EIN WICHTIGER ZEUGE VERSCHWINDET - DER SOGENANNTE "GERSTEIN-BERICHT"

Die Person Gersteins

Kurt Gerstein wurde 1911 geboren. 1925 legte er das Abitur ab. Er beendete sein Studium als Diplom-Ingenieur. Dann begann er das Medizinstudium, das er aber nicht beendete. Als Bergassessor wurde er Angestellter der Düsseldorfer Firma De Limo-Fluhme, die Giftgase erzeugte.

Parteilaufbahn

Mit 2. Mai 1933 trat er der Partei bei. Er legte seine sehr verworrenen religiösen Ansichten in Broschüren nieder, die er in Auflagen bis zu 100 000 Exemplaren drucken ließ und an Persönlichkeiten verteilte. Wegen Papiermißbrauches wurde er am 2. Oktober 1936 aus der Partei ausgeschlossen und als Beamter aus dem Staatsdienst entlassen. Der Entlassung ging nach seinen Angaben eine Festnahme auf einige Tage durch die Gestapo voraus. Auf seinen Einspruch gegen den Parteiausschluß wurde der Ausschlußbescheid am 21. Juni 1939 in "Entlassung" umgeändert.

Nach seinen Angaben wurde er, angeblich wegen "staatsfeindlicher Betätigung", von der Gestapo ein zweitesmal verhaftet (nach vorliegendem Schutzhaftbefehl der Gestapo vom 23. Juli 1938) und kam vom 14. Juli bis zum 28. August 1938 (also ein Monat und zwei Wochen) ins KZ Weilsheim (vgl. Kurt Gerstein, Frankfurter Hefte, Nr. 8/1953, S. 669).

Trotzdem bewarb er sich erfolgreich um Aufnahme in das SS-Gesundheitsamt, angeblich, um den Euthanasietod einer Verwandten im Krankenhaus Hadamar zu erforschen. In einem offenbar ehrlich gemeinten Privatbrief an seinen Vater vom 9. Oktober 1938 schrieb er diesem, er wolle dem Werk Adolf Hitlers mit seiner ganzen Kraft und seinem ganzen Leben dienen. Nach einer Aktennotiz des Braunen Hauses aus dem Jahr 1940 soll er versichert haben, er sei "ein radikaler Gegner der Bekenntniskirche geworden". (In der Frankfurter Rundschau vom 29. April 1950 wird er von Pastor Niemöller als "eingefleischter Saboteur und Nazigegner" bezeugt.)

Im Jänner 1942 wurde er zum Leiter der Abteilung ernannt, der die Manipulation mit den giftigen Desinfektionsgasen oblag. Er hätte also über deren Verwendung authentisch berichten können. Er bekleidete den Rang eines SS-Obersturmführers.

Er hatte die leitende Stelle in der Abteilung Sanitätswesen im SS-Hauptamt. Ihm oblag die Obsorge für die Entseuchung der Truppenunterkünfte, Lager und Kasernen. Für die Bekämpfung von Ungeziefer und Krankheitskeimen diente das Gas Zyklon B, das aber keine Erfindung des Dritten Reiches war. Die Reichswehr verwendete Zyklon B schon seit 1924. Es war auch kein Reservat des Militärs; auch die privaten Entwesungsanstalten verwendeten dieses Blausäuregas.

Daß er beseitigt wurde, zeigt nur, daß er das sonst so unschätzbare Belastungszeugnis nicht geben konnte. Dadurch wurde er automatisch vom erhofften Belastungszeugen zu einem wichtigen und wesentlichen Entlastungszeugen; wenn er - der in seiner Stellung etwas hätte wissen müssen - nicht belasten konnte, entkräftete er die Vergasungsbeschuldigung. Er war als Zeuge dadurch nicht nur wertlos, sondern vielmehr gefährlich und daher äußerst unerwünscht; seine Beseitigung lag im Interesse der Ankläger. (Vgl. hiezu auch Helmut Franz, Kurt Gerstein, EVZ-Verlag Zürich.)

Zur Unglaubwürdigkeit eines Selbstmordes von Gerstein schreibt Erich Kern in der DWZ:

"1945 war alles, was Kurt Gerstein nach Angaben seiner Freunde so glühend haßte und bekämpfte, zusammengebrochen. Er stand demnach am Ziele seiner heißesten Wünsche. Nun konnte er vor aller Welt Zeugnis ablegen; er war wie kein anderer berufen, vor dem alliierten Nürnberger Siegergericht auszusagen. Alles in ihm müßte in diesen Wochen Triumph und Jubel gewesen sein. Was aber tut dieser Gerstein? Er erhängt sich. Dieser kämpferische, gläubige Christ beging die Todsünde des Selbstmordes? Noch dazu mitten in der Niederlage des von ihm so gehaßten Nationalsozialismus? Ungeachtet seiner geliebten Frau und seiner Kinder, die er unversorgt hinterließ? Es gehört wohl die ganze Unverschämtheit unserer Zeit dazu, der Öffentlichkeit eine solche Unlogik als Wahrheit aufzutischen. Wohl nur Dummköpfe können auf einen solch plumpen Schwindel hereinfallen."

