Geschichte der Verfemung Deutschlands, Band 7

Zur Hölle mit allen Deutschen!

Von Dr. jur. et Dr. phil. et Dr. rer. pol. Franz J. Scheidl


VI. Teil

Die Hakenkreuz-Schmierereien


Narrentanz 1960

Um die Jahreswende 1960 beschmierte irgend ein unreifer Lausbub oder infantiler Wirrkopf die Mauer einer Synagoge in Köln mit der Aufforderung »Juden raus!«

Als seinerzeit die Kommunisten alle beschmierbaren Flächen in Deutschland mit der Aufforderung »Ami go home« vollschmierten, nahm kein Mensch von diesen Schmierereien ernstlich Notiz; keine einzige Zeitung brachte auch nur ein Wort darüber, kein Mensch beachtete sie, niemand – außer den Besitzern der beschmierten Wände – regte sich darüber auf, am allerwenigsten die Amerikaner selbst.

Eine Schmiererei gegen Juden aber wird als Kriegsverbrechen gestempelt. Man hätte gerade noch verstanden, wenn von dem Kölner Vorfall die Stadt- oder Bezirksblätter im lokalen Teil mit einer Zeile davon Notiz genommen hätten. Aber was geschah wirklich? Die Zeitungswelt der ganzen Erde geriet in einen geradezu hysterischen Taumel von Wut. Die Zeitungen erhoben ein Geschrei, das nicht ärger und größer hätte sein können, wenn man den Papst oder den amerikanischen Präsidenten ermordet hätte

Die selbstverständliche Wirkung und Folge dieses Geschreis blieb nicht aus: Die Schmierfinken, die es überall auf der Welt gibt, wurden zu ähnlichen Heldentaten geradezu angeeifert. Die infantilen Schmierer der ganzen Erde ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, mit so wenig Mühe, so große Aufregung zu verursachen. Die ganze Weit aber, die sich in der Verurteilung und Ablehnung solcher Bubenstücke einig ist, ist sich ebenso einig darüber, daß die von gewissen Kreisen in Szene gesetzte hysterische und theatralische Aufmachung und Übertreibung solcher Vorfälle ebenso unangemessen wie unangebracht ist.

Die deutsche Allgemeinheit empfindet auch – im Gegensatz zu den teils volksfremden, teils volksfernen vielen deutschen Zeitungen und ihrem Geschrei – das Auftreten des sogenannten »jüdischen Weltkongresses« und die von ihm im Gefolge dieser Schmierereien erhobenen Forderungen als ebenso überheblich wie unverschämt: so die Forderung nach Wiederaufnahme und Fortsetzung der häßlichen »Entnazifizierungsverfahren«, die wir glücklich hinter uns gebracht haben, durch eine neuerliche rigorose und eingehende Untersuchung und Nachforschung in der Regierung, Verwaltung, Justiz, Presse und Lehrerschaft nach ehemaligen Nazis; ferner die anmaßende und unge-

261


heuerliche Forderung nach Aufhebung der Grundrechte der Freiheit der Meinungsäußerung, der Presse und Literatur, durch die Einführung einer Zensur und eines Verbotsrechtes. Besonders ungeheuerlich erscheint die Forderung nach einer »Verbesserung der Wiedergutmachung an Juden.« Dies, nachdem Deutschland auf diesem Gebiete der rechtlich zumutbaren und wirtschaftlich noch vertretbaren Grenzen bereits längst weit überschritten. Aber bei den Zionisten läuft ja jedes Geschrei – gleichgültig worum es geht – letzten Endes auf eine Geldforderung heraus.

