Das Rudolf Gutachten in der Kritik

Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf

Tel Avivs Urteil: Rassismus und Antisemitismus

Die erste, wenigstens partiell an der Sache orientierte Kritik an meinem Gutachten über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den ‘Gaskammern’ von Auschwitz kam im April 1994 quasi aus der Höhle des Löwen selbst, von der Faculty of Humanities, Project for Study of Anti-Semitism, der Universität Tel Aviv.[1] In einem Bericht des Titels The ‘Rudolf-Report’ – a ‘Scientific Landslide’? (Das Rudolf Gutachten – ein wissenschaftlicher Erdrutsch?) kritisierte eine gewisse Sarah Rembiszewski nur nebensächliche Punkte meines Gutachtens. Sie schreibt:

»Die "Beweise".

Stil, Ausdrucksweise und "wissenschaftliche" Schlußfolgerungen dieses "Gutachtens" sind sicherlich die eines Rassisten und Antisemiten, der nicht eines der typischen Argumente eines Holocaust-Bestreiters ausläßt.«[2]

Der Rassismus- und Antisemitismusvorwurf wird nachfolgend nicht bewiesen, sondern soll sich wohl aus der Art meiner Argumente selbst ergeben. Anschließend wird angeführt, ich würde das Todeslager Auschwitz-Birkenau verharmlosend ein Kriegsgefangenenlager nennen, was nur partiell stimmt. Tatsächlich war das Lager ursprünglich als solches konzipiert worden und ist so auch auf den Bauplänen ausgewiesen. In dem Zusammenhang wird von mir der Begriff verwendet. Ansonsten heißt das Lager in meinem Gutachten Konzentrationslager. Todes- oder Vernichtungslager, der von Frau Rembiszewski verwendete Begriff, wird es selbst nach der exterminationistischen Terminologie nicht genannt.

Ferner mokiert sich Frau Rembiszewski, daß ich ‘Gaskammern’ grundsätzlich in Anführungszeichen schreibe, wenn damit Menschentötungsgaskammern gemeint seien, da der Begriff "Gaskammer" eigentlich eine Entlausungskammer bezeichne. Hierzu darf ich ohne weitere Erklärung auf die in meinem Gutachten abgebildeten Baupläne der Entlausungskammern in Auschwitz verweisen, auf denen klar lesbar der Begriff "Gaskammer" steht, sowie auf die weithin bekannte Fachpublikation über Entlausungskammern von F. Puntigam, H. Breymesser und E. Bernfus mit dem alles sagenden Titel Blausäuregaskammern zur Fleckfieberabwehr.[3]

Zornig wird Frau Rembiszewski wegen folgender Passage meines Gutachtens:

»Die [KZ-]Häftlinge selbst wurden geschoren3 und mußten sich in Duschen gründlich säubern. […, weiter in Fußnote 3:] Im Dritten Reich sollen Haare ab einer bestimmten Schnittlänge einer Verwertung zugeführt worden sein, wozu sie gegebenenfalls zuvor entlaust wurden[16]. Wenn nach dem Kriege in Haaren Cyanide gefunden wurden, so kann dies eine Erklärung dafür sein. Keineswegs ist dies ein Beweis für Menschenvergasungen […]. Selbst bei einer anstehenden Hinrichtung wäre es einfacher und sinnreicher, den Menschen vor der Tötung die dann noch sauberen Haare abzuschneiden.«[4]

Frau Rembiszewski zitiert davon allerdings nur ganz wenige Worte, die sie zudem suggestiv ergänzt:

»Die Tatsache, daß Cyanide in Haaren (der Opfer) gefunden wurden, sei kein Beweis für Menschenvergasungen, denn es wäre "einfacher und sinnreicher, den Menschen vor der Tötung die dann noch sauberen Haare abzuschneiden".«[5]

