GERHARD PIESCHL
Katholische Vertriebenenarbeit nach der Wende

Zur Analyse der Zeit, zum Leidensweg und zur Zukunft der deutschen Heimatvertriebenen

I. Vorbemerkung

Wenn man in der neueren deutschen Geschichte nach Ereignissen sucht, die das politische, soziale, kulturelle und auch das religiöse Leben unseres Volkes nachhaltigst geprägt und verändert haben, ja sogar so verändert, daß sie ein neues Volk schufen, stößt man auf die Katastrophe von Flucht, Vertreibung, Aussiedlung der Deutschen aus dem Osten. Die Ereignisse sind so schmerzhaft und bewegen Millionen und betreffen Generationen, daß es kein Wunder ist, wenn sie mit Scheu behandelt, verdrängt, tabuisiert werden. Wenn es aber jemanden gibt, dem an der Wahrheit gelegen ist- »Die Wahrheit wird euch frei machen« -, so sind es die Kirchen, von Anfang an bis heute. Deswegen möchte ich Ihnen als Betroffenen - denn alle Deutschen sind betroffen - ein paar Überlegungen vorlegen: Katholische Vertriebenenarbeit nach der Wende.

Ich möchte in Vorüberlegungen erklären, warum ich den Begriff Vertriebenenarbeit wähle und nicht Vertriebenenseelsorge und schon gar nicht Vertriebenenwesen. Diese definitorischen Probleme sind mir erwünschte Gelegenheit, skizzenhaft auch das Umfeld historisch zu richten auf das, was wir »Die Wende« zu nennen uns angewöhnt haben, um dann auf den Spuren des Landsmannes und Bischofs Comenius »orbis pictus« anhand von drei Bildern katholische Vertriebenenarbeit nach der Wende darzustellen.

I. 1. »Katholische Vertriebenenarbeit«

»Katholische Vertriebenenarbeit« ist ein umfassenderer Begriff als »Katholische Vertriebenenseelsorge«, der nach der klassischen Definition der Pastoraltheologie Liturgia, Diakonia, Martyria umfaßt. Für mich ist der neueste

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Begriff »Vertriebenenwesen«; er soll wohl »neutral« sein, scheint mir aber bedenklich nahe an »Vertriebenenunwesen« und findet sich bei Albrecht Lehmann, »Im Fremden ungewollt zuhaus« - Flüchtlinge und Vertriebene in Westdeutschland 1945-1990 1. Auf dem Schutzumschlag des Buches heißt es kurz und prägnant: »Die Geschichte der Flüchtlings- und Vertriebenenschicksale wird hier aus den Lebenszeugnissen dreier Generationen dargestellt und dokumentiert. Wie haben die Flüchtlinge und die Vertriebenen damals ihre zweite Heimat erlebt? In der Beantwortung solcher und weiterer Fragen -fünfzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges - zeigt der Autor, welchen Einfluß dieses Geschehen auf die politische, soziale und kulturelle Geschichte Deutschlands gehabt hat - bis heute.«

Der Leser wird bestätigen, daß der Autor dem auch nachkommt: Albrecht Lehmann ist Professor für Volkskunde an der Universität Hamburg. So stelle ich mir ein Lehrbuch über Ethnologie vor - die Grundsätze dieser Wissenschaft deutlich gemacht anhand der Befragungen von Vertriebenen. Sein politischer Standpunkt wird nach 180 Seiten Lektüre deutlich: »Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch hatte anläßlich einer Schlesienreise im Jahre 1948 den richtigen Ton für deutsche Ohren getroffen, als er von einem ›ungeheueren Geschenk‹ sprach, das er in der Hand der Polen vorgefunden habe. Vom Verlust der Ostgebiete als einem berechtigten Ausgleich für das durch den deutschen Angriffskrieg erlittene ungeheuere Leid des polnischen Volkes war jedenfalls - sieht man von einigen Andeutungen und Schutzfloskeln ab - in den uns vorliegenden Erzählungen ernsthaft nie die Rede.« 2

Da aber wird Vertreibung als eine Frage von Schuld und Sühne betrachtet. Aber: »Die Vertreibung darf nicht als eine Frage von Schuld und Sühne betrachtet werden. Die Aufgabe, die für Krieg und Kriegsverbrechen Schuldigen zu bestrafen, war den Nürnberger Prozessen übertragen, und sie stellten dazu ein neues völkerrechtliches Prinzip auf, das der persönlichen Haftung von Politikern und Soldaten für ihre Handlungen. Jedoch wurden 14 Millionen Deutsche vertrieben - oder zur Flucht gezwungen, was faktisch dasselbe bedeutet -, offensichtlich, ohne nach ihrer persönlichen Schuld oder Unschuld zu fragen. Eine Strafe, die von der Berücksichtigung persönlicher Schuld und der Verhältnismäßigkeit der Mittel absieht, ist juristisch und moralisch nicht vertretbar.« 3 So urteilt ein Historiker und Völkerrechtler. Ein katholischer Theologe kann das nicht anders sehen. Unter kirchlicher Vertriebenenarbeit verstehe ich die Wahrnehmung einer dreifachen Verantwortung, nämlich einer seelsorglichen, einer diakonischen und einer politischen Verantwortung. 4

Kirchliche Vertriebenenarbeit im umfassenden Sinne ist also mehr als das, was unmittelbar ins Auge sticht, zum Beispiel die großen Pfingstgottesdienste; es ist mehr als materielle Hilfe, ist mehr als Lagerseelsorge. Es gehört auch dazu das Eintreten für das Recht und die Befähigung der Vertriebenen zu Integration bei Wahrung der Identität. Im Blick auf die Gesamtgesellschaft gehört

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weiter zur kirchlichen Vertriebenenarbeit das weite Feld der Aufarbeitung der Geschichte und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und Gegenwart. Zu nennen ist die fortdauernde Bedeutung des damaligen Geschehens für die Gegenwart und das Leid, das durch die Vertreibung über die Menschen hereingebrochen ist. Deshalb gehört auch zur kirchlichen Vertriebenenarbeit, die Auseinandersetzung mit der Vertreibung fortzuführen unter der Berücksichtigung der theologischen und menschenrechtlichen Aspekte.

Beispielhaft ausgezeichnet tut dies Alfred-Maurice de Zayas in seinen Anmerkungen zur Vertreibung der Deutschen aus dem Osten in den folgenden historischen und völkerrechtlichen Thesen zur Vertreibung: Da wird auch deutlich, wer die Vertriebenen sind, woher sie kommen und warum sie kamen 5.

»Historische Thesen«

1. Der Begriff Vertreibung als terminus technicus beinhaltet nicht nur die gewaltsamen Vertreibungen von Sommer und Herbst 1945, sondern auch die Evakuierung der deutschen Bevölkerung seitens der deutschen Behörden ab dem Herbst 1944, die allgemeine Flucht im Frühjahr 1945 sowie die organisierten Zwangsumsiedlungen ab 1946. Der Begriff Vertreibung muß so verstanden werden, weil sowohl die Evakuierten als auch die Geflüchteten beabsichtigten, nach Beendigung der Kampfhandlungen in ihre Wohngebiete zurückzukehren. Sie wurden jedoch von den sowjetischen und polnischen Behörden daran gehindert und eben deshalb zu Vertriebenen gemacht.

