ZIONISTEN ALS ANKLÄGER
DER FALL WIESENTHAL/WIEN
| "Du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld tragest." |
| (3. Moses 19, 17) |
Stets befanden sich die Anhänger der zionistischen Richtung in der Minderzahl; die besten Söhne des Judentums standen dem Zionismus fremd, ja manchmal feindlich gegenüber. Der überwiegende Teil des Judentums in der ganzen Welt betrachtet Israel nicht als seinen Staat. Für den Nichtzionisten war es nach der Gründung des Staates Israel selbstverständlich, daß er blieb, wo er war. Die Diasporazionisten hingegen mußten nun Farbe bekennen; denn jetzt existierte ja ihr ersehnter, ihr propagierter, ihr erkämpfter Staat! Wenn ihr Streben ehrlich gewesen war, so mußten sie nunmehr in das Land ihrer Väter auswandern!
Aber die Masse der Diasporazionisten - namentlich der führenden - zog nicht nach Israel, sondern zog - es vor, weiterhin rein platonisch dem Zionismus zu huldigen. Dabei ist es für den Staat Israel lebenswichtig und durch keine Unterstützung zu ersetzen, daß alle Zionisten kommen.
So entstand die erste Kluft zwischen Diasporazionismus und Israel. David Ben Gurion, der Veteran des praktischen aggressiven Zionismus, forderte die Auflösung aller zionistischen Parteien der Diaspora und nannte ihre Anhänger Heuchler und Schädlinge Israels. Die pseudozionistischen Führer jedoch, die das warme Diasporanest mit all seinen Segnungen nicht verlassen möchten, sehen sich in die Enge getrieben und glauben deshalb, sich noch israelischer als die Israelis selbst gebärden zu müssen, um ihre Existenzberechtigung unter Beweis zu stellen. Wer es indes wagt, diesen nicht mehr daseinsberechtigten Zionismus abzulehnen, wird als Antisemit abgetan.
Die heutigen in der Wahlheimat verbliebenen Zionisten betrachten sich als Vertreter des Judentums, indem sie einfach Zionismus und Judentum gleichsetzen.
In unseren Tagen nun treten die Gegensätze zwischen Zionisten und Nichtzionisten schärfer als vor der Gründung des Staates Israel hervor; denn ein Diasporazionist muß ja Israel vor dem Land, in dem er lebt, den Vorrang geben. Dies kann unter Umständen Konsequenzen nach sich ziehen, angefangen von belanglosen Verstößen gegen das Gesetz seiner Wahlheimat bis zum Vaterlandsverrat.
1952 erließ das Israelische Parlament ein Gesetz, das der zionistischen Weltorganisation erlaubte, gewisse Dienste für de Staat Israel innerhalb anderer Nationen auszuführen, in denen der Staat Israel selbst nicht so, wie er möchte, agieren kann. 1954 wurde dieses Gesetz in einen "Bund" aufgenommen und vom Vertreter der Israelischen Regierung wie von Führern der zionistischen Weltorganisation unterzeichnet. Braucht es noch anderer Beweise, daß Zionisten in den "Galuth"-Ländern zu Befehlsempfängern degradiert wurden? Daher ist es vollkommen richtig, wenn Richard Korn, der Präsident des Rates der amerikanischen Juden, vor kurzem folgenden Kommentar zum Zionismus gab: "Zionismus ist eine Bewegung innerhalb des Judaismus. Er ist eigentlich der Feind des Judaismus; denn wenn man Religion (Philosophie und Ethik) zu einer Sache der Politik macht, kann man leicht die Religion damit zerstören."
