5. KAPITEL

Ultimative Boykottandrohungen

Von den jüdischen Organisationen aus New York wie auch aus Israel kamen nun Boykottandrohungen. Weil die Juden soviel Druck wie möglich auf die Schweizer Grossbanken, aber auch auf die Regierung ausüben wollten, äusserten sie Drohungen, Gelder und Investitionen von den Schweizer Banken abziehen zu wollen. Bei den Hearings in New York gaben die Bankenaufsichtsbehörde des Staats New York jedoch bekannt, dass sie vorläufig eine Sperrung der Kapitaleinlagen verhindern wollen. Der Staat New York hatte jeweils in einer eher bescheidenen Grössenordnung von 200-300 Mio. Dollar kurzfristige Geldmarktgeschäfte getätigt.

Die Schweizer Grossbanken nehmen die Boykottdrohung im New Yorker Stadtparlament ernst. Vor allem wird eine Signalwirkung auf andere öffentliche Körperschaften in den USA nicht ausgeschlossen, erklärten Grossbanken-sprecher. Ein Gesetzesantrag im Stadtparlament von New York fordert den Abbruch von Geschäftsbeziehungen mit Schweizer Banken, bis die Schweiz einen Holocaust-Fonds öffnet.

Laut der städtischen Finanzkontrolle hat New York kurzfristige Anlagen im Betrag von 200-300 Mio. Dollar bei der Credit Suisse First Boston, aber keine Konten bei Schweizer Banken. Die Konkretisierung von Boykottbestrebungen war nach Aussage von Gertrud Erismann-Peyer, der

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Sprecherin der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG), früher oder später zu erwarten. Vermutlich dürfte das New Yorker Vorgehen in nächster Zeit auch in anderen öffentlichen Körperschaften der USA zum Gesprächsthema werden. Erismann-Peyer äusserte sich nicht über allfällige Anlagen oder Guthaben der Stadt New York bei der SBG. Sie sagte lediglich, das kurzfristige Anlagegeschäft gehöre nicht zu den Kerngeschäften der SBG in den USA. Gemäss dem Sprecher des Schweizerischen Bankvereins (SBV), Michael Willi, würden die in der Vorlage angesprochenen Geschäfte den SBV «nicht direkt am Lebensnerv treffen». Schmerzhafter wäre, wenn es um Anlagen von Pensionskassen staatlicher Institutionen ginge.

Vertreter des Simon Wiesenthal Center in Los Angeles sind daraufhin vom Chef der Task Force, Thomas Borer, zu einer Aussprache in Bern empfangen worden. Die Vertreter der jüdischen Organisation sprachen von einem konstruktiven, ermutigenden Gespräch, wollen aber den Druck auf die Banken aufrechterhalten. Die Einsetzung der internationalen Expertenkommission sei ein wohl einmaliger Schritt. Aus der Sicht des Simon Wiesenthal Center wäre es wichtig, dass nun unilaterale Gesten zugunsten der noch lebenden Holocaust Opfer erfolgten. Das Center lud Borer nach Los Angeles ein, damit dieser die schweizerische Position öffentlich darlegen könne. Die Organisation hat nach eigenen Angaben 400 000 Mitglieder und ist damit eine der grössten jüdischen Organisationen in den USA. Sie ist auch treibende Kraft hinter einer der beiden Sammelklagen, die in den USA gegen die Schweizer Banken angestrengt wurden. Rechtsanwalt Martin Mendelssohn, der das Center in dieser Frage vertritt und an dem Treffen mit Borer ebenfalls teilnahm, sagte, ein Rückzug dieser Klage komme vorerst nicht in Frage.

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Wichtig ist auch der folgende Hinweis, der Ende Januar über den Ticker der Presseagentur sda ging:

Über 50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs liegen die Reparationszahlungen der Schweiz an die Alliierten noch immer in den Tresoren der Federal Reserve Bank der Vereinigten Staaten und der Bank of London. Es handelt sich laut der Sendung im Schweizer Fernsehen «lOvorlO» um eine Goldmenge, die nach heutigem Kurs rund 1, 2 Mrd. Franken wert ist.

James Desler, Direktor des amerikanischen Handelsministeriums, äusserte in der Fernsehsendung, die zuständige Kommission der Alliierten habe dieses Geld offenbar für Eventualitäten und für Verwaltungskosten in Reserve gehalten. Nun müsse bestimmt werden, was mit dem Gold geschehen solle.