2. Nach der Niederwerfung Polens im September 1939 wandten Hitler und Stalin ähnliche Methoden zur dauerhaften Beherrschung ihres jeweiligen Beuteanteils an. Hitler ließ etwa eine Million Polen aus den Gebieten Westpolens, die in das Reich eingegliedert werden sollten, deportieren, wobei im Anschluß daran dort verschiedene deutsche Volksgruppen nach ihrer Rückführung aus der sowjetischen Einflußsphäre (»Heim ins Reich«) angesiedelt wurden. Währenddessen trachtete Stalin mittels Deportationen antisowjetisch eingestellter Polen und durch die Ermordung der polnischen militärischen Elite (Katyn, 1940), die Macht über das Gebiet östlich der Ribbentrop-Molotow-Liniezu festigen. Im Ostfeldzug ab 1941 plante Hitler, im europäischen Teil der Sowjetunion große deutsche Siedlungskomplexe durch Vertreibung der einheimischen Bevölkerung zu schaffen.

3. Das Prinzip der Zwangsumsiedlung wurde auf westlicher Seite zunächst von dem tschechischen Exilpolitiker Eduard Benesch nach dem Münchener Abkommen, noch vor Kriegsausbruch, befürwortet und im Laufe des Krieges in seinen Gesprächen mit Stalin, Churchill und Roosevelt zu seinem wesentlichen Kriegsziel aufgebaut. Zunächst waren davon nur einige Hunderttausende Sudetendeutsche betroffen, die sich gegenüber dem tschechischen Staat illoyal verhalten und, wie Benesch behauptete, als Hitlers »Fünfte

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Kolonne« betätigt hätten. Allmählich erfaßte Beneschs Ausweisungsforderung immer mehr Deutsche - unter Außerachtlassung jeglichen Schuldprinzips, einfach um den tschechoslowakischen Staat künftig nicht mehr mit einer nennenswerten deutschen nationalen Minderheit zu belasten.

4. Nachdem das Prinzip der Zwangsumsiedlung Volksdeutscher (»illoyale Minderheiten«) von den Alliierten akzeptiert worden war, wurde es im Zusammenhang mit der geplanten Westverschiebung des polnischen Staates auch auf Reichsdeutsche (keine Minderheiten) in den östlichen Provinzen Deutschlands ausgedehnt. Auf der Konferenz von Teheran (Nov. -Dez. 1943) führte Stalins Forderung, Polen östlich der Curzon-Linie zu annektieren, zur Entscheidung, Polen im Westen auf Kosten Deutschlands zu entschädigen. Mit der territorialen Entschädigung war auch der Plan zur Aussiedlung der einheimischen deutschen Bevölkerung verbunden, ohne daß sich direkte Bezüge zu den nationalistischen Vertreibungspraktiken im Osten feststellen ließen.

5. Die einschlägigen Akten im Public Record Office in London und in den National Archives in Washington zeigen, daß die Experten im Foreign Office und im State Department bis zu den Konferenzen von Jalta und Potsdam dafür eintraten, die territorialen Entschädigungen an Polen (zunächst nur Ostpreußen, dann maximal bis zur Oder) und die damit verbundenen Umsiedlungen der Deutschen zu beschränken (zwischen zweieinhalb und sieben Millionen) und sie durch eine sogenannte Population Transfers Commission beaufsichtigen zu lassen, um einen stufenweise geordneten Ablauf und eine Entschädigung für zurückgelassenes Eigentum zu gewährleisten. Dabei stützten sich die Diplomaten auf den Präzedenzfall des Bevölkerungsaustausches zwischen Griechenland und der Türkei 1923 bis 1926, der unter Aufsicht des Völkerbundes und auf der Basis des Lausanner Abkommens durchgeführt worden war.

6. Auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 wurde zwar der bekannte Artikel XIII über den Transfer der Deutschen angenommen, jedoch ist er häufig falsch ausgelegt worden, wenn behauptet wird, daß die Anglo-Amerikaner den Umfang der Umsiedlung befürwortet hätten. Im Gegenteil: Artikel XIII stellt eine Notmaßnahme dar, die in höchster Eile verfaßt und angenommen werden mußte, weil die nichtgenehmigten, wilden Vertreibungen aus der Tschechoslowakei, aus Polen und aus den deutschen Ostgebieten eine völlig chaotische Situation in der amerikanischen und der britischen Besatzungszone verursacht hatten, nicht zuletzt auch in Berlin, wie in unzähligen amerikanischen und britischen Berichten aus dieser Zeit belegt ist. Somit war der Artikel XIII kein Blankoscheck für die Vertreiberstaaten. Vielmehr bezweckte er zunächst ein Vertreibungsmoratorium und die Übertragung der Zuständigkeit für Umfang und Zeitpunkt des Transfers an den alliierten Kontrollrat in Berlin.

7. Die amerikanische und die britische Regierung protestierten in War-

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schau und Prag wiederholt wegen der inhumanen Behandlung der deutschen Bevölkerung und der Nichteinhaltung der Richtlinien des Artikels XIII.

8. Die Umsiedlungen, die nach der Aufstellung eines Aufnahmeplans des Alliierten Kontrollrates im November 1945 erfolgten, verliefen weniger verlustreich. Jedoch urteilte 1950 die Walter-Kommission des amerikanischen Repräsentantenhauses in einem ausführlichen Bericht über die Vertreibung der Deutschen, daß keine Phase der Vertreibung als human bezeichnet werden könne.

9. Ein noch schwereres Schicksal traf beinahe eine Million Verschleppter. Nur 5 Prozent überlebten. Hier ist die anglo-amerikanische Mitverantwortung gut belegbar, denn Churchill und Roosevelt akzeptierten am 11. Februar 1945 auf der Konferenz von Jalta das Prinzip, nach dem deutsche Zwangsarbeit als Kriegsentschädigung zugelassen wurde. Durch diesen gemeinsamen Beschluß, der ebenfalls von Stalin unterzeichnet wurde, wurden Volksdeutsche aus Rumänien, Jugoslawien und Ungarn und Reichsdeutsche aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien - Männer wie Frauen - zur Sklavenarbeit in der Sowjetunion verschleppt, gewissermaßen als »lebende Reparationen«.

10. Flucht, Vertreibung und Verschleppung haben über zwei Millionen unschuldiger Opfer das Leben gekostet - und dies zum Teil quasi als Friedensmaßnahmen bzw. nach der deutschen Kapitulation. Ein solches Ereignis muß von der Welt zur Kenntnis genommen werden - ohne Polemik und ohne Vorwurf der Aufrechnung -, eben als historisches Faktum. In diesem Zusammenhang muß auch der Verzicht auf Gewalt und Vergeltung in der Charta der Heimatvertriebenen vom August 1950 besonders gewürdigt werden.

Völkerrechtliche Thesen

1. Die Vertreibung ist ein menschenrechtliches Problem.

2. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das als jus cogens anerkannt wird, beinhaltet notwendigerweise das Recht auf die Heimat, denn man kann nur das Selbstbestimmungsrecht ausüben, wenn man aus der Heimat nicht vertrieben wird.

