Paul Rassinier

Die Jahrhundert-Provokation


Schlüsselgestalten (v.l.n.r.) zur Vorgeschichte des Krieges.
Italiens Botschafter Bernardo Attolico, Staatssekretär Ernst von Weizsäcker,
Frankreichs Botschafter André François-Poncet und der britische Botschafter Nevile Henderson

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Zweiter Teil

Zwischen Krieg und Frieden

»Präsident Roosevelt und die Juden
in aller Welt übten Druck auf mich aus,
damit ich von jeglicher Verständigung
mit Hilter absehe.«
Neville Chamberlain, 15. Januar 1952
in New Chronicle

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Einleitung: das Jahr 1938

Das Jahr 1938 wurde von zwei Ereignissen geprägt, die das Gleichgewicht des europäischen Kontinents stark veränderten: dem Anschluß Österreichs im Frühjahr und der Wiedereingliederung des Sudetenlandes ins Deutsche Reich im Herbst. Sie schlossen eine Entwicklung der internationalen Lage ab, die von weiteren, mit der deutschen Wirklichkeit, wenn überhaupt, nur mittelbar zusammenhängenden Ereignissen gekennzeichnet worden war; dennoch waren sie den deutschen Vorstellungen entgegengekommen: der Austritt Japans aus dem Völkerbund (27. März 1933) und der sich daraus ergebende Antikominternpakt zwischen Japan und Deutschland (25. November 1936); die Völkerbundssanktionen gegen Italien (11. Oktober 1935), die Annäherung zwischen Italien und Deutschland (24.—25. Oktober 1936), die durch die Völkerbundsmaßnahmen herbeigeführt war, dann der Beitritt Italiens zum Antikominternpakt (6. November 1937); die Machtübernahme der Volksfront in Frankreich (3. Mai 1936); und schließlich der noch andauernde spanische Bürgerkrieg (18. Juli 1936—28. März 1939).

Merkwürdigerweise begann die Lage in Europa sich ernsthaft durch Unstimmigkeiten zu verschlechtern, die im Pazifik sowie in China zwischen Amerikanern und Japanern auftauchten. Eigentlich reichten diese Unstimmigkeiten weit zurück. 1914 war Japan auf seiten der Alliierten in den Krieg eingetreten, gegen das Versprechen Frankreichs und Englands, daß »ihm alle deutschen Besitzungen nördlich des Äquators zugestanden würden, vorausgesetzt, daß es sich ihrer bemächtige«. Japan erklärte Deutschland den Krieg, eroberte nacheinander sämtliche deutschen Besitzungen im

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Fernen Osten, vertrieb die deutsche Flotte aus dem Pazifik und zwang sie zur Flucht in den Atlantik, wo sie versenkt wurde, lieferte den Alliierten die Schiffe, die das australische und neuseeländische Truppenkontingent nach Ägypten sowie in die Dardanellen bringen sollten. Kurzum, sein Beitrag zum Sieg der Alliierten war erheblich — so erheblich, daß es als Gründungsmitglied des Völkerbunds angesehen wurde und neben Großbritannien, Frankreich und Italien eine der Vier Mächte war, die einen ständigen Sitz im Rat hatten.

Japan jagte Deutschland so schnell aus dem Pazifik und China hinaus, daß es bereits im Mai 1915 soweit war. Die USA, die bis dahin China als ihr Expansionsgebiet betrachteten, sahen nun ungern die Stellung, die Japan dort erobert hatte; zumal die Schnelligkeit, mit der es das vollbrachte, bewies, daß es künftig ein gefürchteter Konkurrent sein würde. Von den Versprechungen Frankreichs und Englands unterrichtet, erklärten die USA, sie würden niemals zulassen, daß sie eingehalten werden. Auf der Friedenskonferenz (1919) ließ Wilson nicht locker: Deutschlands insulare Besitzungen wurden zwar Japan zugeteilt, aber unter Völkerbundsmandat; die festländische ehemalige deutsche Kolonie (Shantung) ging an China, während andere — vorher nichtdeutsche — Häfen oder Inseln (Hongkong, Shanghai . . .) unter englischer, amerikanischer oder anglo-amerikanischer Aufsicht blieben. Dieser Wortbruch war der Beginn einer langen Feindschaft, die noch heute in Erinnerung ist.

Da die chinesische Republik in die Anarchie — es gab nämlich zwei Regierungen, je eine in Peking und in Nanking — versank, meuterten am 18. September 1931 120000 chinesische Soldaten im Raum Mukden (Mandschurei) und gaben das Land der Plünderung preis, um den nicht mehr gezahlten Sold auszugleichen. Japan griff unter dem Vorwand ein, daß die mit dem Schutz der Eisenbahnstrecken beauftragten japanischen Verbände belästigt worden seien, stellte zur großen Freude der einheimischen Bevölkerung die Ordnung wieder her, eroberte die ganze Mandschurei, und die Angele-

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genheit wurde am 18. Februar 1932 beendet mit der Proklamation einer unabhängigen, allerdings unter japanischem Einfluß stehenden Mandschurei (Mandschukuo). Der Völkerbund befaßte sich aber mit dem Zwischenfall, erklärte am 25. Februar 1933, mit 42 Stimmen gegen 1, Japan zum Aggressor und forderte es auf, »den von ihm ungebührend besetzten Teil chinesischen Gebiets baldmöglichst zu räumen«. Am 27. März 1933 erklärte Japan seinen offiziellen Austritt aus dem Völkerbund. Sodann drang es in China weiter vor, eroberte die Provinz Dschehol, die Mandschukuo einverleibt wurde. Am 29. Dezember 1933 kündigte es das Pazifik-Flottenabkommen auf und ordnete die Kiellegung von 650000 Tonnen neuer Kriegsschiffe an.

Präsident Roosevelt sah rot: Er wurde aber noch wütender, als Japan den Antikominternpakt mit Deutschland am 25. November 1936 unterzeichnete: Japans Austritt aus dem Völkerbund brachte zwangsläufig eine Annäherung an Deutschland mit sich; Japan rechtfertigte seine China-Politik mit den erstaunlichen Fortschritten, die der Bolschewismus dort machte. Präsident Roosevelt hatte es gewittert: In einer Botschaft an den Kongreß hatte er am 3. Januar 1936 Japan, Deutschland und Italien in gleichem Maße getadelt, sie seien »zum Säbelgesetz und zu der phantastischen Vorstellung zurückgekehrt, sie allein hätten eine Mission zu erfüllen«. [108] Da die Japaner mittlerweile die Kontrolle über 2 Millionen Quadratkilometer chinesischen Bodens und 200 Millionen Chinesen hatten, drohte Roosevelt am 5. Oktober 1937 allen dreien mit wirtschaftlichen Repressalien: die »Quarantäne«. [109]

Daß er Japan drohte, war verständlich: Japan war der unmittelbare Konkurrent der USA und gefährdete ihre wirtschaftlichen Interessen in China. Ebenso begreiflich war die gegen Deutschland ausgesprochene Drohung: Deutschland hatte die US-Interessen niemals und nirgendwo in Gefahr gebracht, aber die Freimaurerei, der Roosevelt bekanntlich angehörte, und seine jüdische Umgebung nährten seine anti-

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deutsche Einstellung. Dagegen hatte Italien im Januar 1936 noch keine Annäherung an Deutschland angedeutet, gefährdete in keiner Weise die amerikanischen Interessen und hatte es nicht einmal den USA übelgenommen, die gegen Italien erlassene Völkerbundsmaßnahme begrüßt zu haben. Warum das?