Auch die Forderung, bestimmte Minister und hohe Bundesbeamte zu entlassen, ist unverfroren und unverschämt. Großrabbiner Dr. Isaak Goldstein sagte zu dieser unverschämten Anmaßung:

»Es ist unverfroren und unglaublich, wenn ausländische Judenführer es wagen, vom Bundeskanzler zu fordern, das Kabinett umzubilden und diesen oder jenen Minister zu entlassen.«

Sehr bedenklich erscheint auch die Forderung nach einer besonders strengen »drakonischen Bestrafung« antisemitischer Äußerungen, also nach strafrechtlicher Privilegierung der Judenheit. Großrabbiner Dr. Goldstein sagt dazu:

»Die Aufregung um das Ganze in der Bundesrepublik ist kaum zu ertragen. Die Entschuldigungswelle hat ein Maß erreicht, das die Grenze längst überschritten hat. Denken Sie doch an andere Staaten; dort ist genau dasselbe passiert wie hier, nicht mehr und nicht weniger. Aber nur hier treibt man die Dinge auf die Spitze. Anderswo bagatellisiert man, hier dramatisiert man … Wenn wirklich jemand antisemitisch eingestellt sein soll, so ist das sein Privatvergnügen. Man kann doch die Gedanken nicht reglementieren … Jeder Monat, den ein Dummkopf für den Hitlergruß und eine Hakenkreuzzeichnung eingesperrt verbringt, vergiftet die Atmosphäre zwischen Deutschen und Juden … Wenn man diese Leute für ein einziges dummes und primitives ›Heil Hitler‹ ein Jahr und sieben Monate ins Gefängnis sperrt, so wird daraus ein neuer Antisemitismus erwachen. Das ist eine Saat, die schrecklich aufgehen wird, daß mir vor diesem Tage graut.« »… Daß man für die Juden ein Sondergesetz macht, das wäre das Ende. Hat man das schon einmal gehört, daß eine verschwindende Minderheit von 30.000 Leuten, die frei und unbehelligt in diesem Lande leben können, bei einer Bevölkerung von 55 Millionen Menschen eines Sonderschutzes bedürfen? Gleiche Rechte brauchen Sie und gleiche Rechte haben sie ja bereits, aber bessere Rechte … das wäre das Ende, dann kommt ein neuer Antisemitismus, ja man züchtet ihn dadurch heran …«

262


Großrabbiner Dr. Goldstein ist eine der verehrungswürdigsten Gestalten der Judenheit. Sein Lebensziel war, den Haß durch Liebe zu besiegen, die deutsch-jüdische Versöhnung. Er hielt es für die historisch wichtigere Aufgabe, die geistig-menschliche Versöhnung zu erreichen. Bei der Antisemitenhysterie, die die Schmieraktionen, wie sie zu allen Zeiten und in allen Ländern vorkommen, derart aufzubauschen und hochzuspielen trachtete, ist es umso erfreulicher, daß diesen irrsinnigen Eiferern und den damit bestimmte Pläne und Ziele verfolgenden überlegten Hetzern wie ihren bundesdeutschen Mitläufern aus den Kreisen des seriösen Judentums eine Reihe von Männern entgegentraten, die zur Vernunft mahnten. An ihrer Spitze stand Großrabbiner Dr. Goldstein, der mit bewundernswertem persönlichen Mut öffentlich Stellung nahm. In einem Interview, das er der »Deutschen Soldatenzeitung« und der »Nationalzeitung« gab, erklärte er:

»Hätte ich als erster die Schmierereien entdeckt, ich hätte, bevor die Hakenkreuze an der Synagoge an die Öffentlichkeit geraten wären, einen Kübel heißes Wasser genommen und hätte den Schmutz entfernt. Presse, Rundfunk und Fernsehen haben sozusagen die Sudelaktion künstlich hochgezüchtet …«

Mit dieser vernünftigen Haltung zog sich Dr. Goldstein den Haß gewisser – anderer Pläne und Ziele verfolgender – jüdischer Kreise zu. Dabei betonte Dr. Goldstein, daß er mit Leib und Seele Zionist sei, daß aber die Hasser nicht die typischen Vertreter des Judentums wären. Er sagte von diesen Hassern und Hetzern:

»Sie wissen nichts von der Humanität, die das Judentum auszeichnet.«

Diese Hasser verfolgten Dr. Goldstein mir allen Mitteln: mit offener Gewalttätigkeit und infamen Rufmord. Dr. Goldstein wurde von einem haßerfüllten Glaubensgenossen auf offener Straße angefallen und attackiert. Rabbi Goldsteins Gesundheitszustand war diesem Ansturm von Haß nicht gewachsen. Er mußte so viel an Haß und Leid und Verfolgung erleben, daß er dem nicht gewachsen war. Nach den Feststellungen seines Arztes hatten die Verfolgungen seinen vorzeitigen Tod zur Folge, der ihm Erlösung brachte. Der Haß dieser Kreaturen verfolgte ihn aber noch bis über das Grab hinaus: Wenige Stunden nach der Beerdigung des Großrabbiners Dr. Isaak Goldstein wurden die Kränze der Schleifen beraubt. Seine Gattin setzte ihm in einem Buche einen würdigen Gedenkstein. (Georgette Goldstein-Laczko »Die Geschichte des Rabbi Goldstein in Berlin«, Heos-Verlag, Tübingen- Paris.)

Die Allgemeinheit findet es auch übertrieben, daß, bloß um ein paar Lausbuben, unreife, dumme Jungen zu fangen, öffentliche Steuergelder dazu verwendet werden, Belohnungen von 10.000 und 5.000 DM auszuschreiben.

263


Wir betrachten den prinzipiellen und generellen Antisemitismus als moralischen und geistigen Defekt. Aber wir billigen nicht, daß jemand, der von seinem staatsbürgerlichen Grundrecht der freien Meinungsäußerung Gebrauch macht – auch wenn er geistig und moralisch nicht ganz auf der Höhe ist – und sei es selbst, daß er sich – in zivilisierter Form – als Antisemit bekennt, dafür mit monatelangen, ja ein Jahr übersteigendem Gefängnis bestraft wird. Wir sind schärfstens gegen jeden generellen Antisemitismus; wir verabscheuen und bekämpfen ihn. In einer Demokratie, in einem freien Staate, muß sich aber die Bekämpfung des Antisemitismus – immer vorausgesetzt, daß er sich in zivilisierten Formen äußert – im wesentlichen auf die gesellschaftliche und moralische Ächtung der geistig defekten Antisemiten beschränken; letzten Endes wird allein dieser Weg, diese Form der Bekämpfung des Antisemitismus, erfolgreich und wirksam sein. Wir werden aber immer – ebenso leidenschaftlich wie gegen stumpfsinnigen oder böswilligen Antisemitismus – mit Voltaire auch dafür kämpfen, daß jedermann frei und ungehindert seine Meinung sagen darf, seien uns auch er selbst und das, was er sagt, bis in die Seele hinein zuwider.

Der vierzigjährige Westberliner Stadtinspektor Alfred Staats soll zwei Freunde mit dem Hitlergruß begrüßt haben und dafür mit einem Jahr und neun Monaten Gefängnis – und damit mit Amts- und Pensionsverlust – bestraft worden sein. Der Glaube des Herrn Inspektor Staats ist nicht unser Glaube und sein Hitler ist nicht unser Hitler, aber als Demokraten verstehen wir nicht, warum in einer Demokratie nicht jeder seinen Glauben und seinen Götzen haben darf, solange er von diesem seinen Recht in anständiger und zivilisierter Form Gebrauch macht.

Die Aufpeitschung der Leidenschaften durch die hysterische Aufbauschung einiger Schmierereien erfüllt uns auch deshalb mit Sorge, weil hier mit erschreckender Deutlichkeit die Tatsache aufgezeigt wird, wie sehr gewisse Kreise des Weltjudentums die Weltpresse teils ganz beherrschen, teils nach ihren Interessen und Wünschen beeinflussen und dirigieren können. Es ist ja wirklich einfach toll, welche Übertreibungen und Entgleisungen sich viele Zeitungen (auch deutsche) aus dem lächerlichen Anlaß dieser Schmierereien leisteten. Man glaubt in einem Narrenhaus zu sein, wenn man die Flut dieser hysterischen Leitartikel, Aufsätze und Glossen liest, die sich mit diesen Vorfällen befassen. Für infantile Charaktere ist es geradezu unwiderstehlich verlockend, Ursache zu so weltweiter Aufregung zu werden. Zeigt aber die Promptheit, mit der die Schmierfinken auf der ganzen Welt auf das Zeitungsgeschrei hin auch zu schmieren begannen, nicht auch blitzlichtartig, wie mißliebig manche Juden auf der ganzen Welt sind?