3. Die Haager Landkriegsordnung war im Zweiten Weltkrieg anwendbar. Artikel 42-56 beschränken die Befugnisse von Okkupanten in besetzten Gebieten und gewähren der Bevölkerung Schutz, insbesondere der Ehre und der Rechte der Familie, des Lebens der Bürger und des Privateigentums (Artikel 46), und verbieten Kollektivstrafen (Artikel 50). Eine Massen Vertreibung ist mit der Haager Landkriegsordnung in keiner Weise in Einklang zu bringen.

4. Die Rechtsprechung des Internationalen Militär-Tribunals in Nürnberg verurteilte die Vertreibungen, die von den Nationalsozialisten durchgeführt worden waren, als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Völkerrecht hat per definitionem universale Geltung, und darum stellten die Vertreibungsaktionen gegen die Deutschen, gemessen an densel-

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ben Prinzipien, ebenfalls Kriegs verbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.

5. Artikel XIII des Potsdamer Protokolls konnte nicht und hat auch nicht die Legalisierung der Vertreibung der Deutschen bewirkt. Die Alliierten hatten keine unbeschränkte Verfügungsgewalt über das Leben der Ostdeutschen. Auch wenn es ein »Interalliiertes Transferabkommen« gegeben hätte (und Artikel XIII stellt kein solches Abkommen dar), müßte es nach völkerrechtlichen Prinzipien beurteilt werden.

6. Nach dem Stand des heutigen Völkerrechts sind Zwangsumsiedlungen völkerrechtswidrig. Artikel 49 der IV. Genfer Konvention über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten vom 12. August 1949 verbietet Zwangsumsiedlungen. Sie sind ausnahmsweise nur dann gestattet, wenn zwingende militärische Gründe zu dem einzigen Zweck, die Bevölkerung zu schützen, eine Evakuierung erfordern. Solche Evakuierungen, die sowieso nur vorübergehend sein dürfen, sind illegal, wenn sie aus einer Lebensraumpolitik abgeleitet werden. In Friedenszeiten verstoßen Vertreibungen gegen die UNO-Charta, gegen die Menschenrechtserklärung vom 10. Dezember 1948 und gegen die Menschenrechtspakte von 1966. Für die Unterzeichner des Vierten Protokolls der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und der Grundfreiheiten gelten Artikel 3: »Niemand darf aus dem Hoheitsgebiet des Staates, dessen Staatsangehöriger er ist, durch eine Einzel- oder eine Kollektivmaßnahme ausgewiesen werden. . .«, und Artikel 4: »Kollektivausweisungen von Fremden sind nicht zulässig.«

Für die kirchliche Vertriebenenarbeit gelten also sowohl seelsorgliche Gesichtspunkte als auch gesellschaftliche und politische Gesichtspunkte, historische und menschenrechtliche - wie zitiert - eingeschlossen.

I. 2 »Wende«

Das, was sich in den letzten Jahren im Osten ereignet hat, ist weder zeitlich, noch begrifflich, noch inhaltlich einfach zu fassen. Wann begann die Wende wirklich? Mit dem Beginn der ›Solidarnocs‹-Bewegung in Polen zu Beginn der achtziger Jahre, mit den Veränderungen in der Sowjetunion unter den Stichworten »Glasnost« und »Perestroika«, mit der Öffnung der Grenzen durch Ungarn, mit den Demonstrationen in der damaligen DDR, mit der Ausreise- bzw. Durchreiseerlaubnis der Flüchtlinge?

Es ist wohl ein großes Mosaik von vielen Fakten und Ereignissen, das die Wende zu einem unaufhaltbaren Prozeß werden ließ, einem Erdrutsch vergleichbar. Entsprechend unterschiedlich sind die Bezeichnungen. In der damaligen CSSR bezeichnete man es im nachhinein als »sanfte« oder »samtene Revolution«, in der ehemaligen DDR spricht man von einer »friedlichen Revolution«, in intellektuellen Kreisen in Ost und West - je nach geistigem Standort - vom Ende eines Traumes oder einer Utopie.

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Für die folgenden Überlegungen ist wichtig: Die Veränderungen im Osten, die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen sind tiefer und fundamentaler, als es im ersten Augenblick erschien. Das marxistische System hat im wirtschaftlichen und sozialen Bereich versagt; und auch dies war kein Versagen in einem Randgebiet. Das Herzstück der Lehre aber ist getroffen, vor allem sein anthropologischer Grundansatz: der »homo sovieticus«. 6 Der »homo sovieticus« wurde in der Geschichte positiv und negativ definiert:

Positiv: Die Bezeichnung »homo sovieticus« ist nicht neu. Sie stammt aus den ersten Jahren der Sowjetdiktatur, die mit der Oktoberrevolution 1917 begann. Man findet die Bezeichnung bereits in den Schriften des Revolutionsideologen Georgij Sinowjew, der unter Lenin zu den ersten Führern der Bolschewiken gehörte und von 1919 bis 1927 Leiter der III. Kommunistischen Internationale war. Der Begriff »homo sovieticus« hatte damals einen positiven Sinn; Sinowjew wollte mit diesem Ehrentitel einen Menschen auszeichnen, der seine Bindungen an die eigene Individualität, an Familie und Kirche aufgegeben und mit voller Überzeugung die Zugehörigkeit zum neuen Staat, zur Partei und zum sowjetischen Kollektiv bekundet hatte oder bekunden sollte. So sollte ein selbstbewußter, kommunistischer Mensch entstehen, der nur ein moralisches Prinzip kennt: dem Klassenkampf und dem Sieg des Proletariats zu dienen. Man hat damals ein Schlagwort erfunden, das dem Schlagwort »Pieriestrojka« ähnlich ist, und zwar »Pieriekowka«, das heißt »Umschmieden«. Es ging um ein Umschmieden des russischen Menschen durch die marxistisch-leninistische und zugleich atheistische Erziehung. Im »homo sovieticus« hat man also den Gipfel und die Verwirklichung aller Utopien gesehen.

Negativ: Das kommunistische Herrschaftssystem ist besiegt, aber der »homo sovieticus« - der Mensch, der durch die rote Diktatur geprägt wurde - ist vorerst noch unverändert geblieben. Nicht der Sowjetmensch oder der Russe ist gemeint, sondern der Mensch als »Produkt« der brutalen kommunistischen Diktatur überall dort, wo sie jahrzehntelang herrschte. Der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn hat die Wirkmächte, die den »homo sovieticus« prägen, anschaulich beschrieben unter den Stich Worten: ständige Angst, mangelnde Freizügigkeit, Mißtrauen, Spitzeltum, Verrat als Daseinsform, Zersetzung, Lüge, Grausamkeit, Sklavenmentalität. Das Ergebnis dieser zersetzenden Wirkung nannte er »geistige Seuche«, »Seelenräude«, »Seelenkrebs«. In einem bestimmten Stadium ist Krebs bekanntlich unheilbar; das kann auch vom »Seelenkrebs«, dem der »homo sovieticus« mehr oder weniger verfallen ist, gesagt werden.