Der sogenannte "Gerstein-Bericht"

Am 5. Mai 1945 stöberte eine amerikanische Fahndungsgruppe im Hotel "Mohren" in Rottheim im Schwarzwald den damals 34jährigen Kurt Gerstein auf. Gerstein übergab bei seiner Verhaftung den Amerikanern angeblich einige Abrechnungen über den Bezug von Giftgasen, die durch seine Abteilung, die für die Desinfektion zuständig war, bezogen worden waren. Außerdem übergab Gerstein den Amerikanern angeblich einen vom 26. April 1945 datierten "Bericht" im Umfang von sieben Schreibmaschinenseiten in französischer Sprache. Nach Übergabe dieser Erklärung verschwand Gerstein, dieser wichtige Zeuge, spurlos für immer. Mit seinem Verschwinden war jede Möglichkeit aus der Welt geschafft, daß er später die angebliche Erklärung hätte bestreiten können.

Nach anderen Behauptungen (im Prozeß gegen Dr. Gerhard Peters, Direktor des DEGESCH [Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung m. b. H.] in Frankfurt im März 1949 und 1950) wurde Gerstein in den ersten Tagen des Mai 1945 verhaftet und nach Paris ins Gefängnis "Cherche-Midi" gebracht.

Nach Reitlinger (Endlösung, S. 71) hat sich Gerstein in seiner Zelle in Fresnes aufgehängt. Nach den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte hat er im "Prison Militaire de Paris" Selbstmord verübt. Nach dem ganz unverläßlichen Helmut Krausnick hat Gerstein am 25. Juli 1945 im Militärgefängnis Cherdie-Midi in Paris Selbstmord verübt. Alle Nachforschungen seiner Gattin nach seinem Verbleib blieben ergebnislos. Nach vier Jahren wurde als Ergebnis der Nachforschungen der ,,Commission œcumenique pour l'aide aux prisonnier de guerre" in Genf Frau Gerstein mitgeteilt:

"Leider war es trotz mehrfacher Bemühungen nicht möglich, nähere Auskunft über den Tod Ihres Gatten (und des Grabes NB) zu erfahren."

Alle Bemühungen, die Umstände seines Verschwindens oder Todes oder seinen Begräbnisort festzustellen, blieben ergebnislos.

Der Vollständigkeit halber muß ich hier auch Hochhuth anführen; es geschieht das mit dem inneren Widerstreben und der Ablehnung, die Hochhuth wegen seines ganz üblen Tendenzstückes Der Stellvertreter bei vielen Menschen findet. In diesem Stück wird nämlich behauptet, Gerstein sei im Gefängnis von "fanatisierten SS-Leuten beseitigt" worden; das zeigt nur, daß er von den Zuständen in einem Gefängnis wenig Ahnung hat. Abgesehen davon, hätten in diesem Falle die Franzosen keine Veranlassung gehabt, diesen Fall zu verschweigen. Im Gegenteil: man hätte den Mord als Beseitigung eines der wichtigsten Zeugen laut hinausposaunt. Ein solcher Tod wäre den Menschen, denen an der Beseitigung Gersteins lag, sehr willkommen gewesen.

Ein Selbstmord Gersteins liegt im Bereich der Möglichkeiten. Man hat viele Belastungszeugen dadurch gewonnen, daß man sie zu belastenden Aussagen durch das Versprechen verführte, ihnen selbst dafür eine Ausnahme von der Anklage zuzusichern, wie dies nach angelsächsischem Recht möglich und üblich ist. Möglicherweise hatte man das auch Gerstein versprochen, und dieser verzweifelte, als er sich getäuscht sah, und nahm sich das Leben. Bei seiner ausgeprägten Labilität - von Anti-Nazi zum Nationalsozialisten, dann wieder zum Anti-Nazi, darauf zur SS in leitender Funktion - läge ein solcher Zustand der Verzweiflung und seelischen Depression durchaus im Bereich der Möglichkeit.

Jedenfalls ist eines sicher: Der lebende Gerstein wäre in Nürnberg ein wichtiger Zeuge gewesen, wenn seine Aussage echt gewesen wäre; durch seinen Tod wurde selbst sein Affidavit, seine schriftliche Aussage, wertlos. Selbst in Nürnberg wurde vom IMT das sogenannte Gerstein-Dokument als Beweisstück abgelehnt, ja nicht einmal zur Verlesung zugelassen.

Die vom französischen Hauptankläger Dubost in Nürnberg als Vergasungsbeweis vorgelegten Rechnungen über Zyklon-B-Gas sind als Beweis für Menschenvergasungen völlig wertlos; denn solche Rechnungen gab es für alle KZ, auch für jene, wo erwiesener- und anerkanntermaßen keine Vergasungen von Menschen erfolgten. Das Gas wurde eben allgemein als Desinfektionsmittel zur Entseuchung von Wäsche, Kleidern und Räumen verwendet.