Die Botschaft des US-Präsidenten vom 3. Januar 1936 an den Kongreß und seine Quarantäne-Rede vom 5. Oktober 1937 überzeugten Frankreich, daß im Fall eines Konflikts mit Deutschland die USA, wo Roosevelt ja einen großen Einfluß ausübte, ihre Kräfte und riesigen Ressourcen in die Waagschale werfen würden. Obwohl oder vielmehr weil die französische Regierung eine Volksfrontregierung war, die auf die Kommunisten angewiesen war und bei Roosevelt in Gunst stand, verschärfte Frankreich seine Haltung zu Deutschland, und von nun an verschlechterte sich die Lage in Europa erheblich.

Ihre Haltung verschärfte die französische Regierung aber nicht nur gegenüber Deutschland, sondern auch gegenüber Italien. Im Mittelpunkt ihrer Politik stand der Kampf gegen den Faschismus. Gleich nach dem Regierungsantritt der Volksfront wandten sich die französisch-italienischen Beziehungen zum Schlechten. Im Mai 1936 hielt sich der französische Journalist Bertrand de Jouvenel in Rom auf, und weil sein Vater, Henry de Jouvenel, Botschafter in Rom war und gute Beziehungen zu Mussolini unterhielt, wurde er im Palazzo Venezia empfangen:

»Was soll ich einem französischen Journalisten sagen?« fragte ihn Mussolini. »Sie sind im Begriff, sich eine Regierung zu geben, deren Hauptziel der Kampf gegen den Faschismus ist? Nun gut, kämpfen Sie!«

»Unsere neuen leitenden Männer«, bemerkte de Jouvenel, »werden das begreifen, wenn sie an der Regierung sind. Ich zweifle nicht daran, daß sie ihre parteiischen Vorurteile zurückstellen werden. Wenn aber unsere neue Regierung die französisch-italienische Annäherung wünscht — werden Sie diese Möglichkeit ausschlagen?«

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»Nein«, antwortete der Duce, »ich liebe Ihr Land. Und ich verspreche als Gegenleistung eine ganz greifbare Möglichkeit. Sie haben aus Überheblichkeit oder aus Schwäche die Wiederbesetzung des Rheinlandes geschehen lassen. Die Deutschen werden es befestigen. Sie können in Mitteleuropa nicht mehr allein eingreifen. Aber durch meine Frankreich versprochene Zusammenarbeit kann ich Ihnen die Möglichkeit geben — die einzige Möglichkeit, die Sie jemals wieder haben werden —, um dort einzugreifen. Wenn Sie mit Unterstützung der italienischen Armee durch Piémont marschieren, können Sie die Verteidigung der Tschechoslowakei verstärken, und das ist die einzige Chance, die Ihnen bleibt. Mit Ihnen werde ich die Tschechoslowakei verteidigen, und mit mir werden Sie Österreich verteidigen! . . .«

Dieser Vorschlag war so bedeutend, daß Bertrand de Jouvenel den Botschafter in Rom, de Chambrun, und den französischen Regierungschef Léon Blum in Kenntnis setzte. Der Ministerpräsident ließ durch den stellvertretenden Generalsekretär im Quai d'Orsay Massigli antworten:

»Die Wahlversprechen, die Blum gegenüber den Sozialisten von Narbonne abgegeben hat, erlauben ihm ohne Zweifel nicht, diese Vorschläge in Erwägung zu ziehen.« [110]

Es ist nichts weiter darauf erfolgt: Als Antwort auf Mussolinis Entgegenkommen überhäufte die Pariser Presse den Duce mit solchen Beschimpfungen, daß die in Frankreich gegen ihn entfesselte Kampagne nie so heftig war.

Auf den Vorschlag Englands und der Commonwealth-Staaten (insbesondere Kanadas und Australiens) beschloß der Völkerbund zwar eine Aufhebung der gegen Italien verhängten Sanktionen (4. Juli 1936), aber weder England noch die Vereinigten hatten bis dahin die italienische Eroberung Äthiopiens anerkannt (England sollte es am 16. April 1938 tun, als Mussolini bereits ins andere Langer übergewechselt war, die USA dagegen nie), und Frankreich wies sie zurück.

Nun wandte sich Italien Deutschland zu, das ihm in der Äthiopien-Affäre als — fast — einziger Staat zu Hilfe geeilt

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war: Am 24. Oktober 1936 fuhr der italienische Außenminister Graf Ciano nach Berchtesgaden zu Hitler; am 23. April 1937 kam Göring nach Rom; am 25. September 1937 reiste Mussolini wiederum nach Deutschland, wo er einen triumphalen Empfang erlebte und neben dem Führer vor riesigen Volksmassen, in München und Berlin, sprach. Sechs Wochen später, am 6. November 1937, trat Italien dem Antikominternpakt bei. Die Achse Berlin-Tokio wurde zur Berlin— Rom—Tokio-Achse, dem Grundelement von Hitlers damaliger Außenpolitik.

Was das vierte Ereignis, den Spanischen Bürgerkrieg, betrifft, nahmen Italiener und Deutsche an der Seite von Francos Truppen teil, zunächst getrennt, dann, nach der Unterzeichnung des Antikominternpakts durch Italien, mit vereinten Kräften: weil es sich um ein Vorgehen Francos gegen die Volksfrontregierung in Madrid und ihre Exzesse handelte; weil Rußland und sogar Léon Blums Volksfrontregierung, unter der Hand, die rotspanische Regierung unter anderem mit den berühmten internationalen Brigaden, mit Waffen und Flugzeugen unterstützt hatten; und weil Francos Vorgehen, wie übrigens das japanische in China, zum Kampf gegen die Ausbreitung des Bolschewismus in der Welt gehörte.

Die strategische Bedeutung dieses deutsch-italienischen Eingreifens entging niemandem. Gelang es ihnen, Franco an die Macht zu bringen, so hätten sie eine zweite Front gebildet, die im Fall eines Konflikts Frankreich im Rücken, an der südlichen Grenze, angreifen konnte. Die Macht Italiens im Mittelmeerraum wäre verstärkt, die Englands geschwächt, ja gar vernichtet, wenn Spanien es irgendwie aus Gibraltar vertriebe. So weit kam es aber nicht. Durch die deutsch-italienische Unterstützung an die Macht gebracht, zeigte sich Franco viel zurückhaltender und weniger dankbar, als seine Wohltäter es sich erhofften. Das wußten sie aber am Anfang nicht. Sie erfuhren es zu ihrer großen Enttäuschung erst 1940, zu einer Zeit, als Franco bereits seit März 1939 an der Macht war. Das war ohnehin eine Karte, die zu spielen war.

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Und sie spielten sie aus; mit Erfolg, zugegeben, welche Enttäuschung sie ihnen in der Folge auch eingebracht haben mag.

Das war die Lage in Europa und in der Welt zu Beginn des Jahres 1938, als sich die Anschluß-Frage stellte.

In das Spiel Präsident Roosevelts und der französischen Regierung hatte sich England allerdings nicht eingeschaltet.

