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Teil 1 I Teil 2 I Teil 3 I

 

DAS GERMAR RUDOLF URTEIL (1)

(Seite 1)

17 KLs 83/94

StA Stuttgart Landgericht Stuttgart

4 Js 34417/93

Im Namen des Volkes

Urteil in der Strafsache gegen Germar S ch e e r e r geb. Rudolf, geboren am 29.10.1964 in Limburg/Lahn, wohnhaft in 71144 Steinenbronn, Meisenweg 18

wegen Volksverhetzung u. a.

Die 17. grosze Strafkammer des Landgerichts Stuttgart hat in der vom 22.11.1994 bis zum 23.06.1995 dauernden Hauptverhandlung, an der teilgenommen haben Vors. Richter am Landgericht Dr. Mayer - als Vorsitzender -, Richter am Landgericht Helwerth und Richter am Landgericht Heitmann - BE -- als beisitzende Richter -,

(Seite 1a)

Karin Kiefer und Dr. Volker Krimmel - als Schoeffen -, Staatsanwaeltin Arndt und Oberstaatsanwalt Christ - als Beamte der Staatsanwaltschaft -, Rechtsanwalt Dr. Herzogenrath-Amelung und Rechtsanwalt Thomas Mende - als Verteidiger -, Justizobersekretaerin Scheerer, Justizsekretaerin Zimmerer, Justizsekretaerin Knittel, Justizsekretaerin Huber und Justizsekretaerin Spaeth - als Urkundsbeamtinnen der Geschaeftsstelle -, am 23.06.1995

fuer Recht erkannt:

Der Angeklagte wird wegen Volksverhetzung in Tateinheit mit Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Beleidigung und Aufstachelung zum Rassenhasz zu der Freiheitsstrafe von 1 Jahr 2 Monaten

verurteilt.

Die sichergestellten beiden - unter dem Namen Remer herausgegebenen - >Gutachten ueber die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den Gaskammern von Auschwitz', 3. erweiterte und korrigierte Auflage, November 1992, sowie der sichergestellte PC nebst Bildschirm, Tastatur, Verbindungskabel, Maus und Drucker werden eingezogen.

Der Angeklagte traegt die Kosten des Verfahrens.

(Seite 1 b )

Angewandte Vorschriften:

szsz 130 Nr. 1 und 3, 131 Abs. 1 Nr. 1, 185, 189, 194 Abs. 1 und 2, 25 Abs. 2, 52, 74 und 74 d StGB

(2. Seite)

Gliederung.............................................Seite

I) Zur Person des Angeklagten 6

II) Feststellungen 8

A) Zusamenfassender Ðberblick 8

B) Allgemeines zur Motivation und Strategie des Angeklagten 14

C) Die Hauptschriften des Angeklagten 23

1.) >Gutachten< 23

2.) Vorlesungen ueber Zeitgeschichte 24

3.) Grundlagen zur Zeitgeschichte 25

D) Die Kontakte des Angeklagten zu >revisionistischen< 27

und rechtsextremen Kreisen

1.) Ernst Zuendel 28

2.) David Irving 30

3.) Guenther Deckert 31

4.) Hans J. D 32

5.) Klaus E(...) 37

6.) Harald R(..) 38

7.) Rechtsanwalt Hajo Herrmann 38

8.) Rechtsanwalt Dr. Herbert Schaller 39

9.) Dr. Dieter Bartling 40

10.) Juergen Graf 42

11.) Ahmed Rahmi 43

12.) Mitarbeiter am Buch >Grundlagen zur 43

Zeitgeschichte<: Robert Faurisson, Arnulf

Neumaier, Willy Wallwey

13.) Verbindungen zum Kreis zu Remer 45

a) Allgemeines zum Remer-Kreis 45

b) Verhaeltnis des Angeklagten zu Remer und Philipp 47

E) Der Angeklagte und die publizistischen Aktivitaeten des

Remer-Kreises 52

1.) Die Zeit luegt! 53

2.) Wissenschaftlicher Erdrutsch durch das Rudolf Gutachten 55

(3.Seite)

3.) Das Remer-Interview mit Al Shaab 57

4.) Auch Holocaust Luegen haben kurze Beine 59

5.) Der Fall Rudolf 59

6.) Deutschland Report 63

7.) Remer-Depesche 66

a) Ausschlachtung der publizistischen Aktivitaeten des Angeklagten 67

b) Beteiligung des Angeklagten an Artikeln der Remer-Depesche 73

c) Sonstige Hinweise auf Verbindungen 74

8.) Gemeinsamkeiten der Schriften des Remer-Kreises 75

F) Sonstige Hinweise auf rechtsextremistische und antisemitische Einstellung des Angeklagte 77

G) Die Entstehung des >Gutachtens< 87

H) Schluszfolgerungen des >Gutachtens< 96

I) Die Plaene zur Veroeffentlichung des >Gutachtens< 99

K) Die Durchfuehrung der Remeraktion 108

1.) Herstellung und Versand 108

2.) Die Kommentierung der Remerversion des >Gutachtens< 109

3.) Ankuendigung der Remeraktion und Reaktionen darauf 115

4.) Schriftstuecke zur Vertuschung der Beteiligung des Angeklagten an der Remeraktion 118

5.) Weitere Schriftstuecke und Aktivitaeten imZusammenhang mit der Remeraktion 126

a) Arbeitsrechsstreit mit dem Max-Planck-Institut 126

b) Rechtsstreit mit dem Institut Fresenius 130

c) Sonstige Aktivitaeten des Angeklagten im Zusammenhang mit der Remeraktion 131

L) Die Veroeffentlichung der Cromwell-Fassung 132

M) Die >revisionistische< Publikationskampagne 134

III. Beweiswuerdigung 138

A) Allgemeines zu den Beweismitteln und deren Einfuehrungin die Hauptverhandlung 138

B) Die Einlassung des Angeklagten 142

C) Allgemeines zur mangelnden Glaubwuerdigkeit der Angaben 146

des Angeklagten

D) Indizien fuer eine Beteiligung des Angeklagten an 154

der Remer-Aktion

(4. Seite)

1.) Allgemeine Indizien 154

a) Politische Motivation des Angeklagten 155

b) Naehe des Angeklagten zu nationalsozialistischem 156

Denken, insbesondere dessen Rassenideologie

c) Eingliederung des Angeklagten in das 160

rechtsextremistische Milieu

Verhaeltnis zu

aa) Zuendel 160

bb) Deckert 162

cc) Irving 165

dd) Reich, Ewald, Wallwey, Neumaier, Faurisson, D(...) 166

d) Bewertung entgegenstehender Zeugenaussagen 169

2.) Spezielle Indizien 173

a) Beziehungen zum Remerkreis 173

aa) Kontakt im Jahre 1991 173

bb) Beziehung des Angeklagten zu Philipp 174

cc, dd) Beziehung zur Remer-Depesche 175

ee) Beteiligung des Angeklagten an Schriften des 176

Remer-Kreises

aaa) Die Zeit luegt! 176

bbb) Wissenschaftlicher Erdrutsch durch das 186

Rudolf Gutachten

ccc) Das Remer-Interview mit Alshaab 187

ddd) Auch Holocaust Luegen haben kurze Beine 187

eee) Der Fall Rudolf 189

fff) Deutschland Report 189

ggg) Mitwirkung des Angeklagten an Artikeln der ...

