HANS SCHMIDT
Wallensteins Feldherrntum

Wallenstein der Feldherr und Soldat ist nicht unbedingt das Lieblingsthema der bisherigen Wallensteinforschung. Seine Biographen haben vielmehr diesen Aspekt seines Wirkens eher mit einer gewissen Unlust recht unscharf dargestellt. Dabei beruhte aber doch die ganze Laufbahn des Friedländers in erster Linie auf seinem Feldherrntum. Seine kriegerischen Erfolge waren schließlich die Voraussetzung für sein politisches Wirken, das dann aber die Historiker offenbar so faszinierte, daß sie seine militärische Tätigkeit dahinter zurückstehen ließen.

Gewiß, seit Moriz Ritter 1 hat man sein Kontributionssystem als eigenständige Organisationsleistung erkannt und noch mehrfach gewürdigt 2, gewiß hat auch die Wallensteinbiographik seit eh und je die Tatsache, daß er ein gewaltiges Heer in kurzer Zeit auf die Beine zu stellen vermochte, hervorgehoben, aber eine Würdigung seiner Bedeutung für das Kriegswesen seiner Zeit und eine Analyse seiner Feldherrneigenschaften fehlt in der Regel. 3

1984 sprach ich diesen Umstand zum ersten Mal an 4 und verwies darauf, daß allenfalls Golo Mann, der Wallensteins Kriegskunst in einen Nebel snobistisch-ästhetizistischen Pseudopazifismus hüllte, durch gelegentliche sachkundige Bemerkungen verriet, daß er es auch besser hätte machen können 5. Als Beispiel dafür sollen die folgenden Zitate dienen. »Es war eine Diversion, aus denen der Krieg seit 15 Jahren im wesentlichen bestand; einer jener Feldzüge, die eben sowohl anderswohin hätten gehen können, und noch besser unterbleiben. Warum nach Schlesien? Warum nicht nach Schlesien? Wieviel Heere waren über die waldigen Bergpäße zwischen Böhmen, Sachsen, Schlesien schon getrieben worden, zum Verderb der Länder, wieviele würden es noch Jahrhundert um Jahrhundert?« 6 Oder: »Man kennt die wenigen strategischen Figuren, die endlos sich wiederholten. Einer ging irgendwohin, damit er den anderen hinter sich herzöge; so Wallenstein nach Sachsen im November 1632. Einer verfolgte den anderen, der nicht verfolgt zu werden

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wünschte, und erwischte ihn, oder erwischte ihn nicht; wie Wallenstein 1626 den Freibeuter Ernst von Mansfeld bis nach Ungarn verfolgt hatte, ohne ihn zu erwischen. Einer verfolgte den anderen, oder er tat so, als ob er ihn verfolgte, kehrte aber plötzlich um und stieß vor in den dünn verteidigten Raum, den der andere verlassen hatte. . .« 7 Aber auch: »Tilly und Wallenstein waren beide bedeutsame Generale, jeder auf seine Art. . . Wallenstein bei scheinbarem Nichtstun, welches man ihm so oft vorwarf, machte erst mit Werbungen und Rüstungen sicher, daß er der zahlenmäßig überlegene wäre, um dann durch weite, allmählich sich verengende Märsche den Feind abzuschneiden, einzukreisen, endlich zu fangen.« 8

Letztgenannter Satz enthält zweifellos eine sachliche Aussage, über deren Inhalt man zwar streiten kann, aber das ist eine andere Frage. Und überdies stehen derart konkrete Sätze nur recht vereinsamt im Schwulst von Auslassungen wie den vorher zitierten.

Hellmut Diwald 9 ist in militärhistorischer Hinsicht weitaus der kundigste und präziseste. Aber auch er unterließ es, eine Synthese des Wallensteinischen Feldherrntums zu geben. Sätze wie: »Zu den größten Eigenschaften des Feldherrn Wallenstein gehört eine Fähigkeit, die bei den zeitgenössischen Soldatenführern kaum zu finden ist: die Gabe, abwarten zu können, den Überblick zu behalten.«10 oder: »In der Kunst des kampflosen Hinausmanövrierens war Wallenstein der unerreichte Meister der ganzen Epoche. Und diese Epoche, in der es für einen Fürsten nichts Kostspieligeres gab als Soldaten, sah in der Kunst des kampflosen Sieges die Krönung aller strategischen Fähigkeiten.« 11 zeigen, daß Diwald den nötigen Sachverstand und ein nüchternes Urteil besaß. Aber auch er beließ es bei Einzeleinsichten. Offenbar interessierte ihn diese Seite seines Helden weniger. Seine Biographie, das muß deutlich gesagt werden, ist die präziseste aller Wallensteinbiographien und verdient deutlich den Vorzug vor Golo Mann.

Die deutsche Kriegsgeschichtsschreibung von Clausewitz bis Siegfried Fiedler 12 hat sich auch nicht gerade sehr eingehend mit den Feldherreneigenschaften des Friedländers befaßt. Und Josef Seidlers eingehende Untersuchungen über Lützen 13 gelten eben doch nur dieser Schlacht. Neuerdings hat Marcus Junkelmann 14 dem militärischen Gegenspieler Gustav Adolfs in seiner Biographie dieses Königs erhellende und zum Teil sehr kritische Ausführungen gewidmet, aber auch sie sind keine Gesamtwürdigung des Feldherrn Wallenstein und wollen es nicht sein.

Liddell Harts Wallenstein-Essay von 1927 15 gelangte ebenfalls nicht zu einer systematischen Betrachtung. Zu kurz und knapp, aber die Dinge doch wohl richtig sehend, sind Günther E. Rothenbergs Ausführungen in Makers of Modern Strategy. 16

Unerläßliche Voraussetzungen zur Beurteilung von Wallensteins Feldherrnfähigkeiten sind einmal eine kurze Betrachtung von Taktik und Strategie der Zeit, daneben eine Beleuchtung der damaligen Heeresstruktur und

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schließlich eine Erörterung der logistischen Voraussetzungen des Zeitalters. Gerade der letztgenannte Aspekt war ja zu allen Zeiten ein Kernproblem der Kriegführung. Neben Martin van Crefelds Monographie ist als bahnbrechende Untersuchung der logistischen Problematik für die Frühneuzeit Geoffrey Parkers Buch über die Spanische Straße zu nennen. 17

Hauptwaffengattungen damaliger Heere waren Infanterie und Reiterei. Die Reiterei diente dabei der Offensive, während die Infanterie eher den defensiven Kern einer damaligen Armee bildete. Eine merkwürdige Entwicklung hatte zu dieser Teilung der Aufgaben geführt. Im 15. und 16. Jahrhundert mußte zunächst das alte Rittertum, das auf hochspezialisierten, gut trainierten, kostspielig ausgestatteten Einzelkämpfern beruhte, seine Ohnmacht gegenüber dem Massendruck eines geschlossenen Haufens spießtragender, aber sonst höchst einfach ausgerüsteter Fußsoldaten erfahren. Eine Entwicklung, die von hoher Symbolkraft für die heraufziehende Neuzeit ist: dominiert in dieser doch in zunehmendem Maße die Quantität über die Qualität, und zwar in allen Lebensbereichen.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aber erlebten dann die inzwischen auch zu geworbenen Söldnern gewordenen Reiter eine Renaissance. Änderungen in Bewaffnung und Taktik waren dafür verantwortlich. Nicht länger mehr attackierten sie nämlich mit der Lanze oder dem Schwert in der Faust zuerst im Trab und dann im Galopp. Denn dieser Angriff mußte am Stacheligel der Spieße des Fußvolks zerschellen - das hatten die Ritterheere ja schmerzlich erfahren müssen. Nein, die neu entstehende Kavallerie bediente sich - immer noch relativ schwer gepanzert - der Karakole oder Schnecke als neuer Angriffsart. Das heißt, sie ritt langsam an den Gegner heran und feuerte ihre schweren Reiterpistolen auf den Haufen des Fußvolks ab. Jeder Reiter besaß bis zu sechs derartiger Pistolen, die in den Halftern und Stiefelschäften steckten. Nach dem Abfeuern ritt das erste Glied je zur Hälfte nach rechts und links ab, schlug einen halbkreisförmigen Bogen und gab so Gelegenheit zum Schießen für das nächste Glied. Selbst schloß man hinter dem letzten Glied der Truppe wieder auf, lud während dieses Manövers seine Pistolen, um beim erneuten Treffen auf den Feind wieder schießen zu können. Hatte man in den geschlossenen Wall der Spießer schließlich eine Bresche geschossen, dann brach man mit der blanken Waffe ein und war im Nahkampf dem Fußsoldaten mit seiner schwerfälligen Stange, aber auch den Kurzwaffenträgern zu Fuß überlegen. Das ganze Verfahren war umständlich und wirkte am besten gegen reine Pikeniere, die nicht von Schützen unterstützt wurden. Denn deren Gewehre schossen weiter und trafen genauer.

