Verhörprotokolle Kurt Prüfers

Alle zitierten Protokolle und Dokumente befinden sich im Dossier N-19262 der Federalnaja Sluzhba Besopasnosti Rossiskoi Federatsii

5. März 1946. Wir, der Leiter der 2. Abteilung von "Smersch" der 8. Armee, Kapitän der Garde Schatanwoski, und der stellvertretende Leiter der zweiten Abteilung, Gardemajor Moruschenko, verhörten den Häftling

Prüfer Kurt, Sohn des Hermann, geboren 1891 in Erfurt, aus einer Arbeiterfamilie, Angestellter, mit mittlerer technischer Ausbildung, Ingenieur, Deutscher, Bürger des deutschen Staates, Bewohner von Erfurt (…)

Frage: Ab welchem Jahr waren Sie Mitglied der nationalsozialistischen Partei?

Antwort: Mitglied der nationalsozialistischen Partei wurde ich schon bald nach der Machtergreifung Hitlers, im Mai 1933.

Frage: Seit wann und in welcher Funktion sind Sie bei der Firma Topf tätig?

Antwort: Ich arbeite seit 1920 bei der Firma Topf im Betrieb zu Erfurt. Bis 1923 war ich Techniker; von 1923 bis vor kurzem war ich als leitender Ingenieur der Abteilung für Krematorienbau und Heizung tätig.

Frage: Wieviele Krematorien wurden von der Firma Topf im Verlauf der Jahre errichtet?

Antwort: Von 1912 bis 1933 erbaute sie 110 Krematorien, oder 110 Verbrennungsöfen. Von 1933 bis 1945 wurden bis zu 50 Verbrennungsöfen errichtet. Von 1942 bis 1945 wurden bis zu 25 Verbrennungsöfen erbaut.

Frage: Ab welchem Jahr, wo und in welcher Zahl wurden Krematorien für die Konzentrationslager Deutschlands errichtet?

Antwort: Man began in der Firma Topf ab 1940 mit dem Bau von Krematorien für die Konzentrationslager, und sie wurden in folgenden Konzentrationslagern erbaut:

In Buchenwald: Ein Krematorium mit zwei Öfen im Jahre 1941.

In Dachau: Ein Krematorium mit einem Ofen im Jahre 1940.

In Mauthausen: Ein Krematorium mit einem Ofen im Jahre 1943.

In Auschwitz: Vier Krematorien mit zwölf Öfen in den Jahren 1943 und 1944.

Frage: Inwiefern unterschieden sich die Krematorien für die Konzentrationslager von den zivilen?

Antwort: In den Zivilkrematorien gab es eine Einführungsöffnung (Muffel) zur Verbrennung der Leiche, in seltenen Fällen zwei. In den Krematorien für die Konzentrationslager gab es drei Einführungsöffnungen. Die Grösse der Einführungsöffnung ist in den Krematorien für die Konzentrationslager geringer – 70 x 70 cm -, die Länge zwei Meter, gegenüber zwei Meter dreissig bei den Zivilkrematorien.

Anstelle eines Rollwagens auf Schienen, auf denen die in einem Sarg befindliche Leiche in die Einführungsöffnung fährt, wird in den Krematorien für die Konzentrationslager der Leichnam auf einer von Hand getragenen Bahre ohne Sarg in den Ofen eingeschoben.

In den zivilen Krematorien wird mittels eines spezielle Blasebalgs bereits vorher erhitzte Luft einasen, worurch die Leiche rascher und ohne Rauch verbrennt.

Die Konstruktion der Krematorien für die Konzentrationslager ist anders; sie ermöglicht es nicht, die Luft im voraus zu erhitzen, weshalb die Leiche langsamer und unter Rauchentwicklung verbrennt. Um den Rauch sowie den Geruch des verbrennenden Leichnams zu verringern, wird eine Ventilation eingesetzt.

Frage: Welche Anzahl von Leichen konnte in Auschwitz pro Stunde in einem Krematorium verbrannt werden?

Antwort: In einem Krematorium, das fünf Öfen oder fünfzehn Öffnungen (Muffeln) aufwies, verbrannte man in einer Stunde fünfzehn Leichen.

Frage: Seit wann erhielten Sie persönlich den Auftrag, Krematorien für die Konzentrationslager zu erbauen?

Antwort: Im Jahre 1940 liess mich Firmenchef Ludwig Topf zu sich kommen und schlug mir vor, Krematorien zu errichten, in denen jeder Ofen drei Einführungsöffnungen (Muffeln) besitzen sollte. Er wies mich darauf hin, dass die Bestellung von der SS-Führung stammte.

Ich machte mich unverzüglich an die Konstruktion eines Krematoriumsofens mit drei Muffeln. Es gilt darauf hinzuweisen, dass ich schon 1939 zusammen mit Ludwig Topf solche Öfen mit drei Muffeln konstruiert und meine Projekte dem Kriegsministerium Deutschlands vorgelegt hatte.

Im Jahre 1940 akzeptierte die SS das Krematorium mit den von mir konstruierten Öfen. Ein paar Wochen später erfuhr ich, dass diese von mir erbauten Öfen von der SS-Führung für den Bau von Krematorien in Konzentrationslagern akzeptiert worden waren.

Frage: Wer beteiligte sich zusammen mit Ihnen an der Konstruktion der Krematorien?

Antwort: Ich konstruierte den Ofen des Krematoriens, der Techniker Keller zeichnete sie, doch die die Luftleitung zum Ofen sowie die Ventilation des Krematoriums entwarf Schultze. Letzter beteiligte sich 1941/1942 an der Arbeit.

Frage: Wie oft und zu welchem Zweck reisten Sie ins Konzentrationslager Auschwitz?

Antwort: Nach Auschwitz fuhr ich als Konstrukteur und Leiter der Abteilung für Krematorienbau fünfmal. Das erste Mal anfang 1943, um von der SS Anweisungen zu erhalten, wo man das Krematorium aufstellen solle. Das zweite Mal im Frühjahr 1943, um den Platz zu besichtigen und den Grund zur Errichtung des Krematoriumkamins zu untersuchen. Das dritte Mal im Herbst 1943; ich wurde von der SS-Führung bestellt, weil beim Bau des Krematoriumkamins Fehler aufgetreten waren. Das vierte Mal anfang 1944, um den Krematoriumkamin zu untersuchen, dessen inneres feuerfestes Ziegelwerk zu zerbröckeln begann. Das fünfte Mal im September/Oktober 1944; ich wurde von der SS-Führung bestellt, um die Krematorien des Lagers Auschwitz auseinanderzunehmen und die Einrichtungsgegenstände sowie das Ziegelwerk sorgfältig zusammenzupacken, damit sie an einen anderen Ort überführt werden konnten. Meiner Meinung nach hing dies damit zusammen, dass die Front näher rückte.

Zwar tat ich bei all meinen Reisen das Notwendige, um die Anweisungen der SS-Führung des Konzentrationslagers zu erfüllen, doch letzteres konnte ich nicht ausführen, weil es keine Arbeitskräfte gab, und deswegen wurden die Krematorien nicht auseinandergenommen.

Frage: Waren Sie zusammen mit Schultze auf einer Dienstreise im Konzentrationslager Auschwitz?

Antwort: Ja. Ich war auf der Dienstreise im Frühling 1943 zusammen mit Schultze im Konzentrationslager Auschwitz.

Frage: Was beobachteten Sie zusammen mit Schultze im Lager Auschwitz?

Antwort: Ich sah persönlich, wie eine SS-Frau mit Hunden weibliche Häftlinge in die Baracken trieb.

Ich sah auch Juden, die unter Bewachung der SS mit den Händen Erde ausgruben und von einem Ort zum anderen trugen.

Als ich im Krematorium war, sah ich selbst, ungefähr um 10 Uhr morgens, dass auf dem Boden bis zu 60 Leichen von Männern und Frauen verschiedenen Alters lagen, die zur Einäscherung im Krematorium vorbereitet waren.

In meiner Gegenwart wurden sechs Leichen verbrannt und ich kam zum Schluss, dass die Öfen gut arbeiteten.

Frage: Sahen Sie neben den Krematorien [vozle krematoriev] Gaskammern?

Antwort: Ja, ich sah eine Gaskammer von aussen; es verlief eine hölzerne Baracke, von ihr gab es eine Verbindung mit der Gaskammer; von der Gaskammer gab es eine Verbindung mit dem Krematorium [schol derevjanyj barak, ot nevo bylo soobschtschenie s gaskameroi, ot gaskamery bylo soobschtschenie s krematoriem].

Frage: Wussten Sie, dass in den Gaskammern und Krematorien eine Vernichtung völlig unschuldiger Menschen durchgeführt wurde?

Antwort: Ab Frühling 1943 wusste ich, dass im Konzentrationslager Auschwitz in Gaskammern völlig unschuldige Menschen vernichtet und ihre Leichen dann in Krematorien verbrannt wurden.

Frage: Was erzählte Ihnen Schultze Karl von den Leichen, die Sie beim Krematorium liegen sahen?

Antwort: Schultze sagte mir damals im Frühling 1943 morgens im Krematorium zu den dort liegenden Leichen von bis zu sechzig Männern, Frauen und Kindern, dass man sie in Gaskammern ermordet habe.

Frage: Welche Ausstattung für die Gaskammern entwarf die Firma Topf?

Antwort: Die Gaskammer nannte man anfangs im Betrieb "Raum für Leichen", wo von der Firma Topf eine Lüftung eingerichtet wurde, doch später wurde klar, dass dies eine Gaskammer zur Tötung von Menschen war.

Frage: Wer war der Konstrukteur der Lüftungseinrichtungen in den Gaskammern?

Antwort: Der Konstrukteur der Lüftungseinrichtungen in den Gaskammern war Schultze, er richtete sie ein.

Frage: Erklären Sie wahrheitsgemäss, warum in den Kaminen des Krematoriums im Lager Auschwitz die innere Schamottverkleidung so oft zerbröckelte!

Antwort: Die innere Schamottverkleidung der Krematoriumskamine in Auschwitz begann bereits nach einem halben Jahr als Folge der kolossalen Belastung zu zerbröckeln, welchen diese Krematorien im Konzentrationslager ausgesetzt waren.

Frage: Somit haben Sie, obwohl Sie schon im Frühling 1943 darüber Bescheid wussten, dass die von Ihnen konstruierten Krematoriumsöfen zur Vernichtung unschuldiger Menschen dienten, trotzdem auf diesem Gebiet weitergearbeitet?

Antwort: Ja, das stimmt. Obgleich ich darüber Bescheid wusste, dass die von mir konstruierten und gebauten Krematoriumsöfen in den Konzentrationslagern zur Vernichtung unschuldiger Menschen bestimmt waren, habe ich dennoch auf diesem Gebiet weitergearbeitet und war in Auschwitz noch zweimal in den Lagern [Plural].

Frage: Sprach Willi Wimoli mit Ihnen darüber, dass in den Öfen des Krematoriums lebende Menschen verbrannt wurden?

Antwort: Ja, ein solches Gespräch gab es in letzter Zeit, wann genau weiss ich nicht mehr, doch ich erinnere mich, dass ich ihm damals sagte, dies könne nicht wahr sein, weil die Öfen dafür zu klein seien.

Frage: Was bewog Sie dazu, auch nachdem Sie erfahren hatten, dass die von Ihnen konstruierten Krematorien zur Venichtung von Menschen bestimmt waren, dazu, bei der Firma Topf zu bleiben und auch weiterhin als Konstrukteur beim Bau dieser Krematorien zu arbeiten?

Antwort: Ich hatte einen Vertrag mit der Firma Topf und begriff, dass meine Arbeit sehr wichtig für den nationalsozialistischen Staat war, und dass ich, falls ich diese Arbeit aufgeben sollte, von der Gestapo vernichtet würde. Davor fürchtete ich mich, und ich arbeitete weiterhin als Konstrukteur und Leiter der Abteilung für Krematorienbau.

Meine Aussagen sind richtig niedergeschrieben worden; sie wurden mir in deutscher Übersetzung vorgelesen, und ich unterschreibe in dieser Sprache.

...


Protokoll des Verhörs vom 7. März 1946

Befrager: Gardeleutnant Malyschko

Befragter: Kurt Prüfer

Frage: Wo lebt Ihre Familie gegenwärtig?

Antwort: Meine Familie? Meine Frau lebt im Dorf Bischlibin (?), Ankirchweg 2.

Frage: Welche Funktion bekleideten Sie in der NSDAP?

Antwort: Ich trat der nationalsozialistischen Partei 1933 bei, bekleidete jedoch keine führenden Positionen.

[Das Verhör vom 7. März bestand nur aus diesen beiden Fragen.]


Protokoll des Verhörs vom 15. März 1946

Befrager: Gardehauptmann Morskoi

Befragter: Kurt Prüfer

Dolmetscher: Dazjuk

Frage: Nachdem Sie der NSDAP 1933 beigetreten waren, welche führenden Positionen bekleideten Sie in dieser Partei?

Antwort: Während der ganzen Zeit meiner Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen Partei bekleidete ich keine führenden Positionen.

Frage: In welchen faschistischen Organisationen ausser der NSDAP waren Sie noch Mitglied?

Antwort: Ausser der NSDAP gehörte ich den nationalsozialistischen Organisationen Arbeitsfront (ab 1933) sowie NSVAU (ab 1935) an. In den genannten Organisationen bekleidete ich ebenfalls keine leitenden Stellungen.

