DRITTER TEIL

"Der Lagerkommandant von Auschwitz spricht ..."

Ein geschichtliches Dokument ... oder eine Sammlung unkontrollierbarer Klatschgeschichten?

Kurz nach der Einstellung der Feindseligkeiten erfuhr die Welt vom Bestehen der deutschen Konzentrationslager — gleichzeitig erfuhr auch das deutsche Volk davon.

Die Menschheit reagierte mit einem einzigen Aufschrei: noch nie hätte es etwas Derartiges gegeben! Nur der teuflische deutsche Geist wäre imstande, solche Schrecken auszudenken. Es fiel damals niemandem auf, daß die lautesten Entrüstungsschreie von den Kommunisten kamen. Und da die Kommunisten hinzufügten, daß sie es gewesen wären, die sich in diesen Lagern am vorbildlichsten aufgeführt hätten, daß es ihnen zu verdanken sei, daß viele zur Vernichtung bestimmte Menschen vor einem schrecklichen Tode bewahrt wurden — machte sich alle Welt bis auf einige wenige Köpfe den kommunistischen Standpunkt zu eigen. Es wurde der Welt umso leichter, den Kommunisten zu glauben, da diese zwei talentvolle, wenn nicht gar moralisch hervorragende Schriftsteller gefunden hätten, die sich für sie verbürgten: David Rousset in Frankreich und Eugen Kogon in Deutschland.

Wenn die Dinge auch nicht ganz in die gewohnte Ordnung zurückkehrten, so kam die Wahrheit doch nach und nach ans Licht.

Die Historiker nämlich, die sich anfangs einen Augenblick von der kommunistischen Darstellung hatten überrumpeln lassen, und sich zunächst nicht trauten, etwas dagegen einzuwenden, weil ja die Kommunisten in den meisten Ländern Westeuropas alles zu sagen hatten, begannen nun zu schreiben, daß Deutschland die Konzentrationslager nicht erfunden habe, daß die Engländer sie schon Ende des vorigen Jahrhunderts gegen die Buren benutzt hätten, daß die Franzosen 1938 die geflohenen Spanier darin untergebracht hätten, daß die Russen sich ihrer seit 1917 bedienten und in solchen Lagern bis zu 20 Millionen Menschen verwahrten, usw ..., kurz, daß alle Länder der Erde irgendwann in ihrer Geschichte solche Lager errichtet hätten, wo sich jedesmal dieselben Scheußlichkeiten ereigneten, die man

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jetzt aus den deutschen Konzentrationslagern berichtete. Alle Länder der Erde, welche auch ihre Regierungsform gewesen sein mochte.

Ich glaube, daß ich in Frankreich — und wahrscheinlich in der ganzen Welt — der erste war, der diesen Standpunkt öffentlich vertrat, und zwar schon im Jahre 1947, d. h. gleich nach dem Erscheinen der Bücher des David Rousset und des Eugen Kogon, als es mir klar wurde, daß es verbrecherisch gewesen wäre, daraufhin noch länger zu schweigen.

Meines Erachtens war das kommunistische Manöver leicht zu durchschauen: indem sie die Schrecken der deutschen Lager nachdrücklichst überall verkündeten, glaubten sie, die Aufmerksamkeit der Welt von den 20 Millionen Menschen ablenken zu können, die im kommunistischen Machtbereich in Lagern schmachteten unter Lebensbedingungen, die — wie die jetzt veröffentlichten Erlebnisberichte einiger Davongekommener (vor allem der Margarete Buber-Neumann) eindeutig beweisen — noch schlimmer waren als die, welche wir in den deutschen Lagern erleiden mußten.

Die Kommunisten verfolgten aber mit der ununterbrochenen Reihe ihrer auf die Aussagen David Roussets und Eugen Kogons gestützten Greuelpublikationen noch ein weiteres Ziel. Ihrer Ansicht nach war nichts geeigneter, die Spaltung zwischen den Westmächten zu verewigen, als das Leitmotiv aller kommunistischen Veröffentlichungen, das "Vergeßt es nie!" lautete 1).

Denn sie wissen sehr wohl, daß es keine Einigkeit in der westlichen Welt geben kann, wenn Frankreich und Deutschland nicht zusammenstehen.

Erst heute kommt man dahinter, daß die Kommunisten in diesem zweiten Punkt ihr Ziel erreicht haben, und beginnt zu begreifen, daß ihre Schilderung der deutschen Konzentrationslager ihnen dabei sehr geholfen hat. Und was meine These betrifft, daß diese Schrecken ein Charakterzug aller Konzentrationslager sind, in welchem Lande und unter welchem Regierungssystem es sie auch gibt oder gab, so liefert Frankreich dafür heute wohl den schlagendsten Beweis: im Juli 1959 hatte der französische Journalist Pierre Macaigne (von der


1) In seinem Buch "16 mois de Bagne" ("Sechzehn Monate im Kerker") vertritt auch Bruder Boris von den christlichen Schulen in Epernay (sein wirklicher Name ist Alfred Untersteiner) die kommunistische These. Er schreibt: "Die Franzosen müssen wissen und dürfen nie verbessen, daß die gleichen Fehler die gleichen Schrecken hervorrufen werden. Frankreich wird immer auf der Hut sein müssen vor dem Charakter und den Lastern seines Nachbarn, jenes Unterdrückervolkes östlich des Rheins. Ich, die Nummer 43 652, habe diese Zeilen nur geschrieben um zu warnen: Franzosen, seid wachsam und vergeßt nie!"