264


Wenn aber unter diesen weltumfassenden Vorfällen wirklich noch ein anderer Zusammenhang bestehen sollte, dann sollte es nicht allzu schwer sein, die Hintermänner und Drahtzieher festzustellen. Man braucht doch nur zu fragen, wem diese gefährliche Brandstiftung nützt und wer die technischen und personellen Möglichkeiten hat, so weltumfassende Aktionen in Szene zu setzen und aufzuziehen. Den ehemaligen Nazi (die es heute längst nicht mehr sind) nützen diese Schmierereien nichts. Sie erschweren ihnen nur das Leben; denn solche Aktionen bringen alle anständigen und ruheliebenden Menschen gegen die Akteure auf.1

Das deutsche Volk bildete sich über die wahren Hintergründe dieser neuen Hetzkampagne immer mehr eine bestimmte Meinung. Das Echo auf diese Hetzkampagne hat das deutsche Volk mißtrauisch und stutzig gemacht. Allzuviele Menschen in Deutschland fragten sich, ob nicht etwa diese Neubelebung und Wiederaufpeitschung des Deutschenhasses in der Welt der wahre Zweck dieser sonst nicht recht verständlichen Kampagne ist.2

Die deutschfeindlichen Kundgebungen, das Wiederaufleben antideutscher Haßdemonstrationen, das bereits sattsam bekannte Bild der Inszenierung eines Boykotts gegen deutsche Waren und deutsche Angestellte im Ausland ließen diesen naheliegenden Verdacht in Deutschland immer mehr Gestalt annehmen.

Besonders in England hat die Aufbauschungskampagne zu neuen, sehr bedenklichen Ausbrüchen eines elementaren Deutschenhasses geführt.


1
Rund und ohne Umschweifen herausgesagt, sind die Nutznießer der Schmierereien- Hetze nur die Juden selbst, und alle anderen Deutschenhasser, deren Weizen bei dieser Hetze blüht und die sie ihren Vernichtungszielen näher bringt. Das amtliche Weißbuch liefert den statistischen Nachweis, daß sich von allen in Deutschland vorgekommenen antisemitischen Schmierereien nur 8 Prozent politisch begründen ließen. Und von diesen 8 Prozent war ein erheblicher Teil ostgesteuert. 92 Prozent waren teils infantil, teils psychopathisch bedingt.

Es liegen auch Beweise vor, daß solche antisemitische Schmierereien durch Juden selbst vorgenommen oder veranlaßt wurden, um sie zur Deutschenhetze auswerten zu können. So in New York und anderen Orten der USA und in anderen Ländern.

2
Auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden wurden Hakenkreuz-Schmierereien angebracht. Als Übeltäter konnte bezeichnenderweise der »Führer« der british N. S. Bewegung, Jordan, festgestellt werden. Nach einer Erklärung des Sprechers der sogenannten N. S. Bewegung in Großbritannien, Webster, soll die Versendung von Flugblättern und Broschüren nationalsozialistischen und antisemitischen Inhalts in nächster Zeit weiter gesteigert werden. Es verdichten sich Nachrichten, die darauf hindeuten, daß deutschfeindliche Kreise in England diesen gefährlichen Spuk inszenieren und finanzieren. Es ist durchaus möglich, daß britische Industriekreise daran interessiert sein könnten, »Wiederaufleben des N. S. Geistes« an die Wand zu malen, um Westdeutschland auf dem Weitmarkt ins Hintertreffen zu bringen. (Vgl. hiezu Bericht in der »DWZ« vom 19. Oktober 1963, Seite 3).