Remer-Depesche

ff) Zuordnung der Schriften zum Remerkreis 194

gg) Bewertung des Spranger-Artikels 196

b) Keine Versendung der Fassung >F2< durch 198

Rechtsanwalt Herrmann an Remer

c) Zuendelbrief enthaelt Grundgedanken der Remeraktion 202

d) Organisation der Herausgabe des >Gutachtens< im 203

Herbst 1992

e) Einheitliche Aktion fuer der Remer- und 207

Cromwell-Fassung des >Gutachtens<

f) Adressaufkleber beim Angeklagten gefunden 210

(5. Seite)

g) Ausbootung Dr. Bartlings 212

h) Remerflugblatt kuendigt >Raubkopie< an 213

i) Unangemessene Reaktion des Angeklagten auf die 218

Ankuendigung der Remeraktion

k) Verstaendnis des Angeklagten fuer die Remeraktion 223

E) Allgemeine Argumente des Angeklagten gegen eine 224

Beteiligung an der Remeraktion

1.) Gefaehrdung der Promotion 224

2.) Wirkung des Gutachtens verpufft 227

3.) Inhalt des Gutachtens bereits veroeffentlicht 228

F) Bewertung der Aussagen der Zeugen Annemarie Remer und 229

Philipp

G) Hilfsbeweisantrag 231

IV.) Rechtliche Wuerdigung 233

A)Straftatbestaende 233

1.) Volksverhetzung 233

2.) Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener 234

3.) Beleidigung 234

4.) Aufstachelung zum Rassenhasz 235

B) Wissenschaftsfreiheit 235

C) Verjaehrung 236

V.) Strafzumessung 237

VI). Kosten und Einziehung 240

(6. Seite)

GRUENDE:

1. Zur Person des Angeklagten

Der jetzt 30-jaehrige Angeklagte ist gemeinsam mit zwei Geschwistern in seinem Elternhaus aufgewachsen. Sein Vater ist von Beruf Sozialpaedagoge, seine Mutter Hauswirtschaftsmeisterin. Die Familie wohnte zunaechst in Bad Hersfeld, wo der Angeklagte auch die Grundschule und das Gymnasium bis zum Abschlusz der Mittelschule besuchte. Ab 1980 wohnte sie in Remscheid, wo der Angeklagte die Oberstufe des Gmmnasiums absolvierte. Im Jahr 1983 begann der Angeklagte das Studium der Chemie in Bonn, das er im Jahr 1989 mit der Note 1,0 abschlosz. Nach dem Studium machte der Angeklagte den einjaehrigen Wehrdienst bei der Bundeswehr. Danach begann er beim Max-Planck-Institut in Stuttgart, wo er ein Promotionsstipendium erhalten hatte, mit der Erstellung einer Doktorarbeit. In dieser Zeit war der Angeklagte Angestellter des Max-Planck-Institutes mit einem Gehalt von monatlich 1.350,00 bis 1.450,00 DM. Der Vertrag mit dem Max-Planck-Institut wurde am 7.6.1993 wegen der Vorfaelle, die Gegenstand dieses Strafverfahrens sind, zunaechst

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fristlos gekuendigt und nach Klage des Angeklagten beim Arbeitsgericht im gegenseitigen Einverstaendnis geloest. Der Angeklagte reichte seine Doktorarbeit zwar noch ein. Das Promotionsverfahren stagniert jedoch im Hinblick auf dieses Strafverfahren. Nach seinem Ausscheiden aus dem Max-Planck-Institut war der Angeklagte arbeitslos und bezog Arbeitslosengeld in Hoehe von monatlich 800,00 DM. Seit 1.10.1994 ist er kaufmannischer Angestellter in der Firma des Zeugen D(...).

Der Angeklagte, der zuvor den Nachnamen Rudolf trug, ist seit Mai 1994 verheiratet. Bei der Eheschlieszung hat er den Nachnamen seiner Ehefrau, Scheerer, angenommen. Aus der Ehe ist ein Kind im Alter von nunmehr neun Monaten hervorgegangen.

Der Angeklagte ist nicht vorbestraft.

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II. Feststellungen

A) Zusammenfassender Uberblick

Der Angeklagte ist Verfasser einer Schrift mit dem Titel >Gutachten ueber die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den ,Gaskammern' von Auschwitz< (i.F. einschlieszlich aller Vorfassungen >Gutachten< genannt), in der die Behauptung aufgestellt wird, dasz im nationalsozialistischen Vernichtungslager Auschwitz keine Massenvergasungen von Menschen mit Blausaeuregas stattgefunden hatten. Die Schrift entstand in den Jahren 1991 bis 1993 auf dem Hintergrund einer rechtsextremistischen Einstellung des Angeklagten, der die negativen Folgen des nationalsozialistischen Regimes fuer Deutschland nicht wahrhaben will. Anfang April 1993 wurde die Schrift vom Angeklagten und anderen rechtsextremistisch eingestellten Personen zusammen mit polemischen Kommentierungen in einem Vor- und Nachwort in der Bundesrepublik in mindestens 1000 Exemplaren an fuehrende Personen aus Justiz, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, darunter an alle Professoren fuer anorganische Chemie versandt.

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In der Schrift (>Gutachten<) stellt der Angeklagte, angeregt von einem Werk des Amerikaners Fred Leuchter (sog. Leuchter-Report), die These auf, dasz unter Zugrundelegung der Aussagen von Zeugen ueber die massenhafte Toetung von Menschen mit Blausaeuregas (Zyklon B) in den Gebaeuderesten der Gaskammern des Vernichtungslager Auschwitz Rueckstaende des Gases vorhanden sein mueszten. Da solche Rueckstaende aber, im Gegensatz zu den dort gleichfalls befindlichen sogenannten Sachentlausungskammern, wo das Gas auch eingesetzt worden sei, nicht festzustellen seien, koennten die Massenvergasungen nicht wie bezeugt stattgefunden haben.

Im Vorwort der Schrift, welches unter dem Namen des Zeugen Otto-Ernst Remer geschrieben ist, wird unter Bezugnahme auf den Hauptteil unter anderem behauptet, die Darstellungen ueber den Holocaust seien eine Luege zur Erpressung des Deutschen Volkes. Auszerdem heiszt es, es handele sich hierbei um eine >unglaublich satanische Geschichtsverdrehung<, an der sich Politiker und Medien zum Nachteil des deutschen Volkes seit Jahrzehnten beteiligt haetten. In der Nachbetrachtung unter dem Namen E. Haller, die der Ausgabe November 1992 der Zeitschrift >Remer Depesche< entnommen ist, werden in Form eines Berichtes ueber einen Prozesz gegen Remer wegen Volksverhetzung, der im Oktober 1992 vor dem Landgericht Schweinfurt stattfand, unter anderem die Verhaeltnisse im Konzentrationslager Auschwitz verharmlost. Es wird bestritten, dasz

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Auschwitz ein Vernichtungslager war, und behauptet, dasz die Berichte ueber den Holocaust eine Legende zur Rechtfertigung der >Abschlachtung und Ausraubung< des deutschen Volkes durch die Alliierten des 2. Weltkrieges und zur >Identitaetsstiftung< fuer die Juden seien.

>Gutachten< und Vor- und Nachwort stellen ein einheitliches Werk dar. In der Gesamtheit des Werkes wird das Verfolgungsschicksal der Opfer des Nationalsozialismus geleugnet und damit deren Wuerde, die aus diesem besonderen Schicksal resultiert, verletzt. Auszerdem wird das Andenken derer verunglimpft, die im Zusammenhang mit nationalsozialistischen Verfolgungsmasznahmen verstorben sind. Schlieszlich wird in dem Werk behauptet, dasz der Holocaust eine blosze Erfindung interessierter Kreise zum Zwecke der Durchsetzung wirtschaftlicher und politischer Ziele sei. Damit wird in versteckter Form und aus antisemitischer Einstellung behauptet, die in- und auslaendischen Juden beschuldigten das deutsche Volk aus eigensuechtigen Motiven in einer abgestimmten Aktion bewuszt wahrheitswidrig eines ungeheuren Verbrechens. Den Juden wird dadurch insgesamt eine besonders verwerfliche Unehrlichkeit unterstellt und auf diese Weise gezielt zum Hasz gegen die heute lebende Bevoelkerung juedischen Glaubens aufgestachelt.

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Die Versendeaktion von April und Mai 1993 erfolgte im Namen des Zeugen Otto-Ernst Remer, einem Generalmajor a.D. der Wehrmacht, der in rechtsextremistischen Kreisen wegen seiner Rolle bei der Niederschlagung des Aufstandes gegen Hitler vom 20.7.1944 und seiner radikalen Schriften grosze Beachtung findet. Unter seinem Namen wird im Vorwort behauptet, der Angeklagte habe mit der Versendeaktion nichts zu tun. Vielmehr habe er Remer die Veroeffentlichung des >Gutachtens<, welches unter anderem in dessen Prozesz in Schweinfurt verwendet werden sollte, >mit aller Deutlichkeit< untersagt. Wenn es Remer dennoch veroeffentliche, so geschehe dies >in Notwehr<, weil das Landgericht Schweinfurt das >Gutachten< nicht angenommen und ihm damit die Fuehrung des Beweises versagt habe, dasz in Auschwitz keine Massenvergasungen stattgefunden haetten. Da er wegen entsprechender Behauptungen zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten ohne Bewaehrung verurteilt worden sei, wehre er sich, indem er das >Gutachten< an die Offentlichkeit bringe.

