DAS JUDENTUM IM EUROPÄISCHEN MITTELALTER

Das Rom der Caesaren, des disziplinierten römischen Heeres, der straffen und wirksamen Staatsverwaltung, kurz, der römische Rechtsstaat, wurde durch zwei miteinander wetteifernde und auch gegeneinander streitende Mächte abgelöst: Durch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, und durch die Papstkirche.

Unter dem sicheren Schutz dieses Dauerstreites ging es den Juden in Europa gut. Sie hatten ihre Geschichte-Religion, sie konnten wohl allesamt lesen und schreiben, sie beherrschten die Mathematik und sie folgten ihrem Talmud.

Die Europäer im früheren römischen Stammland verkamen zu einem leicht lenkbaren Proletariat. Und die neuen Herren Europas, die Deutschen, die Normannen, die Engländer und später auch noch die Spanier waren streitbare, tüchtige Ritter und ihre Knappen, aber lesen und schreiben konnten sie nicht. Ich bin sicher, daß sie vor allem deshalb auf das Einnehmen von Zinsen verzichteten, weil sie den Dreisatz nicht beherrschten. Erst als sie ihr hochentwickeites Handwerk zu wirtschaftlicher Macht brachten, zur Zeit der Hanse und der Augsburger und Nürnberger frühen Industrien, erwachte auch ihre Erkenntnis von der Notwendigkeit, sich nicht wirtschaftlich beherrschen zu lassen.

Dieses Bild ist sicher zu summarisch, aber es dient mir hier als die Erklärung für eine merkwürdige Erscheinung: So fragen Herbert A. Strauss und Norbert Kampe ganz richtig, warum es wohl Perioden relativer "Befriedung" und dann wieder solche intensiven Judenhasses gegeben habe. Das aber ist leicht mit dem Sittenbild der mitteleuropäischen und nordeuropäischen Völker zu erklären: Es dauerte eben lange, bis sie merkten, unter wessen Herrschaft sie wirtschaftlich standen. Wir können uns heute gar nicht mehr vorstellen, in welchem Maße die europäischen Völker im Mittelalter auf das Christentum ausgerichtet waren. Wenn überhaupt damals etwas gegen die Juden gesagt wurde, wenn es also offenen Antisemitismus gab, dann nur gegen die Mörder des Jesus. Um diese Frage aber kümmerte sich die Kirche auf ihre Weise. Das Reich ignorierte einfach "seine" Juden, obwohl es sie sehr wohl hatte, und der Bauer auf dem Felde hatte andere Sorgen. Die Träger der Macht aber durchschauten durchaus die Hintergründe dieser Machtstrukturen. Und sie handelten, als die Zeit dafür reif war.

Solange die Religion noch keine Privatsache war, sondern alles Öffentliche u n d Private als eine Einheit bestimmte, war sie zwar dem Einzelnen stets und überall gegenwärtig, aber als eine Konstante, als der ruhende Pol aller Dinge.

In dieser nach heutigen Maßstäben vollständigen Herrschaft des Religiösen über das Persönliche, ja über das Recht und die Wissenschaft, gab es sicher auch Antisemitismus, aber er artikulierte sich nicht. Gleichzeitig aber gab diese für ganz Europa gleiche Wichtigkeit des Religiösen, des Christentums, den Völkern auch einen sicheren Halt. Der im Pentateuch klar ausgesprochene Wille des auserwählten Volkes, alle anderen zu beherrschen und auszubeuten, brauchte einige Jahrhunderte, um seine Armeen zu formieren.

Die Naivität der Gojim half den Juden, geistig aufzurüsten. Da die Kirche von alters her den Geldhandel als Wucher verdammte, und weil die Fürsten und der Adel zwar materiell aber nicht finanziell dachten, blieb der Geldhandel eine jüdische Domäne, und zwar in ganz Europa. Dann stabilisierten sich die Städte: Besonders Deutschland war da, wo deutsches Stadtrecht galt. Da hatte jüdische Macht wenig Raum. Ich zitiere Frantisek Graus (Co-Autor bei Strauss und Kampe): "Jedes Zinsnehmen war als Wucher angesehen. Christen war es bei Kirchenstrafe verboten. Vor allem das Leihen gegen Pfand wurde zum jüdischen Monopol, welches lange Zeit vom Reich und seiner Obrigkeit geschützt wurde. Der Haß der Schuldner aber richtete sich gegen die Juden." Graus kommt nicht auf den nur Seßhaften selbstverständlichen Gedanken, daß hier nicht etwa Deutsche (oder Spanier) mit den Juden in ihrer (ja leider nicht existierenden Heimat) Wucher trieben, sondern Juden, also Fremde, mit den Deutschen (oder Spaniern) in Deutschland oder in Spanien.

Die schon erwähnte Naivität der europäischen Völker und Mächte führte zum Beispiel dazu, daß Karl, den sie den Großen nennen, und Ludwig der "Fromme", den Juden Schutzbriefe ausstellten. Seit Heinrich IV standen die Juden unter dem ganz besonderen Schutz des Königs, der verrückterweise "Kammerknechtschaft" hieß, in Wahrheit aber ein Privileg war, um das sich höhere und niedere Reichsstände bewarben. Wenn Graus einfach sagt, daß "diese Grundlinien die Vorbedingungen der Judenfeindschaft erhellen, und die oft genutzt wurden, um die Aufmerksamkeit von anderen Problemen abzulenken ", irrt er. Dies könne allein die Judenfeindschaft nicht erklären, was es aber auch noch erklären kann, das sagte er nicht. Offenbar hat Graus eben Robert Ardreys Buch vom Territorialtrieb nicht gelesen.

Im Jahre 1096 begann der erste Kreuzzug. Er brachte nicht die erste, aber die bislang größte Pogromwelle in Europa. Hier muß ich eine Pause im Bericht machen.

Pogrom ist ein russisches Wort. Es heißt auf deutsch "Zerstörung". Wieso gerade der Jude Graus zu der Charakterisierung des Pogroms als einer Koppelung von Mord, Raub und Plünderung kommt, versteht nur, wer die Bibel nicht gelesen hat. Wenn d a s den Pogrom ausmacht, dann war das ganze Buch Mose, Josua und Esther ein einziger Pogrom, nur eben keiner gegen Juden.