Die Schweiz hatte sich im Washingtoner Abkommen vom 25. Mai 1946 verpflichtet, wegen der Entgegennahme von Nazi-Raubgold 58 Mio. Dollar (zum damaligen Kurs 250 Mio. Franken) in Gold an die Alliierten zu zahlen. Die vereinbarte Goldmenge wurde 1947 in den vorgesehenen Reparations-Pool überwiesen. Bestimmt war das Geld für jene Länder, die von den Nazis beraubt worden waren.

Die Sprecherin der Schweizerischen Bankiervereinigung, Silvia Matile, bedauerte, dass die New Yorker Anwaltskanzlei den guten Willen der Schweizer Banken bei der Suche nach nachrichtenlosen Vermögen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs nicht zur Kenntnis nehmen wolle und offenbar auch nicht mitbekommen habe, welche Schritte bereits eingeleitet worden seien. So hätten aussenstehende Revisionsfirmen sehr wohl Zugang zu den Schweizer Banken. Die Sprecherin erinnerte daran, dass der vom früheren

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US-Notenbankpräsidenten Paul Volcker geleitete Ausschuss wichtiger Persönlichkeiten soeben ein Mandat an drei internationale Revisionsgesellschaften erteilt habe. Weiterhin machte Frau Maule auf die beim Bankenombudsmann eingerichtete Anlaufstelle für individuelle Ansprüche aufmerksam. Auf den Boykottaufruf angesprochen, gab sich die Sprecherin gelassen: Auf Grund der Kontakte, welche die Schweizer Banken mit ihrer Kundschaft hätten, könne sich der Dachverband der Banken nicht vorstellen, dass einem solchen Appell Folge geleistet werde. Es handle sich wohl eher um ein Instrument, mit dem der Anwalt seiner Klage gegen die Schweizer Banken Nachdruck verleihen wolle. In dem vom New Yorker Anwalt Edward Fagan koordinierten Boykott-Appell - Fagan vertritt die Auschwitz-überlebende Gizella Weisshaus, die Anfang Oktober den Schweizerischen Bankverein (SBV) und die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) im Namen aller Holocaust-Opfer auf 20 Mrd. Dollar Schadenersatz verklagt hatte -heisst es, seit der Einreichung dieser Klage hätten Tausende von Opfern ihre Ansprüche bei den Schweizer Banken angemeldet. Es hätten auch Vergleichsgespräche über die Öffnung eines Fonds mit 200 Mio. Dollar stattgefunden. Die Schweizer Banken hätten es aber abgelehnt, ihre Unterlagen aus der fraglichen Zeit durch aussenstehende Revisionsfirmen überprüfen zu lassen.

Wie wir bereits wissen, wurde im Stadtrat von New York City eine Resolution eingebracht, die einen Boykott der Schweizer Banken zum Ziel hat. Der Antrag, über den allerdings Ende Januar noch kein Beschluss vorlag, stammt vom Führer der demokratischen Stadtrats-Mehrheit im City Council, Sprecher Peter F. Vallone. Eine endgültige Entscheidung, mit der die Stadtverwaltung aufgefordert würde, ihre Einlagen von Schweizer Banken abzuziehen, bezie-

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hungsweise keine neuen Mittel zu deponieren, ist noch nicht sofort zu erwarten, sondern einzig die Überweisung der Angelegenheit an einen Ausschuss. Die materielle Bedeutung des Antrags ist, wie erste Würdigungen in der New Yorker Bankengemeinde zu erkennen gaben, weniger wichtig als das mit ihm verbundene Signal. Eine Reaktion der Stadtverwaltung selbst lag noch nicht vor. Sollte Bürgermeister Rudolph Guiliani, nicht zuletzt aus Rücksicht auf die Steuerkraft der in der Stadt tätigen Schweizer Banken, ein Veto einlegen, müsste er mit Zweidrittelmehrheit überstimmt werden.

Vallone selbst bezeichnete seine Initiative als ein klares Signal dafür, dass Mittel der Stadt New York nicht bei Schweizer Banken angelegt werden sollen, bis die Familien der Holocaust-Opfer, die ihre Lebensersparnisse während des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz deponierten, gebührend entschädigt werden. Vallone selbst, dessen Initiative sich auch Herbert E. Berman, Stadtratsmitglied und Vorsitzender des Jewish Caucus im Stadtrat, sowie der Präsident des Jewish Community Relations Council, Martin Begun, anschlössen, rief auch die gesamte Wirtschaft der Stadt auf, «Investitionen in Schweizer Banken abzulehnen, bis die Angelegenheit geklärt ist».

