DIE GENE ALS SPEICHER DER EVOLUTION

Die Wissenschaft im Bereich der Erbforschung zeitigte in den letzten Jahren Ergebnisse, die eine totale Veränderung des Bildes vom Menschen im Verhältnis zur Natur herbeiführten. Die Religion, wie die Philosophie müssen ihre Wertbegriffe neu definieren. Der Dualismus: Materie - Geist, Körper -Geist, kann zu den bereits aufgezeigten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen keine Verhältnismäßigkeit mehr haben. Diese Feststellung hört sich so einfach an, aber in Wirklichkeit bedeutet sie, wie schon erwähnt, das Ende einer vieltausendjährigen Kulturentwicklung. Es bleibt keine einzige menschliche Seins- und Lebensform durch dieses Wissen unverändert.

Nachfolgend werden zur Erhärtung obiger Behauptung verschiedene Forschungsergebnisse wiedergegeben, von denen später zwangsläufig neue Wertordnungen im religiösen, philosophischen und politischen Sinne abgeleitet werden müssen. Sie sind Zeitschriften entnommen, die in ihrer Grundtendenz eher liberal bis linksliberal, internationalistisch, "multikulturell", gleichheitsutopisch und daher gegen eine rassenund volksbiologische Weltanschauung eingestellt sind. Den Herausgebern war und ist es sicher nicht bewußt, daß sie mit dieser wissenschaftlichen Berichterstattung ihr eigenes Weltbild auflösen.

"Der Spiegel" 3/1993 berichtet mit der Überschrift "Schicksalsspruch vom Gen - Orakel" über einen englischen Wissenschaftler mit dem Namen Alan Handyside, der in der Lage ist, ein Gen, welches eine ganz bestimmte Erbkrankheit auslöst, aus dem Chromosom herauszulösen, um in der weiteren Folge eine gesunde Keimzelle in ,die Gebärmutter einzupflanzen. Zum besseren Verständnis dieses Vorganges sei die Zusammensetzung der Keimzelle nochmals erklärt.

Die Keimzelle ist das Ergebnis der befruchteten weiblichen Eizelle durch die männliche Samenzelle. Sie setzt sich aus 23 Chromosomenpaaren, in welchen sich 100.000 Gene als Träger aller körperlichen, seelischen und geistigen Eigenschaften befinden, zusammen. Zusätzlich sind in der Keimzelle sieben Milliarden Bausteine der DNS Reihungen vorhanden, welche für die Informationsspeicherung eine entscheidende Rolle innehaben-, diese Bausteine wirken in einer Keimzelle mit der Größe eines 0.01 mm "Kügelchens" und in diesem konzentriert sich bereits der ganze Mensch. Gibt es ein größeres Wunder? Der Einblick in diese mikrobiologische Welt mit Hilfe der Elektronenmikroskopie ermöglicht nun dieses nachstehend beschriebene medizinische Können.

"Der Spiegel" wörtlich: "Nicht nur Erbkrankheiten, auch die Risiken für Krebs oder Herzkrankheiten werden bald genetisch vorhersagbar sein. ....Alan Handyside sortiert Embryonen. Die Gesunden für die GebärrnUtter, die Kranken in den Müll. Noch ist er weltweit einer der wenigen, der das kann. Aus ganz England, aber auch aus Frankreich und den Niederlanden kamen bisher rund 30 Ehepaare zu ihm an die Londoner Hammersmith Klinik. Sie kommen, weil sie sich Kinder wünschen. Aber sie tragen das Gen für die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose, für die Nervenkrankheit Chorea Huntington oder für die Bluterkrankheit in sich. Handyside soll sicherstellen, daß ihre Kinder diese Krankheiten nicht erben. Vorsichtig saugt er mit einer mikrometerfein geschliffenen Pipettenspitze eine einzelne Zelle aus dem winzigen Zellklumpen, einem achtzelligen Menschen-Embryo, unter dem Mikroskop. Die erbeutete Zelle läßt er platzen und schickt molekulare Sonden auf die Suche nach dem kranken Gen. Wenig später ist er sicher: Die Sonden haben sich an das Erbgut der Zelle, an Chromosom 7, geheftet - der Zellklumpen hat das Mukoviszidose Gen geerbt. Lebenslang müßte das Kind, das sich aus ihm entwickeln würde, mit zähem Schleim in der Lunge kämpfen. Mikrobiologe Handyside erspart ihm solches Leiden. Dann testet er den nächsten. Diesmal werden die GenSonden nicht fündig - der Embryo kann seiner Mutter eingepflanzt werden; neun Monate später feiert die englische Presse die Geburt des gengecheckten Mädchens. .... Die Diagnose von mehr als 500 Erbkrankheiten am Ungeborenen im Mutterleib ist schon heute medizinisch möglich, samt anschließender Abtreibung der erbkranken Feten. Dabei hat die genetische Durchleuchtung der Gebärmutter gerade erst begonnen: Noch 1970 war kein einziges menschliches Gen bekannt, inzwischen haben die Molekularbiologen rund 4000 Träger von menschlichen Erbanlagen entschlüsselt, Woche für Woche kommen zehn weitere hinzu. In einem Jahrzehnt wird der Katalog aller 100.000 Menschen-Gene komplett sein."