Als Grund oder mindestens als Auslöser für einen Pogrom wird in der Literatur, und zwar in der ganzen!, immer wieder der Neid, der Zorn auf den Wucherer angegeben, oder irgend eine Art von Ritualfrevel, wie "Bluthostien", Marterung von Christenknaben oder andere "Blutmystik". Auf die viel einfachere und allein vernünftige Begründung kommt so leicht kein Autor: Auf den schlichten Gedanken "Was habt ihr hier bei uns zu suchen?", auf den kommt man erst, wenn man Ardrey gelesen hat.

Merkwürdig ist noch eine andere Erscheinung: Niemand hat je von einem Pogrom etwa gegen Deutsche, gegen Ägypter, gegen Polen, Chinesen, Japaner, Iraner, Russen, Ungarn, Finnen, Basken, Iren, Inder, Bantus oder Eskimos berichtet, und zwar ganz einfach, weil diese Leute entweder da, wo sie auftreten, auch daheim sind, oder, wenn es schon Krieg gibt, als ganzes Volk gegen andere Völker auftreten. Das Einsikkern Mensch nach Mensch in fremder Leute Land, das ist die Spezialität nur zweier Völker auf dieser Welt: Der Juden und der Zigeuner. Kein anderes Volk der Welt als diese zwei kennt eine -nicht religiöse- "Diaspora".

Noch einfacher gesagt: Wenn die Juden darauf verzichten, uns Deutsche bei uns zu beehren, dann sind sie sicher, daß ihnen niemand Antisemitismus entgegenbringt. Jedenfalls kein Deutscher.

(Diesen schlichten Gedanken hatte ein Rostocker Stadtrat, der 1992 die Stirn hatte, Herrn Bubis, den Statthalter der Juden in Deutschland, zu fragen, ob er denn nicht in Israel Zuhause sei. Bubis antwortete, solche Leute wie der Stadtrat geben Anlaß, die Wiederholung des Holocaust zu befürchten).

Damit hätten wir hier noch einmal das Prinzip beim Antisemitismus: Ursache und Wirkung. Oder vulgär gesagt: Von nichts kommt nichts!

Zurück ins Mittelalter, jedenfalls zu seiner Beschreibung:

Da schreibt Graus ohne den geringsten Beweis zu liefern, und unter Verzicht auf die einfache Logik und auf das, was uns die Lebenserfahrung lehrt: "Für den Charakter der Judenfeindschaft war es typisch, daß die Juden immer stärker dämonisiert wurden. Wenn die Juden schon immer durch ihr Anderssein befremdlich, zuweilen durch ihren Ritus bedrohlich erschienen, so wurden sie nun vollends dämonisiert. ... Immer scheußlich6i, teuflischer wurden die Juden in den Darstellungen biblischer Geschichten gemalt. ... Mit Erzählungen über vermeintlichen Hostienfrevel der Juden war eine Idealform klerikaler Judenfeindschaft gefunden, die immer wieder propagiert wurde. Eng mit dem Wandel der Volksfrömmigkeit verbunden, die sich jetzt wirklich konstituierte, entwickelte sich nun in breiten Schichten eine bewußte, religiös verfestigte Judenfeindschaft. ... Mit dem 14. Jahrhundert setzte eine Epoche ein, in der die Initiative zu antijüdischen Maßnahmen allmählich von der Kirche auf die Obrigkeiten überzugehen begann, wo die ersten nicht-klerikalen

Begründungen der Judenfeindschaft auftauchten und Verbreitung fanden. Die ersten Anzeichen dafür sind die meist aus unmittelbaren ökonomischen Gründen entspringenden Vertreibungen der Juden aus England (1290) und Frankreich (erste Vertreibung 1306), im Reich signalisierte die Wandlung der Juden von Schützlingen des Königs in seine hörigen "Kammerknechte"'und ihre Ausnützung durch Reichsfürsten und zunehmend auch durch Städte eine Veränderung der Lage. ... " (1), (37)

Und dann bringt Graus einen sehr bezeichnenden Satz: "Die Neuartigkeit der Feindschaft tauchte bereits bei der Pogromwelle der Jahre 1336/38 besonders in Franken und im Elsaß auf, bei der die zeitgenössischen Chronisten schwanken, wie eigentlich die Feindschaft dieser Scharen gegen die Juden begründet waren."

Der aufmerksame Leser wird hier genau das gleiche Soziologenlatein wiederfinden, wie ich es schon bei Strauss und Kampe zeigte. Auch hier kommt Graüs nicht auf den naheliegenden Gedanken, sich zu fragen, warum die Juden nun nach 242 schrecklichen Jahren der Verfolgung immer noch nicht ihre Sachen packten und das ungastliche Land verließen. Es ist wie heute: Da behaupten die Juden, von diesen entsetzlichen Deutschen millionenfach hingemordet worden zu sein in den "Vernichtungslagern", aber ob sie nun Wiederauferstandene seien oder Überlebende: Sie streben massenhaft herein nach Deutschland.

Da kann man Brockhaus nur recht geben, jedenfalls in diesen zwei Sätzen: "Als Gründe für den oft nicht rational zu erhellenden Antisemitismus sind angebliche Eigenschaften der Juden angeführt worden, wie körperliche Charakteristika oder Sitten. Tatsächlich haben sich alle diese Theorien als nicht haltbar erwiesen." (31)

Noch einigermaßen zustimmen kann man dem nächsten Satz: "Es wurde auch gefragt, ob sich der Antisemitismus etwa zwangsläufig daraus ergebe, daß Juden als Minderheit unter Völkern leben, in denen vollkommen aufzugehen sie nicht bereit sind." So kann man sich vorsichtig an die einfache Wahrheit heranpirschen, nur wenn dann der Blattschuß auf die Wahrheit fallen soll, dann läßt man halt das Gewehr wieder sinken.

Und schließlich noch einmal Brockhaus (1980): "Danach wäre dann der Antisemitismus ein wenn auch besonders komplexer Fall des allgemeinen Problems religiöser, nationaler oder kultureller Minderheiten." Und dann der wahrhaft blöde Nachsatz: "(Sündenbock-Funktion)". (31)

So steuert die heutzutage nicht nur in Deutschland veröffentlichte Meinung immer schön vorsichtig an der Wahrheit vorbei. Kein Volk dieser Erde läßt sich seine Heimat ohne Widerstand rauben, solange es gesund ist, das ist das Eine. Und kein Volk auf der Erde benimmt sich gerade auch innerhalb seiner ungefragten Wirtsvölker so unverschämt wie die Juden. Das ist das Andere. Gerade das Mittelalter liefert uns die Berechtigung zu der ganz einfachen Frage: Was wollt ihr denn hier? Um diese Frage zu stellen, braucht man weder Gobineau noch Chamberlain zu bemühen. Mit Rasse hat das nur insofern zu tun, als in einer Heimat nur ein Volk daheim sein kann. Das lehrt uns auch und gerade die neue Rassenlehre. Dabei ist es ganz unerheblich, ob die eine Rasse besser ist oder sich besser dünkt als die andere: Jedes Volk will überleben. Und da das Überleben immer auf Kosten anderer geschieht, so wie die Natur nun einmal geschaffen ist, geht das eben nicht ohne das, was einem heute verboten ist zu tun: Ohne auszugrenzen.

