VOM UNIVERSUM ZUM LEBEN AUF DER ERDE

Der Nobelpreisträger und Direktor eines der Max-Planck-Institute Professor Eigen hat vor einigen Jahren im Anwesenheit von Naturwissenschaftern seine sogenannte "Weltformel" vorgetragen und diese mathematisch und physikalisch untermauert. Seine wesentliche Aussage gipfelte darin, daß unabänderliche Naturgesetze alle Seinsformen im Universum wie auf der Erde bedingen. Es bedarf keines personifizierten Geist-Gottes, der bewußt unzählige Erscheinungen wie Galaxien, Sonnensysteme, Planeten und das Leben auf der Erde vom Einzeller bis Zum Menschen erschafft. Er nennt diesen Prozeß: Die Selbstorganisation der Materie. Professor Eigen bringt so eindeutig zum Ausdruck, daß die in der Materie vorhandene Energie die stetige Triebkraft zur Formgebung bedeutet. Damit steht der denkende Mensch vor der Entscheidung, welcher These er den größten Wirklichkeits- und damit Wahrheitsgehalt zuschreibt: Der Schöpfungslehre, nach der ein personifizierter Gott das All, die Erde, den Menschen "handwerklich" erzeugte und ihn unabänderlich formal und statisch für immer so bestehen läßt oder der Evolutionslehre, welche besagt, daß gemäß der naturwissenschaftlichen 'Erkenntnisse alle Seinsformen aus dem inneren Zustand der Materie und Energie im Raum und seiner Zeit entstehen. Sie passen sich den ununterbrochenen, kosmischen und irdischen Veränderungen - alles fließt - an, um zu überleben. Die höchste denkbare Formel kann daher nur lauten: Materie + Energie = Raum + Zeit im Rahmen unabänderlicher, ewiger Naturgesetze.

Das bedeutet: Materie = Raum, Energie = Zeit; ihre Verbindungen ergeben Inhalt, Form, Wirkung und die in einem bestimmten Raum mögliche Macht. Nur diese kann als bestimmende Kraft das nie stillstehende, entwicklungsfähige Sein einer Galaxie, eines Sonnensystems und dessen Planeten bestimmen.

Macht bedeutet in diesem Zusammenhang, daß die eine Seinsform mehr Kraft beinhaltet, weshalb sie sich gegenüber der angrenzenden als Erscheinung behaupten kann, beziehungsweise dieselbe anzieht und "einverleibt". Zum Beispiel: das Gravitationsverhältnis zwischen Sonne und Erde resultiert aus der Energiemasse beider kosmischer Körper. Die große Masse der Sonne zieht die kleinere des Planeten Erde an. Letztere läßt es nur bis zu einem bestimmten Punkt zu, so daß daraus der Abstand zwischen Sonne und Erde entsteht. Aus diesem Energieverhältnis beider Himmelskörper ergibt sich bis zum Millimeter genau die Elipsenbewegung der Erde um die Sonne und damit bis zur Sekunde das Zeitmaß für ein Jahr. Der gleiche Vorgang vollzieht sich zwischen Erde und Mond, so daß auch die Entfernung zwischen beiden innerhalb des Kraftfeldes fixiert ist und den Monat entstehen läßt. Die Umdrehung der Erde um die eigene Achse bestimmt den Tag. Daher sind alle Bewegungen innerhalb des Sonnensystems aus den Kraftrelationen zu erklären, so daß es sich wie von selbst ergibt, daß die Energie das Zeitmaß bestimmt. Den gleichen Schluß, wie er zwischen Energie und Zeit zu ziehen ist, läßt auch das Verhältnis Materie - Raum zu. Die Kubatur einer Form, einerlei ob Sonnensystem oder Amöbe, setzt sich aus jenen Materieelementen zusammen, die nach dem Gesetz verbindbar sind. Als vor vier Milliarden Jahren das erste geformte Lebewesen als Einzeller (Urzelle) auf dem Planeten Erde entstand, ist zeiträumlich auf dieser durch die Abkühlung (Wasserstoff) jener Aggregatzustand eingetreten, der eine organische Höherentwicklung durch die homologische Abstimmung der Materie ermöglichte. Für diesen Urzustand des Lebens ist der Grundsatz von Aristoteles "das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" anwendbar. Ja, er ist die Erklärung dafür, wie aus einem noch nicht organischen Materiezustand ein zum Leben erhobener Organismus seinen Anfang nimmt. Dieser große Prozeß ist vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen Protoplasma und Zellkern. Ohne der chemischen Zusammensetzung des Protoplasma wie: Wasser, Proteine, Fette, Phosphate, Stickstoffverbindungen, Nucleinsäuren, Kohlehydrate, Salze, Spurenelemente, käme es zu keiner Zellkernentwicklung und -teilung las Voraussetzung der Körperbildung.

