III. TEIL
DER AUSCHWITZ-SCHAUPROZESS IN FRANKFURT UND ANDERE PROZESSE[1]

DER AUSCHWITZ-SCHAUPROZESS

Der Auschwitz-Prozeß war der ungewöhnlichste, ungeheuerlichste und teuerste Strafprozeß der gesamten deutschen Rechtsgeschichte. Er dauerte 18 Monate, mehr als 160 Verhandlungstage; der Zeugenauftrieb umfaßte 356 Zeugen aus 18 Ländern, die unter geradezu ungeheuerlichen Kosten nach Frankfurt gebracht wurden. Ihre Aussagen wurden auf Tonbändern und mehr als 18 000 dichtbeschriebenen Blättern in mehr als 100 Bänden festgehalten.

Am 156. Verhandlungstag begannen die Plädoyers der Anklage. Der Staatsanwalt beantragte lebenslänglich. Der Zonenanwalt Doktor Kaul schloß sich ihm an. Der seltsame Nebenkläger Rechtsanwalt Raabs beantragte allen Ernstes: für die beiden Adjutanten Robert Mulka und Karl Höcker 30 500- und 400 000mal lebenslanges Zuchthaus und für die Zahnärzte Dr. Frank und Dr. Schatz je 30 000mal lebenslanges Zuchthaus.

Man fragt sich mit Interesse, wie diese - mich idiotisch anmutenden - Anträge des Herrn Raabs zustande kamen: Von 450 000 ungarischen Juden, die nach Auschwitz gebracht worden seien, behauptet er, seien 300 000 im Lager umgebracht worden. Raabs nimmt an, daß es im Lager 10 Ärzte gab - 300 000 : 10 ergibt für jeden der Ärzte also 30 000 Opfer. Wenn es hier nicht um Leben oder Tod ginge, wäre eine solche Milchmädchenrechnung zum Lachen. Die Behauptung der Ermordung von 300 000 ungarischen jüdischen Arbeitern ist überdies eine freche Greuellüge.

Am 163. Verhandlungstag begannen die Plädoyers.

EINSEITIGE BERICHTERSTATTUNG

Man schwieg in der deutschen Presse und in der Weltpresse die Plädoyers der Verteidiger fast tot. Und dies, nachdem man dem Prozeß die denkbar größte Publizität und Aufmachung geschenkt hatte.

Jede noch so phantasiereiche, ja die blödsinnigste und selbst offenkundig infam erlogene Zeugenaussage wurde ungeprüft bis in alle Winkel und durch alle Ecken der Erde gejagt. jede Grausamkeit und jede bestialische Handlung, auch die absurdesten und verlogensten, wurden als "typisch deutsch" an die Propagandazentren des Deutschenhasses geliefert. Selbst die fragwürdigsten und anrüchigsten Belastungszeugen hat man der Welt vorgeführt und ihnen neben umfangreichen Sendezeiten in Rundfunk und Fernsehen in der deutschen und ausländischen Großpresse riesige Schlagzeilen, haushohe Überschriften und spaltenlange Berichte gewidmet.

Dem Plädoyer des Verteidigers Erhard widmete die Frankfurter Allgemeine eine Kurzmeldung von 13 Zeilen.

Über das siebenstündige Plädoyer von Dr. Laternser, gegen das sich die Posaunen von Jericho wie Friedensschalmeien anhören müßten, berichtet die Süddeutsche Zeitung mit 50 Zeilen, in denen wesentliche Teile des Inhalts nicht einmal andeutungsweise erwähnt werden. Jetzt, da Deutsche nicht angeklagt, sondern verteidigt werden, erfüllt man nicht einmal die einfachste Pflicht der Unterrichtung der Öffentlichkeit. Der Rundfunk und das Fernsehen glänzen durch Abwesenheit und tödliches Schweigen.

Angeklagt in den Plädoyers wird die "politische Justiz", die die weisungsgebundenen Staatsanwälte in einen Befehlsnotstand zwingt, wonach sie anklagen müssen und die rechtsprechende Gewalt zu einem Werkzeug der Exekutive wird.

DIE ZEUGENAUSSAGEN IM AUSCHWITZ-PROZESS

Nach meiner Auffassung wurde in dem ganzen Prozeß nicht ein einziger wirklich einwandfreier Beweis erbracht. Alle Zeugenaussagen waren irgendwie anfechtbar und unbefriedigend. Aber auch 1000 nicht einwandfreie und bedenkliche Zeugenaussagen ergeben zusammen nicht einen guten Beweis. 1000 anfechtbare Beweise ersetzen auch zusammen keinen einzigen guten Beweis, der im ganzen Prozeß nicht erbracht wurde.

Der Auschwitz-Prozeß zeigte besonders klar die Problematik, die rechtliche Unmöglichkeit und Unvernunft solcher um Jahrzehnte verspäteter Prozesse auf. Der Aufmarsch der Zeugen und ihre Aussagen wirken auf den unvoreingenommenen Beobachter abstoßend und erschreckend. Abgesehen davon, daß es sich für mich offenkundig um zentral gelenkte und instruiert und organisiert eingesetzte Zeugen handelt, ist es offenkundig, daß es sich bei ihnen um Rachezeugen handelt, die bis zum Rande, bis zum Platzen, mit Haß und Rachegier gefüllt sind; ihnen wird in diesen Prozessen freie Bahn gewährt, ihre Rachegier auszutoben. Sie konnten ohne weiteres darauflos erzählen, was ihr Haß ihnen eingab und ihre Hintermänner ihnen diktierten; sie brauchten überhaupt nichts zu beweisen. Und wer sollte ihnen nach so vielen Jahren die Unwahrheiten in ihren Erzählungen nachweisen? Niemand kann den unmöglichen Beweis erbringen, daß etwas n i c h t geschehen ist.

In diesem ganzen Monsterschauprozeß wurde - wenn überhaupt etwas - nur eines bewiesen: daß in Auschwitz Brutalitäten vorgekommen sind; dies jedoch in erster Linie durch Häftlingskapos selbst. Das aber wußten wir auch ohne diesen nach Jahrzehnten abgeführten kostspieligen Schauprozeß.

Ganz besonders anfechtbar waren die polnischen Zeugen, die nachweislich vorher einer Filtrierung und gründlichen Beeinflussung und Bearbeitung durch polnische Stellen unterzogen wurden. Die polnischen Zeugen stellten aber allein ein Drittel aller Zeugen.

Verteidiger Dr. Laternser stellte in seinem Plädoyer bei diesen Zeugen ausdrücklich fest, daß sie tagelang im polnischen Justizministerium vorvernommen, d. h. also entsprechend ausgerichtet und abgerichtet wurden.

DIE ZEUGENSCHAFT ALS EINTRÄGLICHES GESCHÄFT

Es ist fast unglaublich, wie großzügig in diesem Prozeß mit Staatsgeldern gewirtschaftet und herumgeworfen wurde. Die polnischen Zeugen forderten und erhielten enorme Zeugengelder.

Zeuge Journalist Kaminski verrechnete je Tag DM 8o,- Verdienstausfall für 2 Tage Vorvernehmung durch das polnische Justizministerium und für 2 Tage Paßbesorgung.

Zeuge Mörz verrechnete 4 Tage Vorvernehmung und 3 für die Paßbesorgung.

Zeuge Bobek benötigte für die Paßbesorgung in Warschau 11 Tage.

Zeuge Kral verrechnete 3 Tage für Paßbesorgung. Er hat für 14 Tage Verdienstausfall je DM 92,80, also zusammen DM 1299,20 verlangt und erhalten.

Zeuge Schuhmacher Sypalewski forderte täglich DM 90,- für Verdienstausfall.

Zeugin Strickerin Pozimska forderte von der Frankfurter Gerichtskasse einen täglichen Verdienstausfall von DM 120,- und erhielt sie.

Der Direktor des Auschwitz-Museums, Smolen, begehrte für die erste Vernehmung in Warschau einen Verdienstausfall von DM 2040,80, für die zweite Vernehmung in Warschau DM 1327,70 + 165,-.

Der Zahnarzt Mikolayski verlangte für 10 Tage je DM 177,65 täglich.

Den Zeugen wurde unverständlicherweise ein utopischer Umrechnungskurs von 1 DM = 6 Zloty für ihren angeblichen Verdienstausfall gewährt. Genauso verhält es sich mit den Abrechnungen der Zeugen aus anderen Ländern. Dazu ist zu bemerken:

Die D-Mark wird mit 19 Zloty berechnet. Der durchschnittliche Monatsverdienst in Polen ist 2000 Zloty. Ein Arbeiter verdient unter 1500 Zloty, eine Sekretärin 800 bis 1200 Zloty. Wenn die Strickerin Pozimska pro Tag DM 120,- verlangte und erhielt, so hat sie für jeden Tag 12omal 19 = 2280 Zloty erhalten, das sind also für jeden Tag zwei Arbeitermonatsgehälter.

Der Zeuge Farber hatte seine Zeit wie folgt eingeteilt: Am 30. September flog er von Prag ab, 1. Oktober Ruhetag, 2. Oktober Vernehmung, 3. und 4. Oktober Samstag und Sonntag, 5. Oktober Vernehmung, 6. Oktober Ruhetag, 7. Oktober um 21 Uhr Rückflug. Der Zeuge ist Dentist von Beruf. Er machte DM 2320,40 geltend. In diesem Betrag stecken für Paßerledigung DM 308,-, aber außerdem für Paß und Foto DM 92,40 und für Visum DM 40. Die Paßerledigung hat also angeblich DM 400,40 gekostet.