Wenn man bedenkt, daß die kommunistische Diktatur mehr als ein Drittel der Menschheit unterjocht hat, dann läßt sich in etwa der Schaden ermessen, den die »geistige Seuche« angerichtet hat. Man darf wohl sagen, daß keine Diktatur unser Jahrhundert so überschattet hat wie die rote. Wir erschaudern

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angesichts der Umweltschäden, die jetzt überdeutlich zutage treten, nachdem der »Eiserne Vorhang« gefallen ist. Die hinterlassenen Innenweltschäden dürften noch viel größer sein. Der Versuch, den perfekten Menschen in einer perfekten Gesellschaft zu konstruieren, ist gescheitert. Das Gegenteil ist eingetreten: Die Religion - bis vor kurzem noch als der Inbegriff des Aberglaubens und der Unterdrückung denunziert - hatte im Bewußtsein und in den Herzen der Menschen noch immer wirklichkeitsverwandelnde Kraft. Der Freiheitswille der Menschen war stärker als alle äußere Gewalt. Eine solche, von uns im Westen nicht vorhersehbare Veränderung hat auch Auswirkungen auf »katholische Vertriebenenarbeit«. Es ist an der Zeit zu prüfen, inwieweit die neue Lage andere Herausforderungen mit sich bringt; es ist zu prüfen, wie die bisherige Arbeit weiterentwickelt werden muß oder kann.

Schließlich ist auch die radikale Frage zu stellen: »Muß es katholische Vertriebenenarbeit in Zukunft überhaupt noch geben?« Dabei muß derjenige, der diese Frage mit »Ja« beantwortet, auch sagen, wie sie inhaltlich gefüllt wird.

II. Katholische Vertriebenenarbeit heute

Die Vertreibung hat den Menschen ihre Heimat in territorialem Sinne in radikaler Weise genommen. Darüber hinaus wurden durch die bewußte »Zersiedelung« (damit die Vertriebenen revolutionäre Sprengkraft entwickeln) in der neuen Heimat viele soziale Bindungen zerstört. Vielleicht aber ist Heimat gerade mehr Bindung als Baum, Strauch und Haus.

Da zeigt es sich: Der Baum ist abgehackt, aber die Wünsche sind geblieben. Geblieben ist vielen der Betroffenen die geistige Nähe zur alten Heimat; gebunden fühlten sie sich darüber hinaus oft geistlich in ihrer Kirche. Dabei war wohl die Zeit des Lamentierens und der Frustration sehr kurz. Die Kräfte wurden in Richtung Zukunft kanalisiert, und zwar in mehrerer Hinsicht: in den Kampf um das physische Überleben; in den wirtschaftlichen Aufbau in der neuen Heimat; in Hilfen für die Menschen in der alten Heimat.

Zentraler Gedanke der Heimatvertriebenen von Anfang an war: »Eine Vertreibung darf es nie wieder geben.« In diesem Sinne wurde auch eine Auseinandersetzung mit den Vertreiberländern gesucht. Dokumente aus jener Zeit - die Eichstätter Erklärung von 1949 und die Charta der Heimatvertriebenen von 1950 - belegen den Versuch, mit den Vertreiberländern ins Gespräch zu kommen. 7 Dies gelang zunächst überhaupt nicht. In den Vertreiberländern war keine Bereitschaft zur Aufarbeitung dieser geschichtlichen Fakten vorhanden.

Zwei Beispiele als Beleg: In Polen waren es nur ganz vereinzelte Stimmen, die sich mit der Frage der Vertreibung befaßten (vor allem Lipsky). Aber schon der Blick auf die Katholische Kirche zeigt, wie schwer die Problemlage ist. Der Episkopat begann erst 1965, sich offiziell zu diesen Fragen zu äußern, und

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seine Äußerungen waren - übrigens bis 1992 - mit der Erwartung verbunden, die Deutsche Bischofskonferenz möge die Oder/Neiße-Linie als Westgrenze Polens anerkennen. Dies hat Kardinal Hoffner noch 1985 mangels Kompetenz der Kirche in solchen Fragen abgelehnt. Professor Franz Scholz hat in seinem Buch Zwischen Staatsräson und Evangelium die Haltung Polens und seiner katholischen Kirche zur Bewältigung des Vertreibungsverbrechens analysiert. 8 Eine seriöse Rezeption steht noch bevor. Das Fehlen der Aufarbeitung der Vertreibung in Polen hat aber bis heute Auswirkungen, zum Beispiel wenn es um Minderheiten- und Volksgruppenrechte für die Deutschen in Schlesien geht.

In der ehemaligen Tschechoslowakei war die Situation ähnlich. Die Vertreibung war - schon als Begriff - dort weitgehend Tabu. Vereinzelte Stimmen unter den Pseudonymen Danubius (J. Mlynarik) 9 und Frantisek Jedermann 10 warnten ihre Landsleute vor einer Verdrängung dieser Frage. Jan Mlynarik schrieb 1977 im Blick auf die unbewältigte Frage der Vertreibung: »Also bleibt hier für die Zukunft eine offene Rechnung mit einem heute kaum berechenbaren Zins 11 1985 - noch vor der Wende - befaßte man sich erstmals öffentlich in Ansätzen mit den Vertriebenen. In großen deutschen Zeitungen wurde aus der CSSR die Frage laut: »Wer seid ihr, die Sudetendeutschen?« In Folge der Wende wandte sich die Katholische Kirche nun öffentlich der Frage der Vertreibung zu, und es kam 1990 zu einem Briefwechsel zwischen den Bischöfen der CSFR und Deutschlands, der ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung der Geschichte sein kann. In drei Bildern soll dargelegt werden, wie katholische Vertriebenenarbeit heute - »nach der Wende« - gefordert ist.

II. 1 Die Josephsgeschichte

Auf dem Sudetendeutschen Tag 1988 wurde im großen Gottesdienst die Frage aus der damaligen CSSR: »Wer sind die Sudetendeutschen?« aufgegriffen. Sie entstammt einem Artikel einer tschechischen Exilzeitung. Der Autor fragt: Was sind die Sudetendeutschen heute? Wie haben sie sich entwickelt, und was wollen sie? Er vermag die offizielle Charakterisierung der Sudetendeutschen in der CSSR nicht zu glauben. Er vermag sich nicht die Sudetendeutschen als »ein Rudel Raubtiere« vorzustellen, vor denen man die Grenze mit allen Mitteln sichern müsse.

Wie aber antwortet man als Sudetendeutscher, zumal noch als Christ? Die Antwort der Bibel lautet: »Ich bin Joseph, euer Bruder!« Die Josephsgeschichte hat viele fasziniert. So schreibt zum Beispiel Thomas Mann, »er habe sich von einem Gegenstand wie die Josephs-Legende produktiv angesprochen gefühlt durch eine Disposition ‹, die nicht nur das Produkt meiner persönlichen Zeit und Lebensstufe war, sondern dasjenige der Zeit im Großen und Allgemeinen, unserer Zeit der geschichtlichen Erschütterungen, Abenteuer und Leiden, durch die Frage des Menschen, das Problem der Humanität selbst uns als

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Ganzes vor Augen gestellt und unserem Gewissen auferlegt worden ist, wie kaum einer Generation vor uns«. 12

Ich habe Ihnen die bildliche Darstellung der Josephsgeschichte aus der Wenzel-Bibel vorgelegt. Das ist kein Zufall, sondern bewußt Absicht; denn Wenzel selbst verkörpert in seiner Person deutsch-tschechische Geschichte 13. Er war als Wenzel I. deutscher König, als Wenzel IV. König von Böhmen. Seine Muttersprache war deutsch, aber er beherrschte auch die tschechische Sprache, Französisch und »erat enim bene literatus congrue loquens latine«. König Wenzel lebte in einer unruhigen Zeit. Die Kirche hatte zwei, dann sogar drei Päpste. In Prag lebte Johannes Hus, bis er auf dem Konzil von Konstanz 1415 verbrannt wurde, und nach ihm fingen die Hussitenkriege an, die jahrzehntelang Böhmen, Deutschland und Österreich verwüsteten.

