Protokoll des Verhörs vom 4. März 1946

Befrager: Hauptmann Schatanowski, Major Moruschenko

Befragter: Karl Schultze, Sohn des Karl, geboren 1900 in Berlin, Sohn des Besitzers einer Zuckerwarenfabrik, Beamter, mit höherer Ausbildung, Deutscher, deutscher Staatsbürger, Bewohner von Erfurt.

Dolmetscher: Negnevitzki

Frage: Seit wann und in welcher Position arbeiten Sie bei der Firma Topf?

Antwort: Ich arbeite seit 1928 als Bauingenieur für Lüftungseinrichtungen im Erfurter Betrieb der Firma Topf.

Frage: Berichten Sie, was Sie über die Konstruktion und den Bau von Krematorien für die Konzentrationslager wissen!

Antwort: 1940 legte die SS-Leitung des Konzentrationslagers Buchenwald dar, dass das Krematorium der Stadt Weimar für das Lager nicht ausreiche; die Leichen aus Buchenwald mussten nach Weimar gebracht werden, und deshalb wurde die Forderung laut, ein Krematorium direkt auf dem Territorium des Konzentrationslagers zu errichten.

Die Konstruktion und der Bau dieses Krematoriums wurde der Firma Topf seitens des Reichsführers SS/Abteilung Bau aufgetragen.

Unmittelbar durchgeführt hat diese Arbeit sowohl bezüglich der Konstruktion als auch hinsichtlich des Baus der Chefingenieur der Firma Topf, Prüfer Kurt.

Ich als Ingenieur für das Lüftungswesen wurde von Prüfer herangezogen, um die Lüftungseinrichtungen für die Krematoriumsöfen zu konstruieren und einzurichten.

Auf diese Weise habe ich, gemeinsam mit Prüfer, 1942/1943 auch die Krematorien im Konzentrationslager Auschwitz konstruiert und erbaut. Dabei habe ich lediglich den Teil des Krematoriums errichtet, der zur Lüftung gehörte.

In diesem Lager wurden während des erwähnten Zeitraums vier Krematorien gebaut. In zwei Krematorien gab es je fünf Öfen, und in jeden Ofen wurden jeweils drei Leichen eingeschoben, d.h. es gab jeweils drei Öffnungen (Muffeln) in einem Ofen. Innert einer Stunde konnte man in einem Krematorium mit fünf Öfen fünfzehn Leichen verbrennen.

Frage: Wodurch unterschied sich die Konstruktion der in den Konzentrationslagern aufgestellten Krematorien von den durch die Firma bis 1933 in verschiedenen Städten aufgestellten gewöhnlichen Krematorien?

Antwort: In den gewöhnlichen Krematorien gab es nur eine grosse Öffnung (Muffel), in die man ohne Schwierigkeiten einen Sarg mit einer Leiche einführen konnte. In den Krematorien der Konzentrationslager gibt es in jedem Ofen nicht eine Öffnung, sondern drei, und fünf Öfen in einem Krematorium.

Auf diese Art gab es in einem Konzentrationslagerkrematorium fünfzehn Öffnungen (Muffeln) statt nur einer, wie in einem gewöhnlichen Krematorium.

In einem gewöhnlichen Krematorium wurde die Leiche im Sarg mittels eines beweglichen Wagens auf Rollen in die Öffnung eingeschoben, doch in den Konzentrationslagerkrematorien wurde der Leichnam auf einer handgetragenen Bahre in die Muffel eingeführt.

Die Stärke der Ventilatoren betrug - statt drei PS wie beim Ofen eines gewöhnlichen Krematoriums - bei den Lüftungseinrichtungen der Konzentrationslagerkrematorien 5,6 PS.

Frage: Welche Vorrichtungen haben Sie ausser Lüftungseinrichtungen für die Krematorien in den Konzentrationslagern noch installiert?

Antwort: Auf Anordnung der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz habe ich 1942-1943 in diesen Lagern [Plural] Lüftungseinrichtungen in den sogenannten "Brausebädern" installiert. In Wirklichkeit wurde diese Lüftung von mir in den Gaskammern konstruiert und eingerichtet.

Frage: Wann sind Sie persönlich ins Lager Auschwitz gefahren, um die Krematorien und Gaskammern auszurüsten?

Antwort: Im Konzentrationslager Auschwitz war ich zweimal. Einmal im Zusammenhang mit einem Berechnungsfehler bei der Lüftung – dies war im Frühling 1943 -, und das zweite Mal ungefähr zwei Monate später, um die Lüftung in einem neu erbauten Krematorium in Betrieb zu nehmen.

Frage: Was haben Sie zur Zeit Ihres Aufenthalts im Konzentrationslager Auschwitz bemerkt, während Sie sich unmittelbar beim Krematorium und den Gaskammern befanden?

Antwort: Als ich mich im Konzentrationslager Auschwitz befand, habe ich persönlich zwanzig Schritt von mir entfernt gesehen, wie SS-Männer aus dem Lager bis zu dreihundert Menschen vor sich hinjagten – Männer, Frauen und Kinder; welcher Nationalität sie waren, konnte ich nur schwer bestimmen, doch dem äusseren Anschein nach zu urteilen ahnten sie nicht, wohin man sie führte. Man trieb sie alle in eine grosse Holzbaracke ohne Fenster, die innen elektrisch beleuchtet war.