Frage: Was ist Ihr Beruf?

Antwort: Ich bin von Beruf Bauingenieur.

Frage: Wo und als was arbeiteten Sie zuletzt?

Antwort: Ab 1920 bis in jüngster Vergangenheit arbeitete ich im Betrieb der Firma Topf in Erfurt. Anfänglich war ich dort als Techniker tätig, nachher als leitender Ingenieur der Abteilung für Krematorienbau und Heizung.

Frage: Beschäftigten Sie sich mit dem Bau von Krematorien?

Antwort: Ja, ich arbeitete im Betrieb der Firma Topf als Hauptingenieur der Abteilung Krematorienbau und Heizung und konstruierte während dieser Zeit Krematorien.

Frage: Welche Krematorientypen konstruierten Sie?

Antwort: Ich konstruierte stationäre und mobile Typen von Krematorien.

Frage: Wann ging die Firma Topf zum Bau von Krematorien für die Konzentrationslager über?

Antwort: Krematorien für die Konzentrationslager began die Firma Topf 1940 oder 1941 zu erbauen; genau erinnere ich mich nicht.

Frage: Von wem trafen die Aufträge für den Bau von Krematorien für die Konzentrationslager ein?

Antwort: Die Aufträge für den Bau von Krematorien trafen von der SS-Konzentrationslagerführung ein, aber auch von der Reichsführung SS in Berlin.

Frage: Befassten Sie sich persönlich mit Konstruktion und Bau von Krematorien für die Konzentrationslager?

Antwort: Ja, ab 1940 begann ich Krematorien für die Konzentrationslager zu konstruieren und zu bauen. In diesem Jahr wurde ich zum Firmenchef Ludwig Topf gerufen, der mir vorschlug, Krematorien zu errichten, bei denen jeder Ofen drei Einführungsöffnungen/Muffeln aufweisen sollte. Damals machte mich Topf darauf aufmerksam, dass diese Bestellung von der SS-Führung eingetroffen war und pünktlich erfüllt werden musste.

Es gilt darauf hinzuweisen, dass ich zusammen mit Ludwig Topf schon 1939 Öfen mit drei Muffeln konstruiert und meine Projekte dem Kriegsministerium Deutschlands vorgelegt hatte. 1940 akzeptierte die SS-Führung die von mir konstruierten Krematorien mit drei Einführungsmuffeln, wonach die Firma Topf unter meiner direkten Beteiligung zum Bau besagter Krematorien für die Konzentrationslager überging.

Frage: Wodurch unterschieden sich die von Ihnen konstruierten Krematorien für die Konzentrationslager von den anderen von Ihnen erbauten Krematorien?

Antwort: Der Unterschied zwischen den von mir konstruierten und erbauten Krematorien für die Konzentrationslager und den anderen von mir erbauten, zivilen Krematorien besteht darin, dass in den Öfen ersterer drei Einführungsöffnungen/Muffeln vorhanden waren und bei zweiteren nur eine, selten zwei. Die Krematorien mit drei Öffnungen wurden darum errichtet, weil sie eine grössere Kapazität besassen, d.h. weil man in ihnen mehr Leichen einäschern konnte. Ausserdem sparten erwähnte Krematorien auch Brennstoff ein.

Frage: Wieviele Krematorien wurden unter Ihrer direkten Beteiligung für die Konzentrationslager erbaut?

Antwort: Ab 1940 und bis 1944 wurden unter meiner direkten Beteiligung bis zu 20 Krematorien für die Konzentrationslager Deutschlands erbaut.

Frage: Für welche Lager denn?

Antwort: Die Firma Topf baute Krematorien für folgende Lager: Buchenwald, Dachau, Mauthausen, Auschwitz, Gross-Rosen.

Frage: Wer genehmigte Ihre Projekte?

Antwort: Die Projekte der von mir konstruierten Krematorien überprüfte der Hauptingenieur der Firma Topf, Sander, der eine Zeitlang auch die Abteilung Krematorienbau geleitet hatte. Sander überprüfte meine Projekte und fand in ihnen Mängel, nahm seine Verbesserungen vor, wonach er diese Projekte persönlich guthiess und sie dann Ludwig Topf zur Billigung vorlegte.

Frage: Wer nahm zusammen mit Ihnen am Krematorienbau teil?

Antwort: Zusammen mit mir nahmen am Krematorienbau der Technker Keller und der Ingenieur Schultze teil. Ich konstruierte den Krematoriumsofen, Keller zeichnete, und Schultze konstruierte das Saugzugäse sowie die Ventilation für das Krematorium.

Frage: Ab wann sich begann sich Schultze zusammen mit Ihnen mit der Konstruktion der äse und der Ventilation zu befassen?

Antwort: Schultze begann sich 1940 oder 1941 zusammen mit mir mit dem Bau der äse und der Ventilation zu befassen: an das genaue Jahr erinnere ich mich nicht mehr.


Protokoll des Verhörs vom 19. März 1946

Befrager: Gardehauptmann Morskoi

Befragter: Kurt Prüfer

Dolmetscher: Dazjuk

Frage: Sagen Sie, hat die Firma Topf Gaskammern erbaut?

Antwort: Nein, die Firma Topf baute keine Gaskammern. Besagte Firma errichtete lediglich Lüftungseinrichtungen für Gaskammern; mit dem Entwurf und der Installation der Lüftungseinrichtungen befasste sich Ingenieur Schultze.

Frage: Wieviele Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern hat Schultze installiert, und in welchen Konzentrationslagern?

Antwort: Schultze installierte lediglich zwei Lüftungseinrichtungen für zwei Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz; was die anderen Lüftungseinrichtungen und Saugzuggebläse betrifft, so waren diese für die Öfen der Krematorien in den Konzentrationslagern bestimmt.

Frage: In welche Lager sind Sie gefahren?

Antwort: Ich bin in die Konzentrationslager Buchenwald, Auschwitz und Gross-Rosen gefahren.

Frage: Wann haben Sie besagte Konzentrationslager aufgesucht?

Antwort: Ins Konzentrationslager Buchenwald fuhr ich Ende 1940 oder Anfang 1941, genau erinnere ich mich nicht. Ins Konzentrationslager Gross-Rosen fuhr ich 1943 und im Konzentrationslager Auschwitz war ich von 1941 bis 1944 sechsmal.

Frage: Zu welchem Zweck reisten Sie in die Konzentrationslager?

Antwort: Nach Buchenwald fuhr ich zur Aufstellung der Öfen im Konzentrationslagerkrematorium. Ins Konzentrationslager Auschwitz fuhr ich zur Installierung und Aufstellung der Öfen in den dort erbauten Krematorien, aber auch zur Installierung der Öfen in der Entwesungskammer [v desinfekzionnoi kamere].

Frage: Wieviele Krematorien gab es im Konzentrationslager Auschwitz?

Antwort: Im Konzentrationslager Auschwitz gab es vier Krematorien, in welchen ich zwölf Öfen aufstellte, die von mir konstruiert und erbaut worden waren. Von besagten Krematorien besassen zwei jeweils einen Ofen, die beiden anderen jeweils fünf Öfen; in letzteren installierte Ingenieur Schultze die Lüftungseinrichtungen.

Frage: Wurden während Ihrer Anwesenheit im Konzentrationslager Auschwitz die Krematorien erprobt?

Antwort: Von den sechs Malen, als ich das Konzentrationslager Auschwitz aufsuchte, wurde nur einmal, anfang 1943, in meiner Anwesenheit eine Erprobung zweier der von mir im neuerbauten Krematorium aufgestellten fünf Öfen durchgeführt. In allen wurden sechs Leichen von Männern verschiedenen Alters verbrannt, und dort im Krematorium lagen auch Leichen von Frauen und Kindern, die in den Gaskammern ermordet worden waren und die im Krematorium verbrannt werden sollten. Die Gesamtzahl der Leichen betrug ungefähr sechzig.

Frage: Wie haben Sie bei der Verbrennung der Leichen ermordeter, unschuldiger Menschen mitgewirkt?

Antwort: Ich überprüfte, ob die von mir installierten Öfen im Krematorium funktionierten.

Frage: Welche Schlussfolgerung zogen Sie?

Antwort: Ich zog die Schlussfolgerung, dass die von mir erbauten Öfen im Krematorium gut und störungsfrei arbeiteten.

Frage: Wer von den Ingenieuren und Technikern beim Personal der Firma Topf nahm ausser Ihnen an der Installierung der Krematorien teil?

Antwort: Bei der Installierung der Krematorien im Frühling 1943 war ausser mir auch Ingenieur Schultze im Konzentrationslager zugegen.

Frage: Was war Schultzes Anteil bei der Leichenverbrennung?

Antwort: Die Teilnahme Ingenieur Schultzes bei der Verbrennung der Leichen der in der Gaskammer Ermordeten bestand darin, dass er bei der Leichenverbrennung eine Überprüfung der Lüftungseinrichtungen im Krematorium durchführte.

Frage: Wie lange hielten Sie sich im Konzentrationslager Auschwitz auf?

Antwort: Mehr als zwei Tage nach meinen Reisen ins Konzentrationslager Auschwitz hielt ich mich dort nicht auf.

Frage: Fuhren Sie im Frühjahr 1943 mit Ingenieur Schultze dorthin?

Antwort: Nein, ins Konzentrationslager Auschwitz war Ingenieur Schultze schon einige Tage vor meiner Ankunft gefahren.

Frage: Ab wann war Ihnen bekannt, dass man in den Konzentrationslagern unschuldige Menschen vernichtete und verbrannte?

Antwort: Davon erfuhr ich im Frühling 1943, als in meiner Anwesenheit bei der Erprobung der Öfen im Krematorium dort die Leichen von in der Gaskammer des Konzentrationslagers Auschwitz ermordeter Menschen verbrannt wurden.

Frage: Als Sie von der Geschäftsreise im Frühling 1943 aus dem Konzentrationslager Auschwitz zur Firma Topf zurückkehrten, mit wem unterhielten Sie sich da über Ihren Aufenthalt in Auschwitz?

Antwort: Als ich im Frühling 1943 von der Geschäftsreise aus dem Konzentrationslager Auschwitz zurückkehrte, unterhielt ich mich mit Firmenchef Ludwig Topf und mit Hauptingenieur Sander.

Frage: Was berichteten Sie Sander über Ihre Reise nach Auschwitz?

Antwort: Ich berichtete Sander, dass ich bei der Erprobung der Öfen im Krematorium des Konzentrationslagers Auschwitz zugegen gewesen und zum Schluss gelangt sei, die Krematorien könnten eine solche Anzahl von Leichen, wie dort zu verbrennen war, nicht bewältigen, da die Öfen der Krematorien zu wenig leistungsfähig waren. Dabei führte ich gegenüber Sander als Beispiel an, dass in Auschwitz in meiner Gegenwart jeweils zwei Leichname in eine Einführungsöffnung/Muffel eingeschoben wurden statt eines einzigen, und dass die Öfen des Krematoriums dann diese Belastung nicht aushielten, weil es sehr viele Leichen zu verbrennen gab. Damals sagte ich Sander auch, dass die Leichen, die ich gesehen hatte, von Menschen stammten, die man zuvor in Gaskammern ermordet hatte.

Frage: Machten Sie sich nach dem Gespräch mit Sander an den Entwurf neuer, verbesserter Krematorien für die Konzentrationslager?

Antwort: Nein, wir bauten auch weiterhin Krematorien derselben Typen für die Konzentrationslager. Es ist mir allerdings bekannt, dass sich Sander persönlich mit dem Entwurf eines neuen, verbesserten Krematoriumtyps befasste, doch kann ich konkret nichts über dieses Projekt sagen.

Frage: Wenn Sie doch wussten, dass in den von Ihnen konstruierten Krematorien unschuldige Menschen vernichtet wurden, warum haben Sie dann trotzdem auf diesem Gebiet weitergearbeitet?

Antwort: Erstens war ich durch einen Vertrag mit der Firma Topf als Bauingenieur gebunden. Zweitens begriff ich, dass meine Arbeit auf dem Gebiet der Konstruktion und des Baus von Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager für das faschistische Deutschland sehr wichtig war. Drittens fürchtete ich mich davor, diese Arbeit aufzugeben, weil ich von der Gestapo hätte vernichtet werden können; deswegen fuhr ich fort, Krematorien zu konstruieren und die Abteilung Krematorienbau zu leiten.


Protokoll des Verhörs vom 19. März 1946, Fortsetzung

Frage: Ihnen ist die Anklage eröffnet worden, dass Sie in der Firma Topf als Chefingenieur der Abteilung Krematorienbau Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager konstruiert und hergestellt haben, in denen Leichen der von den Deutschen in den Konzentrationslagern gequälten, ganz unschuldigen Menschen verschiedener Nationalitäten verbrannt wurden. Sie haben die Funktionsweise der Krematoriumsöfen in den Konzentrationslagern überprüft. Die von Ihnen begangenen Verbrechen werden durch den ersten Teil des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 19. April 1943 erfasst. Ist Ihnen die Ihnen eröffnete Anklage verständlich, und wessen bekennen Sie sich konkret schuldig?

