Der mythische Ursprung: Das Erste Buch Mose.

Im Vierten Kapitel Mose sehen wir, was die Juden s e i n  w o l l e n. Nomaden. "Es begab sich aber nach etlicher Zeit, daß Kain, der Ackersmann (der seßhafte Bauer) Jahwe ein Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und Abel, der Schäfer (der Nomade) brachte auch von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett." "Und Jahwe sah gnädig an Abel und sein Opfer. Aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an." (4)

Hier ist die göttliche Bestimmung getroffen, daß die Juden Jahwes Gunst finden, weil sie Nomaden sind.

"Da erhob sich Kain (der Bauer) wider seinen Bruder Abel, den Nomaden, und schlug ihn tot."

War das das erstemal, daß der Bauer "seinen Neid und seinen Haß an den Nomaden ausläßt"? Der Mord Kains (des Bauern) an Abel (dem Nomaden) hat kein anderes Motiv als den Vorzug Jahwes für Abel. Warum Jahwe den Abel vorzieht, bedarf keiner Erklärung. Und Jahwe sagt zu Kain:

"Und nun verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen."

Mit Abel war der nomadische Zweig der Nachkommen Adams und Evas erloschen. Aber Jahwe begann den Stammbaum der Juden von vorn:

"Adam erkannte abermals sein Weib, und sie gebar einen Sohn, den hieß sie Seth; denn Jahwe hat mir, sprach sie einen anderen Samen gesetzt für Abel, den Kain erwürgt hat."

Der Nachfahr Seths, der Stammhalter Noah, hatte drei Söhne, Sein, Ham und Japhet. Im Siebenten Kapitel Mose befahl Jahwe dem Noah "Gehe in den Kasten (die Arche), du und dein ganzes Haus; denn dich habe ich gerecht ersehen vor mir zu dieser Zeit."

Und im Achten Kapitel Mose heißt es: "Da redete Jahwe mit Noah und sprach: Gehe aus dem Kasten, du und dein Weib, deine Söhne und deiner Söhne Weiber mit dir."

Es geht dann im Neunten Kapitel Mose weiter: "Noah aber fing an und ward ein Ackersmann und pflanzte Weinberge... Und da er Wein trank, ward er trunken und lag in der Hütte aufgedeckt. Da nun Ham, Kanaans Vater, sah seines Vaters Blöße, sagte er es seinen Brüdern draußen. Da nahmen Sein und Japhet ein Kleid und deckten ihres Vaters Blöße zu."

"Als nun Noah erwachte und erfuhr, was ihm sein jüngster Sohn angetan hatte, Sprach er: Verflucht sei Kanaan und sei ein Knecht aller Knechte unter seinen Brüdern." "Und sprach weiter: Gelobt sei der Herr, d e r

G o t t  S e m s, und Kanaan sei sein Knecht." Uahwe breite Japhet aus und lasse ihn wohnen in den Hütten des Sein und Kanaan sei sein Knecht. " (im Hebräischen sind es Zelte, nicht Hütten).

Das Zehnte Kapitel Mose nennt die Nachkommen Japhets, Hams und Sems. Im Elften Kapitel Mose aber wiederholt die Liste nur Nachkommen Sems. Die Stämme Japhets und Hams erscheinen hier nicht und auch später nie mehr.

Damit hätten wir den mythischen Stammbaum der Juden und gleichzeitig die Rangordnung der Geschlechter nach Noah, der Rassen der Menschen: Das Geschlecht des Sein ist der Eigentümer "der Hütten". Die Söhne des Japhet dürfen in den Zelten des Sein wohnen, ihr Rang ist der zweite. Die Söhne des Ham aber, die Kanaaniter, sind sowohl die Knechte des Japhet wie auch und vor allem des Sein. Auf ihnen lastet der Fluch bis in unsere Tage.

Der Gott Sems erteilte dem Geschlecht des Sein seine Vollmacht: Im Zwölften Kapitel Mose sprach Jahwe zu Abram, dem Nachfahren Sems: "Gehe aus deinem Vaterland und von deiner Freundschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen. "

Damit ist der mythische Ursprung der Juden, soweit er im "Alten Testament" steht, abgeschlossen:

  1. Der Gott der Bibel ist der Gott des Geschlechtes Sein. Er ist der Gott der Semiten. Damit haben wir die Einrichtung des "S e m i t i s m u s".
  2. Das "personale Selbstverständnis der Juden" sagt, daß sie sich als Nomaden sehen. Das bekannte jüdische (jiddische) Wort G O I (G o j i m in der Mehrzahl) bedeutet im Hebräischen "Bauer" und "Volk" und ist seit eh und je ein Schimpfwort.
  3. Nach dem Gesetz von Actio und Reactio, von Handlung und Gegenhandlung ist in der ungeheuren Anmaßung des Stammes SEM der Antisemitismus zwar nicht gerechtfertigt, aber sehr wohl begründet.

Der legendäre geschichtliche Anfang:

Im neununddreißigsten Kapitel Mose erfahren wir, wie Josef, der Sohn Jakobs (Israels) nach Ägypten verkauft wird und es versteht, bald zu Ansehen und Vermögen zu kommen. Wir erfahren auch, wie er in der etwas verworrenen Geschichte zum Herren der ganzen ägyptischen Wirtschaft wird, natürlich unter dem Pharao.

Im Dreiundvierzigsten Kapitel steht ein merkwürdiger Satz: "Und man trug ihnen, (den Juden) besonders auf (im Hause Josefs in Ägypten) und den Ägyptern, die mit ihm aßen, auch besonders. Denn die Ägypter dürfen nicht Brot essen mit den Hebräern, denn es ist ein Greuel vor ihnen."

Diese Anmerkung wäre unverständlich, wenn man nicht an die Erfahrungen der Ägypter dächte, die sie mit den "Hyksos", zweifellos anderen semitischen (beduinischen) Fremden in ihrem Lande gemacht hatten. Auf jeden Fall haben wir hier eine Abneigung der Ägypter gegen die Hebräer, also Antisemitismus.

Das Sechsundvierzigste Kapitel Mose beschreibt, wie Josef seinen Brüdern verzeiht, die ihn doch erst umbringen wollten und dann auf Rubens Einspruch nach Ägypten verkauft hatten. Nun bringt er in der bewundernswerten jüdischen Familieneintracht eine riesige Sippe der Seinen nach Ägypten. Er hat ja auch die Macht und die Vollmacht des Pharao dazu. Und doch zeigt sich hier zum erstenmal in der noch legendären Geschichte der Juden ihre besondere Kunst:

"Josef sprach zu seinen Brüdern: Ich will hinaufziehen und zu Pharao sprechen: Meine Brüder sind zu mir gekommen aus Kanaan, und sie sind Viehhirten, das sind Leute, die mit Vieh umgehen. Wenn euch nun Pharao wird rufen und sagen: Was ist eure Nahrung? So sollt ihr sagen: Deine Knechte sind Leute, die mit Vieh umgehen, wir und unsere Väter. Auf daß ihr (ihr meine Brüder) wohnen möget im Lande Gosen. Denn was Viehhirten sind, das ist den Ägyptern ein Greuel"

Dieser verschachtelte (von mir leicht gekürzte) Satz ist nur scheinbar widersprüchlich. Offenbar ist Luther hier mit der Übersetzung nicht zurechtgekommen. Sein viel einfacherer Sinn ist eindeutig: Gebt nicht zu, daß ihr N o m a d e n seid, denn die Ägypter mögen keine Nomaden. Redet also um die Sache herum!

Das ist der erste zwar noch legendäre, aber sicher wahre Beleg für zwei Tatsachen: Die Juden betrachteten als Nomaden Ägypten wie jedes andere Land auch als ihre "Weide". Sie waren also zu der vermuteten Zeit ihres Eindringens in Ägypten Nomaden. Sie sind es immer geblieben.

Und es beweist die Meisterschaft der Juden, sich zu tarnen, den Wirtsvölkern, hier also den Ägyptern, den Eindruck zu geben, sie seien eigentlich nicht "anders".

Man nimmt aus Gründen, die hier nicht interessieren an, daß die Juden 430 Jahre lang in Ägypten lebten, zuerst gern gesehene Gäste, dann wie es üblich ist, wenn zwei Völker im selben Lande zu leben gezwungen, sind, lange Zeit geduldet, dann verhaßt. Dieser Wandel soll sich, nach der geltenden Zeitrechnung der jüdischen Geschichte, zwischen den Jahren 1740 und 1310 v.Chr. vollzogen haben. Ich möchte die Zeit des "Auszugs aus Ägyptenland" (des "Exodus") eher auf die Jahre um 1250 v.Chr. legen, aber das ist hier ohne Belang.