Beranowski, Elektroschweißer von Beruf, hat für 5 Tage einen Verdienstausfall je Tag mit DM 87,93 geltend gemacht, selbstverständlich dazu noch Tage- und Übernachtungsgelder. Das bekamen die Zeugen immer gesondert.

Den Höhepunkt bei den tschechischen Zeugen bildet die Reisekostenabrechnung des Zeugen Rybka. Dieser verlangte DM 2039,24. Er bekam allerdings etwas weniger. Er hatte nämlich die Kosten für den Flug, die DM 266,- betragen, vorsorglich mit DM 532,- - doppelt so hoch - angegeben. Kybka ist Rentner; er verlangte trotzdem Verdienstausfall für 12 Tage je 10 Stunden zu je DM 5,-.

In dem reichhaltigen, bei Gericht entstandenen Schriftwechsel wird ausdrücklich vermerkt, daß die Tendenz des Zeugen im Betrug bestehe.

Der Vermerk des Kostenbeamten vom 23.November 1964 ergibt, Rybka habe am 19. Oktober 1964 folgendes behauptet:

"1. Die gezahlten Tages- und Übernachtungsgelder reichten nicht aus. Er wurde aufgefordert, Quittungen vorzulegen. Dies lehnte er ab.

2. Während seiner vorübergehenden Abwesenheit von der Tschechoslowakei würde seine Rente von monatlich 1205 Kronen und sein Kindergeld von monatlich 900 Kronen für 3 Kinder vom Staat nicht weitergezahlt. Dies wurde angezweifelt. Er wurde aufgefordert, eine amtliche Bescheinigung darüber beizubringen. Er behauptete, die VVN [2] in Frankfurt könne das bestätigen. Es wurde ihm erklärt, daß das nicht genüge. Bis heute hat er keine entsprechende Bescheinigung beigebracht.

3. Er habe am 26. Februar 1964 anläßlich seiner ersten Vernehmung durch die STA pro Tag DM 50,- Verdienstausfall bekommen. Ich solle seine Aufstellung, wonach er täglich 85 Kronen verdiene - und das ist wesentlich weniger - fortwerfen und ihm DM 50,- täglich Verdienstausfall zahlen. Das wurde abgelehnt. Von einer zusätzlichen Prämie, die er neuerdings verlangt, hat er am 26. Oktober 1964 überhaupt nichts erwähnt.

Frankfurt am Main, 28. November 1964
gez. Reichardt"

Es scheint von ganz besonderer Bedeutung zu sein, daß sich dieser Zeuge auf die VVN in Frankfurt berufen hat. Sie also könne bestätigen, daß er wegen seiner vorübergehenden Abwesenheit seine Rente von 1205 Kronen und sein Kindergeld von 900 Kronen nicht erhalte. Wenn der Zeuge wußte, daß die VVN bereit war, eine solche - wie ich behaupte - falsche Bescheinigung auszustellen, dann hatte er - und ich behaupte, mindestens auch die anderen Zeugen aus der Tschechoslowakei - mit dieser kommunistischen Vereinigung Verbindung während seines Frankfurter Aufenthalts und erhielt von dort die Informationen für die bevorstehende Vernehmung. Worin sollte denn sonst der Grund für eine Verbindungsaufnahme mit dieser Stelle bestehen?

Genauso verhielt es sich mit den Kostenabrechnungen der rumänischen Zeugen.

Dr. Gisela Böhm, die mit DM 3235,- entschädigt wurde, ist angestellte Ärztin. Sie hat u. a. einen Verdienstausfall für 33 Tage mit je DM 46,- gleich DM 1518,- erhalten.

Ella Salomon, die mit DM 3122,80 entschädigt wurde, ist Lehrerin an einer höheren Schule. Sie erhält als Verdienstausfall für 33 Tage je DM 42,- bis 60,-, insgesamt DM 1405,-. Dieser Verdienstausfall ist zeitlich und auch der Höhe nach übersetzt.

Den Rekord in der Forderung stellte der Zeuge Glück auf, der neben einer gewährten Entschädigung von DM 2374,40 noch einen 14tägigen Erholungsurlaub für sich und seine Ehefrau beantragt hat, der ihm aber nicht bewilligt werden konnte.

Der Monatslohn aller Industriearbeiter und Angestellten in Rumänien beträgt zwischen DM 178,- und 378,-.

Im Treblinka-Prozeß war man dann schon viel gescheiter. Nicht daß man dort den Zeugen weniger gezahlt hätte, aber man verweigerte der Verteidigung, den Einblick in die Abrechnungslisten der Zeugengebühren.

Der israelische Zeuge Glück erhielt für eine Vernehmung, die insgesamt 2 Tage dauerte (16. und 17. Oktober 1964), einen Betrag von DM 9170,8o, davon DM 1795,- als Fahrtkosten, DM 3374,40 für seine zweitägige Vernehmung und Tag- und Übernachtungsgeld für 37 Tage. Seine Aussagen strotzten nur so von Unwahrheiten.

Der Zeuge Sebestyen war zweimal in Frankfurt. Für die zweitägige Vernehmung (17. und 18. Oktober 1961) in der Voruntersuchung war er 32 Tage unterwegs. Diese erste Vernehmung verursachte für sich und seine Frau DM 8307,40 an Kosten. Für die zweite Vernehmung vor dem Schwurgerichte erhielt er weitere DM 3080,80, zusammen also DM 11 388,20! Dabei war sein Zeugnis - wie Dr. Laternser bewies - für die Urteilsfindung nicht verwertbar.

Und das läßt sich das deutsche Volk bieten!

DIE TEUERSTEN ZEUGEN DER WELT

Unter diesem Titel bringt die NZ vom 10. Dezember 1965 auf Seite 8 f. einen Artikel von Regina Dahl über "die Betrugsfälle im Auschwitz-Prozeß", dem wir u. a. folgendes entnehmen:

"Dr. Sehn, ein hoher Beamter im polnischen Justizministerium, erhielt im Auschwitz-Prozeß hohe Zeugengebühren und Entschädigung für Verdienstausfall, obwohl er in diesem Prozeß weder als Sachverständiger noch als Zeuge in Erscheinung getreten ist und obwohl ihm als hohem Beamten sicherlich kein Verdienstausfall entstanden sein wird.

… Bei der Berechnung der Verdienstausfälle wurde den Zeugen 1 Zloty mit 1 DM umgerechnet. Dabei muß es gerichtsbekannt sein, daß man in Polen ohne Schwierigkeit die D-Mark im Verhältnis 1 : 20 umtauschen kann. Laut Bankauskunft ist es möglich, bei Überweisung von D-Mark nach Polen einen Umrechnungskurs von 1 DM = 18 Zloty offiziell zu erhalten.

… Was veranlaßte den Oberstaatsanwalt Dr. Rahn am 25. August 1965 - sechs Tage nach der Urteilsverkündung -, vor der Presse zu behaupten, Dr. Sehn habe einen Verdienstausfall weder geltend gemacht noch erhalten? Nachdem sich die Tatsache des von Dr. Sehn entgegengenommenen Verdienstausfalles aus Kostensonderband VI (S. 203 und 205) ergibt …, war diese Erklärung von Dr. Rahn eine falsche Information der Presse!"

Für die aufreizende Höhe der Zeugengebühren bringt Regina Dahl zahlreiche Beispiele:

Der Schuhmacher Spalewski erhielt für 5 Tage Verdienstausfall je Tag DM 90-, das sind S 585, zusammen DM 450,-, das sind S 2925,-. Dazu zusätzlich für 5 Tage Aufenthalt in Frankfurt DM 1202,-, das sind S 7813,-!

Der Feinmechaniker Lazanowics erhielt für 10 Tage Verdienstausfall je Tag DM 93,20, das sind S 605,71, zusammen DM 932,- oder S 6057,-.

Dentist Goeczy verlangte für 10 Tage Verdienstausfall je Tag DM 220, das sind S 1430,-, zusammen DM 2200,- oder S 14 300,-! Der arbeitslose Pozimska verlangte für 10 Tage Verdienstausfall je Tag DM 80,-, das sind S 520, dazu für Paßerledigung DM 715,-, das sind S 4646,50, insgesamt einschließlich Aufenthalt DM 2950,85, das sind S 19 180,52.

Seine Ehefrau, Strickerin, forderte für 14 Tage Verdienstausfall je Tag DM 120,-, das sind S 780,- täglich; einschließlich Aufenthalt erhielt sie DM 3133,- DM, das sind S 20 377,50!

Bei der Beurteilung dieser offensichtlich betrügerischen Forderungen für angeblichen Verdienstausfall muß man sich vor Augen halten, daß in Polen Gehälter unter 3000 Zloty die Regel sind. (Vgl. dazu FAZ vom 27. November 1965, Nr. 276, "Breslau unter Polen".)

DAS KOSTSPIELIGE EHEPAAR SEBESTYEN

Dr.-Ing. Rudolf von Sebestyen wurde, 2 Jahre vor der Eröffnung der Hauptverhandlung, am 17. Oktober 1961 um 9 Uhr und am 19. Oktober um 16.30 Uhr einvernommen. Laut Kostenverband V, S. 55156, zahlte die Gerichtskasse für diese kurze Zeugenvernehmung:

DM 1745,-

Flug- und Schiffsreise (kombiniert) für den Zeugen Für seine Frau (von der er sich auf dieser Vergnügungsreise auf deutsche Kosten begleiten ließ) verrechnete er dieselbe Reise gar mit.

