7. KAPITEL

Nestbeschmutzer und Verräter in der eigenen Reihe

Wir Schweizer sind es nicht gewohnt, in die Kritik zu geraten und angegriffen zu werden, weil wir vermutlich in einer gewissen Selbstzufriedenheit verharren und vom ständigen Lob aus dem Ausland - von dem wir doch so beneidet werden - verhätschelt worden sind.

Und jetzt plötzlich sollen wir sogar gemeinsame Sache mit den Nazis gemacht haben? Diese Vorwürfe aus einem befreundeten Land wie den USA, aus Israel und von den jüdischen Organisationen tun nicht nur weh, vielmehr sind wir zutiefst verletzt, sprachlos, schockiert und können nur noch eines tun: Wie die alten Eidgenossen zusammenstehen und mit einer Zunge reden. Nicht rechtfertigen, sondern sachlich und korrekt darlegen - wie dies bereits in den vorherigen Kapiteln getan wurde -, so dass diese ungeheuerlichen Anwürfe, Lügen und gemeinen Anschuldigungen nicht nur widerlegt, sondern auch als völlig inakzeptabel zurückgewiesen werden.

Die ausländischen Juden, die von der Schweiz nur grosse Geldsummen erpressen wollen, müssen an unserem standhaften Verhalten erkennen, dass jeder Versuch, einen Keil in unsere Mitte zu treiben, zum Scheitern verurteilt ist. Mit den Schweizer Nestbeschmutzern werden wir schon fertig.

Während die Deutschen in den letzten fünfzig Jahren - und auch heute noch - Perfiditäten und Nazigreuelvor-würfe anhören mussten, sind auch deren Kriegsnachkom-

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men vom Hass nicht verschont geblieben. Und sie mussten für die Sünden all jener büssen, die das Schrecklichste, was die Menschheit je erlebte, getan hatten.

Der Deutsche ist heute jedoch mit einer wesentlich dickeren Haut als der Schweizer gesegnet und er nimmt die verbalen Ausbrüche nicht mehr so ernst, seien sie aus den Kreisen der amerikanischen Scientologen, die sich hemdsärmelig in der Bundesrepublik verbreiten und ihre Machtstellung ausbauen wollen, oder von den Iranern, die ihre Mörder in die deutschen Städte schleusen, um unliebsame Gegner zu beseitigen. Wahrscheinlich haben die Deutschen mittlerweile gelernt, schneller und genauer zu unterscheiden, ob die Kritik ehrlich ist oder ob damit politische oder gar unlautere Zwecke verfolgt werden.

Heute haben wir fast den Eindruck, dass aus dem Nachbarland eher ein wenig Schadenfreude kommt. Vielleicht sagen die Deutschen sich, dass es den Schweizern nicht schaden kann, auch einmal diese Erfahrung zu machen.

Nun, die Deutschen sind nicht nur unsere Nachbarn, sie sind auch zuverlässige Freunde geworden, auch wenn es hin und wieder mal einen «Kotzbrocken» darunter gibt.

Aber wer will behaupten, dass wir Schweizer nicht auch mal über die Stränge schlagen können? Schon mancher Schweizer wurde wegen ungebührlichen Verhaltens im Ausland als persona non grata ausgewiesen. Nur eben, wir kennen uns mit den internationalen Fallstricken noch nicht genug aus. Überall in der Welt wird knallharte Machtpolitik betrieben, versucht man, möglichst clever seine Interessen durchzusetzen, es wird um Vorteile gefeilscht und gepokert, und wir Schweizer wollen dies alles nicht wahrhaben. Wir pflegen lieber unser Image als friedliebendes Land und sind zufrieden, weil wir uns gern als Musterland der Demokratie fühlen und uns mehr oder weniger unauffällig verhalten oder im Ausland mit einem «Ah so...» bewundert werden

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für die schöne Bergheimat, die wir ja nicht selbst geschaffen, sondern so als kleines Paradies mitten in Europa als Geschenk vorn lieben Gott erhalten haben. Es ist ebensowenig unser Verdienst, dass wir in diese relativ heile Welt hineingeboren wurden. Aber wir sollten dem Herrgott dafür danken. Und wir tun dies auch redlich, denn wir alle, das Schweizervolk, bringen Jahr für Jahr die gewaltige Spende von rund 730 Millionen Franken für Hilfs- und Sozialwerke auf, die weltweit Not und Elend lindern und den Menschen dabei helfen sollen, auch eine menschenwürdige Welt aufzubauen. Auch da zeigt sich die Schweiz ganz nach der Gesinnung von Henri Dunant, dem Gründer des Schweizerischen Roten Kreuzes.

Wenn ich persönlich im vergangenen Herbst bewusst für das Ausländerrecht stimmte und gegen die Blocher-Initia-tive war, so richtete sich das nicht gegen die SVP-Partei von Christoph Blocher, den ich schätze. Mit seinem finanziellen Background als Unternehmer könnte er es sich leisten, sich in eine stille Ecke zurückzuziehen und die Politiker und Parteien ihre eigenen Wege gehen lassen, wie die meisten Superreichen dies tun. Nein, Blocher ist ein Kämpfer, ein Ureidgenosse, den man weit und breit in der Schweiz suchen muss. Solche Menschen halten die Werte unseres Staates lebendig, anstatt sie nur als Lippenbekenntnisse im Mund zu führen, und wir sind und müssen dankbar dafür sein, dass es solche noch gibt. Ohne ihn wären wir heute in der EWR und zahlten uns dumm und dämlich.

Aber auch von den «negativen Nebenerscheinungen» würden wir nicht verschont. Eine solche wäre zum Beispiel die Öffnung des Korridors für den gesamten Verkehrs durch das Nadelöhr Schweiz in den Süden und umgekehrt. Oder die Überschwemmung durch das Ausländerrecht, die unsere Bodenpreise durch den Kauf von Liegenschaften ansteigen Hesse, oder die katastrophalen Folgen für die Landwirt-

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schaft, weil die Schweiz mit Agrarprodukten miesester und fragwürdigster Qualität überschwemmt würde und so weiter. Nicht zu reden vom neuen einzuführenden Währungssystem, das alle möglichen Länder aus der EU von von Nord bis Süd, von West und Ost am gesunden Schweizer Franken teilhaben Hesse und diesen zwangsläufig entwerten würde.