Strauss und Kampe haben es offenbar wohl erkannt. Sie sagen: "Der pseudowissenschaftliche Rassismus war ein Abfallprodukt naturwissenschaftlicher Erkenntnisse - zum Beispiel in der grotesk verkürzenden Ubertragung der Darwinschen Evolutionslehre auf die Beziehungen von Staaten, Völkern, 'Rassen' oder sozialen Schichten."

Dieser Satz, auch wenn er das Ganze leugnet, zielt jedenfalls in den Kern des Antisemitismus. Ich muß ihn hier auseinandernehmen:

Wieso der Rassismus pseudowissenschaftlich sein soll, das erkläre uns bitte ein Jude, dessen ganzes Grundgesetz in seinen drei Werken Buchstabe gewordener Rassismus ist. Und was sonst bestimmt denn die Beziehungen von Staaten, Völkern und Rassen (bei mir nicht in Anführung!) als eben die Rassenlehre, deren eines Grundelement die Darwinsche Evolutionslehre ist. Der Jude D'Israeli sagt dazu:

"Niemand darf das Rassenprinzip, die Rassenfrage gleichgültig behandeln. Sie ist der Schlüssel zur Weltgeschichte." (12)

Und der Jude Walther Rathenau sagte in Leipzig im Jahre 1902: "SELTSAME VISION! Inmitten deutschen Lebens ein abgesondert fremdartiger Menschenstamm, glänzend und auffällig staffiert, von heißblütig beweglichem Gebaren. Auf märkischem Sand eine asiatische Horde ... In engem Zusammenhang unter sich, in strenger Abgeschlossenheit nach außen - so leben sie in einem h a l b f r e i w i l l i g e n Ghetto, kein lebendes Glied des Volkes, sondern ein fremder Organismus in des deutschen Volkes Leibe." (Machen auch Juden Fehler!). (13)

Und da irrlichtern jüdische Psychologen in Herrn Freuds Psycho-Katalog herum, warum man wohl gegen sie sei!

Sehen wir uns die Abwehrreaktionen bei unseren Nachbarvölkern an!

Nach England kamen Juden erst im Troß der Normannen unter Wilhelm dem Eroberer im Jahre 1066, aber schon bald kam es zu "Verfolgungen", die zur totalen Ausweisung im Jahre 1290 führten. (37)

Nach Spanien waren die Juden in einem nie abreißenden Strom seit der Zeit Carthagos gekommen. Von den Königen seien sie unterdrückt worden, sagt die offizielle Geschichtsschreibung, und gemeint sind die deutschen Könige der Sweben, der Wisigoten und der Wandalen. Deshalb, so heißt es, haben sie die arabische Eroberung des Landes als Befreiung empfunden. Das ist zwar nicht die erste Befreiung, bei der der Eroberer die Befreiten ihrer Freiheit beraubt, aber immerhin erhoben die Araber alsbald eine nur für die Juden geltende Kopfsteuer. Und wieder wechselten sie ihre Zuneigung: Im selben Maß, in dem die Spanier die Araber aus dem Lande drängten, besserte sich ihre Lage. Die Juden wurden zu Mittlern zwischen der arabischen und der latein-spanischen Kultur.

Seine Glanzzeit erlebte das spanische ("sephardische") Judentum im 12. Jahrhundert und dann in der Zeit Kaiser Friedrichs 11, für dessen arabische Freundschaften es viel zu übersetzen gab. Die Könige von Aragön und Kastilien übertrugen den Juden hohe Ämter. Es kam wie es immer kommt: Erst erhielten die Juden besondere Privilegien, dann mißbrauchten sie sie, dann wuchs das Mißtrauen. Viele Juden waren zum christlichen (katholischen) Glauben übergetreten. Die Spanier nannten solche Übergetretene in ihrer nüchtern-trockenen Art "Marranos", und das heißt auf deutsch "Schweine".

Im Jahre 1492, dem der Entdeckung Amerikas, erließen die "Reyes Catölicos", Isabel und Fernando, das Ausweisungs-Dekret: Angeblich 200000 nicht zum Katholizismus übergetretene Sepharden mußten das Land und (wieder angeblich) ohne Mittel verlassen. Viele gingen nach Deutschland, wo man sie gerade so schrecklich verfolgt hatte, andere nach Nordafrika und Frankreich. In der entstehenden Kolonie NUEVA GRANADA, dem heutigen Columbien, bildeten sie die Oberschicht der sogenannten Antioquehos, der Bewohner der Landschaft um Medellin. In Ungarn drangen auch wieder viele in den Adel vor. Das erklärt die Gemeinsamkeit vieler Namen des ungarischen Adels, wie Hoyos, Uribe oder Mejia mit früheren spanischen Sephardenfanülien. Ich selbst sprach mit Nachkommen der Sepharden in der Altstadt von Istanbul, in Byzanz. Den ausgewiesenen nicht konvertierten Juden folgten später Marranen. Kurzum, die Diaspora wurde wesentlich erweitert. (36)

In Frankreich erhielt der Talmud im 11. Jahrhundert unumstrittene Autorität. Und schon begannen auch hier die sogenannten Verfolgungen. Und dann, wie in den anderen Ländern, folgte die Ausweisung aus Frankreich im dreizehnten Jahrhundert und besonders im Jahre 1394. Vor allem aber in Marseille blieben jedoch viele Juden, und da sind sie heute noch.

Die Juden in Deutschland wichen den "Verfolgungen" aus und wanderten nach Polen und Rußland. Sie nahmen ihre Sprache, einen mittelhochdeutschen Dialekt des Namens "Jiddisch" mit. Und wieder erhielten sie dort Privilegien, und wieder ... und wieder.

Auch Italien hat seine eigene Judengeschichte. Der Name "Ghetto" stammt aus Venedig, wo eine Straße nach den dort arbeitenden deutschen Eisengießern "die Gießere? hieß, italdeutsch "Ghetto".