Von aussen war diese Baracke durch einen geschlossenen Gang mit der Gaskammer verbunden, wo von mir die Lüftung installiert wurde.

Dies beobachtete ich ungefähr um 16 Uhr. Am folgenden Tag um zehn Uhr morgens war ich im Krematorium und sah dort sechzig Leichen von Männern, Frauen und Kindern verschiedenen Alters. Sie lagen entkleidet auf dem Boden, um in den Krematoriumsofen eingeschoben zu werden. Ihrem Aussehen nach waren sie in der Gaskammer ermordet worden.

Frage: Berichten Sie über die innere Einrichtung der Gaskammer!

Antwort: Dieses Gebäude war acht Meter breit und 30 Meter lang. Innen war es vollkommen leer. Die Höhe des Gebäudes betrug innen 2,6 Meter. An der Decke gab es vier quadratische Öffnungen von 25 x 25 cm Grösse.

Die Lüftungseinrichtung sorgte für einen zehnmaligen Luftaustausch; sie diente dazu, das Gas, das sich angesammelt hatte, abzusaugen und Frischluft hineinzupumpen. Die Rohre der Lüftung, die ich persönlich für die Gaskammer konstruierte, wurden in die Wände der Kammer eingemauert.

Frage: Mit wem haben Sie darüber gesprochen, dass die konstruierten und erbauten Krematorien und Gaskammern zur Vernichtung völlig unschuldiger Menschen dienten?

Antwort: Ich will dies deutlich darlegen. Auf der Dienstreise nach Auschwitz war der Konstrukteur der Krematoriumsöfen, Prüfer, dabei. Als er am Morgen ankam, sah er die am Boden liegenden sechzig Leichen von Männern, Frauen und Kindern ebenfalls.

Ich erzählte ihm alles, was geschehen war: wie man diese Menschen herangeführt, in die Gaskammern [Plural] gejagt und umgebracht hatte, und wie man ihre Leichen nun im Krematorium verbrannte. Prüfer hat mir nichts darauf geantwortet.

Frage: Nachdem Sie persönlich und Prüfer die Ermordung unschuldiger Menschen mitangesehen hatten, wieviele Krematorien und Gaskammern für die Konzentrationslagern haben Sie dann noch gebaut?

Antwort: Nachdem ich im Konzentrationslager Auschwitz beobachtet hatte, wie man in den Gaskammern und Krematorien unschuldige Menschen vernichtete, habe ich zusammen mit Prüfer dort, in Auschwitz, noch fünf Krematoriumsöfen aufgestellt und eine Gaskammer mit einer Lüftungseinrichtung ausgestattet.

Frage: Was bewog Sie dazu, sich bei dieser Dienstreise sieben Tage lang in Auschwitz aufzuhalten?

Antwort: Ich blieb dort fünf Tage, weil es keinen Transport mit zur Vernichtung bestimmten Menschen gab, ich jedoch die Funktion des Krematoriumofens praktisch erproben musste. Diese Überprüfung konnte ich erst vornehmen, als die zuvor erwähnten bis zu dreihundert Menschen eintrafen, die man dann in den Gaskammern [Plural] ermordete.

Frage: Wann und von wem wurden die mobilen Krematorien konstruiert, und zu welchem Zweck?

Antwort: Die mobilen Krematorien sind wie folgt konstruiert: Derselbe Typ wie in Buchenwald, doch waren sie von Prüfer so modifiziert, dass sie auf einem Lastwagen montiert werden konnten, und als Brennstoff verwendeten sie Öl. Ihr Zweck ist mir nicht bekannt. Ein von Prüfer konstruierter derartiger Ofen wurde nach Berlin geschickt; an welche Organisation, weiss ich nicht, darüber weiss Prüfer Bescheid.

Frage: Ab wann haben Sie zusammen mit Prüfer wissentlich Krematorien und Gaskammern zur Vernichtung von Menschen konstruiert, vervollkommnet und gebaut?

Antwort: Ich habe zusammen mit Chefingenieur Prüfer ab 1943 wissentlich Krematorien gebaut, konstruiert und vervollkommnet und Gaskammern ausgerüstet, d.h. ab jenem Zeitpunkt, wo ich persönlich die Ermordung von Menschen in den Gaskammern und Krematorien im Konzentrationslager Auschwitz beobachtet habe.

Frage: Was bewog Sie dazu, nachdem Sie mit Prüfer den Zweck Ihrer Konstruktionen in Auschwitz gesehen hatten, weiterhin solche zu bauen?

Antwort: Mit dem Bau von Krematorien und Gaskammern fuhren ich und Prüfer deshalb fort, weil wir uns der SS gegenüber 1942 durch unsere Unterschrift gebunden hatten und der Firma Topf sowie dem nationalsozialistischen Staat verpflichtet waren.


Protokoll des Verhörs vom… (Datum fehlt, doch jedenfalls zwischen dem 5. und dem 13. März 1946).

Befrager: Malyschko

Befragter: Karl Schultze

Dolmetscher: Negnevitzki

Frage: Wo lebt Ihre Familie gegenwärtig?

Antwort: Meine Frau lebt in Erfurt in der Rudolfstätterstrasse [Transkription] 3.

Frage: Welche Fachausbildung besitzen Sie?

Antwort: 1922 habe ich in Berlin das Maschinenbauinstitut abgeschlossen, wo ich ein Ingenieurdiplom erwarb.