Ein Auszug aus seinem angeblichen "Geständnis" vom 4. Mai 1945 findet sich in der Frankfurter Rundschau vom 29. April 1950, weiter in der von Washington veröffentlichten Auswahl von Dokumenten aus dem Ärzteprozeß (Trial of War Criminals, Band I-X). (Vgl. dazu auch das Dokument PS 1553 R. F. 350 vom Ärzteprozeß; ferner Vierteljahrshefte [Dreimonatshefte] für neuere Geschichte, München, 1. Jahrg., Heft 2, April 1953; die schwedische Zeitung Dagens Nyheter vom 16. Juli 1953; Alfred Donath in einem Aufsatz "Kurt Gerstein" in Frankfurter Hefte, Augsburg 1956, S. 568 ff.; schließlich Walter Hofer, Dokumente 1933-1945, S. 305 f., Dok. Nr. 177.)

Walter Hofer bringt folgenden Auszug aus dem "Gerstein-Geständnis" als "Augenzeugenbericht über Massenvergasungen":

"… Am anderen Tag [18. August 1942] fuhren wir nach Belzec … Dicht bei dem kleinen Bahnhof war eine große Baracke, die sogenannte Garderobe, mit einem 'großen Wertsachenschalter'. Dann folgte ein kleines Zimmer mit etwa 100 Stühlen, der Friseurraum. Dann eine kleine Allee im Freien unter Birken … mit Inschriften 'Zu den Inhalier- und Baderäumen'. - Vor uns eine Art Badehaus mit Geranien, dann ein Treppchen und dann rechts und links je drei Räume mit 5 × 5 m, 1,9 m hoch, mit Holztüren wie Garagen. An der Rückwand … große hölzerne Rampentüren. Auf dem Dach "als sinniger kleiner Scherz" der Davidstern …

Am anderen Morgen, kurz vor 7 Uhr, kündigt man an: In zehn Minuten kommt der erste Transport … Tatsächlich kam nach einigen Minuten der erste Zug von Lemberg aus an. 45 Waggons mit 6700 Menschen [Das wären also 148 Menschen je Waggon, was nicht möglich ist], von denen 1450 tot waren bei ihrer Ankunft. Hinter vergitterten Luken schauten entsetzlich bleich und ängstlich Kinder durch, die Augen voll Todesangst. Der Zug fährt ein: 200 Ukrainer reißen die Türen auf und peitschen die Leute mit ihren Lederpeitschen aus den Waggons heraus. Ein großer Lautsprecher gibt die weiteren Anweisungen. Die Wertsachen am Schalter abgeben, ohne Bons oder Quittung. Die Schuhe sorgfältig zusammenbinden [wegen der Spinnstoffsammlung], denn in einem Haufen von reichlich 25 m Höhe [idiotisch!] hätte sonst niemand die zusammengehörigen Schuhe wieder zusammenfinden können. Dann die Frauen zum Friseur, der mit zwei, drei Scherenschlägen die ganzen Haare abschneidet und sie in Kartoffelsäcken verschwinden läßt. 'Das ist für irgendwelche Spezialzwecke für die U-Boote bestimmt, für Dichtungen oder dgl.', sagt mir der SS-Unterscharführer, der dort Dienst tut.

Dann setzt sich der Zug in Bewegung. Voran ein bildhübsches junges Mädchen, so gehen sie die Allee entlang, alle nackt, Männer, Frauen, Kinder, ohne Prothesen. Ich selbst stehe mit Hauptmann Wirth oben auf der Rampe zwischen den Kammern. Mütter, mit ihren Säuglingen an der Brust, sie kommen herauf, zögern, treten ein in die Todeskammern. An der Ecke steht ein starker SS-Mann, der mit pastoraler Stimme zu den Armen sagt: 'es passiert euch nicht das geringste! Ihr müßt nur in den Kammern tief Atem holen, das weitet die Lungen; diese Inhalation ist notwendig wegen der Krankheiten und Seuchen.'

Auf die Frage, was mit ihnen geschehen würde, antwortet er: 'Ja, natürlich, die Männer müssen arbeiten, Häuser und Chausseen bauen, aber die Frauen brauchen nicht zu arbeiten. Nur wenn sie wollen können sie im Haushalt oder in der Küche mithelfen.'

