Das entmündigte Volk

Verdient das deutsche Volk eigentlich etwas anderes als die korrupte Viererbande? Ist die Viererbande nicht nur ein Spiegelbild ihres Volkes?

Die Deutschen sind ein ängstliches, anpasserisches, dem jeweiligen Zeitgeist und den jeweiligen Mehrheiten hinterher hechelndes Volk, kurz, noch immer der idealtypisehe Prototyp einer leicht manipulierbaren Masse. Zivilcourage war nie seine Stärke. Mit vorne dabeisein ist alles, egal wie. Wir leben in einer Egal-Wie-Zeit. Nach uns die Sintflut.

Aber wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, der wird bald Witwer, so lehrte schon Kierkegaard; denn der Zeitgeist ist ein flüchtiges Phänomen.

Dazu Alexis de Tocqueville in einer zeitgenössischen Übersetzung: »Da sie (die Leute) die Absonderung mehr als den Irrthum fürchteten, so gesellten sie sich zu der Menge, ohne wie diese zu denken. Was nur die Ansicht eines Theiles der Nation noch war, schien auf solche Weise die Meinung aller zu sein und dünkte eben deshalb diejenigen unwiderstehlich, die ihr diesen trügerischen Anschein gaben.« Auf hier und heute übertragen: Niemand soll glauben, daß die Medien der Viererbande oder von ihr bestellte Umfragen die wahre Meinung im Volke wiedergeben. Der Viererbande taktisch nach dem Munde redend, hat der Deutsche wieder einmal seinen Tarnanzug angelegt. Er wartet immer zorniger darauf, daß sich der Wind dreht - und viele Mitläufer des letzten Zeitgeistes als Witwer in den Annalen der Geschichte zurückläßt.

Wer ist da eigentlich Täter, wer Opfer, wenn die Opfer es den Tätern so leicht machen? Viktomologie nennt man dieses Phänomen in der Kriminologie. Wenn die Medien dem deutschen Volk suggerieren, sie seien ausländerfeindlich, dann glaubt man es und nimmt Demutshaltung ein, läßt sich wie zu NS-Zeiten zu Hunderttausenden in gespenstischen Fackelaufmärschen (sprich: Lichterketten) auf die Straße schicken - puppets on strings. Heuchlerische Bekenntnis- und Betroffenheitsrituale haben sich verbreitet. Natürlich ist es entsetzlich, wenn Türkenhäuser von jugendlichen Rowdies »abgefackelt« werden oder eine schwangere Negerin verprügelt wird. Aber dies ist in jeder Großstadt der USA das alltägliche Tagesgeschäft, kaum eines Vierzeilers auf der letzten Seite wert. Tagtäglich werden auch Palästinenser von mosaischen Juden auf offener Straße hingestreckt; man erinnert sich an die Massaker von Beirut und Hebron. Kurden werden von Türken in der Türkei ungleich schlimmer verfolgt und dahingerafft als Türken durch Deutsche in Deutschland.

Im übrigen: Wer berichtet eigentlich über die Deutschen, die täglich in Deutschland von Türken, Nordafrikanern, Italienern, Jugoslawen, Rumänen etc. ermordet, beraubt, betrogen oder erpreßt werden (siehe Seite 21 ff.)? Im Gegenteil. Diese Ausländerdelikte sollen, so die »Ausländerbeauftragte« Schmalz-Jacobsen (FDP), Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Heiner Geißler (CDU), möglichst nicht gesondert statistisch ausgewiesen werden. Nur nicht transparent machen, was für das Volk tatsachengetreu meinungsbildend sein könnte. Verschweigen, verharmlosen, unter den Teppich kehren. Zwischenfälle gegen Türken aber werden von den Medien gezielt instrumentalisiert, um die Deutschen gefügig zu machen, sie in die Knie zu zwingen. Sie sollen sich schlecht fühlen. Jeden Morgen sollen sie nach dem Aufstehen in den Spiegel schauen und vor sich selber erschaudern, vor der verborgenen Bestie im latent bösen Deutschen. Apropos, der böse Deutsche. Ein bevorzugtes Disziplinierungsmittel der Medien sind in der Tat Berichte über die Meinung des Auslands über die bösen Deutschen. Jeden Tag eine giftige Dosis Auslandskritik. Als sei es für ein selbstbewußtes, in sich ruhendes Volk nicht »piepenhagen«, ob es einem anderen Volk X, Y oder Z gefällt oder nicht, als müsse ein Volk nicht das tun, was es nach seinem Willen zu tun hat. Punktum. Gestalten, nicht jammern, ist das Gebot der Stunde.

