Die vorigen Abschnitte dieses Buches enthalten den Text der öffentlichen Vorlesung, die ich im März und April dieses Jahres in rund fünfzehn deutschen Städten gehalten habe — sowie eine kritische Betrachtung über das Buch "Der Lagerkommandant von Auschwitz spricht ...", das Rudolf Hoess zugeschrieben wird.
Beide Aufsätze unterlagen gewissen Einschränkungen:
Ein öffentlicher Vortrag, der von Anfang bis Ende von den Zuhörern verstanden werden soll, darf in geistiger Hinsicht keine überdurchschnittlichen Ansprüche stellen und eine bestimmte Länge nicht überschreiten. Das heißt, daß ein solcher Vortrag nur ein recht kurz gefaßtes Gesamtbild der behandelten Frage entwerfen kann. Zwar müssen alle Seiten der Frage besprochen werden, aber der Vortragende kann nirgends auf Einzelheiten eingehen. Das Thema der Vorlesung war die moralische Verantwortung jener Schriftsteller, die die KZ-Greuel beschrieben hatten. Das Problem der Gaskammern — und so viele andere Fragen — konnten mit Rücksicht auf die Übersichtlichkeit der Gesamtdarstellung nicht in der gebührenden Ausführlichkeit behandelt werden.
Die Buchkritik wiederum mußte sich an den Inhalt des Buches halten, dem sie gewidmet war. Die Frage der Gaskammern bildete nur einen Teil des Werkes: ich konnte daher nur dort auf diese Angelegenheit eingehen, wo das Buch in diesem Zusammenhang Schwächen, Irrtümer, Widersprüche und unlogische Behauptungen enthielt, so daß ich auch hier nur ein sehr unvollständiges Bild von dieser wichtigen Frage zeichnen konnte.
Ich will mich darum noch in einem besonderen Kapitel mit dieser Angelegenheit beschäftigen.
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Zuerst muß gesagt werden, daß das Problem sich seit den Tagen, als ich die "Lüge des Odysseus" schrieb, sehr stark gewandelt hat. 1949 bis
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1950 pflegte die gesamte Presse, auf x-beliebige Behauptungen x-beliebiger Häftlinge hin, auf gut Glück in jeder Ecke und fast in jedem Lager Gaskammern erstehen und Massentötungen stattfinden zu lassen. Fast alle Häftlinge hatten diese Dinge damals gesehen — mit ihren eigenen Augen gesehen. Und jeder glaubte es ihnen. Und das, obwohl Eugen Kogon schon 1945 in seinem Buch "Der SS-Staat" von "... den wenigen Lagern, wo es welche gab ..." gesprochen hatte. Da er aber nicht gesagt hatte, in welchen, plazierte jeder die Gaskammern, wo es ihm gerade paßte — und schließlich gab es kein Lager mehr, wo es sie nicht gegeben hätte.
In Frankreich habe ich das Märchen von den Gaskammern in Buchenwald und Dachau entkräften können. Augenblicklich versuche ich die Wahrheit über die in Auschwitz zu ergründen, wo es vier gegeben haben soll; übrigens die einzigen, von denen heutzutage noch die Rede ist.
Aber wir wollen mit dem Anfang beginnen. Inzwischen liegen schon viele Berichte von den Anwälten der Angeklagten in Nürnberg vor. Obwohl das Gericht es ihnen verboten hatte, haben sie die ihnen verbliebenen Kopien der zur Verteidigung ihrer Klienten beigebrachten Dokumente veröffentlicht.
In den Jahren 1949 und 1950 war das noch nicht geschehen. Ich mußte daher überall Fälschungen wittern, meine Worte mit äußerster Vorsicht wählen, immer wieder betonen, daß ich vielfach auf Schlußfolgerungen angewiesen war, und schreiben:
"Die Zeit ist noch nicht gekommen, um ein endgültiges Urteil über die Frage der Gaskammern abzugeben: es gibt nur wenige Unterlagen, und diese wenigen sind ungenau, unvollständig oder verstümmelt und daher nicht unverdächtig. Ich meinerseits bin überzeugt, daß eine gewissenhafte Prüfung der Tatbestände an Hand jener Dokumente, die man sicher finden wird, wenn man sie nur ehrlich sucht, der Forschung in dieser Sache neue Wege weisen wird. Und dann wird das Staunen groß sein über die Zahl der Menschen, die sich zu dieser Frage geäußert haben und über die Form, in der sie es taten.
Ernster als alle anderen hat sich Eugen Kogon mit der Angelegenheit befaßt; daher ist seine Aussage in meinen Augen auch die bedeutendste. In seinem Buch "Der SS-Staat" schreibt er:
"Eine sehr geringe Anzahl von Lagern hatte eigene Gaskammern" (Seite 154 der frz. Ausgabe),um dann eine Darstellung der Aktion zu geben:
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"1941 ergingen zum ersten Male Befehle 1) von Berlin an alle Lager, daß Sondertransporte zur Vergasung zusammenzustellen wären. Man nahm hierzu in erster Linie Kriminelle, Sittlichkeitsverbrecher und bestimmte politische Häftlinge, die der SS nicht paßten. Die Transporte verließen die Lager mit unbekannter Bestimmung. Im Falle Buchenwald kamen schon am nächsten Tage die Kleidungsstücke einschließlich des Tascheninhaltes sowie Gebiß usw. zurück ...
Ein Unteroffizier des Begleitkommandos erzählte 2), daß die Transporte nach Pirna und Hohenstein gebracht worden wären, wo man ein neues Gas an ihnen ausprobiert hätte. Bei diesen Versuchen wären die Männer ums Leben gekommen ..."
"... Im Laufe des Winters 1942—43 waren alle Juden auf ihre Arbeitsfähigkeit untersucht worden. An Stelle der oben genannten Transporte wurden jetzt die arbeitsunfähigen Juden in vier Gruppen zu je 90 Mann denselben Weg geschickt. Sie wurden aber nach Bernburg bei Köthen transportiert. Der Chefarzt der dortigen Heil- und Pflegeanstalt, ein gewisser Dr. Eberl war ein williges Werkzeug der SS. In den Akten der SS trug die Aktion die Bezeichnung "14 F. 13" 3). Sie scheint gleichzeitig mit der Tötung aller Kranken der Heil- und Pflegeanstalten durchgeführt worden zu sein, die sich nach und nach im nationalsozialistischen Deutschland allgemein durchsetzte" (Seiten 225—226 frz. Ausgabe),
Nachdem Eugen Kogon so die Tatsache in einer Form vorgebracht hat, die über die Befehle zur Verwendung der Gaskammern Zweifel bestehen läßt, insbesondere weil er sich hier auf Dokumente bezieht, von denen es fraglich ist, ob sie wirklich bestehen, führt er zwei weitere an, zweifelsohne weil er sie für beweiskräftiger hält:
"Wir haben von der Korrespondenz des Dr. Hoven (Buchenwald) mit dieser erstaunlichen Heil- und Pflegeanstalt die Durchschläge retten können:
1) Sind diese Befehle aufgefunden worden? Wenn ja, warum werden sie dann nicht veröffentlicht? Wenn nein, so wird kein Historiker je zulassen können, daß man sich auf sie beruft.2) Wenn sein Name bekanntgegeben würde, könnte man ihn vielleicht vernehmen.
3) Das Aktenzeichen ist bekannt, aber die Akten selber sind nie veröffentlicht worden.
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Weimar-Buchenwald, den 2. 3. 1942 K. L. Buchenwald | |
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Unter Bezugnahme auf die persönliche Unterredung wird in der Anlage in doppelter Ausführung eine Zusammenstellung der im K. L. Buchenwald einsitzenden nichtarbeitsfähigen, kranken Juden zur weiteren Veranlassung überreicht.
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Es fällt auf, daß die beiden in dem Schreiben angekündigten Anlagen nicht veröffentlicht werden.
Und hier das zweite Dokument:
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Bernburg, den 5. März 1942 Heil- und Pflegeanstalt | |
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Bezug: Unser Schreiben vom 3. März 1942. Betreff: 46 Häftlinge, 12. Aufstellung vom 2. Februar 1942. Mit unserem Schreiben vom 3. d. M. baten wir Sie, die restlichen 36 Häftlinge uns anläßlich des letzten Transportes zur Verfügung zu stellen. |
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Infolge Abwesenheit des Chefarztes, der bei diesen Häftlingen die ärztliche Begutachtung vorzunehmen hat, bitten wir, dieselben nicht am 18. März 1942, sondern bereits beim Transport vom 11. März mitzugeben, und zwar mit den Akten, die am 11. März wieder zurückgegeben werden. | |
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"Man wird mir beipflichten, daß man sich schon sehr anstrengen muß, um aus dem Wortlaut dieser Korrespondenz zu schließen, daß sie sich auf eine Aktion zur Vernichtung von Menschen mittels Gaskammern bezieht; sogar, wenn man zur Ergänzung einen Bericht heranzieht, den Dr. Hoven im gleichen Zeitabschnitt an einen seiner Vorgesetzten sandte und der im Zitat von Eugen Kogon folgendermaßen lautete:
Die Verpflichtung von Vertragsärzten und die Verhandlungen mit Friedhofsämtern haben oft zu unüberwindlichen Schwierigkeiten geführt ... Daher setzte ich mich sofort mit dem Chefarzt der Heil- und Pflegeanstalt in Bernburg (Saale), Dr. Eberl, Postschließfach 252, Telefon Nummer 3169, in Verbindung. Er ist derselbe Arzt, der 14 F. 13 durchgeführt hat. Dr. Eberl zeigt ein außergewöhnliches Verständnis und Entgegenkommen. Sämtliche anfallenden Häftlingsleichen von Schönebeck-Wernigerode werden zu Dr. Eberl nach Bernburg transportiert und dort auch ohne Totenschein sofort verbrannt." (S. 256)
Eugen Kogon erwähnt auch die Gaskammern von Birkenau (Auschwitz). Er erzählt, wie dort die Tötung mittels Gaskammern vorgenommen wurde und beruft sich dabei auf die Zeugenaussage
"... eines jungen Juden aus Brno, Janda Weiss, der 1944 dem Sonderkommando (für das Krematorium und die Gaskammern) angehörte. Diese Aussage enthält folgende Einzelheiten, welche übrigens von anderen Personen bestätigt werden." (Seite 155.)