Für einige von diesen Armen ein Hoffnungsschimmer, der ausreicht, ohne Widerstand die paar Schritte zu den Kammern zu gehen. Die Mehrzahl weiß Bescheid; der Geruch kündet ihnen ihr Los. So steigen sie die kleine Treppe hinauf, und dann sehen sie alles. Mütter, mit Kindern an der Brust. Kleine nackte Kinder, Erwachsene, Männer und Frauen, alle nackt - sie zögern, aber sie treten in die Todeskammern, von den anderen hinter ihnen vorgetrieben oder von den Lederpeitschen der SS getrieben. [Wo sind die Ukrainer?] Eine Jüdin von etwa 40 Jahren mit flammenden Augen ruft das Blut, das hier vergossen wird, über die Mörder. Sie erhält fünf oder sechs Schläge mit der Reitpeitsche ins Gesicht, von Hauptmann Wirth persönlich, dann verschwindet auch sie in der Kammer. Viele Menschen beten. Ich bete mit ihnen; ich drücke mich in eine Ecke und schreie laut zu meinem und ihrem Gott. Wie gerne wäre ich mit ihnen in die Kammern gegangen, wie gerne wäre ich ihren Tod mitgestorben. Sie hätten dann einen uniformierten SS-Offizier in ihren Kammern gefunden - die Sache wäre als Unglücksfall aufgefaßt und behandelt worden und sang- und klanglos verschollen[1]. Noch also darf ich nicht, ich muß zuvor noch künden, was ich hier erlebe. Die Kammern füllen sich. Gut vollpacken - so hat es der Hauptmann Wirth befohlen. Die Menschen stehen einander auf den Füßen, 700 bis 800 auf 25 Quadratmetern in 45 Kubikmeter. Die SS zwängt sie physisch zusammen, soweit es überhaupt geht, die Türen schließen sich. Währenddessen warten die anderen draußen, im Freien, nackt. Man sagt mir: 'Auch im Winter, genauso, ja, aber sie können sich ja den Tod holen', sage ich [wie idiotisch!]. 'Ja, grad for das sin se doh!' sagt mir ein SS-Mann darauf in seinem Platt. Jetzt endlich verstehe ich auch, warum die ganze Einrichtung Heckenholt-Siedlung heißt. Heckenholt ist der Chauffeur des Dieselmotors, ein kleiner Techniker, gleichzeitig der Erbauer der Anlage. Mit diesen D i e s e l a u s p u f f g a s e n sollen die Menschen zu Tode gebracht werden. Aber der Diesel funktioniert nicht. Hauptmann Wirth kommt. Man sieht, es ist ihm peinlich, daß das gerade heute passieren muß, wo ich hier bin. Jawohl, ich sehe alles! Und ich warte! Meine Stoppuhr hat alles brav registriert. 50 Minuten, 70 Minuten - der Diesel springt nicht an. Die Menschen warten in ihren Gaskammern. Vergeblich. Man hört sie weinen und schluchzen … Der Hauptmann Wirth schlägt dem Ukrainer, der dem Unterscharführer Heckenholt beim Diesel helfen soll, zwölf-, dreizehnmal ins Gesicht. Nach zwei Stunden 49 Minuten - die Stoppuhr hat alles wohl registriert - springt der Diesel an. Bis zu diesem Augenblick leben die Menschen in den vier [nicht sechs?] Kammern, viermal 750 Menschen in viermal 45 Kubikmetern! - Von neuem verstreichen 25 Minuten. Richtig. Viele sind jetzt tot. Man sieht durch das kleine Fensterchen, in dem das elektrische Licht die Kammern einige Augenblicke beleuchtet. Nach 28 Minuten leben nur noch wenige. Endlich, nach 32 Minuten, ist alles tot. -

Von der anderen Seite öffnen Männer vom Arbeitskommando die Holztüren. Man hat ihnen - selbst Juden - die Freiheit versprochen und einen gewissen Promillesatz von allen gefundenen Werten für ihren schrecklichen Dienst. Wie Basaltsäulen stehen die Toten aufrecht aneinandergepreßt in den Kammern. Es wäre auch kein Platz, hinzufallen oder auch nur sich vornüberzuneigen. Selbst im Tode kennt man noch die Familien. Sie drücken sich, im Tode verkrampft, noch die Hände, so daß man Mühe hat, sie auseinanderzureißen, um die Kammer für die nächste Charge freizumachen. Man wirft die Leichen - naß von Schweiß und Urin, kotbeschmutzt, Menstruationsblut an den Beinen - heraus, Kinderleichen fliegen durch die Luft. Man hat keine Zeit. Die Peitschen der Ukrainer sausen auf die Arbeitskommandos. Zwei Dutzend Zahnärzte öffnen mit Haken den Mund und sehen nach Gold, Gold links, ohne Gold rechts. Andere Zahnärzte brechen mit Zangen und Hämmern die Goldzähne aus den Kiefern. Unter allen springt der Hauptmann Wirth herum. Er ist in seinem Element. Einige Arbeiter kontrollieren Genitalien und After nach Gold, Brillanten und Wertsachen. Wirth ruft mich heran: 'Heben Sie mal diese Konservenbüchse mit Goldzähnen! Das ist nur von gestern und vorgestern.' In einer unglaublich gewöhnlichen und falschen Sprechweise sagt er mir: 'Sie glauben gar nicht, was wir jeden Tag finden an Gold und Brillanten' - er sprach es mit zwei 'l' - 'und Dollar. Aber schauen Sie selbst!' Und man führte mich zu einem Juwelier, der alle diese Schätze zu verwalten hatte, und ließ mich dies alles sehen. Man zeigte mir dann noch einen früheren Chef des Kaufhauses des Westens in Berlin und einen Geiger: Das ist ein Hauptmann von der alten k. u. k. österreichischen Armee, Ritter des Eisernen Kreuzes I. Klasse, der jetzt als Lagerältester beim jüdischen Arbeitskommando ist! Die nackten Leichen wurden auf Holztragen nur wenige Meter weit in Gruben von 100 × 30 × 12 m geschleppt. Nach einigen Tagen gären die Leichen hoch und fallen alsdann kurze Zeit später stark zusammen, so daß man eine neue Schicht auf dieselben draufwerfen konnte. Dann wurde zehn Zentimeter Sand darübergestreut, so daß nur noch vereinzelte Köpfe und Arme herausragten. Ich sah an einer solchen Stelle Juden in den Gräbern auf den Leichen herumklettern und arbeiten. Man sagte mir, daß versehentlich die tot Angekommenen eines Transportes nicht entkleidet worden seien. Dies müsse wegen der Spinnstoffe und der Wertsachen, die sie sonst mit ins Grab nähmen, nachgeholt werden. Weder in Belzec noch in Treblinka hat man sich irgendeine Mühe gegeben, die Getöteten zu registrieren oder zu zählen. Die Zahlen waren nur Schätzungen nach dem Waggoninhalt … Der Hauptmann Wirth bat mich, in Berlin keine Änderung seiner Anlagen vorzuschlagen und alles so zu lassen, wie es wäre und sich bestens eingespielt und bewährt habe …