England tat es erst im September 1938, als die Wiedereingliederung des Sudetenlandes ins Deutsche Reich zur Debatte stand, was das Münchner Abkommen ermöglichte und den Krieg um ein Jahr aufschob.

Sehen wir nun aber, wie sich die Dinge im einzelnen zugetragen haben.

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V. Der Anschluß

1. Die Sendung des deutschen Landes Österreich

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war die österreichisch-ungarische Monarchie eine Doppelmonarchie, die gemäß dem Grundgesetz vom 21. September 1867 zwei von der Leitha, einem rechten Nebenfluß der Donau, getrennte Staaten umfaßte: das Kaiserreich Österreich (Hauptstadt Wien) und das Königreich Ungarn (Hauptstadt Budapest). Ersteres bestand aus 17 Königreichen bzw. Fürstentümern (Kronländer), an deren Spitze sich ein Vertreter des Kaisers befand und die weitgehend selbständig waren: Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Krain, Küstenland (Istrien, und Triest), Dalmatien, Tirol, Vorarlberg, Salzburg, Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien und Bukowina. Ungarn war in 63 Komitate und 25 freie Reichsstädte gegliedert. Komitate und Reichsstädte bildeten Munizipien, die jeweils von einem Foïspan (Präfekt) geleitet waren. Beide Staaten waren voneinander unabhängig mit Ausnahme der gemeinsamen Angelegenheiten: Außenpolitik, Kriegswesen und Finanzen. Ein Parlament saß in Wien (Abgeordnetenhaus und Herrenhaus), ein anderes in Budapest (Abgeordnetenhaus und Magnatentafel). In Ungarn hatte Kroatien—Slawonien 1868 seine Unabhängigkeit, bis auf die gemeinsamen Angelegenheiten, erlangt: es gab einen Landtag in Agram (Zagreb), 40 Abgeordnete im ungarischen Parlament. Seit 1908 gehörten Bosnien und Herzegowina, die bis dahin zugunsten des Sultans von einem österreichisch-ungarischen Kondominium (den gemeinsamen Ministern) verwaltet worden waren, zur Doppelmonarchie und wiesen eine ähnliche Regierungsform wie Kroatien—Slawonien auf, mit dem Un-

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terschied, daß trotz Landtag und Landesregierung ein Militärgouverneur die oberste Gewalt im Namen des österreichischen Kaisers ausübte.

Dieses Staatenpuzzle spiegelte ein Mosaik von Nationalitäten und ethnischen Gruppen wider. Das ausschließlich deutsche Österreich beherrschte das Ganze; dagegen gehörten zu Ungarn unter anderen die Kroaten, Sorben (Serben), Slawonier, Slowaken, Madjaren, die sich — wie auch die Nichtdeutschen im österreichischen Teil — mit der österreichischen Vorherrschaft nur schwer abfinden konnten und die Unabhängigkeit anstrebten, insbesondere die Tschechen, die Slowaken und die Südslawen (Serben, Kroaten und Slowenen). Für den Zusammenhalt der Monarchie sorgte lediglich die nach der Revolution von 1848 erfolgte Eintracht zwischen den Deutschen und den Madjaren. Diese Eintracht bestand allerdings nur zwischen den Führungsschichten der beiden ethnischen Gruppen. Auf Volksebene war der durch die österreichische (deutsche) Vorherrschaft verursachte Unmut dagegen ein Dauerzustand.

Solche Vorherrschaft gründete in dem Umstand, daß Österreich im Laufe der Jahrhunderte durch Kriege und Verträge diese Völker zu diesem sonderbaren Staat zusammengeschlossen und somit eine ihm vor langer Zeit erteilte Aufgabe erfüllt hatte, an der es festhielt: Karl der Große, der im Norden bis zur Weichsel die Slawen im Zaum hielt, hatte hier nämlich um 800 eine Mark (Ostmark, später Österreich) errichtet, um den Slawen und Avaren den Einfall längst der Donau zu versperren.

Österreich hatte sie nicht nur zurückgehalten, sondern sie — dann auch die Türken nach deren Vorstoß — seitdem wieder nach Osten zurückgedrängt. Die tapfere Erfüllung dieser Aufgabe gegenüber den Ostvölkern hatte mit zur Gründung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation geführt, das weitgehend auf die Gemeinschaft der germanischen Völker gewirkt hatte und zu deren Seele geworden war. Man kann ohne weiteres behaupten, daß Österreich das Wunder

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jener europäischen Einheit zuwege gebracht hatte, die leider auseinandergenommen wurde von der Politik Franz' I. von Frankreich, von der Reformation, Heinrich IV., Richelieu, Ludwig XIV., den Preußenkönigen und schließlich von dem englisch-französischen Konflikt, der vornehmlich mit den Napoleonischen Kriegen zu Tage trat. Trotzdem hatte Österreich diese Sendung weiterhin zugunsten der germanischen Völker erfüllt, deren Gemeinschaft anzugehören es überzeugt war. Die Zersetzung Europas durch das Erstarken der Nationalismen im Westen hatte Österreich betrübt, und es wurde zum Österreich-Ungarn, nachdem Bismarck es von dem Vorsitz des Deutschen Bundes und dann sogar aus diesem (Königgrätz, 1866) verdrangt hatte.

Und doch hatte es sich weiterhin als Mitglied dieses Bundes betrachtet. Nach Königgrätz hatte Bismarck gegen den Willen seiner Umgebung, ja sogar des Preußenkönigs selbst, davon abgesehen, es einfach zu annektieren. Er wußte, daß er hiermit die Abspaltung der Madjaren und der Slawen verursachen würde, die Österreich unter seine Oberhoheit genommen hatte und die von einer preußischen Schutzherrschaft nichts wissen wollten. Preußen wäre dann mit ihnen unmittelbar aneinandergeraten, und Bismarck befürchtete das.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870—71 und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs in Versailles (18. Januar 1871), mit dem Preußenkönig als Kaiser, hatte Bismarck sich bemuht, durch das Dreikaisertreffen und -abkommen (9. September 1872, 22. Oktober 1873), Beziehungen mit Österreich wiederaufzunehmen. Er erkannte es als deutschen Staat samt der Sendung an, die ihm seit Karl dem Großen zugewiesen war und mit der betraut zu sein es sich stets fühlte. Dieses Bündnis währte und wurde bis 1914 immer enger: die österreichische Außenpolitik war nicht nur darauf bedacht, die bestehenden Zugänge zur Adria zu bewahren, sie hatte sich auch als Ziel gesetzt, solche zum Schwarzen Meer und zum östlichen Mittelmeer zu bekommen.

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Die Niederlage der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg spaltete Österreich-Ungarn in die einzelnen Nationalitäten, die es zusammensetzten: die Tschechen und die Slowaken, die Madjaren (Ungarn) und die Südslawen gründeten der Reihe nach einen unabhängigen Staat. Die Alliierten förderten und unterstützten übrigens diese Entwicklung. Österreich blieb allein mit sich selbst und der Überzeugung, daß es nur noch ein deutscher, von den anderen deutschen Gebieten getrennter Staat sei: in der Öffentlichkeit trat nun aber eine starke Strömung zugunsten seiner Wiedereingliederung in die Gemeinschaft des deutschen Volkes hervor, das heißt zugunsten seines Anschlusses an Deutschland; eine um so stärkere Strömung, als Österreich das Gefühl hatte, daß es wirtschaftlich nicht lebensfähig war, da allein, unabhängig, von Deutschland abgesondert und nunmehr der Ressourcen beraubt, die die bisher unter seiner Führung zusammengeschlossenen Völker eingebracht hatten. So erwuchs der Anschlußgedanke, und die Sozialisten waren von vornherein seine eifrigsten Verfechter. Das Volk stimmte ihm nahezu einhellig zu.