Soweit mir bekannt, ist dieser Janda Weiss die einzige Person in der ganzen KZ-Literatur, von der nicht nur gesagt wird, daß sie bei den Tötungen anwesend war, sondern von der auch die genaue Anschrift angegeben wird.
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Und Eugen Kogon ist der einzige, der die Aussagen dieses Zeugen verwertet hat.
Die Frage, ob tatsächlich Gaskammern als Mittel zur Ausschaltung unliebsamer Personen verwendet worden sind, ist in historischer und moralischer Hinsicht so schwerwiegend, daß man doch vielleicht die nötigen Schritte hätte unternehmen können, um die Aussagen dieses Zeugen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen — womöglich ohne die Zwischenschaltung dritter Personen und womöglich etwas ausführlicher als nur durch einen zufälligen Absatz als Zitat in einem anderen Zeugenbericht 4).
Eine Maßnahme, die "Selektion", die in allen Lagern regelmäßig stattfand, hat nicht wenig dazu beigetragen, in der Öffentlichkeit eine bestimmte Auffassung von der Zahl der Gaskammern und der Opfer zu verbreiten, was schließlich dazu führte, daß man sie für wahr hielt.
Eines schönen Tages erhielten die Sanitätsorgane des Lagers den Befehl, eine Liste zusammenzustellen von allen Kranken, die voraussichtlich auf längere Zeit oder endgültig als arbeitsunfähig angesehen werden müßten — und diese dann in einem besonderen Block zusammenzufassen. Dann kamen Lastkraftwagen oder ein Zug — die Kranken wurden eingeladen und fuhren davon mit unbekannter Bestimmung. In den KZ's ging das Gerücht um, daß diese Leute direkt in die Gaskammern geschickt würden, und grausame Spötter bezeichneten diese Transporte als "Himmelskommandos". Natürlich versuchten alle Kranken, sich ihnen zu entziehen.
Ich habe der Durchführung von zwei oder drei "Selektionen" in Dora beigewohnt: ich bin sogar nur gerade an einer Erfassung vorbeigekommen. Dora war ein kleines Lager. Wenn die Zahl der arbeitsunfähig kranken Häftlinge dort auch immer größer war als die Zahl derjenigen, die verpflegt werden konnten, so geschah es doch nur sehr selten, daß sie so Überhand nahm, daß die Ausführung der zu leistenden Arbeiten behindert, oder daß die Verwaltung in Druck gekommen wäre.
In Birkenau, dem Lager, von dem David Rousset spricht in dem Auszug, den ich hier korrigieren möchte, war das anders. Das Lager war sehr groß: ein menschlicher Ameisenhaufen. Die Zahl der Arbeitsunfähigen war beträchtlich. Die "Selektionen" wurden nicht wie in Dora von der Häftlingsführung vorbereitet und von den Sanitätern durchgeführt, sondern wurden durchgeführt in dem
4) Ein unglücklicher Zufall will, daß er sich im sowjetischen Machtbereich befindet.
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Augenblick, wo die Lastkraftwagen bzw. die Eisenbahnwaggons eintrafen. Diese "Selektionen" fanden so oft statt, daß es fast jede Woche eine gab, wobei die Häftlinge nur auf Grund ihres Aussehens ausgewählt wurden. Dadurch gab es mitunter wahre Menschenjagdszenen, wobei die SS und die Häftlingsführung die Jäger stellten und die Masse der Häftlinge das Wild, das ihnen zu entwischen suchte, so daß das Lager regelmäßig in wilde Aufregung versetzt wurde. Nach jeder "Selektion" hatten die Übriggebliebenen das Gefühl, vorläufig den Gaskammern entgangen zu sein.
Nun hat man aber den schlüssigen Beweis nicht erbringen können, daß alle wirklich oder angeblich Arbeitsunfähigen, die in dieser Form (sei es nach dem Dora- oder nach dem Birkenausystem) gesammelt wurden, auch tatsächlich in den Gaskammern landeten. In diesem Zusammenhang möchte ich ein persönliches Erlebnis erzählen:
Bei einer "Selektion" in Dora, wo ich nicht auf die Liste kam, hatte einer meiner Kameraden weniger Glück. Ich sah ihn abfahren und bedauerte ihn. Noch 1946 war ich der Überzeugung, daß er gestorben wäre — vergast mit dem ganzen Transport, dem er angehörte. Aber im September 1946 erschien der Totgewähnte zu meinem großen Staunen in meiner Wohnung, um mich zu irgendeiner offiziellen Veranstaltung einzuladen. Als ich ihm sagte, was ich über sein Schicksal geglaubt hatte, berichtete er, daß der Transport nicht etwa in eine Gaskammer geschickt worden sei, sondern in das Lager Bergen-Belsen, das damals, wie es scheint, vor allem die Aufgabe gehabt hat, die kranken Häftlinge aller Lager aufzunehmen, um sie dort gesundzupflegen 5). Die Richtigkeit dieser Geschichte kann jeder überprüfen: es handelt sich um Herrn Mullin, der im Bahnhof Besançon beschäftigt ist. Übrigens hatte ich schon in Buchenwald, im Block 48, einen Tschechen getroffen, der auf dem selben Wege aus Birkenau gekommen war.
Meine Meinung über die Gaskammern? Ich glaube, daß es welche gegeben hat, allerdings nicht so viele, wie man meint. Ich glaube weiter, daß es auch Tötungen durch dieses Mittel gegeben hat, aber nicht so viele, wie man behauptet.
Es ist ganz klar, daß Greuel nichts von ihrer Abscheulichkeit verlieren durch den Nachweis, daß sie seltener angewandt wurden,
5) In der Tat war er nach einer Reise unter den entsetzlichsten Bedingungen in Bergen-Belsen eingetroffen, wo aus ganz Deutschland Transporte Arbeitsunfähiger zusammenströmten, Menschenmassen, für die weder Unterkunft noch Nahrung vorhanden war, was die SS und die Knüppel der Kapos in Wut versetzte. Er verbrachte dort schreckliche Tage und wurde schließlich wieder arbeitsfähig geschrieben.
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als anfangs angenommen wurde; ihre Verwerflichkeit würde aber sicher ins Ungeheure wachsen, wenn diese Dinge von Staats wegen angeordnet sein sollten auf Grund einer Philosophie oder einer Doktrin. Und war das tatsächlich der Fall? Es ist möglich, aber nicht sicher. Der kausale Zusammenhang zwischen den Gaskammern und den Tötungen ist durch die von Eugen Kogon veröffentlichten Unterlagen nicht einwandfrei nachgewiesen 6), und ich fürchte, daß die Unterlagen, auf welche er sich bezieht, ohne sie zu veröffentlichen, eine noch geringere Beweiskraft besitzen.
Ich wiederhole: das Hauptargument in dieser Frage scheint die Tatsache der "Selektionen" zu sein, und es gibt nicht einen einzigen Häftling, der in irgendeiner Form beweisen kann, daß diese mit der behaupteten Absicht erfolgten. Er kann nur bezeugen, daß er es damals befürchtet hat.
Die Archive des Nationalsozialismus sind noch nicht vollständig ausgewertet. Wir können nicht mit Sicherheit behaupten, daß dort noch Beweismaterial auftauchen wird, das die offizielle These entkräftet — das wäre eine Übertreibung nach der anderen Seite hin. Falls aber eines Tages in diesen Archiven ein Befehl gefunden wird zur Errichtung von Gaskammern mit einem anderen Zweck als dem der Tötung, — man kann nie wissen, wozu der schreckliche wissenschaftliche Genius der Deutschen geführt hat — so wird man zugeben müssen, daß der Gebrauch, den man in gewissen Fällen von diesen Kammern gemacht hat, auf einen oder zwei Wahnsinnige in den Reihen der SS zurückgeht und auf eine oder zwei Häftlingsführungen, die sich bei ihnen lieb Kind machen wollten — oder umgekehrt, daß eine oder zwei Häftlingsführungen sich diese Greuel ausgedacht haben mit der — erkauften oder nicht erkauften — Mitwisserschaft eines oder zweier SS-Männer.