Auch im Kampf Reiter gegen Reiter wandte man die Karakole an. Die Kürisser, wie die Schwere Reiterei hieß, waren relativ stark gepanzert und saßen daher auf schwerfälligen, starken Pferden, die nicht sehr beweglich waren. Aber die Reiter waren über dem Einstudieren dieses kunstvollen und umständlichen Manövers zum taktischen Körper geworden, durchdiszipli-

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niert und ihren Führern folgend, im Gegensatz zu den ritterlichen Einzelkämpfern. Mit zunehmender Sicherheit in der Bewegung wurden die Aufstellungen auch weniger tief. Ursprünglich waren es 17 Glieder gewesen.

Neben der schweren Reiterei gab es für den Aufklärungs- und Streifendienst leichte Reiter, die meist auf dem Balkan oder in Ungarn geworben wurden, wie die Stradioten - Albaner zumeist -, die Kroaten oder die leichten berittenen Schützen, Arkebusiere genannt nach ihrem leichten Gewehr, das ohne Stützgabel schießen konnte. Im Verlauf des Krieges kamen dann noch die Dragoner auf. Anders als die Arkebusiere waren sie eine auf minderwertigen Kleppern sitzende berittene Infanterie und kämpften zu Fuß. Die Karakole bewährte sich schließlich am besten beim Kampf von Reiterei gegen Reiterei. 18

Die Infanterie war - das gilt vor allem für die kaiserlichen und ligistischen Heere, aber auch für das Wallensteins zumindest am Anfang - gegliedert in die sogenannten spanischen Tercios, gewaltige Schlachthaufen, die den festen Kern der Armee bildeten. Sie hatten sich aus dem Gewalthaufen der Schweizer und Landsknechte des 16. Jahrhunderts entwickelt. Mit zunehmender Anzahl der Feuerwaffenträger verwendete man die Tercios nicht mehr wie jene zum raschen Gewaltstoß. Die Tercios rückten vielmehr langsam auf den Feind los.

Den Kern eines Tercios, das ein gewaltiger viereckiger Haufen von 2000-3000 Soldaten war, bildeten die hochbezahlten Pikenträger. Die Schützen standen bastionsartig an den vier Ecken des Tercios. Bei ihnen unterschied man zwischen den Musketieren, deren schweres Gewehr beim Schuß auf einer Stützgabel ruhte, und Schützen mit leichteren Gewehren, die man aus der bloßen Hand abschießen konnte. Diese leichten Schützen bildeten den äußersten Rand der Feuerwaffenträger. Sie alle beschossen den sich nähernden Feind und warfen sich, wenn er auf Nahkampflänge herankam, für den sie nur unzulänglich bewaffnet waren, entweder vor der ersten Pikenierlinie auf den Boden, oder sie versuchten, noch rasch um die Pikenierfront herumzulaufen. Die Pikeniere senkten dann ihre vier bis sechs Meter langen Spieße und wehrten mit diesen den Stoß des Gegners ab, um dann langsam nachdrückend diesen zu werfen. Mit Recht hat man daher die Tercios wandelnde Festungen genannt.

Herbert Schwarz führt in seinem grundlegenden Werk Gefechtsformen der Infanterie durch 800 Jahre aus, daß das Innere des Pikenierhaufens eines Tercios kaum zum Schlagen im Nahkampf kam. War dies doch einmal der Fall, dann war das Tercio aufgebrochen und verloren 19. Andererseits, so betont er, liefen Tercios nicht davon. Sie zerschmolzen langsam von den Ecken her und standen bis zum Ende. 20 Doch kam es im Dreißigjährigen Krieg, wie Schwarz weiter ausführt, nur sehr selten zum Nahkampf zwischen Infanterie. Nur bei Diedenhofen 1639, Wolfenbüttel 1641, Breitenfeld 1642 und vermutlich auch bei Lützen 1632, also in 4 der 33 Schlachten des Krieges, soll dies der Fall gewesen sein 21.

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Die Artillerie spielte hauptsächlich bei Belagerungen eine Rolle. Die Geschütze waren schwer, schwerfällig und nur mühsam zu transportieren, noch mühseliger auf dem Schlachtfeld zu bewegen. Man stellte sie, in Batterien zusammengefaßt, vor der Schlachtlinie auf. Anfänglich war die Zahl der Kanonen in Feldschlachten recht gering. Eine leichtere und beweglichere Feldartillerie war zu Beginn des Krieges unbekannt.

Schlachten, die man mit derartigen Truppen schlug, dauerten in der Regel sehr lange. Schon der Aufmarsch war schwierig zu bewerkstelligen und währte stundenlang. Die Truppen mußten sorgfältig aufgestellt werden, die Truppenkörper, vor allem die Tercios, waren, wie schon erwähnt, schwerfällig und nach den Seiten kaum verschiebbar. Dies hat bekanntlich Tillys Niederlage in der ersten Schlacht von Breitenfeld 1631 besiegelt.

So war das Kriegsinstrument beschaffen, wie es Tilly und anfänglich auch Wallenstein zur Verfügung stand. Solange sie auf Heere derselben taktischen Schulung und Konzeption stießen, errangen sie damit auch große Erfolge. Bis zum Eingreifen Schwedens war dies mehr oder minder der Fall. Als aber mit Gustav Adolfs Armee eine Streitmacht in Deutschland auftrat, die infolge technischer und taktischer Neuerungen ein anderes Erscheinungsbild auf dem Schlachtfeld bot, sahen sich die katholischen Heerführer vor schwierigste Probleme gestellt. Tilly ist an ihnen gescheitert, das hat Marcus Junkelmann gezeigt 22. Denn trotz der besseren Schlachtanlage mußte er bei Breitenfeld infolge der elementartaktischen Unterlegenheit seiner äußerst langsamen Tercios eine vernichtende Niederlage hinnehmen. Wallenstein hat sich dann, durch vorsichtige Veränderungen im taktischen Konzept, der Entwicklung anzupassen versucht. Und er war sich der dennoch weiterbestehenden taktischen Überlegenheit der Schweden bewußt und richtete sein Verhalten und seine strategische Konzeption danach aus.

Die Neuerungen, die Tilly und Wallenstein so zusetzten, kamen ursprünglich aus den Niederlanden. Dort hatte, im ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert, Moritz von Oranien im Kampf gegen die Spanier versucht, seinen Truppen, besonders dem Fußvolk, mehr Beweglichkeit zu verleihen. Das Studium antiker Kriegstheoretiker wie Aelian und Kaiser Leo III. von Byzanz, Vegetius und Julius Caesar, um nur die wichtigsten zu nennen, hatte ihn auf die Idee gebracht, durch eine dünnere, also nicht so tiefe und quadratische Aufstellung wie beim Tercio, mehr Infanteristen an den Feind zu bringen und die Truppenkörper beweglicher zu machen. So verkleinerte er die taktische Einheit und gab überdies den Schützen Nahkampfwaffen, damit sie beim Handgemenge nicht wehrlos waren. Sie brauchten sich also nicht mehr unbedingt hinter die Pikeniere zu flüchten. Die kleinen Truppenkörper - er führte Bataillone von 500 Mann Stärke ein, von denen jeweils 5 dann eine Brigade bildeten, die man schachbrettartig aufstellte - erforderten natürlich dank ihrer größeren Beweglichkeit mehr Geschicklichkeit der Soldaten als die größeren quadratischen Tercios. Auch mußte man sie im Gefecht zusammen-

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halten. Bei den Tercios ergab sich das von selbst. Mit einem Wort, die Kämpfer dieser Bataillone mußten besser eingeübt sein als die eines Tercios. Außerdem benötigte man mehr Offiziere und Unteroffiziere als im großen Haufen.

