Paul Rassinier

Die Jahrhundert-Provokation


IV. Die Judenfrage

1. Hitler und die Juden

Die von den Reichsbehörden getroffenen Maßnahmen gegen Juden erregten die Weltöffentlichkeit. In den Ländern, wo nur noch vom Zusammensturz des Hitler-Regimes geträumt wurde, riefen sie letztlich ebenso durch ihre Darstellung in der Presse wie durch ihren tatsächlichen Inhalt eine Psychose hervor, welche die nun vor ernsthaften Protesten geschützten politischen Führungskreise instand setzten, den Kriegsapparat gegen Deutschland bereitzustellen. In allen Ländern, die gegen das Hitler-Regime feindlich gesinnt waren, waren die politischen Führungskreise nämlich zu dem Schluß gekommen, das sei überhaupt das letzte Mittel, diesen Zusammensturz herbeizuführen. Die in Deutschland durchgeführten Volksbefragungen und Wahlen stellten die Begeisterung und das unzerstörbare Vertrauen des deutschen Volkes in Hitler unter Beweis.

Es sei von vornherein gesagt, daß Hitlers Judenpolitik, selbst von allem sinnentstellenden Übertreibungen befreit, eine unbestreitbare Verletzung des Völkerrechts, »mehr ein Vergehen denn ein Verbrechen« war. Man muß aber gleichzeitig erkennen, daß die Forderung der Juden, in Deutschland — wie übrigens in allen anderen Ländern, die sie lediglich als »Gastländer« betrachteten — eine nationale Minderheit sein zu wollen, ebensowenig haltbar war. Das hieß für sie selbst, zuzugeben, daß sie in Deutschland Fremde waren, und sich das Recht abzusprechen zu protestieren, wenn Hitler sie tatsächlich als Fremde behandelte. Den anderen Staaten in aller Welt stand es frei, auf diese Forderung der Juden

119


einzugehen: Das war eine innenpolitische Frage, die Hitler nichts anging. Die Juden Deutschlands sollten sich dort niederlassen, sagte er: das Dritte Reich war ein nationaler Staat und hatte keinen Platz für diese nationale Minderheit.

Aber die anderen Staaten wollten die Juden nicht. Hätten sie sie gewollt, so wäre die Politik Hitlers freilich eine Verletzung des Völkerrechts geblieben; sie wäre es aber nur prinzipiell geblieben und hätte nicht in der Praxis diesen grausamen Zug angenommen. Die Sache hätte durch eine Bevölkerungsumsiedlung und einen Gütertransfer geregelt werden können, wie so oft schon in der Geschichte. [81] Und eben das schlug Hitler vor.

Leider, und so paradox es scheinen mag, konnte Hitler auf dieser Grundlage nur mit der Jüdischen Agentur eine Vereinbarung treffen: die Juden nannten dieses Abkommen »Haavarah« und die Deutschen Haavara oder »Chaïm-Arlossarofs Transfer Abkommen«. Es wurde am 7. August 1933 in Berlin unterzeichnet und sah die Auswanderung deutscher Juden nach Palästina, gemäß der Balfour-Erklärung vom 2. November 1917, vor. Und doch schränkten die Briten deren Umfang ein, um den Arabern, die keine Juden wollten, nicht zu mißfallen: Nur die Juden, die über 1000 Pfund Sterling [82] besaßen, die »Kapitalisten« also, konnten ungehindert nach Palästina auswandern. Die anderen, die »Werktägigen«, brauchten eine Arbeitsbescheinigung, wurden aber nur in einer Größenordnung von 1500 pro Monat zugelassen. Es gab 540000 Juden in Deutschland. Es würde also 360 Monate oder 30 Jahre gedauert haben, bis sie alle in Palästina waren . . .

Bei 1000 Pfund Sterling pro Juden belief sich der Transfer der deutschen Juden auf 540 Millionen Pfund Sterling (das waren damals rund drei Milliarden Dollar oder 15 Milliarden Reichsmark), die Deutschland nur ausführen konnte, wenn ihm Verrechnungsabkommen auf mehrere Jahre gewährt würden. Und England hatte nicht gestattet, daß das »Chaïm-Arlossarofs Transfer Abkommen« solche Vereinbarungen vor-

120


sah. Ohnehin hätte kein Land der Welt auf einmal eine solche Summe ausführen können, die außerdem das von H. Schacht auf drei Milliarden Reichsmark geschätzte Vermögen der deutschen Juden weit übertraf.

Zwischen Juden und Nationalsozialisten, zwischen dieser winzigen Minderheit (nicht einmal 1 Prozent) und nahezu der Gesamtheit des deutschen Volkes, die von der Zunft der Nationen zum Zusammenleben verurteilt waren, konnte sich die Lage nur noch zuspitzen. Und wer erkannte, wie sehr sich die politische Diskussion verschärft hatte, der konnte auf alles gefaßt sein.

Hitlers Standpunkt ist bekannt: Er beschuldigte die Juden, die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg insofern veranlaßt zu haben, als sie selbst der entscheidende Grund für den Einzug der USA in den Krieg gewesen seien. Wenn auch zutreffend, war diese Ansicht doch ziemlich oberflächlich: Für die Alliierten hatten die Juden andererseits die bolschewistische Revolution und die Kehrtwendung Rußlands angestiftet. Er erhob noch weitere Beschuldigungen gegen sie.