Beim heutigen Stand der KZ-Forschung 7) gibt es keinen Grund zu erwarten oder zu hoffen, daß solche Dokumente gefunden werden — aber es gibt auch keinen Grund, die Möglichkeit einer solchen Entdeckung auszuschließen. Eine vielsagende Tatsache ist allerdings nur recht wenig beachtet worden: in den wenigen Lagern, wo es Gaskammern gab, gehörten diese zum Block, in dem
6) Übrigens ebensowenig durch die in Nürnberg vor Gericht gemachten Zeugenaussagen.7) Zwei weitere Unterlagen werden von David Rousset in seinem Buch "Le Pitre ne rit pas" ("Der Hanswurst lacht nicht") angeführt:
- die Aussage des Arthur Grosch in Nürnberg, aber diese bezieht sich auf den Bau der Gaskammern, nicht auf ihre Verwendung.
- ein Schreiben, in dem von Autos gesprochen wird, die mit einer eingebauten Vergasungsanlage versehen wären und in Rußland eingesetzt sein sollen. Der Brief trägt die Unterschrift eines Leutnants und ist an einen Oberleutnant gerichtet.
Keine von beiden Unterlagen reicht aus, um die führenden Nazis zu beschuldigen, sie hätten Vergasungen veranlaßt.
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die Entlausungs- und Duschanlagen mit der dazugehörigen Wasserversorgung untergebracht waren; nicht etwa zu den Krematorien. Und die verwendeten Gase waren Blausäurepräparate, wie sie für die Herstellung bestimmter Farben verwendet wurden (besonders für Blau, das von dem kriegführenden Deutschland in so riesigem Umfang verwendet wurde).
Ich möchte betonen, daß es sich bei dem oben erwähnten möglichen Zusammenhang um eine Vermutung handelt. Aber gehen nicht in der Geschichtsforschung wie in den anderen Wissenschaften die meisten Entdeckungen auf Vermutungen oder wenigstens auf den fruchtbaren Zweifel an der Richtigkeit landläufiger Auffassungen zurück?
Wenn man dagegen einwendet, daß kein Interesse vorliegt, solche Zweifel zugunsten des Nationalsozialismus geltend zu machen, da dessen Missetaten auf anderen Gebieten eindeutig nachgewiesen sind, so möge man mir gestatten zu sagen, daß meines Erachtens auch kein Interesse besteht, eine möglicherweise richtige These oder Deutung mit unbewiesenen oder unwahren Behauptungen zu begründen.
Wenn die großen Grundsätze der Demokratie sterben, so geschieht das nie ihres Inhaltes wegen, sondern immer nur dadurch, daß ihre Verteidiger dem Gegner Angriffsflächen bieten durch Handlungen, deren Bedeutung und Tragweite sie nicht erkannt haben — und die Diktaturen pflegen immer nur insoweit zu triumphieren, als man ihnen mit unüberlegten Argumenten entgegentritt."
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Seit dem Tage, an dem die oben angeführten Seiten geschrieben wurden, hat jede neue Veröffentlichung die Berechtigung meiner Zweifel bestätigt und meistens die Behauptung der Gegenseite ad absurdum geführt.
1958 erschien das Buch: "Der Lagerkommandant von Auschwitz spricht ...". Der Leser hat im vorigen Kapitel lesen können, was ich von diesem Werk halte.
1953 war schon der Band "SS-Obersturmführer Dr. Mengele" auf den Markt gebracht worden. Der Verfasser war der ungarische Kommunist Dr. Nyiszli Miklos. Um den Leser so vollständig wie nur möglich zu informieren, führe ich hier an, was ich in der "Lüge des Odysseus" auf den Seiten 16—18 hierüber schrieb:
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"Der erste Gedanke, der das Hirn durchzuckt, ist, daß diese Aussage in Ungarn nur mit Zustimmung Moskaus über die vorgeschobene Person eines Martin-Chauffier von dort unten erscheinen konnte, dessen Vollmachten als Vorsitzender einer Vereinigung, die unserer C. N. E. (Comité National des Ecrivains — Nationalausschuß der Schriftsteller) entspricht, weitreichend genug sind, um verhindern zu können, daß "Die Lüge des Odysseus" dort das Licht der Welt erblickt.
Allein schon deshalb müßte sie also verdächtig sein.
Hierin liegt aber die Frage nicht.
Unter anderem behauptet dieser Dr. Nyiszli Miklos, daß im Lager Auschwitz-Birkenau vier Gaskammern 8) von 200 m Länge (über die Breite ist nichts gesagt), verdoppelt durch vier andere vom gleichen Ausmaß zur Vorbereitung der Bedauernswerten auf die Opferung, täglich 20 000 Personen vergasten, und daß vier Verbrennungsöfen, jeder mit 15 Nischen zu 3 Plätzen, sie in dem selben Maße einäscherten. Außerdem, so fügt er hinzu, wurden ebenfalls täglich 5000 weitere Personen durch weniger moderne Mittel beiseitegeschafft und in zwei ungeheueren Feuern im Freien verbrannt. Weiter fügte er noch an, er habe diesen systematischen Massakern ein Jahr lang persönlich beigewohnt.
Ich behaupte, daß dies alles offensichtlich unrichtig ist, und man nicht selbst Verschickter gewesen zu sein braucht, um dies mit etwas gesundem Menschenverstand festzustellen.
Da das Lager Auschwitz-Birkenau gegen Ende 1939 errichtet und im März 1945 geräumt wurde, müßte man, wenn man dem Dr. Nyiszli Miklos den Rhythmus von 25 000 Menschen täglich glauben sollte, zugeben, daß in fünf Jahren etwa 45 Millionen Menschen dort umgekommen sind, von denen 36 Millionen durch die vier Verbrennungsöfen nach ihrer Vergasung und 9 Millionen durch die Feuer im Freien eingeäschert wurden.
Wenn es auch durchaus möglich ist, daß die vier Gaskammern in der Lage waren, täglich 20 000 Personen zu vergasen (3000 je Schub, sagt der Zeuge), so kann es aber keinesfalls möglich sein, daß die vier Verbrennungsöfen sie im gleichen Maßstab hätten einäschern können. Selbst wenn 15 Nischen zu drei Plätzen vorhanden waren. Auch nicht, wenn die Verbrennung nur 20 Minuten beansprucht hätte, wie es Dr. Nyiszli Miklos behauptet, was abermals falsch ist.
8) In "Le Monde" vom 9. Januar 1952 übersetzt der Generalstaatsanwalt André Boissarie: sechsundvierzig!
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Unter Zugrundelegung dieser Zahlen hätte die Aufnahmekapazität aller gleichzeitig arbeitenden Öfen trotz allem nur 540 in der Stunde, also 12 960 in täglich 24 Stunden betragen. Und bei diesem Rhythmus wäre man erst einige Jahre nach der Befreiung mit der Beseitigung zu Ende gekommen.
Natürlich nur unter der Bedingung, daß während dieser annähernd zehn Jahre keine Minute verloren wurde. Wenn man heute bei dem Père-Lachaise — dem Pariser Friedhof — über die Dauer einer Einäscherung von drei Leichen in einer Nische nachfragt, wird man zu der Erkenntnis kommen, daß die Öfen von Auschwitz noch immer brennen müßten, und man noch nicht daran denken kann, sie zu löschen!
Die beiden Feuer im Freien (die nach Angaben unseres Verfassers 50 m lang, 6 m breit und 3 m tief waren), mit deren Hilfe es gelungen sein sollte, 9 Millionen Leichen in fünf Jahren zu verbrennen, übergehe ich ...
Übrigens ist auch etwas anderes nicht möglich, zumindest bei der Vernichtung durch Gase. Alle, die sich mit diesem Problem befaßt haben, sind sich darüber einig, daß 'in den wenigen Lagern, in denen es Gaskammern gab' (wie Eugen Kogon sagt), diese endgültig erst ab März 1942 so weit waren, daß sie arbeiten konnten, und daß ab September 1944 Befehle, die man ebenso wenig aufgefunden hat wie die anderen, die sie aufhoben, untersagten, sie zu Vergasungen zu benutzen. Nach dem von Dr. Nyiszli Miklos vorgebrachten Rhythmus kommt man immer erst auf 18 Millionen Leichen für diese 2 1/2 Jahre, eine Zahl, die Tibère Kremer, sein Übersetzer, man weiß nicht kraft welcher Mathematik, diktatorisch auf sechs Millionen reduziert hat 9).
Und ich stelle folgende neue und doppelte Frage: welches Interesse konnte er gehabt haben, den Grad des Schreckens so zu übertreiben, und welches Ergebnis hat diese Art des Vorgehens, die allgemein war, gehabt?"
Heute kann man Dr. Nyiszli Miklos' Beschreibung der Gaskammern und der Tötungen mit der Darstellung vergleichen, die das angeblich von Rudolf Hoess verfaßte Buch bringt, welches ich im vorigen Kapitel besprochen habe. Und dann muß man sich fragen, welche Glaubwürdigkeit
9) 1ch habe Herrn Dr. Nyiszli Miklos geschrieben und ihn auf alle diese Unstimmigkeiten aufmerksam gemacht.Er antwortete: "2 500 000 Opfer". Ohne weiteren Kommentar. Wenn diese Zahl der Wahrheit auch näher sein dürfte als seine bisherigen Behauptungen, so kann doch mit Sicherheit gesagt werden, daß das Schuldkonto der Gaskammern diese Höhe bei weitem nicht erreicht, und daß die genannte Zahl eine Addition z. T. widersinniger Angaben darstellt.
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zwei Zeugen verdienen, deren Aussagen über ein und dasselbe Ereignis sich derart widersprechen. Und was hat sich wirklich zugetragen?