Nicht zuletzt auch unter dem Einfluß des Neustoizismus - der Name des Justus Lipsius ist hier zu nennen, auf den in diesem Zusammenhang sowohl Werner Hahlweg als nicht zuletzt auch Gerhard Oestreich hingewiesen haben 23 - begann Moritz daher regelmäßig mit seinen Truppen zu exerzieren, diese zu »trillen« 24. Das Wort wurde damals erfunden. Und der Drill gehörte von nun an zum Erscheinungsbild einer Armee.

Im Unterschied zu den Tercios, die wie ein Fels in der Brandung standen oder unter dem Anprall, der sie traf, zerschmolzen, die im Angriff mit voller Wucht, aber langsam drückten, erreichten die kleinen Truppenkörper, die Moritz geschaffen hatte, ihr Ziel nicht durch Massendruck, vielmehr durch Manövrieren. Die Wirkung dieser »holländischen Ordnung« - so oder »niederländische Ordinanz« oder »Status Belgicus« nannten sie die Zeitgenossen 25 - die Wirkung dieser neuen Aufstellung beruhte nicht zuletzt auch auf der besseren Zusammenarbeit der beiden Hauptwaffenarten der Infanterie, der Piken und Musketen. Man erzielte eine Wirkung, die dem Tercio versagt blieb.

An diese Reformen des Oraniers knüpfte Gustav Adolf, und zwar so früh an, daß er seine Weiterentwicklung zunächst gegen die Polen erproben konnte, bevor er sie nach Deutschland brachte. Das Wesen dieser Neuerungen, die die Angriffskraft der Infanterie erhöhen sollten, bestand, wie Günther Rothenberg es ausgedrückt hat, in der Verbindung von Beweglichkeit und Feuerkraft. 26 Er übernahm die kleinen Einheiten der Oranier, kombinierte sie aber zur schwedischen Brigade aus drei Regimentern und verstärkte die Feuerkraft dieser nach damaligen Begriffen hochbeweglichen Formation nun auch noch durch leichte Feldgeschütze, deren Konstruktion er anregte, die Regimentsstücke. Diese ergänzten die Wirkung der unbeweglichen schweren Artillerie. Die Läufe der leichtesten dieser Kanonen waren mit Lederriemen umwickelt, die das Zerspringen der Rohre verhindern sollten. Man nannte sie deshalb Ledergeschütze. Bewährt haben sie sich aber nicht. Jedes der schwedischen Regimenter zählte rund 1000 Mann.

Schließlich änderte Gustav Adolf auch noch die Taktik der Reiterei grundlegend. Vorbild waren dafür seine polnischen Gegner. Der König verbot nämlich die Karakole, die dem Geist der Kavallerie letzten Endes zuwiderlief und ließ seine Reiter im gestreckten Galopp mit dem Degen in der Faust angreifen. Zwischen die Schwadronen der Kavallerie stellte er kleine Musketiereinheiten, die den Reitern die Abwehr feindlicher Angriffe erleichtern und beim eigenen Angriff Breschen in die gegnerischen Tercios schießen sollten.

Eine weitere schwedische Besonderheit war, zumindest anfänglich, die Zusammensetzung des Heeres, war es doch eine Nationalarmee. Sie wurde auf Grund einer Art von Wehrpflicht rekrutiert, kostete daher nicht so viel wie eine reine Söldnerarmee und war besser diszipliniert. Doch war Schwedens

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Menschenreservoir bald erschöpft, weshalb auch Gustav Adolf zum üblichen Söldnersystem übergehen mußte.

Die Heere der Zeit waren durch einen großen Troß belastet, führten doch viele der Soldaten Frauen und Kinder mit sich. So waren diese Armeen schwerfällig und langsam in ihren Bewegungen. Dies und der Umstand, daß man die teueren Söldner nicht gerne ohne zwingenden Grund den Gefahren einer Schlacht aussetzte, führte dazu, daß die Generale jener Zeit nicht unbedingt die Schlacht gerne suchten - Tilly, der immer eine schnelle Entscheidung anstrebte, war eine Ausnahme. Man zog es vor, durch geschickte Manöver den Gegner zum Rückzug zu veranlassen, ihm Teile seines Gebietes abzunehmen, Städte zu erobern, um ihn auf diese Art endlich mürbe zu machen. Besonders in Frankreich und den Niederlanden hatte sich diese »Ermattungsstrategie«, wie Hans Delbrück sie genannt hat 27, herausgebildet. Allerdings hatten die zahlreichen Festungen, die ein freies Operieren zwischen diesen unmöglich machten, eine derartige Strategie fast erzwungen. Denn Festungen waren seit der Erfindung der Bastion in Italien im frühen 16. Jahrhundert wieder sehr schwer bezwingbare Hindernisse. Erst Vauban, der große Festungsbaumeister und -belagerer im Zeitalter Ludwigs XIV. , hat dies wieder geändert, und zwar durch die Ausbildung wirksamer Belagerungstechniken.

In Deutschland sahen die Dinge etwas anders aus. Große Belagerungen gab es in den ersten Jahren des Dreißigjährigen Krieges kaum. Stralsund 1628, das sich hielt, und Magdeburg 1631, das erstürmt wurde, sind Ausnahmen. Auch gab es nicht so zahlreiche Festungen wie in den Niederlanden oder in Nordfrankreich. Aber in Deutschland gingen die guten Generale sehr methodisch vor, ließen sich Zeit, konnten allerdings sehr weiträumig operieren, da die Kleinheit der Heere es ihnen erlaubte, sich aus dem von ihnen durchzogenen Lande zu ernähren. Martin van Crefeld meint sogar, daß damalige Heere sich überhaupt nur durch Bewegung erhalten ließen, da sich die Ressourcen einer Region sehr rasch erschöpften. Stillstand hieß also Hunger. Andererseits brauchte die Verbindung zur Basis nicht unbedingt aufrecht erhalten zu werden. Wohl aber seien Heere gezwungen gewesen, den Flußläufen zu folgen und diese zu beherrschen, da Flüsse die besten Transportwege für schweres Gerät waren. 28 Wenn er allerdings glaubt, von Gustav Adolf behaupten zu können, daß in dessen Planung mehr als einmal »logistics were allowed to prevail over strategy«, 29 etwa im Hinblick auf den versäumten Entsatz Magdeburgs oder bei der Entscheidung nach dem Sieg von Breitenfeld, statt gegen Österreich direkt lieber zum Rhein mit dessen Ressourcen zu ziehen, dann übertreibt er wohl. Richtig ist, daß der Schwedenkönig kein strategischer Revolutionär war, vielmehr ein ausgesprochener Methodiker, was schon Clausewitz erkannte, als er von ihm sagte: ». . . Er war ein gelehrter Feldherr voller vorsichtiger Kombinationen«, um an anderer Stelle dies noch einmal nachdrücklich zu verstärken: »Ein kühner Invasions- und Schlachtenfeldherr

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war Gustav Adolf überall nicht. . . er liebte mehr den künstlichen, manövrierenden, systematischen Krieg.«30

So ließ er sich denn auch nach seiner Landung im Jahre 1630 sehr lange Zeit zum Aufbau einer Basis und Sicherung eines politischen Rückhalts, ehe er losschlug. Wenn sie also diese auch nicht bestimmten, in hohem Maße beeinflußt haben logistische Rücksichten die Kriegsplanung aller damaligen Feldherren. Die Truppen waren eben abhängig von den Versorgungsmöglichkeiten, abhängig daher von den Transportwegen. Und diese waren spärlich, vor allem Brücken waren rar. Wenn Geoffrey Parker behauptet, im 17. Jahrhundert sei es doch recht leicht gewesen, Behelfsbrücken zu bauen, die noch dazu billiger als Transportschiffe gekommen seien, 31 wenn er weiterhin behauptet, Europa sei damals von einem mindestens ebenso dichten und für die damaligen Bedürfnisse ebenso brauchbaren Wegenetz überzogen gewesen wie heute 32, so ist dies problematisch. Fest steht, daß sich die militärischen Operationen im Dreißigjährigen Krieg doch sehr eng an die großen Verkehrsstraßen anlehnten.