Sie seien die Hauptnutznießer des Versailler Vertrags gewesen und zu beträchtlichen Reichtümern auf den Ruinen Deutschlands gekommen; sie hätten, zur weiteren Bereicherung, den Wirtschafts- und Finanzkrach 1923 hervorgerufen und eine Neuauflage in den Jahren 1930—33 angestrebt; sie würden auf die Zersetzung des Nationalgeistes hinarbeiten; sie seien Schmarotzer, die von der Arbeit der anderen, hauptsächlich vom Handel lebten, wenn nicht ausschließlich vom Geldgeschäft. [83]

Schließlich brachte er anhand ihrer Schriften den Nachweis, sie würden in der ganzen Welt einen Krieg gegen Deutschland vorbereiten, um dieses zu vernichten.

Physisch seien sie Entartete, die sich die Würde eines »von Gott auserwählten Volkes« anmaßten. Ihre Gemeinden seien die Sammelstelle aller Krankheiten. Die Eheschließung innerhalb der Blutsverwandtschaft habe ihr Blut verdorben,

121


und wie bei allen Entarteten würden Laster und moralische Verkommenheit sie beherrschen. Man müsse sie außerstande setzen, die deutsche Moral zu zerstören und das deutsche Blut zu verderben durch eheliche Verbindungen, die nur schädlich sein können. Hitlers Rassendoktrin lagen solche Überlegungen zugrunde, und er hatte sie in gedrängter Form in das am 24. Februar 1920 von ihm verkündete Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei hineinfließen lassen:

»Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse [84] ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.« (Artikel 4)

»Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als Gast [85] in Deutschland leben können und muß unter Fremdengesetzgebung stehen.« (Artikel 5)

Die Juden entgegneten, Hitler sei unter anderem ein Paranoiker, ein gefährlicher Irrer, ein Degenerierter, ein Sexualbesessener. Von seinem Regierungsantritt an fanden Franzosen, Briten, Amerikaner jeden Morgen in ihrer Tageszeitung die ausführlichsten und grauenvollsten Berichte über die Nötigungen, die das nationalsozialistische Regime an Juden ausgeübt habe. Diese häufig mit Fotos illustrierten Berichte stammten meistens aus jüdischen Zeitungen. Erhärtet wurden sie durch die Zeugnisse der zahlreichen Juden, Sozialdemokraten und Kommunisten, die heimlich oder wie auch immer aus Deutschland geflohen waren. Sie gründeten sich zwar auf Wahrheit, waren aber maßlos aufgebauscht. In dieser revolutionären Zeit, da alle Instinkte losgelöst waren, ging die Ausnahme in fast allen Fällen eher aus einer Massenreaktion denn aus einer Regierungsinitiative hervor, wurde sie jedoch in der Presse stets als durchgehende Regel dargeboten. Zum Beispiel: der Jude, der unter dem Gespött der Menge und mit dem umgehängten Schild »Ich bin ein Jude« durch die Straßen geführt wurde. Am 28. März 1933 hatte die Parteileitung der NSDAP das Boykottieren aller jüdischen

122


Geschäfte für den 1. April angeordnet, [86] und bei dieser Gelegenheit trug sich die Szene sicherlich zu. Alle Zeitungen veröffentlichten das Foto mit der Legende: »Rassistische Szene in Deutschland«. Und sie gaben es regelmäßig wieder, mit etwas veränderter Legende: »Noch eine rassistische Szene in Deutschland«. Die öffentliche Meinung schloß daraus, daß sämtliche deutschen Juden dauernd in allen Straßen aller deutschen Städte herumgeführt würden. Nur Unbefangene merkten, daß es sich stets um denselben Juden, um dieselbe Volksmenge handelte, und daher dürfte sich die Szene nicht allzu oft abgespielt haben.

Wie dem auch sei, Hitler mußte gleich nach der Machtübernahme sein Rassenprogramm in Anwendung bringen. [87] Zu den ersten getroffenen Maßnahmen gehörten das Verbot für Juden, bestimmte Berufe (Richter, Beamte) auszuüben, der Numerus clausus in anderen (Rechtsanwälte, Freiberufe, Studenten) und das Boykott der jüdischen Geschäfte (»Kauft nicht bei Juden!«). Hitler dachte, er könnte auf diese Weise 80 bis 90% von ihnen zur Arbeitslosigkeit verurteilen und sie zwingen, sich auf die manuellen Berufe zu beschränken oder heimlich auszuwandern, da die Zunft der Nationen ihnen diese Möglichkeit offen verwehrte. Auf sein Genie vertrauend, wußte er mit Sicherheit, daß sie die zweite Lösung der ersten vorziehen und Mittel und Wege finden würden, sie in die Tat umzusetzen. Und jener Dienststelle, die in Anwendung des »Chaïm-Arlossarofs Transfer Abkommens« [88] in Berlin gegründet worden war, erteilte er den Befehl, diese heimliche Auswanderung zu erleichtern oder zu ermöglichen. So konnten 330000 Juden statt 108000 Deutschland zwischen 1933 und 1939 verlassen [89], während England ihre Auswanderung nach Palästina auf monatlich 1500 (das waren 18000 im Jahr) eingeschränkt hatte.