Wir haben vorher Herrn Eugen Kogon zitiert, der erklärte, die Gaskammern seien "im März 1942 betriebsfertig" gewesen; Hoess sagt einerseits, daß die Kammern damals schon in Tätigkeit gewesen seien (Seite 174), erzählt aber andererseits, daß es sie im Laufe des Sommers 1942 noch nicht gegeben habe und man daher zuerst den Block 11 und dann das Leichenschauhaus für die Vergasungen verwendet habe (Seite 229). Und lange vor der Veröffentlichung des Hoess'schen Buches war schon bekannt, daß der Auftrag zum Bau der Verbrennungsöfen von Auschwitz erst "am 3. August 1942 der Firma Topf und Söhne, Erfurt, erteilt wurde, durch Auftrag Nr. 11 450/42/BI/H." Wie will man erklären, daß die Gaskammern in Betrieb genommen worden seien, bevor die Krematorien gebaut waren, von denen ja gesagt wird, daß sie einen untrennbaren Teil der ganzen Anlage bildeten? Das ist eine Frage, die ich schon in meiner Kritik an dem Buch gestellt habe.
Schließlich habe ich in der genannten kritischen Betrachtung noch zwei Bücher aufgeführt, in denen gesagt wird, daß "die Deutschen die Gaskammern im Lager Auschwitz gesprengt hätten im November 1944 beim Herannahen der russischen Truppen", nämlich Weisberg: "Die Geschichte des Joel Brand" und Léon Uris: "Exodus".
Eugen Kogon hatte sich wenigstens einen Ausweg offengehalten, indem er sagte, daß "es vom September 1944 an verboten worden sei, sie zu verwenden". Und wem es gelingt, als Tourist Auschwitz zu besuchen, könnte glauben, er besichtige dort die echten Gaskammern ... Die Erklärungen des Weisberg und des Uris lassen diese ganze Beweisführung in sich zusammenbrechen.
Wie es schon bezüglich des Lagers Dachau geschah!
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Ein Argument bleibt übrig: die "Endlösung der Judenfrage ..."
Dieser Ausdruck, "die Endlösung der Judenfrage" ist keine deutsche Erfindung. Seit vielen Jahrhunderten — um genau zu sein: seit Titus und dem Anfang der Diaspora — haben alle Planer gesellschaftlicher Systeme und zuerst alle Regierungen von Mittelmeerländern, dann die im Norden und schließlich die im Süden Europas diesen Ausdruck gebraucht. In Frankreich wurde der Gedanke bekannt durch die französi-
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sche Revolution von 1789 und später durch Napoleon III., als man glaubte, eine Endlösung gefunden zu haben, indem man allen Personen jüdischer Herkunft im Lande die gleichen Rechte gab wie allen anderen Staatsangehörigen. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges erhielt das Wort durch die "Balfour Declaration" in der Weltpolitik die Bedeutung der "Neuerschaffung einer Heimat für die Juden". In dieser Erklärung verpflichtete sich England, eine dahingehende Entwicklung zu fördern. Mit der Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland wäre diese "Endlösung" dann gleichbedeutend geworden mit der Massenvergasung aller europäischen Juden.
So heißt es — aber trifft diese Deutung zu?
Im Nürnberger Prozeß wurde allen führenden Persönlichkeiten des Systems, die direkt oder indirekt die Verbringung der Juden in die Lager zu verantworten hatten, vorgeworfen, sie hätten damit die "Endlösung" im oben gemeinten Sinne erstrebt. Sie erklärten alle, "daß, wenn von der Endlösung der Judenfrage die Rede gewesen war, keiner von ihnen geahnt hätte, daß damit eine Vergasung gemeint wäre".
Es erschienen Zeugen (besonders im Ärzteprozeß), die unter Eid erklärten, sie hätten entweder den Vergasungen beigewohnt oder den — allerdings mündlichen — Befehl erhalten, Vergasungen durchzuführen. Und man glaubte ihnen.
Nun gab es damals Zeugen für jede, ausnahmslos jede Behauptung, wenn diese nur im Sinne der Wahrheit des Augenblickes, der Wahrheit der Sieger lautete. Es kam sogar ein Zeuge, der beeidete, es sei der Befehl ergangen, alle Lager mit ihren Wachmannschaften beim Herannahen der Alliierten in die Luft zu sprengen — obwohl später bewiesen wurde, daß es diesen Befehl dank Himmlers Arzt Kersten überhaupt nicht gegeben hatte (Laut Erklärung des Jacques Sabille im "Figaro littéraire" 1951 und laut Joseph Kessel in seinem Buch "Les Mains du Miracle" ebenfalls 1951). Und ein anderer Zeuge nahm zum Beispiel auf seinen Eid, daß die deutsche Artillerie den Befehl erhalten habe, drei Schiffe mit Häftlingen (darunter die "Cap Arcona"), die aus einem Ostseehafen mit Kurs auf Schweden ausliefen, zu versenken. Inzwischen wurde bekannt, daß die alliierte Luftwaffe sie irrtümlich versenkte.
Wenn man heutzutage nicht mehr glaubt, daß Befehle erteilt wurden, die Lager beim Herannahen der Alliierten zu sprengen — und in der Ostsee auf Schiffe mit Häftlingen zu schießen — um nur einige von vielen Fällen zu nennen —, so erfolgte dieser Meinungsumschwung nicht nur, weil man keine Unterlagen zum Beweis dieser Behauptungen gefunden hat, sondern weil Unterlagen vorliegen, die eindeutig nachweisen, daß es solche Befehle nicht gegeben hat. Für die angeblichen Befehle zur Ver-
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gasung der Juden gab es ebenso wenig Unterlagen. Man hat behauptet, daß es welche gegeben hätte, man behauptet es heute noch; man hat sie angeführt, und man wird sie weiterhin anführen.
Und was bezeugen diese Unterlagen?
Die genaueste von ihnen — die einzige übrigens, die heute noch angeführt wird — stammt aus dem sogenannten "Wannseeprotokoll", einem Bericht über eine Besprechung, die am 20. Januar 1942 zwischen den Staatssekretären und den führenden Beamten aller Ministerien des Dritten Reiches stattgefunden haben soll.
Dieses Dokument faßt die dort erstatteten Berichte und getroffenen Entscheidungen zusammen, aber in einer solchen Form, daß nur Experten und Spezialisten den ursprünglichen Wortlaut und die Kommentare auseinanderhalten können.
Der Abschnitt, der als Beweis angeführt wird, lautet:
"... Unter entsprechender Leitung sollen im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird ...
Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines jüdischen Aufbaues anzusprechen ist."
Es ist klar zu erkennen, daß die beiden Teile dieses Textes — der Teil, den ich [hervorgehoben] habe und der vorhergehende Satz — nicht denselben Stil aufweisen, und die erste Schlußfolgerung, die sich hieraus ergibt, ist, daß sie entweder nicht von demselben Verfasser stammen oder nicht zur selben Zeit niedergeschrieben wurden — oder aber, daß sie nicht in demselben "Dokument" enthalten waren. Der erste Satz ist im Stile einer Entscheidung formuliert, der zweite im Stile einer Beurteilung, also eines Kommentars. Beide werden Eichmann zugeschrieben, aber im "Wannseeprotokoll" folgen sie nicht aufeinander, und in der von der Presse veröffentlichten Form ist der erste Satz durch Pünktchen von dem zweiten getrennt. Wenn sie in dieser Form einander gegenübergestellt wurden, so geschah das nur mit der Absicht, die öffentliche Meinung in einem bestimmten Sinne zu beeinflussen.
Auf diesen Text hat man sich in Nürnberg und anderswo berufen, als man jenen Leuten, die erklärten, sie hätten Vergasungen beigewohnt
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oder Befehle zur Durchführung von Vergasungen erhalten, Glauben schenkte.
Im ersten Augenblick, in der allgemeinen Geistesverwirrung gleich nach Beendigung der Feindseligkeiten, wurde der beabsichtigte politische Zweck auch erreicht. Nachdem aber eine gewisse Zeit verstrichen ist, wird man wohl zugeben müssen, daß jene Persönlichkeiten der deutschen Bundesrepublik, die auch unter Hitler eine bedeutende Rolle gespielt haben — wie Richter und leitende Beamte — die auch jetzt noch erklären, daß sie damals "nicht geahnt haben, daß man unter der 'Endlösung der Judenfrage' die Vergasung verstand", — es damals tatsächlich nicht ahnen konnten, nicht einmal nach Kenntnisnahme des oben angeführten Textes, denn hierin ist ebensowenig die Rede von Gaskammern wie in den beiden zu Anfang dieses Kapitels angeführten Berichten, auf die Kogon seine Anklage stützt.
Historisch gesehen scheint von allen Behauptungen nur das übrigzubleiben, was der amerikanisch-jüdische Schriftsteller Leon Uris in seinem Buch "Exodus" bewundernswert, aber nicht ganz eindeutig formuliert hat:
"Im März 1941, achtzehn Monate nach der deutschen Invasion in Polen entschied sich Adolf Hitler für die 'Endlösung' der Judenfrage. Es sagt alles, daß er seine Anweisungen in Form eines mündlichen Befehles erteilte 10) ... Sechs Wochen später versammelte Heydrich, der Großmeister aller Sicherheitsorgane, eine bestimmte Anzahl Naziwürdenträger zu einer geheimen Besprechung 10), um ihnen die Entscheidungen des Führers mitzuteilen ... (Seite 192 der frz. Ausgabe) ... Eichmann, Himmler, Streicher und etwa zehn geringere Götter gingen ans Werk, um einen ebenso weitreichenden wie bemerkenswerten Plan auszuarbeiten" ... (Seite 193).