Dies sind, grob und knapp skizziert, die äußeren Gegebenheiten damaliger Kriegführung. Die Heeresstruktur wurde bisher nur gestreift, weil sie im Zusammenhang mit Wallensteins Werbungssystem erläutert werden muß. Was war nun der besondere Beitrag des Friedländers zu dieser Kriegskunst, worin bestand also seine Feldherrenleistung? Zum einen - und das ist altbekannt - in der Tatsache, daß er als genialer Organisator und Kriegsunternehmer es verstand, ein Heer von einer Zahlenstärke aufzustellen, die bis dahin unerhört gewesen ist. Und er vermochte es nicht nur aufzustellen, sondern auch zu unterhalten! Bahnbrechend wirkte er dabei durch den systematischen Aufbau einer Heeresversorgungswirtschaft. Das hatte es bis dahin nicht gegeben. Zum anderen aber in einer neuartigen Strategie, die es ihm ermöglichte, sein neues Heer mit größtem Erfolg zum Einsatz zu bringen. Organisatorische Fähigkeit und strategische Begabung waren also in ihm vereint. Sie verbanden sich nun drittens mit großen politischen Fähigkeiten und ließen ihn sein militärisches Handeln stets mit dem politischen Zweck verbinden. Wallenstein war daher Politiker, Organisator und Feldherr in einer Person.

Ermöglicht hat ihm seine Laufbahn zunächst sein Armeeunterhalts- und Kontributionssystem. Was war dessen Geheimnis? Wallenstein Prinzip, der Krieg müsse den Krieg ernähren, allein nicht. Denn das hatten andere vor ihm auch gedacht und praktiziert, so z. B. sein erster Hauptgegner Ernst von Mansfeld. Aber wie hatte er, hatten alle diesem Prinzip gehuldigt? Und wie verfuhr Wallenstein? Genau darin liegt der große Unterschied.

Die alten Söldnerführer ließen ihre Truppen in den besetzten Gebieten in übelster Weise hausen. Mansfeld schon deshalb, weil er sie nicht bezahlen konnte und überzeugt war, daß er ohne Geld sie nicht zu disziplinieren vermöge. 33 Christian von Halberstadt hielt es nicht besser.

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Hier aber setzte Wallenstein ein. Auch er ließ seine Soldaten aus dem Lande leben, aber nicht durch Plünderung und Mordbrennerei. Vielmehr sah er auf strenge Disziplin, ließ aber die besetzten Territorien, gleich ob Freund oder Feind, hohe Kontributionen zahlen, Geld und Naturalien, die er durch die Beamten des betreffenden Territoriums einziehen ließ. Darüber hinaus rüstete er seine Heere, die er mit dem erpreßten Geld besoldete, aus seinen friedländischen Magazinen und Werkstätten aus. Sie wurden aus diesen bewaffnet, bekleidet und verköstigt. Im Endeffekt floß daher der größte Teil des erpreßten Geldes wieder in seine Hände zurück. 34

Das System belastete die jeweils betroffenen Regionen in hohem Maß, war aber immer noch besser als ungeregeltes Plündern. Selbst der Wallenstein nicht freundlich gesinnte Khevenhiller räumte ein: ». . . und ob er das Reich hart bedrängte, so hat doch der Soldat und der Bauer zusammen gelebt«. 35 Trotzdem bedeutete auf längere Sicht eine derartige Einquartierung natürlich den Ruin der so heimgesuchten Gegend. Keine Armee konnte daher geschlossen für eine lange Zeit auf einem Punkt stehenbleiben, das hebt van Crefeld mit großem Nachdruck hervor als eine Grundtatsache, die die ganze damalige Kriegführung beeinflußt habe. 36 Aber dank seines Systems konnte Wallenstein seine Heere länger geschlossen beisammenhalten als alle seine Gegner. Er aber wußte dies und machte diesen Umstand zu einem wichtigen Element seiner Strategie.

Noch eine Besonderheit des Wallensteinschen Systems muß erwähnt werden: die Bindung seiner Offiziere an seine Person. Kriegsherr war der Kaiser. Dieser hatte aber kein Geld zur Truppenwerbung. Wallenstein legte es ihm vor. Aber er delegierte nun seinen Anspruch an diesen zum großen Teil dadurch an seine Obersten, die ihre Regimenter in selbständiger Regie warben, so wie die Hauptleute ihre Kompagnien für den Obersten auf eigene Verantwortung werben mußten, daß er diese das Geld für die von ihnen anzuwerbenden Truppen vorlegen ließ und ihnen die sichere Rückzahlung durch den Kaiser garantierte. So machte er diese Offiziere, deren Ernennung allein durch ihn erfolgte, zu mittelbaren Gläubigern des Kaisers. Über ihn allein aber lief das Geschäft, und so band er sie durch ihre Interessen an seine Person. 37

Dieses Verfahren war insofern genial, als sich unter den Fahnen des Kaisers ein recht buntgewürfelter Haufen zusammenfand. Die Offiziere stammten aus aller Herren Länder und aus allen Ständen, wenn auch der Adel überwog. Im Jahre 1633 waren von insgesamt 107 Regimentsinhabern 4 Fürstensöhne, 90 Adelige und 13 bürgerlicher Herkunft. Doch besaß mancher der Adeligen nur einen recht zweifelhaften Adelsbrief. Insgesamt eine sehr gemischte Gesellschaft aus Deutschen, Wallonen, Böhmen, Iren, Italienern, Spaniern und Schotten bestehend. Protestanten fanden sich auch unter ihnen, da Wallenstein in Konfessionsdingen nicht kleinlich war, doch überwogen natürlich die Katholiken.

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Wechsel der Partei nach Ablauf des Vertrags war möglich und nicht unehrenhaft. Auch um dies zu verhindern hatte Wallenstein sein System der Bindung der Offiziere durch Finanzinteressen an ihren Feldherrn entwickelt. Die Verdienstmöglichkeiten eines Regimentsinhabers waren dabei nicht schlecht. Lieferte ein Obrist, der sein Regiment ja ausrüstete, den Soldaten etwa 8 bis 24 Gulden - und das kam häufig vor - und nahm diese bei deren Ausscheiden gegen einen halben Gulden zurück, dann konnte er jährlich allein bis zu 2000 Gulden nur aus diesem Geschäft verdienen. 38 Weitere Möglichkeiten zu unredlichem Gewinn verschafften ihm dann Manipulationen bei der Stärkeangabe an den Hofkriegsrat. Man nannte eine höhere Zahl, als man wirklich Soldaten hatte, ließ Gefallene noch als Lebende mitlaufen und stellte bei Inspektionen, damit dies nicht auffiel, Diener, Pferdeknechte usw. in die Reihen. Diese Praxis war europaweit üblich. 39 Den zuviel gezahlten Sold strich man selber ein. Die nicht vorhandenen Soldaten aber ließ man im Verlauf des Feldzugs allmählich fallen oder an Krankheiten sterben.