Erst 1935 unternahm Hitler einen neuen Vorstoß im seinem Kampf gegen die Juden.

123


2. Die Rassengesetze von September 1935

Im September 1935 fand der Reichsparteitag der NSDAP wie jedes Jahr in Nürnberg statt. Seitdem Hitler an der Macht war, nahm diese Veranstaltung einen überwältigenden Charakter an, zumal der Reichstag während dieser Zeit auch dort tagte und vor Ort die Gesetze verabschiedete, die sich aus den Diskussionen auf dem Parteitag ergaben. Ein Hauptthema des Kongresses war dieses Jahr die deutsche Staatsangehörigkeit, das heißt die Rasse, das heißt auch das »Blut«. Der Reichstag verabschiedete drei Gesetze, die sich aus den Parteibeschlüssen hierüber ergaben. Der eine Beschluß war harmlos: er betraf die Reichsfarben und die Hakenkreuzflagge, das nationale Emblem. Die beiden anderen wurden dagegen folgenschwer. Sie betrafen die Durchführung der Artikel 4 und 5 [90] des am 24. Februar 1920 in München verkündeten Parteiprogramms der NSDAP und ihre Erhebung zu Reichsbürgergesetzen.

Das erste Gesetz ist das Staatsangehörigkeitsgesetz. Es hat folgenden Wortlaut:

»§ 1, 1. Staatsangehöriger ist, wer dem Schutzverband des Deutschen Reichs angehört und ihm dafür besonders verpflichtet ist.

2. Die Staatsangehörigkeit wird nach den Vorschriften des Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes erworben.

§ 2, 1. Reichsbürger ist nur der Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes, der durch sein Verhalten beweist, daß er gewillt und geeignet ist, in Treue dem deutschen Volk und Reich zu dienen.

2. Das Reichsbürgerrecht wird durch Verleihung des Reichsbürgerbriefes erworben.

3. Der Reichsbürger ist der alleinige Träger der vollen politischen Rechte nach Maßgabe der Gesetze.« [91]

So wurden die Juden auf dem legalen Weg von den »vollen politischen Rechten« ausgeschlossen.

124


Das zweite »Gesetz zum Schütze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre« lautete folgendermaßen:

»Durchdrungen von der Erkenntnis, daß die Reinheit des deutschen Blutes die Voraussetzung für den Fortbestand des deutschen Volkes ist, und beseelt von dem unbeugsamen Willen, die deutsche Nation für alle Zukunft zu sichern, hat der Reichstag einstimmig das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird.

§ 1, 1. Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes sind verboten. Trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig, auch wenn sie zur Umgehung dieses Gesetzes im Ausland geschlossen sind.

2. Die Nichtigkeitsklage kann nur der Staatsanwalt erheben.

§ 2. Außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes ist verboten.

§ 3. Juden dürfen weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes unter 45 Jahren in ihrem Haushalt nicht beschäftigen.

§ 4, 1. Juden ist das Hissen der Reichs- und Nationalflagge und das Zeigen der Reichsfarben verboten.

2. Dagegen ist ihnen das Zeigen der jüdischen Farben gestattet. Die Ausübung dieser Befugnis steht unter staatlichem Schutz.

§ 5, 1. Wer dem Verbot des § 1 zuwiderhandelt, wird mit Zuchthaus bestraft.

2. Der Mann, der dem Verbot des § 2 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis oder mit Zuchthaus bestraft.

3. Wer den Bestimmungen der §§ 3 oder 4 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe oder einer dieser Strafen bestraft.« [92]

In Konzentrationslagern waren bis dahin nur solche Juden interniert, die bei irgendeiner oppositionellen Tätigkeit oder einer anderen Straftat (vor allem Schwarzmarktvergehen) auf frischer Tat ertappt oder gar einfach verdächtigt wurden

125


— die Denunziationen strömten in die Polizeireviere. Nunmehr wurden auch diejenigen interniert, die bei der Verletzung dieses neuen Gesetzes auf frischer Tat ertappt oder einfach verdächtigt wurden — und die Anzeigen ergossen sich erst richtig. Und während ein Nichtjude unter Umständen nachweisen konnte, daß er zu Unrecht bezichtigt oder verdächtigt worden war, war dies für einen Juden nahezu unmöglich.

In allen jüdischen Gemeinden der Welt, die in diesem Gesetz die bevorstehende Rückkehr zu den mittelalterlichen Gettos sahen, machte sich ein einziger Aufschrei der Entrüstung breit. Infolge seiner Durchführung füllte sich die Großpresse Frankreichs, Englands und der USA mit den erschütterndsten und sadistischsten Bildern. Sie wurden aber nicht mehr allein Hitler und dem Nationalsozialismus vorgehalten, sondern nun auch dem deutschen Volk, das sie offenbar billigte und Deutschland als ein Land von Scheusalen hervortreten ließ.

