Geschichte der Verfemung Deutschlands, Band 7

Zur Hölle mit allen Deutschen!

Von Dr. jur. et Dr. phil. et Dr. rer. pol. Franz J. Scheidl


VII. Teil

Die Gefahren der Haßpropaganda im Frieden


Ein Lichtblick

Der Erfolg der Haßpropaganda war und ist so durchschlagend, daß heute noch jedermann auf der ganzen Welt sich geradezu fürchten muß, ein gutes Wort über Deutschland und das deutsche Volk zu sagen. Die Haßhetzer können über den Erfolg ihrer teuflischen Rache am deutschen Volk wahrlich teuflische Befriedigung empfinden.

Im Interesse der unerläßlichen Befriedung der Welt muß aber dem uferlosen Rachefeldzug dieser Hetzer gegen das deutsche Volk, muß dem maßlosen Haß und der unersättlichen, alttestamentarischen Rache endlich ein Ziel gesetzt werden.

Wenn wir nicht verstehen, zu vergessen und zu vergeben – oder doch wenigstens einen Strich unter die Vergangenheit zu setzen – dann wird sich die Menschheit endlos das Leben gegenseitig verbittern und erschweren und sich schließlich gegenseitig ausrotten.

Die feinsinnige, englisch-amerikanische Publizistin, Freda Utley, schrieb die denkwürdigen, mahnenden Worte:

»Wir können keine Zukunft für Freiheit und Kultur erhoffen, wenn wir nicht bereit sind, vergangenes Leid zu vergeben und zu vergessen und den tragischen Ring von Vergeltung und Rache endlich zu zerbrechen.

Alle Menschen, auch die ehemaligen Gegner und Feinde (einschließlich der Juden) müssen sich verbünden zur endlichen Erringung, Festigung und Verteidigung eines menschlichen Gemeinschaftsgefühles und Gemeinschaftsbewußtseins, ohne das eine lebenswerte Zukunft nicht möglich ist.

Der Fortbestand der abendländischen Kultur hängt heute und jetzt von unserer Fähigkeit ab, alte Beleidigungen und Missetaten zu vergessen und uns über nationale Vorurteile zu erheben …«

Das Chaos, das trostlose Meer von Haß und Rache, das Deutschland heute noch von allen Seiten umgibt, wird von einem Leuchtturm überstrahlt, dessen helles reines Licht einen den Glauben an die Menschheit wiedergeben könnte.

Dieser Leuchtturm ist der Engländer Victor Gollancz. In der Vorrede zum Buche von Gollancz »In Darkest Germany« spricht Robert M. Hutchinson, von der barbarischen Politik der Siege gegen die Besiegten. Er rühmt dem Verfasser Victor Gollancz nach, daß er in seinem Buche an das deutsche Problem herangetreten sei vom Standpunkt der Sittlichkeit aus, der allein die rechten Maßstäbe zu bieten vermag.

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Das Buch Gollancz’ selbst ist das Ergebnis eingehender Untersuchung und Forschung in Deutschland, wo Gollancz – seinem Berichte nach – geradezu haarsträubende und himmelschreiende Zustände vorfand, die er rückhaltlos der Selbstsucht, der Brutalität und Stupidität (»lunacy«) der Sieger zur Last legt. Warnend ruft Gollancz der ganzen Welt zu:

»Nichts kann die Welt retten, als ein allgemeiner Akt der Reue und Buße, anstelle der gegenwärtigen selbstgerechten Anklagen gegen die Sünden anderer. Denn wir alle haben gesündigt und fahren fort, in entsetzlicher Weise zu sündigen.«1

Dr. Klaus J. Herrmann, Lecturer, University of Maryland, Army Education Center, Fuerth, schreibt (»DSZNZ« Nr. 6, vom 16. Februar 1962, S. 6, München):

»Ich sehe mit Ekel und Empörung, wie eine beispiellose Hetzkampagne im Gange ist, welche die christlich-jüdischen Beziehungen in Deutschland bedroht … Ich bitte die Leser dieser (Haßausbrüche in den) Zeitungen nicht zu vergessen, daß es Hasser nicht nur innerhalb der jüdischen Religionsgemeinschaft gibt … Vergeßt eines nie: Diese Außenseiter sprechen nur für sich selbst, nie und nimmer für das Judentum! Wollen wir alle, Juden wie Christen, uns nicht nur in der Woche der Brüderlichkeit und das ganze Jahr hindurch in Freundschaft und Anstand die Hände reichen? Denn nur dadurch kann der Friede auf Erden gerettet werden …«

Und der abgeklärte J. C. Burg schreibt (»Schuld und Schicksal« ):

»Ein geradezu schauriger Haß springt uns aus den Kreisen der Zionisten auf das deutsche Volk entgegen. Man braucht nur ihre Presseerzeugnisse zu lesen, um zu wissen, wie sehr sie an der Verewigung des Hasses arbeiten.« (S. 306)

»Der ganze Eichmann-Prozeß kann ja letzten Endes nur einen Sinn haben: die Flammenzeichen des Hasses und der Rache lichterloh auflodern zu lassen und dafür Sorge zu tragen, daß der Haß, der nun einmal vorhanden ist, nicht stirbt. Dies jedoch kann nicht im Interesse der Völker liegen und nicht im Interesse der Zukunft, auch nicht der Zukunft der Juden.« (S. 360)

»Es würde dann auch nie Frieden geben … heute nicht und morgen nicht. Alles würde weiterlaufen: der Haß und der Terror. Ohne Ende. Der einzige Unterschied würde sein, daß einmal die einen oben und die anderen unten sein würden, und dann wieder umgekehrt. Ist das der Sinn des Lebens? (S. 81)


1
Auf der evangelischen Akademie in Berlin (Wannsee 1963) erklärte der Kopenhagener Oberrabbiner Dr. Marcus Melchior: »Es gibt keine deutsche Kollektiv-Schuld Die Welt muß Deutschland die Hand reichen, weil auch sie an Deutschland schuldig geworden ist «

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»Ich glaube, daß wir das Gestern überwinden müssen, wenn wir das Morgen gewinnen wollen. Es hat keinen Sinn, Wochen der Verbrüderung zu feiern und im gleichen Atemzug wieder alte Wunden aufzureißen, um zu verhindern, daß sie sich schließen. So kommt es nie zu einem Frieden, nie zu einer Aussöhnung. (S. 369)

Wer verantwortungsbewußt in die Zukunft blicken will, der  muß bestrebt sein, über die Gefühle der Rache Brücken zu schlagen. Das Leben geht weiter …«

Hier an dieser Stelle möchte ich auch den mir unvergeßlichen Großrabbiner Goldstein ein Denkmal setzen; er – gleich groß als gläubiger Jude wie als Mensch – sprach die goldenen Worte:

»Meine Rache ist Versöhnung.«

Und er opferte sein Leben diesem Ziel der Versöhnung. Er starb für sie; sein Leben haben Menschen auf dem Gewissen, deren Haß und Intoleranz ihn in einen frühen Tod trieb. Menschen, die sich einbildeten, bessere Juden zu sein als er und die doch von seiner Größe als Jude und als Mensch sternenweit entfernt waren.

Die hohe Gesinnung Goldsteins erinnert an den größten jüdischen Poeten des letzten Jahrhunderts, Ch. W. Bialik (geboren 1878 in Rußland, gestorben 1934 in Wien). Bialik schrieb nach dem Kischinewer Pogrom von 1903 in einem ergreifenden Klagelied die unerhört großen Worte:

»Wer mir von Rache spricht, soll verflucht sein!«

Die Gefahren der Fortdauer der Hass- und Hetzpropaganda gegen Deutschland nach beendetem Kriege

Der Umfang, die Intensität und Totalität der heute noch – besonders in den USA – wütenden Haßhetze gegen Deutschland und das deutsche Volk geht beinahe über jede Vorstellung. In Rundfunk und Fernsehen, im Film und auf der Bühne, in der Presse und in der Literatur, in Wort und Bild und Schrift wird die Welt – vor allem das amerikanische Volk – systematisch und pausenlos zum Haß gegen das deutsche Volk aufgestachelt und erzogen.

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Die Kluft zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Volke

Immer und überall wird der Deutsche in der Rolle eines verkommenen Verbrechers, eines grausamen, brutalen Rohlings, gezeigt. Fluch der Greuellügenpropaganda der Morgenthau-Leute sind für die US-Amerikaner heute die Deutschen eine Verbrechernation, das wertloseste, das verbrecherischste, das grausamste Volk der Erde.1

Diese bedenkenlose und skrupellose Haßhetze, die von einer Gruppe in Wahrheit ganz unamerikanischer Hetzer, gegen das deutsche Volk getrieben wird, hat die Beziehungen der beiden Völker zueinander bereits in einem so gefährlichen Ausmaße vergiftet, daß er die Amerikaner deutscher Herkunft auf das höchste alarmierte. Es hat sich in den USA eine Organisation, die »Deutsch-Amerikanische Nationalkonferenz« gebildet, deren Zweck es ist, gegen die Ermordung des deutschen Namens in den USA aufzutreten. Diese Organisation will dem gefährlichen Treiben jener Giftmischer und Rächer gegenübertreten, deren Lebens- und Racheziel es ist, Deutschland zu vernichten und die die USA dazu benützen und dazu bringen wollen, diese Aufgabe für sie zu erfüllen.

Der Botschafter der BRD in den USA, Grewe, hielt in Boston einen Vortrag, in dem er sich mit Schärfe gegen die besorgniserregend wachsende Diskriminierung der BRD in den USA wandte.

»Die Amerikaner sollen eine klare und unzweideutige Wahl treffen,« sagte er, »ob die Deutschen als Alliierte oder als hoffnungslose Nation von Unruhestiftern betrachtet werden.«

Der elementare Haß gegen alles Deutsche ist in den USA zu einer Epidemie geworden, die das ganze Volke mit wenigen Ausnahmen befallen hat. Es ist höchste Zeit, daß etwas Entscheidendes gegen diese Haßseuche unternommen wird, ehe das Zerstörungswerk der Haßhetze ein nicht wiedergutzumachendes Ausmaß erreicht hat. In einem Leserbrief schreibt ein von Haß tollwütig gewordener Neo-Amerikaner (Abraham Hirschfeld, New York) in einem Leserbrief (»Stern«-Heft Nr. 38, 1961):


1
Nach einer Vortragsreise durch die USA schrieb Hubertus Prinz zu Löwenstein: »Immer wieder erlebt man es in den USA, daß Deutschland, der wichtigste Bundesgenosse der USA, behandelt wird, als sei es der eigentliche Feind, die Sowjetunion dagegen, als handle es sich um einen mißverstandenen Freund.«

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»Die Deutschen darf der Besuch von Johnson in Berlin nicht täuschen: Es wird kein Tropfen amerikanischen Blutes vergossen werden, um irgendeinen Deutschen irgendwo zu retten. Die Herzen von Amerikanern erfüllt es vielmehr mit Freude, daß Deutsche hinter Stacheldraht leiden. Wir sind den Russen zutiefst dankbar, daß sie ein Stacheldrahtghetto für Deutsche geschaffen haben. Man braucht jetzt nur noch Auschwitz und die Krematorien (für die Deutschen) wieder in Betrieb zu nehmen.«

Vielleicht ist es noch nicht zu spät, daß die amerikanische Regierung – wenn schon nicht aus Rechtsgründen, so doch im Interesse ihrer eigenen Sicherheit und der ihrer Verbündeten – Mittel und Wege findet, die Haßhetze, die öffentlichen Beleidigungen, Verleumdungen, Herabsetzungen eines Verbündeten der USA in dieser Zeit der allgemeinen Weltbedrohung durch einen gefährlichen gemeinsamen Feind zu untersagen und abzustoppen.1

Amerikanische Hassapostel am Werke: Ist denn so etwas wirklich möglich?

Bis zu welchem Grad von Gemeinheit ein Haß treiben kann, zeigt das erschütternde Beispiel des amerikanischen Schriftstellers Robert C. Ruark. Ruark, der Verfasser des Buches »Die schwarze Hut«, übertrifft als Deutschenhetzer an Gemeinheit selbst die gewohnte amerikanische Norm. Er schrieb für das »United Features Syndicate« einen Aufsatz, der in »Nation Europa«, Heft 3, 1961, S. 2 ff., abgedruckt ist. Es heißt dort:

»Der letzte Schlag ins Gesicht, den Amerika von … wiederaufgerichteten Deutschen erlitten hat, wird niemanden groß enttäuschen, der jemals Böses mit Gutem vergolten, Geld ausgeliehen oder die klassische Schlange am Busen gewärmt hat. Wir können nur sagen: Es war dumm von uns, anzunehmen, man könne aus einem Deutschen mit Liebe etwas anderes machen, als eben einen Deutschen, so wie ihn uns Erich von Stroheim eindrucksvoll vorspielte.


1
Zu S. 220. In der »Saturday Evening Post« ist eine »Geschichte Deutschlands« von Kay Boyle (einer heute sechzigjährigen aus dem Mittelwesten stammenden amerikanischen Literatin) angekündigt.

Der »Eckartbote« Wien, Folge 9/1963 bringt auf Seite 7 folgendes Zitat aus einem Interview mit Kay Boyle: »Die ›Geschichte Deutschlands‹ wird all mein leidenschaftliches Vorurteil gegen die Deutschen zeigen. Deutschland und die Deutschen wurden und sind für mich der Inbegriff und das Ziel allen Ekels und Abscheus, den ich aufzubringen vermag und dessen Proportionen majestätisch sind.«

Der oberste Grundsatz jeder Geschichtsschreibung ist Objektivität. Boyle schreibt nach ihrem eigenen Geständnis keine »Geschichte«, sondern ein Pamphlet.

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Ich bin alt genug, mich an die Deutschen nach zwei Kriegen zu erinnern, die sie beide angefangen und beide verloren haben. Beide Kriege trafen Deutschland schwer – die Bürger hausten in Trümmerhöhlen; ihre lieben Frauen gingen manchmal um ein Stückchen Brot auf die Straße; ihre anständigen Leute wurden zu Spitzbuben und Plünderern; ihr Geld verlor jedes bißchen Wert.

Als nach dem letzten Krieg ihre Führer Selbstmord begangen hatten, ihre Unterseebootflotte versenkt, ihre Luftwaffe zerstört, ihre Industrie ausgelöscht, ihre Führerschaft überwältigt war, und sie sich der Gnade der Russen ausgeliefert sahen, beugten die Deutschen das Knie und erflehten von den Feinden von gestern, Amerikanern und Briten, Vergebung und Barmherzigkeit. Und Vergebung und Mitleid wurden sogleich und in Fülle an ein Land verschwendet, wo eine Frau für eine Zigarette und ein Menschenleben für zwei zu haben war. Der Hunger hörte auf (Anm. d. A.: nachdem man das deutsche Volk fast vier Jahre dem Verhungern preisgegeben hatte.) Die Industrie erholte sich. Eine wertlose Währung wurde zur härtesten der Welt. Deutschland entwickelte sich zu einem Wunderland des Wiederaufbaues mit einer scharfen Trennungslinie zwischen der Russenzone und Westdeutschland, über das die gutmütige und vielleicht dumme Freundlichkeit der vergebungsbereiten westlichen Alliierten ihre süße Milde und ihr Licht ausgoß. (Anm. d. A.: Das schreibt ein Amerikaner nach all den Jahren der Demontage, der kompletten Ausplünderung und Aushungerung und den haßerfüllten Versuchen, Deutschland zu vernichten!) Wir riskierten sogar einen Krieg mit Rußland um der Luftbrücke willen, die den russischen Blockadering zunichte machte, der vielleicht Westdeutschland zur Aushungerung hätte bringen können. Und Wunder geschahen in Westdeutschland: Auf einmal hatte es nie einen Hitler, Göring, Goebbels, Streicher, Eichmann gegeben. Keine sechs Millionen Juden waren dem Hungertod und der Vernichtung überliefert worden. Ilse Koch hat nie einen Lampenschirm aus einer Lady gemacht. Und niemals war jüdisches Fett aus den Leichen von Buchenwald und Belsen ausgelassen worden. (Anm. d. A.: So verblöden kann pathologischer Haß!) Niemals gab es eine Vergewaltigung Hollands oder eine Okkupation von Norwegen oder Frankreich, niemals einen unverschämten (!) Streifzug von Rommels Elitekorps in Afrika. Niemand war absichtlich Nazi gewesen. ›Was ist denn ein SS-Mann, Pappi?‹ und ›was is‘n Gestapo, Mamma?‹

Ich will keinesfalls behaupten, daß die Deutschen nach einem Sieg weiterhin Völkermord praktiziert hätten, oder daß nach dem Krieg ein blühender Handel mit Amateur-Gaskammern den Geschäftsgang bei Krupp und den IG-Farben belebt hätte, oder daß die Schweizer Banken weiterhin am Verkauf von Goldgebissen ihre dicken Gewinne ziehen könnten, oder daß die Seife aus Menschenfett dem Kokosöl-

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markt Konkurrenz machen würde. Aber im deutschen Führungszeugnis fehlten die Worte ›Mitleid‹, ›Gnade‹ oder ›Hilfe für den Besiegten‹. Ich kann mir kaum vorstellen, daß ein überwundenes Britannien oder Amerika wieder so weit aufgepäppelt worden wäre, daß man es nicht nur als gerettet, sondern als enorm wohlhabend bezeichnen könnte. Vielmehr möchte ich annehmen, daß das Gauleitersystem und die Stacheldraht-Erholungsstätten für politisch Andersdenkende zum dauernden Bestandteil der Landschaft gemacht worden wären.

Nun haben sich die Amerikaner bis zu einem finanziell bedenklichen Zustand ausgeblutet, indem sie Hilfe an alle hinausschaufelten, besonders an die Deutschen. Unser Militär ist in Deutschland eingesetzt, nicht um die Bevölkerung zu bedrücken, sondern um in Richtung auf die Russen eine derbe Hand zu zeigen und verständigerweise haben wir die Deutschen gebeten, ein paar Extra-Pfennige zu den Kosten beizutragen, um Westeuropa stark zu erhalten, damit Amerika sich an seine in erschreckendem Ausmaße dahinschwindenden Goldreserven klammern kann.

Die Antwort ist so, wie man sie eben von einem fett und frech gewordenen Bettler erwarten darf: ›Geh zum Teufel! Hauptsache ich! Sei verdammt, Jack!‹ So sieht die Sache aus: Oft genug haben wir die helfende Hand geboten und Ohrfeigen dafür einstecken müssen. Wir hätten von den Deutschen von vornherein nichts anderes erhoffen sollen als ein Gewinsel: ›Man kann von uns nicht erwarten, daß wir in alle Ewigkeit für die fremden Truppen zahlen.‹ Und: ›Amerika hat noch genügend unerschlossene Steuerquellen.‹ Vielleicht kann man von Freunden solche Äußerungen hinnehmen: aber innerhalb von weniger als zwölf Monaten mußten wir derartige Fußtritte sowohl von Japan als auch von Deutschland einstecken, beides Feinde, die von ihren Besiegern gerettet und reich und frech gemacht worden sind. Der Machtkomplex ist wieder mal obenauf und ich finde ihn ekelhaft … Offensichtlich kann man durch noch so große Freundlichkeit einen Hunnen nicht zur Seidenbörse machen. Es ist nun einmal so: Nur wenn er winselt und um Gnade fleht ist er nett und zahm. Sobald die Falten in seinem Wanst wieder aufgefüllt sind, muß man wieder einmal feststellen, daß sich wenig geändert hat an den fetten Männern, die ihre Nacken ausrasieren und brüllen: ›Heil!‹

Und dieser pathologische Haßausbruch richtet sich nicht etwa nur gegen ein Regime, sondern gegen das ganze deutsche Volk.

Nicht weniger infam und verleumderisch ist das irgendwie geisteskranke Haßbombardement, das der amerikanische Jude Louis Nizer 1967 in der amerikanischen Jewish Press gegen Deutschland und das deutsche Volk losläßt. Unvorstellbar der Haß und die Lügen. Das

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Schreckgespenst, das ihn in seinen Wahnsinnsexzeß von Haß und Lügen treibt, ist die panische Furcht vor dem deutschen Wiederaufstieg. Er muß um jeden Preis verhindert werden.

