2. DIE LAGE JAPANS

Japans kontinentale und internationale Rolle beginnt erst ab 1890 sichtbar zu werden. Bis dorthin lebte es auf den Inseln zwischen pazifischen Ozean und japanischen Meer, politisch und kulturell fast abgeschlossen. Die technische Entwicklung begann ebenfalls erst am Ende des 19. Jahrhunderts. Umso rascher erfolgte aber der Aufstieg von der mittelalterlich bedingten Gesellschaftsstruktur in das technische Zeitalter des 20.Jahrhunderts. Die markanteste Einleitung dieses Prozesses war der Seekrieg 1905 gegen Rußland. Die japanische Flotte erfocht damals ihren ersten Sieg, obwohl sie lediglich eine zehnjährige Aufbauzeit bezüglich Antriebskraft der Schiffe und ihrer artilleristischen Bestückung hinter sich hatte. Dieser Vorgang allein beweist, wie stark die genetisch bedingte Grundkraft war und noch immer ist. Die Volkszahl wuchs mit der technischen Entwicklung an, sodaß der Drang zur Landnahme auf dem asiatischen Festland als natürlich zu bezeichnen ist. Dieser ergab sich durch die weitere Entwicklung im Rahmen der kriegerischen Konfrontation mit den rasseverwandten Völkern Korea und China. Der japanisch-chinesische Krieg ab 7.7.1937 eröffnet die entscheidende Expansionsrichtung der japanischen Außenpolitik. Die entschlossene Kampfführung auf dem Lande, in der Luft und zur See zeigte bereits an, welche gewaltige nationale Kraft in diesem Inselvolk vorhanden ist. Der Angriff gegen Pearl Harbour im Dezember 1941 eröffnete den entscheidenden Kampf um die Vorherrschaft im pazifischen Raum. Im Zweifrontenkrieg im Westen China, im Südosten USA wurde Japan in Verbindung mit dem Abwurf der ersten Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki im Juli 1945 besiegt.

Seine einmalige wirtschaftliche Aufbauleistung nach dem Kriegsende zeigte noch einmal auf, wie groß die Kraftreserven dieses Volkes eigentlich sind. Es beugte sich der US-Macht, ohne seine nationale Würde zu verlieren. Der japanische Kaiser wurde zwar als großer Kriegsverbrecher eingestuft, aber es kam zu keiner gültigen Verurteilung. Er lebte zurückgezogen, man kann sagen, in Festungshaft seines Palastes, aber seine Autorität und Ausstrahlung auf das Volk blieb im Bewußten wie im Unbewußten der Nation wirksam. Dies ist wohl dem Umstand zuzuschreiben, daß das japanische Volk in der glücklichen Lage ist, in der Einheit zwischen religiösenmetaphysischem Empfinden und politischen Verhalten leben zu können. Mittlerweile hat sich die Bevölkerungszahl von 1945 in der Höhe von 75 Millionen bis 1994 auf 126 Millionen gesteigert. Gegenwärtig ist bereits Japan ein weltmachtpolitischer Faktor im Zusammenhang mit seiner technischen und wirtschaftlichen Entwicklung geworden. Die Exportdynamik und damit seine Einflußnahme auf andere Staaten wie auf die USA und den europäischen Markt, hob Japan an die Spitze der Industrieländer. Sein know-how im hochtechnischen Bereich ist zum Teil in der Elektronik weltführend.