Alle meine Angaben sind wörtlich wahr. Ich bin mir der außerordentlichen Tragweite dieser meiner Aufzeichnungen vor Gott und der ganzen Menschheit bewußt und nehme es auch auf meinen Eid, daß nichts von allem, was ich registriert habe, erdichtet oder erfunden ist, sondern daß alles sich genau so verhält."

KRITIK DES GERSTEIN-BERICHTES

Schon allein die Tatsache, daß der Gerstein-Bericht von 25 Millionen vergaster Menschen (Juden, Polen und Tschechen) faselt, kennzeichnet die völlige Unseriösität dieses angeblichen Berichtes. Vor allem ist auch bezeichnend, daß der Gerstein-Bericht weder in Nürnberg noch bei späteren Prozessen als Beweis anerkannt wurde; er wurde nicht einmal als Beweismaterial zugelassen (IMT, Bd. VI, S. 40).

Reitlinger berichtet (a. a. O., S. 5), daß der Gerstein-Bericht bei späteren KV-Prozessen von der Verteidigung erfolgreich, angegriffen wurde. Das geschah auch im ersten Giftgasprozeß (Degesch-Prozeß) 1949 in Frankfurt. Es handelte sich dabei um die Anklage gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Degesch in Frankfurt, Dr. Gerhard Peters. Die Degesch hatte Gerstein Zyklon-B-Gas für die KZ geliefert, wo es für die unumgänglich notwendige Desinfektion - vor allem bei den verheerenden Flecktyphusepidemien - verwendet wurde. Als Hauptbeweis gegen Dr. Peters diente der Gerstein-Bericht. Das Urteil brachte deutlich zum Ausdruck, daß das Gericht dem Bericht keinen Glauben schenkte.

Auch die Tübinger Spruchkammer hat den Gerstein-Bericht abgelehnt.

Es ist unmöglich und ausgeschlossen, daß man einen so wertvollen Zeugen, der das im Bericht Erzählte wirklich hätte bezeugen können, nicht unter einen Glassturz gestellt hätte. Es ist undenkbar, daß man diesen wichtigsten Zeugen hätte völlig verschwinden lassen, wenn er etwas wert gewesen wäre.

Wo sind nun die Protokolle über die Vernehmungen, die man mit einem so unersetzlichen Zeugen in den Pariser Gefängnissen doch unbedingt aufgenommen haben muß?

Wurde er so gefoltert, daß ihm nur der Freitod übrigblieb?

Warum ist die Leiche Gersteins so spurlos verschwunden, daß es unmöglich ist, die Ursache seines Todes festzustellen? Hätte man an der Leiche vielleicht erkennen können, daß es sich nicht um Selbstmord handelte? Läßt das nicht fast zwingend vermuten, daß man wahrscheinlich ein Geständnis von ihm erpreßte und ihn dann ermordete?

Warum hat Gerstein sich bei seiner angeblichen ersten Erklärung in Rottweil vor Amerikanern, bei denen es doch von deutschen Emigranten und Vernehmungsorganen wimmelte, damit gequält, sie mühsam in fehlerhaftem Französisch abzugeben, in einer Sprache also, die weder Gerstein noch die Amerikaner sprachen, statt in deutscher oder englischer Sprache?

Warum hat man Gerstein diesen Bericht nicht vor einwandfreien Zeugen abgeben und beeiden lassen?

Warum hat man vom Tod eines so wichtigen Zeugen - des vielleicht wichtigsten Zeugen überhaupt - das Nürnberger Gericht nicht verständigt.

Das Gerstein-Schriftstück ist niemals ein "Geständnis", sondern eine romantische, auf Sensation berechnete, Gerstein in den Mund gelegte, schlecht stilisierte, im einzelnen dumme Greuelfälschung. 148 Menschen je Waggon, 700 bis 800 Menschen auf 25 m² Fläche der Gaskammer sind Nonsens. Ein Schuhhaufen von reichlich 25 in Höhe ist die Erfindung eines Dummkopfs. Daß man Tausenden Leichen mühselig mit Haken den Mund aufbricht, um bei einigen wenigen Goldplomben oder Goldzähne zu finden, ist ebenso haarsträubend gräßlich wie haarsträubend dumm. Gerstein müßte sich tagelang dort herumgetrieben haben, um das alles zu sehen, wovon er schreibt. So Grauenvolles gesehen und miterlebt zu haben, ohne es in alle Welt zu schreien, ohne Wirth niederzuschießen und zu protestieren, ist undenkbar. 2400 Menschen in 2 × 3 Kammern durch die Auspuffgase eines Dieselmotors zu töten, und dies gleich serienweise, ist unmöglich. Ganz unbegreiflich: Wieso schildert Gerstein, der Giftgaslieferant, eine angebliche Vergasung mit Dieselauspuffgasen.