[Das Verhör bestand nur aus diesen beiden Fragen.]


Protokoll des Verhörs vom 14. März 1946.

Befrager: Hauptmann Morskoi

Befragter: Karl Schultze

Dolmetscher: Dazjuk

Frage: Welchen politischen Parteien und Organisationen gehörten Sie an?

Antwort: Ich gehörte keinen Parteien an. Doch war ich Mitglied der nationalsozialistischen Organisation "Arbeitsfront". Dieser Organisation trat ich 1933 bei.

Frage: Welche leitenden Stellungen haben Sie in besagter Organisation bekleidet?

Antwort: Während der ganzen Zeit meiner Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen Organisation "Arbeitsfront" habe ich keine leitenden Stellungen in ihr bekleidet.

Frage: Wann begannen Sie in der Firma Topf in Erfurt zu arbeiten?

Antwort: In der Fabrik der Firma Topf in Erfurt begann ich 1928 zu arbeiten.

Frage: In welcher Stellung waren Sie dort tätig?

Antwort: In der Firma Topf war ich als Chefingenieur für die Konstruktion von Lüftungseinrichtungen tätig.

Frage: Für was für Gebäude haben Sie die Lüftungen konstruiert?

Antwort: Ich habe Lüftungseinrichtungen für Theater, Heizkessel von Fabrikheizungen sowie Krematorien konstruiert.

Frage: Haben Sie auch Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern in den Konzentrationslagern konstruiert?

Antwort: Ja, ich habe auch Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern in den Konzentrationslagern konstruiert.

Frage: Wann begannen Sie Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern in den Konzentrationslagern zu konstruieren?

Antwort: Ich habe nur einmal, im Jahre 1943, zwei Lüftungseinrichtungen für zwei Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz konstruiert.

Frage: Unter wessen Führung baute die Firma Topf die von Ihnen konstruierten Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern?

Antwort: Der Bau der Lüftungseinrichtungen lief unter meiner Führung ab.

Frage: Von wem erhielt die Firma Topf Bestellungen zum Bau der Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern?

Antwort: Wie mir bekannt ist, erhielt die Firma Topf die Bestellungen zum Bau von Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern, aber auch die Krematorien für die Konzentrationslager von der SS-Führung in Berlin, Abteilung Bau.

Frage: Wer in der Firma Topf beschäftigte sich mit der Konstruktion und dem Bau von Krematorien für die Konzentrationslager?

Antwort: Mit der Konstruktion der Krematorien für die Konzentrationslager sowie der Leitung des Baus dieser Krematorien in der Fabrik der Firma Topf befasste sich der Chefingenieur der Krematorienbauabteilung, Prüfer Kurt.

Frage: Was war Ihr Anteil am Bau der Krematorien?

Antwort: Mein Anteil am Bau der Krematorien für die Konzentrationslager bestand darin, dass ich als Lüftungsingenieur Lüftungseinrichtungen für die Krematoriumsöfen konstruierte und installierte.

Frage: Für welche Konzentrationslager haben Sie Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern sowie Lüftungseinrichtungen und Saugzuggebläse für die Krematorien konstruiert und gebaut?

Antwort: Wie bereits früher erwähnt, habe ich nur zwei Lüftungseinrichtungen für zwei Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz konstruiert und gebaut; ferner Saugzuggebläse für das Krematorium im Konzentrationslager Buchenwald. Es ist möglich, dass ich auch Lüftungseinrichtungen sowie Gebläse für andere Konzentrationslager konstruiert und gebaut habe, doch wann und für welche Lager, ist mir jetzt nicht mehr erinnerlich.

Frage: Wieviele Krematorien wurden insgesamt von der Firma Topf erbaut?

Antwort: Auf diese Frage kann ich nicht antworten, weil ich es nicht weiss.

Frage: Welchen Anteil am Bau der Krematorien hatten Braun und Sander?

Antwort: Braun als Produktionschef in der Fabrik der Firma Topf leitete den Bau der Krematorien und achtete darauf, dass die Bestellungen qualitativ einwandfrei und fristgerecht ausgeführt wurden.

Sander als Chefingenieur der Firma Topf leitete die Abteilung Krematorienbau. Alle Projekte der Krematorien, die von Ingenieur Prüfer konstruiert worden waren, hat Sander persönlich überprüft und gebilligt, worauf er diese Projekte dem Firmenbesitzer Ludwig Braun zur Genehmigung vorlegte.

Frage: Wann wurde Ihnen bekannt, dass in den von Ihnen zusammen mit Prüfer gebauten Krematorien und mit Hilfe der von Ihnen gebauten Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern in den Konzentrationslagern unschuldige Menschen vernichtet wurden?

Antwort: Dass in den Krematorien Menschen verbrannt wurden, die in den Konzentrationslagern interniert gewesen und in den Gaskammern ermordet worden waren, wusste ich von jenem Moment an, wo ich im Konzentrationslager Auschwitz persönlich ermordete Menschen sah.

Frage: Wann waren Sie im Konzentrationslager Auschwitz?

Antwort: Im Konzentrationslager Auschwitz war ich anfang 1943, an den genauen Monat erinnere ich mich nicht mehr.

Frage: Wie oft sind Sie in dieses Lager gefahren?

Antwort: Ins Konzentrationslager Auschwitz fuhr ich zweimal, beide Male im Jahre 1943.

