KAPITEL III:
Stutthof als »Vernichtungslager«: Eine kritische Überprüfung der Quellen

1. Vorbemerkung

Die polnischen Historiker, welche ihr Aufmerksamkeit dem KL Stutthof gewidmet haben, sind noch stärker als beispielsweise die polnischen Majdanek-Spezialisten in der plumpen Propaganda der unmittelbaren Nachkriegszeit befangen. Sie greifen unermüdlich auf höchst dubiose Zeugenaussagen zurück, die großenteils durch die vorhandenen Dokumente widerlegt werden. Diese Praxis findet insbesondere in der These ihren Widerhall, wonach der Zweck der Errichtung des Lagers Stutthof in der indirekten und direkten Ausrottung der Häftlinge bestanden habe. Die sogenannte »indirekte Ausrottung« äußerte sich angeblich darin, daß man im Lager bewußt unerträgliche Lebensbedingungen schuf[102], während die »direkte Ausrottung« in der Ermordung der Häftlinge bestanden haben soll. Dazu führt D. Drywa in der offiziellen Lagergeschichte folgendes aus:[103]

»Neben der indirekten Extermination führten die Konzentrationslager, Stutthof nicht ausgenommen, auch die direkte Extermination durch, die in kurzer Zeit möglichst viele Menschen vernichten sollte. Die dabei angewandten Methoden waren: Erschießen, Erhängen, Töten durch intravenöse Phenolinjektionen oder in der Gaskammer.«

Im folgenden wollen wir untersuchen, wie fundiert diese Behauptungen sind.

2. Die »indirekte Ausrottung«: Schikanen, Mißhandlungen, absichtliche Herbeiführung von Krankheiten

Es besteht kein Zweifel daran, daß die Häftlinge in Stutthof, wie auch in anderen Konzentrationslagern, nicht nur unter Schwerarbeit, unzureichender Ernährung, unhaltbaren hygienischen Verhältnissen sowie sich als Folge letzterer ausbreitenden Krankheiten, sondern oft auch unter Schikanen und Quälereien seitens der Kapos und der Wachmannschaft zu leiden hatten, obwohl das Lagerreglement das Mißhandeln von Häftlingen untersagte.

In den Merkblättern für den Unterricht. An die SS-Führer im K.L.-Dienst wurde unmißverständlich festgehalten:[104]

»Jede eigenmächtige Züchtigung von Häftlingen ist den Posten verboten.«

Der Stutthofer Lagerkommandant P.W. Hoppe erließ am 11. Juli 1944 einen Kommandanturbefehl Nr. 46, in dem es hieß:[105]

»Es besteht Veranlassung, daß Unterführer und Männer weiterhin laufend darüber belehrt werden, daß sie, sofern sie als Kommandoführer bzw. Begleitposten bei Kommandos oder in der großen Postenkette eingeteilt sind, dafür verantwortlich sind, daß von den Häftlingskommandos ausreichende Arbeit geleistet wird. Daß die Häftlinge dabei nicht geschlagen, gestoßen oder berührt werden, ist selbstverständlich. Das Antreiben hat nur mit dem Wort zu geschehen. Ob der Wachmann dies in deutscher oder fremder Sprache tut, ist gleichgültig; der Häftling weiß schon, was er soll.«

Es wäre freilich naiv, deshalb anzunehmen, daß in der Praxis keine Mißhandlungen vorgekommen wären, denn oft stehen Vorschriften nur auf dem Papier. Die polnische Geschichtsschreibung verfällt jedoch ins andere Extrem und überhäuft den Leser mit einer wahren Flut von Zeugenaussagen, die ganz offenkundig in die Kategorie der Greuelpropaganda fallen, von den polnischen Historikern jedoch ernst genommen werden; hier einige Beispiele.