»In der kurzen Spanne von 25 Jahren haben die Deutschen zweimal zugeschlagen, die Menschheit durcheinandergebracht und uns gezwungen, unsere friedlichen Ziele aufzugeben. Gemessen an den üblichen kriminellen Normen waren ihre Verbrechen so gewaltig, daß sie unsere Vorstellungen von einer Bestrafung übersteigen. Das ist ein erstaunliches Phänomen. Was sollen wir mit Millionen von Mördern tun? Unsere Strafgesetze versagen, wenn es sich bei der Verbrecherbande um eine ganze Nation handelt.«

Nizer stellt vier Arten Strafen und Züchtigungen zur Wahl:

1. Die totale Vernichtung des deutschen Volkes.

2. Den Dritten Weltkrieg durch Sterilisation der deutschen Rasse zu verhindern. Die Rechnung Nizers und der Vorschlag seiner Freunde sieht so aus:

Es gibt ungefähr 50 Millionen deutsche Männer und Frauen im zeugungsfähigen Alter. Wenn zwanzigtausend Chirurgen täglich etwa 25 Operationen ausführen, könnte die gesamte männliche Bevölkerung Deutschlands innerhalb von drei Monaten, die weibliche in weniger als drei Jahren sterilisiert sein. Bei einer normalen Todesrate von zwei Prozent im Jahr oder 1,5 Millionen jährlich würde das deutsche Volk innerhalb von zwei Generationen ausgestorben sein.

Der dafür erforderliche Eingriff sei einfach und schmerzlos. Bei Männern dauere die Operation, »Vasektomie« genannt, nur zehn Minuten. Der Patient könne hinterher sofort seine Arbeit wieder aufnehmen. Der Eingriff, der Frauen steril mache, die Abbindung der Eierstöcke, sei zwar etwas schwieriger, aber auch nicht viel gefährlicher als bei den Männern.

Die Welt müsse auf immer und ewig vor dem »Virus des Germanismus« geschützt werden.

3. Bestünde noch der Plan, die Deutschen insgesamt in die Kolonialgebiete zu deportieren.

4. Als vierten Plan stellt Nizer die Frage, ob vielleicht die Zerstückelung Deutschlands in viele kleine Staaten ein Heilmittel gegen den von den Deutschen drohenden Dritten Weltkrieg wäre.

Nizer kann sich nicht klar für einen der zur Vernichtung Deutschlands und des deutschen Volkes vorgeschlagenen Pläne entscheiden. Er schreibt:

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»Wenn wir nicht so klug sind, den deutschen Wiederaufstieg für immer zu verhindern, so wird der Dritte Weltkrieg unvermeidlich sein. Das einzigste Ziel der Deutschen ist immer wieder die Welteroberung. Dieser rote Faden zieht sich durch ihre ganze Geschichte; von Adrianopel an, wo sie im Jahre 378 die römische Zivilisation zerstörten, über Karl dem Großen, der seine Nachbarn vernichtete und ausraubte. Die Deutschen folgten ihm mit fanatischer Ergebenheit aus den gleichen Prinzipien heraus, mit denen sie dem Kaiser und Hitler folgten. Für die Deutschen war der Krieg eine Beschäftigung. Wo sie hintraten, verwelkte die Kultur und starb …

Das Programm der Deutschen blieb immer das gleiche … Die Mission der Deutschen war, ob unter dem Kaiser oder unter Hitler, immer die Weltherrschaft und wird es bleiben. Einen Führer dafür wird das deutsche Volk immer finden. Das Einzigartige am Germanismus sei der Umstand, daß es sich bei dieser Verschwörung gegen die Welt nicht um reines Gangstertum oder Nihilismus handle, sondern um eine intellektuelle Bewegung mit einer sorgfältig ausgearbeiteten Philosophie, die auf das Niveau des Mobs abgestimmt wurde. Das Lynchen sei in Deutschland zur Nationalpolitik erhoben worden. Das Gangstertum wird in eine Uniform gesteckt und zum Patriotismus erklärt.«

Nur alttestamentarischer Haß kann ein sonst normales Hirn so verblenden und so verblöden.

Frau Roosevelt verleumdet die deutschen Frauen und Mütter

Neben Eisenhower und Roosevelt zählte die Gattin Roosevelts, Eleanor Roosevelt, zu den fanatischsten und bösartigsten Hassern des deutschen Volkes. Im Jahre 1945 machte sie eine Reise durch Deutschland, das die Alliierten einer unvorstellbaren Hungersnot preisgegeben hatten. Über diese Reise schrieb sie einen besonders bösartigen und niederträchtigen Bericht (»My Day«), in dem es u. a. heißt:

»Berlin 1945. Schrecklichen Eindruck machen auf mich die deutschen Frauen. Ich sah in ihren Augen keine Spur von Liebe, wenn sie mit ihren schmutzigen, verwahrlosten Kindern sprachen, nur Verdrossenheit und Gier. Ich habe das Gefühl, daß sie mütterliche Zärtlichkeit nicht kennen. Rücksichtslos und gefräßig drängten und stießen sie sich, wenn ihnen von unseren Jungen ein Brot oder ein Stück Schokolade zugeworfen wurde.«

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Utley widerlegt Mrs. Roosevelt

So haßerfüllt spricht eine Frau und Mutter angesichts buchstäblich verhungernder deutscher Frauen und Kinder!

Und als sie 1962 starb, flossen deutsche Zeitungen über von Verehrung und priesen ihre Menschlichkeit und Weisheit und politische Klugheit. Zum Verzweifeln!

Da ihre bösartigen Bücher und haßerfüllten Berichte über Deutschland heute immer noch ihr niederträchtiges Werk fortsetzen, wollen wir ein amerikanisches Urteil über diese herzlose Hasserin hören. Der berühmte amerikanische Publizist Westbrook Pegler, der sie sehr gut kannte, schreibt über Eleanor Roosevelt:

»Man darf es mir nicht übelnehmen, wenn ich in aller Offenheit spreche. Meine Abneigung gegen Eleanor Roosevelt galt vor allem ihrer unverschämten Heuchelei und Herzlosigkeit, mit der sie die Nöte und Schwierigkeiten unseres unglücklichen Landes zu ihrem höchstpersönlichen Vorteil und Nutzen publizistisch ausbeutete.

Ich scheue mich nicht vor der Feststellung, daß diese Frau, die von ihren Verehrern so gerühmt wurde, nicht ›gut‹ war, sondern durch und durch böse; nicht menschenfreundlich, sondern ausgesprochen herzlos; nicht ›edelmütig‹, sondern von hemmungsloser Selbstsucht getrieben. Mein Urteil ist sachlich: wenn sie die Frau eines meiner engsten Parteifreunde gewesen wäre, statt dieses Unglücksbringers Roosevelt, hätte ich mich ebenso heftig gegen sie gewandt. Und wenn sie neben all den üblen Charakterzügen nur eine einzige der Tugenden besessen hätte, die die früheren Herrinnen des Weißen Hauses zierten, dann würde ich heute nach ihrem Tode taktvoll schweigen.

Aber ihr Treiben war so unheilvoll, daß es noch über ihren Tod hinaus wirkt. Darum muß das verlogene Heiligenbild, das interessierte Kreise von ihr zu verewigen trachten, richtiggestellt werden. Eleanor Roosevelt wußte offenbar selbst, woran es ihr fehlte. Ihre weinerliche Selbstdarstellung (»This is my Story«) verrät deutlich genug, warum sie ihr ganzes Leben lang Rache an allem genommen hat, was schön, stark und gesund war: Sie kam nicht darüber hinweg, daß ihre eigene Mutter sie als ausgesprochen häßliches kleines Ding zu bezeichnen pflegte. Aber kann man solche unerfreulichen Kindheitseindrücke als Rechtfertigung für lebenslängliche Bosheit gelten lassen? Es heißt mit Recht, man dürfe nicht den Übeltäter, sondern nur seine Übeltaten hassen. Aber wenn jemand sein ganzes Leben lang nur Böses an Böses gereiht hat – was dann? Ich habe Eleanor Roosevelt nicht um ihrer selbst willen verabscheut; aber alles, was sie tat, war hassenswert und ebenso abstoßend war ihre Angeberei, ihre Arglist, ihre Habgier.

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In Erfüllung meines Berufes mußte ich dieser Frau oftmals Auge in Auge gegenübersitzen und leider auch Tausende und Abertausende von Sätzen aus ihrer Feder lesen. Sie hat mir sogar mit ihrer rauhen Kranichstimme selbstgefertigte Poesie verpaßt. Aber so sehr ich auch meine Erinnerungen durchstöbere: Nie bemerkte ich an ihr auch nur einen einzigen Zug ungekünstelter Menschlichkeit. Wer sich ein zutreffendes Bild von ihrem Wesen machen will, der braucht nur ihre Freunde und Schmeichler betrachten – von den Zeilenschreibern und Verlegern, die ihre Profite mit ihr teilten, bis zu den Hetzern und Großrednern, denen sie die Schlagworte lieferte. Dem Riffraff, dem sie die Türen des Weißen Hauses auftat und die offizielle Gastlichkeit des Staates zukommen ließ, so daß er seine trüben Geschäfte über amtliche Telefone und auf Briefbogen des Präsidenten abwickeln konnte, wäre der Zutritt zu jedem besseren Hotel verweigert worden. Es ist begreiflich, daß ihre Schützlinge sie als die große Amerikanerin, als die erste Dame der Welt rühmten.

Aus einem französischen Töchterpensionat verwiesen, kehrte sie nach zwei oder drei Jahren Schulbesuch in England nach Amerika zurück. Das war ihre Bildung. Sie machte sich selbst gelegentlich darüber lustig, daß sie nicht mehr brauchte, um ihre Rolle als Orakel im öffentlichen Leben Amerikas zu spielen. Sie schrieb über sich selbst: ›Nur ein paar Leute merkten, wie wenig ich über die Dinge tatsächlich Bescheid wußte, über die ich mich mühelos verbreitete …‹«

(»Nation Europa« Nr. 3, 1963, S. 31 f.)

Der bösartigen und herzensrohen Schilderung Eleanor Roosevelts sei hier der Bericht einer menschlich fühlenden Berichterstatterin, der englisch-amerikanischen Publizistin Freda Utley gegenübergestellt (»Kostspielige Rache«, S. 51 ff.):

»Mein Pilot lenkte meine Aufmerksamkeit auf die barfüßigen, arbeitenden Frauen: Haben Sie schon so etwas einmal gesehen? Sind diese deutschen Frauen nicht wunderbar? Ich war immer der Meinung, man könne nur in China Frauen so arbeiten sehen. Die haben was los! Ich bewundere sie!‹ Ich bewunderte diese Frauen ebenfalls … und ich fragte mich, wie diese in Lumpen gekleideten Frauen in der Winterkälte die Arbeit würden schaffen können … Viele von ihnen haben ihre Männer verloren oder warten vergebens auf ihre Rückkehr aus russischen Gefängnissen. Sie sind die einzige Stütze ihrer Kinder und oft auch einer alten Mutter, Schwiegermutter und anderen Verwandten, die in den Luftangriffen zu Krüppeln oder Blinden geworden waren. Tag um Tag müssen sie nicht nur ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen, sondern auch ihre frierenden und hungernden Kinder versorgen und pflegen und bekommen doch selbst niemals satt zu essen … Man staunte in Berlin, wie Menschenleib und Seele dieser Frauen,

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deren Leben eine Kette von Plackereien war, ohne jede Freude … einer solchen Prüfung standhalten konnten … Ich besuchte die Heime solcher deutscher Arbeiter und ihrer Familien und erlebte das Wunder, daß die Frauen es doch irgendwie zustande brachten, einen Keller oder ein bis zwei zusammengeflickte Räume in einem ausgebombten Mietshaus … trotz Mangel an heißem Wasser und an Seife rein und ordentlich zu halten.

Die Kinder, die in den meisten anderen Ländern unter solchen Umständen schmutzig und ungepflegt sein würden, sehen immer noch anständig aus, da die Mütter ihnen dauernd die Kleider stopfen und flicken.

Statt Mitgefühl und Achtung zu erwecken, bringt der außerordentliche Fleiß der deutschen Frauen die Amerikaner nur allzu oft auf den Gedanken, die Deutschen seien eigentlich ganz gut dran. So berichtet Mrs. Roosevelt, nachdem sie wohl gerade einen Tag in Berlin verbracht hatte, sie hätte keine notleidenden und hungernden Kinder gesehen, und die Deutschen schienen nicht so arm zu sein, wie die Franzosen … Aber selbst wenn Mrs. Roosevelt sich Zeit genommen hätte … würde sie ihre Ansicht wohl nicht geändert haben … Ich wünschte, daß alle diese selbstgefälligen Besucher aus den Siegerländern sehen könnten, was ich gesehen habe und daß sie die Vorstellungskraft besäßen, sich selbst einmal in die (furchtbare) Lage der Mehrheit der Berliner Frauen und Kinder zu versetzen.«

Der Raub der deutschen Privatvermögen in den USA

Die Greuellügen- und Haßpropaganda haben das Verhältnis des amerikanischen Volkes zum deutschen Volke bereits derart vergiftet, daß die amerikanische öffentliche Meinung jedes Unrecht gegen Deutschland gutheißt; gegen das sich das amerikanische Volk in jedem anderen Falle moralisch tief empören würde.

Daß Fidel Castro das amerikanische Privatvermögen in Kuba beschlagnahmt und allen Privatbesitz amerikanischer Bürger auf Kuba enteignet, erregt mit Recht das moralische Entsetzen und die moralische Empörung des amerikanischen Volkes. Die öffentliche Meinung bezeichnet dieses Vorgehen mit Recht als Raub und Piraterie. Das gleiche Vorgehen der USA gegen die deutschen Bürger, die Beschlagnahme allen deutschen Privatvermögens in den USA, also haargenau dasselbe moralische Unrecht, erregt hingegen die öffentliche Meinung in den USA nicht im mindesten. Der schwere Raub an den Deutschen geschieht mit Kenntnis und unter Billigung derselben öffentlichen Mei-

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nung, die sich über ganz genau das gleiche Vorgehen Fidel Castros so ungeheuer empört und entsetzt. Die Sperrung des Vermögens der feindlichen Ausländer während Kriegsdauer ist zu verstehen und selbstverständlich. Die Aufrechterhaltung der Sperre nach beendetem Kriege und ihre Umwandlung in eine endgültige Beschlagnahme, die Konfiskation alles in den USA investierten deutschen Privatvermögens, aller den Banken anvertrauten deutschen Guthaben, selbst der kleinsten, des Privatbesitzes und der Ersparnisse vieler kleiner Leute, widerspricht den Grundsätzen jeder Moral; sie widerspricht auch insbesondere jeder amerikanischen Tradition und Weltanschauung; sie schlägt den Begriff von der Heiligkeit des Privateigentums ins Gesicht.

Die Zerstörung des Völkerrechtsgrundsatzes von der Heiligkeit des Privateigentums

Die ganze heutige Wirtschaftsordnung beruht auf dem Fundamentalgesetz der Heiligkeit und Unantastbarkeit des Privatvermögens. Ohne Respektierung dieses Gesetzes müßte die menschliche Gesellschaft in den Zustand ärgster Barbarei zurückgleiten.

In den Gesetzbüchern aller Zeiten und der ganzen Welt, in den Büchern der Bibel, in den tönernen Gesetzbüchern des Hammurhabi wie in den Rechtsbegriffen der primitiven menschenfressenden Volksstämme, wie in den Gesetzbüchern der hochzivilisierten Staaten, in allen Verfassungen wie in internationalen Vereinbarungen ist die Unantastbarkeit und Heiligkeit des Privateigentums verankert. Die Folgen der Erschütterung dieses Begriffes sind unabsehbar.

In der Theorie des Völkerrechts

Haager Landkriegsordnung, Artikel 23 h und 46:

»Untersagt ist die Aufhebung oder zeitweise Außerkraftsetzung der Rechte und Forderungen der Angehörigen der Gegenpartei, oder die Ausschließung ihrer Klagbarkeit. Das Privateigentum soll geachtet werden … Das Privateigentum darf nicht eingezogen werden …«

Hugh H. L. Bellot, Professor des Völkerrechts:

»The principle of the inviolability of private property is generally recognised and observed throughout the civilised world.« – »Das Prinzip der Unverletzlichkeit des Privateigentums ist der ganzen zivilisierten Welt allgemein anerkannt und geachtet.«

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Georges Scelle, Professor des Völkerrechts:

»Le principe fondamental du droit international c’est le respect de la proprieté privée et le respect des droits acquis en Territoire annexe. Tout acte attentatoire au respect de la proprieté et des droits acquis, déroge au droit international commun.« – »Das Fundamentalprinzip des internationalen Rechts ist die Respektierung des Privateigentums und wohlerworbener Rechte. Jede Verletzung widerspricht dem allgemeinen Völkerrecht.«

In der Praxis des Völkerrechts

In England und Frankreich:

In England beschränkte schon die Magna Charta 1215 (Artikel 41) das Konfiskationsrecht des englischen Königs gegenüber dem Besitz feindlicher Kaufleute auf Wiedervergeltungsmaßnahmen: feindliches Kaufmannseigentum in England sollte nicht schlechter behandelt werden als das englische Eigentum in dem betreffenden feindlichen Lande. Im Jay-Vertrag (19. November 1794) zwischen England und den USA wurde in Artikel 10 festgelegt:

»Weder die Schulden von einer Nation an Individuen der anderen Nation, weder Aktien noch Gelder, welche in öffentlichen Obligationen angelegt sind oder in öffentlichen oder privaten Banken deponiert sind, sollen jemals im Kriegsfalle oder im Falle internationaler Streitigkeiten beschlagnahmt oder konfisziert werden, da es ungerecht und unpolitisch ist, daß die Schulden und Verpflichtungen von Individuen, die Vertrauen ineinander und in ihre gegenseitigen Regierungen gesetzt haben, jemals durch die Macht des Staates infolge der Differenzen der Nationen untereinander zerstört oder gefährdet würden.«

Im preußisch-amerikanischen Freundschaftsvertrage von 1786, der am 7. Mai 1786 ratifiziert wurde und heute noch gültig ist, heißt es in Artikel 23:

»Person und Eigentum preußischer Bürger in den USA bleiben im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen den Vertragspartnern unangetastet. Sollten bestimmte Besitzgüter preußischer Bürger dringend für militärischen Bedarf gebraucht werden, muß eine angemessene (räsonable) Bezahlung erfolgen.«

Der amerikanische Nationalheros, Chief Justice Marshall verkündete Im Urteil von 1833:

»Das Gefühl für Recht und Gerechtigkeit der ganzen Welt würde herausgefordert werden, wenn feindliches Eigentum weggenommen und private Rechte für nichtig erklärt werden würden.«

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Amerikas erster Finanzminister erklärte es als feigen Vertrauensbruch, Privatpersonen zu enteignen:

»Das Recht, Eigentum in einem anderen Lande zu haben, schließt die Pflicht der Regierung ein, dieses Eigentum zu schützen und dem Eigentümer dessen vollen Genuß sicherzustellen. Wo immer auch eine Regierung Ausländern die Erlaubnis gibt, Eigentum innerhalb ihres Gebietes zu ererben oder dorthin zu bringen, verspricht sie daher stillschweigend Schutz und Sicherheit … Es besteht ein Vertrauen auf unsere Gastfreundschaft und Gerechtigkeit … Sie zu berauben heißt daher, alle Regeln des Edelmutes und der Gerechtigkeit zu verletzen; es bedeutet Verrat und Feigheit …

Das Eigentum eines Ausländers, der sich in einem anderen Lande mit Genehmigung von dessen Gesetzen befindet, soll mit Recht als ein Vermögenswert angesehen werden, dessen Treuhänder die Gesellschaftsordnung ist. Wie kann man es mit der Idee der Treuhänderschaft vereinigen, Eigentum wegzunehmen, obwohl der Eigentümer persönlich keinen Grund für seine Beraubung gegeben hat.«

(Works of Alexander Hamilton, V., S. 412 ff.)