Frage: Zu welchem Zweck sind Sie dorthin gefahren?

Antwort: Das erste Mal fuhr ich nach Auschwitz, um die bei der Berechnung der Ventilation für die Krematorien begangenen Fehler auszubessern. Das zweite Mal fuhr ich zwei Monate später hin, um die Ventilation in einem neu errichteten Krematorium in Gang zu setzen.

Als ich mich im erwähnten Konzentrationslager aufhielt, beobachtete ich persönlich, wie die SS-Männer unweit von mir bis zu 300 Menschen – Männer, Frauen und Kinder -, die dem Anschein nach nicht ahnten, wohin man sie führte, vor sich hertrieben. Ich sah auch, dass man all diese Menschen in eine Holzbaracke jagte, die keinerlei Fenster besass.

Diese Baracke war durch einem geschlossenen Gang mit der Gaskammer verbunden, in welcher ich die Lüftungseinrichtung installiert hatte.

Die erwähnte Gruppe von Menschen jagte man ungefähr um 16 Uhr in die Holzbaracke; was man mit ihnen tat, wusste ich nicht, doch am folgenden Tage, ca. um zehn Uhr morgens, als ich mich im Krematorium befand, sah ich dort sechzig Leichen von Männern, Frauen und Kindern verschiedenen Alters, die ganz nackt auf dem Boden lagen; sie alle waren tot, und man hatte sie zur Verbrennung ins Krematorium gebracht. Es machte den Anschein, als seien alle sechzig im Krematorium liegenden Menschen in der Gaskammer ermordet worden.

Frage: Was taten Sie im Krematorium zu jenem Zeitpunkt, als dort die sechzig Leichen zur Verbrennung eingeliefert wurden?

Antwort: Als die sechzig Leichen zur Verbrennung ins Krematorium eingeliefert wurden, erteilte ich den Monteuren der Lüftungseinrichtungen gerade Anweisungen, wie sie diese in Betrieb zu nehmen hatten, denn es handelte sich um ein eben erst fertiggebautes Krematorium.

Frage: Demnach wurde unter Ihrer direkten Beteiligung die Funktion des Krematoriums sowie der von Ihnen im Krematorium installierten Lüftungseinrichtungen erprobt?

Antwort: Ja, unter meiner direkten Beteiligung wurden das neuerrichtete Krematorium sowie die von mir für das Krematorium installierten Lüftungseinrichtungen erprobt. Damals wurden alle sechzig Leichname verbrannt, die dort lagen.

Frage: Das heisst, Sie beteiligten sich unmittelbar an der Vernichtung unschuldiger Menschen?

Antwort: Ja, das stimmt; da ich das Lüftungssystem im Krematorium gerade zu dem Zeitpunkt in Gang setzte, als man dort Menschen verbrannte, habe ich mich dadurch direkt an der Vernichtung von Menschen beteiligt.

Frage: Wie lange waren Sie im Konzentrationslager Auschwitz?

Antwort: Das erste Mal war ich einen Tag im Konzentrationslager Auschwitz, das zweite Mal sechs Tage.

Frage: Warum waren Sie das zweite Mal sechs Tage im Konzentrationslager Auschwitz?

Antwort: Weil es zum Zeitpunkt meines Eintreffens im Konzentrationslager Auschwitz dort keine zu vernichtenden Menschen gab, konnte ich die Funktion des Lüftungssystems und der Krematorien nicht erproben, und ich musste sechs Tage dort verbringen, bis man einen Transport von Menschen verschiedener Nationalität und unterschiedlichen Alters herführte. Wie ich schon vorher gesagt habe, führte ich die praktische Überprüfung der Funktion des Krematoriums durch, nachdem sechzig Menschen in der Gaskammer ermordet worden waren und anschliessend unter meiner Beteiligung im Krematorium verbrannt wurden. Anschliessend, nachdem ich festgestellt hatte, dass das Lüftungssystem im Krematorium reibungslos funktionierte, verliess ich das Konzentrationslager.

Frage: Sie haben vorher ausgesagt, Sie hätten erst erfahren, dass in den von Prüfer gemeinsam mit Ihnen gebauten Krematorien unschuldige Menschen vernichtet wurden, als Sie im Krematorium sechzig Leichen gesehen hätten, und jetzt geben Sie an, Sie hätten im Konzentrationslager sechs Tage auf einen Transport zur Vernichtung bestimmter Menschen gewartet. Folglich haben Sie doch schon vorher gewusst, dass in den Krematorien unschuldige Menschen vernichtet wurden?

Antwort: Ja, ich sehe mich gezwungen einzuräumen, dass ich, schon bevor ich die vorhin erwähnten sechzig Leichen sah, Bescheid darüber wusste, dass man in den von mir zusammen mit Prüfer erbauten Krematorien unschuldige Menschen vernichtete; darum sass ich im Konzentrationslager Auschwitz und wartete, bis ein Transport von zur Vernichtung bestimmten Menschen eintraf, um die Funktion des Krematoriums sowie des Lüftungssystems während der Verbrennung der Leichen der zuvor in den Gaskammern ermordeten unschuldigen Menschen erproben zu können.


