HANS WAGNER
Zeitung und Geschichte

Von der unbewältigten Vergangenheit zur unbewältigten Gegenwart

Nicht nur als Widersacher von Frauenfreiheit und Ausländerrechten verschrieen, sondern - was schlimmer ist - als verkappter Nationalkonservativer mit Hang zur Verharmlosung der deutschen Vergangenheit gebrandmarkt, zog sich Steffen Heitmann nach wenigen Wochen im Herbst 1993 als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten zurück. Ein nach Gesinnung und Absicht integrer Politiker war fast unisono von der Publizistik, von der selbsternannten ›Vierten Gewalt‹, gejagt, verurteilt und hingerichtet worden.

Heitmanns angeblich so ganz und gar unpassende Kernthese zur deutschen Vergangenheit war im Oktober 1993 im Rahmen einer Repräsentativbefragung Bürgern in den alten und neuen Bundesländern zur Abstimmung vorgelegt worden. Ohne daß ihnen der Autor Heitmann genannt worden wäre, konnten sie sich ganz auf die Sachaussage konzentrieren, die schriftlich präsentiert wurde: »Ich glaube, daß der organisierte Tod von Millionen Juden in Gaskammern tatsächlich einmalig ist - so wie es viele historisch einmalige Vorgänge gibt. Ich glaube aber nicht, daß daraus eine Sonderrolle Deutschlands abzuleiten ist bis ans Ende der Geschichte. Es ist der Zeitpunkt gekommen - die Nachkriegszeit ist mit der deutschen Einheit endgültig zu Ende gegangen -, dieses Ereignis einzuordnen, aber um Gottes willen nicht wegzulegen!« Auf die Frage, ob sie das richtig fänden oder ob sie damit nicht einverstanden sein könnten, bekannten sich 71 Prozent der Befragten zu der zitierten Auffassung. Nur 12 Prozent mochten sie nicht teilen und 17 Prozent gaben sich unentschieden - vielleicht in dem Bewußtsein, daß mit der bejahenden Antwort auf die Frage ein Tabu berührt war. Wie immer: Heitmann hatte zur deutschen Vergangenheit nur gesagt, was eine sehr große Mehrheit des Volkes dachte und denkt.

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Neu kann dies allerdings nur für solche sein, die als publizistische Täter oder als deren Opfer vom Boden gesellschaftlicher Tatsachen längst abgehoben haben. Denn schon 1961 identifizierten sich bei einer Allensbach-Umfrage 72 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung mit der Position: »Ich finde, daß man das deutsche Volk in dieser Angelegenheit [der Judenverfolgung und -Vernichtung] verteidigen und nicht nur Entschuldigungen vorbringen sollte; viele Menschen wußten gar nichts davon.« Und im gleichen Zusammenhang antworteten auf die Frage, »ob sie sich selbst als Deutsche irgendwie mitschuldig fühlen an den Judenverfolgungen«, 88 Prozent eindeutig: »Nicht mitschuldig!«

Die Diskrepanz zwischen einer publizistisch oktroyierten historical correctness und dem realen Geschichtsbewußtsein der Gesellschaft verweist auf ein komplexes Verhältnis von Zeitung und Geschichte, das zunächst in zwei Schritten skizziert werden soll, bevor einige Bemerkungen zu den Konsequenzen angehängt werden, die aus der Negation oder aus einer - von welcher Seite auch immer - bewußt unternommenen Manipulation des Verhältnisses von Zeitung und Geschichte zu gewärtigen sind.

Wenn wir über das Verhältnis von Zeitung und Geschichte sprechen, so kann dabei ›Zeitung‹ ganz unterschiedlich verstanden werden. In einem eher umgangssprachlich verkürzten Sinn, in dem Zeitung als publizistisches, mit Druckerschwärze auf Papier fixiertes Produkt gilt und pars pro toto für massenmediale Publizistik genommen werden kann. Davon klar abzusetzen ist das wissenschaftliche Verständnis von ›Zeitung‹, das auf die ursprüngliche Wortbedeutung von ›Nachricht‹ und ›Nachrichtenaustausch‹ vorstößt. ›Zeitung‹ ist dann zu begreifen als das im unaufhörlichen, aktuellen Austausch der Zeitgenossenschaft sich äußernde Zeitbewußtsein, als die »sermones de tempore« und deren Summe: als das »Zeitgespräch der Gesellschaft« (Bernd M. Aswerus), das sich in ganz unterschiedlicher Gestalt äußert: Die Zeitung aus Papier ist nur eine von vielen möglichen.

Mit den Bedeutungsvarianten von ›Zeitung‹ wandelt sich zwangsläufig auch die Perspektive für das Verhältnis von Zeitung und Geschichte. Faßt man Zeitung als publizistisches Mittel auf, so stellt sich die Frage nach der publizistischen Instrumentalisierung von Geschichte: auf dieser Ebene muß und kann erklärt werden, wie es dazu kommt, daß bestimmte historisch-politische Auffassungen diskriminiert werden, obwohl sie einem von der Mehrheit geteilten Geschichtsbewußtsein entsprechen. Wo indessen die Frage ansteht, wie es überhaupt zur Ausprägung eines gesellschaftsweit greifenden Geschichtsbewußtseins kommt, muß der Erklärversuch grundsätzlicher und tiefer beim »Zeitgespräch der Gesellschaft« ansetzen.

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I. Publizistische Instrumentalisierung der Geschichte

»Es geht«, ließ Jürgen Habermas auf dem Höhepunkt des sogenannten Historikerstreits 1986 die an wissenschaftlicher Erkenntnis der Geschichte interessierten Historiker wissen, »um den öffentlichen Gebrauch der Historie«, nicht um »die Beobachterperspektive einer dritten Person«, sondern um »die richtige Antwort aus der Perspektive der ersten Person«, also um Betroffenheit. Was immer auch die Historikerzunft erarbeite, »erst durch die Schleusen der Vermittler und der Massenmedien gelangen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit, mit einer Rückkehr zur Beteiligtenperspektive, in den öffentlichen Fluß der Traditionsaneignung«.

Habermas fordert unumwunden die publizistische Instrumentalisierung der Vergangenheit zum Zweck einer politisch-ideologischen Steuerung der Gegenwart und der Zukunft. Aber er fordert damit nur, was von Beginn der Bundesrepublik an gängige publizistische Praxis war und ist.