Diese meine Logik soll »kaltblütig« und »arrogant« sein. Hier hat S. Rembiszewski allerdings geschummelt, denn daß das analysierte Haar von Vergasungsopfern stammt, wie sie schreibt, ist unbewiesen. Schließlich ist unbestritten, daß allen Häftlingen in Kriegszeiten in allen Nationen der Welt aus hygienischen Gründen die Haare geschnitten werden, seien es KZ-Häftlinge oder Kriegsgefangene. Und wenn diese Haare, wie von mir belegt,[6] weiter verwertet wurden, so ist ihre Entlausung sogar notwendig, da Läuse nunmal in Haaren nisten. Cyanid-Befunde in Haaren beweisen daher keinen Mord. Genauso wenig wie eine Ansammlung von Hunderten von Schuhen, Brillen oder Rasierpinseln die Ermordung ihrer früheren Eigentümer beweist.

Dipl.-Chemiker Germar Rudolf (Jahrgang 1964) schuf mit seinem Gutachten für die etablierte Zeitgeschichtsforschung ein ernsthaftes Problem, denn offenbar ist es nicht zu widerlegen. So versucht man, es totzuschweigen. Und wenn das nicht geht, versucht man den Autor mit falschen Unterstellungen lächerlich oder gar mit Gewalt mundtot zu machen.

Frau Rembiszewski erwähnt noch viele weitere Punkte, die in ihren Augen »kaltblütige und arrogante Argumente« meinerseits darstellen, ohne auch nur darauf einzugehen, warum sie falsch sein sollen. Ihre Falschheit und Absurdität soll sich wohl aus den Zitatfetzen selbst ergeben.[7] Bei Menschen, die keine Kenntnisse von der behandelten Materie und erst recht von meinem Gutachten haben, mag dies sogar zutreffen. Auf diejenigen jedoch, die es genauer wissen wollen oder die gar schon im Besitz meines Gutachtens sind, hinterlassen ihre Ausführungen den fatalen Eindruck von Manipulation, Verleumdung und Rufmord.

Bezeichnend mag die Feststellung auf eine selbstgestellte Frage von Frau Rembiszewski sein:

»Aber warum sollte sich ein erfahrener und erfolgreicher Chemiker wie Rudolf auf den Holocaust-Revisionismus einlassen, womit er seine Karriere und sein Ansehen riskiert?

Es scheint offensichtlich zu sein, daß seine Bezahlung beträchtlich gewesen sein muß, zumal die Finanziers solcher "Gutachten" gewöhnlich sehr großzügig sind.«[8]

Diesbezüglich muß ich Frau Rembiszewski leider enttäuschen: außer Spesen nix gewesen. Eine deutsche wissenschaftliche Seele läßt sich außerdem nicht kaufen. Man soll nicht von sich auf andere schließen!

Polnische Wissenschaftler beim Betrug ertappt

Im Herbst 1994 publizierte das Krakauer Jan-Sehn-Institut für gerichtsmedizinische Expertisen endlich seine Forschungsergebnisse,[9] die partiell bereits im Jahre 1991 durch eine dortige Indiskretion bekannt geworden waren.[10] Bereits in meinem Gutachten hatte ich die Vermutung geäußert, daß mit diesen Untersuchungen etwas nicht stimmen könne, da die Analysenergebnisse dieses Institutes um viele Größenordnungen unter denen aller anderen Forscher liegen.[11] Außerdem hatte das Institut bereits damals erkennen lassen, daß es gewisse Kompetenzschwächen hat.[12] In ihrer 1994 erfolgten Publikation bekannten die polnischen Wissenschaftler, daß sie nicht verstünden, wie sich aus Blausäure und dem im Gemäuer befindlichen Eisen der berühmte, extrem langzeitstabile Farbstoff Berlinerblau bzw. Eisenblau bilden könne. Sie zitierten zwar eine meiner Publikationen, in denen ich anhand einer Reihe von Fachliteraturzitaten den Nachweis geführt hatte, wie und unter welchen Bedingungen diese Umwandlung von Blausäure in den genannten Farbstoff vonstatten gehen kann,[13] äußerten sich zu diesen Argumenten in ihrer Publikation aber nicht. Sie zeigten also noch nicht einmal den Ansatz, ihre selbst eingestandene Inkompetenz durch die Diskussion der Argumente anderer auszuräumen. Statt dessen griffen die drei Polen zu einem betrügerischen Kunstgriff: Da