Die Frage drängt sich nun auf, wo die Unterscheidung zwischen Materie und Leben augenscheinlich wird. Gib es eine Trennungslinie oder nur flüssige Übergänge von einer unteren stofflichen Stufe zur nächsthöheren organischen?

Vorerst muß festgestellt werden, daß das Gegensatzdenken, entstanden aus dem mehr als zweitausend Jahre bestehenden dualistischen Weltbild: Gott-Teufel, Himmel-Hölle, Geist-Körper, Wille-Trieb, Gut-Böse, Idealismus-Materialismus, Mensch-Tier und so fort im psychischen Bereich des Menschen noch stark eingeprägt ist. Dieser Gefühlszustand ist der ärgste Widersacher des mittlerweile durch die Naturwissenschaft sicher untermauerten ganzheitlichen Weltbildes. Das Wissen stieß weit in den Makro- und Mikrokosmos vor, ohne im gleichen Tempo das Wertempfinden dem neuen Wissensstand anzugleichen. Der Verstand bejaht die Evolution, das Gefühl bremst noch die Begriffskonsequenz: nämlich das Gegensatzdenken aufzuheben.

Wenn Goethe erklärt, daß der größte Feind einer neuen Wahrheit der alte Irrtum ist, dann gilt dies besonders für die Behauptung, daß die Materie tot sei. Solange die mittelalterliche Schöpfungslehre - Gott erschuf die Erde - ihre Glaubensgültigkeit hatte, ist es folgerichtig, daß erst durch den "Lebenshauch Gottes" die "Lehmform" lebendig wurde. Aber mit der endgültigen Erkenntnis, daß die Entwicklungslehre eine unumstößliche Wissenschaft bedeutet, also das Sein in Raum und Zeit einer innergesetzlichen Kausalität der Materie und Energie entspringt, dann gibt es keine "tote Materie". Aus etwas erstarrtem Toten kann sich kein Leben entfalten. Da muß schon die Materie und die in ihr vorhandene Energie alle Lebensformen beinhalten, die es in kosmischen und irdischen vielfältigsten Dimensionen gibt.

Das ewig gültige Naturgesetz ist die Materie selbst und damit ist sie die Grundlage des gesamten Lebens. Sie ist daher der Anfang und das Ende aller Seinsformen-, dieselben sind immer zeitbedingt relativiert. Die logische Folgerung daraus: ALLES IST LEBEN!

Damit ist das Gegensatzdenken aufgehoben und muß übergeleitet werden in das Entwicklungsschema der Schichtenbildung. Die Materie ist die Grundlage und damit die erste Schicht aller folgenden, die aus der dynamisch wirkenden Energie in eine immer höhere Organisationsform übergeht. Die Schichten bleiben aber untereinander korrelativ verbunden und beeinflussen sich von "unten" nach "oben" und von "oben" nach "unten". Dieser Prozeß vollzieht sich von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der Energie-Lehrsatz von der konstanten Energie-Menge im Weltall bedeutet nichts anderes, als daß es keinen Anfang und kein Ende der Energie und damit der Materie gibt. Somit ist die vorher genannte höchstdimensionierte Formel:

Materie + Energie = Raum + Zeit

der Ausgangspunkt aller nachfolgenden Thesen und Feststellungen. Daraus ist auch die logische Folgerung ableitbar, daß es innerhalb der ewig existenten Materie und Energie keine Begrenzung des Raumes und der Zeit gibt, wohl aber eine solche der Formen und Erscheinungen. Die evolutionsbedingten 98 chemischen Elemente stellen dem Grunde nach die äußerste Kombinationsfolge zur Körperbildung dar - also ist diese begrenzt - und muß, in Jahreszahlen nicht ausdrückbaren kosmischen Entwicklungsabschnitten, zum Anfang der ewigen Wiederholung körperlicher Neubildung führen. Diese vollzieht sich nach unabänderlichen Gesetzen, daher sind die Voraussetzungen f ü r eine unendliche Entstehungsmöglichkeit schon dagewesener Lagen gegeben.

FRIEDRICH NIETZSCHE hat diesen Gedanken intuitiv als die "Ewige Wiederkunft" bezeichnet. Auf der Halbinsel Charté am Silsersee, unweit von Surlei, wo heute auf einem aufgetürmten Steinblock die Erinnerungstafel angebracht ist: "Da kam mir dieser Gedanke …" überfiel ihn die Idee von der "ewigen Wiederkunft".

Der Denker Nietzsche schloß laut "Nietzsches Werke" Band 1, Berglandbuch-Verlag, Herausgeber Gerhard Stenzel: "Das Maß der All-Kraft ist ein bestimmtes, nichts Unendliches. Unendlich ist eine Ausschweifung des Begriffes. Die Zahl der Lagen, Veränderungen, Kombinationen und Entwicklungen der All-Kraft ist zwar ungeheuer groß und praktisch unermeßlich, aber jedenfalls auch bestimmt und nicht unendlich. Die Zeit, in der das All seine Kraft übt, ist unendlich, das heißt, die Kraft ist ewig gleich und ewig tätig - bis zu diesem Augenblick ist schon eine Unendlichkeit abgelaufen, das heißt alle möglichen Entwicklungen müssen schon dagewesen sein. Zusammengefaßt: unendlich neue Veränderungen und Lagen einer bestimmten Kraft ist ein Widerspruch. Also wäre zu schließen: 1. Entweder sie ist erst von einem bestimmten Zeitpunkt an tätig und wird ebenso einmal aufhören, - aber Anfang des Tätigseins ist absurd-, wäre sie im,Gleichgewicht, so wäre sie es ewig! 2. Oder es gibt nicht unendlich neue Veränderungen, sondern ein Kreislauf von bestimmter Zahl derselben spielt sich wieder und wieder ab: Tätigkeit ist ewig, die Zahl der Produkte und Kraftlagen endlich. Das Leben, alles Gesetzmäßige und Rhythmus, Lauf und Ablauf weist darauf, daß sich alles wiederholt, schon dagewesen ist und immer wiederkommt: das Naturgesetz wie der Traum, der Sternenlauf wie die Menschheitsgeschichte, Jahreszeiten wie der Wechsel der Jahressiebente, das Wachsen der Pflanzen und Tiere wie Ebbe und Flut. Alles ist Wiederkehr. Doch läuft solche Anschauung einer Offenbarungsreligion zuwider, Gott-Vater spielt hier eine andere Rolle. Soweit der Philosoph. Nach ihm spricht der Verkünder Nietzsche: Mensch! Dein ganzes Leben wird wie eine Sanduhr immer wieder umgedreht werden und immer wieder auslaufen; - eine große Minute Zeit dazwischen, bis alle Bedingungen, aus denen Du geworden bist, im Kreislaufe der Welt wieder zusammenkommen. Und dann findest Du jeden Schmerz und jede Lust und jeden Freund und jede Hoffnung und jeden Irrtum und jeden Grashalm und jeden Sonnenblick wieder, den ganzen Zusammenhang aller Dinge. Dieser Ring, in dem Du ein Korn bist, glänzt immer wieder." Soweit die Ausführungen Friedrich Nietzsches zu seiner Vision der ewigen Wiederkunft.