Durch diese Aufforderung zum Haß, die man in dieser oder ähnlicher Form in allen Büchern über die deutschen KZ-Lager wiederfindet, richtet diese ganze "Literatur" sich selbst, indem sie ihre Absichten nur zu deutlich darlegt.

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großen Tageszeitung "Le Figaro") Gelegenheit, anläßlich einer Reportage über Algerien das dortige Konzentrationslager Bessombourg zu besuchen, wo er Tausende von Menschen in demselben Gesundheitszustand vorfand, in dem wir uns befanden, als die Tore der deutschen Lager sich für uns öffneten 2).

Und der 1959 vom Internationalen Roten Kreuz veröffentlichte Bericht bezeugt, daß es an anderen Orten in Algerien "mehr als hundert" solcher Lager gibt — in denen insgesamt 1 500 000 Menschen interniert sind, also ein Sechstel der Bevölkerung ...

Nachdem dies festgestellt ist, lohnt es sich gewiß auch, die Einzelheiten zu beleuchten und einige Beispiele jener "Wahrheiten" anzuführen, die die Kommunisten "enthüllt" haben, und die von einer kritiklosen öffentlichen Meinung widerspruchslos hingenommen wurden, die man aber jetzt als das bezeichnen kann, was sie wirklich sind, nämlich: schamlose Lügen.

Denn die Kommunisten haben nicht abgerüstet: nachdem die systematische Verbreitung von Greuelberichten den kommunistischen Zielen in so hervorragender Weise gedient hat — von Berichten über Greuel, die zu einem wesentlichen Teil ihr eigenes Werk waren, da ja die innere Verwaltung in den deutschen Konzentrationslagern in ihren Händen lag, und sie dort einen entscheidenden Einfluß besaßen — versuchen sie jetzt, die öffentliche Meinung der Welt in dieser Einstellung zu bestärken, indem sie von Zeit zu Zeit Veröffentlichungen verbreiten, die sie mit dem köstlichen Namen "Zeugenberichte" bezeichnen. Natürlich ist es bekannt, daß diese ganzen "Zeugenberichte" von der anderen Seite des Eisernen Vorhanges stammen und in dem Geruch stehen, mit gewissen Absichten angefertigt zu sein, aber die kommunistische Propaganda geht so geschickt vor, die Bücher werden in so großer Zahl in ganz West-


2) In der französischen Wochenzeitung "L'Express" berichtet die Schriftstellerin Françoise Sagan:

"... am 10. Februar dieses Jahres wird Djamila Boupacha von französischer Bereitschaftspolizei in einem Vorort von Algier festgenommen. Am 15. März wird sie offiziell in eine Haftanstalt eingeliefert. Zwischen diesen zwei Daten liegt mehr als ein Monat, verbracht in El Biar, dem Vernehmungszentrum, das auch Alleg und Maurice Audin kennenlernten.

Nachdem man sie gefoltert und ihr eine Flasche in den Leib getrieben hat, "gesteht" sie, eine Bombe in eine Gaststätte gelegt zu haben (eine Bombe, die übrigens rechtzeitig entschärft wurde) und auf diesem Geständnis beruht das Gerichtsverfahren, das am Freitag gegen sie eröffnet wurde. Leider "gestand" sie zur gleichen Zeit zehn weitere eingebildete Attentate, da ihre Phantasie durch Elektroden an gewissen Stellen ihres Körpers sowie durch gewisse Bäder beflügelt wurde.

Während ihres Aufenthaltes in El Biar wurde ihr der Trost zuteil, ihrem siebzigjährigen Vater gegenübergestellt zu werden, der nackt war und blutüberströmt wie sie selber."

Ich frage: in welchem deutschen KZ hat man schlimmeres gemacht?

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europa verbreitet, daß die kritiklosen Geister, die trotz allem in der Mehrzahl sind, doch immer wieder auf diesen Betrug hereinfallen.

Wenn es auch eine widerliche Arbeit ist, so ist es doch nötig, diese "Zeugenberichte" einmal unter die Lupe zu nehmen, um zu zeigen, daß es sich hierbei um glatte Lügen handelt. Im Jahre 1955 erschien das Buch "SS-Obersturmführer Dr. Mengele" von dem ungarischen Kommunisten Dr. Niyzli Miklos. Heute folgt "Der Lagerkommandant von Auschwitz spricht ...", angeblich ein von Rudolf Hoess im Gefängnis abgefaßtes Geständnis, das er in seinen letzten Tagen niedergeschrieben haben soll, bevor er am 7. April 1947 in Krakau durch den Strang hingerichtet wurde.