Sie nicht verstünden, wie sich der Farbstoff bilden könnte, haben sie schlicht eine Analysenmethode ausgewählt, mit der dieser Farbstoff nicht nachweisbar ist. Damit haben sie gerade jene Komponente vom Nachweis ausgeschlossen, die auf und in den Wänden der Auschwitzer und Majdaneker Entlausungskammern so massenhaft enthalten ist.

Durch diesen Trick erreichten sie, daß die Analysenergebnisse sowohl in den angeblichen Menschengaskammern als auch in den Entlausungskammern größenordnungsmäßig etwa gleich waren, nähmlich im Bereich der technischen Nachweisgrenze. Daraus schlußfolgerten die Autoren dann, daß es in den angeblichen Menschengaskammern tatsächlich Menschentötungen mit Blausäure gegeben hat. Ich habe in einer ebenfalls publizierten Korrespondenz mit den Polen eine nachvollziehbare Erklärung für die Wahl der Analysenmethode erbeten und sie aufgefordert, ihre Analysen nach der international üblichen DIN-Norm noch einmal durchzuführen.[14]

Die drei Polen haben mir bis heute keine Erklärung für ihr Verhalten gegeben und meines Wissens ihre Analysen auch nicht wiederholt, obwohl sie in der Korrespondenz eingestehen mußten, daß die Begasung von Wänden mit Blausäure die Bildung blaufleckiger Wände zur Folge haben kann. Solange die drei polnischen Autoren ihr Verhalten nicht ändern, bezeichne ich sie als Betrüger.

REPUBLIQUE FRANCAISE


Liberté Ègalité Fraternité


MINISTRE DE L’INTERIEUR

Paris, le 11 MARS 1997

DIRECTION DES LIBERTÉS PUBLIQUES

ET DES AFFAIRES JURIDIQUES

[…]

Monsieur,

Ich informiere Sie, daß mein Amt beabsichtigt, dem Innenminister auf Grund des Artikels 14 des modifizierten Gesetzes vom 29. Juli 1881 bezüglich der Pressefreiheit ein Verbot des von La Vieille Taupe verlegten Werkes betitelt mit "Das Rudolf Gutachten, Gutachten über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den ‘Gaskammern’ von Auschwitz", von Germar Rudolf, aus folgenden Gründen vorzuschlagen:

Die Publikation betitelt mit "Das Rudolf Gutachten, Gutachten über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den ‘Gaskammern’ von Auschwitz" stellt eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung dar, da sein Inhalt zur Verbreitung der These beiträgt, die die Existenz von Verbrechen gegen die Menschlichkeit abstreitet.

Übereinstimmend mit dem Dekret vom 28 November 1983 bezüglich des Einspruchsverfahrens haben Sie 8 Tage Zeit, mir Ihre eventuellen Einwände zukommen zu lassen, gerichtet an folgende Adresse:

Ministère de l’interieur
Direction des Libertés Publiques et des Affaires Juridiques
11, rue des Saussaies
75008 Paris

Mit freundlichen Grüßen

Der Direktor der öffentlichen Freiheiten
und juristischen Angelegenheiten

Jean-Paul FAUGERE

Nun ist es nach Deutschland und den Niederlanden auch in Frankreich offiziell: Die Verbreitung des streng wissenschaftlichen Rudolf Gutachtens wurde wegen angeblicher Gefährdung der öffentlichen Ordnung verboten, und zwar ironischerweise und getreu dem Werk 1984 von George Orwell vom Direktor für öffentliche Freiheiten! Hier clicken, um das Original zu lesen (31 KB)

Ein promovierter Chemiker blamiert sich

Dr. Josef Bailer, Gatte von Brigitte Bailer-Galanda, einer der führenden Personen des linksradikal orientierten Dokumentationszentrums des österreichischen Widerstandes (DöW), ist meines Wissens organischer Chemiker, was ihn nicht per se zu einem Fachman für anorganische Chemie macht, dem in dieser Diskussion betroffenen Fach.