Die große Judenverfolgung durch die Ägypter. Das Zweite Buch Mose.

Josef lebte natürlich nicht 430 Jahre. Wie sich das Verhältnis zwischen dem Wirtsvolk, den Ägyptern, die ja damals das mächtigste und am höchsten entwickelte Kulturvolk der Welt waren, und den Juden, die schon damals Leute von klarem, scharfem Verstand und beachtlichem Gemeinschaftsgefühl waren, in diesen Jahrhunderten gestaltete, ist in der Bibel von der einen der beiden Seiten sehr ausführlich beschrieben. Die ägyptischen Berichte darüber sind sehr dürftig. Offenbar war für die Ägypter die "Judenfrage" zwar wichtig, aber keine staatsgefährdende Sache, für die Juden aber wurde die "Ägypterfrage" immer drängender.

Nach dem Fünften Kapitel Mose wurden die Juden zu Frondiensten für den Staat (für Pharao) gezwungen:

Aaron und Mose gingen zum Pharao: "Sie sprachen: Der Hebräer Gott hat uns gerufen; so laß uns nun hinziehen in die Wüste und JAHWE, unserem Gott, opfern."

"Da sprach der König in Ägypten zu ihnen: Du Mose und du, Aaron, warum wollt ihr das Volk von seiner Arbeit freimachen? Geht hin an eure Dienste! "

"Und die Amtleute der Kinder Israel welche die Vögte Pharaos über sie gesetzt hatten, wurden geschlagen, und ward zu ihnen gesagt: Warum habt ihr weder heute nach gestern euer gesetztes Tagewerk getan?"

Die Fron brach nicht den Stolz der Juden. Im Gegenteil, wenn man ihren Berichten folgen will (und das tue ich), gaben sie nichts von ihrer Anmaßung nach.

Im Vierten Buch Mose heißt es: "Danach gingen Aaron und Mose hinein und sprachen zu Pharao: So sagt der Herr, der Gott Israels: Laß mein Volk ziehen, daß mir's ein Fest halte in der Wüste. Pharao antwortete: Wer ist der Herr, des Stimme ich hören müsse und Israel ziehen lassen? Ich weiß nichts von dem Herrn, will auch Israel nicht ziehen lassen. "

Was sich damals in Ägypten abspielte, ist keine "soziale Spannung" oder etwa auch ein "gesellschaftliches Problem". Es ist ein naturgesetzlicher Vorgang. Insofern ist er nichts Besonderes:

Wann immer zwei Völker verschiedener Art in einem Lande Leben, gibt es entweder Krieg oder eine gewaltsame Trennung (wiederum nach einer kriegerischen Handlung, eben gewaltsam). Wir beobachten das heute in Südafrika, in Jugoslawien oder in Sri Lanka, und wir werden es bald in Deutschland beobachten.

Das Besondere an dieser Episode der jüdischen Geschichte ist die unglaublich zähe Bewahrung der Erinnerung der Juden an diese ihre erste Verfolgung.

Damit ist der Exodus und seine Vorgeschichte eine doppelte Lehre: Er lehrt uns den wahrhaft ungewöhnlich festen Charakter der Juden in ihrem Daseinskampf eines Nomadenvolkes in (ich wiederhole: i n!) einem Bauernvolk, und sie ist ein typischer Fall des zuerst von Robert Ardrey beschriebenen "Territorialtriebes".

Dem Territorialtrieb werde ich ein besonderes Kapitel widmen. Hier zu der Zähigkeit, mit der die Juden ihre Geschichte bewahren und Konsequenzen aus ihr ziehen, dies letztere aber nur auf ihre Weise.

Immer und immer wieder erinnerten sich die Juden der "Verfolgung" in Ägypten, wie etwa im Fünften Buch Mose im 16. Kapitel:

"Und gedenke, daß du Knecht in Ägypten gewesen bist." Und noch heute, nach etwa 3200 Jahren feiern die Juden als ihren höchsten Feiertag PESACH (Passah)! Dabei spielt es für die Juden nicht die geringste Rolle, wie es zu der "Verfolgung", zu der "Knechtung" in Ägypten gekommen ist. Verstehen kann man diese jedem Nichtjuden fremde Sicht der Juden überhaupt nicht, wenn man nicht selbst Nomade ist: Eben weil der Nomade keine H e i m a t hat, nicht und nirgends "autochthon" ist, kann ihm gar nicht in den Sinn kommen, daß er irgendwo kein Lebensrecht haben sollte. Und eben weil der Jude wurzellos ist, nirgends einen räumlichen Urgrund hat, mußte er sich einen geistigen, mythischen Ersatz dafür schaffen, und das ist sein Doppelgebilde aus Religion und Geschichte.

Kein Volk dieser Welt ist so fest gebunden in seine Geschichte (nicht nur mit ihr "verbunden") wie die Juden. Keinem Volk der Erde ist die Religion so ungeheuer gegenwärtig, persönlich und diesseitig wie den Juden. Der "Exodus", die Vertreibung aus Ägypten, die ja auch gleichzeitig eine von den Juden vom Pharao erbettelte Freilassung und dann eine Flucht war, hat dem Stamme Sein die Bestätigung geliefert, daß er von Gott vorgezogen wird. Das Pesach-Fest ist darum das Symbol dieser merkwürdigen Einheit von Geschichte und Religion. Seit dem Exodus aus Ägypten wissen die Juden, daß sie das ausgewählte Volk sind. Sie sind, und daran zweifelt überhaupt kein Jude je, nicht nur im religiösen Sinne "herausgehoben" als Besondere unter allen anderen, sie sind es auch in geschichtlichem und damit in politischem Sinne. Insofern hat der deutsche Bundesgerichtshof mit seinem Urteil ganz Recht, daß die Juden wegen ihres Verfolgungsschicksals eine "herausgehobene Gruppe" sind. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob diese "Verfolgung" real existierte (wie sicher die Knechtung der Juden in Ägypten, ihre Vertreibung aus Spanien unter den Reyes Catolicos Isabel und Fernando und die Pogrome in Rußland und Polen), oder ob sie fingiert oder gar erlogen ist. Die "Verfolgung" allein kann die unglaubliche Anmaßung der Juden nicht erklären; nur wenn man diese "Verfolgung" als das Schicksal aller Nomaden versteht, die überall ihr Lebensrecht fordern, obwohl sie doch nirgends daheim sind, wird diese Anmaßung verständlich.

Schon diese Überlegung widerlegt die Auffassung von Strauss und Kampe, daß Antisemitismus eine "gesellschaftliche" Reaktion oder ein soziales Problem sei. Antisemitismus ist ein geschichtlich unausweichliche Phänomen genetischer Art.

Man kann schließlich von allen anderen Völkern, die in einer Heimat gewachsen sind und in ihrer Heimat leben, nicht erwarten, daß sie die "Herausgehobenheit" der Juden hinnehmen um den Preis ihrer Existenz.

Das würde den Naturgesetzen widersprechen, und da stütze ich mich auf Robert Ardrey.

DER TERRITORIALTRIEB NACH ROBERT ARDREY:

Der amerikanische Forscher Robert Ardrey hat an verschiedenen Tiergemeinschaften, unter ihnen auch an Gruppen von Primaten, das Verhalten miteinander in Konflikt geratener Gemeinschaften untersucht. Die Ergebnisse hat er in seinem Buch "ADAM KAM AUS AFRIKA" (DTV München) dargelegt und gewertet. Er sagt im wesentlichen das Folgende: (5)

Gesellig lebende Arten oder Rassen verteidigen ihr Territorium gemeinsam. Diesen Trieb, das gemeinsame Territorium der eigenen Gruppe zu bewahren, es also zu verteidigen und Fremden das Eindringen in das eigene Territorium zu verwehren, nennt Ardrey den "Territorialtrieb". Dieser Trieb und die Gemeinschaftsbildung bedingen sich gegenseitig. Er sichert der eigenen Gruppe (ihrem Volk, ihrer Rasse) die Bewahrung der Eigenart. Er ermöglicht der Gruppe ihre eigenen Kinder zu bekommen und sie aufzuziehen. Der Territorialtrieb ist die Grundvoraussetzung jeglicher Gemeinschaft. Ohne eigenes Territorium, ohne Heimat, sind viele Völker und Rassen nicht lebensfähig. Wenn man ihnen die Heimat raubt, geht ihre Gemeinschaft zugrunde.