In Italien geschah Besonderes.

Dieses Besondere äußerte sich in dem Versuch von Juden, die Macht in der Katholischen Kirche zu erringen. Gegen Ende des Mittelalters schien dieser Versuch zum erstenmal zu gelingen. Es hatte zwar schon im Altertum und im Frühmittelalter Juden als Päpste gegeben, wie natürlich den angeblich ersten Papst (Petrus), der zwar nie nach Rom kam, von dem es aber die Kirche standhaft behauptet. Ein späterer Juden-Papst war Zephyrin (199 bis 217), dann wieder Siricius (384 bis 399) und Hormisdas (514 bis 523), und Anaklet II, (1130 bis 1138). (33)

Dieser Papst Anaklet erließ ein Edikt, nach dem die Ehe zwischen römischen Adligen und Juden erlaubt war. Die Folge dieses Edikts ist eine nicht mehr überschaubare Vermischung des römischen (nicht des lombardischen!) Adels mit Juden. In der weiteren Folge dieses Edikts gelangten viele Mischjuden sowohl auf den Stuhl Petri wie in höchste Kirchenämter unter den Päpsten. Unbezweifelte Juden als Päpste waren Calixtus III (1455 bis 1458), Alexander VI (1492 bis 1503), Pius III (1503), Leo X (1513 bis 1521), Paul III (1534 bis 1549), Pius V (1566 bis 1572) und Gregor XIII (1572 bis 1585). (14)

Hier sei nur am Rande vermerkt, daß auch in neuester Zeit Juden Päpste waren: Pius VII (1800 bis 1823), Pius IX (1846 bis 1878), Pius XII (der Papst des Konkordats mit Deutschland (1939 bis 1958) und zuletzt Paul VI (1963 bis 1978).

Ein anderer bis heute höchst erfolgreicher Versuch, Einfluß auf das Stiefkind des jüdischen Glaubens, auf die christliche Kirche, zu gewinnen, war der freimaurische Orden der Jesuiten. Sein Gründer war Ignatius von Loyola. Er war Marrano, also konvertierter Jude. Sein eigentlicher Name war liiigo Lopez de Loyola. Die Mitgründer waren der Jude Polanco und der Jude Herzog Franz Borgia. Die Gründung war am 15. August 1534, der Gründungsort Montmartre-Paris. Schon im Jahre 1540 genehmigte der Papst Paul III (ein Jude) das Grundstatut der Jesuiten. Der zweite Ordensgeneral nach Ignatius war der Jude Lainez, und der dritte ein Borgia, also wieder ein Jude.

Der hohe Klerus, also Erzbischöfe und Kardinäle, sind ebenfalls Juden gewesen. Hier muß ich den päpstlichen Nuntius Alexander erwähnen, einen Juden, der den Deutschen auf dem Reichstag zu Worms im Jahre 1521 die Drohung ins Gesicht schleuderte: "Wenn ihr Deutschen, die ihr das wenigste Geld an den Papst zahlt das römische Joch abschüttelt, so werden w i r dafür sorgen, daß ihr euch gegenseitig totschlagt und ihr in eurem Blute watet." W e r  i s t  w i r ?(35)

Während also die Juden ihre Macht in Europa festigten, sollen das die blöden Leute nicht gemerkt haben! Während jüdische Organisationen, wie auch die Jesuiten, ihren Einfluß und ihr Vermögen ins Unermeßliche steigerten, soll sich das auf die Deutschen, die Engländer, die Franzosen und die Spanier nicht ausgewirkt haben?! Und sollen etwa die Fürsten und Mächtigen im Reich nicht gemerkt haben, wie sich da die Kirche und die Juden gegen das Reich verbündeten?

Vergleichen wir die Tatsachen mit dem Versuch von Frantisek Graus, den Antisemitismus und die Ausweisung der Juden im späten Mittelalter zu begründen: In keinem einzigen Satz bringt er Tatsachen und nennt die Namen der Handelnden. Alles schwimmt in passivischen Wendungen herum: "man bemühte sich zwar", "man munkelte", "Vermutungen kamen auf', und ähnliche leere Sprüche. Von biblischer Härte aber waren die Anschuldigungen gegen die Deutschen, Engländer usw..: "Lawinenartig verbreitete sich das Morden von Süden nach Norden, von Westen nach Osten und zerstörte innerhalb von zwei Jahren alle jüdischen Gemeinden." "Die Obrigkeiten begannen eine restriktive Judenpolitik zu betreiben, die Juden immer mehr auszugrenzen, um sie letztlich ganz zu vertreiben". "Auch die Kirche hatte den programmatischen Weg gewiesen mit ihrem systematischen Streben, alle Lebensbereiche der Juden einzuschränken." "Die Städte begannen ganze Bevölkerungsteile bewußt zu marginalisieren."

Hier hören wir zum erstenmal aus jüdischem Mund den Vorwurf, man 11marginalisiere sie", also den Vorwurf der Ausgrenzung.

Dann sagt Graus: "Der jüdische Wucherer blieb der Geldgeber des kleinen Mannes. Er war zugleich willkommener Hehler anderer Ausgestoßener und Verfemter." Aberwitzig ist seine Folgerung, es sei d e s h a l b kein Zufall, daß das deutsche Rotwelsch, die Sprache der Gauner und anderer Außenseiter, so viele Spuren des Hebräischen und des Jiddischen aufweist. Als ob nicht gerade der sprachliche Ursprung des Rotwelschen aus dem Jüdischen den Boden beweise, auf dem das Gaunertum gewachsen ist. Und da sollen die dummen Europäer sozusagen versehentlich den Juden für diesen Saustall die Schuld gegeben haben? (34)

Auch hier wieder haben wir nichts anderes als das natürliche Gefüge von Actio und Reactio, von Ursache und Wirkung. Nur waren die Fürsten unserer Vorfahren jedenfalls teilweise noch klarer in ihren Gedanken: Sie warfen die Fremden zum Lande hinaus (jedenfalls einige), wie es der Jude Jesus mit den Tempelhändlern vorgemacht hatte (haben soll).

Das ganze Soziologenlatein lenkt von dem wahren Problem ab: Von der bei Nomadenvölkern genetisch bedingten Selbstverständlichkeit, die Heimat seßhafter Völker als ihren eigenen Weidegrund zu beanspruchen. Diese ist unvereinbar mit dem Lebensrecht der seßhaften Völker, ihrem HEIMATRECHT.

