TEIL I: WELTANSCHAUUNG

EINLEITUNG

Religion und Weltanschauung sind eigentlich zwei Begriffe für den gleichen Inhalt. Während aber die mittelalterliche, abendländische Religion sich konfessionell als christliche Kirche verstand und mit ihr sich die Rituale entwickelten, verlief parallel seit der Renaissance eine idealistische Philosophie, die von Jahrhundert zu Jahrhundert mehr - im Zusammenhang mit der Erweiterung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse - eine neue Weltanschauung entstehen ließ. Im 19. und 20. Jahrhundert vertieften sich die Einblicke in die naturgesetzlichen Zusammenhänge derart, daß die traditionelle Kirchenlehre in ihrem Wahrheitsgehalt immer mehr angezweifelt wurde. Wenn die Differenz zwischen Glaube und Wissen zu eindeutig wird, bleibt früher oder später die Konfession auf der Strecke und ist zum Verharren verurteilt. Die Wissenschaft entwickelt sich weiter und der Abstand zwischen beiden wird größer, bis der Zeitpunkt eintritt, in dem die alte Religion zu einer historisch musealen Erscheinung wird.

Es beginnt ein Zeitlauf, der im Unterbewußtsein einer großrassischen Menschengruppe den Drang zur neuen religiös bedingten Welteinsicht und Wertordnung entstehen läßt.

DIE HERAUSBILDUNG EINER RELIGION DES LEBENS

Das religiöse Gefühl ist mit der Vernunft alleine nicht zu verstehen. Die "Religio", als eine "fromme Scheu" aus dem Nichterklärbaren verschiedener Lebensumstände entstanden, ist stets eine notwendige Übergangsphase von der Basis eines sicheren Wissensstandes zur nächsthöheren Erkenntnis. Sie gleicht die daraus entstehende Verhaltensunsicherheit aus, indem der Mensch intuitiv Symbole und Rituale entwickelt. Sie ersetzen solange die reale Welt, bis der geistige Reifungsprozeß die nächste Stufe der Erkenntnis schafft, von der aus sich wieder andere metaphysische Perspektiven eröffnen.

Die alten Symbole und Gleichnisse werden durch neue abgelöst, welche eine Ära religiöser Werte im nächsten Range ergeben.

Im Grunde vollzieht sich die Religionswerdung nach den gleichen dialektischen Prinzipien, wie die Artenentwicklung in der Pflanzen - und Tierwelt oder im gesellschaftspolitischen nationalen Bereich. Mit der Zunahme des Wissensstandes verändert sich der religiöse Empfindungswert.

Das, was der Mensch weiß, braucht er nicht mehr zu glauben, da bis hierher alles einseh- und erklärbar ist. So entstehen neue Lebensfragen, metaphysische Sehnsüchte, Visionen und Ideale.

Mit dem Ende dieses Jahrtausends wird mehr als eine zeitrechnerische Etappe von 1000 Jahren abgeschlossen. Die gesamte geistig-seelische Entwicklung der Menschheit seit rund einer Million Jahren hat einen Erkenntnisabschluß gefunden, der aber vorerst nur innerhalb der weißen Rasse sichtbar wird. Viele abendländische Kulturspannungen der letzten 2.500 Jahre werden sich in einer Synthese versöhnen, weil die notwendigen Begriff-Symbole wie zum Beispiel "Gott" eine dem Wissen angepaßte Erklärung finden.

Es heißt Abschied nehmen von der schönen romantischen Illusion, daß es außerhalb der irdischen und kosmischen Natur ein humanes, bewußtes göttliches Wesen gäbe, das des Menschen Schicksal lenkt. Er bräuchte sich nur der von einer Priesterkaste vorgeschriebenen Moral zu beugen, ihre Gebete nachzubeten und schon sei "Gott" bereit, die Unbilden des Lebens zu glätten.

Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse im makround mikrophysikalischen Bereich über den Zustand der Erde und des Universums veränderten in den vergangenen vierhundert Jahren unsere religiöse Empfindung. Das Wissen, von dem aus der Mensch das gesamte Leben beurteilt, wertet und nutzt, hat durch Experimente und feststehende Formeln eine so starke empirische Grundlage bekommen, daß im Laufe der letzten zweihundert Jahre Religion, Kultur und Politik großen Inhaltsverschiebungen ausgesetzt waren und durch die Evolutionslehre erst recht noch sind. Alle Institutionen der Konfession und Politik erleben eine Aushöhlung und nihilistische Zersetzung in einem Ausmaß, wie es innerhalb eines so kurzen Zeitraumes noch nie der Fall war.