Auf dem Feld der »Vergangenheitsbewältigung« betätigen sich die Medienpublizisten früh und konsequent als Hüter einer einzig wahren Geschichtsanschauung, als Entscheidungsinstanz darüber, was über die deutsche Vergangenheit öffentlich gesagt und nicht gesagt werden darf, darüber nicht zuletzt auch, wie es gesagt werden muß. Die Publizistik geriert sich als Definitionsmacht für historical correctness. Das schließt die Wächterrolle über das Antisemitismus-Tabu ebenso ein wie das letztinstanzliche Clearing von nazistischem Sprach- und Gedankengut: Gegen das publizistische Urteil gibt es eine Berufung nicht. Die ›Publizistik‹ bestimmt, wann und wo und von wem Tabu- und Correctness-Verletzungen begangen werden. So, in der Tat, gewinnt sie Macht als unkontrollierte ›Vierte Gewalt‹ gegen Recht und Verfassung. Das heißt ganz einfach und konkret, daß Medien und Publizisten autonom bestimmen, welche Haltungen, welche Äußerungen oder welche Produktionen als antisemitisch oder im anderen Fall als nazistisch und faschistisch gelten sollen. Sie befinden auch darüber, welche Confessiones aus nationalsozialistischer Zeit als Ausdruck echter Bekehrung angenommen und mit einer Absolution abgesegnet werden und welche anderen als »grenzenloses Beharren auf Naivität« oder als »gefährliche Verharmlosung« abzulehnen, gegebenenfalls mit künftiger Verachtung durch die Medien zu bestrafen sind.

Daraus erklärt sich dann, warum ein norddeutscher Bürgermeister wegen des Gebrauchs einer (sprichwörtlichen) antisemitischen Redensart zurücktreten mußte, aber ein Theaterdirektor in Frankfurt ein vor antisemitischen Klischees strotzendes Stück zwar nicht unangefochten, aber für seine Position folgenlos inszenieren durfte und an des Stückeschreibers Kunstfreiheit, an Faßbinders Renommee nicht einmal gekratzt wurde.

Ganz anders erging es dagegen dem Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger. Seine Rede zur deutschen Vergangenheit bei der Feierstunde zum 50. Jahrestag der ›Nazipogrome‹ gegen die Juden im Bundestag 1988 kostete ihn

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Kopf und Kragen und Karriere. Er habe sich mangelnder Sensibilität schuldig gemacht, »fast keinen historischen Fehler vermieden«, eine ebenso trostlose wie beschämende, den furchtbaren Ereignissen nicht angemessene Rede gehalten - erscholl das publizistische Chorheulen unisono von links bis rechts übers ganze Land. Aber all diese und manch andere Vorwürfe »sind nach dem Wortlaut des Jenninger-Textes haltlos«, faßt der Sprachwissenschaftler Hans Jürgen Heringer seine Analyse zusammen; sie seien »eher erschreckende Beispiele dafür, wie die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt wurde«.

Philipp Jenninger hatte das Gedenken des Bundestages eigenwillig begründet; es sei erforderlich, »weil nicht die Opfer, sondern wir, in deren Mitte die Verbrechen geschahen, erinnern und Rechenschaft ablegen müssen; weil wir Deutschen uns klar werden wollen über das Verständnis unserer Geschichte und über Lehren für die politische Gestaltung unserer Gegenwart und Zukunft«. Die jungen Leute, so Jenniger, wollten sich da nicht davonstehlen: »Sie wollen vielmehr von uns wissen, wie es dazu kam, wie es dazu kommen konnte.« Man sollte meinen, damit sei ein Kernpunkt »geschuldeter Erinnerung« getroffen. Vielleicht, meint Heringer, »ist die Beschäftigung mit den Tätern sogar der angemessenste Weg«, wenn man nach den Gründen der historischen Untaten forsche. Und der Sprachwissenschaftler kommt zu dem Ergebnis: »Man kann Jenninger höchstens vorwerfen, daß er ein Tölpel war, der aus der Professionalität, der Routine und Glätte ausgestiegen ist, der den Schutzschild des Ritus [von Gedenkreden] verschmähte, so daß seine Zuhörer nicht mehr ein noch aus wußten.«

Einen rationalen, in der Sache selbst liegenden Grund für die Hatz auf Jenninger findet man so wenig, wie man ihn für das Halali gegen Heitmann ausmachen kann. Daß beide publizistisch abgeschossen wurden, kann also nur auf einem Verstoß gegen die publizistisch etablierte und gehütete historical correctness beruhen: Beide sprachen von der Vergangenheit nicht so, wie es die publizistischen Vergangenheitswächter vorschrieben. Und beide bekamen daher am Ende die Macht der Publizistik zu spüren.

Daß es auf publizistische Machtdemonstration zugunsten einer publizistisch gebilligten Geschichts- und Gegenwartsanschauung allein ankommt, zeigen auch jene Fälle, in denen zwei sich scheinbar gleicher oder doch vergleichbarer ›Nazi‹-Jugendsünden schuldig gemacht haben, die indessen keineswegs mit demselben publizistischen Maß gemessen werden. Da gibt es etwa zwei deutschsprachige Schriftstellerinnen, die beide ihr Jungmädchenherz in lyrischen Hymnen an das neue Reich und seinen Führer ausschütteten. Die eine bekannte sich stets dazu, distanzierte sich eindeutig davon, blieb aber eine wertkonservative Literatin. Die andere verbarg ihre führerfreundlichen Ergüsse und überzog deren spätere Enthüller mit Gerichtsverfahren; aber sie hatte sich dazumal längst harmonisch einem neuen, fortschrittlich-friedensbewegten, linken Zeitgeist angepaßt. Als die erstere 1993 in hohem Alter mit dem Bayerischen Literaturpreis geehrt wurde, überschüttete sie die Publizistik mit

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Harne und brandmarkte sie als ewig Gestrige, als verkappte ›Nazi‹- und Antisemitismus-Freundin. Ihr Name: Gertrud Fussenegger. Der anderen hingegen wurden bei ähnlichen Gelegenheiten so strahlende publizistische Preislieder gesungen, daß dahinter jede lyrische Silbe für den einstigen Führer ganz einfach im Nichts verschwand. Ihr Name: Luise Rinser.

Die Wache über das vielfach tabubesetzte Feld der jüngeren deutschen Vergangenheit ist für die Publizistik ein Instrument, um Macht zu erlangen und zu demonstrieren sowie mit solch unkontrollierter Machtausübung die eigene, durch nichts sonst gedeckte Kritik- und Kontrollfunktion zu legitimieren.

Es geht also letzten Endes gar nicht um die Vergangenheit. Die Meßlatte publizistischer Vergebung oder Bestrafung ist - wie Verurteilungen ohne Sachgründe oder die Behandlungen nach zweierlei Maß klar zeigen - keineswegs an der Vergangenheit geeicht. Man kann vielmehr behaupten, daß sie sich in einem recht vagen und pauschalen Sinn nach den »Lehren« richten, die jemand aus der Vergangenheit zieht oder zu ziehen gewillt ist: Wenn solche »Lehren«, ablesbar an Sprache, Stil, Verhalten und Kontext, nicht konform mit dem publizistischen Präferenzsystem gehen, werden sie als Ausdruck von Vergangenheitsverdrängung oder gar als Zeichen des Rückfalls in den Ungeist der Vergangenheit vor allem Volk markiert, diskriminiert und ausgegrenzt; einem vergangenheitsverhafteten und eben deshalb falschen Bewußtsein darf eine Zukunftschance nicht eröffnet werden. Wo dagegen in Harmonie mit der publizistischen Wert- und Zielsetzung geredet und getönt wird, können (fremde und eigene) Verfehlungen in der Vergangenheit vergeben und vergessen sein.