Ein weiteres Beispiel, wie entscheidend das Erbgut für die menschliche Gesundheit ist, kann ebenfalls einem Spiegelbericht entnommen werden. Mit der Überschrift "Verhinderte Hochzeit" wird mitgeteilt, daß unter einer Gruppe orthodoxer Juden eine gefährliche Erbkrankheit verbreitet ist, die nur dann ausgemerzt werden kann, wenn ein Gen-Archiv erstellt wird. "Der Spiegel" Nummer 2/1994: "Orthodoxe Juden propagieren Gentests zur Bekämpfung einer Erbkrankheit. In nicht allzu ferner Zukunft, so warnt der amerikanische Molekularbiologe Robert Weinberg, werde eine "neue Astrologie" in Mode kommen, bei der "nicht Sterne, sondern Gene das Schicksal bestimmen".

Unter Chassidim, einer Gruppe orthodoxer Juden in New York und Jerusalem, werden schon heute Gen-Horoskope erstellt: Heiratswilligen Paaren, die genetisch nicht zueinander passen, wird empfohlen, sich schnell zu trennen.

Das Prognoseprogramm mit dem Namen Dor-Yeshorim ("Die aufrechte Generation") geht auf den Rabbi Josef Ekstein zurück. Hilflos mußten Ekstein und seine Ehefrau mit ansehen, wie vier ihrer zehn Kinder elend zugrunde gingen: Fünf Monate entwickelten sich die Neugeborenen normal, dann traten Krampfanfälle und Hirnschäden auf, die Babys erblindeten, nach wenigen Jahren starben sie an Atemlähmung - das typische, qualvolle Ende beim sogenannten Tay-Sachs-Syndrom, einer unter aschkenasischen Juden verbreiteten Erbkrankheit.

Durch Gentests bei Jugendlichen will Rabbi Ekstein das Leiden der Tay-Sachs-Babys aus der Welt schaffen: Seine Mitarbeiter besuchen regelmäßig Privatschulen und Eliteuniversitäten der orthodoxen Juden, um die zeugungsfähigen Teenager zu ermahnen, nur ja rechtzeitig ihr Blut untersuchen zu lassen.

Mit Hilfe der Tests wird ermittelt, welche Jugendlichen die verhängnisvollen Krankheitsgene in sich tragen: Zwar sind die Gene bei den Untersuchten offenkundig nicht zur Wirkung gelangt: sie können aber weitervererbt werden und bei den Nachkommen das Tay-SachsSyndrom auslösen. Die Testergebnisse werden im Dor-Yeshorim-Zentralcomputer gespeichert: die untersuchten Jugendlichen (8000 im vergangenen Jahr) erhalten eine sechsstellige Identifikationsnummer.

Neben Tay-Sachs erfaßt der 25 Dollar teure Erbgutcheck seit wenigen Monaten auch die GaucherKrankheit (ein tödlicher, mit heftigen Krämpfen beginnender Muskelschwund) und die Mukoviszidose, ein Leiden, bei dem die Kranken mit zähem Schleim in den Bronchien kämpfen und meist im Alter von 30 Jahren an Lungenversagen sterben. Bezahlt wird das Screening von wohlhabenden Spendern und dem Department of Health and Human Services.

Der Sinn des Registrierverfahrens: Bevor sich zwei junge Cassidim zu einem Pärchen zusammenschließen, sollen sie im Dor-Yeshorim-Büro telefonisch nachfragen, ob sie genetisch zueinander passen. Verfügen beide über das Tay-Sachs-Gen, so wächst das Risiko beträchtlich, daß sie erbkranke Kinder zeugen - von einer Heirat wird in solchen Fällen dringend abgeraten.

Die Erfahrungen zeigen, daß der Einspruch aus dem Gen-Archiv stärker sein kann als die Liebe: 70 Paare trennten sich bislang, nachdem ihnen kurz vor der bereits anberaumten Hochzeitsfeier ein ungünstiges GenHoroskop erstellt worden war."

"profil" Nummer 30/1993: "Die Rückkehr des Dr. Mabuse. Gentechnische Forschungen rücken das Vererbte in den Vordergrund - und bewirken eine Renaissance der Rassenbiologie… Die medizinische Fachpresse hatte ihre Sensation: "Gen bewirkt Herzinfarkt". Der Pariser Wissenschafter Francois Cambien hat eben einen Abschnitt der Erbinformation ausgemacht, der ein hohes Risiko für Gefäßverkalkung und Herzinfarkt bedeutet - auch bei Menschen, die rundum gesund leben .… Politisch brisant wird dieser Umstand, weil im Schlepptau solcher gentechnischer Sensationen auch rassenbiologisches Gedankengut wieder salonfähig wird. So sollen ethnische Minderheiten mittels Genkarten erkannt, gengeschädigte Föten abgetrieben und - manche Biologen gehen auch schon so weit - Lizenzen zum Kinderkriegen nur mehr für erbgesunde Paare ausgestellt werden .… In jüngster Vergangenheit dagegen werden Gene nicht nur für Herzinfarkt verantwortlich gemacht - selbst Intelligenz und Homosexualität sollen sich angeblich auf Erbfaktoren zurückführen lassen."

