Das Rudolf Gutachten auf http://www.vho.org/D/rga/rga.html


1.3. 'Gaskammern' im Lager Birkenau
1.3.1. Die Krematorien II und III

Von Größe, Ausstattung und Konstruktionsweise sind diese Krematorien durchaus mit anderen damals im Reich gebauten Anlagen sowie mit heutigen vergleichbar[49]. In diesem Zusammenhang sei auf den Prozeß gegen die Erbauer der Kremierungsanlagen im Lager Birkenau hingewiesen. Das Gericht sprach im Jahre 1972 die beiden Angeklagten, Baumeister W. Dejaco und Baumeister F. Ertl, frei, da der Verdacht auf Beihilfe zum Massenmord nicht erhärtet werden konnte[50].
Ein besonders abgeteilter Leichenraum mit besserer Belüftung diente damals wie heute anderenorts als Aufbewahrungsort für die Opfer von Seuchen (Infektionsleichenkeller). Der Abbildung 7 ist der Grundriß des Leichenkellers I ('Gaskammer') des Krematoriums II und spiegelbildlich entsprechend des Krematoriums III zu entnehmen; Abbildung 8 zeigt den Querschnitt [51]. Wie im Querschnitt erkennbar, liegen diese Leichenkeller zum überwiegenden Teil unter der Erde. Die längliche Bauart der Keller, ihre unterirdische Lage sowie der geringe Kontakt zu den Kremierungsräumen bewirken eine gleichmäßig kühle Temperatur in diesen Räumen. Dies spricht für deren Planung als Leichenkeller, als welche sie auf den Bauplänen ausgegeben sind. Dieser Interpretation schließt sich Pressac an. Ihm zufolge sind die Anlagen abgeleitet von einer früheren Planung für ein neues Krematorium im Stammlager aus dem Jahre 1941[52]. Die Zugangsstraße zu den Krematorien lag in Birkenau auf der Seite des Kamintraktes, in Abbildung 7 ganz oben. Dies machte die Verlegung des Zugangs zu den Leichenkellern von der ursprünglich für das Stammlager geplanten Stelle im Winkel beider Leichenkeller notwendig. Man schuf daher eine Zugangstreppe zu den Büroräumen des Leichenkellers III sowie eine Treppe am Ende des Leichenkellers II (in Abbildung 7 nicht eingezeichnet). Infolge der dramatisch veränderten Kriegslage nach der Niederlage von Stalingrad im Winter 1942/43 wurde hier wahrscheinlich aus Kostengründen auf eine Leichenrutsche verzichtet, wie sie für die alte Treppe eingeplant war. Möglicherweise ist aus demselben Grund am später begonnenen Krematorium III an vielen Stellen gespart worden[53], wie auch der Material- und Qualitätsmangel bei den Krematorien IV und V zu deren schnellem Ausfall geführt haben dürfte (siehe nächster Abschnitt). Der alte, für den Planungsstand des Stammlagers vorgesehene Kellerabgang war schon zuvor fertiggestellt worden, obwohl er später nicht mehr benutzt wurde, da kein direkter Zugang von der Straße dorthin möglich war. Daß diese Treppe überhaupt gebaut wurde, spricht für eine überhastete Übertragung der alten Pläne für das Stammlager auf die neue Situation in Birkenau. Die später eingebaute Zugangstreppe am Ende der Leichenkeller II der Krematorien II und III wird heute in dem Sinne interpretiert, daß dies der Opfereingang gewesen sei, zumal die Leichenkeller II als Auskleidekeller für die Opfer gedient haben sollen. Die Bezeichnung von Räumlichkeiten eines Krematoriums als Auskleidekeller muß zudem kein kriminelles Indiz sein, da alle Leichen zur Obduktion entkleidet werden müssen. Das Fehlen einer Leichenrutsche an dem später zugefügten Niedergang sei nach Pressac zusätzlicher Beweis für den Umbau der Krematorien in Menschenvernichtungsgebäude, da Leichen keine Treppen steigen könnten[54]. Eine Antwort auf die Frage, wie denn Leichen von ihrer Sterbestätte, z.B. im Krankenlager, zu den Krematoriumsrutschen gelangten und vom Rutschenende zu ihren Aufbewahrungsorten bzw. zu den Öfen, bleibt Pressac schuldig. Offensichtlich aber kann man Leichen auf einer Bahre tragen, auch eine Treppe von wenigen Stufen hinab.