DM 2240,-

also

DM 3985,- für die Hin- und Rückreise,
DM 550,- für Paß, Visa und Fahrt,
DM 699,20 Tagegeld für Herrn Sebestyen für 32 Tage à DM 21,85,
DM 512,- Tagegeld für die Frau für 32 Tage a DM 16,-,
DM 699,- Übernachtungsgeld für die Frau für 32 Tage à DM 21,85 und
DM 1350,- Vertretungskosten für 45 Tage a DM 30,-

Obwohl die Flugreise nur 5 Stunden und die Schiffsreise (je nach Einschiffungshafen) nur 5 bis 6 Tage dauert, wurden 32 Tage Reisedauer zuerkannt. Tagesspesen und Übernachtungsgelder wurden für die gesamten 32 Tage bezahlt, obwohl bei der Schiffsreise diese Kosten im Preis enthalten sind!

Drei Jahre später wurde der kostspielige Herr Dr. Sebestyen anläßlich der Hauptverhandlung am 2o. August 1964 neuerlich zu einer Vergnügungsreise mit seiner Frau geladen, obwohl die Staatsanwaltschaft der widerspruchsvollen Aussage dieses Zeugen gar nicht folgte!

Dr. Sebestyen verlangte außer den Reisespesen:

Taggeld für 34 Tage a DM 88,- (für beide) = DM 2992,-
und Übernachtungsgeld für 34 Nächte a DM 8o,5o (für beide) = DM 2731,-

Bezahlt wurden nur DM 3050,50 an Reisekosten und Tag- und Übernachtungsgelder nur für 20 Tage und Nächte.

Insgesamt kostete der unbrauchbare Zeuge dem deutschen Volk etwa DM 11 400,-.

Der Fabrikant Josef Glück aus Haifa wurde am 16. und am 17. Oktober 1961 vom Untersuchungsrichter in Frankfurt vernommen. Er verrechnete dafür eine Reise vom 12. Oktober bis zum 17. November und erhielt DM 5796,40-.

Zur Hauptverhandlung ließ sich Glück von seiner Frau begleiten. Er erhielt DM 9200,- insgesamt für beide Aussagen.

DIE BEEINFLUSSUNG DER ZEUGEN, IHRE ABRICHTUNG UND AUSRICHTUNG

Der Verteidiger, Dr. Laternser, konnte in seinem Plädoyer eine Anzahl sowjet-tschechischer, sowjet-rumänischer und sowjet-polnischer Zeugen als meineidige Lügner und Betrüger entlarven.

Es war für jeden, der sehen wollte, offenkundig, daß die auswärtigen Zeugen - und das war die Mehrzahl - danach ausgesucht waren, daß sie die jeweiligen Beschuldigungen gegen die Angeklagten bestätigten. Über diese abgerichteten Zeugen sagte der Verteidiger Dr. Laternser in seinem Schlußplädoyer:

Bei den ausländischen Zeugen, die ja im Laufe des Prozesses so nach und nach und in Serien die Belastungen für die einzelnen Angeklagten erbrachten, haben sich Kräfte subjektiver und objektiver Art ausgewirkt, die der Kenntnis und daher auch der Beurteilung des Gerichts entzogen sind. Sie wissen, daß in der Tschechoslowakei Komitees zur Aufklärung von NS-Verbrechen gegründet wurden, von denen die tschechischen Zeugen mit Sicherheit ihre Informationen erhalten haben werden.

Sie erinnern sich dieser so übertriebenen und unglaubwürdigen Angaben einer Reihe von tschechischen Zeugen, die sogar in Frankfurt mit der kommunistischen VVN Verbindung aufgenommen haben und sich nicht scheuten, dies dem Kostenbeamten mitzuteilen. Sie wissen, daß auch in den anderen Ländern, wie Polen, Rumänien und Israel, solche Organisationen bestehen, die sicher auch dem Austausch von Informationen dienen.

Sie wissen - ich habe das unter Beweis gestellt -, daß die rumänischen Zeugen vor ihrer Ausreise vom Sicherheitsdienst vernommen worden sind. Sie wissen ferner, daß auch die polnischen Zeugen Vorvernehmungen im polnischen Justizministerium unterzogen worden sind. Und bei all diesen Zeugen kommt dann noch die Einstellung hinzu, daß es bei diesen Angeklagten auf eine Belastung mehr oder weniger sowieso nicht mehr ankommen kann.

Die ausländischen Zeugen tragen keinerlei Verantwortung für ihre Aussagen, jedenfalls nach außen hin.

Ich habe Ihnen Beispiele gegeben, in welchem Maße sie sich widersprechen, ohne auch nur die geringsten Bedenken zu haben, von den dafür zuständigen Stellen zur Rechenschaft gezogen werden zu können. Das ziehen die Zeugen gar nicht in den Kreis ihrer Betrachtungen. Das würden sie sogar als Unrecht empfinden. Sie hätten keinerlei Verständnis dafür, daß etwa ein Häftling für eine falsche Aussage in diesem Prozeß - auch unter Eid - zur Rechenschaft gezogen würde. Das Gefühl, es kommt bei diesen Angeklagten sowieso nicht so genau darauf an, hat eben dazu geführt - und das ist mein fester Eindruck -, das sonst bei den Zeugen übliche Verantwortungsgefühl zu verdrängen.

Es ist in diesem Prozeß ja gerade die wohl letzte Gelegenheit …, auf diese Weise Rache zu nehmen. Daß in den Ostblockstaaten ein gehöriger Einfluß auf die Zeugen ausgeübt wird und daß die Erteilung der Ausreisevisa von einer vorherigen Besprechung oder Vernehmung abhängig gemacht worden ist, kann einem ruhigen Beurteiler der gesamten Situation nicht zweifelhaft sein."

Ungeheuerlich war auch der Fall des Dr. Sehn. über die Rolle Dr. Sehns im Auschwitz-Prozeß enthüllte Dr. Laternser (NZ Nr. 32 vom 6. August 1965, S. 5 f.):

"Dr. Sehn war als Beamter im Range eines Staatssekretärs im polnischen Justizministerium tätig. Sie wissen, daß die polnischen Zeugen, soweit dies feststellbar war, im polnischen Justizministerium voreinvernommen und sicher auch ausgerichtet und instruiert wurden … Daß in den Ostblockstaaten ein gehöriger Einfluß auf die Zeugen ausgeübt wurde…, kann nicht zweifelhaft sein.

Dieser Dr. Sehn aus dem polnischen Justizministerium ist viele Male in Frankfurt gewesen. Allein bis zu diesem Prozeß mindestens sechsmal. Bei den beiden letzten Besuchen brachte er sogar noch einen Begleiter, Smulovski, mit. Bis zurn 29. November 1963 haben er und sein Begleiter DM 7.244,65 als Zeugengebühren vereinnahmt. Haben Sie hier einen Zeugen Dr. Sehn oder Smulovski erlebt? I c h  n i c h t ! Was war er denn? Informant? Ein Informant erhält doch keine Zeugengebühren! Für wen? War er Zuträger der polnischen Zeugen? Wollte er sich selbst orientieren, um seinerseits die polnischen Zeugen orientieren zu können? Das ist doch eine Frage, die man stellen muß. Was war der Zweck seiner jeweiligen Besuche?

Dr. Sehn wußte jeweils über den Stand des Verfahrens genauestens Bescheid. Sicher wollte er sich doch nicht persönlich informieren. Und solche persönlichen Auskünfte hätte die Staatsanwaltschaft doch sicher nicht erteilt. Sie wissen doch, daß jeder polnische Zeuge, der nach Deutschland reiste, zuvor ins Justizministerium gehen mußte, um dort seinen eigenen Paß abzugeben und den Auslandspaß entgegenzunehmen.

Sie wissen doch, daß jeder Zeuge zwei- bis drei-, ja bis siebenmal im Justizministerium war und die dafür entstandenen Kosten sich aus unserer Gerichtskassa hatte zahlen lassen. Und Sie wissen, daß die Zeugen das selbst angegeben haben, daß Vorvernehmungen im polnischen Justizministerium stattgefunden haben. Wer führte sie denn durch? Wer außer Dr. Sehn wußte denn Bescheid?

Ich glaube, daß Dr. Sehn die Zeugen orientiert hat und dies mit Kenntnissen tat, die er bei seinen ihm dafür noch bezahlten Besuchen in Frankfurt erlangt hatte.

Wie kommt es, frage ich weiter, daß ein höherer Beamter des polnischen Justizministeriums hier bei uns Verdienstausfall für solche Besuche geltend macht, durch die er Orientierungen für sich einholen wollte? Ist ihm denn überhaupt ein Verdienstausfall entstanden? Doch sicher nicht! Und wenn nicht: was bedeutet dann die Geltendmachung eines solchen in Wirklichkeit gar nicht entstandenen Verdienstausfalls?

Und wie kommt es, daß die Staatsanwaltschaft einen höheren Beamten des polnischen Justizministerium, nach dessen erstem Besuch doch feststand, daß er nicht als Zeuge fungieren wird, bei noch weiteren fünf Besuchen - oder waren es noch mehr - als Zeugen entschädigte? Auf Zeugenentschädigung hat doch nur ein geladener oder vernommener Zeuge einen Anspruch.

Überlegen Sie doch einmal, was der eigentliche Zweck der Besuche des Dr. Sehn gewesen sein kann. Doch sicher die Orientierung für sein Ministerium selbst. Sonst geben die Ostblockstaaten - so auch die Ostzone - doch nur Material und Orientierung, wenn sie glauben, daß es jetzt politisch gerade paßt.