Ich muß noch einmal Graus anführen: "Die Juden hatten jetzt ihre letzte bescheidene (!) Funktion eingebüßt, sie waren vollends dämonisiert." "Noch verheerender waren die Folgen im Bereich der Vorstellungen, wo sich vollends (schon wieder, d.V.) ein dämonisiertes Judenbild stabilisierte. Die Judenfeindschaft war absolut keine natürliche, spontane Reaktion der Gesellschaft, sondern ein anerzogenes und herangezüchtetes, über Generationen hin propagiertes, auf gewissen Grundlagen des Andersseins der Juden aufbauendes Stereotyp. Wie jedes Stereotyp wurde auch dieses V o r u r t e i l geschlossen gelehrt, überliefert und vererbt."

Graus schließt dann seine Betrachtung des Antisemitismus im Mittelalter: "Stereotypen sind besonders geeignet, nachfolgende Zeiten zu beeinflussen. Das Judenstereotyp ist ein Musterbeispiel dafür. Es hat sich erst im Laufe von Jahrhunderten herausgebildet. Es stand und steht nie isoliert da. Bereits im Mittelalter war es, genau wie in der Folgezeit, der integrierende Bestandteil allgemeiner Feindbilder und restriktiver Maßnahmen, damit zugleich ein empfindlicher Indikator für die Toleranzschwellen von Gesellschaften und eine Schule der Barbarei." (1)

An dieser Stelle kann ich dem Leser nur raten, dieses Buch noch einmal von vorn zu lesen.

ANTISEMITISMUS IN DER FRÜHEN NEUZEIT

Das Mittelalter endet mit Martin Luther, und mit ihm beginnt die Neuzeit. Luther veröffentlichte seine zwei Schriften "Von den Jüden und ihren Lügen", sowie "Schemhamphoras" im Jahre 1543. Darin prangert er die "Unbelehrbarkeit" der Juden insofern an, als sie nicht bereit sind, sich zu Christus bekehren zu lassen. Ernst Ludwig Ehrlich legt uns als Co-Autor von Strauss und Kampe eine lange Analyse der Gedankengänge Luthers über die Judenfrage vor. Auch er geizt nicht mit allem möglichen Soziologenlatein, allerdings angereichert mit theologischen Anmerkungen. Auf den Kein kommt er nicht. Er unterschlägt die Reisen Luthers in seinen späten Jahren, wo er in vielen Städten gegen die Juden wegen der von ihm erkannten Gefahren predigte. (15)

Auch von Moses und seinen Gesetzen als angeblicher Gottesoffenbarung wollte Luther nun nichts mehr wissen. (35)

Niemand kann heute noch die Gedanken Luthers wieder ans Licht bringen. Fest steht, daß er wie kein anderer bei seinem Übersetzungswerk der Bibel auf die unbeschreiblichen Grausamkeiten und Verbrechen gestoßen ist, die sich im Pentateuch finden. Ein Mann wie er, ein Revolutionär, nicht nur ein Reformator, muß beim Lesen dieser Abscheulichkeiten erschrocken sein, ja, er hätte wohl schon viel früher die einfachen wahren Zusammenhänge erkennen müssen. Entgehen konnten sie ihm nicht. In der ihm eigenen schwerfälligen, dann aber eruptiven Gründlichkeit bedeutete seine Trennung von Moses auch die Trennung vom Alten Testament. Sein Nachfolger, der getaufte Jude Schwarzerd, der sich in bewährter jüdischer Manier als Melanchthon tarnte, tat das Seine, den Vulkankrater zuzudecken, denn zuschütten konnte er ihn nicht mehr. Er unterdrückte Luthers Werke, soweit sie sich gegen die Juden richteten, und gestaltete so die protestantische Kirche zu dem Schutzschild für die Juden um, der sie noch und gerade heute zu sein scheint, So unterblieb damals die endgültige Austreibung der Juden aus dem Deutschen Reich.

Ehrlich schließt seinen Aufsatz mit einem Hinweis auf den 1. Korinther-Brief des Paulus, wo er sagt: "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, dieser drei." Dann fährt Ehrlich fort: "Alle drei gehören, unter dem Vorrang der Liebe, untrennbar zusammen. Nach Ausweis der jüdischen Bibel wie der christlichen gilt: Gott braucht den Menschen, damit Glaube, Hoffnung und Liebe bleiben. So sind die jüdische und die christliche Gemeinde je auf ihre Weise gerufen, in Vertrauen und Zuwendung einen Vorgeschmack ihrer Hoffnung auf die kommende Gottesherrschaft zu vermitteln. Im Zeichen der Zeit, das der Name A u s c h w i t z bedeutet, kann dieses gemeinsame Hoffnung nur das Kennzeichen haben, das ihr seit Abraham eignet."

Wenn ich diese Laokoongruppe von sich windenden Gedanken richtig verstanden habe, dann ist es jetzt Schluß mit dem Antisemitismus, da wir ja Auschwitz haben. Jetzt also kann die Gottesherrschaft auf Erden kommen.

Manche werden nun sagen, diese Leute hätten keinen unfaßbaren Größenwahn!

Strauss macht einen Unterschied zwischen Judenfeindschaft und Antisemitismus. Antisemitismus ist danach erst seit 1879, als dieser Begriff (Nach Rürop) geprägt wurde, bekannt, und er ist auf Deutschland beschränkt. Von dort aus habe er sich dann auch in den anderen Europäischen Ländern ausgebreitet. Wieder beginnt er seine Beschreibung der Judenfeindschaft in der frühen Neuzeit mit Soziologischem Fachjargon. Da sagt er etwa: "Die Juden waren wie der Klerus und die Frauen vom Waffentragen ausgeschlossen. Und das in ganz Europa, und im Gegensatz zu den traditionellen Machtgruppen der mittelalterlichen Gesellschaft. " Muß man diesen Unfug widerlegen?

Dann seien die Juden "als zahlenmäßig schwache Minderheit von Anfang an auf die öffentliche und rechtliche Anerkennung durch die Machthaber ... angewiesen gewesen und damit von politischen und wirtschaftlichen Institutionen abhängig, von denen sie als Geldquelle ausgenutzt wurden." Woher die Juden das Geld hatten, mit dem sie die Geldquelle der Mächtigen wurden, das sagt Strauss nicht.