Das "Geständnis" faselt dabei von 25 Millionen Vergasten; nicht nur Juden, sondern vorzugsweise Polen und Tschechen.

Im Ärzteprozeß wurde erwähnt, daß sich die Anzahl von Personen, die auf einmal durch Kohlendioxyd getötet werden könnten, auf dreißig beschränke (Aussage Brack, Trials of War Criminals before the Nuremberg Military Tribunals, Washington, Government Printing Office, 1951/52, I, S. 876-889). Einen gigantischen Schuhhaufen von 25 in Höhe zu erfinden - höher kann man die Dummheit einer Erfindung nicht treiben. Auch einen österreichischen Ritter eines Eisernen Kreuzes I. Klasse hat es niemals gegeben.

Paul Rassinier weist in seinem Buch Was ist Wahrheit (Druffel Verlag, 1963) auf eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten in diesem angeblichen Bericht hin, besonders auch auf die Widersprüche zwischen dem Gerstein-Bericht und anderen Berichten (Poliakow, Brevière de la haine - H. Krausnick, Documentation sur l'extermination par le gaz - Gerhardt Schoenberger, Der gelbe Stern - J. H. Heydecker und J. Leeb, Der Nürnberger Prozeß). Insbesondere verschweigen alle diese Bücher peinlichst, daß dieses Gerstein-Dokument selbst vom Nürnberger Gerichtshofe nicht anerkannt wurde; es wurde sogar seine bloße Verlesung verweigert.

Dr. Dubito zieht in seiner Untersuchung des Gerstein-Berichtes ("Lügengebäude stürzen", Nation Europa, Heft 5/1963, S. 53 f.) folgende Schlüsse:

"Entweder ist der Gerstein-Bericht das Produkt eines von religiösen und sadistisch-perversen Wahnvorstellungen verwirrten Hirns - oder er wurde von dem später bis zum Selbstmord getriebenen Gefangenen durch die Franzosen erpreßt.

Auf diese letzte Möglichkeit deutet vor allem folgendes hin: Man hat es in letzter Zeit immer wieder erlebt, daß bei Aussageerpressungen und 'Geständnissen' den Gefolterten nur ein einziges Mittel bleibt, Außenstehende auf den Terror hinzuweisen: sie verändern Namen, Daten oder Zahlenangaben, die sie unbedingt hätten wissen müssen, in auffälliger Weise. Dies ist im Gerstein-Bericht bei mehreren Namen und Daten und bei den unsinnigen Maß- und Zahlenangaben der angeblichen Gaskammern der Fall - wollte Gerstein mit diesen doch in erstaunlicher Vielfalt auftretenden Unrichtigkeiten sagen, daß der ganze Bericht erpreßt sei?"

In dem angeführten Artikel bringt Dr. Dubito auch eine kurze Analyse der Person Gersteins. Sein schwankendes Lebens- und Charakterbild zeigt, daß er - wenn eine Erpressung vorliegt - kein schwieriges Erpressungsobjekt war.

ERST DEUTSCHE SELBSTBESCHULDIGER UND "AUCH-HISTORIKER" HABEN DEN GERSTEIN-BERICHT GROSS AUFGEZOGEN UND HOCHGESPIELT

Die alliierten Todfeinde Deutschlands und des deutschen Volkes maßen der Person Gersteins keine Bedeutung bei. Sie nahmen seine Person und seinen Bericht nicht ernst. Sie machten von dem Bericht kein Aufhebens; von den alliierten Rachegerichten wurde ihm keine Beweiskraft zuerkannt; er wurde nicht einmal als Beweismaterial zugelassen und zu den Akten genommen. Es blieb den sattsam bekannten deutschen Selbstbesudlern vorbehalten, den Versuch zu unternehmen, diesen fragwürdigen Bericht" zu einem Beweisdokument" zu erheben und hochzuspielen. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesen "Auch-Historikern" um Professoren von der Marke Jahrgang 1945, die sich durch dieses Bemühen als einer akademischen Berufung würdig erweisen wollen.

Als erster trat Prof. Hans Rothfels mit dem Versuch auf den Plan, aus dem Gerstein-Bericht ein beweiskräftiges Dokument, eine beweiskräftige Geschichtsquelle zu machen. Rothfels brachte in der sogenannten Dokumentation" der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (April 1953; Heft 2/1953, S. 177f.) den Abdruck einer deutschen Parallelfassung des französischen Gerstein-Berichtes. Diese deutsche Fassung soll angeblich am selben Tage niedergeschrieben worden sein wie die französische Fassung. Das Schriftstück ist mit Maschine in deutscher Sprache geschrieben und trägt keine Unterschrift. Angeblich soll dieses Schriftstück im Hotel "Mohren" in Rottweil für Frau Gerstein hinterlegt worden sein. Frau Gerstein will von diesem Bericht ein Jahr später gehört und es abgeholt haben.