Wenzel, der Sohn Kaiser Karls IV. und dessen dritter Gemahlin Anna von Schweidnitz erstes Kind, geboren am 26. 2. 1361 in Nürnberg, nach der »Goldenen Bulle« der Wahlordnung zur Wahl des deutschen Königs 1356 -zwanzig Jahre später erstmals nach diesem Gesetz gewählt - in Aachen gekrönt und gesalbt, in Rhens auf dem Königsstuhl dem Volke feierlich vorgestellt, verfiel nach einer glanzvollen Jugend in Faulheit und Trunksucht, »hatte mehr Interesse am Wein als an der Regierung«, stumpfsinnig daheim hinvegetierend, dem Trunk und Fraß hingegeben, im Schlafe Tag und Nacht verwechselnd, »ein ehrloser Tagedieb«, wie Papst Pius II. in seiner Geschichte Böhmens feststellt. Daher wurde er nach 22 Jahren der Reichsregierung im Jahre 1400 von den deutschen Kurfürsten abgesetzt und blieb bis zu seinem Tode 1419 nur noch König von Böhmen. Aus einigen verbürgten Tatsachen, aber noch mehr »es wird erzählt«, sind die düsteren Farben gemischt, mit denen das Bild Wenzels gemalt wurde, wie es in der Geschichte fortlebt. Aber Wenzel ist auch als hochgebildeter Mann zu loben, als der erste Bibliophile auf dem deutschen Königsthron.

Die sogenannte Wenzels-Bibel hat er schreiben lassen, als er deutscher König war; dies wird durch das deutsche Königswappen bekräftigt. Der deutsche König Wenzel I. , gleichzeitig als Wenzel IV. König von Böhmen, hinterläßt in Deutsch jene prächtige Ausgabe.

Die Wenzels-Bibel ist die älteste deutsche Prachthandschrift der Bibel, in Prag um 1390 geschrieben, im Todesjahr Johann von Nepomuks 1393 beendet, die beste der deutschen Bibelübersetzungen, 130 Jahre bevor Luther mit seiner Verdeutschung der Bibel begann. Sie ist in dem Deutsch geschrieben, das damals in Prag gesprochen wurde. Dargestellt sind im Bild die Brüder vor Joseph (Genesis XLV, 4-8). Die Brüder stehen noch ungläubig staunend vor Joseph. Auch Benjamin ist wieder in ihrer Schar, aber sein bartloses Knabengesicht ist nicht zu sehen. Die Geste Josephs auf diesem Bild ist die anschauliche Übertragung des umrahmenden Textes: »Geet her zu mir, und da sie nahen zu im quamen. Ich bins so sprach her, ewer bruder Joseph, den ir verkouft.«

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Was heißt die Antwort: »Ich bin Joseph, euer Bruder« für das Verhältnis von Tschechen und Sudetendeutschen? Diese Aussage ist der Höhepunkt der Josephs-Geschichte am Ende des ersten Buches des Alten Testamentes. Die Brüder hatten Joseph aus Neid und Mißgunst zunächst in eine Zisterne geworfen und ihn dann - weil sie ihn nicht morden wollten - für 20 Silberlinge verkauft. So kam Joseph nach Ägypten. Er gewann das Vertrauen des Pharaos und wurde dessen Bevollmächtigter, der in den sieben fetten Jahren das Getreide für die sieben mageren Jahre sammelte.

Als die mageren Jahre angebrochen waren und in Israel die Hungersnot groß war, schickte Jakob, der Vater von Joseph, seine Söhne nach Ägypten, um Getreide zu kaufen. Sie wußten nichts von ihrem Bruder Joseph, und sie erkannten ihn nicht, denn sie hatten ihn vergessen, den Gedanken an ihn verdrängt. Aber er, Joseph, ließ die Sehnsucht nach der Heimat wieder mit urwüchsiger Gewalt hervorbrechen. Er rächte sich nicht, sondern prüfte hart. Als er merkte, daß sie sich gewandelt hatten, trat er voller Rührung vor seine Brüder und sagte: »Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt.« Und so endet diese Geschichte voller Leid, Unglück und bitterer Erfahrung in Versöhnung und Glück.

Der Blick in die Geschichte des tschechischen und deutschen Volkes zeigt: seit Jahrhunderten sind wir Nachbarn. Man kennt einander, man spricht voneinander, man spricht miteinander, man hilft einander. Es gab Zeiten des Verstehens und des Nichtverstehens. Es gab Zeiten, da waren die Sudetendeutschen »Joseph«, und es waren Zeiten, da waren die Tschechen »Joseph«. Tschechen und Deutsche, das sind verschiedene Mentalitäten, die je ihre eigene Berechtigung haben und ohne die Europa als Ganzes ärmer wäre.

Ich halte es mit Willy Lorenz in Liebe zu Böhmen, der von drei Völkern der einen böhmischen Nation spricht: Sehwejk/Haftelmacher und Co(hn). 14 Ich denke, an der Josephs-Geschichte ist Maß zu nehmen zur Aufarbeitung der Vertreibung, denn diese Aufarbeitung ist bei uns und in den Vertreiberländern nötig. Freilich, es setzt voraus, daß alle Beteiligten eine gemeinsame Ebene anerkennen, auf der Problem- und Konfliktlösungen angestrebt werden.

II. 2 Die wundersame Befreiung des Petrus

Zum zweiten Bild will ich mit einem persönlichen Erlebnis beginnen: Eingeladen von Bischof Karel Otcenasek zu seiner Amtseinführung nach Königgrätz, machte ich mich im Januar 1990 auf den Weg nach Ostböhmen, um an einem nicht alltäglichen Ereignis teilzuhaben: Da wird 40 Jahre nach seiner Bischofsweihe ein Priester in sein Amt eingeführt im Beisein des Staatspräsidenten des Landes, das Bischöfe, Priester und Ordensleute verhaften, mißhandeln und hinrichten ließ, und der Innenminister, dessen Amtsvorgänger die harten Polizeieinsätze gegen Demonstranten und Dissidenten befehligte, tritt im Gottesdienst als Lektor an den Ambo, um die Epistel vorzulesen, und

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spricht alle an mit: »Liebe Brüder und Schwestern!« Unvorstellbar und wunderbar unglaublich!