In Wirklichkeit war die Herausgabe der kommentierten Version ein publizistischer Trick, um das >Gutachten< moeglichst ohne strafrechtliche und beruflich abtraegliche Folgen fuer den Angeklagten und werbewirksam in die ÷ffentlichkeit zu bringen. Sie war Teil einer umfangreichen Publikationskampagne, in deren Rahmen der Angeklagte und ihm nahestehende Personen, darunter die Zeugen Annemarie und Otto-Ernst Remer

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sowie Karl Philipp, im Fruehjahr 1993 auf verschiedenen Ebenen Schriften, die den Holocaust leugneten, in der Hoffnung verbreiteten, in der ÷ffentlichkeit die Resonanz zu erlangen, die sie seit laengerem anstrebten, aber nicht erreicht hatten.

Im einzelnen diente die Remer-Version zuvoerderst dazu, die Herausgabe der >autorisierten< und unkommentierten Fassung vorzubereiten, die im Juli 1993 im Verlag Cromwell-Press in England erschien. Der Angeklagte hatte, um Wirkung auszerhalb des nationalen Lagers erzielen zu koennen, urspruenglich die Absicht, das >Gutachten< in einem Verlag zu veroeffentlichen, der nicht der politisch rechten Szene zugerechnet wird. Da es ihm nicht gelang, diese Absicht zu verwirklichen, entschlosz er sich im Herbst 1992, das >Gutachten< mit Hilfe Gleichgesinnter in Eigenregie herauszubringen. Zur Vermeidung negativer beruflicher oder strafrechtlicher Konsequenzen entwickelte er hierzu gemeinsam mit den Mitbeteiligten den Plan, eine >Notwehraktion< eines Dritten zu fingieren. Damit sollte der Eindruck erweckt werden, als sei der Angeklagte, um seine angeblich rein wissenschaftlichen Absichten unter Beweis stellen zu koennen, gezwungen gewesen, der polemisch kommentierten und auch veralteten Remer-Fassung des >Gutachtens< alsbald eine gereinigte und aktuelle Version gegenueberzustellen. Darueber hinaus verfolgte der Angeklagte mit der Versendungsaktion den Zweck, durch eine spektakulaer

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erscheinende angebliche Notwehraktion Remers, der auch auszerhalb des rechtsradikalen Milieus einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, fuer die >offizielle< Version Werbewirkung zu erzielen. Des weiteren sollte das Werk auf diese Weise in Fuehrungskreisen der Bundesrepublik verbreitet werden. Schlieszlich sollte durch Versendung an alle Professoren fuer anorganische Chemie, von denen der Angeklagte keine Reaktion erwartete, der Boden fuer das spaeter verbreitete Scheinargument bereitet werden, dasz im >Gutachten< keine fachlichen Fehler gefunden worden seien.

Diesem Plan entsprechend bestritt der Angeklagte von Anfang an wahrheitswidrig, dasz er mit der Veroeffentlichung der Remer-Fassung des >Gutachtens< oder den sonstigen Veroeffentlichungen in diesem Zusammenhang und auch mit Remer irgend etwas zu tun habe. Vielmehr ergriff er, um sein Bestreiten plausibel erscheinen zu lassen, zum Schein Gegenmasznahmen und tat alles, um seine Beteiligung an der Remeraktion zu verschleiern. Hierbei beging er zahlreiche Manipulationen, u.a. indem er Schriftverkehr vortaeuschte oder inhaltlich falsche Schreiben verfaszte.

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B) Allgemeines zur Motivation und Strategie des Angeklagten

Der Angeklagte beschaeftigt sich seit mindestens Ende der achtziger Jahre neben seiner beruflichen Ausbildung intensiv mit den politischen und sozio-kulturellen Folgen des zweiten Weltkrieges und des Zusamenbruches des Nationalsozialismis in Deutschland. Nach seiner Ðberzeugung war die deutsche Nachkriegsentwicklung und ist das Selbstverstaendnis der Deutschen und ihr Ansehen in der Welt ganz wesentlich bestimmt durch die Art und Weise, wie das Hitler-Regime bewertet wird, vorallem durch die Darstellungen ueber die systematische Vernichtung von Menschen juedischen Glaubens in Vernichtungslagern. Da der Angeklagte nicht bereit ist, die Folgen fuer Deutschland und die Deutschen, wie er sie sieht, zu akzeptieren, entschlosz er sich, dazu beizutragen, die nationalsozialistischen Massenverbrechen zumindest in Zweifel zu ziehen.

Auf diesem Hintergrund trat er zu einem nicht naeher bekannten Zeitpunkt Ende der achtziger Jahre der Partei der Republikaner bei, deren Mitglied er bis zum Jahre 1991 war. Im Laufe der Zeit gewann er die Ðberzeugung, dasz seine radikalen Ziele in einer Partei nicht zu erreichen seien. Daher entschlosz er sich spaetestens Mitte des Jahres 1990, durch

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Publikationen, in denen die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlost oder in Frage gestellt werden, gezielt auf die oeffentliche Meinung einzuwirken. Zu diesem Zweck war der Angeklagte, der nationalsozialistischem Denken, insbesondere dessen Rassenideologie, zumindest nahesteht, auch bereit, durch gezielte Unterstellungen zur Schuerung von Emotionen beizutragen. Insbesondere versuchte er in der ÷ffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, als seien die Darstellungen ueber den Holocaust nur eine Erfindung der Siegermaechte des zweiten Weltkrieges und juedischer Kreise zu dem Zweck, Deutschland unter Druck zu halten, die Entwicklung des Landes zu bestimmen und es politisch und finanziell erpressbar zu machen.

Mit seiner Einstellung befand sich der Angeklagte weitgehend im Einklang mit einer Gruppierung von Personen, die unter der Bezeichnung >Historischer Revisionismus< auftreten und sich zum Ziel gesetzt haben, die deutsche Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus umzuschreiben. Das vorrangige Ziel insbesondere des radikalen >revisionistischen< Fluegels war, Publizitaet zu erlangen. Dahinter stand die Ðberlegung, dasz eine ÷ffentliche Diskussion ueber schwer aufklaerbare Details der nationalsozialistischen Massenverbrechen bei einer gewissen Zahl von Menschen Zweifel daran hinterlassen wuerde, die langfristig politische Relevanz erlangen wuerden.

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Spaetestens ab Sommer 1990 nahm der Angeklagte mit zahlreichen Personen der >revisionistischen< Szene, die durch Korrespondenz, Versammlungen und Publikationen international in groszem Masze vernetzt ist, intensiven persoenlichen und brieflichen Kontakt auf, darunter auch mit rechtsradikalen Kreisen, wie sie um die Zeugen D(...) im Umkreis von Stuttgart und Remer in Bad Kissingen bestanden. Von Anfang an bemuehte sich der Angeklagte um eine fuehrende Rolle in dieser Szene, unter anderem indem er Gleichgesinnte fuer publizistische Projekte unter seiner Leitung sammelte und die >revisionistische< Strategie in der Absicht verfeinerte, deren Gedankengut in Kreisen auszerhalb des >nationalen Lagers< zu etablieren.

Ende des Jahres 1990 verfaszte der Angeklagte anlaeszlich der geplanten Ðbersetzung des Buches >The Holocaust on Trial< von R. Lenski, welches sich mit dem Prozesz gegen den neonazistischen >Revisionisten< Ernst Zuendel in Kanada befaszt, ein Strategiepapier, in dem es unter anderem heiszt:

>Die meisten Menschen reagieren auf einen Angriff gegen den (Gaskammer) Mythos wie Pawlowsche Hunde. ... Ziel musz es sein, den Kern des Aberglaubens zu vernichten. Die Strategie musz so ablaufen, dasz man die Pawlowschen Hunde moeglichst nicht zum Bellen bringt. Fuer die Taktik heiszt dies: die Position des ,Gegners' einnehmen, also das volkspaedagogische Erwuenschtsein der Dogmen nicht in Zweifel ziehen und es

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nicht angreifen, sich sogar mit ihm einverstanden erklaeren. Keine Parteilichkeit fuer die eigene Sache zeigen, allein auf das Recht auf Zweifel angesichts widerspruechlicher Befunde zu beharren und nach Salamitaktik vom 'Kirchengebaeude' Auschwitz ein Stueck nach dem anderen zum Einsturz zu bringen.