Mit diesem Heer hat Wallenstein seine großen Erfolge errungen dank einer bis dahin nie gesehenen Kriegführung, die wegen dieses Umstandes bei den Zeitgenossen weitgehend auf Unverständnis stieß. Ihre Bedeutung liegt mehr auf strategischem als auf taktischem Gebiet. Auf diesem war er kein Neuerer, verharrte vielmehr während seines ersten Generalats in der Terciotaktik und veränderte diese dann im zweiten Generalat unter dem Eindruck der Erfolge Gustav Adolfs, ohne sie aber aufzugeben. So stand sein Fußvolk bei Lützen zwar in etwas dünnerer und flacherer Aufstellung, aber doch in der Tercioformation. Für Wallensteins Fähigkeit und Selbstkritik spricht, daß er sich der taktischen Unterlegenheit seines Heeres gegenüber den Schweden bewußt war, für seine Genialität, daß er es dennoch verstand, diese strategisch auszumanövrieren, und daß er Mittel fand, ihre taktische Überlegenheit durch geeignete Maßnahmen auszugleichen.

Was ist nun das Hauptmerkmal seiner Strategie? Nun, Wallenstein hat offenbar die Einsicht gehabt, die dann im 19. Jahrhundert Clausewitz auf die Formel brachte, die Defensive sei die stärkere Kampfform, jedoch mit negativer Zielsetzung, der Angriff die schwächere, allein mit positiver, stärkste Kampfform aber sei der Gegenangriff. Clausewitz sprach dabei vom »blitzenden Vergeltungsschwert«, die Formel ist berühmt geworden. Wallenstein hat in seiner Kriegführung die Konsequenzen aus dieser Einsicht gezogen und ein Verfahren gefunden, das es ihm erlaubte, die stärkere Kampfform der Defensive, kombiniert mit dem Gegenangriff, einer offensiven Strategie dienstbar zu machen. Dies hatte zur Folge, daß alle seine Schlachten, gerade auch, wenn er aggressive Absichten damit verband (Dessauer Brücke, Zirndorf), Defensivschlachten gewesen sind, weshalb man ihn fälschlicherweise - mit Ausnahme von Hellmut Diwald, der im Falle Zirndorf die Dinge richtig dargestellt hat, ohne aber zu der gerade zitierten Schlußfolgerung weiterzugehen 40 - als zaudernden Ermattungs- und Defensivstrategen bezeichnet hat 41.

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Nichts ist falscher als das. Wallensteins militärische Genialität äußert sich vielmehr gerade darin, daß er es verstand, eine offensive Kriegführung so zu betreiben, daß er bei der entscheidenden Aktion selbst - obwohl er strategisch gesehen der Angreifer war - die stärkere Kampf form der Verteidigung wählen konnte. Daß dies neben einer hohen strategischen Begabung auch größte Energie erforderte, Energie, die sich auch in der Form der Selbstbeherrschung äußern konnte, im selbstauferlegten Zwang, scheinbar untätig abzuwarten, bis der Gegner die Gelegenheit zum blitzschnellen Handeln bot 42, versteht sich von selbst. Nicht umsonst hat Clausewitz, der aber hier auch etwas gespalten ist, schon gemeint: »In zwei Eigenschaften konnte er auf diesen Namen (den eines großen Generals) wirklich gerechten Anspruch machen: nämlich durch die Stärke seines Charakters, die sich in seinem kriegerischen Handeln durch eine fast fürchterliche Energie gezeigt hatte. . . und die fürchtende Verehrung, welche sein ganzes Heer für ihn hatte.« 43 Er meint dann aber doch, daß Wallenstein, ähnlich wie Gustav Adolf, bei alledem ein vorsichtiger und methodisch operierender Feldherr gewesen sei.

Der Herzog verstand es nahezu immer - Lützen ist hier die große Ausnahme -, seine Gegner in Lagen zu manövrieren, die diese vor die unangenehme Wahl stellten, entweder unter für sie ungünstigen Bedingungen eine Schlacht schlagen zu müssen oder bei mangelnder Versorgungsmöglichkeit einen Rückzug anzutreten, der für ihr Heer von verderblichen Folgen sein mußte. Wie prekär eine derartige Wahl aber war, beweist ein Ausspruch Richelieus, den André Corvisier zitiert: »II se trouve dans l'histoire beaucoup plus d'armées péries faute de pain et de police (c'est-à-dire d'administration) que par effort des armes ennemies.« 44

Zum erstenmal hat Wallenstein diese Fähigkeit im Dänischen Krieg bewiesen, als er Mansfeld dazu brachte, sich an den Schanzen der Dessauer Brücke eine Niederlage einzuhandeln. Die Winterquartiere 1625/26 hatte Tilly mit dem Ligaheer im Wesergebiet genommen. Wallenstein überwinterte mit seinen Truppen in den Stiftern Magdeburg und Halberstadt. Bei Feldzugseröffnung standen ihnen drei Heere - unter dem Dänenkönig selbst, unter Mansfeld und unter Johann Ernst von Weimar- gegenüber. Außerdem schlug Bethlen Gabor, der Fürst von Siebenbürgen, in Ungarn gegen den Kaiser los.

Christians IV. Kriegsplan sah nun vor, Tilly von der Weser und der Elbe her in die Zange zu nehmen. Daß Wallenstein mit seinem Heer gegen Bethlen marschieren werde, setzte er dabei verständlich voraus. Doch Wallenstein, der Deutschland als den Hauptkriegsschauplatz betrachtete, auf dem die Entscheidung fallen müsse, blieb stehen. Die Erblande, so meinte er, müßten eben und vermöchten es auch, sich so lange allein gegen Bethlen halten, bis die Lage im Reich positiv geklärt sei. Er lehnte es also ab, seine Kräfte zu zersplittern, und bildete vielmehr an der entscheidenden Stelle einen Schwerpunkt. Mit einem Wort, er beherrschte die strategische Lage vollkommen. 45

Seinem Plan gemäß brach Christian IV. gegen Tilly vor. Johann Ernst von

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Weimar fiel zur selben Zeit in Westfalen ein, um sich mit den Holländern, die man dadurch in den Krieg hereinzuziehen hoffte, zu vereinigen, und Mansfeld, der in Brandenburg überwintert hatte, sollte Wallenstein, der ja immer noch da war, binden und zum gegebenen Zeitpunkt sich mit den beiden anderen protestantischen Heeren vereinigen. In einer Zangenbewegung gegen Tilly sollte der ganze Plan gipfeln. Doch dazu kam es nie.

Wallenstein nämlich hatte mit dem ihm eigenen Scharfblick für wichtige Positionen die Elbebrücke bei Dessau besetzt, über die Mansfeld unbedingt ziehen mußte, wollte er sein Heer mit den Armeen Christians IV. und Weimars vereinigen. Gegen die Ansicht Parkers über die leichte Passierbarkeit von Flüssen muß man doch wohl feststellen, daß bei den damaligen Transportmöglichkeiten ein Heer an die wenigen großen Straßen gebunden, auf die wenigen vorhandenen Brücken angewiesen war. Daher ließ sich Mansfelds Aktionsmöglichkeiten leichter berechnen, als dies heute möglich wäre. Die Elbebrücke bei Dessau war also eine Schlüsselposition ersten Ranges. Wallenstein ließ den Brückenkopf befestigen und vertraute diesen einem seiner tüchtigsten Unterführer, dem bürgerlichen Luxemburger Johann Aldringen an. Mansfeld, der inzwischen die Stadt Brandenburg und die Havelübergänge erobert hatte, sah sich von der Verbindung mit seinen Alliierten abgeschnitten. Damit stand er genau vor dem Dilemma, das oben charakterisiert wurde. Entweder mußte er mit Gewalt versuchen, zu diesen durchzubrechen, oder aber sich in ausfouragiertes Gebiet zurückziehen und somit den Bestand seines Heeres gefährden. Das aber hätte den Feldzugsplan des Dänenkönigs ruiniert. Erfahrener Soldat, der er war, beurteilte Mansfeld seine Lage zutreffend und entschloß sich für den Durchbruchsversuch, der allein den Feldzug retten konnte. Das hieß aber: er mußte die Schanzen erstürmen. Bezeichnend, daß Golo Mann Mansfelds Entschluß, der der Situation angepaßt war, verständnislos kommentiert. 46

Mansfelds richtiger, wenn auch verzweifelter Schritt blieb ohne Erfolg. Die stärkere Kampfform der Abwehr siegte am 28. 4. 1626 auf beiden Elbeufern. 4000 Tote blieben liegen, zahlreiche Kanonen gingen verloren. Ein Gegenstoß von Wallensteins Reiterei, im richtigen Augenblick angesetzt, hatte den Sieg vollendet. Das Heer Mansfelds war damit fürs erste ausgeschaltet. Tillys Sieg über den Dänenkönig bei Lutter am Barenberg am 24. August 1626 bereinigte die Lage dann völlig. Auch an diesem Erfolg waren Wallensteinische Truppen beteiligt, da nach dem Sieg an der Dessauer Brücke der Herzog sie zu Tilly hatte abordnen können.