Der bedeutende amerikanische Völkerrechtslehrer, Professor Edwin Borchard, schreibt in seinem Werke »Enemy private property«:

»Kein Recht galt als so unbedingt sicher wie der Schutz von fremdem Privateigentum … die Konfiskation ist ebenso absolut wie die Sklaverei. Ein zweischneidiges Schwert, ein demoralisierendes und subversives Prinzip, das alles Privateigentum in der ganzen Welt unsicher macht.«

Nicolas M. Butler, Präsident der amerikanischen Columbia-Universität, sagte:

»Seit Chief Justice Marshall hat Amerika internationale öffentliche und private Verpflichtungen heilig gehalten. Das ist amerikanisches Verfassungsrecht. Wir halten, seit die USA bestehen, internationale Verträge genau so wie unsere Unterschrift auf Währungsverpflichtungen. Der Dollar würde morgen zum Gespött der Welt werden, die Prosperity zur Wüste, wenn wir die heiligsten Verpflichtungen durch den Mund des Präsidenten namens Amerika heute nicht halten. Das Eigentum Fremder ist heilig; wohlerworbene Rechte fremder Privater sind heilig.«

Der Schweizer Charles Bernard urteilt:

»Die Beschlagnahme feindlichen Eigentums reißt die Grundpfeiler des internationalen Rechts nieder; sie zerstört die Fundamente jedes öffentlichen und privaten internationalen Rechtes, jedes Vertrages; sie zerstört den internationalen Kredit. Sie zerstört das Vertrauen in alle internationalen Verpflichtungen, in alle Währungen. Sie zerstört damit

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die Wirtschaftsbeziehungen der Welt … Jede Banknote, jeder Staatstitel – ohne Vertrauen sind sie ein Fetzen Papier … Die Konfiskation aller Privatrechte würde das vollendete wirtschaftliche Chaos der ganzen Welt zur Folge haben. Das Unrecht gegen Deutschland würde morgen das Recht sein, unter das amerikanische, englische und französische Besitzer in der ganzen Welt gestellt werden können.«

Der Schweizer Völkerrechtslehrer Eugène Borel urteilt:

»Konfiskationsbestimmungen gegen die Besiegten bedeuten nichts anderes als … den Ruin des Rechtes, aber auch den Ruin der Wirtschaft der Welt.« – »Le Sequestre de la propriété privée en temps de guerre«, Revue mensuelle, Genève.

Es ist ein fadenscheiniger Vorwand, zu sagen, der Staat sei verpflichtet, seinen Bürgern das konfiszierte Privateigentum zu ersetzen. Einen derartigen Vorgang kennt keine Gesetzgebung der ganzen Erde, daß man jemandem etwas rauben kann und einen Dritten mit der Bezahlung des Gestohlenen beauftragt. Noch dazu einen Dritten, den man gleichfalls bis aufs Hemd ausgezogen und ausgeraubt hat.

Amerikas Chief Justice Marshall prägte den berühmt gewordenen Spruch:

»Der Staat kann nur abtreten, was ihm gehört.«

Der französische Rechtsgelehrte Professor Georges Scelle sagt:

»Die Ausrede, daß man das Privateigentum respektiert, wenn man den besiegten Staat beauftragt, seine geschädigten Staatsbürger zu entschädigen, ist nichts, als durchsichtige Heuchelei (transparente hypocrisie).«

Die Haß- und Rachehetzer in den USA widersetzten sich jeder Lösung des Problems des beschlagnahmten deutschen Privateigentums im Geiste der amerikanischen Tradition der Heiligkeit und Unantastbarkeit des Privateigentums. Sie verhinderten auch die Verwirklichung der Zusage, die Präsident Eisenhower am 31. Juli 1957 in Washington dem deutschen Bundeskanzler Adenauer gab. Unter dem vergiftenden Einfluß der Hetzer lehnten die USA bisher sogar auch die Freigabe, bzw. Rückzahlung von Klein- und Kleinsteinlagen »im Gnadenwege« an bedürftige Deutsche ab.

Dabei handelt es sich bei diesem unmoralischen Vorgehen um eine völlig einseitige und eindeutige Diskriminierung der deutschen Bundesrepublik und des deutschen Volkes.

Das im Kriege beschlagnahmte Privatvermögen der Bürger der kommunistischen Staaten hinter dem Eisernen Vorhang ist freigegeben und damit den kommunistischen Staaten ausgeliefert worden.

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Die Friedensverträge mit Bulgarien, Ungarn und Rumänien sehen die Einziehung des Privatvermögens der Bürger dieser Staaten durch die USA vor.

Auch der Überleitungsvertrag 1952 entsprach diesem Standpunkt. Aber schon am 9. August 1952 gaben die USA diesen unmoralischen Standpunkt den kommunistischen Staaten Bulgarien, Rumänien und Ungarn gegenüber auf. An diesem Tage wurde das amerikanische Gesetz Nr. 285 in Kraft gesetzt, und zwar aus eigener amerikanischer Initiative heraus. Es verfügte die Freigabe der bulgarischen, rumänischen und ungarischen Privatvermögen. Damit sind die USA gegenüber diesen kommunistischen Ländern hinter dem eisernen Vorhang zur »traditionellen amerikanischen Politik der Unverletzbarkeit und Heiligkeit des Privateigentums im Kriege, wie auch in Friedenszeiten« zurückgekehrt, die sie, laut Feststellungen der Senatoren Langer und McCloy in den Senatsberichten »unter kommunistischer Einwirkung vorübergehend aufgegeben hatten«. Auch Amerikas Außenminister, John Foster Dulles, hat kurz vor seinem Tode unter ausdrücklichem Hinweis auf das »Feindvermögenproblem« das Bekenntnis zur »Tradition der Unverletzlichkeit und Heiligkeit des Privateigentums in Kriegs- wie auch in Friedenszeiten« feierlich erneut und ausdrücklich beschworen. Die Freigabe der bulgarischen, rumänischen und ungarischen Privatvermögen vom 9. August 1955 erfolgte, wie von den damaligen Unterstaatssekretären (Assistent Secretaries) Barbour und Morton (derzeit Senator und Vorsitzender des Republican-National-Committee) offiziell im Namen der amerikanischen Regierung vor den zuständigen Ausschüssen der beiden Häuser des amerikanischen Parlaments erklärt wurde,

»um das Vertrauen, das die Eigentümer den USA entgegengebracht hatten, zu rechtfertigen.«

Im Falle Rumänien ist das Gesetz 285 im Wege einer Vereinbarung der USA mit Rumänien vom 30. März 1960 bestätigt worden, in der zur Freigabe des Privateigentums rumänischer Bürger zusätzlich noch außerdem die rumänische Staatsschuld an die USA wegen Kriegsschäden, die amerikanische Bürger erlitten, auf die lächerlich geringe pro-forma-Summe von 2,5 Millionen Dollar, zahlbar innerhalb von fünf Jahren, reduziert wurde.

Auch die Frage des in den USA beschlagnahmten Privatvermögens polnischer Bürger wurde durch Präsident Kennedy in der gleichen Weise geregelt. Nur gegenüber Deutschland waren die USA hart und unerbittlich. Die USA weigerten sich, gegenüber Deutschland zur »Tradition der Heiligkeit und Unverletzlichkeit des Privateigentums«

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zurückzukehren. Hinter den eisernen Verfechtern der Aufrechterhaltung dieser unmoralischen Konfiskations- und Raubpolitik ausgerechnet nur gegen Deutschland standen außer den grundsätzlichen und bedingungslosen Haß- und Rachehetzern gewisser Kreise der amerikanischen Morgenthau-Clique jene Stellen und Personen, die von dieser Vermögensbeschlagnahme als smarte und ebenso bedenken- wie gewissenlose Geschäftemacher profitieren. Das Amt des »Feindvermögensverwalters« in Washington untersteht dem jeweiligen Justizminister. Der »Feindvermögensverwalter« war von 1945 bis 1959 mehr als siebzig (!) Millionen Dollar hauptsächlich deutschen Vermögens in Form von sogenannten »Verwaltungskosten« vergeudet.

»Nation’s Business«, das offizielle Organ der amerikanischen Handelskammer bezeichnet das Amt des »Feindvermögensverwalters« als ein »phantastisches Finanzreich kleiner Diktatoren«. 40.000 bis zu 100.000 Dollar jährlich wurden als Jahresgehälter (Entschädigungen) an die Direktoren dieser famosen Behörde ausbezahlt! Das macht deren Sorge begreiflich, daß durch die Rückkehr zu Recht und Moral diese ergiebige Einnahmequelle versiegen könnte.

Die USA wendeten sich an die Deutsche Bundesregierung um Mitarbeit zur Behebung der bedeutenden finanziellen Schwierigkeiten, mit denen die US-Regierung zu kämpfen hat. Regierung und Volk der USA erwarten von der deutschen Regierung und dem deutschen Volke ehrliche und treue Partnerschaft und Zusammenarbeit im Frieden wie in der gemeinsamen Verteidigung. Von derselben deutschen Regierung und demselben deutschen Volke, die sie durch Aufrechterhaltung des unmoralischen Raubes des deutschen Privateigentums dauernd und hartnäckig diskriminieren.

Ende April 1961 machte der deutsche Staatsekretär van Scherpenberg in seinem Gespräch mit dem US-Außenminister Dean Rusk den Versuch, die Frage des deutschen Privateigentums in den USA wieder anzuschneiden. Dean Rusk wies den deutschen Staatssekretär mit der brüsken und unhöflichen Bemerkung zurück:

»This is absolutely irrelevant!« (»Das ist völlig bedeutungslos!«)

Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn man Rusk nach dieser Antwort neben der von den USA feierlich beschworenen Haager Landkriegsordnung auch eine Abschrift des preußisch-amerikanischen Vertrages von 1786 vorgelegt hätte. In Artikel 23 des am 7. Mai 1786 ratifizierten und heute noch gültigen Vertrages waren die amerikanischen »Nationalheiligen« Jefferson und Benjamin Franklin folgende feierliche Verpflichtungen eingegangen:

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»Personen und Eigentum preußischer Bürger in den USA bleiben im balle kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen den Vertragspartnern unangetastet. Sollten bestimmte Besitzgüter preußischer Bürger dringend für militärischen Bedarf gebraucht werden, muß eine angemessene (räsonable) Bezahlung erfolgen.«

Weder für die geraubten ca. 600 Millionen Dollar deutschen Privatvermögen, noch vom Gegenwert für die geraubten deutschen Privatpatente, der auf etwa 15 bis 18 Milliarden DM geschätzt wird, wurde bisher auch nur eine D-Mark an die Beraubten gezahlt.

Das letzte Kapitel

in der Frage des Raubes des deutschen Privateigentums:

Der Raub bleibt aufrecht!

Das in den USA konfiszierte deutsche Privateigentum wird nicht zurückgegeben.

Nachdem Präsident Eisenhower im Gespräch mit Dr. Adenauer noch in Aussicht gestellt hatte, daß

»eine angemessene und loyale Regelung in der Frage des während des Krieges beschlagnahmten und bislang noch nicht freigegebenen deutschen Privateigentums erfolgen werde«,

fuhr inzwischen das amerikanische Feindvermögensamt – laut offizieller Mitteilung vor dem Bewilligungsausschuß des US-Kongresses fort, durch seine 22 Anwälte und 26 Angestellten konfiszierte Wohnungen, Farmen, Ölgemälde und andere Gegenstände realen und persönlichen Wertes zu verkaufen, Versicherungsansprüche von Deutschen und Japanern zu kassieren und die für Deutsche und Japaner bestimmten jährlichen Auszahlungen aus mehreren hundert amerikanischen Estates und Trusts zu konfiszieren.

Am 23. Mai 1961 leitete die US-Regierung einen Entwurf an den Kongreß, wonach

»das noch vorhandene Feindvermögen unter jenen US-Bürgern und Gesellschaften zu verteilen sei, die im Zweiten Weltkrieg Schäden erlitten haben.«

Hierzu richtete der Methodisten-Bischof Willburg Wammaker folgende Warnung an die Amerikaner:

»Was hat es überhaupt für einen Zweck, wenn wir die ›Würde des Menschen‹ und die ›Heiligkeit der Person‹ predigen und in Wirklich-

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keit das Gegenteil praktizieren! Die Fortnahme fremden Eigentums, Frucht geistiger Arbeit und des Schweißes der Eigentümer, zur Regelung privater amerikanischer Kriegsschädenansprüche, strapaziert den Verständigungswillen bis zum Zerreißen! Das Problem ›Rückgabe‹ ist viel größer als eine halbe Milliarde Dollar. Es ist so groß wie der Begriff der Ehre und der Gerechtigkeit. Wir spielen damit auf eigene Gefahr.«

Mit diesem Schritt diffamierte die Regierung Kennedy die Politik des Präsidenten Eisenhower, der dem Bundeskanzler Adenauer am 31. Juli 1957 eine angemessene Lösung dieser Frage im Einklang mit der amerikanischen Tradition der Achtung vor dem Privateigentum in Aussicht stellte.

Capitol Hill erhielt den Vorschlag der Regierung am 23. Mai 1961. Zweifellos abgestimmt legte der Abgeordnete Peter F. J. Made, Demokrat aus Illinois, am 25. Mai 1961 dem House of Representatives eine konforme Gesetzesvorlage auf Konfiskation vor.

Der Konfiskationsentwurf der Regierung Kennedy sah vor, daß die amerikanischen Kriegschadensansprüche gegen Deutschland und Japan aus den »deutschen Feindvermögenswerten« (insgesamt etwa 300 Millionen Dollar) erfolgen soll. Deutsche Privatvermögenswerte sollen also zur Befriedigung von Ansprüchen gegen Japan verwendet werden!

Es klingt geradezu wie Hohn, wenn der neue Vorsitzende der »Foreign Claims Settlement Commission«, Dr. Re, die Verteilung des deutschen Privatvermögens mit dem neuen Argument begründete:

»Diese sei gerade zu diesem Zeitpunkt der Entwicklung von besonderer Bedeutung, insoferne, als sie den amerikanischen Auslandsinvestoren die Unverletzlichkeit ihrer Investitionen sichern würde!«

Die Schätzung Dr. Re’s, daß die deutschen 300 Millionen Dollar durch das neue Gesetz an amerikanische Staatsbürger verteilt würden, ist insofern erstaunlich, als verschiedene vorsichtige offizielle Schätzungen amerikanischer Regierungsdienststellen in den vergangenen Jahren nur die Summe von rund 100 Millionen Dollar unerfüllter amerikanischer Kriegsschadens-Ansprüche nannten. Nach 17jährigen Ausflüchten hat nun der US-Kongreß am 15. Oktober 1962 beschlossen, auch die Verschleuderungserlöse aus dem im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten deutschen und japanischen Privatvermögen den privaten Eigentümern nicht zurückzugeben, sondern zur Befriedigung privater amerikanischer Kriegsschadensansprüche zu verwenden. Das amerikanische Repräsentantenhaus hat diesen ungeheuerlichen Raub mit nur 15 Gegenstimmen (bei 435 Abgeordneten) beschlossen.

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Der Wert des deutschen Anteils wird auf 300 Millionen Dollar (1,2 Milliarden DM) geschätzt.

Dieses Gesetz ist nicht nur eine Ohrfeige für den deutschen Bundesgenossen; es ist noch mehr ein ungeheuerlicher rechts- und sittenwidriger Verstoß gegen übernommene und feierlich beschworene völkerrechtliche Verpflichtungen, gegen die kaufmännische Fairneß im allgemeinen und im besonderen eine Verleugnung einer der wertvollsten Überlieferungen, der amerikanischen Geschichte: der Achtung vor der Unantastbarkeit und Heiligkeit des Privateigentums. Um 300 Millionen Dollar verkauften die USA den Anspruch, von aller Welt – vor allem vom deutschen Bündnispartner – als Hort des Rechtes und der Sittlichkeit geachtet und geschätzt zu werden. Die USA behaupten heute, Verbündete, NATO-Partner und Freunde Deutschlands zu sein. Ihre Haltung in der Frage der im Kriege beschlagnahmten deutschen Privatvermögen steht nicht nur im krassen Widerspruch hierzu; sie widerspricht allen Grundsätzen von Treu und Glauben und von kaufmännischer Fairneß; sie widerspricht den Gesetzen des Völkerrechts, von der Heiligkeit des privaten Eigentums in Krieg und Frieden und der amerikanischen Tradition.1

Während die deutsche Bundeswehr für die USA als verbündete Truppe gilt, ließen die USA – zwanzig Jahre nach Kriegsende – 185.000 Dollar eingespielte Tantiemen für das deutsche Soldatenlied »Lili Marlen« als Feindvermögen beschlagnahmen. Wirklich noble Verbündete!

Washington löst das »Büro für ausländisches Eigentum« auf und verewigt den amerikanischen Raub deutschen Eigentums

Am 30. Juni 1966 wurde das »Office of Alien Property«, das dem amerikanischen Innenministerium untersteht, aufgelöst. Das Büro verwaltete bis zu diesem Tage das beschlagnahmte deutsche Eigentum (Dazu gehören unter vielen anderem: drei Schiffe mittlerer Tonnage, eine Bierbrauerei in Massachusetts, eine Molkerei in Hawaii, eine Filmgesellschaft im Anlagewert von 150 Millionen Dollar, ein wertvolles Rembrandtgemälde und unbezahlbare Steinkunstarbeiten und Schnitzereien.)


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Der ehemalige amerikanische Außenminister, Dean Acheson, erklärte: »Deutschland ist für die USA das bedeutendste und wichtigste Land Europas.«

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Wäre es zu verwundern, wenn angesichts der ungeheuerlichen Diskriminierung des deutschen Volkes das Fundament einer deutsch-amerikanischen Freundschaft und Partnerschaft seelisch zerbrechen würde?

Nichts demonstriert krasser und deutlicher die Tatsache, daß unter den Beratern Kennedys die Morgenthau-Leute, die alttestamentarischen Hasser des deutschen Volkes, gewaltigen, die amerikanische Politik entscheidend mitbestimmenden Einfluß haben, als diese Beschlagnahme des deutschen Privatvermögens. Wirkliche Amerikaner, im amerikanischen Boden und in der amerikanischen Geschichte wurzelnde Menschen hätten diesen Schritt nie getan. Diese Beschlagnahme widerspricht der amerikanischen Tradition, der amerikanischen Auffassung von fair play und von der unantastbaren Heiligkeit des Privateigentums.

Die ganz und gar unamerikanische Haltung in dieser Frage zeigt, daß im Weißen Haus um Kennedy wurzellosen, eiskalten Hasser am Werke waren, die keine Tradition zu wahren hatten und die, unberührt und ungehemmt von amerikanischen Gefühlen und Überlegungen, nur ihre eiskalte Racherechnung gegen das deutsche Volk begleichen wollen.

So lange diese wurzellosen und heimatlosen, in ihrem Innersten und ihrem ganzen Wesen unamerikanischen Intellektuellen solchen Einfluß im Weißen Haus haben, besteht die Gefahr, daß die Abkühlung der menschlichen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland ins Unermeßliche anzuwachsen droht.

Um 300 Millionen Dollar haben die USA unter dem Einfluß dieser unamerikanischen Intellektuellen die amerikanische Tradition auf dem Altar der Rache dieser Menschen geopfert. Der Trost bei dieser Tragödie ist, daß die Ratgeber Kennedys, die für diese Tragödie verantwortlich sind, nicht die große, tiefgläubige christliche, ethisch und recht lieh denkende amerikanische Nation repräsentieren. Sie sind nicht Amerika. Die Amerikaner sind nicht ein Haufen Entwurzelter. Man muß für die USA hoffen, daß einmal die Zeit kommt, wo das Handeln der USA nur von Menschen bestimmt wird, die wirklich Amerikaner sind, amerikanisch denken und fühlen und handeln, weil sie im amerikanischen Boden wurzeln und im amerikanischen Boden ihre über alles andere in der Welt gestellte geliebte Heimat sehen.

Deutschland hilft den USA

Die USA haben in dreißig Staaten Truppen stationiert. In 29 davon entrichten sie als Gegenleistung alljährlich viele Milliarden Dollar an die

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Gastländer. Von einem einzigen fordern sie für das ihnen eingeräumte Recht auch noch Geld: von den Deutschen.

Wie ein Hohn auf die völkerrechtswidrige und sittenwidrige Haltung der USA durch die Verweigerung der Rückgabe der beschlagnahmten deutschen Privatvermögen liest sich folgende Pressenachricht (»Die Presse«, Wien, 10. Juni 1962, S. 2):

»Bonn leistet größten Beitrag zur Linderung des US-Handelsdefizits. Tel.-Bericht unserer Korrespondentin Marlene Manthey.

Washington. Der deutsche Verteidigungsminister F. J. Strauß erklärte vor Reportern, er habe Präsident Kennedy davon unterrichtet, daß Bonn bis zum Ende des anlaufenden US-Haushaltsjahres 1,25 Mrd. Dollar, den größeren Teil davon für Waffen und Ausrüstungsankäufe, an die USA leisten werde. Damit wird Bonn den größten Beitrag aller Alliierten zur Linderung des amerikanischen Goldabflusses und des Defizits der Handelsbilanz der USA beitragen.«

Zwei Berichte der »DWZ«

Bericht vom 31. März 1967:

»An Stationierungskosten und Devisenleistungen hat die Bonner Regierung seit Mai 1955 24,2 Milliarden D-Mark an die USA bezahlt. Von 1955 bis 1961 waren es 8,8 Milliarden, und von 1961 bis 1965 10 Milliarden D-Mark.«

Bericht vom 7. April 1967:

»3,6 Milliarden D-Mark hat die Bundesregierung Ende 1966 noch aus den von Mitte 1965 bis Mitte 1967 laufenden Abkommen als ›Devisenhilfe‹ an die USA zu zahlen. Es ist bekannt, daß dieser Devisenausgleich für die Ausgaben der in der BRD stationierten Truppen lediglich ein Euphemismus ist, der das böse Wort ›Besatzungskosten‹ umschreiben soll.