Zion, das Traumbild von Generationen, ist Realität geworden. Der Staat Israel steht da mit seinen Interessen, mit seinen Erfordernissen. Da nützt kein noch so schlaues Jonglieren mit zionistischen Bällen. Ein Beispiel: Bekanntlich drohten die USA im traurigen Suez-Abenteuer der israelischen Regierung Sanktionen an, falls sie ihre Truppen nicht aus dem ägyptischen Territorium zurückziehen würde. Angenommen, Ben Gurion hätte nicht nachgegeben, und die Eisenhower-Regierung hätte ihre Drohung wahrmachen müssen: Mit wem hätte es da ein amerikanischer Diasporazionist gehalten? Mit Israel? Oder mit der Regierung seines freigewählten Vaterlandes? Im ersteren Falle wäre das als Verrat an den USA, im zweiten als Verrat an Israel anzusprechen gewesen. Wir sehen, Ben Gurion tat nicht unrecht, als er die Zionisten, die nicht nach Zion gehen, Heuchler nannte.
Ganz ähnlich liegt der Fall bei den Zionisten in der Bundes-
republik. In der leidigen Affäre der deutsch-israelischen Kontaktaufnahme verteidigten die deutschen Führer des Zionismus die bundesdeutsche Vertretung in Tel Aviv gegen die israelischen und die übrigen zionistischen Scharfmacher. Damit haben sie bewiesen, daß sie keine Zionisten mehr sein können, wenn sie auch noch nicht den Mut haben, das offiziell auszusprechen. Sie wurden, genau wie Antizionisten, daraufhin mit Schmutz beworfen.
Diese Geschehnisse beweisen, daß die zionistische Tätigkeit in der Diaspora ein zweischneidiges Schwert ist.
Wenn Galuthzionisten, die vom Veteran der "Heim-ins-Reich"-Bestrebungen, David Ben Gurion, als Heuchler und Schädlinge der Sache Israels abgestempelt wurden, aber trotzdem auf Verlangen von Israelis sich zu deren Handlangern erniedrigten und somit die Interessen ihres Heimatlandes schädigen, sind sie verdammenswerter, als das Wort Heuchler ausdrücken kann. Das trat kraß zutage, als Zionisten in Argentinien sich an dem Menschenraub Eichmanns beteiligten. Man mag es drehen, wie man will, es war ein Menschenraub: die Souveränität eines freien Staates wurde piratenmäßig verletzt. Wenn auf Grund dieses Verstoßes gegen das Völkerrecht in Argentinien der Antisemitismus aufflackert, mag auch dies im Interesse des Zionismus liegen; aber die Schuldigen sind weder gute Zionisten, noch werden sie Dank aus Israel erhalten. Sie haben bewiesen, daß sie alles andere als argentinische Patrioten sind, und haben damit der argentinischen Judenheit einen Bärendienst geleistet. Zu solchen Bärendiensten zählen auch die Arbeiten der verschiedenen sogenannten jüdischen Dokumentationszentren, die im Galuth errichtet wurden; denn Dokumente sammeln heißt eben Aufspüren, Verfolgen und Anzeigen von sogenannten bundesdeutschen Kriegsverbrechern. Man darf nicht müde werden, immer wieder zu betonen: bundesdeutsch! Denn all das richtet sich doch nur gegen solche. Fest steht, daß diese Tätigkeit weder der jüdischen Tradition entspricht, noch den allgemeinen Begriffen von Humanität. Diese Verfolgungen entspringen keineswegs dem Streben, Recht und Gerechtigkeit üben zu wollen. Wenn nämlich Verfolgung etwas Unerläßliches wäre, würde man alle wirklich Schuldigen verfolgen. So aber stellt
dieses Tun lediglich ein Politikum dar, um den bundesdeutschen Staat je nach Bedarf unter Druck setzen zu können. Auch dies zu betonen darf man nicht müde werden. Und was Schuld betrifft, so gibt es leider unter uns Juden in den Reihen der Zionisten genug Schuldige. Nach dem bereits zitierten Ausspruch des umgekommenen zionistischen Schriftstellers Kazenelson müßte ein jeder vor seiner Tür kehren; doch das tun die zionistischen Verfolger nicht. Die Verfolgungen sind in ein Stadium geraten, in dem die Verewigung des Hasses gegen das deutsche Volk angestrebt wird. Den Haß verurteilt die Bibel; vor ihm warnten die größten religiösen wie weltlichen Autoritäten des jüdischen Volkes. Man darf an[n]ehmen, daß die zionistischen Verfolger den König Salomon für den Weisesten der Weisen halten. Im Buch der Sprüche Salomon 10,18 lesen wir aber: "Wer Haß verbirgt, hat Lügenlippen." Wem dieser Satz nicht klar ist, der möge ihn nochmals lesen. Haß verursacht auch Blindheit.