... Unter den oben beschriebenen Voraussetzungen ist eine moeglichst grosze Zielgruppe auch auszerhalb des einfacher zu bekehrenden nationalen Kreises anzusprechen (d.h. das trojanische Pferd in die Festung bringen.) ... Aus diesem Grund scheint es um des Erfolges willen absolut vordringlich, den Bericht moeglichst sachlich und neutral erscheinen zu lassen... Sachlich und neutral heiszt hier: im Sinne des Gesellschaftsskonsenses, also bestueckt mit der Nomenklatur und den Beurteilungsnormen der veroeffentlichten Meinung (trojanisches Pferd).<

Weiter schrieb der Angeklagte, mangelnde Sensibilitaet fuer das normale Reaktionsverhalten berge die Gefahr der Unbedachtsamkeit und koenne katastrophale Wirkungen auf das Gegenueber haben. >Wuerde es nach meinem Herzen gehen,< fuhr er fort, >stuenden in dem Buch noch weitaus drastischere Dinge. Damit ware jedoch nur meinem Herzen gedient. ... Ich plaediere daher fuer eine - totalentschaerfte - Version fuer den deutschen Markt, auch wenn es dem Herzen zuwider sein mag.<

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Entsprechend diesen Vorstellungen gestaltete der Angeklagte auch seine sonstige publizistische Strategie. Er unterschied zwischen Publikationen, die innerhalb der rechtsradikalen Szene und ihres Umfeldes und solchen, die auch auszerhalb davon Wirkung entfalten sollten. Waehrend letztere ausschlieszlich sachlich erscheinen sollten, konnten erstere unter Berufung auf die angeblich wissenschaftlichen Schriften zum Teil aeuszerst heftige Polemik und den Appell an nationalistische und rassistische Vorurteile enthalten.

Zweck dieser Doppelstrategie war, einerseits durch hetzerische Pamphlete Emotionen zu schueren und damit national gesinnte oder fuer polemische Argumentation empfaengliche Kreises zu sammeln; andererseits durch objektiv erscheinende Schriften den Kreis der Adressaten fuer >revisionistisches< Gedankengut zu erweitern. Gleichzeitig sollte mit dem Anschein der Objsektivitaet fuer gewisse Schriften auch die Moeglichkeit eroeffnet werden, sich auf die verfassungsmaeszig garantierte Freiheit der Wissenschaft zu berufen. Dadurch sollten diese Schriften dem Zugriff der Ermittlungsbehoerden entzogen werden und so indirekt ein staatliches Unbedenklichkeitsattest erhalten.

Seine eigene Rolle im >revisionistischen< Lager sah der Angeklagte in erster Linie als die des im Hintergrund wirkenden Verfassers grundlegender Schriften mit dem Anspruch auf

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Wissenschaftlichkeit. Die politische oder polemische, insbesondere auch stark antisemitische Komentierung ueberliesz er in erster Linie anderen, nicht zuletzt Personen aus dem Umfeld des Zeugen Remer. Diese Personen gaben anonym oder unter Pseudonym zahlreiche Zeitschriften, Broschueren und Flugblaetter mit zum Teil stark hetzerischer Tendenz heraus, in denen in verallgemeinernder Weise auch immer wieder auf das >Gutachten< Bezug genommen wurde. Der Angeklagte, der mit einer derartigen Verwendung seiner Werke einverstanden war, leistete Hilfe bei der Erstellung dieser Pamphlete. Unter anderem stellte er Daten und Dokumente zur Verfuegung, korrigierte, entwarf und ueberarbeitete Texte oder uebernahm deren graphische Gestaltung am Computer.

Darueber hinaus verfaszte der Angeklagte - unter zahlreichen Pseudonymen oder anonym - auch selbst teils polemisch kommentierende teils sachlich erscheinende Artikel und Flugschriften. Unter anderem ging es ihm hierbei darum, eine lebhafte Diskussion ueber den Inhalt des >Gutachtens< und andere >revisionistische< Thesen nach auszen hin vorzutaeuschen. Zu diesem Zweck zitierte er sich unter verschiedenen Namen immer wieder selbst. Auszerdem legte er den Pseudonymen akademische Berufsbezeichnungen und Titel, darunter den Doktorgrad, zu, um den Eindruck zu erwecken, als finde eine Diskussion unter Fachleuten statt. Unter anderem trat er unter den Namen Dr.Ernst Gauss, Diplom-Chemiker, Dr. Werner

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Kretschmer, Jurist, Dr. Christian Konrad, Historiker und Journalist und Dr.Dr. Rainer Scholz, Diplom-Chemiker und Pharmakologe auf.

Um seine angestrebte Funktion als intellektuelle Gallionsfigur des >Revisionismus< mit scheinbar hoher Glaubwuerdigkeit nicht zu beeintraechtigen, legte der Angeklagte groeszten Wert darauf, im Zusammenhang mit polemischen Schriften nicht persoenlich in Erscheinung zu treten. Der Doppelstrategie entsprechend hielt er nach auszen Distanz zu rechtsradikalen Kreisen und tat alles, um den Anschein seiner Objektivitaets und der politischen Desinteressiertheit aufrecht zu erhalten. Wann immer er mit seinen Vorstellungen offen auftrat, betonte er, ein rein wissenschaftliches Interesse an Fragen des Holocaust zu haben. Des weiteren behauptete er, politisch ungebunden und daher nicht dafuer verantwortlich zu sein, wie im >nationalen Lager< mit seinen >wissenschaftlichen< Schriften argumentiert werde. Sein Verhaeltnis zu den Juden stellte er als unproblematisch und als vom Willen zur Verstaendigung gepraegt dar. In diesem Sinne stilisierte er sich etwa bei seinen Auftritten als Vortragsredner ueber das Thema >Holocaust< bei Studentenverbindungen und in der Broschuere >Der Fall Rudolf<, die 1994 im Vorfeld dieses Strafverfahrens erschien.

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Das gleiche gilt fuer gewisse Pseudonyme. Vorallem mit dem Namen Dr. Ernst Gauss schuf der Angeklagte eine >wissenschaftlich-objektive< Kunstfigur, mit deren Hilfe der Einsdruck erweckt werden sollte, als setzten sich auch andere ernst zu nehmende Personen unvoreingenommen mit seinen Thesen auseinander.

Dem Schema der Doppelstrategie folgte auch die Remeraktion. Der Angeklagte trat auch insoweit offen in Erscheinung, als es um das in wissenschaftlichen Formen gehaltene >Gutachten< ging. Fuer die polemische Kommentierung und die Herausgabe der Gesamtschrift wurden andere Namen vorgeschoben.

Die Attituede des objektiven Forschers und besonnenen Zeitgenossen hielt der Angeklagte, von wenigen Einzelfaellen abgesehen, auch in seinem persoenlichen Umfeld durch. Verwandten und Bekannten verschwieg er grundsaetzlich seine Kontakte zu radikalen >Revisionisten< sowie weite Teile seiner publizistischen Taetigkeit. Seine politische Einstellung stellte er als christlich-sozial dar. Dem entsprechend war er Mitglied einer christlichen Studentenverbindung und betonte, praktizierender Katholik zu sein.

Von Anfang an hatte der Angeklagte auch immer moegliche Reaktionen des Staates auf seine publizistischen Aktivitaeten im Blick. Mit groszer Konsequenz bedachte er bei seinen

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Handlungen, inwieweit sie kuenftig Beweisbedeutung haben koennten. Dabei fingierte er auch Sachverhalte zu dem Zweck, sich zu seiner Entlastung spaeter darauf berufen zu koennen. So erstellte er zahlreiche Dokumente, um erwartete Ermittlungen in die falsche Richtung zu lenken oder um sie als Beweismittel heranziehen zu koennen. Darueber hinaus verfaszte er Schreiben grundsaetzlich so, dasz seine wahren Absichten und Vorstellungen sowie seine wirklichen Verhaeltnisse nur so weit daraus hervorgingen, als es ihm nuetzlich schien. In seiner privaten Korrespondenz stellte er Sachverhalte selbst dann verschleiernd dar, wenn diese dem Adressaten bekannt waren.

Trotz aller Manipulationepn war sich der Angeklagte von Anfang an darueber im Klaren, dasz seine publizistische Taetigkeit negative Konseguenzen fuer seine berufliche Laufbahn haben und strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen koennte. Das angestrebte politische Ziel war ihm jedoch so wichtig, dasz er dies fuer den Fall, dasz seine Taeuschungsmanoever ohne Erfolgp sein sollten, als letzte Konsequenz in Kauf nahm.