Der von der Publizistik geforderte Minimalbeweis für ein gereinigtes Bewußtsein ist offenbar die vorbehaltlose Anerkennung einer kollektiven Mithaftung aller Zeitgenossen für sämtliche Untaten des Dritten Reiches sowie ein ebenso pauschales Bekenntnis zur Schuldhaftung aller künftigen Generationen - auch wenn ersteres geschichtsklitternd und letzteres vergiftend ist. Die Anerkennung der Singularität deutscher Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Dritten Reich genügt heute der Publizistik schon nicht mehr, wie der Fall Heitmann belegt. Und die Frage danach, wie das alles gekommen sei, scheint den publizistischen Wächtern zumindest dann verdächtig, wenn dabei nicht sogleich ausgeschlossen ist, daß für Beteiligte auch Entschuldigungsgründe und Unschuldsvermutungen zutage gefördert werden könnten. Das demonstriert die Jenninger-Affäre; und das demonstriert auch schon die ebenso heftige wie inkompetente, den »Historikerstreit« auslösende Polemik von Habermas gegen Andreas Hillgruber, weil dieser mit »kritischer Sympathie« für die deutsche Bevölkerung geschildert hatte, wie sich der Zusammenbruch im Osten 1944/45 angebahnt und abgespielt hat.

Der öffentliche, publizistische Gebrauch der Historie ist ein Mittel zur Disziplinierung des gesellschaftlichen Bewußtseins und seiner öffentlichen Artikulation, ein Instrument zur Blockade einer uneingeschränkt freien gesellschaftlichen Kommuni-

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kation - die allein wirkliche Bewältigung der Vergangenheit, auch und gerade eines gefährlichen Denkens in vergangenen Kategorien ermöglichen sowie ein zukunftstragendes Geschichtsbewußtsein hervorbringen könnte.

Aber mit publizistisch errichteten Kommunikationsblockaden kann weder das bei den Publizisten in Ungnade gefallene noch viel weniger ein tatsächlich unheilvolles Gedankengut aus den Köpfen ausgetrieben werden. Im Gegenteil: weil nach wie vor vorhanden, bleibt es auch virulent. »Es ist nicht mehr und nicht weniger ›demokratie-gefährdend‹ als jedes andere Gedankengut, das nicht öffentlich in aller Freiheit und mit allem Freimut und bis zum Ende ausdiskutiert, sondern mit kommunikations-feindlichen Mitteln unterdrückt wird«, schrieb der Zeitungswissenschaftler Heinz Starkulla Ende der sechziger Jahre zu der Beobachtung, daß und wie schon seinerzeit das Geschichtsbewußtsein der deutschen Mehrheit, massiv gefördert durch die Politik, in der Publizistik verschwiegen wurde.

II. Das Zeitgespräch konstituiert Geschichte

Es ist zwar richtig, daß man mit Hilfe der Vorkehrungen einer tabuproduzierenden Publizistik eine öffentliche Artikulation des zur Gesellschaftsgefahr erklärten Gedankengutes sowie eine Debatte darüber abwürgen kann. Es ist sicher auch richtig, daß damit eine »Schweigespirale« (Elisabeth Noelle-Neumann) in Gang gesetzt wird, in deren Folge die öffentliche Bekenntnis- und Äußerungsbereitschaft der angeprangerten Meinungsträger stetig abnimmt. Damit jedoch wird das inkriminierte Gedankengut ebenso wie das ihm entgegengesetzte, angeblich richtige oder ideale jeglicher öffentlichen Argumentations- und Rechtfertigungspflicht entzogen. Es gibt also keine öffentliche Klärung der Gedanken mehr. (Und wer dabei an eine defekte soziale ›Kläranlage‹ denkt, liegt nicht ganz schief. )

Gerade wenn man entsprechende Ideen für verfehlt und gefährlich hält, müßte ein jeder Klärung abholder Schleichhandel mit ihnen Gesellschaftsalarm auslösen. Denn selbst eine publizistisch auf die Tabu-Spitze getriebene »Schweigespirale« besagt keineswegs notwendig, daß die abgewürgten Ideen schon ineffektiv oder endgültig tot wären. Eine »Schweigespirale« ist noch lange keine »Gehirnwäsche«. So entfalten dann totgeschwiegene Vergangenheitsideen oder Geschichtserfahrungen der Mehrheit unterhalb öffentlicher Zugänglichkeit sowie in gelegentlich geradezu abstrusen Deformationen ihre ganze Attraktivität bei denen vor allem, die solchem Gedankengut weder eigene Erfahrung, noch zureichendes und zutreffendes historisches Wissen, noch die in öffentlicher Debatte gefundenen Argumente korrigierend entgegenzusetzen haben. Es ist die publizistisch instrumentalisierte und mißbrauchte Historie, die Bumerangeffekte, wie sie sich etwa in neonazistischen Jugendbewegungen manifestieren, nicht nur mitverschuldet, sondern förmlich programmiert.

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Die Anfälligkeit gerade für die bösartigsten Partikel aus dem Gedankengut der Vergangenheit bei einer Generation, die schon keine direkte Lebens- und Erfahrungsbrücke mehr zu dieser Vergangenheit hat, ist nur ein Wirkungsphänomen, das auf publizistisch gestörte oder gar zerstörte Realitäts- und Gegenwartsdefinitionen zurückgeht. Mit dem Ausschluß des mehrheitlich gebilligten Geschichtsbewußtseins nämlich werden den für alles Gegenwartshandeln unverzichtbaren Situationsdefinitionen wesentliche Orientierungsdaten entzogen. Sie sind damit für die Bewältigung der Gegenwart nicht mehr verfügbar. Im Klartext: Die Gegenwart muß ohne gesellschaftlich ausdiskutierte, abgestimmte oder womöglich sogar konsentierte »Lehren« aus der Vergangenheit auskommen - gerade weil die Publizistik seit Jahrzehnten glaubt, solche »Lehren« autonom diktieren zu können.

Eine Realitäts- oder Situationsdefinition, das wissen Sozialwissenschaftler seit den Arbeiten von William I. Thomas, die Grundlage und Bedingung realen Handelns wird, kann sich ihrerseits nur stützen auf die in einer gegebenen Situation bewußten Umstände und Voraussetzungen des Handelns, die etwa auch in Gestalt antreibender Wertmuster fixiert sind; ferner auf die in der nämlichen Situation tatsächlich bekannten Einstellungen von Menschen und Gruppen. Im Klartext also: Wertmuster, Standpunkte oder auch Sachperspektiven können nur insoweit in eine handlungsrelevante Situationsdefinition eingehen, als sie bekannt sind.