Abbildung 7, rechts: Grundriß Leichenkeller I (angeblich 'Gaskammer') der Krematorien II bzw. III (spiegelbildlich) im Lager Auschwitz II/ Birkenau [51].
a: Leichenkeller I/'Gaskammer', 30×7×2,41 m
b: Leichenkeller II/'Auskleidekeller', 49,5×7,9×2,3 m
c: Räume des später unterteilten Leichenkellers III
d: Leichenaufzug zum Ofenraum im Erdgeschoß
e: Entlüftungskanal
f: Betonstützsäulen
g: Betonträger
h: Nachträglich erstellter Kellereingang
1-3: Entnahmestellen Probe 1-3

Abbildung 8, links unten: Querschnitt Leichenkeller I (angeblich 'Gaskammer') der Krematorien II bzw. III (spiegelbildlich) im Lager Auschwitz II/ Birkenau [51].

1: Entlüftungskanal
2: Belüftungskanal
3: Erdreich

Boden und Decke des Leichenkellers I ('Gaskammer') sind aus Stahlbeton. Da die Dübeltechnik damals noch sehr unausgereift war, goß man an der Betonunterseite konisch geformte Holzstücke mit ein, die später zum Festschrauben von z.B. Leitungen und Lampen dienten. Pressac interpretiert diese Holzstücke als Schraubstellen für falsche Duschköpfe, die im Leichenkeller I angebracht gewesen sein sollen, um den Opfern einen Duschraum vorzutäuschen[55].
Die Wände bestehen aus doppeltem Ziegelsteinmauerwerk mit einer Teerzwischenschicht zur Isolation[53]. Die Innenwände sind mit einem harten zementreichen Material verputzt, die Stahlbetondecke und die Stützsäulen zeigen die Maserung der Verschalung, sind also nicht verputzt. Die Teerschicht zwischen den Ziegelmauern erscheint wegen des hohen Grundwasserstandes im Birkenauer Sumpfgebiet als Wassersperre unerläßlich. Beide Leichenkeller enthielten mehrere Gullys. Einem Dokument ist entnehmbar, daß für die Leichenkeller I ('Gaskammer') der Krematorien II und III gasdichte Türen der Maße 100 × 192 cm bestellt wurden[56]. Auf dem Übergabeplan, also dem endgültigen Plan von Krematorium II ist die Türgröße wie auf allen vorherigen Plänen aber mit 190 × 200 cm eingezeichnet[57]. Noch heute müßte es möglich sein, anhand der Ruinen festzustellen, ob die Tür eventuell enger gemauert wurde und ob Spuren der Türzargen vorhanden sind. Dafür sind allerdings Ausgrabungen notwendig.
Einen interessanten Ansatz zur Erklärung des vorhandenseins gasdichter Türen und in diesen Leichenkellern hat S. Crowell beigetragen, der darauf hinweist, daß es im Lager Birkenau offenbar Vorrichtungen zum Schutz der Häftlinge gegen alliierte Luftangriffe gebaut wurden. Da jeder Luftschutzkeller in damaliger Zeit auch immer ein gasschutzkeller war, und da die Leichenkeller der Krematorien II und III die einzigen Kellerräume des Lagers gewesen seien, sei deren Ausrüstung als behelfsmäßige Luftschutzkeller wahrscheinlich. Crowell verweist auf Zeugen, die darüber berichten, wie sie bei Luftangriffen in diesen Kellern Schutz suchten.[58]
In der Querschnittszeichnung des Leichenkellers I sind jeweils oben und unten an den Wänden Belüftungskanäle sichtbar, die nach Pressac als Lüftungskanäle für Leichenkeller angelegt waren[59]. Im Grundriß kann man links und rechts den Verlauf der Kanäle vom bzw. zum Haupttrakt erkennen. Demnach wurde der untere Kanal zur Entlüftung benutzt. Dies soll auch für die angeblichen späteren Vergasungen so beibehalten worden sein. Alle Kellerräume der Krematorien II und III sollen nach Pressac eine ähnlich leistungsfähige Entlüftung gehabt haben, ebenso der Ofenraum[60], jedoch nur der Leichenkeller I ('Gaskammer') besaß eine Luftzufuhr. Pressac gibt für alle Räume die Leistung der Absaugmotoren an, die er angeblich der Korrespondenz der Bauleitung des Lagers entnommen hat. Für Leichenkeller I ('Gaskammer') soll ein 3,5-PS-Elektromotor (2,5 kW) gedient haben. Mit der Motorenstärke ist freilich erst wenig über die Leistungsfähigkeit der Lüftung ausgesagt[61]. Die Austrittsöffnungen des Belüftungsschachtes von Leichenkeller I ('Gaskammer') mit der Dimension 5×10 cm (50 Stück im Krematorium II, 95 in Krematorium III) waren mit Lochblenden abgedeckt, mit jeweils rund 110 Löchern zu ca. 3,5 mm Durchmesser[62].