Zur Ablösung dieser noch offenstehenden 3,6 Milliarden D-Mark hat die Bundesregierung inzwischen bei Banken und Kapitalsammelstellen 1,5 Milliarden D-Mark im Kreditwege aufgebracht. Für 800 Millionen D-Mark hat sie sich bei der Bundesbank verschuldet und dafür deutsche Nachkriegsschulden vorzeitig an die USA zurückgezahlt. Der Rest von 1,3 Milliarden D-Mark soll bis Mitte dieses Jahres aus dem Verteidigungshaushalt beglichen werden.

Einschließlich dieser Beträge hat damit die BRD seit 1955 nicht weniger als 23,4 Milliarden D-Mark ›Devisenhilfe‹ an die USA gezahlt. Großbritannien erhielt in der gleichen Zeit 4,8 Milliarden D-Mark.«

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Deutschland ist geradezu besessen von gutem Willen, alle amerikanischen Wünsche in Politik und Wirtschaft zu erfüllen.

Die USA bezahlen den Japanern einige hundert Millionen D-Mark allein dafür, daß dort US-Truppen stationiert werden dürfen; von Deutschland aber möchten die Amerikaner die gesamten Kosten für den Unterhalt ihrer sechs Divisionen in der BRD. Zur Stützung der amerikanischen Zahlungsbilanz erbringt Deutschland Leistungen, die eine verteufelte Ähnlichkeit mit Tributen haben. Die deutsche Devisenhilfe an die USA beträgt vergleichsweise zu der deutschen Devisenhilfe an England etwa 2,5 Milliarden D-Mark pro Jahr! (Bericht in der »DNZ« vom 8. Jänner 1965.) Deutschland hat sich zu Rüstungskäufen und zur Leistung von Ausbildungskosten verpflichtet, die beinahe die von den USA gewünschte Höhe erreichen. Drei auf amerikanischen Werften zu bauende Zerstörer wurden 1964 in Auftrag gegeben (»DNZ« vom 8. Jänner 1965).

Nach dem gleichen »DNZ«-Bericht haben am 1. Jänner 1965 im Bonner Verteidigungsministerium US-Militärberater ihren vorläufig auf drei Jahre geplanten Dienst angetreten, die sich in Deutschland sowohl an der Ausarbeitung langfristiger Verteidigungsmaßnahmen der BRD als auch an der Prüfung von Waffen und Ausrüstung der Bundeswehr beteiligen werden.

Diese Beratertätigkeit ähnelt sehr verdächtig der Tätigkeit solcher Berater bei den minderentwickelten Völkern und noch unerfreulicher der aufsichtsführenden Tätigkeit der russischen Militärkommissionen in den Satellitenstaaten des Ostblocks.

Das alles unterläge keinem Einwand, wenn es sich bei den USA um einen echten Verbündeten, um einen wirklichen Freund und Partner handelte. Aber die USA sind weit entfernt, dies zu sein. Was immer Deutschland unternimmt, um all sein Tun und Handeln den amerikanischen Wünschen anzupassen, ob es um Fragen des Ost- oder des China-Handels geht, um Europa oder UNO-Probleme, niemals anerkannten die USA die Haltung Deutschlands und noch weniger honorierten sie sie jemals.

In der Frage der Wiedervereinigung ließ der amerikanische Außenminister Dean Rusk den deutschen Außenminister mit brutaler Deutlichkeit wissen, daß die USA nicht daran dächten, Deutschland in dieser Lebensfrage in der für einen Bündnispartner pflichtgemäßen Entschiedenheit zur Seite zu stehen. Rusk stellte klar, daß für die USA der Ausgleich mit der UdSSR den absoluten Vorrang vor dem Bündnis

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und der Partnerschaft mit Deutschland habe. Diese Auffassung von Bündnis-Partnerschaft schlägt der deutschen Auffassung ins Gesicht. Und im Oktober 1964 erklärte der ehemalige amerikanische Hochkommissär in Deutschland, John McCloy, der zum engeren Beraterstab Präsident Johnsons zählt, dem deutschen Bundestagsabgeordneten Dr. Mende (FDP), Washington könne die deutsche Forderung nach Wiedervereinigung so lange nicht unterstützen, solange die Bundesregierung gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Grenze sei.

Aus allem ist unmißverständlich ersichtlich, daß die USA entschlossen sind, sich mit der UdSSR auf Kosten Deutschlands auszugleichen. Jedenfalls hat die einseitige Option Bonns für Washington sich nicht ausgezahlt. Trotzdem Deutschland große politische und wirtschaftliche Möglichkeiten der Rücksichtnahme auf die amerikanische Politik opferte, wird es von den USA nicht als Partner und Verbündeter betrachtet und behandelt, sondern als ein lästiger Schutzbefohlener, der sich an die Rockschöße eines Mächtigen klammert.

Die heutige Politik der USA geht auf einen Ausgleich mit der UdSSR und auf eine Teilung der Welt mit der UdSSR. Deutschland spielt in diesem politischen Schachspiel nur die Rolle eines Bauern, der bedenkenlos geopfert wird, wenn das Spiel es erfordert. Das aber ist eine Politik der Verblendung und der Kurzsichtigkeit. Das amerikanische Ziel, die Teilung der Welt zwischen den Bolschewiken und den Amerikanern ist nur ein verhängnisvolles Hinausschieben der unvermeidbaren und unausbleiblichen schließlichen Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Mächten. Es wäre geradezu dumm, im Ernst anzunehmen, daß ein ihrer Natur nach totalitäres und zwangsläufig totalitär sein müssendes System sich mit einer solchen halben Entscheidung auf die Dauer zufriedengeben könnte. Es gibt kein Nebeneinander der beiden unvereinbaren und unverschmelzbaren Weltanschauungen der Freiheit und der Diktatur, zwischen den beiden Wirtschaftssystemen der Wirtschaftsfreiheit und des Zwanges, dem Kommunismus. Eher könnte man Wasser mit Feuer vermengen.

Das aber ist eine Unmöglichkeit, ist vergebliches Bemühen. Der Endkampf um die Entscheidung: Kommunismus oder freie Welt, bleibt den USA auf keinem Falle erspart; möge sie dieser Vermeidung noch so große Opfer bringen. Die USA werden durch dieses Entgegenkommen gegenüber dem unabdingbaren Todfeind auf Kosten Deutschlands, nur diesen verläßlichsten und stärksten Partner in dessen Lebenskampfe schließlich so vor den Kopf gestoßen haben, daß sie ihn im entscheidenden Zeitpunkt als Bündnispartner verloren haben werden.

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Mit einem Gegner, wie dem Bolschewismus, gibt es kein Paktieren, jedes Opfer, das man einem solchen Ausgleich, einem solchen Pakte bringt, ist letzten Endes zwecklos und wertlos. Ja, nicht nur wertlos, sondern verderblich und schädlich; denn es schwächt den Ausgleichsuchenden und stärkt den unnachgiebigen, harten, zielbewußten Gegner. Deutschland aber wird allmählich erkennen, daß es vergeblich aus Rücksichtnahme auf die USA das französische, chinesische und das arabische Liebes werben zurückgewiesen hat.

Es ist ein bedenkliches und gefährliches Spiel, das die USA mit Deutschland spielen. Sie werden in diesem Spiel – wenn sie nicht rechtzeitig zur Besinnung kommen und die auf Kosten Deutschlands verfolgte Ausgleichspolitik revidieren, nicht nur Deutschland als Bündnispartner verlieren. Die USA werden am schließlich unausbleiblichen Tage der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus angesichts der auch sonst geradezu meisterhaften Art, sich unbeliebt, ja verhaßt zu machen – mit nur wenigen und überdies nur wenig verläßlichen Partnern zum Entscheidungskampf mit dem Bolschewismus antreten müssen.

In Wahrheit ist die Gefahr für die USA noch viel größer: wenn es nämlich den USA und den anderen westlichen Ländern gelingt, mit ihrer Verfemungspolitik Deutschland den Sowjets in die Arme zu treiben.

Man sollte nicht übersehen, daß Deutschland viel mehr Trümpfe in der Hand hat, als die USA und daß es der UdSSR unvergleichlich bedeutsamere Konzessionen zu bieten hat, um dem Kreml die Wiedervereinigung schmackhaft zu machen. Eine Partnerschaft zwischen Deutschland und der UdSSR wird Deutschland in einer wesentlich anderen Rolle sehen, als sie Deutschland heute als Verbündeter und Partner der USA spielt. Aus der ärmlichen und kläglichen Anhängselrolle, in die Deutschland heute durch die kurzsichtige Politik der USA gedrängt wird, würde Deutschland als Partner Rußlands zur vollen Gleichwertigkeit aufsteigen. Eine Wirtschaftsunion zwischen Deutschland und Rußland, verbunden mit Milliarden-Krediten, würde den Lebensstandard des Sowjetmenschen auf einen Höchststand treiben. Verbunden auch nur mit dem Status militärischer Neutralität würde das Sicherheitsbedürfnis der UdSSR so befriedigt werden, daß nichts einer politischen Freundschaft im Wege stehen würde. Würde aber gar aus der Wirtschaftsunion eine politische Union erwachsen, so würde eine solche Union praktisch unbesiegbar sein.

Wenn die USA nicht willens oder nicht fähig sind, Deutschland als echten Partner anzuerkennen und alle aus dieser Partnerschaft er-

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wachsenden Partnerpflichten zu erfüllen, insbesondere die Deutschland rechtlich wie sittlich zukommende Wiedervereinigung zu verschaffen, dann kann es für die USA sowohl wie für den gesamten Westen eines Tages ein bitteres Erwachen geben. In meinem Werk »Rußland muß erobert werden« habe ich die Welt, vor allem die USA, mit dieser naheliegenden Perspektive konfrontiert.

In einer Zeit größter moralischer, wirtschaftlicher und politischer Not und Bedrängnis ist Deutschland einem Hitler gefolgt, der es aus diesem schmachvollen Zustand von Versailles herausführte und zu erretten versprach. Wenn man weiterhin darauf besteht, Deutschland zu verfemen und zur Verzweiflung zu treiben, ist nicht abzusehen, auf welchen Weg der Verzweiflung einen Verzweifelten noch zu drängen vermag.

Der Atomsperrvertrag

Es zeigt sich immer krasser und deutlicher, daß die USA weit davon entfernt sind, echte Verbundenheit mit dem verbündeten Deutschland zu fühlen. Wie sich die USA Deutschland gegenüber in dessen wichtigsten Lebensfragen verhält, ist unvereinbar mit echter Bündnispartnerschaft; von echter Bündnisgemeinschaft auf Not und Tod kann bei dem Verhältnis der USA zu Deutschland überhaupt keine Rede sein. Das zeigt sich in allen lebenswichtigen Fragen Deutschlands, nicht nur in der Frage der Wiedervereinigung. So vor allem auch in der Frage des Atomsperrvertrages. Deutschland soll die Beschäftigung mit atomwissenschaftlichen Problemen und Fragen verboten werden.

Im gegenwärtigen Stadium der Atomwissenschaft und Atomtechnik, wo Abgrenzungen zwischen friedensmäßiger und kriegsmäßiger Auswertung der Atomtechnik nicht mehr möglich sind, würde die Ausschaltung Deutschlands auf dem Gebiete der Atomenergienutzung das Todesurteil für die deutsche technische und industrielle Weiterentwicklung sein. Das Beharren der USA auf der Atomsperre für Deutschland müßte Deutschland letztlich endgültig in die Arme Rußlands treiben.

Deutschland ist auch vom Ausbau einer eigenen Elektronenindustrie überhaupt ausgeschlossen; in der Flugzeugindustrie ist es schwer gehandikapt. Der deutsche Schiffsbau wurde ruiniert, die deutsche Landwirtschaft auf dem Altar der EWG geopfert. Der ganze relative Wohlstand einiger deutscher Schichten – beleihe nicht aller – beruht keineswegs auf einer gutorganisierten, krisenfesten eigenen Volkswirt-

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schaft, sondern beruht einzig und allein auf der zufälligen strategisch-geographischen Lage Deutschlands, die Deutschland zu einem wichtigen Faktor in der Frage der Ost-Westbeziehungen macht. Sobald aus irgend einem Grunde Deutschland als wichtiger Faktor ausscheidet und die strategisch-geographischen Gründe nicht mehr vorhalten, werden die USA Deutschland fallen lassen und offen auf der Seite seiner Gegner stehen.

Heute noch vor einer Infiltration des amerikanischen Kapitals in der deutschen Wirtschaft zu sprechen, ist eine völlige Verkennung der wirklichen Lage, da das ganze deutsche Wirtschaftspotential bereits unter Kontrolle amerikanischer Gesellschaften gebracht wurde.

Eine Rede Winston Churchills

Die Zeitungen »Washington Star« (31. März 1940) und »Catholic Digest« (Februar 1941) druckten eine Rede Churchills ab, in der es heißt:

»Amerikas Eintritt in den Ersten Weltkrieg war nicht nur ein Unglück für das Land selbst, sondern auch für seine Verbündeten. Denn, wenn Ihr daheim geblieben wäret und Euch um Eure eigenen Angelegenheiten gekümmert hättet, so hätten wir mit den Mittelmächten bereits im Frühjahr 1917 Frieden gemacht. Dann hätte es keinen Zusammenbruch des russischen Kaiserreiches gegeben, das durch den Bolschewismus abgelöst wurde; keinen Zusammenbruch in Italien, durch den Faschismus, der ans Ruder kam und heute wäre der Nationalsozialismus nicht oben auf. Hätte Amerika sich aus dem Kriege gehalten, so würde heute keiner dieser ›Ismen‹ über Europa hinrasen und die parlamentarischen Regierungen überrennen.«

(Zitiert nach Daniel Varé »Daniel in der Löwengrube«.)

Die Kluft zwischen dem englischen und dem deutschen Volke

Auch in England ist die Haßpropaganda gegen das deutsche Volk so groß, um die ärgsten Befürchtungen zu erwecken. Die Schreibweise einiger englischer Blätter gegen Deutschland ist so feindselig und gehässig, daß sich Bundeskanzler Adenauer veranlaßt gesehen haben soll, die britische Regierung unter Beifügung eines Dossiers von Zeitungsausschnitten nur einiger Wochen auf diese Haß-Hetze und die ihr

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innewohnenden Gefahren aufmerksam zu machen und seine schwersten Bedenken darüber zum Ausdruck zu bringen.

Die Abneigung des englischen Volkes gegen das deutsche Volk ist heute abgrundtief.1

Im Oktober 1961 brachte das unabhängige britische Fernsehen eine Kommentarsendung zur Beleuchtung des deutsch-britischen Verhältnisses. Das Fernseh-Team ging auf die Straße und befragte verschiedene Passanten, was sie denn über die Deutschen dächten. Die Befrager erhielten unter anderem die erschütternde Antwort:

»Das sind keine Menschen, die Deutschen, die sind allesamt Tiere!«

Nach Berichten, die ich von Deutschen, von Franzosen und von Engländern selbst erhielt, pflegt man die Deutschen, die nach England


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Und dieser Maß richtet sich nicht, wie ich bereits an anderen Steilen festhielt, etwa nur gegen den Nazismus und die Nazis, sondern gegen ganz Deutschland und das ganze deutsche Volk. Das zeigt auch wieder klar und eindeutig der schmähliche Empfang, den die englischen Sozialisten einem führenden deutschen Sozialisten und erprobten deutschen Anti-Nazi bereiteten.

Der erprobte deutsche Anti-Nazi und Emigrant Herbert Frahm mit dem angenommenen Namen Willy Brandt, über den wir bereits an anderer Stelle berichteten, war über Einladung der britischen Labour-Party, der britischen Sozialisten also, zu einem Besuch der Bruderpartei nach England gekommen. Sein Anti-Nazismus war weltbekannt, er war während der Nazi-Zeit nicht in Deutschland und arbeitete im Auslande gegen Deutschland. Er war jener »Deutsche«, der 1957 der dänischen Hauptzeitung »Politiken« das unvergeßliche Interview gab, in dem er bedauerte, daß 1945 um 1 Million deutsche »Schurken« zu wenig umgebracht worden seien. Man sollte nun denken, daß die englischen Sozialisten diesen Partei- und Gesinnungsbruder, den sie selbst zu ihrer Parteiveranstaltung eingeladen hatten, an ihr Herz gedrückt hätten. Das war nicht der Fall. Im Gegenteil: der Haß gegen das deutsche Volk ist so groß, daß er auch den deutschen Partei- und Gesinnungsbruder nicht daraus ausschloß; er ist so groß, daß diese Engländer die berühmte englische Fairness und das gute englische Benehmen gegenüber dem eingeladenen deutschen Gast ganz vergaßen. Die Zeitung »Die Presse« (Wien vom 30. März 1962, S. 1) bringt darüber einen Bericht ihres Korrespondenten Fritz Kessler: »Antideutsche Kundgebung bei Brandts Besuch in London«.

London. Zu unerquicklichen Szenen kam es bei einer für den regierenden Bürgermeister Willy Brandt … veranstalteten »Kundgebung des guten Willens«. Durch Rufe »Geh’ zurück nach Berlin« und »Keine deutschen Soldaten nach England« wurden sowohl Brandt als auch Gaitskell (der Vorsitzende der Labour-Party) fast eine halbe Stunde lang am Sprechen gehindert … Da bei ansonsten großer Aufmachung kein einziges Blatt ein Wort der Verurteilung findet, sah sich Donnerstag das Foreign Office veranlaßt, sein Bedauern über die »Unhöflichkeit« auszudrücken. (Anm. d. A.: Wenige Tage zuvor hatte die deutsche Regierung dem britischen Bündnispartner eine Unterstützung in der Höhe von 1200 Millionen DM deutscher Steuergelder zugesagt!)

… Der Zwischenfall wird nicht als ganz harmlos betrachtet, schon weil er von der fast jedem anderen Gast gezeigten Höflichkeit abweicht. Er ist als Ausbruch des letzthin systematisch geschürten antideutschen Vorurteils (verschämte Umschreibung des allgemeinen blinden Deutschenhasses) kennzeichnend …«

Die antideutschen Haßkundgebungen wiederholten sich auch in anderen Städten Englands und Schottlands, die Frahm-Brandt besuchte. Das englisch-deutsche Verhältnis ist eben durch die nicht abreißende Haß-Hetze gegen Deutschland und das deutsche Volk von Grund auf vergiftet.

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reisen, dort mit der stehenden Redensart zu begrüßen: »Ah, Sie kommen aus dem Land, das sechs Millionen Juden ermordet hat.« Dieser elementare Erfolg der Haßpropaganda hat seine Ursache nicht etwa in der besonderen Liebe der Engländer zu den Juden. Die Ursachen dieses Erfolges liegen ganz wo anders und viel tiefer. Jahrzehntelang hat die offizielle englische Politik, hat die englische Presse, hat die Hetze der Crowes, Vansittarts, Churchills und Konsorten, dem englischen Volke eingebleut, daß es Deutschland ist, dessen Macht und Wohlstand den englischen Wohlstand bedroht. Den Engländern ist heute durch die englische Presse die Überzeugung in Fleisch und Blut geimpft, daß Deutschland schwach und arm bleiben müsse, wenn England stark und reich bleiben will.

Nun sieht das englische Volk mit tiefverwurzelter, fast panischer Angst, das ungeheure Wirtschaftsvermögen, die ungeheuren Wirtschaftserfolge Deutschlands. Es ist uneingestandenermaßen erfüllt von Mißgunst gegenüber dem steigenden Lebensstandard in der BRD, während der gewohnte hohe Lebensstandard in England immer bedrohter, immer rückgängiger und immer unsicherer wird.

Deutschland hat heute mit seinem Export sich einen ausländischen Markt nach dem anderen erobert; es hat England auf dem Weltmarkt bereits überholt und ist heute nach den USA das größte Exportland der Welt.

Weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg ist England aus idealen Motiven in den Krieg gegen Deutschland eingetreten. In beiden Kriegen war sein Kriegsziel die Vernichtung des deutschen Wirtschaftskonkurrenten. Mit Entsetzen und Bitterkeit muß England nun zur Kenntnis nehmen, daß es – auf dem Gebiete des Exportes – nun auch den Zweiten Weltkrieg verloren hat und daß das 1945 beispiellos niedergeschlagene Deutschland nun auf den Weltmärkten als Sieger über ihm steht. Dabei noch – wohlgemerkt – ein Deutschland, das um die 17 Millionen Deutschen der Ostzone und um das weite Land östlich der Oder-Neiße-Linie wesentlich geschwächt ist!