Am 21. Oktober 1918 versammelten sich dann die rund 200 deutschstämmigen Abgeordneten des österreichischen Reichsrates und stellten die Auflösung von Österreich-Ungarn fest. Am 30. Oktober richteten sie eine Provisorische Nationalversammlung ein. Am 10. November sprach sich die Sozialistische Partei für die Ausrufung der Republik aus. Am 11. November dankte Kaiser Karl als Kaiser von Österreich ab, wollte aber König von Ungarn bleiben. Am 12. November wurde die Republik ausgerufen und ein Gesetz von der deutsch-österreichischen Nationalversammlung beschlossen, in dem es hieß: »Deutsch-Österreich ist eine demokratische Republik. Alle öffentlichen Gewalten werden vom Volk eingesetzt. Deutsch-Österreich ist ein Bestandteil der deutschen Republik.« [111]

Am nächsten Tag, dem 13. November, erklärte der damalige sozialdemokratische Staatskanzler Dr. Karl Renner vor der Versammlung:

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»Unser großes Volk ist in Not und Unglück; das Volk, dessen Stolz es immer war, das Volk der Dichter und Denker zu heißen, unser deutsches Volk des Humanismus . . . ist im Unglück tief gebeugt! Aber gerade in dieser Stunde, da es so leicht und bequem und vielleicht auch so verführerisch wäre, seine Rechnung abgesondert zu stellen und vielleicht von der List der Feinde Vorteile zu erhaschen, in dieser Stunde soll unser Volk in allen Gauen wissen: wir sind ein Stamm und eine Schicksalsgemeinschaft.« [112]

Am 22. November 1918 nahm die Provisorische Nationalversammlung ein Gesetz über die Grenzen Deutsch-Österreichs an, erklärte die Zugehörigkeit Deutsch-Österreichs zum Deutschen Reich und bekräftigte ihre Meinung wie folgt:

»Der Deutsch-Österreichische Staat beansprucht die Gebietsgewalt über das ganze deutsche Siedlungsgebiet, insbesondere auch in den Sudetenländern. Jeder Annexion von Gebieten, die von deutschen Bauern, Arbeitern und Bürgern bewohnt werden, durch andere Nationen wird sich der deutsch-österreichische Staat widersetzen.« [113]

Wahlen fanden am 16. Februar 1919 statt; sie bestätigten den Sieg der Sozialistischen Partei. Am 4. März 1919 kam die neue Nationalversammlung zwar zusammen; von den 255 vorgesehenen Sitzen wurden aber nur 157 belegt: die Ententemächte hatten die Wahlen in den Gebieten (unter anderem im Sudetenland), die sie dem neuen Österreich entziehen wollten, nicht anerkannt. Ferner wurde der einmütige Wunsch dieser 157 Abgeordneten nicht erfüllt: durch ihren Ältesten hatten sie den Anschluß an das Deutsche Reich gefordert. Artikel 88 des Vertrags von St. Germain (10. 9. 1919) erklärte die Unabhängigkeit Österreichs für unveräußerlich und untersagte ihm, sich ohne die Einwilligung des Völkerbunds mit einem anderen Staat mittelbar oder unmittelbar zu vereinigen — übrigens gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das in den 14 Punkten von Präsident Wilson enthalten war. Und zur großen Entrüstung des sozialistischen

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Staatskanzlers Karl Renner, der gegen diese Entscheidung zündende Worte aussprach und . . . sich fügte. [114]

Artikel 61 der Weimarer Verfassung (11. August 1919) sah die Aufnahme von Vertretern Österreichs in den Reichsrat vor, wenn das Land an das Deutsche Reich angeschlossen würde. Am 22. September 1919 wurde den Deutschen mitgeteilt, diese Verfügung widerspreche dem Artikel 88 des Vertrags von St. Germain; dagegen wandten sie ein, seine Durchführung komme ohne die Einwilligung des Völkerbunds nicht in Frage, und dieser werde nicht versäumen, das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu achten, das zu seinen Grundsätzen gehöre. Man mußte sich mit dieser Erklärung abfinden: die Weimarer Verfassung wurde nicht geändert; allerdings durch ein Protokoll vom 22. September 1919 wurde dieser Absatz des Art. 61 außer Kraft gesetzt.

In Österreich waren nicht nur die Sozialisten für den Anschluß einig, sondern alle Parteien: Männer wie die künftigen Kanzler Dollfuß [115] und Schuschnigg erhoben ihn zum Dogma bis 1933, also bis zu Hitlers Machtübernahme in Deutschland. Die Christlichsozialen, die zu dessen Wortführern zählten, forderten ihn ständig. Reichsaußenminister Julius Curtius (der Nachfolger Stresemanns) und Österreichs Vizekanzler Johannes Schober versuchten 1931 [116], zwischen beiden Ländern eine Wirtschafts- und Zollunion zu gründen, die, wie die Zielvorstellungen dieser Politiker auch sein mochten, bestimmt zum Anschluß geführt hätte; der Völkerbund, der sich nicht täuschen ließ, griff ein, um das Vorhaben zu vereiteln. Als die Führungsspitzen der österreichischen sozialdemokratischen und christlichsozialen Parteien sich, nach Hitlers Machtübernahme in Deutschland, gegen den Anschluß aussprachen, den sie bis dahin unterstützt hatten, war dessen Gedanke in der Öffentlichkeit so verankert, daß diese ihnen nicht folgte. Damals hatten die nationalsozialistischen Gruppierungen in Österreich, die seit 1926 als Reichsgau der NSDAP bestanden, größeren Erfolg, und mit dem Anschluß als Programm breiteten sie sich immer mehr aus.

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Derart, daß die deutschen Truppen am 12. März 1938 mit umgehängtem Gewehr einmarschieren konnten. Die Panzer waren mit Grün geschmückt, die Flugzeuge flogen in geringer Höhe und warfen nicht etwa Bomben auf die Menge ab, sondern Flugblätter. Am 13. und 14. März 1938 konnten die deutschen Einheiten ihre Fahrt von Salzburg aus in Richtung Wien fortsetzen, unter den Jubelrufen von Tausenden, die sich auf beiden Straßenseiten zusammengedrängten. Frauen und junge Mädchen warfen ihnen Blumen oder Kußhände zu. Und wenn Hitler vorbeifuhr, geriet die Menge in einen Taumel der Begeisterung.

Derart, daß das am 10. April 1938 zur Abstimmung aufgeforderte österreichische Volk sich — mit noch größerer Mehrheit als das übrige Deutschland, das am selben Tag abstimmte — mit 4273884 Stimmen für und 9852 gegen den Ausschluß aussprach. Von 4300177 Wahlberechtigten hatten 4284795 gestimmt; die Ja-Stimmen machten somit 99,70% der abgegebenen Stimmen aus.

