Paul Rassinier

Die Jahrhundert-Provokation


III. Dem Krieg entgegen

1. Der Rüstungswettlauf

Die Barthou-Note vom 17. April 1934, die das Scheitern der Abrüstungskonferenz besiegelte und jegliche Hoffnung auf Verständigung vereitelte, löste in der Welt eine Welle des Wahnsinns aus. In Sachen Rüstung hatten alle Völker nunmehr freie Hand.

Paradoxerweise ging diese Welle in den Vereinigten Staaten besonders hoch. Bei einer Ansprache, die Roosevelt am 23. Juli 1934 vor der Besatzung des Kreuzers »Houston« hielt, äußerte der US-Präsident, die amerikanische Flotte werde »bis zur äußersten Grenze ihrer Möglichkeiten ausgebaut«, und kündigte »den Bau von 300000 Tonnen neuer Einheiten« an. Zur gleichen Zeit erklärte der Präsident der Luftfahrtkommission im Kriegsministerium, Newton Baker, Amerika brauche »eine Luftwaffe von mindestens 2320 Flugzeugen«. Solche Erklärungen waren durch die Haltung Japans motiviert, das am 26. März 1933 den Völkerbund verlassen hatte, dann zur Eroberung des von ihm selbst gegründeten Mandschukuo geschritten war und sich nun an der Äußeren Mongolei sowie an China vergriff, wo es die amerikanischen Interessen gefährdete. Beide Männer ließen erkennen, daß auch die Entwicklung der Lage in Europa die amerikanischen Interessen in dieser Gegend gefährden könne.

Am 19. August 1934 kündigte die britische Regierung ihre Absicht an, zweiundvierzig neue Luft-Geschwader aufzubauen.

In Frankreich hielt Marschall Pétain am 22. August 1934 eine Ansprache vor den Reserveoffizieren in Saint-Malo und

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warf die Rekrutenfrage auf. Auf diese Frage kam er am 9. September in Meaux zurück, bei einer Gedenkfeier zum Jahrestag der Marneschlacht, und brachte offiziell die Idee von einer zweijährigen Dienstzeit in Umlauf, die seit Mai in allen Militärzeitschriften und Zeitungen zu finden war.

»Der Krieg liegt in der Luft«, rief Mussolini bei der Rede aus, die er am 24. August 1934 vom Balkon des Palazzo Venezia hielt. Das Thema war: »Die Unterordnung allen Lebens der Nation unter die militärischen Notwendigkeiten.« Erst am 11. April 1935 ließ er durch den Popolo d'Italia verkünden, daß Italien ein Heer von 600000 Mann mit den modernsten Waffen zu unterhalten gedenke, daß es »die Entwicklung der Luft- und Seeflotte beschleunigen« werde und die sofortige Kiellegung zweier Schlachtschiffe von 30000 Tonnen beschlossen habe.

Auch Rußland traf militärische Vorkehrungen, aber nichts sickerte durch. Erst am 1. Januar 1935 ließ Marschall Tuchatschewski auf dem 7. Allrussischen Sowjetkongreß wissen, daß im Jahre 1934 die Stärke der russischen Armee von 600000 auf 940000 Mann erhöht wurde.

In Polen führte Marschall Pilsudski seinerseits am 24. September 1934 den allgemeinen Wehrdienst ein, zu dem alle Männer von 17 bis 60 Jahren und sogar Frauen verpflichtet wurden.

Sogar die Schweiz verlängerte am 6. Dezember 1934 die militärische Dienstzeit um einen Monat.

Deutschland hatte nun auch Handlungsfreiheit. Dennoch hat es aus diesem Umstand offenbar keinen übertriebenen Nutzen gezogen. Freilich wußte der Führer, daß der Bruch mit dem Völkerbund unabänderlich war, und die Entwicklung der öffentlichen Meinung in Frankreich (Marschalls Pétains Rede, der Pressechor usw.) zeugte in unbeherrschtem, sprich unzweideutigem Maße davon, daß die Regierung von dem in der Barthou-Note bezogenen Standpunkt nicht weichen werde. Im Jahre 1934 ließ Hitler eine Neugestaltung des deutschen Heeres und die Modernisierung ihrer Rüstung

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prüfen und ordnete den Bau von Flugzeugprototypen, Panzern und Marineeinheiten an, traf aber dabei keine aufsehenerregenden Maßnahmen. Es hatte den Anschein, als wollte er seinen Gegnern die Initiative überlassen, und seine Drohreden blieben letztlich nur Reden. Selbst die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Polen für alle Männer von 17 bis 60 Jahren erschütterte ihn nicht sonderlich und veranlaßte ihn auch nicht, den Nichtangriffspakt, den er am 26. Januar 1934 mit Polen unterzeichnet hatte [59], in Frage zu stellen; sie wirkte sich auch nicht auf die militärischen Maßnahmen aus, die er gerade ausarbeiten ließ. Ende 1934 hatte seine Armee immer noch die vom britischen Plan vorgesehene Stärke von 200000 bis 300000 Mann. Spektakuläre Maßnahmen sollte er erst im März 1935 ergreifen, und sie wurden erst im Wehrgesetz vom 21. Mai 1935 — das heißt nach den Vorkehrungen aller anderen Staaten, nach denen der USA, Italiens, Polens und sogar Englands [60] — endgültig festgehalten. Dieses Wehrgesetz sollte das Gesetz vom 6. März 1919 über die Vorläufige Reichswehr sowie das vom 23. März 1921 über die Berufsreichswehr ablösen.

In der Zwischenzeit hatten nämlich zwei folgenschwere Ereignisse in Europa stattgefunden: die Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 an der Saar, die sich entscheidend auf die Wiedereinführung des zweijährigen Wehrdienstes in Frankreich auswirkte, sowie, im Mai 1935, die Verhandlungen zum französisch-sowjetischen Pakt, der eine Wiederaufnahme jener Politik der Einkreisung Deutschlands bedeutete. Diese von deutscher Seite getroffenen Maßnahmen (Erweiterung der Reichswehr, Wehrgesetz) waren zu rasche, zu genaue, zu vollständige Antworten, als daß man hätte annehmen können, sie seien nicht seit langer Zeit — frühestens seit dem 17. April 1934 — vorgesehen. Andererseits wußte Hitler erst seit diesem 17. April, daß die von der Barthou-Note geschaffene Situation unabänderlich war, daß er sie eines Tages ergreifen müßte, und er könnte dementsprechend Anstalten getroffen haben. Jedenfalls dienten ihm die Verlängerung

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der französischen Wehrpflicht auf zwei Jahre und der Auftakt zum französisch-sowjetischen Pakt wenigstens als Alibi.

1. Die Volksabstimmung an der Saar. Gegen die Auffassung Clemenceaus — der die sofortige Annektierung des Saargebiets an Frankreich forderte und sich darauf berief, daß »die große Mehrheit der Saarländer französischer Abstammung« sei und die »anderen mit dem Herzen zu Frankreich strebten« — hatte der Versailler Friedensvertrag verfügt, daß das Saargebiet als Völkerbundsmandat fünfzehn Jahre lang unter französischer Verwaltung stehen sollte, wonach die Saarländer entscheiden sollten, ob sie endgültig an Frankreich angegliedert werden oder ins Reich zurückkehren oder gar selbständig bleiben wollten.

Nach Ablauf der fünfzehn Jahre wurde im September 1934 die Volksabstimmung auf den 13. Januar 1935 festgesetzt. Was die öffentliche Meinung im Saarland betraf, zehrte die französische Regierung immer noch von der Vorstellung, die Clemenceau 1919 hatte, und sie hielt an dieser Vorstellung derart fest, daß sie eine intensive antideutsche und seit 1930, vor allem seit 1933, antihitlerische Propaganda entfaltet hatte, bei der nichts ausgelassen worden war: weder die Judenverfolgung, noch die Konzentrationslager, noch die Fesseln, die Hitler der Meinungsfreiheit angelegt hatte, noch der Abscheu, den sein Regime der Weltöffentlichkeit einflößte. Sie hatte nun, dachte sie, die einmalige Gelegenheit, Hitler in Schach zu halten und seinem Ansehen in Deutschland einen Stoß zu versetzen, von dem er sich nicht erholen würde.

Hitler wußte indes um seine Machtstellung und war seiner Sache sicher. Als Hindenburg am 2. August 1934 gestorben war, hatte eine in der Reichskanzlei sofort abgehaltene Ministersitzung folgenden Beschluß gefaßt: »Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Infolgedessen gehen die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten auf den Führer und Reichskanzler Hitler über. Er bestimmt seinen Stellvertreter.« An allen öffentli-

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chen Reichsgebäuden angeschlagen und dem Volk zur Zustimmung vorgelegt, war der Beschluß am 19. August 1934 mit 38362760 Stimmen, das waren 88,9% der Wähler bei 96% Wahlbeteiligung, gebilligt worden: ein Zeichen, daß Hitler immer noch das breite Vertrauen des deutschen Volkes genoß. Außerdem hatte ihm sein Nachrichtendienst Unterlagen zugeleitet, aus denen hervorging, daß im Saargebiet wie in allen Ländern mit deutschsprachigen Minderheiten diese Bevölkerungen ihre Rückkehr in die Heimat forderten.