Über welche Zeiträume sich der erbgesetzliche Abstammungsnachweis erbringen läßt zeigt ein Bericht der Wochtenzeitschrift "profil" Nummer 26/1994 betreffend den sogenannten "Ötzi"-, also jene auf dem Südtiroler Similaungletscher gefundene Mumie: "Euro-Ötzi. …Gute Nachrichten für Europa-Patrioten: Der Mann aus dem Ötztaler Eis ist ein echter Europäer. Das scheinen monatelange Untersuchungen von Ötzis Erbsubstanz, der DNA, zu beweisen. Wissenschafter der Ludwig-Maximilians Universität in München hatten aus der linken Hüfte des mumifizierten Körpers eine wenige Millimeter große Gewebsprobe entnommen und daraus das Erbgut des über

5000 Jahre alten Eismenschen isoliert. Jetzt veröffentlichten die Forscher ihre Ergebnisse: Das Erbgut des Toten, der vor drei Jahren vom ewigen Eis des Similaungletschers freigegeben wurde, zeigt ein hohes Verwandtschaftsverhältnis zu den zeitgenössischen Europäern nördlich der Alpen, vor allem zu Deutschen, Dänen und Isländern. Damit dürfte das Gerücht, Ötzi sei eine südamerikanische oder ägyptische Mumie, die in den Tiroler Bergen ausgesetzt wurde, entkräftet sein. Die beim Eismann festgemachte DNA-Sequenz komme bei amerikanischen Ureinwohnern nicht vor, betont Svante Pääbo vom Zoologischen Institut der Münchner Uni. "Hätten wir zehn oder zwanzig Ötzis", bedauert der Forscher, "könnten wir noch viel mehr über die Population der Alpen vor der Völkerwanderung sagen." Jetzt möchte Pääbo die DNA des einzigen bisher vorhandenen Ureuropäers weiter analysieren - um in Ötzis Körper nach urzeitlichen Viren zu suchen."

Mit dem DNA-Tests ist es möglich, ganze Völkerschaften, welche historische Vergangenheit bedeuten, da sie heute als politische Gemeinschaft nicht mehr existent sind, wieder "lebendig" zu machen. Es eröffnet sich eine neue Form der erbgesetzlich bedingten Qeschichtsschreibung. In diesem Zusammenhang bahnen sich viele Revisionen der Menschheitsgeschichte an. (Fälschungen von Gräberfunden sind nicht mehr möglich.) "Die Presse" vom 5.9.1992 schreibt folgendes: ",DNA-Tests sollen Abstammung von Etruskern belegen. SIENA (apa). Noch in diesem Herbst werden es die Einwohner der Ortschaft Murlo, 25 Kilometer südlich der toskanischen Stadt Siena, ganz genau wissen, ob sie tatsächlich Nachfahren der legendären Etrusker sind. Der Genetikforscher Alberto Piazza, Dozent an der Turiner Universität, wird nämlich im Oktober alle Dorfbewohner genauen DNA-Tests unterziehen. Damit will der Wissenschaftler den Nachweis erbringen, daß die genetische Struktur der Menschen in kleineren Ansiedlungen der Toskana seit Jahrtausenden unverändert geblieben ist.

Die Resultate der Analysen werden mit den DNA Werten verglichen, die aus etruskischen Funden stammen. In Murlo, wo es eine Reihe von Ausgrabungen gibt, zeigt man sich über das Experiment begeistert, rechnet man doch mit einem neuen Interesse an dem Volk der Etrusker, das im 4. Jahrhundert vor der Zeitrechnung von den Römern ausgelöscht wurde. Danach planen die Forscher, ihr Gen-Programm auf ganz Italien auszudehnen. "Wir wollen belegen, daß der Einfluß der alten Griechen in Süditalien und der Kelten in Ligurien und der Lombardei genetisch noch aufspürbar ist", erklärt Alberto Piazza."

Wie weit zeitlich die DNA-Analysen zurückreichen, zeigt eine Mitteilung der Tageszeitung "Standard": "Wettlauf um die ältesten Genreste, Molekularpaläontologen suchen in Bernstein nach Spuren der molekularen Evolution. Zur Zeit findet in den Vereinigten Staaten ein wissenschaftlicher "Wettlauf" um die älteste DNA (Desoxyribonukleinsäure) in Fossilien statt. Mit Hilfe der DNA, das ist die in den Genen enthaltenen Erbinformation, ist es möglich, auf molekularbiologischer Ebene verwandtschaftliche Beziehungen zu erforschen. Als großes Fundgebiet bietet sich Bernstein an, der als fossiles Harz exzellente Erhaltungsbedingungen liefert ... Neben Poinar, der an der Westküste forscht, hat sich jüngst an der Ostküste der Staaten am American Museum of Natural History in New York eine Forschergruppe um Rob de Salle formiert. Dieser Gruppe gelang es, aus einer 30 Millionen Jahre alten Termite, die aus Bernstein der Dominikanischen Republik stammt, DNA zu isolieren. Konkret wurde ein Stück eines Gens, das aus einer Kette aus 200 Großmolekülen besteht, gefunden. ... Diese Entdeckung ist insofern als Sensation zu werten, denn bislang war die älteste DNA in einem 17 Millionen Jahre alten Magnolienblatt gefunden worden. ... Der Wettlauf um ein paar Moleküle des "ältesten" genetischen Materials geht weiter. Poinar beschäftigt sich, so ist dem Magazin Science zu entnehmen, mit 80 Millionen Jahre alten Fliegen aus Albert in Kanada. War es bislang Paläontologen nur möglich, mit Hilfe der äußeren Gestalt, der Morphologie, verwandtschaftliche Beziehungen festzustellen, so bietet nun die Gentechnik auch für Erbwissenschaftler neue Möglichkeiten verwandtschaftliche Beziehungen auf molekularer Ebene zu erarbeiten."