2. Österreich und der Nationalsozialismus

Wir müssen nun die Ereignisse, die zum Anschluß führten, im Zusammenhang betrachten und zwei Dinge vorwegnehmen. Unvermeidlich wurde der Anschluß nicht nur durch die Geisteshaltung der österreichischen Bevölkerung, sondern auch durch die seit 1931 in Österreich anhaltende Wirtschaftskrise (auch eine Folge des Wallstreet-Krachs). Mitentscheidend war ferner eine günstige internationale Lage, die sich hauptsächlich aus der politischen Entwicklung in Italien ergab.

In der Praxis hatte sich Österreich als wirtschaftlich nicht lebensfähiger Staat herausgestellt: 1933 belief sich sein Haushaltsdefizit auf 5 Milliarden Kronen, und es zählte fast 1 Million Arbeitsloser (rund 25% der berufstätigen Bevölkerung). Gewiß, die Krise war noch nie so schlimm gewesen;

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Der Anschluß: Wiener erwarten vor der Neuen Hofburg Hitler, März 1938

seit der Unterzeichnung des Vertrags von St. Germain (10. 9. 1919) hatten aber anhaltendes Haushaltsdefizit und dauernde Arbeitslosigkeit die dortige Wirtschaftslage ständig gekennzeichnet. Den Sozialdemokraten, die 1919 sämtliche

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Machtstellen an sich gebracht hatten, war es nicht gelungen, diese Lage zu meistern, ebensowenig den Christlichsozialen, die ihnen an der Macht gefolgt waren und zunächst mit ihrer Unterstützung rechnen konnten. Dann aber erfolgte der Bruch zwischen beiden Parteien. Schließlich kam ein tatkräftiger Christlichsozialer, Engelbert Dollfuß, an die Macht (20. Mai 1932) und glaubte, mit autoritären Mitteln aus dieser verzwickten Lage herauszukommen: er schaltete den Nationalrat aus (7. März 1933) und schaffte Wahlen bis auf weiteres ab. Das war die Diktatur — eine noch vollkommenere als im Hitler-Deutschland, da hier Wahlen auch nach Hitlers Regierungsantritt durchgeführt wurden und Hitler nie eine wichtige Entscheidung traf, ohne sie vom deutschen Volk bestätigen zu lassen.

Die Lage in Österreich verbesserte sich nicht etwa, sie wurde schlimmer. Und während sie noch schlimmer wurde, konnte die Arbeiterklasse die großartigen Erfolge wahrnehmen, die Hitler im Reich in seinem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit errungen hatte, und den Wohlstand, der in die deutschen Familien zurückgekehrt war. Die österreichischen Arbeiter blickten neiderfüllt auf den deutschen Arbeitnehmer. Es fanden sich nun genügend gute Geister, die ihnen erklärten, alle ihre Nöte rührten davon her, daß Österreich von Deutschland getrennt sei, und die österreichischen Arbeiter würden sich bei einem Anschluß zwangsläufig des gleichen Wohlstands erfreuen wie die deutschen. Und der Nationalsozialismus, seine Diktatur, seine Verstöße gegen die Freiheit, seine Rassenpolitik? Das seien lauter Erfindungen — um eine erneute Bildung der gesamten deutschen Gemeinschaft zu verhindern. Außerdem waren Hitlers Verstöße gegen die Freiheit geringer als die Dollfuß', den die österreichischen Sozialisten und die Demokraten in aller Welt im selben Maße geißelten wie Hitler. Und was die Juden betraf, so standen sie bei den Christsozialen Österreichs nicht im Geruch der Heiligkeit. Einer von diesen, Karl Lueger, der (ab 1897) Bürgermeister von Wien gewesen war und sich die Sympathie

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von ganz Österreich erworben hatte, hatte einst den Kampf gegen die Juden an die Spitze seines Programms gesetzt. Nun zählte vor allem, daß Hitler und der Nationalsozialismus den Wohlstand wieder nach Deutschland zurückgeholt hatten. Im übrigen waren die Saarländer nicht so dumm gewesen: Trotz der Anti-Hitler-Propaganda hatten sie sich am 13. Januar 1935 mit 90,8% der abgegebenen Stimmen für die Rückgliederung des Saarlands an das Deutsche Reich ausgesprochen.

Solche Argumente waren nicht ohne Schlagkraft. Auf die öffentliche Meinung wirkten sie allerdings nicht so unmittelbar, wie die österreichischen Nationalsozialisten es annahmen. Im Glauben, sie könnten die Macht an sich reißen, führten sie am 25. Juli 1934 einen Putsch aus, der unglücklicherweise mit der — von den Urhebern nicht vorgesehenen — Tötung Dollfuß' endete. Die Sache war offensichtlich schlecht vorbereitet gewesen: die Öffentlichkeit war den Putschisten nicht günstig gesonnen. Sie wurden verhaftet und zum großen Teil gehängt. Kurt Schuschnigg, ein weiterer Christlichsozialer, aber Anhänger von Salazar, folgte Dollfuß im Kanzleramt. Das Parlament wurde in seine Funktion nicht wiedereingesetzt, Wahlen wurden nicht in Betracht gezogen. Gleich nach seinem Regierungsantritt war Schuschnigg derselben — in Österreich heimlichen, im Lager der Demokraten erklärten — Feindschaft ausgesetzt wie Dollfuß. Ferner war Schuschnigg viel ungeschickter als dieser.

In Österreich war die Lage nicht reif für eine Machtergreifung durch die Nationalsozialisten; sie war es ebensowenig auf internationaler Ebene. Am 17. April 1934 hatten Österreich, Italien und Ungarn die Römischen Protokolle unterzeichnet, mit denen sie vereinbart hatten, »eine gemeinsame Politik zu treiben und die zu treffenden Entscheidungen zu beraten, jedesmal wenn eine der drei Regierungen es für nötig halten würde«. Außerdem war Mussolini mit Dollfuß befreundet; beide Familien verkehrten miteinander, und Frau Dollfuß und ihre Kinder hielten sich gerade bei Mussolini in

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Riccione auf, als sie von Dollfuß' Ermordung erfuhren: der Duce schickte sofort fünf Divisionen zum Brenner, die für alle Fälle bereitgestellt wurden, insbesondere in Österreich einzudringen, wenn deutsche Truppe einfielen.

Hitler gelang es trotzdem, sein von »einer Handvoll Exaltierter« gefährdetes Ansehen bei Mussolini wiederherzustellen. Sich unter dem Hagel duckend, beorderte er von Papen nach Wien, und die »Handvoll Exaltierter« wurde nicht nur verleugnet, sondern auch bestraft. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien wurden dadurch nicht getrübt, und die Sanktionspolitik des Völkerbunds gegen Italien schloß beide bekanntlich ein Jahr später enger zusammen. Es ist nicht überflüssig, die einzelnen Etappen dieser Annäherung in Erinnerung zu bringen: 25. Oktober 1936 (Graf Ciano in Berchtesgaden), 23. April 1937 (Göring in Rom), 25.—28. September 1937 (Mussolini in München und Berlin), 6. November (Unterzeichnung des Antikominternpakts). Auf die Dauer sollte diese deutsch-italienische Annäherung zwangsläufig Mussolini Österreich entfremden. Anläßlich seines Rom-Besuchs im April 1937 hatte ihn Göring andeutungsweise über die Anschluß-Frage befragt, und Mussolini hatte lediglich mit einer ausweichenden Geste geantwortet.