Das "Image", wie manche heute sagen, der Juden war miserabel. So habe Johannes Calvin gesagt: "Die Juden seien profane Hunde, verfluchtes Lumpenpack, Volk von Hochmut und Habgier. Sie stehen unter Gottes Zorn und Strafgericht, sind verachtet von den Heidenvölkern."

Strauss unterscheidet streng die Sephardim, die spanischen Juden, von den Askenasim, den deutschen Juden. Das Wort stammt von den Philistern, die als Deutsche die Weltenessche, urgermanisch "aske", als den Ort ihrer Gottheit sahen. Die Sephardirn haben nach Strauss als Teil der islamischen Kultur im frühmittelalterlichen Spanien eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte erlebt. Dagegen seien die Askenasim im Deutschland des 16. Jahrhunderts eine absteigende Außenseitergruppe gewesen. (27)

Nach der Vertreibung der nicht konvertierten spanischen Juden im Jahre 1492 seien die Juden Portugals "unter brutalen Umständen vernichtet worden." (1)

Dann vermeldet Strauss, was noch heute jedem Spanier und jedem Lateinamerikaner ganz gegenwärtig ist: Vom 16. Jahrhundert an sperrten sich die spanischen Könige und die Behörden auch gegen die Marranos. Sie verlangten mit einem eigenen Gesetz die Reinheit des Blutes. Das Gesetz hieß "Estatutos de Limpieza de Sangre". Dieser erste noch religiös begründete, aber klar rassisch gedachte Ariernachweis wurde die Bedingung für die Zulassung zu öffentlichen Amtern, wie in der Verwaltung, der Kirche, den Gerichten und dem Kriegsdienst. Strauss stellt bedauernd fest, dies "grenzte an Rassismus". Dieses Statut sei übrigens erst im Jahre 1865 aufgehoben worden. Auch bedauert Strauss, daß "gerade die geistig hochstehende jüdische Religion mit ihrer hohen Arbeits- und Familienethik, ... die Gewaltlosigkeit und das hochstehende Selbstverwaltungs- und Rechtswesen" unbekannt geblieben seien oder als "Talmudismus" und als Arroganz der Erwählung durch Gott verschrieen waren. Kann der Mann nicht lesen? (36)

Und überall seien die Juden verfolgt und schlecht behandelt worden. 1670 habe sie Kaiser Leopold I aus der Stadt Wien gejagt. 1648 lehnten sich die griechisch-orthodoxen Kosaken gegen die "Ungläubigen" polnischen Oberherren und ihre jüdischen Beamten (!) auf, unter dem Hetman Bogdan Chmielnicki und ermordeten ihrer 100000, und schon vorher habe es sporadische Judenverfolgungen gegeben. Die Volksmeinung und die Volksreligion habe die große Masse des j ü d i s c h e n  V o l k e s mit Abneigung und Verachtung betrachtet und als wirtschaftliche Konkurrenz gesehen. Eine "am Rande der Gemeinschaft auftretende Unterschicht jüdischer Diebe und Hehler und die Verwendung hebräischer Ausdrücke in der Gaunersprache, dem Rotwelsch", habe den Hintergrund gebildet, auf den das Bild der ganzen Judenheit gemalt worden sei. (34)

Immerhin konnte Strauss diese Tatsachen nicht einfach weglassen.

Aber die Zeit war auch schuld: "Behandlung und Bild der Juden sind aber auch auf den Hintergrund einer Zeit zu projizieren, deren öffentliches Verhalten charakterisiert war durch extreme Intoleranz."

Und dann trifft Strauss, sicher unbewußt, Robert Ardrey haarscharf. "Verfolgung und Austreibung gegenüber den nicht in einem Territorium vorherrschenden christlichen Kirchen" seien typisch gewesen. Weiter sei typisch "eine extreme Unsicherheit des Lebens vor allem gegenüber einmarschierenden Heeren" gewesen. (Und der Mann schreibt sein Buch auf deutsch, als ob er damit den Deutschen etwas Neues sagte!).

Sehr bezeichnend ist die Aussage von Strauss, man habe unter der "Emanzipation" der Juden die rechtliche und im weiteren Sinne die kulturelle und gesellschaftliche Gleichstellung v o n  J u d e n  u n d  U m w e l t zu verstehen. Für ihn gibt es kein anderes Volk (siehe oben!) als die Juden, und die anderen sogenannten Völker sind U m w e l t, und das heißt im ererbten Denken von Nomaden: Weideland. Daß die Emanzipation der Juden unter dem Einfluß der Französischen Revolution stand, ist ja auch nicht gerade neu.

Dann beschreibt Strauss die Emanzipation der sephardischen Juden, und spekuliert darüber, welche der "drei Potenzen, Staat, Wirtschaft oder Geist" als bestimmend isoliert werden kann. Er sagt dann, die Sephardim "siedelten" nach ihrer Vertreibung in den großen Handelsmetropolen Westeuropas, und ihr am weitesten nach Nordosten vorgeschobener " Siedlungsraum" sei Hamburg/Altona gewesen.

Ich denke, unter "Siedlungsraum" ist wohl etwas anderes zu verstehen. Jedenfalls "fügten sich die Juden in dort entwickelte Strukturen ein und eröffneten durch ihre Tätigkeit vor allem im Handel (womit, bitte, sonst?) mit der iberischen Halbinsel und den (spanischen und portugiesischen) Überseekolonien zusätzliche wirtschaftliche Möglichkeiten."

Strauss erwähnt eigens," daß Juden (Marranos) die Expedition des Christofer (sic!) Columbus mitfinanzierten. Dies mag als Symbol für diese Pionierrolle gelten."

Dann geht Strauss zur Frage der Emanzipation der Askenasim über. Hier aber klafft in seinem Bericht eine wahrhaft entsetzliche Lücke: Ich muß sie hier schließen:

Der bislang in der Weltgeschichte wohl mit Abstand niederträchtigste Genozid, also Völkermord, war der an den nach Amerika (also nach Nordamerika, Mittelamerika, Westindien und Südamerika) verkauften Negersklaven vollzogene. Die Zahl (nach Brockhaus) der allein nach Nordamerika gebrachten Negersklaven wird auf 8 bis 10 Millionen geschätzt. Rechnen wir diese Zahl hoch, um die Zahl der "Betroffenen" zu ermitteln: (Ich zitiere "Reizwort Rasse" von J.P. Ney, Tübingen 1991). (16)

Bei den Sklavenlieferungen in den Goldenen Westen wurden nach vorsichtiger Schätzung 55 Millionen Menschen eingefangen. Dazu gingen mindestens 25 Millionen beim Fang oder an seinen unmittelbaren Folgen zugrunde. Von diesen gut 80 Millionen Menschen, damals der halben Bevölkerung Europas ohne Rußland, kamen drüben wie gesagt 10 Millionen an. Die anderen 45 Millionen verendeten in den Häfen Aftikas, auf der Überfahrt und in den Häfen Amerikas. Und dieser Genozid war bis Ende des 18. Jahrhunderts das Monopol gewisser Handelskompanien in jüdischer Hand. Schon die ersten Indianersklaven aus Amerika kamen auf den von Marranos finanzierten Schiffen des Columbus. Später wurden die Sklaven auch wieder von jüdischen Händlern in London, Amsterdam und Liverpool gehandelt: Die Abermillionen Menschen, die dabei umkamen, waren "Friktionsverluste". Man denke nur an die zurückgelassenen Kleinkinder junger Sklavinnen in Afrika. - Der Tod, ein Meister aus Israel?