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C) Die Hauptschriften des Angeklagten

Entsprechend der genannten Strategie verfuhr der Angeklagte bei den Schriften aus seiner Feder, die er fuer grundlegend haelt. Sie sind durch wissenschaftlichen Habitus und die Berufung auf seine Autoritaet als ausgebildeter Chemiker gepraegt. Tonfall und Form sind im wesentlichen so gehalten, als seien sie ausschlieszlich an der Sache orientiert. Zusaetzlich sollen ausfuehrliche Detaileroerterungen, Tabellen und Schaubilder sowie umfangreiche Literaturhinweise den Eindruck einer unbefangenen und ergebnisoffenen Wissenschaftlichkeit erwecken. Dies gilt vorallem fuer die drei groszen Veroeffentlichungen des Angeklagten, mit denen er sich nach seiner Hinwendung zum >revisionistischen< Lager alsbald zu befassen begann.

1.) >Gutachten<

In besonderem Masze hielt sich der Angeklagte an diese Strategie in seinem >Gutachten<, mit dessen Vorarbeiten er bereits Ende 1990 begann. Diese Schrift, die die Grundlage aller seiner publizistischen Aktivitaeten ist, ist im wesentlichen in wissenschaftlichem Stil gehalten. Sie beschaeftigt sich mit einem chemischen Detail (Blausaeure-Problematik) und verzichtet auf allgemeine politische Schluszfolgerungen. Einer verbreiteten >revisionistischen< Strategie folgend ist

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ihr eigentlicher Sinn aber, an einem zentralen Punkt anzusetzen und damit allgemeine Schluesse nahezulegen. Tatsaechlich hat sich die >revisionistische< Literatur, nicht zuletzt die, die der Angeklagte beeinfluszte, mitverfaszte oder verfaszte, auch immer wieder auf das >Gutachten< zum Beweis dafuer berufen, dasz der Holocaust insgesamt nicht stattgefunden habe. So ist ein vom Angeklagten im August 1993 verfaszter Artikel ueber das >Gutachten< ueberschrieben:

>Junger Deutscher Chemiker tritt den unwiderlegbaren Beweis an: Es gab keine Gaskammern in Auschwitz. Judenvergasung eine Propagandaluege der Siegermaechte des Zweiten Weltkrieges<.

Aus Gruenden der scheinbaren Glaubwuerdigkeit, aber auch, weil er sich mit diesem Werk einen Namen machen und sich auf die Wissenschaftsfreiheit berufen wollte, bekannte sich der Angeklagte von Anfang an dazu, Autor dieser Schrift zu sein.

2.) Vorlesungen ueber Zeitgeschichte

An die Strategie der Sachlichkeit hielt sich der Angeklagte im groszen und ganzen auch in dem 340 Seiten starken Buch >Vorlesungen ueber Zeitgeschichte<. Darin stellte er - angeblich in der Absicht der Voelkerverstaendigung - in Dialogform umfassend die Argumente des radikalen >revisionistischen< Fluegels dar. Es handelt sich um die Argumente, die in

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permanenter Wiederholung auch in den Pamphleten des Remer-Kreises erscheinen. Das Buch, in das auch die Ergebnisse des >Gutachtens< eingearbeitet sind, erschien - gleichzeitig mit der Remerversion des >Gutachtens< - Anfang April 1993 als Teil der vom Angeklagten mitgeplanten >revisionistischen< Publikationskampagne im Grabert Verlag in Tuebingen. Der Name des Autors ist mit Dr. Ernst Gauss angegeben.

Unter diesem Pseudonym erschien im gleichen Verlag in der Ausgabe vom Mai 1993 der Zeitschrift >Deutschland in Geschichte und Gegenwart< ein Artikel, in dem der Angeklagte den wesentlichen Inhalt des >Gutachtens< - ebenfalls in >objektivem Stil< - in einer Kurzversion veroeffentlichte.

3.) Grundlagen zur Zeitgeschichte

Ab spaetestens Mitte 1991 befaszte sich der Angeklagte des weiteren mit einem grosz angelegten Sammelwerk ueber verschiedene zentrale Aspekte des Holocaust. Das Buch, das mehr als 400 Seiten in Groszformat umfaszt, erschien Ende 1994 unter dem Titel >Grundlagen zur Zeitgeschichte< ebenfalls im Grabert-Verlag in Tuebingen.

Mit der Herausgabe eines Sammelwerkes verwirklichte der Angeklagte eine Strategie der Leugnung des Holocaust, die er

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urspruenglich auch fuer das >Gutachten< in Aussicht genommen hatte. Davon ausgehend, dasz sich die Ermittlungsbehoerden mit einer Gruppe von Holocaustleugnern schwerer tun wuerden als mit einem Einzelnen, sollten nach dieser Strategie moeglichst viele >Revisionisten< gemeinsam auftreten.

Hinsichtlich des >Gutachtens< wurde diese Strategie schlieszlich nicht verwirklicht, zum einen, weil sich die Erstellung des Sammelwerkes verzoegerte und der Angeklagte mit der Veroeffentlichung des >Gutachtens nicht laenger zuwarten wollte; zum anderen weil der Angeklagte, der sich im Laufe der Zeit immer mehr als groszen historischen Aufklaerer sah, den >Ruhm<, den er von der vermeintlich weltveraendernden Schrift erwartete, nicht mit anderen teilen wollte. Schlieszlich glaubte der Angeklagte, er habe mit dem Vortaeuschen der Remeraktion einen Weg gefunden, sich strafrechtlichen Ermittlungen zu entziehen.

Der Angeklagte erarbeitete die Gesamtkonzeption des Buches >Grundlagen ueber Zeitgeschichte<, zu der wiederum ein groesztmoeglicher Anschein von Sachlichkeit gehoerte, stellte ein Team von fuehrenden >Revisionisten< zusammen, die die einzelnen Beitraege schrieben und koordinierte sie. Auch er selbst steuerte mehrere Artikel bei, darunter eine Darstellung der Ergebnisse seines >Gutachtens<. In einem einleitenden Aufsatz versuchte er unter dem Pseudonym Ernst Gauss den

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Eindruck zu erwecken, als beabsichtigten er und seine Mitautoren mit den Forschungen zum Holocaust zur Normalisierung des Verhaeltnisses zu den Juden und zur Erneuerung der fruchtbaren >deutsch-juedischen Symbiose< vergangener Zeiten beizutragen.

Die meisten Beitraege des Buches sind mit den wirklichen Namen der Autoren gezeichnet, die Artikel des Angeklagten mit seinem alten Namen, Rudolf, mit Manfred Koehler und mit Ernst Gauss, einer seiner Beitraege mit >Germar Rudolf und Ernst Gauss<. Da sich der Verlag im Hinblick auf den Erfolg des Buches >Vorlesungen ueber Zeitgeschichte< von dem Namen Ernst Gauss eine verkaufsfoerdernde Wirkung erhoffte, wurde dieser auch als Name des Herausgebers angegeben. Urspruenglich hatte der Angeklagte die Absicht, hierfuer mit seinem Namen zu zeichnen.

D) Kontakte des Angeklagten zu >revisionistischen< und rechtsextremen Kreisen

Die Tatsache, dasz sich der Angeklagte mit der von Leuchter aufgeworfenen Frage der Rueckstaende von Blausaeuregas in den Gebaeuderesten von Auschwitz befaszte, fuehrte zu zahlreichen Kontakten zu >revisionistischen< Kreisen. Der Angeklagte suchte diese Kontakte, einerseits um sich zu informieren,

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andererseits und vorallem aber, um sich in diesen Kreisen zu profilieren. Da es ihm von Anfang an darauf ankam, seine Schrift auch fuer politische, insbesondere nationalistische und rassistische Zwecke einzusetzen, suchte er vorallem den Kontakt zu rechtsextremistischen Kreisen. Diese Verbindungen kamen nicht zuletzt dadurch zustande, dasz der Angeklagte an bekanntermaszen rechtsradikal eingestelle Personen schon die Vorformen seiner Schrift uebersandte, um sie auf die Moegichkeiten der politischen Agitation, die sich daraus ergaben, hinzuweisen. So verschickte der Angeklagte in einer ersten Versendungsaktion vom 26.3.1991 per Formularschreiben als Vorstudie zum >Gutachten< eine Ausarbeitung zum Thema >Langzeitstabilitaet von Cyanidverbindungen< an verschiedene >Revisionisten<.