Schuschniggs Ungeschick beschleunigte, im selben Maße wie die Unterzeichnung des Antikominternpakts und die daraus erfolgte Achse Berlin—Rom, Mussolinis Wendung zugunsten des Anschlusses. Trotz seiner Ermahnungen hatte Schuschnigg beispielsweise niemals einen annehmbaren Modus vivendi mit Berlin angestrebt. Am 11. Juli 1936 hatte er mit von Papen ein deutsch-österreichisches Abkommen unterzeichnet, kraft dessen »die österreichische Bundesregierung ihre Politik im allgemeinen, wie insbesondere gegenüber dem Deutschen Reiche, stets auf jener grundsätzlichen Linie halten wird, die der Tatsache, daß Österreich sich als deutscher Staat bekennt, entspricht . . .« [117] Im Anhang folgte die Versprechung, »mit dem Zwecke, eine wirkliche Befriedung

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zu fördern, Vertreter der bisherigen sogenannten 'Nationalopposition in Österreich' zur Mitwirkung an der politischen Verantwortung heranzuziehen«. Schuschnigg wandte sich nicht an diese Vertreter der nationalen Opposition. Vielmehr noch, er erklärte in einer am 29. November in Klagenfurt gehaltenen Rede, daß die Vaterländische Front (in deren Namen er regierte) drei Feinde habe: den Kommunismus, den Defaitismus und den Nationalsozialismus. Er müsse demnach feststellen, »daß die österreichischen Nationalsozialisten der Regierung als geschworene Feinde gegenüberstehen«.

Mussolini begriff einfach nicht, daß man so ungeschickt sein konnte. Fast überall, in Linz, Graz, Salzburg, kam es zu Zwischenfällen zwischen Anhängern der Vaterländischen Front Schuschniggs und Nationalsozialisten, später zwischen diesen und den Behörden: sie erzeugten Spannungen zwischen der deutschen und der österreichischen Regierung.

Sein folgenschwerstes Mißgeschick beging Schuschnigg aber kurz nach einer Aussprache, die er mit Hitler am 12. Februar 1938 in Berchtesgaden hatte.

An diesem Tag wollte Hitler mit Österreich und der Politik seiner Regierung, die er als fortwährende Demütigung des Deutschen Reichs empfand, zweifellos ein Ende machen. Er wußte, daß Mussolini wenig von Schuschnigg hielt und daß die Beziehungen zwischen beiden Männern ziemlich kühl waren. Er war ferner dessen sicher, daß England nicht in den Streit eingreifen würde, da es bezüglich des Hoheitsrechts Österreichs international niemals Verpflichtungen eingehen wollte, und die führenden Politiker der britischen Regierung: MacDonald, Sir John Simon, Eden, Chamberlain, Halifax und andere waren überzeugt, daß Österreich zum Deutschen Reich zurückkehren müsse. Schließlich waren die Beziehungen zwischen Deutschland und England ausgezeichnet, vor allem seit der Unterzeichnung des deutsch-englischen Flottenabkommens am 18. Juni 1935. Wenn England nicht eingriffe, würde Frankreich auch nicht eingreifen,

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ebensowenig die Tschechoslowakei. Hitlers Beziehungen zu Polen waren die besten. Er konnte sich alles erlauben.

Gewiß, Hitler hätte Österreich lieber mit anderen Methoden einverleibt: die Öffentlichkeit mit Massenkundgebungen zu gewinnen, die Mehrheit der Parlamentssitze zu erringen, einen Kanzler an die Macht zu bringen, der kraft des Selbstbestimmungsrechts der Völker die Vereinigung von Österreich und Deutschland verkünden würde, so daß die ausländischen Mächte sich ihr nicht widersetzen und die Demokratien nicht dieses zusätzliche Argument beim Feldzug geltend machen könnten, den sie gegen ihn führten. Es wäre ihm zweifelsohne gelungen; in Österreich fanden aber keine Wahlen statt. Und die Zwischenfälle, die sich dort im Laufe des Jahres 1937—38 ereignet hatten, ließen ihm keine Zeit mehr.

Zu einem offiziellen Besuch in Österreich eingeladen, war Konstantin von Neurath dort am 22. Februar eingetroffen. Die österreichischen Nationalsozialisten hatten beschlossen, ihre Macht unter Beweis zu stellen: Vom Bahnhof aus fuhr sein Wagen durch menschenerfüllte Straßen; Tausende und Abertausende zwangen ihn, nur im Schrittempo weiterzufahren unter den Jubelrufen der Menge, die im Chor skandierte: »Heil Hitler! Heil Deutschland! Heil Hitler! Anschluß!« Der Ordnungsdienst war völlig überrannt. Gedemütigt beschloß Schuschnigg, dem Reichsaußenminister zu zeigen, daß es in Wien nicht nur »Nazis« gebe, und mobilisiert die Vaterländische Front für den nächsten Tag. Die Straßen waren nun ebenso schwarz von Menschen, aber diesmal erreichte der Wagen den Bahnhof unter dem Brüllen der Menschenmenge: »Heil Schuschnigg! Heil Österreich! Nieder mit Hitler!«

Ein weiteres Beispiel: Unter dem Druck der öffentlichen Meinung fand sich Schuschnigg letztlich darein, Nationale, insbesondere Seyß-Inquart, der seit Juni 1937 Staatsrat war, in sein Kabinett aufzunehmen (18. Februar 1938); das hinderte ihn aber nicht, die Nationalsozialisten weiterhin zu ver-

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folgen, ihre Geschäftszimmer zu durchsuchen, manche zu verhaften und so weiter. Zwischen Nationalsozialisten und Mitgliedern der Vaterländischen Front mehrten sich die Zwischenfälle. Die Nationalsozialisten verwahrten sich dagegen, und seitdem Seyß-Inquart Minister war, war die Presse für ihre Proteste empfänglich. Die Stimmung verschlimmerte sich zusehends.

Am 1. Mai 1937 durften die in Österreich lebenden Reichsdeutschen die Fahne ihres Landes hinaushängen: in einem kleinen Dorf der Steiermark befahl ein Polizist, die deutsche Nationalflagge herunterzureißen. Für Hitler bedeutete dies in der Tat eine noch größere Schmach als die Art und Weise, wie von Neurath im Februar in Wien »heimgeleuchtet« worden war.

Im Juli 1937 gingen in der kleinen Stadt Wels die Gewehre der Polizei »ganz von allein« los bei einem Zusammenstoß mit ehemaligen Frontkämpfern, die »Deutschland, Deutschland über alles« ausriefen.

»Eine schamlose Angelegenheit!« äußerte Hitler gegenüber von Papen. [118]

Von Neurath seinerseits:

»Glaubt Herr Schuschnigg wirklich, daß er fortfahren kann, rücksichtslose Maßnahmen gegen den Nationalsozialismus zu ergreifen und gleichzeitig einen gemeinsamen Kurs mit dem Reich zu verfolgen?« [119]

Am 12. Februar 1938 war Hitlers Geduld am Ende. Die Lage hatte sich verschlechtert, die Zwischenfälle hatten überhandgenommen, ohne daß Schuschnigg das geringste Anzeichen einer geänderten Haltung erkennen ließ. Es kam zu einer heftigen Unterredung in Berchtesgaden: Hitler stellte Schuschnigg ein regelrechtes Ultimatum hinsichtlich der Zusammensetzung eines ihm ergebenen Regierungskabinetts.