Daneben haben die Abneigung und der Haß des britischen Volkes gegenüber Deutschland auch noch eine Reihe anderer Gründe. Die Engländer werden immer schlechterer Laune, je schwieriger es für sie wird, den jahrhundertelangen Traum von Weltimperium fortzusetzen; sie werden immer schlechterer Laune, je mehr und je rascher und je unwiederbringlicher ihr jahrhundertelang bestandener Führungsanspruch in der Welt abbröckelt und unaufhaltsam immer mehr dahinschwindet. Mit Eifersucht sieht das englische Volk, daß das deutsche

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Volk frei von allen den peinigenden kolonialen Sorgen ist, die England das Leben verbittern und bedrohen. Mit Eifersucht sieht England auch das gute Verhältnis, das sich zwischen Deutschland und den USA immer mehr vertieft und ausbreitet. Es verfolgt auch die Tatsache, daß das Verhältnis Deutschland–Frankreich immer freundlicher wird, mit einem solchen Mißbehagen, mit solch wachsender Sorge, daß man sagen kann: das Verhältnis England–Deutschland verschlechtert sich in dem Maße, in dem das Verhältnis Deutschland–Frankreich sich bessert.

In der Vergangenheit lebten ja die Engländer von der Uneinigkeit und der dadurch bedingten Schwäche des Kontinents. Mit tiefstem Übelwollen und schärfstem Mißtrauen und Widerstand beobachtet England daher heute das Fortschreiten des kontinentalen Zusammenschlusses, die Möglichkeit einer deutsch-französischen Allianz.

Die Grundeinstellung des englischen Volkes gegen Deutschland macht es begreiflich, wie empfänglich und aufgeschlossen es für jede gegen Deutschland gerichtete Propaganda ist und wie willkommen ihm die Haßpropaganda gewisser Kreise und Menschen ist, die das deutsche Volk in aller Welt verfemt.

Die jahrzehntelange offizielle britische Politik gegen Deutschland hat, zusammen mit der gleichgerichteten feindseligen Sprache der Presse so tiefe Abneigung, ja Haß, im britischen Volke gegen Deutschland und das deutsche Volk erzeugt, daß die englische Regierung heute wahrscheinlich selbst erschrickt über das seelische Zerstörungswerk, das dadurch angerichtet wurde. Es hat allen Anschein, daß der seelische Abgrund zwischen beiden Völkern bereits so tief und breit ist, daß in absehbarer Zeit keine Brücke darüber möglich ist, um die beiden Völker wieder zusammenzuführen.

Die verhängnisvolle offizielle antideutsche Politik Englands hat alle Gefühle der Blutsverwandtschaft, der wirtschaftlichen Zusammengehörigkeit und politischen Schicksalsgemeinschaft völlig verschüttet. Dabei gibt es keine ärgere politische Kurzsichtigkeit, keinen ärgeren politischen Irrweg, als die Anschauung, daß das Wohl Englands die Vernichtung Deutschlands erfordere.

Gerade das Gegenteil ist der Fall: Das Lebensinteresse Englands erfordert das Zusammengehen mit Deutschland. Diese Erkenntnis der deutsch-britischen Schicksalsgemeinschaft ließ und läßt auch heute noch die Deutschen immer die Freundschaft Englands suchen. Auch viele führende Geister Englands teilten diese Erkenntnis. Lord Salisbury erklärte 1880:

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»Deutschland ist klarerweise dazu vorbestimmt, unser Bundesgenosse zu sein.«

Der damalige britische Handelsminister, Joseph Chamberlain, erklärte in einer Rede am 30. November 1899:

»Es muß jedem von uns klar sein, daß die natürliche Allianz für England die Allianz mit dem Deutschen Reiche wäre …« (Wobei er noch hinzufügte, daß sich im Grunde der Charakter der Deutschen und Engländer nur geringfügig voneinander unterscheide.)

(Zitiert von Wilhelm L. Langer in »The Diplomacy of Imperialism, 1890–1892«, 2. Auflage, New York 1951, S. 659.)

Selbst Winston Churchill war, bevor politischer Opportunismus ihn dazu trieb, durchaus kein Verfechter einer deutschfeindlichen Politik, sondern nahm einen seinem späteren Verhalten durchaus entgegengesetzten Stand ein. Noch 1908 zeigte er sich als Gegner eines britischen kriegerischen Vorgehens gegen Deutschland. Wie er selbst in seiner Biographie erzählt, erklärte er damals in Wahlversammlungen:

»Deutschland hat nichts, worum man kämpfen könnte: es hat keinen Preis, für den man eine Schlacht schlagen könnte und keinen Platz, sie zu schlagen …«

(Virginia Cowles »Winston Churchill«, deutsche Übersetzung, München 1954, S. 152.)

Die Stellung, die Churchill im Jahre 1909 zum deutschen Problem einnahm, ergibt sich mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit aus einem Briefe, den Churchill damals an den Vorsitzenden der Liberalen Vereinigung von Dundee richtete. (Nach Dr. Otto Kriegk »Wer treibt England in den Krieg?«, Berlin 1939, S. 93.) Churchill schrieb damals in seinem zu Wahlzwecken veröffentlichten Brief:

»Ich habe den größten Irrtum bis zuletzt gelassen. Es ist der, daß es einen tiefen Interessengegensatz zwischen dem deutschen und dem englischen Volke gebe, der nur durch eine äußerste Kraftprobe gelöst werden könne und der uns einem wechselvollen Schicksal unwiderstehlich entgegentreibe. Keine verhängnisvollere Stellung könnte das Gehirn eines Staatsmannes lähmen. Es gibt keinen natürlichen Gegensatz zwischen dem deutschen und dem englischen Volke … Es gibt zweifellos eine Rivalität im Handel, es gibt aber auch eine wirkliche und ständig wachsende gegenseitige Abhängigkeit. Keine kontinentale Nation ist unserem Handel notwendiger als Deutschland. Es ist unser bester Kunde, wie wir es von ihm sind … Wenn allmählich ein ernsthafter Gegensatz zwischen beiden Völkern hervorgerufen worden ist, so wird dieser nicht zurückzuführen sein auf das Wirken irgendwelcher natürlicher oder ungewöhnlicher Kräfte, sondern auf die verbrecherische

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Tätigkeit einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von Personen in beiden Ländern und auf die sträfliche Leichtgläubigkeit breiter Volksschichten. Es wird die erste Pflicht einsichtsvoller führender Männer sein, diesen, wie ein Alpdruck auf uns lastenden Stimmungen, entgegenzutreten und die Gehässigen und falschen Annahmen zurückzuweisen.«

Leider wechselte Churchill dann seine Gesinnung aus politischem Opportunismus, als er erkannte, daß seine politische Karriere gesichert war, wenn er sich an die Spitze jener Briten setzte, die Deutschland als Feind Nummer eins proklamierten und die Vorbereitung auf die äußerste Kraftprobe mit Deutschland, dem gefährlichsten wirtschaftlichen Konkurrenten auf dem Weltmarkt, mit geradezu fanatischer Leidenschaft predigten. Die antideutsche These bot Churchill alles, was sein brennender politischer Ehrgeiz und sein abenteuerndes Herz begehrte: Aufsehen, Amt, Würden und kriegerischen Lorbeer.

Jeder Brite muß sich heute klar darüber sein, daß der deutsch- englische Zusammenstoß für das englische Imperium die größte Tragödie und das größte Verhängnis bedeutete. Ohne den deutsch- englischen Konflikt würde das britische Imperium und die ganze Welt heute anders aussehen. Vom Tage dieses kriegerischen Zusammenstoßes an datiert, trotz aller Siege, die Abbröckelung des britischen Imperiums. Mit Deutschland würde das Imperium heute fester und stärker und größer als je dastehen. Churchill aber könnte heute von sich sagen, daß ihm zwar sein Gesinnungswechsel allen Ruhm brachte, den sich sein brennender Ehrgeiz wünschte, aber sein Name wird auch als erster Totengräber des britischen Imperiums in die Geschichte eingehen.

1933 empfing der deutsche Reichskanzler eine Delegation des britischen Frontkämpferverbandes, der Britischen Legion. Major Fatherstone-Godley, der Führer der englischen Abordnung, erklärte damals:

»Die Engländer haben nun einmal gegen die Deutschen gekämpft. Wir Vertreter der British Legion sind der Ansicht, daß das ein Fehler war, der sich nie wiederholen soll.«

Dieser Wunsch erfüllte sich nicht. Auch im Zweiten Weltkrieg stand England an der Seite der Feinde Deutschlands und wurde wieder, noch ärger als nach dem Ersten Weltkrieg, siegender Verlierer.

Wieder erheben sich britische Stimmen, die ihre Landsleute zur Besinnung und zu einer Änderung ihrer Haltung gegen Deutschland rufen.

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In seinem denkwürdigen Buche »Unconditional hatred« (»Bedingungsloser Haß«) schreibt Captain Russell Grenfell, R. N. (Deutsche Ausgabe Verlag Fritz Schlichtenmayer, Tübingen 1957, S. 219–20):

»Jeder fürchtet sich, über Deutschland etwas günstiges zu sagen. Es bedeutete geradezu eine wirkliche Gefahr, Deutschland nicht zu beschimpfen. Wer zwischen 1940 und 1945 so etwas wie Sympathie für die Deutschen zum Ausdruck brachte, mochte sich im Gefängnis wiederfinden und als gemeiner Verbrecher behandelt werden … So kommt es, daß die Masse der Engländer trotz der nach dem Zweiten Weltkriege aufgetauchten neuen Bedrohung (durch den Weltkommunismus) und trotz der geänderten offiziellen Politik, die Deutschland nicht nur ermutigt, sondern unter Drohungen zur Aufrüstung zwingt, die Deutschen weiterhin als Weltbedrohung und als eine verworfene Nation betrachtet, mit der anständige Menschen sich nicht einlassen. Die Engländer, die so denken, sind blind gegenüber der Gewißheit, daß sie damit die Sache des russischen Kommunismus unterstützen. Noch nie ist ein Bumerang so haarscharf zurückgekommen und hat die Schleuderer getroffen, wie die englische Haßkampagne gegen die Deutschen und die Anweisung 18 B.«

Und auf den Seiten 243 und 244 fährt Grenfell fort:

»Die Franzosen sind als Verbündete gegen Rußland recht mittelmäßig. Im Ersten Weltkrieg waren sie uns mehr eine Last. Im Zweiten Weltkrieg haben sie nicht lange durchgehalten. Frankreichs heutiger Bündniswert ist gering einzuschätzen. Wenn wir wirklich standhafte Freunde brauchen, um die Russen in Schach zu halten, müssen wir sie in Deutschland suchen: Die Deutschen sind die härtesten und zähesten Soldaten in Europa. Sie sind auch unsere traditionellen Verbündeten, mit denen wir während des ganzen 18. Jahrhunderts Seite an Seite fochten. Wenn wir aber die Deutschen als loyale Verbündete wünschen, müssen wir sie zu unseren Freunden machen und ihnen eine vollkommene und absolute Gleichberechtigung einräumen und alle Anlässe zu Reibungen, Verstimmungen und Verärgerungen vermeiden. Zuerst und vor allem kann nicht schnell genug eine Amnestie für die sogenannten deutschen Kriegsverbrecher erlassen werden. Daß deutsche Offiziere noch immer im Zuchthaus oder Gefängnis sitzen … und die harten Urteile gegen viele ihrer höheren Offiziere betrachten alle Deutschen, die im letzten Krieg Soldaten waren, nicht nur als ungeheuerliches Unrecht an sich, sondern als unerträgliche Schmach für die Waffenehre der deutschen Wehrmacht. Sie betrachten die ganze Serie der Nürnberger Prozesse als epochemachende Beispiele von Heuchelei und genau das waren sie auch. Um dies einwandfrei zu beweisen, braucht man gar nicht weit nach Material zu suchen … Es wäre gar nicht überraschend, wenn die Deutschen uns allein aus diesem Grunde für moralische Schwindler von Olympiaformat halten würden.«

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Grenfell weist auch auf die am 14. Juli 1952 von elf Verbänden ehemaliger Kriegsteilnehmer angenommene Entschließung hin, die gegen diese Verurteilung Stellung nimmt. In der englischen Originalausgabe seines Buches ist diese Entschließung im Wortlaut abgedruckt.

Am 29. Mai 1955 richtete ein britischer Offizier, Oberst a. D., einen Brief an die Hamburger Zeitung »Die Welt am Sonntag«, in dem es heißt:

» Wie viele ernst zu nehmende Deutsche wissen, daß es bei uns in England während der dunklen Jahre von zwei verheerenden Weltkriegen ein starkes Element von klar denkenden Menschen gegeben hat, die die Tatsache einer gemeinsamen geschichtlichen Vergangenheit immer gesehen haben? Sie haben den Wahnsinn beklagt, daß zwei so verwandte Nationen im Krieg zerrissen wurden. Wenn diese zusammen die Welt vor der weitreichenden Wirkung der Katastrophen geschützt hätten, sähe die Welt heute anders aus …«

Verhängnisvolle Wirkung der jahrzehntelangen feindseligen britischen Regierungspolitik gegen Deutschland ist, daß sie im englischen Volke die grundlegende Erkenntnis verhindert bzw. zerstört hat, daß vor allem England und Deutschland in naturbedingter unlöslicher Schicksalsgemeinschaft miteinander verbunden sind. Unglückseligerweise ist das englische Volk heute ferner denn je von dem lebendigen Bewußtsein und der klaren Erkenntnis, daß man Deutschland nicht schwächen kann, ohne damit nicht auch gleichzeitig im gleichen Maße auch England zu treffen und daß man Deutschland nicht zerstören kann, ohne damit in der Folge unvermeidbar auch England zu zerstören!

An dem Tage, wo die Notwendigkeit des Zusammenstehens und Zusammengehens dieser beiden Nationen von der Mehrheit der britischen Nation erkannt sein wird, von diesem Tage an wird die Sonne über Europa wieder im Aufgehen sein. Aber von diesem Tage sind wir heute weiter als je zuvor entfernt. Mit zerstörender Wucht und Gewalt schlägt heute eine Sturmflut von elementarer antideutscher Gesinnung, ja offenem Haß, aus England allem Deutschen entgegen. Das beklagen wir nicht nur deshalb, weil das deutsche Volk auch heute noch – trotz allem – tiefverwurzelte starke Sympathien für das englische Volk fühlt. Wir beklagen es auch deshalb, weil dadurch die Hoffnungen auf eine gemeinsame Verteidigung der westlichen Völker gegen die tödliche Gefahr des Kommunismus sehr getrübt werden. Der feindselige Empfang, den man dem deutschen Staatsoberhaupte in Kanada und England bereitete, im Verein mit den auch aus anderen NATO-Ländern immer wieder gelieferten Beweisen ablehnender, ja haßerfüllter Stimmung gegen Deutschland und das deutsche Volk, müssen zwangsläufig im deutschen Volk die ärgsten Befürchtungen erwecken.

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Gnade Gott Deutschland

Leider muß auch die Tatsache, daß in England die Labour-Party an das Regierungsruder kam, das deutsche Volk in die tiefste Beunruhigung stürzen und es mit schwerster Sorge erfüllen. Das deutsche Volk muß in Harold Wilson eine schwere Gefahr für Deutschland sehen; er ist ein entschiedener Gegner, ja leidenschaftlicher Feind Deutschlands; er hat aus seiner tiefen, an Haß grenzenden Abneigung gegenüber dem deutschen Volke niemals auch nur den geringsten Hehl gemacht. Er wird als britischer Premier alles tun, um die Zweiteilung und die Schwächung Deutschlands zu einem Dauerzustande zu machen. Er wird – ganz abgesehen von der Anerkennung Ostdeutschlands –. auch sonst in allen Deutschland betreffenden Fragen gegen Deutschland sein. Die Hoffnung auf eine britische Unterstützung zur friedlichen Rückgewinnung der geraubten deutschen Ostgebiete muß begraben werden.

Sprechen Sie in meiner Gegenwart nicht deutsch

Aus welchen Deutschenhassern sich das Kabinett Wilson zusammensetzt, zeigt der Fall des Außenministers Brown.

Als sich während der EFTA-Konferenz in London der Schweizer Bundesrat Hans Schaffner und der finnische Botschafter in London, Leo Tuominen, in ihrer privaten Unterhaltung der deutschen Sprache bedienten, tadelte sie George Brown (52), der englische Außenminister: »Bitte, sprechen Sie in meiner Gegenwart nicht deutsch.«

(Quellen: »Der Spiegel«, Hamburg und »Deutsche Kommentare um La Plata«, S. 133, 1967.)

Man erwartet zwar von Labour-Ministern keine geistigen Glanzleistungen, aber doch wenigstens gutes Benehmen. In Deutschland wäre ein Minister, der sich eine solche Äußerung gegenüber England erlaubt hätte, die längste Zeit deutscher Außenminister gewesen. Für einen Außenminister Ihrer britischen Majestät scheint eine solche Glanzleistung politischen Taktes und guter Erziehung kein Amtshindernis zu sein.

Deutsche Wiedervereinigung in britischer Schau

Den Standpunkt des Wilson-England zur Wiedervereinigung Deutschlands gibt inoffiziell aber anschaulich einen Artikel wieder, den der

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britische Historiker Allan J. P. Taylor im »Sunday Express« (der der deutschfeindlichen Beaverbrook-Gruppe gehört) 1965 veröffentlichte. Er erklärt darin unumwunden, daß die Teilung Deutschlands bestehen bleiben müsse:

»Jeder sagt, daß er die Wiedervereinigung Deutschlands will. Aber die Wahrheit ist, daß niemand sie als ein unmittelbar erwünschtes Ziel anstrebt. Niemand ist bereit, Anstrengungen dafür zu machen. Niemand glaubt, daß ein wiedervereinigtes Deutschland eine Verbesserung der europäischen Situation bedeuten würde … Die Teilung entstand durch Zufall, aber sie hat sich als ein wunderbares Glück für uns alle erwiesen. Man stelle sich Europa vor, wenn Deutschland unter sowjetischer Herrschaft vereinigt worden wäre! Wir würden Tag und Nacht um unsere Sicherheit zittern! Bei einer Wiedervereinigung unter amerikanischen Einfluß würden die Russen zittern und die Versuchung zu einem antibolschewistischen Kreuzzug wäre vielleicht unwiderstehlich gewesen. Wir mögen glauben, daß die Teilung für die Deutschen schwer zu tragen ist, aber ihnen ist die Versuchung erspart geblieben, einen neuen Krieg zu beginnen. Wir können nur sicher sein, wenn Deutschland geteilt bleibt.«

Der Präsident der beratenden Versammlung des Europarates und britische Labour-Abgeordnete, der sehr ehrenwerte Sir Geoffrey de Freitas, erklärte Ende Mai 1967 in Genf:

»Wir schlafen besser, seit Deutschland geteilt ist.«

Dieses britische Bekenntnis offenbart die ganze Brutalität des englischen Egoismus. Die erzwungene Zweiteilung Deutschlands ist ein schweres Verbrechen gegen das Sittengesetz, gegen die Völkermoral und das Völkerrecht, gegen die Demokratie und gegen die Grundrechte eines Staates und Volkes; aber das belastet weder das Gewissen des ehrenwerten Sir, noch stört es seinen ruhigen Schlaf: im Gegenteil! Man ist es von England und den Engländern schon gewöhnt, daß es seinen Vorteil nicht durch kleinliche Rücksichten auf das Sittengesetz beschränken läßt.

Der ehrenwerte Sir würde sicher noch besser schlafen, wenn der verdammte deutsche Konkurrent nicht durch Zweiteilung entmachtet, sondern am liebsten überhaupt vernichtet und ausgerottet würde. Der Schlaf, von dem der ehrenwerte Labour-Abgeordnete so hochbefriedigt spricht, ist der gute Schlaf eines Verbrechers, nach gelungenem Verbrechen, verübt an einem besiegten Gegner, das ihm den Sieg und die Beute sichern soll.