Antwort: Die eröffnete Anklage nach dem ersten Teil des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 19. April 1943 ist mir erläutert worden und verständlich. Ich bekenne mich voll schuldig, als Chefingenieur der Abteilung Krematorienbau im Betrieb der Firma Topf in Erfurt gearbeitet zu haben. Ich habe persönlich Krematoriumsöfen konstruiert, von denen während der gesamten Zeit meiner Tätigkeit auf diesem Gebiet 150 Stück hergestellt wurden. Zur Zeit des Krieges, den Deutschland gegen die Länder Europas führte, wurden von der erwähnten Anzahl Krematoriumsöfen auf Bestellung der SS-Führung für die Konzentrationslager Buchenwald, Auschwitz, Dachau, Mauthausen und Gross-Rosen unter meiner direkten Beteiligung bis zu 20 Stück erbaut, in denen die Leichen ganz unschuldiger Menschen verschiedener Nationalitäten verbrannt wurden, welche von den Deutschen in besagten Konzentrationslagern gequält worden

waren. Ich befasste mich mit dem Entwurf und der Konstruktion von Krematoriumsöfen sowie mit deren Aufstellung in den Konzentrationslagern, und zu diesem Zweck reiste ich in die Konzentrationslager.

Unter meiner Beteiligung, sowie der Beteiligung von Ingenieur Sander, der die Lüftungseinrichtungen und äse für die Krematoriumsöfen konstruierte und installierte, wurden, als wir uns im Frühling 1943 im Konzentrationslager Auschwitz befanden, wo wir die Krematoriumsöfen sowie die Funktion der Lüftungseinrichtungen überprüften, Leichen von den Deutschen gequälter, ganz unschuldiger Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Nationalitäten verbrannt.


Protokoll des Verhörs vom 27. März 1946

Befrager: Major Tereschtschenko

Befragter: Kurt Prüfer

Dolmetscher: Gorelik

Frage: Wie lautet Ihr Familienname und Vorname?

Antwort: Mein Familienname lautet Prüfer, mein Vorname Kurt. Weitere Namen habe ich nicht.

Frage: Welche Sprachen beherrschen Sie, und in welchen [Plural] wollen Sie Ihre Zeugenaussage ablegen?

Antwort: Ich beherrsche die deutsche Sprache vollkommen und kann etwas Französisch. Meine Aussagen werde ich auf deutsch ablegen.

Frage: Wer sind Ihre Eltern?

Antwort: Mein Vater Hermann Prüfer war Eisenbahnarbeiter; er ist 1918 gestorben. Meine Mutter war Hausfrau; sie ist ebenfalls tot.

Frage: In welchen politischen Parteien Deutschlands waren Sie Mitglied?

Antwort: 1933 trat ich der nazistischen Partei Deutschlands bei.

Frage: Welche führenden Positionen bekleideten Sie in der Partei?

Antwort: Ich war zahlendes Mitglied der Partei.

Frage: Was ist Ihr Beruf?

Antwort: Von Beruf bin ich Bauingenieur.

Frage: Berichten Sie über ihre dienstliche Tätigkeit!

Antwort: Ich schloss 1910 die Lehre ab und began im Betrieb der Firma Topf in der Stadt Erfurt zu arbeiten, wo ich bis Oktober 1912 tätig war; dann wurde ich zum Heer eingezogen. Nach der Entlassung aus der Armee im Jahre 1918 belegte ich ein Jahr lang an der höheren technischen Schule einen Kurs über Eisenbeton, und dann, im April 1920, begann ich wieder bei der Firma Topf zu arbeiten, wo ich bis zu meiner Verhaftung angestellt war und die Position eines führenden Ingenieurs auf dem Feld des Ofenbaus bekleidete.

Frage: Seit wann existiert die Firma Topf, und was für Produkte stellt sie her?

Antwort: Die Firma Topf existiert seit 1878. Sie wurde von den beiden Brüdern Topf geleitet, von denen einer, Ludwig, sich nach der Kapitulation Deutschlands vergiftete und starb, während der andere, Ernst, in der amerikanischen Besatzungszone lebt.

Die Firma stellte her: Krane zur Beladung und Entladung von Schiffen; sanitäre Entwesungskammern; Öfen zur Verbrennung der Kadaver von Tieren, die bei wissenschaftlichen Experimenten verendet sind; Krematoriumsöfen; während des Krieges stellte sie Einzelteile von Flugzeugen sowie Granaten für Luftabwehrkanonen her, ferner Maschinen zur Benzinreinigung, und sie erfüllte Bestellungen der deutschen Behörden zur Herstellung von Öfen zur Leichenverbrennung in den Konzentrationslagern.

Heute erfüllt die Firma Bestellungen der sowjetischen Verwaltung zur Herstellung von Flugzeugteilen, zur Bearbeitung von Bomben, zum Bau von Entwesungskammern usw.

Frage: Wann erhielt die Firma von den führenden deutschen Behörden den Auftrag zur Herstellung von Öfen für die Krematorien, und von wem genau?

Antwort: Der Auftrag kam vom Stab der SS, anno 1940 oder 1941, genau erinnere ich mich nicht.

Frage: Welchen Umfang hatten diese Aufträge?

Antwort: Wir mussten für das Konzentrationslager Buchenwald zwei Öfen zur Leichenverbrennung herstellen, für Dachau einen, für Gross-Rosen zwei, für Mauthausen einen, für Auschwitz zwölf.

Frage: Wurde dieser Auftrag von der Firma erfüllt?

Antwort: Bis zum 1. April 1943 war dieser Auftrag von der Firma vollständig erfüllt.

Frage: Wer konstruierte diese Öfen und stellte sie in den Konzentrationslagern auf?

Frage: Die Öfen konstruierte ich, und unter meiner Leitung wurden sie in den Konzentrationslagern Buchenwald, Gross-Rosen und Auschwitz aufgestellt. Gebaut haben die Öfen die Handwerker der Firma; man zog zu dieser Arbeit auch Häftlinge in den Konzentrationslagern heran.


Protokoll des Verhörs vom 11. Februar 1948

Befrager: Oberstleutnant Dopertschuk

Befragter: Kurt Prüfer

Dolmetscher: Leutnant Kuschtsch

Frage: Berichten Sie, wie lange und in welcher Position Sie in der deutschen Maschinenbaufirma Topf und Söhne in der Stadt Erfurt gearbeitet haben!

Antwort: In der Firma Topf und Söhne arbeitete ich ununterbrochen ab 1920 bis zum Tag meiner Verhaftung als leitender Inenieur des Konstruktionsbüro, Abteilung D-IV; ich leitete die Gruppe Konstruktion und Bau von Heizungseinrichtungen und Krematoriumsöfen.

Frage: Inwiefern waren Sie an den Arbeiten der Firma Topf auf dem Gebiet der Herstellung von Krematorien für die deutschen Konzentrationslager beteiligt?

Antwort: Als leitender Ingenieur auf dem Gebiet der Konstruktion und des Baus von Heizungseinrichtungen war ich direkt an den Arbeiten der Firma Topf auf dem Feld der Herstellung von Krematorien für die deutschen Konzentrationslager beteiligt. Zu diesem Zweck reiste ich im Auftrag der Firma mehrfach in Konzentrationslager, wo ich an Ort und Stelle die Arbeiten zum Bau von Krematoriumsöfen organisierte und leitete und mich auch mit der Aufstellung dieser Öfen befasste.

Frage: In welchen Konzentrationslagern baute die Firma Topf Krematorien, und in wessen Auftrag?

Antwort: Den Bau von Krematorien in den Konzentrationslagern führte die Firma Topf im Auftrag der Zentralbauleitung beim Reichsführer SS durch. Zuerst wurde von der Firma ein Krematorium mit zwei Öfen im Konzentrationslager Buchenwald erbaut, und zwar 1940/1941. In den folgenden Jahren bis zum Tag der Kapitulation Deutschlands wurden von der Firma rund 20 Öfen für die Krematorien in den Konzentrationslagern Dachau, Gross-Rosen, Mauthausen und Auschwitz errichtet. Dabei ist mir genau erinnerlich, dass im Konzentrationslager Auschwitz von der Firma 12 Dreimuffelöfen für vier Krematorien erbaut worden sind.

Frage: Haben Sie den Bau der Öfen für die Krematorien in den Konzentrationslagern durchgeführt?

Antwort: Nein, ich führte nur den Bau der Öfen für die Konzentrationslager Buchenwald, Gross-Rosen und Auschwitz durch. Mit dem Bau der Krematorien in den übrigen Konzentrationslagern [Plural] befasste sich die Vertretung der Firma Topf in München. Diese Vertretung leitete der Firmenoberingenieur Erprecht (?), der 1944 bei der Bombardierung von München umkam.

Frage: Wer von der Firma Topf leitete persönlich die Verhandlungen mit den SS-Organen bezüglich des Baus von Öfen für die Konzentrationslager sowie die Einrichtung von Gaskammern in den Konzentrationslagern?

Antwort: Ich habe vorher schon gesagt, dass die Firma Topf 1940 Krematoriumsöfen zu bauen begann. Zuerst wandte sich in dieser Frage der Chef der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Buchenwald, ein gewisser Grosch, an uns. Auf Anweisung des Firmenschefs Ludwig Topf führte ich die Verhandlungen mit Grosch über den Bau zweier Krematoriumsöfen in Buchenwald.

Bald danach suchte ein Vertreter der Reichsführung SS, dessen Namen mir nicht mehr erinnerlich ist, die Firma Topf in Erfurt auf, der Verhandlungen mit Ludwig Topf bezüglich des Baus von Krematorien in anderen Konzentrationslagern führte; in welchen genau gab er damals nicht an.

Auf Einladung des Firmenchefs nahmen an diesen Verhandlungen auch ich sowie der Chef der Planungsbteilung Mersch teil.

Mit dem Vertreter der Reichsführung SS wurde damals vertraglich vereinbart, dass die Firma Topf die Verantwortung für den Bau von Krematoriumsöfen in den Konzentrationslagern übernehmen würde, doch wurde auch abgemacht, dass in jedem konkreten Fall briefliche Übereinkommen oder Kontrakte direkt mit der SS-Bauleitung des betreffenden Konzentrationslagers abgeschlossen werden sollten, d.h. mit den Auftraggebern. Dies wurde in Folge auch so gehandhabt.

Ausser in diesen beiden Fällen führte ich auch mit der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz Verhandlungen über den Bau von Krematoriumsöfen sowie Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern.

In der Regel wurden alle brieflichen Übereinkommen oder Verträge zu diesen Fragen vom Firmenchef Ludwig Topf unterzeichnet.

Zu dem eben Gesagten möchte ich noch hinzufügen, dass bei diesen Verhandlungen die Frage der Ausstattung der Gaskammern von der SS-Bauleitung der Konzentrationslager nicht zur Sprache gebracht wurde.

Frage: War Ihnen persönlich bekannt, zu welchen Zwecken die Firma in den Konzentrationslagern Krematorien und Gaskammern baute?

Antwort: Bis 1943 war ich nicht über die tatsächlichen Ziele und Bestimmung der in den Konzentrationslagern errichteten Krematorien unterrichtet; mir wurden diese erst bekannt, als ich das Konzentrationslager Auschwitz aufsuchte. Vorher erklärten die Vertreter der SS-Bauleitungen, welche die Verhandlungen mit der Firma Topf leiteten, die Krematorien würden in den Konzentrationslagern zur Verbrennung der Leichen von Häftlingen erbaut, die infolge von Seuchen eines natürlichen Todes gestorben seien. Von der Existenz von Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz erfuhr ich ebenfalls erst, als ich dieses Lager 1943 besuchte. Vorher hatte ich nichts über deren Existenz und Bestimmung gewusst. Zugleich möchte ich betonen, dass die Gaskammern in den Konzentrationslagern nicht von der Firma Topf erbaut wurden. Mir ist nur bekannt, dass im Konzentrationslager Auschwitz von der Firma Topf zwei Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern montiert worden sind.

Frage: Was konkret wurde Ihnen bezüglich der wirklichen Bestimmung der Krematorien und Gaskammern bekannt, die bei Ihrem Besuchs in diesem Lager 1943 errichtet wurden?

Antwort: Bei meinem Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahre 1943 wurde mir bekannt, dass in diesem Lager eine Massenvernichtung von Gefangenen vor sich ging, darunter auch Frauen, Kindern und Greisen, die von den Hitleristen in ganzen Transporten aus den von Deutschland okkupierten Ländern Europas nach Auschwitz gesandt worden waren. Die im Konzentrationslager Auschwitz angekommenen Häftlinge wurden von den SS-Leuten in die Gaskammern geschickt, wo sie ermordet wurden, und anschliessend wurden ihre Leichen in den Krematorien sowie auf speziellen Scheiterhaufen verbrannt.

Frage: Folglich wussten Sie, als Sie am Bau der Öfen für die Krematorium im Konzentrationslager Auschwitz mitwirkten, dass diese zur Vernichtung ganz unschuldiger Menschen bestimmt waren?

Antwort: Ja, ich wusste dies.

Frage: Was hat Sie dann dazu veranlasst, sich aktiv mit diesen Arbeiten zu befassen?

Antwort: Nachdem mir die tatsächliche Bestimmung der Krematorium im Konzentrationslager Auschwitz bekannt geworden war, beschloss ich, auf die Teilnahme an ihrem Bau zu verzichten, und setzte Firmenchef Ludwig Topf davon in Kenntnis.