Was die Atommacht betrifft, so soll auf einige wichtige Entwicklungsstufen hingewiesen werden. Am 25.8.1992 berichtete die Presse mit der Überschrift "Japans Plutonium-Schiff auf großer Fahrt: Gefährlichste maritime Operation seit dem zweiten Weltkrieg." Der japanische Frachter "Pazifischer Kranich" transportiert den Atommüll japanischer Atomkraftwerke in die Aufbereitungsanlagen nach La Hague in Frankreich, sowie nach Sellafield in England. Japan beteiligte sich an der Finanzierung dieser Anlagen mit 30% und kann bis ins kommende Jahrtausend seinen Atommüll in Plutonium verwandeln lassen. Das gleiche Schiff transportiert dann reines Plutonium nach Japan zurück. Mit einer Schiffsladung können 200 nukleare Sprengköpfe produziert werden. In den nächsten Jahren beträgt die Menge ca. 30 Tonnen Plutonium = 6000 Atombomben. Wenn nun dieser Meldung hinzugefügt wird, daß Japan bereits Raketen in den Weltraum schießt, dann kann man sich ungefähr ausrechnen, welche Macht in den nächsten zehn Jahren Japan darstellen wird. Es kommt nun so langsam in jene politische Phase, in welcher die nationale Emotion, gekennzeichnet mit dem Satz: "Rache für Hiroschima und Nagasaki" in die Tat umgesetzt werden kann. Niemals kann das religiöse Japan den Angriff auf diese beiden Städte vergessen und es wird zukünftig bereit sein, jedes Opfer auf sich zu nehmen, um diesen brutalen Angriff der USA die machtpolitische Antwort zu geben. Diese oben gemachte Feststellung entspricht wohl der außenpolitischeu Analyse des ehemaligen amerikanischen Außenministers und Sicherheitsberaters im Weißen Haus Henry Kissinger, wenn er bereits 1987 erklärte:" In Asien wächst für die USA die Herausforderung." Weiterer Bericht der "Presse" (1993): "Japans Atomprogramm läuft auf Hochtouren. 1993 Beginn des Baues einer gigantischen nuklearen Wiederaufbereitungsanlage, die nach ihrer Fertigstellung zu einer der größten Anlagen der Welt gehören wird. Nach dem symbolischen ersten Spatenstich rollten Bagger und Kräne unaufhaltsam auf das fast vier Millionen Quadratmeter große Gelände in Rokkasho, 500 km nördlich von Tokio. In dem umzäunten Gelände riefen die Arbeiter im Chor den japanischen Schlachtruf: 'Banzai, Banzai!'(1000 Jahre soll sie leben.)" Kurier vom 31.1.1994:"Hat Japan eine Atombombe? Japan verfügt über alle Bestandteile zur Herstellung von Atomwaffen und hat möglicherweise bereits eine Atombombe gebaut, so die 'Sunday Times'." "Presse" vom 28.7.1994:" Nordkorea hat A-Bombe". "Presse" vom 16.9.1994: "Japans Weltraumprogramm beunruhigt Nachbarn. Kernwaffen-Ambitionen? Tokio gerät erneut in Verdacht, den Bau von Atomraketen vorzubereiten.... Die Tatsache, daß Großraketen wie die H2 einfach in Langstreckenraketen mit kriegstauglichen Sprengköpfen umgebaut werden können, ist für einige ausländische Beobachter nur schwer zu ignorieren... Als die britische 'Sunday Times' zu Jahresbeginn über Sorgen der Londoner Regierung wegen der japanischen Militarisierung berichtete, folgte nur ein laues Dementi in Tokio. Wenig später philosophierte der damalige Premierminister Hata öffentlich darüber, daß sein Land längst in der Lage sei, Atomwaffen herzustellen."

Nach 50 Jahren Kriegsende ist Japan auf dem Wege, in einigen Jahren eine Macht ersten Ranges in dieser Welt zu sein.

3. DIE LAGE CHINAS

Seine Geschichte ist geprägt von zwei Faktoren: Als Reich der Mitte in der Annahme, daß seine geographische Lage im Zentrum der Welt liegt und in der sehr starken Instinktausprägung, bedingt durch die genetische Geschlossenheit als Rasse und Volk. Es besteht aus 94% sog. Han-Chinesen, die in Erhaltungs- und Gefahrenmomenten ein sicheres Gefühl der Zusammengehörigkeit auszeichnet. Dieses Urteil reicht bis zur Erfahrung, daß wohl ein Europäer unter Umständen eine chinesische Lebensweise annehmen könnte, aber umgekehrt ein Chinese nie eine europäische. Diese seelisch-rassisch bedingte innere Kulturfestigkeit umfaßt den ähnlichen Zeitraum, wie jener der europäischen Geschichte von der minoischen Epoche auf Kreta, der griechisch-römischen Antike bis zur Neuzeit. Auch das spätere Auftreten der kaiserlichen Dynastien läuft zeitlich parallel mit der europäischen Entwicklung.