1.) Ernst Zuendel

Schon die blosze Absicht, den >Leuchter-Report< chemisch zu ueberpruefen, teilte der Angeklagte dem neonazistischen Deutsch-Kanadier Ernst Zuendel mit. Auf einen Brief des Angeklagten nach Toronto, von dem in seinen Unterlagen keine Kopie gefunden wurde, antwortete Zuendel mit Schreiben vom 29.8.1990: >Sie glauben nicht, wie ich mich ueber Ihren Brief gefreut habe! Endlich ein deutscher Mensch ,vom Fach', der

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sich dieser wichtigen Sache annehmen will! Gott sei gedankt! Seit Jahren hoffe ich auf jemanden wie Sie!<. In den folgenden Jahren hielt der Angeklagte Kontakt zu Zuendel. Unter anderem traf er ihn am 4.11.1991 bei einer >revisionistischen< Veranstaltung beim Zeugen D(...), bei der auch Fred Leuchter anwesend war. Auszerdem stellte er sich auf Bitten Zuendels am 5.11.1991 fuer einem Prozesz vor dem Landgericht Muenchen als >Gutachter< zur Verfuegung. In diesem Verfahren war Zuendel wegen Volksverhetzung durch Leugnen der nationalsozialistischen Massenvernichtungen in Auschwitz angeklagt. Der Angeklagte reiste zu diesem Zweck nach Muenchen, wurde jedoch vom Landgericht nicht gehoert.

Des weiteren tauschten der Angeklagte und Zuendel >revisionistische< Literatur aus. Der Angeklagte erhielt von Zuendel unter anderem im Dezember 1992 eine Schrift des Amerikaners J.C. Ball ueber die Auswertung von alliierten Luftaufnahmen der nationalsozialistischen Vernichtungslager. Ball wurde daraufhin Mitautor des Buches >Grundlagen zur Zeitgeschichte<. Zuendel erhielt unter anderem Vorversionen des >Gutachtens<, von denen er eine ohne Wissen des Angeklagten in die englische Sprache uebersetzen liesz und sie an >revisionistisch< interessierte Personen verteilte. Der Angeklagte verbot Zuendel die Verteilung mit Schreiben vom 4.9.1992, weil er Zeitpunkt, Ort und Umstaende der Veroeffentlichung selbst bestimmen wollte.

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Von Zuendel stammte die Idee, fuer die Verbreitung des >Gutachtens< den Miszbrauch eines >Gerichtsgutachtens< zu fingieren. Einen entsprechenden Vorschlag machte er gegenueber dem Angeklagten bereits im Herbst 1991 fuer sein eigenes Verfahren vor dem Landgericht Muenchen, der jedoch nicht ausgefuehrt wurde (vgl. dazu S. 103 ff.).

2.) David Irving.

Schriftlichen Kontakt hatte der Angeklagte ab Anfang 1991 auch mit dem englischen rechtsextremen >Revisionisten< David Irving. Mit Schreiben vom 29.4.1991 uebersandte er ihm seine Ausarbeitung zum Thema >Langzeitstabilitaet von Cyanidverbindungen< sowie weitere Unterlagen mit der Anregung, diese fuer die Neuauflage des >Leuchter-Reportes< oder fuer andere >revisionistische< Schriften zu verwenden. Am 24.7.1991 uebersandte er Irving eine neuere Version seiner Ausarbeitung und bot sie ihm zur Veroeffentlichung in englischer Sprache an. Auszerdem bat er Irving hierbei um Vermittlung des Kontaktes zu Zuendel und Leuchter. Im Zusammenhang mit seiner Ausarbeitung schrieb der Angeklagte: >Die Kommunikation darueber mit Zuendel und Leuchter hat bis dato nicht geklappt. Koennen Sie Ihren Einflusz geltend machen?<. Mit Schreiben vom 18.8.1991 widerrief der Angeklagte die Genehmigung zur Veroeffentlichung seiner Ausarbeitung unter an-

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derem mit der Begruendung, dasz sie noch nicht ausreichend fundiert sei. In dem Schreiben heiszt es: >Ich bin bei einer Veroeffentlichung einer (qualitativ/quantitativ) halben Arbeit der Gefahr ausgesetzt, dasz ich meine Promotionsarbeit nicht mehr fortsetzen kann. Erste Reibungen mit meinen Doktorvater sind schon entstanden. Ich moechte daher erst alle Sicherungen einfuegen, die auffindbar sind... Es mueszte Ihnen ebenfalls einleuchten, dasz ein Schusz der sein Opfer verfehlt oder nur verletzt, wesentlicher gefaehrlicher sein kann, als wenn man gar nicht geschossen haette. Bei potentiell gefaehrlichen Zielen sollte der Schusz direkt der Fangschusz sein<. Spaeter (Schreiben vom 3.5.1992) bat er Irving um die Mitteilung von Fundstellen fuer einen Artikel, den der Zeuge Dr. Bartling seinerzeit ueber den >Einflusz der britischen Greuelpropaganda fuer die Entscheidung der Vereinigten Staaten zum Eintritt in die europaischen Kriege< verfaszte.

3.) Guenther Deckert

Bereits das erste Ergebnis seiner Recherchen zum Thema Langzeitstabilitaet von Eisenblau sandte der Angeklagte an

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den NPD-Vorsitzenden Guenther Deckert (Formularschreiben vom 26.3.1991). In der Folge blieb der Angeklagte mit Deckert in Kontakt. Mitte 1993 war er unter den Pseudonymen Dr. Dr. Rainer Scholz und Dr. Christian Konrad wesentlich am Entwurf fuer zwei Artikel fuer die Parteizeitung der NPD >Deutsche Stimme< beteiligt, die sich mit der >revisionistischen< Sicht des Holocaust und dem >Gutachten< befassen. Darin heiszt es mit Blick auf die politischen Folgen aus dem >Gutachten< unter anderem: >Bis auf die NPD trauen sich bisher noch nicht einmal die rechten Parteien, ihr ureigenstes Thema aufzugreifen.< Gleichzeitig wird fuer die Cromwell Fassung des >Gutachtens< unter anderem mit der Bemerkung geworben:

>Bestellen auch Sie diesen Eisbrecher der eingefrorenen deutschen Geschichtswissenschaft und Politik.< Zu einer Veroeffentlichung dieser Artikel, die im Computer des Angeklagten gefunden wurden, kam es nicht, weil der Computer im Rahmen der Durchsuchung der Wohnraeume des Angeklagten am 30.9.1993 beschlagnahmt wurde.

4.) Hans Joachim D(...)

In engem Kontakt stand der Angeklagte seit Fruehjahr 1991 auch zum Zeugen D(...). Die Beziehung kam ebenfalls durch die Ðbersendung seiner Ausarbeitung ueber die Langzeitstabilitaet

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von Eisenblau mit Formularschreiben vom 26.3.1991 zustande. D(...), ein ehemaliger Wehrmachtsoffizier, der sich uneingeschraenkt zum Nationalsozialismus bekennt, spielte eine fuehrende Rolle in einem ca. 80 Personen umfassenden Kreis mit radikaler >revisionistischer< Einstellung, in dem Auschwitz als das >Thema Nr. 1< bezeichnet wurde. Er koordinierte die Informationen innerhalb dieser Gruppe durch Zirkularschreiben, die groszenteils auch der Angeklagte erhielt. Auszerdem organisierte er gemeinsam mit anderen Veranstaltungen, an denen fuehrende >Revisionisten< wie Zuendel, Leuchter und Irving mitwirkten. Der Angeklagte nahm an mehreren dieser Veranstaltungen teil, darunter an der bereits erwaehnten VerSammlung vom 4.11.1991.

Des weiteren unterstuetzte D(...) die Entstehung, Finanzierung und Verbreitung von Schriften mit extrem rechtsradikalem Inhalt. In besonderem Masze engagierte er sich fuer die Verteilung des rechtsradikalen Hetzblattes >Remer-Depesche<, die er in groszen Mengen (bis zu 1.000 Stueck) bei Remer, zu dem er Kontakt hatte, kaufte und zur Verteilung in seinem Kreis weitergab. Insbesondere wegen der Verbreitung der >Remer-Depesche< wurde D(...) vom Schoeffengericht Stuttgart am 25.2.l994 wegen Volksverhetzung und anderem zu der Gesamtfreiheitsstrafe von 10 Monaten verurteilt, die zur Bewaehrung ausgesetzt wurde.

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Von Anfang an nahm der Zeuge D(...) groszen Anteil an der >revisionistischen< Taetigkeit des Angeklagten und unterstuetzte die Verbreitung seiner Thesen. Er tauschte mit dem Angeklagten >revisionistische< Schriften aus und vermittelte ihm den Kontakt zu anderen >Revisionisten<. So stellte er, als der Angeklagte noch kein Faxgeraet besasz, sein Geraet fuer die Korrespondenz zwischen dem Angeklagten und Zuendel in Kanada zur Verfuegung. Der Angeklagte seinerseits wandte sich am 7.7. und 29.7.1991 brieflich an den Zeugen mit der Bitte um Hilfe bei der Zusammenstellung eines Teams von Experten fuer das Werk >Grundlagen zur Zeitgeschichte<, was D(...) zur Werbung in seinem Kreis veranlaszte.