Protokoll des Verhörs vom 20. März 1946

Befrager: Hauptmann Morskoi

Befragter: Karl Schultze

Dolmetscher: Dazjuk

Frage: Gegen Sie wird die Anklage erhoben, dass Sie als Ingenieur und Konstrukteur der Lüftungseinrichtungen in der Fabrik der Firma Topf zusammen mit dem Chefingenieur Prüfer sich an der Konstruktion und dem Bau der Krematoriumsöfen beteiligt - d.h. für sie Lüftungseinrichtungen und Saugzuggebläse konstruiert haben -, von denen auf Bestellung der SS-Leitung bis zu 20 Stück zur Verbrennung der Leichen der in den Konzentrationslagern zu Tode gequälten Menschen hergestellt wurden.

1943 haben Sie zwei Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz konstruiert und gebaut, in denen ganz unschuldige Menschen auf viehische Weise erstickt wurden. Im Frühling 1943 sind Sie eigens ins Konzentrationslager Auschwitz gefahren, um die von Ihnen erbauten Lüftungseinrichtungen im Ofen des Krematoriums zu erproben, und unter Ihrer Teilnahme wurde dort die Leichen der zu Tode gequälten Menschen verbrannt. Die von Ihnen verübten Verbrechen werden durch den ersten Teil des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 19. April 1943 erfasst. Ist Ihnen die gegen Sie erhobene Anklage verständlich, und wessen konkret bekennen Sie sich schuldig?

Antwort: Die gegen mich aufgrund des ersten Teils des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 19. April 1943 erhobene Anklage ist mir erläutert worden und für mich verständlich. Ich bekenne mich voll schuldig, als Ingenieur und Konstrukteur von Lüftungseinrichtungen in der Fabrik der Firma Topf in Erfurt gemeinsam mit Chefingenieur der Abteilung Krematorienbau, Prüfer, Krematoriumsöfen konstruiert und gebaut zu haben, d.h. ich konstruierte und baute für diese Öfen im Auftrag der SS-Führung Lüftungseinrichtungen und Saugzuggebläse für die Konzentrationslager Buchenwald, Auschwitz, Dachau sowie andere. Wieviele Krematoriumsöfen insgesamt unter meiner direkten Beteiligung erbaut worden sind, ist mir nicht mehr erinnerlich. In den Krematoriumsöfen wurden die Leichen von in den Konzentrationslagern zu Tode gequälten Menschen verschiedener Nationalitäten verbrannt.

Ausserdem habe ich persönlich im Jahre 1943 zwei Lüftungseinrichtungen für zwei Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz konstruiert, in denen vollkommen unschuldige Menschen von den Deutschen viehisch erstickt wurden, welche aus verschiedenen Ländern Westeuropas dorthin verschleppt worden waren.

Im Frühjahr 1943, an den genauen Monat erinnere ich mich nicht mehr, bin ich eigens nach Auschwitz gefahren, um die von mir gebaute Lüftungseinrichtung für die Krematoriumsöfen zu erproben. Ich wartete damals sechs Tage, bis im Konzentrationslager ein Transport mit zur Vernichtung bestimmten Menschen eintraf. Damals wurden unter meiner Beteiligung die Leichen von in den Gaskammern zu Tode gequälten Menschen verbrannt.


Protokoll des Verhörs vom 28. März 1946

Befrager: Leutnant Tereschtschenko

Befragter: Karl Schultze

Dolmetscher: Leutnant Goldfarb

Frage: Nennen Sie Ihren Familiennamen und Namen!

Antwort: Mein Familienname ist Schultze, mein Vorname Karl. Andere Namen und Familiennamen besitze ich nicht.

Frage: In welchen politischen Organen und Parteien waren Sie Mitglied?

Antwort: Abgesehen davon, dass ich von 1933 bis 1945 Mitglied der Organisation "Arbeitsfront" war – der faschistischen Gewerkschaft -, gehörte ich keinen anderen Parteien und Organisationen an.

Frage: Haben Sie in der faschistischen Organisation "Arbeitsfront" führende Posten bekleidet?

Antwort: Ich war in der Organisation "Arbeitsfront" die ganze Zeit über nur gewöhnliches Mitglied.

Frage: Berichten Sie über Ihre berufliche Tätigkeit!

Antwort: Die Volksschule schloss ich 1914 in der Stadt Babelsberg ab; dann bildete ich mich in derselben Stadt zum Schlosser und Zeichner aus. Von Juni bis November 1918 absolvierte ich eine militärische Ausbildung als Soldat in einer Artillerieeinheit der deutschen Armee. Von 1919 bis 1922 habe ich in Berlin an einem privaten Technikum für Maschinenbau studiert; nachdem ich dieses abgeschlossen hatte, trat ich im gleichen Jahr in die Dienste der Firma Siemens und Schukkert, Abteilung dampfbetriebene Einrichtungen. Dort arbeitete ich bis 1923 als Konstrukteur.

Von 1924 bis 1926 arbeitete ich weiter als Konstrukteur in der Berliner Firma Daniberg und Quandt, Abteilung Ventilatoren und Gebläse.

Von 1926 bis 1928 arbeitete ich der Reihe nach in den Firmen Pulenski und Zeptner – dort konstruierte ich Kesseleinrichtungen zur Herstellung von Zucker aus Zellulose -, Bamol (als Konstrukteur von Metallbauten) sowie Junkers Tessar (als Ingenieur für Ventilatoren und Saugzuggebläse). [Firmennamen transkribiert.]