Dr. Sehn kam doch nicht im Interesse der Staatsanwaltschaft nach Frankfurt. Das haben die Staatsanwälte nur angenommen in ihrer Harmlosigkeit den Ostblockstaaten gegenüber! Solche Dinge setzen -wenn sie nach ihrem wirklichen Gewicht geprüft werden - in einem Prozeß dieser Art Zeugen, die aus den feindselig eingestellten Ostblockstaaten kommen, eigentlich völlig außer Kraft. Sicher wird Doktor Sehn den Zeugen gesagt haben: 'Sie können da ruhig hinfahren, dort passiert Ihnen nichts, da brauchen Sie keine Bedenken zu haben. Nur ordentlich auspacken, dann sind sie schon zufrieden.' Das wird die vorbereitete Einstellung jener Zeugen sein, die wir aus den Ostblockstaaten gesehen und gehört haben. Und wenn dann noch hinzukommt, daß es sich um den Auschwitz-Komplex handelt, dann gelten überhaupt keine Regeln mehr; diesen Angeklagten gegenüber ist dann alles erlaubt.

Wenn Sie all das berücksichtigen - insbesondere aber auch erwägen, was sich zwischen den Zeugen selbst abgespielt hat und daß Sie nie werden feststellen können, daß diese Zeugen eine Verantwortung für ihre Aussagen zu tragen haben werden -, dann zeigt dieser Prozeß erneut mit besonderer Eindringlichkeit, daß man auf Zeugenaussagen, als den schlechtesten Beweismitteln in Prozessen dieser Art, so gut wie nichts mehr geben kann, insbesondere nach Ablauf von mehr als 20 Jahren.

Hohes Gericht! Was wollen Sie nun als Ergebnis dieser Hauptverhandlung feststellen? Sicher sind Verbrechen begangen worden, die ich in keiner Weise verkleinern möchte. Ebenso sicher ist aber, daß Sie, meine Damen und Herren Richter und Geschworenen, nicht mehr in der Lage sind, diese Verbrechen tatbestandsmäßig festzustellen, wie es für den Erlaß eines Urteils erforderlich ist - eine tatsächlich unmögliche Aufgabe, vor die Sie der Staat durch die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gestellt hat, deren Schwierigkeit die der Verteidigung während dieses Prozeßverfahrens bei weitem übertrifft.

Sie wissen, daß ich den Standpunkt vertrete - ein anderer sich rechtlich gar nicht halten -, daß alle nicht verjährten Straftaten zu verfolgen sind. Darüber gibt es keinen Zweifel. Sie müssen aber verfolgt werden in einer Weise, die die Gerechtigkeit nicht gefährdet."

Dr. Laternser beweist unwiderleglich, daß es sich hier um präparierte Zeugen handelt. Die Zeugen müssen die Rolle spielen, die sie vorher vor den Organen der sowjet-polnischen, der sowjet-rumänischen und der sowjet-tschechischen Justiz einstudiert haben. Dr. Laternser liefert schlagende Beweise, daß sich die Unglaubwürdigkeit dieser Kronzeugen in ihren Aussagen vor dem Gericht noch drastischer zeigt als in ihren unverschämten Zeugenabrechnungen.

Besonders begründeter Verdacht besteht seitens der polnischen Zeugen, daß sie zu Ungunsten der Angeklagten beeinflußt wurden.

Die 38jährige Zeugin Barbara Przimka aus Terowitz war bei ihrer Aussage überaus verängstigt und ließ erkennen, daß sie weitere Strafmaßnahmen gegen ihre Familie befürchte. Ihr Mann war nach seiner Zeugenaussage in Frankfurt in der polnischen Presse als Verteidiger der Angeklagten gebrandmarkt worden und hatte überdies seine Anstellung als Nationalökonom verloren Für Frau Przima lohnte es ich, daß sie sich trotzdem als Zeugin zur Verfügung stellte. Für die wenigen Tage in Frankfurt begehrte sie den wirklich unglaublich anmutenden Verdienstausfall in der Höhe von DM 3000,- und erhielt ihn auch von der Gerichtskasse.

Auch die Verweigerung der Ausreisevisa für Zeugen, die möglicherweise zugunsten der Angeklagten hätten aussagen können, ist bezeichnend für die Praktiken Polens im Auschwitz-Prozeß.

Ein Kuriosum des Auschwitz-Prozesses ist wohl auch, daß der bereits im polnischen Auschwitz-Prozeß am 22. Dezember 1947 zum Tode verurteilte und nach 11jähriger Haft begnadigte 52jährige Arthur Breitwieser in Frankfurt neuerlich Angeklagter war.

Dr. Laternser sagt in seinem Plädoyer wörtlich:

"Hohes Gericht! Ich bin in der Lage, nachzuweisen, daß jeder Zeuge erst nach gründlicher Filtrierung seiner Aussage selbst die Möglichkeit erhalten hat, als Zeuge nach Deutschland auszureisen."

Die von der Verteidigung geladenen polnischen Entlastungszeugen Rawicz und Gumkowski erhielten keine Ausreisegenehmigung. jeder polnische Zeuge mußte über Warschau ausreisen, er erhielt dort die Ausreisepapiere gegen Abgabe seines eigenen Passes, nach Rückkehr hatte sich jeder Zeuge wiederum in Warschau beim Justizministerium zu melden und erhielt dort wieder seinen Reisepaß ausgefolgt. Auch von der CSSR und Rumänien wurde Entlastungszeugen die Ausreise verweigert.

DIE AUSLÄNDISCHEN ZEUGEN

Von den 356 vernommenen Zeugen hat Polen mehr als ein Drittel gestellt. 188 Zeugen, also mehr als die Hälfte aller Zeugen in diesem Prozeß gegen Deutsche, hat das Ausland gestellt.

Bei allen diesen ausländischen Zeugen ist aber das Einstehenmüssen für die Richtigkeit ihrer Aussage praktisch gänzlich ausgeschaltet. Die Zeugen kommen auf Kosten der deutschen Steuerzahler aus dem Ausland, sagen aus und reisen wieder ab. Sie können nicht belangt werden, wenn sich die Unrichtigkeit ihrer Aussage herausstellt. ja sie werden von der deutschen Staatsanwaltschaft noch nicht einmal in Anspruch genommen, selbst wenn es feststeht, daß sie eine falsche eidliche Aussage gemacht haben.

DIE FARCE DER IDENTIFIZIERUNGEN

Rechtsanwalt Fritz Steinacker befaßte sich in seinem Plädoyer mit der Frage des sogenannten Wiedererkennens der Angeklagten im Gerichtssaal durch die Zeugen:

"Ich kann mir nicht vorstellen, daß dieses Gericht die Identifizierung von einzelnen Angeklagten durch Zeugen Überhaupt in irgendeiner Form zum Nachteil eines Angeklagten wertet; denn was hier vorgenommen wurde, war keine Identifizierung, sondern eine Farce. Mit Beginn des Verfahrens wurden die Angeklagten von Presse, Rundfunk, Fernsehen und Bildberichterstattung derart in der Öffentlichkeit bekanntgemacht, daß jeder, der die Angeklagten noch nicht kannte, aber daran interessiert war, sie kennenzulernen, sie kennenlernte. Die Angeklagten, die sich noch auf freiem Fuße befanden, waren von Beginn des Verfahrens an Freiwild für die Fotografen. Ob vor oder nach der Verhandlung oder in der Mittagspause, sie wurden gejagt von Amateurfotografen, Pressefotografen, den Kameraleuten der in- und ausländischen Fernsehanstalten. Ihre Bilder waren - neben Passagen aus der Anklageschrift - in der Ausstellung Über das Konzentrationslager Auschwitz zu sehen. Jeder konnte sein Gedächtnis auffrischen oder sich zusätzliche Eindrücke aneignen. Trotz all dieser Publizität kam es bei der sogenannten Identifizierung immer wieder zu Pannen."

Am 3. Dezember 1964 erklärte die Zeugin Zelmanowic: "Das Bild des Dr. Lucas werde ich nicht vergessen, ich habe es in meinem Gedächtnis" - und sie zeigt auf den Angeklagten Dylewski und sagt: "Das ist Dr. Lucas!" Der Zeuge Paisikovic war, wie eine Bildreportage vom 13. September 1964 in der Illustrierten "Revue" bewies, vor seiner Vernehmung im Gerichtssaal. Er konnte sich von der Pressetribüne aus über die Sitzordnung der einzelnen Angeklagten orientieren. Trotzdem gab es eine Panne. Paisikovic verwechselte Stark mit Boger. Der Grund war offensichtlich: Boger und Stark hatten seit der Anwesenheit des Zeugen auf der Galerie die Plätze getauscht.

Der Zeuge Stenkin erkennt Dr. Frank als Stark und Boger als Klehr.

Niemand wird leugnen können, daß ein Wiedererkennen der Angeklagten nach 20 Jahren fast unmöglich ist, wenn man außerdem in Betracht zieht, daß die SS-Leute in Uniform einander ähnlich sahen.

Manche der Zeugen nehmen die Tatsache, daß im Lager Auschwitz brutale Verbrechen verübt wurden, offensichtlich zum Anlaß, in ihren Aussagen diese Verbrechen beliebig zu variieren und diese Variationen einem der Angeklagten anzulasten. Die Diskrepanz der Aussagen einzelner durchaus glaubwürdiger Zeugen kann sicherlich durch die große psychische Belastung erklärt werden, die es ihnen unmöglich macht, im Laufe der Jahre Gehörtes und Eigenerleben zu unterscheiden. Persönliche Eindrücke, Gehörtes und Gelesenes haben sich im Laufe der Zeit derart vermischt, daß in ihrem Bewußtsein die Kombination als Tatsache rangiert.

Anders verhält es sich bei den Zeugen, bei deren Aussage die Tendenz "Hauptsache belasten" nicht zu übersehen ist. Wenn der Grund für diese Haltung nicht im persönlichen Haß zu suchen ist, bleibt bei dieser Zeugenkategorie eigentlich nur noch die Folgerung, daß sie Weisungen einer daran interessierten Stelle ausführen.