Hitler war darauf bedacht, daß die Leidenschaften, die die Volksabstimmung bestimmt erzeugen würde und seine Beziehungen zu Frankreich bei Vorverhandlungen nur verschlimmern könnten, nicht entfesselt würden. Unglücklicherweise überreichte er dem französischen Botschafter in Berlin, André François-Poncet, eine Note, die eine gütliche Einigung zwischen beiden Regierungen zur Lösung des Streitfalls vorschlug: Die Saar würde wieder deutsch, aber ein Wirtschaftsvertrag würde der französischen Industrie die Möglichkeit geben, ihre Rohstoffquellen unter denselben Bedingungen wie bisher auszunutzen. Dieser Vorschlag war vernünftig. Er löste in Frankreich eine breite zustimmende Strömung aus, mit Jules Romains an deren Spitze, der sich in einer Reihe von Vorträgen [61] für diesen Lösungsvorschlag einsetzte.

Die französische Regierung lehnte ihn dennoch ab. Sie wertete ihn als Eingeständnis der Ohnmacht Hitlers, der ihn nur deshalb unterbreitet habe, weil er die feindliche Gesinnung des saarländischen Volkes gegen Deutschland und das nationalsozialistische Regime erkannt habe.

Die Volksabstimmung fand statt, und die Ergebnisse wurden in der Nacht zum 14. Januar bekannt: 90,8% der Abstimmenden entschieden sich bei einer Wahlbeteiligung von über 97% für die Rückkehr ins Deutsche Reich, 8,8% stimmten für die Autonomie in Form des Status quo und nur 0,4% für den Anschluß an Frankreich. Es gab so gut wie keine Stimmenthaltungen.

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London rechnete mit dem Wahlausgang. Es wäre übertrieben zu behaupten, daß man dort verstimmt war wegen des harten Schlags für Frankreich, das bislang sämtliche Abrüstungspläne zum Scheitern gebracht hatte.

In Paris machte sich Niedergeschlagenheit breit. Die Abstimmung im Saarland, die unter der Kontrolle des Völkerbunds stattfand, also ohne daß Deutschland in den Wahlvorgang oder in die Verkündung der Ergebnisse eingreifen konnte, gab Hitler den gleichen Stimmenanteil wie die in Deutschland abgehaltenen Volksabstimmungen, und man konnte nicht mehr behaupten, ihre Ergebnisse seien gefälscht worden. Der Volksentscheid an der Saar ließ eines deutlich erkennen: Wollte man vermeiden, daß andere deutsche Minderheiten (Sudetenland, Posen, Danzig oder sogar Staaten wie Österreich), die bestimmt in der gleichen Verfassung wie das Volk an der Saar waren, den Anschluß an das Deutsche Reich durchsetzten, so half nur noch Stärke, und man mußte darauf hinarbeiten, stark zu werden.

Am 1. März 1935 wurde die Verwaltung des Saargebietes offiziell den deutschen Behörden zurückgegeben, und Hitler erklärte vor dem Reichstag: »Deutschland verzichtet feierlich auf jeden Anspruch auf Elsaß-Lothringen: nach der Rückkehr der Saar ist die deutsch-französische Grenze endgültig festgelegt.« Am selben Tag veröffentlichte die Zeitschrift Revue des deux Mondes einen Artikel Marschall Pétains, der die Rückkehr zum zweijährigen Wehrdienst für notwendig hielt, und Pierre-Etienne Flandin legte der Abgeordnetenkammer einen Gesetzentwurf vor, der die längere Dienstzeit wiedereinführen sollte. Der Gesetzentwurf wurde am 16. März 1935 nach einer leidenschaftlichen Debatte angenommen. Noch am selben Abend — die Abstimmung im französischen Parlament stand angesichts der Entwicklung der Debatte so gut wie fest — überreichte Hitler dem Reichskabinett eine Verordnung, die die allgemeine Wehrpflicht wiedereinführte und ein ins einzelne gehendes Gesetz über ihre Regelung ankündigte. Sie hatte folgenden Wortlaut:

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Ȥ 1 Der Dienst in der Wehrmacht erfolgt auf der Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht;

§ 2 Das deutsche Friedensheer einschließlich der überführten Truppenpolizeien gliedert sich in 12 Korpskommandos und 36 Divisionen;

§ 3 Die ergänzenden Gesetze über die Regelung der allgemeinen Wehrpflicht sind durch den Reichsminister der Reichsregierung alsbald vorzulegen.«

Mit dieser Verordnung hatte Hitler alles zerrissen, was vom Teil V des Versailler Vertrags übriggeblieben war, bemerkt Benoist-Méchin. [62] Und der Deutsche Paul Semmler meint: »An diesem Tage hat der Führer die dem Reich durch den Friedensvertrag von Versailles angelegten Ketten zerrissen und hat dem deutschen Volk seine Ehre und seine Freiheit wiedergegeben.« [63]

Man kann die Ansicht vertreten, daß Hitler diesen Beschluß früher oder später gefaßt hätte, auch wenn Frankreich den zweijährigen Wehrdienst nicht wiedereingeführt hätte. Dem Anschein nach zumindest läßt die zeitliche Folge der Ereignisse eine solche Auffassung kaum zu, und man kann ebensogut behaupten, daß Hitler den für alle Fälle ausgearbeiteten Beschluß zurückgestellt hätte.

2. Der französisch-sowjetische Bündnispakt. Barthou hatte seine Note vom 17. April 1934 kaum verfaßt, als er sich anschickte, die Einkreisung Deutschlands durch die Aufnahme Rußlands in den Völkerbund zu erreichen. Ein solches Manöver war nicht leicht. Zum einen, weil Rußland den Völkerbund als »Banditenverein« betrachtete und den Versailler Vertrag als »Diktat des Hasses und der Raubgier«, das es so früh wie möglich zu zerreißen galt. Zum anderen, weil die Sowjetunion mit einigen Mitgliedern des Völkerbundes, wie Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei, ein Zerwürfnis hatte, die ihrer Ansicht nach nur ein Sicherheitskordon oder ein Stacheldraht waren, den der Völkerbund gegen die UdSSR richtete. Und schließlich empfahl sich Barthou nicht für diese Unternehmung: am 29. November 1932 hatten Her-

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riot und Dougalewski, der sowjetische Botschafter in Paris, einen Freundschafts- und Beistandpakt zwischen Frankreich und Rußland abgeschlossen, und Barthou hatte sich unter dem Vorwand dagegen ausgesprochen, daß man mit dem Bolschewismus nicht paktiere. Barthous Selbstverleugnung vermochte aber nicht, ihn aufzuhalten.

Am 20. April 1934 machte er sich an die Arbeit. Als erstes begab er sich nach Prag und Warschau, dann sondierte er in Bukarest. Denn es galt zunächst, Prag, Warschau und Bukarest mit Moskau zu versöhnen. In Warschau wurde er von Marschall Pilsudski ziemlich trocken abgewiesen. Dagegen sprachen die Tschechoslowakei durch Benesch und Rumänien durch Titulescu am 9. Juni die de jure-Anerkennung der Sowjetrepublik aus.

Dieses Ergebnis mißfiel Stalin keineswegs. Er fühlte sich bedroht sowohl im Westen durch den Wiederaufstieg Deutschlands unter Hitler, der dem Bolschewismus den Krieg erklärt hatte, als auch im Osten durch die Stellung, die Japan im Mandschukuo und in der Mongolei erobert hatte. Er wäre demnach nicht böse, wenn er die ihn bedrohende Gefahr aus Deutschland auf den Westen abwälzen könnte, um seine Kräfte voll im Osten einzusetzen. Barthou wurde zu einem großen Mann. Als er Stalin anregte, seine Aufnahme in den Völkerbund auf dem diplomatischen Weg zu beantragen, ging der Russe natürlich sofort darauf ein.

Um sein Vorhaben zu vertuschen, unternahm Barthou ab 20. Juni 1934 eine zweite Rundreise durch Mitteleuropa und warb für den aussichtslosen Plan eines Ostpakts, der alle mitteleuropäischen Staaten, Deutschland und Rußland zusammenschließen sollte und eine Art Ost-Locarno zur glücklichen Ergänzung des West-Locarno-, sprich des Rheinpakts, wäre. Am 10. September 1934 ließ Deutschland wissen, daß es keinen Vertrag zu unterzeichnen gedenke, der es verpflichten würde, der UdSSR beizustehen und das sowjetische Regime zu verteidigen, wenn dieses angegriffen würde. Aber Barthou glaubte, den Schein gewahrt und den Nachweis er-

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bracht zu haben, daß seine Bemühungen nicht gegen Deutschland gerichtet seien.

Am 18. September 1934 kam der Aufnahmeantrag der UdSSR vor dem Völkerbundsrat zur Diskussion und wurde mit 38 gegen drei Stimmen bei sieben Enthaltungen angenommen. Von nun an betrachteten die Kommunisten in aller Welt den Völkerbund nicht mehr als »Banditenverein«, und der Versailler Friedensvertrag wurde in ihren Augen ein hochschätzbarer Vertrag.

Am 9. Oktober 1934 empfing Barthou König Alexander von Jugoslawien zu einem Staatsbesuch in Marseille und wurde dabei von einem kroatischen Terroristen ermordet, der den König ebensowenig verfehlte. Die von Barthou eingeleiteten Verhandlungen setzte Pierre Laval, sein Nachfolger im Quai d'Orsay, fort. Sie verliefen erfolgreich, wie es sich gehörte, und zum Austausch der Ratifikationsurkunden fuhr er am 14. Mai 1935 nach Moskau. Von dort kam er mit Stalins berühmtem Ausspruch zurück, der die französische Kommunistische Partei in ihrem Kampf gegen die Verteidigungshaushalte entwaffnete und die übrigen KPs ins Lager der antideutschen Kriegshetzer versetzte: »Frankreich soll seine Rüstung an die Bedürfnisse seiner Sicherheit anpassen.«

Am 15. Juni 1935 wurde der französisch-sowjetische Bündnispakt um einen gleichartigen zwischen Rußland und der Tschechoslowakei ergänzt.