Bekannt kann - im weitesten Sinn - nur sein, was irgendwie geäußert wird, was als Äußerung der Öffentlichkeit zugänglich ist. Daher sagen wir auch: Die fraglichen Standpunkte und Einstellungen artikulieren sich in sozialer Kommunikation. Und da die Einflüsse auf eine gegebene Situation ebenso wie die Folgen eines situationsgerechten Handelns weit über den unmittelbaren Erfahrungsraum hinausreichen, müssen die betreffenden Standpunkte und Äußerungen vermittelt werden. In der vermittelten Kommunikation‹, d. h. konkret: auch und gerade in der journalistisch recherchierten und konzentrierten Information der Massenmedien, äußert sich das ›Zeitbewußtsein‹. Dies wiederum ist nichts anderes als eben die Gesamtheit aller in jeder Gegenwart verfügbaren Elemente einer handlungsleitenden Situationsdefinition.

Mit anderen Worten: Gesellschaftsgeschehen und in diesem Sinne ›Geschichte‹ wird nur das, was zuvor öffentlich beredet wurde und so in das Zeitbewußtsein eingegangen ist. Und ebenso zählt - wie Bernd M. Aswerus diesen Gedanken schon vor Jahrzehnten ergänzte - zur ›Historie‹ im Sinne eines ›Gesellschaftserlebnisses‹ nur, was »nach einem Geschehen in die soziale Zeit-Kommunikation eingeht«, weil erst diese »das kultur-gesellschaftliche Geschehen aus der Anonymität des Ablaufs in das Bewußtsein der Gesellschaft« hebt. Oder einfacher gesagt: Nur was öffentlich ist, rechnet zu den sozialen Tatsachen, die das Meinen und das Handeln bestimmen. Das »Zeitgespräch der Gesellschaft« und das in ihm sich artikulierende und bildende Zeitbewußtsein ist die Generations- und Wachstumszone des realen, allgemeinen Geschichtsbewußtseins.

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Das alles gilt jedoch nicht erst heute oder für heute. Vielmehr gilt dies ohne jeden Abstrich auch für unsere Eltern und Großeltern, die sich in den zwanziger und dreißiger Jahren und dann in einem mörderischen Krieg bemühten, ihr Leben ehrenhaft zu leben und mit Anstand zu tun, was der Tag verlangte. Vor allem ist es unerläßlich, nach den zeitgenössisch tatsächlich verfügbaren und geltenden Realitätsdefinitionen zu fragen, wenn man Antworten darauf sucht, wie denn das alles, auch das singuläre Verbrechen eines nationalsozialistischen Deutschlands, gekommen ist, wie es kam.

Die Frage nach den seinerzeit relevanten Realitätsdefinitionen stellen heißt nichts anderes, als wissenschaftlich sich auf den Versuch einlassen, für ein längst vollzogenes Handeln die zureichende Erklärung in exakt jener Sinngebung zu suchen, die der Handelnde selbst seinem Handeln gab. Solch »sinnadäquate Erklärung« liegt weitab von irgendeiner Bewertung oder gar von zustimmendem Einverständnis. Auf diese spätestens seit Max Weber im Gebrauch befindliche Methode können wir ernsthaft nicht verzichten, wenn wir wirklich unsere Eltern oder Großeltern verstehen wollen; noch weniger ist sie verzichtbar, wenn wir anfangen, aus dem Handeln der Elterngenerationen irgendwie richtige Schlüsse für die Gestaltung der Gegenwart und der Zukunft zu ziehen. Die höhnische Ridikülisierung, mit der gerade als Sozialwissenschaftler auftretende Kritiker der Geschichtswissenschaft solche Ansätze des ›Verstehens‹ als nachträgliche Sinnstiftung oder als ein Hineinversetzen in eine uneingerahmte Veteranenperspektive quittierten, liegt nicht nur weitab von sozialwissenschaftlicher Rationalität. Sie beweist vielmehr ein weiteres Mal, daß es hier nicht um historische Tatsachen oder um historische Erkenntnis ging, sondern um eine publizistische und mit Ovationen vieler Publizisten bedachte Denunziation der Gesellschaft.

Sobald man den historisch notwendigen, kritischen Versuch einer »sinnadäquaten Erklärung« des Geschehenen mit Hilfe der betreffenden Situationsdefinitionen unternimmt, stößt man natürlich sofort auf die Tatsache, daß auch diese handlungsorientierenden Schemata unserer Eltern und Großeltern publizistisch, diesmal indessen von totalitärer nationalsozialistischer Propaganda eingeschränkt und gestört waren. Eine solche Propaganda nämlich etablierte die lebens- und handlungsrelevanten Tatsachen. Sie etablierte deren Bewertung. Sie etablierte die geltenden Wahrheiten. Und sie etablierte Geschehen und Geschichte. Diese Etablierung (fast) aller Wirklichkeit durch ›Diktatur‹ in des Wortes eigentlicher Bedeutung gelingt indessen (wie uns die Sozialpsychologie belehrt) nur in einem komplizierten Wechselspiel zwischen dem Führer und den Geführten. Nur wenn dieses Spiel läuft, wird »kollektive Organisation der Gesellschaft« überhaupt möglich, wie Lenin die Zielvorgabe jeder totalitären Publizistik fixierte. Die Gesellschaft solchermaßen ›in Form‹ zu bringen, ist Primärzweck totalitärer Propaganda. Vom Hauptzweck ist der ›Nebeneffekt‹ einer parallel verlaufende Desorganisation aller bestehenden, bergenden Sozialstrukturen nicht abzukoppeln. Hitler hat in Mein Kampf diese

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Zusammenhänge ungeschminkt offengelegt: »Die erste Aufgabe der Propaganda ist die Gewinnung von Menschen für die spätere Organisation. (. . . ) Die zweite Aufgabe der Propaganda ist die Zersetzung des bestehenden Zustandes und die Durchsetzung dieses Zustandes mit der neuen Lehre.« Soweit der Propaganda das auch nur im Ansatz gelingt, ist sie wirksam und gefährlich.

Auch die Potenz einer Propaganda kann nur innerhalb der zeitgenössischen Situation einigermaßen richtig eingeschätzt werden. Die in den letzten Jahren zunehmend bemerkbare Masche, nationalsozialistische Propaganda wegen ihrer inzwischen durchschauten Lügen oder wegen ihrer scheinbaren Naivität auf Lächerlichkeitsmaße herunterzuspielen, ist irrelevant - und nur von einem besserwisserischen Nachhinein-Standpunkt aus möglich, der dann allerdings Zweifel weckt, ob man inzwischen wirklich klüger geworden ist.