Das chinesische Volk war immer ein seßhaftes, vom Ackerbau lebendes Volk. Es ist daher in seiner Geschichte nicht in dem Sinne expansiv gewesen, wie es die nomadisch lebenden Hunnen und Mongolen waren. Es war stets bedacht, mit Hilfe seiner Führungsspitzen und den Weisheiten, zum Beispiel der Philosophen Lao-Tse und Konfuzius, das Leben zu gestalten. Auch was die realpolitischen Gesichtspunkte betrifft, sind die chinesischen Dynastien absolute Machthaber und strategisch rücksichtslose Herrscher.

Das nachfolgende Beispiel möge aufzeigen, wie schon 2000 Jahre vor Machiavelli die Machtpolitik konzipiert wurde: "Sun Tsu war kaiserlich-chinesischer Staatsphilosoph in der Tschau-Zeit um 500 v. Chr. - Zur Unterwerfung der südlichen Nachbarn, die sich durch Freiheitsliebe und Unabhängigkeitssinn auszeichneten, entwarf Sun Tsu die folgenden Kriegsregeln. Sie waren Lehrgegenstand an den sowjetischen Kriegsakademien und Politschulen. - Damit soll nicht gesagt sein, daß diese Lehren des Sun Tsu nicht schon früher und für ganz andere politische Mächte als Leitgedanken gedient haben. Literarisch sind die Lehren des Sun tsu in deutscher Sprache bisher nur einmal in der "Europäischen Wehrkunde", Heft 7, 1959, in München im Wortlaut veröffentlicht worden. Aus einer amerikanischen wehrkundlichen Arbeit liegt der Text im Britischen Museum aus. -Literarurangaben bei Karl A. Wittfogel: "Die orientalische Despotie", Köln 1960.

A: Die höchste Kunst besteht darin, den Widerstand des Feindes kampflos zu brechen.

B:

  1. Zersetzt alles, was im Lande eures Gegners gut ist.
  2. Verwickelt die Vertreter der herrschenden Schichten eurer Gegner in verbrecherische Unternehmen.
  3. Unterhöhlt ihr Ansehen und gebt sie im gegebenen Augenblick der Schande ihrer Mitbürger preis.
  4. Nützt auch die Mitarbeit der niedrigsten u. abscheulichsten Kreaturen.
  5. Stört mit allen Mitteln die Tätigkeit der Regierungen.
  6. Verbreitet Streit und Uneinigkeit unter den Bürgem des feindlichen Landes.
  7. Stachelt die Jugend gegen die Alten auf.
  8. Entwertet die Überlieferungen eurer Feinde.
  9. Stört mit allen Mitteln die Ausrüstung, die Versorgung und die Ordnung der feindlichen Streitkräfte.
  10. Beeinträchtigt den Willen der Krieger des Feindes durch sinnliche Lieder und Musik.
  11. Sendet Huren aus, um das Werk des Verfalles zu vollenden. Seid großzügig mit Versprechungen und Geschenken, um Nachrichten zu kaufen. Spart überhaupt nicht mit Geld, denn so ausgegebenes Geld bringt reiche Zinsen.
  12. Bringt überall geheime Kundschafter unter.

C: Nur ein Mann, der diese Mittel zur Verfügung hat und die Verfahren anzuwenden versteht, die überall Zersetzung und Streit hervorrufen, nur solch ein Mann ist würdig zu herrschen und zu befehlen. Ein solcher Mann ist ein Schatz für seinen Herrscher und eine Säule des Staates."