Im Herbst 1992 versandte D(...) in seinem Kreis einen Brief des Angeklagten vom 17.9.1992 an den Leiter des Zentrums fuer Antisemitismusforschung der Technischen Universitaet Berlin, Prof. Benz, den er vom Angeklagten mit der Bitte um Verbreitung erhalten hatte. Bevor D(...) den Brief, der sich vorallem mit dem >nichtrevisionistischen< Schrifttum ueber Auschwitz beschaeftigte und der praktisch das gesamte Schluszkapitel des >Gutachtens< enthielt, weitersandte, schrieb er am 29.9.1992 an den Angeklagten: >Bin Ihnen wirklich dankbar fuer die Zusendung dieses Briefes... Ich habe nicht die geringsten

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Bedenken, den Brief weithin zu verteilen und zur Weiterverteilung aufzufordern, moechte aber doch, dasz Sie sich das noch einmal ueberlegen, um die Herausgabe Ihres Buches in keiner Weise zu gefaehrden. Zwei Dutzend Personen erhalten das Schreiben deshalb ausnahmsweise mit der Bitte um vertrauliche Behandlung. Wenn Sie anderer Meinung sind, genuegt ein Telephonanruf. Dann erhalten etwa 80 Gesinnungsfreunde Ihr Schreiben. An Zuendel denken Sie gewisz selbst. Aber wie steht es mit Faurisson und Irving. z.B. auch mit den Anwaelten in Revisionistenprozessen? Doppellieferungen moechte ich vermeiden.<

Eine wichtige Rolle spielte D(...) bei der Veroeffentlichung des >Gutachtens<. Nachdem die Versuche, das >Gutachten< in einem serioesen Verlag unterzubringen, endgueltig gescheitert waren, war er an den Planungen fuer die Veroeffentlichung innerhalb des >revisionistischen< Lagers beteiligt. So organisierte er Ende August 1992 in den Raeumen seiner Firma in Echterdingen bei Stuttgart ein Treffen, bei dem Einzelheiten der Veroeffentlichung des >Gutachtens< und insbesondere deren Finanzierung besprochen wurde. Daran nahmen neben dem Angeklagten und Philipp auch einige Personen teil, die zur Finanzierung beitragen sollten, darunter ein Klaus Christian Marloh aus Seevetal. Auch sonst sammelte er in seinem Kreis Geld fuer die Finanzierung des >Gutachtens<.

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D(...) leistete auch einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des Buches >Vorlesungen ueber Zeitgeschichte< des Angeklagten, indem er Zahlungen an den Grabert-Verlag erbrachte.

In groszem Masze war D(...) auch am persoenlichen Schicksal des Angeklagten interessiert. In seinem Schreiben vom 19.10.1992, mit dem er einen an Prof. Benz gerichteten Brief des Angeklagten an Gesinnungsgenossen versandte, fuehrte er aus: >Der junge Mann selbst setzt kurz vor Beendigung seiner Doktorarbeit eine Existenz, die noch garnicht begonnen hat, einigermaszen auf's Spiel. Sagen wir es ohne Pathos: fuer Deutschland. Trotz meiner Bedenken, sein Brief koenne ihm schaden, hat er mir die Vervielfaeltigung in jedem gewuenschtem Umfang erlaubt<. Als D(...) im Dezember 1992 erfuhr, dasz gegen den Angeklagten wegen Anstiftung zur Volksverhetzung ermittelt wurde, fragte er mit Schreiben vom 18.12.1992 an, wie der Angeklagte finanziell gestellt sei und bot ihm ein Stipendium an. Mit dem gleichen Schreiben uebersandte er >200 daenische Kronen, die mir eine Dame aus dem hohen Norden sendet mit der Auflage, sie einem Gesinnungsfreund weiterzugeben zur Staerkung der Portokasse, der sich um unsere Sache verdient gemacht hat<.

Auch legte D(...) groszen Wert darauf, dasz der Angeklagte moeglichst schnell seine Doktorarbeit fertig stellte. Als der Angeklagte eine Anfrage des zum D(...)-Kreis gehoerenden Dr.

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Manfred Dreher ueber moeglichen Bittermandelgeruch von Blausaeuregas ausfuehrlich beantwortete, schrieb D(...): >Da haben Sie sich viel anerkennenswerte Arbeit gemacht. ... Ich gebe Ihre ... Ausfuehrung an den Veranlasser meines Hinweises weiter mit der Bitte, die kleine Debatte vorderhand als abgeschlossen zu betrachten. Ihre Doktorarbeit hat jetzt absoluten Vorrang<

Der Angeklagte ist seit 1.10.1994 im papierverarbeitenden Betrieb des Zeugen angestellt.

5.) Klaus Ewald

Der Zeuge Ewald, der sich als >vaeterlicher Freund< des Angeklagten bezeichnet, gehoerte zum engeren Kreis um den Zeugen D(...). Er ist der Ðbersetzer des Buches ueber den Zuendel-Prozesz >The Holocaust on Trial<. Der Angeklagte hatte zu Ewald bereits im Jahre 1990 ein so vertrauensvolles Verhaeltnis, dasz er ihm seine Ðberlegungen zur Strategie des >Revisionismus<, die er ansonsten geheim hielt, voellig ungefiltert darlegte (vgl. S. 16). Als Ðbersetzer wirkte Ewald auch am Buch >Grundlagen zur Zeitgeschichte< mit. Auszerdem war er an den Vorbereitungen zur Veroeffentlichung des >Gutachtens< beteiligt. So nahm er an der Besprechung beim Zeugen D(...) Ende August 1992 in Echterdingen teil.

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6.) Harald Reich

Auch der Zeuge Reich gehoerte zum D(...)-Kreis, wo er als besonders ruehrig galt. Als Diplomingenieur ueberpruefte er im Auftrag des Angeklagten die ingenieur-technischen Teile des >Gutachtens<, weswegen ihn der Angeklagte in den Danksagungen am Ende des >Gutachtens< auffuehrte. Anfang September 1992 uebersandte er dem Zeugen D(...) 100 DM fuer die Finanzierung des >Gutachtens<. Reich ist Verfasser der Hetzschrift >25 Beweise, dasz es weder ,Gaskammern' noch ,Judenvernichtung' im Dritten Reich gab<, deren Verbreitung auch Gegenstand der Verurteilung des Zeugen D(...) war. Der Angeklagte war im Besitz dieser Schrift.

7.) Rechtsanwalt Hajo Herrmann

Seit Mai 1991 stand der Angeklagte mit dem Zeugen Rechtsanwalt Herrmann in Kontakt. Der ehemalige Luftwaffenoffizier der Wehrmacht, eine Symbolfigur des rechten Lagers, ist stark >revisionistisch< engagiert und trat haeufiger in Prozessen gegen Holocaust-Leugner auf. Die Verbindung zum Angeklagten kam durch den Zeugen Philipp zustande, der Herrmann im Fruehjahr 1991 die Ausarbeitung des Angeklagten zur Langzeitstabilitaet von Eisenblau zugesandt hatte. Rechtsanwalt Herrmann wirkte wesentlich an der Erstellung des

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>Gutachtens< mit. Zwischen ihm und dem Angeklagten wurde eine umfangreiche Korrespondenz (1 voller Stehorder) gefuehrt, die sich mit inhaltlichen und gestalterischen Fragen des >Gutachtens< und zahlreichen Details des Holocausts beschaeftigte. Das >Gutachten< legte Herrmann dann als angeblich unabhaengiges Sachverstaendigengutachten in Strafverfahren wegen der Leugnung des Holocausts, darunter auch im Verfahren gegen den Zeugen Remer vor. Rechtsanwalt Herrmanns Ausfuehrungen im Verfahren gegen Remer waren unter anderem Gegenstand des >Prozeszberichtes< im Nachwort zur Remer-Fassung des >Gutachtens.<

Im Zusammenwirken mit dem Zeugen Herrmann gestaltete der Angeklagte im Sommer 1993 ein Flugblatt unter dem Titel >An die Schlaumeier der reiferen Jugend<, mit dem die Thesen des Angeklagten mittels eines ironischen Frage- und Antwortspiels insbesondere Gymnasiasten nahegebracht und Werbung fuer die Broschuere >Der wissenschaftliche Erdrutsch durch das Rudolf-Gutachten< gemacht werden sollte. Unter anderem werden darin die Verhaeltnisse im Lager Auschwitz verharmlost (vgl. S. 39 und 85 f.)