Diese beiden "Zeugenberichte" betreffen Auschwitz-Birkenau und wurden veröffentlicht, um zu beweisen, daß die meisten KZ-Insassen — und insbesondere die Juden — systematisch durch Gaskammern aus der Welt geschafft worden wären. Es ist gut, daß ich sie jetzt miteinander vergleichen kann, denn die Widersprüche, die zwischen beiden Behauptungen bestehen, beweisen schlagender, als ich zu hoffen wagte, die Richtigkeit der These, die ich in "Die Lüge des Odysseus" über diese Frage aufgestellt hatte.

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Von 1947 bis 1953 habe ich immer wieder in der französischen Presse gesagt, daß keiner der jetzt lebenden Verschleppten die Gaskammern in Tätigkeit gesehen haben kann, und daß ich bisher noch jeden angeblichen Augenzeugen, der in eine Gegenüberstellung einwilligte, der Lüge überführen und zwingen konnte, öffentlich zuzugeben, daß er in Wahrheit nichts von dem, was er erzählte, gesehen hatte. Der letzte in der Reihe war ein Geistlicher, Abbé J. P. Renard (von dem in "Die Lüge des Odysseus" auf den Seiten 153—154 die Rede ist), dem es gelungen war, ganz Frankreich glauben zu lassen, er hätte Tausende und Abertausende von Personen in Buchenwald und Dora den Gastod erleiden sehen; dabei gab es in Buchenwald und in Dora überhaupt keine Gaskammern!

Als meine Auffassung schließlich doch immer mehr Eingang fand, begann die andere Seite, hinter dem Eisernen Vorhang Verschleppte auftreten zu lassen (bei denen eine Gegenüberstellung natürlich unmöglich war), die erklärten, sie wären Zeugen dieser Schrecken gewesen — und die auch genaue Beschreibungen vorzulegen wußten.

Der erste war der ungarische kommunistische Arzt Miklos, ein ehemaliger Häftling, der angab, er habe in Auschwitz-Birkenau das Verbrennungsofen- und Gaskammernkommando beaufsichtigt. Dieser Mann

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glaubte zweifelsohne, daß er mich in Verlegenheit bringen könnte, indem er mir von Auschwitz erzählte, von einem Lager also, wo ich nicht interniert war, so daß mir auch das moralische Recht abging, darüber als Zeuge auszusagen. Er hatte aber nicht mit der Möglichkeit gerechnet, daß ich — da ich mich ja gewissermaßen beruflich mit der Geschichtswissenschaft beschäftigte — mit geschichtlichen Dokumenten vertraut genug bin, um beim bloßen Durchlesen schon gewisse Schlüsse auf die Echtheit oder Unechtheit ziehen zu können. In seinem Falle waren es die von ihm angegebenen Zahlen, die ihn entlarvten: 25 000 Personen täglich und fast fünf Jahre lang: es kostet mich keine Mühe nachzuweisen, daß das 45 Millionen Menschen ergeben hätte; und daß 4 Verbrennungsöfen zu je 15 Nischen, sogar bei einer dreifachen Belegung jeder Einzelnische, mehr als 10 Jahre gebraucht hätte, um eine so ungeheuere Zahl zu erreichen.

Er gab dies auch zu und beschränkte sich auf 2 500 000 Leichen, die nicht alle Juden gewesen und auch nicht alle durch die Gaskammern umgekommen seien.

Alle anderen Behauptungen aber hielt er aufrecht. Ich hielt es für überflüssig, die Diskussion mit einem solchen Individuum fortzusetzen.

In dem Buch, von dem die polnischen Kommunisten (die es veröffentlichten und in fünf Sprachen in der Welt verbreiteten) behaupten, daß es ein Geständnis des Rudolf Hoess wäre, der von Mai 1940 bis November 1943 Lagerkommandant in Auschwitz war — in diesem Buch also lese ich:

"Im Laufe des Frühling 1942 haben Hunderte von Menschen in den Gaskammern den Tod gefunden." (Seite 178 der französischen Ausgabe.) 3)

Hunderte in drei Monaten! Da sind wir von den 25 000 am Tage — also 2 Millionen in drei Monaten — des Kommunisten Miklos doch recht weit entfernt! Vielleicht brauchen wir nur noch auf den nächsten "Augenzeugen" zu warten, der die Hunderte auf Null zusammenschmelzen läßt ...

Der Rudolf Hoess der polnischen Kommunisten widerspricht sich übrigens auch selber, denn er schreibt einige Seiten weiter:

"Die Höchstzahl der Vergasten und Eingeäscherten per 24 Stunden hat sich für die gesamten Anlagen zusammen auf etwas über 9000 belaufen ..." (Seite 236.)


3) Auch alle Seitenangaben, die das besprochene Buch von "Hoess" betreffen, beziehen sich immer auf die französische Ausgabe.