Als Antwort verkündete die Reichsregierung am 21. Mai 1935 das in der Verordnung vom 16. März über die Wiedererrichtung der Wehrmacht angekündigte Gesetz. Schwere Bomber vom Typ Junker 52, leichte vom Typ Heinkel 70, Seeaufklärer Dornier 22 und Jäger Arado 65 erschienen in der darauffolgenden Woche am Himmel. Die Schlachtschiffe Graf Spree, Scharnhorst und Bismarck wurden auf Kiel gelegt sowie fünf Zerstörer und elf weitere U-Boote [64]. Am 1. Oktober 1935 erreichte die Wehrmacht eine Stärke von 650000 Mann.

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Die »Bismarck«: das stärkste Panzerschiff der damaligen Zeit.
29 Knoten, 8 x 380 mm-Geschütze, 12 x 150 mm-Geschütze, 32 Flak-Geschütze;
2 Flugzeuge Arado 196; 2200 Mann, 50000 t bei voller Ladung

Das waren die Ergebnisse französischer Politik Ende 1935. Danach wurde es noch schlimmer, denn die französische Regierung versteifte sich auf ihren Standpunkt, und sie versteifte sich um so mehr, als sie der Unterstützung der Tschechoslowakei, Rumäniens und Rußlands sicher war, die Einkreisung Deutschlands verwirklicht hatte und nun glaubte, sie würde dieses in der Zange haben und könnte es zum Nachgeben zwingen.

Das war auch der Grund des Vertrauens, das Männer, wie Barthou und Laval — wer hätte das gedacht? — plötzlich in den Bolschewismus setzten.

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2. Englands Annäherung an Deutschland

Doch England mischte sich nicht in dieses Spiel ein.

Am 19. August 1934 hatte es zwar eine Erweiterung seiner Luftflotte um 42 neue Geschwader angekündigt. Diese Entscheidung war aber nicht etwa durch das Verhalten der Reichsregierung herbeigeführt worden, sondern durch die Tatsache, daß Japans expansionistische Politik die britischen Interessen im Fernen Osten gefährdete und England dort den Vereinigten Staaten nicht freie Hand lassen wollte. Am 23. Juli 1934 hatten die Vereinigten Staaten die Kiellegung von 360000 Tonnen neuer Seeeinheiten sowie, kurz danach, den Bau von 2320 Flugzeugen bekannt gegeben, und England spürte daher ihre Konkurrenz in diesem Teil der Welt.

Am 1. März 1935 hatte auch Premierminister Baldwin der britischen Regierung einen umfangreichen Aufrüstungsplan in den drei Waffengattungen unterbreitet, für dessen Ausführung er nahezu unbegrenzte Geldmittel erhalten hatte. Dafür war der Grund, daß die italienisch-äthiopischen Beziehungen sich derart verschlechtert hatten, daß zwischen beiden Ländern der Kriegszustand erklärt worden war. Am 6. Februar 1935 hatte Italien ein Armeekorps nach Äthiopien entsandt, und zwei zusätzliche Divisionen am 11. des Monats. In Italien traten immer mehr Männer freiwillig in das Heer ein, und die Generalmobilmachung stand bevor. Die Nilquellen — ein weiterer Völkerbund, sagten die Humoristen —, auf die Ägypten, britisches Schutzgebiet, angewiesen war, waren in Gefahr.

Hitler hatte sich in dieser Frage nicht getäuscht.

England unterhielt zwar ausgezeichnete Beziehungen zu Italien: seine angesehensten Politiker konnten den Duce nicht genug loben. Frankreich übrigens auch, das ihn in die europäische antideutsche Front einzubinden und Mussolini gegen Hitler auszuspielen hoffte: am 4. Januar 1935 hatte Mussolini dem französischen Außenminister Pierre Laval einen festlichen Empfang in Rom bereitet, und am 7. des Mo-

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nats war im Palazzo Venezia ein französisch-italienisches Abkommen [65] unterzeichnet worden, das laut der gemeinsamen Abschlußerklärung »eine Ära der engen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern eröffnen sollte«. Allerdings zu Léon Blums großem Verdruß, der in Le Populaire vom 6. Januar 1935 schrieb: »Zum ersten Mal ist ein französischer Minister bei dem Mörder Matteottis zu Gast; zum ersten Mal erkennt ein Vertreter der Französischen Republik Italiens Tyrannen als Staatsoberhaupt [66] an.« Mit seiner Ansicht stand er aber allein da; die gesamte französische Presse, L'Humanité und Le Populaire natürlich ausgenommen, hatte die Initiative Pierre Lavals aufs wärmste begrüßt.

Äthiopien war aber Mitgliedsstaat des Völkerbunds und wurde von einem weiteren Mitgliedsstaat angegriffen [67]. Außer der Drohung, die von Italien auf die Nilquellen fiel, warf dieser Angriff also rechtliche Fragen auf.

Mussolini war seinerzeit sehr empfänglich für die Freundschaftsbezeugungen Englands und Frankreichs. Er hatte Hitler am 14. Juni 1933 empfangen, hatte ihn aber für einen »Verrückten, einen Degenerierten und einen Sexualbesessenen« gehalten.

Er war mit Dollfuß befreundet gewesen und von dessen Tod beim Putsch der österreichischen Nationalisten am 25. Juli 1934 tief erschüttert worden. Außerdem befürwortete er die Unabhängigkeit Österreichs, und die deutschen Anschluß-Pläne riefen eine tiefe Kluft zwischen ihm und Hitler hervor. Am 11. Januar 1935 brachte eine auf französische Initiative einberufene Konferenz England (MacDonald und Sir John Simon), Frankreich (Pierre Laval und Pierre-Etienne Flandin) und Italien (Mussolini) in Stresa zusammen und führte zur sogenannten Stresa-Front: Mussolini nahm mit Begeisterung an dieser Konferenz teil, die durch die Zustimmung Südeuropas die Einkreisung Deutschlands [68] vollenden sollte, und nahm außerdem deren Beschlüsse an [69].

Aber England — und das hatte Frankreich übersehen — war überhaupt nicht geneigt, sich wegen Österreich, Polen

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oder der Tschechoslowakei in einen Konflikt mit hineinreißen zu lassen. Es war der Auffassung, Frankreich habe mit der Ablehnung des britischen Abrüstungsplans die Gelegenheit vorübergehen lassen und seine Politik in Mitteleuropa sei abenteuerlich. Ferner glaubte es nicht an die Möglichkeit einer Einkreisung Deutschlands, dessen Vorschläge auf der Abrüstungskonferenz im übrigen durchaus vernünftig gewesen seien. Schließlich hielt es den Nationalsozialismus für eine nicht zu unterdrückende Machtidee und war daher der Ansicht, Frankreich werde in zwei Tagen (am 13. Januar 1935) eine schöne Schlappe im Saarland erleiden. Kurz gesagt, England habe nichts dagegen, daß Deutschland zu seinen Ostgrenzen von 1914 zurückkehrte. Daher nahm es nur zögernd an der Konferenz teil und sprach lediglich ein Lippenbekenntnis zur Stresa-Front aus.

In dieser Stimmung legte Hitler am 21. Mai 1935 sein Gesetz über die Wiedererrichtung der Wehrmacht dem Reichstag vor und erläuterte gleichzeitig ein Programm mit dreizehn Punkten zur Wiederaufnahme der internationalen Verhandlungen in Genf. Die Times gab den Standpunkt der britischen Regierung wieder, wenn sie am nächsten Tag schrieb: »Kein unvoreingenommener Kopf kann in Zweifel ziehen, daß die 13 Punkte Hitlers als Grundlage für eine endgültige Regelung unserer Beziehungen zu Deutschland dienen könnten.« Damit der Leser sich eine Meinung bilden kann, seien diese dreizehn Punkte im folgenden aufgeführt.

»1. Die deutsche Reichsregierung lehnt die am 17. April [70] erfolgte Genfer Entscheidung ab. Sie erachtet es als notwendig, zwischen dem Vertrag von Versailles, der aufgebaut ist auf der Unterscheidung der Nationen in Sieger und Besiegte, und dem Völkerbund, der aufgebaut sein muß auf der Gleichwertung und Gleichberechtigung aller seiner Mitglieder, eine klare Trennung herbeizuführen.

2. Die deutsche Reichsregierung hat infolge der Nichterfüllung der Abrüstungsverpflichtungen durch die anderen Staaten sich ihrerseits losgesagt von den Artikeln, die in-

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folge der nunmehr einseitigen vertragswidrigen Belastung Deutschlands eine Diskriminierung der deutschen Nation für unbegrenzte Zeit darstellen. Sie erklärt aber hiermit feierlichst . . . daß sie die sonstigen, das Zusammenleben der Nationen betreffenden Artikel einschließlich der territorialen Bestimmungen unbedingt respektieren und die im Wandel der Zeiten unvermeidlichen Revisionen nur auf dem Wege einer friedlichen Verständigung durchführen wird.

3. Die deutsche Reichsregierung hat die Absicht, keinen Vertrag zu unterzeichnen, der ihr unerfüllbar erscheint. Sie wird aber jeden freiwillig unterzeichneten Vertrag, auch wenn seine Abfassung vor ihrem Regierungs- und Machtantritt stattfand, peinlich einhalten.

4. Die deutsche Reichsregierung ist jederzeit bereit, sich an einem System kollektiver Zusammenarbeit zur Sicherung des europäischen Friedens zu beteiligen.

5. Die deutsche Reichsregierung ist der Auffassung, daß der Neuaufbau einer europäischen Zusammenarbeit sich nicht in den Formen einseitig aufoktroyierter Bedingungen vollziehen kann.