Über das bis hierhin mehr oder weniger symbolische Gewicht des Boykottaufrufs hinaus ist es jedoch nicht aus-zuschliessen, dass sich auch in der Führung der Pensionskasse der Stadt Signale von unfreundlichem Geschäftsverhalten gegenüber der Schweiz ergeben werden. Direkte Anzeichen dafür gab es aber noch nicht. Doch weiss man, dass politische Vertreter in der Verwaltung der New Yorker Pensionskasse nicht abgeneigt sind, eine Devestitionsstra-tegie anzustreben - eines der spektakulärsten Beispiele dafür war vor nicht allzu langer Zeit ein offener Brief an

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Deutschland, dem wegen der dort zeitweise zu beobachtenden Übergriffe gegen Türken und andere Ausländer mit dem Abzug von Anlagemitteln aus Deutschland gedroht worden war. Eine ähnliche Initiative hätte für die Schweizer Wirtschaft und speziell für die in den Vereinigten Staaten operierenden Schweizer Banken theoretisch eine weit grös-sere Bedeutung als der jetzt ins Auge gefasste Abzug von flüssigen Mitteln aus Schweizer Banken. Mit Sorge beobachtet man in Schweizer Wirtschaftskreisen auch eine Initiative des Abgeordnete McLaughlln im Parlament des Bundesstaates New York, die ebenfalls als ein Schritt in Richtung eines Boykotts gewertet wird. Vorgesehen ist ein öffentliches Hearing am 13. Februar in Albany, New York.

In New York ist dann die dritte Kollektivklage des World Council of Orthodox Jewish Communities gegen Schweizer Banken deponiert worden. Die Klage wurde vom Anwalt Mel Urbach am Bundesgerichtshof in Brooklyn deponiert. Die Kläger verlangten von den Banken kein Geld, sondern den Zugang zu den nachrichtenlosen Vermögen und den Bankarchiven, sagte Urbach. Bevor die Fakten auf dem Tisch lägen, sei es nicht angemessen, Geldforderungen zu stellen.

Gemäss Pressemeldungen drohen die Sprecher zweier internationaler jüdischer Organisationen mit dem «Verhängen von Sanktionen» und Boykottmassnahmen gegen Schweizer Banken, falls die Schweiz und die Banken der Schweiz nicht «sofort und sehr eindeutig» die von Bundespräsident Delamuraz in einem Interview gemachten Äusse-rungen zurückweisen. Dabei war von einem Ultimatum bis Ende Januar die Rede. Die Schweizerische Bankiervereinigung (SB VG) hält fest, dass für die Banken und die Bankiervereinigung die im September 1995 und im Februar 1996

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dargelegten Grundsätze massgebend bleiben. Dazu gehört, im Rahmen des Bundesbeschlusses von 1996, die Mitarbeit der Schweizer Banken bei der Aufklärung und der Darstellung der Rolle der schweizerischen Wirtschaft und des Finanzplatzes während der Naziherrschaft in Deutschland und während des Zweiten Weltkriegs. Im weiteren steht es aber weder den Banken noch irgend einer ausländischen Organisation zu, den Bundesrat Delamuraz zu verurteilen.

Eigentlich sollten heute auch gegen die jüdischen Organisationen und jene jüdischen Milliardäre Nachforschungen angestellt werden, warum sie denn nicht genügend für ihre Glaubensbrüder getan haben. Die Juden wissen sehr wohl, dass ausser der Schweiz kein Land auf der ganzen Welt bereit war, ihren bedrängten Brüdern aus Europa beizustehen. Warum, fragt man sich, kommen sie heute und in diesem Ton? Ist heute die Zeit für sie reif geworden, um zu ernten? Wollen sie demnächst alle Staaten - nach dem Muster der Schweiz - erpressen?