Dies alles hat nichts mit dem dümmlichen Geschwätz zu tun, das deutsche Volk dürfe nicht zum »ewig gestrigen« Nationalismus zurückkehren. Es geht um das Selbstbestimmungsrecht eines Volkes. Es geht schlicht und einfach um sein psychisches Wohlbefinden, um seine Würde und seine Selbstachtung, die in einer mafiosen Lobbykratie mit Füßen getreten wird. Eine politische Führung, die ihrem Volk dient, statt an ihm zu verdienen, wird alles tun, um dem eigenen Volk zu Würde und Selbstachtung zu verhelfen, und sie ihm nicht vorenthalten; denn sie sind untrennbar verbunden mit seiner Identität. Andererseits ist ein Volk, das seine weitgehende Entmündigung durch eine korrupte Oligarchie zuläßt, indem sie diese Oligarchie auch noch wählt und ihr damit eine demokratische Scheinlegitimität verschafft, selbst korrupt. Dies ist das eigentliche Vergehen des deutschen Volkes. Die Konsequenz kann nur heißen: Wählt nicht die Viererbande! Wählt keine andere Partei, die sich nicht verbindlich verpflichtet, statt der real existierenden Lobbykratie eine rechtsstaatliche Demokratie in Deutschland einzuführen, eine plebiszitäre Demokratie, die nicht nur in dem gegenwärtigen Etikettenschwindel besteht, sondern mindestens in den wichtigen Lebensfragen eines Volkes dessen unmittelbare Entscheidung einholt und respektiert. Stellt Euch vor, morgen ist Wahltag und keiner geht hin! Gibt es eine bessere Desavouierung der Bonner Clique?

Die Viererbande spielt seit jeher mit den Ängsten der Deutschen; denn sie weiß, Ängste machen gefügig und korrupt. Viele Deutsche scheinen gar an »Neopathie«, der Angst, die neueste Angst verpassen zu können, zu leiden, selbst wenn diese Angst »Germanophobie«, die Angst vor dem eigenen Deutschland, heißt. »Die Deutschen hassen sich selbst«, zitierte Heinrich Albertz in seinem letzten Gespräch einen englischen Journalisten. Das Wort Schuld sei ein deutsches Wort. Die »linke« »Intelligenz« definiere ihre deutsche Identität über den Selbsthaß und habe deshalb ein neurotisches Verhältnis zum Deutschsein. Und Selbsthaß, dies ist eine Binsenweisheit, macht bekanntlich aggressiv.

Just say no! Sagt nein, wir lassen uns nicht mehr benutzen. Nein, wir lassen uns nicht mehr manipulieren. Auch wenn unsere Stimme in der Bananenrepublik Deutschland nichts zählt, die Viererbande benötigt sie dennoch. Die einzige Macht, die die ansonsten machtlosen Deutschen haben, ist, solange sich keine andere Partei eindeutig zu einer Demokratie mit starken plebiszitären Elementen bekannt hat, die Macht des Wahlboykotts. Deshalb, sagt nein!

Die Waffe gegen die Angst heißt Skeptizismus. Mißtraut der Neusprache der Viererbande und ihrer Medien, mißtraut ihren Versprechungen, ihren Einflüsterungen und Drohungen! Entschlackt Eure verkalkten Gehirne!

