DIE RELIGIÖSE UND PHILOSOPHISCHE LAGE DEUTSCHLANDS

In welcher Verfassung befinden sich die europäischen Völker? Wie einleitend mit dem Aphorismus Nietzsches zum Ausdruck gebracht wird, daß die Heraufkunft des Nihilismus für Europa unaufhaltsam ist, - "ein Strom der ans Ende will" - so sieht auch die Wirklichkeit im Bereich der Religion, Politik und Kultur aus. Diese wichtigsten Institutionen menschlichen Zusammenlebens befinden sich im Zustand der Auflösung. Die sie ausrichtenden und belebenden Wertgrundlagen, welche letztendlich der Sinngebung des Lebens dienen, sind durch die vorher aufgezeigte wissenschaftliche und geistige Erkenntnissummierung verändert, beziehungsweise aufgehoben worden. Die Folge ist eine Kirche, der man fast nur mehr aus traditionellen Beweggründen angehört, ohne ihre Gebots- und Lehrinhalte für das praktische Leben anzuwenden.

Die Politik erschöpft sich in der Befriedigung tagesmaterialistischer Forderungen des Einzelnen oder der Interessensgruppen. Den Politiker als Leit- und Vorbild gibt es nicht mehr! Er selbst ist nur mehr Nutznießer der legislativen und exekutiven Macht, indem er diese für eigene materielle Interessen nützt. Die Vertreter und hintergründigen Beherrscher der Massenmedien dirigieren ihn in die Ecke, in welcher seine Dienstbarkeit auf Kosten des Volkes genutzt werden kann.

Traditionswerte und Autoritäten wurden mehr oder weniger abgeschafft: Volk und Gemeinschaft haben in einer sogenannten offenen Gesellschaft keinen Stellenwert mehr; der Bauer wurde zum Produzenten degradiert; der Soldat zum notwendigen Übel; der Lehrer zum Vermittler abstrakten Wissens; die Familie als Einrichtung einer geordneten Fortpflanzung in Frage gestellt.

Der Nihilismus hat seinen Höhepunkt in der gegenwärtigen sogenannten abstrakten Kunst erreicht. Es gibt keinen souveränen Stil mit thematischer Größe und Dramatik mehr. Die Bezeichnung "Fäkalienkunst" ist der letzte Bewertungsausdruck für den Gesamtzustand dieser Zeit und damit ihr Spiegelbild.

Es ist aber auch notwendig hinzuzufügen, daß ihre AÄkteure in der letzten Konsequenz die Opfer einer evolutionären und revolutionären geistig-seelischen Entwick, 11 lungsphase sind. Die eigentlichen Vollstrecker des endgültigen Zusammenbruchs verrichten ihr Vernichtungswerk Mit einer gewissen Naivität des Unwissenden. Es gibt unter ihnen so kuriose Erscheinungen, die im Glauben, damit eine bessere, sozial gerechtere Welt zu schaffen, dem Teufel der Zersetzung unschuldig dienen. Es gibt in diesem Zusammenhang nur einen Trost: Auch das Unglück hat einen tiefen Sinn, denn es erschüttert und erzwingt Reaktionen, die eine Erneuerung im lebenserhaltenden Sinne herbeiführen können.

Wenn die offizielle Philosophie Deutschlands, nämlich die an den Universitäten gelehrte, seit Jahrzehnten keine grundlegenden Aussagen und Stellungnahmen zum "Geist der Zeit" formulieren kann, dann bedeutet dies das Ende der Möglichkeit einer schöpferischen Erneuerung wertorientierter Aussagen. Analysen von Zuständen sind nur ein Teil der Geisteswissenschaft. Erst richtungsweisende Erkenntnisse und Aussagen für die Zukunft beweisen ihre erneuernde und schöpferische Wirkung auf das gesamte Leben eines Volkes und darüber hinaus der Menschheit.