Für ein demokratisches Land, wo die Regierung die öffentliche Meinung widerspiegelt, war das unannehmbar. Österreich war aber kein demokratisches Land: Schuschnigg

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hatte dort Dollfuß an der Macht abgelöst, der sie mit einem Putsch ergriffen hatte, und das Volk war niemals befragt worden. Die österreichischen Nationalsozialisten behaupteten, daß der Bundeskanzler nicht mehr als 18% der Wählerschaft hinter sich habe und daß er sich nicht nur durch die Apathie des österreichischen Volkes an der Macht halte, sondern weil sie, die Nationalsozialisten, nicht die radikale Politik trieben, die ihn aus der Regierungsgeschäften verdrängen würde: sie möchten Hitler aber keine Schwierigkeiten auf internationaler Ebene bereiten. Es trifft wahrscheinlich zu: In dieser Angelegenheit haben die österreichischen Nationalsozialisten Hitler anscheinend freie Hand gelassen.

Wie dem auch sei, Schuschnigg hatte nachgegeben: Am 15. bis 18. Februar 1938 waren die im deutsch-österreichischen Abkommen vom 12. vorgesehenen Maßnahmen getroffen worden. Aber am 5. März erhob Hitler eine neue Forderung: das Finanzministerium, das er nicht beansprucht hatte, solle den Nationalen zufallen. Nun blieb nichts mehr übrig, womit Österreich, oder zumindest Schuschnigg, seine Unabhängigkeit behaupten konnte. Das bedeutete praktisch den Anschluß. Das ging zu weit: Am 9. März beschloß Schuschnigg plötzlich, daß die Frage der Unabhängigkeit Österreichs Gegenstand einer Volksabstimmung sein solle, die am 13. März stattfinden würde. Drei Tage, um eine Volksbefragung in einem Land zustande zu bringen, in dem es nicht einmal Wahllisten gab! Außerdem sahen die Durchführungsbestimmungen vor:

»1. In den Abstimmungslokalen dürfen sich außer den Mitgliedern der Abstimmungskommission, die der Vaterländischen Front angehören müssen, keine weiteren Personen aufhalten, damit der Abstimmungsvorgang nicht gestört werden kann.

2. Da Wahllisten nicht geführt werden, gelten als Abstimmungsdokumente die Mitgliedskarte der Vaterländischen Front, die Mitgliedskarte des Bauernbundes, das österreichische Gewerbebuch und das Gewerkschaftsbuch oder Erken-

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Kanzler Schuschnigg. Am 9. März 1938 gibt er eine Volksabstimmung bekannt.

In Wien verbrennen Österreicher das Symbol des Schuschnigg-Regimes

12. März 1938: der Führer auf der Straße nach Linz

Der Dollfuß-Platz (seit 1934) in Wien wird am 14. März zum Adolf-Hitler-Platz

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nungskarten, Heimatscheine oder Meldezettel, jedenfalls nur Dokumente, die die Identität nachweisen. Wer der Abstimmungskommission persönlich bekannt ist, kann auch ohne Dokument zur Abstimmung zugelassen werden. Dort, wo der Landeshauptmann es anordnet, kann eine Liste derjenigen Personen, die die Abstimmung vollzogen haben, angefertigt werden.

3. Der offizielle Abstimmungszettel ist ein Zettel in der Größe 5 mal 8 Zentimeter, der auf der einen Seite mit dem Worte 'Ja' bedruckt ist. Wer mit 'Nein' stimmen will, muß sich einen Zettel in genau der gleichen Größe mitbringen und mit dem Worte 'Nein' beschreiben.

Die Abstimmung wird öffentlich durchgeführt, doch ist die Benutzung eines Briefumschlags auf Wunsch erlaubt.« [120]

Unter solchen Bedingungen, die dem Betrug Tür und Tor öffneten, konnte die Volksabstimmung nur für Schuschnigg günstig ausfallen: Man mußte nicht bei Sinnen sein, um anzunehmen, daß Hitler sich damit einverstanden erklären würde. Tatsächlich forderte er Schuschnigg auf, diese Volksbefragung abzusetzen und sie durch eine andere zu ersetzen, die nach dem Modell der Saar-Abstimmung durchgeführt und deren Vorbereitung allerdings längere Fristen erfordern würde. Die österreichischen Nationalsozialisten schlugen den 10. April 1938 vor.

Schuschnigg lehnte ab und wandte sich an Mussolini. Dieser riet, von dem Projekt Volksabstimmung abzusehen. Schuschnigg lehnte erneut ab. Darauf erklärte der Duce: »Man kann kaum dümmer sein. Unter diesen Umständen interessiert mich Österreich nicht mehr . . .«

Die Folgen kennen wir. [121]

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3. Skrupellose Polemiker

Im Verlauf der beißenden, übrigens noch anhaltenden Kontroverse, die Rolf Hochhuths Stück Der Stellvertreter hervorrief, wurde den österreichischen Kardinälen und Bischöfen — auch von seiten des Evangelischen und verkappten Kommunisten Hochhuth — eine öffentliche Erklärung zugunsten des Anschlusses aufs heftigste vorgehalten. Man sah in ihr das geheime Einverständnis zwischen der katholischen Kirche und dem Nationalsozialismus und schrieb sie dem späteren Papst Pius XII. zu. Der Hauptinhalt dieser Erklärung vom 18. März 1938 sei im folgenden wiedergegeben:

»Aus innerster Überzeugung und mit freiem Willen erklären wir unterzeichneten Bischöfe der österreichischen Kirchenprovinz anläßlich der großen geschichtlichen Geschehnisse in Deutsch-Österreich:

Wir erkennen freudig an, daß die nationalsozialistische Bewegung auf dem Gebiet des völkischen und wirtschaftlichen Aufbaues sowie der Sozial-Politik für das deutsche Reich und Volk und namentlich für die ärmsten Schichten des Volkes Hervorragendes geleistet hat und leistet. Wir sind auch der Überzeugung, daß durch das Wirken der nationalsozialistischen Bewegung die Gefahr des alles zerstörenden gottlosen Bolschewismus abgewehrt wurde.

Die Bischöfe begleiten dieses Wirken für die Zukunft mit ihren besten Segenswünschen und werden auch die Gläubigen in diesem Sinne ermahnen.

Am Tage der Volksabstimmung ist es für uns Bischöfe selbstverständliche nationale Pflicht, uns als Deutsche zum Deutschen Reich zu bekennen, und wir erwarten auch von allen gläubigen Christen, daß sie wissen, was sie ihrem Volke schuldig sind. [122]

Wien, am 18. März 1938

gez.: Th. Innitzer, Kardinal-Erzbischof von Wien; Adam Hefter, Fürst-Bischof von Klagenfurt; Ferd. Pawlikowski, Fürst-Bischof von Sankt-Pölten; Michael Menelauer, Bi-

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schof von Sacckau-Graz, S. Waitz, Fürst-Erzbischof von Salzburg; Johannes Maria Gföllner, Bischof von Linz.«

Wie man über die Erklärung auch denken mag, man kann sie jedenfalls nicht Papst Pius XII. oder gar dem Vatikan zuschreiben. Der damalige Papst hieß nicht Pius XII., sondern Pius XI., und dieser verwarf sie, nicht wegen ihres Inhalts im ganzen, sondern weil sie dem Nationalsozialismus vertraute, »die Gefahr des alles zerstörenden gottlosen Bolschewismus« von uns abzuwehren. Die Politik des Vatikans ging nämlich davon aus, daß der Nationalsozialismus prinzipiell ebenso zu mißbilligen sei wie der Bolschewismus (siehe hierfür die Enzykliken Mit brennender Sorge und Divini Redemptoris). Schließlich wurde Papst Pius' XI. Ablehnung dem Kardinal-Bischof Th. Innitzer, Primas von Österreich und Initiator der Erklärung, übermittelt, und zwar durch im gleichen Wortlaut verfaßten Brief von Kardinal Pacelli, dem damaligen Staatssekretär im Vatikan und künftigen Papst Pius XII.