Die erste Stellungnahme Dr. Bailers bezog sich ausschließlich auf den Leuchter Report, da zu jener Zeit mein Gutachten noch nicht vertrieben wurde.[15] Bailers Darstellung glänzt – ähnlich übrigens wie der Leuchter Report auch – bezüglich der Frage der Bildung langzeitresistenter Rückstände durch ihren völligen Verzicht auf die Fundierungen der aufgestellten Behauptungen mit Fachliteraturangaben.

Ich habe Dr. Bailers Ausführungen bereits im Frühjahr 1993 einer ausführlichen Analyse unterzogen und dort anhand von Fachliteratur nachzuweisen versucht, daß Bailers unbewiesene Behauptung, aus Blausäure würde sich in Wänden kein Eisenblau bilden können, falsch ist. Im Jahre 1994 habe ich diese meine Gegenthese sogar durch einen Bauschadensfall untermauern können, der definitiv beweist, daß durch einfache, einmalige Blausäurebegasungen die Wände begaster Gebäude intensiv berlinerblau-fleckig werden können.[17]

Dr. Josef Bailer hat sich in einer Publikation des Jahres 1995 zwar formell mit meinen Publikationen beschäftigt, ist aber all meinen Argumenten und Belegen erneut ausgewichen. Er blieb bei seiner Behauptung, daß sich in Wänden kein Berlinerblau bilden könne, und führte als Beweis dafür nicht etwa Fachliteratur an, sondern verwies auf den »normalen chemischen Hausverstand« und irgendwelche »reagenzglasschüttelnde Studenten«[18]. Wenig später gesteht er angesichts des von mir zitierten Bauschadensfalles denn doch ein, daß es zu solcher Berlinerblau-Bildung kommen könne – freilich versteckt er den Hinweis in einer Fußnote und verfälscht ihn bewußt durch seine unfundierte Behauptung, sowas könne nur in der Nähe feuchter Eisenleitungen geschehen.[19] Dabei handelt der von mir zitierte Bauschadensfall von einer mittelalterlichen Kirche, in deren Mauern sich nirgendwo irgendwelche Eisenleitungen befinden.

Bailers neueste Kapriolen sind noch weitaus zirkusreifer, als ich sie hier auf knappem Raum darstellen kann. Der interessierte Leser sei auf meine entsprechende ausführlichere Publikation dazu verwiesen.[20]

Blaue Wände der Entlausungskammern BW54 in Birkenau

Die blaufleckigen Innenwände einer Zyklon B-Entlausungskammer in Auschwitz-Birkenau. Ähnlich sehen die gleichen Wände auch an der Außenseite aus. Die gleichen blauen Phänomene beobachtet man in den Entlausungskammern des KZ Majdanek und in einer bayerischen Kirche nach deren Begasung mit Zyklon B. Alles nur Autosuggestion?

Die unvermutete Promotion des Dr. Clair

Bertrand Clairs hier erstmalig auf deutsch publizierte Erwiderung ist die erste, mir untergekommene, die nicht durch einen politisch-polemischen Ton verfärbt ist. Ich bin mir aber nicht so sicher, daß ein Industrie-Ingenieur, der viele Jahre lang mit Blausäure und Cyaniden gearbeitet hat, deshalb ein Fachmann zur Beurteilung der etwas exotischen Frage ist, ob sich aus Blausäure in Wänden Berlinerblau bilden kann. Diese Frage habe ich bereits im vorigen Kapitel beantwortet bzw. dort wurde die entsprechende Literatur genannt, so daß ich mir hier eine Wiederholung erspare.