Ab 1928 bis in jüngste Vergangenheit arbeitete ich in der Firma Topf und Söhne als Ingenieur und Konstrukteur von Ventilatoren, Absaugegeräten, Heizkesseln, Saugzuggebläsen und Heizungseinrichtungen. Ich lebte während dieser Jahre in Erfurt, wo die Firma Topf domiziliert ist.

Frage: Berichten Sie, welche Produkte die Firma Topf herstellte!

Antwort: Die Firma Topf ist ein Betrieb zur Herstellung von Heizungs- und Lüftungsgeräten sowie anderen Ausrüstungsgegenständen; je nach Art der angefertigten Produkte war sie in verschiedene Abteilungen untergliedert. So stellte beispielsweise die Abteilung D folgendes her: Komplette Kesseleinrichtungen, Heizeinrichtungen für industrielle Organisationen, Öfen für Krematorien, Ausrüstungsgegenstände zur Auswertung von Auspuff- und Industriegasen für die Heizung.

Die sogenannte Abteilung E stellte folgendes her: Trockner für Malz zur Bierbrauerei, Siloeinrichtungen zur Lagerung von Gemüse, Reifentransportfahrzeuge für Gemüse, Trockner für Silotürme, Reinigungsmaschinen für Getreide, Anlagen zur Desinfizierung von Getreide etc.

Die Abteilung E stellte Lifte und Transportfahrzeuge her.

In der Abteilung B wurden Lüftungseinrichtungen für Krematorien, Entstauber für Wolle, Holz (Sägemehl), Felle etc., aber auch Einrichtungen für die Zentralheizung von Wohnungen mittels heisser Luft sowie Apparaturen zur Auffeuchtung der Luft für Bäder und Wäschereien produziert.

Die Firma Topf wurde noch in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gegründet. Zuletzt leiteten sie die Brüder Ernst und Ludwig Topf. Bis 1941 waren in ihr 600 bis 700 Arbeiter angestellt; während der Kriegsjahre waren es wesentlich mehr. Gegenwärtig erfüllt die Firma Topf verschiedene Bestellungen für die UdSSR, beispielsweise Siloeinrichtungen u.a.

Bei der Aufzählung obiger von der Firma Topf hergestellter Produkte muss ich hinzufügen, dass die Abteilung D der Firma Topf zur Zeit des deutsch-sowjetischen Krieges, ab 1942, besondere Aufträge der SS-Reichsführung zur Herstellung von Spezialöfen für die Krematorien ausführte, die in den Konzentrationslagern Buchenwald, Dachau und Auschwitz aufgestellt wurden.

Frage: Woher wissen Sie, dass die Firma Topf Öfen für die Krematorien der deutschen Todeslager Buchenwald, Dachau und Auschwitz herstellte?

Antwort: Ich weiss davon vom Chefingenieur der Firma Topf, Prüfer, der für die Bestellungen zuständig war und die Herstellung von Öfen leitete. Mir ist es ferner darum bekannt, weil ich selbst direkt mit diesen Aufträgen in Kontakt kam, da mir die Konstruktion von Lüftungseinrichtungen in den Krematorien oblag. In der Regel wurde der Firma zur Erfüllung dieser Aufträge eine Sonderration Metall zugeteilt. Die Arbeit wurde seitens der SS durch den SS-Sturmbannführer Bischoff kontrolliert. Nach Fertigstellung des angeforderten Produkts fuhr er von der Firma schnurstracks zum Bestimmungsort. Zur Aufstellung der Öfen wurden von der Firma qualifizierte Maurer zur Verfügung gestellt, welche die Konzentrationslager aufsuchten.

Frage: Wieviele Öfen wurden für die Krematorien der von Ihnen erwähnten Lager hergestellt?

Antwort: Aus den Zeichnungen, mit denen ich zu tun hatte, weiss ich zuverlässig von zehn Öfen für die Krematorien, die von unserer Firma für die Konzentrationslager angefertigt wurden. Soweit ich mich gegenwärtig entsinne, wurden sie alle nach Auschwitz geschickt.

Ich muss jedoch erklären, dass ich die Zahl der zur Leichenverbrennung hergestellten Öfen, die in die Konzentrationslager gesandt wurden, nicht genau kenne, weil ich nicht von allen Aufträgen erfuhr. Ich erinnere mich, dass die Firma Topf für Buchenwald und Dachau noch vor Beginn des deutsch-sowjetischen Kriegs im Jahre 1941 Öfen für Krematorien hergestellt hat.

Frage: Wer konstruierte die Öfen für die Krematorien?

Antwort: Unmittelbar ausgeführt hat diese Arbeiten, sowohl bezüglich der Konstruktion als auch hinsichtlich des Baus, der Chefingenieur der Firma Topf Prüfer Kurt.

Ich als Ingenieur für Lüftungseinrichtungen wurde von Prüfer zur Konstruktion und Ausstattung der Lüftungseinrichtungen für die Krematoriumsöfen herbeigezogen, die, wie ich bereits gesagt habe, 1942-1943 im Konzentrationslager Auschwitz aufgestellt wurden.

Frage: Beschreiben Sie die technische Ausrüstung der Krematoriumsöfen, welche in die Lager in Auschwitz und anderswo geschickt wurden, und nennen Sie die Unterschiede zu den Öfen der gewöhnlichen Krematorien, die von der Firma Topf in verschiedenen Städten vor 1941 erbaut wurden!