Ganz anders die Leute von der Sozialistischen Partei, Bodenmann, Ledergerber, Rechsteiner und wie sie alle heissen. Diese würden mit ihren modernistischen Chimären lieber mit Haut und Haaren die Schweiz nicht nur für ein Butterbrot verkaufen, sie glauben durch ihre Heuchelei sich politisch profilieren zu können. Blocher nennt sie deshalb Moralisten, und meint damit, dass sie keine vernünftige Politik für die Schweiz betreiben können.

Bodenmann, der umstrittene Walliser, der von einem Pferd auf das andere Pferd sattelt, von einem Ort zum ändern eilt, damit er auch noch in den Staatsrat aufgenommen werden soll, meint, dass seine Partei, weil sie die grösste in der Schweiz sei, schon die Stirn haben dürfe zu sagen, was das Volk denke. Es sei die Meinung des Volkes, dass Bundesrat Delamuraz sofort sein Mandat niederlegen solle, nachdem jener in einem Interview mit einer welschen Zeitung das Vorgehen der jüdischen Organisationen in die Nähe der «Erpressung» rückte und dadurch weltweit die Juden in Aufruhr versetzte.

Dass aber seit Monaten und Wochen Tag für Tag dieselben die Schweiz als «Handlanger» und «Mittäter» der Nazis beleidigen und die ekelerregendsten Lügen über unser Land verbreiten, weil sie angeblich noch kein «offenes Ohr» für ihre unglaublichen Begehrlichkeiten und Wünsche von Milliarden von Franken, fanden, darüber spricht niemand. Da schweigen diese Herren sich aus. Nein, sie gnap-pen mit dem Kopf, wie man es hin und wieder in der Fern-

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sehsendung «Arena» sieht, wenn einer der linken Redner etwas sagt, was sie wohlwollend mit Kopfnicken bestätigen, als habe er gerade eine tiefe Wahrheit geschürft.

Bodenmann hat es recht schwer. Nicht nur wegen seiner etwas schweren Zunge und seinem Dialekt, der recht archaisch anzuhören ist, sondern wegen seiner Arroganz und Rechthaberei. Mit den grossen Tönen, dass «seine Partei die grösste der Schweiz sei», glaubt er, dass das Stimmvolk, wenn eine Abstimmung für ein soziales Paket angenommen worden ist, für das seine Partei sich stark machte, jetzt in jeder Frage hinter ihm steht. Doch wenn er seinem Gegner Christoph Blocher im Fernsehen unter die Nase reibt, dass «die Mehrheit des Volkes auf seinem Trend liege», so scheint er etwas übersehen zu haben. Es gibt Dinge, die der Schweizer Bürger, ob parteizugehörig oder nicht, aus Überzeugung selbst entscheidet. Dies hat nichts mit irgendwelchen «Verdiensten» der SP zu tun, sondern mit dem Verständnis des Bürgers von der direkten Demokratie.

Jedenfalls wirkt der Mensch Christoph Blocher in seiner ganzen Offenheit und Geradlinigkeit wesentlich sympathischer. Es gäbe noch vieles darüber zu sagen. Und sollte demnächst wieder eine Initiative von der SP aufgelegt werden, könnte es passieren, dass gerade wegen der laufenden Unterstützung dieser Partei für die ausländischen jüdischen Organisationen die Waage zugunsten von Christoph Blocher kippt, weil er in seiner Bodenständigkeit und Rechtschaffenheit mit der Wahrheit und nicht mit den «Lauen» die Markzeichen gesetzt hat.

Dann ist da noch dieser Besserwisser Ledergerber, der in der «Arena» stets dem Gegner ins Wort fällt und nicht mehr aufhört zu schnorren, so dass der Sendeleiter ziemlich nervös herumsteht und nicht weiss, was er eigentlich noch tun soll. Endlich kommt er auf die Idee, Ledergerber das Mikrophon zu entziehen. Ledergerber kann es - wie alle von der

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SP einfach nicht ertragen, dass Blocher «besser im Volk ankommt». Sie haben ja nach ihrer Überzeugung die Interessen des Volkes gepachtet, und ein volkstümlicher Politiker und Unternehmer kann in ihren Augen nur ein finsterer Demagoge sein. Ihre Gehässigkeiten vor der Kamera werden so in die Stuben der Schweizerbürger getragen, und vor den Bildschirmen sitzen oft auch ausländische Personen, so sie der Sprache zu folgen vermögen.

Als Dritter im Bunde ist Paul Rechsteiner zu nennen, der sich vehement als «Sühner» für die angeblich von der Schweiz begangenen Ungeheuerlichkeiten während der Kriegszeit ausgibt. Es kann einem kotzübel werden, wenn dieser profilsüchtige Rechtsanwalt, ohne Atem zu holen, wie mit einer Maschinengewehrsalve daherschnattert.

Was einen verwundert, ist, dass diese Leute, die sich des Schweizers schämen, überhaupt noch in der Lage sind, unter Schweizern zu leben. Das muss für sie ja eine fürchterliche seelische und moralische Belastung sein. Ja, dass sie überhaupt an der Spitze der Regierung im Parlament einen Platz einnehmen? Die Welt ist gross, warum ziehen sie nicht in ein Ostblockland, in den Nahen Osten, in die Balkan-Länder, oder in ein Drittweltland, wo es noch viel mehr Wäsche zu waschen gibt? Aber sie sollten auch einmal ihre eigene reinigen. Denn vor lauter Selbstgerechtigkeit und Anschuldigungen gegenüber jenen Schweizerbürgern, die ihre Pflicht mit grosser Opferbereitschaft an den Grenzen während des Krieges getan haben, und die sich nicht mehr wehren können, weil sie verstorben sind, stinken sie schon von weitem, weil sie laufend ins eigene Nest scheissen. Die Angriffe dieser Leute gegen Bürger und Staat sind weder heroisch, noch kann man sie als Engagement bezeichnen, sondern lediglich ein Abklatsch von billiger Show, geschmacklos und abstossend. Sie pilgern demütig mit dem Hut in der Hand nach Washington oder in die Falle der aus-

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ländischen jüdischen Organisationen, die sie dann als nützliche Helfershelfer für ihre Zwecke missbrauchen, und meinen, dass die breite Bevölkerung der Schweiz für die Aufklärung der Grausamkeiten der Eidgenossen während des letzten Weltkrieges sei, und nur die Schweizer Grossbanken und die Regierung dies noch nicht schuldbewusst begriffen hätten.