265


Die Tatsache aber, daß es auch in Großbritannien zu nicht wenigen Schmierereien und antisemitischen Vorfällen, ja selbst zu Angriffen auf jüdisches Eigentum gekommen ist (in einem Vorort Londons wurde der Lieferwagen eines jüdischen Händlers angezündet) sollte den Juden zu denken geben. Der britische Haß und die antideutsche Welle in Großbritannien sind nicht verursacht durch die britische Zuneigung zu den Juden. Die Ursachen des britischen Deutschenhasses liegen auf einer ganz anderen Ebene. Die Kampagne gegen den angeblichen Antisemitismus in Deutschland gibt dem weitverbreiteten allgemeinen Deutschenhaß in der Welt nur willkommene Gelegenheit und willkommenen Anlaß, diesen Haß, diese antideutsche Einstellung und Gesinnung, wieder einmal vor aller Welt zu demonstrieren, das deutsche Ansehen, und vor allem die deutsche Wirtschaft zu treffen und zu schädigen.

Es ist kein einziges Wort darüber zu verlieren, daß wir den generellen und grundsätzlichen Antisemitismus, wie jede Intoleranz – mag sie sich gegen wen immer richten – tief verabscheuen und verurteilen. Aber wir mißbilligen jenes Affentheater und diesen Narrentanz, die hier gewisse Kreise um diese Bubenschmierereien aufführen. Die Art, wie diese Vorfälle dazu mißbraucht werden, die Haßkampagne gegen Deutschland maßlos weiterzutreiben, erschreckt uns. Bei diesem pathologisch hysterischen Haß kann man wirklich besorgt werden, wie sich die Beziehungen Deutschlands zum Judentum normalisieren sollen.1

Die »NZ« Nr. 48 vom 2. Dezember 1966 bringt eine aufschlußreiche Notiz über eine jüdische Hakenkreuz-Schmiererin:

»Hakenkreuz-Schmiererin gefaßt.

Eine rassisch Verfolgte, die sich in Wiedergutmachungssachen in der Bundesrepublik aufhielt, konnte festgenommen werden, nachdem sie Hakenkreuze in der Bahnhofgaststätte von Bad Nauheim geschmiert hatte. Sie hatte schon vorher in Frankfurt Hakenkreuze geschmiert, war abgeschoben worden und tauchte dann wieder in Bad Nauheim als Hakenkreuzschmiererin auf.«


1
Das Institut für Demoskopie stellte bei einer Testumfrage folgende Frage: »Würden Sie sagen, es sei für Deutschland besser, keinen Juden im Lande zu haben?« Darauf antworteten mit »Ja« 1959 22 Prozent, 1962 37 Prozent; mit »Nein« 1959 20 Prozent, 1962 33 Prozent.

Es ist bezeichnend, daß die Schmierereien vom 24. Dezember 1955 international in der Weltpresse ein geradezu orkanhaftes Echo fanden. Ein publizistischer Weltbrand wurde entfacht. Es ging ja gegen Deutschland.

Am selben 24. Dezember 1959 berichtete der »Manchester Guardian«, beim jüdischen Neujahrsfest sei in Malachowska bei Moskau die Synagoge angezündet worden; es seien Flugblätter verteilt worden mit der Aufforderung: »Schlagt die Juden!«

Zu dieser Nachricht schwieg die Weltpresse; sie brachte kein Wort darüber.

266


Wie man in Deutschland den Antisemitismus züchtet

Bamberg 1965. Die Fahnen an allen öffentlichen Gebäuden der Stadt Bamberg wehten auf Halbmast mit Trauerflor. Der Vorsitzende des Bamberger Kreisjugendringes, Diakon Fred Hacker, legte einen Kranz am jüdischen Friedhof der Stadt nieder. Die Schleife trug die Aufschrift »Die Jugend Bambergs trauert. Vergebt uns, Brüder!« Ein weiterer Kranz wurde vom DGB-Kreisausschuß niedergelegt. Sodann deklamierte Hacker den 83. Psalm »Wider die Feinde Israels« aus dem Alten Testament. In einer Sondersitzung des Stadtrates brachte Oberbürgermeister Mathieu in bewegten Worten »Trauer und Entrüstung des gesamten Bürgerschaft« zum Ausdruck. »Die Stadt wird alles in ihrer Macht stehende tun, um diese Schmach zu tilgen.« Und vor zwei- oder dreitausend zu einer großangelegten Trauerkundgebung versammelten Personen, versicherte der Oberbürgermeister, man werde der Welt beweisen, wie Bamberg denke. Für die Ergreifung der Täter seien 20.000 DM ausgesetzt. Patrouillen des Bürgerschutzes durchstreiften die Straßen der Bischofstadt …

Was war geschehen? Ein Pogrom? Ein neues deutsches Kriegsverbrechen?