Die Bankiervereinigung hatte im Mai 1996 mit den internationalen jüdischen Organisationen ein Memorandum of Understanding vereinbart, das unter anderen die Unterschriften von Avraham Burg (Vorsitzender der Jewish Agency) und Israel Singer (Generalsekretär des World Jewish Congress) trägt. Die Anstrengungen zur Abklärung allenfalls noch bestehender Ansprüche von Shoah-Opfern und -Nachfahren werden intensiv geführt. Unter Aufsicht der Volcker-Kommission wird diese Arbeit durch speziell bezeichnete Revisoren zusätzlich überprüft. Alle Werte, welche möglicherweise jüdischen Eigentümern gehören und nicht mehr den Berechtigten zugeleitet werden können, sollen im Einvernehmen mit jüdischen Organisationen verwendet werden. Darüber besteht beim Schweizerischen

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israelitischen Gemeindebund (SIG) und der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVG) dieselbe Auffassung.

Der SBVG scheinen Sanktions- und Boykottdrohungen sowie Ultimaten und damit verbundene Forderungen nicht die geeigneten Mittel zur Förderung der begonnenen Arbeit. Sie erachtet das Memorandum of Understanding weiterhin als verbindlich. Die SBVG hofft auf eine konstruktive Haltung der jüdischen Organisationen zu den gemeinsam in die Wege geleiteten Abklärungen.

Und selbst Sigi Feigel, Ehrenpräsident der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, schrieb:

«Vor fünfzig Jahren haben sich Schweizer Finanzinstitute zweifellos Verfehlungen zuschulden kommen lassen. Das geschah in der Schweiz von «damals». Im Namen von allen hat sich der Bundesrat für die Untaten von wenigen entschuldigt. Zur Aufarbeitung auch dieser Vergangenheit wurde ein Gesetz geschaffen, und die Kommission Bergier wurde bereits eingesetzt. Das ist die Schweiz von heute!

Zu dieser Schweiz gehört auch die Motion der FDP-Fraktion vom 11. Dezember 1996 (Lilly Nabholz), mit welcher der Bundesrat eingeladen werden soll, einen Fonds für die Einzahlung der aufgefundenen Gelder und verifizierten Gewinne zu schaffen. Bereits vor Monaten wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Jüdischen Weltkongress, einer in den USA beheimateten privaten jüdischen Organisation und den Schweizer Bankiers mit dem gleichen Ziel die Volcker-Kommission ins Leben gerufen. Beide Kommissionen sind mit den nötigen Kompetenzen ausgestattet (unbeschränkte Akteneinsicht, Aufhebung des Bankgeheimnisses ihnen gegenüber).

Die Erklärung von Herrn Bundesrat Delamuraz, die Förde-

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rang nach Einzahlung von 250 Millionen Franken - und zwar sofort - in einen «Wiedergutmachungsfonds» sei eine Lösegelderpressung, war eine «hervorragende» politische Fehlleistung. Die Entschuldigung (das Bedauern, nicht die Entschuldigung. Das ist entscheidend, weil der Bundesrat diese Formulierung, die er berechtigterweise verwandte, wie wir bereits eingangs der Drohungen der Juden in den USA vernommen haben, korrekt und fair zurücknahm, sic.) folgte dann ja auch sofort. Der Jüdische Weltkongress hat ohne Zweifel das Verdienst, diese Vergangenheitsbewältigung (mit Verleumdungen und Falschanschuldigungen! sic.) in Gang gebracht zu haben. Aber die von einzelnen Vertretern dieser Organisation geäusserten Boykottdrohungen sind ebenfalls politische Fehlleistungen. Sie wirken kontraproduktiv, schaden der Sache und richten darüber hinaus noch weiteren Schaden an!

Die Schweiz von heute hat diese Drohungen nicht verdient! Bei all seinen Meriten um diese Sache soll sich der Weltkongress vor Augen halten: Der Schmiedehammer ist kein geeignetes Instrument zu Reinigung von Porzellan. Diese Scherben bringen niemanden Glück.»

Dann kam anfangs Februar 1997 die Meldung, dass die jüdischen Organisationen die Boykottpläne aufgeben. Die internationalen jüdischen Organisationen haben Pläne für einen Boykott von Schweizer Banken aufgegeben, hiess es, nachdem die Schweizer Grossbanken 100 Millionen Franken für einen humanitären Fonds für Opfer des Holocaust bereitgestellt haben. «Wir sind von der Konfrontation zur Kooperation gekommen», erklärte Kaiman Sultanik, der Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses, in New York. Sultanik sagte weiter, am 14. Februar solle in New York ein Treffen jüdischer Organisationen mit Regierungsvertretern aus der Schweiz und den USA stattfinden, um über die wei-

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tere Zusammenarbeit mit der Schweiz zu beraten.