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Gesamtdeutschland wäre zu stark

Amerikaner über die Wiedervereinigung:

Der amerikanische Professor für Geschichte und politische Wissenschaften am »American College« in Paris, Dr. Frank J. Schaukowitsch, hat in einem in der »International Herald Tribüne« veröffentlichten Aufsatz die These aufgestellt, daß eine Wiedervereinigung Deutschlands deshalb nicht befürwortet werden könne, weil ein »vereinter deutscher Staat das Gleichgewicht in Europa über Nacht unwiderruflich verändern würde«; denn dieses »erneut vereinte Deutschland« würde »bei weitem zu groß und kraftvoll sein, als daß man es neutralisieren könnte«. Mit dieser These hat Prof. Schaukowitsch offensichtlich einen der wichtigsten Hinderungsgründe für die Wiedervereinigung Deutschlands aufgezeigt, der kürzlich auch von polnischer Seite ins Feld geführt worden ist, um die Forderung auf Anerkennung der DDR durch die Bundesrepublik zu begründen.

Der amerikanische Politologe erklärte zunächst, daß die Frage der Wiedervereinigung Deutschlands vornehmlich durch die »entheimateten Flüchtlinge« in der Bundesrepublik immer wieder aufgeworfen werde, wobei »unglücklicherweise« die hauptsächlichen Argumente zur Rechtfertigung des Strebens danach, die Deutschen wieder unter einer Flagge zusammenzubringen, als gänzlich selbstverständlich betrachtet und nicht widerlegt würden. Diese Argumente seien eher sentimental als rational, auch gebe es würdige und bewegende Erwägungen wie die, welche das Erfordernis der Erleichterung von Verwandtenbesuchen von einem Staat zum anderen beträfen, aber alles dies ändere nicht die unausweichlichen politischen Realitäten der Lage. Auch das Selbstbestimmungsrecht habe nur wenig Gewicht auf dem internationalen Schachbrett. Historische Rückbezüge kämen nicht in Frage, da Bismarck nur infolge von drei Kriegen die teutonischen Fürstentümer zu einem Reich zusammengefügt habe, welches eine Anomalie gewesen sei, wenn auch eine solche von spektakulären Dimensionen.

Ein wiedervereinigtes Deutschland würde, da es allzu groß und stark wäre, von kleineren Nachbarn wie Polen und der CSSR als Gefahr betrachtet werden, ja auch London und Paris würden befinden, daß sich infolgedessen ihr Einfluß auf dem Kontinent vermindert. Was aber die Weltmächte USA und Sowjetunion anbelangt, so müßten diese wiederum befürchten, daß das wiedervereinigte Deutschland sich dem jeweils anderen Lager anschließen könnte, womit das Gleichgewicht umgestoßen würde; denn »neutralisieren« könne man dieses Deutschland nicht mehr. Auch für die Deutschen selbst, so erklärte

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Schaukowitsch weiterhin, würde eine Wiedervereinigung die Beseitigung des politisch-religiösen Gleichgewichts mit sich bringen, wie es gegenwärtig in der Bundesrepublik bestehe; denn es würden doch 17 Millionen hinzukommen, die vorwiegend sozialistisch eingestellt und Protestanten seien. Das alles seien so viele Hindernisse auf dem Wege zur Wiedervereinigung, daß nicht zu sehen sei, wie selbst ein extremer Nationalsozialismus in Westdeutschland das bewerkstelligen könne, was 20 Jahre einer »geduldigen Diplomatie« nicht zuwege gebracht hätten. Hierzu ist zu bemerken, daß der amerikanische Professor in seltener Offenheit genau jene Behauptung Chruschtschows unterbaut hat, daß auch die Westmächte trotz aller Lippenbekenntnisse und schriftlich niedergelegten Verpflichtungen in Wirklichkeit nicht an einer freiheitlichen Wiedervereinigung Deutschlands interessiert seien. Im gleichen Sinne hatte sich vor einigen Jahren Professor Hans J. Morgenthau auf einer Tagung amerikanischer Politikwissenschaftler und Politiker in Bologna geäußert.

Die Stimmung in Polen

Es ist nicht uninteressant, der offenkundig feindseligen Haltung der »NATO-Verbündeten« Deutschlands in der Frage der Oder-Neiße-Grenze und der Zweiteilung Deutschlands die heutige Stimmung in Polen gegenüberzustellen.

Eine 1966 in Polen unter Berücksichtigung aller Schichten der Bevölkerung durchgeführte geheime Meinungsumfrage ergab folgendes Resultat:

Halten Sie die Oder-Neiße-Grenze für die folgenden 20 Jahre gesichert?

24 Ja, 65 Nein, 11 Unentschieden.

Sind Sie für eine Aufrechterhaltung der Teilung Deutschlands?

9 Ja, 63 Nein, 28 Unentschieden.

Ist nach Ihrer Ansicht nach die Oder-Neiße-Grenze von Dauer?

9 Ja, 72 Nein, 19 Unentschieden.

Würden Sie für eine Revision der Oder-Neiße-Grenze eintreten, wenn Polen einen Teil der durch Rußland besetzten Gebiete zurückerhält?

85 Ja, 0 Nein, 15 Unentschieden.

Glauben Sie, daß die Bonner Politik Polen bedroht?

12 Ja, 58 Nein, 30 Unentschieden.

Sind Sie für eine gutnachbarliche Einigung mit einem vereinten, freien Deutschland?

78 Ja, 0 Nein, 22 Unentschieden.

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Unter den Befragten waren 124 KP-Mitglieder. Fast 50 Prozent waren 19 bis 30 Jahre alt, darunter 300 Studenten. Den Befragten war bekannt, daß das Ergebnis im Westen veröffentlicht werden würde.

(»Neues Europa«, 1967, Heft 1; Meldung ungarische Zeitschrift »Freiheitskämpfer«, München.)

Meinungsumfrage in England

In der linksgerichteten Wochenzeitung »Sunday Citizen« hatte eine Umfrage wegen der Aufrechterhaltung der Zweiteilung Deutschlands folgendes Ergebnis:

83,4 Prozent der Befragten sprachen sich dagegen aus, daß Deutschland jemals wiedervereinigt werde;

10,2 Prozent hielten eine sofortige Wiedervereinigung für richtig;

6,4 Prozent waren für eine Wiedervereinigung in einem späteren unbestimmten Termin.

So sehen die sozialistischen Vorkämpfer der Demokratie in Wahrheit und ohne Maske aus.

Deutschland, der ewige Zahler

England hat hartnäckig und dauernd ein Bündnis mit Deutschland abgelehnt, das ihm seine Weltstellung und Weltgeltung für unabsehbare Zeiten gesichert hätte. Statt Deutschland auch einen Anteil an den Reichtümern der Welt zu gönnen und mit Deutschland in engster Verbindung an der Spitze der Welt zu stehen, hat England vielmehr in zwei Weltkriegen vergeblich versucht, Deutschland wirtschaftlich und politisch zugrundezurichten, ja zu vernichten.

Für diese Fehlpolitik haben beide Staaten, sowohl England wie auch Deutschland, schwersten Preis gezahlt. England ist von seiner Höhe tief abgesunken und der Endpunkt seines politischen und wirtschaftlichen Abgleitens ist noch gar nicht abzusehen. Heute ist es bereits so weit, daß England als finanzieller Bittsteller nach Deutschland pilgern muß.

Eine solche Pilgerfahrt hat der englische Premier in den ersten Januartagen 1962 nach Deutschland angetreten. Nach den Berichten (UPI, Reuter, DPA) hat sich Adenauer gegenüber Macmillan zu einer weit-

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gehenden finanziellen Hilfeleistung an England bereit erklärt. Die deutschen Rüstungskäufe in England wurden verdoppelt. Sie betrugen nunmehr 460 Millionen D-Mark jährlich, ein deutender deutscher Beitrag zur Entlastung der britischen Devisenbilanz.

Überdies wurden England weitere Zahlungen zugesagt. Diese Zahlungen forderten die ernsteste Kritik heraus. Die Hamburger »Welt« berichtete am 10. Februar 1962, die neue Finanzhilfe Bonns an England werde ungefähr 650 bis 700 Millionen D-Mark betragen. Daraus würden nicht nur die deutschen Rüstungskäufe bezahlt werden, sondern auch die Benützung britischer Militärlager zur Ausbildung westdeutscher Soldaten. Der unabhängige Düsseldorfer »Mittag« bezeichnet das mit Recht als grotesk.

»Wenn deutsche Truppen nach Wales gehen, zahlt Deutschland. Wenn britische Truppen nach Deutschland gehen, zahlt Deutschland auch. Eines von beiden muß falsch sein, da beide Truppenbewegungen der NATO dienen. Wird man denn niemals einsehen, daß die Rheinarmee nicht Deutschland, sondern Großbritannien verteidigt?«

Angesichts dieser Haltung Deutschlands versteht man, daß Macmillan nach seiner Rückkehr aus Bonn bei seiner Rückkehr auf dem Londoner Flughafen auf die Frage, ob er mit dem Ergebnis seiner Bonner Gespräche sehr zufrieden sei (9. Jänner 1962) lächelnd antwortete: »Ja, sehr!«

Am 21. März 1962 brachten die deutschen Zeitungen folgende Nachricht:

»Einigung Bonn – London.

Bonn. Die deutsche Bundesregierung wird Großbritannien für 1961 und 1962 1,2 Milliarden D-Mark Devisenhilfe zahlen, wurde heute in Bonn bekannt gegeben. Diese Devisenhilfe wird in zwei Raten von je 600 Millionen D-Mark gezahlt werden. Sie gilt als Ausgleich für die hohen Stationierungskosten der britischen Streitkräfte in der Deutschen Bundesrepublik. Damit hat Bonn die Wünsche Londons zur Gänze erfüllt!«

Das deutsche Volk sagt dazu: Man hilft gerne Freunden und wohlgesinnten Verbündeten; man wehrt sich aber innerlich entschieden gegen Leistungen an Menschen, die von sich aus alles tun, um uns klarzumachen, daß sie weder das eine noch das andere sind, noch es sein wollen.

Mit dem Amtsantritt des neuen britischen Premiers, Wilson (Labour), der für seinen Deutschenhaß bekannt ist, haben sich die finanziellen Zumutungen Englands an Deutschland noch verschärft und erhöht. Die

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britische Rheinarmee (Papierstärke bei 55.000, tatsächliche Stärke bei 45.000) ist seit Jahren ein Mittel der Erpressung an Bonn. London gibt seine Aufwendungen für diese Rheinarmee in wenig glaubhafter Übertreibung mit einer Milliarde D-Mark an. Zum Ausgleich für diese Aufwendungen, erhielt London eine jährliche Devisenhilfe von 600 Millionen D-Mark.

Bei den derzeit (Jänner 1965) laufenden Verhandlungen in London wurden unter anderem folgende britische Forderungen bekannt: Bestellung von 20 Düsen-Passagierflugzeugen für die Lufthansa bei der British Aircraft Corporation (Preis 275 Millionen D-Mark); zwei an Israel zu liefernde, auf britischen Werften erbaute U-Boote (»Turpin C« und »Totem«) sollen von Deutschland bezahlt werden.

So viel ist sicher: Das deutsche Kaiserreich hätte sich auf dem Höhepunkt seiner Macht derartige Unverfrorenheiten selbst Liliputanerstaaten wie Liechtenstein und Andorra gegenüber niemals erlaubt.

Bonn erfüllt britische Wünsche

Unter diesem Titel bringt die »DWZ« vom 9. Juli 1965 folgenden Bericht:

»Obwohl der Bundeshaushalt bis zum Zerreißen angespannt ist, und man ein erhebliches Defizit befürchtet, hat sich Deutschland bereit erklärt, zum Ausgleich der britischen Zahlungsbilanz 1,3 Milliarden D-Mark bis 1966 aufzubringen. Als Sofortmaßnahme soll der Bund 464 Millionen D-Mark in bar überweisen, obwohl völlig ungeklärt ist, unter welchem Titel die Summe finanziert werden kann. Ferner soll das Devisenhilfeabkommen um ein weiteres Jahr bis zum 31. März 1967 verlängert werden. Das bedeutet die Verpflichtung, der britischen Wirtschaft Aufträge in der Höhe von 600 Millionen D-Mark zu verschaffen. Schließlich soll noch eine Summe von 2.50 Millionen D-Mark, die der Bund auf einem Sonderkonto der Bank von England unterhält, flüssig gemacht werden. Diese Summe soll weitere deutsche Käufe in England ermöglichen und zwar in einem vorgesehenen Gesamtumfang von 500 Millionen D-Mark, sodaß der Bund auch die restlichen 250 Millionen D-Mark finanzieren muß.

Dabei steht jetzt schon fest, daß der Haushalt 1966 nicht ohne Steuererhöhungen auszugleichen ist. Die Briten wollen die deutschen Millionen Steuergelder angeblich zum Ausgleich der durch die Stationierung der Rheinarmee entstandenen Devisenkosten haben. Dabei

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steht keineswegs fest, daß der britische Devisenmangel auf die Unterhaltung der Rheinarmee zurückzuführen ist. Das Hauptübel liegt vielmehr darin, daß die britische Wirtschaft nicht bereit ist, ihrer sozialistischen Labour-Regierung aus dem chronischen Devisenmangel zu helfen und das ausländische Kapital infolge der Sozialisierungsabsichten Wilsons kaum noch nach Großbritannien kommt.

Es sollte aber der Bundesregierung nicht schwer fallen, der britischen Drohung mit dem Abzug der Rheinarmee zu widerstehen. Dieser Abzug wäre nämlich keineswegs eine Schwächung unserer Verteidigungskraft; denn was sich so hochtrabend ›Rheinarmee‹ nennt, ist in Wahrheit nicht mehr als eine Brigade, deren Kampfkraft obendrein sehr fragwürdig ist.« (Emil Welke)

Was Deutschland für die NATO-Verbündeten leistet

Rohde, der Vorsitzende des Arbeitsstabes Verteidigungs- und Besatzungslasten der Länderfinanzministerien, teilte im Herbst 1961 in Kaiserslautern mit, daß die alliierten Streitkräfte Bund und Ländern über 70 Milliarden D-Mark kosteten. Allein die jährlichen Lohnkosten für die rund 200.000 deutschen Arbeitnehmer bei den alliierten Streitkräften belaufen sich auf jährlich eine Milliarde D-Mark.

Diesen Leistungen steht erschütternd der Mangel an Vertrauen gegenüber, das man Deutschland entgegenbringt, und die Verweigerung der Gleichberechtigung.

  Von den 22 Divisionen
der NATO-Mächte
im Bereich Europa
stellen:
Von den 44 Befehls-
haberstellen im gleichen
NATO-Bereich
stellten Generäle:
West-Deutschland (BRD) 11 2
USA 5 9
England 3 21
Frankreich 3 4

Die BRD stellt die stärkste Armee in der europäischen Bündnisfront. Sie hat als einziger Staat ihre gesamten Streitkräfte dem NATO-Befehlshaber unterstellt und besitzt in der Führung nicht ein einziges übergeordnetes Kommando.

Die Briten stellen mit ihrer Rhein-Armee gerade noch so viel, wie ein deutsches Armeekorps: aber sie stellen den Befehlshaber der gesamten alliierten Luftstreitkräfte Europa-Mitte; er befehligt nicht weniger als fünf deutsche Einsatzdivisionen der Luftwaffe.

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Dem französischen Oberbefehlshaber Europa-Mitte sind sechs deutsche Armeekorps unterstellt; dabei haben daneben die französischen Streitkräfte noch nicht die Stärke eines Armeekorps.

Von den 25 höchsten Positionen in der NATO ist keine einzige mit einem Deutschen besetzt.

Bei den zivilen NATO-Dienststellen ist es nicht viel anders. Von den 228 höheren Stellen im Generalsekretariat entfallen nur 21 auf deutsche Beamte. Dabei trägt die BRD 16 Prozent der Kosten. Die Deutschen haben nicht einmal einen deutschen Abteilungsleiter, keinen Deutschen in der Personalabteilung und keinen Deutschen mit Zutritt zum Generalsekretär.

Ganz ähnlich ist das Mißverhältnis bei der UNO. Obwohl Deutschland der UNO gar nicht angehört, steht es mit den Zahlungen für diese an dritter Stelle.

England nach dem Königin-Besuch

Zum Besuch der englischen Königin in Deutschland brachte der »Manchester Guardian Weekly« am 20. Mai 1965 folgende ungeheuerliche, aufhetzende Notiz:

»Es wäre töricht, anzunehmen, daß die Deutschen für uns auch eine europäische Nation sind, wie etwa die Franzosen, Dänen, Polen. Sie sind es nicht und werden es nie sein …«

Der große Widerspruch

Europa ist auf dem besten Wege, eine Einheit zu werden; die freie Welt, die freien Staaten vereinigen sich, dem Ansturm des Bolschewismus Trotz zu bieten. Deutschland ist trotz der ungeheuerlichen und unmenschlichen Rache, die man nach gewonnenem Kriege an ihm geübt, ohne Vorbehalt an die Seite der freien Staaten getreten, um seinen Beitrag an der Verteidigung der Freiheit Europas voll zu leisten.

Trotz alledem schmachten heute noch, zwei Jahrzehnte nach Kriegsende, deutsche Soldaten hinter den Kerkermauern Hollands, Belgiens, Frankreichs und Italiens, in Staaten also, die heute Verbündete Deutschlands

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sind, in Staaten, die sich heute auf Gedeih und Verderb mit Deutschland zur gemeinsamen Verteidigung Europas zusammengeschlossen haben.

Darin aber liegt ein unlösbarer und untragbarer Widerspruch, der, je eher je besser, für alle Beteiligten gelöst werden sollte. Denn eine solche Mißachtung, eine solche Entwürdigung eines Bündnispartners hat es niemals zuvor in der Geschichte gegeben. Sie ist widernatürlich und ungesund und birgt unabsehbare Gefahren in sich.

Der »Eckartbote«, Wien, (März 1962, Nr. 3, S. 13) schrieb die beherzigenswerten Worte über die deutschen Kriegsverurteilten in westlichen Kerkern:

»17 Jahre nach Kriegsende befinden sich in den Gefängnissen Belgiens und Hollands immer noch deutsche Kriegsverurteilte. Zu Weihnachten 1961 durften sie deutsche Seelsorger aus der Heimat empfangen und Worte des Trostes und der Menschenliebe vernehmen. Ob aber diese deutschen Soldaten noch an die Gültigkeit der Menschenliebe zu glauben vermögen, da an ihnen doch Jahr um Jahr unchristlicher und unmenschlicher Feindeshaß weiter geübt wird?

Nicht das ist heute mehr die Frage, ob die Unglücklichen seinerzeit zu Recht oder zu Unrecht verurteilt wurden. Auch das nicht, ob die damals in der Nachkriegsatmosphäre gefällten Urteile heute auch so streng ausfallen würden. Das ist noch weniger entscheidend, ah die Frage, ob nicht heute schon lange der Zeitpunkt gekommen ist, Gnade vor Recht ergehen zu lassen.

Wenn es möglich ist, daß sich West und Ost über den Austausch von Häftlingen, von Spionen, einigen, um wieviel naheliegender und menschlich begründeter wäre es, wenn die heute mit Deutschland verbündeten Staaten die kleinen deutschen Kriegsverurteilten nach 17 Gefängnisjahren die Freiheit geben würden! Ist doch bereits eine neue Generation deutscher, belgischer, niederländischer und französischer Jugend aufgerufen, Schulter an Schulter die Freiheit des Westens gemeinsam zu verteidigen.«

Die Zeitung »Neue Ordnung« behandelte im Dezemberheft 1961 einen im niederländischen Zuchthaus Breda offenbar gewordenen krassen Fall des doppelten Rechtsbodens für deutsche Soldaten hier und holländischen Soldaten dort:

»Einer der seit 17 Jahren in Breda eingekerkerten deutschen Soldaten ist ›wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit‹ verurteilt worden, weil er im Kriegs jähre 1944 den Befehl zum Niederbrennen eines Hauses weitergeleitet und die Weitergabe nicht verweigert hat. Aus dem Hause war durch einen Schuß aus dem Hinterhalt ein deutscher

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Soldat getötet worden. Im Hause wurden dann Waffen und bewaffnete Zivilisten entdeckt.

Dagegen ist sein niederländischer Häftlingskamerad am gleichen Werkstück, ein niederländischer Soldat, wegen ›militärischen Verbrechens‹ deshalb verurteilt worden, weil er sich geweigert hatte, in Indonesien an der Niederbrennung eines ganzen Dorfes teilzunehmen, in dessen Nähe Verbindungswege der niederländischen Truppen von unbekannten Tätern zerstört worden waren.«1

Die große Schicksalsfrage: Wie stehen die NATO-Partner heute wirklich zu Deutschland?