Als Antwort darauf erklärte mir Topf, der Bau der Krematorien in den Konzentrationslagern werde von der Firma im Auftrag des Reichsamtes der SS durchgeführt, und wenn ich mich weigere, an diesen Arbeiten teilzunehmen, könne ich als Saboteur verhaftet und in einem Konzentrationslager inhaftiert werden. Deswegen liess ich aus Furcht, meine Arbeit zu verlieren und Repressalien ausgesetzt zu werden, mein ursprüngliches Vorhaben fallen und erfüllte auch weiterhin alle Aufträge der Firma zum Bau von Krematorien in den Konzentrationslagern. Andere Motive dazu besass ich nicht.

Frage: Hat sich die Tatsache, dass Sie seit 1933 der nazistischen Partei angehörten, ihren Entscheid etwa nicht beeinflusst?

Antwort: Natürlich verpflichtete mich meine Zugehörigkeit zur nazistischen Partei, deren Ideen ich teilte, alle Massnahmen, die von den Regierungsorganen Deutschlands – darunter dem SS-Reichsamt - getroffen wurden, loyal zu unterstützen und bei der Durchführung dieser Massnahmen kräftig mitzuhelfen. Doch im vorliegenden Fall habe ich den Entscheid, die Arbeiten an der Konstruktion und dem Bau der Krematorien weiterzuführen, aus Furcht vor Repressalien gefällt und nicht aus anderen Gründen. Im entgegengesetzten Fall hätte ich Ludwig Topf nicht um Freistellung von diesen Arbeiten ersucht.

Frage: Was hatten die "Topf und Söhne"-Ingenieure Braun Gustav und Schultze Karl mit dem Bau der Krematorien zu tun?

Antwort: Braun Gustav war der Produktionschef der Firma Topf und Söhne, und unter seiner Führung wurden im Erfurter Firmenbetrieb die Eisenkonstruktionen sowie die Einzelteile für die Krematorien hergestellt, welche die Firma in den Konzentrationslagern errichtete.

Oberingenieur Schultze Karl befasste sich mit der Konstruktion und leitete die Montage der Lüftungseinrichtungen für die Krematoriumsöfen und Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz.

Frage: Sind Braun und Schultze im Zusammenhang mit dem Bau der Krematorien in Konzentrationslager gereist?

Antwort: Soweit ich weiss, ist Braun Gustav in keine Konzentrationslager gereist. Schultze Karl fuhr einige Male ins Konzentrationslager Auschwitz, wo er an Ort und Stelle die Montage der Lüftungseinrichtungen für die Krematoriumsöfen und Gaskammern leitete und diese Einrichtungen auch überprüfte. Ob er auch andere Konzentrationslager aufgesucht hat, ist mir jetzt nicht mehr erinnerlich.


Protokoll des Verhörs vom 13. Februar 1948

Befrager: Oberstleutnant Dejertschun

Befragter: Kurt Prüfer

Dolmetscher: Leutnant Kuschtsch

Frage: Seit wann kennen Sie den Topf-Ingenieur Gustav Braun, und in welchem Verhältnis standen Sie zu ihm?

Antwort: Ingenieur Gustav Braun kenne seit dem Tag, als er in der Firma Topf zu arbeiten begann, d.h. ungefähr seit 1936. Näher bekannt mit ihm war ich nicht, und ich habe ihn nur selten in dienstlichen Angelegenheiten getroffen.

Meine Beziehungen zu Braun waren rein dienstlicher Art; es gab nie private Kontakte zwischen uns.

Frage: In welcher Position arbeitete Braun G. in der Firma Topf und Söhne?

Antwort: Braun Gustav war Produktionsleiter der Firma Topf und Söhne und leitete direkt den Maschinenbau des Firmenbetriebs. Soweit ich feststellen konnte, stand Braun dem Firmenchef Ludwig Braun stets sehr nahe, und wenn dieser und sein Bruder (der Miteigentümer der Firma) abwesend waren, entschied er alle Fragen, welche die Tätigkeit der Firma betrafen.

Frage: Was konkret fiel in Brauns Kompetenzbereich als Produktionsleiter der Firma Topf?

Antwort: Braun kümmerte sich um die gesamte Produktionstätigkeit der Firma Topf und leitete direkt den Betrieb dieser Firma in Erfurt.

Insbesondere befasste sich Braun mit der Anheuerung sowie Entlassung von Arbeitskräften; er besass das Recht, die Arbeiter zurechtzuweisen und zu bestrafen. Zusammen mit der Planabteilung entwarf Braun die Produktionspläne der Firma.

Frage: Inwiefern hat Braun Gustav an der Erfüllung der von den SS-Organen erteilten Aufträge zum Bau und zur Ausstattung der Krematorien in den Konzentrationslagern durch die Firma Topf mitgewirkt?

Antwort: Es lag in der Natur seiner Arbeit, dass Braun direkt an der Erfüllung der von den SS-Organen erteilten Aufträge durch die Firma Topf teilnahm, d.h. er und die Planungsabteilung der Firma haben diese Aufträge in die Produktionspläne einbezogen und die Fristen zu ihrer Erfüllung festgelegt. Dazu gehört auch, dass, wenn gemäss diesen Aufträgen die Herstellung irgendwelcher Einzelteile oder Armaturen im Maschinenbaubetrieb der Firma erforderlich war, diese unter Aufsicht von Braun angefertigt wurden, d.h. er leitete diesen Betrieb direkt.

Zum bisher Gesagten möchte ich hinzufügen, dass in der damals vorliegenden Situation die Aufträge der SS-Organe von der Firma beschleunigt erfüllt wurden; nur militärische Aufträge wurden als noch dringlicher eingestuft.

Frage: Was wurde gemäss diesen Aufträgen der SS-Organe im von Braun geleiteten Firmenbetrieb hergestellt?

Antwort: Im Betrieb wurden unter Brauns Leitung Einzelteile sowie Eisenarmaturen für die Krematoriumsöfen und Lüftungseinrichtungen angefertigt, deren Bau und Montage die Firma Topf entsprechend den Aufträgen der SS-Organe in den Konzentrationslagern durchführte.

Frage: Wer von der Firma Topf hat in den Konzentrationslagern, insbesondere in Auschwitz, direkt die Bau- und Montagearbeiten an den Krematoriumsöfen sowie den Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern durchgeführt?

Antwort: Direkt, an Ort und Stelle, wurden in den Konzentrationslagern die Bau- und Montagearbeiten an den Krematoriumsöfen, den Rauchfängen, Rauchkanälen sowie Lüftungseinrichtungen vom Montagebüro der Firma Topf durchgeführt, deren Chef Ingenieur Schuchart war; seinen Vornamen kenne ich nicht.

Das Montagebüro war unmittelbar Braun als dem Produktionsleiter der Firma unterstellt.

Es ist mir bekannt, dass im Konzentrationslager Auschwitz Bau und Montage der Krematoriumsöfen und Rauchkanäle von den Montagebüro-Chefmonteuren Koch und Holik durchgeführt wurden, die Lüftungseinrichtungen für die Krematorien und Gaskammern hingegen von Monteur Messing.

Die Rapporte und Mitteilungen über den Ablauf dieser Arbeiten sandten besagte Monteure von Zeit zu Zeit an die Firmenleitung, und zwar an den Chef Ludwig Topf, der sie durchsah und dann, mit seinen Anmerkungen versehen, an Braun weiterleitete.

Diese Dokumente mit Brauns Unterschrift habe ich auch durchgesehen, d.h. ich war dazu verpflichtet, zu überprüfen, ob diese Arbeiten richtig und in Übereinstimmung mit den mir vorliegenden Zeichnungen durchgeführt worden waren.

Frage: Wie aus Ihren Darlegungen hervorgeht, war Braun als Produktionschef nicht nur über die Aufträge der SS-Bauleitung von Auschwitz und anderen Konzentrationslagern unterrichtet, die von der Firma Topf erfüllt wurden, sondern nahm auch direkt an der Erfüllung dieser Aufträge teil. Ist diese Wiedergabe Ihrer Aussagen korrekt?

Antwort: Ja, vollkommen. Braun als Produktionschef der Firma wusste nicht nur von den Aufträgen der SS-Bauleitung der Konzentrationslager, welche die Firma erfüllte, sondern beteiligte sich auch direkt an ihrer Erfüllung.

So wurden im von Braun geleiteten Firmenbetrieb Einzelteile und Eisenarmaturen für die Krematoriumsöfen und Ventilationseinrichtungen hergestellt, und an Ort und Stelle, in den Konzentrationslagern, haben die Monteure aus dem ihm unterstellten Montagebüro die Arbeiten an Bau und Montage dieser Öfen und Lüftungseinrichtungen in den Krematorien durchgeführt.

Die Berichte besagter Monteure über den Ablauf der Arbeit gingen via Firmenchef an Braun.

Frage: Ist Braun persönlich in Konzentrationslager gefahren?

Antwort: Nein, die Konzentrationslager hat Braun nicht aufgesucht.

Frage: Haben Sie nach der Rückkehr von Ihren Reisen ins Konzentrationslager Auschwitz Braun persönlich einen Bericht erstattet oder mit ihm über den Bau der Krematorien in besagtem Lager gesprochen?

Antwort: Nein, über diese Fragen habe ich mich mit Braun niemals unterhalten. Die Rapporte über meine Reisen ins Konzentrationslager Auschwitz im Zusammenhang mit dem Bau von Öfen für die Krematorien usw. habe ich direkt dem Firmenchef Ludwig Topf vorgelegt, und er hat diese Berichte zur Kenntnisnahme an Braun weitergeleitet.

Frage: Wer in der Firma Topf war der Bevollmächtigte der Abwehr, der Abwehrbeauftragte?

Antwort: Das weiss ich nicht genau. Die Firmenangestellten fühlten und wussten, dass man sie auf Schritt und Tritt beobachtete und der Abwehr sowie der Sicherheitspolizei über alles Bericht erstattete, und sie nahmen an, damit befasse sich Ludwig Topf oder Braun. Letzteren hatte ich ebenfalls im Verdacht.


Protokoll des Verhörs vom 15. Februar 1948

Befrager: Oberstleutnant Dejertschun

Befragter: Kurt Prüfer

Dolmetscher: Leutnant Kuschtsch

Frage: Welche Ausrüstungsgegenstände wurden in der Fabrik der Firma Topf zum Bau der Krematorien und Gaskammern in den Konzentrationslagern hergestellt?

Antwort: Bei der Erfüllung der von den SS-Organen erteilten Aufträge zum Bau und zur Ausstattung von Krematorien und Gaskammern in den Konzentrationslagern (letztere, d.h. die Ausstattung der Gaskammern, fand nur im Konzentrationslager Auschwitz statt), kaufte die Firma Topf einige Materialien und Ausrüstungsgegenstände bei anderen Firmen, teils stellte sie sie in ihrer Fabrik in Erfurt her.

Insbesondere wurden in der Fabrik der Firma hergestellt: Kleine Türen aus Gusseisen, Ofenklappen, Feuerungen sowie die ganze eiserne Armatur für die Verbrennungsöfen, aber auch alle Einzelteile, mit Ausnahme der Elektromotoren und Lüftungseinrichtungen, die in den Krematorien (bei den Öfen) sowie in den Gaskammern montiert wurden.

Schamott, Ziegel, Isolationsmaterial, Elektromontoren, elektrische Aufzüge und andere elektrische Ausrüstungsgegenstände wurden von der Firma in den Betrieben anderer deutscher Firmen gekauft.

Frage: Von wem in der Leitung der Firma Topf wurden die Aufträge zur Herstellung der oben erwähnten Ausrüstungsgegenstände im Betrieb der Firma erteilt?

Antwort: Die von den SS-Organen eintreffenden Aufträge zur Herstellung des einen oder anderen Ausrüstungsgegenstandes wurden von der Planabteilung und dem Produktionschef der Firma durchgesehen und in den allgemeinen Produktionsplan der Firma Topf eingefügt. Darauf wurde der Auftrag in der Buchhalterei erteilt und gelangte über den Chef des Konstruktionsbüros zu mir oder zu Ingenieur Schultze (je nachdem, ob sich der Auftrag auf den Bau von Lüftungseinrichtungen oder Krematoriumsöfen bezog).

Wir unsererseits haben anhand dieses Auftrags eine detaillierte Liste der herzustellenden Einzelteile und Ausrüstungsgegenstände erstellt, die notwendigen Zeichnungen angefertigt und diese Unterlagen über das Vorbereitungsbüro an den Produktionsleiter der Firma, Gustav Braun, weitergeleitet, welcher den Werkstätten der Fabrik Anweisungen zur Herstellung dieser Ausrüstungsgegenstände erteilte und die Fristen kontrollierte, innerhalb deren diese Gegenstände hergestellt und an den Besteller spediert werden mussten.

Frage: Demnach war Braun als Produktionschef der Firma Topf direkt an der Erfüllung der von den SS-Organen erteilten Aufträge zum Bau von Krematorien in den Konzentrationslagern beteiligt?

Antwort: Völlig richtig. Braun als Produktionschef der Firma Topf war über alle Bestellungen seitens der SS-Organe auf dem laufenden und beteiligte sich direkt an deren Erfüllung.