Wenn es also darum geht herauszufinden, was in unserer jüngeren Vergangenheit geschah, wie es erfahren wurde und warum sich dagegen kaum Widerstand regte, so kann die Fundamentalfrage nur lauten: Was konnte im Dritten Reich ein ganz normaler Durchschnittsbürger über die Realität dieses Dritten Reiches, über die Verbrechen der Nationalsozialisten und ihrer Helfershelfer, über die politischen Absichten und Ziele, über Krieg und Frieden so gewiß wissen, daß er darauf sein Alltagshandeln zu bauen vermochte? Die Frage darf jedoch gerade nicht lauten: Was kann man heute über das Dritte Reich wissen?

Methodisch wäre also gewissermaßen alles einzuklammern, was die historische Forschung in beinahe einem halben Jahrhundert seither ans Licht gefördert hat. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei unterstrichen: Dies ist ein methodischer Vorsatz, keine inhaltlich-sachliche Verdrängung. Mit diesem methodischen Vorsatz ausgerüstet, können wir eine Beobachterposition einnehmen oder uns ihr wenigstens annähern, die eine Realitätswahrnehmung erlaubt, wie sie ungefähr der unserer Eltern- und Großelterngeneration entspricht.

Fügt man etwa - wie ich es anderwärts exemplarisch versucht habe - alle möglichen Facetten des zeitgenössischen politischen Selbstverständlichkeitskontextes, der Propagandaanweisungen, der Zeitungsberichterstattung und der Alltagsgerüchte, die insgesamt das Realitätsbild des Durchschnittsbürgers in den Wochen und Monaten um den Beginn des Zweiten Weltkrieges herum tatsächlich prägten, einigermaßen stimmig zusammen, so findet man sich plötzlich in Orientierungskoordinaten, die außerordentlich plausibel sind. Sie besagen - stark vereinfacht: Es gibt einen Feind, nämlich Polen, der unmenschlich und grausam ist; er lügt, er treibt zum Krieg, er rüstet zum Angriff. Demgegenüber muß das deutsche Volk, erschüttert vom Leid seiner Volksgenossen in einer grausamen Fremde, sein Recht gegen viele Gegner erstreiten; gutnachbarlich und friedliebend gesinnt, wird ihm gleichwohl die Führung eines gerechten Verteidigungskrieges von außen geradezu aufgezwungen.

Auf beiden Seiten gibt es scharf markierte Koalitionen: Die westlichen Verbündeten der Polen einerseits, die ihren Partner zum Krieg aufhetzen; auf

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der anderen Seite aber - von verbündeten Staaten ganz abgesehen - der große Bund zwischen dem ›Führer‹ und seinem Volk, beide eines Sinnes und daher stark, der ›Führer‹ loyal in allem und bereit, sein gegebenes Wort einzulösen.

Daß deutsche Bürger somit kein Unrecht begehen, wenn sie dem ›Führer‹ auch in den Krieg folgen, ist konsequent in diesem Orientierungsraster angelegt und vorgezeichnet: Die Deutschen in Polen werden als die gegen alles Recht und wider die Regeln primitiver Menschlichkeit Geschlagenen, Gejagten und Hingeschlachteten geschildert. Und mag diesbezüglich die Propaganda auch maßlos übertrieben haben, mag im einzelnen die Faktendecke auch dünn gewesen sein, nicht zu leugnen ist, daß es polnische Übergriffe, daß es Mißhandlungen, Drangsalierungen, Verschleppungen und auch Morde gab. Das waren Wirklichkeiten und nicht bloß Fiktionen. So ging es - folgt man den 1939 durchschnittlich möglichen Realitätsdefinitionen - letzten Endes beim Krieg gegen Polen um eine defensive Intervention, um einen Präventivschlag zum Schutz der eigenen Staatsbürger jedenfalls und lebenswichtiger Staatsinteressen noch dazu. Dies aber gilt bis heute als eine zureichend akzeptable Begründung für kriegerische oder kriegsnahe Interventionen. Beweise dafür aus jüngster Zeit findet man ebenso im Panama-Engagement der USA, im Falklandkrieg der Engländer wie schließlich auch in der international-solidarischen Intervention gegen den Irak.

Zwar wird heute immer wieder behauptet, daß unter den auch den Menschen seinerzeit bekannten Bedingungen der Sprachregelung, der Zensur und einer diktatorischen Nachrichtengleichschaltung die Medienberichterstattung ihre Orientierungsfunktion weitgehend verloren habe. Aber für die Haltbarkeit einer solchen These gibt es keinen einzigen Beleg. Ganz im Gegenteil! In vielen, nicht zuletzt in ganz alltäglichen, aber handlungsrelevanten Dingen und Fragen mußte - und konnte - man sich immer noch auf seine Zeitung (oder auf Rundfunkprogramme) und ihre Nachrichten verlassen. Zudem gab es genügend Techniken und Strategien, um auch den außeralltäglichen Rest des Medienstoffes glaubwürdig erscheinen zu lassen. Und da zu allem, was die Propaganda vorstellte, zeichnete und markierte, zumeist die unmittelbare Erfahrung als mögliches Korrektiv fehlte, bestand das wirklich Teuflische dieser totalpublizistischen Propaganda darin, daß selbst notorische Zweifler unmöglich sagen konnten, wo denn in diesen Nachrichten die Wahrheit endete und die Lüge anfing oder wo umgekehrt eben diese aufhörte und die Wahrheit durchsickerte.

In Abwandlung eines berühmten Wortes von Blaise Pascal über die ›Einbildung‹ (die als eingeprägtes Bild‹ schließlich das Produkt von Propaganda ist), muß man nämlich festhalten, daß die Propaganda freilich ein treffliches Maß für die Wahrheit wäre, wenn man sie nur durchgehend der Lüge überführen könnte! Nein, die nationalsozialistische Propaganda tat durchaus ihre Wirkung.

Der Propaganda-Experte Klaus Kirchner hat in der Nationalbibliothek in Washington ein Blatt ausfindig gemacht, auf dem Umfrageergebnisse ver-

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zeichnet sind, die von Zensuroffizieren der Wehrmacht Ende 1939 erhoben wurden. Diese Befragungen ergaben, »daß im Falle einer Abstimmung damals 99,5 Prozent für den ›Führer‹ Adolf Hitler, etwa 85 Prozent für Großdeutschland und 15 bis 20 Prozent für die Partei gestimmt hätten«. Selbst wenn man an diesen Zahlenwerten aus Vorsicht Abstriche macht, ändert sich an der Grundtendenz nichts. Diese nämlich stimmt überein mit der schon 1938 von Sidney Rogerson festgehaltenen Beobachtung: »Die Menschen unterstützen freiwillig den Führer und sein Regime.«

Es gibt allerdings (aus Gründen, die sogleich zu erörtern sind) nicht besonders viele Zeugnisse einfacher Bürger für diese Tatsache. Aber die vorhandenen belegen doch eindeutig, wie die Gegenwart von 1933 bis Anfang der vierziger Jahre tatsächlich erfahren wurde und wie sich dabei ein Geschichtsbewußtsein ausgeprägt hat, das aus dem sicheren Abstand heutiger Gegenwart publizistisch ebenso leicht wie leichtfertig an den Pranger gestellt wird.