Die praktische Anwendung dieser sichtbar gemachten Erbgesetze, zum Beispiel in der Kriminalistik, bedeutet eine totale Umwälzung der technischen Beweisführung. Die kleinste Spur am Tatort belastet oder entlastet den Angeklagten. In einem Mordprozeß wurde ein aufgefundenes Haar des Opfers mit einem DNA-Test untersucht. ..Die Presse" berichtet darüber am 22.6.1994: " ...Der Direktor des Rechtsmedizinischen Institutes der Universität Bern, Richard Dimhofer, wartete mit brandneuen Erkenntnissen auf dem Gebiet der DNA-Analyse auf. Sein "Beweisstück Nummer eins" war ein Haar, welches im Auto Jack Unterwegers gefunden worden war. Samt der Haarwurzel, was bedeutet: mitsamt Zellen. Dieses Haar wurde mit den Haaren eines Mordopfers verglichen. Wenn Dirnhofer sagte, er habe die DNA (Desoxyribonukleinsäure) aus den Zellkernen der zu vergleichenden Haare extrahiert, so "übersetzte" er, daß er "die Erbfäden abgewickelt habe". Möglicherweise wäre der Vortrag alleine dem einen oder anderen immer noch zu ",hoch" gewesen, deshalb hatte Dirnhofer eine Spule bei der Hand und wickelte tatsächlich einen bunten Faden ab: Die Spule als Erbträger, die DNA als Erbsubstanz. Ein Indizienprozeß, bei dem die Geschworenen auf Entdeckungsreise gingen, bei dem sie - wie es Dirnhofer ausdrückte - der "Formel unseres Lebensgeheimnisses" auf der Spur waren."

Die medizinische Wissenschaft erwartet sich revolutionäre Erkenntnisse aus der Aufschlüsselung der 100.000 Gene, welche in der Keimzelle im Augenblick der Zeugung den wachsenden und erwachsenen Menschen in allen körperlichen, seelischen und geistigen Einzelheiten bestimmen. In allen naturwissenschaftlich technisch hoch entwickelten Ländern der Welt werden mit riesigen Investitionen Erbforschungen betrieben. Das Endziel ist die Erstellung eines sogenannten Gen-Atlas, aus dem genau zu erkennen ist, in welchem Chromosom der 0.Olmm großen Keimzelle eines der bestimmenden 100.000 Gene seinen Sitz hat. (Zum Teil können gegenwärtig bereits Gene, die Erbkrankheiten des Neugeborenen hervorrufen, geortet und im Embryo ausgeschieden werden.) Diese Einblicke in die "Werkstätte der Natur" bestimmen das Verhältnis: Natur - Geist, Natur - Politik, Natur - Medizin, Natur - Wertphilosophie und so weiter vollgültig neu. Sie bedeuten die größte Revolution der Menschheitsgeschichte und die totale Veränderung des religiösen Weltbildes.

"Der Spiegel" Nummer 44/1993 verfaßt darüber die nachstehende Abhandlung: "Supermarkt der Gene. …Bis zum Ende des Jahrhunderts wird der Mensch aufgeteilt sein. Gen für Gen, Chromosomenabschnitt für Chromosomenabschnitt. … Gerade vier Jahre ist es her, daß das Genomprojekt ins Leben gerufen wurde: Das gesamte Erbgut des Menschen sollte in einer gewaltigen wissenschaftlichen Kraftanstrengung entschlüsselt werden. Wozu diese sinnlosen Milliardenausgaben, fragten seinerzeit die Kritiker. Wem nützt die endlose Informationsflut aus dem Zellkern?

Heute scheint es, als gehöre diese Skepsis einem anderen Zeitalter an: Zwei Milliarden Dollar flossen im letzten Jahr in frisch gegründete amerikanische Biotech-Firmen, rund 30 Prozent mehr als noch im Vorjahr.…

Gene sind der Rohstoff, aus dem die Medizin von morgen gemacht sein wird. Hormonpegel und Stoffwechsel, Blutdruck und Hirnentwicklung - sie alle unterliegen Befehlen, die Nukleotid für Nukleotid auf dem Erbmolekül DNA niedergeschrieben sind.

Hier, in der Abfolge der Basen, muß Information verschlüsselt sein über Krebsgefährdung und Stoffwechselstörungen, über Haarfarbe und sportliche Leistungsfähigkeit, über Triebe und Intelligenz eines Menschen.