Das Schriftstück ist nicht nur nicht unterzeichnet; es weist auch erhebliche Abweichungen von der französischen Fassung vom gleichen Tage auf. Es ist als Quelle schon deshalb wertlos, weil es nicht zu verstehen wäre, daß Gerstein einmal so und zur gleichen Zeit ganz anders berichtet. Es ist auch auffällig, daß Rothfels gewisse Teile dieses angeblichen wichtigen Berichtes einfach nicht zum Abdruck gebracht hat. Besonders gravierend ist auch, daß der Hinweis auf Dokument BS 1553 - RE 350 des Nürnberger Gerichtes irreführend ist. Dieser Hinweis erweckt fälschlich den Eindruck, als habe der Gerstein-Bericht dem Gericht als Zeugenaussage vorgelegen. Unter den angegebenen Dokumenten findet man aber nicht den Bericht, sondern nur eine Rechnung über eine Gaslieferung zur Entwesung und Entseuchung an Gerstein. Trotzdem wird immer vom Dokument BS 1553 - RE 350 gesprochen, als handle es sich dort um den Gerstein-Bericht.

Rothfels, der erste deutsche Vorkämpfer für die Echtheit des Gerstein-Berichtes, hat sich - im Gegensatz zu seinen noch viel eifrigeren Nachfolgern - immerhin noch zu einigen Zweifeln herbeigelassen. Er schreibt:

"Die Schwäche des … Dokuments liegt nicht nur in der Disparatheit [Unvereinbarkeit] des Inhalts wie der Form, sondern vor allem in der Tatsache, daß Gerstein in dem Hauptstück auf französisch offenbar nur unvollkommen auszudrücken vermag, was er sagen will. Erst recht ist die im Ärzteprozeß vorgelegte deutsche Übersetzung [Rückübersetzung] voller Irrtümer. Aber auch eine korrektere Wiedergabe kann nicht alle Irrtümer beseitigen."

Sehr verdächtig und auffällig ist wohl auch, daß dieser angeblich zur selben Zeit entstandene angebliche zweite Gerstein-Bericht erst ein Jahr später auftaucht. Man hätte in diesem Zeitraum genügend Möglichkeit gehabt, ein solches Schriftstück nach Belieben zu formulieren und zu fabrizieren. Nicht ganz von der Hand gewiesen werden kann der Verdacht, daß Frau Gerstein durch ein solches Schriftstück irgend jemand einen Dienst erweisen wollte; vielleicht sogar sich selbst, um sich dadurch als "Nazi-Geschädigte" zu qualifizieren.

Der zweite deutsche Knappe, der sich bemüht, einen Schuldbeweis dort zu konstruieren, wo dies nicht einmal die Todfeinde des deutschen Volkes versuchten, ist ein gewisser Helmuth Krausnick vom Münchner "Institut für Zeitgeschichte". Die wissenschaftliche Qualität des Helmuth Krausnick und des durch ihn repräsentierten Münchner "Instituts für Zeitgeschichte" erhellt daraus, daß Krausnick am 11. August 1954 (also ein Jahr nach Rothfels) in der Beilage der Wochenzeitung Das Parlament die Stirne hat, ohne jeden Beweis einfach apodiktisch zu erklären:

"Die Echtheit des [Gerstein-]Berichtes steht außer Zweifel."

Diese Behauptung allein genügte schon, um Krausnick und das "Institut für Zeitgeschichte", dem er angehört, zu beurteilen. Noch vernichtender muß dieses Urteil werden, wenn Krausnick zu den offenbar idiotischen Zahlenangaben, daß 148 Menschen je Waggon befördert wurden, 700 bis 800 Menschen auf die 20 m² der Gaskammer getrieben wurden und ein 25 in hoher Schuhhaufen da war (wobei sich die Henkersknechte offenbar auf die Zehen stellen mußten, um die immer neu hinzukommenden Schuhe daraufzuwerfen), statt daraus die Folgerung der Unwahrheit dieses Berichtes zu ziehen, seelenruhig schreibt:

"Die Glaubwürdigkeit des Berichtes im ganzen wird dadurch nicht beeinträchtigt."

Vier Jahre nach Rothfels gab die "Bundeszentrale für Heimatdienst" diesen Bericht, der eigentlich ihrem Aufgabenkreis völlig fernliegt, noch einmal als Heft 9 ihrer Schriftenreihe unter dem anspruchsvollen Titel Dokumentation zur Judenvergasung heraus. Aber man mag eine Lüge noch so oft wiederholen, sie wird dadurch nicht zu einer Wahrheit.

Schließlich hat auch Walter Hofer - meines Erachtens einer der am eifrigsten bemühten Sammler von Schuldbeweisen gegen das deutsche Volk - diesen Bericht als "Dokument" in sein tendenziöses Sammelsurium (Der Nationalsozialismus - Dokumente 1933-1945) aufgenommen, ohne auch nur mit einer Silbe seine Fragwürdigkeit anzudeuten und die Tatsache zu erwähnen, daß dieses angebliche "Dokument" selbst von den alliierten Rachegerichten nicht anerkannt wurde.