Die Juden haben es schon immer verstanden, ihre Tricks auszuspielen, Zwietracht zu säen und Leute vor den Karren ihrer Interessen zu spannen. Es durfte kosten was es wolle, solange es nicht von ihnen bezahlt werden musste. In diesen Momenten kommen da einem immer wieder die Namen «Shylock» aus «Der Kaufmann von Venedig» von William Shakespeare oder «Fagin» in «Oliver Twist» von Charles Dickens in den Sinn. Auch wenn man kein Antisemit ist, sollen einem diese Vergleiche erlaubt sein.

Denn es ist doch selbstverständlich, dass es in der Weltliteratur zahlreiche jüdische Grossen gibt, vor denen man respektvoll den Hut ziehen muss. Ich denke dabei vor allem an Gotthold Ephraim Lessing mit «Nathan der Weise», auch an Hölderlin, Mörike, Heine, Raabe und wie sie alle heis-sen. Sie bilden den Gegenpol zu jenen jüdischen Gruppen, die gegen andere zu Felde ziehen.

Unterstützt werden diese linksorientierten SP-Politiker noch von den sogenannten künstlerischen «Grossen», wie Schriftsteller, Musiker, Schauspieler, Literatur- und andere Professoren unterschiedlichster Färbung, darunter auch der Querulant und Nestbeschmutzer Nationalrat Ziegler. Einer, der schon längst nicht mehr in die Regierung gehörte. Wann wird er es jemals begreifen lernen? Wie ernst diese Leute genommen werden können, haben wir in der Vergangenheit immer wieder feststellen können. In den entscheidenden Momenten, wo es galt, sich zur Wahrheit zu bekennen und

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Farbe zu zeigen, tauchen sie ab und halten sich bedeckt, um später wieder mit ihrer Kritik aufzuwarten, was sie besser oder anders gemacht hätten. Solange es ihnen um eine Gunst und Streicheleinheiten ging, versagten sie nicht. Sobald jedoch diese ausblieben und blankes Unverständnis ihnen entgegenschlug, machten sie sich dies zunutze, dass man sie eben nicht verstünde, um dann beleidigt und verbittert den Rückzug anzutreten.

Als weiteres Übel in unserer Gesellschaft ist die unwürdige Haltung von Seiten der Presse, Journalisten und von Fernsehleuten zu nennen. So hatte sich der von Verleger Michael Ringier verhätschelte Frank A. Meyer in einem Presseforum zähnefletschend, sabbernd und geifernd über Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz und über die Korrespondenz von Botschafter Jagrnetti ausgelassen, als ob er vor dem In- und Ausland zeigen müsste, dass die ganze Schweiz darob erbost wäre und diese beiden Personen in Bausch und Boden verdammt werden müssten. Ach ja, dieser Frank A. Meyer, eitel und soviel von sich haltend, sich mit aller Welt wichtig tuend, dass er eben den Bundesrat Ogi an der Strippe hätte und ihm wieder einmal gehörig die Meinung sagen müsse, versaut nicht nur im Fernsehen die Sendungen, wo man glücklicherweise durch Knopfdruck einen anderen Sender wählen kann, sondern auch noch Ringiers Presse, wo er sich - völlig inkompetent - überall einzumischen versteht. Und Ringier, der immer noch nicht gemerkt hat, welcher Schaden letztlich durch diesen Streitgenossen mit seinem Getue entsteht, stützt ihn weiterhin. Bereits haben bei Ringier die besten Topleute den Hut genommen, weil die Streitfrage der Kompetenz nicht restlos geklärt wurde.

Einen «Ränkeschmied» und «Einflüsterer» nannte ihn Karl Wild in der März-Ausgabe der BILANZ. Und was man alles über diesen bornierten Möchtegern Meyer hört und

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liest ... soviel Mühe um etwas, was sich nicht lohnt. Ein Mann, der nach eigener Aussage ebensoviel im Bildschirm festgehalten werden will, wie diejenigen, die er interviewt. Es sei das ungeschriebene Gesetz und darüber wolle er sich mit niemandem unterhalten. Gilt er wirklich soviel? - Ich brauche seine Sendungen nicht zu sehen. Nur einmal, als Bundesrat Willi Ritschard eingeladen war, von dem er auch prahlt, wie eng verbunden sie gewesen sein sollten, sah ich das Interview mit grosser Überwindung. Aber auch dieser Stern wird vom Himmel sinken. Die Frage bleibt, wie lange kann es sich Ringier noch leisten, einen solchen Mann zu halten? Im Vergleich zu Frank A. Meyer strahlen Personen wie Erich Gisling schon etwas anderes aus. Und es wäre in der Tat besser, Gisling oder der Sendeleiter und Chefredaktor der NZZ, Dr. Hugo Bütler, würden dem Fernsehen länger erhalten bleiben als Meyer.

Mit welchen massiven Mitteln sowohl gewisse Journalisten des Schweizer Fernsehens DRS und vor allem die «Sonntagszeitung» operieren, wurde nicht nur von jenem kriminellen Stück Journalismus (der seinen Namen nicht verdient!) illustriert, das den Schweizer Botschafter Jag-metti zum vorzeitigen Rücktritt veranlasste. Auch mir als Autor dieses Buches wurde auf übelste Weise mitgespielt.

Simon Hubacher von der «Sonntagszeitung» rief mich eines Nachmittags an und teilte mir mit, dass ihm die Anzeige dieses Buches, das kurz vor Drucklegung stand, nicht gefalle und er auf der ändern Seite sei. Welche andere Seite es auch geben mag ausser der Wahrheit dieses Titels: Uns trifft keine Schuld!