Dieses war die Wirklichkeit:

Unbekannte hatten den Gedenkstein für die in der »Kristallnacht« 1938 zerstörte Synagoge, Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof, das Denkmal eines nichtjüdischen Arztes und das Ehrenmal für die in beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten mit Hakenkreuzen, antijüdischen Hetzparolen und dummen Sprüchen besudelt. Da stand zu lesen: »Es lebe die SS!« »Es lebe der Führer!« »6 Millionen Juden sind zu wenig!« »Die Polizei ist dumm!« und ähnliches mehr.

Erst in der Nacht zum 28. Mai war die Weltöffentlichkeit durch die Schändung von nicht weniger als 34 Grabsteinen auf dem israelischen Friedhof von Memmingen beunruhigt worden. Man hatte fest mit rechtsextremistischen Tätern gerechnet. Dann stellte sich heraus, daß 12 neun- bis zwölfjährige fußballspielende Buben, denen der Ball wiederholt über die Friedhofsmauer geflogen war, gestanden, die Grabsteine umgestürzt zu haben.

Kann es nicht so auch in Bamberg gewesen sein? Oder waren es Kommunisten?

Jedenfalls ist das Getöse um diese Vorfälle ungeheuerlich übertrieben. Es gelten auch hier die Worte Oberrabbiners Dr. Goldstein, die nichts

267


von ihrer Aktualität und Zutreffendheit verloren haben:

»Haben Sie als Kind nichts geschmiert? Ich war ein furchtbarer Schmierer … Jedenfalls sind die Aufregungen um das Ganze kaum mehr zu ertragen. Die Entschuldigungswelle hat ein Maß erreicht, das die Grenze des Erträglichen überschritten hat. Es wird bald einen Antisemitismus geben, wenn es so weiter geht …«

Sollten sich hier aber wirklich nichtkommunistische Erwachsene betätigt haben, dann wird – nach einer gerichtlichen Überprüfung ihres Geisteszustandes – wahrscheinlich ihre Einweisung in eine Heilanstalt zu veranlassen sein.

Peinliche Enthüllungen (»NZ« Nr. 28, 9. Juli 1965)

»Unter dem Eindruck großaufgemachter Berichte in Presse, Rundfunk und Fernsehen wird das Bundesgebiet wieder von einer Hakenkreuz- Schmierwelle heimgesucht.

In Heilbronn wurden Mauern, Gehwege und Fahrzeuge mit Hakenkreuzen vollgeschmiert. Die Identifizierung der Täter entsprach allerdings nicht den Wünschen und Erwartungen interessierter Kreise: Die Söhne von in Heilbronn stationierten amerikanischen Soldaten hatten sich als Schmierer betätigt.

In Bamberg reißt die Serie von Sudeleien nicht ab. Es wurde festgestellt, daß es sich um die Tat eines Einzelgängers handelt und daß hinter der Aktion  keine Gruppe oder Organisation steht.«

Wieder ein »Antisemit« entlarvt (»DWZ«, 9. Juli 1965, S. 2)

»Auch in Weißenthurm bei Koblenz wurden kürzlich Grabsteine auf einem jüdischen Friedhof umgestürzt und beschädigt und in der Nacht zum 22. Juni Rosen an der jüdischen Gedenkstätte vernichtet.