Der Territorialtrieb ist seiner Natur nach streitbar, und zwar streng defensiv. Die gesunde Gemeinschaft verteidigt ihr Territorium todesmutig, also bis zur Selbstaufopferung. In ihrem Territorium sind die Mitglieder der Gruppe frei von fremdem Einfluß, solange sie es erfolgreich verteidigen können. Das Verhalten der Gemeinschaft wird durch den bewußten oder unbewußten Willen eines jeden Einzelnen bestimmt, die Jungen zu schützen und damit das Überleben der Gemeinschaft zu sichern. Wenn das eigene Territorium angegriffen wird oder wenn Fremde in anderer Weise bleibend einzudringen versuchen, treten die Wünsche des Einzelnen hinter der Notwendigkeit der Gemeinschaft zurück, ihr Territorium, ihre Heimat zu verteidigen.

Wenn bei einer Gemeinschaft, die ja eine geordnete Welt in den Grenzen ihres Territoriums ist, der Territorialtrieb fehlt oder ausfällt, dann ist das der Zustand der Anarchie. Dann haben wir eben keine Gemeinschaft mehr, sondern nur noch die zufällige Anhäufung vieler Egoismen, von selbstsüchtigen Einzelnen, denen die Gemeinschaft nichts gilt.

Der Territorialtrieb gesunder Gemeinschaften ist wehrhaft, und seine rein defensive Art zeigt sich am Kampfesmut der an einem Konflikt beteiligten Gruppen. Der Kampfesmut der angreifenden Gruppe sinkt mit der Entfernung vom eigenen Territorium und der Annäherung an das des Gegners. Der Kampfesmut der sich verteidigenden Gruppe wächst im gleichen Maß, in dem sich der Feind dem eigenen Territorium nähert, und er erreicht seinen Höhepunkt, wenn der Feind eingedrungen ist und sich der Mitte des eigenen Territoriums zu bemächtigen droht.

Carl von Clausewitz kommt in seinem Buch "Vom Kriege" in dem Teil "ANGRIFF UND VERTEIDIGUNG" zu den selben Erkenntnissen aus der Sicht des Feldherrn. Ohne hier weiter auf kriegerische Fragen einzugehen möchte ich festhalten, daß das von Ardrey formulierte Gesetz vom Territorialtrieb deutlich zeigt, daß dieser Trieb eine das Leben nicht nur des Angegriffenen, sondern das Leben schlechthin erhaltende Wirkung hat, indem es über den Kampfesmut die Aussichten des Angegriffenen dann verbessert, wenn es lebensgefährlich zu werden droht, und indem es die Aussichten des Angreifers im gleichen Maße und auch wieder wegen des bei ihm sinkenden Kampfesmutes verschlechtert. Dieser Trieb verhindert Konflikte. (6)

Zu diesen Erkenntnissen Ardreys habe ich oben schon zwei Einschränkungen gemacht: Ich habe gesagt, daß ohne eigenes Territorium, ohne Heimat v i e l e Völker und Rassen nicht lebensfähig sind. Somit gilt die Einschränkung: N i c h t  a l l e .

Und ich habe gesagt, daß die g e s u n d e Gemeinschaft den Territorialtrieb hat und zur Erhaltung ihrer Eigenart einsetzt.

Es fragt sich also, wie sich Völker verhalten, die keine Heimat haben, kein "eigenes Territorium". Wie also verhalten sich Nomaden die fremdes Territorium angreifen, und wie verhalten sie sich, wenn man das ihre angreift. Die zweite Hälfte der Frage beantwortet sich von selbst: Da der Nomade keine Heimat hat, kann niemand sie angreifen. Der Nomade ist insofern unangreifbar. Wenn er aber für kürzere oder längere Zeit feste Wohnsitze hat ("Heimat" kann man solche Wohnsitze nicht nennen, Heimat ist etwas ganz anderes), dann entwickelt der Nomade einen um so heftigeren Territorialtrieb. Ein Beispiel ist der heutige Staat Israel.

Die erste Hälfte der Frage zu beantworten, wie sich Nomaden verhalten, wenn sie andere Gruppen (Völker, Staaten) angreifen, ist nicht so einfach. Einiges läßt sich aus der Geschichte erschließen. Nehmen wir die große geschichtliche Begegnung zwischen Bauern, den Deutschen, und Nomaden, den Hunnen:

Ganz gewiß hat es den Goten, den Wandalen und den Burgunden nicht an Kampfesmut gefehlt, und schon gar nicht, als die Hunnen mitten in ihrem Land standen, im heutigen Ostdeutschland. Da die Hunnen als Nomaden keine Heimat hatten, änderte sich ihr Kampfesmut auch nicht im Laufe ihres Vordringens. An die Stelle ihres Kampfesmutes, der bei Bauernvölkern immer auf dem Territorialtrieb aufbaut, hatten die Hunnen und haben alle Nomaden ihren universellen Anspruch auf "Weideplätze!'. Was ich schon über die Juden sagte, gilt auch für alle anderen Nomaden: Sie erachten es als selbstverständlich, daß sie dort ein Lebensrecht haben, wo sie nicht daheim sind. Und da sie nirgends Maheim" sind, haben sie überall ein Lebensrecht, jedenfalls nach ihrer ihnen angeborenen Auffassung. Die Selbstverständlichkeit, mit der Nomaden dieses "Recht" einfordern, hat seßhafte Völker, also Bauern, zu allen Zeiten entsetzt: Die Sumerer, die Ägypter, die Inder, die Perser, die Römer und die Deutschen. Dieses Naturgesetz bestimmt das Leben von Nomaden. Sie können gar nicht anders als nach dem Gesetz leben und handeln, nach dem sie angetreten sind. Ebensowenig können seßhafte Völker an ihrer Abneigung gegen "fahrendes Volk" (Zigeuner) oder gegen Nomaden im herkömmlichen Sinne, wie die Juden, etwas ändern. So ist Antisemitismus eben kein soziales Phänomen, hat nichts mit Neidkomplexen oder gesellschaftlicher Schichtung zu tun; der Antisemitismus ist eine genetische Erscheinung, eine ganz natürliche Sache.

Nicht nur Nomaden haben ein natürliches Lebensrecht, und nicht nur ihnen muß man zubilligen, daß sie ihren Anspruch in der ihnen angeborenen Weise erheben. Auch seßhafte Völker haben ein Lebensrecht, und dieses Lebensrecht ist eng verbunden wenn nicht wesensgleich mit der "Heimat". Wie anders soll denn der Seßhafte seine Heimat für sich und die Seinen bewahren, als durch "Ausgrenzung".

Ich möchte hier meinen Darlegungen vorgreifen: Der Nomade ist "Ein-Weltler", sonst geht er unter. Der Seßhafte ist Nationalist, sonst geht er eben unter. Schauen wir uns also mit diesen "Erkenntnissen" an, wie die Selbstdarstellung der Juden im Alten Testament weitergeht!

VERHEISSUNG UND AGGRESSION:

Schon im Zweiten Buch Mose, im 23. Kapitel verspricht JAHWE den Söhnen Sems, ihnen beim Angriff auf die Gojim alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen und fordert sie zum Völkermord ("Genozid") auf "Wenn nun mein Engel vor dir hergeht und dich bringt an die Amoriter, Hethiter, Pheresiter, Kanaaniter, Heviter und Jebusiter, und ich sie vertilge..." "Will ich meinen Schrecken vor dir hersenden und alles Volk verzagt machen, dahin du kommst; und ich will dir alle deine Feinde in die Flucht geben..." "Einzeln nacheinander will ich sie vor dir her ausstoßen, bis daß du wächsest und das Land besitzest."

Von den Völkern, die JAHWE den Juden als Opfer verspricht, sind mindestens die Hethiter, die Pheresiter und wohl auch die Kanaaniter keine semitischen. Die Amoriter und die Jebusiter sind selbst Semiten. JAHWE hat den Kreis seiner Schützlinge weiter eingeengt: Nicht nur die Söhne Hams, die verfluchten Knechte, nicht nur die Söhne Japhets, derer die mit in den Zelten Sems wohnen dürfen, jetzt sind auch die nichtjüdischen Semiten mit auf der Abschußliste.