Ursprünglich war diese Konferenz anberaumt worden, um Boykottmöglichkeiten gegen Schweizer Banken zu erörtern.

Auch der Staat New York teilte mit, dass er den Boykott der Schweizer Banken annulliere. So zog als Reaktion auf die jüngsten Beschlüsse des Bundesrates zur Schaffung eines Spezialfonds zugunsten bedürftiger Holocaust-Opfer der New Yorker State Comptroller H. Carl McCall seine Anordnung vom 30. Januar 1997 zurück, dass der US-Gliedstaat New York bis zur Klärung der Kontroverse um die Holocaust-Vermögen die Geldmarktgeschäfte mit den Schweizer Banken suspendiere.

Allerdings hatte die Suspendierung dieser Transaktionen nicht nur die Schweizer Regierung und Bankenvertreter, sondern auch die New Yorker Bankenaufsicht und den Jüdischen Weltkongress negativ überrascht. Dies galt besonders deshalb, weil der Entscheid erst am 7. Februar, also zwei Tage nach der allgemein begrüssten Initiierung eines humanitären Holocaust-Fonds durch die drei Schweizer Grossbanken, bekannt wurde. Bereits am 13. Februar signalisierte McCall dann aber eine Rücknahme seines Entscheids.

Ein weiterer Schritt bestand darin, dass die Bankenaufsicht des Staats New York Zugang zu Schweizer Bankakten über nachrichtenlose Vermögen aus der Nazizeit erhalten soll. Ein entsprechendes Abkommen wurde nach Angaben von Gouverneur Pataki in New York mit der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) abgeschlossen. Das Abkommen bedeutet, dass die Bankenaufsicht Einsicht erhält in vertrauliche Kundeninformationen über nachrichtenlose Konten der Schweizer Grossbanken in ihren New Yorker Niederlassungen. Gertrud Erismann-Peyer, die Sprecherin

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der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG), wies in Zürich darauf hin, dass vor allem Gelder von Interesse seien, die in der Zeit des Zweiten Weltkriegs von der Schweiz in die Vereinigten Staaten transferiert worden seien. Bei dem Abkommen dürfte es sich um einen Informationsaustausch im Rahmen der Amtshilfe handeln.

In der Frage nach dem Ernst der jüdischen Organisationen, die Schweizer Banken mit einem Boykott zu drohen und ihn ernsthaft durchzuführen seien folgende Überlegungen festgehalten:

Erfahrungsgemäss wird kein Kaufmann - und schon gar kein jüdischer - seine Geldmittel, die auf einer guten Bank mit hohem Sicherheitsstandard und einer stabilen Währung deponiert sind, umdisponieren und so Werte verlieren wollen. Hinzu kommt, dass die Schweiz auch politisch als stabiles Land gilt und einen allgemeinen Arbeitsfrieden aufweisen kann. Waren diese Drohungen also nur Bluff? Es ist anzunehmen. Denn wenn die Juden Ernst gemacht hätten, hätten sie einen Vorgang reproduziert, der ihnen im Zweiten Weltkrieg bereits zum Verhängnis geworden war. Auch damals waren die Schlagworte der Nazi-Antwort «Kauft nicht bei Juden!» der Aufschrei und der Anfang vom Ende.

Israel, das seine Agrarprodukte weltweit anbietet und verkauft und auf diese wichtigen Devisen angewiesen ist, hätte - ganz besonders in der Schweiz - ein fast totales Aus erleben können. Selbst heute, nach diesen ungeheuerlichen Vorwürfen an die Schweizer Adresse, Entstellungen und falschen Behauptungen, verbunden mit den räuberischen Erpressungsversuchen, wird mancher sich zweimal überlegen, ob er noch einmal Jaffa-Orangen und Früchte und Gemüse aus Israel einkaufen wird. Denn tief im Herzen

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haben diese Judenorganisationen den Schweizern eine Verletzung beigebracht, die sie so schnell nicht wieder vergessen werden. War das die Absicht? - Ja und nochmals ja!