Die große Schicksalsfrage, die sich heute vor dem deutschen Volke erhebt, geht dahin: Wie werden sich die NATO-Länder im Falle eines Krieges mit dem Osten gegenüber dem mit ihnen verbündeten Deutsch-


1
In den Mitteilungen der Stiftung »Soziales Friedenswerk« finden wir ein Verzeichnis, nach dem sich noch 170 Kriegsgefangene als Kriegsverurteilte in westlichen Gefängnissen befinden, und zwar:

in Deutschland (Internationales Gefängnis in Spandau) 3 (heute 1), in anderen Gefängnissen 70. In Frankreich: Deutsche Kriegsverurteilte in Caen 3a), Französische in Périgueux 1 a). In Belgien (Deutsche Kriegsverurteilte in St. Gilles) 5), Belgische Kriegsverurteilte in St. Gilles und Forest Levaun Wallonen und Flamen 73 b). In Holland: Deutsche Kriegsverurteilte in Breda 4 c). In Italien: Deutsche Kriegsverurteilte 1 d), Österreichische Kriegsverurteilte 2 d) italienische Kriegsverurteilte 8. Das sind zusammen 170 Kriegsgefangene.

a) Inzwischen wurden Oberg und Knochen entlassen.
b) Nach einer anderen Quelle 57.
c) Franz Fischer, Ferdinand aus der Fünten, Josef Kotalla, Willy Laiges.
d) Sepp Feuchtinger (?), Herbert Kappler, Walter Reder.

Es handelt sich bei den Kriegsverurteilten zum großen Teil um Soldaten und Offiziere, die wegen anbefohlener Wiedervergeltungsmaßnahmen und Requirierungen eingekerkert wurden. 80 Prozent der Kriegsverurteilten, die sich heute noch in Gefangenschaft befinden, haben den Befehlen ihrer Vorgesetzten gehorcht. Diese alle haben demnach als Soldaten gehandelt und lediglich ihre Pflicht erfüllt.

Sehr schwierig ist es, die Zahl der in den Oststaaten (Polen, CSSR, Jugoslawien usw.) eingekerkerten deutschen Soldaten festzustellen. Dort hat man ja – fast grundsätzlich – alle vor Gericht gestellten Soldaten dem Henker überliefert. Trotzdem gibt es auch dort heute noch eingekerkerte Soldaten. Soweit dies festgestellt werden kann, gibt es auch in Polen 200 bis 275, in der CSSR 12 und in Jugoslawien 64 als Kriegsverbrecher eingekerkerte deutsche Soldaten.

In Holland riefen die beiden Rechtsgelehrten Prof. Pompe und Prof. van Bammelen zur Begnadigung und endlichen Freilassung der vier letzten deutschen Kriegsverurteilten: Franz Fischer, Ferdinand aus der Fünten, Josef Kotälla und Willy Lages (Laiges) auf, die noch immer gefangen in Breda sitzen.

Dies löste im Lande eine starke Gegenbewegung unter der holländischen Bevölkerung und Abgeordneten aus, die den Justizminister Beermann aufforderten, die deutschen Gesuche unter allen Umständen abzulehnen. Die Protestierenden wiesen darauf hin, daß in der DBR die Kriegsverbrecher immer noch verfolgt werden und erklärten, mit einer Begnadigung der Breda-Häftlinge könnte man die »lobenswerten Bemühungen der deutschen Justiz« schädigen.

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land verhalten? Teilen sie nicht etwa den heißen Wunschtraum des haßbesessenen Weltjudentums und gewisser anderer Kreise, bei der Gelegenheit dieses Krieges das deutsche Volk in seiner Gesamtheit der Vernichtung preiszugeben? Die Haltung und manch offene Äußerungen vieler Menschen, darunter auch mancher maßgeblicher westlicher Staatsmänner und Diplomaten lassen diesen Wunsch sehr befürchten.

Wie abgrundtief der Haß gegen Deutschland und das deutsche Volk heute auch bei den westlichen Alliierten Deutschlands und seinen NATO-Partner ist, zeigt blitzlichtartig folgendes erschütterndes Erlebnis.

Am 29. März 1958 erklärte ein aktiver, mir persönlich sehr nahestehender hoher Diplomat, Botschafter und Minister eines (nichtromanischen) West-Staates (nicht Jude) wörtlich zum Verfasser dieses Buches:

»Das ganze deutsche Volk gehört ausgerottet. Nicht ein Deutscher verdient geschont zu werden. Der größte Fehler im letzten Weltkrieg war, daß man die zwei Atombomben über Japan abwarf, statt über Deutschland. Ich habe nur die Hoffnung, daß man diesen Fehler im nächsten Kriege ausbessern wird und die nächsten Atombomben auf Deutschland fallen werden. Deutschland darf auch nicht wiederbewaffnet werden; wir ziehen es vor, lieber bolschewistisch zu werden, als Deutschland wieder zu bewaffnen.«

Fast alle NATO-Mächte wünschen heute, offen und insgeheim, nichts sehnlicher als die Aufrechterhaltung der Zerstückelung Deutschlands. Sie ist das eingestandene und uneingestandene Hochziel dieser Mächte, die sie schon 1918 vergeblich anstrebten und 1945 ideal erreichten.

Der britische Feldmarschall Lord Montgomery of Alamein enthüllt in seinem neuesten Buche »The Path to Leadership« (Der Pfad zur Führerschaft. Ed. Collins, London, 1960):

»Kein Volk der Erde wünscht ein wiedervereinigtes Deutschland. Jeder westliche Führer hat in Privatunterhaltungen mit mir zugegeben, daß es höchst unklug wäre, die beiden deutschen Staaten wiederzuvereinigen. Aber keiner wagt, dies öffentlich zu sagen, aus Angst die Deutschen zu beleidigen …«

Chruschtschow hat öffentlich dasselbe behauptet; er hat insbesondere Eisenhower der Unaufrichtigkeit in dieser Frage geziehen und festgestellt, bzw. behauptet, daß Eisenhower ihm gegenüber erklärt habe, daß er an der Zweiteilung Deutschlands festhalte.

Dasselbe wurde auch von Präsident Kennedy behauptet.

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Der stellvertretende Ministerpräsident der UdSSR, Mikojan, behauptete am 7. Dezember 1963 (»Kurier« Wien, 9. Dezember 1963, S. 1), daß Kennedy in einer Botschaft an Chruschtschow die baldige Anerkennung Ostdeutschlands durch die USA angedeutet habe.

Die Haltung des Nachfolgers des auf so tragische Weise ermordeten Kennedy, des Präsidenten Johnson in dieser Frage ist noch unbekannt.

Patrick Kirk, britisches Unterhausmitglied, Sekretär des außenpolitischen Ausschusses der Konservativen Partei, erklärt:

»Die überwältigende Majorität des britischen Volkes sieht die Oder-Neiße-Grenze zwischen Deutschland und Polen als endgültige an, und unser Land wird keinen Finger rühren, um sie ändern zu helfen … Wir können uns keine Situation vorstellen, in der wir es als gerecht ansehen würden, den Polen Gebiete wegzunehmen, die sie jetzt in Besitz haben, wenn man diese nicht mit einer Rückkehr ihrer alten Ostgebiete kompensieren könnte … Wir sind der Meinung, daß wir vor einem ›Fait accompli‹ stehen, an dem nichts zu ändern ist.«

(Zitiert in »Der Spiegel« 14. Jahrgang. Nr. 35 vom 24. August 1960, Seite 13.)

De Gaulle bekannte sich – vor und nach der Verbrüderung mit Deutschland – offen zur Aufrechterhaltung des heutigen Zustandes der Spaltung Deutschlands als Generallinie der französischen Deutschlandpolitik; er und viele französische Staatsmänner haben die ungeheuerliche »Oder-Neiße-Linie« als Grenze wiederholt anerkannt.

Vor 42 britischen Generälen und über 400 höheren britischen Offizieren erklärte der britische Feldmarschall Montgomery, Viscount of Alamein, am 22. März 1962 im Royal Military College of Science:

»Adenauer solle zur Kenntnis nehmen, daß es niemals ein vereinigtes Deutschland mehr geben kann.«1


1
Gleichzeitig leistete sich dieser prominente und für die herrschende allgemeine britische Gesinnung typische Engländer auch noch eine geradezu ungeheuerliche Beschimpfung des deutschen Kanzlers, die nicht nur typisch für die Ungezogenheit und den völligen Mangel an Benehmen und Takt vieler Engländer von heute im Benehmen gegen Deutschland, sondern auch typisch für die tief verwurzelte feindselige Einstellung vieler Engländer von heute gegenüber dem deutschen Volke ist. Der britische Feldmarschall hatte die unfaßbare Geschmacklosigkeit und Ungezogenheit zu sagen: »Der deutsche Bundeskanzler Adenauer brauche »eine Dosis Insektenvertilgungsmittel«. Adenauer sei ein alter Mann, deshalb »genügt schon eine kleine Dosis« und er, Montgomery, sei bereit, die Spesen für dieses Insektengift zu tragen.«

Man kann sich kaum vorstellen, welches Wutgeschrei die englische Presse und die Presse der ganzen Welt über die »deutschen Barbaren« erheben würde, wenn jemand in Deutschland sich eine solche Bemerkung über den britischen Premierminister erlaubte. (Jetzt fehlt nur noch, daß man diesem Montgomery eitlen deutschen Orden verleiht!)

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Bezeichnend für die Geisteshaltung dieses geschwätzigen alten Lords ist, daß er auch mit seiner typisch englischen Meinung über die Amerikaner nicht hinter dem Berge hält.

Bei seinem letzten Besuch in Moskau erklärte er zu dem Kremlgewaltigen Chruschtschow:

»Ich freue mich schon darauf, wenn sich die Sowjetunion mit den USA im Krieg befindet; dabei finde ich Gelegenheit, in England den ersten Amerikaner totzuschießen.«

Die USA und die anderen NATO-Partner Deutschlands sind heute so entschieden für die dauernde Schwächung und Entmachtung Deutschlands, daß die Bolschewiken angesichts dieser Sachlage in der Frage, Ostdeutschland, die DDR, als Faustpfand zu behalten und die Zweiteilung Deutschlands aufrechtzuerhalten, heute viel entschlossener sind, als sie jemals früher waren.

Erst als die Bolschewiken immer klarer die Erkenntnis gewannen, daß sie mit der Beharrung auf der Zweiteilung Deutschlands den geheimen und offenen Wünschen des Westens entgegenkamen, wurde ihre ablehnende Haltung gegen die Wiedervereinigung Deutschlands immer schroffer und entschiedener. Die Bolschewiken wissen heute: wenn sie der Welt ihren Standpunkt in der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands dahin präzisieren, daß sie sich diese Wiedervereinigung nur durch einen Krieg abzwingen lassen, haben sie damit gewonnenes Spiel. Niemals wird der Westen wegen Berlin oder wegen der Wiedervereinigung Deutschlands einen Krieg führen. Die westlichen Regierungen sind sich dabei der Zustimmung der öffentlichen Meinung ihrer Völker sicher. Genauer und besser ausgedrückt: die alliierten Regierungen sind in der Frage der Erzwingung der Wiedervereinigung mit Gewalt so sehr die Gefangenen der öffentlichen Meinung ihrer Völker, daß sie in dieser Frage mit einem Kriege nicht einmal drohen, geschweige denn einen solchen wirklich führen könnten.

Ohne diese immer wieder gezeigte Haltung hätte der Westen die Wiedervereinigung Deutschlands längst erreichen können, wenn er sie wirklich fest und entschieden gewollt hätte. Jedenfalls hätte er sie – im Vergleich zu den Bedingungen, die die Bolschewiken heute stellen – um ein Butterbrot haben können.

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Die Zweiteilung Deutschlands wurde in Yalta und Potsdam gegen den Wunsch Stalins von den USA und England gefordert

In diesem Zusammenhang ist es überaus interessant, daß Stalin gegen die Zerstückelung Deutschlands war. Die Zerstückelung wurde in Yalta und in Potsdam von den westlichen Alliierten (allen voran von den Morgenthau-Rache-Amerikanern) gefordert. Stalin war gegen die Zerstückelungspläne der USA und Englands. Stalin setzte sich für eine einheitliche Verwaltung des nach Abtrennung der Polen zugesprochenen Gebiete verbleibenden restlichen Deutschland westlich der Oder- Neiße-Linie ein. Stalin hoffte auf diese Weise am ehesten die Herrschaft über ganz Deutschland zu erreichen.

Daß vor allem England gegen ein ungeteiltes Deutschland war, zeigte sich auch klar bei der Außenminister-Konferenz der Alliierten im März 1947. Als Molotow den Antrag stellte, durch gesamtdeutsche Wahlen eine gesamtdeutsche Regierung und damit einen gesamtdeutschen Staat zu schaffen, lehnten die Westmächte ab; sie wollten keinen gesamtdeutschen Staat.

In England ist sowohl die offizielle Politik, wie die öffentliche Meinung sich völlig einig darüber, daß die Zweiteilung Deutschlands, wie die Oder-Neiße-Grenze aufrechterhalten werden müsse.

Auf einem Diskussionsabend des RAF-Clubs in London erklärte der britische Luftmarschall Sir Ronald Ivelaw-Chapman:

»Die dauernde Zweiteilung Deutschlands ist der einzige positive strategische Gewinn des vergangenen Krieges.«

Der englische Arbeitsminister Elliot trug 1953 auf der Tagung der deutsch-englischen Gesellschaft in Königswinter vor:

»Auch wenn ich mich einer Indiskretion schuldig mache, so muß ich dennoch auf die Auffassung verweisen, daß eine Teilung Deutschlands der europäischen Integration und dem Frieden der Welt dienlich ist. Dieser Tatsache hat man ins Auge zu sehen.«

Der Parteisekretär der englischen Labour-Party bestätigte Elliots Aussage mit den Worten:

»Zweifellos ist Deutschland heute schon die größte Macht in Europa; kommt nun gar noch ein wiedervereinigtes Deutschland zustande, dann wird es an nationaler Organisation alles andere weit überragen und deshalb stehen die westeuropäischen Länder – nicht nur Frankreich – einem Vorgang der deutschen Wiedervereinigung sehr skeptisch gegenüber.«

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Die Entwicklung der Haltung der UdSSR in der Frage der Wiedervereinigung

Note der UdSSR vom 10. März 1952 an die drei Westmächte über den Abschluß eines deutschen Friedensvertrages:

»Es versteht sich, daß ein solcher Friedensvertrag unter unmittelbarer Beteiligung Deutschlands – vertreten durch eine gesamtdeutsche Regierung – ausgearbeitet werden muß. Hieraus folgt, daß die UdSSR, die USA, Großbritannien und Frankreich, die in Deutschland Überwachungsaufgaben versehen, auch die Frage der Bedingungen prüfen müssen, unter denen die schnelle Bildung einer gesamtdeutschen Regierung, den Willen des deutschen Volkes ausdrückenden Regierung erfolgen kann.

1. Deutschland wird als einheitlicher Staat wiederhergestellt. Damit wird die Spaltung beendet und das geeinte Deutschland gewinnt die Möglichkeit, sich als souveräner, demokratischer, friedliebender Staat zu entwickeln.

2. Sämtliche Streitkräfte der Besatzungsmächte müssen spätestens ein Jahr nach Inkrafttreten des Friedensvertrages aus Deutschland abgezogen werden. Gleichzeitig werden sämtliche ausländischen Militärstützpunkte auf dem Gebiete Deutschlands aufgehoben.

3. Dem deutschen Volke müssen die demokratischen Rechte gewährleistet sein, damit alle unter deutscher Rechtssprechung stehenden Personen – ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechtes, der Sprache oder der Religion – die Menschenrechte und die Grundfreiheiten genießen, einschließlich der Redefreiheit, der Pressefreiheit, des Rechtes der freien Religions-Ausübung, die Freiheit der politischen Überzeugung und die Versammlungsfreiheit.

4. In Deutschland muß den demokratischen Parteien und Organisationen freie Betätigung gewährleistet sein; sie müssen das Recht haben, über ihre inneren Angelegenheiten frei zu entscheiden, Tagungen und Versammlungen abzuhalten, Presse- und Publikationsfreiheit zu genießen.

5. Auf dem Gebiete Deutschlands dürfen Organisationen, die der Demokratie und der Sache des Friedens feindlich sind, nicht bestehen.

6. Allen ehemaligen Angehörigen der deutschen Wehrmacht, einschließlich der Offiziere und Generäle, allen ehemaligen Nationalsozialisten, mit Ausnahme derer, die nach Gerichtsurteil eine Strafe für begangene Vergehen verbüßen, müssen die gleichen bürgerlichen und politischen

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Rechte wie allen anderen deutschen Bürgern zuerkannt werden, zur Teilnahme am Aufbau eines friedlichen, demokratischen Deutschlands.

7. Deutschland verpflichtet sich, keinerlei Koalitionen oder Militärbündnisse einzugehen, die sich gegen irgendeinen Staat richten, der mit seinen Streitkräften am Kriege gegen Deutschland teilgenommen hat.

Das Gebiet Deutschlands ist durch die Grenzen bestimmt, die durch die Bestimmungen der Potsdamer Konferenz festgelegt wurden.

Deutschland werden für die Entwicklung einer Friedenswirtschaft, die der Hebung des deutschen Wohlstandes dienen soll, keinerlei Beschränkungen in Bezug auf den Handel mit anderen Ländern, die Seeschiffahrt und den Zutritt zu den Weltmärkten auferlegt.

Es wird Deutschland gestattet sein, eigene nationale Streitkräfte (Land-, Luft- und Seestreitkräfte) zu besitzen, die für die Verteidigung Deutschlands notwendig sind.

Deutschland wird Kriegsmaterial erzeugen dürfen, dessen Menge oder Typen nicht über das hinausgehen dürfen, was für die Streitkräfte erforderlich ist.

Die Staaten, die den Friedensvertrag mit Deutschland abgeschlossen haben, werden das Ersuchen Deutschlands um Aufnahme in die UNO unterstützen.«

Grotewohl, Ministerpräsident der DDR am 14. März 1952 in der Volkskammer der DDR:

»Freie Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung sind der kürzeste Weg zur Wiederherstellung der Einheit.«

Molotow am 6. Oktober 1954 in Ostberlin (fünf Wochen nach dem Scheitern der EVG, der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft):

»Es ist völlig klar, daß für die Lösung der deutschen Frage unter den gegebenen Umständen die Lösung der Frage der deutschen Einheit unaufschiebbar und das wichtigste ist. In einem solchen Fall entfällt das Hindernis auch für den Abschluß eines Friedensvertrages, das jetzt noch nicht überwunden ist. Man kann jedoch auch nicht die Tatsache übersehen, daß in der letzen Zeit alles getan wird, damit ein umfassender Plan der Remilitarisierung Deutschlands verwirklicht werde und damit die Einheit und Unabhängigkeit Deutschlands unmöglich zu machen.

Es besteht kein Zweifel daran, daß die Ausführung dieser Pläne zur Wiedererrichtung des deutschen Militarismus, die gleichzeitig bezweckt, Westdeutschland in eine bestimmte militärische Gruppierung der Westmächte einzubeziehen und dort auf bestimmte Dauer das Besatzungs-

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regime aufrechtzuerhalten, mit den Aufgaben der Wiedervereinigung Deutschlands nicht zu vereinigen ist, ganz zu schweigen davon, daß sich daraus gefährliche Folgen für den Frieden in Europa ergeben … So gibt es auch keine Rechtfertigung dafür, die Wiedervereinigung Deutschlands aufzuschieben. In einem solchen Fall ist die Pflicht der vier Mächte, USA usw. … alles zu tun, um die Lösung dieser Aufgabe zu beschleunigen.

Die UdSSR ist nach wie vor der Ansicht, daß zu diesem Zwecke freie gesamtdeutsche Wahlen notwendig sind. Möglichkeiten für eine Übereinstimmung in dieser Frage bestehen, wenn man von dem unbestreitbaren Leitsatz ausgeht, daß die Hauptaufgabe die Vereinigung Deutschlands auf friedlicher und demokratischer Grundlage ist.

Anfang dieses Jahres wurde auf der Berliner Konferenz kein Abkommen über die freien gesamtdeutschen Wahlen erzielt. Jetzt haben sich im Zusammenhang mit dem Scheitern der Pläne zur Schaffung der EVG neue Möglichkeiten ergeben, die Stellungen der Mächte einander anzunähern. Die UdSSR drückt ihrerseits die Bereitschaft aus, auch die früher von den Teilnehmern der Berliner Konferenz gemachten Vorschläge zur Frage der gesamtdeutschen Wahlen zu erörtern.«

Die Sowjetnote an die Westmächte vom 23. Oktober 1954 wendet sich gegen die Beschlüsse der Londoner Konferenz, wonach Deutschland im Rahmen des Atlantischen Bündnisses eine Armee von 500.000 Mann erhalten soll:

»Im Falle der Verwirklichung dieser Beschlüsse wird Westdeutschland nicht mehr als friedliebender Staat betrachtet werden können, was auf lange Zeit die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands unmöglich machen wird.