Antwort: In den gewöhnlichen Krematorien gab es nur eine grosse Öffnung (Muffel), in die man den Sarg mit der Leiche problemlos einführen konnte. In den Krematorien für die Lager aber sind die Öfen grösser und besitzen jeweils drei Muffeln von geringerer Grösse als jene der Öfen eines gewöhnlichen Krematoriums. Dabei wurden in einem Krematorium des Lagers fünf Öfen aufgestellt. Die Einschiebung der Leiche erfolgte hier nicht auf beweglichen, auf Rollen montierten Wagen, sondern durch einfaches Einführen in die Muffel mit Hilfe einer von Hand getragenen Bahre.


Protokoll des Verhörs vom 18. März 1948

Befrager: Oberstleutnant Dopertschuk

Befragter: Karl Schultze

Dolmetscher: Leutnant Kuschtsch

Frage: Unterstanden Sie bei Ihrer Arbeit in der Firma Topf und Söhne Ingenieur Kurt Prüfer?

Antwort: Bei der Arbeit in der Firma Topf standen ich und Prüfer Kurt auf gleicher Stufe, und keiner von uns war dem anderen unterstellt.

Wir arbeiteten beide im Konstruktionsbüro als Chefingenieure und waren Gruppenleiter.

Ich leitete die Gruppe B – Konstruktion und Bau von Lüftungseinrichtungen -, und Prüfer K. führte die Gruppe D-IV – Konstruktion und Bau von Kremationsöfen sowie Heizungseinrichtungen.

In einer Reihe von Fällen musste ich die Arbeit meiner Gruppe mit derjenigen der Gruppe Prüfer Kurts koordinieren, weil die Projektierung der Lüftungseinrichtungen und Gebläse mit der Ausarbeitung der Projekte der Kremationsöfen und Heizungseinrichtungen verknüpft war.

Chef des Konstruktionsbüros war Ingenieur Sander Fritz.

Frage: In welchem Verhältnis standen Sie zu Prüfer Kurt; gab es zwischen Ihnen keine engeren persönlichen Beziehungen?

Antwort: Während der ganzen Dauer meiner Arbeit im Konstruktionsbüro der Firma unterhielt ich mit Prüfer ein rein dienstliches Verhältnis. Engere persönliche Beziehungen zwischen uns gab es nie.

Frage: Ab wann und in welchen deutschen Konzentrationslagern führte die Firma Topf und Söhne Arbeiten am Bau und der Ausstattung von Krematorien und Gaskammern durch?

Antwort: Soweit ich weiss, hat die Firma Topf und Söhne von 1940 bis 1944 Arbeiten am Bau von Krematorien durchgeführt.

Während des erwähnten Zeitraums wurden von der Firma Krematorien in den Konzentrationslagern Buchenwald, Mauthausen, Auschwitz und anderen gebaut und ausgerüstet, an deren Namen ich mich nicht erinnere. Gaskammern wurden nur im Konzentrationslager Auschwitz eingerichet.

Sämtliche erwähnten Arbeiten wurden von der Firma Topf auf Bestellung der SS-Organe ausgeführt.

Frage: Welchen Anteil an der Durchführung dieser Arbeiten hatten Prüfer und Sie persönlich?

Antwort: Prüfer als Spezialist für Kremationseinrichtungen kontrollierte und leitete die Arbeiten zum Bau der Lagerkrematorien und konstruierte für diese Krematorien auch Verbrennungsöfen.

Ich persönlich konstruierte Saugzuggebläse und Lüftungseinrichtungen für die Lagerkrematorien und leitete in einzelnen Fällen die Arbeiten bei deren Montage direkt.

Insbesondere leitete ich persönlich die Montage der Saugzuggebläse und Lüftungseinrichtungen für die Krematorien und Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz. Zu diesem Zweck fuhr ich 1943 dreimal in dieses Lager.

Frage: In welche Lager sind Sie sonst noch gefahren?

Antwort: Ausser nach Auschwitz fuhr ich auch ins Konzentrationslager Buchenwald, wo unter meiner Leitung die Lüftungseinrichtungen für das Heizungssystem der Kasernen montiert wurde, in welchen die Lagerwache untergebracht war.

Die Lüftungseinrichtung für das Krematorium besagten Lagers wurde von mir konstruiert und in der Fabrik der Firma Topf anhand meiner Zeichnungen hergestellt. Allerdings wurde ihre Montage an Ort und Stelle, d.h. im Lagerkrematorium, nicht von mir, sondern von einem der Firmenmonteure besorgt. Andere Konzentrationslager habe ich nicht aufgesucht.

Frage: Gab es im Konzentrationslager Buchenwald Gaskammern?

Antwort: Ich weiss es nicht. Mir war nur bekannt, dass es im Konzentrationslager Auschwitz Gaskammern gab.

Frage: Ihnen werden die Formulare der Bestellungen Nr. 43/588, Nr. 43/836/2 sowie Nr. 44/257/3 vorgelegt, aus denen ersichtlich ist, dass die Firma Topf und Söhne auf Bestellung der SS-Organe mächtige Ventilationseinrichtungen zum Einsaugen und Ausstossen der Luft hergestellt und ins Konzentrationslager Buchenwald geliefert hat. Erklären Sie, wozu diese Einrichtungen dienten und angefertigt wurden!