Der größte Klassiker der jiddischen Literatur, I. L. Perez (1851-1915), der im antisemitischen Russisch-Polen lebte und wirkte, warnte vor Rache. In einer seiner Sabbatgeschichten, "Ein Zug Vögel", sagte der König der Vögel: "Rache . . . mag ich nicht leiden. Vor Rache habe ich Furcht. . ."
Darüber hinaus schrieb der größte hebräische Schriftsteller der neuesten Zeit, der noch dazu Prozionist war, Ch. N. Bialik (1878 bis 1934), der in Rußland während der grausamen Judenverfolgungen gelebt hat, nach dem Kischinewer Pogrom von 1903 in seinem Klagelied "Die Schlachtung": "Wer mir von Rache spricht, soll verflucht sein!"
Wenn sich jene Zionisten, die mit der Verfolgungstätigkeit ihr tägliches Brot verdienen, von diesen humanen hebräischen Schriftstellern belehren ließen, wäre das besser für ihr eigenes Seelenheil, für Israel und erst recht für das Weltjudentum.
Der im Rheinland lebende Rabbiner Dr. Geis meint: "Man kann das böse Spiel der ausgleichenden Ungerechtigkeit, die Kompensation von Verfolgung durch Verfolgung, von Vernichtung durch Vernichtung nicht ewig fortsetzen." ("Die Zeit", Hamburg, 4. Dezember 1964, Seite 7).
Selbstverständlich ließen sich noch viel mehr solcher Zitate von
Juden anführen, die keineswegs alleinigen Anspruch darauf erheben wollen, gute Juden zu sein.
Einer der Aktivisten, ich möchte fast sagen: der Motor der Ludwigsburger Zentrale, ist der in Wien lebende Leiter des sogenannten jüdischen Dokumentationszentrums, Ingenieur Simon Wiesenthal. "Sternstunde" nennt Stefan Zweig die Konfrontierung eines Menschen mit dem Gestirn seiner Bewährung oder Verwerfung. In der Sternstunde hat der Mensch die Wahl, die Berufung zum Guten zu akzeptieren oder dem Ruf des Bösen zu folgen. Wiesenthal nun glaubt, dem Ruf des Guten Folge geleistet zu haben. Doch scheint er, ein ehrlicher Mensch, der während des zweiten Weltkrieges gelitten hat, sich vergaloppiert zu haben in der Meinung, seine heutige Tätigkeit sei seine Berufung. Wie ihm das aus dieser Berufung verdiente Brot schmeckt, ist die große Frage. Und eine andere, wie es dabei um seine Seelenruhe bestellt ist, und ob er sein Tun mit seinem Gewissen in Einklang bringen kann? Er scheint auch nicht zu merken, daß er bereits Werkzeug anderer, um nicht zu sagen: fremder Interessen geworden ist. Sonst hätte er doch Israel nicht verlassen.
Es ist ebenso wichtig wie richtig, sich mit Simon Wiesenthal näher zu befassen: er wurde 1908 in dem Städtchen Buczacz in Galizien geboren; seine Eltern waren gut bürgerlich situiert. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges, als Galizien der Ukraine einverleibt wurde, war Wiesenthal als Ingenieur tätig. Beim Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges zog er nicht ins Innere des Sowjetreiches, sondern blieb und kam damit in verschiedene Lager und Konzentrationslager. 1945 wurde er befreit und ging, im Gegensatz zu vielen anderen, sofort nach Palästina. Aber schon 1948 verließ er dieses Land und zog nach Wien; dort baute er seine jetzige Tätigkeit auf, und durch die Angelegenheit Eichmann gelangte er zu weltweiter Popularität. Doch diese Sache brachte ihm bestimmt Kummer. Ihm, der so sehr darauf erpicht ist, von sich sagen zu können, er allein habe Eichmann entdeckt, verfolgt und gemeldet, wird dieses "Monopol" streitig gemacht. Politisch scheint er naiv genug zu sein, nicht zu begreifen, daß Israelologen einem "Galuth"-Juden - und ein solcher ist er doch wieder geworden - außergewöhnliche Taten
nicht zubilligen können und wollen. In der erwähnten Frage hatte Wiesenthal seine erste ernsthafte Auseinandersetzung mit israelischen Institutionen.