So gibt ein Bericht der Wochenzeitschrift "Spiegel" Nummer 29/1993 mit der Überschrift "Die Denker danken ab" eine Lagebeurteilung, wie es im Inneren der Philosophiezunft aussieht. Bildhaft stellt er fest: "Durch die geschlossenen Fenster dröhnt Straßenlärm. Die tiefgehängte Zwischendecke schafft Bunkeratmosphäre. Tisch und Regale verströmen die Heimeligkeit eines Einwohnermeldeamtes. 'Sie müssen entschuldigen' , beginnt Stefan Mahetschak, 33, Philosophie Assistent an der Uni Bonn, wenn er Gästen seinen Arbeitsplatz zeigt. Kühne Konzepte fallen hier, im häßlichsten Trakt des Schlosses, wohl niemandem ein. Desto eher ist der Ort ein Sinnbild für die freudlose Lage der deutschen Philosophie. Entmutigt von einem Berg ererbter Theorien, bedrängt durch den Expansionseifer der Nachbarfächer und taumelnd im anschwellenden Mediengetöse, scheint der Denker nicht mehr Herr im eigenen Haus.

Immer häufiger wirken deutsche Philosophen, sobald es um aktuelle Probleme geht, perspektivlos, festgefahren und unfähig, Orientierung zu vermitteln. Beiträge eilig herbeigerufener Professoren zu aktuellen Fragen wie Umweltzerstörung, Abtreibung, Gentechnik oder neue Nationalismen verhallen nahezu im Bildschirm- und Pressegestöber.… Nüchtern resümiert Stefan Majetschak, redaktionell verantwortlich für die angesehene 'Zeitschrift für Philosophie': 'Aus den letzten 20 Jahren kenne ich keine Diskussion, die nicht auf 20 Seiten zusammenfaßbar wäre'… "Gefährlicher als solche Übergangsprobleme aber ist die zunehmende Nabelschau und Debattierträgheit deutscher Denker. So nahm auf einem philosophischen 'Meisterkurs' zum Thema 'Zeit' der jüngst in Barnberg stattfand, kein Teilnehmer daran Anstoß, daß am ersten Tag zwei Naturwissenschafter, der Chemiker Ilya Prigogine und der Biologe Humberto Maturana, die Diskussion beherrschten."

Wie sieht es in Deutschlands religiöser Landschaft aus? Ausführliche Umfrageergebnisse liegen vor, die beweisen, daß sich die christlichen Traditionskirchen in einer schweren Krise befinden. Der "Spiegel" brachte in seiner Ausgabe Nummer 25/1992 sehr interessante Informationen über den Glaubensstand des deutschen Volkes. Nachstehende Auszüge beweisen die weitverbreitete Skepsis gegenüber offiziellen Lehren der Kirchen.

Zum Beispiel in der ehemaligen DDR mit 16 Millionen Einwohnern bekennen sich lediglich 800.000 zur katholischen und 5 Millionen zur protestantischen Kirche; 10 Millionen erklären sich als konfessionslos. Diese hohe Zahl kirchenfreier Staatsbürger stellt seit "Karl dem Großen" ein noch nie gekanntes Ausmaß eines religiösen Vakuums dar. Die etwa gleichgroße Zahl nicht kirchlich gebundener Menschen lebt in den sogenannten alten Bundesländern. Somit haben ungefähr 20 Millionen Deutsche den Kirchenaustritt vollzogen; weitere 18 Prozent erwägen denselben. An den traditionell dargestellten Gott glauben nur mehr 50 Prozent.

Wörtlich schreibt der "Spiegel" in der schon angeführten Ausgabe: "An den Gottessohn Jesus glauben im Osten nur 17 Prozent. Weil dort weniger Bundesbürger leben als im Westen, addieren sich diese 17 Prozent Ost und 29 Prozent West zu gesamtdeutschen 26 Prozent. Und diese Zahl sagt aus, wie wenige Christen es dem Glauben nach im vereinten Deutschland gibt: Nur noch jeder Vierte zählt zu dieser Minderheit.

Wahr geworden ist ein Prophetisches Wort des 1984 verstorbenen katholischen Theologen Karl Rahner vom künftigen Deutschland als einem heidnischen Land mit christlicher Vergangenheit christlichen Restbeständen .…

Die meisten Deutschen sind zu neuen Heiden geworden, ohne dem verlorengegangenen Glauben nachzutrauern. Und von den Kirchen haben sie sich ohne Schmerz und Zorn verabschiedet. Nicht Empörung, sondern Gleichgültigkeit hat die Kirchen um ihre Gefolgschaft gebracht . Sie sind aus dem Leben des typischen Deutschen verschwunden wie eine alte Tante, mit der es den einen oder anderen Kontakt gab und die eines Tages ausblieb, ohne daß es noch sonderlich auffiel. Viele Bücher und Aufsätze werden geschrieben, um die Gründe für diese schleichende Entchristianisierung zu erforschen.