Mißtraut Euren eigenen Handlungen; denn sie könnten fremdbestimmt sein. Die vermeintliche Großzügigkeit mancher Deutscher ist nur eine sublime Form von Narzißmus, die Sucht, sich selbst zu gefallen. Diese Gefallsucht wird bei entsprechend prädisponierten, leicht manipulierbaren Menschen bevorzugt benutzt, um sie zur Tolerierung gemeinschaftssehädlicher Sonderinteressen zu bewegen.

Eine besonders unkritische, unskeptische Bevölkerungsgruppe sind die heute Zwanzig- bis Vierzigjährigen, doktrinäre Opfer der desillusionierten, gescheiterten 68er Generation, die sich seinerzeit auf den Weg durch die Institutionen machte und deren Anhänger oft als Lehrer landeten. In den Schulen fanden sie leicht knet-, manipulier- und verformbares Menschenmaterial vor. Die Saat ist nun aufgegangen. Bedenkenlos werden gerade in dieser inzwischen herangewachsenen Gruppe nichtssagende Worthülsen wie »rechtsextrem«, »rechtsradikal«, »nationalistisch«, »chauvinistisch«, »ewig gestrig«, »rückständig« etc. benutzt, um Andersdenkende von vornherein zu stigmatisieren. Diejenigen, die diese »Leer«formeln benutzen, sind die wahren Reaktionäre. Sie sind die verbalen Gewalttäter.

Bedenkenlos wird, wenn man Diskussionen wie »Live aus dem Schlachthof« als repräsentativ ansieht, aus dieser Altersgruppe heraus gefordert, bestimmte nationale Denkweisen über die Medien nicht zu Gehör zu bringen, also antidemokratische Zensur auszuüben. Die Zensur wird in der Weise verbrämt, daß man den »Rechten« oder »Rechtsradikalen« »kein Podium« oder »keine Plattform« bieten wolle. Sie!

Keine Altersgruppe scheint abweichende Meinungen, die mit ihrer eigenen Doktrinierung und Programmierung im Konflikt stehen, weniger aushalten zu können als die durch die 68er manipulierte Gruppe der zwanzig- bis vierzigjährigen Hohlköpfe, Sprücheklopfer und Tabufetischisten. Es ist die Arroganz der Ignoranz, die sich darin manifestiert. Zensieren statt diskutieren, selektieren statt integrieren, ins Abseits stellen statt einbeziehen. Alles das, Ihr verkalkten Hirne, produziert erst Revanchismus, den es zu vermeiden gilt.

Apropos! Sind die jungen aufbegehrenden und zuweilen ausrastenden Glatzköpfe wirklich so anders, als es die 68er waren, die mit ihrem idiotischen Ho-Ho-Ho-Chi-Ming-Gesehrei den Ku-Damm oder andere Straßen Berlins blockierten, in der Freien Universität Berlin Andersdenkende niederschrien und verprügelten, später als radikaler Ableger »Rote-Armee-Fraktion« serienweise Menschen umlegten oder tatsächlich den Marsch durch die Institutionen antraten und als Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen (Scharping, Schröder), stellvertretender Ministerpräsident Hessens (Joschka Fischer) oder Stadtkämmerer in Frankfurt am Main (Koenigs) endeten, aber nur zwei Jahrzehnte früher, so Koenigs, noch Wände beschmierten? Heute sind die früheren Rabauken oder Aufbegehrer Establishment und regieren geradeso wie das einst so von ihnen geschmähte Establishment zu ihren Zeiten, mit extremen Repressionen gegen andersdenkende Jugendliche, die ihnen intellektuell aus dem Ruder gelaufen sind, durch politische Schauprozesse, faktische Meinungsmanipulation und massive Erzeugung von Pogromstimmung durch die der Viererbande servil ergebenen Medien. Nichts hat sich geändert. Im Gegenteil! Die 68er sind angetreten, eine humanere, sozialere Gesellschaft zu schaffen. Sie haben das Gegenteil bewirkt. Deutschland ist heute ein von Kriminalität und Korruption zerstörtes und damit zutiefst asoziales, inhumanes Land. Deutschland weist eine zutiefst unsoziale Massenarbeitslosigkeit auf, mitverursacht durch eine unverantwortliche Tarifpolitik der Gewerkschaften, in die die 68er auf ihrem Marsch ebenfalls gezielt eintraten. Die 68er haben dies alles nicht nur zugelassen, sondern gefördert, getreu der leninistischen Devise, daß alles zunächst zerstört sein muß, um dann, wie Phoenix aus der Asche, in einem revolutionären Prozeß anders und neu entstehen zu können. Nun, der revolutionäre »Showdown« scheint näher zu kommen. Möglicherweise führt nur eine künftige Revolution anderswohin, als es sich die feisten, saturierten 68er-Oldies einmal vorgestellt haben.