Ich erklärte ihm, dass sich dieser Titel in erster Linie auf die Eidgenossenschaft und auf das Schweizervolk bezieht und nicht auf die Banken, Unternehmen, die möglicherweise mit Lieferungen an die Deutsche Wehrmacht geholfen

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hätten, und auch nicht auf jene Exekutive, wie die Bundesräte Pilet-Golaz, von Steiger oder dem Polizei Vorsteher Dr. Rothmund und andere Fröntier, die Schuld auf sich geladen haben.

Dies passte Hubacher anscheinend überhaupt nicht ins Kalkül. Und wenn ich heute betrachte, wie dieser Journalist blitzschnell die Ebene der offenen und ehrlichen Kommunikation verliess, um mich, den Autor, in erbärmlichster Weise anzugreifen und meine wirtschaftlichen Verhältnisse in aller Öffentlichkeit auszubreiten, als sei ich ein Riesenbetrüger, den es vor der ganzen Schweiz blosszustel-len gelte, so wird mir klar, dass dieser Simon Hubacher von vornherein nur eines im Sinn hatte:

Mit allen Mitteln (auch den schäbigsten!) zu verhindern, dass ein kritisches Buch erscheint, in dem ich freimütig sage, was viele Schweizerinnen und Schweizer denken.

Da aber weder Hubacher noch das Schweizer Fernsehen von mir Unterlagen oder Auszüge aus dem Buch erhalten konnten, weil ich gerade dem vorbeugen wollte, was mit Jagmetti geschehen war, blieb ihnen als Waffe nur noch der «Enthüllungsjournalismus», den man als wahre Seuche der heutigen Medien bezeichnen muss, und sie griffen meine Person in erbärmlichster Weise an. Alle Gegendarstellungen wurden von der Redaktion der «Sonntagszeitung» mit fadenscheinigen juristischen Begründungen abgewiesen und nicht veröffentlicht, um dem Leser Glaubwürdigkeit der verzerrten Berichte zu suggerieren.

Ich sei einer Frau Gerber noch 50 000 Franken schuldig, obwohl sie mit einem Vergleich vor Jahren abgegolten wurde. Als sie dann dennoch gerichtlich klagte, wurde sie abgewiesen. Obwohl das Fernsehen die Unterlagen eingesehen hatte, wurde nur die Version Frau Gerbers ausgestrahlt, die

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dann meinen Brief vorlas, dass ich - wenn ich etwas Geld verdienen sollte - ihr zusätzlich und unabhängig von diesem Gerichtsentscheid die 50 000 Franken noch bezahlen würde (weil ich eben kein erbarmungsloser Geschäftsmann bin - ganz im Gegenteil und oft zu meinem eigenen Schaden - und der karge Geschäftserfolg des Buches von Frau Gerber mich ja auch betrübte). Allerdings bat ich sie, im Gegenzug keine weiteren Diffamierungen über mich zu verbreiten. Sie hielt sich nicht daran, und ich hätte heute wieder das Recht, ihr das zugesagte Geld zu verweigern.

Es kamen nun persönliche Dinge - auch die unglaublichsten Verleumdungen - aufs Tapet, die nichts aber auch gar nichts mit diesem Buch zu tun haben, nur um die Glaubwürdigkeit des Autors kaputtzumachen. Dass ich kein Rassist bin, bezeugen die bereits von mir herausgegebenen Bücher Daniel Heim, die autobiographischen Charakter haben. Ich habe immer gedacht, Jean-Jacques Rousseau übertreibt. Heute gerät man ins Schaudern, wie die Drahtzieher der sogenannten Öffentlichkeit über einen Menschen, der ihnen nicht genehm ist, herziehen.

Nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten des Schweizer Fernsehens und ein Teil der Presse beweisen, dass in ihrer Schweizer Fahne schon längst das weisse Kreuz verschwunden ist, und dass man nur noch röter vor Zorn werden könnte. Nicht nur, dass diese Leute zu Verrätern am eigenen Land werden, sie stiften noch meine Nachbarn und Bekannten an, solche zu werden.

Einem Nestbeschmutzer wie Jean Ziegler hingegen wird jeder erdenkliche Spielraum geboten, und die Redaktoren freuen sich noch an ihm.

Wie undemokratisch sind doch diese Verhaltensweisen, wo mit perfidesten Mitteln jeder mundtot gemacht werden soll, der nicht in ihr Bild passt. Die Wahrheit wird sich aber dennoch durchsetzen.

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Am Run auf die Auflagensteigerung hat sich über Fehlinformationen und Diffamierungen speziell die «Sonntagszeitung» aus dem Hause Tages-Anzeiger stark beteiligt. Auch der «Tages Anzeiger» und die dem Konzern angehörende «Berner Zeitung» schlugen in die gleiche Kerbe. Und es verwundert ja dann eben nicht, wenn jene einem solchen Vorstoss von Bundespräsident Arnold Koller und dem Finanzminister Bundesrat Kaspar Villiger beistimmen und diese Idee als überragend preisen. Tage später - entgegen der laufenden Mitteilung der Stimme aus dem Volk vom Schweizer Fernsehen «Schweiz aktuell» - behaupteten sie, der grösste Teil der Schweizer Bevölkerung stehe hinter dem Milliardending, das der Bundesrat verkündete. Schauen wir einmal in einem Jahr weiter, wie das Volk tatsächlich abstimmen wird. Vor allem, wenn nach den Prognosen die Wirtschaft noch schlechter wird, die Arbeitslosigkeit und die Armut zunehmen. Ausserdem wird ja behauptet, dass dieses Geld auch gegen die Armut in der Schweiz bestimmt sein soll. Wäre dann diese Politik nicht völlig verfehlt? Würde das dann nicht zu einer ungeheuren Inflation führen? Villiger behauptet nein. Die Ehemaligen der Nationalbank indessen sagen Ja. Die Problematik dieser Transaktion wurde bereits im vorigen Kapitel ausreichend behandelt. Es liegt also nur noch am Volk darüber zu befinden, ob unser Schweizerfranken später durch den «Büro», oder bereits heute schon durch Bundesrat Villiger und Konsorten verschwinden wird.