Aufgrund des Überganges von der spekulativen Geisteswissenschaft - sprich Philosophie - der vorkopernikanischen in die experimentell-empirisch beweisbare Naturwissenschaft der nachkopernikanischen Zeit, entstanden schmerzvolle Zusammenbrüche gewohnter Denkschemen. Vor allem die für die Wertfindung so entscheidende Religion wurde und wird in ihren seelisch-geistigen Grundfesten erschüttert, so daß alle anderen Ordnungsstrukturen des menschlichen Zusammenlebens wie Staat, Kultur, Wirtschaft und soziale Regeln orientierungslos als mechanistische Selbstzweckeinrichtungen verkommen.

Der Staat wurde zum Instrument einiger Gruppen, um legislativ und exekutiv Macht ausüben zu können. Die Kultur ist ohne Herz und Seele; die Wirtschaft ein egoistisches, materielles Exerzierfeld der Eitelkeit, Technik und Macht; das soziale Leben ein primitiver, tagesmaterialistischer Klassenkampf um ein bißchen mehr zum Essen, Trinken, Kleiden und Wohnen.

Es kam vor allem im 20. Jahrhundert ein gesellschaftspolitischer Mechanismus in Gang und zwar national wie international, der zwangsläufig die Menschheit dem Abgrund zutreibt, wenn nicht neue Ordnungswerte postuliert werden:

Die bevölkerungspolitische Explosion, die revolutionäre Wirkung der Atomenergie, die abnorme Ausbeute des Bodens und der Rohstoffreserven, die chemische Verschmutzung von Wasser und Luft, die Erschütterung des ökologischen Gleichgewichts zwischen Tier- und Pflanzenwelt, sowie die Zerstörung der Ozonschicht über der Atmosphäre.

Ausgelöst wird diese krebsartig wuchernde globale Erkrankung durch den amoralischen Geldkapitalismus mit seiner Zins- und Zinseszinsmethode. Sie erzwingt die Zuwachsrate des Bruttosozialproduktes, damit das Geldkapital bedient werden kann. So lautet die offiziell vertretene Wirtschaftsthese. Der Privat- wie der Staatskapitalismus ist der Auslöser einer Umweltzerstörung in noch nie dagewesenem Ausmaß und zugleich der rücksichtsloseste Feind jeder organisch gewachsenen Ordnung innerhalb der Völker.

Alles genannte Unheil hat aber seine Ursache in der Wertauflösung. Es gibt keine gültigen Maßstäbe mehr, mit deren Hilfe das religiöse Gemüt, die Kultur und Politik eine solche Ausdruckskraft bekämen, daß durch eine Leib-Wesen-Geisteinheit die Höherentwicklung in Form einer Idealisierung des Menschen möglich wäre. Sie ist aber eine Voraussetzung für die Erhaltung der Spitzenspezies Mensch, denn Entwicklungsstillstand bedeutet absterben. Der Kosmos - und mit ihm die Erde -verändert sich von Sekunde zu Sekunde - "alles fließt!"

Summarisch ergeben aber solche ununterbrochenen Veränderungen im Laufe von Jahrtausenden Anpassungszwänge, die bis zu einer mutationellen Veränderung innerhalb der Informationen empfangenden DNS-Erbmoleküle führen. - Diese allein ermöglichen das Überleben.

Bei einer realen Einblicknahme in die Lebenszusammenhänge ergibt sich die Tatsache, daß alle Einrichtungen - auch die Kunst und der Sport - die Aufgabe haben, der steten Vervollkommnung des Menschen zu dienen.

Die Erklärung, was Gut und Böse ist, ergibt sich ganz selbstverständlich, wenn die Maßstäbe im Einklang mit den Gesetzen der Natur stehen. Sie sind also dann richtig, wenn der Sinn des persönlichen Seins darin gipfelt, für die Erhaltung des menschlichen Lebens zu wirken. Die einfache Erklärung Goethes: "Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst", erhebt sich zum religiösen Grundsatz.

Das kommende Jahrtausend wird die Jenseitsreligion in eine Diesseitsreligion überleiten und alle wissenschaftlichen Erkenntnisse als Offenbarung der göttlichen Natur erklären.

Die ständige Wissenserweiterung, welche sich exponentiell steigert, wird trotzdem kein Endziel der Wissenschaft ergeben, weil sich die kosmische Kombinationsfülle in unendlichen Dimensionen bewegt. Es können daher nur Entwicklungsschichten entstehen, die untereinander von unten nach oben und oben nach unten korrelativ verbunden sind, wie der Aufbau eines organisch gewachsenen Körpers. Sollte je ein Entwicklungsstillstand eintreten, dann wäre er verbunden mit dem Ende des Menschen auf dieser Erde.