Eine Heizung war, obwohl angeblich zwischenzeitlich erwogen, niemals vorhanden gewesen. Pressac interpretiert diesen zwischenzeitlich erwogenen Einbau einer Heizung als Beweis für die Existenz der 'Gaskammern', da man Leichenkeller nicht vorheizen müsse. Er ignoriert den Umstand, daß in jedem Krematorium die Leichen vor Frosteinwirkung geschützt werden. Bei einem ordnungsgemäßen Betrieb dieser Anlagen hätten die Leichenkeller also zumindest im Winter heizbar gewesen sein müssen. Zugleich interpretiert er die Entfernung der offen verlegten Wasserleitung im Leichenkeller I ('Gaskammer') als Hinweis auf die 'Gaskammer', da die Opfer die bloß liegende Leitung hätten abreißen können. Es bietet sich auch die einfachere, 'nichtkriminelle' Erklärung an, daß die mangels Heizung im Winter frostgefährdete Leitung stillgelegt werden mußte, um keinen Wasserrohrbruch zu riskieren[63].
Zum Einbringen des Zyklon B sollen auch hier Luken in der Decke vorhanden gewesen sein. Pressac zeigt dazu einige Außenaufnahmen der Krematorien aus damaliger Zeit, auf denen die Einfüllstutzen erkennbar sein sollen[64]. Auf dem Foto des Krematoriums II sind allerdings nur 3 schemenhafte Schatten erkennbar. Der vierte Schatten liegt offenbar hinter dem Keller. Da deutlich erkennbar ist, daß zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses Bildes das Krematorium II inklusive des Leichenkellers 1 noch im Bau befindlich waren, ist es gut möglich, daß die Schatten von Gegenständen (z.B. Baumaterial) hervorgerufen werden, die auf dem Dach des Leichenkellers 1 gelagert werden. Daß es sich um Stutzen von Einwurflöchern handelt, ist unbewiesen und wird durch den heutigen Befund der Decke widerlegt (vgl. weiter unten). Danach sind die senkrecht in einer Reihe stehenden Stutzen etwa 50 cm hoch und nicht breiter als 30 cm. Auf dem Foto des Krematoriums III ist nichts erkennbar, obwohl die Qualität des Bildes recht gut ist. (Es sei darauf hingewiesen, daß es mit althergebrachten Retuschiertechniken sehr leicht möglich ist, jedes beliebige Foto zu verändern. Fotos besitzen daher nicht unbedingt Beweiskraft.)
Nach der Aussage des ehemaligen Häftlings M. Kula soll es sich bei den Einfüllstutzen um von der Zentralwerkstatt angefertigte Hohlsäulen mit quadratischer Grundfläche, Kantenlänge 70 mm, gehandelt haben, die das Zyklon B-Präparat mittels unbekanntem Mechanismus gleichmäßig zwischen den eng stehenden Menschen am Boden des Kellers verteilten[65]. Dokumentarischen Beleg für diese Säulen gibt es nicht. Nach der Interpretation Pressacs dienten vier nicht weiter definierte »Drahtnetzeinschubvorrichtungen« als herausnehmbare Drahteinsätze in den von Kula beschriebenen Hohlsäulen des Leichenkellers I ('Gaskammer'). Diese »Drahtnetzeinschubvorrichtungen« sind allerdings nur im Inventarverzeichnis des Leichenkellers II von Krematorium II, also dem 'falschen' Keller, nachträglich handschriftlich eingetragen. Von wem und wann ist allerdings unklar. Mittels dieser Netze soll das Zyklon B in die Kammer hinabgelassen und nach Vollzug wieder herausgehoben worden sein[66]. Pressac zeigt eine Zeichnung der Einwurfsäule, wobei er ohne Erklärung die Kantenlänge mit 70 cm statt 70 mm, also 10 mal größer als Kula, angibt[62]. Diese Drahtnetzeinschubvorrichtungen können aber auch schlicht zum Einschub der Leichen in die Kremierungsöfen gedient haben. Im Falle der Verwendung als Zyklon B-Netze wären diese wohl eher Einlaßdrahtnetze genannt worden.