Frage: Es werden Ihnen bei der Leitung der Firma Topf beschlagnahmte Dokumente vorgelegt, in denen bei der Firma seitens der SS-Organe eingegangenen Bestellungen für die Herstellung verschiedener Ausrüstungsgegenstände und Materialien sowie deren Lieferung an die Konzentrationslager registriert sind. Berichten Sie, was das für Dokumente sind und welchen Anteil an ihrer Erstellung und Ausfertigung Sie persönlich, aber auch Braun Gustav und Schultze Karl hatten!

Antwort: Bei den auf den ausgebreiteten weissen Blättern abgedruckten Dokumenten handelt es sich um Blätter der Produktionspläne der Firma Topf, welche vom allgemeinen Planungsbüro unter Beteiligung von Gustav Braun, dem Produktionschef der Firma, erstellt worden sind.

Insbesondere hat Braun, zusammen mit dem Planungsbüro, die Fristen zur Erfüllung dieses oder jenes Auftrags erörtert und auf dem Plan festgehalten.

Ich persönlich sowie Ingenieur Schultze Karl haben uns nicht an der Erstellung dieser Produktionspläne der Firma beteiligt.

Die auf grünem Papier abgedruckten Dokumente sind Kopien von Formularen – von Bestellungen mit detaillierter Auflistung von Ausrüstungsgegenständen oder Materialien, die vom einen oder anderen Kunden verlangt worden waren, im gegebenen Fall von der Bauleitung der betreffenden Konzentrationslager.

Diese Dokumente wurden von mir oder von Oberingenieur Schultze (dies ist auf dem ersten Formular vermerkt) in vier Exemplaren erstellt, von denen ich eines an die Produktionsabteilung, eines an die Buchhaltung sowie eines an die Rechnungsabteilung weiterleitete, während eines in den Akten der Abteilung verblieb, die ich leitete.


Protokoll des Verhörs vom 21. Februar 1948

Befrager: Oberstleutnant Dejertschun

Befragter: Kurt Prüfer

Dolmetscher: Leutnant Kuschtsch

Frage: Ihnen wurde das Produktionsschema der Firma Topf und Söhne mitsamt einer schriftlichen Erklärung dazu vorgelegt. Sagen Sie, entsprechen die von Ihnen auf dem Schema dargestellten gegenseitigen Beziehungen sowie die Unterstellung der verschiedenen Abteilungen und Büros unter die Firmenleitung, insbesondere den Chef Ludwig Topf und den Produktionschef Gustav Braun, der Wirklichkeit?

Antwort: Nachdem ich mir das von mir erstelle Produktionsschema der Firma Topf und Söhne nochmals angesehen habe, erkläre ich gegenüber der ermittelnden Behörde mit voller Verantwortung, dass die darauf graphisch dargestellten gegenseitigen Beziehungen sowie die Unterstellung der verschiedenen Abteilungen und Büros unter die Firmenleitung – d.h. den Chef Ludwig Topf sowie den Produktionschef Gustav Braun – der Wirklichkeit entsprechen.

Frage: Auf dem besagten Schema wird von Ihnen dargestellt, dass die vorbereitende Abteilung, das Normierungs- und Montagebüro, das Materiallager sowie die Versandtabteilung vom Produktionschef der Firma, Gustav Braun, geleitet wurden. Halten Sie daran fest, dass dem wirklich so war?

Antwort: Ja, ich halte daran fest. Wie ich auf dem Schema dargestellt habe, wurden die vorbereitende Abteilung, das Normierungs- und Montagebüro, das Materiallager sowie die Versandabteilung vom Produktionschef der Firma, Gustav Braun, geleitet, und er dirigierte ihre Arbeit.

Frage: Legen Sie konkret dar, welche Einzelteile der Armatur und Ausrüstung für die im Konzentrationslager Auschwitz errichteten Krematorien und Gaskammern im Betrieb der Firma Topf hergestellt wurden!

Antwort: Für die im Konzentrationslager Auschwitz sowie anderen Konzentrationslagern gebauten Krematorien wurden im Betrieb der Firma Topf in Erfurt folgende Ausrüstungsgegenstände und Einzelteile angefertigt:

  1. Alle eisernen und stählernen Verstärkungen (verschiedene Bolzen, Winkeleisen, Leisten etc.).
  2. Die wagenförmigen Vorrichtungen zum Einfahren der Leichen.
  3. Gusseiserne Türchen für die Feuerungen, Schlackenschächte, Muffeln sowie die Roste. Dabei wurden diese Einzelteile der Verbrennungsöfen in den Betrieben verschiedener deutschen Firmen gegossen, als Halbfabrikate, und darauf in den Drehereien und Schlossereien des Betriebs der Firma Topf entsprechend bearbeitet.
  4. Für die Verbrennungsöfen und die Ausstattung der Gaskammern (nur im Konzentrationslager Auschwitz) wurden Ventilationsvorrichtungen angefertigt. Die Elektromotoren für diese Einrichtungen wurden bei anderen Firmen bestellt.

Frage: Wurden auf den Bestellungsformularen, die den Werkstätten des Betriebs der Firma Topf bezüglich der Herstellung dieses oder jenes Ausrüstungsgegenstandes zugestellt wurden, angegeben, für wen dieser Ausrüstungsgegenstand anzufertigen war?

Antwort: Ja, dies wurde angegeben. Insbesondere wurde auf jedem Formular, bei dem es um die in den Werkstätten der Firma Topf erfolgte Herstellung verschiedener Einzelteile und Ausrüstungsgegenstände für die im Konzentrationslager Auschwitz gebauten Verbrennungsöfen ging, schriftlich vermerkt und erklärt, dass der Besteller dieses Ausrüstungsgegenstandes die SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz war.

Die Angabe des Auftraggebers bei der Ausfertigung der Bestellungsformulare war eine allgemeine Vorschrift bei der Firma Topf, und gegen diese hat nie jemand verstossen.

Frage: Entsprechend wussten der Produktionschef der Firma, Braun Gustav, und andere, ihm unterstellte Personen aus der Produktionsabteilung oder den Werkstätten anhand dieser Bestellungsformulare, für wen dieser oder jener Ausrüstungsgegenstand im Betrieb der Firma hergestellt wurde?

Antwort: Ganz richtig, sowohl Braun G. als Produktionschef als auch die ihm unterstellten Leiter wussten anhand der Bestellungsformulare, für wen sie diesen oder jenen Ausrüstungsgegenstand im Betrieb der Firma anfertigten.

Insbesondere war ihnen bekannt, dass in den Werkstätten des Betriebs Ausrüstung und Armatur für die Verbrennungsöfen hergestellt wurden, die auf Bestellung der SS-Organe im Konzentrationslager Auschwitz gebaut wurden.


Protokoll der Gegenüberstellung des Angeklagten Braun Gustav und des Angeklagten Prüfer Kurt vom 25. Februar 1948

Befrager: Oberstleutnant Kusmischin, Oberstleutnant Dopertschuk

Befragte: Gustav Braun und Kurt Prüfer

Dolmetscher: Leutnant Kuschtsch

Frage an den Angeklagten Prüfer K: Berichten Sie, was Sie über die dienstliche Tätigkeit Gustav Brauns und seine Teilnahme an den Arbeiten wissen, welche die Firma Topf in den Konzentrationslagern im Zusammenhang mit dem Bau der Krematorien sowie der Ausrüstung der Gaskammern verrichtete!

Antwort: In der Firma Topf und Söhne arbeitete Gustav Braun in der Stellung des Produktionschefs, wobei er der Person des Firmenchefs Ludwig Topf ausserordentlich nahe stand; er war ihm in seiner Arbeit unmittelbar unterstellt und dirigierte die gesamte Produktionstätigkeit der Firma.

Es kam vor, dass Braun den Firmenchef Ludwig Topf vertrat, wenn letzterer und sein Bruder Ernst Topf – der Mitbesitzer der Firma war – für längere Zeit aus Erfurt wegfuhren.

Gustav Braun als Produktionschef unterstellt waren folgende Abteilungen: Büro und Objekte der Firma Topf, vorbereitende Abteilung, Montage- und Normierungsbüro, Versandabteilung, Materiallager sowie Betrieb.

Die Firma Topf und Söhne begann 1940 mit dem Bau und der Ausrüstung der Krematorien in den Konzentrationslagern.

Die Aufträge für die erwähnten Arbeiten erhielt die Firma von den entsprechenden SS-Organen, genauer gesagt von den SS-Bauleitungen der Konzentrationslager Buchenwald, Gross-Rosen, Mauthausen, Dachau und Auschwitz.

Diese Aufträge wurden in den allgemeinen Produktionsplan der Firma eingefügt, der vom Planungsbüro unter Beteiligung von Braun Gustav erstellt wurde. Braun als Produktionschef bestimmte je nach den Produktionsmöglichkeiten der Firma zusammen mit dem Planungsbüro die Fristen für die Erfüllung dieser Aufträge.

Auf diese Weise war er stets darüber auf dem laufenden, von welchen SS-Organen und zur Durchführung welcher Arbeiten von der Firma Bestellungen entgegengenommen wurden, und er traf die nötigen Massnahmen zur fristgerechten Erfüllung dieser Aufträge.

Die Erfüllung dieser Aufträge besorgte die Firma Topf wie folgt: Im Firmenbetrieb wurden die notwendigen Ausrüstungsgegenstände, Armaturen und Einzelteile hergestellt, welche die Versandabteilung ins einschlägige Konzentrationslager spedierte; dorthin wurden auch Handwerker aus dem Montagebüro sowie Hilfsarbeiter geschickt, die an Ort und Stelle, d.h. im Lager, die Bau- und Montagearbeiten in den Krematorien verrichteten.

Diese Arbeiten wurden mit Wissen und auf Anweisung von Braun verrichtet, da sowohl die Firmenfabrik und das Montagebüro als auch die Versandabteilung ihm direkt unterstellt waren.

In der Regel wurden in den von mir vorher erwähnten Konzentrationslagern von der Firma Topf bloss die Verbrennungsöfen in den Krematorien gebaut; nur im Konzentrationslager Auschwitz wurden ausser den Verbrennungsöfen für die Krematorien vier Gaskammern eingerichtet.

In der Fabrik der Firma Topf wurden folgende Ausrüstungsgegenstände und Einzelteile für die in erwähnten Konzentrationslagern gebauten Krematorien hergestellt: Verstärkungen, Ventilatoren, stählerne Böden für die Feuerungen der Verbrennungsöfen; ferner wurden in der Dreherei sowie der Schlosserei der Fabrik gusseiserne Türchen für die Feuerungen und Muffeln sowie Roste angefertigt.

Die Herstellung der aufgezählten Einzelteile und Armaturen leitete Braun, d.h. er dirigierte unmittelbar die Arbeit der Firmenfabrik.

Frage an den Angeklagten Braun: In welcher Position waren Sie in der Firma Topf und Söhne tätig?

Antwort: In der Firma Topf und Söhne arbeitete ich als Produktionschef.

Frage an den Angeklagten Braun: War Ihnen bekannt, dass auf Bestellung der SS-Organe von der Firma Topf und Söhne Arbeiten für den Bau und die Ausrüstung der Krematorien in den Konzentrationslagern durchgeführt wurden?

Antwort: Davon erfuhr ich zufällig 1940 in einem Gespräch mit einem Monteur der Firma Topf, Heinrich Messing, der auf meine Frage, wo er arbeite, antwortete, er baue zusammen mit dem Chefingenieur Prüfer Krematoriumsöfen im Konzentrationslager Auschwitz.

Ein zweites Mal erfuhr ich davon von Arbeitern der mir unterstellten Versandabteilung. Dies erfolgte unter folgenden Umständen: Einmal im Jahre 1940 sah ich, als ich die Versandabteilung betrat, dort einige SS-Männer; auf meine Frage, warum sie sich dort befänden, entgegnete der Abteilungsleiter, sie führten Verhandlungen betreffes der Verschickung von Baumaterialien ins Konzentrationslager Buchenwald; in jenem Lager baue Chefingenieur Prüfer einen Verbrennungsofen.

Allgemein war mir als Produktionschef bekannt, dass die Firma Topf und Söhne Verbrennungsöfen herstellte, doch wo und zu welchen Zielen, wusste ich nicht, und ich interessierte mich nicht für diese Frage.

Frage an den Angeklagten Prüfer: Was möchten Sie zu den Aussagen des Häftlings Braun Gustav erklären?

Antwort: Braun Gustavs Aussage, er habe nicht gewusst, für wen und zu welchen Zwecken die Firma Topf und Söhne Verbrennungsöfen erbaut habe, entspricht nicht der Wirklichkeit. Braun als Produktionschef der Firma wusste darüber Bescheid, und fast alle Arbeiten für den Bau der Verbrennungsöfen in den Konzentrationslagern wurden mit seinem Wissen durchgeführt.