6. Die deutsche Reichsregierung ist grundsätzlich bereit, Nichtangriffspakte mit ihren einzelnen Nachbarstaaten abzuschließen.

7. Die deutsche Reichsregierung ist bereit, zur Ergänzung des Locarnopaktes einem Luftabkommen zuzustimmen und in seine Erörterung einzutreten.

8. Die deutsche Reichsregierung hat das Ausmaß des Aufbaues der neuen deutschen Wehrmacht bekanntgegeben. Sie wird davon unter keinen Umständen abgehen . . . Sie ist aber jederzeit bereit, in ihrer Waffenrüstung jene Begrenzungen vorzunehmen, die von den anderen Staaten ebenfalls übernommen werden . . . Die Begrenzung der deutschen Marine liegt mit 35 Prozent der englischen noch 15 Prozent unter dem Gesamttonnagement der französischen Flotte. Da in den verschiedenen Pressekommentaren die Meinung besprochen wurde, daß diese Forderung nur ein Beginn sei und sich

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insbesondere mit dem Besitz von Kolonien erhöhen würde, erklärt die deutsche Reichsregierung bindend: Diese Forderung ist für Deutschland eine endgültige und bleibende.

Deutschland hat weder die Absicht noch die Notwendigkeit oder das Vermögen, in irgendeine neue Flottenrivalität einzutreten. Die deutsche Reichsregierung erkennt von sich aus die überragende Lebenswichtigkeit und damit die Berechtigung eines dominierenden Schutzes des Britischen Weltreiches zur See an, genauso wie wir umgekehrt entschlossen sind, alles Notwendige zum Schutze unserer eigenen kontinentalen Existenz und Freiheit zu tun. Die deutsche Reichsregierung hat die aufrichtige Absicht, alles zu veranlassen, um zum britischen Volk und Staat ein Verhältnis zu finden und zu erhalten, das eine Wiederholung des bisher einzigen Kampfes zwischen beiden Nationen für immer verhindern wird.

9. Die deutsche Reichsregierung ist bereit, sich an allen Bestrebungen aktiv zu beteiligen, die zu praktischen Begrenzungen uferloser Rüstungen führen können. Sie sieht den zur Zeit einzig möglichen Weg hierzu in einer Rückkehr zu den Prinzipien des Roten Kreuzes.

10. Die deutsche Reichsregierung ist bereit, jeder Beschränkung zuzustimmen, die zu einer Beseitigung der gerade für den Angriff besonders geeigneten schweren Waffen führt. Diese Waffen umfassen: 1. schwerste Artillerie und 2. schwerste Tanks. Angesichts der ungeheuren Befestigungen der französischen Grenze würde eine solche internationale Beseitigung der schwersten Angriffswaffen Frankreich mindestens automatisch in den Besitz einer geradezu hundertprozentigen Sicherheit bringen.

11. Deutschland erklärt sich bereit, jeder Begrenzung der Kaliberstärke der Artillerie der Schlachtschiffe, Kreuzer und Torpedoboote zuzustimmen. Desgleichen ist die deutsche Reichsregierung bereit, jede internationale Begrenzung der Schiffsgrößen zu akzeptieren. Und endlich ist die deutsche Reichsregierung bereit, der Begrenzung des Tonnengehalts

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der U-Boote oder auch ihrer vollkommenen Beseitigung für den Fall einer international gleichen Regelung zuzustimmen.

12. Die deutsche Reichsregierung ist der Auffassung, daß alle Versuche, durch internationale oder mehrstaatliche Vereinbarungen eine wirksame Milderung gewisser Spannungen zwischen den einzelnen Staaten zu erreichen, vergeblich sein müssen, solange nicht durch geeignete Maßnahmen einer Vergiftung der öffentlichen Meinung der Völker durch unverantwortliche Elemente in Wort und Schrift, Film und Theater vorgebeugt wird.

13. Die deutsche Reichsregierung ist jederzeit bereit, einer internationalen Vereinbarung zuzustimmen, die in einer wirksamen Weise alle Versuche einer Einmischung von außen in andere Staaten unterbindet und unmöglich macht. Sie muß jedoch verlangen, daß eine solche Regelung international wirksam wird und allen Staaten zugute kommt . . . es erscheint notwendig, den Begriff 'Einmischung' einer genauen Definition zu unterziehen.«

Man kann den Nationalsozialismus noch so scharf verurteilen, ein noch so erbitterter Nazi-Gegner sein, ja sogar Hitler als Ausgeburt der Hölle betrachten, trotzdem kann man sich, wenn man ehrlich ist, jener Einschätzung der Times [71] nicht verschließen: Mit Ausnahme von Punkt 12 (staatliche Bevormundung der Meinungsfreiheit in allen Ländern) war dieses Programm sehr korrekt und bot eine ordentliche Grundlage für eine Wiederaufnahme der Gespräche mit Deutschland im Rahmen des Völkerbunds, ferner ermutigende Aussichten für die Erhaltung des Friedens durch die Rüstungsbegrenzung, vielleicht sogar durch eine allgemeine und tatsächliche Abrüstung.

Die französische Regierung weigerte sich aber, Verhandlungen auf dieser Grundlage wiederaufzunehmen. Der französisch-sowjetische Bündnispakt und die Hoffnungen, die sie in Richtung Italien hegte, bestärkten sie in der Auffassung.

Die Briten waren realistischer und entschlossen sich, die ihnen entgegengestreckte Hand zu ergreifen: am 25. Mai

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1935 forderten sie die Reichsregierung auf, bilaterale Verhandlungen über die Aufrüstung zur See zu eröffnen. Und bereits am 18. Juli 1935, in einer Rekordzeit also, wurde trotz Frankreichs Warnungen und Protesten ein Vertrag zwischen dem Reich und Großbritannien unterzeichnet, nach dessen Wortlaut die deutsche Wiederbewaffnung zur See offiziell in der Höhe und in der Form anerkannt wurde, wie Hitler sie gefordert hatte.

Auf diesen Erfolg gestützt, versuchte von Ribbentrop, der die deutsche Delegation leitete, auf ein allgemeines Bündnis mit Großbritannien zuzusteuern. Dieses Bündnis, das die territoriale Unversehrtheit Hollands, Belgiens und Frankreichs garantieren sollte, enthielt ein verlockendes Angebot: Das Reich würde England zwölf Divisionen zur Verteidigung seines Kolonialreiches, vor allem in Indien, zur Verfügung stellen. Vergeblich: England wollte nicht darüber hinausgehen und gedachte nicht, Deutschland auf diesem Terrain zu folgen. Um Rüstung zur See handele es sich, und nur um Rüstung zur See.

Trotzdem hatte zum erstenmal eine der Signatarmächte des Versailler Vertrags die deutschen Thesen über die Aufrüstung anerkannt. In Paris löste das Flottenabkommen die heftigsten Reaktionen aus: wie kann man nun Deutschland tadeln, die Bestimmungen des Versailler Vertrags zu verwerfen, wenn England selbst es dabei unterstützt? Die französische Regierung erklärte die britische Entscheidung für »moralisch unzulässig und juristisch unhaltbar«.

Juristisch unhaltbar? Die Narren, die für die damalige französische Politik verantwortlich waren, übersahen — oder taten so, als wenn sie es übersähen —, daß Deutschland die im Teil V des Versailler Vertrags enthaltenen Militärbestimmungen nur deshalb übertrat und daß England es dabei schon deshalb unterstützte, weil Frankreich selbst dessen Präambel zuwider handelte, spätestens seit dem 16. Februar 1926, als Marschall Foch erkannte, daß Deutschland abgerüstet hatte. Nach dem Wortlaut des Vertrags hätte Frankreich

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damals abrüsten müssen. Sie vergaßen auch, daß Frankreich alle Initiativen derjenigen, insbesondere der Engländer und Amerikaner, zurückwies und torpedierte, die die Welt auf den Weg der Abrüstung bringen wollten. Sie vergaßen zuletzt, daß gerade diejenigen, die mit der Einhaltung eines Gesetzes beauftragt sind, dieses Gesetz am ehesten übertreten und daß das Gesetz des Dschungels herrscht, sobald keine Stelle mehr sie zur Einhaltung zwingen kann: dann kann nämlich jeder tun, was er will, und die Stärkeren siegen.

Dieselben Narren hatten ebensowenig vorausbedacht, daß Deutschland recht bald alle seine Rivalen auf die Plätze verweisen würde, wenn sie den Rüstungsbereich dem Gesetz des Faustrechts auslieferten. Zum Beispiel ließ das deutsch-britische Flottenabkommen eine Erhöhung der deutschen Flotte von 108000 auf 420000 Tonnen zu. Wenn Frankreich das bestehende Kräfteverhältnis zu Deutschland aufrechterhalten wollte, hätte es seine Flotte von 628000 auf 940000 Tonnen steigern müssen. Es war aber nicht in der Lage, eine solche finanzielle Anstrengung zu machen.

Indem die französische Regierung England beschuldigte, »eine juristisch unhaltbare Entscheidung« getroffen zu haben, machte sie sich nur lächerlich. Sie hatte selbst diese Lage geschaffen, und es stand ihr ebenso schlecht an, sich darüber zu beschweren wie dem Reich ein Recht abzuerkennen, das sie sich selbst angemaßt hatte. Außerdem war keine Instanz mehr da, die die Frage hätte entscheiden können; die bestehende, der Völkerbund, hatte sich selbst disqualifiziert, als er außerstande war, ein Gesetz einhalten zu lassen, das die Alliierten — und damit er selbst — in den Versailler Vertrag eingefügt hatten. Die Reichsregierung weigerte sich, vor dem Völkerbundsrat als Angeklagte und zudem als einzige Angeklagte zu erscheinen, und beim damaligen Stand der Dinge konnte keine Macht in der Welt sie dazu zwingen, dort zu erscheinen. England hatte es wohl erkannt. Da es Deutschland nicht daran hindern konnte, eine vernünftig er-

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scheinende Entscheidung zu treffen, hatte es wenigstens deren Auswirkungen insofern in Schranken gehalten, als die deutsche Tonnage künftig nur 35% der britischen betragen sollte.