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Schließlich eine weitere Zahl, die zu denken gibt:

"Gegen Ende 1942 (als die Verbrennungsöfen noch nicht in Betrieb waren, weil sie damals noch nicht gebaut worden waren) 4), wurden alle Gräber des Lagers ausgeräumt. Die Zahl der dort bestatteten Leichen betrug 107 000." 5)

Woraus hervorgeht, daß in drei Jahren (1939—1942) 107 000 Menschen gestorben sind, also weniger als 100 am Tage! Hier sind wir von den 2 500 000, die Miklos für die ganze Dauer des Krieges angibt — und besonders von Hoess' 9000 am Tage — weit entfernt!

Für den Leser, der noch mehr Erstaunliches hören möchte, folgen hier noch 3 Behauptungen, die zu denken geben:

1. "Soviel ich mich erinnere, bestanden die Transporte, die in Auschwitz eintrafen, nie aus mehr als 1000 Personen." (S. 229.)

2. "Durch die Verkehrsstockungen trafen täglich fünf Transporte ein statt drei, die erwartet wurden." (S. 236.)

3. "Im Rahmen der Vernichtungsaktion gegen die ungarischen Juden trafen täglich 15 000 Personen ein." (S. 239.)

Woraus sich ergibt: 1000 x 5 = 15 000 (!) Um diesen Punkt abzuschließen, möchte ich noch ein Zitat von Seite 245 bringen:

"Wie ich schon sagte, konnten die Verbrennungsöfen I und II etwa 2000 Leichen in 24 Stunden einäschern. Es war nicht möglich, diese Zahl zu erhöhen, ohne die Anlagen zu beschädigen. Die Anlagen III und IV sollten 1500 Leichen in 24 Stunden einäschern 6).

Aber soviel ich weiß, sind diese Zahlen nie erreicht worden." 7)


4) Das beweist wenigstens, daß die Verbrennungsöfen in Auschwitz-Birkenau Ende 1942 noch nicht gebaut waren und die Gaskammern also auch nicht, denn es wäre sehr erstaunlich, wenn man sie vor den Öfen gebaut hätte, von denen die "Zeugen" ausnahmslos erklären, daß sie untrennbar von den Gaskammern waren — was auch einleuchtet: die Deutschen hätten sicher niemals jene Massenproduktion von Leichen begonnen, ohne gleichzeitig mit den Produktionsstätten auch die Verbrennungsanlagen bereitzustellen. Nun sagen Kogon, Miklos und David Rousset, daß die Gaskammern schon im Frühjahr 1942 "betriebsfertig" gewesen seien — und Hoess, der auf Seite 171 dasselbe behauptet, erklärt auf Seite 172, daß man im Frühjahr und Sommer 1942 eine Leichenhalle für die ersten Tötungen hat verwenden müssen, weil die Gaskammern damals noch nicht fertig gewesen seien!

5) Etwas weiter präzisiert Hoess, daß in dieser Zahl nicht nur die Juden einbegriffen waren, die von Anfang bis zur Errichtung der Krematorien vergast worden wären, sondern alle Häftlinge, die im Lager Auschwitz-Birkenau bis dahin gestorben wären.

6) Es gab vier Leichenverbrennungsöfen in Auschwitz-Birkenau und nicht 46, wie noch heute alle Zeitungen behaupten.

7) In seinem Buch "SS-Obersturmführer Dr. Mengele" schreibt der ungarische kommunistische Arzt Dr. Niyzli Miklos — der behauptet, daß er einem Vernichtungskommando angehört hätte und daher Augenzeuge gewesen wäre — daß täglich 25 000 Leichen verbrannt worden wären ...

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Kann man umhin, aus diesen frappierenden Widersprüchen zu folgern, daß es sich hier um ein nachträglich von Laien angefertigtes "Dokument" handelt? Daß es so ist, geht allein schon aus der Form hervor, in der das "Original" vorgelegt wurde und aus den Umständen, unter denen das geschah: es war mit Bleistift geschrieben und wurde sorgfältig im Archiv des Museums von Auschwitz aufbewahrt, an einer Stelle also, wo höchstens ein anerkannter Kommunist es überprüfen konnte. Die Niederschrift ist datiert "Februar-März 1947", und ihr Bestehen ist seit diesem Datum bekannt, aber veröffentlicht wurde sie erst 1958 und einem Toten zugeschrieben, der sowieso keinen Einspruch gegen die Erklärungen, die seine Unterschrift tragen, erheben kann. Diese Tatsachen allein dürften schon ausreichenden Aufschluß über den dokumentarischen Wert dieses Berichtes geben.

Übrigens sind die Unstimmigkeiten in den Zahlen nicht die einzigen Ungereimtheiten in diesem Augenzeugenbericht, von dem man zum mindesten sagen kann, daß er ... mit einer merkwürdigen Verspätung vorgelegt wurde.