Die psychologisch-hetzende Vorbereitung auf den Krieg gegen Deutschland hatte einen neuen Vorstoß gemacht.

3. Die Konferenz von Evian

Ihren Höhepunkt erreichte die jüdische Frage in Deutschland zweifellos 1938, in dem Jahr also, da der Anschluß Österreichs und des Sudetenlandes ohnehin für viele Wirren sorgten.

Eine Zeit lang gab es dennoch einen Hoffnungsschimmer.

Seit seinem Einzug ins Weiße Haus hatte Präsident Roosevelt nur zweimal in die europäischen Angelegenheiten eingegriffen: Zunächst um die vom Völkerbund beschlossene Sanktionspolitik gegen Italien (Äthiopienkrieg) zu unterstützen; dann, am 5. Oktober 1937 in Chicago, mit seiner sogenannten »Quarantäne-Rede«, weil er »die Absonderung von zehn Prozent der Weltbevölkerung (Deutschland, Italien und

126


Japan)« befürwortete, »die im Begriff sind, jede internationale Ordnung und jede Gerechtigkeit zu zerstören, und zwar durch die restlichen neunzig Prozent, die mit dem Frieden, der Sicherheit und der Freiheit verbunden sind«.

Im Juli 1938 regte er, bestimmt von der Hoffnung auf Wiedergutmachung geleitet, »eine Internationale Konferenz zur Erörterung der politischen und wirtschaftlichen Fragen, die durch die Vertreibung der Juden aus dem Großdeutschen Reich aufgetreten sind«, an.

1937 hatte die französische Presse plötzlich entdeckt, daß die Insel Madagaskar eine unterentwickelte, ja nahezu brachliegende Kolonie war. Von der Regierung ermutigt, war sie dafür eingetreten, daß Kolonisten sie kultivierten. Die Franzosen waren indes wenig geneigt, sich dort anzusiedeln. Angesichts dessen fragte Oberst Beck, Polens Ministerpräsident und Außenminister, seinen französischen Kollegen Delbos bei dessen offiziellem Besuch in Warschau im Dezember 1937 rundheraus, »ob er einverstanden wäre, daß alle polnischen Juden auf die Insel Madagaskar auswanderten«. Yvon Delbos antwortete lediglich mit einem Lächeln. Die davon unterrichtete deutsche Diplomatie, die in dieser Richtung Hoffnungen hegte, ließ sich das nicht zweimal sagen. Diesen Plan machte sie sich aber eigentlich erst nach Frankreichs vernichtender Niederlage im Juni 1940 zu eigen. Während seiner kurzen Regierungszeit (Dezember 1940—Februar 1941) ließ ihn Pierre-Etienne Flandin durch seine ablehnende Haltung scheitern. Bis zum 7. Dezember 1941 (das heißt bis zum Eintritt der USA in den Krieg, der das Projekt undurchführbar machte) ließ sich die deutsche Diplomatie jedoch nicht davon abbringen, daß diese Ablehnung nicht endgültig und unumkehrbar war.

Präsident Roosevelts Initiative gab der Sache neuen Auftrieb. Die Konferenz in Evian fand vom 6. bis 15. Juli 1938 statt. Es ging darum zu ermitteln, wie das »Chaïm-Arlossarofs Transfer Abkommen« hinsichtlich einer Überführung des Vermögens deutscher Juden auf andere Nationen und,

127


wenn überhaupt, auf welche ausgedehnt werden könne. Deutschland entsandte nur einen Beobachter, da es in Anbetracht der schroffen, wirklichkeitsfremden Einstellung Großbritanniens von der Konferenz nichts erwartete.

In Abwesenheit eines offiziellen Vertreters wurde der deutsche Standpunkt nicht vorgetragen. Dieser ist aber bekannt: Ausweisung aller deutschen Juden und Übertragung ihrer pauschal geschätzten Güter — Deutschland sprach von drei Milliarden Reichsmark als Diskussionsgrundlage — an eine internationale Organisation, die die Gelder den betroffenen Staaten zuteilen würde, vorausgesetzt, daß Verrechnungsabkommen abgeschlossen würden, die die Zahlung in den Bereich des Warenaustauschs zwischen Deutschland und diesen Ländern übertragen und sich auf mehrere Jahre erstrecken würden. [93]

England legte seine Vorstellung dar: 1000 Pfund Sterling pro ausgewiesenen Juden, zahlbar auf der Stelle; kein Verrechnungsabkommen. Das war wahnsinnig: bei 6000 Dollar oder 27 bis 28000 Reichsmark pro Juden belief sich die Gesamtforderung auf 15 bis 18 Milliarden Reichsmark: das entsprach dem deutschen Jahresetat!

Die USA wollten es nicht zum Bruch kommen lassen. Auf ihr Ansuchen beauftragte die Konferenz den Amerikaner Rublee, mit Deutschland zu verhandeln.

Dann wurde nicht mehr davon gesprochen, außer einmal: Am 27. Dezember 1938 nahmen Schacht und Rublee, mit Hitlers Zustimmung, die Gespräche wieder auf, aber England torpedierte unnachgiebig die Unternehmung für immer.