Erst die kommunistische Revolution des Mao-TseTung mit dem Beginn 1923 brach diese verkrusteten Strukturen wie Kaisertum und Großgrundbesitz auf. Es ist grundsätzlich wichtig darauf hinzuweisen, daß auch der Kommunismus von Anfang an eine nationale Revolution bedeutete. Die kommunistischen Führer in Moskau, welche diese Revolution kaum unterstützten, wiesen immer darauf hin, daß Mao-Tse-Tung, der ja als Bauemsohn den sozialistischen Kampf begonnen hat, bei einem Volk, das zu 90% aus bäuerlichen Menschen besteht, keine Erfolgschance hat. Es war bezeichnend, als 1937 die Japaner in China einfielen, daß sich Mao-Tse-Tung als Kommunist mit Tschiang-Kai-Schek, als militärischer Machthaber des Traditionsregimes, sofort zusammenschlossen, um eine Waffenruhe zu vereinbaren. Diese sollte solange gelten, bis der äußere Feind besiegt ist. Als Japan kapitulierte, brach sofort der Bürgerkrieg wieder aus und 1949 wurde dieser zu Gunsten des chinesischen Kommunismus entschieden: Die Folgen waren Millionen Tote durch Krieg und Hunger. Mao-Tse-Tung galt als ein nationaler und sozialer Revolutionsführer, dessen Einfluß bis in die religiöse Empfindungswelt reichte, da ja in der Geistesgeschichte Chinas nie das Jenseitige, sondern das Diesseitige dominant war. Die sog. "Mao-Bibel" bestätigt die obige Behauptung.

Vor der kommunistischen Revolution gab es Jahre, in denen bei schlechten Ernten Millionen Menschen verhungerten. Der Kommunismus brachte es zumindest soweit, daß die Verteilung der produzierten Nahrungsmittel das Überleben der breiten Masse ermöglichte. Dieser jahrzehntelange Prozeß bewirkte ein einmaliges bevölkerungspolitisches Wachstum. Die letzte Volkszählung wurde mit zehntausenden Staatsbeamten durchgeführt und ergab das Resultat vom Juli 1992: 1.235.000.000 Vermerkt wurde noch nach diesem Ergebnis, daß ca. 100,000.000 Kinder nicht registriert werden konnten, weil die Bauern in den entlegenen Gebieten aufgrund des EinKind-Gesetzes diese versteckten. Aber auch dieses Gesetz bringt keinen Stillstand der Volksverrnehrung, da über 50% des chinesischen Volkes von 1-20 Jahre alt ist. Selbst wenn alle dieses Ein-Kind-Gesetz streng einhalten würden - was aber in der Praxis nicht der Fall ist - wäre der jährliche Zuwachs durchschnittlich 20 Millionen Menschen. Davon ist ableitbar, daß bis zum Jahre 2020 die chinesische Einwohnerzahl bei annähernd 2.000.000.000 Menschen liegt. Diese bevölkerungspolitische Explosion eines genetisch homogenen Volkes bedeutet eine naturgesetzlich bedingte Sprengung der Staatsgrenzen. Obwohl China ein Land in der Größe von 9,5 Millionen Quadratkilometer ist, hat es zuwenig landwirtschaftliche Bodenfläche. Das Ausmaß derselben beträgt ca. 800.000 km2 und bedeutet 6% der weltweiten landwirtschaftlichen Fläche, obwohl China annähernd 25% der gesamten Weltbevölkerung stellt. Dieses prozentuelle Verhältnis allein bedeutet nach den geschichtlichen Erfahrungssätzen eine zwangsläufige kriegerische Landnahme. Eine solche könnte sich rein geographisch und historisch gesehen, nur auf den russischen, südsibirischen Raum beziehen, welcher vor 150 Jahren im Ausmaß von 1,5 Millionen km2 zu China gehörte.