Abbildung 9: Ausschnittsvergrößerung der alliierten Luftaufnahme Nr. 3185 des Lagers Birkenau vom 25.8.44. Maßstab des Originals: 1:10.000. Interessant sind die dunklen Flecken auf den Leichenkellern I ('Gaskammern') beider Krematorien (Pfeile), von denen man heute weiß, daß es keine Einwurfstutzen für Zyklon B sind.
Abbildung 10: Auswertung der obigen Luftaufnahme, Abbildung 9. Man erkennt leicht, daß die Flecken auf den Leichenkellern I keine Stutzen sein können: zu große, unregelmäßige Flecken mit für Schatten falscher Ausrichtung.

Abbildung 9 zeigt eine Ausschnittsvergrößerung einer alliierten Luftaufnahme vom Lager Birkenau vom 25.8.44 [67]. Auf dem Quertrakt, dem Dach des Leichenkellers I ('Gaskammer') von Krematorium II, erkennt man deutlich ›Schatten‹ (Pfeile). Eine stereroskopische Auswertung dieser Luftaufnahmen ergab, daß die dunklen Flecken auf Abbildung 9 keine Erhöhungen sein können[68]. Hatten die Zyklon B-Einwurfsäulen tatsächlich die vom Zeugen beschriebene Kantenlänge von 70 mm, so ist dies weder mit den etwa 2 bis 3 m² in der Fläche großen Flecken der Luftaufnahmen noch mit der Größe der rund 60 bis 80 cm großen Durchbrüche vor Ort in Übereinstimmung zu bringen. Außerdem wären sie wegen der mangelnden Auflösung auf diesen Luftaufnahmen kaum sichtbar. Es sei darauf hingewiesen, daß die Kamine der Häftlingsbaracken wie die großen Krematoriumskamine kontrastreiche, symmetrische, geradlinige Schatten werfen. Die angeblichen Einfüllstutzen des Leichenkellers I ('Gaskammer') des Krematoriums III bilden einen regelmäßigen, leicht meßbaren Winkel von etwa 75°-80° zu der Ausrichtung des Haupttraktes von Krematorium II (siehe dazu die Auswertung, Abbildung 10). Tatsächlich aber müßten diese Schatten die gleiche Ausrichtung haben, wie die Schatten des Krematoriumskamins von Krematorium II, eines Kamins einer Häftlingsbaracke sowie anderer scharf hervorstechender Teile auf dem Bild. Diese bilden im Gegensatz zu den obigen Flecken einen 45°-Winkel zur Hauptrichtung der Krematorien II und III (siehe Abbildung 10). (Zur Zeit der ersten Auflage des Gutachtens lag mir nur ein qualitativ schlechter Abzug dieses Luftbildes zur Verfügung, auf dem die exakten Konturen der ›Einwurfstutzen‹ auf dem Dach des Leichenkellers 1 von Krematorium II nur verschwommen zu sehen waren. Die hier gezeigte Schemazeichnung richtet sich nach einem besseren Abzug, den mir John C. Ball dankenswerterweise zur Verfügung stellte.)
Man weiß, daß der Krematoriumskamin von Krematorium II 15 m hoch war[51]. Er wirft auf dem Bild einen Schatten, der fünfmal so lang ist wie die Flecken auf dem Dach des Leichenkellers I ('Gaskammer') von Krematorium III (Schattenlänge Kamin 20 m, d.h. Sonnenstand etwa 37°, Fleckenlänge Leichenkeller I ('Gaskammer') Krematorium III: rund 4 m). Das heißt nichts anderes, als daß die dazu gehörigen Einfüllstutzen 3 m über das Dach des Leichenkellers I ('Gaskammer') von Krematorium III hätten hinausragen müssen, was ausgeschlossen werden kann.