Meistens wird aber verschwiegen, daß der Erklärung der katholischen Bischöfe Österreichs ein Aufruf der evangelischen Bischöfe vorausgegangen war, in dem es hieß:

»Die Evangelische Kirche Deutsch-Österreichs steht voll Freude einmütig und entschlossen zu der geschichtlichen Stunde, die das deutsche Volk Österreichs in die Lebens- und Schicksalsgemeinschaft des Deutschen Reiches zurückführt.

Wir glauben, daß diese Stunde von Gott gesegnet ist.

Nach Jahren des Kampfes bekennen wir uns erneut zum treuesten Dienst an unserem Volk und zu der Deutschen Evangelischen Kirche als der Mutterkirche der deutschen Reformation, von der uns nichts mehr scheiden wird. [123]

Wien, am 12. März 1938

Die Superintendenten des Konsistoriums (gez.): Beyer, Eder, Heinzelmann, Zwernemann.«

Von einer Verbindung der evangelischen Kirche Österreichs mit dem Nationalsozialismus war niemals die Rede, und vor allem nicht bei Rolf Hochhuth.

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Selbst die Sozialdemokraten stimmten dem Anschluß zu, durch ihren Führer Dr. Karl Renner, der am 3. April 1938 folgende Erklärung im Neuen Wiener Tageblatt abgab:

»Als Sozialdemokrat und somit als Verfechter des Selbstbestimmungsrechts der Nationen, als erster Kanzler der Republik Deutsch-Österreich und als gewesener Präsident ihrer Friedensdelegation zu Saint-Germain werde ich mit 'Ja' stimmen.« [124]

Dr. Karl Renner wurde ebensowenig der Zusammenarbeit mit dem Nationalsozialismus bezichtigt. Mehr noch: Diese Erklärung hinderte ihn nicht daran, ab 27. April 1945 als provisorischer Bundeskanzler zu regieren und am 20. Dezember 1945 zum Präsidenten der Zweiten Österreichischen Republik gewählt zu werden.

Keiner dieser Männer war übrigens zu tadeln: Nicht etwa für den Nationalsozialismus sprachen sie sich aus (die meisten stellten es später unter Beweis), sondern für den Anschluß, der, wenn auch vom Nationalsozialismus vorgeschlagen, ein demokratischer, gerechter und vernünftiger Gedanke war.

Da die Abstimmungsfrage die Führungskräfte aller Parteien auf sich vereinigte, konnte der Volksentscheid Hitler nur den Erfolg bringen, den er ihm verschaffte.

Wie Hitler es vorausgesehen hatte, blieben die Reaktionen auf internationaler Ebene aus. Am 10. März 1938 hatte Schuschnigg seinen Botschafter in London, Baron von Franckenstein, damit beauftragt, der Downing Street die Zusage eines bewaffneten Eingreifens abzuringen. Das einzige, was dieser erreichte, war eine höfliche, aber klare Abweisung. In Paris gab es keine Regierung: Am 10. März war das Kabinett Chautemps zurückgetreten. Mit der Erledigung der laufenden Geschäfte beauftragt, bat der zurückgetretene Ministerpräsident immerhin Außenminister Yvon Delbos, Kontakt mit Rom und London aufzunehmen, um die notwendigen militärischen Maßnahmen zu besprechen, falls Hitler in Österreich einfallen würde. In Rom wurde er abgewiesen; in

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London erfuhr er, daß England Schuschnigg geraten habe nachzugeben.

Frankreich und England warteten nicht einmal die Ergebnisse der Volksbefragung ab, um die Einverleibung Österreichs in das Deutsche Reich de facto anzuerkennen: Sie taten es in gemeinsamem Einverständnis bereits am 2. April, also acht Tage vorher.

Ironie des Schicksals: Französischer Ministerpräsident war damals Léon Blum!

So mächtig waren noch in Frankreich die öffentliche Meinung und ihr Wille zum Frieden. [125]

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Anmerkungen

[108] Peace and War: United States Foreign Policy, 1931—41, S. 204—307.

[109] Siehe oben, Anmerkung 107.

[110] Von Bertrand de Jouvenel erst am 13. März 1938 in La Liberté bekannt gegeben. Zitiert nach J. Benoist-Méchin, Geschichte der deutschen Militärmacht 1918—1946, Bd. 4 Wetterleuchten in der Weltpolitik, Oldenburg—Hamburg 1966, S. 191ff.

[111] Diplomatische Aktenstücke des österreichisch-ungarischen Ministeriums des Äußeren, Wien—Leipzig 1930. Siehe auch: Internationaler Militärgerichtshof, Nürnberg, Bd. 15, S. 633ff.

[112] Ebenda.

[113] Internationaler Militärgerichtshof, Bd. 15, S. 666.

[114] Im Vertrag von St. Germain wurde auch verboten, daß sich »Deutsch-Österreich« weiterhin so nenne, nur »Republik Österreich« wurde zugelassen. (d. Ü.)

[115] Er war außerdem Anhänger des Rassisten Karl Lueger, der vor dem Ersten Weltkrieg Bürgermeister von Wien war.

[116] Auf Initiative der österreichischen Regierung.

[117] Dokumente der Deutschen Politik und Geschichte von 1848 bis

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zur Gegenwart, hrsg. von Klaus Hohlfeld, Bd. 4 und 5: Die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur 1933—45, o. J., S. 296f.

[118] Franz von Papen, Der Wahrheit eine Gasse, München 1952, S. 449.

[119] Ebenda.

[120] Kurzbericht, herausgegeben im Auftrage des akademischen Austauschdienstes, 28. März 1938, S. 66.

[121] Siehe oben, S. 152.

[122] DNB vom 28. März 1938

[123] DNB vom 14. März 1938. (Die Erklärung der katholischen Bischöfe wurde am 18. März 1938 verfaßt, aber erst am 27. März verkündet.)

[124] Internationaler Militärgerichtshof, Bd. 40, Dok. Neurath-130, S. 523

[125] Die 1936 gewählte Volksfrontmehrheit war völlig verwirrt: ihr rechter Flügel — erschrocken über die kommunistischen Forderungen, angesichts deren Léon Blum Standhaftigkeit hatte vermissen lassen — hatte sich letztlich ebenso aus innen- wie außenpolitischen Gründen vom Sozialismus distanziert. Im Parlament hatte Léon Blum die Regierung, die das Kabinett Chautemps ablöste, nur gegen das Versprechen und gegen seinen Willen bilden können, weder in Österreich noch in Spanien einzugreifen.

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