Einig sind sich die meisten Autoren, daß diese Entwicklung schlicht einem Trend der Zeit entspricht - und deshalb nicht aufzuhalten ist. Was nach der Aufklärung ein Problem für wenige war, ist ein Problem für viele geworden: Glauben und Vernunft in Übereinstimmung zu bringen."

Diese religiöse und konfessionelle Stimmungslage gibt endgültig darüber Aufschluß, daß sich nicht nur in sogenannten philosophisch denkenden Kreisen ein Glaubenszweifel breitgemacht hat, sondern derselbe in die breite Masse des Volkes eingedrungen ist. Dieser Auflösungsprozeß althergebrachter religiöser Vorstellungen und Gefühle geht weiter und endet sicher im Bedürfnis, neue religiöse Wertvorstellungen annehmen zu ,wollen. Diese werden auch nicht mehr auf die erfundenen Jenseitsphantasien, die aus dem "Nichtwissen" abgeleitet wurden, aufbauen. Damit entsteht eine neue Religiosität auf der Basis diesseitiger Wirklichkeit, in Verbindung mit einem hohen sozial-ethischen Anspr-uch, der dann alle Lebensbereiche durchdringen wird.

Mit Beginn des neuen Jahrtausends können die Keime einer zukünftigen Weltordnung ihre ersten Triebe zeigen. Sie werden sich gemäß der erkannten Lebensgesetze zu einer "Religion des Lebens" entfalten und die Veredelung, wie Erhöhung des Volks- und Menschentums bewirken. So übernimmt der Mensch die volle Verantwortung ohne Anlehnungsmöglichkeit an ein göttliches Wesen für sich und die Welt. Der bis jetzt in den Kosmos projezierte Gott als Zuflucht, Tröster und

Erzeuger aller Formen des Lebens wird heimgeholt auf diese Erde, um die Harmonie zwischen Herz und Vernunft zu verwirklichen.

ZEHN THESEN BIOLOGISCHER WELTANSCHAUUNG

1. Das ewige Gesetz der Materie und Energie als Raum und Zeit ist die All-Einheit des Lebens, es ist göttliche Wirklichkeit. Sie ist das Ganze und mehr als die Summe ihrer Teile.

2. Der Kosmos ist bewegende Energie; aus ihm entwickeln sich Galaxien, Sonnen und Planeten. Seinem unabänderlichen Gesetz entstammt auch die Erde. Er strömt in die ewige Zukunft und schafft unendlich viele Einheiten.

3 Der Wasserstoff ist die Grundlage allen Seins. Aus ihm entfalten sich Protoplasma-Urzelle-Pflanze-Tier und Mensch. Der Zeitpunkt ihrer Herausbildung ist eins mit dem zum Körper verfestigten Kraftfeld und entspricht, dem überlieferten dreitausend Jahre alten Wedaspruch:

Das Göttliche schläft im Stein,
atmet in der Pflanze,
träumt im Tier
und erwacht im Menschen.

Es gibt keine Gegensätze, sondern nur Steigerungsstufen der Entwicklungsschichten im Raum und seiner Zeit.

4. Alles ist Leben; es gibt keinen Tod. Der Generationswechsel ist die Voraussetzung für ein ständiges Erneuern und Anpassen des Lebens an die veränderten Umstände. Diese ewige Wiederkunft ist die wirkliche Auferstehung des Einzelwesens. Alles was jemals geschieht, wird sich ewig wiederholen. Also verhalte sich jeder so, daß er sich zu seiner Tat bekennen kann. Nur wer sich dem Gesetz des Lebens einordnet, ist wirklich frei.

5. Der Mensch ist die einzige Lebensform, die Selbst- und Umweltbewußtsein besitzt. Die Eigenschaften des Stoffes und der Kraft entwickeln seine Sinnesorgane. Sie sind die Voraussetzung der zum Geist führenden Kategorien: Empfinden, Wahrnehmen, Erkennen, Denken und ermöglichen erst Logik und Vernunft als Mittel der Anpassung an die von Sekunde zu Sekunde veränderten Lebenszustände des Weltalls und seiner Erde.