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Von den weiteren Ungereimtheiten fallen zuerst die Angaben über die von der Regierung erteilten Vernichtungsbefehle auf. Von einem dieser Befehle habe ich schon bewiesen, daß er nie ergangen ist: ich meine den Befehl, alle Konzentrationslager beim Herannahen der alliierten Truppen in die Luft zu sprengen, und auf diese Weise alle ihre Insassen mit der Bewachung zu vernichten. Heute ist bekannt, daß dieser angeblich an alle ergangene Befehl, der auch den Angeklagten in Nürnberg ins Gesicht geschleudert wurde, und der von Rousset, von seinen Epigonen und von anderen, wie z. B. Kogon ausführlich kommentiert wurde, in Wahrheit nie erteilt wurde 8), und es sich hierbei nur um eine Erfindung des üblen SS-Chefarztes von Dora, Dr. Plaza, handelte, der ihn sich ausdachte, um das Wohlwollen der Alliierten zu gewinnen und seine Haut zu retten. (Siehe: "Die Lüge des Odysseus", Seite 21)


8) In Hoess' Buch wird gesagt, daß von "Himmler persönlich schon im Januar 1945 die Räumung der Lager veranlaßt worden sei (Seite 203) und daß, falls es nicht gelingen sollte, die vorgesehenen rückwärtigen Räume zu erreichen, die Transporte dem Volkssturm zu übergeben seien in den Orten, wo sie sich schließlich befanden." (Seite 204.)

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Und obwohl die Herausgeber des Buches "Der Lagerkommandant von Auschwitz spricht ..." bestimmt nicht beabsichtigten zu beweisen, daß die Vergasungsbefehle zur gleichen Kategorie gehören — nämlich zu den Fälschungen —, so befürchte ich doch, daß sie diesen Beweis erbracht haben.

Zunächst wird in diesem Buch ausdrücklich zugegeben, daß die erste Anwendung von Gas zum Töten von Häftlingen nicht auf Grund eines Befehles erfolgte — daß es mit einem zufällig vorhandenen Gas geschah — und ohne daß eine einzige der für das Lager verantwortlichen Amtspersonen davon etwas ahnte:

"Während einer meiner Dienstreisen (1942) machte mein Stellvertreter, der Schutzhäftling Fritzsch, von Gas Gebrauch gegen eine Reihe von politischen Kommissaren der Roten Armee. Er verwendete dazu ein Zyanürpräparat (Cyclon B), das er zur Hand hatte, weil es im Büro immer zur Insektenbekämpfung gebraucht wurde. Er teilte es mir bei meiner Rückkehr mit." (Seite 172.)

Demzufolge würde das Verfahren, das im Großen gegen die Juden angewandt worden wäre, also auf die unvermutete Initiative eines untergeordneten Beamten zurückgehen.

Mehrfach sagt Rudolf Hoess in seinem Buch (oder man läßt es ihn sagen), daß die höchsten Regierungsinstanzen des Dritten Reiches, insbesondere Himmler, ihn wiederholt mündlich beauftragt hätten, die Juden durch Gas zu vernichten, aber er sagt auch:

"Es war unmöglich, in dieser Angelegenheit jemals eine klare und eindeutige Entscheidung von Himmler zu erhalten." (S. 233.)

Und auf Seite 189 schreibt Hoess außerdem:

"Ich habe diese Frage oft in meinen Berichten angeschnitten, konnte mich aber nicht gegen Himmler durchsetzen, der immer mehr Häftlinge für die Rüstung verlangte,"

und der sich diesen Vergasungsplänen also widersetzte. Wie dem aber auch sei, es ist jedenfalls nicht einzusehen, wie Himmler "immer mehr Häftlinge für die Rüstung" erhalten könnte, indem er immer größere Zahlen vergasen ließ.

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Es ist ebenfalls bemerkenswert, daß Hoess, den Himmler mündlich beauftragt haben soll, in Auschwitz Gaskammern zu bauen (Sommer 1941), daraufhin "einen detaillierten Entwurf der geplanten Anlagen einreichte" und dazu erklärt: "Ich habe nie eine Antwort oder eine Entscheidung in diesem Zusammenhang erhalten." (Seite 227.) Die Gaskammern wären aber doch gebaut worden, sagt Hoess, weil "Eichmann, einer von Himmlers Untergebenen 9) mir etwas später nebenbei sagte, daß der Reichsführer einverstanden sei". (Seite 227.) Also mündlich! Alles erfolgte mündlich in dieser Angelegenheit!

Himmler hätte also nie den Befehl gegeben, jene Gaskammern zu bauen, von denen er, wie das Buch behauptet, verlangt haben soll, daß sie gleichzeitig viele Menschen und so wenig Menschen wie möglich vernichten sollten. Zweifelsohne ein schwerwiegendes Geständnis!

Auf Seite 191 kann man noch lesen:

"Die besonderen Häftlinge (d. h. die Juden), die ihm (Himmler) unterstanden, mußten mit größter Rücksicht behandelt werden. Man konnte — besonders in der Rüstungsindustrie — auf diese riesige Masse von Arbeitskräften nicht verzichten."

Der Leser möge versuchen, alle diese Behauptungen miteinander in Einklang zu bringen!