8.) Rechtsanwalt Dr. Herbert Schaller

Der oesterreichische Rechtsanwalt Dr. Herbert Schaller trat ebenfalls in Verfahren gegen >Revisionisten< auf. Unter

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anderem war er Mitverteidiger im Verfahren gegen Remer in Schweinfurt. Im Nachwort zur Remer-Fassung des >Gutachtens< wird vorallem er mit radikalen >revisionistischen< uszerungen zitiert. Unter anderem werden darin die Verhaeltnisse im Lager Auschwitz in aehnlicher Weise wie im o.g. >Schlaumeierflugblatt< verharmlost. Auch mit Dr. Schaller stand der Angeklagte in staendigem Kontakt. So sollte dieser fuer das Buch >Grundlagen zur Zeitgeschichte< juristische Beitraege schreiben, wozu es aber letztlich nicht kam. Der Entwurf eines Artikels ueber Hexenprozesse, der unter den Namen der Rechtsanwaelte Schaller und Herrmann in diesem Buch erscheinen sollte, wurde vom Angeklagten geschrieben (vgl. S. 96 und 182).

9.) Dr. Dieter Bartling

Zu den engen Beratern des Angeklagten gehoerte der Zeuge Dr. Bartling, ein >revisionistisch< interessierter Chemiker, der in fuehrender Position in einem pharmazeutischen Groszbetrieb taetig war. Der Kontakt zu ihm kam zustande, als der Zeuge Philipp den Angeklagten bat, die >chemische Seite< einer Anfrage zu beantworten, die Bartling am 27.11.1991 an eine Deckadresse Remers in Daenemark gesandt hatte und die sich auf den >Leuchter-Report< bezog. (dazu i.E. S. 51). In der Folge entwickelte sich ein reger Kontakt zwischen dem

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Angeklagten und dem Zeugen, der nicht nur in groszem Masze am >Gutachten<, sondern auch am beruflichen Fortkommen des Angeklagten interessiert war. Unter anderem half er ihm beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen und versuchte ihm eine Stellung in seinem frueheren Betrieb zu verschaffen. Auszerdem versuchte er zwischen dem Angeklagten und seinem Doktorvater zu vermitteln, als es im Fruehjahr 1992 wegen der >revisionistischen< Aktivitaeten des Angeklagten zwischen ihnen zu Spannungen gekommen war.

Bartling legte vorallem Wert darauf, dasz der Angeklagte die Strategie der Sachlichkeit einhielt. Aus diesem Grunde schrieb er mit Datum vom 12.7.1992 ein Vorwort zum >Gutachten<, welches betont serioes gehalten war (dazu S. 92 und 212). Auch bemuehte sich der Zeuge, fuer die Veroeffentlichung des >Gutachtens< einen serioesen Verlag zu finden. So stellte er die Kontakte zu den Verlagen >Chemie<, >Koehler und Hase< und >Ullstein-Langen-Mueller< her und nahm an den Verhandlungen mit diesen teil (vgl. S. 99). In die Kontakte des Angeklagten zu radikalen revisionistischen< Kreisen war der Zeuge nicht einbezogen.

Nach dem Scheitern der Bemuehungen, einen >serioesen< Verlag zu finden, erlosch das Interesse des Angeklaqten an dem Zeugen. Da der Angeklagte davon ausging, dasz der Zeuge die Doppelstrategie nicht mittragen wuerde, wurde er in die weiteren

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Aktivitaeten zur Veroeffentlichung des >Gutachtens<, insbesondere die Machenschaften im Zusammenhang mit der Remeraktion nicht naeher eingeweiht. Der Angeklagte erweckte gegenueber dem Zeugen allerdings den Eindruck, als werde das >Gutachten< mit dem Vorwort des Zeugen nach seiner Promotion veroeffentlicht. Zu diesem Zweck schlosz er mit ihm noch im Dezember 1992 einen Autorenvertrag ueber das Vorwort ab. Er hatte aber nicht mehr die Absicht, dieses zu verwenden. Vielmehr wollte er den Zeugen damit nur ueber seine wahren Absichten in die Irre fuehren. Dem entsprechend wurde das Vorwort des Zeugen bei der Veroeffentlichung des >Gutachtens< im Verlag Cromwell Press nicht verwendet.

Im Februar 1993 brach der zuvor intensive persoenliche und briefliche Kontakt mit dem Zeugen ab. Er wurde auf Initiative des Zeugen, der den inzwischen umgezogenen Angeklagten suchen muszte, erst im August 1993 wieder aufgenommen. Erst zu diesem Zeitpunkt informierte der Angeklagte den Zeugen ueber die angebliche Eigenmaechtigkeit Remers. Dasz das >Gutachten< inzwischen vom Angeklagten selbst in einer >autorisierten Fassung< veroeffentlicht worden war, verschwieg er dem Zeugen. Dieser erkannte es erst in der Hauptverhandlung.

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10.) Juergen Graf

Der Schweizer Juergen Graf ist Autor der Buecher >Der Holocaust-Schwindel< und >Der Holocaust auf dem Pruefstand<, welche im Fruehjahr 1993 im Eigenverlag in Basel erschienen und u.a. von Remer vertrieben wurden. Der Angeklagte stand seit spaetestens Dezember 1992 mit ihm in Kontakt.

11.) Achmed Rahmi

Achmed Rahmi ist Marokkaner und lebt in Schweden. Er gehoert zum Remer-Kreis und ist extrem antisemitisch eingestellt. Im Juli 1993 erschien im Remer-Kreis eine Broschuere mit einem aeuszerst aggressiven angeblichen Interview, welches Rahmi fuer die arabische Zeitung >Alshaab< mit Remer gemacht haben soll (vgl. S. 57). Fuer die gleiche Zeitung verfaszte der Angeklagte, der die Auffassungen Rahmis und seine Verbindung zu Remer spaetestens seit 1991 kannte, (vgl. S. 48 - Muenchner Anzeigenkampagne) im August 1993 den Entwurf eines Artikels ueber sein >Gutachten<, der ebenfalls extrem antisemitische uszerungen enthaelt (vgl. S. 79).

12.) Mitarbeiter am Buch >Grundlagen zur Zeitgeschichte< Robert Faurisson, Arnulf Neumaler, Willy Wallwey

Zur Erstellung des Buches >Grundlagen zur Zeitgeschichte< sammelte der Angeklagte um sich ab Mitte 1991 eine Reihe >revisionistisch< eingestellter Autoren, die der Angeklagte

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intern als >STAB< bezeichnete. Hierzu gehoerte der franzoesische Literaturprofessor Faurisson, der in den einschlaegigen Kreisen den Ruf eines Nestors des >Revisionismus< genieszt. Der Angeklagte besuchte Faurisson in Frankreich und stand mit ihm seit Mitte 1991 in intensivem Briefverkehr. In Hinblick auf dessen Ruf betraute er ihn u.a. mit dem Vorwort zu dem gemeinsamen Buch.

Mitglied der Autorengruppe war auch der Zeuge Neumaier. Neumaier ist stark antisemitisch eingestellt. So wollte er die Mitarbeit an dem Buch schon deswegen einstellen, weil die Zeugin Weckert, die ebenfalls einen Artikel fuer das Buch schrieb, anderweitig mit dem juedischen Professor an der Bundeswehrhochschule in Muenchen, Wolfsohn, zusammenarbeitete.

Der Zeuge Wallwey arbeitete urspruenglich den Rechtsanwaelten Herrmann und Dr. Schaller zu und sollte am Buch gemeinsam mit anderen an >kremierungstechnischen< Beitraegen arbeiten. Seine Beziehung zum Angeklagten begann Anfang 1993. Mitarbeitern am Buch stellte er sich mit Schreiben vom 27.1.1993, von dem eine Kopie beim Angeklagten gefunden wurde, mit den Worten vor: >Ich arbeite in meiner Freizeit als Amateurhistoriker. Bisher war mein Gebiet meine alte Truppe, naemlich die Waffen SS ...< Auszerdem schrieb er nach Schilderung seiner Arbeitsbelastung als freier Architekt: >Andererseits

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ist mir klar, dasz es 'fuenf vor zwoelf' ist und mir und den meisten Gleichgesinnten die Zeit davon laeuft<.

Im Hause des Zeugen Wallwey in Ottobrunn fand am 3.14. April 1993 ein Treffen der Mitarbeiter am Buch statt.

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Aus SLEIPNIR, Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik, 2. Jg., Heft 4, Juli-Aug. 1996

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