Dieser entsetzliche Massenmord zeichnet sich durch besondere Eigenschaften aus: Erstens waren die Opfer nicht etwa Feinde der Juden (und ihrer verbündeten arabischen Händler in Afiika und der Käufer in Amerika), sondern einfach Menschen. Zweitens war das kein Krieg zwischen Völkern, bei dem es um das Überleben des einen und darum um den Untergang des anderen gegangen wäre. Es war reines Geschäft. Grauenhafte Einzelheiten sind nachzulesen bei O. RAMSFORD: THE SLAVE TRADE, London 1971. (17) (Anlage 1)

Da für einen Neger ein Mensch mit heller Haut eben ein Weißer ist, dürften früher viele Neger in den Vereinigten Staaten (dem Hauptabnehmerland der'Ware') die Schuld an ihrem Schicksal einfach nur "den Weißen" gegeben haben. Heute sind viele Neger dort des Lesens und Schreibens kundig. Und da wundern sich amerikanische Juden, daß sich "neuerdings auch bei den Schwarzen ein dumpfer Antisemitismus" breitmacht! (18)

Mit welcher Unverfrorenheit der amerikanische Jude DAVID WILLS den Nachkommen von mindestens 70 Millionen (!!) unter maßgeblicher Mittäterschaft von Juden beim Sklavenhandel ermordeten Negern (Männern, Frauen und Kindern) verbieten will, ihr Schicksal darzustellen, das zeigt in der WELT AM SONNTAG vom 31.10.93, Anlage 2: Was unbestreitbar ein Monopol jüdischer Geschäftsleute war, wird da so dargestellt, als seien es "hauptsächlich Nichtjuden gewesen, die den Sklavenhandel kontrollierten". Daß Marranen, also getaufte Juden, daran beteiligt waren, ist ja bekannt. Aber "das alles läßt erkennen, daß die Geschichte der jüdischen Partizipation am Sklavenhandel wesentlich komplexer ist, als ... darstellen könnte". Und fix dreht er den Spieß um und bezichtigt die heutigen Neger, die Nachkommen der Überlebenden, des ANTISEM1TISMUS: Sie schürten den Haß gegen eine (ja, welche wohl?) Minderheit. Da wird hin- und her-geredet, aber das alles beleidigt ja nicht das Andenken an diese wahren Hekatomben von Mordopfern, denn die waren ja nur Nigger! An der Perversität dieser Orgie der Lüge ändert es wahrhaftig nichts, daß Simon Wiesenthal und B'nai B'rith hier mitmischen. Es ist ein wahres Lehrstück "aggressiver Abwehr des Antisenütismus", wie Rürop das nennt. Wir werden das gleich sehen.

Dieser Genozid hat noch eine Besonderheit: Er ist urkundlich belegt! (Anlage 2)

Nun also zu den Askenasim, den Juden in Deutschland und seinen östlichen Nachbarländern: Wieder begründet Strauss umständlich, warum denn die polnischen Bauern unbedingt jüdischen Zins nehmen mußten. Das "Bauernlegen" lastet er den Grundherren an. Er beschreibt die Abdrängung von Juden in Polen zum Kleinhandwerk und zum Trödel-Handel. Sie seien von Staats wegen dazu verpflichtet worden, den "jeweiligen Handelsbedürfnissen des merkantilistischen Systems entsprechend die Einfuhr von Rohmaterialien oder die Ausfuhr von Fertigwaren, auch schlechter Qualität, zu übernehmen. "

Diese Behauptung ist eine Lüge. Wie will der Herr Stauss diese absurde Behauptung belegen?

Sephardische Mädchen
Zwei sephardische Mädchen aus Tel Aviv
Ostjude (Aschkenas)
Ostjude (Aschkenas)

DIE JUDEN IN DER ZEIT DER AUFKLÄRUNG

Während die Sephardim längst die Denkgrundlagen überall lebensberechtigter Nomaden praktizierten, hat sich, nach Strauss, die Aufklärung "auf wenige kleine Zentren beschränkt in einem Meer von wenig verändertem Traditionalismus und dörflichen Denk- und Lebensgewohnheiten." Es ist verständlich, daß den Juden in Deutschland die Verwurzelung der Deutschen in ihrem Brauchtum und in ihren Überlieferungen ein Dorn im Auge war. Darum beruft sich auch Strauss auf die "niederländische Toleranz den Religionen gegenüber". Hier haben wir ein ganz wesentliches Instrument der Besitzergreifung des Landes seßhafter Völker durch Nomaden, die man heute "Kosmopoliten" nennt: Sie verlangen die Toleranz für ihre Religion. Da sie aber mit ihrer Religion identisch sind, eine Volk-gewordene Religion, kommt nach der Duldung ihrer Religion die Duldung ihrer selbst.

Dieser heute jeden Tag aus allen Zeitungen und von allen Fernsehern auf uns niederprasselnde Anspruch: "Seid tolerant!" dient dazu, den Widerstand seßhafter Völker aufzuweichen, damit sie ihre Heimat mit den Fremden teilen, damit sie ausweichen und sich selbst aufgeben.

Heute sagt man "flankierend" zu der hier von Strauss angefügten Forderung des Engländers John Locke, "daß die Unterschiede zwischen den verschiedenen Erkenntnisinhalten letzten Endes auf die Einflüsse der Umwelt, nicht auf eingeborene und damit unveränderliche ererbte Strukturen zurückgingen!" So habe Lockes die theoretische Basis für den Glauben an die Erziehbarkeit des Menschen, an seine u r s p r ü n g l i c h e  G l e i c h h e i t, somit an den möglichen Fortschritt in Politik, Moral und Gesellschaft geschaffen. (Eine falsche Folgerung!)