Seine ganze Art der Argumentation weist darauf hin, daß Dr. Clair keine fundierten Chemie-Kenntnisse hat. Natürlich bildet sich Berlinerblau aus Cyaniden und auch aus Blausäure. Er muß nur einmal ein mit Eisen(II)- und Eisen(III)-Salzen getränktes Papier in eine blausäurehaltige Atmosphäre halten. Das Blatt färbt sich in Sekundenschnelle blau! Daß Blausäure erstmalig aus Berlinerblau erzeugt wurde, ist zudem falsch. Es wurde aus Blutlaugensalzen erzeugt, die freilich die direkten Vorstufen zu Berlinerblau sind. Dr. Clairs künstliche Unterscheidung zwischen Cyaniden und Berlinerblau ist ebenfalls sachlich falsch, und auch seine Bemerkung, CO2 sei Verantwortlich für die Freisetzung von HCN aus Cyaniden, darf ich korrigieren: Cyanidsalze geben selbst in CO2-freier Luft HCN ab, insbesondere wenn sie hygroskopisch (wasseranziehend) sind, wie z.B. Zyankali. Das Cyanid-Ion ist eine schwache Base und wird daher von Wasser partiell protolysiert, d.h.: HCN wird freigesetzt. Dazu bedarf es keines CO2. Aber diese Kleinigkeiten, und das ist das Entscheidende, haben überhaupt keine Aussagekraft bezüglich der uns bewegenden Frage. Der von M. Clair aufgebaute Gegensatz zwischen Erzeugung von HCN aus Berlinerblau und Entstehung von Berlinerblau aus HCN ist gar kein Gegensatz, sondern ein und dieselbe chemische Gleichung, jeweils vom anderen Ende her betrachtet.

Auch die Befragung eines langjährigen Fabrikdirektors, der wohl vornehmlich mit Verwaltungsaufgaben betraut war, bringt keine Aufklärung bezüglich der Frage, ob Blausäurebegasungen blaufleckige Wände ergeben können. Schließlich darf man davon ausgehen, daß Industrieunternehmen, die mit Blausäure arbeiten, ihre aus Mörtel und Beton errichteten Werkshallen nicht unter Blausäuregas setzen, denn das würde die Belegschaft nicht überleben. Die giftige Blausäure wird, wie alle anderen schädlichen Chemikalien auch, in hermetisch abgeschlossenen Systemen aufbewahrt, die in der Regel aus Glas, Kunststoffen und korrosionsfesten Metallegierungen bestehen. Mir jedenfalls sind noch keine chemischen Gefäße aus – porösem und damit gefährlichem – Beton und Mörtel untergekommen.

Dr. Clairs Annahme, ich hätte noch nie mit Blausäure gearbeitet, muß ich widersprechen. Im Zuge meiner Untersuchungen zu meinem Gutachten habe ich sehr wohl mit Cyanidsalzen und auch mit flüssiger Blausäure gearbeitet, habe ein feines Näschen für den spezifischen HCN-Geruch entwickelt und habe auch einen kontrollierten partiellen "Selbstvergiftungsversuch" mit gasfärmiger Blausäure heil, wenn auch etwas benommen, überstanden.