Dies alles müßte ihm doch zu denken geben. Handelt er wirklich aus einer Berufung heraus und betrachtet er sein Arbeitsfeld als Mission? Oder ist er von jemand berufen und doch nicht Herr der Lage? Obwohl er etwa 1960 vom Jerusalemer "Jad Waschem" eingeladen wurde, wo er auch Gelegenheit hatte, eine Pressekonferenz abzuhalten, wird er weiterhin - wie alle Galuthjuden - als Jude zweiter Klasse betrachtet werden, und man wird ihm, trotz seiner "Verdienste" um Israel, natürlich die große "Auszeichnung" im Fall Eichmann nach wie vor verweigern.
Sogar ein bundesdeutscher Publizist, ein Anwalt des offiziellen Zionismus, der auch in solchen Dingen zu Hause ist, schreibt, ". . ., daß dem sowjetischen Nachrichtendienst der Aufenthalt Eichmanns schon seit 1952 bekannt war. Doch er gab ihn dem israelischen Geheimdienst nicht vor 1960 bekannt." Dieser Zionistenfreund, der auch bei Wiesenthal unter Denkmalschutz steht, teilt nach seiner zionistischen Dialektik nicht die Auffassung Wiesenthals, sondern der offiziellen israelischen Instanzen. Abgesehen von der sich erhebenden Frage, woher der bundesdeutsche Publizist das so genau wissen will, bringt dieser die ganze Angelegenheit durcheinander; denn wozu sollte der sowjetische Geheimdienst dem israelischen Meldung gemacht haben?
Hinzu kommt, daß es in solchen Dingen kein Geben ohne Nehmen gibt. Und das würde doch bedeuten, daß der israelische Geheimdienst mit dem sowjetischen zusammenarbeitet, und darüber hinaus, daß Wiesenthal das Verdienst, Eichmanns Aufenthaltsort ausgekundschaftet zu haben, zu Unrecht für sich in Anspruch nimmt. Das Wichtigste jedoch: Demnach hätte sich der israelische Geheimdienst mit fremden Federn geschmückt - mit sowjetischen! Wie schon erwähnt, hat der Jad Waschem im November 1960 Wiesenthal nach Jerusalem eingeladen und ihm als dem "Filialleiter in Wien" seine Verdienste in der Eichmann-Angelegenheit bestätigt. Ich verweise auf die "Neue jüdische Zeitung" vom 25. November 1960, die auf Seite 4 unter
der Überschrift "Ein österreichischer Jude war 6 Jahre auf Eichmanns Spuren" einen Bericht bringt. Aber der bundesdeutsche Publizist wird wohl wissen, warum er die Verdienste Wiesenthals und der Schin-Beth-Leute (Scheruth Bethachon = Geheimdienst) schmälert und sie den sowjetischen MGB -Leuten (Ministerstwo Gossudarstwennoj Besopasstnosstij = Ministerium der Staatlichen Sicherheit) zuschreibt.