Zeuge Mikolajski, der bei seiner Vernehmung am 25. September 1964 die Vergasung des Sonderkommandos aus Birkenau im kleinen Krematorium im Frühjahr oder Sommer 1944 als Augenzeuge schilderte und dabei die Angeklagten Broad und Dylewski belastete, hatte offensichtlich bei der Vorbereitung dieser Beschuldigung übersehen, daß das alte Krematorium zu dieser Zeit bereits außer Betrieb war; die Einfüllstutzen waren zugemauert, und der Schornstein war bereits gesprengt. Es ist aktenkundig, daß dort lediglich ein Magazin der Lagerapotheke untergebracht war.

Zu einer bezeichnenden Episode kam es am 96. Tage des Auschwitz-Prozesses. Der kommunistische Journalist Lebedjew wurde als Zeuge aus der Sowjetunion einvernommen. Er verwickelte sich wiederholt in schwerwiegende Widersprüche. Er berichtete über die "klassische Methode" des Kindesmordes in Auschwitz ("bei der man die Kinder übers Knie brach"). Der Zeuge wurde durch den Verteidiger Dr. Laternser so in die Enge getrieben, daß er schließlich zugeben mußte, daß er einen großen Teil seiner Behauptungen aus kommunistischem Archivmaterial und vom Hörensagen bezogen habe!

HASS-UND-RACHE-ZEUGEN, BERUFSZEUGEN UND IHRE AUSSAGEN

Selbst die Zeugen, die die Wahrheit sagen wollten, wurden vielfach Opfer ihres Hasses und ihrer Rachegier. Sie verzerrten die Geschehnisse und erfanden Verbrechen. Auch bewußte und vorsätzliche Verleumder und Lügner fanden sich unter den Zeugen, die mit hysterischem Pathos von erfundenen Greueltaten berichteten.

So behauptete ein Zeuge, es seien 119 polnische Knaben getötet worden. Ein anderer bezeugte, es seien 49 Kinder umgebracht worden. In beiden Fällen ergab die Beweisaufnahme, daß es sich um erlogene und erfundene Phantasiebezichtigungen handelte.

Die gewissenlose Publizistik griff solche Greuellügen begierig auf und verbreitete sie in aller Welt. Ihre Entlarvung als Greuellügen wurde aber verschwiegen.

Der Vorsitzende des Gerichtes wehrte sich gegen den Vorwurf, der Auschwitz-Prozeß sei ein Schauprozeß gewesen. Wie anders aber soll man einen Prozeß bezeichnen, wo eine solche publizistische Ausbeutung der hemmungslosen und verantwortungslosen Zeugenaussagen erfolgte, wo man sowjetische Pseudojuristen unbehindert provozierend auftreten ließ; wo alles, was die Angeklagten belastete, die Anklagereden und die Aussagen der Belastungszeugen einem Übermaß an Publizistik begegnete, während alles, was die Angeklagten entlastete, unter der mangelhaften, ja überhaupt fehlenden Berichterstattung litt und größtenteils überhaupt totgeschwiegen wurde?

Auch das Hereinkommandieren von Schulklassen und Bundeswehreinheiten während der Anklagen und das Fehlen aller solcher Zwangshörer bei der Verteidigung sind Erscheinungen mit typischem Schauprozeß-Charakter.

Es ist eine weitere - mir sehr auffällige - Tatsache bei diesem Prozeß, daß eine ganze Zahl dieser Zeugen schon bei anderen Prozessen dieser Art in derselben Rolle aufgetreten sind, woraus jeder seine Schlüsse ziehen mag.

Mir persönlich erscheint es auch als gewollte Regie, wenn die Zeugen in ihren Aussagen bei diesem Prozeß Kinder als heldenhafte Akteure auftreten lassen, noch dazu wenn diese Kinder in der Rolle von Helden-Märtyrern vorgeführt werden; hier wird man immer des größten Eindruckes sicher sein können; es ist aber eine arge Zumutung, wenn die Zeugen behaupten, diese Kinder hätten gewußt, "daß sie in die Gaskammern zur Vergasung geschickt würden", sie wären als Helden hineingegangen, ja sie hätten sich diese gewünscht, ,damit ihre Leiden ein Ende fänden."

Zwei heute in Wien lebende Star-Zeugen in diesem juristisch sehr anfechtbaren Auschwitz-Prozeß sind ehemalige Auschwitz-Häftlinge, der Arzt Otto Wolken und der angebliche Schriftsteller Hermann Langbein.

Wolken, der in Auschwitz Häftlingsarzt war und der als Arzt doch eine größere Bewegungsfreiheit im Lager hatte und etwas gesehen haben muß, wenn es dort in dieser Beziehung überhaupt etwas zu sehen gab, und der daher etwas Genaueres und etwas Konkretes sagen können müßte, vermag über Vergasungen nichts Tatsächliches und Konkretes zu berichten. Er redet nur ganz allgemein und unbestimmt und ganz ungenau herum.

Wolken sagt aus: "Wenn die Züge mit den Häftlingen ankamen, warteten die SS-Ärzte. Ein Schnappen mit der linken Hand bedeutete die Gaskammer, ein Schnappen mit der rechten die Aufnahme ins KZ", ohne auch nur mit einer Silbe zu erklären, was ihn zu dieser Behauptung berechtigt.

Die Führer des Auschwitz-Prozesses verkünden indessen triumphierend, daß der frühere SS-Arzt Dr. Lucas ein Teilgeständnis abgelegt habe. Auch er weiß zwar nichts von Vergasungen, aber er gestand, auf der Auschwitzer Eisenbahnrampe die Trennung der Arbeitsunfähigen von den Arbeitsfähigen vorgenommen zu haben. Ohne jeden stichhaltigen Beweis wird als bewiesen und feststehend vorausgesetzt, daß die Arbeitsunfähigen getötet, d.h. vergast wurden, obwohl eine Vergasung mangels Vergasungseinrichtungen gar nicht erfolgen konnte. (Vg. dazu das Kapitel "Die Lüge von der Tötung der Arbeitsunfähigen".)

Daß die Zeugen bloße Vermutungen einfach als Zeugenaussagen vorbringen, zeigen vor allem auch die Aussagen über die sogenannten "Selektionen". Daß Selektionen vorgenommen wurden, ist erklärlich und selbstverständlich. Auschwitz war ein Arbeitslager, und es ist klar, daß man dort weder Kranke noch Arbeitsunfähige brauchen konnte. Die große Frage ist nur: Was geschah mit den selektierten Arbeitsunfähigen? Die gewissen Zeugen behaupten alle einfach steif und stur, sie seien in die Gaskammern geschickt und vergast worden; dabei hat kein einziger dieser Zeugen je eine Vergasung erlebt oder gar dabei mitgewirkt.

Sicher ist nur, daß die Selektierten abtransportiert wurden, aber nicht in die Gaskammern (wie die Zeugen behaupten), sondern aus dem Arbeitslager in andere Lager.

Über die Selektionen schreibt Prof. Paul Rassinier in seiner Antwort an Hermann Langbein in der DWZ vom 8. Mai 1964, S. 9.

"Das ist der große Nachteil eines solchen Prozesses, daß über dessen Gegenstand seit nahezu 20 Jahren Tausende von Büchern veröffentlicht worden sind: die Zeugen sagen vor Gericht nicht nur das aus, was sie gesehen haben, sondern auch das, was sie in den betreffenden Büchern gelesen haben.

Es bleibt mir die Aufgabe, zu untersuchen, was mit den Kranken geschehen ist, die bei den Selektionen im Lager selber oder an der Rampe von Birkenau aussortiert wurden. Man hat festgestellt, daß viele Menschen von Auschwitz abtransportiert wurden. Ich bleibe dabei, daß bisher niemand mit Sicherheit hat erklären können, daß er diese Menschen in eine Gaskammer gehen sah oder daß er einer Vernichtung dieser Menschen beigewohnt hätte oder daß er bei ihrer Vernichtung mitgewirkt hätte. Dagegen haben viele Zeugen solche Transporte in Bergen-Belsen, Neuengamme, Flossenburg, Ravensbrück usw. eintreffen sehen.

Ich habe selber als Häftling solche Transporte in Dora (wo ich 14 Monate inhaftiert war und nicht 43 Tage, wie deutsche Behörden behaupten) ankommen sehen. In der französischen Zeitung Le Figaro Litteraire vom 2. April schreibt Herr Louis Martin-Chaffier, daß er gesehen habe, wie 'einige Tausende' in Bergen-Belsen ankamen. In der Ausgabe vom 4. April der gleichen Zeitung teilt Herr Remy Roure mit, daß er einem Transport angehörte, der, von Auschwitz kommend, in Buchenwald landete. Vor kurzer Zeit haben Frau Olga Wormser und Herr Henry Michel in Frankreich einen Sammelband Tragédy de la déportation herausgegeben (Paris, Hachette, Novernber 1963), in dem 208 Zeugenaussagen enthalten sind, die von den Erfahrungen in rund 100 Lagern oder Kommandos berichten. In der Mehrzahl dieser Aussagen (u. a. der Frau Germaine Tillon und der Frau Geneviève de Gaulle) wird erwähnt, daß in dem jeweiligen Lager oder bei dem jeweiligen Kommando Transporte aus Auschwitz eingetroffen seien. Und wie viele mögen wohl noch in den Lagern eingetroffen sein, ohne daß diese Tatsache in einem später veröffentlichten Augenzeugenbericht festgehalten wurde … ? Die Gesamtzahl der Menschen, die aus Auschwitz in andere Lager verlegt wurden, erreicht etliche Hunderttausende."