Auch der weitere Verlauf des Feldzugs von 1626, der nach dem Sieg in Deutschland nun Wallensteins Abrechnung mit den inzwischen vereinigten Heeren Mansfelds und Johann Ernsts von Weimar sah, zeigt Wallensteins hohe Kunst des Manövrierens. Durch geschickte und für damals unerhört schnelle Märsche - 800 km in 30 Tagen, das sind, nachdem jeder dritte Tag ein Rasttag war, 40 km pro Tag, der übliche Durchschnitt betrug 15 bis 20 km! 47 -

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drängte er das Heer Mansfelds, das er von Böhmen fernhielt, durch Mähren nach Ungarn. Die Vereinigung mit Bethlen hatte er zwar nicht verhindern können, aber es gab nicht mehr viel zu vereinigen. Denn Mansfelds und des Weimaraners Armee hatte sich bei diesem Gewaltmarsch aufgelöst. Auch Wallensteins Heer war von 20 000 auf 8000 Mann reduziert worden, aber diese 8000 Soldaten waren schlagkräftig und einsetzbar.

Mansfeld und Johann Ernst erlagen bald danach den Strapazen dieses Feldzugs. Bethlen schloß schon vorher mit dem Kaiser einen Frieden. Auch dieser Feldzug zeigt Wallensteins Blick für geographische Gegebenheiten, die er seiner Feldzugsplanung nützlich zu machen verstand. Doch auch dabei ist ihm von den Zeitgenossen mangelnde Aktivität vorgeworfen worden, weil er anfänglich scheinbar untätig gewartet hatte, bis Mansfelds Absicht erkennbar und dessen Ziel offensichtlich war.

Höhepunkt von Wallensteins Strategie aber war der Sommerfeldzug von 1632 gegen Gustav Adolf. Wiederum verstanden die Zeitgenossen Wallensteins Strategie nicht. Vor allem Maximilian I. von Bayern, der allerdings den Friedländer haßte und ihm mißtraute, weshalb er überall Böswilligkeit witterte, warf ihm zunächst Untätigkeit vor, ja sogar bewußte Sabotage.

Die Ausgangslage ist bekannt. Wallenstein war nach seiner Wiedereinsetzung und nach der Anwerbung eines neuen Heeres zunächst daran gegangen, Böhmen, als seine Basis, von den Sachsen zu säubern. In der Zwischenzeit hatte der Schwedenkönig Bayern erobert und verheert. Daß die Schweden seinen Soldaten taktisch überlegen waren, war Wallenstein bewußt. Eine offene Feldschlacht war daher ein kaum verantwortbares Risiko, außer bei großer zahlenmäßiger Überlegenheit. Es galt also, vorsichtig und methodisch zu verfahren. Vor allem aber durfte man nicht vereinzelte Korps einer Niederlage aussetzen. Und so ließ Wallenstein die Bayern zunächst allein und zog erst nach der Sicherung Böhmens diesen zu Hilfe, nun mit der ganzen Armee. Am 1. Juli vereinigte er diese mit dem Ligaheer des bayerischen Kurfürsten in der Oberpfalz. Vereint stießen die Truppen gegen Nürnberg vor.

Dort hatte sich inzwischen Gustav Adolf, der zahlenmäßig dem kaiserlich-ligistischen Heer unterlegen war, in einem befestigten Lager verschanzt. Maximilian I. wollte dieses sofort angreifen, aber Wallenstein weigerte sich. Zu genau wußte er um die Gefahren eines derartigen Versuches und noch dazu gegen die taktisch überlegenen Schweden. Er ließ vielmehr ebenfalls ein befestigtes Lager bei Zirndorf errichten. In einer Waffengattung war er seinem schwedischen Gegner überlegen, und zwar an Zahl und Qualität: der Reiterei. Besonders der leichten Reiterei hatten die Schweden nichts Ebenbürtiges entgegenzusetzen. Im Streifscharenkrieg kam dies besonders zur Geltung.

Den Herzog beunruhigte es so gar nicht, daß der Schwedenkönig durch beständigen Zuzug schließlich sogar die Überzahl erhielt. Je größer die Zahl der Esser in Gustav Adolfs Lager, desto schwieriger mußte es werden, diese zu verpflegen, und desto stärker wurde die Gefahr eines Seuchenausbruchs.

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Und Infektionskrankheiten waren zu diesen Zeiten nun einmal die häufigste Todesursache. Daß die Schweden aber Hunger bekamen, dafür sorgten Wallensteins leichte Reiter. Sie störten den Verpflegungsnachschub ganz gewaltig. Es kam im Schwedenlager so, wie Wallenstein erwartete.

Gustav Adolf war eindeutig von einem überlegenen Strategen ausmanövriert worden. Wie seinerzeit Mansfeld stand er vor der schweren Wahl, entweder ruhmlos abzuziehen oder einen Sturmversuch auf Wallensteins Lager zu unternehmen. Die erste der Alternativen wäre aber einer moralischen Niederlage gleichgekommen. Schon im Hinblick auf seine unsicheren deutschen Verbündeten, von denen der Kurfürst von Sachsen sehr gerne aus dem Krieg mit dem Kaiser herausgekommen wäre, kam diese Alternative also nicht in Frage. Und wiederum kann man beobachten, wie Wallenstein auch politische Erwägungen seinem strategischen Kalkül nutzbar machte. Griff der Schwede aber das von Wallenstein nach allen Regeln der Fortifikationskunst befestigte Lager an, dann glichen die stärkere Kampfform der Defensive und der Schutz durch die Befestigungen die elementartaktische Überlegenheit der Schweden mehr als aus. Die Gefahr, sich dabei blutige Köpfe zu holen, war also groß.

Kein Wunder, daß Gustav Adolf lange schwankte. Sechs Wochen lang lag er Wallenstein untätig gegenüber. Maximilian I. , der Wallensteins Gedanken nicht durchschaute, war der Verzweiflung über dessen vermeintliche Untätigkeit nahe. Aber er war von Wallensteins Hilfe abhängig und wurde von Wien immer wieder gebeten, diesen nicht zu vergrämen. Zähneknirschend fügte er sich daher in sein Glück!

Wallensteins Rechnung aber ging glänzend auf. Er hat seine Strategie übrigens persönlich in einem Brief an den Kaiser, den er am 15. September 1632 schrieb, wie folgt erläutert: »Es habe gegolten«, so schrieb er, »den Gegner so zu ›stringieren, als daß er entweder in Posto verhungern oder mit disavantaggio schlagen oder von dannen weichen mueste‹.« 48

Am l. September 1632 verlor Gustav Adolf die Geduld - das heißt also seine Nerven - und ließ seine Soldaten stürmen. Drei Tage lang griffen diese mit verzweifelter Tapferkeit immer wieder an. Bernhard von Weimar, dessen Stern in diesen Jahren aufging, gelang kurzfristig tatsächlich ein Einbruch. Aber im Gegenstoß wurde dieser sofort bereinigt. Danach hatte der Schwedenkönig genug. Mehrere Tausend toter Schweden bedeckten das Schlachtfeld. Die Alliierten hatten nur halb so viel verloren. »Es war ein Wettkampf der Willenskraft mit dem Hunger als Hauptwaffe gewesen, und Wallenstein hatte ihn gewonnen.« Mit diesen Worten hat Basil Liddell Hart die Operation charakterisiert 49.