Wenn Zeitungen und Presseorgane zum Schaden der Schweiz im Ausland mit ins gleiche Hörn stossen, wie diejenigen, die unser Land in Bausch und Bogen verdammen und unser Ansehen - und vor allem unsere Väter und Vorfahren - beleidigen, dann mögen sie ihre Leserschaft verlieren. Sie haben es nicht anders verdient. Diesbezüglich

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haben bereits einige Zeitungen diese Erfahrungen machen müssen. Wenn die Briten nicht davor zurückschrecken, in ihrer «The Sunday Times» eine geschmacklose Fotomontage mit einem offenen Konzentrationslager-Tor von Auschwitz «Arbeit macht frei» abzudrucken mit einer heilen Schweizerlandschaft dahinter, so zeigt dies, in welche traurige Presselandschaft wir geraten sind. «Blood Money» titelt dieses englisch-jüdische Schundblatt von Mardoch. Erst hatten die BBC und die «The Times» - die interessanterweise ebenfalls Mardoch gehört - angekündigt, die Rede von Arnold Koller sei «staatsmännisch» ja «visionär» und jetzt bringen sie eine so billige Effekthascherei.

Aber auch die Schweizer Filmmacher stehen dieser These nicht fremd. Besonders die linksrevisionistische Geschichtsschreibung, wie die von Pseudo-Historiker Jakob Tanner und Daniel Monnat. Dieser hat einen angeblichen Dokumentarfilm mit dem Heinrich Böll nachempfundenen Titel «Die verlorene Ehre der Schweiz» produziert. Eine sehr einseitige und völlig unbrauchbare Sache. Der Kommentar von Monnat war entsprechend, dass die Schweizer des Zweiten Weltkriegs Leute waren, «die aus der schlimmsten Krise des 20. Jahrhunderts für sich Nutzen zu ziehen wuss-ten». Der Beitrag zeigte durchwegs nur die eine, schlimme Seite der Medaille. Lediglich bei den Schlusspassagen des Films, welche der Nationalbank und den Firmen Alusuisse, Maggi, Georg Fischer und Elektrowatt gewidmet waren, wurde, zumindest in Ansätzen, der Versuch unternommen, zu differenzieren.

Für das Strickmuster des Beitrags bezeichnend waren die Rollenverteilungen: Alte Leute, die empört ihr Geschichtsbild verteidigten, Gymnasiasten, welche für eine offene und kritische, heutige Schweiz zu stehen hatten, und die Historiker Jacques Picard, Jakob Tanner, Sebastian Guex, Hans-Ulrich Jost und Marc Perrenoud, welche ihre meist

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einseitigen Analysen vortrugen. Bedenkt man, dass die beiden Erstgenannten ebenfalls vom Bundesrat ernannte Mitglieder der Kommission Bergier sind, fragt man sich heute schon, ob und wieweit wohl diese Sicht die «neue, endgültige» (die niemals endgültig sein kann laut Professor Bonjour), vom Parlament bestellte Schweizer Geschichte prägen werde.

Im übrigen wird schon in der Presse gemeldet, dass der mit Spannung erwartete Bericht der US-Regierung über die Goldgeschäfte Nazi-Deutschlands keine neuen Elemente bezüglich der Rolle der Schweiz enthalten wird. War also diese ganze Geschichte von den ausländischen jüdischen Organisationen nur angezettelt, um Unfrieden zu stiften, um Lösegeld zu erpressen? Müssten sich diese Organisationen jetzt nicht bei den Schweizern entschuldigen - sie für ihr ungeheuerliches, geldgieriges Verhalten? - Ja, das meine ich, das wäre jetzt am Platz.

Nicht nur, dass es nichts war mit den zuerst genannten 10, dann 7 und schliesslich 5 Milliarden Schweizer Franken, die in den Tresoren der Schweizer Banken auf die jüdischen Hinterbliebenen harren sollten. Letztlich waren es doch nur noch 38 bis 40 Millionen Franken, die die Schweizer Grossbanken stets angegeben hatten. Und ich will wetten, dass am Schluss der Berichte wohl einige angebliche «Mängel» in der schweizerischen Ausländerpolitik im Zweiten Weltkrieg herausgefunden werden, sonst aber nichts, aber auch rein nichts an Schuld gegen die Schweiz erbracht und schon gar nicht erwiesen wird.

Wenn nun kirchliche Kreise sich zu einer Schuld bekennen, wie dies in der Schweizerischen Bischofskonferenz getan worden ist, judenfeindliches Denken geduldet, teilweise sogar seit zwei Jahrtausenden von den christlichen Gemeinschaften gefördert zu haben, so ist diese Stellungnahme berechtigt. Nur der christliche Glaube hat die barba-

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rischen Kreuzzüge erlaubt, die dann aber auch noch auf den mohamedanischen Glauben ausgeweitet wurden. Aber immer und immer wieder wurden die Juden von den Progro-men in Mitleidenschaft gezogen. Die Kirchenführer und Fürsten bekräftigten dies jeweils, indem sie den Juden die Schuld an Jesus von Nazareths Tod zuerkannten, auch wenn die Vollstrecker die Römer waren. Und sie nannten stets die Worte, die Jesus der weinenden Mutter Maria und Maria-Magdalena am Kreuz sagte: «Weinet nicht um mich. Weinet um euch und eure Kinder!»

So recht ins Bild unserer tendenziösen Presselandschaft passt schliesslich auch der völlig verantwortungslose Stil der «Enthüllungen», die hochgespielt, aufgebauscht und öffentlich ausgebreitet werden, möglichst bevor die Fakten geklärt sind. Der Fall Meili war ein Paradebeispiel für diese Art der «Berichterstattung». Wer sich davon provozieren lässt und einen Fehler in der Wortwahl begeht, dem kann es ergehen wie dem Präsidenten der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG), Robert Studer. Der Anwalt des Wachmanns Christoph Meili reichte Klage ein, indem er Studer rufschädigende Unterstellung vorwarf. Die SBG wiederum war gezwungen, die Klage als haltlos zurückzuweisen, d.h. ebenfalls auf dem zivilrechtlichen Weg zu reagieren.