Ober den Star-Zeugen Otto Wolken im Auschwitz-Prozeß des Herrn Generalstaatsanwalts Fritz Bauer schreibt die DWZ vom 31. Juli 1964, S. 4:

"Einer der eindrucksvollsten Zeugen des Herrn Generalstaatsanwalts Fritz Bauer war der Wiener Otto Wolken, 'der Lagerarzt von Auschwitz', dessen furchtbare Aussagen von der Presse groß ausgeschlachtet wurden … Dieser Herr Wolken, vormals Dr. med. Wolken, promovierte am 9. Februar 1931 in Wien und begann seine ärztliche Praxis - nach einer Spitalsausbildung in St. Pölten - in Traisen in Niederösterreich. Seine Eltern waren aus Lemberg eingewandert; er selbst war am 24. April 1903 in Wien geboren.

Nach einigen kleineren Schwierigkeiten wurde Wolken am 16. April 1940 vor dem Landesgericht St. Pölten unter der Aktenzahl 12/Vr 491/38 ein Prozeß gemacht, in dessen Verlauf er wegen § 125 StGB (Notzucht) und § 144 StGB (Abtreibung) zu s e c h s Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde. Gleichzeitig wurde ihm der Doktorgrad a b e r k a n n t und die Berechtigung zur Ausübung der ärztlichen Praxis entzogen.

[So kam Otto Wolken schließlich zur Verbüßung seiner Strafe als krimineller Häftling ins KZ.]

1945 kehrte er als 'Verfolgter des NS-Regimes' nach Österreich zurück. Da er Jude ist, wurde ihm durch den österreichischen Bundespräsidenten mit Entschluß vom 31. Mai 1949 die Ausübung der ärztlichen Praxis o h n e Doktorat wieder gestattet (Erlaß vom 27. Juni 1949, BGBl. Nr. 92/1949).

Es gab auch weiterhin Anstände mit verschiedenen Frauen: einer Elisabeth K., einer Ingrid G., einer Brunhilde R., die aber nicht zu Gerichtsurteilen führten.

Am 6. Juni 1959 verurteilte das Wiener Landesgericht für Strafsachen - ein rein demokratisches Gericht - Otto Wolken unter GZ 2 c VR 730/58 HV 99/59 zu sechs Monaten strengen Arrest, bedingt auf drei Jahre mit Aufschub der Rechtsfolgen, wegen § 146 StG (Hilfeleistung bei Abtreibung).

Am 29. Oktober 1963 war er wieder beim Landesgericht Wien wegen § 146 angeklagt (GZ 8 a VR 1784/63 HV 13 063)-. Er wurde von neuem schuldig gesprochen; sehr auffälligerweise erhielt er keine zusätzliche Strafe zum Urteil von 1959."

So sieht der Kron- und Star-Zeuge Otto Wolken aus.

Trotz Aberkennung des akademischen Doktor-Grades bezeichnet sich Herr Wolken im Amtlichen Telefonbuch Wien 1967, Seite 1244, 2. Spalte, als Dr. med.

Der Zeuge Rudolf Kauer, ehemaliger KZler, bezeichnete seine belastenden Aussagen als falsch; er erklärte, er sei betrunken gewesen, als er die Aussagen machte. Wortwörtlich erklärte er:

"I c h  h a b e  a l l e s  e r l o g e n !"

Der Zeuge der Anklage, der frühere KZler Pater Budan, belastete die Angeklagten nicht; er verteidigte sie vielmehr und erklärte vor dem Gericht, nicht die KZ-Bewacher, sondern die Gefangenen seien "Bestien in Menschengestalt" gewesen; er versicherte: "Was die Zeugen in diesem Prozeß angeben, ist teilweise purer Schwindel!"

Der Zeuge Hermann Diamanski, ehemaliger Lagerältester des Zigeunerlagers im KZ Auschwitz, bezeugte vor Gericht, daß der Angeklagte Bager 1944 eine tschechische Journalistin, die Frau des deutschen Jagdfliegers Nowotny, erschossen habe. Es wurde unschwer festgestellt, daß Hauptmann Walter Nowotny überhaupt niemals verheiratet war und seine ehemalige Verlobte aus Kärnten stammte und nicht aus der Tschechei, niemals Journalistin war und nie erschossen wurde, sondern heute in den USA lebt.

Zeuge Wolken behauptet auch die Liquidierung des Kindergartens des Lagers Theresienstadt.

"Die Kinder wurden 'automatisch'[!] in die Gaskammer geschickt. Viele Mütter starben lieber mit ihren Kindern, als in Auschwitz weiterleben zu wollen."

Eine geradezu verbrecherische Aussage, die der Zeuge nicht beweisen mußte! Er wurde nicht gefragt, woher er weiß, daß die Kinder vergast wurden, wo und wie sie vergast wurden. Dabei ist erwiesen und anerkannt, daß in Theresienstadt keine Gaskammern waren und daß dort niemals auch nur eine einzige Vergasung stattfand.

Wieso starben die Mütter lieber mit ihren Kindern in Theresienstadt, als in Auschwitz allein weiterzuleben? Sie wurden doch angeblich nach Auschwitz zur Vergasung geschickt?! Und die Kinder wurden in Theresienstadt allein vergast?

Wie man sieht, eine heillose Verwirrung und Verworrenheit um den Herrn Star-Zeugen Wolken!

Schriftsteller Langbein ist um nichts genauer und konkreter. Er sagt (Kurier, 7, März 1964, S. 2):

"Entweder starben die Opfer in der Gaskammer, oder Klehr gab seine tödliche Injektion."

Oder er behauptet einfach (Die Presse, 7, März 1963, S. 4):

"Klehr hat später das SS-Kommando geleitet, von dem das Gas in die Gaskammer 'geworfen worden' ist."

Von einem Beweis ist keine Rede. Nur allgemeines, ungenaues Gerede in dem sicheren Bewußtsein, seine Aussage nicht beweisen zu müssen.

Eine in meinen Augen sehr zwielichtige und ungenaue Zeugin ist Frau Dr. Ella Lingens-Reiner, die in Auschwitz als Häftling Hilfsärztin war. Schon in ihrem Buch Prisoners of Fear (London 1948, S. 69/70) führt sie zur Erhärtung ihrer Behauptung, daß in Auschwitz Vergasungen stattfanden, folgendes Erlebnis im Lager an:

Sieben Monate nach ihrer Ankunft (Februar 1943, August 1943) sah sie aus dem Schlot Rauch und Flammen emporsteigen und hörte die Schreie der Internierten: "Es hat wieder begonnen."

Offensichtlich meinten die Häftlinge das Leichenverbrennen; Lingens-Reiner aber läßt auch die Deutung offen, daß die Vergasungen gemeint seien.

Eine solche Unklarheit in einer so grundlegend wichtigen Sache scheint mir gewollt und beabsichtigt und ist eine unzulässige Zweideutigkeit.

Über die Gaskammern lieferte Frau Lingens-Reiner folgende Aussage: Als die Vorsitzende Dr. Lingens fragte, ob die Insassen von den Gaskammern gewußt hätten, antwortete die Zeugin (Kurier, 3. März 1964, S. 2):

"Ganz sicher. Wir nannten es 'auf Transport gehen'. Die Menschen, die 'ausgesucht' wurden, verließen niemals das Lager, sondern marschierten direkt in die Gaskammern und kamen dann ins Krematorium."

Das ist die Potenz eines Beweises für die Existenz von Gaskammern: die Behauptung, daß die Häftlinge darum wußten. Punktum. Kein Wort mehr. Die Sache ist damit klar bewiesen.

Nach demselben Zeitungsbericht sagte Frau Dr. Lingens:

"Ich sehe heute noch vor mir…, wie die Züge mit neuen Häftlingen ankamen. Kinder bis 15, Invalide und Menschen über 55 Jahre wurden s o f o r t vergast."

Die Zeugin sagte nicht, woher ihr Wissen um diese Behauptung kam und welche tatsächlichen eigenen Beobachtungen von Vergasungen und Erlebnisse diesen ungeheuerlichen Behauptungen zugrunde lagen.

Aber ein Angeklagter sagte doch etwas: der Angeklagte Tischler Klehr ist nun schon ein sehr unrühmlich bekannter Vergasungszeuge. Er hat schon bei früherer Gelegenheit ein von ihm gewünschtes Vergasungsgeständnis abgelegt. Klehr hat nämlich seinerzeit "gestanden", daß in "Dachau eine Gaskammer in Betrieb gewesen" sei; allerdings habe er persönlich mit ihr nichts zu tun gehabt, aber er bezeugte ihre Existenz. Nun gab es aber in Dachau erwiesenermaßen weder eine Gaskammer, noch fand dort jemals auch nur eine Vergasung statt. Man kann sich danach vorstellen, welchen Wert seine Aussage über die Gaskammern in Auschwitz hat, mit der er zwar auch nichts zu tun hatte, aber von der er gehört hat.

Noch aus einem zweiten Angeklagten konnte die Anklage einen "Beweis" für die Existenz der Gaskammern und die Durchführung von Vergasungen herausholen. Der Angeklagte Pery Broad, ehemaliger SS-Rottenführer, erklärt zwar immer wieder, nichts von Vergasungen zu wissen, aber schließlich holt man aus ihm die Aussage heraus, er habe gerüchteweise von Vergasungen gehört. Und am 13. März 1964 "gesteht" er, daß er vom Fenster seines Büros aus gesehen habe, wie "einige SS-Männer Kanister mit Zyklon B durch die Decke des früheren Krematoriumsofens ausgegossen" hätten, und zwar im Sommer 1942.