»Die Schamverletzungen, die die anarchofidele Erst-Jugend um 1968 beging, sind nun von rechts beerbt worden.

Die neuen Jugendlichen tun zunächst nichts anderes als die ihr vorausgegangene Generation - sich großtun, Initiation betreiben durch Tabuzertrümmerung«, so zutreffend Botho Strauss. Bleibt zu hoffen, daß uns wenigstens die Glatzköpfe als zukünftige Kanzler, Ministerpräsidenten oder Minister erspart bleiben werden, wenn wir schon »mangels Alternative« mit den Scharpings, Engholms, Schröders, Fischers, Möllemännern und Lafontaines leben müssen bzw. mußten.

Die Viererbande spielt in dem bereits laufenden Wahlkampf, wie gehabt, virtuos auf der Klaviatur der Angst, um sich nochmals die Stimmen des Volkes zu sichern. Für sie ist Schirinowskij der beste Wahlhelfer, den sie überhaupt erhoffen konnte.

Für die Deutschen gilt es zu erkennen, daß das Volk jetzt die historische Chance hat, seine Würde und Selbstachtungwiederzufinden, indem es sich nicht mehr einschüchtern läßt und souverän entscheidet, nicht oder, soweit überhaupt möglich, anders zu wählen, bis in Deutschland die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, Volkesstimme in reale Politik umzusetzen. Nur ein Boykott, die Viererbande zu wählen, führt zur Änderung der Verhältnisse, vorenthält einer omnipotenten, omnipräsenten Clique die von ihr dringend benötigte und mißbrauchte Scheinlegitimität.

Alle scheindemokratischen Regime dieser Erde benötigen die Wählerstimmen des Stimmviehs; denn ohne sie wird offenbar, was sie nach dem Empfinden der Völker tatsächlich sind, de-Facto-Diktaturen, im Falle Deutschlands oder der USA Diktaturen des Geldes (»Money monarchies«).

In dem laufenden Wahlkampf werden die Parteien der Viererbande möglicherweise ein sogenanntes Fairneßabkommen vereinbaren. In der Bonner Neusprache heißt dies: In dem Kampf um die Absicherung und Verteidigung unserer Pfründe schließen wir uns nicht nur de facto, sondern sogar vertraglich zusammen, um uns gemeinsam den begehrlichen Avancen aller anderen Parteien zu erwehren.

Es gibt keine Demokratiemüdigkeit des deutschen Volkes. Niemand sollte sich dies suggerieren lassen. Die Deutschen wollen nicht die Abschaffung von Demokratie, sondern Selbstbestimmung und damit die Beendigung ihrer Entmündigung.