Diese bis jetzt noch nie angewendeten Maßstäbe eines Philosophen überragen alle Zukunftsperspektiven, welche die gesamte Menschheit betreffen. Sie bedeuten die Einleitung der "Umwertung der Werte", das Ja zum ernstesten und einfachsten Gedanken: Werden - Vergehen -Werden - Vergehen - Werden - Vergehen - Werden bis zum Ausgangspunkt eines schon dagewesenen und immer wiederkehrenden Erdplaneten und dem menschlichen Ich-Bewußtsein.

Durch eine solche Darlegung ewiger Formwiederholung im Kosmos, die heute auf Grund der Erkenntnisse bis zum irdischen Evolutionsprozeß reichen, ist es möglich geworden, dem "ewigen Leben" eine neue Perspektive zu eröffnen. Die Begründbarkeit dieser irdisch-überirdischen Hoffnung ist heute durch den Fortschritt der Wissenschaft viel stärker als je zuvor. Als Friedrich Nietzsche im Jahre 1881 von diesem Gedanken der ewigen Wiederkunft förmlich überfallen wurde, war der Erkenntnisausgangspunkt noch sehr gering. Der alten Sehnsucht des Menschen, nach seinem individuellen Tod doch wieder eine persönliche Auferstehung zu erleben, kann mit dieser real-philosophischen Ansicht in den metaphysischen Bereich hinein weitgehend entsprochen werden. Die Konfessionen haben mit diesem Hoffnungsdrang einen starken Einfluß und Eindruck auf die Menschen erreicht. Die ewige Wiederkunft bedeutet eine "Himmelsvision" auf moderner naturwissenschaftlicher Basis.

(Dieser Gedanke hat aber mit der sogenannten Reinkarnation nichts zu tun, denn sie bedeutet ja eine sogenannte "Wiederverfleischung", indem die im Tod vom Körper abgeschiedene Seele in einen neuen Körper eindringt.)

In der Zusammenfassung verschiedener wissenschaftlicher Lehrsätze - zum Beispiel jener von der Konstanz der Energiemenge im Weltall - und die logische Folgerung daraus, soll dieses Kapitel abgeschlossen werden. Materie ,und Energie sind eine Einheit und ihre Masse bleibt ohne zeitlichen Anfang und Ende. Die Lagen verändern sich im Raum und ihre Formen sind durch eine bestimmte Zahl mischfähiger chemischer Elemente begrenzt. Der kausale Zusammenhang von ewig gültigen Lebensgesetzen ergibt den logischen Schluß, daß Materie und Energie die erste und letzte Stufe des sich entwickelnden Lebens sind: Alles ist Leben!

Am Beispiel Wasserstoff (chemisches Zeichen H) ist diese Feststellung einfach zu demonstrieren: seine Verbindung mit Sauerstoff (chemisches Zeichen O) ergibt das flüssige Molekül Wasser, welches sich von den gasförmigen Elementen H und 0 ausgehend so verdichtet, daß es mit zwei Atomen Wasserstoff und einem Atom Sauerstoff (H2O), je nach Menge, kraftvoll fließt. Mit dem Wasserstoff alleine gäbe es kein Leben, aber mit der Verbindung Sauerstoff wird es nach dem Lehrsatz, daß "das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile", zum Ausgangspunkt des gesamten Lebens auf dieser Erde.