Da schreibt etwa ein Lübecker Leser 1989 an Die Zeit: Selbstverständlich wissen wir heute »alle um den Wahn und die furchtbaren Hintergründe Hitlers und der deutschen Führungsclique. Es ist kein Kunststück, heute darauf zu schimpfen und es zu verurteilen. Wir aber, damit meine ich das deutsche Volk, sind ängstlich und völlig ohne Jubel und Begeisterung in den Krieg gegangen. Wir glaubten wirklich, die Heimat verteidigen zu müssen. Die gewaltigen Leistungen, die unsere Soldaten und auch unsere Zivilbevölkerung in diesem Krieg vollbracht haben, waren nur möglich, weil wir immer noch an die unabwendbare Notwendigkeit dieses Kriegsgeschehens glaubten und die Heimat verteidigen wollten. Es mag ein Irrtum gewesen sein, aber eine Lüge ist es ganz gewiß nicht gewesen.«

Über solch besondere Reflexion der Kriegserfahrung hinaus verallgemeinert der frühere Verleger und Publizist Heinz Friedrich, Jahrgang 1922, seit 1983 Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste: »Wir lernten, daß der Marxismus teuflisch und der Faschismus edel sei, und wir lernten, daß man den Deutschen Schmach zugefügt und Land entrissen habe. Wir lernten, daß die Linksparteien das deutsche Volk 1918 verraten und der Willkür der Alliierten ausgeliefert hätten. Und wir lernten, daß der amerikanische Präsident Wilson sein Wort nicht gehalten habe, als er das Selbstbestimmungsrecht aller Völker, also auch der Deutschen, verkündete. Das Bewußtsein der ›Schmach von Versailles‹ und der sogenannten ›Kriegsschuldlüge‹ hatte eine politische Trotz-Stimmung in vielen Deutschen erzeugt, ohne die kaum erklärbar ist, was 1933 und danach geschah. Dementsprechend empfanden wir jungen Menschen auch die Parolen und Handlungen der neuen Regierung als sinnvoll und richtig und bewundernswert. Das Gegenteil zu behaupten, wäre reine Heuchelei.«

Tatsächlich ist es bei vielen und je länger, je mehr zu solch »reiner Heuchelei« gekommen. Sie hat nicht selten die »geschuldete Erinnerung« verdrängt. Vor

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allem hat sie die notwendige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit letztlich verhindert; denn Auseinandersetzung mit der Vergangenheit muß heißen, sich mit der Realitätserfahrung der Menschen von damals auseinanderzusetzen.

III. Paradoxien des öffentlichen Gebrauchs der Historie

Der Grund für solche Defizite kann unschwer angegeben werden. Er besteht darin, daß die publizistische Instrumentalisierung der deutschen Vergangenheit sich nie an den wirklichen Realitätsdefinitionen der zwischen 1933 und 1945 lebenden Menschen orientierte, sondern Geschichte gewissermaßen nach Aktenlage verordnete. Die Maßgaben der historical correctness basieren auf all dem, was man heute nach Durchsicht von Archiven, Geheimprotokollen und Papierbergen weiß (oder - weit schlimmer noch - auf ausgewählten, genehmen Teilstücken daraus), nicht aber auf dem, was die Menschen damals wissen konnten.

(1) Genau an dieser Stelle öffnet sich dann die Kluft zwischen unvereinbaren Realitätssichten und Geschichtsauffassungen, von der wir ausgegangen waren. Diese Kluft läßt sich als ein allgemeines Paradoxon formulieren:

Je perfekter, akribischer und detailreicher die Historiographie rekonstruiert, was ›wirklich‹ geschehen ist, um so weiter entfernt sie sich (notwendig) von dem, wie es wirklich war - für die Menschen nämlich, die damals zu handeln, zu leben und zu überleben hatten.

Ganz generell betrachtet, handelt es sich bei diesem Paradox lediglich um den Spezialfall einer konstitutiven Eigenheit jeder wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnis. Wie alle wissenschaftlichen Modelle sind auch historische Rekonstruktionen immer nur (nachträgliche) Konstruktionen der Wissenschaft mit mehr oder minder partiellem Bezug zur Wirklichkeit, nicht aber diese Wirklichkeit selbst, erst recht nicht ihr photographisches Abbild. Das ist eine ziemlich triviale wissenschaftstheoretische Einsicht. Zu einem Paradox indessen artet diese Erkenntnis-Tatsache im Fall deutscher Vergangenheitsbewältigung deshalb aus, weil sich die publizistische Instrumentalisierung der Geschichte an diese Einsicht partout nicht hält - und dabei bestärkt wird von respektablen Wissenschaftlerkreisen, die häufig zwar nicht den Erkenntnisstand, aber den Ton angeben. Auf dieser Ebene verwechselt man dann durchgehend und absichtsvoll historische Konstrukte mit der Realität; und daher leitet man im Rahmen des öffentlichen Mißbrauchs der Historie nicht selten massive Schuldvorwürfe und Schuldzurechnungen ab, die ›in Wirklichkeit‹, das heißt: aus der Perspektive einer Rekonstruktion der seinerzeit tatsächlich wirksamen Realitätsdefinitionen, unhaltbar und bloße Willkür sind.

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Die fraglichen Schuldzurechnungen treffen fast immer pauschal die meisten oder gar alle, das deutsche Volk schlechthin - wie die historical correctness es befiehlt: Wer damals lebte, kann unmöglich nicht schuldig geworden sein! Und sie sind bereits sehr generös, diese Schuldsprüche, wenn sie Eltern und Großeltern nur desavouieren: Vielleicht, so wird gelegentlich mild konzediert, seien sie nicht im strengen Sinn schuldig geworden; Vorbilder indessen könnten sie keineswegs und niemandem sein! Und da solche Herabsetzung der Elterngenerationen mit Berufung auf eine ›Wirklichkeit‹ die nie wirklich war, bereits lange genug angedauert hat, ist es keineswegs verwunderlich, wenn Meinungsforscher nirgendwo auf der Welt bislang eine weiter klaffende Differenz zwischen Jugend und Eltern in allen Fragen der Lebensvorstellung und der Lebenswerte feststellten als eben in Deutschland.