Hitlers Befehle wurden mündlich erteilt ... ein Jahr später findet die Besprechung statt, von der das "Wannseeprotokoll" berichtet, um alles weitere zu veranlassen — und in dem, was über diese Äußerungen und Entschlüsse veröffentlicht worden ist, sucht man nun schon seit zwanzig Jahren nach einem Satz, der beweist, daß dort und an dem Tage die Idee der Gaskammern geboren wurde. Man hat einen Satz gefunden: ich habe gezeigt, was er wert ist.
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10) Hervorhebung von mir. P. R.
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Was wurde aber nun in Wahrheit unter diesem vielerwähnten Ausdruck "Endlösung der Judenfrage" verstanden?
Die Frage läßt sich nicht mit Sicherheit beantworten. In den Jahren 1934—35 gebrauchte Julius Streicher den Ausdruck schon in seinen Aufsätzen. Eine Reihe von deutschen Journalisten griff die Angelegenheit auf und schlug vor, die Juden in eine französische Kolonie — Westafrika zum Beispiel — umzusiedeln, weil die Engländer sich ja weigerten, sie nach Palästina hereinzulassen. Gleichzeitig beschwerte sich die radikale Rechte in Frankreich in allen ihren Zeitungen, daß keine Regierung je in der Lage sein würde, die Reichtümer Madagaskars auszunutzen, also die Insel im Kolonialreich zu behalten, wenn sie, die Regierung, nicht bereit wäre, hier ein Siedlungsgebiet zu schaffen 11).
Der Nationalsozialismus wollte sofort zugreifen: warum sollte man dort nicht die Juden ansiedeln, die in Deutschland unerwünscht waren? Aber Frankreich wollte ebensowenig davon hören wie England ...
Beim Kriegsausbruch war noch keine internationale Lösung gefunden worden. Und was war bis dahin vorgegangen? Zur Beantwortung mögen wieder Dokumente dienen. Hier folgen zwei:
"Vor dem Kriege hatte Eichmann (der in Berlin die Hauptabteilung IV B — Judenfragen — im Sicherheitshauptamt leitete) eine Massenauswanderung der Juden erwirkt ... Er glaubte, Deutschland zu säubern und gleichzeitig die Feindländer zu schädigen, indem er die Juden dorthin leitete. Er hatte mit den Zionistenführern verhandelt, um die Umsiedlung der jüdischen Massen nach Palästina zu beschleunigen." (So schreibt der jüdische Schriftsteller A. Weisberg in seiner "Geschichte des Joel Brand", Seite 93 der frz. Ausgabe).
Und Heinrich Himmler schreibt am 21. März 1945 an Kersten:
"Es wird Sie interessieren, daß ich im Laufe des letzten Vierteljahres einen Gedanken, über den wir einmal sprachen, zur Verwirklichung gebracht habe. Es wurden nämlich in zwei Zügen rund 2700 jüdische Männer, Frauen und Kinder in die Schweiz verbracht. Es ist dies praktisch die Fortsetzung des Weges gewesen, den meine Mitarbeiter und ich lange Jahre hindurch konsequent verfolgten, bis der Krieg und die mit ihm einsetzende Unvernunft in der Welt seine Durchführung unmöglich mach-
11) Siehe in dem Buch des französischen Bataillonskommandeurs Loustaunau Lacau: "Mémoires d'un Français rebelle".
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ten. Sie wissen ja, daß ich in den Jahren 1936, 37, 38, 39 und 40 zusammen mit jüdischen amerikanischen Vereinigungen eine Auswandererorganisation ins Leben gerufen habe, die sehr segensreich gewirkt hat 12).
Aus diesen beiden Unterlagen, die sich gegenseitig bestätigen, und von denen jedenfalls die eine nicht als verdächtig abgetan werden kann, geht klar hervor, daß der Nationalsozialismus selber eine Massenumsiedlung der von ihm bedrohten Juden durchgeführt hat. Es scheint außerdem, daß der Grund, aus dem diese Auswanderung nicht so umfangreich gewesen ist, wie sie hätte sein können, vor allem im mangelnden Entgegenkommen seitens der anderen Staaten zu suchen ist, die sich weigerten, die in Deutschland nicht mehr erwünschten Juden aufzunehmen.
Man braucht nur das englische Weißbuch heranzuziehen, das 1939 nach dem Anschluß Österreichs erschien, als das Foreign Office eine Invasion in Polen vorausahnte, eines Landes, in dem 3 100 000 Juden lebten. In diesem Weißbuch wird gesagt, daß "die Mandatsmacht in Palästina nicht mehr als 75 000 jüdische Einwanderer zulassen" würde. Und jedesmal, wenn es einem Juden gelang, nach Frankreich zu entwischen, fühlte er sich dort so unwillkommen, daß er nach Italien weiterreiste. Dort, wo sich schließlich alle Juden zusammenfanden, die vor dem Nationalsozialismus in westliche Richtung geflohen waren, gab es in den Jahren von 1935 bis 1940 einen wahren Schwarzhandel mit Schiffsplätzen nach Palästina, für die entsprechende Schiffe vielfach garnicht existierten.
Wenn man dem "Bericht (1942—1945) des Komitees zur Rettung der ungarischen Juden" von Herrn Dr. Reszo Kasztner glauben darf, — die wesentlichsten Teile dieses Berichtes sind übrigens in Weisbergs "Geschichte des Joel Brand" bestätigt — so scheint diese Auswanderung, sei es in einer anderen Form, während des ganzen Krieges angedauert zu haben. In dem erstgenannten Werk kann man schon auf der ersten Seite der Einleitung lesen:
"Bis zum 19. März 1944 galt unsere Arbeit hauptsächlich der Rettung und Betreuung polnischer, slowakischer und jugoslawischer Flüchtlinge. Seit der deutschen Besetzung Ungarns erstreckten sich unsere Anstrengungen auf die Verteidigung der ungarischen Juden ... Die Besetzung brachte das Todesurteil für die nahezu
12) Hervorhebung von mir. P. R.
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800 000 Seelen zählende ungarische Judenheit." (3 000 000 im Sommer 1943 sagt Hoess in "Der Lagerkommandant von Auschwitz spricht ...", Seite 246 der frz. Ausgabe).
Nun waren in Ungarn mit seiner alten christlichen Tradition, das seit Menschengedenken die Stefanskrone verehrte, die Juden vor der Machtergreifung des Nationalsozialismus so wenig zahlreich, daß sie, wie man später in diesem Aufsatz sehen wird, nicht einmal in den jüdischen Vorkriegsstatistiken aufgeführt wurden. Bis zum 19. März 1944 war Ungarn nicht von deutschen Truppen besetzt — und am 19. März 1944, sagt Dr. Kasztner, es hätte dort 800 000 Juden gegeben. (Auf der ersten Seite des ersten Kapitels sagt er: 444 000 im Jahre 1930, aber ...) Sie seien aus Polen, der Slowakei und Jugoslawien gekommen, wie er im ersten Satz seines Berichtes mitteilt, um sie dann doch im zweiten Satz als "ungarische Juden" zu bezeichnen ...
Und hier folgt, was A. Weisberg in seiner "Geschichte des Joel Brand" über diese Angelegenheit zu sagen hat:
"In ihrer Eile, die Juden loszuwerden, war es den Deutschen einerlei, ob diese ins Ausland oder in die Gaskammern verschwanden ... Ausländische Pässe bildeten den sichersten Schutz ... Nach wenigen Wochen gab es mehr Angehörige der Republik San Salvador als von allen anderen Ländern zusammen ... Auf eine Intervention des Papstes und Präsident Roosevelts hin stellten die Regierungen Schwedens und der Schweiz Tausende von Pässen aus, zu denen wir noch dreißig- bis vierzigtausend gefälschte hinzufügten. Die Inhaber eines solchen Passes waren vor der Verschleppung sicher" (Seite 55—56 der frz. Ausgabe).
In Ungarn ließen sich solche Pässe sowohl vor dem 19. März 1944 wie auch nachher unter der deutschen Besetzung beschaffen. Und die Inhaber eines solchen Dokumentes, die keine Verschleppung mehr zu befürchten hatten, konnten nach Constanza am Schwarzen Meer geleitet werden, um dort nach Palästina eingeschifft zu werden, von wo sie dann aber auf Grund der ablehnenden Haltung der Engländer "zum größten Teil nach den Vereinigten Staaten weitergeleitet wurden", wie Weisberg auf Seite 93 berichtet.
Wenn man diesem Weisberg glaubt, kann man außerdem sagen, daß die Juden in ganz Europa hätten gerettet werden können. In demselben Buche schreibt er:
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"Am Ende des Jahres 1942 ('im März', behauptet Reszö Kasztner) sagte der Hauptsturmführer Dieter von Wiesliceny zu Frau Guisi Fleichmann: 'In Berlin wurde ein Europa-Plan aufgestellt. Dieser Plan gilt für alle Länder Europas außer für Deutschland und Polen. ' (Von Deutschland und Polen waren fast alle Juden nach Rußland, Ungarn, Rumänien und Bulgarien geflohen). '... Ihnen wiederhole ich: Bringen Sie uns 2 000 000 Dollar, und alle Juden von Bulgarien, von Frankreich, von Belgien, von den Niederlanden, von Dänemark und von Skandinavien werden sicher frei werden ...' " (Seite 68 der frz. Ausgabe).