Dr. Clairs Erlebnis mit dem nach Blausäure riechenden Labor beweist vor allem, daß er nicht logisch durchdacht argumentiert. Man wird unwidersprochen feststellen dürfen, daß auch ein intensiver Geruch nach Blausäure nichts über den absoluten Gehalt des Giftgases in der Luft aussagt. Insbesondere bei Menschen, die wie M. Clair den Geruch von Blausäure gut wahrnehmen können (das gilt beileibe nicht für alle Menschen), und die aufgrund ihrer Erfahrung sehr gut wissen, was sie da riechen. Ich selbst habe in meinem Schlafzimmer feuchte, mit Blausäure begaste Mörtelproben viele Wochen aufbewahrt. Besonders in den ersten zwei Wochen stank es in meinem Zimmer bestialisch nach Blausäure. Gestorben bin ich daran nicht, denn ich konnte vorher sehr gut ausrechnen, daß die in den Proben enthaltene Menge an Blausäure nur dann gefährlich werden könnte, wenn sie schlagartig und vollkommen freigesetzt würde.

Da also ein bestimmter Blausäuregeruch nichts über die Gefährlichkeit des Gehalts in der Luft aussagt, kann man auch mit dem Erlebnis von Dr. Clair schlechterdings nichts beweisen. Dafür hätte Dr. Clair den Gehalt schon exakt messen müssen.

Ich stimme mit Dr. Clair überein, daß die Gefährlichkeit der Blausäure bisweilen übertrieben wird, möglicherweise, weil viele Menschen heute bei dem Stichwort "Giftgas" die tatsächlich sekundenschnell wirkenden "modernen" Nervengifte vor Augen haben. Aber Blausäure ist kein Nervengift, sondern ein – im Vergleich zu diesen – recht langsam wirkendes Atmungsgift. Und trotz all meines manchmal leichtfertigen Umgangs mit dem Gift lebe ich, wie man sieht, immer noch.

Noch in einem weiteren Punkt darf ich Dr. Clair zustimmen: Die relativ große Geschwindigeit, mit der in Auschwitz angeblich mit Blausäure gemordet worden sein soll, spricht eher für die Anwendung flüssiger Blausäure als für Zyklon B, da dieses Präparat das Gift recht langsam abgibt.[21] Allerdings gibt es für die Anwendung flüssiger Blausäure keine Beweise bzw. nur dem zuwiderlaufende Indizien, so daß man diesbezüglich einen Kaiser ohne Kleidern vor sich hat: Die alten Kleider (Zyklon B) sind weg und neue gibt es nicht.

Bezüglich der von Dr. Clair für zu hoch gehaltenen Lüftungszeiten darf ich folgendes anführen:

  1. Zyklon B braucht mindestens eine Stunde, wenn nicht gar zwei Stunden, bis der größte Teil der Blausäure verdampft ist.
  2. Die Flüchtigkeit der Blausäure hilft bei der Lüftung nicht, wenn sie in geschlossenen Räumen ohne oder mit nur unzureichenden Lüftungsanlagen eingesetzt wird.
  3. Um die Menschen in den Gaskammern den Aussagen konform mit Zyklon B schnell zu töten, bedurfte es großer Zyklon B- und damit auch großer Blausäureüberschußmengen. Dadurch wäre der HCN-Gehalt nach dem Tod der Opfer nicht so einfach unter die gefährliche Marke abzusenken gewesen.
  4. Die These von der Wertlosigkeit des Lebens der Häftlinge ist angesichts des Aufwandes, den die SS insbesondere im Bereich der Seuchenprävention und des Krankenwesens trieb, nicht glaubwürdig. Aber selbst wenn das Leben der Häftlinge in den Augen der SS nicht viel wert gewesen wäre, so würde sich die SS dennoch gehütet haben, diese "Geheimnisträger" zu verheizen, da man dann immer mehr Menschen in das "Geheimnis" hätte einweihen müssen. Und zudem sind viele Überlebende des Sonderkommandos Beweis dafür, daß es offenbar selbst beim Einsatz über viele Monate und Jahre hinweg nicht gefährlich war, was da gemacht wurde – was auch immer das tatsächlich war. Zudem gibt es meines Wissens keine Zeugenaussagen, die von während der Arbeiten vergifteten Mitgliedern der "Sonderkommandos" berichten. Das wurde wohl bei der Abgleichung der Aussagen bisher übersehen und sollte daher nachgeholt werden.