Als die Juden mit den Midianitern, auf die JAHWE sie gehetzt hatte, zu zimperlich umgegangen waren, rügte ihr Gott sie nach dem Vierten Buch Mose im 3 1. Kapitel: "Und (JAHWE) sprach zu ihnen: Warum habt ihr alle Weiber leben lassen? So erwürgt denn alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Weiber, die Männer erkannt und beigelegen haben; - Aber alle Kinder, die weiblich sind und nicht Männer erkannt haben, die laßt f ü r  e u c h leben! "

Das ist das Gesetz der Nomaden. Aus diesem Gesetz erklärt sich auch der anfängliche Erfolg der Hunnen wohl eintausendfünfhundert Jahre später: Da sie nur eine Männerhorde waren, alle zu Pferde und frei von jedem Troß, waren sie beweglicher als die Goten und die Wandalen, und sie schienen unbesiegbar. Sie führten weder Frauen noch Kinder mit sich (die Deutschen dagegen taten es immer), denn Weiber gab es unterwegs jede Menge.

Im Dreiunddreißigsten Kapitel des selben Buches: "Wenn ihr über den Jordan gegangen seid in das Land Kanaan so sollt ihr alle Einwohner vertreiben vor eurem Angesicht und alle Säulen und alle gegossenen Bilder zerstören und alle ihre Höhen vertilgen. "

Nach diesem in der Heiligen Bibel vorgeprägten Modell wurden bei Verden an der Aller, zweitausend Jahre später, die Säulen zerstört (Irminsul), und dann die viertausend Sachsen erschlagen, im Namen eines der Söhne Sems nach der Lehre des anderen Sohnes Sems, der aus Tarsus stammte. - Aber weiter im selben Kapitel: "Daß ihr also das Land einnehmet und darin wohnet, denn euch habe ich das Land gegeben, daß ihr's einnehmet. - Werdet ihr aber die Einwohner des Landes nicht vertreiben vor eurem Angesicht -, so werden euch die, so ihr übrigbleiben laßt, zu Dornen werden in euren Augen."

Dann aber wird JAHWE deutlich; und zwar im Fünften Buch Mose, im Siebten Kapitel: "Wenn dich der Herr, dein Gott, in das Land bringt, darin du kommen mußt es einzunehmen, und ausgerottet viele Völker vor dir her, die Hethiter, Girgasiter, Amoriter, Kanaaniter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter- " "Und wenn sie der Herr, dein Gott vor dir hingibt, daß du sie schlägst, so sollst du sie verbannen, daß du keinen Bund mit ihnen machst noch ihnen Gunst erzeigest. "

Die Juden sollen danach denen, die das große Morden lebend überstanden haben, keinen Bund machen, und das heißt in der Tat, sie sollen ihnen keinen Friedensvertrag geben. Wie sich die Bilder gleichen!

Und weiter im selben Kapitel: "Und sollst dich mit ihnen nicht befreunden; eure Töchter sollt ihr nicht geben ihren Söhnen, und ihre Töchter sollt ihr nicht nehmen euren Söhnen." Biblische Non-Fraternisation Rules!

Die Apartheid Südafrikas wurde schon im Lande der Moabiter und Amoriter erfunden. - Wir kommen zum Höhepunkt ...

"Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, auserwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind." Das ist die Vollmacht an Rothschild.

"Du wirst alle Völker verzehren, die der Herr, dein Gott, dir geben wird. Du sollst ihrer nicht schonen." Und immer so weiter:

"Es wird dir niemand widerstehen, bis du sie vertilgest." "Der Herr wird dich zum heiligen Volk aufrichten." "Und der Herr wird dich zum Haupt machen und nicht zum Schwanz, und du wirst oben schweben und nicht unten liegen."

Und schließlich noch im Elften Kapitel des selben Buches: "So wird der Herr dein Gott alle diese Völker vor euch her ausstoßen, daß ihr größere und stärkere Völker vertreibet denn ihr seid."

Auf die Bedeutung all dieser heiligen Gebote in unserer heutigen Zeit werde ich zurückkommen.

Mit diesen und noch viel mehr Verheißungen schließt das Buch Mose. Das Buch Josua ist der erste mindestens schon legendär-geschichtliche Bericht über einen Völkermord (Genozid). Im Achten Kapitel Josua heißt es: "Und (Josua) machte sich auf des Morgens früh, ordnete das Volk (die Streitmacht) und zog hinauf gegen Ai. "

"Und da Israel alle Einwohner zu Ai erwürgt hatte, und alle durch die Schärfe des Schwertes fielen, bis daß sie alle umkamen. -

Und alle, die des Tages fielen, beide Männer und Weiber. -

Und Josua brannte Ai aus und machte einen Haufen daraus ewiglich, der noch heute da liegt. -

Und ließ den König zu Ai an einen Baum hängen."

Die für dieses Buch nötige Kürze verbietet es, alle Einzelheiten dieses Völkermordes hier auszubreiten. Sehen wir den nächsten Völkermord an! Nein, betrachten wir eine ganze Serie von Völkermorden, deren die Juden des Alten Testaments sich brüsten. Kein Wort steht in jener Schrift, mit dem das von Israel angerichtete Grauen gerechtfertigt würde. Es wird nicht einmal versucht, dem entsetzlichen Handeln einen Sinn zu geben, bis auf den einen: JAHWE hat euch ausgewählt, JAHWE hat euch das Land jener anderen "Kinder Gottes" gegeben. Im Deutschen heißt dieser JAHWE dann "der liebe Gott"!

Nachdem Josua die fünf Könige der Amoriter ermordet und d a n a c h auch noch aufgehängt hatte, geht es im Zehnten Kapitel Josua weiter mit reihenweisem Genozid , und dann im Elften und Zwölften Kapitel: "Desselben Tages gewann Josua auch Makkeda und schlug es mit dem Schwert und verbannte es, und ließ niemand übrigbleiben. -"

"Und der Herr gab Libna auch in die Hand Israels, und er schlug es mit der Schärfe des Schwerts und alle Seelen, die darin waren, und ließ niemand übrigbleiben. -"

"Und der Herr gab Lachis auch in die Hände Israels, daß sie es des anderen Tages gewannen und schlugen es mit der Schärfe des Schwertes und alle Seelen, die darin waren.

"Zu der selben Zeit zog Horam, der König der Geser, hinauf, Lachis zu helfen, aber Josua schlug ihn mit allem seinem Volk, bis daß niemand übrigblieb. -"

"Und Josua zog von Lachis samt dem ganzen Israel gen Eglon. Und schlug es allerdinge wie er Lachis getan hatte.

"Danach zog Josua gen Hebron, und gewann es und schlug es mit allen seinen Städten und alle Seelen, die darin waren, und ließ niemand übrigbleiben. -"

"Da kehrte Josua wieder um gen Debir und schlug es mit der Schärfe des Schwerts, und verbannte alle Seelen, die darin waren, und sie ließen niemand übrigbleiben. -"

"Also schlug Josua alles Land auf dem Gebirge und gegen Mittag und ließ niemand übrigbleiben und verbannte alles was Odem hatte, wie der Herr, der Gott Israels, geboten hatte. -"

Dann beginnt das Elfte Kapitel Josua, welches überschrieben ist: "Ausrottung vieler kanaanitischen Stämme."

"Und schlugen sie bis daß niemand übrigblieb.

"Und schlugen sie mit der Schärfe des Schwertes, bis sie sie vertilgten "Alle ihre Könige gewann er und schlug sie und tötete sie. - "

"Und das geschah also von dem Herrn, daß ihr Herz verstockt würde, mit Streit zu begegnen den Kindern Israel, auf daß sie verbannt würden und ihnen keine Gnade widerführe, sondern vertilgt würden. -"

"Zu dieser Zeit kam Josua und rottete aus die Enakiter von dem Gebirg, von Hebron, von Debir, von Anab und von allem Gebirg Juda und von allem Gebirg Israel. -"

"Und ließ keine Enakiter übrigbleiben im Lande der Kinder Israel, außer Gaza, zu Gath, zu Asdod, da blieben ihrer übrig. -"

Hier endet der wohl primitivste Massenmordbericht der Weltgeschichte. Aber im folgenden, dem Dreizehnten Kapitel Josua, hören wir, wo der Massenmord an seine Grenze stieß: "Da nun Josua alt war und wohlbetagt, sprach der Herr zu ihm: Du bist alt geworden, und des Landes ist noch sehr viel übrig einzunehmen, nämlich alle Kreise der

P h i l i s t e r und ganz Gessur. "

Der wesentliche Schluß des Buches Josua lautet im Einundzwanzigsten Kapitel: "Und der Herr gab ihnen Ruhe von allen umher. Und es fehlte nichts an allem Guten, das der Herr dem Hause Israel versprochen hatte. E s  k a m  a l l e s."