Beachtenswert ist die wissenschaftlich-technische Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Alle westlichen Nachrichtendienste haben sich bezüglich des Zeitpunktes der Entwicklung einer chinesischen Atombombe geirrt. Verwirklicht wurde dieselbe um das Jahr 1975, sodaß sich eine eigentümliche Bewaffnungssituation des chinesischen Heeres ergab: Auf der einen Seite die große Masse von Infanteriedivisionen mit verhältnismäßig einfacher Ausrüstung und auf der anderen Seite die Extrembewaffnung: Atombombe + Raketen. Diese militärische Konzeption ermöglichte es Mao-Tse-Tung, eine absolut wirksame Landesverteidigung aufzubauen, in Verbindung mit der Möglichkeit, durch Mittelstrecken- und Intercontraketen weitreichende globale Schläge durchführen zu können. Im Laufe der letzten 20 Jahre ist dadurch China schrittweise eine Weltmacht ersten Ranges geworden. Die Bevölkerungszahl, sowie die Waffentechnik, sind unüberwindliche Faktoren für jeden außenpolitischen Feind. Als die damalige Sowjetunion diese militärische Entwicklung Chinas in ihrer ganzen Tragweite erfaßt hatte, beabsichtigte dieselbe Anfang 1970 einen atomaren Schlag gegen China zu führen, um diese Situation im Keime zu ersticken. Es erfolgte eine inoffizielle Anfrage in Washington bei Präsident Nixon, ob die USA ihr Einverständnis für diese Maßnahme gibt; sie wurde abgelehnt mit dem Hinweis, daß in diesem Falle man sich als Schutzmacht an die Seite Chinas stellt. Die strategische Absicht der USA war damit offenkundig zum Ausdruck gebracht: Die Schwächung der kommunistischen Sowjetunion durch das national-kommunistische China. Mittlerweile steigerte sich der technische und militärische Ausbau des chinesischen Heeres in einem Ausmaß, daß es sich keine andere Weltmacht zumuten könnte, diese Machtentfaltung zu stoppen.

Der "Spiegel" Nr.50/1992 schreibt: "Gerecht und unbesiegbar. In einer Geheimrede empfahl Staatschef Yang Aufrüstung und Konfrontationskurs gegenüber dem Westen - und mehr Spionage in Deutschland .... Der Text, zwei Manuskriptseiten mit höchster Geheimhaltungsstufe wurde Mitte Oktober allen Politbüromitgliedern zugeleitet. Yang proklamierte den Kurswechsel zu einer aggressiven Hochrüstungspolitik, die ausdrücklich für das nächste Jahrzehnt militärische Konfrontationen mit Nachbarstaaten und sogar den USA nicht mehr ausschließt.... Repressalien der Amerikaner werden wir entsprechend beantworten, heißt es im Geheimtext, deshalb müsse die militärische Kraft Chinas gestärkt, der Rüstungshaushalt erhöht werden... Chinas eigentliches Ziel sei aber, nicht nur eine Regional- sondern eine Großmacht zu werden."

Der gleiche sprunghafte Prozeß hat sich in den letzten Jahren im Produktionsbereich der Wirtschaft ergeben. Die Kolchose wurden aufgelöst und zu privaten bäuerlichen Betrieben umgewandelt. Die Folge war eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung der chinesischen Bevölkerung. Die Industrialisierung bekam einen gewaltigen Auftrieb durch eine Synthese zwischen Plan- und Privatwirtschaft. Die Zuwachsraten des Bruttosozialproduktes steigerten sich pro Jahr auf 15-20%. Alle Industriestaaten der Welt wollen seither entsprechende Wirtschaftsabschlüsse tätigen, um in einen Markt von 1,3 Milliarden Menschen eindringen zu können. Die USA hatte noch bis zum Jahre 1994 die strategische Planung, mit allen pazifischen Staaten unter seiner Führung eine Wirtschaftsorganisation aufzubauen, jedoch ließ sich weder Japan noch China darauf ein. Es ist somit die Tragikomödie des Staatsbesuches Präsident Bushs im Jahre 1992 zur machtpolitischen Wirklichkeit geworden: Er fiel anläßlich eines Festessens mit dem japanischen Präsidenten durch Kreislaufschwäche während seiner Rede unter den Tisch. In diesem Fall hat wohl die Natur selbst in die Außenpolitik der USA eingegriffen.