MENSCHWERDUNG IN DER EVOLUTION

Die offiziellen Vertreter der christlichen Konfessionen haben immer wieder die Wissenschaft von der Evolution mit der abwertenden Phrase: sie ist ein glatter Materialismus und bedeutet die Sinnentleerung des menschlichen Daseins, angegriffen. Diesen sei einmal klar und deutlich gesagt, daß sie mit der "Biblischen Schöpfungsgeschichte" im totalen Widerspruch zur naturwissenschaftlichen Wirklichkeit stehen. Es ist unfaßbar, daß akademisch, wie allgemein gebildete Menschen im 20. Jahrhundert eine solcherart formulierte Schöpfungslehre vertreten können, ohne sich als grimmige Märchenerzähler zu empfinden. In dem Buch mit dem Titel "Evolution und Bibel", verfaßt aus Vorträgen von den beiden Jesuiten Prof. Dr. Herbert Haag, Prof. Dr. Adolf Haas und Dr. Johannes Hürzeler, Ehrendozent an der Universität Basel, wird der, man muß es so sagen, simple Versuch unternommen, die Schöpfungs- und Entwicklungslehre auf einen Nenner zu bringen. Die Kirchenlehrer haben noch vor einigen Jahrzehnten den Begriff der Evolution im Hinblick auf die Menschwerdung mit all den ihnen zur Verfügung stehenden Verdammungsbegriffen "verteufelt". Unabhängig davon hat die Naturwissenschaft eine Erkenntnis nach der anderen auf den Lehrkatheder der Universitäten gelegt, so daß sie aus der spekulativen Wissenschaftszone in die beweisführende vorrückte. Dieser Prozeß war und ist unaufhaltsam und er zwang die geistigen Vertreter der christlichen Konfessionen zumindest eine Kompromißformel zu finden, mit der ein Welterschaffer wie Jahwe, Gott, in die Epoche der beweisführenden Naturwissenschaft herübergerettet werden kann. Und so kam es zum Versuch, Feuer und Wasser, Tag und Nacht zu mischen: der Schöpfergott will die Entwicklung! Das absolute, unveränderbare Himmel - Erde - Pflanze - Tier und Menschsein wurde auf einmal den "Göttlichen Worten", welche in sechs Tagen die Erde erschufen, entzogen und hatte dann logisch gefolgert nur mehr ein Wort gesprochen: "entwickelt euch" !

Um die ganze Tragweite dieser Veränderung der absoluten Kirchenlehre zu erfassen, ist es wichtig, einige Abschnitte aus der "Biblischen Schöpfungsgeschichte", so wie sie den angehenden Theologen gelehrt wird, wortwörtlich wiederzugeben: "(4b) Als Jahwe, Gott, Erde und Himmel schuf, (3) da gab es auf der Erde noch kein Gesträuch der Flur, und es sproßte noch kein Kraut des Feldes; denn Jahwe, Gott, hatte zur Erde noch nicht regnen lassen; auch war noch kein Mensch, den Ackerboden zu bebauen. (6) Da stieg aus der Erde eine Wasserflut empor und tränkte den ganzen Boden der Erde. (7) Hierauf formte Jahwe, Gott, den Menschen aus Staub vom Ackerboden und blies ihm den Lebensodem in die Nase, und der Mensch ward zum lebenden Wesen. (8) Dann pflanzte Jahwe, Gott, einen Garten in Eden im Osten, dorthin setzte ER den Menschen, den ER geformt hatte. … (15) Also nahm Jahwe, Gott, den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und betreue. …(21) Da lies Jahwe, Gott, einen tiefen Schlaf über den Menschen kommen; und als der eingeschlafen war, entnahm ER seine Rippen und füllte ihre Stelle aus mit Fleisch. (22) Dann baute Jahwe, Gott, die Rippe, die ER vom Menschen genommen zu einem Weibe und führte es zum Menschen. (23) Da sprach der Mensch: "Diese jetzt ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleische. Diese soll drum Männin heißen, weil die vom Mann genommen ist."

Jetzt folgt in der "Biblischen Schöpfungsgeschichte" jene Szene, wo die Schlange Eva überredet, den Apfel von einem Baum zu pflücken, der nur Jahwe, Gott, vorbehalten war. Adam wie Eva aßen davon und wurden zur Strafe aus dem Paradies verjagt. Jahwe, Gott, spricht nun laut "Biblischer Schöpfungsgeschichte" die folgenden Strafworte: "(16) Zum Weibe aber sprach ER: "Gar viele Mühsal lege ICH bei deiner Mutterschaft dir auf. In Schmerzen bringe Kinder du zur Welt! Und doch zieht's dich zu deinem Manne hin, er aber herrsche über dich!"