Nach dem ersten Genozid

Trotz ihrer erstaunlichen Genauigkeit macht die Bibel auf den kritischen Leser den Eindruck, als seien die Ereignisse verworren gewesen. Besonders am Buch "Richter" erkennt man, daß dieser scheußliche Völkermord keineswegs zur Befriedung oder auch nur zur Sicherung des hebräischen Besitzstandes in Palästina geführt habe. Verstehen kann man das nur, wenn man bedenkt, daß die Hebräer Nomaden waren und Nomaden blieben. Sie haben das Land Kanaan, also Palästina, nicht unter ihren Pflug genommen, denn sie hatten überhaupt keine Pflüge. Sie zogen im Lande herum, weideten ihr Vieh und nahmen, was sie von den Kanaanitern erbeuten konnten.

Zu der Zeit, als die Hebräer Ägypten verlassen mußten, geschah etwas viel Bedeutenderes: Die Philister, wie sie in der Bibel heißen, waren zwar von der Großmacht Ägypten abgeschlagen worden, sie fanden jedoch in dem Land, welches bis heute ihren Namen trägt, in Palästina, eine echte Heimat. Welche Ereignisse auch immer ihre Abwanderung aus Deutschland und der kimmrischen Halbinsel erzwungen haben mögen: hier endlich konnten sie Fuß fassen. Sie gründeten ihr Reich um 1200 vor Chr. und sie konnten es nachweislich der Bibel bis zu der Zeit von Hiskia, dem König der Juden halten, tatsächlich aber viel länger. In dem Land, das nach ihnen bis heute heißt, in Palästina, bewohnten sie die fruchtbaren Küstengebiete, von Gaza "bis vor Sidon mit einer Küstenlinie von gut 300 km und mit einer Breite landeinwärts von 20 bis 55 km. Ihr Reich bestand somit mindestens über 600 Jahre, wenn nicht viel länger. Wie sie mit den Phoenikern zusammenhängen, weiß man nicht. Mit ihnen begegneten den Hebräern zum erstenmal Deutsche. Diese Tatsache wurde für die Juden entscheidend, wie ich später zeigen werde, Fürs erste genüge es festzustellen, daß Palästina weder damals, also von Josua bis Zedekia, (also von 1200 bis 600 v. Chr.) noch jemals später jüdisches Land war. Dieses Land war zur Küste hin philistinisch, also die Heimat der deutschen Palaister, und weiter binnenwärts kanaanitisch, also die Heimat der "hamitischen" Kanaaniter, die nach Ausweis der Bibel eben keine Semiten waren (noch sind). (27)

Und da geschah noch etwas nicht minder Bedeutendes: In der Zeit ihres Aufenthaltes in Kanaan (im weiteren Sinne) schrieben die Hebräer, die ich von nun an "Juden" nennen werde, ihre Geschichte auf, die Bibel.

Dazu benutzten sie die Schrift, die ihnen die Philister gegeben hatten, und die Weisheit eines unglaublich bewußt lebenden Nomadenvolkes. Dieses Geschichtswerk ist zugleich für viele Nichtjuden zum Religionsbuch geworden, für die Juden aber war und blieb es die Einheit von Geschichte und Religion: Was sie später daraus ableiteten, wie die HALACHA (um 90 n.Chr.) und die MISCHNA (wenig später) sowie vor allem der TALMUD waren im wesentlichen Gesetzbücher und Brauchtumsregeln, nicht aber "heilige Schriften", was ihren hohen Wert für die Juden nicht mindert.

Gerade weil der Versuch der Juden, sich Kanaan und Palästina untertan zu machen, scheiterte, waren diese Bücher der Hort des jüdischen Selbstverständnisses, ja sie wurden die Heimat der Heimatlosen. Mit der in der Geschichtsschreibung stark übertrieben geschilderten Verschleppung von Juden (nicht d e r Juden!) nach Babylon wurden die Juden nicht erst ihrer Gemeinsamkeit bewußt, wie H.G. Wells sagt, denn das waren sie schon vorher. Mit die3er Verschleppung begann etwas anderes: Die Diaspora. (28)

Eben weil die Juden ein sie alle einendes Geschichtsbewußtsein hatten, und das in schriftlicher Form (was damals einzig war!), brauchten sie nun nicht mehr zusammenzuhalten, physisch gesehen. Nun begann die Ausbreitung der Juden über die Alte Welt, und zwar in der Reihenfolge, in der sich diese Welt zu Mächten verdichtete: Persien - Phoenikia -Hellas - Rom - und dann das Heilige Römische Reich Deutscher Nation.

Diese Entwicklung wurde dann durch den genialen Paulus von Tarsus zu ungeheurer Macht ausgedehnt. Mit dem Christentum entstand den Juden eine vor allem das Abendland i n  i h r e m  S i n n e einende Geistesmacht, die ihnen überall den Weg ebnete und sie doch nicht zwang, sich selbst aufzugeben.

Das ist und blieb das Besondere an den Juden: Sie durchdringen mit ihrem Geist alle anderen Völker, aber sie lassen sich selbst nicht durchdringen. Ich greife vor: Die Juden bekämpfen hartnäckig alle Versuche der Völker, sich selbst rein zu halten, aber sie selbst halten sich rein. Die Juden nehmen sich das Recht, überall dazuzugehören, aber sie lassen bei sich niemanden herein. Die Juden fordern von allen Menschen und von allen Völkern Toleranz, aber sie selbst sind und bleiben unduldsam. Die Juden glauben, daß sie überall verfolgt wurden, aber sie kommen nicht auf den Gedanken, daß sie da, wo man sie verfolgte, nichts zu suchen hatten und haben.

Aus ihrer bitteren Erfahrung in Palästina und Kanaan entwickelten die Juden ihre Fähigkeit, fremden Völkern ihren Willen aufzuzwingen, aber sie vergessen dabei, daß es nicht Ägypten war, das sie angriff, daß nicht die Kanaaniter sie mit der Schärfe des Schwertes schlugen.

So wurden die Juden die Gefangenen ihrer eigenen Gedankenwelt. Sie wurden die ewig überall und immer von allen Verfolgten. Sie wurden zum ewigen Juden. Und sie rühmen sich ihrer Taten. Sehen wir uns das Buch Esther an! Ich habe es hier aus einer noch unverfälschten Lutherbibel des Jahres 1914 in die heutige Sprache übersetzt. Dabei habe ich mich bemüht, nichts Wesentliches wegzulassen und den Sinn so wiederzugeben, wie Luther ihn gemeint hat:

DAS BUCH ESTHER:

In die Sprache unserer Tage übersetzt. Zunächst meine Einführung in die Zeit des alten Perserreiches.

NERXES stammte aus dem Geschlecht der Achaimeniden. Er wurde um das Jahr 519 v.Chr. geboren und im Jahre 465 ermordet. Er war der Enkel des KYROS (des Großen). NERXES herrschte vom Jahre 486 bis zu seinem Tode. Sein Reich erstreckte sich vom Indus bis zum Nil. Er schlug einen Aufstand der Ägypter im Jahre 485 und einen der Babylonier im Jahre 482 v.Chr. nieder.

KYROS war es gewesen, der den von NEBUKADNEZAR 11 nach der Zerstörung Jerusalems mit ihren Königen JOJACHIN und ZEDEKIA im Jahre 587 v.Chr. nach Babylon verschleppten Juden die Rückkehr in die Heimat (so sagt es Luther!) erlaubte. Das war im Jahre 539 v.Chr. geschehen. Viele Juden kehrten jedoch nicht nach Kanaan zurück. Sie blieben im babylonischen Reich und lebten dort auch nach der Eroberung Babylons durch KYROS. Sie kamen im persischen Reich zu Einfluß und Vermögen.

Und nun der Bibeltext selbst: Im Jahre 483 lud XERXES die Landesfürsten, Provinzgouverneure und Statthalter zu einem Gastmal auf sein Schloß zu Susa, um seine Macht zu zeigen. Dieses Gastmal dauerte einhundertachtzig Tage. Obendrein veranstaltete er ein Volksfest für alle Erwachsenen und Kinder im Garten seines Schlosses zu Susa. Es gab so viel Wein, wie ein jeder begehrte. XERXES befahl ausdrücklich, daß man jedermann gestatten sollte zu tun, was ihm beliebte. Dieses Volksfest dauerte sieben Tage.

Am siebenten Tage hatte der König viel Wein getrunken und war davon recht übermütig. Er befahl seinen Kämmerern, den Herren Mehuman, Vistha, Harbona, Abagtha, Sethar und Charkas (dem Tscherkessen), sie sollten die Königin vor sein Angesicht holen, mit ihrem ganzen Ornat und der Krone, um sie den Völkern und Fürsten vorzuführen, denn sie war sehr schön.