Vielleicht kommt es auch in der Schweiz so weit, dass wir nur noch über unsere Anwälte miteinander reden und das offene und ehrliche Wort völlig verstummt. Zumindest die Anwälte wird es freuen. Studer habe Meili in der Sendung «Arena» des Schweizer Fernsehens unmissverständlich unlautere und unethische Motive unterstellt, teilte Meili-Anwalt Marcel Bosonnet mit. Die beim Bezirksgericht Horgen eingereichte Klage laute auf Verletzung der Persönlichkeitsrechte, hielt er auf Anfrage fest. In diesem Zusammenhang habe er verschiedene Anträge gestellt, die er aber

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nicht präzisieren wollte, da der SBG und Studer die Klage noch nicht vorliege.

Bosonnet, der von jüdischer Seite als Anwalt für Meili zugezogen wurde, hatte der SBG und Studer vier Tage Zeit gegeben, zu den in der Sendung «Arena» vom 17. Januar 1997 gemachten Bemerkungen Stellung zu nehmen. Studer hatte in der Sendung gesagt, Meili habe für sein Vorgehen, als er historische Akten vor der Vernichtung rettete, nicht nur ehrbare Motive gehabt. In der Sendung hatte er diese Aussage jedoch nicht begründet.

Studers Rechtsvertreter antwortete Bosonnet, Meili hätte die Aktenvernichtung noch stoppen können, wenn er den Fund unverzüglich gemeldet hätte. Dies wäre «im objektiven Interesse aller Beteiligten gewesen». Da Meili aber den Dienstweg nicht eingehalten habe, erwecke dies den Eindruck, es sei ihm darum gegangen, sich Publizität für die eigene Person zu sichern. Bosonnet war jedoch mit der Begründung nicht zufrieden. Die SBG und deren Direktor hätten die medienwirksame Unterstellung weder konkretisieren noch belegen können, begründete er die Klage. Er wirft Studer und der SBG insbesondere vor, sie stünden nicht zu ihrem Fehlverhalten, sondern drehten den Spiess um. Der Wachmann habe couragiert und unter Inkaufnahme einschneidender, auch wirtschaftlicher Folgen aufgedeckt, dass die SBG Akten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges vernichten wollte, hiess es im Communique. Mit der Wahrung von Meilis Interessen in diesem Fall wurde die Rechts-anwältin Cornelia Kranich-Schneiter betraut.

SBG-Sprecherin Gertrud Erismann bezeichnete die Klage als haltlos. Studers Bemerkungen in der Fernsehsendung seien präzisiert worden, und es würden im Brief Tatsachen aufgeführt. Zudem habe Studer nie gesagt, es sei kein Fehler gemacht worden. Wenn man bedenkt, wie unglaublich überempfindlich die Juden in ihrer Sache reagieren, ver-

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wundert einen nur, warum auch von der Presse und der Öffentlichkeit her keine energischere Zurückweisung der infamen Lügen und Behauptungen, die gegen die Schweiz vorgebracht werden, erfolgt. Der stotternde und kaum zu einem richtigen Satz fähig sprechende Meili - jedenfalls hört es sich in den Fernsehsendungen jeweils so an - ist gar nicht in der Lage gewesen zu beurteilen, ob er nun tatsächlich wichtige Akten (er redete im Fernsehen nur von so schönen, von handgeschriebenen Bänden) behändigen konnte. Hier machen - insbesondere auch mit der eher nebenbei bemerkten Erklärung Studers - die Juden vielzuviel Aufhebens. Es scheint, als ob sie es direkt darauf anlegten, permanent mit der Schweiz im Streit zu stehen, um soviel wie möglich herauszuholen.

Hanspeter Thür, Nationalrat der Grünen Partei schrieb in der NZZ folgenden Brief, der viele bemerkenswerte Einsichten darüber enthält, wie selbst in der Politik hohe Exponenten sich in die Gefahr begeben, ihr Handeln am Spektakulären, an «medienwirksamen Aktionen» zu orientieren:

«Die längst fällige Auseinandersetzung um den Antisemitismus verkommt zunehmend zu einer parteipolitischen Abrechnung. Der Vorstand der SP Schweiz hat mit der reichlich späten Rücktrittsforderung an die Adresse von Bundesrat Delamuraz dieser Entwicklung Vorschub geleistet, nachdem die betroffenen jüdischen Kreise das «Bedauern» von Bundesrat Delamuraz akzeptiert hatten. Die Forderung ist umso abstossender, als zum vornherein klar war, dass eine solche Forderung rein gar nichts bewegen wird. Im Gegenteil: Sie provozierte eine breite welsche Solidarisierung über alle Parteigrenzen hinweg (inklusive SP) mit dem Volkswirtschaftsminister.

In der Romandie war man sich einig, dass die Aussagen von Bundesrat Delamuraz inakzeptabel waren, dass er aber

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deswegen noch lange kein Antisemit war und eine Rücktrittsforderung deswegen übers Ziel hinausschoss. Als der Vorstand der Grünen die Lage diskutierte, war man insbesondere über den Umstand beunruhigt, dass die Äusserung von Delamuraz eine landesweite Welle des Antisemitismus auslöste. Nach gründlicher Diskussion kamen wir zur Überzeugung, dass eine Rücktrittsforderung von diesem Problem ablenkt und ausserdem den Kampf gegen den Antisemitismus zwangsläufig zu einer parteipolitischen Auseinandersetzung degradiert.

Dass Exponenten der SP der Versuchung nicht widerstehen können, diese Auseinandersetzung parteipolitisch auszunutzen, zeigt auch die Art und Weise, wie das kürzlich publizierte Manifest lanciert wurde. Von der Handvoll Ini-tianten sind rund die Hälfte SP-Exponenten, zwei davon Nationalräte. Warum hat man sich nicht die Mühe genommen, wenn schon politische Exponenten an der Spitze dieser Bewegung stehen sollen, auch andere Parteivertreter zu begrüssen? Oder will man mit dem Manifest den Eindruck vermitteln, dass nur Linke konsequente Kämpfer gegen Antisemitismus sind? Interessant ist, dass auch die letzte Freitags-«Arena» im Fernsehen nach diesem Muster gestrickt wurde. «Sind Linke und Medien Nestbeschmutzer?» war die Fragestellung und suggerierte, dass nur Linke gegen den Antisemitismus ankämpfen. Folgerichtig war die Meinung jener, welche zwar die Aussagen von Delamuraz nicht goutierten, sich aber mit guten Gründen nicht zu einer Rücktrittsforderung hinreissen Hessen, nicht erwünscht.