Es handelte sich ungefähr um 3 000 000 oder 3 500 000 Juden, also um 50 Cent pro Kopf, d. h. weniger als die Spesen für den Transport ...
Ich hätte als Häftling in Dora so einen Vorschlag akzeptiert!
Diese Stelle ist der Beweis dafür, daß die Auswanderung der Juden im Jahre 1942 noch möglich war, und daß die "Endlösung der Judenfrage" diese Bedeutung hatte.
Bis zum 19. März 1944 erfolgte die Auswanderung jener Juden, die vor der Besetzung ihres Herkunftslandes nach Ungarn hatten fliehen können 13), über Constanza und unter der Leitung der Waada in Budapest. Nach dem 19. März 1944 gestaltete sich die Auswanderung viel schwieriger, da die Deutschen fanden, daß sie zu langsam vor sich ging und sich daher entschlossen hatten, auch jene Juden in die KZs zu schicken, die sich noch in Ungarn aufhielten, und die die Waada — nach Ansicht der Deutschen — nicht schnell genug nach Constanza leiten konnte.
Es gab darauf Kontaktaufnahmen, dann Verhandlungen — über deren Verlauf noch keine vollkommene Klarheit herrscht — zwischen Eichmann, Krumey, Becher usw., den Leitern der deutschen Dienststellen für die Judenfrage in Ungarn einerseits — und den führenden Persönlichkeiten der Waada andererseits.
1947 begab sich der Vorsitzende der Waada, Dr. Kasztner, nach Israel, wo seine Glaubensgenossen ihm seine "Zusammenarbeit mit dem Nationalsozialismus in Ungarn" vorwarfen. In Jerusalem begann ein großer
13) Sie flohen auch nach Rumänien und nach Bulgarien. "Im Sommer 1943 lebten 4 000 000 Juden in Rumänien und 2 500 000 in Bulgarien", sagt Hoess in "Der Lagerkommandant von Auschwitz spricht ..." (S. 246 d. frz. Ausg.) Nach Hoess können wir also so rechnen:
— Ungarn
— Rumänien
— Bulgarien3 000 000
4 000 000
2 500 000Insgesamt = 9 500 000 d. h. mehr als alle Juden
ganz Europas!Und man wird lesen (vgl. Fußnote 17 dieses Teiles), daß David Bergelson von 5 000 000 Juden spricht, die seit Dezember 1942 in den UdSSR lebten. ("Die Einheit", 5. 12. 1942).
Sicher gab es eine Flucht der Juden nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die UdSSR, aber so groß und in diesem Ausmaß sicher nicht. Zum größten Teil sind die Juden nach der UdSSR geflohen, und so sind die Zahlenangaben von David Bergelson die wahrscheinlichsten. So kann man auch sehen, was die Aussage von Hoess wert ist!
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Prozeß, in dem Dr. Kasztner der Angeklagte war und seinen "Bericht (1942—1945) des Komitees zur Rettung der ungarischen Juden" vorlegte, den er in den Jahren 1945 und 1946 in der Schweiz verfaßt hatte. Das Original hatte er dem Nürnberger Gericht vorgelegt. Einige der Beschuldigten entnahmen ihm damals Argumente zu ihrer Entlastung und wurden freigesprochen (Becker, Krumey u. a.). Während des Prozesses in Jerusalem wurde Dr. Kasztner dann eines Tages beim Verlassen des Gerichtsgebäudes von einem fanatischen Israeli erschossen. Nach seinem Tode wurde er zuerst verurteilt, um allerdings später bei der Revision am 16. 1. 1958 rehabilitiert zu werden.
Sein Bericht wurde von ihm selber mit der Maschine niedergeschrieben; später wurden davon einige wenige Kopien hergestellt. Eine dieser Kopien, die auf dem Umschlag den Vermerk "Vertraulich" trägt, hat mir vorgelegen.
Von diesem Bericht hat die jüdische Dokumentenzentrale bisher nur einige, sorgfältig ausgewählte Sätze veröffentlicht; und obwohl Dr. Kasztner in diesem Bericht an etlichen Stellen von den "Mühlen von Auschwitz" spricht, — der Ausdruck soll von Eichmann stammen — sowie auch von Gaskammern, so wird doch die Veröffentlichung des vollständigen Wortlautes, wenn sie einmal erfolgt, einen weiteren Beweis dafür liefern, daß der Ausdruck "Endlösung der Judenfrage" nicht die Bedeutung hat, die jetzt allgemein als die einzig richtige angesehen wird. Dabei werden wieder viele Einzelheiten, die der Verfasser meistens gebracht hat, ohne ihre Tragweite zu kennen, von besonderem Gewicht sein.
* *
*
Wenn wir die Statistiken über die Zahl der Vergasten unter die Lupe nehmen, so fallen sofort einige Unstimmigkeiten ins Auge, die den Betrachter zum mindesten zu großer Vorsicht mahnen. Ich meine hier nicht jene Statistiken, die irgendwelche Journalisten fünfter Güte oder irgendwelche Politiker produziert haben, sondern ausschließlich offizielle, ernstgemeinte und unumstrittene, und möchte sie dem statistischen Material gegenüberstellen, das von der internationalen jüdischen Dokumentenzentrale veröffentlicht worden ist.
Hier folgt also zuerst die Statistik der jüdischen Dokumentenzentrale über die Zahl der Juden in den von Deutschland im Kriege besetzten Gebieten — vor Hitlers Machtergreifung — sowie die nach Ländern geordnete Zahl der Toten und Verschollenen:
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| Jüdischer Bevölkerungsanteil vor Hitler | Tote und Verschollene - 1946 - |
Jüdischer Bevölkerungsanteil - 1947 - | ||||
|
Frankreich Belgien Holland Dänemark Norwegen Estland Lettland Litauen Polen Deutschland Tschecho-Slowakei Österreich Ungarn Jugoslawien Rumänien Italien UdSSR Griechenland Insgesamt |
300 000 90 000 150 000 7 000 1 500 5 000 95 000 150 000 3 300 000 210 000 315 000 60 000 404 000 75 000 850 000 57 000 2 100 000 75 000 8 244 500 |
120 000 40 000 90 000 500 900 4 000 85 000 135 000 2 800 000 170 000 260 000 40 000 200 000 55 000 425 000 15 000 1 500 000 60 000 6 000 400 |
180 000 50 000 60 000 6 500 600 1 000 10 000 15 000 500 000 40 000 55 000 20 000 204 000 20 000 425 000 42 000 600 000 15 000 2 244 100 |
|||
Vor dem Kriege hatte ein weltbekannter jüdischer Statistiker, Arthur Ruppin, in jahrelanger Arbeit die Daten über die Zahl der Juden und ihre Verteilung nach Berufen und Ländern zusammengetragen, wobei er allerdings betonte, daß es sich nur um annähernde Zahlen handelte. Eine in New York erscheinende jüdische Zeitung, das "Menorah Journal", veröffentlichte davon in Nummer 2/1932 die folgenden Ergebnisse, die dann von der französischen Zeitschrift: "Le Crapouillot" in ihrer Septembernummer 1936 übernommen wurden:
|
I: Nach Berufen: Handel Industrie und Handwerk Freie Berufe Landwirtschaft Diener und Hausangestellte Rentner, Pensionäre Insgesamt etwa |
6 100 000 5 750 000 1 000 000 625 000 325 000 2 000 000 15 800 000 |
= = = = = = |
38,6% 36,4% 6,3% 4% 2% 12,7% 100% |
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|
II: Nach Ländern: USA Polen Rußland Rumänien Deutschland England Frankreich Palästina Argentinien Österreich Kanada Litauen Holland Franz. Marokko Irak Übrige Welt 14) Insgesamt |
4 500 000 3 100 000 3 000 000 900 000 500 000 330 000 250 000 250 000 240 000 230 000 170 000 160 000 120 000 120 000 100 000 1 830 000 15 800 000, |
von denen, wie der jüdische Schriftsteller Arthur Koestler erklärt, 11 500 000 in den Synagogenregistern erfaßt sein sollen.
In den zwischen 1939 und 1945 von den deutschen Truppen besetzten Ländern Europas hätten also nach Arthur Ruppin 1932 insgesamt 8 710 000 Juden gelebt, die sich folgendermaßen verteilten:
|
Polen Rußland Rumänien |
3 100 000 3 000 000 900 000 |
14) Die übrige Welt war eingeteilt in drei Ländergruppen:
- Länder mit 50 000 bis 100 000 Juden: Lettland: Griechenland, Jugoslawien, Belgien, Italien, Türkei, Bulgarien, Algerien, Südafrika, Tunesien, Ägypten.
- Länder mit 10 000 bis 50 000 Juden: Schweiz, Brasilien, Mexiko, Uruguay, Persien, Syrien, Yemen, Indien, Afghanistan, China, Spanisch Marokko, Tripolitanien, Australien.
- Länder mit weniger als 10 000 Juden: Danzig, Schweden, Dänemark, Estland, Irland, Spanien, Rhodos, Memel, Portugal, Norwegen, Finnland, Cuba, Chile, Japan, Singapore, Neuseeland.