Wie dem auch sei, der Leiter des Wiener Dokumentationszentrums läßt sich nicht beirren und ist weiterhin aktiv in seiner Tätigkeit, das heißt: im Ausfindigmachen sogenannter bundesdeutscher Verbrecher. Aber ein Mensch, der sich solcher Arbeit verschrieben hat, kann sich auf die Dauer nicht wohl fühlen und muß irgendwann einmal durcheinandergeraten. Und Wiesenthal dulden würden?)! Aber schließlich muß Wiesenthal ja selber Tragödie, weil die Charakterfestigkeit des Mannes in Frage steht. Er beschuldigte nämlich in einer Wiener Pressekonferenz Österreich des Antisemitismus. Übrigens erhoben andere in New York zur selben Zeit die gleiche Beschuldigung. Wie ist es in Einklang zu bringen, daß jemand, der in Wien wohnt, die Einwohner jedoch als Antisemiten betrachtet, weil nicht alle von ihm der Staatsanwaltschaft Übergebenen geköpft werden, andererseits - wie behauptet wird - die österreichischen Behörden um Einbürgerung bittet? Ich nannte den Fall eine Tragödie, weil Wiesenthal, der israelischer Bürger war, und dessen ganze Tätigkeit dem Staat Israel dient, sich - wenn das Gerücht stimmt - entschlossen hat, Bürger eines Staates zu werden, den er selber des Antisemitismus beschuldigt. Glaubt er, daß diese Haltung von jüdischem Stolze zeugt? Man müßte ihm doch zurufen: "Sage mir, wessen Landes Bürger du sein willst, und ich sage dir, wer du bist!" Er hat doch als Nichtösterreicher seine Tätigkeiten alle frei ausüben können; er wurde ja geduldet (ob Israel in seinem Bereich einen nichtjüdischen Wiesenthal dulden würde?)! Aber sch[l]ießlich muß Wiesenthal ja selber wissen, ob er vor seinem Gewissen verantworten kann, was er tut. Auch sollte er einmal sein Gewissen befragen, ob es angeht, daß er jüdische zionistische Führer nicht verfolgt, die ihr gerüttelt Teil Schuld an der Tragödie des europäischen Judentums tragen? Diese Führer haben nur schlecht kalkuliert; ihre
Rechnung ging nicht auf. Er hingegen fördert durch seine Tätigkeit ein Wiedererwachen des Antisemitismus.
Oder sollte Wiesenthal mit seiner Behauptung, in Osterreich sei der Antisemitismus im Wachsen, doch recht haben? Ein guter Bekannter erzählte mir, daß er vor kurzem in dem österreichischen Dorf St. Johann bei Salzburg gewesen sei und festgestellt habe, daß dort sogar die Hühner braune Eier legen. Ist das nicht ein Beweis des Nazismus?
Sollte es noch eines Beweises dafür bedürfen, daß das Wiener Jüdische Dokumentationszentrum ein Wiesenthal'sches Privatunternehmen ist, so sei das Folgende angeführt:
Auf Anregung des jüdischen Historikers Joseph Wulf, der sich ausschließlich mit der NS-Vergangenheit befaßt, soll im Berliner Villenvorort Wannsee ein "Internationales Dokumentationszentrum zur Erforschung des Nationalsozialismus" eingerichtet werden. Da diese Anregung zum Erstaunen des Anregers erstmals auf Widerstand stieß, begann man mit den altbekannten Druckmethoden: etwa ab Oktober 1967 wurde von Zionisten und Israelis überall gefordert, daß das obengenannte Zentrum errichtet werde. Es wurden auch namhafte Persönlichkeiten Westdeutschlands und sogar aus den Oststaaten für die Unterstützung dieser Angelegenheit bemüht. Der neue junge Regierende Bürgermeister Berlins und der Vorsitzende der SPD Westberlins sträuben sich, diesem Verlangen nachzugeben. Es ist wirklich zu begrüßen: Nun sind sogar ein paar SPD-Leute zu der notwendigen