Wenn man sich mit der Form beschäftigt, in der die Vernichtungen stattgefunden haben sollen, so ergibt sich kein klares Bild. Wir hörten vorher, daß das angewendete Mittel ein Insektenbekämpfungsmittel (Cyclon B) gewesen sei, das — wie das Hoessbuch berichtet — zu allen Vergasungen nach der obenerwähnten Tötung der Politkommissare der Roten Armee verwendet worden wäre: es ist mindestens erstaunlich, daß in dem Befehl zur Durchführung solcher Massenhinrichtungen — und wenn ein solcher Befehl nur mündlich erteilt wurde — kein anderes Gas als ein Insektenbekämpfungsmittel vorgesehen worden sein soll.


9) Dieser Untergebene war Leiter der Abteilung A IV (Judenfragen) der Gestapo. Als solcher war er verantwortlich für die Verschleppung der Juden. Er wurde vor kurzer Zeit (1960) vom israelischen Geheimdienst festgenommen und ist der einzige lebende Mensch, der vielleicht das Geheimnis der Gaskammern kennt. Darum kann seine Festnahme eventuell von großer Bedeutung für die Erforschung der historischen Wahrheit sein.

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Wie dem auch sei, vom Cyclon B wird gesagt:

"Es liegt vor in Form von in Kästen gelieferten, blauen Klumpen, aus denen sich unter der Einwirkung von Wasserdampfstrahlen ein Gas entwickelt." (Seite 228) 10).

Dieses Gas sei so giftig, daß man den Raum, in dem man es angewendet habe "zwei Tage lang lüften muß" (Seite 229), bevor man ihn wieder betreten könne. Auf Seite 174 heißt es aber, daß die Vergasung der Juden "durchschnittlich eine halbe Stunde gedauert" habe, und daß man "dann die Türen geöffnet" habe, worauf "das Sonderkommando sofort mit dem Wegräumen der Leichen begonnen" habe. (Seite 230) "... indem es essend und rauchend die Leichen hinausschleppte" (Seite 180), ohne daß sich je der geringste Unfall ereignet hätte. Mehr noch: die erste Tötung wäre in einer Leichenhalle erfolgt, wobei man "um das Gas einführen zu können, während der Entladung der Lastkraftwagen (mit den vorgesehenen Opfern) schnell einige Locher in die aus Stein und Beton bestehenden Wände der Leichenhalle bohrte". (Seite 172).

Es wird weder gesagt, wie man den nötigen Wasserdampf einführte, noch wie man die Löcher wieder verstopfte, nachdem man die blauen Kieselsteine in den Raum geworfen hatte. Das hat man wohl auch nur in Eile getan, mit irgendwelchen alten Fetzen ...


10) "Die Entkleidungsräume und die Gaskammern konnten auch als Duschräume verwendet werden," liest man auf Seite 136. Wenn es aber zutrifft, daß "Himmler nie den Befehl gegeben hätte, Gaskammern zu errichten" (wie auf Seite 227 erklärt wird), dürfte es dann nicht eher so gewesen sein, daß die Duschräume "als Gaskammern Verwendung gefunden" haben?

Es fällt auf, daß zum ersten Mal in der KZ-Literatur die Gaskammern offiziell so dargestellt werden, daß sie eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Duschräumen aufweisen. Und es ist auch das erste Mal, daß das verwendete Gas sehr genau definiert wird, wobei es sich um ein Gas handelt, das nur Verwendung finden kann, wenn die Gaskammern wie Duschräume ausgestattet sind. Es hat zwölf Jahre gedauert, bevor diese Einzelheiten zur Veröffentlichung gelangten. Weder David Rousset, noch Eugen Kogon, noch der ungarische Kommunist Niyzli Miklos haben sie erwähnt. Vielleicht wird es nach weiteren zwölf Jahren endlich "Zeugenberichte" geben, die in jeder Hinsicht logisch zusammenhängen. Dazu ist es nur erforderlich, daß die Russen sich endlich entschließen, in den "Werkstätten", wo von früh bis spät die Geschichte "korrigiert" wird, nur noch qualifizierte Geschichtsfälscher zu beschäftigen. Man muß den Russen allerdings lassen, daß sie schon Fortschritte gemacht haben, vor allem, wenn man berücksichtigt, daß es ihnen gelungen war, im Januar 1947 vom Nürnberger Gericht im Ärzteprozeß das Dokument P. S. 1553. R. F. 350 als echt anerkennen zu lassen, das dem Gericht von einem Verwandten des Zeugen vorgelegt wurde, der die Klugheit besessen hatte, unmittelbar nach der Niederschrift Selbstmord zu begehen.

Es wurde in Nr. 2 der "Dreimonatlichen Hefte für Neuere Geschichte" (1953) und später in der schwedischen Zeitung "Dagens Nyheter" am 16. 7. 1953 veröffentlicht.

Nach diesem Dokument wären die Juden in Gruppen zu 750 bis 800 in Gaskammern umgebracht worden, die eine Bodenfläche von 25 qm und eine Höhe von 1,80 m" hatten. Bei dem verwendeten Gas hätte es sich damals um "die Auspuffgase eines Dieselmotors" gehandelt, und der Zeuge fügte noch hinzu, daß "die in den Kammern zusammengepferchten 750—800 Menschen" genau "nach der Stoppuhr drei Stunden gebraucht hätten um zu sterben."