Hier sitzt folglich das strategische Nadelöhr, durch das alle Prozesse der Biologie führen. Diese Schaltstelle in Besitz zu bekommen, so das Kalkül der Genbesitzer, heißt die Zukunft der Medizin beherrschen.

Schritt um Schritt, so hoffen sie, werden die Gene die Humanmedizin durchdringen. Gene sollen helfen, die Gesundheit der Menschen bis in alle Einzelheiten zu vermessen, Gene sollen den Pharmamarkt erobern, und schließlich sollen sie bis ins Erbgut von Patienten vordringen.

Nach den neuesten Forschungsergebnissen ist die rein biologische, materielle Einsicht in die Zusammenhänge menschlicher Reaktionen von den geistigen Assoziationen nicht mehr zu trennen. Der körperliche Prozeßablauf ist eins mit der Gehirnaktivität. Die substanzielle, biologische Denk- und Handlungsgrundlage der Menschen bedeutet eine ununterbrochene Wechselbeziehung zwischen durch Jahrmillionen eingespeicherte Erfahrungen in den Gehirnneuronen einerseits und der Umwelt anderseits. In Bruchteilen von Sekunden spielt sich der Erfahrungsaustausch zwischen Gehirn, Sinnesnerven und der den Menschen umgebenden Wirklichkeit ab. Also: ist sie feindlich, das heißt seiner Selbsterhaltung schädlich, dann organisiert sich über die Nervenbahnen die Abwehr; ist sie freundlich, lebensfördernd, wird der Mensch lächeln und positiv gestimmt sein. Letztendlich wird sich das Verhalten des Menschen - wie auch bei Tieren - immer danach richten, ob ein Vorgang in seiner unmittelbaren Lebensumgebung seiner Existenz dienlich ist oder sie gefährdet. Von diesem Standpunkt aus gesehen ist das Gehirn - und damit der Geist - das höchstentwickelte Organ im Sinne der Selbst- und Arterhaltung.

Die Gehirnforschung bestätigt eindeutig die Einheit zwischen Körper und Geist. Sie läßt dem "Geist an sich" keinen Spielraum mehr. Einige Beispiele aus verschiedenen Presseorganen werden diese Feststellung untermauern.

"Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)" vom 10.3.1988 bespricht ein Buch des schon einmal erwähnten Nobelpreisträgers Professor Eigen mit dem Thema "Stufen zum Leben". Sie schreibt: "Wie es angefangen hat. Vor etwa vier Milliarden Jahren hat sich auf der Erde Leben entwickelt. Vor ungefähr einer Milliarde Jahren das, was wir höherstehendes Leben nennen. Und seit ein paar tausend Jahren ist die Evolution in ein neues Stadium getreten, das sich als eine starke Dynamisierung des Evolutionsprozesses erweisen könnte: das Stadium des menschlichen Geistes.

So vielgestaltig Leben auch sein mag, an seinen Bedingungen gegenüber den Grund- und Urformen hat sich nichts geändert. Auch die Substanzen, aus denen es einmal entstanden ist, sind die gleichen geblieben. Aminosäuren, Nucleinsäuren, Ribose, Kohlehydrate und Fette. Aus diesen wenigen Grundstoffen hat sich ein ,Vorgang von ungeheuerlicher Komplexität entwickelt, die Reproduktion von Informationen, die über Milliarden von Jahren weitergegeben und weiterentwickelt wurden. Wahrscheinlich ist, daß die Genforschung selbst in Zellen des menschlichen Körpers Informationsbestände des Ur-Gens entdecken wird.

Man ist geneigt, von einem Wunder zu sprechen. Mindestens ebenso verständlich aber ist der Versuch, Erklärungen zu geben. Zu diesem Versuch hat die Molekularbiologie in letzter Zeit die wichtigsten Erkenntnisse beigesteuert und immer mehr Licht in das dunkle Spiel aus Zufall und Gesetzmäßigkeit gebracht .…

Doch daran kann nicht mehr gezweifelt werden: "Die Chemie, die wir in lebenden Organismen vorfinden, ist im Prinzip identisch mit der, die wir in unseren Laboratorien betreiben.

Zu dieser These kommt Manfred Eigen in seinem Buch "Stufen zum Leben", in dem er die wesentlichen Antworten der Molekularbiologie zur Frage nach der Entstehung und Entwicklung des Lebens vorstellt und diskutiert."

"Der Spiegel" Nummer 11/1992: "Lernen, wie Geist funktioniert" Forscher erkunden das Bewußtsein (11): Neuronale Netze und der Gleichtakt der Nervenzellen. Christoph von der Malsburg, gelernter Physiker und Hirnforscher aus Leidenschaft, feiert "das Ende des neuronalen Winters". Jahrzehntelang haben die Himforscher nur von lonenkanälen, Aktionspotentialen und Cortexarealen geredet. Worte wie "Bewußtsein" oder gar "Seele" waren tabu. Doch plötzlich schwappt eine Welle von gesamtheitlichen Hirntheorien durch die Fachzeitschriften. Und auf Kongressen darf endlich wieder spekuliert werden: Wie kann Bewußtsein als Wechselspiel der Neuronen, wie die Seele als Konzert elektrischer Pulse verstanden werden?