Frankreich durfte nur noch hoffen, daß es eines Tages Deutschland vor eine ihm ergebene Instanz ziehen könnte.

Und Frankreich hoffte es.

3. Der französisch-sowjetische Bündnispakt

Die Entwicklung zum Krieg ließ sich noch aufhalten, wenn das französische Parlament den französisch-sowjetischen Pakt nicht ratifizieren würde. Eine ziemlich unwahrscheinliche Aussicht. Gemeint war allerdings von Frankreich in dem Pakt nicht irgendein Krieg, sondern nur ein solcher, in den Westeuropa nicht verwickelt wäre.

Im Osten lagen die Dinge anders: Zu den Richtlinien der Politik Hitlers gehörte an erster Stelle die Vernichtung der Juden und Freimaurer, aber auch die des Bolschewismus, der seiner Ansicht nach einen jüdisch-freimaurerischen Grund habe, beziehungsweise von den Juden und den Freimaurern in aller Welt unterhalten werde. [72] Um so entschlossener machte er sich jene Politik des Drangs nach Osten zu eigen, die seit dem Deutschritterorden (1128), wenn nicht seit Karl dem Großen, die Aufgabe des deutschen Volkes war.

Man kann sich schwer vorstellen, wie er ohne Krieg diese Doktrin anders in die Tat umsetzen könnte als durch eine Unterstützung der Ukraine, die antibolschewistisch eingestellt war, sich aber passiv verhielt: 1917 hatte Petljura unter Beweis gestellt, daß das ukrainische Volk verbissen an seiner Unabhängigkeit hing und gegen das leninistische Regime feindlich gesinnt war. Hitler meinte daher, er könne es dazu bringen, sich von der Bevormundung Stalins loszulösen und von da an eine Freiheitsbewegung zu gründen, die sich bis zum gleichermaßen unterjochten Weißrußland ausbreiten

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und letztlich den Zusammensturz des Bolschewismus herbeiführen würde.

Die weiten osteuropäischen Räume stünden somit für die deutsche Ausbreitung offen. Vor allem Mein Kampf dokumentiert vielfach, daß Hitler derartige Hoffnungen hegte: Der bolschewistische Koloß habe tönerne Füße und halte sich nur durch den Polizeiterror und den orientalischen Fatalismus an der Macht. Es konnte aber auch sein, daß die Rechnung nicht aufging und Hitler eines Tages ein Hühnchen mit der Sowjetunion rupfen mußte. Er war demnach um so begieriger, für Frieden im Westen zu sorgen, als er hier keine Ambitionen — er beteuerte es ständig — hatte und im Fall einer Verwicklung im Osten es für notwendig hielt, die Hände frei zu haben, das heißt, nicht an zwei Fronten kämpfen zu müssen.

Dieser Politik, von den Signatarmächten in Locarno, namentlich England und Italien, in die Wege geleitet, stellte sich der französisch-sowjetische Bündnispakt nun als Hindernis entgegen. Mit dem gekoppelten russisch-tschechischen Vertrag führte er nicht nur den Bolschewismus in Mitteleuropa ein, sondern nahm auch Hitler jede Möglichkeit, Europa vor dieser Ideologie anders zu bewahren als durch den Krieg, und das an zwei Fronten. Diesen Pakt nahmen die Russen als Segen und Geschenk des Himmels auf.

Juristisch hatte Deutschland zum französisch-sowjetischen Bündnispakt folgende Stellung bezogen:

»1. Frankreich hat durch die Verpflichtung zum Eingreifen — gegen Deutschland, versteht sich, da weder Polen, noch die baltischen Länder, noch die Tschechoslowakei (die gerade ein Bündnis mit Rußland eingegangen war) es angreifen würden —, selbst wenn der Völkerbundsrat keine Empfehlung gibt oder nicht zu einem einstimmigen Votum [73] kommt, Pflichten gegenüber der Sowjetunion übernommen, die bei weitem die Pflichten überschreiten, die ihm durch den Völkerbundspakt auferlegt sind. Denn Frankreich behält sich auf diese Weise das Recht vor, aus eigener Machtvollkom-

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menheit zu entscheiden, wer der Angreifer ist — was nach dem internationalen Recht nicht statthaft ist.

2. Durch den Vertrag von Locarno hat Frankreich sich verpflichtet, keine militärischen Operationen gegen Deutschland zu führen, es sei denn im Falle der rechtmäßigen Verteidigung oder der Notwehr oder im Falle, daß Polen und die Tschechoslowakei vom Deutschen Reich angegriffen werden. Abgesehen von den beiden genannten Fällen hat Frankreich auf jeden Waffengang gegen Deutschland verzichtet, nachdem das Reich ein gleiches Versprechen abgegeben und der Gründung einer entmilitarisierten Zone auf dem linken Rheinufer zugestimmt hatte.

3. Außer den im Locarno-Vertrag [74] festgelegten Umständen führt der französisch-sowjetische Bündnispakt, durch den Willen zweier seiner Mitglieder, also einer winzigen Minderheit, einen dritten Fall in das internationale Recht ein: Wenn sich Deutschland im Streit mit der Sowjetunion befände. In diesem Fall hätte Frankreich nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, Deutschland anzugreifen.«

Am 25. Mai 1935 richtete die Reichsregierung daher eine Note an die französische Regierung, die diesen Standpunkt zusammenfaßte: »Jedes Eingreifen Frankreichs aufgrund des französisch-sowjetischen Vertrags steht im Gegensatz zu Artikel 16 des Völkerbundspakts und bedeutet eine Verletzung des Vertrages von Locarno.«

Am 25. Juni 1935 erwiderte Frankreich, daß der französisch-sowjetische Vertrag keine militärische Verpflichtung sei, was lächerlich war und keiner Prüfung standhielt: Artikel 2 des Vertrages sagte nämlich ausdrücklich: »Falls . . . Frankreich oder die Sowjetunion . . . Ziel eines nicht provozierten Angriffs von Seiten eines europäischen Staates werden, verpflichten sich die Sowjetunion und Frankreich, sich unmittelbare Hilfe und Beistand zu leisten.« Daraufhin konsultierte Frankreich die Garantiemächte des Locarno-Vertrags über diese Antwort. Am 5. Juli antwortete England nach langem Ersuchen, daß »die Unterzeichnung des französisch-sowjeti-

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schen Vertrags an den von Großbritannien eingegangenen Verpflichtungen nichts« ändere, gab allerdings nicht seine Zustimmung; Italien am 15. und Belgien am 19. Juli 1935 antworteten genauso, als wenn sie sich mit England abgesprochen hätten. Deutschland war um so entschlossener, seinen übrigens juristisch unanfechtbaren Standpunkt zu behaupten. Da die Aussprache über den Pakt bald auf der Tagesordnung des französischen Parlaments stehen würde, teilte es Frankreich durch seinen Geschäftsträger in Paris mit, es werde »die Ratifikation des Sowjetpakts durch das französische Parlament als einen unfreundlichen Akt gegenüber Deutschland betrachten, der mit den Verpflichtungen von Locarno unvereinbar ist«.

Die Debatte über die Ratifikation begann in der französischen Abgeordnetenkammer am 12. Februar 1935. Sie dauerte fünfzehn Tage und lief oft in einer heftigen Atmosphäre ab, die von der Gründung der Volksfront ein Jahr zuvor sowie von den im Mai stattfindenden Wahlen zur Abgeordnetenkammer völlig beherrscht war.

Damals gab es noch eine Rechte und eine Linke, die sich durch genau festgelegte doktrinäre Programme stark gegeneinander abgrenzten. Das Programm der Linken fügte sich ebenso in die Doktrin der Linken ein, wie das Programm der Rechten in die Doktrin der Rechten gehörte — außer allerdings in Sachen Krieg, für den die Stellungnahmen der Linksparteien eigentlich in die Doktrin der Rechten gehörten, und umgekehrt. Seit der Französischen Revolution wurden sämtliche Kriege, in die Frankreich verwickelt war, tatsächlich von Linksregierungen erklärt — gegen die Meinung der Rechtsparteien. Das hierfür wohl bekannteste Beispiel liefert der Deutsch-Französische Krieg von 1870, den Emile Ollivier trotz Thiers' Einwände an Preußen erklärte. Erwähnt sei ebenfalls der Erste Weltkrieg (Ministerpräsident Viviani), ja sogar Frankreichs koloniale Unternehmungen im ausgehenden 19. Jahrhundert, für die Jules Ferry, genannt der »Tonkinese«, besonders eintrat.

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Zwischen der Linken, die seit dem Ersten Weltkrieg im Aufwind war, und der Rechten war die Spanne sehr gering. Alle Legislaturperioden mit linker Mehrheit begannen mit Linksregierungen und endeten regelmäßig mit Rechtsregierungen oder Kabinetten der »Nationalunion«, die das Programm der Rechten übernahmen (1924, 1932 . . .) und gewöhnlich nach zweijähriger Machtausübung durch die Linke die Regierung antraten. Im Jahre 1926 — das »Kartell der Linken« hatte gesiegt — war Poincaré Herriot im Amt gefolgt und 1934 Laval erneut Herriot, der die Wahlen zwei Jahre zuvor gewonnen hatte.