Die UdSSR schlägt eine Konferenz vor, die folgende Fragen zu prüfen hätte:

1. Wiederherstellung der deutschen Einheit auf friedlichem Wege und demokratischen Grundlagen. Durchführung gesamtdeutscher Wahlen.

2. Abzug der Besatzungstruppen aus Ost- und Westdeutschland.

3. Einberufung einer Konferenz zur Schaffung eines Systems der kollektiven Sicherheit in Europa.«

Erklärung der Regierung der UdSSR vom 15. Jänner 1955:

»Gegenwärtig gibt es noch ungenutzte Möglichkeiten zur Erreichung eines Abkommens in der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands unter gebührender Berücksichtigung der berechtigten Interessen des deutschen Volkes und über die Durchführung gesamtdeutscher freier Wahlen zu diesem Zweck im Jahre 1955. Solche Möglichkeiten sind vorhanden, wenn das Haupthindernis, das jetzt auf dem Wege zur Wiedervereinigung Deutschlands steht – die Pläne der Remilitari-

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sierung Deutschlands (West) und seiner Einbeziehungen in militärische Gruppierungen – beseitigt sein wird.

Das deutsche Volk muß durch Abhaltung allgemeiner freier Wahlen in ganz Deutschland – einschließlich Berlin – die Möglichkeit haben, seinen freien Willen zu äußern, damit ein einheitliches Deutschland als Großmacht wiedererstehe und einen würdigen Platz unter den anderen Mächten einnehme.

Bei den Wahlen müssen die demokratischen Rechte der deutschen Bürger gewährleistet sein. Das unter Berücksichtigung des Wahlgesetzes der DDR und BRD ausgearbeitete Wahlgesetz für diese Wahlen muß allen Wählern die Freiheit der Willensäußerung und jeder demokratischen Partei und Organisation die Freiheit der Wahlagitation in ganz Deutschland, wie auch die Freiheit der Aufstellung von Kandidaten und Wahllisten geben. Um ein Übereinkommen über die Durchführung dieser Wahlen zu erleichtern, hält es die Sowjetregierung für möglich, falls sich die Regierungen der DDR und der BRD damit einverstanden erklären, sich über die Einrichtung einer entsprechenden internationalen Aufsicht über die Durchführung der gesamtdeutschen Wahlen zu einigen.

Hierbei darf kein Teil Deutschlands durch Sonderabkommen über seine Teilnahme an militärischen Gruppierungen gebunden sein. Die Durchführung gesamtdeutscher freier Wahlen und die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands würden auch die notwendigen Voraussetzungen für den Abschluß eines Friedensvertrages mit Deutschland schaffen, der die Unabhängigkeit, Souveränität und Gleichberechtigung eines einheitlichen Deutschlands endgültig verankern würde. Der Friedensvertrag würde einem einheitlichen Deutschland auch das Recht geben, über eigene nationale Streitkräfte zu verfügen, die notwendig sind, um die Sicherheit Deutschlands und seiner Grenzen zu gewährleisten.«

Am 26. Juli 1955 spricht Nikita Chruschtschow als erster Sekretär der KP der UdSSR auf dem Marx-Engelsplatz in Ostberlin schon eine andere Sprache:

»Es ist klar, daß eine mechanische Vereinigung beider Teile Deutschlands, die sich in verschiedener Richtung entwickeln, eine unreale Tatsache ist. In der Situation, wie sie jetzt entstanden ist, ist der einzige Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands die Schaffung eines Systems der kollektiven Sicherheit in Europa, die Festigung der Entwicklung der wirtschaftlichen und politischen Verbindungen zwischen den beiden Teilen Deutschlands.

Man kann die deutsche Frage nicht auf Kosten der Interessen der DDR lösen. Wir sind davon überzeugt, daß sich die Werktätigen der DDR nicht mit einem Standpunkt einverstanden erklären können, der nur die Interessen der westlichen Länderregierungen zu Ungunsten der Interessen der DDR berücksichtigt. Kann die DDR damit einver-

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standen sein, daß sie in den Nordatlantischen Pakt und in die Westeuropäische Union einbezogen wird und daß auf ihre Schultern die Lasten des Wettrüstens abgewälzt werden? Können die Werktätigen der DDR auf die Beseitigung aller ihrer politischen und sozialen Errungenschaften, auf die Beseitigung aller ihrer demokratischen Umgestaltungen eingehe? Wir sind überzeugt, daß sich die Werktätigen der DDR niemals damit einverstanden erklären, einen solchen Weg zu gehen.«

Am 16. November 1955 macht Molotow den Westmächten das verhüllte Anbot, die Spaltung Deutschlands zu verewigen, um die Entspannung zu sichern; er sagte:

»Die Debatte hat gezeigt, daß die Frage der europäischen Sicherheit eine sehr wichtige Frage für die Völker Europas ist und daß ohne Lösung dieser Frage auch die deutsche Frage nicht gelöst werden kann. Sie hat zugleich gezeigt, daß selbst bei Vorhandensein zweier deutscher Staaten die europäische Sicherheit gewährleistet werden kann.«

Und im April 1956 – bei den in London stattgefundenden Geheimbesprechungen erklärte der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow zum englischen Premier Eden kurz und bündig:

»Deutschland darf niemals wiedervereinigt werden, denn die Sowjetunion würde die Wiedervereinigung Deutschlands als unmittelbare Bedrohung ihrer eigenen Sicherheit betrachten.«

Und etwas später erklärt er:

»Zu unseren Lebzeiten wird es eine Wiedervereinigung Deutschlands nicht geben.«

Womit in der Frage der Nicht-Wiedervereinigung Deutschlands, der Teilung Deutschlands die völlige Übereinstimmung der Politik der UdSSR mit den geheimen und offenen Wünschen der »Verbündeten« Deutschlands hergestellt ist.

Der russische Ministerpräsident Kossygin fasst zusammen

Es war offenkundig, daß die ganze Welt einschließlich der sogenannten Freunde und NATO-Verbündeten Deutschlands, dem deutschen Volke im Grunde feindlich gegenüberstand und seine Wiedervereinigung nicht wünschte. So konnte Kossygin bei seinem offiziellen Besuche in Frankreich im Dezember 1966 in einer offiziellen feierlichen Erklärung

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vor der französischen Presse in Paris sich offen zur Verweigerung der demokratischen Grund- und Menschenrechte für Deutschland und zur Ablehnung einer Wiedervereinigung bekennen:

»Die deutsche Bundesrepublik muß ein für allemal verstehen, daß keine Kraft der Welt die Existenz zweier deutscher Staaten beenden kann und wird. Die Unverletzbarkeit der bestehenden Grenzen sowie die Weigerung, der BRD Atomwaffen zuzugestehen, sind der Ausgangspunkt des umfangreichen Programmes … das die sozialistischen Länder ausgearbeitet haben.«

Diese ungeheuerliche Erklärung anläßlich eines offiziellen Staatsbesuches fand keinen Widerspruch bei den französischen Gastgebern.

Der »Daily Express«, London, begleitete diese Erklärung mit folgendem Kommentar:

»In der Entschlossenheit, die Teilung Deutschlands aufrechtzuerhalten, haben Frankreich und Großbritannien genau das gleiche Interesse wie die Sowjetunion. Alle drei Wächte sind entschlossen, die deutsche Einheit zu verhindern.«

Ein widerliches Spiel

Diese Haltung der NATO-Mächte ist ein gefährliches und widerwärtiges Spiel mit der Lebensfrage eines großen Volkes im Zeitalter des Selbstbestimmungsrechtes und der Entkolonialisierung.

Heute sieht das deutsche Volk noch apathisch, wenn auch angewidert, auf diese Haltung der angeblichen Bundesgenossen. Das geschlagene, gespaltene deutsche Volk hatte nach dem Zusammenbruch nur den einen fanatischen Willen, der furchtbaren Gefahr des Verhungerns zu entgehen, der es durch seine heutigen Verbündeten preisgegeben wurde, und sich aus der Not und dem unendlichen Elend, in die es seine heutigen Bundesgenossen stürzten, zu erheben und zu überleben. Dieser Wunsch beanspruchte alle seine Kräfte und machte es apathisch gegenüber der Würdelosigkeit, in die man es gestoßen hatte, in einem Staat zu leben, der keine Hauptstadt und keine festen Grenzen hat, dessen einzige Gemeinschaftsidee nur die Sorge um die nackte Existenz war.

Churchill spekulierte auf diese unpolitische, beinahe unnationale Grundhaltung des deutschen Volkes, als er die Parole ausgab:

»Wir müssen den Deutschen den heutigen Zustand vergolden, dann gewöhnen sie sich an ihn.«

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Wenn aber die NATO-Mächte, vor allem die USA und England, dieses abstoßende Spiel weiterspielen wollen, wenn sie die Teilung Deutschlands und damit seine nationale Entehrung verewigen wollen, wenn sie die tödliche Gefahr überhaupt nicht ernst nehmen, daß Deutschland einmal im Zeichen des Kommunismus vereint werden könnte, dann kann es wirklich eines Tages dazu kommen, daß eine spätere Generation, der die Erfahrungen der heutigen fehlen, sich lieber ehrenhaft mit der UdSSR als freier und wirklich gleichberechtigter Partner gegen England und den Westen verbündet, als ein dauernd niedergehaltenes, minderberechtigtes, verfemtes und gehaßtes Volk und ein im Grunde verachtetes Glied einer Pseudo-Gemeinschaft zu sein, ein Staat, dessen Bestand einzig darauf beruht, daß seinen übelwollenden Partnern derzeit die Macht und die Gelegenheit zu seiner risikolosen Vernichtung fehlen.

England und die USA sollten nicht so unbedingt sicher sein, daß Deutschland,

wenn es eines Tages in seinem trostlos aufreibendem Kampfe gegen den Haß des Westens müde werden sollte;

wenn es eines Tages an dem Erfolg seiner Bemühungen um die Freundschaft und eine echte Partnerschaft mit dem Westen verzweifeln sollte; wenn es eines Tages die Zweiteilung seines Landes und seine Verkrüppelung im Osten wegen Mangel an gutem Willen und wirksamer Unterstützung verewigt sehen sollte,

es dann schließlich nicht doch vorziehen wird, sich lieber im Zeichen des Sowjetsterns zu vereinigen, als sich mit der Verewigung der Zweiteilung und der verletzenden Behandlung durch den Westen abzufinden.

In einer öffentlichen Rede berichtete Bundespräsident Lübke (1960) über ein politisches Gespräch, das er geführt hatte:

»Kürzlich sagte die Gattin des peruanischen Staatspräsidenten zu mir: ›Bei allen unseren Besichtigungen fällt uns auf, wie reich Deutschland wieder ist, so kurz nach dem verlorenen Krieg. Es muß doch eine große Genugtuung sein, zu wissen, daß der größte Teil der deutschen Bevölkerung in gesicherter Wohlfahrt leben kann.‹

Ich antwortete ihr, ich sei voll überzeugt, daß unser Volk keinen Augenblick zögern würde, alles das, was Reichtum, Wohlfahrt und Sicherheit bedeutet, aufzugeben und von vorne wieder anzufangen, wenn damit Deutschlands Einheit und Freiheit wieder hergestellt werden könnte.«

(»FAZ« vom 9. März 1960 und »Neues Europa«, Heft Nr. 4, 1960, S. 49).

Und der große Freund Deutschlands und des deutschen Volkes, Sven Hedin, gab seiner festen Überzeugung Ausdruck, daß die Wieder-

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vereinigung Deutschlands auf die Dauer nicht zu verhindern ist. Noch wenige Monate vor seinem Tode (26. November 1952) sagte er:

»Die Wiedervereinigung Deutschlands erfolgt mit elementarer Wucht, bedingt durch die Schwerkraft der Geschichte. Sie kann auf die Dauer durch nichts verhindert werden. Dies setzt aber voraus, daß die Deutschen ruhig in die Zukunft schauen und dieser Stunde mit Geduld entgegensehen, selbst wenn sich bis dahin die Teilung Deutschlands noch sogar verschärft.«

Findet Frankreich zu Deutschland?

Aus der wachsenden Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich scheint sich eine echte deutsch-französische Freundschaft zu entwickeln und damit auch in der französischen Politik die Einsicht in die Notwendigkeit der Wiedervereinigung Deutschlands einzustellen.

Nach einem Bericht von Alfons Dalma (»Die Presse«, Wien, 30. Juni 1962, S. 3) sprach der französische Ministerpräsident Georges Pompidou in einem Interview, das er Dalma Ende Juni 1962 gewährte, die bedeutsamen Worte:

»Es gibt vielleicht Menschen in Europa und auch anderswo, die sich von den Vorstellungen der Vergangenheit nicht ganz freimachen und nicht verstehen können, daß Frankreich in der Wiedervereinigung Deutschlands ein echtes weltpolitisches Ziel der freien Welt sieht. Das ist eine Frage, in der moralische und realistische Motive zu einer einzigen politischen Wirklichkeit zusammenfließen.

Europa braucht Deutschland, ein Deutschland, das eine Seele hat, das an sich selbst und an seine nationale Zukunft glaubt. Würden wir es in seinen legitimen nationalen Ansprüchen und Bestrebungen, in seiner Forderung nach Selbstbestimmungsrecht und damit nach Einheit, nicht unterstützen, würde die freie Welt es der moralischen Verzweiflung preisgeben. Wir würden damit die Deutschen zu den Geiseln des Westens und des Ostens degradieren, sie an der Erfüllung ihrer nationalen Existenz hindern und früher oder später veranlassen, auf die andere Seite umzufallen.«

Aus der Rede des französischen Staatspräsidenten De Gaulle beim Abschluß des Besuches des deutschen Bundeskanzlers Adenauer (Juli 1962):

»Heute ist die Vereinigung Europas nach wie vor für Frankreich und Deutschland zugleich ein grundlegendes Ziel. Das Wunder unserer Länder (Frankreich und Deutschland) besteht aber darin, daß beide

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Länder verzichtet haben, es gegeneinander durchzusetzen, sondern im Dienste an diesem Ziel eine gemeinsame Aufgabe erblicken. Der Nutzlosigkeit ihrer Kämpfe (gegeneinander) bewußt geworden, haben Frankreich und Deutschland entdeckt, daß sie sich mit ihren Gebieten, mit ihrer Arbeit und mit ihrem nationalen Genius ergänzen. Sie haben eingesehen, daß ihre Vereinigung eine europäische Organisation der Politik, der Wirtschaft, der Kultur und der Verteidigung ermöglicht, die außer Italien, Holland, Belgien und Luxemburg umfaßt und uns hoffen läßt, daß auch andere, besonders England, sich ihr eines Tages anschließen …«

Der große Irrtum: Bei der Welthetze gegen Deutschland geht es nicht um den Nationalsozialismus, den es heute nicht mehr gibt; es geht um Deutschland und das ganze deutsche Volk!

Man muß sich an den Kopf greifen und sich fragen, was wohl in den Köpfen jener Deutschen vor sich gehen mag, die sich – sei es aus wirklichem Haß gegen den vergangenen Nationalsozialismus oder weil es persönliche Vorteile bringt – am Haßfeldzug des Auslandes aktiv beteiligen und in den Chor der Haß- und Hetzapostel einstimmen. Diese Deutschen sind so kurzsichtig – um es nicht schärfer und besser auszudrücken – daß sie glauben, daß es in diesem Kampfe nur gegen den Nationalsozialismus geht und daß die Welt zwischen dem deutschen Volke von gestern und heute, zwischen den ehemals nationalsozialistischen und den heute nicht-nationalsozialistischen Deutschen auch nur den geringsten Unterschied macht.

Der Kampf der Welt richtet sich am wenigsten gegen den Nationalsozialismus. Churchill selbst bekannte freimütig, daß sein Krieg gegen Deutschland geführt werden und geführt werden müsse, gleichgültig, ob dieses Deutschland von Hitler oder von einem Jesuitenpater geführt werde.

Weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg ging der Kampf gegen die Führung oder die Staatsform Deutschlands; er ging gegen das deutsche Volk als solches in seiner Gesamtheit. Die Hetze gegen das deutsche Volk richtete sich genau so gegen das monarchistische, wilhelminische Deutschland,., wie dann gegen das nationalsozialistische. Das monarchistische Deutschland wurde, nicht weniger erniedrigt, aus-

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gehungert, ausgeplündert, zerstückelt und zerschlagen, wie später das nationalsozialistische Deutschland.

Die Ausrede auf den Nationalsozialismus, daß sich der Zweite Weltkrieg nur gegen Hitler richtete, stimmt nicht.

In seiner Rundfunkansprache an das britische Volk am 3. September 1939 bekannte Churchill offen:

»This is Britains war. It is not to defeat the German Government, but to destroy Germany.« – »Dieser Krieg ist Englands Krieg. Es geht nicht darum, die deutsche Regierung zu schlagen, sondern Deutschland zu zerstören.«

Im Jahre 1940 erklärte Churchill als neuernannter Ministerpräsident:

»Ich führe keinen Krieg gegen Hitler, sondern ich führe einen Krieg gegen Deutschland.«

Und bei Kriegseintritt der USA sagte Churchill (Dezember 1941):

»Das ist das Ziel, von dem ich geträumt, das ich ersehnt und auf das ich hingearbeitet habe, jetzt ist es Wirklichkeit geworden.«

Der amerikanische General Wood gab vor dem außenpolitischen Ausschuß des USA-Senates im Februar 1941 folgende Erklärung ab:

»Winston Churchill sagte zu mir im Verlaufe einer Unterredung, die ich mit ihm im Jahre 1936 hatte, wörtlich: ›Deutschland wird zu stark, wir müssen Deutschland vernichten.‹«

Und am 11. Jänner 1939 erklärte Churchill bei einem Frühstück:

»Wir werden mit Deutschland Krieg führen. Während zweier fahre werden wir hübsche Massaker haben.« (Laut »Action Française« vom 29. Juli 1944.)

Man mag zum Nationalsozialismus stehen wie man will, das ist eine innerdeutsche Angelegenheit. Aber sich mit dem Ausland, mit den Todfeinden des deutschen Volkes und Deutschlands in eine Kampffront zu stellen, das darf ein Deutscher nicht.

Abgesehen davon, daß der Kampf gegen die Lügenpropaganda ein Kampf für die Wahrheit und das Recht ist, der aus sittlichen Gründen unter allen Umständen geführt werden muß, wer immer dadurch geschützt wird, ist dieser Kampf kein Kampf für den Nationalsozialismus und die Verteidigung gegen Lüge und Verleumdung keine Verteidigung des Nationalsozialismus. Dieser Kampf und diese Verteidigung ist vielmehr eine Lebensfrage, eine Frage auf Leben und Tod für Deutschland und das deutsche Volk.

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Konnte man während des Zweiten Weltkrieges – bei entsprechender Beschränktheit – noch annehmen, daß der Kampf nur dem Nationalsozialismus, nicht aber Deutschland gelte, so ist diese Annahme heute niemandem mehr erlaubt; denn die Wirkungen und Auswirkungen der Haßpropaganda von heute treffen nicht die Nationalsozialisten von gestern, die es heute gar nicht mehr gibt, sondern Deutschland und das deutsche Volk von heute und morgen.

Wer heute den Haßfeldzug gegen Deutschland unterstützt, muß wissen, daß er damit nicht mehr den überwundenen und vergangenen Nationalsozialismus, sondern das heutige Deutschland und das ganze deutsche Volk von heute – ohne Unterschied trifft.

Was immer in der Vergangenheit geschehen sein mag: auch der wütendste und eingeschworenste und leidenschaftlichste Hasser des Nationalsozialismus darf sich von seinem Bruderhaß nicht so weit verblenden lassen, daß er diese offenkundige Tatsache nicht erkennt. Und dann noch eins, das gleichermaßen für alle Deutschen aller politischen Richtungen und Anschauungen, aller Religionen und Konfessionen gilt: Wer sich nicht zu seinem Volk und seiner Vergangenheit – was immer in der Vergangenheit auch geschehen sein mag – bekennt, verliert damit sein Gesicht als Deutscher. Man mag das hinter uns liegende NS-Regime noch so sehr hassen, so müssen wir Deutsche – bei aller Härte und Selbstkritik innerhalb unserer eigenen vier Wände – doch alle ohne Unterschied uns vor der ganzen Welt rückhaltlos und freimütig zu unserem deutschen Volke in der Gegenwart und Vergangenheit bekennen, wenn anders wir nicht jeden Anspruch und jedes Recht auf die Zukunft dieses unseres deutschen Volkes verlieren und verwirken wollen.

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