Sowohl der unbelehrbare D 'Amato, als auch Burg, Bronf-man, Singer und wie sie alle heissen, wollten die Schweiz zielbewusst und vorsätzlich diffamieren. Und da war ihnen jedes Mittel gut genug. Mit dem Wissen, dass die Schweiz ein Antirassismus-Gesetz hat - das in den USA nicht existiert - und hinter dem sie sich wie hinter einem Schutzschild verstecken, versuchen sie es so auf die Spitze zu treiben, um zu erfahren, wie ernst es eigentlich mit diesem Gesetz stehen mag. Dem Schweizer Bürger bleibt da nur die Faust im Sack und der kochende Zorn gegen die habgierigen, nur aufs Geld ausgerichteten Organisationen. Die Gier macht sie blind dafür, dass sie alles tun, um dem aufkeimenden Antisemitismus neue Nahrung zu geben.

Ich selbst darf - trotz diesen harten Worten, die berechtigt sind - sagen, dass ich kein Antisemit bin. Ich habe eine Reihe guter Freunde unter den Juden - soweit dies überhaupt möglich ist. Aber so wie man in den Wald ruft, so ertönt das Echo, heisst es, und die Jewish Agency mit Burg und Jüdischer Weltkongress Bronfinan und Singer haben laut genug geschrieen, um das Echo weltweit zu hören. Wenn die Juden nun glauben, dass dies nur die Schweizer berührt, so haben sie sich getäuscht. Bereits gibt es Anzeichen wieder im nahen Ausland, dass man von den Juden nichts mehr wissen wolle.

Und die Schweiz soll bezahlen für etwas, was sie nicht getan hat? Weder haben die Schweiz Konzentrationslager noch Vergasungs- und Verbrennungsöfen gehabt. Sie haben auch keinen Menschen umgebracht. Sie haben sogar das von den Juden gehortete Geld und Vermögen weitgehend geschützt, sonst hätten nach dem Weltkrieg tausende Überlebende nichts mehr gehabt.

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Die Juden riefen nach Milliarden, die in den Tresoren von Schweizer Banken von ihnen gehortet seien. Die nüchterne Bilanz jedoch dürfte mit nachrichtenlosen Vermögen höchstens bei 40 Millionen liegen, das werden auch spätere Untersuchungen der verschiedenen unabhängigen Kommissionen bestätigen. Unbelehrbar und wissend, dass die Schweiz ein reiches Land ist, versuchen die Juden weiterhin Druck auf die Schweiz auszuüben.

Nach einer Anbahnung einer globalen Lösung der Problematik angeblich verschollener Holocaust-Vermögen in der Schweiz sollen diesbezügliche Nachforschungen jetzt im gleichen Stile auf andere Länder West- und Osteuropas ausgedehnt werden. So sagte es der mehrfache Milliardär Edgar Bronfman, Präsident des World Jewish Congress (WJC) vor dem Canadian Club in Toronto. Kein Land soll von den Opfern des Nazi-Terrors profitieren. Und dann diese heuchlerische Pharisäer-Phrase, es gehe aber nicht um das Geld, sondern um die Gerechtigkeit. Bronfman nannte vor allem Frankreich, Holland und Belgien, wo zahlreiche jüdische Opfer beheimatet waren, aber auch Spanien und Portugal, wohin jüdische Vermögenswerte geschafft worden waren. Auch Schweden sei dran. «Wir haben 3 000 unbewegte Konten in Frankreich gefunden, und die Vichy-Regierung lieferte den Nazis Juden aus, bevor sie dazu aufgefordert wurde», sagte er weiter.

Das Ergebnis der Schweiz habe ihm Mut gemacht, gestand Bronfman im Femsehen und er habe nicht nur den früheren österreichischen Präsidenten Kurt Waldheim vom Thron gestossen, sondern auch noch die Schweiz zu einem sieben Milliarden-Geständnis gebracht, was nichts anderes heisse, dass die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs sich eine sehr schwere Schuld aufgeladen habe. Und dafür müsse sie büssen. In dieser Weise wolle er weitermachen.

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Auf die Frage des Reporters, was er mit seinen vielen Dollar-Milliarden anfange, meinte er, dass er damit sehr viel Gutes tue. Dieses Gute wurde jedoch nicht so richtig definiert. Aber es muss wohl die Äufnung seiner Konten nach noch grösseren Gewinnen gemeint gewesen sein - an sich nichts Schlechtes!