Um sein Prestige zu wahren, blieb Gustav Adolf noch einige Tage in seinem Lager stehen. Am 10. September aber zog er ab. Wallenstein, sehr zum Schmerz Maximilians I. , ließ ihn unbehindert abziehen. Noch war ja die schwedische Armee im Kern intakt, warum also ein unnötiges Risiko eingehen

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und den Erfolg unter Umständen verspielen? Und daß Gustav Adolf, obwohl er ihn überspielt hatte, ein guter General war, dessen blieb er sich auch bewußt. Sein eigener Kommentar spricht für sich selbst: »Er hatt eine gar schone Retirada gethan und weist gewis aus dise undt andere seine accionen, das er das Handtwerck leider wol verstehet.« 50

Wallenstein hat im folgenden - und das verstärkte Maximilians Haß, der glaubte, der Friedländer opfere bewußt Bayern - sich eines Stratagems bedient, das Liddell Hart als die »Strategy of indirect approach« bezeichnet hat. Er marschierte nämlich, ohne sich um Gustav Adolf zu kümmern, nach Sachsen, um den König durch diesen Angriff auf dessen wichtigsten Verbündeten, der überdies politisch unzuverlässig war, zum Abmarsch aus Süddeutschland zu veranlassen. Seine Rechnung ging denn auch auf.

Gustav Adolf kam, allerdings so spät, daß Wallenstein schon nicht mehr an seinen Heraufzug hatte glauben wollen und die Truppen bereits in Sachsen in die Winterquartiere legen wollte. Schnell zog Wallenstein alles, was erreichbar war, an sich und traf am 16. November bei Lützen auf den Schwedenkönig. Hans Delbrück hat Wallensteins Verhalten vor dieser Schlacht, im Gegensatz zu den meisten Historikern, als richtig bezeichnet. 51 Wallenstein schlug eine Defensivschlacht, um sich den Rückzug nach Böhmen zu sichern. Diesmal war es allerdings eine unfreiwillige Defensivschlacht, die der Herzog durchkämpfen mußte. Sie endete unentschieden. Wegen des Verlusts der sächsischen Winterquartiere war sie eindeutig eine strategische Niederlage des Friedländers und Gustav Adolfs Revanche für Zirndorf. Aber dieser hatte mit seinem Leben dafür zahlen müssen, und somit war Lützen politisch ein Sieg.

Wie man es auch nimmt: wiederum hatte Wallenstein zumindest seine Ebenbürtigkeit mit Gustav Adolf bewiesen. Vor Nürnberg und unmittelbar danach aber war er es, der den Schwedenkönig hatte schlecht aussehen lassen.

Wenn wir schließlich Wallensteins letzte militärische Unternehmung, Steinau im Oktober 1633, betrachten, hier zwang er in blitzschnellem Zufassen eine schwedische Streitmacht von 10000 Mann, die von Mathias Thurn allerdings miserabel geführt wurde, durch Einkesselung zur Kapitulation, dann ist folgende Schlußbetrachtung doch wohl gerechtfertigt.

Wallenstein war ein Feldherr ersten Ranges. Er überragte die meisten seiner Zeitgenossen als Stratege und verband diese Fähigkeit - und das ist selten - mit großer Organisationsgabe und politischen Fähigkeiten. In der Schlacht bewies er überdies Mut und Kaltblütigkeit. Auf taktischem Gebiet war er kein Neuerer. Er bediente sich der vorhandenen Mittel. Mit neuartigen Verfahrensweisen konfrontiert, hat er aber sein Heer diesen anzugleichen versucht. So hat er zum Beispiel nach Lützen der Kavallerie das Karakolieren verboten 52.

Kühne Angriffsschlachten waren seine Sache nicht, weshalb seine Zeitgenossen und viele Historiker ihn für einen Zauderer hielten. Doch das ist falsch. Er war vielmehr, so paradox dies auch klingen mag, ein kühner Angriffsstratege von weit ausgreifender Planung, der aber taktisch wenn möglich nur

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Defensivschlachten schlug. Dazu mußte er seine Gegner in eine Situation manövrieren, die diese zwang, entweder unter schlechten Bedingungen für sie ihn anzugreifen oder beim Verzicht auf diesen Angriff kampflos schwerste Nachteile in Kauf zu nehmen. Dies war das Geheimnis seines kriegerischen Erfolges, eines Erfolges, der sich auch darin zeigte, daß er nie in offener Feldschlacht bezwungen wurde.

Anmerkungen

1. Moriz Ritter, »Das Kontributionssystem Wallensteins«, in HZ 90 (1903).

2. Dazu grundlegend Martin van Crefeld, Supplying War. Logistics from Wallenstein to Patton, Cambridge-London-New York-Melbourne 1977, S. 5-17; ferner Fritz Redlich, »Contributions in the Thirty Years War«, in Economic History Review, 1954, S. 247-254; vor allem aber ders. , »De Praeda Militari. Looting and Booty 1500-1815«, in Vierteljahrsschrift f. Sozial- u. Wirtschaftsgeschichte, Beiheft 39, Wiesbaden 1956; sowie ders. , The German Military Enterpriser and his Work Force, 2 Bde. , Wiesbaden 1964.

3. Friedrich Foerster, Wallenstein als Feldherr und Landesfürst, Berlin 1834; Leopold von Ranke, Geschichte Wallensteins, Leipzig 1869 (hier zit. 1910); Hans Schulz, Wallenstein, Bielefeld-Leipzig 1898; Hermann Hallwich, Fünf Bücher Geschichte Wallensteins, 3 Bde. , Leipzig 1910; ders. : Briefe und Akten zur Geschichte Wallensteins 1630-34,4 Bde. , Wien 1912; Heinrich Ritter von Srbik, Wallensteins Ende, Wien 21952, und Josef Pekar, Wallenstein 1630-1634. Die Tragödie einer Verschwörung, 2 Bde. , Berlin 1937, sind hier in erster Linie zu nennen.

4. Hans Schmidt, »Wallenstein als Feldherr«, in Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs, Bd. 14 (Festschrift für Hans Sturmberger), 1984, S. 241-260.

5. Golo Mann, Wallenstein. Sein Leben erzählt von Golo Mann, Frankfurt/M. 1971.

6. Ebenda, S. 849.

7. Ebenda, S. 986.

8. Ebenda, S. 474.

9. Hellmut Diwald, Wallenstein. Eine Biographie, München-Esslingen 1969.

10. Ebenda, S. 380.

11. Ebenda, S. 374 f.

12. Carl v. Clausewitz, Strategische Beleuchtung mehrerer Feldzüge von Gustav Adolph, Turenne, Luxemburg und andere Materialien zur Strategie, Hinterlassene Werke des Generals Carl von Clausewitz. 9. Bd. , Berlin 1837(hier zit. nach 21862, S. 59 ff. ); Hans Delbrück, Geschichte der Kriegskunst, Bd. IV, Berlin 1920,21962, S. 341, bes. aber S. 240 ff. ; Siegfried Fiedler, Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Landsknechte, Koblenz 1985.

13. Josef Seidler, Das Prager Blutgericht 1633, Memmingen 1951; ders. , Untersuchungen über die Schlacht bei Lützen, Memmingen 1954; ders. , Besteht noch ein Lützen-Problem? Eine Antwort an Walther Hubatsch, Berthold Kitzing u. a. , Memmingen 1971.

14. Marcus Junkelmann, Gustav Adolf. Schwedens Aufstieg zur Großmacht, Regensburg 1993.

15. Basil H. Liddell Hart, »Wallenstein. The Enigma of History«, in Great Captains Unveiled, Edinburgh-London 1927. (dtsch. : Große Heerführer, Düsseldorf-Wien 1968.)

16. Günther E. Rothenberg, »Maurice of Nassau, Gustavus Adolphus, Raimondo Montecuccoli, and the ›Military Revolution of the Seventeenth Century«, in Peter Paret (Hg. ), Makers of Modern Strategy from Machiavelli to the Nuclear Age, Princeton N. J. 1986, S. 32-63.