Einsicht gelangt, daß Philozionismus schädlich sein kann. Denn die Erfüllung der obenerwähnten Forderung würde unweigerlich einen Unruheherd im freien Teil Berlins schaffen. Der Berliner Regierende Bürgermeister erhielt jedoch sehr wertvolle Schützenhilfe von einer Seite, von der er sie bestimmt nicht erwartet hätte: nämlich vom Leiter des Minidokumentationszentrums Simon Wiesenthal in Wien. In der zweiten Dezemberwoche 1967 bemühte er sich nach Berlin, und nach einer Aussprache mit dem Regierenden Bürgermeister erklärte er der Presse, er sei dagegen, daß im "Haus der Endlösung" ein Internationales Dokumentationszentrum errichtet werde. Mit Recht wendet sich Wiesenthal gegen eine Zentralisierung der sogenannten Dokumentationsforschung, was doch in der Tat ge-
steigerte Menschenjägerei bedeutet! Wiesenthal hat erfaßt, daß er durch eine solche Konzentration entweder zu einem Winkelhocker degradiert oder gänzlich ausgeschaltet würde. Das erstere kann sich der bereits "Legendäre" nicht leisten; das zweite würde ihn - Jehova behüte! - zwingen, nicht mehr von leichtverdienten Schnorrergeldern zu leben, sondern sich einer produktiven Tätigkeit zuzuwenden. Wie dem auch sei, Simon Wiesenthal hat mit seiner Berliner Presseerklärung bewiesen, daß es auch in der organisierten NS-Jägerei keine Einigkeit gibt. Es wird sie auch niemals geben; dazu sind die Interessen allzu verschieden. –
Die jüdischen Schreiberlinge verlangen in ihrem Münchener Winkel-Blättchen immer wieder meinen Ausschluß aus der Israelitischen Kultusgemeinde. Meine Bemühungen um eine ehrliche, bedingungslose jüdisch-deutsche Versöhnung nennen diese Herren antiisraelisch und antijüdisch. Die Forderung nach meinem Ausschluß unterstützte sogar Simon Wiesenthal in publizistischer Form. Mit seiner dem Regierenden Bürgermeister von Berlin geleisteten Hilfe stellte sich Wiesenthal sogar gegen das Begehren des Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses und der Zionistischen Weltorganisation. Die Schreiberlinge der Münchener "Neuen Jüdischen Zeitung", die zu jenen Zionisten gehören, die sich mit Israel identifizieren, müßten doch, wenn sie konsequent und logisch wären, auch Simon Wiesenthals Einstellung als antiisraelisch und antijüdisch bezeichnen.
Im Hinblick auf Simon Wiesenthal fällt mir nachstehende israelische Anekdote ein:
Ein junger, modern gekleideter Tourist wagte einen Alleingang in dem Jerusalemer Viertel Mea Scharim, der Hochburg der Ultraorthodoxen. Prompt wurde er von einem Mann der Naturei-Karte angesprochen, der ihm in sanfter Form die Leviten las und unter anderem bemerkte: "Junger Mann, ich wünsche dir, daß du 120 Jahre leben sollst; aber einmal muß das Leben doch ein Ende nehmen. Du kommst in den Himmel. Der Vertreter des höchsten Gerichtes wird dir die Frage stellen: 'Jude, wo hast du deine Kleider, deine Peot [Schläfenlocken] und deinen Bart gelassen?' Was wirst du darauf antworten?" Der Angesprochene antwortete, wie bei Juden üblich, mit einer Gegen-
frage: "Ich wünsche Ihnen, sehr Verehrter, daß Sie 150 Jahre leben. Das Leben geht ja mal zu Ende. Sie gelangen in den Himmel. Ein Vertreter des höchsten Gerichtes wird an Sie die Frage richten: 'Kleider, Peot und Bart, wo habt ihr den Juden gelassen?' Was werden Sie antworten?" (Von Kleidern und Zubehör war die Rede, vom Juden war die Rede. Und wo blieb der Mensch?)