Ich hoffe sehr, dass wir in diesem Thema rasch zu einem fruchtbaren Diskurs gelangen, der mit einschliesst, dass es einen linken Antisemitismus gibt, den es aufzuarbeiten gilt und der anerkennt, dass es auch auf der Rechten eine echte Besorgnis über den latenten Judenhass gibt.»

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So kam also aus der SP-Küche die Rücktrittsforderung, die nicht nur daneben, sondern auch politisch völlig falsch und unangebracht war: Die Gemütslage ist SP-Präsident Peter Bodenmann jeweils an den Gesichtszügen abzulesen. Dass ihm die erst abgesagte und dann doch durchgesetzte ausserordentliche Parteivorstandssitzung nicht in den Kram passte, war unschwer zu erkennen. Doch eben - Genösse Paul Rechsteiner aus St. Gallen hatte sich in der Fernseh-Arena weit aus dem Fenster gelehnt und musste den starken Worten fast gezwungenermassen Taten folgen lassen.

Mit Unterstützung des Genfer Fraktionskollegen Jean-Nils Dardel entwarf er nur Stunden vor Sitzungsbeginn eine Resolution, die den Kopf von Bundesrat Delamuraz und eine unmissverständliche Distanzierung des Gesamtbundesrats von dessen Äusserung forderte. Weder Fraktion noch andere Gremien hatten Gelegenheit, das Papier zu studieren, das den nicht gerade zahlreich erschienenen Vorstandsmitgliedern erst bei ihrem Eintreffen im Bundeshaus ausgehändigt wurde.

Verteilt wurde im Lauf der Sitzung auch das immerhin rund vier Wochen zurückliegende Interview des letztjährigen Bundespräsidenten, über das manche Anwesende offensichtlich gar nicht so recht im Bild waren. Ein Votant gab unumwunden zu, dass er bei der Anreise nach Bern noch gegen eine Rücktrittsaufforderung an Delamuraz war, nach der Lektüre des Originaltextes diese nun aber aus voller Überzeugung unterstützt.

Auch andere Vorstandsmitglieder haben sich ihre definitive Meinung erst im Verlauf der über dreistündigen Debatte gebildet, so etwa Generalsekretärin Barbara Haering-Bin-der und Fraktionschefin Ursula Hafner, die, im Unterschied zum Parteipräsidenten, schliesslich der Rücktrittsforderung zustimmten.

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Bodenmann hatte zu Beginn der langen Diskussion die bisherige Haltung der SP-Spitze erläutert: Da Edgar Bronf-man namens des Jüdischen Weltkongresses die nachgeschobene Erklärung von Delamuraz als irgendeine Art Entschuldigung akzeptiert habe, sei man der Meinung gewesen, die Partei könne sich dieser Logik beugen. Wie andere vertrat aber auch Bodenmann die Ansicht, Delamuraz habe mit seinen Äusserungen dem latenten Antisemitismus in der Schweiz die Tür geöffnet und ihn hoffähig gemacht. Noch weiter ging Dardel als welscher Mitautor der Resolution, indem er Delamuraz die bewusste Verwendung schlimmster antisemitischer Stereotype sowie Verständnis für antisemitische Reaktionen unterstellte.

Nationalrat Rechsteiner konnte ein gewisses Bedauern nicht verhehlen, dass seine nicht minder scharfe Attacke ausgerechnet den der SP liebsten Freisinnigen trifft, der eben noch mitgeholfen hatte, das Arbeitsgesetz zu modifizieren. Es gehe jedoch nicht um Delamuraz als Person, sondern um die Frage, wie antisemitisch die Zukunft der Schweiz sei. Der Sozialdemokratie als verlässlichste Kraft im Kampf gegen Faschismus und Antisemitismus bleibe gar nichts anderes als die Feststellung, dass Delamuraz als Bundesrat nicht länger tragbar sei. Andere meinten, der Bann müsste auf die Bundesräte Cotti und Koller erweitert werden, die ebenfalls zweifelhafte Aussagen gemacht hätten. Den Sozis sollte eigentlich klar sein, dass die Bemerkungen von Bundesrat Delamuraz nicht anderes zum Ausdruck brachten als die Faust im Sack des Schweizers. Ausserdem können weder eine Partei noch ein Gesetz Antisemitismus verhindern. Es gibt immer Mittel und Wege, eine Formulierung zu finden, die die Juden - oder auch solche, die heuchlerisch gegen den Antisemitismus ankämpfen wollen, um sich in der Öffentlichkeit zu produzieren -

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als antisemitisch auslegen können. Wenn aber gewisse Juden in infamer Weise Lügen gegen jemanden oder gegen einen Staat verbreiten, um mit Sanktionen und Boykottandrohungen ein Ziel, nämlich sehr viel Geld zu erpressen, zu erreichen, müssen sie auch in Kauf nehmen, dass der Verunglimpfte sie nicht mit Glacehandschuhen anfasst. Und wenn von Bodenmann, Rechsteiner und der Sozi-Bande gefordert wird, dass ein Bundesrat wegen einer Meinung, die er zu Recht vertritt, zurücktreten solle, dann müssten zuerst einmal diese Miesmacher selbst von der politischen Bühne abtreten. Erst dann gäbe es wieder Ruhe in unserem Lande.

Die grundsätzliche Kritik am Delamuraz-Interview wurde auch von den Gegnern der Resolution geteilt. Namentlich der Berner Nationalrat Peter Vollmer und der Freiburger Ständerat Pierre Aeby warnten jedoch eindringlich davor, die gegenwärtige Krise zu personalisieren und damit von den wahren Problemen abzulenken. Mit der Rücktrittsforderung greife man zu kurz und erschwere bloss die Aufgabe der von Botschafter Borer geleiteten Task Force.