Der Leser wird bemerken, daß weder Ungarn (wo, nach den Angaben der jüdischen Dokumentenzentrale 404 000 Juden gelebt hätten), noch die Tschechoslowakei (315 000, nach derselben Quelle), noch ... Macedonien in dieser Liste genannt werden.
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|
Deutschland Frankreich Österreich Litauen Holland |
500 000 250 000 230 000 160 000 120 000 | |
|
Lettland Griechenland Jugoslawien Belgien Italien Bulgarien |
420 000 | 15) |
|
Dänemark Estland Norwegen Finnland |
30 000 | 16) |
| Insgesamt | 8 710 000 |
Ein Vergleich der Zahlen des Arthur Ruppin und des "Menorah Journal" mit denen der jüdischen Dokumentenzentrale gibt Anlaß zu folgenden Bemerkungen:
15) In der vorigen Statistik genannt in der Gruppe der Länder, die zwischen 50 000 und 100 000 Juden zählen, wobei ein Durchschnitt von 70 000 angenommen wurde.16) In derselben Statistik genannt in der Gruppe der Länder, die weniger als 10 000 Juden zählten.
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die jüdische Bevölkerung Rußlands vor Hitler auf 3 000 000 geschätzt, und alle jene Veröffentlichungen, in denen seit zehn Jahren der UdSSR Judenfeindschaft vorgeworfen wird, beziffern die Zahl der Juden im Nachkriegsrußland auf 1,5 bis 2 Millionen, zuzüglich 1 weiteren Million in russisch Asien, wo vor dem Kriege nur 300 000 lebten 17).
Hier aber tritt das schwerwiegendste Argument gegen die Statistiken der jüdischen Zentrale auf den Plan: die Auswanderung der jüdischen Bevölkerung Europas zwischen 1933 und 1945. So ist zum Beispiel nachgewiesen worden, daß der jüdische Bevölkerungsteil der USA, der sich vor Hitler auf etwa 4 500 000 belief, 1946 etwa 6 000 000 ausmachte, daß die Zahl der Juden in Palästina während derselben Zeit von 250 000 auf annähernd 1 000 000 anstieg, und endlich, daß sich in Südamerika die Judenbevölkerung um etwa 700 000, in Nordafrika um 200 000 und in Südafrika ebenfalls um 200 000 vermehrt hat. Hier wären also mit den Überlebenden im europäischen und asiatischen Rußland — noch einmal — grob geschätzt — 5 500 000 Juden, die weder tot noch verschollen sind.
17) "2 500 000" erklärte das American Jewish Committee am 31. Dezember 1951 und auch der Rabbi Joseph Miller in 'Look' am 27. 10. 56. Die jüdische Dokumentenzentrale, die dort nur 600 000 festgestellt haben will (angesichts der strengen Verschwiegenheit, mit der die Russen ihre Statistiken umgeben, fragt man sich, wie!) hat nicht berücksichtigt, daß durch Annexion der baltischen Länder, Bessarabiens und des Burgenlandes die Juden dieser Gebiete unter russische Herrschaft kamen, — daß beim Vormarsch der deutschen Truppen in Polen die meisten Juden nach der russischen Seite flohen, und daß während des Rußlandfeldzuges (ich zitiere hier einen Aufsatz des jüdischen Journalisten David Bergelson in der Moskauer Zeitung "Einheit" vom 5. 12. 42)"Dank der Evakuierung die große Mehrzahl (80 %) der Juden in der Ukraine, Weißrußland, Litauen und Lettland (vor dem Eintreffen der Deutschen) gerettet wurden."
"... In dieser Zeit lebten in Rußland (etwa) 5 200 000."
wozu das 'Joint Distribution Committee' im Juni 1942 erklärt, daß sie "meist nach Zentralasien verschickt" wurden.
Sie sind noch immer nicht alle in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt. Viele leben noch in Zentralasien, anderen ist es gelungen, die USA, Lateinamerika und Palästina zu erreichen. Nach Kriegsende war es nur auf Schleichwegen möglich, den russischen Machtbereich zu verlassen, und nur hin und wieder liest man eine Notiz, daß einige Hunderte oder einige Dutzend nach Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei oder Bulgarien zurückkehren konnten.
Aber wie dem auch sei, es gibt keinen Grund, die Richtigkeit der früheren jüdischen Statistiken anzuzweifeln: es bleibt nur verwunderlich, daß die früher gegebenen Zahlen nicht mit den heutigen Angaben aus jüdischer Quelle übereinstimmen.
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Die Zahl der Toten und Verschollenen wäre damit also auf 6 000 400 minus 5 500 000 also rund 500 000 reduziert, nach der Statistik von Arthur Ruppin auf 1 Million.
Wenn diese Zahl, die wir auf Grund einer genauen und objektiven Berechnung erhalten haben, richtig ist, so wird jeder, der auch nur eine Ahnung von den Lebensbedingungen in den Konzentrationslagern hat, einsehen müssen, daß man keine Gaskammern braucht, um diese Verluste zu erklären.
Ich wiederhole: der entscheidende Fehler der jüdischen Dokumentenzentrale besteht darin, daß sie die Auswanderung der Juden während des Krieges nicht berücksichtigt hat. Nach ihren Angaben fehlten zum Beispiel 1946 in Polen 2 800 000 Juden. Aber Dr. Kasztner sagt in seinem Bericht über die Ereignisse in Budapest, daß es in Ungarn schon 1943 etwa anderthalb Millionen Juden aus Polen, Jugoslawien und der Tschechoslovakei gab. Bergelson nennt für Rußland und russisch Asien 5,2 Millionen ... 18).
Zum Abschluß dieser Übersicht will ich noch eine Statistik anführen:
In der Zeitschrift "L'Appel du Peuple" Lausanne, vom Februar 1953 kommt man zu Ergebnissen der gleichen Größenordnung wie die des "Menorah Journal" und des Arthur Ruppin. Diese Zeitschrift stützt sich auf Informationen, die das "American Jewish Committee" 1949 in der "New York Times" veröffentlichte, sowie auf Angaben jüdischer Publikationen wie "Aufbau", "Unity in Dispersion" usw. Hier folgen ihre Statistiken nach dem Stand vom 31. 12. 1951:
18) Eine deutsche Lehrerin, die in einer Lehrerkonferenz u. a. mein Buch und meine Vorlesungen erwähnt hatte und demzufolge "Schwierigkeiten" bekommen hatte, wandte sich an meinen Kollegen, den Freiherrn Dr. von Richthofen, und fragte ihn nach seiner Ansicht über die von mir angeführten Zahlen. Sie erhielt folgende Antwort:"... Die von Herrn Listojewski angegebene Zahl der ermordeten Juden ist sicher viel zu niedrig, obwohl er zweifellos in gutem Glauben geschrieben hat. Es gibt ein zweifellos echtes, nicht etwa gefälschtes Dokument aus dem Bericht der deutschen Schuldigen, in dem Himmler an einem bestimmten Zeitpunkt die Zahl mit 3 1/2 Millionen dienstlich gemeldet wurde! 6 Millionen ist aber sicher nicht zutreffend, dagegen dürfte die grausige Zahl um 4 100 000 gelegen haben. Das ist auch die Ansicht des immer sachlichen, patriotischen deutschen Göttinger Historikers Staatsarchivar Dozent Dr. Hans Günther Seraphin, dessen Darstellung 'Judenvernichtung' im Nachschlagewörterbuch 'Großer Brockhaus' und die dazu genannten Quellen ich Ihnen nachzulesen empfehle."
Herr von Richthofen und Herr Hans Günther Seraphin, Göttingen sind zweifelsohne von der Zahl ausgegangen, die die jüdische Dokumentenzentrale angibt, um dann dieselben Überlegungen anzustellen wie ich.
Aber der Brief beweist, daß es an den deutschen Universitäten schon Menschen gibt, die der Ansicht sind, daß die Zahl von 6 000 000 nicht stimmt — und das ist schon eine ermutigende Tatsache.
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Europa Großbritannien Frankreich Italien Deutschland und Österreich Belgien und Holland Skandinavien Schweiz UdSSR (einschl. d. asiatischen Teils) Polen Rumänien Ungarn Tschechoslowakei Jugoslawien, Griechenland Bulgarien Andere europ. Länder |
450 000 350 000 75 000 55 000 55 000 23 000 22 000 2 500 000 500 000 350 000 170 000 17 000 25 000 8 000 8 000 4 608 000 |
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Amerika USA Kanada Lateinamerika |
7 200 000 250 000 900 000 8 350 000 |
|
Asien Israel Iran, Afghanistan Länder der Arabischen Liga Indien China, Japan Andere asiatische Länder |
1 300 000 120 000 35 000 25 000 5 000 10 000 1 495 000 |
| Australien und Neuseeland | 60 000 |
|
Afrika Nordafrika Äthiopien Kolonien Südafrika |
430 000 15 000 5 000 350 000 800 000 |
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Zusammenfassung: Europa Asien Australien Amerika Afrika |
4 608 000 1 495 000 60 000 8 350 000 800 000 15 313 000 |
Verglichen mit den Arbeiten des Arthur Ruppin hat diese Statistik noch den Vorteil, daß sie die jüdische Auswanderung aus Europa von 1933 bis 1951 — vor allem nach den USA, Lateinamerika und Israel — mitberücksichtigt.