Ich gestehe, es ging mir so, wie es von Petrus in dieser Geschichte heißt: »Es kam ihm vor, als habe er eine Vision.« Ich nutzte die Gelegenheit und fuhr von Ostböhmen in meine nordmährische Heimat, und dort konnte ich - das 25jährige Primizjubiläum war schon lange vorüber - endlich dann bei einem Samstagabendgottesdienst die Heimatprimiz feiern. Versammelt war eine kleine Gemeinde, deren Kleidung man schon ansehen konnte, daß das nicht die politisch Bedeutsamen und Reichen waren. Unvermutet bat mich der Franziskanerpater um ein paar Predigtworte. Was war da zu sagen? Meine Augen trafen hilfesuchend das Altarbild. Ich habe es später fotographiert und lege es ihnen vor: »Die wundersame Befreiung des Petrus«. Ich dachte mir und sagte das dann auch: »Ist das nicht die Situation der ostmitteleuropäischen Staaten?« Waren sie nicht in das Gefängnis geraten, halb hineingegangen, halb hineingezogen? Und nun wurden sie an den Wachen vorbei aus dem Kerker hinaus in die Freiheit geführt. Wen wundert's da, wenn es ihnen Petrus gleich geht: »Es kam ihm vor, als habe er eine Vision«, und wie es den Mitteldeutschen, den Tschechen, den Ungarn, den Polen und den anderen ergeht, so ergeht es auch der Kirche dieser Länder. Auch von der Kirche gilt: Es ist, als wenn sie einen Traum erlebt, mit allen Befürchtungen, die schöne Träume so an sich haben: sie können sich eben nur als ein Traum erweisen, aus dem man in eine harte Wirklichkeit aufwacht, und alles ist so wie früher - wie Lenin es sagte und wie seit 1917 in der Sowjetunion und seit 1945 in den osteuropäischen Satelliten gehandelt wurde: »Die Religion ist das Opium des Volkes. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz und ihre Ansprüche auf ein halbwegs menschenwürdiges Leben ersäufen!«

Aber der Marxismus ist nicht nur politisch und gesellschaftlich gescheitert. Zu Fall gekommen ist jener Materialismus, der den Geist zur bloßen Folge materieller Strukturen, zum bloßen Überleben des wirtschaftlichen oder politischen Systems herabdrücken wollte. Es hat sich herausgestellt: Der Geist hängt gewiß zum guten Teil von seinen materiellen Bedingungen ab, aber er überragt sie. Vieles, was der Marxismus »zum Wohle des Menschen«, »zur Schaffung des perfekten Menschen« erdacht und politisch umgesetzt hat, führte zur Unfreiheit und ließ sich nur mit Zwang erreichen. Die Folgen sind nach der Wende sichtbar: Der individuelle Freiheitswille bricht auf; die ethnischen und nationalen Unterschiede wurden nur durch Zwang unter Kontrolle gehalten, nicht aber »überwunden«; die religiöse Dimension konnte den Menschen nicht genommen werden.

Die Staaten, besser gesagt die Volksgruppen, fühlen sich von Zwang befreit. Sie müssen lernen, ihre Verhältnisse neu zu ordnen, nicht zwangsmäßig, sondern freiwillig, friedlich und gemeinsam. Gerade die Heimatvertriebenen werden auch in Zukunft für rechtlich gesicherte Volksgruppen- und Minder-

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heitenrechte eintreten müssen, nicht um Unfrieden in die Staaten zu bringen, sondern Frieden. Deshalb werden auch die Vertreiberländer nicht um eine Aufarbeitung des mit den Vertriebenen gemeinsamen Schicksals herumkommen.

Die Kirche ist vor große Herausforderungen gestellt. Die religiösen Fragen der Menschen sind geblieben. Wird die Kirche die richtigen Wege finden? Wird es gelingen, die Botschaft von »Friede und Heil«, wie es im Kanon der Messe heißt, den Suchenden nahezubringen, mehr noch: erlebbar und erfahrbar zu machen? Es ist eine schwierige Aufgabe. Ihren Grundauftrag muß die Kirche nicht schaffen, sie findet ihn vor: Derselbe Glaube, derselbe Christus und dieselbe Kirche gelten für die Christen aller Zeiten und Räume und Generationen.

Aber: Die Zugänge, Fragen, Probleme und Perspektiven, die den Blick für Glaube, Christus und Kirche freigeben oder erschweren, hängen auch von den zeitgeschichtlichen, kulturgeschichtlichen und lebensgeschichtlichen Bedingungen ab. Es wird entscheidend sein, ob es der Kirche gelingt - und hier ist sowohl die Ortskirche als auch die Weltkirche gemeint-, deutlich zu machen, daß diese Botschaft von Friede und Heil nicht weitab und weltfern ist, sondern etwas mit den konkreten Lebensbedingungen zu tun hat.

Der Dogmatiker Schmaus macht dies deutlich, wenn er formuliert: »Das Wort ›Heil‹ kann unter sehr verschiedenen Aspekten betrachtet werden. Es kann interpretiert werden als Freiheit, Friede, Liebe, als menschenwürdige, politisch richtige, soziale, freiheitliche Wirtschaftsordnung, als Gesundheit, als Bildung, als Wissen, als moralische Erziehung des Menschen, als Sicherung des Daseins in den verschiedensten Bezirken. Keiner dieser Gesichtspunkte ist bei der biblischen Verkündigung des Heiles ausgeschlossen. Aber sie sind von einem alle diese wahrhaft wichtigen Güter umgreifenden und in sich beruhenden Heilselement getragen.«15 Mit der Aktion »RENOVABIS« will die deutsche Kirche ihre konkrete Hilfe leisten. Es werden gerade Heimatvertriebene sein, deren Sachverstand und Kenntnis der Situation diese Aktion benötigt, damit die Hilfe ihren Sinn erfüllt. Die Bischöfe haben im Aufruf zur Aktion »RENOVABIS« geschrieben: »Wir haben uns entschieden, der neuen Aktion den Namen RENOVABIS zu geben, weil in diesem Namen gewissenmaßen die Wende vorkommt. ›Du wirst das Antlitz der Erde erneuern. ‹ Es gibt nur eine gültige Wende. Gott hat uns die Wende geschenkt. Er hat sich in Jesus Christus für die ganze Welt entschieden, für den Menschen im Osten und Westen, im Norden und Süden. Das Ja Gottes in Jesus Christus, seine Zuwendung zu uns ist der entscheidende Grund, uns den Menschen in Mittel- und Osteuropa zuzuwenden.«16

Man kann es auch im Bild der »wundersamen Befreiung« sagen: Damals - nach der wundersamen Befreiung - klopfte Petrus an das Tor, aber man machte das Tor vor Freude nicht auf. Und dann heißt es: »Petrus aber klopfte noch immer.«

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II. 3 Das Salomonische Urteil

In den ersten beiden Bildern war von den katholischen Vertriebenen und der Situation in den Vertreiberländern die Rede. Wie bringt man beides zusammen? Wie sieht der Weg nach der Wende im Verhältnis Heimatvertriebene/ Vertreiber aus? In meiner Heimatstadt Mährisch-Trübau war ich in einer Gruppe zu einem Besuch ins Rathaus eingeladen. Bürgermeister Vlk begrüßte uns freundlich und sprach davon, daß Trotzkis Optimismus doch eine gute Grundlage für die Zukunft von Tschechen und Deutschen sei. Ich fühlte mich zu einer Erwiderung herausgefordert, und mein Blick fiel auf eine Darstellung des Salomonischen Urteils, das als Fresko an der Wand zu sehen war. Ich denke und sagte es auch, das Salomonische Urteil sei bei aller Wertschätzung von Optimismus vielleicht doch ein tragfähigerer Ausgangspunkt für das Zusammenleben von Tschechen und Deutschen, von Heimatvertriebenen und Vertreibern. Aus der Sicht der Tschechen bedeutet es doch keine Bedrohung, wenn die Sudetendeutschen sich ihrer alten Heimat verbunden fühlen. Im Gegenteil, sie haben in der Vergangenheit nie ihre Heimat im Stich gelassen und werden es auch in Zukunft nicht tun. Sie werden aber - und darin sehe ich einen Dienst gegenüber den Vertreiberländern - eine moralische und rechtlich-politische Aufarbeitung einfordern müssen. Dies ist für beide Seiten nicht einfach, aber notwendig.