4. Die Reichskristallnacht

Auch wenn ein Kompromiß möglich gewesen wäre, ließ ein Ereignis, das sich am 7. November 1938 in Paris abspielte, ohnehin alles endgültig scheitern: der Mord an dem Sekretär der deutschen Botschaft, Ernst vom Rath, der am 9. Novem-

128


ber an den Folgen des Attentats starb, durch den jungen polnischen Juden Herschel Grynszpan, dessen Eltern in Deutschland lebten.

Über diesen Mord wurde viel geschrieben, sogar, daß es sich um eine bloße Sittenaffäre gehandelt habe. Der gegenwärtigen, noch vorherrschenden Auffassung zufolge habe Grynszpan allein und aus eigenem Antrieb gehandelt. Beim jetzigen Stand der Dokumentation kann sie durch nichts entkräftet werden. Ich glaube das aber kaum: Es wurde auch behauptet, daß Gavrilo Princip und seine beiden Komplizen, die am 28. Juni 1914 den österreichischen Thronfolger in Sarajewo ermordeten, allein und auf eigene Faust gehandelt hätten, und man glaubte es lange Zeit. Heute wissen wir aber, daß unter anderen die serbische Regierung in diese Sache verwickelt war. Ähnliches trifft auf die meisten politischen Morde zu: Sie sind nahezu immer verabredet, und politische Gruppierungen, Staaten oder Parteien, denen es an einer Verschärfung der Dinge liegt, lenken die Hand des Mörders. Die These von einer bloßen Sittenaffäre (1938) wird jedenfalls dadurch entkräftet, daß nach dem Geständnis des Mörders nicht etwa der Legationsrat gemeint war, sondern der Botschafter selbst.

Warum aber vergifteten die polnischen Juden die Lage, und nicht etwa die Deutschen? Und warum Grynszpan?

Zahlreiche polnische Juden lebten in Deutschland, im Eichmann-Prozeß ist von 56500 die Rede gewesen [94]. Sie lebten dort mit polnischem Paß. Das traf auch auf Grynszpans Vater zu; er selbst lebte bei einem Onkel in Frankreich, in schweren Verhältnissen übrigens, da er keine Arbeitsbescheinigung besaß. Im April 1938 beschloß der polnische Außenminister Beck, allen Auslandsjuden die polnische Staatsangehörigkeit zu entziehen und ihren Paß nicht zu verlängern. [95] Sofort kündigte Deutschland an, daß es keine polnischen Juden mit abgelaufenem Paß auf seinem Staatsgebiet dulden werde. Ihre Lage war deshalb nicht unbedingt tragisch geworden. Vor Hitlers Rassengesetzen waren sie durch ihren

129


Paß geschützt gewesen, sofern dieser gültig war; alle konnten Deutschland auf dem legalen Weg verlassen und in ein anderes Land als Polen ziehen, und die meisten hatten sich für diese Lösung entschieden. Im Sommer 1938, unmittelbar nach Oberst Becks Entscheidung, war Frankreich der Schauplatz einer richtigen Invasion polnischer Juden. Im Oktober 1938 wurden 1200 Juden, die trotz abgelaufenen Passes unbedingt in Deutschland bleiben wollten, von den deutschen Behörden verhaftet und Ende des Monats an die polnische Grenze gebracht: Eingekeilt zwischen Deutschland, das sie nicht mehr wollte, und Polen, das sich weigerte, sie wiederaufzunehmen, erlitten diese Unglücklichen ein tragisches Schicksal in der Kälte und sogar im Schnee. Viele kamen allein während der mehrtägigen deutsch-polnischen Unterhandlungen um. Gelöst wurde das Problem schließlich durch ihre Internierung in ein Konzentrationslager. Unter ihnen waren Grynszpans Vater und Familie . . .

Der Mord an dem 3. Sekretär der deutschen Botschaft in Paris hatte schreckliche Folgen: Ganz Deutschland wurde von einem Sturm äußerster Empörung gegen die Juden, von einem unbändigen Bedürfnis nach Repressalien hingerissen. Eigenmächtig organisierten die NSDAP-Verantwortlichen der einzelnen Gaue Vergeltungsschläge, sobald die Nachricht vom Mord sich dort verbreitete, nämlich am Morgen des 8. November. Die Vorbereitung des Gegenschlags nahm den 8. und 9. November in Anspruch. Die Aktion begann am Abend des 9. »Der Umfang der Zerstörungen läßt sich bisher ziffernmäßig noch nicht belegen. Die in den Berichten aufgeführten Ziffern: 815 zerstörte Geschäfte, [96] 29 in Brand gesteckte oder sonst zerstörte Warenhäuser, 171 in Brand gesetzte oder zerstörte Wohnhäuser, geben, soweit es sich nicht um Brandlegungen handelt, nur einen Teil der wirklich vorliegenden Zerstörungen wieder . . . An Synagogen wurden 191 in Brand gesteckt, weitere 76 vollständig demoliert. Ferner wurden 11 Gemeindehäuser, Friedhofskapellen und dergleichen in Brand gesetzt und weitere 3 völlig zerstört. Fest-