(2. ) Nun steckt jedoch in den publizistisch üblich gewordenen Schuldzurechnungen noch in anderer Hinsicht Material für Verwunderung. Gestützt auf erhebliche Fakten haben nämlich Historiker im Rahmen ihrer akribischen Rekonstruktionen zeigen können, wieviele Menschen, Gruppen und Staaten sich lange Zeit sowohl in Hitlers Person als auch in dessen Absichten täuschten.

Derartige Fehleinschätzungen kamen am laufenden Band vor. Offenbar waren selbst intelligente Menschen mit Anspruch auf ein überlegen funktionierendes Urteilsvermögen in Hitlers engster Umgebung gegen derartige Täuschungen nicht gefeit, obwohl (oder weil?) ihnen Hitler-Erfahrung aus nächster Nähe möglich war. In der großen Schar der Hereingefallenen trifft man auf Bankiers und Industrielle ebenso wie auf Generale, auf Diplomaten und Menschen mit einem ausgesprochen politischen Sachverstand. Es ist ferner vielfach bezeugt und belegt, wie lange und nachhaltig sich die politischen Führungsspitzen zahlreicher Staaten von Hitler täuschen ließen - mit unabsehbaren Folgen für politisches Entscheiden und Handeln. Dabei muß man sich stets bewußt bleiben, daß diese gesamte auf Hitler hereingefallene Prominenz über vorzügliche Informationen aus hervorragend operierenden Informationsapparaten verfügte, zu denen meist Kenntnisse aus unmittelbarer Erfahrung kamen.

Eben deshalb sind alle diese Fehleinschätzungen wesentlich schwerer erklärbar als die Täuschung und der irregeführte Glaube eines durchschnittlichen Zeitgenossen, der fast ausschließlich auf Radio und Zeitung angewiesen war, um sich ein Bild vom ›Führer‹, von Deutschland, von Deutschlands Feinden und vom Rest der Welt zu machen, der oft genug nur Getuschel, Gerüchte und Vermutungen hatte, um Anhaltspunkte für Verbrechen zu entdecken. Genau an diesem Punkt nimmt eine zweite Paradoxie Kontur an:

Mit vielerlei Argumenten versuchen nicht wenige Historiker, die Fehleinschätzungen Hitlers durch Staatsmänner und Prominente jeglichen Ranges verstehbar zu machen, um zu erklären, warum diese Hereingefallenen ohne eigene Schuld handeln

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mußten, wie sie handelten. Dem gemeinen Bürger jedoch wird ähnliche Entlastung versagt, obwohl seine durch Propaganda geradezu erzwungene Täuschung viel weniger aufhebbar, sein Glaube an Hitler viel weniger belastet ist.

An dieser Stelle wird das gespaltene Maß der Schuldzumessung konstruiert, zu dem die publizistische Instrumentalisierung der Geschichte nur allzu gerne greift. Aber kann man denn allen Ernstes so verfahren? Ist dem Durchschnittsbürger weniger Recht auf Täuschung einzuräumen als einem Staatenlenker? Sind die Vorurteile der Staatsmänner weniger bedenklich als jene, die das Alltagshandeln des gewöhnlichen Menschen beeinflussen? Mit welch durchschlagenden Argumenten könnte man denn wirklich verlangen, daß der normale Zeitgenosse die propagandistische Lügenschicht seiner täglichen Informationen hätte durchstoßen müssen und können, wenn man einer solchen Leistung die politischen Experten nicht für fähig hält?

Kommt hinzu, daß beide Lager der Hereingefallenen ja nicht isoliert und unabhängig voneinander bestehen, daß es hier vielmehr recht prekäre Wechselwirkungen gab, die eindeutig zulasten der getäuschten ›Prominenz‹ und zugunsten des Normalbürgers ausschlagen: Alle Lobsprüche für die Führungsambitionen und -qualitäten Hitlers, alle anerkennenden, vertrauenweckenden Worte für seine Person oder seine Politik, alle optimistisch getönten Erwartungen schließlich in die Staatskunst des ›Führers‹, die aus dem Mund prominenter, sachkundiger, in- und ausländischer Polit-Experten flössen (und die wir Heutigen als ›Fehleinschätzungen‹ enttarnen), wurden seinerzeit von der Propaganda weidlich ausgeschlachtet. Auf diesem Weg aber wurden die Fehleinschätzungen der deutschen und der ausländischen Prominenz zu fundierenden Bausteinen in den Realitätsdefinitionen des ›kleinen Mannes‹: »Wenn sogar diese oder jene den ›Führer‹ so sehen und schätzen, dann muß an ihm und seiner Politik wohl etwas dran sein. . . !«

Von einem öffentlichen Gebrauch der Historie, die sich an nachträglichen Konstruktionen der Wirklichkeit versucht, müßte man wohl auch so etwas wie nachträgliche Gerechtigkeit aus der Distanz erwarten dürfen. Im vorliegenden Zusammenhang müßte das Maß solcher Gerechtigkeit wohl abgenommen werden von einem ziemlich simplen Leitsatz: Je besser die Informationsmöglichkeiten waren, zu denen einer Zugang hatte, je umfassender und sicherer die Informationen waren, über die einer verfügte, um so erheblicher ist seine Schuld, wenn er sich dennoch täuschen ließ oder wenn er nicht dem Maß seiner Informationen entsprechend gehandelt hat oder wenigstens zu handeln versuchte. Anstatt dieses aus der Einsicht in die Konstruktionsbedingungen handlungswirksamer Realitätsdefinitionen gewonnene Maß an alles relevante Handeln gleichermaßen anzulegen, operiert die historisierende Publizistik mit einer gespaltenen Meßlatte:

Wer optimal informiert war und wenigstens gelegentlich auf den Grund des ›wirklichen‹ Geschehens blicken konnte, darf mit Nachsicht rechnen. Wen propagandistische Desinformation in ›Glaubensüberzeugungen‹ trieb, die objektiv fragwürdig,

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subjektiv indessen sehr wohl vertretbar waren, muß mit nachträglicher Verurteilung rechnen - weil er desinformiert war\

Um diese gefesselte Betrachtung aufzubrechen, muß man in aller Klarheit unterstreichen, daß diese Paradoxie einer von interessierter Wissenschaftsseite kräftig unterfangenen, publizistischen Schulddoktrin de facto die seinerzeit ›gut informierten Kreise‹ schützt - und dies wohl auch der Zweck ist. Denn zu diesen informations-privilegierten Kreisen gehörten nicht zuletzt Publizisten aller Berufsränge; welche Konsequenzen hätten sie denn aus der Tatsache ziehen müssen, daß sie jahrelang und oft ganz brutal mit der vollen, häufig mit einer genauso vielsagenden ›halben‹ Wahrheit amtlich kontaminiert waren? Es mag auch unter den Publizisten mehr Mutige gegeben haben, als man heute weiß; aber die Mehrzahl hielt sich doch an das Oktroi - und log auf höhere Anweisung das Volk an. Und nicht wenige von dieser größeren Teilmenge machten nach 1945 und bis in die letzten Jahre hinein in der Publizistik weiter und machten Karriere und wachten über die historical correctness und fällten Urteile über alle - nur nicht über sich selbst. Wie also steht es um die Schuld der Wissenden, der gut Informierten, der Denker und Ideenlieferanten, der Schreibtischtäter und der Tatzeugen auf Beobachterposten?