Dabei ist festzustellen, daß die Entwicklungen in den Vertreiberländern nicht parallel verlaufen. Auf dem Oberschlesier-Treffen 1990 in Essen erklärte Otto von Habsburg: »Wir haben es mit Dankbarkeit zur Kenntnis genommen, daß der neue tschechoslowakische Präsident, Vaclav Havel, ein bemerkenswerter Verteidiger der Freiheit und der echten Demokratie, eindeutig die Schuld und das Verbrechen der Vertreibung bekannt hat. Er hat klar ausgesprochen, daß es sich hier um einen historischen Fehler gehandelt hat. Das hat die Atmosphäre gereinigt und hat dazu geführt, daß die Beziehungen zwischen Sudetendeutschen und Tschechen wesentlich besser und entspannter geworden sind, wie wir es mit freudigem Herzen anläßlich des jüngsten Sudetendeutschen Tages in München beobachten konnten. Ebenso aber möchte ich mit Bedauern sagen, daß ich leider von polnischer Seite noch immer solche Worte vermisse. Das gilt nicht nur für den Staat, sondern auch für die Kirche. Wenn ein hoher kirchlicher Würdenträger auf der einen Seite erklärt, er wolle keine deutschsprachigen Messen in Breslau zulassen, aber im gleichen Atemzug fordert, daß man polnische Messen in Lemberg abhalte, so fehlt ihm leider die Glaubwürdigkeit. Es muß ein gleiches Recht für alle geben, der Begriff Sieger und Besiegte muß aufhören. Eine echte Aussöhnung zwischen den europäischen Völkern fordert das bedingungslose Bekenntnis zur Wahrheit.«

Blicken wir aber auch bei dem Verhältnis Sudetendeutsche/Tschechen genauer hin: Es ist sicher kein Zufall, daß in der Tschechischen Republik ein

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Mann wie Vaclav Havel solche Anerkennung findet, verkörpert er doch für viele das, was in einem Buchtitel zusammengefaßt ist: Gewissen und Politik.

Im Mai 1990 sagte er in Straßburg: »Sofern ich in meinem bisherigen Leben über grundlegende Dinge nachdachte, also über Fragen der Moral, der Politik oder der bürgerlichen Existenz, stieß ich stets früher oder später auf einen vernünftigen Menschen, der mir im Namen der Vernunft sehr vernünftig erklärte, auch ich müsse vernünftig sein, müsse mit meinen absonderlichen Erwägungen aufhören und mir endlich bewußt machen, daß nichts zum Besseren gewendet werden könne, weil die Welt ein für allemal in zwei Hälften geteilt sei. Beide Hälften seien angeblich mit dieser Trennung zufrieden, und keine beabsichtige, etwas daran zu ändern. Sich im Einklang mit seinem Gewissen zu verhalten, habe angeblich keinen Sinn, weil niemand etwas verändern könne, und alle, die keinen Krieg wollen, sollen sich eben ruhig verhalten. Diese angebliche Stimme der Vernunft drang dann besonders oft nach Breschnews Überfall auf die Tschechoslowakei an mein Ohr. Danach lebten alle sogenannten vernünftigen Leute geradezu auf, denn sie hatten für ihre Ideologie der Gleichgültigkeit gegenüber den Dingen der Allgemeinheit ein neues Argument. Sie konnten nun sagen: ›Da siehst Du es, so geht es eben, alle haben uns abgeschrieben, wir interessieren niemanden, nichts können wir ändern, alles ist umsonst, das soll Dir eine Lehre sein, sei lieber still! Oder willst Du ins Gefängnis‹.«17

Es ist wohl verständlich, daß auch die Heimatvertriebenen voller Hoffnung auf Vaclav Havel schauen. Dabei ist aber auch zu erkennen: Ein schwieriger Weg ist noch zu gehen. Es gibt mittlerweile offizielle Stimmen in der Tschechischen Republik, die die Vertreibung der Sudetendeutschen als Ungerechtigkeit und als unmoralisch bezeichnen. Aber es ist nicht zu verkennen, daß z. B. Vaclav Havel, als er diese Aussage im März 1993 in Österreich machte, in seiner Heimat auf Kritik stößt und diese selbst dann wieder relativiert. Es zeigt sich, wie schwierig es auch für einen Mann wie Vaclav Havel ist, moralisch Erkanntes auch rechtlich und politisch umzusetzen bzw. umsetzen zu wollen. Wer Unrecht als Unrecht anerkennt, muß auch Wege der Wiedergutmachung suchen, wie immer diese im Konkreten aussehen mögen. Zunächst aber müssen doch jene Rechtsgrundlagen, die für die Vertreibung erlassen wurden (Benes-Dekrete), außer Kraft gesetzt werden. Eine solche »Wiedergutmachung« führt zu keiner »wirtschaftlichen Überforderung«. Es muß in den Vertreiberländern - von den Vertriebenen mit Geduld, aber beharrlich angemahnt - das Bewußtsein dafür geschärft werden, daß schlimmer noch als der Verlust der territorialen Heimat der Rechtsverlust ist. Wer dies nicht ändert, schadet nicht nur den Heimatvertriebenen, sondern letztlich sich selbst. Das Salomonische Urteil bedeutet eben nicht Verzicht auf Recht, es gibt aber die Gewähr, daß Wiedergutmachung nicht zerstörerisch, sondern aufbauend ist.

In diesem Sinne hat katholische Vertriebenenarbeit zu wirken, in diesem Sinne muß sie die Vertreiberländer zu einer Auseinandersetzung mit der

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gemeinsamen Vergangenheit bringen. Eine Zukunftsgestaltung - ohne die Trümmer der Vergangenheit zu beseitigen, zu entsorgen - geht ins Leere, mehr noch: »Wer die Vergangenheit nicht kennt, den kann es die Zukunft kosten.« (Reiner Kunze).

III. Die Arbeit geht weiter

Anhand von drei biblischen Bildern, der Josephs-Legende, der Befreiung des Petrus und des Urteils Salomons, habe ich die katholische Vertriebenenarbeit nach der Wende beleuchtet. Es zeigt sich: Es bedarf keiner »Wende« in der katholischen Vertriebenenarbeit, schon gar nicht ist sie überflüssig geworden. Im Gegenteil: Alten und neuen Herausforderungen sieht sich die katholische Vertriebenenarbeit gegenüber. Als Beispiel seien drei genannt: eine eher gesellschaftlich-politische, eine eher diakonische, eine eher pastorale.