Nunmehr wurde als Täter ein 33jähriger Weißenthurmer ermittelt, der nicht nur zur Zeit der Tat volltrunken war, sondern auch schon längere Zeit in einer Nervenheilanstalt zugebracht hat. Er gestand, er habe durch seine Tat die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenken wollen. Gegen Juden habe er überhaupt nichts.«

Einem Artikel der »DWZ« vom 30. Juli 1965 entnehmen wir:

»Alle diese Untaten sind offenkundig Streiche von Lausbuben oder

268


von geisteskranken Erwachsenen oder von politischen Hintermännern in bestimmter deutschfeindlicher Absicht veranlagte und gelenkte Untaten.1 Die Behandlung solcher Untaten in Deutschland bietet ein krankhaftes, normalen Menschen unverständliches Erscheinungsbild. Die Fahnen mit Trauerflor wurden auf Halbmast gehißt, Massen- Trauerkundgebungen werden von der Stadtverwaltung organisiert und groß aufgezogen. Zehn-, zwanzig-, fünfundzwanzigtausend D-Mark werden für die Ergreifung der Missetäter ausgesetzt. Beträge, die man nicht einmal zur Aufklärung von Raubmorden, von Sexualverbrechen und Kindesmorden zur Verfügung hat. Bambergs Jugend wird von ihren Führern unbegreiflicherweise zu einem Benehmen gedrängt, als seien sie mitschuldig. Auf einer Kranzschleife eines von der Jugend niedergelegten Kranzes setzte man die unbegreiflichen Worte ›Vergebt uns, Brüder!‹ Welche Schuld hat denn – um Gottes Christi Willen – diese Jugend auf sich geladen?

Die Juden selbst, daß heißt die gewissen zionistischen Kreise, tun bei solchen Gelegenheiten alles, um solche Untaten künstlich mit allen Mitteln hochzuspielen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland gab bereits am 27. Juni ein Kommunique heraus, in dem – ohne auch nur den Schatten eines Beweises – bestimmte nationalistische Deutsche als Täter festgelegt werden. Man kann solche Fälle aber nicht einfach politischen Kreisen anlasten. Gewiß ist keine politische Partei idiotensicher. Aber eine Gruppe von Idioten stellt noch keine politische Gefahr dar, die eine solche Hetze gegen Deutschland rechtfertigen könnte.

Es ist tief bedauerlich, daß gewisse zionistische Kreise solche Vorfälle immer wieder dazu mißbrauchen, ihren maßlosen Haß gegen Deutschland in der immer wieder erneuerten Inszenierung einer Welthetze gegen Deutschland auszutoben.

Erst dadurch erhalten solche verbrecherische Narreteien das Gewicht und die Wirkung ernst zu nehmender politischer Demonstrationen mit allen verheerenden Folgen im In- und Ausland.«

Die Welt hört nichts davon

Während bei jeder infantilen Hakenkreuzschmiererei in Deutschland die Weltpresse vom Nordpol bis zum Südpol vor Empörung aufschreit und aufheult und in Deutschenhaß erzittert, hört man keinen Ton und


1
Laut Zeitungsmeldung vom 31. Juli 1965 wurde als Schmierer der arbeitslose 20jährige Zahntechniker Reinhard Woitzik verhaftet.

269


liest keine Silbe von antisemitischen Ereignissen, die sich außerhalb Deutschlands ereignen.

In Groß-London ist es vom November 1964 bis Mitte 1965 zu wenigstens 22 registrierten antisemitischen Zwischenfällen gekommen. Acht davon hatten größere Ausmaße. Einer forderte sogar ein Todesopfer.

Allein in den Monaten Juni und Juli 1965 wurden in sechs Synagogen Brände gelegt. Der schwerste Zwischenfall ereignete sich im März 1965 in Brondesbury in Nord-London. Der Sachschaden betrug 700.000 DM. Das Innere der Synagoge wurde verwüstet, die Heilige Lade aufgebrochen und acht der Thorarollen verbrannt.