Die direkte Demokratie des Volkes wurde seit jeher von der herrschenden Bonner Oligarchie dämonisiert, wobei der Dämon meistens das eigene Volk war. Ihm wurde mißtraut. Nachgerade hysterisch reagierte man auf Überlegungen, dem Volk das Recht zur Selbstbestimmung zu gewähren. So auch Theodor Heuss (FDP), späterer Präsident der Bundesrepublik Deutschland, im Parlamentarischen Rat: »Ich warne davor, mit dieser Geschichte die künftige Demokratie zu belasten ... Das Volksbegehren, die Volksinitiative, in den übersehbaren Dingen mit einer staatsbürgerlichen Tradition wohltätig, ist in der Zeit der Vermassung und Entwurzelung, in der großräumigen Demokratie die Prämie für jeden Demagogen und die dauernde Erschütterung des mühsamen Ansehens, worum sich die Gesetzgebungskörper, die vom Volk gewählt sind, noch werden bemühen müssen ... « Entlarvender kann Sprache kaum sein. Es wird nicht nur, wie üblich, das Mittel der Einschüchterung benutzt und der Popanz des Demagogen als Abschreckung bemüht, auch die Entwurzelung des Volkes und mangelnde staatsbürgerliche Tradition mußten herhalten, um dem Volk sein Selbstbestimmungsrecht zu verwehren. Was immer Herr Heuss mit »staatsbürgerlicher Tradition« gemeint haben mag, er könnte es den Bürgern der »alten« Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1994 wohl kaum mehr absprechen.

Anders verhält es sich freilich mit der Entwurzelung des deutschen Volkes. Es ist entwurzelt wie eh und je! Fast hat es den Anschein, die Viererbande täte alles, diesen Zustand aufrechtzuerhalten, um so auf machiavellistisehe Weise dem Volk ad infinitum das Selbstbestimmungsrecht vorenthalten zu können. Catch 22.

Das einzelne Volkssubjekt hat in einer Demokratie nur seine Stimme, aber diese kann machtvoll sein, wenn sie nicht verschleudert wird. Was aber tun die Deutschen, wenn sie sie nicht gerade wieder einmal an die Viererbande vergeuden? In Hamburg wurde eine seinerzeit noch programm-, konzept-, kompetenz- und konturlose Partei namens »Statt-Partei« von ausgerasteten Wählern über die 5 %-Hürde gehievt und sogleich von dem listigen Voscherau (SPD) vereinnahmt. Sind die Deutschen noch zu retten? Wie soll man einem Volk bedeutende Sachentscheidungen im Rahmen einer plebiszitären Demokratie anvertrauen, wenn es bei anderer Gelegenheit sogar Mickey Mouse zu wählen bereit ist? »Das Volk ist nicht reif für die wahre Demokratie«, sagt die Viererbande. Ein Teil der Hamburger Wähler hat ihr den Beweis dafür bereits frei Haus geliefert.

Es gab und gibt bereits plebiszitäre Elemente in Deutschland. Artikel 29 GG war eine solche Vorschrift, bis sie durch die Viererbande abgeändert wurde, weil ihr ein Votum der oldenburgischen Bevölkerung nicht in den Kram paßte. Die Direktwahl der Bürgermeister in Hessen wurde im Jahre 1991 durch eine Volksabstimmung durchgesetzt. In Baden-Württemberg kann das Gemeindevolk wichtige Entscheidungen durch Bürgerbegehren und Bürgerentscheid an sich ziehen. Genauso ist zu verfahren, wenn es um wichtige Entscheidungen der Nation als Ganzes geht. Die Viererbande würde sich wundern, wie schnell das Volk dann den Saustall ausmisten würde. Deshalb verbarrikadiert sie sich in einer Weise, daß selbst Norbert Blüm (CDU) in der eigenen Partei »festungsähnliche Zustände« entdeckte. Deshalb flüchtet sie in die EU, anstatt ihrem eigenen Volk entgegenzugehen.

Die bisher machtvollste Demonstration direkter Demokratie gab es jedoch keineswegs in Westdeutschland, sondern im Osten der neuen Nation. »Wir sind das Volk!« skandierten die mutigen Leipziger, und in Berlin formierte sich der runde Tisch.