Königin VASTHI aber weigerte sich, dem Befehl des Königs nachzukommen, denn sie wollte sich nicht herumzeigen lassen. Da wurde König XERXES wütend.

XERXES fragte seine Rechtsberater, die für solche Streitsachen zuständig waren, um von ihnen zu hören, auf welche Weise man die Königin für ihre Unbotmäßigkeit zur Rechenschaft ziehen könne. Es waren die sieben Herren Charsena, Sethar, Admatha, Tharsis, Meres, Marsena und Memuchan.

Fürst Memuchan äußerte sich als erster vor dem König: Königin VASTHI habe nicht nur den König beleidigt, sondern alle Fürsten und alle Völker des Reiches. So etwas werde Schule machen, so daß sich alle Frauen des Reiches das gleiche gegen ihre Männer herausnehmen werden mit dem Vor-wand, die Königin VASTHI habe sich ja auch geweigert, auf den Befehl des Königs vor ihm zu erscheinen. Das werde die Achtung untergraben und viel Ärger bringen.

Die Berater rieten also dem König, er solle nach geltendem Recht der Perser und der Meder die Dame VASTHI vom Hofe verbannen, und er solle die königliche Würde einer anderen Frau geben, die als Königin würdig sei. Dieser Beschluß des Königs solle im ganzen Reich verkündet werden, damit alle Frauen bedenken mögen, welche Ehre sie ihren Männern schulden. Der königliche Erlaß wurde in allen Ländern des Reiches in den verschiedenen Sprachen bekanntgegeben, jedem Volk in der seinen.

(Die Gelegenheit)

Als sich der Grimm des Königs gelegt hatte, bereute er, was man VASTHI angetan hatte. Und er dachte voll Schmerz an sie.

Die Berater des Königs rieten ihm, er solle junge, schöne Jungfrauen kommen lassen, um sich eine auszusuchen. XERXES berief Agenten im ganzen Reiche, junge, schöne Jungfrauen zusammenzubringen und sie ins Schloß zu Susa zu schicken. Dort sollte Hegais, der Eunuch des Frauenhauses am Hofe, sich ihrer annehmen und sie schmücken.

Diejenige unter den Anwärterinnen, die dem König am besten gefiel, sollte dann Königin werden an der VASTHI statt. - Dem König gefiel der Vorschlag, und er befahl, ihn auszuführen.

Auf dem Schloß zu Susa wohnte ein Jude namens MARDOCHAI, ein Berjaminiter, der Sohn des Jair, dessen Großvater durch den König von Babylon NEBUKADNEZAR verschleppt worden war. MARDOCHAI war der Vormund der HADASSA, die man auch ESTHER nannte, einer Tochter seines Onkels. ESTHER war Vollwaise. Sie war sehr schön. Als ihre Eltern gestorben waren, adoptierte MARDOCHAI sie.

(Mardochai handelt)

Als nun der Erlaß des Königs XERXES bekannt wurde und viele junge Mädchen auf das Schloß zu Susa gebracht wurden, wo sie unter die Hand des Eunuchen Hegais kamen, wurde auch ESTHER genommen und ins Haus des Königs gebracht, wo Hegais sich um sie kümmerte. Das Mädchen gefiel ihm, und er empfand Zuneigung zu ihr. Er brachte ihr schnell den schönen Schmuck und sieben Dienerinnen aus dem königlichen Haushalt dazu. Dann brachteer sie am besten Platz im Frauenhause unter.

(Tarnung)

MARDOCHAI hatte der ESTHER eingeschärft, niemandem zu sagen, daß sie eine Jüdin ist. So hat ESTHER auch verschwiegen, daß sie Jüdin war. Auch sagte sie dem Hegais nichts über ihre Freundschaft.

MARDDOCHAI aber erschien jeden Tag vor dem Tore des Frauenhauses, um zu erfahren, wie es ESTHER geht und wie die Sache sich weiter entwickelt.

Nachdem die bestimmte Zeit für jedes Mädchen aus dem Frauenhause gekommen war, daß sie zum König geführt werden sollte (das war nach 12 Monaten der Vorbereitung, in denen sie sechs Monate mit Balsam und Myrrhe und dann sechs Monate mit gutem Parfum behandelt wurde), wurde sie geschmückt und ging zum König. Für diesen Gang wurde ihr jeder Wunsch erfüllt. Abends kam sie dann zum König, und wenn sie ihn morgens verließ, wurde sie als Kebsweib in ein anderes Frauenhaus gebracht. Zum König durfte sie erst wieder kommen, wenn er nach ihr verlangte.

(Einschmeicheln)

Als nun ESTHER dran war, die Tochter des Abihail, des Onkels des MARDOCHAI, um zum König geführt zu werden, da äußerte sie für diesen Gang keinen Wunsch. Sie überließ es dem Hegais, dem Eunuchen, zu bestimmen, wie man sie ausstattete. So gefiel ESTHER allen, die ihr begegneten.

XERXES aber verliebte sich in ESTHER. Er fand sie schöner und begehrenswerter als alle anderen Jungfrauen. Er setzte ihr die Krone seines Reiches auf das Haupt und machte sie zur Königin an der VASTHI statt.

Der König gab ein großes Gastmahl zu ESTHERS Ehren und lud dazu seine Fürsten und Vasallen. Er unterbrach alle Kriegszüge und verteilte Wohltaten an alle.

(Familiendisziplin)

MARDOCHAI saß noch immer im Toreingang des Schlosses zu Susa ESTHER hatte immer noch nicht das Geheimnis ihrer Herkunft und ihrer Zugehörigkeit zum Volke der Juden gelüftet. So hatte es ihr MARDOCHAI aufgetragen. ESTHER handelte nach seinem Gebot, denn er war auch ihr Vormund.

(Die gute Tat: Die Denunziation)

Genau zu der Zeit, als MARDOCHAI im Toreingang des Schlosses saß, schmiedeten zwei Kämmerer des Königs, Bigthan und Theres, Aufstandspläne und beschlossen, Hand an König Xerxes zu legen. Das erfuhr MARDOCHAI.

MARDOCHAI gab diese Nachricht an Königin ESTHER, und ESTHER gab sie dem König weiter, und zwar in MARDOCHAIS Namen.

Man stellte Nachforschungen an und fand die Nachricht bestätigt. Bigthan und Theres wurden an Bäumen aufgehängt.

Und davon wurde ein Protokoll angefertigt.

Nach diesen Ereignissen kam Haman, der Agagiter, in die Gunst des Königs. XERXES beförderte ihn und setzte ihn in den höchsten Rang unter seinen Fürsten. Alle Untertanen mußten Haman einen höflichen Gruß entbieten, denn das hatte der König befohlen. MARDOCHAI aber beugte die Knie nicht, und er entbot Haman keinen Gruß. Die Hofbeamten am Tor des Schlosses fragten ihn, warum er das Gebot des Königs mißachtete. Das geschah jeden Tag immer wieder. MARDOCHAI aber fügte sich nicht. Darum meldeten die Beamten es dem Haman um zu hören, ob er MARDOCHAIS Tun billigte.

MARDOCHAI hatte den Beamten gesagt, daß er Jude sei. Haman nahm diese Nachricht mit großem Grimm auf

(Antisemitismus)

Haman hielt es nicht für richtig, nur MARDOCHAI zu bestrafen, denn man hatte ihm berichtet, welchem Volke MARDOCHAI angehörte, So beschloß Haman, das Volk des MARDOCHAI, alle Juden im ganzen Königreiche, zu vertilgen.

Am Anfang des Jahres 474 ließ Haman Weissager kommen, um das Los der Juden zu werfen, "Pur" genannt. Zwölf Monate lang fragte er die Weisen immer wieder, bis zum zwölften Monat des Jahres.

(Der geplante Völkermord)

Haman ging zum König und sagte: Da ist ein Volk, das zerstreut lebt mitten unter den Völkern deines Reiches, Diese Leute haben andere Gesetze als die Völker deines Reiches, sie befolgen jedoch nicht die Gesetze des Königs. Der König dürfe das nicht dulden. Haman schlug dem König vor, ein Gesetz zu erlassen, daß man die Juden umbringe. Er bot dem König an, zehntausend Pfund Silber an die königliche Amtskasse zu zahlen, falls der König zustimme.