Wirklich ein Bild, von dem noch den Historikern der Zukunft grausen muß, wenn sie sich mit den sonderbaren "Dokumenten" befassen, die das Nürnberger Gericht ernst genommen hat.

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Nein, diese Behauptungen sind wirklich nicht ernst zu nehmen. Es ist eine Sammlung von Klatschgeschichten, sonst nichts. Und einen solchen Roman legt man uns vor und behauptet, es handele sich um ein historisches Dokument!

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Man kann nicht jede Ungereimtheit aus diesem Gewebe naiver, sich widersprechender Behauptungen zitieren: das Buch hat 247 Seiten, und man brauchte mindestens ebensoviele, um alles zu widerlegen. Ich habe mich also genötigt gesehen, mich auf die Hauptsache zu beschränken — und die Hauptsache sind die Angaben über die Gaskammern, weil diese aus dem ganzen Fragenkomplex, der mit den deutschen KZ's zusammenhängt, zweifellos die erregendste Frage darstellen. Die von mir aufgezeigten Widersprüche dürften klar genug beweisen, daß dieser neue "Zeugenbericht" ebensowenig wie der des ungarischen Kommunisten Miklos von jemandem geschrieben worden ist, der dabei war und es mit eigenen Augen gesehen hat.

Höchstwahrscheinlich hat Rudolf Hoess in der Todeszelle sein Geständnis niedergeschrieben, worauf dann die polnischen Kommunisten hier und dort — und recht ungeschickt — Teile eingefügt haben, die den kommunistischen Behauptungen über die Ereignisse im Lager Auschwitz zwischen 1940 und 1943 entsprachen. (Von 1940 bis 1943, weil Hoess in dieser Zeit Kommandant von Auschwitz war) 11). Jedenfalls ist dies die einzig mögliche Erklärung sowohl für die lange Zeit, die sie gebraucht haben, um das Buch zu veröffentlichen (12 Jahre!), als auch für die inneren Widersprüche des Werkes.

Schließlich möchte ich noch zwei kurze Sätze hervorheben:

"Ende November 1940 wurde ich zum ersten Mal zum Reichsführer befohlen und erhielt den Auftrag, den ganzen Lagerbereich zu vergrößern ... Es handelte sich um die Errichtung des Lagers Birkenau (Auschwitz II). Anschließend sollten dann alle Horowitzer Kommandos zusammengefaßt werden, um für die I. G. Farben zu arbeiten (Auschwitz III). Der Aufbau von Auschwitz IV fand ein Ende durch Hitlers Niederlage ..." (Seite 121)

Meines Wissens wird hier zum ersten Mal in der KZ-Literatur erwähnt, daß Deutschland mitten im Kriege geplant haben soll, neben den Lagern für seine anderen Industrien auch eines mit einem Fertigungs-


11) Am 10. November wurde Hoess die politische Leitung der Inspektion der WVHA-Lager übertragen.

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betrieb der I. G. Farben einzurichten. Anders gesagt: für eine Industrie, die nicht ohne Gaskammern auskommt; nämlich für die Herstellung von Farben und anderen chemischen Produkten, nicht aber für die Vernichtung von KZ-Häftlingen!

Das ist genau, was ich in der "Lüge des Odysseus" gesagt habe, und zwar lange bevor das oben angeführte Geständnis veröffentlicht wurde.

Und zur Vergasung von Lagerinsassen:

Hierzu besitzen wir schon einen zuverlässigen Anhaltspunkt: Sofort nach dem Kriege brachten viele Zeitungen der Welt die Photographie eines Wegweisers, der die folgende Inschrift trug: "Vorsicht! Gas! Gefahr!" Dieses Warnschild wies auf die Gaskammer in Dachau hin, in der, wie damals behauptet wurde, Zehntausende von KZ-Insassen vergast worden wären.

Als ich München besuchte, wollte ich Klarheit über diesen Punkt erhalten und begab mich in das ehemalige Lager: der Wegweiser war verschwunden, die Kammer dort kann etwa fünfzig Personen fassen, wenn diese dicht zusammengedrängt stehen. Am Lagertor erklärte ein Wärter den Besuchern, daß in allen Münchener Buchhandlungen eine Geschichte des Lagers Dachau verkauft würde, in der gesagt wird, daß diese Gaskammer niemals gebraucht worden sei aus dem einfachen Grunde, weil sie erst nach dem Kriege von den SS-Männern gebaut wurde, die den Platz der KZler in diesem Lager eingenommen hatten.

Die Behauptung stimmt. Ich habe sie überprüft 12). Ich muß allerdings einräumen, daß diese Tatsache nach 1948 auch in den französischen Zeitungen zu lesen war — allerdings in ganz kleiner Schrift und in einem jener Eckchen, die die meisten Zeitungsleser übersehen — so daß heutzutage die meisten Menschen noch immer glauben, daß in Dachau "Zehntausende von Menschen vergast" worden seien.