6. Entwicklungsabschnitte des Lebens werden im Sinne der Selbst- und Arterhaltung bis zur Erbfähigkeit erprobt und biologisch verwirklicht. Das Entstehen des Geistmenschen offenbart den Ordnungs- und Reifestand unseres Planeten; der Mensch ist geballtes Naturgesetz.

7. Das Raumgesetz der Kontinente entwickelt besondere Arten von Pflanzen, Tieren und Menschen. Es prägt die genetische Substanz der Großrassen. Jahrhunderttausende bildeten den weißen, gelben, roten und schwarzen Typus, dessen jeweiliges Wesen, Gestalten und Ordnen biologisch bedingt ist. Jede rassische Vermischung bedeutet eine Zerstörung des organisch entwickelten Erbgutes, das eine Summe stetiger Anpassungsprozesse an die Lebensbedingungen des Raumes darstellt. Jede Rasse ist eine wunderbare Erscheinung im eigenen Ursprungsraum und ist aus evolutionärer Sicht gleichwertig. Ihr Kulturgefühl und Verhalten ist aber im Verhältnis zu anderen Rassen grundverschieden. Die Kinder einer Mischehe zwischen Großrassen sind daher seelisch, geistig und körperlich gespalten und insgesamt betrachtet unharmonisch.

8. Die Völker innerhalb der Großrassen sind das Ergebnis einer langen Entwicklung. Familie, Sippe, Stamm und Volk sind genetisch fein abgestimmte Erbgemeinschaften, die eine Einheit von Natur, Kultur und Geschichte darstellen. Das Volk ist die größte Gemeinschaft erblich verwandter Menschen; es schafft sich den ordnenden Staat. Jede Sozialordnung muß diese Wirklichkeit mit geistiger Höherentwicklung verbinden können.

9. Das menschliche Einzelwesen ist das höchste 1 Ergebnis einer vier Milliarden Jahre dauernden Lebensentwicklung. Es ist naturhaft egoistisch. Fortpflanzungs-, Macht- und Besitztrieb bestimmen an erster Stelle sein Verhalten. Der Mensch muß im Sozialbund leben, weil er, auf sich allein gestellt, zugrunde geht. Das "Ich" in eine Volks- und Staatsgemeinschaft einzufügen ist daher die wichtigste Aufgabe der Politik. Das geschriebene Gesetz ist ein Mittel, den notwendigen Trieb zur Selbsterhaltung zu begrenzen. Der politische Führer muß das Maß zwischen persönlichem Freiraum und volksbezogener Gesellschaftsordnung setzen. Der natürliche Macht- und Freiheitsdrang des Einzelnen wird durch den gleichen Willen des Nächsten begrenzt. Jenes System ist das beste, welches je nach Lebenslage des Volkes die schöpferische Leistungsfähigkeit des Einzelnen zur Entfaltung bringt und damit für die Gemeinschaft Werte schafft.

10. Mensch und Rasse, Volk, Stamm, Sippe und Familie sind naturgegebene Wirklichkeit. Ihre Erscheinung ist kein Zufall, sondern aus dem ewigen Gesetz des kosmischen Lebens entwickelt und geboren. Die Urzelle auf Erden und die Keimzelle im Mutterleib sind eines Ursprungs. Heiligster Akt sind Lebenszeugung und Geburt; seine ethische und ästhetische Würdigung im menschlichen Dasein ist sittliches Gebot. Schutz und Förderung der Familie als Voraussetzung der eigenen Unsterblichkeit und der des Volkes muß oberste Leitlinie von Politik, Kultur und Religion sein. Sie sind Mittel für das Ausleseprinzip der Höherentwicklung des Menschen im Rahmen der Volksgemeinschaft; denn nur die Vervollkommnung des Menschen bewirkt seine Erhaltung. Für die Selbsterhaltung des Einzelwesens und die seiner organisch gewachsenen Gemeinschaft ist daher entscheidend, wie mächtig sich dieser Entwicklungsdrang entfaltet.


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