130


genommen wurden rund 20000 Juden, ferner 7 Arier und 3 Ausländer. Letztere wurden zur eigenen Sicherheit in Haft genommen. An Todesfällen wurden 36, an Schwerverletzten ebenfalls 36 gemeldet. Die Getöteten, bzw. Verletzten sind Juden.« [97]

Die Machtträger des Dritten Reichs haben immer wieder beteuert, an der Organisation dieser Kundgebungen und an der Wendung, die sie nahmen, nicht beteiligt gewesen zu sein. Wir müssen zugeben, daß sie, dem Anschein nach wenigstens, recht haben. [98] Historisch haben sich die Dinge folgendermaßen zugetragen:

Am 9. November 1938 hielten sich die Gauleiter und Regierungsmitglieder wie alljährlich in München auf, um den Jahrestag des Putsches von 1923 zu begehen. Am späten Abend wurde Goebbels telefonisch unterrichtet, daß schlimme antijüdische Kundgebungen in den Gauen Hessen, Magdeburg sowie in nahezu ganz Deutschland im Gange seien. Nach einer kurzen Besprechung zwischen den höchsten, sämtlich überraschten Würdenträgern der Partei und dem Führer sandte Heydrich um 1 Uhr 20 ein Fernschreiben an alle Polizeistellen Deutschlands: [99] er ließ allen Polizeikommissaren die Weisung ergehen, mit den regionalen Parteidienststellen in Verbindung zu treten, damit die Juden nicht belästigt, ihre Geschäfte oder Wohnungen nicht geplündert würden, damit überhaupt Ordnung wiederkehre. Julius Streicher, Leiter des Stürmers und wohl einer der schärfsten Judengegner in Deutschland, erfuhr von den Kundgebungen erst beim Aufstehen. Er hatte nämlich München verlassen müssen, bevor Goebbels davon unterrichtet wurde. In Anbetracht der Zuspitzung wurden anschließend 174 Nationalsozialisten (Parteikader, Polizisten, Kommissare usw.) wegen Ausschreitungen verhaftet, vor Gericht gestellt und in Konzentrationslager geschickt. [100]

Am 12. November 1938 rief Göring auf Hitlers Anweisung die Vertreter der Ministerien, die mit der Judenfrage zu tun hatten, zu einer Besprechung zusammen, um die Angelegen-

131


Quelle: Bundesarchiv Koblenz AZ: NS 6/231

heit zu bereinigen: u. a. Goebbels (Propaganda), Heydrich (Polizei und Sicherheit), Frick (Innen), Funk (Wirtschaft), Schwerin-Krosigk (Finanz). Gleich zu Beginn der Sitzung sagte er ihnen folgendes:

132


»Meine Herren, diese Demonstrationen habe ich satt. Sie schädigen nicht den Juden, sondern schließlich mich, der ich die Wirtschaft als letzte Instanz zusammenzufassen habe. Wenn heute ein jüdisches Geschäft zertrümmert wird, wenn Waren auf die Straße geschmissen werden, dann ersetzt die Versicherung dem Juden den Schaden — er hat ihn gar nicht —, und zweitens sind Konsumgüter, Volksgüter zerstört worden. Wenn in Zukunft schon Demonstrationen, die unter Umständen notwendig sein mögen, stattfinden, dann bitte ich nun endgültig, sie so zu lenken, daß man sich nicht in das eigene Fleisch schneidet. Denn es ist irrsinnig, ein jüdisches Warenhaus auszuräumen und anzuzünden, und dann trägt eine deutsche Versicherungsgesellschaft den Schaden, und die Waren, die ich dringend brauche — ganze Abteilungen Kleider und was weiß ich alles —, werden verbrannt und fehlen mir hinten und vorn. Da kann ich gleich die Rohstoffe anzünden, wenn sie hereinkommen.« [101]

Aus materiellen (Göring) oder aus moralischen Gründen beklagten alle Anwesenden nicht die Kundgebungen an sich, sondern die Wendung, die sie genommen hatten — alle außer Goebbels, der sie entschuldigte.

Am 21. November 1945 legte der Amerikaner Justice Jackson die Sache im Nürnberger Prozeß allerdings folgendermaßen vor:

»Der Feldzug gegen die Juden in Deutschland steigerte sich zu besonderer Heftigkeit nach der Ermordung des deutschen Legationssekretärs vom Rath in Paris. Heydrich, der Chef der Geheimen Polizei, gab über den Fernschreiber an alle Dienststellen der Gestapo und des SD Anweisung 'spontane' Demonstrationen, die für die Nächte des 9. und 10. November 1938 zu erwarten seien, so zu handhaben, daß die Zerstörung jüdischen Eigentums begünstigt und nur deutscher Besitz geschützt werde.« [102]

Diese Auffassung wiegt immer noch vor.