Die Einheit Restdeutschlands ist nicht den Herren Bush und Baker zu verdanken, die Kohl Ende Januar 1994 mit Bonner Orden bedachte, die Grundlage für die Einheit Deutschlands wurde von den Leipzigern im Wege direkter Demokratie erstritten. Kohl und Genscher, Repräsentanten der volksfernen Lobbykratie, hängten sich zu einem Zeitpunkt an die Bewegung an, als sie merkten, daß der Zug ohnehin nicht mehr aufzuhalten war. Dennoch fürchten sie allem Anschein nach die direkte Demokratie im Grunde genauso wie das SED-Regime. Man stelle sich nur vor, direkte Demokratie könnte eines Tages gegen sie ausgeübt werden! Tatsächlich war Leipzig nicht nur Trauma für das SED-Regime, sondern mutmaßlich auch für die Viererbande. Es war nur die Gunst der Stunde, daß die SED-Clique die Macht des Volkes vor der Bonner Clique zu spüren bekam. Von zwei verrotteten Systemen brach lediglich das schlimmere früher zusammen. Aber Leipzig ist wiederholbar. Wir sind das Volk! Nicht nur in Leipzig, sondern überall in Deutschland.

Um die Unruhe, die Aufbruchstimmung im Volk zu dämpfen, gleichzeitig aber die Demokratisierung der Gemeinschaft weiter zu torpedieren, wirft man ihm mit der möglichen Volkswahl des Präsidenten einen Köder hin, damit vergessen machen wollend, daß das Volk auch damit kein Jota mehr an Einflußmöglichkeit auf Sachentscheidungen erlangt. Im übrigen ist momentan der po"tisch kastrierte Präsident neben dem Power-house Bundeskanzleramt unnütz wie ein Kropf, mit der Volkswahl würde er andererseits mehr demokratische Legitimität als der Kanzler erlangen, der nicht durch das Volk, sondern nur durch das Parlament gewählt wird. Ein Verfassungs- und Machtkonflikt wäre vorprogrammiert. Was also wollt Ihr tun? Wollt Ihr weiterhin nur auf Besserung hoffen?

Das »Prinzip Hoffnung« ist ein trügerischer Gott. Hoffnung ist wie die religiöse Hingebung passiv und hat eine starke irrationale Komponente. Für einen kranken Menschen kann Hoffnung positiv bedeuten, daß er sich noch nicht aufgegeben hat. Für eine kranke Gesellschaft ist die Beschwörung des Prinzips Hoffnung zur Genesung völlig unzureichend, ja kontraproduktiv. Es reicht nicht aus, zu hoffen, daß die Viererbande freiwillig auf ihre Pfründe verzichten und aktiv mitwirken wird, das eigene Volk aus seinem Zustand der Entmündigung zu befreien. Die Vergangenheit hat erwiesen, daß diese Hoffnung unrealistisch ist. Nicht passives Hoffen, sondern aktive Umgestaltung ist erforderlich. Nicht die Flucht nach innen, sondern der zornige Aufbruch zu neuen Ufern.

Stellt Euch also vor, Deutschland gehörte Euch, dem Volk, nicht dem in- und ausländischen Kapital und seinen willfährigen Lakaien. Dies ist Euer Land. Was wollt Ihr damit tun?

Wollt Ihr es, und damit Euch selbst, fremden Mächten, Oligarchien und Bürokratien überlassen, oder wollt ihr selbstbestimmt in die Zukunft gehen? Wollt Ihr, daß Eure Stimme etwas zählt? Wollt Ihr in einer von Korruptionen dahinsiechenden Totgeburt namens Europäische Union vegetieren oder in einem souveränen, friedfertigen Land Eurer Vorväter leben? Wollt Ihr in einer von Kriminalität, Umweltzerstörung und Minderheitsinteressen zerstörten Gesellschaft vegetieren oder in einer demokratischen, rechtsstaatlichen, ökologischen und homogenen Solidargemeinschaft leben? Wollt Ihr, daß Eure Kinder wie Billardkugeln von übermächtigen Wirtschaftsinteressen herumgestoßen werden oder daß sie selbst das Queue in der Hand halten?

Quousque tandem? Wie lange noch wollt Ihr Eure Entmündigung akzeptieren? Quod licet Jovi, non licet bovi?! Ist es nicht an der Zeit, das Schlachtviehdasein aufzugeben? Ihr seid das Volk! Ihr seid Jupiter! Ihr seid die höchste demokratische Instanz, wenn Ihr es wollt!


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