(17) Zum Menschen aber sprach ER: "Weil du gehört hast auf die Stimme deines Weibes und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ICH dir verboten hatte: so sei verflucht der Ackerboden deinetwegen! In Mühsal ~ 1, ;' , sollst du nähren dich von ihm dein Leben lang!

(18) Und Dorn und Distel sprosse er dir und doch mußt du das Kraut des Feldes essen!

(19) Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verzehren, bis du zur Erde wiederkehrst, wie du von ihr genommen bist. Denn Staub bist du und sollst zum Staube wiederkehren!"

Ein größerer Widerspruch zwischen geistes- und naturwissenschaftlicher Aussage bezüglich der Entstehung des Menschen ist nicht mehr vorstellbar. Nun ist die naive Darstellung, bedingt durch die Phantasiewelt orientalischer Menschen, zu tolerieren. Wenn aber zum Beispiel im Jahre 1952 das Erzbischöfliche Ordinariat in Wien dieses Lehrbuch "Die heilige Schrift des Alten Bundes" mit der notwendigen Druckerlaubnis versieht und dasselbe die Überschrift aufweist: "1. Buch Mosis, auch Genesis, das heißt Entstehung, genannt, weil es die Entstehung der Welt, des Menschengeschlechtes und des auserwählten Volkes schildert", dann ist ein solches christliches Grundsatzwerk mit einem anderen Maßstab zu messen, als wenn die Offenbarung Mosis vom Stamm Levi auf dem Berge Sinai vor 3200 Jahren mit vielen Ausschmückungen von den Juden selbst erzählt wird. (Grundsätzlich hat sich dieser Übertreibungsdrang bis zur Gegenwart erhalten, einerlei um welches Thema es sich handelt.) Die Genesis des Menschen hat sich ganz bestimmt durch keinen Schöpfungsakt, der am 6. und letzten Tag gemäß der "Biblischen Schöpfungsgeschichte" mit dem Wort Gottes eingeleitet worden sein soll: "Und Gott sprach: "Machen wir Menschen ergeben. Der Mensch ist nicht "gemacht" worden, sondern er hat sich innerhalb von vier Milliarden Jahren entwickelt und zwar von der untersten Lebensstufe zur nächsthöheren; und in den hunderttausend Genen, der Keimzelle die seine heutige Erscheinung bedingen, sind alle Entwicklungsstadien enthalten.

Was ihn dann zum Menschen werden ließ, war die Bewußtseinsbildung, welche besonders ab der Altsteinzeit (vor 580.000 Jahren) ihre Ausprägung bekam. Die Voraussetzung für dieselbe ist das Gehirnorgan, welches sich über Jahrmillionen biologisch entwickelte. Die geistige assoziative Tätigkeit ist erst durch die Einspeicherung unzähliger Lebensvorgänge und Umgebungsbeobachtun

gen in die Neuronen des Verstandeshirnes möglich geworden. Imanuel Kant hatte im Rahmen der Kategorienlehre die Auffassung vertreten, daß die Sinnesorgane die Informationen aus der Umgebung des Menschen über das Nervensystem in die Gehirnzentrale melden, aber dann bedürfe es des "Geistes an sich", der diese Informationen ordnet, zusammenfaßt und zum Bewußtsein bringt. Ohne diesen "a priori Geist" gäbe es keine Materie und alle ihre Formen wären nicht existent, da sie nicht feststellbar wären.