Antwort: Auf die seitens der SS-Bauleitung des Lagers Buchenwald ergangenen Bestellungen Nr. 43/836/2 vom 9. 6. 43 sowie Nr. 44/257/3 vom 18.2. 44 hin hat die Firma Topf und Söhne mächtige Ventilationseinrichtungen zur Ausstattung der von ihnen [den SS-Leuten] überdachten Schiessanlage des Militärbetriebs Gustlafwerne [Transkription] in der Stadt Weimar hergestellt.

Dieser Betrieb befand sich in der Zone des Konzentrationslagers Buchenwald, und in ihm wurden Häftlinge eingesetzt.

In der Schiessanlage wurden Geschütze eingeschossen, die von diesem Betrieb hergestellt worden waren (was für Geschütze, weiss ich nicht). Aus diesem Grund war im Raum der Schiessanlage die Luft stets mit Rauchgasen verseucht. Darum wurden im Raum dieser Schiessanlage Lüftungseinrichtungen zur Reinigung der Luft installiert.

Auf Bestellung Nr. 43/588/1 vom 5.5. 43 hin hat die Firma Topf eine Lüftungseinrichtung für den zentralen Kesselraum des Heizungssystems hergestellt, genauer gesagt für die Kesselanlagen der Zentralheizung der Kaserne des Lagers Buchenwald.

Die Montagearbeiten zur Installierung der Ventilatoren wurden sowohl in der Schiessanlage des Betriebs Gustlafwerne als auch im zentralen Kesselraum des Lagers Buchenwald unter meiner Leitung durchgeführt.

Was die SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Buchenwald mit der Installierung der Lüftungseinrichtungen in der erwähnten Schiessanlage zu tun hatte, ist mir nicht bekannt.

Frage: Welchen Anteil hatten Sie am Bau und der Ausrüstung des Krematorums im Konzentrationslager Gross-Rosen?

Antwort: Mein Anteil am Bau und der Ausrüstung des Krematoriums im Konzentrationslager Gross-Rosen bestand darin, dass ich für die Verbrennungsöfen dieses Krematoriums spezielle Saugzuggebläse konstruierte, dank denen die Kapazität dieser Öfen erhöht wurde. Darin bestand auch mein Anteil am Bau der Krematorien in den Konzentrationslagern Dachau, Mauthausen und Buchenwald.

Frage: Ihnen wird eine Zeichnung des Krematoriums vorgelegt, welches die Firma Topf und Söhne im Konzentrationslager Gross-Rosen hergestellt hat. Welchen Anteil an der Herstellung dieser Zeichnung hatten Sie persönlich?

Antwort: Wie aus der Überschrift der mir vorgelegten Zeichnung hervorgeht, wurde von der Firma Topf und Söhne in der Tat das Projekt eines Krematoriums für das Konzentrationslager Gross-Rosen entworfen. Doch ich persönlich hatte beim Entwurf des Projekts und der Erstellung der Zeichnung dieses Krematoriums keinen Anteil. Ich vermute, dass der Chefingenieur des Konstruktionsbüros der Firma, Prüfer, die technische Ausarbeitung des Projekts für den Ofenraum erwähnten Krematoriums besorgt hat.

Frage: Bei welchen Konzentrationslager haben Sie sich am Entwurf der Projekte für die Krematorien beteiligt?

Antwort: Beim Bau der Krematorien in den Konzentrationslagern hat die Firma Topf und Söhne Projekte für die Öfenräume entworfen und Zeichnungen davon erstellt. Diese Arbeiten wurden von Chefingenieur Prüfer durchgeführt. Ich persönlich habe auf den bereits vorliegenden Zeichnungen dieser Krematorien bloss die Saugzuggebläse und Lüftungseinrichtungen in diesen auf den Zeichnungen dargestellten Räumen eingezeichnet, wo sie – d.h. die Saugzuggebläse und Lüftungseinrichtungen – konstruiert werden mussten.

Frage: Ihnen werden zwei Zeichnungen der Krematorien Nr,. 2/3 sowie Nr. 4/5 vorgelegt, die von der Firma Topf im Lagersektor Birkenau des Todeslagers Auschwitz errichtet und ausgestattet worden sind.

Welchen Anteil an der Erstellung der Projekte und Zeichnungen für diese Krematorien hatten Sie persönlich?

Antwort: Die mir als Nr. 1 und Nr. 2 vorgelegten Dokumente sind Zeichnungen der Krematorien Nr. 2/3 und Nr. 4/5, die von der Firma Topf und Söhne des Lagersektors Birkenau des Todeslagers Auschwitz errichtet und ausgestattet worden sind.

Bei Dokument 1 handelt es sich um den Rohentwurf des Raums der Krematorien 2/3 (sie waren vollständig gleich); ich hatte diese Zeichnung bis zum damaligen Zeitpunkt nicht gesehen.

Seinerzeit wurde die vorliegende Zeichnung dieser Krematorien der Firma Topf seitens der SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz zugestellt, und ich habe sie persönlich zur Ausarbeitung und Erstellung des Schemas der Lüftungskanäle für die Räume dieses Krematoriums benutzt und auch auf dieser Zeichnung die Stelle eingetragen, wo die Lüftungseinrichtungen montiert werden sollten.

Die Zeichnung 4/5 (Dokument Nr. 2) habe ich persönlich zur Durchführung derselben Arbeiten wie bei Krematorum 2/3 benutzt.


Fritz Sander | Kurt Prüfer | Gustav Braun

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