Seit langem hat von der Malsburg auf diesen "neuronalen Frühling" gewartet. Er ist davon überzeugt, daß die geniale Baumeisterin Natur nicht nur Milliarden von Nerven im Kopf zu einem unübersichtlichen Kabelgewirr zusammengelötet hat. Die verwobene Architektur der Nerven und ihr vielstimmiges Geplauder folge vielmehr einfachen Regeln. Und diese Regeln können entschlüsselt werden, vielleicht schon in wenigen Jahren", versichert der Bochumer Forscher.

Die Stärke der Nerven ist ihr Zusammenspiel. Während ein Großrechner seine Rechenkunststücke vollbringt, indem er Milliarden von Additionen und Subtraktionen mit atemberaubender Geschwindigkeit nacheinander ausführt, rechnen im menschlichen Hirn Milliarden von Zellen gleichzeitig. Statt aus zwei Eingängen, wie in einem Transistor, fließen in jedem Neuron Informationen aus Tausenden oder gar Zehntausenden von Synapsen zusammen.

Die Natur ist ihm Vorbild. Auch im Gehirn seien Wissen und Lernen subtil miteinander verwoben: Im genetischen Bauplan des Gehirns ist das Wissen aus Millionen Jahren Evolution gespeichert; durch 80 Jahre Erfahrungen verfeinert der Mensch dann diesen Bauplan, indem er lernt.

"Ohne das Vorwissen der Gene würden wir in einer sinnlosen Datenflut ersaufen", sagt von der Malsburg. Ähnlich wie sie chinesische Schriftzeichen ohne ein Wörterbuch nur sinnlose Hieroglyphen sind, so wäre auch die Welt nichts als ein bedeutungsloses Sinnes-Flimmern. Deshalb werden Menschen mit Wissen geboren."

"Kurier" vom 12.12.1992: "Das Hirn von Morgen, - Unser Hirn, eine Bibliothek mit 20 Millionen Bänden" wird sich weiterentwickeln müssen, um unser Überleben zu sichern.

Würde man die Neuronen aller Menschenhirne aneinanderhängen, ergäbe dies eine Länge von 100 Lichtjahren", behauptet der Computerspezialist und Autor Markus Plankensteiner. In seinem neuen Buch "Homo Cerebralisatus" (Verlag: Die blaue Eule) rekonstruiert Plankensteiner die Entwicklung vom Säugetierhirn bis zum "menschlichsten aller Organe", dessen Speicherkapazität einer Bibliothek mit 20 Millionen Bänden gleichkommt."

Abschließend sei zu dieser Darstellung vermerkt, was 100 Lichtjahre für eine Länge der aneinandergereihten Gehirnnerven bedeutet. (Die gegenwärtige Weltbevölkerung beträgt 5,5 Milliarden). In der Sekunde legt das Licht 300.000 Kilometer zurück. Der Tag hat 86.400 Sekunden. Somit ergeben 100 Lichtjahre eine Entfernung, die als Zahl nicht mehr vorstellbar ist.Das ist Intelligenz mit kosmischem Ausmaß und bedeutet im Grunde viel mehr, als ein Zahlenbild: es ist eine konzentrierte Geist - Energie!

NATURWISSENSCHAFT UND PHILOSOPHIE DES 20. JAHRHUNDERTS

Wie die wissenschaftlichen Ergebnisse und die praktische Anwendung derselben beweisen, befindet sich die Geisteswissenschaft als Bereich "an sich" am Entwicklungsende. Der empirische Einblick in die Erbgesetze hat eine Genauigkeit erreicht, daß das philosophisch spekulative Denken (Nach-Denken) mit allem Hinterfragen, Wenn und Aber vorbei ist. Es gibt nur mehr klare Entscheidungen, mit denen die Einheit zwischen relativem Sein und innerem Gesetz des Werdens erkannt und damit als Bekenntnis zur Ganzheit des Lebens ausgesprochen wird. Es gibt keine fließenden Übergänge von der neuzeitlichen Philosophie zur gegenwärtigen und zukünftigen.

Alle Denker, die vor dem Zeitalter der Elektronenmikroskopie um einer verhältnismäßige Wahrheit gerungen haben, mußten in der letzten Konsequenz wieder Kants geistige Kategorienlehre mehr oder weniger annehmen, mußten den Geist vom Gesetz der Materie absondern und ihm die göttliche Funktion des transzendentalen Ordnens zubilligen.

Daraus resultieren die Denkergebnisse eines die Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts stark beeinflussenden EDMUND HUSSERL (1859-1938). Er konnte die Wirklichkeit des sich im Gehirn vollziehenden Denkprozesses nicht nachvollziehen, da die Entstehung, Funktion, wie biologische Arbeitsweise des Gehirns nicht eingesehen werden konnten und daher nicht erklärbar waren. So fiel er wieder zurück in die Differenzierung zwischen "Sein" und "Wirklichkeit". Er entwickelte den ordnenden Geist in die Richtung des transzendentalen Idealismus, also in jenen Zustand, in dem der Geist seinen Hervorbringer nicht erklären kann: er ist jenseitig des Erfassungsvermögens.