Zu Dr. Clairs Irritationen bezüglich meiner unterschiedlichen Bewertung der Fachleute Walter Lüftl und Dr. Josef Bailer darf ich folgendes ausführen: Walter Lüftl hatte damals, als er sein revisionistisches Papier verfaßte, das Amt des Präsidenten der österreichischen Bundesingenieurkammer ehrenhalber inne. Hauptberuflich ist er seit vielen Jahren als Sachverständiger im Bauwesen tätig und hat in dieser Funktion schon Tausende von Gerichtsgutachten angefertigt. Lüftls damaliges Papier, das ihm sein Ehrenamt kostete, argumentiert auf vielen Ebenen, worunter die chemische nur einen Teilaspekt bildet.[22] Daß im Gegensatz zu den technischen Ausführungen, die jeder Kritik standhalten, Lüftls chemische Ausführungen nicht felsenfest sind, wurde bereits anderswo kurz angeschnitten.[23] Aber die Chemie ist, wie gesagt, nicht der Hauptpfeiler dieses Papiers.

Dr. Clairs blindes Vertrauen in den Chemiker Dr. Bailer ist rührend. Vielleicht beruht dieses Vertrauen darauf, daß beide ähnliche Arbeits- und Argumentationsweisen haben: Man behauptet etwas, belegt es mit einem flotten, aber inhaltsleeren Spruch (»normaler chemischer Hausverstand« hier und »Man hat im Gegenteil durch das Preußisch Blau zum ersten Mal die Blausäure entdeckt« da) oder mit dem Zitat eines lieben Mitmenschen von nebenan (reagenzglasschüttelnde Studenten hier und der greise Ex-Fabrikdirektor da), kümmert sich aber nicht darum, was die Fachwissenschaft zu der Frage meint, selbst wenn man deren Argumente und Publikationen mit exakten Quellenangaben angegeben bekommt.

Die Promotion setzt bekanntermaßen die Fähigkeit zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten voraus. Wäre nicht bekannt, daß es sich sowohl bei Herrn Bailer als auch bei Herrn Clair um promovierte Wissenschaftler handelt, so wäre dies jedenfalls ihren Kritiken an meinem Gutachten nicht zu entnehmen gewesen.


