur Zivilist. / (. . ) Es prüfen vier Amerikanerinnen, / ob Cook auch recht hat und hier Bäume stehn. / Paris von außen und Paris von innen: / sie sehen nichts und müssen alles sehn«.

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56. Wickert, aaO. , S. 14. Auf S. 18 zitiert er des Aristoteles Poetik (1451 a 21): »Die Dichtling ist philosophischer und bedeutender als die Geschichtsschreibung«; den Eindruck habe ich auch. Vgl. Ernst v. Salomons Sicht: »Die Wirklichkeit verhält sich zur Wahrheit wie die Lüge zum Märchen« (in Der Fragebogen, S. 577). Ähnlich Muriel Spark, Die Äbtissin von Crewe, 21977, S. 102 f.

57. Jeder politische Vertrag wird mit der Einschränkung einer ›clausula rebus sie stantibus‹ geschlossen.

58. Wie kann man sich über unsere Dogmen lustig machen, obgleich diese nicht von dieser Welt sind. Solche Leute sind dann selbst dogmenstiftend in der Einbildung, daß ihre Sicht der Momentaufnahmen und der Blitzlichter Offenbarungswert hat.

59. In Der Kinderarzt,17,1986, S. 1231/1234.

60. Reinhard Lullies, in R. Lullies, Wolfgang Schiering, Archäologenbildnisse, Mainz 1988, S. 47 f.

61. Römische Forschungen n 25.

62. Arno Plack, Hitlers langer Schatten, München 1993, S. 308.

63. S. 30: »(. . ) weil auch ich - wie meine ganze Generation - an etwas geglaubt habe, weil wir uns verirrten und schließlich, immer der Wahrheit auf der Spur, keinen einfachen Weg zurückgelegt haben«. S. 58: »Das versetzte meinem Glauben einen schweren Schlag. Es war furchtbar, zu erkennen, daß man den falschen Gott angebetet hatte, daß man betrogen worden war«. Vgl. Ute Stempel, »Die Heimat sind die Wörter. Jorge Semprún zum 70. Geburtstag«, in Süddeutsche Zeitung, 10. Dezember 1993; sie zitiert den Renegaten Semprún: »Ich mauere mein Gedächtnis nicht zu. Ich war ein stalinistischer Intellektueller«.

64. Goethe, Gedichte (Epigrammatisch: Das Beste).

65. Goethe, Maximen und Reflexionen, 79.

66. Jahre der Okkupation.

67. G. Pfohl, »Discretio«, in Alt und Jung, Metten, 55, 1988. S. 1/5.

68. »Mut zur Geschichte - Mut zur Wahrheit«, aaO. , S. 21; Mut zur Geschichte, S. 297.

69. Duden 11: Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten. Wörterbuch der deutschen Idiomatik, Mannheim 1992, S. 408.

70. Griechisch pan = alles, rhema = das Wort, rhesis = das Reden, die Rede.

71. Der Dirigent George Szell klopfte während einer Händelfeier in England ab und wandte sich an das Publikum: »Meine Damen und Herren, ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, daß Händel dieses Werk für Streicher, Bläser und Sänger geschrieben hat, aber nicht für Huster, Nieser und Räusperer«. A. u. J. Buscha, Sprachscherze, Leipzig 1981, S. 74.

72. Maximen und Reflexionen, 517.

73. W. K. C. Guthrie, Orpheus and Greek Religion. A Study of the Orphic Movement, Princeton 1993. Otto Schönberger, »Orpheus in Florenz. Zeitgenössische Bilder zur ›Favola d'Orfeo‹ des Angelo Poliziano«, in Ut poesis pictura, Bamberg 1993, S. 87/93).

74. Am 6. Feber 1770 an A. M. le Riche.

75. Rosa Luxemburg, Die russische Revolution, 1922. Vgl. Bayernkurier, 15. Jänner 1994, S. 2; FAZ, 25. Jänner 1994, S. 8.

76. Schewardnadse, aaO. , S. 35.

77. Man kann nicht ruhig darüber reden. Umkreisung eines fatalen Themas, Graz 21986.

78. So was war schon dem Wienerlied vertraut: »Wenn dich die Menschen auch kränken, weine nicht. Alles kannst du dir denken, sagen nicht.«(Leo Parthé, Die schönsten und bekanntesten Wienerlieder, Wien o. J. , S. 226)

79. Sizilianisches Sprichwort. Cu è surdu, orbu e taci, campa cent' anni'mpaci.

80. Theodor Storm, ›Meeresstrand‹.

81. Johann Sofer, »Bemerkungen zur Geschichte des Begriffes ›Welttheater‹«, in Maske und Kothurn, 2, 1956, S. 256/268. Ernst Heitsch, Die Welt als Schauspiel (Akademie Mainz, Abh. d. Geistes- und Sozialw. Kl. , Jg. 1993, Nr. 10).

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82. Batrachomyomachie, griechisches parodistisches Kleinepos, nach dem 6. /5. Jh. , wohl erst hellenistisch. H. Wölke, Untersuchungen zur Batrachomyomachie, 1978.

83. Unsere gestohlene Geschichte, aaO. , S. l f. u. 5.

84. Im Mündungsgebiet des Bug und des Dnjepr.

85. Joachim Kaiser, Wie ich sie sah, München 1985, S. 9.

86. FAZ, 26. Jänner 1994, S. 8.

87. Er hat im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst die Fachaufsicht Deutsch, Geschichte, Erdkunde.

88. In Schulreport, April 1992, S. 6/8.

89. Überschrift eines Artikels von Alfred Schickel in der Sudetendeutschen Zeitung vom 7. Jänner 1994, S. 2; der Untertitel ist »Akten des geheimen britischen Nachrichtendienstes offenbaren erfolgreiche Lügenfabrik«. Vgl. auch Walter Becher: Sudetendeutsche Zeitung vom 21. Jänner 1994, S. 1.

90. Mitherausgeber der amtlichen Reihe Akten und Dokumente des Heiligen Stuhles zum Zweiten Weltkrieg. Nach Schickel: a. a. O.

91. ›Hemera‹ der Tag, ›ephemeros‹ für einen Tag, nur einen Tag dauernd.

92. Wege und Formen frühgriechischen Denkens, München 1968, S. 23/39.

93. Plack, aaO. (Anm. 62), S. 305. In der Anmerkung 38 auf Seite 403 zitiert er Lockes Originalstelle: »the business of law is not to provide for the truth of opinions, but for the safety and security of the Commonwealth, and of every particular man's goods and person«.

94. RE, aaO. (Anm. 7), XX Sp. 1221/1232.

95. Diwald, Unsere gestohlene Geschichte, aaO. , S. 14. Nachzudenken aber haben wir über Henry Dekus Aufsatz »Selbstbestrafung. Marginalien zu einem sehr alten, aber noch nicht ganz lexikonreifen Begriff«, in Archiv für Begriffsgeschichte, 21, 1977, S. 42/58)

96. 1950 verkündete Pius XII. das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel: »Nachdem wir nun lange und inständig zu Gott gefleht und den Geist der Wahrheit angerufen haben, verkündigen, erklären und definieren wir zur Verherrlichung des allmächtigen Gottes (. . )«.

97. Ethel Leonore Behrendt, Gott im Grundgesetz, München 1980.

98. Unsere gestohlene Geschichte, aaO. , S. 7.

99. FAZ vom 19. Juni 1993.

100. Mut zur Geschichte, aaO. , S. 272.

(Schreibweise und Zeichensetzung dieses Beitrags nach ausdrücklichem Wunsch des Verfassers)

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