Zur Erhärtung dessen führe ich folgende Fakten an:

  1. 1940/1941 wurden in der Fabrik der Firma Topf unter direkter Beteiligung von Braun Gustav zwei Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager Dachau und Mauthausen montiert. Der Platz auf dem Fabrikgelände, wo diese Öfen montiert und wohin die Arbeiter zur Durchführung der Montagearbeiten an diesen Öfen gebracht wurden, war von Braun persönlich ausgesucht worden. Ausserdem wurden auf Anweisung von Braun in den Werkstätten der Fabrik die Einzelteile (Metallgestelle) sowie die Armatur für diese Öfen angefertigt. Nachdem diese Verbrennungsöfen montiert waren, wurden sie auf Brauns Anweisung aus der Fabrik fortspediert – einer ins Konzentrationslager Dachau, einer ins Konzentrationslager Mauthausen.
  2. Im Herbst 1940 oder im Frühling 1941 (an das Datum erinnere ich mich nicht genau) kam zu uns in die Firma aus Berlin der SS-Mann von Hausen, um zu ermitteln, weshalb ein Krematoriumsofen nicht rechtzeitig hergestellt worden war, und an Ort und Stelle die Montage dieses Ofens zu überprüfen. In diesem Zusammenhang berief Firmenchef Ludwig Topf eine Sondersitzung zu Fragen des Baus dieses Ofens ein. Bei dieser Sitzung war ausser Ludwig Topf und dem SS-Mann von Hausen auch Braun zugegen, der sich an den Gesprächen über die Fristen für den Bau dieses Krematoriumsofens für die SS-Männer beteiligte. Auf Anweisung der SS-Organe aus Berlin wurde besagter Ofen von der Firma gleichfalls ins Konzentrationslager Mauthausen gesandt.
  3. Als Produktionschef der Firma berief Braun täglich, zur Morgenstunde nach dem Frühstück, eine Versammlung der Vorarbeiter der Fabrik ein, auf welcher er mit ihnen den Arbeitsplan für den bevorstehenden Tag festlegte. So wusste Braun nicht nur, dass in den Werkstätten der Fabrik verschiedene Einzelteile und Ausrüstungsgegenstände für die Krematoriumsöfen hergestellt wurden, welche auf Bestellung der SS-Organe in den Konzentrationslagern gebaut wurden, sondern er gab den Vorarbeitern der Fabrik bei den erwähnten Versammlungen Anweisungen zur Herstellung dieser oder jener Einzelteile oder Ausrüstungsgegenstände sowie die jeweils festgelegten Fristen.
  4. Im Herbst 1942 sprach ich mit Braun Gustav persönlich über die Verschickung von Verbrennungsöfen für vier oder fünf Krematorien (Achtmuffelöfen) ins Konzentrationslager Auschwitz, von denen Teile und einzelne Blöcke auf Bestellung der SS-Organe aus Berlin hergestellt worden waren und im Lager der Fabrik aufbewahrt wurden. Braun stellte mir damals einen Arbeiter zur Verfügung, mit dem ich überprüfte, ob die Einzelteile und Blöcke für diese Öfen vorhanden waren, und erteilte der Versandabteilung die Anweisung, diese Krematoriumsöfen ins Konzentrationslager Auschwitz zu schicken, was auch geschah.
  5. Im Verlauf der Jahre 1941 und 1942 wandte ich mich einige Male persönlich an Braun als Produktionschef in der Frage der Entsendung von Facharbeitern in die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Diese Facharbeiter wurden zur Durchführung einer Reihe von Arbeiten am Aufbau der Verbrennungsöfen in den Konzentrationslagern benötigt. In all diesen Fällen entschied Braun positiv und wählte aus den bei ihm in der Firma tätigen Arbeitern für mich die benötigten Spezialisten zur Durchführung der Arbeiten in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald aus.
  6. Braun als Produktionschef der Firma widmete sich allen Einzelheiten der Arbeit in der Firmenfabrik sowie der ihm unterstellten Abteilungen und Büros; er interessierte sich für ihre Arbeit und kontrollierte diese, und deshalb konnte er unmöglich nicht Bescheid darüber wissen, für wen welche Ausrüstungsgegenstände in der Fabrik angefertigt wurden und an welche Adresse sie zu versenden waren.

Frage an den Angeklagten Braun: Durch die Aussagen des Häftlings Prüfer Kurt, die hier angesichts einer direkten Gegenüberstellung abgegeben wurden, ist einwandfrei nachgewiesen, dass die Arbeiten der Firma Topf zum Bau und der Ausrüstung von Krematorien in den Konzentrationslagern nicht nur mit Ihrem Wissen, sondern auch unter Ihrer direkten Teilnahme erfolgt sind.

Hören Sie doch auf, hartnäckig zu leugnen, und machen Sie wahrheitsgemässe Angaben.

Antwort: Die Aussagen des Häftlings Prüfer Kurt, die hier angesichts einer direkten Gegenüberstellung gemacht worden sind, entsprechen nicht der Wirklichkeit, und ich kann sie nicht bestätigen.

Ich erkläre gegenüber der ermittelnden Instanz nochmals, dass ich zwar über den Bau von Krematoriumsöfen durch die Firma Topf und Söhne Bescheid wusste, nicht jedoch darüber, für wen und auf welche Bestellung er erfolgte, und dass ich mich nicht dafür interessiert habe.

Frage an den Angeklagten Prüfer: Bestehen Sie auf Ihren Aussagen?

Antwort: Meine Aussagen über die dienstliche Tätigkeit Gustav Brauns und seine Beteiligung an den Arbeiten zum Bau und der Ausrüstung von Krematorien in den Konzentrationslagern entsprechen der Wirklichkeit, und ich bestehe voll und ganz darauf.

Frage an den Angeklagten Braun: Haben Sie Fragen an den Häftling Prüfer?

Antwort: Nein, ich habe keine Fragen an den Häftling Prüfer.

Frage an den Angeklagten Prüfer: Haben Sie Fragen an den Häftling Braun?

Antwort: Ich möchte Braun zwei Fragen stellen:

  1. Erinnert sich Braun an folgenden Vorfall: Im Sommer oder Herbst 1942 erhielten wir von der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz den zweiten Auftrag für die Lieferung von fünf Stück Dreimuffelöfen für das Krematorium III in Birkenau. Da auf diesem Auftrag kein Hinweis auf die Dringlichkeit und Reihenfolge der Ausführung stand, traf ich mich im Firmensekretariat mit Braun, informierte ihn und zeigte ihm den Auftrag. Danach begab sich Braun gemeinsam mit mir zum Chef des allgemeinen Planungsbüros, Mersch, mit dem wir uns über die betreffende Angelegenheit einigten. Auf dem Weg zu Mersch stellte mir Braun folgende Frage, oder sagte vielmehr scherzhaft: "Kinder, wen wollt ihr da noch verbrennen." Darauf antwortete ich meinerseits mit einem Witz.
  2. Erinnert sich Braun an den Vorfall, als im Frühling 1942 zu ihm ein SS-Offizier aus Berlin in die Firma kam, um über den Bau neuer Krematoriumsöfen für die SS zu reden? Aus diesem Anlass berief Firmenchef Ludwig Topf eine Sitzung bei sich ein, an der Braun, der Chef des Planungsbüros Mersch sowie jener SS-Mann teilnahmen. Bei dieser Sitzung wurde klargestellt, dass die Firma zu jener Zeit mit der Erfüllung dringlicher Aufträge zur Herstellung von Ersatzteilen für Kriegsflugzeuge ausgelastet war und keine neuen Aufträge von den SS-Organen zum Bau von Krematoriumsöfen mehr entgegennehmen konnte.

Antwort des Angeklagten Braun: An solche Vorfälle erinnere ich mich nicht.


Protokoll des Verhörs vom 4. März 1948

Befrager: Oberstleutnant Dopertschuk, Oberstleutnant Novikov

Befragter: Kurt Prüfer

Dolmetscher: Leutnant Kuschtsch

Frage: Welche Arbeiten wurden von der Firma Topf im Konzentrationslager Auschwitz durchgeführt, und welchen Anteil an der Durchführung dieser Arbeiten hatten Sie selbst?

Antwort: In Erfüllung der Aufträge, die sie von der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz erhalten hatte, führte die Firma Topf und Söhne im Verlauf der Jahre 1940 bis 1946 [sic; offenbar Transkriptions- oder Druckfehler] in besagtem Lager Arbeiten beim Bau von Krematoriumsöfen, Entwesungsanlagen, aber auch bei der Montage von Ventilationseinrichtungen für die Krematoriumsöfen und Gaskammern durch.

All diese Arbeiten wurden von der Firma unter meiner direkten Beteiligung durchgeführt und liefen in folgender Reihenfolge ab:

Das erste Krematorium im Lager Auschwitz wurde in der zweiten Hälfte 1940 in der Lagerabteilung Auschwitz errichtet.

Als Krematorium wurde ein alter, halbunterirdischer Raum aus Eisenbeton von 80 m2 Fläche benutzt, der noch von den Polen als Artilleriedepot oder Luftschutzkeller gebaut worden war.

Anfangs wurde in besagtem Krematorium von der Firma Topf und Söhne ein Zweimuffelverbrennungsofen erbaut, doch dann – anfang 1941 – warf die SS-Bauleitung von Auschwitz gegenüber der Firma die Frage nach einer Erhöhung der Kapazität dieses Krematoriums auf, wonach auf meinen Vorschlag dort noch ein Zweimuffelofen montiert wurde.

Daneben wurde auf meinen persönlichen Vorschlag hin für diese beiden Öfen ein Saugzuggebläse eingerichtet, dank dem die Zugkraft in den Öfen verstärkt und die Verbrennung beschleunigt wurde, was die Kapazität der Verbrennungsöfen ebenfalls steigerte.

Die Zeichnungen und technischen Pläne für dieses Gebläse wurden von Chefingenieur Karl Schultze erstellt, und die Montagearbeiten für ihre Installierung wurden auf Anweisung Schultzes von einem Monteur der Firma erledigt, der zu diesem Zweck eigens ins Lager Auschwitz fuhr.

Ich erstellte persönlich technische Pläne und Zeichnungen für die erwähnten Krematoriumsöfen und führte auch die technische Kontrolle der Arbeiten an ihrem Bau durch.

Im Frühjahr oder Sommer 1942 beschleunigte die SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz die Arbeiten am Bau von vier neuen, grossen Krematorien im Lagersektor Birkenau, welche die Nummern 2, 3, 4 und 5 zugeteilt bekamen. Als Nummer 1 wurde das alte, im Lagersektor Auschwitz befindliche Krematorium geführt.

Die Krematorien in Birkenau wurden zwischen Februar und April 1943 fertiggebaut und in Betrieb genommen. Dabei wurden sie nach dem neusten Stand der Technik ausgestattet, und erwiesen sich ihrer Bestimmung im Lager nach buchstäblich als Todesfabriken. Dies galt besondes für das zweite sowie das dritte Krematorium, die in Übereinstimmung mit den Forderungen der Zentralbauleitung von der Firma Topf ausgerüstet wurden.

In den Gebäuden dieser Krematorien wurden Gaskammern eingerichtet, die wie Duscheinrichtungen und Bäder aussahen und in denen die SS-Männer Häftlinge gruppenweise ermordeten; danach wurden ihre Leichen mit speziellen elektrischen Aufzügen (Liften) zu den Krematoriumsöfen geschafft und verbrannt.

Ausserdem wurden dort spezielle Räume für das aus den Reihen der Häftlinge rekrutierte Bedienungspersonal eingerichtet, ferner ärztliche Kabinette, wo die Autopsie der Leichen stattfand, sowie Leichenräume [mjertvezkie], in denen die Leichname der in den Gaskammen zu Tode Gequälten aufgestapelt wurden, denn obgleich die Krematorien 24 Stunden pro Tag [kruglosutotschno] in Betrieb waren, vermochten sie sie [die Leichen] nicht zu verbrennen.

Im zweiten sowie dritten Krematorium von Birkenau wurden von der Firma Topf jeweils fünf Dreimuffelöfen errichtet (eine Muffel ist eine Öffnung zur Einführung der Leichname in den Ofen); es wurden elektrische Aufzüge (Lifte) zum Transport der Leichen zu den Öfen gebaut, und es wurden auch Lüftungsvorrichtungen in den Gaskammern, den Öfenräumen sowie den Leichenräumen angefertigt und montiert.

Im vierten und fünften Krematorium wurden von der Firma Topf nur Krematoriumsöfen gebaut, je vier Zweimuffelöfen in jedem Krematorium.

Bei [pri] diesen Krematorien gab es auch Gaskammern, doch mit ihrer Ausrüstung befasste sich die Firma Topf nicht, und soweit ich weiss, besassen sie keine Lüftungseinrichtungen.

Ende 1943 wurde von der Firma Topf ca. 100 m von der Zone, wo die Gaskammern lagen, eine grosse Desinfektionsanlage erbaut, in der die Desinfizierung der Kleidung sowie der Wäsche der im Lager eintreffenden Häftlinge durchgeführt wurde.

Ausserdem wurden bei den Krematorien 2 und 3 von der Firma spezielle Öfen zur Verbrennung von Müll errichtet.

Auf diese Weise wurden im Konzentrationslager von der Firma Topf insgesamt 20 Krematoriumsöfen in 5 Krematorien gebaut, eine Desinfektionsanlage mit zwei Öfen, zwei spezielle Öfen zur Verbrennung von Müll; es wurden in zwei Krematorien elektrische Aufzüge (Lifte) zum Transport der Leichen aus den Gaskammern (Leichenräumen) zu den Krematoriumsöfen eingebaut, und es wurden Lüftungseinrichtungen zum Einsaugen und Ausstossen von Luft in vier Gaskammern beim [pri] zweiten und dritten Krematorium angefertigt.

Ausserdem wurden Lüftungseinrichtungen und Gebläse in den Leichenräumen sowie in den Ofenräumen des ersten, zweiten und dritten Krematoriums hergestellt und montiert.