Anmerkungen

[1]Wiener Library, University Campus, P.O. Box 39040, Ramat Aviv, Tel Aviv 69978, Israel.
[2]Anm. 1, S. 6: »The "Proofs".
The style, expression, and "scientific" conclusion of the "report" are surely those of a racist and anti-Semite, who does not leave out any of the arguments of the "typical" Holocaust denier.«
[3]Sonderveröffentlichung des Reichsarbeitsblattes, Berlin 1943, S. 35ff.
[4]R. Kammerer, A. Solms (Hg.), Das Rudolf Gutachten, Cromwell Press, London 1993, S. 15 (erhältlich bei VHO).
[5]Anm. 1, S. 8: »The fact that cyanid was found in the hair (of the victims) is no proof of human gassing, as it would be "easier and more useful to cut the clean hair of the people before the killing".«
[6]Endnote 16 im Gutachten, aaO. (Anm. 4): Schreiben des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes, Oranienburg, vom 6.8.1942, IMT-Dokument 511-USSR, zitiert nach: Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof, Nürnberg 1949, S. 553f. Darin wird die Wiederverwertung von Häftlings-Schnitthaar ab 20 mm Schnittlänge befohlen.
[7]Da alle weiteren von Frau Rembiszewski angesprochenen Punkte ebenfalls nur Nebensächlichkeiten meines Gutachtens berühren, sollen sie hier nicht weiter diskutiert werden. Eine Kopie des 15-seitigen Berichtes kann bei VHO gegen Einsendung von DM 5,- angefordert werden.
[8]Anm. 1, S. 3: »But why should an experienced and successful chemist like Rudolf, get involved in Holocaust revisionism, risking his career and reputation? [Welch’ Öl auf offene Wunden! GR]
It seems obvious that the payment he received must have been considerable, as the financiers of these "reports" are usually very generous.«
[9]Jan Markiewicz, Wojciech Gubala, Jerzy Labedz, Z Zagadnien Nauk Sadowych, Z. XXX, 1994, S. 17-27.
[10]Jan Markiewicz, Wojciech Gubala, Jerzy Labedz, B. Trzcinska, Gutachten, Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, 24. September 1990; teilweise veröffentlicht z.B. in: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 1991, 39(2), S. 18f.
[11]Ernst Gauss, Vorlesungen über Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1993, S. 182ff.; vgl. auch im Gutachten, aaO. (Anm. 4), S. 82f.
[12]Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, Schreiben an W. Wegner, o.D. (Winter 91/92), o.A. (unleserliche Unterschrift), zitiert aaO., vorhergehende Anmerkung.
[13]Ernst Gauss, Vorlesungen über Zeitgeschichte, aaO. (Anm. 11).
[14]Germar Rudolf, »Leuchter-Gegengutachten: Ein Wissenschaftlicher Betrug?«, in: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 1995, 43(1), S. 22-26; Germar Rudolf und Jan Markiewicz, Wojciech Gubala, Jerzy Labedz, Briefwechsel, in: Sleipnir, 1995, 1(3), S. 29-33, Verlag der Freunde, Postfach 35 02 64, 10211 Berlin; beides erneut abgedruckt in: Herbert Verbeke (Hg.), Kardinalfragen zur Zeitgeschichte, Vrij Historisch Onderzoek, Berchem 1996, S. 81-90 (erhältlich bei VHO).
[15]J. Bailer, »Der Leuchter-Bericht aus der Sicht eines Chemikers«, in: Amoklauf gegen die Wirklichkeit, Dokumentationszentrum des österreichischen Widerstandes, Bundesministerium für Unterricht und Kultur (Hg.), Wien 1991, S. 47-52.
[16]Ernst Gauss, "Ein promovierter Chemiker blamiert sich", in: Vorlesungen über Zeitgeschichte, aaO. (Anm. 11). Bailer behauptet: »Es ist aber unwahrscheinlich, daß sich in den Mauern Berlinerblau bildet, weil das Eisen in Ziegeln und in gebranntem Kalk in der für die Reaktion ungünstigen dreiwertigen Form vorliegt und weil alkalisches Milieu die Reaktion hindert.«, aaO., vorhergehende Anm.
[17]Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994, S. 401-404 (erhältlich bei VHO); basierend auf: Günter Zimmermann (Hg.), Bauschäden Sammlung. Sachverhalt – Ursache – Sanierung, Band 4, Forum-Verlag, Stuttgart 1981, S. 120f.
[18]J. Bailer, in: B. Bailer-Galanda, W. Benz, W. Neugebauer (Hg.), Wahrheit und Auschwitzlüge, Deuticke, Wien 1995, S. 112-118, hier S. 114.
[19]Ebenda, S. 114, Fußnote 291.
[20]Germar Rudolf, »Zur Kritik an "Wahrheit und Auschwitzlüge"«, in: Herbert Verbeke (Hg.), Kardinalfragen zur Zeitgeschichte, aaO. (Anm. 14), S. 91-108 (erhältlich bei VHO).
[21]Vgl. dazu den Beitrag von Wolfgang Lambrecht, "Zyklon B – eine Ergänzung", in: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung, 1(1) (1997), S. 2-5.
[22]»Holocaust (Glaube und Fakten)«, publiziert auf englisch im The Journal of Historical Review 12(4), Winter 1992/1993, S. 391-420.
[23]Werner Rademacher, »Der Fall Lüftl, oder: Die Justiz zur Zeitgeschichte«, in: Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, aaO. (Anm. 17), Fußnote 3.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(2) (1997), S. 104-108.


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