Das ist jedenfalls phantastisch. Generaldirektor Dr. Kautsky, der im Krematorium beschäftigt war, in dessen Untergeschoß sich angeblich die Gaskammern befunden haben sollen, der jahrelang Häftling in Auschwitz war, die Internationale Rotkreuzkommission, die als Untersuchungskommission die ganzen Lageranlagen durchstöberte und zahlreiche Lagerinsassen nach ihrem Wunsch und Belieben ohne Zeugen verhörte, jüdische Häftlinge, französische und britische Insassen, sie alle fanden und sahen nichts von Vergasungseinrichtungen und von Vergasungen. Rottenführer Broad aber konnte sie von seinem Fenster aus bequem sehen und beobachten, und zwar im Sommer 1942, also zu einer Zeit, wo es selbst nach dem Zeugnis der Vergasungslügner keine gab. Ein solches "Geständnis" erweckt Bedenken.

Ein nächster Belastungszeuge war der Angeklagte Stark. Der Kurier vom 17. Jänner 1964, S. 1/2, berichtet:

"Jawohl, ich habe russische Kommissare mit eigener Hand erschossen. Bei der Vergasung einer Gruppe von 200 Männern und Frauen habe ich mitgewirkt."

Stark ist der erste Angeklagte im größten deutschen Kriegsverbrecherprozeß seit 1945, der ein Schuldbekenntnis ablegt. Er berichtet über die Vergasung, die im O k t o b e r 1941 (angeblich) stattgefunden hatte:

"Zehn oder fünfzehn Minuten, nachdem das Gas eingelassen worden war, hörte ich die entsetzlichen Schreie. Als die Gaskammer später geöffnet wurde, lagen die Körper schichtenweise übereinander."

Der Express, Wien, vom 17. Jänner 1964, S. 2, berichtet:

"Der 42jährige Angeklagte, SS-Oberscharführer Hans Stark, sagt aus: 'Bei der Vergasung einer Gruppe Von 200 Männern und Frauen habe ich mitgewirkt… 1941, als ich gerade 20 Jahre alt war, kamen die ersten Transporte mit russischen Kriegsgefangenen nach Auschwitz. Die russischen Kommissare wurden geschwind herausgepickt und ohne viel Federlesens … erschossen … '. Gegen den Vorwurf, Häftlinge für die Vergasung selektiert zu haben, wehrte sich der Angeklagte energisch. Er mußte aber zugeben, Giftgasphiolen durch die Dachluken des alten Krematoriums geworfen zu haben, in dem damals Männer und Frauen vergast wurden."

Stark gesteht damit Vergasungen für eine Zeit, in der es gar keine Vergasungen hätte geben können, weil es damals auch nach Zeugnis der Greuelpropagandisten noch keine Gaskammer in Auschwitz gegeben hat. Ihre Errichtung wird erst im Frühjahr 1943 behauptet. Da Stark behauptet, daß er der Vergasung im Oktober 1941 beigewohnt habe, liegt die Unrichtigkeit seines "Geständnisses" und der gestandenen Vergasung auf der Hand.

Ganz toll ist auch, daß die Vergasungsopfer 10 bis 15 Minuten Giftgas einatmeten und dann erst zu schreien begannen.

Überdies "gesteht" Stark damit einen Vergasungsvorgang, der wesentlich von den Schilderungen aller anderen Berichterstatter abweicht. 1941 gab es überhaupt kein Krematorium in Auschwitz. 1941 können in Auschwitz keine Vergasungen stattgefunden haben. Wie wir dokumentarisch nachgewiesen haben, wurden Krematorien (und angeblich damit verbundene Gaskammern) erst etwa im April 1943 errichtet und im Mai in Betrieb genommen (wobei es sich in Wahrheit ausschließlich um die Krematorien und nicht um Gaskammern handelte).

1941 war Auschwitz auch noch kein Judenlager; erst 1942 begann man alle jüdischen KZ-Häftlinge in Auschwitz zu konzentrieren und arbeitsfähige Juden als Arbeitskräfte für die dortigen Industrieanlagen hinzubringen.

Das Lager Auschwitz wurde im Juni 1940 in Betrieb genommen und war ursprünglich ausschließlich Kriegsgefangenenlager. Am 14. Juni 194o kamen die ersten Kriegsgefangenentransporte dort an, die ausschließlich aus polnischen Kriegsgefangenen bestanden. Nach dem Bericht von Rudolf Höss besuchte Himmler das Lager im März 1941 und entschied, "daß dort ein mächtiges Industriewerk gebaut werden solle mit einem Lager, in dem 100 000 Kriegsgefangene als Arbeiter untergebracht werden sollten". Am 1. September 1941 erhielt die Sonderzuleitung der Wirtschaftsabteilung des RSHA den Auftrag zur Errichtung eines Kriegsgefangenenlagers mit einer Aufnahmekapazität von 200 000 Personen in Birkenau (3 km von Auschwitz). Die Beträge für den Bau wurden, wie aus dem Kriegsetat hervorgeht, am 9. Jänner 1942 genehmigt. Erst von 1942 an begann man die jüdischen Häftlinge der verschiedenen KZ in Auschwitz zu konzentrieren, da sie als Arbeitskräfte für die dort errichteten gewaltigen Industrieanlagen dienen sollten.

Das Lager Auschwitz-Birkenau hatte eine Länge von 12 km und eine Breite von 8 km, also einen Flächeninhalt von 96 km2 oder 25 000 Morgen, davon waren 12 000 unter Pflug und 2000 Morgen Fischteiche.

Daß Wolken, Langbein, Frau Dr. Lingens und viele Zehntausende ihrer Leidensgenossen überlebten und nicht vergast wurden, verdanken sie dem bekannten "Zufall". Langbein wurde nicht vergast, "weil er so gut maschineschreiben konnte".

Das erinnert an die blödsinnige Geschichte, die Wiesenthal vom ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Dr. Gorbach erzählte: Gorbach habe Dachau nur deshalb unvergast überlebt und sei der Auswahl für die Gaskammer nur deshalb entgangen, weil er eine so schöne Handschrift" hatte.

Die zentrale Lenkung vieler Aussagen zeigt sich auch darin, daß viele Details variiert immer wiederkehren, so die Geschichte von der Insassin, die einem SS-Mann die Pistole entreißt und damit ihn und andere erschießt. Diese Geschichte taucht in den seltsamsten Variationen immer wieder auf.

Ober manche Aussagen kann man nur den Kopf schütteln. Langbein (Die Presse, 7. März 1964, S. 4).

"Den Kindern, die im Lager zur Welt gekommen seien, habe man die Häftlingsnummer auf den Oberschenkel tätowiert, weil die Unterarme für die lange Zahlenreihe zu klein gewesen seien."

Das ist wohl ein Gipfelpunkt phantastischen Unsinns. Weshalb nahm man sich die Mühe, Säuglinge zu tätowieren, wenn sie doch gleich vergast wurden?

Wolken (Kurier, 26. Februar 1964):

"Die SS-Wächter wetteten untereinander, daß man auf Entfernung von 50 in Häftlinge mit Genickschuß töten könne."

Langbein (Die Presse, 7, März 1964, S. 4):

"In Tag- und Nachtschichten mußten Häftlinge die Todesmeldungen ausführen … Leute, die 24 Stunden täglich arbeiteten, konnten das Schreiben der Todesurkunden nicht bewältigen. Ich weiß das, denn ich war einer der Gefangenen, die zur Nachtschicht eingesetzt waren."

Warum hat man nicht einfach mehr Schreiber eingesetzt? Drei Schichten Schreiber für die Todesmeldungen! Da muß schön was gemordet worden sein! Demgegenüber ein Angeklagter (Kurier, 14, Jänner 1964, S. 2):

"'Jeden Tag wurden mindestens zehn Häftlinge In Auschwitz erschossen', sagte gestern der Angeklagte 47jährige Klaus Dylewski am 6. Verhandlungstag."

Die Erschossenen waren meist russische Politkommissare, die aus den russischen Kriegsgefangenen ausgesondert wurden. Zehn am Tage! Wo bleiben da die Millionen Getöteten?!

In Auschwitz fand eine Zeit hindurch alle 14 Tage ein "Standgericht" statt und fällte innerhalb von zwei Stunden 100 bis 150 Todesurteile, die anschließend sofort vollstreckt wurden; es handelte sich dabei um Kriegsgefangene, nicht um jüdische Lagerinsassen. Alle 14 Tage 100 bis 150 Exekutionen!

Langbein klärt uns sogar selbst auf, wieviel Todesmeldungen diese sieben Schreiber in einer Schicht erledigten. Er schreibt darüber (Der Spiegel, Nr. 9 2 vom 16. März 19 64, S. 6o):

"Der Diensthabende legte eine Liste mit über 300 Nummern auf den Tisch [Er sagte:] 'Von dieser Liste werden heute 100 abgesetzt. Die Tagschicht schreibt die zweiten Hundert und den Rest [also wieder etwa hundert] machen wir dann morgen Nacht.'"

Das besagt also ganz klar, daß jede Schicht (mit je sieben Schreibern) 100 Todesmeldungen zu schreiben hatte. Nach Langbein. Nun wissen wir es. überschreitet diese Behauptung nicht die Grenzen der erlaubten Dummheit?

Vieles, was Langbein noch zu sagen hat, überschreitet die Grenze des geistig noch Zulässigen. Für wie blöd muß Langbein das deutsche Volk und die Welt halten, wenn er schreibt (ebenda, S, 70):

"Die tägliche Routine des Massenmordes war so perfekt, daß an einem Tag 10 000 Menschen in den Gastod geschickt werden konnten … Ihre Haare wurden geschoren und der Industrie zur Verfügung gestellt [wozu?], ihr Zahngold ausgebrochen, eingeschmolzen und der Reichsbank in Berlin Übersandt [in Wahrheit wurde nicht ein Gramm an diese geschickt], ihre Asche wurde den Fischen in dem Teiche von Harmense z u r  N a h r u n g ausgestreut. [Dümmer geht es wirklich nimmer.]