All diese Arbeiten, ausgenommen die Montage der Lüftungseinrichtungen, wurden im Lager von Monteuren der Firma unter meiner unmittelbaren Führung und Kontrolle durchgeführt.

Dabei überprüfte ich als Spezialist für Kremationsvorrichtungen sowie Vertrauensperson des Firmenchefs die Richtigkeit der Zeichnungen der Krematorien, die der Firma von der SS-Bauleitung zwecks Durchsicht und technischer Beratung vorgelegt worden waren; ich erstellte Zeichnungen und technische Pläne der in diesen Krematorien errichteten Verbrennungsöfen und reiste auch von Zeit zu Zeit ins Konzentrationslager Auschwitz und führte dort mit der Führung der Bauleitung Verhandlungen über sämtliche Fragen, welche den Bau der Verbrennungsöfen sowie die Ausstattung der Krematorien betrafen, darunter auch über die Ausrüstung der Gaskammern mit Lüftungseinrichtungen.

Die praktischen Arbeiten bei der Erstellung der technischen Pläne und Zeichnungen dieser Einrichtungen, jedoch auch deren Montage an Ort und Stelle – im Lager –, wurden unter der Leitung sowie der direkten Beteiligung des Oberingenieurs des Konstruktionsbüros der Firma Topf, Karl Schultze, durchgeführt.

Frage: Sie haben vorher ausgesagt, im Krematorium I im Lagersektor Auschwitz seien von der Firma Topf zwei Zweimuffel-Verbrennungsöfen gebaut worden, während in einem offiziellen Bericht der SS-Bauleitung von Auschwitz vom 28. VI. 1943, deren Photokopie Ihnen vorliegt, festgehalten wird, in jenem Krematorium seien drei Zweimuffelöfen montiert worden.

Geben Sie dazu eine Erklärung ab.

Antwort: Jetzt erinnere ich mich, dass im Krematorium Nr. 1, welches sich im Lagersektor Auschwitz befand, von der Firma Topf unter meiner Beteiligung drei und nicht zwei Krematoriumsöfen errichtet worden sind, d.h. es verhält sich so, wie es in dem mir vorgelegten Bericht der Bauleitung dargestellt wird.

In Zusammenhang damit möchte ich verdeutlichen, dass von der Firma Topf insgesamt in fünf Krematorien des Konzentrationslagers Auschwitz nicht 20, sondern 21 Verbrennungsöfen gebaut worden sind.

Nebenbei möchte ich folgende Frage klarstellen:

Auf der mir vorgelegten Photokopie des Berichts der SS-Bauleitung heisst es, in den Krematorien 4 und 5 von Birkenau hätten sich Achtmuffel-Krematoriumsöfen befunden.

In Wirklichkeit wurden in jedem dieser Krematorien von der Firma Topf je vier Zweimuffelöfen gebaut, doch da sie auf meinen Vorschlag zu einem quadratförmigen Block vereint worden waren, galten sie in der Praxis als Achmuffelöfen.

Die Notwendigkeit, diese Öfen zu einem Block zu vereinen, ergab sich dadurch, dass in den Krematorien Nr. 4 und Nr. 5 die Ofenräume wesentlich kleiner waren als in den anderen Krematorien und es in ihnen nicht möglich war, vier Öfen einzeln aufzustellen.

Frage: Gab es im Krematorium Nr. 1 im Lagersektor Auschwitz eine Gaskammer?

Antwort: Ja, es gab eine.

Frage: Von wem wurde diese Gaskammer eingerichtet?

Antwort: Genau weiss ich es nicht, doch nehme ich an, dass die Gaskammer im ersten Krematorium in Auschwitz von der Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz selbst eingerichtet wurde.

Frage: Wann und auf welche Weise wurde Ihnen bekannt, dass es es beim ersten Krematorium in Auschwitz eine Gaskammer gab?

Antwort: Ich erfuhr davon zufällig im Jahre 1942 unter folgenden Umständen:

Im Frühling 1942 fuhr ich auf Ersuchen der SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz nach Auschwitz, um das Projekt zum geplanten Bau eines neuen Krematoriums im Lagersektor Auschwitz durchzusehen, meine Schlussfolgerungen darzulegen und auch den Ort zu besichtigen, wo der Bau dieses Krematoriums vorgesehen war.

Den vorgesehenen Bauort besichtigte ich in Begleitung eines SS-Manns.

Als wir am ersten Krematorium vorbeigingen, sah ich durch die halbgeöffnete Tür in einem der Räume des Krematoriumgebäudes Menschenleichen, die in verschiedenen Stellungen auf dem Boden lagen. Es waren mehr als zehn. Als ich mich diesem Raum näherte, schlug jemand von innen rasch die Tür zu. Da der Zweck dieses Raums im Krematorium Nr. 1 mir nicht bekannt war, fragte ich den mich begleitenden SS-Mann danach. Letzterer erwiderte mir, in diesem Raum sei eine Gaskammer eingerichtet worden, und man vergifte in ihm Häftlinge mit Gas.

Auf meine folgende Frage, auf welche Art diese Gaskammer funktioniere, antwortete der SS-Mann ausweichend, er wisse nicht genau darüber Bescheid, jedoch berichtete er mir, ihm sei bekannt, dass es in der Stadt Lodz Gaskammern gebe, in denen die SS-Männer Häftlinge mit Auspuffgasen aus den Motoren von Autos töteten; dann hätten sie freilich zur Beschleunigung des Tötungsprozesses Verbesserungen durchgeführt und begonnen, irgendein Gas zu verwenden.

Wie der SS-Mann erklärte, sei der Tötungsprozess als Ergebnis der Anwendung von Gasen in den Gaskammern von Lodz von 10 bis 15 Minuten auf eine bis zwei Minuten verkürzt worden.

Der Tötungsprozess in den Gaskammern der Stadt Lodz verlief nach den Worten des SS-Manns so: Man jagte die Häftlinge in die Gaskammern, schloss die Türen hermetisch und warf dann durch spezielle Öffnungen geöffnete Flaschen mit Gas [tscheres spezialnie otverstvija sabrasyvali tuda otkrytie bolony s gasom].

Anhand dieser Erzählung folgerte ich, dass man die Häftlinge auch in der von den SS-Männern beim Krematorium Nr. 1 in Auschwitz errichteten Gaskammer auf dieselbe Weise ermordete.

Frage: Somit waren Sie ab Frühling 1942 über das Vorhandensein von Gaskammern [Plural] bei den Krematorien [Plural] des Lagers Auschwitz auf dem laufenden?

Antwort: Völlig richtig. Wie ich bereits vorher darlegte, wurde mir erstmals im Frühling 1942 bekannt, dass es beim Krematorium Nr. 1 im Konzentrationslager Auschwitz eine Gaskammer [Singular] gab und dass dort von den SS-Männern auf gewaltsame Weise Häftlinge ermordet wurden.

Frage: Warum haben Sie dann bei den früheren Verhören erklärt, Sie hätten zum ersten Mal 1943 von der wirklichen Bestimmung der im Konzentrationslager Auschwitz befindlichen Krematorien und Gaskammern erfahren?

Antwort: Bei meinen Aussagen in den früheren Verhören habe ich mich einfach im Datum geirrt. In Wirklichkeit wurde mir dies, wie vorher gesagt, im Frühling 1942 bekannt.

Frage: Somit konstatiert die Ermittlungsinstanz, dass Sie, obgleich Sie ab Anfang 1942 wussten, dass die Krematorien und die Gaskammern im Lager Auschwitz von den SS-Männern zur Massenausrottung ganz unschuldiger Menschen bestimmt und benutzt wurden, bis 1944 fortfuhren, die Arbeiten zum Bau und zur Ausstattung der Gaskammern in besagtem Lager zu leiten, und auch aktiv Fragen bezüglich deren technischer Ausrüstung aufwarfen und lösten, wobei sie ihre Kapazität vervollkommneten und vergrösserten.

Antwort: Gegen die eben dargelegten Fakten kann ich nichts einwenden, da sie alle, mit Ausnahme meiner Beteiligung an der Ausrüstung der Gaskammern, der Wirklichkeit entsprechen.

Obwohl ich seit anfang 1942 darüber Bescheid wusste, dass die Krematorien und Gaskammern im Lager Auschwitz von den SS-Männern zur Massenausrottung von Gefangenen bestimmt und benutzt wurden, habe ich bis 1944 fortgefahren, die Arbeiten beim Bau und der Ausstattung neuer Krematorien im Lagersektor Birkenau zu kontrollieren und zu leiten, und ich habe auch aktiv Fragen bezüglich ihrer technischen Ausrüstung aufgeworfen und gelöst, wobei ich ihre Kapazität vervollkommnete und vergrösserte.

Was die Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz anbelangt, so habe nicht ich mich mit ihrer Ausrüstung befasst, sondern der Oberingenieur der Firma Topf und Söhne Karl Schultze.

Von ihm persönlich und unter seiner direkten Leitung wurden im Lagersektor vier Gaskammern bei den Krematorien Nr. 2 und Nr. 3 eingerichtet.

Ich persönlich habe lediglich allgemeine Verhandlungen mit der SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz über die Möglichkeit der Herstellung von Ausrüstungsgegegenständen für die sogenannten "Sonderbäder" (mit diesem Tarnausdruck bezeichneten die SS-Männer die Gaskammern, was ich später erfuhr) geführt.

Frage: Ihnen wird die Photokopie eines Briefs mit Ihrer Unterschrift vom 2.3. 1943 vorgelegt, der an die Adresse der SS-Bauleitung von Auschwitz gerichtet ist und in dem es um zehn Gasprüfer geht. Erklären Sie, zu welchem Zweck Sie diese Gasprüfer im Auftrag der SS-Organe gesucht haben!

Antwort: Die Gasprüfer, um die es auf der mir hier vorgelegten Photokopie meines Briefs vom 2. März 1943 an die Adresse der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz geht, habe ich auf Bitte des Chefs besagter Bauleitung von Bischoff [sic] gesucht, um mit ihnen die Gaskammern bei den Lagerkrematorien auszurüsten.

Als sich von Bischoff mit der einschlägigen Bitte an mich wandte, erklärte er mir, nach der Vergiftung von Häftlingen in den Gaskammern träten oft Fälle auf, wo selbst nach deren Durchlüftung in ihnen Blausäuredämpfe verblieben, was zur Vergiftung des bei diesen Kammern arbeitenden Bedienungspersonals führe.

Deswegen bat mich von Bischoff, herauszufinden, welche Firmen Gasprüfer herstellten, mittels denen man die Konzentration von Blausäuredämpfen in den Gaskammern messen könne, um die Arbeit des Bedienungspersonals gefahrenfrei zu machen.

Ich konnte von Bischoffs Bitte nicht erfüllen, weil ich keine Firma ausfindig machen konnte, welche solche Gasprüfer hergestellt hätte.

Frage: Die Ihnen vorgelegte Photokopie des Briefs vom 2. 3. 1943 sowie Ihre Antwort bezeugen im wesentlichen, dass Sie sich sehr aktiv an den Arbeiten zur Einrichtung der Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz beteiligt haben. Weswegen haben Sie vorher versucht, diesen Umstand zu bestreiten?

Antwort: Ich habe vorher lediglich bestritten, dass ich direkt an den Arbeiten zur Montage der Lüftungseinrichtungen in den Gaskammern teilgenommen habe. Dass ich mich allgemein an der Ausrüstung dieser Kammern mit anderen Gegenständen beteiligt habe, insbesondere mit Gasprüfern, bestreite ich nicht.


Protokoll des Verhörs vom 9. März 1948

Befrager: Oberstleutnant Dopertschuk

Befragter: Kurt Prüfer

Dolmetscher: Leutnant Kuschtsch

Frage: Halten Sie an Ihren Aussagen fest, welche Sie bei den Verhören vor Ihrer Überstellung nach Moskau abgegeben haben?

Antwort: Die von mir bei den Verhören vor meiner Überstellung nach Moskau abgegebenen Aussagen entsprechen der Wirklichkeit, und ich halte an ihnen fest.

Frage: Legen Sie dar, in welchen Konzentrationslagern die Firma Topf und Söhne am Bau und der Ausstattung von Krematorien und Gaskammern gearbeitet hat!

Antwort: Wie ich bei der Untersuchung bereits dargelegt habe, hat die Firma Topf und Söhne im Zeitraum von 1940 bis 1944 in Konzentrationslagern am Bau und der Ausstattung von Krematorien mitgewirkt.

Während dieser Zeit wurden von der Firma in folgenden Konzentrationslagern Krematorien gebaut und ausgerüstet: Buchenwald, Mauthausen, Dachau, Gross-Rosen und Auschwitz. Gaskammern wurden nur im Todeslager Auschwitz eingerichtet.

Frage: Aus den der Untersuchungsinstanz zur Verfügung stehenden, bei der Firma Topf und Söhne beschlagnahmten Dokumenten geht hervor, dass Arbeiten am Bau und der Ausrüstung von Krematorien von besagter Firma auch in den Konzentrationslagern Elrich, Sachsenhausen, Lublin und Stutthof durchgeführt worden sind. Warum versuchen Sie dies bei der Untersuchung zu verschweigen?

Antwort: In den vorher aufgezählten Konzentrationslagern hat die Firma Topf und Söhne keinerlei Arbeiten durchgeführt.