Kurzum: Juden und Deutsche (oder Franzosen, Schweden, Polen) sind ja e i g e n t l i c h gar nicht verschieden.

Wenn Strauss als Beleg für die Richtigkeit seiner Argumente die Entwicklung des naturwissenschaftlichen Denkens anführt, und daß dieses wissenschaftliche Denken "schließlich ein neues Menschenbild entwikkelte, das diese breiten geistigen Strömungen zusammenführte", dann ist das zwar falsch, klingt aber gut. Hier hätten wir eine neue Definition des Begriffes "Rabulistik". Argumente, die gut klingen, aber falsch sind.

Der nächste Schritt folgt sogleich: Auf Veranlassung des Moses Mendelssohn und zur Verbesserung der "bürgerlichen Situation der Juden" verfaßte Ch.R. Dohm eine Denkschrift, in der er forderte, daß die Juden, statt wie bisher ebenso wie die Hugenotten das nicht vorhandene oder schwache (deutsche) Bürgertum zu ersetzen, nun in dieses Bürgertum i n t e g r i e r t werden sollten. Diese Schrift erschien 1781. Die Französische Revolution meldet sich an. (1)

Strauss bereitet sich und uns alle auf dieses entsetzliche Ereignis auf seine Weise vor: Es sei notwendig geworden, das deutsch-jüdische Geschichtsverständnis zu überdenken. Trotz "Nathan dem Weisen" habe der negative Stereotyp (auf deutsch: das Vorurteil) über die Juden weiter bestanden. Nathan sei edel gewesen trotz seines Judentums. An der Ablehnung der Juden als Gemeinschaft habe, auf der Ablehnung ihrer Religion aufbauend, sich nichts geändert.

Dann kommt Strauss zur Aufklärung: - Der alte Vorwurf der Verstocktheit der Fremdenfeindlichkeit und der Abschließung, "mit dem man die Glaubenstreue und das volksreligiöse Element im Judentum bedacht (hatte), wandelte sich nun in eine Kritik an dem Gruppenbewußtsein der Juden. Die jüdische Hoffnung auf den Messias und die jüdische Palästinasehnsucht erschienen (nun) als Ausdruck des jüdischen Nationalismus. "

Und weiter jammert Strauss: "Der jüdischen Nation, wie es von der Französischen Revolution an formuliert werden sollte, konnte man im Zeichen der neuen Nationalstaatlichkeit keinen Platz einräumen. Das hätte eine N a t i o n  i n  d e r  N a t i o n geschaffen."

Und immer so weiter: "Dem individualistischen Ausgangspunkt der Sozialphilosophien der Aufklärung und dem sich vorbereitenden Nationalismus war ein ethiiisch-kultureller Pluralismus ebensowenig nachvollziehbar wie den Kirchen die theologische Gleichberechtigung von Judentum und Christentum."

Obwohl der letzte Absatz in dem Vortrag von Strauss über die Juden in der frühen Neuzeit jeglicher klaren Aussage entbehrt, bringe ich ihn hier vollständig, damit sich der Leser selbst durchfinden möge. Ich kann es nicht:

"So sollte der Prozeß der Modernisierung der jüdischen Gemeinschaft und ihrer Stellung zur Umwelt (!) in ihren Erfolgen wie Mißerfolgen von den geschichtlichen Möglichkeiten und Grenzen der Vormoderne in Wirtschaft und Politik, Gesellschaft und Geistesleben bestimmt werden. (Anmerkung: Aha!). Dies war keineswegs ein vorbestimmter und notwendiger Prozeß. Es gibt keine Linie, die von diesen Widersprüchen zum Antisemitismus des 20.Jahrhunderts und zum Massenmord führt. Die Verbindungen zwischen Umwelt, Juden und Judentum waren von historischen Konstellationen und Diskontinuitäten geprägt, die sich aus den Strukturen ebenso ergaben wie aus den Zufällen der Entwicklungen. (Anmerkung: Was will der Mann uns da bloß sagen?9). Trotzdem lassen sich in der Geschichte der Voremanzipationszeit Motive isolieren, die mit dem Ende des bürgerlichen Zeitalters nicht spurlos verschwinden und in den zu früh einsetzenden Krisen der bürgerlichen Gesellschaften in bald verhängnisvoller Weise aktualisiert und instrumentalisiert werden sollten. "

Da kann man nur warnen: Das ist kein dummes Geschwätz, das hat Methode. Hier soll mit wirren soziologischen Wendungen der ewig mißverstandene Jude von jeder Schuld freigewaschen und gleichzeitig der angebliche Massenmord von seiner Vorgeschichte abgetrennt werden.

Der Zusammenhang von Ursache und Wirkung soll auf den Kopf gestellt werden. Immerhin scheint auch Strauss erkannt zu haben, daß die von den Juden geforderte "Integration" eine Nation in der Nation schaffen würde. Den Schluß aus diesem Zustand zieht er nicht, obwohl doch gerade heute die Folgen eines solchen Vorganges auf der ganzen Welt zu beobachten sind: Weder lassen sich die Tamilen in die ceylonesische Nation, noch die Türken in die zypriotische, die Schwarzen in die südafrikanische, die Algerier in die französische, die Türken in die deutsche, die Kurden in die türkische, die Albaner in die serbische, die Tibeter in die chinesische, die Christen in die sudanesische integrieren. Jedenfalls kann eine solche "Integration" nur dann zu ihrem vorher säuberlich verheimlichten Ziel führen, wenn sich das Wirtsvolk aufgibt. Sonst gibt es Krieg, wie es alle die oben angeführten Fälle schon bewiesen haben oder demnächst beweisen werden.

Und er kann natürlich nicht zugeben, daß jeder Versuch eines Volkes, sich bei einem anderen einzunisten, versuchter Völkermord ist und damit genau das, was nach dem Pentateuch JAHWE den Juden bis ins letzte Detail vorschreibt. Darum führt er uns sein soziologisches Feuerwerk vor: Um uns von der Grundwahrheit der Geschichte abzulenken und um gleichzeitig den Grundsatz zu verwischen, daß jedes Volk das Recht hat, in seiner Heimat allein zu bestimmen, was geschieht und allein sein Leben zu gestalten. Genau das tun heute die Juden in einem Land, das ihnen n i c h t gehört: In Palästina.


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