Abbildung 11a: Ausschnittvergrößerung des Leichenkellers 1 von Krematorium II aus der Luftaufnahme Abb. 9.
Abbildung 11b: Schemazeichnung von Abb. 11a. 1: Leichenkeller 1; 2: Lage der einzigen heute auffindbaren zwei Löcher (rot); 3: Lage und Größe der Flecken auf der Luftbildaufnahme des Leichenkellers I ('Gaskammer') von Krematorium II.
Rechts: Abb. 22, links: Abb. 21

Die Abbildungen 11a und 11b wurden der Website Air Photo Evidence mit freundlicher Genehmigung von John C. Ball entnommen.

Der falsche Schattenwurf kann nicht durch überlange Stutzen oder 4 m lange Schlitze erklärt werden, ebenso paßt die Größe der Stutzen nicht zur Größe der auf dem Bild bei Pressac angeblich abgebildeten Stutzen[64]. Auf einer Aufnahme vom 13.9.44, also drei Wochen später, sind diese Flecken ebenfalls zu erkennen, wenn auch wegen Rauchbildung durch die Bombardierung wesentlich schwächer. Die Flecken auf dem Dach des Leichenkellers I von Krematorium III weisen in die gleiche Richtung wie die der Aufnahme vom 25.8.1944, trotz eines anderen Sonnenstandes[68]. Interessant ist eine undatiert vorliegende Aufnahme aus dem Winter 1944/45, aufgenommen während des Abbaus der Krematorien II und III, deren Haupttraktdächer schon abgedeckt sind, aber noch vor der Sprengung des Krematoriums V (angeblich Januar 1945)[69]. Auf dieser Aufnahme sind die freiliegenden Ofenraumlöcher der Krematorien II und III nicht zu erkennen. Daher dürften Löcher in den Dächern der Leichenkeller beider Anlagen in gleicher Größenordnung ebenfalls nicht sichtbar sein. Im Falle einer schattenwerfenden Erhebung durch etwa 50 cm bis 1 m hohen Stutzen jedoch müßte bei den Luftaufnahmen mit hoher Auflösung (25.8.1944, 13.9.1944) etwas zu sehen sein, da die auf den Aufnahmen erkennbaren Schornsteine der Häftlingsbaracken ähnlich dimensioniert sind wie die heute auffindbaren Löcher in der Decke des Leichenkellers I von Krematorium II. Danach müßten die durch diese Stutzen entstehenden Flecken eine vergleichbare Größe besitzen. Wenn man die These einer Verfälschung der Luftbilder durch Retuscheure ausschließt, muß man bezüglich der auf den Dächern der Leichenkeller 1 befindlichen Flecken von maximal wenigen Dezimeter hohen und breiten, 3 bis 4 m langen Objekten unbekannter Herkunft ausgehen. Aufgrund ihrer Größe und Lage können es jedenfalls keine Löcher oder Stutzen sein. Sie müssen dann wohl der allgemein fleckigen, eventuell bewachsenen Erdbedeckung der Leichenkeller zugeschrieben werden.