Es handelt sich hierbei selbstverständlich nur um die Arbeit eines Journalisten, und ich führe sie hier nur an, weil sie m. E. in der Gesamtdarstellung einen Teil der Wahrheit enthält — wenn ihre Angaben auch hier und dort nicht stimmen mögen, so beschränken sich diese Irrtümer doch auf Teilgebiete und sind nur recht unbedeutend.
* *
*
Ich möchte gleich einräumen, daß diese Diskussion über die Mittel, mit denen das Verbrechen verübt wurde, und über die Zahl der Opfer an der moralischen Wertung nichts ändert: wenn nur ein einziger Jude zum Tode verurteilt wurde, nur weil er Jude war, so ist es bedeutungslos, ob er in einer Gaskammer, durch den Strick, das Beil oder die Peitsche umgebracht wurde: Das Verbrechen bleibt in seiner vollen Größe bestehen. Die Zahl der Opfer und die Mittel, derer man sich bediente, fallen bei der Bewertung des Verbrechens überhaupt nicht ins Gewicht: sie bestimmen nur das Ausmaß. Und wenn diese Tatsache das Empfinden der Öffentlichkeit auch verletzt, so ist dieses Ausmaß doch ein Punkt, den die Rechtsgelehrten zu berücksichtigen pflegen, indem sie es, zu Unrecht, mit dem Grad der Verantwortung in Verbindung bringen — nicht um die Abscheulichkeit des Verbrechens zu definieren, sondern bei der Zumessung der Strafe als Maßstab für die etwa vorliegenden erschwerenden oder mildernden Umstände. Das Ausmaß vermag an der moralischen Verwerflichkeit nichts zu ändern; es kann nur im Lichte der herrschenden Sitten und Gebräuche betrachtet werden — was also heißen will, daß die Beurteilung sich je nach Zeit und Ort des Ereignisses ändern wird. Die Frage nach erschwerenden oder mildernden Umständen ist übrigens ebensowenig moralischer Natur, und die Begleitumstände eines Verbrechens
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können nur den Grad der Schuld mitbestimmen, die der Täter auf sich geladen hat.
Dies trifft allerdings nur dann zu, wenn man die traditionellen moralischen Kategorien akzeptiert: im vorigen Jahrhundert hat der französische Philosoph Georges Goyau eine Moral ohne Verurteilung oder Strafe ausgearbeitet, die mit ziemlicher Sicherheit die Moral der Zukunft sein wird; aber wie dem auch sei, sie ist jedenfalls meine Moral.
Nachdem ich somit eingeräumt habe, wie unwesentlich diese Diskussion in meinen Augen für den Tatbestand des Verbrechens an sich ist, glaube ich umso nachdrücklicher betonen zu können, daß sie in historischer und soziologischer Hinsicht durchaus ihre Bedeutung hat, auch im Hinblick auf den gesunden Menschenverstand, den man zu Unrecht viel zu oft als unwesentlich betrachtet.
Die Geschichte ist das Logbuch der Menschheit. Daher stellt sie eine Inventur dar, und eine Inventur muß genau sein. Es ist die Aufgabe — die einzige Aufgabe — der Historiker, diese Inventur zusammenzustellen. Darum ist auch das einzige moralische Gesetz, dem ein Historiker zu gehorchen hat, die Pflicht zur Ergründung der Wahrheit. Politische Argumente dürfen für ihn überhaupt keine Rolle spielen — und eben darum habe ich mich in allen meinen Arbeiten über die Frage der Verschleppung stets bemüht, die strengste Objektivität walten zu lassen.
Die Soziologie muß wissen, ob es sich hier um einen Völkermord handelt oder nicht — die Geschichtswissenschaft übrigens auch, aber nur, um ihn zu registrieren. — Darum ist diese Diskussion über die Zahl der Opfer und die Mittel des Verbrechens für diese beiden Zweige der Wissenschaft notwendig.
Was nun den gesunden Menschenverstand betrifft, so wird man mir erlauben, daß ich die historisch, ethisch und soziologisch wichtigen Fragen hiermit abschließe, um mich mit einer Angelegenheit zu beschäftigen, die zum Gebiet der Massenpsychologie gehört. Ich möchte dabei von der Antwort ausgehen, die ein französischer Journalist von einer nicht genannten deutschen Persönlichkeit erhielt. Der Frager war ein Sonderberichterstatter der französischen Tageszeitung "Le Monde", nach Deutschland entsandt, um die Reaktion der deutschen Öffentlichkeit auf die Verhaftung des Adolf Eichmann durch den israelischen Sicherheitsdienst festzustellen. Die Antwort des nichtgenannten Deutschen lautete:
"Die Deutschen möchten nicht mehr aus jedwedem Anlaß einige Tausende in den KZ's umgekommene Juden vorgesetzt bekommen. Sie wollen das nicht mehr hören." (Le Monde, 20. 6. 1960)
Die zitierte deutsche Persönlichkeit drückte sich sehr gemäßigt aus: seit fünfzehn Jahren werden der ganzen Welt "aus jedwedem Anlaß" nicht
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etwa "einige Tausende in KZ's umgekommener Juden vorgesetzt", sondern sechs Millionen und manchmal sogar neun Millionen, wie es neuerdings in Frankreich noch in einer Besprechung des Filmes "Nacht und Nebel" geschah 19). Und nicht allein die Deutschen — die ganze Welt ist dieser Übung müde geworden. Man fühlt sich sogar gereizt, denn man weiß, daß diese Zahl nicht stimmt; darum löst jede Erwähnung dieser Zahl automatisch eine Reaktion aus, die in dem Ausruf besteht: "Diese Juden sind aber doch wirklich ...", unterstrichen von einem üblich gewordenen verächtlichen oder entrüsteten Lächeln.
So wird im Jahre des Herrn 1960 die anti-jüdische Einstellung in der öffentlichen Meinung neu geweckt, obwohl doch bekannt ist, daß gerade diese Judengegnerschaft, weil sie sich allzuleicht zum Rassismus entwickelt, seit Jahrhunderten eine der schlimmsten Geißeln der Welt ist. Alles verläuft demzufolge so, als ob jene, die sich unbedingt an diese Ziffern klammern und eine lautstarke Kampagne zu ihrer Verbreitung führen, in Wahrheit nur den Zweck verfolgten, eine neue anti-jüdische Propagandawelle heraufzubeschwören oder zu unterstützen. Und hier verlangt der gesunde Menschenverstand, daß man diese Leute rücksichtslos anprangert als die gefährlichsten Wegbereiter des Rassismus.
Es gibt einen Punkt, in dem die Forderungen des gesunden Menschenverstandes und die der Moral übereinstimmen: in der Beurteilung der Tatsache nämlich, daß die Zahl von sechs Millionen vergaster Juden bei der Festsetzung der Höhe der deutschen Reparationszahlungen an den israelischen Staat mit zugrundegelegt wurde. In diesem Zusammenhang ist es mindestens erstaunlich, daß die deutsche Regierung sich nicht mehr Mühe gegeben hat, um die Richtigkeit dieser Zahl zu überprüfen. Das wäre angebracht gewesen, allein schon, um der anti-jüdischen Stimmungmache den Wind aus den Segeln zu nehmen.
* *
*
Ich mache mir überhaupt keine Illusionen: ich, alter Sozialist, antimilitaristisch und antinationalistisch, aber ein europäischer Mann, werde wieder einmal des Versuchs beschuldigt werden, die Verbrechen des Nazismus zu beschönigen. Man wird mich der Judenfeindschaft, ja sogar des Rassismus bezichtigen, weil ich nicht ausreichend begründete Angaben eines jüdischen Gremiums kritisch untersucht habe. Man wird vielleicht
19) Michel Duran in der französischen Wochenzeitung "Le Canard enchaîné", Paris, vom 27. 1. 1960.
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so weit gehen zu behaupten, daß meine Arbeiten einer Politik Vorschub leisteten, die für alle Zeiten von den großen Grundsätzen des herkömmlichen Humanismus verurteilt worden ist. Unter meinen Verleumdern wird niemand bemerken, daß die Ungeheuerlichkeit der Anklage, die in solchen Behauptungen gegen den Nazismus erhoben wird, dem deutschen Volk zur Last fällt. Noch weniger wird man erkennen, daß ich nur dieses deutsche Volk verteidige, das deutsche Volk, das — wie alle anderen Völker der Welt — unschuldig ist und bleibt!
Ich möchte hieraus meine Schlußfolgerung ziehen: es ist das Schicksal aller Wahrheitssucher, daß man ihnen versteckte Absichten unterschiebt — und es wird immer mindestens einen Irren geben, der vom Papst die Verurteilung des Galilei verlangt. Ich werde demgegenüber immer darauf hinweisen, daß jene Politik, die unleugbar für alle Zeiten von den großen Grundsätzen des herkömmlichen Humanismus verurteilt worden ist, heutzutage durch die horrenden Übertreibungen einer viel zu großen Anzahl von Menschen nur wiedergeboren und verbreitet werden kann, deren einziges Motiv ihre Ressentiments oder ihre Rachegelüste sind, so daß ihre Politik nicht viel besser ist als die von ihnen verurteilte.
Und zum Schluß möchte ich mich auf Sokrates berufen, der sich nie darum gekümmert hat, ob seine Philosophie der Politik der Dreißig Tyrannen förderlich war oder nicht.
Paris, den 20. Juni 1960
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