Da nahm der König seinen Siegelring vom Finger und gab ihn Haman, dem Sohn des Hammadathas, dem Agagiter, dem Antisemiten. Er erließ Haman die Zahlung des Silberpreises und überantwortete ihm das Volk der Juden. Er möge mit den Juden tun, was ihm richtig dünke.

Am dreizehnten Tage des ersten Monats des Jahres 473 ließ Haman einen Erlaß schreiben, den er im Namen des Königs unterschrieb und mit dem königlichen Siegel versah, in allen Sprachen, wie sie von den Völkern des Reiches gesprochen wurden. Dieser Erlaß befahl, alle Juden im ganzen Reich, jung oder alt, Kinder und Frauen, zu vertilgen, zu erwürgen und umzubringen auf e i n e n Tag, auf den dreizehnten Tag des zwölften Monats, und ihnen ihr ganzes Gut zu rauben.

Dieser Erlaß wurde im ganzen Reich verbreitet und allen bekannt gegeben. Er wurde auch an der Mauer des Schlosses in Susa angeschlagen.

Der König saß mit Haman zusammen, und die beiden tranken Wein. Aber die Stadt Susa war bestürzt.

(Die Verfolgten)

Als MARDOCHAI erfuhr, was geschehen war, zerriß er seine Kleider und legte Sack und Asche an. Er ging in die Stadt und schrie und klagte laut. Als er an das Tor des Schlosses kam, ließ man ihn nicht hinein, denn niemand durfte eingelassen werden, der in Sack und Asche ging.

In allen Ländern des Reiches hub ein großes Klagen unter den Juden an. Sie legten Sack und Asche an, fasteten, weinten und trauerten.

Die Dienerinnen der Königin ESTHER brachten ihr die Nachricht. Sie sandte einen Boten mit Kleidern zu MARDOCHAI, er solle Sack und Asche ablegen. Der aber weigerte sich. Nun schickte sie einen königlichen Kämmerer zu MARDOCHAI um zu erkunden, was vorging. MARDOCHAI erzählte ihm, was er über den königlichen Erlaß gehört hatte, und daß Haman dem König das Silber versprochen habe, um die Erlaubnis zu erwirken, die Juden zu vertilgen. MARDOCHAI gab dem Kämmerer sogar eine Ausfertigung des Erlasses, die in Susa öffentlich ausgehangen hatte. Der Kämmerer möge den Erlaß ESTHER zeigen und ihr berichten.

(Mardochais Anordnungen)

MARDOCHAI gebot ESTHER, sie solle zum König gehen und ihn anflehen um ihres Volkes willen.

Der Kämmerer richtete es aus. ESTHER aber ließ MARDOCHAI bestellen, es sei im ganzen Reich bekannt, daß jeder, der ungerufen zum König vordringt, sofort und ohne weiteres hingerichtet werde, es sei denn, der König selbst gebe das Zeichen ihn zu schonen, indem er sein goldenes Zepter gegen ihn erhebt. Sie, ESTHER, sei nun schon dreißig Tage lang nicht mehr zum König gerufen worden.

MARDOCHAI sandte abermals Botschaft an ESTHER, sie solle sich nicht einbilden, daß man sie, die Jüdin, nur deshalb verschone, weil sie am Hofe des Königs ist. Wenn ESTHER jetzt schweige, werde den Juden von anderer Seite Hilfe kommen, und du, ESTHER, und die Deinen, ihr werdet umkommen. Und wer weiß denn, ob du nicht nur wegen deines Schweigens überhaupt Königin geworden bist.

Da sandte ESTHER zum letzten Mal den Kämmerer zu MARDOCHAI und ließ ihm sagen, er solle alle Juden in Susa versammeln. Sie sollten drei Tage lang fasten Tag und Nacht, und sie, ESTHER, werde ebenfalls fasten. Und ESTHER versprach, sie werde ohne Erlaubnis oder ohne gerufen zu sein zum König gehen. Wenn sie umkommen solle, so möge es geschehen.

(Zwischenspiel Der Galgen wird errichtet)

Am dritten Tag legte ESTHER ihre schönsten Kleider an und ging in den Hof vor den Gemächern des Königs. Der König saß auf seinen Thron. Als er ESTHER sah, wie sie da ungerufen im Hofe stand, fand sie Gnade vor ihm. Er reckte sein Zepter gegen sie, und ESTHER trat hierzu. Der König sprach: "Was ist dir, Königin, was wünschest du? Und wenn ich dir die Hälfte des Reiches schenken sollte, sie sei dein! "

ESTHER lud den König und Haman zu einem Male ein, das sie bereiten würde. Der König willigte ein und ließ auch dem Haman die Einladung übermitteln. Beide, der König und Haman, versprachen, zum Mahle zu kommen.

Als der König reichlich Wein getrunken hatte, sagte er zu ESTHER: "Was wünschest du, ESTHER? Es soll dein sein, und wäre es die Hälfte des Reiches!"

Darauf antwortete ESTHER: "Wenn es dem König beliebt, dann möge er mit Haman morgen zum Mahle kommen. Dann will ich meinen Wunsch äußern."

Haman erhielt die Einladung und war guter Dinge. Er ging hinaus und fand MARDOCHAI im Tor sitzend. Der bewegte sich nicht. Da wurde Haman wütend auf MARDOCHAI. Er ging nach Hause und ließ seine Freunde und seine Frau Seres holen. Er erzählte ihnen von seinem großen Reichtum und den vielen Kindern und von allem, womit ihn der König reich gemacht hatte vor allen Fürsten des Reiches. Und die Königin habe auch keinem anderen zum Mahle mit dem König geladen als ihn, Haman. Aber all das ist mir keine Genugtuung, solange der Jude MARDOCHAI im Tore sitzt und mich nicht grüßt.

Seine Frau Seres sagte zu ihm: "Mach doch einen Galgen, fünfzig Ellen hoch, und sage dem König, er solle den MARDOCHAI morgen daran hängen. Dann gehst du fröhlich zum Mahle der Königin." Haman gefiel der Vorschlag. Er ließ sogleich den Galgen aufstellen.

(Das Protokoll)

In dieser Nacht konnte der König nicht schlafen. Er ließ die Chroniken holen und daraus vorlesen. Da war auch das Protokoll, wonach MARDOCHAI die zwei Kämmerer des Königs, den Bigthan und den Theres, die des Königs Schwelle zu hüten hatten, angezeigt hatte, dem König XERXES nach dem Leben getrachtet zu haben.

XERXES fragte die Weisen: "Was haben wir dem MARDOCHAI Gutes dafür getan?" Die Berater sagten: "Wir haben ihm nichts Gutes dafür getan. " Da fragte der König: "Wer ist da im HofeT' Es war Haman, der gekommen war und dem König vorschlagen wollte, den MARDOCHA1 an den Galgen zu hängen. Die Diener meldeten dem König Hamans Ankunft, und der König ließ ihn hereinbitten.

Er fragte sogleich: "Haman, was soll man dem Manne tun, den der König ehren willT' Haman bezog die Frage auf sich selbst und antwortete: "Man soll dem Manne königliche Kleider bringen, wie sie der König selbst zu tragen pflegt, und ein edles Roß, und man soll ihm eine Krone auf sein Haupt setzen. Man soll die Kleider und das Roß einem Edlen in die Hand geben, damit er den Mann kleide und ihn auf dem Roß durch die Stadt geleite und rufen lasse: So ehrt der König die, denen er Gutes tun will. "

Da aber sagte der König zu Haman: "Los, bring die Kleider und das Roß und geh zu MARDOCHAI dem Juden, der im Tor des Schlosses sitzt, kleide ihn, halte ihm das Roß und lasse es auch sonst an nichts fehlen! "

Haman gehorchte. Er nahm die Kleider und das Roß, zog den MARDOCHAI an und führte ihn auf seinem Roß durch die Straßen, wobei er immerzu rief. "So geschieht es dem Manne, den der König ehren möchte" Sie kamen zurück zum Tor des Schlosses. Haman eilte in sein Haus mit verhülltem Kopf Er erzählte seiner Frau und seinen Freunden sein ganzes Mißgeschick. Seine Freunde aber und seine Frau Seres warnten ihn: "W e n n  M A R D O C H A I  v o m  V o l k e  d e r  J u d e n  i s t,  d a n n  h a s t  d u  e i n e n  s c h w e r e n  S t a n d.  D u  k a n n s t  i h m  n i c h t s  a n h a b e n  u n d  d u  w i r s t  h ö c h s t e n s  n o c h  t i e f e r  f a l l e n."

Inzwischen kamen die Kämmerer des Königs und drängten den Haman, er solle zu dem Mahle kommen, das ESTHER bereitet hatte.