… Niemals konnte die genaue Zahl der Opfer ermittelt werden. Schätzungen schwanken zwischen 4 bis 5 Millionen."

Daraus sieht man, daß Herrn Langbein sogar die bisherige Höchstzahl von 4 Millionen noch zu niedrig war. Höher geht es wirklich nimmer!

Da die ordentlichen Deutschen die Kleider der Lagerinsassen ordentlich sammelten und registrierten, wissen wir, daß etwa 60 000 Menschen ihre Kleider in diesen Kleiderkammern ablieferten. Das waren sowohl die Kleider der Verstorbenen als auch die Kleider der überlebenden, soweit diese mit Lagerkleidung versehen wurden. (Die Zigeuner erhielten keine Lagerkleidung, auch die Kriegsgefangenen und die zivilen Fremdarbeiter nicht.)

Diese Millionenzahlen sind so dumm übertrieben, daß man sich vernünftigerweise gar nicht damit zu befassen brauchte.

Es ist einfach völlig undenkbar, daß wirklich 2 bis 5 Millionen Juden in Auschwitz hätten vergast werden können, ohne daß Zehntausende und Aberzehntausende diese Vergasungsanstalten gesehen und etwas Näheres darüber gewußt hätten.

Es ist undenkbar, daß Dr. Benedikt Kautsky, der jahrelang in Auschwitz (noch dazu auch im Krematoriumsdienst) war, hätte schreiben können:

"Ich muß wahrheitsgemäß sagen, daß ich niemals so etwas wie eine Vergasungseinrichtung gesehen habe."

Es ist undenkbar, daß dann 1944 die Untersuchungskomission des Roten Kreuzes trotz eingehendster Nachforschung in Auschwitz selbst und trotz ungehinderter Befragung der Lagerinsassen keine Spur - auch nicht die geringste - einer Vergasungsanstalt und einer Vergasung hätte feststellen können.

Um 2 bis 5 Millionen Menschen zu vergasen, bedarf es auch einer Armee von Hilfskräften, und alle diese sollen damals geschwiegen haben? Einer solchen Armee kann man weder einen Maulkorb umhängen noch könnte man sie von der Umwelt so völlig isolieren, daß niemand etwas von ihrer Arbeit erführe.

Frau Dr. Lingens sagte aus (Kurier, 3, März 1964, S. 2):

"Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie ein Wächter etwas in einen brennenden Haufen alter Kleider in der Nähe der Gaskammern warf. Zuerst habe ich geglaubt, es sei ein Hund, weil es sich in den Armen des SS-Mannes bewegte und herumschlug. Aber dann hörte ich, daß es lebende Kinder waren, die dort verbrannt wurden."

Die Gewissenlosigkeit und Verantwortungslosigkeit zeigt sich schon darin, daß sie zuerst von "einem" Hund und dann in der Mehrzahl von "lebenden Kindern" spricht.

Eine so ungeheuerliche Aussage macht sie also auf Grund von Hörensagen. - Wie dann eine tendenziöse, verantwortungslose Berichterstattung eine solche bloß auf Hörensagen beruhende Aussage noch mehr verfälschen kann, zeigt das nachstehende Beispiel. Der Bericht des Express macht aus der Hörensagen-Aussage der Frau Dr. Lingens eine eigene Beobachtung der Zeugin. Er schreibt (3. März 1964, S. 2):

"Die Zeugin Dr. Lingens sah dort [in Auschwitz], wie SS Kleinkinder bei lebendigem Leibe verbrannte, weil in den Gaskammern kein Platz mehr war."

So wird aus der verantwortungslosen Weitererzählung eines unsicheren Gerüchts eine apodiktische Zeugenaussage.

Und dann noch diese idiotische Begründung, daß in den Gaskammern, in denen doch angeblich Hunderttausende und Millionen vergast wurden (!), für diese Kinder "kein Platz mehr war". Höher geht's wirklich nimmer, oder doch? Langbein behauptet, "Kinder wurden lebendig ins Feuer geworfen, wenn das Gas ausging".

Die Behauptung von Frau Dr. Lingens, daß die Lebenserwartung der Auschwitzer Häftlinge vier Monate war, erscheint mir gleichfalls als unverständlich, leichtfertig und verantwortungslos.

Wolken sagt aus (Kurier, 26. Februar 1964, S. 2):

"1944 sind täglich so viele Tausende getötet worden, daß im Lagerkrematorium nicht einmal alle verbrannt werden konnten. Die SS-Wächter zwangen uns [also auch Wolken], riesige Gräber auszuheben. Dort wurden die Toten hineingeworfen, mit Petroleum überschüttet und angezündet. Nachts war die Landschaft meilenweit durch das Leichenfeuer erhellt … Bevor die Körper verbrannt wurden, gingen Dentisten von Körper zu Körper und brachen die Goldkronen heraus."

Unverständlich, daß man sich nicht damit begnügte, die Gräber einfach wieder zuzuschütten. Das Verbrennen wäre nur erklärlich, wenn es sich um Seuchenopfer handelte und nicht um Vergasungsopfer.

Dagegen sagt der Angeklagte Josef Klehr (Die Presse, 1./2. Februar 1964, S. 4):

"Leichenfeuer, in denen Häftlinge in Auschwitz verbrannt wurden, sind mir unbekannt."

Das Gericht wirft den Angeklagten auch Massenabspritzungen mit Phenol vor. Klehr soll am Heiligen Abend allein mehr als 2oo Häftlinge selbständig ausgesucht und mit Phenol abgespritzt haben. Dazu sagte der Leiter der Lagerapotheke, Dr. Viktor Capesius, aus, daß er Phenol für das "Abspritzen" von Häftlingen weder jemals angefordert noch erhalten, noch ausgegeben habe. Es sei ihm nicht bekannt, daß Phenol zur Tötung von kranken Häftlingen verwendet wurde.

Die Zeugin Frau Hildegard Bischof (51 Jahre) war die Frau des SS-Sturmbannführers Bischof, der als Bauleiter für die Bauarbeiten im Lager Auschwitz zuständig war.

Sie wußte nichts von Gaskammern. Sie sagte im Frankfurter Auschwitz-Prozeß (Die Presse, Wien, 25./26. Juli 1964, S. 4):

"Erst Ende 1943 erzählte mir eine andere Frau [?!], daß dort Menschen vergast würden."

Das ist jedenfalls ein ganz toller "Vergasungsbeweis".

Ganz toll ist auch die Aussage des heute 44jährigen polnischen Journalisten Mieczyslaw Kieta (Kurier, Wien, August 1964). Er behauptet:

"1942 wurden mein Vater und einige andere schwache Häftlinge 'selektiert' und in die 'Gaskammer' gebracht. Ich habe jeden Tag auf die Rückkehr meines Vaters gewartet. Als ich nach dem Krieg nach Hause kam, zeigte mir meine Mutter ein Telegramm vom Auschwitz-Kommandanten, in dem nur stand: 'Ihr Gatte starb im KZ von Auschwitz.'"

Es ist jedenfalls ganz toll, daß bei angeblichen Millionenvergasungen in Auschwitz der Kommandant die Angehörigen der Vergasten telegraphisch von der Vergasung benachrichtigte.

Ungeheuerlich ist die Aussage des 54jährigen polnischen Baumeisters Josef Kral; Die Presse, Wien, berichtet am 16.117. Mai 1964 über seine Aussage:

"SS-Oberscharführer Hans Stark habe einen Häftling gezwungen, seinen Vater zu ertränken. Stark habe dem Mann - er hieß Isaac - zunächst befohlen, den Kopf eines anderen Häftlings so lange unter Wasser zu drücken, bis dieser Häftling tot sei. Dann mußte Isaac auf die gleiche Weise seinen Vater töten. Nach dieser Tat sei der Sohn wahnsinnig geworden und schreiend davongelaufen. Stark habe die Pistole gezogen und ihn erschossen."

Diese Aussage ist ebenso ungeheuerlich wie unglaubwürdig. Sie wird von niemandem bestätigt.

Die Aussagen Krals sind alle so auf Sensation abgestellt, daß wohl nur ganz Haßverblendete sie überhaupt ernstnehmen können. So behauptet Kral:

"Die Häftlinge tranken ihren Urin und aßen ihre Schuhe auf! Häftlinge wurden nacheinander mit einer quer Über den Hals gelegten Stange erdrosselt. Diese Exekutionsart sei in Auschwitz das 'Krawattenbinden' genannt worden. Zwei Häftlinge mußten auf diese Art sterben, weil sie nicht schnell genug die Mütze vom Kopf genommen hatten."

Es ist unvorstellbar, daß solche Zeugenaussagen unbeanstandet einfach hingenommen und von der Presse ohne Kommentar weiterverbreitet wurden.

Der Zeuge Erich Kulka, CSSR, erklärte vor dem Schwurgericht u. a., der Häftling Neumann habe ihm berichtet, er sei von dem Angeklagten Broad schwer mißhandelt worden. Broad habe ihm einen Finger abgehackt.

Was soll in einem solchen Tatsachenprozeß die Aussage eines Zeugen, der erzählt, was ihm ein anderer erzählt hat? Kulka hatte übrigens mit seiner Aussage großes Pech: im Lauf der Hauptverhandlung erschien nämlich auch der Häftling Neumann als Zeuge vor dem Schwurgericht; das Märchen von dem abgehackten Finger konnte er nicht bestätigen - es fehlte ihm keiner!


  1. Vgl. hiezu Egon Eis, Illusion der Gerechtigkeit - Die großen Schauprozesse der Geschichte, Econ Verlag, Wien - Düsseldorf.
  2. Verband der Verfolgten des Nationalsozialismus.

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