Ein weiterer Fall wie weit die Machtrolle im pazifischen Raum durch China gespielt wird, betrifft die sog. Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer. Obwohl diese ca. 1500 km von der chinesischen Küste entfernt sind, beansprucht China die Rohstoffausbeute, da sie vor allem hochwertige Mineralien und Ölvorkommen aufweisen. Den Anspruch erheben auch die Phillipinen sowie Vietnam. Die USA würde sich theorethisch an die Seite der Phillipinen oder Vietnams stellen, um den Chinesen diese Inselgruppe streitig zu machen. Aus diesem Grunde wurde im Pentagon ein generalstabsmäßiges "Sandkastenspiel" für den Fall des Eingriffs der US-Flotte im Pazifik durchgeführt. Das Ergebnis war eine Katastrophe für die USA: Die gesamte Flotte würde, bevor sie überhaupt den Einsatzraum erreichen könnte, durch die chinesischen Raketen vernichtet sein. Die Militärs wie Politiker waren durch das Ergebnis dieser Planung so entsetzt, daß sie nun ein zweites Mal dieses Szenario durchüben wollen.

Ein politisch, wirtschaftlich wie militärisch noch entscheidender Vorgang besteht darin, daß eine chinesischjapanische Partnerschaft im Entstehen ist. Seit Herbst 1989 wurde systematisch der Besuch des japanischen Kaisers in China diplomatisch vorbereitet. Im Oktober 1992 flog der japanische Kaiser Akihito nach Peking. Das erste Mal seit 2000 Jahren besuchte ein japanischer Kaiser, mit den Vollmachten des japanischen Parlaments ausgestattet, das chinesische Festland. Das Wochenmagazin "profil" vom 9.10.1992 berichtet mit der Überschrift "Der Pakt zweier Kaiser" über diesen Besuch: "Mit dem Besuch des japanischen Herrschers Akihito in China bricht eine neue Ära an... Nie zuvor in der zweitausendjährigen Geschichte japanis.ch-chinesicher Beziehungen hat es das gegeben: Zum ersten Mal betritt ein j apani scher Kaiser chinesischen Boden. Auch wenn das einmal eintreten mußte, sagt Chihiro Kato von der Tageszeitung "Asahi Shinbun", ist der Kaiserbesuch in Peking ein historischer Einschnitt. Ein asiatischer Supermacht-Pakt soll verkündet werden... Die Entwicklung ist derzeit geradezu atemberaubend. Allein im ersten Halbjahr 1992 stiegen die japanischen Exporte nach China um 39,1% ... Mit dem Ende des kalten Krieges geht somit auch die 150 jährige Epoche westlicher Dominanz über das politische Geschehen in Ostasien zu Ende."

Damit ist eindeutig und unwiderruflich eine vollkommen neue weltmachtpolitische Konstellation entstanden. Zwei Völker einer Großrasse, welche eine genetische Geschlossenheit aufweisen, wie kaum andere Völker dieser Erde. Beide haben eine bevölkerungspolitische Entwicklung mit einer Vermehrungspotenz, wie sie nur bei gesunden, selbstbewußten Nationen vorhanden ist. Die Größe ihres Lebensraumes reicht nicht mehr aus, um die Nahrungs- und Rohstoffgrundlage auf längere Zeit zu ermöglichen. Sie brauchen Neuland und wie schon einmal erwähnt, kann dies nur Ost- und Südsibirien sein. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß hinter den "Polstertüren" Pekings und Tokios auch darüber gesprochen wurde. Für die nächsten Jahrzehnte jedoch liegt in der Ergänzung des japanischen technischen know-hows mit den für alle Industriebereiche vorhandenen Rohstoffe Chinas eine machtvolle Bereicherung beider Staaten. Japan und China sind durch ein Wirtschaftsembargo der USA nicht mehr erpressbar.