Da saß man nun zum Mahle, der König, die Königin, ESTHER und die Fürsten. Am nächsten Tag sagte XERXES zu ESTHER, nachdem er reichlich Wein getrunken hatte: "Was wünschest du nun, Königin ESTHER? Und was forderst du? Und wenn es das halbe Königreich sein sollte, es sei dein!"

(Esther heischt Mitleid mit den armen Juden)

ESTHER antwortete: "Wenn ich Gnade vor dir gefunden habe, so schenke mir mein Leben und schenke auch meinem Volke das Leben" Denn ich und mein Volk, wir sind verkauft worden und man will uns vertilgen, erwürgen und umbringen. Wären wir doch in die Sklaverei verkauft worden, so würde ich schweigen und wir würden uns fügen! Dann würde unser Feind auch dem König nicht schaden."

Da fragte XERXES seine Gemahlin: "Wer ist es denn, und wo ist er, der dich und dein Volk bedroht?" ESTHER zeigte auf Haman: "Dieser Haman ist der Antisemit und Feind meines Volkes." Haman erschrak, als er das hörte.

Der König hob die Tafel auf und war voller Grimm. Er ging in den Garten. Haman aber flehte die Königin um sein Leben an. Er hatte erkannt, daß der König ihm die Gunst entzogen hatte und daß ihm Unglück drohte.

Als XERXES wieder den Saal betrat, saß Haman auf dem Diwan, auf dem auch ESTHER saß. Da fuhr ihn der König an: "Willst du der Konigin auch noch in meinem Hause Gewalt antun?" Nach diesen Worten verhüllte man dem Haman das Antlitz. Einer von des Königs Kammerern erinnerte daran, daß da ein Galgen beim Hause des Haman stand, von Haman für MARDOCHAI errichtet, der sich doch so gut für den König eingesetzt hatte. Da befahl XERXES: "Hängt Haman daran auf!"

So geschah es unverzüglich. Erst als Haman am Galgen hing, legte sich der Zorn des Königs XERXES.

(Übernahme der Macht)

Noch am selben Tage gab XERXES der Königin ESTHER das Haus Hamans, des Antisemiten. MARDOCHAI wurde vor den König gerufen, denn ESTHER hatte dem König offenbart, daß er ihr Vormund war. Da streifte der König den Ring vom Finger, den Haman ihm hatte zurückgeben müssen, und gab ihn MARDOCHAI. Und ESTHER setzte den MARDOCHAI zum Eigentümer des Hauses ein, das Haman gehört hatte.

(Die ewig Verfolgten)

Und ESTHER redete weiter auf den König ein, flehte ihn an und fiel ihm zu Füßen, er möge die Bosheit Hamans des Agagiters und seine Verfolgung der Juden rückgängig machen. Da reckte der König sein Zepter gegen ESTHER, und sie stand auf und trat vor den König. Und ESTHER sprach: "Höre mich an, mein König! Und wenn du mir gewogen bist, dann lasse einen Befehl ergehen, der die Verfolgungen des Haman widerruft, denen die Juden im ganzen Reiche zum Opfer fallen sollten Wie könnte ich es ertragen, daß meinem Volke dieses Übel zugefügt und mein Geschlecht ausgelöscht wird?"

(Gutgläubigkeit, ohne Argwohn)

Der König aber sprach: "Ihr seht ja, daß ich ESTHER das Haus des Haman gegeben habe und das ich ihn hängen ließ, weil er Hand an die Juden gelegt hat. Ich ermächtige euch, Ihr Juden, nach eurem Gutdünken zu verfahren in meinem Namen und mit meinem Siegel."

Man rief die Schreiber des Königs am dreiundzwanzigsten Tag des dritten Monats, und es wurde geschrieben nach dem Gebot des MARDOCHAI an alle Juden, an die Fürsten, die Gouverneure und Statthalter im ganzen Reich, an jedes Volk in seiner Sprache und in seiner Schrift, und an die Juden in ihrer Sprache und in ihrer Schrift. Der Erlaß war gegeben im Namen des Königs und mit seinem Siegelring besiegelt.

(Rache, Kollektivrache, Blutrache)

In diesem Erlaß wurden die Juden ermächtigt, wo immer sie auch wohnen mochten, sich zu versammeln und sich zu ihrem Volke zu bekennen und alle diejenigen, welche die Juden verfolgt hatten, samt ihren Kindern und Weibern zu vertilgen, zu erwürgen und umzubringen. Auch sollten sie jenen ihr Gut rauben. Das sollte geschehen auf e i n e n Tag, am dreizehnten Tag des zwölften Monats, in allen Ländern des Konigs XERXES.

(Rache mit Hilfe des Gesetzes)

In dem Erlaß stand ausdrücklich, daß es Gesetz war im ganzen Reich, bindend für alle Völker, daß sich die Juden an diesem Tage an ihren Feinden rächen durften.

Der Erlaß wurde im ganzen Lande verkündet und auch an die Mauer des Schlosses von Susa angeschlagen. MARDOCHAI aber verließ den König in königlichen Gewändern, mit einer goldenen Krone auf dem Haupte und einem Purpurmantel um die Schultern. Die Leute in der Stadt jauchzten und waren fröhlich, denn den Juden war Freude und Wonne widerfahren. Viele Leute aus den Völkern des Reiches traten zum Judentum über, d e n n d i e  F u r c h t  v o r  d e n  J u d e n  w a r  ü b e r  s i e  g e k o m m e n.

Am dreizehnten Tag des zwölften Monats, an dem vom König bestimmten Tag da die Feinde der Juden gehofft hatten, die Juden zu überwältigen, wandte sich das Geschick: Nun sollten die Juden ihre Feinde überwältigen. An diesem Tage versammelten sich die Juden im ganzen Reiche und töteten alle, die ihnen übel gewollt hatten.

(An Kollaborateuren fehlte es nicht)

Auch alle Beamten und Fürsten, Landpfleger und Statthalter des Königs halfendenJuden,denn s i e  h a t t e n  A n g s t  v o r  d e r  M a c h t  d e s  M A R D O C H A I. MARDOCHAI war groß und mächtig, und sein Ruf breitete sich im ganzen Reiche aus.

Also schlugen die Juden alle ihre Feinde, würgten sie und brachten sie um und taten wie es ihnen gefiel an den Antisemiten.

Sie erwürgten Parsandatha, Dalphon, Adalja, Aridatha, Aspatha, Poratha, Parmastha, Arisai, Aridai, Vajesatha (die zehn Söhne des Haman, des Antisemiten), aber an den Gütern der Getöteten vergriffen sie sich nicht. Im Schlosse zu Susa erwürgten die Juden fünfhundert Mann.

Das wurde dem König berichtet. XERXES sprach zur Königin ESTHER: "Die Juden haben im Schlosse fünfhundert Mann erwürgt und umgebracht, und die zehn Söhne Hamans. Was werden sie in meinen anderen Ländern tun? Was wünschest du inehrT' ESTHER sprach: "Wenn es dir recht ist, lasse auch morgen die Juden zu Susa tun nach ihrem Belieben. Die zehn Söhne Hamans möge man an den Galgen hängen." Der König war einverstanden und so geschah es wie ESTHER gewünscht hatte.

Am vierzehnten Zage des zwölften Monats erwürgten die Juden in Susa dreihundert Mann.

Sie rührten aber das Gut der Getöteten nicht an.

Die Juden in den Ländern des Reiches aber kamen zusammen und bekannten sich zu ihrem Volke. U m  R u h e  z u  s c h a f f e n  v o r  i h r e n  F e i n d e n erwürgten sie ihrer fünfundsiebzigtausend. Sie rührten jedoch ihr Gut nicht an.

Das geschah am dreizehnten Tage des zwölften Monats. Dann ruhten die Juden aus am vierzehnten und am fünfzehnten Tage. Diese beiden Tage machten sie zu Festtagen. MARDOCHAI schrieb an alle Juden im Reiche, sie sollten jedes Jahr diese beiden Festtage feiern.

Die Juden nahmen diesen Vorschlag an. Und weil Haman, der Antisemit, einst das Los "Pur" über die Juden geworfen hatte, und weil ESTHER zum König gegangen war, und weil der König die bösen Absichten des Haman, die Juden zu verfolgen, auf den Kopf gestellt hatte, übernahmen die Juden den Namen des bösen Loses "Pur" und nannten ihr Fest "Purim".

Und ESTHER befahl, diese Geschichte zu Protokoll zu nehmen. So geschah es.


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