Am 23. Januar 1936 trat das Gegenteil ein: Laval, der durch seine Deflationspolitik und seine Stellungnahme zugunsten Mussolinis im Äthiopienkrieg unbeliebt geworden war, mußte zurücktreten und die Regierungsgeschäfte einem Kabinett Sarraut überlassen, einem waschechten radikalsozialistischen Kabinett, das heißt nach der üblichen Redewendung »rothäutig, aber innen weiß, wie die Radieschen«.

Stalin brauchte nun im französischen Parlament eine starke Mehrheit, die den französisch-sowjetischen Bündnispakt unterstützte. Doch waren die Kommunisten dazu nicht zahlreich genug. Das rührte daher, daß sie bei jedem zweiten Wahlgang ihre Kandidaten aufrechterhielten, statt sie zugunsten der aussichtsreichsten Linkspartei zurückzunehmen. Das war die »Klasse-gegen-Klasse«-Taktik, die sich an Jules Guesdes berühmte Formel anlehnte: »Linke oder Rechte, alle über einen Kamm scheren!«

Diese Taktik verhalf den Rechtskandidaten zum Sieg. Die KPF hatte auch deshalb wenig Abgeordnete, weil die Kandidaten der übrigen Linksparteien ebensowenig zurücktraten, wenn die Kommunisten nach dem ersten Wahlgang vorn lagen. Stalin wollte dieser Lage ein Ende setzen und brach mit der Taktik »Klasse gegen Klasse«: Künftig würden die kommunistischen Kandidaten zugunsten der besser plazierten Kandidaten der Linken zurücktreten, wenn diese genauso verführen.

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Radikalsozialisten und Sozialisten begrüßten diese Entwicklung. Sie bot nämlich die unverhoffte Gelegenheit, eine sehr breite Linksmehrheit in die Abgeordnetenkammer einzubringen, wenn die Kommunisten sich nun dieser Mehrheit anschlossen. Die Christdemokraten machten auch mit. Der Unternehmung leistete die Deflationspolitik der Kabinette Laval und Sarraut erheblichen Vorschub. Sie mündete in die feierliche Abmachung zur Zusammenarbeit vom 14. Juli 1935, die Radikalsozialisten, Sozialisten, Kommunisten, ferner die Christdemokraten um Champetier de Ribes feierlich abschlossen. Innenpolitisch kam das französisch-sowjetische Bündnis demnach nicht etwa Laval, der es unterzeichnet hatte, zugute, sondern seinen Gegnern.

Die Stellungnahmen der Linken gehorchten einem sehr einfachen Mechanismus: Um den Ausgang der Parlamentswahlen durch einen vorzeitigen Abgang der Kommunisten nicht zu gefährden, hielten Radikalsozialisten, Sozialisten und Christdemokraten ihren Schwur vom 14. Juli und schlossen sich dem von der Kommunistischen Partei bezogenen Standpunkt bezüglich des französisch-sowjetischen Vertrags an. Es war bezeichnend, daß vor allem die Sozialistische Partei ihre Entscheidung nicht auf Grund von Hitlers immer wieder bekräftigten Vorschlägen zur Ab- oder dann zur Wiederaufrüstung festlegte, die alle außenpolitischen Charakter hatten. Sie entschied sich vielmehr aufgrund seiner allgemeinen Politik, insbesondere gegenüber den Juden, die sehr zahl- und einflußreich in dieser Partei waren, aber natürlich auch auf Grund des Antifaschismus, des Antinazismus, des Antirassismus und anderer »metaphysischer Dirnen«, wie Jules Guesde solche Bewegungen einmal nannte.

Bereits 1933, also unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung in Deutschland, brachte ein »Aufsichtskomitee der antifaschistischen Intellektuellen«, an dessen Spitze der Kommunist und Sorbonne-Professor Jean Perrin stand, diese Themen in Umlauf und fand Anklang bis in die entschlossensten Friedenskreise. In der Sozialistischen Partei wurde damals

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folgende Geschichte hinter vorgehaltener Hand erzählt: Generalsekretär Paul Faure, der die Leitung seiner Zeitung Le Populaire Léon Blum überlassen hatte und schon lange nicht mehr dort gewesen war, suchte eines Tages die Redaktion auf, weil er bestimmte Informationen für sein Referat auf dem bevorstehenden Parteitag brauchte. Von den früheren Mitarbeitern war keiner mehr da. Die neuen Redakteure stellten sich vor: Lévy, Meyer, Bloch usw. Plötzlich hörte er aber den Namen Dupont. Da ruft der Generalsekretär trocken aus: »Furchtbar! Diese Christen drängen sich überall ein!«

Es fanden sich dennoch Politiker sowohl links als auch bei den regierungsnahen Gemäßigten, die mit den Entscheidungen ihres Parteivorstands nicht einverstanden waren. Zu ihnen zählte Jacques Doriot, der im Februar 1934 als erster die Bildung einer Volksfront angeregt hatte; er durchschaute letztlich Stalins Spiel in der allgemeinen und in der Außenpolitik und ließ sich lieber aus der Kommunistischen Partei ausschließen. Bei den Sozialisten seien Zoretti, Le Bail genannt, in der Radikalsozialistischen Partei Jean Montigny. Die wenn auch nationalistisch eingestellte Rechte, die seit jeher alles daran gesetzt hatte, jeden Krieg zu vermeiden, sprach sich einmütig gegen den Bündnispakt aus, weil sie sich der aufkommenden Kriegsgefahr bewußt war. Am Rednerpult des Parlaments wurde die Opposition von Männern nahezu aller Parteien vertreten, was einer einsetzenden Zersplitterung gleichkam: Jacques Doriot, Jean Montigny, Pierre Taittinger, Philippe Henriot, Xavier Vallat, Oberkirch, Marcel Héraud usw.

Die Abweichler unter den Sozialisten schwiegen aus Parteidisziplin.

Angesichts dieser Entwicklung glaubte Hitler an die Möglichkeit, die Gemäßigten und Unentschlossenen umzustimmen. Am 21. Februar 1936 unternahm er einen letzten Versuch, Frankreich von der Ratifizierung dieses Bündnispakts abzubringen, und wandte sich unmittelbar an die französi-

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sche Öffentlichkeit durch ein Interview, das er Bertrand de Jouvenel für die Zeitung Paris-Midi gab.

Hitlers Auslassungen über seine Person und die Gründe, weshalb das deutsche Volk ihm vertraue, unterbrechend, stellte Bertrand de Jouvenel plötzlich zwei Fragen, die die Diskussion ins rechte Licht rückten. Die erste lautete:

»Wenn wir Franzosen auch mit Befriedigung Ihre friedlichen Erklärungen lesen, sind wir trotzdem nicht wenig beunruhigt im Hinblick auf weniger ermutigende Anzeichen. So lassen Sie in Mein Kampf kein gutes Haar an Frankreich. Dieses Buch wird aber in ganz Deutschland wie eine politische Bibel betrachtet. Und es wird verbreitet, ohne daß Sie in den jüngsten Ausgaben auch nur die geringste Änderung ihrer Aussagen gegenüber Frankreich gemacht hätten.« [75]

Hitlers Antwort:

»Ich war Gefangener, als ich dieses Buch schrieb. Die französischen Truppen hatten die Ruhr besetzt. Das war der Augenblick der größten Spannungen zwischen unseren beiden Ländern. Ja, wir waren Feinde! Und ich war mit meinem Land gegen das Ihrige. Ebenso wie ich mit meinem Land gegen das Ihrige viereinhalb Jahre lang in den Schützengräbern gestanden habe!

Ich würde mich verachten, wenn ich nicht in erster Linie Deutscher wäre, wenn ein Konflikt kommt . . . Aber heute gibt es keinen Anlaß zu einem Konflikt. Sie möchten, daß ich Änderungen in meinem Buch vornehme, wie ein Schriftsteller, der eine neue Ausgabe seiner Werke vorbereitet? Aber ich bin kein Schriftsteller, ich bin ein Politiker. Meine Berichtigung? Ich bringe sie Tag für Tag in meiner auswärtigen Politik, die gänzlich auf eine Freundschaft mit Frankreich gerichtet ist!

Wenn ich die deutsch-französische Annäherung, wie ich es wünsche, erreicht habe, so wäre das eine Berichtigung, die meiner würdig ist! Meine Berichtigung schreibe ich in das große Buch der Geschichte ein!«

Bertrand de Jouvenel stellte nun seine zweite Frage:

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»Sie wünschen die deutsch-französische Annäherung. Wird sie denn nicht durch den französisch-sowjetischen Vertrag gefährdet?«

»Meine persönlichen Bemühungen, eine solche Annäherung zu erreichen, werden weiter andauern. Aber auf dem Gebiet der Tatsachen würde dieser mehr als unheilvolle Vertrag natürlich eine neue Situation schaffen.

Sind Sie eigentlich klar darüber, was Sie tun? Sie lassen in das diplomatische Spiel eine Macht eindringen, die keinen anderen Wunsch hat, als zu ihren Gunsten die großen europäischen Nationen gegeneinander aufzuwiegeln. Man darf nicht übersehen, daß Sowjetrußland eine politische Macht ist, die über eine explosive revolutionäre Idee und gigantische Überzeugungsmittel verfügt. Als Deutscher habe ich die Pflicht, eine solche Lage zu berücksichtigen. Der Bolschewismus hat bei uns keine Aussicht auf Erfolg. Aber es gibt andere große Nationen, die gegen den bolschewistischen Virus weniger immun sind als wir.