Brände waren auch in den Vorstadtsynagogen von Palmers Green und Southgate ausgebrochen. In anderen Tempeln in Edmonton und Tottenham sowie im Londoner Westend waren nach Feuern Reste von Benzin-Bomben gefunden worden. Vor der Synagoge in Golders Green war es zu einer Schlägerei zwischen jüdischen Gemeindemitgliedern und Jugendlichen gekommen, die telefonisch angekündigt hatten, sie würden die Synagoge stürmen. Im Londoner Stadtteil Tooting wurden mehr als 30 Schaufenster mit Plakaten beklebt, auf denen stand: »Hitler hatte recht!«

Seltsame Hakenkreuzschmierer

Als Hakenkreuzschmierer betätigten sich in der Diplomatenstadt Bad Godesberg drei Kinder im Alter von sechs, acht und zehn Jahren. Sie malten insgesamt achtzehn Hakenkreuze in der Größe von zehn mal zehn Zentimeter an Garagentüren.

Die deutschsprachige jüdische Wochenschrift »Der Aufbau« (New York) berichtete in einem Artikel unter der Überschrift »Talmudschüler schmieren Hakenkreuze«, daß 5 Studenten der United-Talmud-Academy in Brooklyn polizeilich festgenommen wurden, weil sie Hakenkreuze an das Generalkonsulat von Israel geschmiert hatten.

Wo die Welt schweigt

Die »DWZ« vom 2. Juli 1965 bringt auf Seite 2 folgende Nachricht:

»Bomben gegen englische Synagogen.

270


Von der ganzen deutschen Presse totgeschwiegen wurden die Bombenanschläge gegen die englischen Synagogen von Edmonton und Tottenham, die in der vorigen Woche durchgeführt wurden.

In Bayswater wurde eine Bombe in die Herbert-Samuel-Hall geschleudert. Da die Feuerwehren rasch zur Stelle waren, konnten die Brandbomben schnell gelöscht werden, ohne schwere Schäden zu verursachen. Schon im März waren durch Brandstiftungen die Brandesbury-Synagoge zerstört und die Greenbank-Synagoge in Liverpool schwer beschädigt worden. Die Täter konnten bis fetzt nicht festgenommen werden.«

Brandstiftung in Synagogen

Die Zeitung berichteten am 1. August 1965 unter obigem Titel:

»London (up). Zwei Synagogen in verschiedenen Stadtteilen Groß-Londons wurden in der Nacht zum Samstag (30. auf 31. Juli 1965) in Brand gesteckt. Die Außenwand des einen Bethauses war mit antisemitischen Schmierereien bedeckt, die ›Werwolf‹, ›Heil Hitler‹ und ›Wir werden Großbritannien von jüdischer Kontrolle befreien‹ lauteten. An der Synagoge im Stadtteil Ilford wurden Türen, Fenster und das Dach der Vorhalle zerstört.

Nach Ansicht der Brandexperten der Feuerwehr waren die Brände mit Hilfe leicht entflammbarer chemischer Flüssigkeiten gelegt worden.«

Gemeinschaftsarbeit bei der Welthetze gegen Deutschland

Es ist überaus zu bedauern, daß auch die in Deutschland lebenden Juden vielfach eifrig mit am Werke sind, jeden solchen Zwischenfall mit Schmierereien eifrig in aller Welt zu verbreiten, um nur ja den Haß gegen Deutschland lebendig zu erhalten.

In Memmingen wurden 15 strafunmündige Jungen als Schmierer und Übeltäter ermittelt. Es ist bezeichnend, daß der Fabrikant Hugo Günzburger, der die jüdischen Belange in Memmingen vertritt, nichts dazutat, diese Bubentat lokal zu erledigen und zu bereinigen. Als man die Grabsteine gleich wieder aufstellen und damit die Sache innerhalb des Stadtbereiches bereinigen wollte, erhob Herr Günzburger Widerspruch.

271


So kam die Sache erst groß in die Presse, zwei Fernsehteams wurden vor der Wiederherstellung mobilisiert (das Bayrische Fernsehen und eine internationale Fernseh-Agentur). Dank der Mitwirkung des Herrn Günzburger konnte die bedauerliche Angelegenheit in der ganzen Welt in Presse und Fernsehen ganz groß aufgezogen werden. So halfen deutsche Juden eifrig mit, den Haß gegen Deutschland in aller Welt lebendig zu erhalten und damit den Antisemitismus in Deutschland mit Gewalt zu züchten.

272