Die Ergebnisse der 1991 begonnenen Gespräche mit den Regierungen der einst kommunistischen Länder Mittel- und Osteuropas seien uneinheitlich, führte Bronfman weiter aus. Während die Ungarn und die Slowaken positiv reagierten, sind die Gespräche mit Tschechien und Polen festgefahren. Der WJC, so Bronfman, werde alle Länder, die vom Holocaust profitierten oder Deutschland während des Zweiten Weltkriegs politische Unterstützung gewährten, dazu anhalten, alle Vermögenswerte ermordeter Juden den rechtmässigen Besitzern oder der WJC-Organisation zu übergeben oder entsprechende Entschädigung zu leisten.

Wozu überhaupt jetzt das Bedürfnis für soviel Geld? -Ganz einfach. Der Staat Israel braucht für seine verbotenen Bauvorhaben der Siedler Geld. Geld benötigt auch der Staat für seine leeren Kassen, für Waffen und was weiss ich was. Uns Schweizer wird immer wieder das Elendbild der Ostjuden vor Augen geführt. Die Herren Bronfman, Singer und Compagnie hingegen sitzen in 120stöckigen Wolkenkratzern, die ihnen gehören und Hunderte von Millionen Wert haben. Warum helfen sie nicht diesen armen Teufeln im Osten? Sie wollen unser Gewissen bewegen. Es ist wirklich abscheulich und traurig, dass man aus der Not, dem Elend und den Toten noch Geld überall auf der Welt herausschlagen will. Die Schweiz sollte für die jüdischen Organisationen zum Fallbeispiel werden. Und siehe da, überall, von Brasilien bis Schweden, der Ukraine öffnen sich

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Schleusen, weil jeder glaubt noch einige «Leichen» im Keller zu haben. Eines Tages jedoch ist der Spuk vorbei und dann ist vielleicht nur der Volkszorn geblieben über eine Maskerade, die jeglicher Beschreibung spottet.

Auch die Schweiz hätte Möglichkeiten, die Juden viel härter an einem Boykott zu treffen, als sie es für möglich halten. Schliesslich gibt es eine Reihe jüdischer Banken und Geschäfte in der Schweiz. Grossunternehmungen, wie Warenhäuser und so weiter. Wenn man einmal den Teufel aus dem Sack gelassen hat, ist er schwerlich wieder einzu-fangen.

Eine wirkungsvolle Missfallenskundgebung wäre auch ein Käufer-Boykott gegen die Amerikaner, die ja den jüdischen Organisationen zur Seite stehen. Er würde vor allem die Automobilindustrie hart treffen. Immerhin gilt die Schweiz als das Land mit dem wichtigsten Absatzmarkt für die Automobilindustrie. Aber da gibt es noch die Computer, die Software, die von Bill Gates, die gesamte Filmproduktion aus den Staaten - die reinste Müllhalde und das Schreckge-spenst der Nationen - deren Geschäfte allein fast sechs Milliarden Franken jährlich ausmachen. Da gibt es IBM und Scotch. Coca-Cola, Pepsi-Cola und wie all diese Getränke heissen mögen. Amerika würde auch sehr heftig von dem Schock abbekommen. Und warum sollten wir uns eigentlich nicht mehr an unsere heimischen Nahrungsmittel und Getränke erinnern? Wir brauchen keinen McDonald und KingBurger. Wir haben ein Mövenpick und können uns an vielen Unterhaltungsbranchen vergnügen und benötigen keinen Micky-Mouse-Park. «Nein, danke!» hiesse dann die Devise für den schlichten Verzicht durch den bewussten Käufer. Wir verstehen uns ganz gut mit den Japanern und Koreanern, die bereits mit der Schweizer Tech-

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nologie an der Weltspitze der Elektronik stehen. Und es gibt so viele Länder, mit denen auch ein Land wie die Schweiz ins Geschäft kommen würde.

Solche und andere Überlegungen kommen einem plötzlich und es braucht kein Schock zu sein - vielleicht sogar höchstens ein heilsamer -, dass wir uns von den USA und anderen unwillkommenen Staaten lösen. Es gäbe eine ganz neue, vielleicht bessere Komponente.

Allein aus diesen wenigen Anregungen und Spekulationen kann man sehen, dass es nicht immer eine negative Überraschung sein muss, wenn irgend ein dahergelaufener kommt und glaubt, die Schweiz erpressen zu können. Es ist traurig, dass solche Überlegungen wie Boykotte überhaupt ins Spiel gebracht wurden. Welche Anmassung muss doch jene beherrschen, die - und seien es letztlich auch nur Drohungen - solche Vorgehensweisen in Betracht ziehen.

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