Wenn nun die Wahrheit über die vier Gaskammern in Auschwitz-Birkenau genau so aussehen sollte ...? Und warum sollte sie nicht so


12) Nach der Niederschrift dieser Feststellung entnahm ich der "Deutschen Wochen-Zeitung" folgenden Artikel:

"Im KZ Dachau gab es keine Gaskammern! Weihbischof Neuhäusler stellt Dachau-Lügen richtig. —

Kürzlich hielt der Münchener Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler vor dem Rohbau der Sühnekapelle "Zur Todesangst Christi" auf dem Gelände des ehemaligen KZ's Dachau eine Pressekonferenz ab.

Weihbischof Dr. Neuhäusler, der selbst vier Jahre als Häftling im KZ Dachau verbrachte, erklärte, daß von 1933 bis 1945 nach Angaben des Standesamtes der Stadt Dachau von 188 000 Häftlingen 20 000 verstarben. Der Internationale Suchdienst der Politisch Verfolgten in Arolsen erklärt, daß in diesen zwölf Jahren 29 000 Häftlinge zugrundegegangen wären.

Es sei falsch, versicherte Dr. Neuhäusler, wenn behauptet würde, daß in den Gaskammern von Dachau 75 000 Häftlinge umgebracht worden wären. Da in Dachau Gaskammern überhaupt niemals fertiggestellt wurden, konnte folgerichtig in Dachau auch niemand vergast werden. Der Münchener Weihbischof beabsichtigt, noch vor dem Eucharistischen Weltkongreß in München eine Broschüre unter dem Titel "Die Wahrheit über Dachau" herauszubringen." (DWZ, Nr. 25, vom 18. 6. 60).

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aussehen? Es ist z. B. bekannt, daß im November 1944 beim Herannahen der russischen Truppen, die das Lager dann befreiten,

"... die Deutschen die Verbrennungsöfen abreißen ließen und die Gaskammern sprengten"

(laut Leon Uris: "Exodus" auf Seite 219 der französischen Ausgabe; laut Eugen Kogon "Der SS-Staat", der das Ereignis allerdings in den September 1944 zurückverlegt; laut Weisberg: "Geschichte des Joel Brand"), daß also die Deutschen jene Gaskammern sprengten, von denen so viele Touristen — alle selbstverständlich vertraut mit jedem Geheimnis und mit allen Schlichen der kommunistischen Welt — behaupten, sie hätten sie gesehen, als sie nach Kriegsende nach Auschwitz pilgerten.

Ich stelle weiter fest, daß man anfangs behauptet hat, es hätte in allen Lagern Vergasungen gegeben — daß man aber heutzutage nur noch von den Vergasungen in Auschwitz spricht, also in einem Lager, das in Polen, in der Woiwodschaft Krakau liegt, daß man Dokumente vorlegt, deren Echtheit niemand — mit Ausnahme der Kommunisten — überprüfen kann, — und daß wie zufällig, alle Leute, die jetzt noch über diese Angelegenheit schreiben, Bewohner der Sowjetzone sind, deren Behauptungen nicht nachgeprüft werden können.

Fest steht schon, daß die "Zeugenberichte", die sie uns schicken, sich nicht nur gegenseitig widersprechen (Hoess' Angaben stimmen nicht mit denen des Miklos überein und nicht einmal mit denen des Kogon und des Rousset), sondern daß sie auch voller Unwahrscheinlichkeiten stecken und voller innerer Widersprüche, indem sie auf der einen Seite Angaben machen, die unvereinbar sind mit denen, die sie auf der nächsten Seite vorbringen usw. Ich habe im Vorhergehenden einige Beispiele angeführt.

Es ist offensichtlich unmöglich, ein wahres Geschichtsbild an Hand solcher "Zeugenberichte" zu erlangen, die gleichzeitig so unzusammenhängend sind, und so stark voneinander abweichende Behauptungen aufstellen. Ich möchte noch hinzufügen, daß der Rudolf Hoess zugeschriebene "Zeugenbericht" über Auschwitz-Birkenau nicht nur sich selbst und auch den bereits früher veröffentlichten Berichten widerspricht, sondern außerdem in einem Stil geschrieben ist, der eine merkwürdige Ähnlichkeit mit den öffentlichen Geständnissen der Angeklagten jener Moskauer Schauprozesse hat, denen damals niemand in Westeuropa Glauben schenkte 13).

Aber darüber hat Arthur Koestler in seinem Buch "Darkness at noon" ("Sonnenfinsternis") alles gesagt. Der Leser möge mir verzeihen, daß ich hierauf an dieser Stelle nicht weiter eingehe.


13) Ich habe die oben angeführten Zitate aus einem Buch des Hoess der französischen Ausgabe entnommen, habe nur feststellen lassen, daß diese auch in der deutschen Ausgabe vorkamen. Der deutsche Leser wird sie dort leicht wiederfinden können.

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