III. 1 Ächtung jeglicher Vertreibung

Die Rahmenbedingungen in der Arbeit hin zu den Vertreiberländern sind besser geworden. Die Chancen, in einem freien Dialog die Vergangenheit aufzuarbeiten, sind größer geworden. Es muß auf allen Seiten die Bereitschaft zur Offenheit und zur historischen Wahrheit immer wieder geweckt werden. »Gerade in Situationen, wo Geschehenes nicht einfach umkehrbar ist, alte Gegebenheiten nicht wiederherstellbar sind, muß in geduldiger, verständnisvoller Arbeit ein gerechter Ausgleich zwischen zur Zeit widerstrebenden Interessen gefunden werden, wo alle Seiten in freier Entscheidung eine Lösung finden, die tragfähig ist.«18

Dies macht eine weitere Auseinandersetzung über das Unrecht der Vertreibung mit den Vertreiberländern notwendig. Denn es geht ja nicht nur um die Vertreibung der Deutschen nach 1945. Dies war - leider Gottes - nicht die letzte Vertreibung. Es stimmt nachdenklich, wenn zum Unwort des Jahres der Begriff »ethnische Säuberungen« gewählt wurde. Die Tatsache, daß Vertreibung der alteingesessenen Bevölkerung noch immer als politische Methode eingesetzt wird, muß jene zur Besinnung bringen, die meinen, im Verschweigen würde eine Problemlösung liegen. Und solche Ideen gibt es auch in Deutschland. Noch einmal sei aus dem Pastoralbrief von 1990 zitiert: »Vertreibung der alteingesessenen Bevölkerung ist eine Verletzung elementarer Menschenrechte, die nicht zu rechtfertigen ist, gleichgültig von wem, wo oder wann sie geschieht. Heimatvertriebene wirken mit der Forderung nach Anerkennung der rechtlichen Gegebenheiten dem Eindruck entgegen, daß sich Vertreibung lohne, denn wenn man nur lange genug warte, werde dieses Unrecht schon zu Recht erklärt.«19

Hier gegenzusteuern ist auch in Zukunft eine Aufgabe der katholischen Heimatvertriebenen, so lange, bis Vertreibung als politisches Mittel nicht mehr

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in Betracht gezogen wird. Es ist ein Teil des Einsatzes für die Einhaltung der Menschenrechte, die auch Volksgruppenrechte, Selbstbestimmung der Völker und Religionsfreiheit einschließen.

III. 2 Sorge für die Aussiedler

Mit den deutschen Aussiedlern kommen jedes Jahr Menschen nach Deutschland, die wohl am längsten unter den Kriegsfolgen gelitten haben. Katholische Vertriebenenarbeit hat hier wichtige Aufgaben. Zum einen sind die Heimatvertriebenen gefordert, in der deutschen Öffentlichkeit für eine größere Aufnahmebereitschaft zu sorgen und selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Wer anders als Heimatvertriebene kann sich in das Schicksal der Aussiedler hineindenken und diese verstehen. Zum anderen muß katholische Vertriebenenarbeit helfen, Aussiedler in der neuen Heimat auch kirchlich zu integrieren. In den Aufnahmelagern werden die Aussiedler mit viel Engagement von Seelsorgern und der Caritas betreut. Es werden dort viele Kontakte aufgebaut, die zu versickern drohen, wenn die Familien dann an ihren endgültigen Wohnort kommen. Kirchengemeinden wissen oft nichts von den Neuzugezogenen, auch fehlt bei vielen das Wissen um Herkunft und Schicksal dieser Menschen. Hier muß auch in Zukunft katholische Vertriebenenarbeit einen Schwerpunkt ihres Engagements sehen, und zwar müssen das sowohl die Seelsorger als auch die katholischen Vertriebenenverbände.

III. 3 Theologische Aufarbeitung

Nicht vergessen werden darf die theologische Deutung des Vertreibungsschicksals der Vertriebenen und der Aussiedler. Dies ist wohl ein eigenes Thema. Einige Stichworte seien genannt: Der Christ lebt im Spannungsbogen zwischen dem »Recht auf Heimat« einerseits (Papst Johannes Paul II. in Bangkok) 20 und dem Wissen, daß die irdische Heimat nicht das Endgültige ist. Der Christ weiß um die Notwendigkeit der nationalen und ethnischen Identität und gleichzeitig um die Vorläufigkeit, die Relativität des Ganzen. Der Christ betet in seiner Not - hoffentlich nicht nur dann - zu Gott und erfährt sich oft als nicht erhört. Hier sind theologische Aufarbeitung und pastorale Begleitung nötig. Dazu bedarf es des Kennens und des Verständnisses für das Schicksal der Vertriebenen.

Anmerkungen

1. Albrecht Lehmann, Im Fremden ungewollt zuhaus, München 1991.

2. Albrecht Lehmann, aaO.

3. Alfred Maurice de Zayas, Anmerkungen zur Vertreibung der Deutschen aus dem Osten, Stuttgart 1986.

4. Nähere Ausführungen dazu siehe bei: G. Pieschl, »Anmerkungen zu Kirche und Vertriebenenarbeit heute«, Vortrag beim Wilhelm-Böhler-Club, Bonn 1987.

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5. Alfred Maurice de Zayas, aaO.

6. Vgl. Ronald Rak, »Die Überwindung des homo sovieticus. Eine ethisch-pastorale Aufgabe«, in Oberschlesisches Jahrbuch 1992, Berlin 1992.

7. Die einschlägigen Dokumente sind veröffentlicht in der Schriftenreihe der Ackermann-Gemeinde Nr. 24, München 1970.

8. Franz Scholz, Zwischen Staatsräson und Evangelium, Frankfurt 1988.

9. Jan Mlynarik, Thesen zur Aussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1945-47, München 1985.

10. Frantisek Jedermann, Verlorene Geschichte, Köln 1985.

11. Jan Mlynarik, aaO.

12. Thomas Mann, Josef und seine Brüder, Frankfurt 1975.

13. Franz Unterkircher, König Wenzels Bibelbilder, Graz 1983.

14. Willy Lorenz, Liebe zu Böhmen, Wien-München 1988.

15. Vgl. zu diesen Überlegungen: G. Pieschl, »Kirche auf dem Weg ins Jahr 2000«, in Mitteilungen des Bistums Limburg, Heft 1/1979.

16. Zitiert nach ». . . das Antlitz der Erde erneuern«, Pastoralbrief des Vertriebenenbischofs und der Apostolischen und Kanonischen Visitatoren Pfingsten 1993.

17. Vaclav Havel, »Europa - Eine reale Vision«, in Gewissen und Politik, Kleine Reihe des Institutum Bohemicum, 13, München 1990.

18. »Verständigen, Versöhnen, Neugestalten«, Pastoralbrief des Vertriebenenbischofs und der Apostolischen und Kanonischen Visitatoren vom 5. August 1990.

19. Ebenda.

20. Ebenda.

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