Mir ist lediglich bekannt, dass auf Bestellung der Leitung des Konzentrationslagers Stutthof von unserer Firma sogenannte… [unleserlich] geschickt wurden, die nach der Kremierung der Leichen in die Urnen mit der Asche gelegt wurden.

Zu welchen Zielen diese [unleserlich] für die SS-Leitung besagten Lagers gebraucht wurde, weiss ich nicht.

Frage: Ihnen werden Auszüge aus dem allgemeinen Produktionsplan der Firma vorgelegt, aus denen ersichtlich ist, dass die Firma Topf verschiedene Materialien zum Bau von Krematorien in die oben aufgezählten Konzentrationslager geschickt hat. Äussern Sie sich dazu!

Antwort: Wie aus den mir vorgelegten Auszügen des allgemeinen Produktionsplans der Firma Topf und Söhne hervorgeht, wurden zu verschiedener Zeit in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Lublin und Stutthof [unleserlich] geschickt, deren Bestellung seitens der SS-Leitung der genannter Lager ergangen war. Wozu diese [unleserlich] verwendet wurden, weiss ich nicht.

Was die seitens unserer Firma erfolgte Lieferung von Ersatzteilen für die Kremationsöfen des Konzentrationslagers Elrich betrifft, die im März 1945 stattfand, ist mir ebenfalls nichts davon bekannt, weil ich während dieses Zeitraums den Bau von Baracken im Dorf Bischleben für die Firma Topf leitete und diese Bestellung nicht von mir formuliert wurde.

Frage: Zu welchen Zielen hat die Firma Topf und Söhne mächtige Lüftungseinrichtungen zum Einsaugen und Ausstossen der Luft hergestellt und ins Konzentrationslager Buchenwald geliefert?

Antwort: Auf dem Gelände besagten Konzentrationslagers befand sich ein grosser militärischer Betrieb, in dem Fliegerabwehrgeschütze hergestellt wurden und in dem Häftlinge arbeiteten. Diese Geschütze wurden in einer geschlossenen Schiessanlage getestet und eingeschossen, in der unter der Obhut von Oberingenieur Schultze auch Lüftungseinrichtungen eingerichtet wurden, welche auf Bestellung der SS-Leitung des Lagers Buchenwald in der Fabrik unserer Firma hergestellt worden waren. [Unklar: Wie schiesst man Luftabwehrkanonen in einer geschlossenen – d.h. wohl überdachten – Anlage ein?]

Frage: Gab es in diesem Lager Gaskammern?

Antwort: Davon weiss ich nichts.

Frage: Sind Sie persönlich ins Konzentrationslager Gross-Rosen gefahren?

Antwort: In erwähntes Konzentrationslager fuhr ich 1941/1942 zweimal.

Frage: In welcher Angelegenheit?

Antwort: Im Zusammenhang mit dem Bau des Krematoriums.

Das erste Mal fuhr ich dorthin auf Einladung der SS-Bauleitung erwähnten Lagers, um technische Ratschläge zum Projekt des Baus eines Krematoriums zu erteilen und den Platz auszuwählen, wo dieses Krematorium aufgestellt werden sollte.

Das zweite Mal fuhr ich dorthin, um den Ablauf der Arbeiten am Bau dieses Krematoriums zu überprüfen. In besagtem Lager wurde unter meiner unmittelbaren Beteiligung von der Firma Topf ein Krematorium mit einem Dreimuffelofen errichtet.

Frage: Es ist bekannt, dass im Lagerkrematorium von Gross-Rosen nicht ein, sondern zwei Krematoriumsöfen errichtet worden sind. Warum verschweigen Sie dies bei der Ermittlung?

Antwort: Weil es schon länger zurückliegt, kann ich mich jetzt nicht genau erinnern, wieviele Öfen in diesem Krematorium erbaut wurden, doch scheint mir, dass dort nur ein Ofen aufgestellt worden ist.

Frage: Ihnen wird eine Zeichnung des Krematoriums vorgelegt, das von der Firma Topf im Konzentrationslager Gross-Rosen erbaut worden ist.

Aus dieser Zeichnung geht hervor, dass in genanntem Krematorium zwei Krematoriumsöfen aufgestellt wurden. Machen Sie wahrheitsgemässe Angaben zur Sache!

Antwort: Nachdem ich die mir vorgelegte Zeichnung gesehen habe, komme ich nicht umhin, mich damit einverstanden zu erklären, oder vielmehr zu gestehen, dass im Lagerkrematorium von Gross-Rosen unter meiner direkten Beteiligung zwei Dreimuffelöfen erbaut worden sind.

Frage: Von wem wurde das Projekt des Krematoriums für Gross-Rosen ausgearbeitet, dessen Zeichnung Ihnen vorgelegt wurde?

Antwort: Das Projekt des Krematoriums für das Konzentrationslager Gross-Rosen, dessen Zeichnung mi jetzt vorgelegt wird, wurde von mir persönlich ausgearbeitet.

Frage: Gab es in diesem Krematorium Gaskammern?

Antwort: Im Zeitraum, während dessen ich ins Konzentrationslager Gross-Rosen fuhr, gab es dort im Lagerkrematorium keine Gaskammern. Ob dort später welche eingerichtet wurden, ist mir nicht bekannt.

Frage: Ihnen werden noch zwei im Archiv der Firma Topf und Söhne beschlagnahmte Zeichnungen von Krematorien vorgelegt, die von der Firma im Konzentrationslager Auschwitz erbaut worden sind. Von wem wurden die Projekte dieser Krematorien ausgearbeitet?

Antwort: Bei den beiden mir vorgelegten Dokumenten handelt es sich um Zeichnungen der Krematorien Nr. 2 und Nr. 4 von Birkenau, die von der Firma Topf im Sektor Birkenau des Konzentrationslagers Auschwitz erbaut und ausgestattet wurden.

Diese Zeichnungen wurden von der SS-Bauleitung besagten Lagers angefertigt und der Firma zur Überprüfung der Richtigkeit der technischen Pläne sowie zur Erstellung von Berechnungen bezüglich der Quantität der notwendigen Materialien zum Bau dieser Krematorien zugestellt.

Die auf diesen Zeichnungen dargestellten Arbeiten wurden von mir persönlich sowie von Oberingenieur Schultze durchgeführt.

Frage: Haben Sie persönlich an der Erprobung der Krematoriumsöfen und der Inbetriebnahme der unter Ihrer Führung in Auschwitz erbauten Krematorien teilgenommen?

Antwort: Bei der Erprobung der Krematoriumsöfen sowie der Inbetriebnahme der unter meiner Führung in Auschwitz erbauten Krematorien musste ich nicht teilnehmen. Dies wurde von Monteuren der Firma erledigt, die unter meiner Leitung die Bau- und Montagearbeiten in diesen Krematorium verrichteten.

Bei den Fahrten ins Konzentrationslager Auschwitz habe ich persönlich die Funktion der Krematoriumsöfen zu einem Zeitpunkt beobachtet und überprüft, wo sie bereits in Betrieb waren.

Zum Zeitpunkt dieser Fahrten wurden in meiner Anwesenheit Leichen von Häftlingen verbrannt, die von den SS-Männern in den Gaskammern ermordet worden waren.

Einmal, vermutlich im Frühling 1943, fuhr ich auf Einladung der SS-Bauleitung nach Auschwitz, um zu ermitteln, weshalb die Saugzuggebläse bei den Öfen des 2. Krematoriums nicht funktionierten; auch Oberingenieur Schultze fuhr dorthin, um die nötige Reparatur dieser Saugzuggebläse vorzunehmen und sie wieder in Betrieb zu nehmen.

Es gelang Schultze nicht, diese Saugzuggebläse zu reparieren, und wir waren gezwungen, sie zu demontieren.

Doch als wir, d.h. ich und Schultze, die Funktion der Krematoriumsöfen ohne diese Saugzuggebläse überprüften, wurden in unserer Anwesenheit rund 25 Leichen von Häftlingen verbrannt, die, wie mir Schultze mitteilte, in der Gaskammer vergiftet worden waren.

Frage: Wurden in Ihrer Anwesenheit Häftlinge in den Gaskammern von Auschwitz ermordet?

Antwort: Nein, ich selbst musste nicht persönlich bei der Vergiftung von Häftlingen in den Gaskammern von Auschwitz zugegen sein.

Das in diesen Gaskammern Häftlinge mit Blausäuredämpfen ermordet wurden, teilte mir der Chef der SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz, von Bischoff [sic], mit, auf dessen Bitte ich mit einigen deutschen Firmen eine Korrespondenz in Sachen Bestellung von Gasprüfern zur Ausrüstung der Gaskammern führte.


Protokoll des Verhörs vom 13. März 1943

Befrager: Oberstleutnant Dopertschuk

Befragter: Kurt Prüfer

Dolmetscher: Kuschtsch

Frage: Welche Tarnbezeichnung trugen die Gaskammern auf den Zeichnungen und Dokumenten der Korrespondenz, die zwischen der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz und Ihrer Firma geführt wurde?

Antwort: Auf den Zeichnungen der Krematorien und in der offiziellen Korrespondenz zwischen der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz und der Firma Topf und Söhne trugen die Gaskammern die Tarnbezeichnung "Leichenkammern [kamery dlja trupow]", "Sonderkeller [spezialnye podvaly]", "Bäder mit Sonderbestimmung" [bani spezialnogo nasnatschenia] usw.

Frage: Auf einer Sitzung mit der SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz, die am 19. 8. 1942 stattfand, wurde mit Ihnen die Frage der Aufstellung von zwei Dreimuffelöfen bei den "Bädern mit Sonderbestimmung" erörtert. Erklären Sie, um welche "Bäder mit Sonderbestimmung" es damals auf dieser Sitzung ging!

Antwort: Auf dieser Sitzung ging es um die Aufstellung von zwei Dreimuffelöfen bei den Gaskammern, die von den SS-Männern in Birkenau errichtet worden waren, vollkommen getrennt von den in besagtem Lagersektor gebauten Krematorien.

Wo genau sich diese Gaskammern befanden, weiss ich nicht, weil ich nie in dem Gebiet war, wo sie lagen, und sie nicht gesehen haben.

Aufgrund der Ausführungen eines Häftlings, der als Chefheizer der Krematorien in Auschwitz arbeitete, weiss ich, dass diese Gaskammern drei Kilometer von den Birkenauer Krematorien entfernt waren, und dass die Leichen der in ihnen mit Gas ermordeten Gefangenen auf Scheiterhaufen eingeäschert wurden.

Ich möchte diese Darlegungen dahingehend ergänzen, dass bei diesen Gaskammern keine Krematoriumsöfen erbaut worden sind.

Frage: Haben Sie auf der erwähnten Sitzung vorgeschlagen, die für Mogilev vorgesehenen Krematoriumsöfen zu diesem Zweck zur Verfügung zu stellen? Welche Krematorien für Mogilev haben Sie sich auf dieser Sitzung zur Sprache gebracht?

Antwort: In der ersten Hälfte 1942 erhielt die Firma Topf und Söhne eine Bestellung vom SS-Zentralamt aus Berlin zur Herstellung von vier Achtmuffel-Verbrennungsöfen für die Stadt Mogilev.

Diese Öfen wurden von der Firma hergestellt und auf Anweisung des SS-Amts nicht nach Mogilev, sondern ins Konzentrationslager Auschwitz geschickt.

Damals, als auf der erwähnten Sitzung die Frage nach der Aufstellung von zwei Krematoriumsöfen bei den "Bädern mit Sonderbestimmung" aufgeworfen wurde, habe ich vorgeschlagen, die SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz möge die Frage mit dem entsprechenden SS-Amt in Berlin abstimmen, und einen Teil dieser Öfen für ihre Bedürfnisse in Auschwitz übernehmen, weil sie damals bereits erbaut waren und sich in der Firmenfabrik befanden.

In der Folge wurde diese Frage auch so entschieden. Doch wurden diese Öfen nicht bei den "Bädern mit Sonderbestimmung" aufgestellt, sondern in den neu erbauten Krematorien Nr. 4 und Nr. 5.

Ein weiterer dieser für Mogilev bestimmten Öfen wurde auf Anweisung der SS zur Eisenbahnstation Krakau gesandt, und was dort mit ihm geschehen ist, weiss ich nicht; ein Ofen blieb im Lager der Firma Topf und wurde bis zum Tage der Kapitulation Deutschlands nirgendwohin geschickt.

Frage: Zu welchem Zweck und in wessen Auftrag haben Sie im Januar 1943 den Bericht über den Bauzustand der Krematorien im Konzentrationslager Auschwitz erstellt? Eine Kopie dieses Berichts wird Ihnen vorgelegt.

Antwort: Der betreffende Plan wurde von mir auf Bitte des Chefs der SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz, von Bischoff, erstellt, und zwar für einen Rechenschaftsbericht zuhanden des SS-Hauptamts, das sich ausserordentlich für das Tempo des Krematorienbaus in Auschwitz interessierte und eine Beschleunigung der Arbeiten zu ihrer Ausrüstung und Inbetriebnahme verlangte.

Aufgrund der Ausführungen von Bischoffs weiss ich, dass Himmler im April 1943 das Todeslager Auschwitz besuchen sollte. Deswegen tat man alles, um bis zu diesem Zeitpunkt den Bau der Krematorien abzuschliessen und sie in Betrieb zu nehmen.


Fritz Sander | Karl Schultze | Gustav Braun

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