Abbildung 12: Innenaufnahme aus der Ruine des Leichenkellers I ('Gaskammer') vom Krematorium II. Der Pfeil weist auf die Entnahmestelle der Probe 3 hin (siehe Abschnitt 4.)

Anmerkungen

  1. Dem Autor liegt eine Grundriß-Skizze des 1939 erbauten Krematoriums des Konzentrationslagers Sachsenhausen vor, das in Anlage und Dimension durchaus Ähnlichkeiten mit den Krematorien II und III aufweist, ohne daß es dort Massenmorde gegeben hätte. Ebenso sei zum Vergleich auf die Konstruktionsweise moderner Krematorien hingewiesen: H.-K. Boehlke, Friedhofsbauten, Callwey Verlag, München 1974, besonders der Krematoriumsplan S. 117, einschließlich Amtsarztzimmer; E. Neufert, Bauentwurfslehre, Ullstein Fachverlag, Frankfurt 1962, S. 423f.
  2. Verfahren gegen die Baumeister W. Dejaco und F. Ertl, Aktenzeichen 20 Vr 6575/72, Hv 56/72, Wien, 18.1.-10.3.1972.
  3. J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique... aaO. (Anm. 28), S. 319-329. Pläne zu den Krematorien II und III.
  4. Ebenda, S. 183, über die nichtkriminelle Planung der Krematorien II und III siehe besonders S. 264.
  5. Ebenda, S. 187, Kosten und Übersicht über die Bauweise der Krematorien II und III.
  6. Ebenda, S. 213 und 218.
  7. Ebenda, S. 488, Abbildung von in der Betondecke des Leichenkellers I von Kremarorium II noch heute sichtbaren Holzstücken.
  8. Ebenda, S. 436. Im Inventarverzeichnis auf S. 430 erscheint nur im Krematorium II eine handschriftlich eingetragene gasdichte Tür. Zur Abbildung der gasdichten Türen und Luken siehe S. 46-49, 425-428, 486, 500.
  9. Ebenda, S. 227, 311, 312.
  10. S. Crowell, »Technik und Arbeitsweise deutscher Gasschutzbunker im Zweiten Weltkrieg«, Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung, 1997, 1(4), S. 226-243.
  11. J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique... aaO. (Anm. 28), S. 224, 289.
  12. Ebenda, S. 355ff., Kapitel über die Lüftungsanlage der Krematorien II und III.
  13. Ebenda, S. 374 und 377. Motorenstärke der Lüftungen für alle Räume der Krematorien II und III.
  14. Ebenda, S. 234: Dimension der Lüftungsausgänge; S. 487: Abbildung Lochblende der Lüftungsausgänge sowie eine Zeichnung von Pressac von den angeblichen Zyklon B-Einwurfsäulen.
  15. Ebenda, S. 221, 223. Abbau der Wasserleitungen: S. 286.
  16. Ebenda, Krematorium II, S. 340, ungefähr vom 9.-11.2.1943. Krematorium III, S. 342, vom 25.6.1943.
  17. E. Kogon, H. Langbein, A. Rückerl et al. (Hg.), Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas, S. Fischer Verlag, Frankfurt 1983, S. 231. Da es sich in diesem Buch um einen Druckfehler handeln kann, sollte man allein die Originaldokumente zur Aussage von M. Kula verwerten.
  18. J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique... aaO. (Anm. 28), S. 231, 430, 438.
  19. Alliierte Luftaufnahme Nr. 3185, veröffentlicht von den CIA-Angestellten D.A. Brugioni und R.G. Poirier, Le Monde Juif, No. 97, Januar-März 1980, S. 2, angeblich in privater Verantwortung. Originale im US National Archive.
  20. R. Lenski, aaO. (Anm. 24), S. 356 ff., Aussage des Luftbildauswerters Kenneth R. Wilson, Seiten 8927-8941e des Prozeßprotokolls. Nach Wilson sind die Flecken auf den Aufnahmen vom 13.9.1944 nicht zu sehen.
  21. Bundesarchiv, Koblenz.


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