Alles in allem legte sich die Konferenz grundsätzlich auf die drei Verordnungen fest, die Göring erlassen sollte. Mit

133


der ersten wurden die Juden zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Milliarde Reichsmark verurteilt. [103] Die zweite bezweckte ihre Ausschließung aus dem deutschen Wirtschaftsleben. [104] Die letzte verfügte, daß die Versicherungsgesellschaften den Ersatz für die den Juden in der Reichskristallnacht zugefügten Schäden nicht den Betroffenen, sondern dem Staat auszuzahlen hatten. [105]

Der Mord an dem Botschaftsrat in Paris hatte demnach ähnliche Wirkungen ausgelöst wie später jene seltsamen Widerstandskämpfer während der deutschen Besetzung in Frankreich. Wenn diese meistens aus persönlicher Rachsucht eine Apotheke oder eine Kneipe in die Luft sprengten oder einen deutschen Soldaten in einer dunklen, menschenleeren Straße ermordeten unter dem Vorwand, sie würden Deutschland und den Nationalsozialismus bekämpfen, bewirkten sie eigentlich nur, daß der Besatzungsstatus verschärft und Hunderte von Geiseln verhaftet wurden. Nach dem 7. November 1938 wurde das Leben der deutschen Juden, das internationale Verhandlungen auf der Grundlage vernünftiger Lösungsvorschläge zweifellos gerettet hätten, noch mehr erschwert durch ihren Ausschluß aus dem Wirtschaftsleben des Landes, durch die Konzentrationslager, die Enteignung und die Beschlagnahme ihrer Güter.

Verbunden mit den Greuelbildern der Kristallnacht, die die Weltpresse füllten, steigerten diese Maßnahmen die Erregung aufs höchste. Am 15. November 1938 schrieb der deutsche Botschafter in Washington, Dieckhoff, an Staatssekretär von Weizsäcker:

»Ich habe Ihnen berichtet, wie die spontanen und legalen Maßnahmen, die in Deutschland nach dem Mord am Legationssekretär vom Rath getroffen wurden, hier auf die öffentliche Meinung gewirkt haben. Es überrascht daher nicht, daß die Presse uns noch feindlicher (wenn das überhaupt möglich ist) gesinnt ist als bisher. Bedauernswert ist aber, daß die gemäßigten und verantwortlichen Kreise uns gegenüber ebenfalls eine feindliche Haltung einnehmen; sogar die

134


leidenschaftlichsten Antisemiten möchten von solchen Methoden Abstand nehmen.« [106]

Da Präsident Roosevelt seinen Botschafter in Berlin abberufen hatte, antwortete die deutsche Regierung am nächsten Tag darauf mit der Abberufung Dieckhoffs. Zwischen den USA und Deutschland waren alle Brücken abgebrochen: eine Wiederaufnahme der Beziehungen sollte nicht erfolgen. Und als erstes stand die Konferenz von Evian nicht mehr zur Debatte.

Frankreich freute sich über die Haltung Roosevelts.

In England behielt man dagegen einen kühlen Kopf, bei allem Schmerzgeheul der jüdischen Presse. Die antideutsche Kampagne, die nach den Repressalien der Kristallnacht zu neuer Kraft gefunden hatte, brachte die Regierung nicht aus der Fassung. Churchills vorhergehende Erklärung vom 26. September 1938 hatte ebensowenig Erfolg: angesichts der jüngsten Krise in der Tschechoslowakei hatte er sich im Unterhaus laut für ein »offensives und defensives Großbündnis zwischen Frankreich, England und Rußland« [107] und damit gegen Chamberlains Verständigungspolitik ausgesprochen. Das galt ebenfalls für Clement Attlee, der am selben Tag im Namen der Labour Party auch die Absicht bekundete, »eine englisch-französisch-russische Einheitsfront« zu bilden. Trotzdem war diese Kristallnacht nervenaufreibend.

Das waren die Folgen des Mordes an dem Legationsrat durch den jungen Juden Grynszpan. Sie kamen den von jüdischer Seite verfolgten Zielen zu sehr entgegen, als daß die These von einer konzertierten Aktion mit Grynszpan als ausführendem Werkzeug ganz ausgeschlossen werden könnte, auch wenn der gegenwärtige Stand der Dokumentation eine solche These nicht erhärten kann.

Es sei schließlich betont, daß sich diese Ereignisse zu einer Zeit abspielten, als das soeben abgeschlossene Münchener Abkommen (29. September 1938) Europa wieder auf den Weg der Entspannung gebracht hatte und zu allen Hoffnungen berechtigte.

135


Anmerkungen

[81] Siehe Les transferts internationaux de populations, (Hrsg. vom Institut national de la statistique et des études économiques; Etudes et documents, Serie 32, Paris 1946). Die Untersuchung nennt allein für den europäischen Raum 27 Fälle von Bevölkerungstransfers zwischen 1817 und 1944 (davon 14 vor und 13 nach 1939, die sämtlich völkerrechtswidrig waren und durch bilaterale Abkommen zustande kamen.

[82] In Le mouvement sioniste (Paris 1946, S. 212) erzählt Israël Cohen, wie diese 1000 Pfund Sterling durch die Londoner britisch-palästinensische Bank sowie die deutsch-jüdischen Banken Wassermann und Warburg nach Palästina überwiesen wurden und wie der Betroffene bei seiner Ankunft den Gegenwert erhielt. Im Besitz seines Geldes konnte er dann in ein anderes Land, zumeist in die USA, auswandern.