Die Differenzierung zwischen Erscheinung (Phänomen) und innerem geistigen Zustand ergab immer wieder die Unsicherheit des menschlichen Standortes im Fluße der Evolution. Daher blieb der Dualismus Geist - Materie, Geist - Körper in etwas abgeschwächter Form aufrecht. DieserMittelstand zwischen Naturwissenschaft einerseits und Göttlichkeit, Geist, Humanismus anderseits bedingt fast alle aussagestarken Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts im deutschen und anglikanischen Raum.

NICOLAI HARTMANN (1882-1950) nimmt im Rahmen seiner Schichtenlehre die reale Welt als von der untersten Stufe: anorganisch - organisch - seelisch - geistig, entwicklungsimmanent an. Aber zum Schluß kommt er zur Feststellung, daß es in der Ethik eine geistige "Willensfreiheit" gibt. Sie lenkt die "niederen Schichten" der Kausaldetermination, indem sie diese nicht durchbricht, sondern lenkt. Wieder eine neue Form des Dualismus: Geist - Materie.

MARTIN HEIDEGGER (1889-1976), Schüler Husserls, übernimmt von diesem die Phänomenologie-Lehre, die er in seinem Hauptwerk "Sein und Zeit" verarbeitet und in eine Existenzialontologie umbildet. Er hat die Ansätze einer gestaltend wirkenden Philosophie, aber verdunkelt sie durch ein algebraisches Wortspiel, das letztendlich wieder in den Traditionalismus des 18. und 19. Jahrhunderts rückmündet.

ALFRED ROSENBERG (1893-1946) hat in seinem "Mythus des 20. Jahrhunderts" noch immer - trotz der biologischen Weltanschauung des Nationalsozialismus - den Humanismus und abgehobenen Geist gegen einen "tierischen Biologismus, Darwinismus und Materialismus" gestellt. Eine Definitionsverschiebung ist aber insofern eingetreten, daß er der nordisch bedingten Rassenseele eine bestimmte Gestaltungskraft zuwies. Hier trifft sich eine biologische Phänomenalität mit dem Geist, betreffend das Verhalten, die Ästhetik sowie die schöpferische Leistungsfähigkeit. Trotzdem gilt sein besonderer Bezug dem Mystiker Meister Eckehart und seinen Predigten im 13. Jahrhundert. Diese Grundeinstellung Alfred Rosenbergs zeigt deutlich auf, daß auch sein Glaube noch stark an die überirdische Göttlichkeit gebunden war.

ERWIN GUIDO KOLBENHEYER (1878-1962) war Philosoph, Dichter und Erzähler. Seine biologischen und philosophischen Studien führten ihn zu einer uneingeschränkten, ganzheitlichen Weltanschauung. Für ihn bedeutet das Bewußtsein eine ordnende Hilfsfunktion des "Biologisch-Organischen". Seine philosophische Aussage ist ohne Umschreibung und zeigt Mut in der eindeutigen Wortwahl und Entscheidung. Der Begriff des "Plasmatischen-Gutes" beinhaltet die klare Evolutionslinie von der Urzelle bis zum Menschen. Die Idee der "Metabiologie" brachte ihn zur Verneinung des Ich-betonten Idealismus -gemeint ist damit die Personalisierung des Geistes - und zu der Forderung, daß der Einzelne sich in die übergeordnete Wirklichkeit von Art und Volk eingliedern müsse. In der Wechselbeziehung zwischen Ich und Artgemeinschaft entfaltet sich die Kraft zur Höherentwicklung als Voraussetzung zum Überleben. Ahnend und vorausschauend gab er den europäischen Völkern die folgende Belehrung: "Ein bedrohliches Übel der weißen Rasse ist es, daß in ihr die Verehrung der Eltern und Voreltern zu schwinden scheint. Stammesforschung und Ahnenkunde haben wohl an Boden gewonnen, aber in ihrer Rationalisierung jenes fruchtbare Gefühlsgut erstickt, das in der Verehrung der Eltern und Voreltem lebt, ein Gefühlsgut, das den ethischen Kein und die Quelle der Lebenskraft der asiatischen Kulturvölker bildet. Aus der Lebensmächtigkeit einer Ahnenverehrung und Ahnenliebe wird im Fernen Osten eine Kraft erhalten bleiben, der die Völker des Abendlandes unterliegen könnten, wenn in ihnen nicht der gleiche verschüttete Kraftquell wieder erschlossen wird. Man müßte predigen: erforscht und erkundet ein jeglicher eurer Ahnenvolk, das Volk eures Lebensgutes, aber tut es um der Verehrung willen, tut es eines gehobenen und bestärkenden Gefühls wegen, nicht nur um zu wissen oder einen Ausweis für eure viel zu vielen Ämter zu erhalten, denn ihr seid nichts, wären jene nicht gewesen und hätten jene nicht geliebt und gelitten". Kolbenheyer überhöht auch das menschliche Tagesgeschehen mit dem Hinweis: "Weltgeschichte gehört vor allem der Biologie. Alle wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Reaktionsphasen, die sie begleiten, sind Äußerungen einer biologischen Entwicklung."