Energie bedeutet Zeit; sie entwickelt die Formen und Erscheinungen. Das bedeutet Bewegung und Veränderung. Damit müssen stets die neuen Zustände wissensmäßig erfaßt werden; das heißt: die Natur befindet sich in einer immerwährenden "Offenbarung".

Des Menschen Reifung vollzieht sich im Einklang mit der natürlichen Entwicklung in Zeit und Raum nach ewigen, unabänderlichen Gesetzen. Seine "geistige Freiheit" reicht nur soweit, wie der Reifegrad der Erde im Kosmos in das Bewußtsein tritt. Keinen Tag früher, keinen Tag später entsteht dieser "schöpferische Funke" der Erkenntnis, welcher seinen geistigen Horizont erweitert.

So steigert sich das Wissen im Einklang mit dem Leben. Aus dieser Sicht ist der Mensch ein konzentrierter Kosmos mit der Fähigkeit, diesen zu reflektieren.

Die Erde vollendet sich im Menschen! Mit diesem Grundsatz beginnt die Andacht im Wissen. Kalte, abstrakte Definitionen von Experimenten und physikalisch- mathematischen Formeln zum Zwecke einer einseitigen "Entkleidung der Natur" vergiften Gefühl und Wesen; sie bekommen damit eine Selbstzweckfunktion. Das Mensch-Sein, Kultur-Haben, das Verständnis für den Nächsten, das Lächeln, alles erstarrt zur Maske; die Macht wird zur Gefahr! Die spontane Bereitschaft, ein lohnloses Opfer für ein höheres Ziel zu bringen, den natürlichen Egoismus der Triebe - ihre Aufgabe ist die Icherhaltung - zu überwinden, zu veredeln, würde einer kalten Berechnung weichen und den seelischen Reichtum einer über das Ego hinausführenden Weltanschauung ersticken.

Je weiter die Wissenschaft in die kosmischen und irdischen Gesetzmäßigkeiten erkenntnissicher vorstößt, je vielfacher sich die Spezialanalysen verfeinern, umso mehr erweisen sich die Einheit, die Ganzheit, das Zusammenwirken der einzelnen Teile bis zur Erscheinung des Seins. Der Grundsatz von Aristoteles: "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile", bedeutet eine Erkenntnis, die, so wie Herakfit's "alles fließt", eine zeitlose Gültigkeit besitzt.

Von der Vielfalt zur Einheit, in welcher den Menschen die Harmonie des Lebens entgegenleuchtet, vollzieht sich das Werden und So-Sein. Diesen Vorgang als Ergebnis der Wissenschaft sichtbar machen zu können, ist die große Ernte einer geistigen Entwicklung der vergangenen 2.500 Jahre.

Aber alle Herrlichkeiten sind verbunden mit dem Zwang zur ständigen Erneuerung. Die Höherentwicklung der Lebenserscheinungen setzt den Tod voraus-, das Abschiednehmen vom zeitbedingten Sein.

Er ist kein Schreckgespenst, sondern ein erhabener Ordner. Ohne ihn gäbe es innerhalb der 4 Milliarden Jahre währenden Lebensentwicklung auf dieser Erde keinen Menschen, der dies bewußt feststellen und erleben kann. Eine Generation löste von der Urzelle bis zum Menschen die vorhergegangene ab sie voll im Erbe mittragend.

Nur so konnten letztendlich Formen entstehen, die im Laufe von Jahrmilliarden stets anpassungsfähig an die veränderten Umstände geblieben sind und damit zukünftig sich behaupteten. Ein einmaliger Vorgang der Evolution, die eine stetige Erneuerung nur durch die Polarisierung der Geschlechter herbeiführen konnte.

Auch das, was zugrunde geht, dient d Erhöhung!

Der Tod, er ordnet Raum und Zeit,
erscheint uns als Gesetz des Lebens -
es will Vollendung und reine Formen -
er wirkt als Macht des Höherstrebens.
Mensch, neig dich vor ihm, zeig Würdigkeit.

Daraus eröffnet sich der Zwang zu einer neuen Moral und Ethik-, vorerst nur erträglich für starke Menschen.

Im nächsten Jahrtausend wird sich die Erneuerung des Menschen in einer höheren Sphäre vollziehen, indem die soziale Ordnung zur Religion des Lebens erhoben wird.

Ihr Sinn besteht darin, das Ideal der Vervollkommnung als Samen in das Herz zu pflanzen, um das Ebenbild einer höchst geformten Natur als irdische Wirklichkeit auf die Erde zu stellen.

Ein so hohes Ziel ist nur erreichbar mit Hilfe der Synthese zwischen Religion, Kultur, Wissenschaft, Politik und Zivilisation.

Sie eröffnet dem Menschen das göttliche Ideal für die Wirklichkeit des täglichen Lebens.


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