Kant konnte in seiner Lebenszeit noch nicht wissen, wie im Inneren des Gehirns der Denkprozeß abläuft, weil die elektronenmikroskopische Einblicknahme in das Großhirn erst 200 Jahre später möglich geworden ist. Heute hat die Forschung alle Denkabläufe im mikrobiologischen Bereich innerhalb der grauen Gehirnsubstanz optisch erfaßt und meßbar gemacht. In den 14 Milliarden Gehirnzellen (Neuronen) sind Milliarden Informationen gespeichert, welche mit Hilfe der Synapsen - das sind Kontaktverbindungen zum Überspringen von Nervimpulsen - verbunden sind. Je nach Situation werden in Bruchteilen von Sekunden die gerade gebrauchten Informationen mit Hilfe der elektrogalvanischen Ströme abgerufen und zusammengeführt. Daraus resultiert das Erfahrungsbild und der Mensch reagiert - zum Beispiel im Sinne seines Selbstschutzes - mehr oder weniger richtig. (Die gleiche Erfahrungsreaktion ergibt sich vereinfacht auch in der Tierwelt.) Es ist daher nicht der "Geist", der ordnend wirkt, sondern die eingespeicherte Erfahrung der millionenjährigen Evolution. Die ewig vorhandenen Eigenschaften der Materie und Energie haben die Nervenbahnen der Sinne entstehen lassen. Nur mit deren Hilfe ergab sich die Erkenntnismöglichkeit und ihre Wertung für die Lebenserhaltung und -entwicklung. Erst von dieser Erfahrungsgrundlage konnte die höhere Stufe im Denkbereich: Logik, Vernunft, Sprache und Kultur erreicht werden. Die ununterbrochene Zustandsveränderung des Kosmos und der Erde wird von den Sinnesorganen so lange in die Gehimzellen geleitet, bis eine neue Erkenntnis im Zusammenspiel mit der "Alterfahrung" sich offenbart. Der Offenbarungsmythos, wie er in der jüdischen, christlichen und islamischen Konfession als zentraler Gedanke vertreten wird, kann heute so ausgelegt werden, daß die Evolution erst in diesem Augenblick im Menschen eine Neuerkenntnis aufleuchten läßt - den sogenannten schöpferischen Funken - wenn der Entwicklungszustand eines bestimmten Abschnittes der Erde reif geworden ist.

Die Natur und der Geist sind daher eine Einheit. Diese Feststellung bedeutet nichts anderes - also die Assoziationsfähigkeit von Milliarden Informationen in den Neuronen daß die Natur in der Erscheinung des Menschen ihren eigenen Ich-Zustand erkennt. Der sogenannte Geist bedeutet somit die Selbstbespiegelung der Erde mit der Wirkung eines Doppeleffektes Die Entwicklungskausalität wird in ihrer Wirksamkeit gesteigert, um noch bessere, lebenskräftigere, höhere Formen des Daseins in einer kürzeren Zeitfolge zu erreichen. Die Erklärung der Geistfähigkeit der evolutionär entstandenen Menschen drückt einen Grad des Bewußtseinsstandes aus, der als Ausgangspunkt neuer Erkenntnisse im Bezug Mensch - Erde - Kosmos gelten kann. Zum Beispiel: Wer, was drängt den Menschen, die Erde zu verlassen, um das Universum zu erobern? Es ist KEINE technische Laune und KEIN Zufall. Es gibt im Leben keine Zufälle!

Die Astronomie und das technische reale Vordringen des Menschen in den Kosmos ergibt sich aus einem Trieb im Unterbewußtsein. Dieser beginnt bereits im Drang zum Fliegen, wie die "Ikarussage" zu verstehen ist. Die wissenschaftliche und tatsächliche Umsetzung dieses "Traumes" ist voll im Gange.