Die Berner Nationalrätin Ursula Bäumlin appellierte, ob der Vergangenheitsbewältigung nicht die drängenden Probleme der Gegenwart zu vergessen. Und eine welsche Delegierte meinte, mit der Rücktrittsforderung betreibe die SP höchstens Wahlhilfe für den Waadtländer Freisinn. Die Mehrheit folgte jedoch der eindringlichen Mahnung der neuen Generalsekretärin, angesichts der ethisch-moralischen Dimension der Entscheidfindung führten taktische Überlegungen nicht zum Ziel. Nachdem auch noch der linke Historiker Peter Hug die Würde der Demokratie vom Abgang Delamuraz' abhängig gemacht hatte, stimmte der Vorstand mit 25 zu 11 Stimmen der Feststellung zu, dieser sei als Bundesrat untragbar geworden. Die vollständige

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Resolution, die unter anderem auch das bisherige Verhalten des Gesamtbundesrats als inakzeptabel qualifiziert und vom Kollegium eine klare und unmissverständliche Distanzierung von den Äusserungen Delamuraz' fordert, wurde mit 30 Stimmen bei 5 Enthaltungen genehmigt. - Und irgendwie schien es, als ob sich der Parteipräsident bereits wieder ein bisschen über den losgetretenen Knallkörper freute.

Was für ein erbärmlichen Haufen Eidgenossen oder Nestbeschmutzer haben wir doch in unserem Lande! Leute, die nicht genug Zivilcourage haben, um zu einer Sache einheitlich zusammen zu stehen! Was muss das Ausland von einem solchen verräterischen Bund denken, der so verquer und wie Hühner durcheinandergackert, wenn sie eine Gefahr wittern. Ich möchte solche Typen sehen, wenn es wieder einmal in unserem Lande ernst würde. Wir können nur hoffen, dass dies nicht die ersten Landesverräter sein werden, denn die Grundlagen ihrer Überzeugungen erscheinen - zumindest in der Beurteilung ihres politischen Gegners Delamuraz - mehr als fadenscheinig. Aber so scheint der Stil der neuen Zeit zu sein: Man zielt auf die Integrität des anderen, tut scheinheilig so, als sei von ihm zu fordern, er habe ein «Heiliger» zu sein, findet scheinheilig - wie sollte es anders sein - eine Schwäche beim ändern und schwenkt sie öffentlich wie eine Trophäe. Wer weiss, ob sich das Volk nicht eines Tages angewidert von solchen Spektakeln abwenden wird, denn die Bürger und Wähler sind feinfühliger, als manche glauben.

Den Waadtländer Sozialisten, die einen weiteren Sitz in der Kantonsregierung erobern wollten, hat die Attacke ihrer Landespartei auf Bundesrat Delamuraz gerade noch gefehlt. Ein Kandidat verbreitete ein Communique, um sich von der Rücktrittsforderung an den Waadtländer Bundesrat

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zu distanzieren. Dann meldete sich Nationalrat Chiffelle schon in den Morgennachrichten im gleichen Sinne zu Wort; die frühere Kantonalparteipräsidentin, Marlyse Dor-mond, war schlicht niedergeschlagen und am Mittag schickte auch der Parti Socialiste Vaudois per Fax noch sein ausdrückliches Bedauern der SP nach. Aber nicht nur die sozialistischen, sondern die Waadtländer überhaupt waren aufgewühlt; in «24 heures» lief gleich zwei Kommentatoren der Mund über: «Pourquoi diable JPD devrait-il demissionner?»

Gleich oder ähnlich tönt es aus allen Ecken des Welschlandes. Man hat den Eindruck, dass nach dem Fehlschuss der SP noch etwas deutlicher und unverschlüsselter Zustimmung geäussert werde zu dem, was sich in Delamuraz' Äusserungen verbarg. Es sei wohl nicht an ihm gewesen, es zu sagen, schrieb Roger de Diesbach in der Freiburger «Liberte», doch gelte es, ebenso wie wir uns selber in die Augen schauen wollen, dringend weitere Fragen zu stellen, zum Beispiel diejenige, ob sich in die legitimen Vorhaltungen jüdischer Organisationen nicht vielleicht auch andere Interessen mischten. Wer solche Fragen stellt, riskiert, alsogleich zum Antisemiten gestempelt zu werden. Wir stellen sie trotzdem. Die Resolution, mit der die Sozialisten den Kopf von Delamuraz fordern, beweist, dass neue Tabus an die Stelle der alten treten.

Ist es nicht bestürzend, dass de Diesbach sich veranlasst sieht, mitten im Bericht über sein Unbehagen zu sprechen, dass er schon verspürt, wie Aussagen nur noch umhüllt von Hinweisen erscheinen können, in denen erklärt wird, was mit eben diesen Aussagen gemeint ist, nicht gemeint ist und voraussichtlich von ändern gemeint sein könnte, wenn jene ändern es denn übel meinen. Sind wir schon so weit, dass ein offenes (und sei es heftiges, aber ehrliches) Wort erst bei

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tausend unsichtbaren Instanzen um Erlaubnis betteln und um Verständnis werben muss, bevor es wagt, sich auszusprechen? Wer «stempelt ab»? Die öffentliche Meinung? Wohl kaum, denn überall dort, wo damit das ehrliche Wort des mündigen Bürgers gemeint sein sollte, bemerken wir, dass «Abstempeln» sehr viel mit Bevormundung des Bürgers zu tun hat, und dass die Bevormunder eines verabscheuen wie der Teufel das Weihwasser: die Zivilcourage jenes Bürgers, der den Mut hat, öffentlich seine Meinung zu sagen, ohne Hass und Hintergedanken.

Alt-Bundesrat Georges-Andre Chevallaz stellte sich in einem Radio-Gespräch, in dem er sich mit dem Interview seines Nachfolgers in der Landesregierung weitgehend einverstanden erklärte, die Frage, ob neben der bereits bestellten Historikerkommission nicht eine weitere einzusetzen wäre, die den Gründen und Zusammenhängen der gegenwärtigen Häufung massiver Angriffe auf unser Land nachzugehen hätte. In der Tat rückt dieser Gesichtspunkt immer stärker in den Vordergrund, und es ist gut, dass er frühzeitig öffentlich geäussert wurde. Denn alles deutet darauf hin, dass die Diskussion noch genau auf diese Zusammenhänge zurückkommen wird.

Mit diesem Hinweis schliesst sich der Teufelskeis innerer Querelen, die es der Schweiz so schwer machen, sich mit den Attacken von aussen vernünftig und erfolgreich auseinanderzusetzen.

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