[83] Laut einer Statistik, die der Lehrstuhlinhaber für Soziologie an der jüdischen Universität Jerusalem veröffentlicht hatte, verteilte sich das Weltjudentum wie folgt auf die einzelnen Berufsbranchen: Handel: 38,6%, Industrieunternehmer und Handwerker: 36,4%, Rentiers: 12,7%, Freiberufe: 6,3%, Landwirte: 4%, Arbeiter: 2% (Arthur Ruppin, Les Juifs dans le monde moderne, aaO.).

[84] Der Begriff »Volksgenosse« schließt den Boden und die Rasse ein. Für einen Ausländer bezeichnet er den »Landsmann«; der Deutsche gibt ihm dagegen die Bedeutung »von deutscher Rasse«.

[85] Siehe oben, S. 119.

[86] Als Reaktion auf die jüdische Kriegserklärung vom 24. März 1933 im Daily Express. In der Anordnung wurde die Maßnahme als reiner »Abwehrkampf« gegen die »jüdischen Gewalttaten« bezeichnet und befohlen: »Krümmt auch weiterhin keinem Juden auch nur ein Haar.« (d. Ü.)

[87] Erst nach der jüdischen Kriegserklärung, siehe oben. (d. Ü.)

[88] Jüdische Auswanderung Zentralstelle.

[89] Die Statistik stammt von der Internationalen Stelle für jüdische Dokumentation (siehe Léon Poliakov, Das Dritte Reich und die Juden. Dokumente und Aufsätze, Berlin 1955).

[90] Siehe oben, S. 122.

326


[91] Reichsgesetzblatt 1935, I, S. 1146, Reichsbürgergesetz, 15. November 1935.

[92] Ebenda.

[93] Hans Habe, ein deutscher Jude, der die amerikanische Staatsangehörigkeit annahm, behauptet, daß auf der Evian-Konferenz Deutschland den Austausch deutscher Juden gegen 250 Dollars pro Kopf vorgeschlagen habe. Die meisten jüdischen Zeitungen der Welt und einige andere brachten diese These in letzter Zeit unter das Volk, indem sie sie als historische Wahrheit hinstellten: niemals wurde eine derart unverschämte Lüge so dreist in Umlauf gesetzt. Deutschland forderte kein Geld; es bot vielmehr welches. Und wenn man »pro Kopf« rechnen will, wie Hans Habe es tut, entfallen von insgesamt 3 Milliarden Reichsmark 5600 auf jeden Juden, das waren etwa 1000 bis 1200 Dollars.

[94] Léon Poliakov, Le Procès de Jérusalem, Paris 1963.

[95] Der Entzug wurde am 5. Oktober 1938 als Gesetz in Warschau veröffentlicht. (d. Ü.)

[96] Sie wurde »Reichskristallnacht« genannt, weil die jüdischen Geschäfte die erste Zielscheibe der Demonstranten gewesen und Schaufenster in 815 Fällen zertrümmert worden waren.

[97] Heydrichs Bericht an Göring vom 11. November 1938 (Internationaler Militärgerichtshof, Nürnberg, Dok. 3058-PS, Bd. 32, S. 1f.). Von Göring und allen Angeklagten in Nürnberg bestätigt.

[98] Siehe Ingrid Weckert, Feuerzeichen, »Die Reichskristallnacht«, Tübingen 31989.

[99] Internationaler Militärgerichtshof, Nürnberg, Bd. 31, Dok. 3051-PS, S. 515—519.

[100] Internationaler Militärgerichtshof, Bd. 32, Dok. 3063-PS, S. 20—29, Dok. vom 13. Februar 1939.

[101] Internationaler Militärgerichtshof, Bd. 28, Dok. 1816-PS, S. 499—540 und Bd. IX, S. 561.

[102] Internationaler Militärgerichtshof, Bd. 2, S. 130.

[103] Internationaler Militärgerichtshof, Dok. 1412-PS; ferner Reichsgesetzblatt 1938, I, S. 1579.

327


[104] Internationaler Militärgerichtshof, Dok. 1875-PS; ferner Reichsgesetzblatt 1938, I, S. 1580.

[105] Internationaler Militärgerichtshof, Dok. 2694-PS; ferner Reichsgesetzblatt 1938, I, S. 1581.

[106] Documents of Foreign German Policy.

[107] Auch wenn Roosevelt Chamberlains Verständigungspolitik unterstützte, befürwortete er in seiner Pressekonferenz vom 9. September 1938 den Churchill-Plan eines Großbündnisses: auf diese Zeit gehen die ersten Meinungsaustausche zwischen Churchill und Roosevelt zurück, die die Entwicklung des Krieges so sehr beeinflussen sollten. Gleich nach seinem Eintritt ins Weiße Haus hatte Präsident Roosevelt, der von Stalin zunehmend fasziniert war, die sowjetrussische Regierung anerkannt und in seiner Quarantäne-Rede vom 5. Oktober 1937 die UdSSR zu den »90 Prozent der Weltbevölkerung« gezählt, »die mit dem Frieden, der Sicherheit und der Freiheit verbunden sind«.

328


Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Zum nächsten Abschnitt
Zum vorhergehenden Abschnitt
Zurück zum Archiv