So wie in der einhundertstel Millimeter großen Keimzelle mit den 100.000 Genen und sieben Milliarden DNA-Bausteinen der ganze Mensch schon programmiert ist, besteht dieses gleiche Größenverhältnis zwischen Erde und Mensch. Im Menschen sind alle chemischen und gestaltenden Energieströme der Erde konzentriert, sodaß er mit der geistigen Rekonstrukionsfähigkeit naturgesetzlicher Vorgänge den auf kleinstem Raum zusammengedrängten Planeten darstellt. Die technischen Erfindungen: Fernrohr - Teleskop - Mikroskop - Kanone - Raketen ermöglichten bereits die Mondlandung als erste Etappe, Sie sind mit der Zielrichtung zu verstehen, daß der Mensch und mit ihm die Erde einen anderen Planeten im Weltall, der ähnliche Lebensbedingungen zeiträumlich aufweist, erreichen kann. Ein solcher Vorgang wäre vergleichbar mit der Befruchtung einer Eizelle, in der das Sperma mit allen seinen genetischen Anlagen eindringt um damit eine Lebenserneuerung der eigenen Art zu bewirken. Wer kann behaupten, daß die Erde nicht einen derartigen Drang in die Wirklichkeit umsetzt, indem der Mensch die biologisch funktionelle Rolle des Spermas mit kosmischer Dimension zu erfüllen hat? Der Leser möge nicht vor dieser großen Dimension ungläubig verharren, sondern am Beispiel der Entfernungsrelationen, wie sie innerhalb des Atoms und im Universum bestehen, die kosmische Einheit erkennen. Der Abstand des Atomkerns zur Atomhülle ist im Verhältnis so groß, wie der Abstand zwischen Erde und Sonne. Beide Körper - Atomkern wie Erde - sind ungefähr mit ihrem Durchmesser gleich oft in dieser Entfernung enthalten. Das Atom gleicht in seinem inneren Maßverhältnis zwischen Kein, Elektron, Neutron und Hülle einem Sonnensystem.

Die technische Wissenschaft beschleunigt die Bewegungsabläufe. Wenn die Erdnatur allein auf die langsame Umsetzung der Elemente mit ihrem Energieinhalt angewiesen wäre, dann käme sie dem Ziel, eine kosmische Verbindung mit anderen Planeten zu erreichen, nicht nahe. Aber der menschliche Geist nutzt nun die schlafenden Energien wie zum Beispiel Sonnenenergie im Holz, in der Kohle, im Öl, die Kraft des Wassers, der Uran-Atome und so weiter, um im schnellen ,Verfahren gewaltige Kräfte frei zu machen und die Erdanziehungskraft als Hemmung für einen kosmischen Flug zu überwinden. (Satelliten umkreisen bereits den Mars und senden Fotos von seiner Oberfläche. s Spektralanalysen ermöglichen die Feststellung, welche chemischen Elemente in anderen Sonnensystemen vorhanden sind.) Von dieser Position das Werden des Menschen auf dieser Erde zu erklären, ergibt eine großartige Wertung des I selben. Er ist nicht von "Gott gemacht", um vom Beginn bis zum Ende gleich zu bleiben, sondern er hat sich vom primitiven Stadium in eine Erkenntnissphäre großen Ausmaßes aus eigener Kraft entwickelt und durchgerungen. Es war ein Auslese- und Selbstbehauptungskampf, der Jahrhunderttausende währte und im 20. Jahrhundert

jenen Wissensstand erreichen ließ, von dem aus die Eroberung des Kosmos eingeleitet werden kann. Er ist kein sündiger, schwacher, unglücklicher Mensch, dessen Leben in einem Jammertal verläuft, sondern eine in seinem Entwicklungsstand einmalige Erscheinung. Er muß alle in den letzten Jahrtausenden entstandenen Leistungsstufen mit Glück und Freude überschauen. Die Siege und Niederlagen im Leben seiner Vorfahren, wie in seinem eigenen, als notwendige Etappe einer dialektisch bedingten Höherentwicklung bejahen. Mit dieser Lebenseinstellung wird er alle Schwierigkeiten des Daseins ohne Angst und Verzagtheit meistern. Verschwunden ist der Pessimismus, das Zaudern, das Knien und das Beten zu Gott dem Allmächtigen, um ein Unheil abzuwenden.

Das Schicksal als eine Herausforderung anzunehmen - das ist Freiheit!

Das Naturgesetz erkennen und bejahen das ist Freiheit!

Das Ich in die nächste Generation einfließen zu lassen - das ist Freiheit!

Den Tod als notwendigen Ordner zu erkennen - das ist Freiheit!


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