(3. ) Da aber nun die von der Historiographie gesicherten Zeugnisse insgesamt doch recht überzeugend dokumentieren, daß das Vertrauen in die Person des ›Führers‹ in ganz erheblichem Maß das Fundament damals durchschnittlicher Realitätsdefinitionen war (und zwar eben gerade nicht nur beim desinformierten Normalbürger, sondern noch viel mehr bei den Wissenden und Gutinformierten), ist es höchst erstaunlich, wo nach dem Krieg, wo vor allem auch in den letzten Jahrzehnten die Stimmen und Bekenntnisse derer geblieben sind, die da so fest ›geglaubt‹ hatten und nach diesem ›Glauben‹ auch handelten. Einige dieser Stimmen sind oben exemplarisch zitiert. Aber sie sind, aufs Ganze gesehen, fast eine Rarität; und wo sie überhaupt vernehmbar werden, stammen sie eher und häufiger von ›kleinen Leuten‹. Auch das erklärt sich.

Mit dem Anspruch, die ›ganze Wahrheit‹ und die ›wahre Realität‹ des Dritten Reiches aufzudecken und aufzuklären, haben die publizistischen Vergangenheitswächter wiederum im Verein mit correctness-schaffenden Kreisen der deutschen Geschichtswissenschaft im Lauf der Jahre de facto ein Tabu etabliert, das es der Generation der Großeltern und Eltern unmöglich macht, ihre eigenen Realitätsdefinitionen und -erfahrungen aus damaliger Zeit offen vorzulegen. Tun sie es nämlich, so müssen sie fürchten, zumindest mißverstanden, im schlimmsten Falle jedoch als die eigentlich ›Schuldigen‹ und als die ›Unverbesserlichen‹ eingestuft und von den eigenen Kindern an jenen Pranger gestellt zu werden, den eben Geschichte und Publizistik konstruiert haben.

Dies ist vermutlich die schlimmste, von der Ausgangsparadoxie ableitbare Folge. Sie erlaubt uns nämlich zunehmend weniger zu verstehen, was damals

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wirklich geschehen ist. Sie macht zudem fragwürdig, ob wir denn wirklich noch die richtigen Fragen stellen. Sie legitimiert uns scheinbar, unseren Eltern und Großeltern Schuld anzulasten, ohne daß wir die Frage nach unserem möglichen Schuldigwerden hier und heute und unter den gegebenen Umständen unserer Lebenszeit überhaupt zulassen müßten. Das im Namen historischer Aufklärung errichtete Tabu fördert eine Mentalität, die den ›wahren‹ Sündenbock ohne Gefahr für den eigenen Wissens- und Gewissensschlaf zu identifizieren erlaubt.

Aber auch wir Heutigen definieren die Realität unserer Welt nach den nämlichen Schemata, die unsere Großeltern schon hatten. Auch wir beziehen - und müssen es tun! - für unsere Realitätsdefinitionen die entscheidenden Kriterien aus vermittelter Information. Dazu müssen wir den Informanten sowohl wie den Vermittlern trauen. Es bleibt uns anderes nicht übrig, weil jene Bedingungen, die unsere Realitätsdefinitionen bestimmen, durch Autopsie nicht mehr zu beherrschen sind. Sollten wir das den Großeltern und Eltern zum Vorwurf machen? Nun denn, so müssen wir wohl zuerst an uns selbst die Anfrage richten, ob wir uns nicht eben deshalb selbst bereits in vielfache Schuld verstrickt haben, weil auch wir viel zu wenig die Mechanismen nachprüfen, auf denen unsere Informationsmöglichkeiten ruhen - obwohl wir im Unterschied zu den Elterngenerationen die Chancen dazu hätten.

Und sind nicht auch heute schon wieder putzmunter im Umlauf die Ideen vom ›lebensunwerten Leben‹ oder von der Notwendigkeit ›eugenischer Fürsorge‹ oder vom ›Untermenschentum‹ fremder Völker oder von der Sozialbelastung durch die ›unnützen Esser‹, als die da gelten die Pflegebedürftigen, die Behinderten, die Alten vor allem? Diese Ideen sind virulent - und sie vagabundieren doch längst wieder im Ornat der ›Wissenschaftlichkeit‹ durch die Medien und durch das Gesellschaftsbewußtsein. Aber nicht doch, sagt man laut (und meint es vielleicht sogar), heute sind das selbstredend ›gereinigte‹ Ideen, weil von nationalsozialistischer Sprache gereinigt! Daß dies nur ein recht windiger Selbstbetrug ist, haben die Sprachwissenschaften längst überzeugend aufgezeigt.

Wie schließlich sehen die Wertmuster aus, an denen wir unsere Realitätsdefinitionen heute orientieren? Sind sie wirklich ehrenhafter als die unserer vielverleumdeten Großeltern in bitteren Zeiten? Oder vertreten wir heute nicht etwa ganz allgemein geradezu exzessiv jene Erfolgsmoral, die Hitler in nahezu reiner Typik in Mein Kampf vorgestellt hat, nach der alle seine Propaganda und alles Streben seiner Getreuen stets ausgestreckt blieb? Solcher Erfolgsmoral sind von Lügen bis zu Menschenexperimenten alle Maßnahmen recht, wenn sie am Ende nur zum erwarteten Nutzen beitragen. Irgendeinen Nutzen herauszustellen und zu propagieren ist indessen immer nur eine Frage geschickter Public Relations. Wie groß ist mithin die Differenz zwischen den alltagsrelevanten Wertmustern jenes ›tausendjährigen‹ Reiches und unseres Alltags an der Schwelle zum Jahr zweitausend wirklich?

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Stellen wir - mit einem Wort - wirklich die richtigen Fragen, um aus der Geschichte noch zu lernen?

Wenn wir dies wollen, so müssen wir allerdings mit einem ganz erheblichen Aufwand schon heute, 50 Jahre danach, nicht mehr nur unsere und unserer Väter Vergangenheit, sondern dazu noch die publizistisch instrumentalisierte Historie bewältigen, unter der die wirkliche Geschichte inzwischen begraben ist. Wie aber sollen wir die Gegenwart bewältigen, wenn wir - publizistisch deformiert - nicht mehr in der Lage sind, der Vergangenheit die Lehren abzuringen, mit denen wir die Zukunft menschenwürdiger gestalten könnten?

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