Sie sollten über meine Bündnisangebote ernsthaft nachdenken. Niemals hat ein Mann an der Spitze Deutschlands Ihnen solche Vorschläge unterbreitet und bekräftigt. Und von wem stammen diese Angebote? Von einem pazifistischen Scharlatan, der über die internationalen Beziehungen im Bilde ist? O nein, sondern von dem größten Nationalisten, den Deutschland jemals an seiner Spitze gehabt hat! Ich bringe Ihnen, was kein anderer vorher Ihnen hätte bringen können: ein Bündnis, das von 90% des deutschen Volkes gebilligt wird, von den 90%, die hinter mir stehen. Ich bitte Sie, noch folgendes zu beachten. Es gibt im Leben der Völker einmalige Gelegenheiten. Heute könnte Frankreich, wenn es wollte, für immer mit der deutschen Gefahr Schluß machen, die Ihre Kinder von Generation zu Generation fürchten lernen. Sie könnten die fürchterliche Hypothek beseitigen, die auf der Geschichte Frankreichs ruht. Diese Chance ist Ihnen gegeben! Ergreifen Sie sie nicht, so denken Sie daran, welche schwere Verantwortung Sie damit Ihren

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Kindern gegenüber auf sich nehmen. Sie haben vor sich ein Deutschland, in dem neun Zehntel aller Menschen volles Vertrauen zu ihrem Führer haben, und dieser Führer sagt zu Ihnen: Laßt uns Freunde sein!« [76]

Diese Erklärung war sehr geschickt und in Anbetracht der bisherigen Außenpolitik Hitlers offenbar ehrlich. Sie war jedenfalls geeignet, das Parlament zu einer anderen Entscheidung zu bewegen. Von dieser Erklärung erhielt aber niemand vor der Abstimmung Kenntnis, die am 27. Februar stattfand. Zuvor, am 21. und 25. Februar, hatte Herriot in zwei gleichartigen Reden alle ideologischen Gründe vorgetragen, die für eine Ratifikation sprachen — ungeachtet der bisher bekannten Vorschläge Hitlers. Der Vertrag wurde mit 353 gegen 164 Stimmen ratifiziert. Am nächsten Morgen, dem 28. Februar, erschien das Interview im Paris-Midi, zur großen Überraschung der Franzosen und zum großen Verdruß Hitlers, da nun der Eindruck aufkam, als hätte er angesichts der Abstimmung nachgegeben. In seiner Histoire de la seconde Guerre mondiale behauptet Galtier-Boissière, die Regierung habe die Leitung des Paris-Midi gedrängt, sie möge die Veröffentlichung des Interviews bis nach der Abstimmung zurückhalten. Das ist wohl möglich, aber nicht sicher. Ging das Manöver nicht von der Regierung aus, so ist die Initiative auf jeden Fall der Leitung des Paris-Midi zuzuschreiben. Wie dem auch sei, der strategische Apparat war für den Fall eines Krieges mit Deutschland bereitgestellt: der gleiche Apparat übrigens, den die russisch-französische Militärkonvention von 1891—92 und der zwei Jahre später zwischen Frankreich und Rußland geschlossene Bund im Hinblick auf einen deutsch-französischen Krieg bereitgestellt hatten, der ohne die Weisheit eines Joseph Caillaux schon 1907 oder spätestens 1911 ausgebrochen wäre und schließlich erst 1914 ausbrach. Das war zumindest besorgniserregend.

Hitlers Antwort kam am 7. März 1936 mit der Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit auf dem linken Rheinufer. Diese stellte zweifellos eine Verletzung des Versailler

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Vertrags (Teil V) und des Locarno-Pakts dar, war aber lediglich die Antwort auf die vorherige Verletzung beider Verträge durch Frankreich.

Es wird heute allgemein angenommen, daß ein Eingreifen der alliierten Mächte Hitler gezwungen hätte, die Truppen zurückzunehmen, die auf seinen Befehl die Garnisonen der entmilitarisierten Zone bezogen hatten; daß von Neurath und die deutschen Generale eine solche Intervention befürchtet und heftigen Widerstand geleistet hatten; daß Hitler sie selbst befürchtet habe und gegebenenfalls den Rückzug seiner Truppen in Erwägung gezogen habe. Diese Meinung stützt sich einzig auf das Zeugnis Paul Schmidts in seinem Buch Statist auf diplomatischer Bühne. Paul Schmidt zählt indes zu den unglaubwürdigsten Zeugen: dieser überzeugte Nationalsozialist war zwölf Jahre lang der ergebene Dolmetscher Hitlers und war in vielen Dingen auf Nachsicht angewiesen. Um Gnade vor den Siegern zu finden, erzählte er nach 1945 alles Mögliche. Zum Beispiel folgendes:

»Hitler«, schreibt er, »hat eines Tages in meiner Gegenwart erklärt, daß die 24 Stunden, die dem Einmarsch der deutschen Truppen in das Rheinland folgten, die erregendsten seines Lebens gewesen seien. 'Wenn die Franzosen in Deutschland einmarschiert wären [77], wie ich es während der ersten 24 Stunden für möglich gehalten hatte', setzte er hinzu, 'hätte ich mich zu meiner eigenen Schande zurückziehen müssen!'« [78]

Wenn die deutschen Generale und von Neurath ihm tatsächlich ihre Befürchtungen eröffneten, erfolgte dies allerdings nicht in Form eines ausdrücklichen Widerspruchs. Und es stimmt nicht, daß Hitler ein Eingreifen Frankreichs für möglich gehalten habe. Durch die englische Note vom 5. und die italienische vom 15. Juli [79] wußte Hitler, daß beide Mächte nicht eingreifen würden, daß Frankreich Deutschland allein gegenüberstehen würde und nichts ausrichten könnte. Und tatsächlich erhielt Frankreich, als es soweit war, nur von Polen, Jugoslawien, Rumänien und der Tschechoslo-

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wakei die Zusage, daß sie ihm beistehen würden, vorausgesetzt allerdings, daß Frankreich die Sache in die Hand nehme und England sowie Italien nachfolgten.

England, wo der französisch-sowjetische Pakt Mißfallen in der Öffentlichkeit wie auch im Parlament und in der Regierung erregt hatte, antwortete am 7. März 1936 durch Lord Halifax, daß »Kanzler Hitler eine Reihe von Vorschlägen gemacht hat, von denen mindestens einige durchaus annehmbar sind«. Und am selben Tag erklärte Sir Anthony Eden gegenüber Außenminister Flandin, er habe »Auftrag von der britischen Regierung, die französische Regierung zu ersuchen, gegenüber Deutschland nichts zu unternehmen, was eine Kriegsgefahr hervorrufen könnte«. Am 12. März 1936 teilte Finanzminister und künftiger Premier Chamberlain demselben Flandin mit, »daß die britische Öffentlichkeit das Kabinett nicht unterstützen würde, wenn es sich zu Sanktionen verpflichtete«, und er fügte hinzu, daß die für den 14. März einberufene Sitzung des Völkerbundsrats entscheiden werde. Auf dieser mehrtägigen Sitzung, die in London stattfand, erklärte Eden am 18. März 1936: »Es ist offensichtlich, daß der Einmarsch der deutschen Truppen in das Rheinland eine Verletzung des Versailler Friedensvertrags darstellt. Dennoch stellt diese Aktion keine Bedrohung des Friedens dar und erfordert nicht den unmittelbaren Gegenvorschlag, der in gewissen Fällen im Locarno-Pakt vorgesehen ist. Zweifellos schwächt die Wiederbesetzung des Rheinlandes die Macht Frankreichs; aber sie schwächt in keiner Weise seine Sicherheit.«

Das war eine klare Ablehnung.

Italien schloß sich dieser Haltung an und fügte hinzu, daß es im Völkerbundsrat kaum die Rolle des Richters spielen könne, wenn es sich bereits in der Lage eines Angeklagten befinde.

Deutschland, das um die Stärke seiner Position wußte, war der Ansicht, daß ihm die Tribüne des Völkerbunds als »ausgezeichnetes Werbeschild« dienen könne. Und da

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Deutschland aufgefordert worden war, vor dem Rat zu erscheinen, entsandte Hitler seinen Beauftragten von Ribbentrop, der am 19. März eintraf und folgende Erklärung ablegte:

»Der deutsche Reichskanzler hat der Welt eine ganze Reihe von Friedensangeboten gemacht. Man hat nicht ein einziges davon aufgegriffen:

Das Angebot zur absoluten Abrüstung; es wurde abgelehnt.

Das Angebot eines allgemeinen, gleichen 200000 Mann-Heeres; es wurde abgelehnt.

Das Angebot eines 300000 Mann-Heeres; es wurde abgelehnt.

Das Angebot eines Luftpaktes; es wurde abgelehnt.

Das Angebot zu einer großzügigen Befriedung Europas in seiner Rede vom 21. Mai 1935; es wurde einfach übergangen, ausgenommen jener Vorschlag, der dann später dem deutsch-englischen Flottenvertrag zugrunde gelegt wurde.

Wieder und wieder hat der deutsche Reichskanzler seine Angebote zur Erhaltung des Friedens unterbreitet, und — ich darf es hier sagen — er und ganz Deutschland hatten gehofft, daß der russisch-französische Vertrag nicht ratifiziert würde. Als diese Ratifizierung vor kurzem dennoch von der französischen Kammer vorgenommen wurde, hat der deutsche Reichskanzler im Bewußtsein der ihm obliegenden schweren Verantwortung für das Schicksal und die Sicherheit des ihm anvertrauten Volkes die einzig mögliche Folgerung aus diesem Vorgehen Frankreichs gezogen: Er hat die volle Souveränität des Reiches über das gesamte Reichsgebiet wieder hergestellt, maßgebend für diesen Entschluß der deutschen Regierung war die Berücksichtigung der Tatsache, daß

1. der Rheinpakt von Locarno durch das einseitige Vorgehen Frankreichs dem Buchstaben und dem geschichtlichen Sinne nach entwertet und damit aufgehoben wurde, und daß

2. im Hinblick auf die neue französisch-russische Militärallianz Deutschland ohne weiteren Verzug die primitivsten

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Rechte einer Nation zur Sicherung ihres eigenen Territoriums wieder herstellen mußte.