So nebenbei sei noch erwähnt, daß die außenpolitische Strategie Chinas bereits soweit aktiviert ist, daß sowohl -laut Spiegel Nr. 50 vom 9.12.1991 - Pakistan als auch der Iran ihre Nuklearprogramme mit Hilfe der Volksrepublik China vorantreiben. Und wortwörtlich weiter: "Die Grundzüge der künftigen Kooperation sind in Fünf Artikeln und einem geheimen Zusatz festgelegt: So soll unter anderem ein gemeinsamer Militär- und Sicherheitsrat gebildet werden, ist die Gründung von gemeinsamen Büros im Ausland für Rüstungskäufe geplant und soll die Produktion von Waffensystemen forciert werden - mit iranischem Kapital, pakistanischer Technologie und chinesischem Beistand. Eine geheime Vertragsklausel betrifft nach Ansicht von Militärbeobachtern die atomare Zusammenarbeit zwischen Teheran und Islamabad. Pakistan wird sein know-how im Bereich der Uran-Anreicherung dem Regime der islamischen Republik zugänglich machen; dafür stellt der Iran fünf Milliarden Dollar für gemeinsame atomare Projekte zur Verfügung."

Die "Presse" vom 1.6.1993: "China boomt, Chaos in Rußland. Peking auf dem Weg zur Supermacht?… Für Rußland und ganz Europa wird Asien zu einer immer größeren Herausforderung."

"Die Presse" vom 25.4.1994: "Chinas Premier umwirbt Staaten Zentralasiens. Der alten Seidenstraße entlang macht sich Li Peng für eine Wirtschaftskooperation stark. Erstmals nach dem Zerfall des einst von Peking gefürcheten und propagandistisch heftig befehdeten Sowjetreiches reist ein chinesischer Regierungschef nach Mittelasien. (Warum bekämpfen sich wohl zwei kommunistische Mächte, wenn sie nach ihrer Ideologie so ganz internationalistisch eingestellt sein müßten? - d. Verf.) Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisien, Kasachstan und schließlich die Mongolei liegen auf der sorgfältig ausgewählten Strecke. Für China ist ein grenznahes freundschaftlich gesinntes Zentralasien - eine Region, die 50 Millionen Menschen und auch Atombasen besitzt - von enormer strategischer Bedeutung."

Damit vollzieht sich geopolitisch und strategisch die Südflankierung Rußlands. China baut systematisch seine Grenzräume und Vorfelder gegen Rußland militärisch und wirtschaftlich auf und bereitet sich auf die unausbleibliche Konfrontation mit Rußland vor. Die gleiche Zeitung vom 10.6.1994: `Unerschütterliche Blutsverwandtschaft': China deckt Nordkorea... Während im UN-Sichheitsrat die Konsultationen über mögliche Sanktionen gegen Nordkorea und seine atomare Aufrüstung begannen, empfingen die Chinesen alte Freunde: In Peking trafen Dienstags die Chefs des chinesischen und koreanischen Generalstabs zusammen. Später versicherte Staatspräsident und Parteichef Jiang Zemin den Abgesandten Kims, man werde unerschütterlich daran festhalten, die Blutsfreundschaft zwischen beiden Ländern zu festigen.

Dies sei der Wunsch des ganzen chinesischen Volkes." Auch in diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, daß Kommunisten von der völkischen Blutsverwandtschaft sprechen.

Als Peking sich eindeutig hinter Nordkorea stellte, war ab nächsten Tag die Sprachregelung der US-Politiker eine total veränderte und zwar insofern, daß keine weiteren Drohungen eines militärischen Eingreifens der USA an der Seite Südkoreas ausgesprochen wurden. Im Gegenteil, Amerika erklärte sich bereit, die atomare Entwicklung Nordkoreas finanziell zu unterstützen. Daraus ist klar erkennbar, daß die Macht Chinas Expansionsmöglichkeiten der USA im pazifischen Raum sofort einschränken kann. Aus diesen oben aufgezeigten Tatbeständen gibt es nur eine einzige politische, strategische Erkenntnis: China und Japan sind eine in der Größenordnung einmalige Weltmacht, deren globale Auswirkung auf alle anderen Machtregionen unübersehbar ist.


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