17. Geoffrey Parker, The Army of Flanders and the Spanish Road 1567-1659, Cambridge 1972,21978.

18. Delbrück, aaO. , S. 150.

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19. Herbert Schwarz, Gefechtsformen der Infanterie durch 800 Jahre, 2 Bde. , München 1977, Bd. l, S. 212.

20. Ebenda, S. 198 f.

21. Ebenda, S. 214

22. Marcus Junkelmann, »Feldherr Maximilians: Johann Tserclaes Graf von Tilly«, in Um Glauben und Reich: Kurfürst Maximilian I. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst 1573-1675, Bd. I, München 1980, S. 387 ff. , bes. S. 389; jetzt auch ders. : Gustav Adolf, aaO. , S. 343 ff.

23. Gerhard Oestreich, »Der römische Stoizismus und die oranische Heeresreform«, in HZ, 176, 1953, S. 17-43. Jetzt auch in ders. , Geist und Gestalt des frühmodernen Staates. Ausgewählte Aufsätze, Berlin 1969. Man vergl. aber schon Delbrück (aaO. ), S. 178 ff. , bes. S. 181: »Der entscheidende Punkt ist äußerlich das Exerzieren, innerlich die Disziplin.«

24. Schwarz, aaO. , S. 153, bes. S. 163 ff. Der Ausdruck erscheint etwa schon bei Johann Jacobi von Wallhausen, Kriegskunst zu Fuß (1615), Nachdr. Graz 1971, S. 23.

25. Schwarz, aaO. , S. 153.

26. Rothenberg, aaO. , S. 45.

27. Grundlegend Christopher Duffy, Siege Warfare. The Fortress in the Early Modern World 1494-1660, London 1979, mit weiterführender Literatur.

27. Delbrück, aaO. , S. 333 f.

28. van Crefeld, aaO. , S. 12 f.

29. Ebenda, S. 14.

30. Clausewitz, aaO. , S. 25 u. 40. Zum Charakter der Kriegführung im Dreißigjährigen Krieg ist Delbrück, aaO. , immer noch grundlegend. Sehr treffend und knapp auch die Ausführungen bei André Corvisier, La France de Louis XIV. 1643-1715, Paris 1979, S. 90 f.

31. Parker, aaO. , S. 82. Dagegen aber Corvisier, aaO. , S. 107 : ». . . à cause du petit nombre des ponts, le réseau des étapes comportait peu d'itinéraires.«

32. Parker, aaO. , S. 83.

33. Onno Klopp, Der Dreißigjährige Krieg bis zum Tode Gustav Adolphs 1632, Bd. l, Paderborn 21891, S. 543.

34. Grundlegend zu Wallensteins Wirtschafts- und Finanzpolitik: Anton Ernstberger, Wallenstein als Volkswirt im Herzogtum Friedland, Reichenberg 1929, und ders. , Hans de Witte, Finanzmann Wallensteins, 2 Bde. , Wiesbaden 1954; eine konzentrierte Zusammenfassung seiner Ergebnisse gibt der Aufsatz »Wallenstein als Volkswirt«, in ders. , Franken - Böhmen - Europa. Gesammelte Aufsätze, 2 Bde. , Kallmünz 1959, Bd. l, S. 269-285.

35. Zit. bei Wilhelm Wostry, »Wallenstein«, in Willy Andreas u. Wilhelm von Scholz (Hg.), Die Großen Deutschen, Bd. l, Berlin 1935, S. 565. Der Beitrag findet sich mit unwesentlichen Retuschen nahezu unverändert in Bd. l der Nachkriegsausgabe dieses Werkes, nunmehr hg. von Theodor Heuss, Hermann Heimpel und Benno Reifenberg, Berlin 1956, S. 519 ff.

36. van Crefeld, aaO. , S. 12.

37. Wostry, aaO. , S. 565.

38. Johann Christoph Allmayer-Beck u. Erich Lessing, Die kaiserlichen Kriegsvölker. Von Maximilian I. bis Prinz Eugen 1489-1718, Gütersloh 1978, S. 68.

39. Ebenda, S. 69. Hier der Hinweis, daß der Ausdruck »Strohmann« auf diesen Mißbrauch zurückgeht. Ferner Andre Corvisier, Armies and Societies in Europe 1494-1789, Bloomington, London 1979, S. 64 ff. ; ders. , La France. . . , aaO. , S. 122, bes. aber S. 180 ff.

40. Diwald, aaO. , S. 485 ff.

41. So zuletzt Golo Mann, aaO. (Anm. 5). S. 896: »Wallenstein war Verteidiger von Haus, denn starke Verteidigung ist gewisser als der Angriff, und das Gewisse spielte er gern.«

42. Diwald, aaO. , S. 350: »Zu den größten Eigenschaften des Feldherrn Wallenstein gehört eine Fähigkeit, die bei den zeitgenössischen Soldatenführern kaum zu finden ist: Die Gabe, abwarten zu können, den Überblick zu behalten.«

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43. Clausewitz, aaO. , S. 59.

44. Corvisier, La France. . . , aaO. , S. 91.

45. Hallwich, Fünf Bücher. . . ,aaO. ,Bd. 3: »Wallenstein an Ferdinand III. , Aschersleben, den 2. April 1626: '. . . neben deme E. Kay. Mt. ich nochmalln vnderthenigst bitte thue, sy genedigist geruhen wollen, sich in grosere Verfassungen zu stellen, dieweilen ein-maln von hinen durchaus nit möglich einen einzigen man zu entrathen. ' Was er von Bethlens Gefährlichkeit hielt, zeigt sein Schreiben an Spinola vom 3. August 1626, ibid. , S. 89: ›Vermeinen, daß es wegen des Bethlen ein gewinschter handel seyn werde, weilen sein Kriegen mehrers nur ein vrplötzlicher einfall und Straiff, als ein rechter wehrender Krieg, daß, so baldt Wir alsdann durch göttl. assistenz mit ihme fertig sein werden. . . ‹; vor allem auch ebenda, S. 102, sein Schreiben an Esterhazy, Ungarisch-Brod, 5. September 1626: ›Komt nun der Mansfeldt, Weimar, Bethlehem vndt der Türck zugleich, so graust mir vor ihnen kein bissei nicht. Sie werden geschmissen so gewis, als dem Mansfeldter im Früling widerfahren ist. ‹«

46. Mann, aaO. , S. 389.

47. Diwald, aaO. , S. 354.

48. Hallwich, Briefe. . . , aaO. , Bd. 3, S. 100; vgl. auch ebenda, Bd. 2, S. 673: »Man muß itzunder nur sulla difesa daselbst stehen, denn ich hoffe, wenn der König dahier nur einen einzigen Colpo bekommen wird, daß sich viele Sachen im Reich werden ändern. Ich vermeine auch, daß er all longo andar sich nicht wirdt halten können; wird müssen aus seinen Fortificationen, denn der Hunger und Mangel an Foragi wird ihn dazu treiben.« Zu den Vorgängen vor Nürnberg 1632 trefflich und das Richtige sehend Helmut Mahr, Wallenstein vor Nürnberg 1632. Sein Lager bei Zirndorf und die Schlacht an der Alten Veste, dargestellt durch den Plan der Gebrüder Trexel 1634, Neustadta. d. Aisch 1982, S. 13-24,28-32 u. 66 ff. Jetzt natürlich besonders Junkelmann, Gustav Adolf. . . , aaO. , S. 430 ff.

49. Liddell Hart, aaO. , S. 116.

50. Generalstaben, Sveriges Krig 1611-1632, Bd. VI: Fran Lech till Lützen, Stockholm 1939, S. 309, not. 3. Junkelmanns Ansicht: Gustaf Adolf. . . ,aaO. ,S. 429 f. , Wallenstein habe sich hier die Gelegenheit zu einem Vernichtungsschlag entgehen lassen, kann ich nicht folgen.

51. Delbrück, aaO. , S. 242 f.

52. Ebenda, S. 205.

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