KONRAD LORENZ (1903-1991), Nobelpreisträger und weltweit bekannter Verhaltensforscher, hat mit seinen Forschungsergebnissen das Tor zu einem neuen Raum der Wissenschaft geöffnet. Er verbindet die Evolutions- und Erblehre mit der Psychologie, Kultur und Politik. Auch für ihn ist, wie vorher schon von Kolbenheyer erkannt, die Ganzheit: Natur - Mensch eine Lebenswirklichkeit. Das Verhältnis: Tier - Mensch ist für ihn kein polares, sondern, um mit Haeckel zu sprechen, eine Entwicklung von Jahrmillionen, die von der "Tierseele zur Menschenseele" führt. Für ihn ist auch Darwins Selektionstheorie, im Zusammenhang mit der Herausentwicklung neuer Arten, eine durch Forschung bestätigte Tatsache. Konrad Lorenz hat in seinem Buch "Der Abbau des Menschlichen", herausgegeben im Piper-Verlag, München-Zürich, auf Seite 208 erklärt: "Die schöpferischen Faktoren der Evolution, vor allem die freie Erbänderung und die Selektion, haben den menschlichen Geist geschaffen." Auf Seite 211 schreibt er unter dem Kapitel: "Die pseudodemokratische Doktrin: Zu den Faktoren, die das technokratische System stabilisieren, gehört die Doktrin von der absoluten Gleichheit aller Menschen: mit anderen Worten, der Irrglaube, daß der Mensch als "tabula rasa" geboren, das heißt, daß seine gesamte Persönlichkeit erst im Laufe seines Lebens durch Lernvorgänge bestimmt werde. Diese Doktrin, an die leider auch noch heute viele Menschen mit geradezu religiöser Inbrunst glauben, ist unrichtig." Weiter ist auf Seite 212 zu lesen: "J. B. Watson hat sich bekanntlich zu der Behauptung verstiegen, er könne aus jeden ihm zur Erziehung überlassenen, gesunden Neugeborenen auf Bestellung einen Violinvirtuosen, einen Mathematiker oder ein Finanzgenie machen. Die falsche Annahme ist dabei, daß es im Zentralnervensystem des Menschen überhaupt keine genetisch festgelegten Programme gebe." Im selben Buch auf Seite 213: "Der Glaube an die unbegrenzte Formbarkeit des Menschen ist natürlich allen Leuten willkommen, für die es vorteilhaft wäre, wenn der Mensch keinerlei angeborene Fähigkeiten und Leistungen besäße und somit unbegrenzbar manipulierbar wäre. Hieraus erklärt sich, daß die pseudodemokratische Doktrin von der Lobby der Großindustrie - sprich Kapitalismus - ebenso zur Staatsreligion gemacht wurde, wie von den Ideologen des Kommunismus. Die pseudodemokratische Doktrin hat heute noch einen großen Einfluß auf die öffentliche Meinung und auf die Psychologie."

Abschließend stellt Lorenz auf Seite 251 fest: "Es brach der Krieg aus und die alliierten Siegermächte trieben ungehemmt psychologische Kriegsführung."

Dazu gehört vor allem die geistige Umerziehung, die den deutschen Menschen aus seinem angestammten Verhalten, im Rahmen der Nation zum "Individuum an sich" umfunktionieren soll. Durch Verordnungen, Gesetze, Massenmedien und Schulunterricht ist die genetisch bedingte Grundhaltung nicht veränderbar. Die einzige Möglichkeit besteht mit Hilfe einer fremdrassigen Unterwanderung, mit der innerhalb eines größeren Zeitraumes die genetische Substanz durchzumischen wäre. In der Theorie ist das als Ziel wohl zu planen, nur ist es kaum möglich, eine organisch gewachsene Gemeinschaft in der Größenordnung des deutschen Volkes, genetisch so zu verändem, daß ein intemationalistisch ausgeprägtes Verhalten in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens entsteht.

Die weiße Rasse - und innerhalb dieser besonders das deutsche Volk - lebt in ihrem Ursprungsraum. Der Einfluß des Raumgesetzes, der sich über Jahrhunderttausende erstreckt, ist kosmisch wie irdisch ein totaler. Deshalb gibt es in der Menschheitsgeschichte kein Beispiel, wo eine Großrasse in jener Region, in der sie sich ursprünglich entwickelte, zugrundegegangen wäre. Selbst wenn fremde ethnische Gruppen in den angestammten Raum eingedrungen sind, wurden sie von der Erbmasse der Ursprungsrasse assimiliert, so daß sich im Großen und Ganzen das Verhalten nicht geändert hat. (Siehe das Vordringen der nordischen Völker in die Räume Mittelmeer, Vorder- und Mittelasien. Sie wurden, obwohl sie das starke Führungselement waren, im Laufe einiger tausend Jahre von der hell- bis dunkelbraunen Ursprungsrasse voll assimiliert. Übrig blieben ihre kulturschöpferischen Leistungen und die steinernen Umrisse von Knossos, Ephesus, Akropolis und so weiter.)

Der Lebensstrom fließt breit und ruhig gemäß seines inneren Gesetzes. Intellektuelle Phantasien und Wünschbarkeiten einzelner Menschen oder Gruppen ändern daran nichts. Er mündet ein in die Ewigkeit des unendlichen kosmischen Meeres und seine gestaltende Wirksamkeit nimmt wieder seinen Anfang.


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