Diese Haltung "deutscher Historiker" gegenüber dem Gerstein-Bericht zeigt, mit welcher Unbekümmertheit und mit welcher Tendenz heute in der BRD Geschichte (gegen das deutsche Volk) geschrieben wird. Allein die unsinnigen Zahlenangaben hätte es diesen Menschen zur Pflicht gemacht, Zurückhaltung in der Weiterverbreitung von solchen Greuelbehauptungen zu üben.

Die Giftstoffe, die nach Auschwitz und in andere Lager geliefert wurden, dienten nicht dazu, Menschen zu vernichten, sondern sie durch Desinfektion, durch Tötung und Vernichtung der Seuchenerreger vor dein Tod zu schützen und ihr Leben zu erhalten. Im Degesch-Prozeß erklärten zwei SS-Männer, die in Auschwitz bei der Desinfektion eingesetzt waren, ausdrücklich:

"Wir haben von Vergasung weder etwas gehört noch gesehen."

In seinem oben erwähnten Artikel über den Gerstein-Bericht sagt Dr. Dubite:

"Zur Bekämpfung der Flecktyphusepidemien benötigte man Giftgas. Und könnten nicht auch die vielen abgelegten Kleidungsstücke, der hohe Schuhhaufen, die Massengräber usw., die sich in manchen Schilderungen so grausig ausnehmen, von diesen Fleckfiebertoten stammen? - Jedenfalls hatten Personal und Leitung der Degesch nichts von Vergasungen gehört und sich nie etwas anderes gedacht, als daß durch die von ihnen zur Entwesung gelieferten großen Zyklon-B-Mengen Millionen von Soldaten und Gefangenen vor dem Tode durch Fleckfieber bewahrt blieben."

Der französische Ankläger Dubost legte in Nürnberg zwei Rechnungen vor (PS 1533, RF 350), nach denen am 20. April 1944 nach Auschwitz und nach Oranienburg je 55 kg Desinfektionsmittel Zyklon-B geliefert worden waren. Von Oranienburg wurde niemals behauptet, daß dort Vergasungen stattgefunden hätten; niemals wurde auch behauptet, daß dort das Zyklon B zu anderen Zwecken denn als Desinfektionsmittel verwendet worden wäre. Genauso war es bei den Zyklon-B-Lieferungen an die vielen anderen deutschen KZ der Fall, die durch Rechnungen belegt sind. Es war das für alle Lager unentbehrliche Desinfektionsmittel. Genauso auch für Auschwitz.

Ganz phantastisch sind auch die Angaben über einen Besuch. Hitlers in den angeblichen Vernichtungslagern und über die dabei geführten Gespräche. Während sonst immer die Notwendigkeit zur Geheimhaltung der angeblichen Vernichtungslager betont wird, taucht hier in vollem Gegensatz dazu der gespenstische Plan der Versenkung von Bronzetafeln in den Massengräbern auf - Tafeln, auf denen die Notwendigkeit der Vernichtung klargelegt werden sollte. Selbst die Vierteljahrshefte (a.a.O., S. 189) müssen die Unglaubwürdigkeit dieses Märchens durch eine Fußnote bescheinigen, da Hitler zu dieser Zeit sein Hauptquartier gar nicht verlassen hat.

Gänzlich unsinnig sind die Schilderungen der sogenannten Vergasungsräume und die Angaben über deren Fassungsraum. Sie sollen nach Gersteins Bericht im deutschen Text 5 × 5 m, im französischen Text 5 × 5 m und 1,9 m hoch gewesen sein. 750 bis 800 Menschen seien hineingetrieben worden. Schon ein Tertianer könnte ausrechnen, daß selbst bei Annahme von nur 750 Menschen dabei für jeden Menschen nur ein würfelförmiger Raum von etwa 33 cm Kantenlänge zur Verfügung gestanden wäre. Man hätte wohl erwarten dürfen, daß auch Professoren - wie Hans Rothfels und Walter Hofer - eine so einfache Rechnung anstellen würden, bevor sie derartige Berichte als "Dokumente" herausbringen und weiterverbreiten.

Die unsinnigste Ausgeburt eines kranken Hirns ist dann die Behauptung, ein SS-Sturmbannführer Günther habe Anfang 1944 8 500 kg Blausäure bei ihm bestellt, mit der man 8 Millionen Menschen, vornehmlich Geistliche und mißliebige Offiziere, "in einer Art Lesesälen oder Klubräumen" mitten in Berlin habe umbringen wollen. Gerstein schreibt:

"Auf jeden Fall richtete ich es so ein, daß die Blausäure sofort nach ihrer Ankunft in den beiden Konzentrationslagern Oranienburg und Auschwitz für irgendwelche Zwecke der Desinfektion verschwand."


  1. Das ist dumm und kindisch; da hätte es doch in Wahrheit nur eines gegeben: Wirth in Grund und Boden zu schlagen und wie einen tollwütigen Hund niederzuschießen. Alles andere wäre unsagbar feige gewesen.

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