Wiesenthals Ureltern müßten aus Deutschland stammen; denn einige Ortschaften in der Bundesrepublik tragen den Namen Wiesenthal. Ob Wiesenthals Ahnen zwangsweise oder freiwillig ihren Heimatort verließen, wissen wir natürlich nicht; was wir aber wissen, ist, daß die jetzige Tätigkeit des Herrn Simon Wiesenthal eine von ihm freiwillig übernommene ist. Er wurde weder von irgendeiner Seite beauftragt; noch dient sein Tun irgendwelchen Interessen außer seinen persönlichen. Jedenfalls: Seine Tätigkeit nützt dem Galuthjudentum nicht, wenn sie ihm nicht sogar schadet. Kompetente israelische Instanzen sind mit seiner Tätigkeit nicht einverstanden; sie empfinden diese sogar als Konkurrenz und weigern sich, wie schon dargetan wurde, ihm die Marathon-Lorbeeren zuzuerkennen, die er sich an Eichmann verdient zu haben glaubt. Auch der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Goldmann, äußerte schon einige Male sein Mißfallen über Wiesenthals Bestrebungen. Israel hat er verlassen; er lebt in Wien und hat um die österreichische Staatsbürgerschaft nachgesucht. Seine Tochter heiratete im Galuth und lebt im Galuth. Die offiziellen jüdischen Instanzen in Osterreich billigen seine Tätigkeit ebenfalls nicht. Daher ist es irreführend, wenn er "Leiter des jüdischen Dokumentationszentrums" genannt wird. Es würde den Tatsachen eher entsprechen, wenn sein Unternehmen im Handelsregister lauten würde: Simon Wiesenthal, Firma zum Aufstöbern untergetauchter deutscher SS. - Seine Überheblichkeit und sein Bemühen der Weltpresse täglich Schlagzeilen zu liefern, verschließen ihm offenbar die Augen vor der Erkenntnis, daß er sich in seine Großwild-Jägerei genauso verrannt hat, wie es in der traurigen Vergangenheit so mancher Eichmann tat. Was man indessen einem Eichmann noch zubilligen konnte, kann man einem Wiesenthal nicht zubilligen. Denn einem Eichmann konnte man immerhin
noch zubilligen, daß er im Glauben an seine Partei und deren Programm, für Staat und Volk arbeitete. Nach den - übrigens nur als Beispiele - gegebenen Tatsachen läßt sich derartiges für Wiesenthal nicht einräumen; außerdem ist sein Wirken weder im Sinne der Bibel, noch des Talmuds, noch der Schriften weltlicher jüdischer Gelehrter.
Es wäre wünschenswert, wenn Simon Wiesenthal sich an das Wort von Benjamin Disraeli hielte: "Gerechtigkeit ist Wahrheit in Aktion."
Zum Fall Wiesenthal wäre noch folgende Frage berechtigt:
Wie wir wissen, wurden einige Wochen vor Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges von Einheiten der NKWD in der Bukowina und auch in Galizien jene "Kapitalisten", die enteignet wurden, und nicht zuverlässige Intellektuelle, auch jene, welche die zionistische Flüsterpropaganda befolgten und die sowjetische Einbürgerung verweigerten, in Sondertransporten nach Sibirien deportiert. Simon Wiesenthal ist nicht nur der Sohn eines "Kapitalisten", sondern auch Intellektueller. Wie entging er dieser Deportation?
Nebenbei sei daran erinnert, daß Wiesenthals Heimatstädtchen Buczacz noch aus einem anderen Grunde weltbekannt wurde; denn der Träger des halben Nobelpreises der Israeli, Samuel Joseph Agnon, wurde ebenfalls in Buczacz geboren. Mir will scheinen, daß die Herren der Jury auch diesmal weit über das Ziel hinausgeschossen haben: sie hatten Bedenken, einem Israeli den ganzen Preis zuzuerkennen und damit den Staat Israel als Repräsentanten der jüdischen Literatur auszuzeichnen. Und das mit Recht. Die überaus humane Repräsentantin der jüdisch-deutschen Versöhnung, Nelly Sachs, wollte man auch nicht als einzige Repräsentantin der jüdischen Literatur anerkennen, und da glaubte die Jury, Aggressivität mit Vergeben, Chauvinismus mit Völkerversöhnung vereinigen zu können.
Schon früher war die Jury von politischen Motiven bestimmt, als sie Pasternak den Nobelpreis für Literatur zuerkannte. Ist doch für jeden klar, daß, wäre Chruschtschow schlauer gewesen und hätte den "Dr. Schiwago" in der Sowjetunion nicht verboten, der Autor dieses Romans niemals den Nobelpreis erhalten hätte.