Die deutsche Regierung muß daher den Vorwurf, den Vertrag von Locarno einseitig verletzt zu haben, als unrecht und billig zurückweisen. Es war ihr gar nicht mehr möglich, einen Vertrag zu verletzen, der de facto durch die Handlungsweise des anderen Partners als erloschen zu betrachten war.

Der Inhalt und die Tragweite der deutschen Vorschläge bedürfen keines Kommentars. Sie sind so weitgespannt und umfassend, daß wohl jeder Staatsmann, dem das Wohl Europas am Herzen liegt, nur wünschen kann, sie bald verwirklicht zu sehen.

Möge angesichts dessen der Rat über die Empfindungen des Augenblicks hinweg die Tragweite der geschichtlichen Entscheidung erkennen, die in seine Hand gelegt ist und die mithelfen soll, dem friedlosen Europa den Weg in eine bessere Zukunft offenzuhalten.« [80]

Moralisch wie rechtlich war diese Erklärung unwiderlegbar.

Es fand keine Debatte statt: Alle Mitglieder des Rates waren verlegen. In ihrem Namen nahm der Vorsitzende Bruce von Ribbentrops Erklärung lediglich zur Kenntnis und hob die Sitzung auf. Nach Wiedereröffnung begnügte sich der nun in Abwesenheit des deutschen Beauftragten versammelte Rat damit, ohne vorherige Erörterung und weiteren Kommentar zu erklären, daß »Deutschland den Artikel 43 des Versailler Friedensvertrags verletzt« habe. Von einem militärischen Eingreifen war ebensowenig die Rede wie von Repressalien und Sanktionen irgendwelcher Art.

Vor Schluß der Sitzung hielt Bruce eine kurze Ansprache, in der er unter anderem feststellte: »Kanzler Hitler hat seinen Willen zur Zusammenarbeit erneuert; das ist uns heute morgen durch seinen persönlichen Vertreter versichert worden. Ich bin unter diesen Bedingungen überzeugt, daß eine Lösung gefunden werden wird.«

Für Hitler war das eine lobende Anerkennung.

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Zehn Tage später, am 29. März 1936, stimmte bei einer Reichstagswahl das deutsche Volk »dem Werk, das der Führer und Reichskanzler im Laufe der letzten drei Jahre vollbracht hat«, zu, indem es die Liste der NSDAP, die es allein nur gab, mit 44411911 Ja-Stimmen wählte; das waren 99 Prozent aller Stimmberechtigten, die stärkste Mehrheit, die Hitler jemals erhalten hatte.

Er hatte in allen Bereichen gewonnen, aber die Würfel waren gefallen. Und das milderte einigermaßen das unsägliche Mißgeschick der französischen Regierung, die trotz der gegen Italien beschlossenen Sanktionen infolge des äthiopischen Kriegs nach wie vor an die Möglichkeit glaubte, die Stresa-Front wieder zum Leben zu erwecken und somit die Einkreisung Deutschlands zu vollenden.

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Anmerkungen

[59] Zu Frankreichs Schaden, das seit 1921 mit Polen verbündet war.

[60] Der britische Wiederaufrüstungsplan für die Land-, See- und Luftstreitkräfte datiert, wie unten ersichtlich, vom 1. März 1935.

[61] Sie erschienen später unter dem Titel Le couple France—Allemagne.

[62] J. Benoist-Méchin, Geschichte der deutschen Militärmacht 1918—1946, Bd. 3: Auf dem Weg zur Macht, aaO., S. 223.

[63] Paul Semmler, Wehrgesetz vom 21. Mai 1935, S. 7.

[64] Bereits im April 1934 sah der Reichshaushalt zwar Mittel für den Bau dieser Kampfflugzeuge und Schlachtschiffe vor. Zum einen war aber Deutschland am 14. Oktober 1933 aus dem Völkerbund ausgetreten und hatte seine Freiheit wiedererlangt.

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Zum anderen hatten alle übrigen Staaten, wie oben dargestellt, mindestens ebenso umfangreiche Rüstungsmaßnahmen zu Land, zur See und in der Luft vorgesehen oder gar getroffen.

[65] Frankreich trat Italien die Randgebiete Libyens und Somalias ab, bestätigte die Privilegien der Italiener Tunesiens und sah regelmäßige Besprechungen zwischen beiden Regierungen und Generalstäben vor. Die Notwendigkeit der Unabhängigkeit Österreichs wurde außerdem bekräftigt.

[66] Es war übrigens nicht richtig: Frankreich hatte einen Botschafter in Rom.

[67] Äthiopien hatte — zugegeben — nichts getan, um es zu vermeiden. Am 17. November waren die Äthiopier in das italienische Konsulat zu Gondar eingedrungen und hatten am 5. Dezember die Italiener in Oual-Oual mit Maschinengewehr und Geschütz angegriffen; hinzu kamen unter anderem häufige Einfälle in italienisches Gebiet, Grenzstreitigkeiten.

[68] Die Zustimmung Osteuropas war zwar noch nicht erfolgt, befand sich aber auf gutem Wege, da die Tschechoslowakei und Rumänien am 9. Juni 1934 den Einkreisungsplan grundsätzlich angenommen hatten und Rußland seit dem 18. September 1934 dem Völkerbund angehörte. Die endgültige Zusage der Sowjetunion erfolgte erst am 14. Juni 1935 (siehe oben, S. 94)

[69] Die Stresa-Front sollte den italienisch-äthiopischen Krieg nicht überstehen und eine nur kurzlebige Erscheinung bleiben. Auf Englands Ersuchen wurden am 10. Oktober 1935 wirtschaftliche Sanktionen mit 50 gegen 4 Stimmen (Albanien, Ungarn, Österreich und Paraguay) gegen Italien verhängt. Sie traten am 18. November in Kraft. Bei der Suche nach einem Kompromiß zwischen Italien und England erwirkte Laval (zusammen mit Sir Samuel Hoare) nur . . . den Rücktritt des Hoare-Kabinetts (19. Dezember 1935) und dessen Ablösung durch Eden, einen erbitterten Gegner Mussolinis, aber auch seinen eigenen Rücktritt (23. Januar 1936) und seine Ablösung durch ein Kabinett Sarraut-Flandin: Die französische Öffentlichkeit hatte sich mittlerweile ebenfalls für den Negus ausgesprochen. Die Vereinigten Staaten schlossen sich den Sanktionen an; aber Österreich, Ungarn und vor allem Deutschland, das trotz Mussolinis harter Beurteilung von Hitler und dessen Politik, trotz seiner abweisenden Haltung gegenüber dem Anschluß und seiner Begeisterung für die Stresa-Front Partei für den Duce ergriffen

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hatte, machten diese Sanktionen unwirksam. Die Stresa-Front zerplatzte, Italien verließ den Völkerbund und kam Deutschland näher. Der Krieg ging weiter. Am 5. Mai 1936 zogen die italienischen Truppen in Addis-Abeba ein; am 7. Mai erhielt Mussolini das Großkreuz des Militärordens von Savoyen; am 9. Mai legte sich der italienische König den Titel »Kaiser von Äthiopien« zu. Vom Balkon des Palazzo Venezia aus begrüßte Mussolini vor einer »schwärmenden« Menge die Rückkehr des Kaisertums nach fünfzehn Jahrhunderten auf Roms heilige Hügel. Aber Italien war ins deutsche Lager übergewechselt.

[70] Aufrechterhaltung der Militärbestimmungen im Teil V des Versailler Vertrags, auf Barthous Ersuchen.

[71] Siehe oben, S. 98

[72] Er redet nur von Judeo-Marxisten, Judeo-Freimaurern usw.

[73] Das ist genau der Wortlaut des Vertrags.

[74] In seiner Reichstagsrede vom 21. Mai 1935 bezeichnete Hitler den Locarno-Vertrag als den einzigen klaren und wertvollen Vertrag in Europa.

[75] Siehe Hitlers Beschuldigungen gegen Frankreich in Mein Kampf, Kap. 2. Anmerk. 13.

[76] »Le Chancelier nous dit . . .«, in Paris-Midi, 28. Februar 1936. Diesen wenn nicht völlig unbekannten, so doch vollkommen vergessenen Text hatte ich in Le Véritable Procès Eichmann ou les Vainqueurs incorrigibles, aaO., angeführt.

[77] In Nürnberg erklärte Keitel, er habe selbst diese Befürchtungen gehabt, und die meisten Generale mit ihm. Das stimmt; das schreibt auch Paul Schmidt: »Wenn Frankreich nur im geringsten um seine Sicherheit besorgt ist, muß es um jeden Preis handeln; das war die Meinung von uns allen in der Wilhelmstraße.« (Statist auf diplomatischer Bühne, aaO., S. 93) Er hätte hinzufügen können: und im Generalstab. Auf dieser Ebene ja; aber nicht auf der Hitlers oder Ribbentrops.

[78] Paul Schmidt, Statist auf diplomatischer Bühne, aaO., S. 93.

[79] Antwort Englands, Italiens und Belgiens auf die französische Anfrage (siehe oben, S. 106) bezüglich der Rechtsgültigkeit des französisch-sowjetischen Vertrags.

[80] Zeitschrift des Völkerbunds vom 27. März 1936.

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