Ähnlich so handelte die Jury, als sie seinerzeit Carl von Ossietzky den Nobelpreis für Frieden zusprach, obwohl der Ausgezeichnete noch in der Weimarer Zeit wegen Landesverrates verurteilt worden war. Hier wurde der Nobelpreis gegen Hitler erteilt, bei Pasternak gegen Chruschtschow, und im Falle Agnon zur Hälfte für den aggressiven Zionismus.
Doch zurück zum eigentlichen Thema! Zionisten scheinen ihre eigene Auffassung von Recht und Gerechtigkeit zu haben. Ein Globke, ein Vialon sind ihrem Dafürhalten nach Kriegsverbrecher und gehörten, wenn nicht gehenkt, so doch für immer hinter schwedische Gardinen. Aber solche, mit denen sie selbst Kontakt haben, sind koscher! Ganz zu schweigen von zionistischen Führern, deren Sünden gegen das europäische Judentum - wenn man so etwas in Prozenten ausrechnen könnte - tausendfach den Schuldanteil von Globke und Vialon übersteigen. Aber diese zionistischen Führer werden schon fast als Heilige verehrt und spielen sich als Ankläger von Bundesdeutschen auf!
Wie auf zionistische Weise Recht und Gerechtigkeit gehandhabt werden, mögen zwei tragische Beispiele - ich greife sie aus einer ganzen Anzahl heraus - erhellen:
Am 26. Mai 1926 wurde in Paris auf offener Straße der ukrainische Emigrant Semjon Petljura von dem Juden Schwarzbart erschossen. Zionisten setzten durch, daß der Mörder später von einem Pariser Gericht freigesprochen wurde. Fast in jedem jüdischen geschichtlichen Bericht tritt Schwarzbart quasi als Held auf. Petljura (1879-1926) war Vorkämpfer der ukrainischen Nationalidee. 1917-1920 war er Hetman und kämpfte gegen die Bolschewisten wie auch gegen patriotische russische Feinde des ukrainischen Separatismus. Ein Teil seiner Truppen zeichnete sich auch in Pogromen gegen Juden aus; Petljura selber aber war kein Antisemit. Was man indes heute im Lager Zion nur allzu gern ungeschehen machen würde: Russische Zionistenführer hatten engen Kontakt mit ihm und waren seine Kollaborateure! Darüber hinaus ist Tatsache, daß Petljura 1906 im Gefängnis der ukrainischen Stadt Poltawa einen jüdischen Genossen seiner Partei, der Sozialdemokratischen Partei Rußlands, namens Bär Borochow kennenlernte. Borochow entwickelte schon damals den Sozialismus im Zionismus; er wurde der Ideologe
und Gründer der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion, in Israel heute Mapai genannt. Dieser Borochow bekehrte den Sozialdemokraten Petljura zum ukrainischen Chauvinisten. Das heißt, Petljura wurde zum ukrainischen Nationalsten, angeregt durch Borochow, den jüdischen Nationalisten.
Einige Monate später ereignete sich dieselbe Tragödie - mit umgekehrten Vorzeichen. In meiner Heimatstadt Czernowitz wurde im November 1926 im Justizgebäude der 18jährige jüdische Student David Fallik erschossen. Der Mörder, der rumänische Student Nicolai Tautu, erhielt durch Intervention seiner Partei, der Eisernen Garde, so weitgehende Hilfe, daß er von einem Gericht in der kleinen Bukowinastadt Kimpolung freigesprochen wurde. Daraufhin erhob sich lautes Wehklagen und Jammern, daß die rumänische Justiz antisemitisch sei, die in ihrer Ungerechtigkeit einen Judenmörder freigesprochen habe. Und die Glocken des Zionismus läuteten!
Aber vorher, als ein Pariser Gericht sich dazu hergab, jenen Juden freizusprechen, der den ukrainischen Nationalisten gemordet hatte, beschuldigte niemand die französische Justiz, zionhörig zu sein!
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