Unter Berufung auf den Augenzeugenbericht einer Ester Szlamowitz schreibt D. Drywa:[106]

»Eines Tages kam die Lagerführerin und erklärte der Blockältesten, sie wolle an einem bestimmten Tag 150 Leichen haben. Da es schwierig war, gleich auf den ersten Ruf so viele Tote zu beschaffen, wurden die Kessel mit Suppe für uns in die Kotgrube ausgeleert. Die ausgehungerten Gefangenen begannen, die Essensresten von dort auszuschöpfen. Das hat sofort geholfen: Die Deutschen erreichten mit Leichtigkeit ihr Totenkontingent.«

Über den Blockältesten Josef Pabst erzählt ein Teodor Kluka:[107]

» [...] Pabst, der sich den Häftlingen durch besondere Grausamkeit eingeprägt hat, brachte einen Häftling um, weil jener ihn nachts weckte, als er an seiner Pritsche vorbei zum Abort ging, und es gab Tage, an denen er etwa zehn Menschen tötete.«

Wie K. Dunin-Wąsowicz, selbst ehemaliger Stutthof-Häftling, berichtet, wurde Pabst, der dem Zeugen Kluka zufolge an manchen Tagen etwa zehn Menschen umgebracht haben soll, Ende 1944 wegen eines Mordes - er hatte einem Polen die Rippen gebrochen und ihn anschließend erdrosselt - in Stutthof öffentlich hingerichtet, nachdem das Todesurteil von Berlin bestätigt worden war[108].

Gestützt auf die Aussage einer Olga M. Pickholz gibt E. Grot folgendes zum besten:[109]

»Im Sommer 1944, als das Lager nicht alle Häftlinge in den Baracken unterbringen konnte, stellte die Lagerleitung die Wasserversorgung zum jüdischen Teil ab. Die Frauen waren gezwungen, den eigenen Urin zu trinken.«

Es ist kaum zu fassen, aber die Leichtgläubigkeit dieser Historiker geht so weit, daß sie sogar die hochbetagte Gruselmär von der Seife aus Menschenfett aus der Rumpelkammer holen:[110]

»Im Jahre 1944 wurde im Institut für Hygiene und pathologische Anatomie in Danzig, geleitet von Prof. Rudolf Spanner, der Versuch unternommen, aus Menschenfett Seife herzustellen. Die Leichen wurden hauptsächlich aus Stutthof sowie aus den Lagern in Königsberg und Elbing geliefert. Die erste Versuchsprobe zur Seifenherstellung wurde im Februar 1944 durchgeführt. Bis zum Kriegsende ging die Seifenproduktion über den Rahmen des Experiments nicht hinaus. Das Institut wurde u.a. von [dem Reichsstatthalter von Danzig-Westpreußen] Albert Forster, dem Minister für Bildungswesen Bernhard Rust und dem Reichsgesundheitsführer Leonardo Conti besucht, was seinen offiziellen und amtlichen Charakter hervorhob. In der Erklärung der Kommission, die am 4. Mai 1945 das Labor besichtigte, wird festgestellt, daß „in Danzig deutsche Wissenschaftler das Verbrechen der Seifenproduktion aus Leichenfett der Häftlinge und Kriegsgefangenen vorwiegend polnischer und russischer Abstammung begangen haben sowie das Verbrechen der Präparation der Menschenhaut zu Gebrauchszwecken. [...] Im Lichte der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft der UdSSR in Nürnberg und des Spruchs des Reichsgerichts vom 7. März 1912 wurde jegliche Verfügung über den menschlichen Körper nach dem Tode vom rechtlichen Standpunkt aus für unzulässig und strafbar erkannt".«

Bekanntlich hat die offizielle westliche Geschichtsschreibung das Ammenmärchen von der Seife aus Menschenfett bereits vor geraumer Zeit fallen gelassen. Raul Hilberg bemerkt dazu:[111]

»Auch das Seifengerücht scheint sich hartnäckig gehalten zu haben. Nach Friedmann[112] wurde Seife von der polnischen Bevölkerung tatsächlich boykottiert, weil letztere annahm, daß bei der Herstellung Leichenteile Verwendung fanden. Ein Dokument von Prof. Spanner, dem Direktor des Anatomischen Instituts der Ärztlichen Akademie Danzig, datiert vom 15. Februar 1944 (UdSSR-196), enthält ein Rezept zur Seifenherstellung aus Fettresten mit Empfehlungen für die Beseitigung schlechter Gerüche. In dem Dokument wird allerdings nicht speziell menschliches Fett genannt. [...] Das Gerücht von der Seifenherstellung hielt sich sogar nach dem Krieg. Seifenstücke, die angeblich aus dem Fett getöteter Juden hergestellt wurden, werden in Israel und im YIVO-Institut in New York aufbewahrt.«

Nicht besser als um die alberne Seifengeschichte ist es um D. Drywas These bestellt, daß die fürchterliche Fleckfieberepidemie, welche Stutthof ab Herbst 1944 heimsuchte, »sehr wahrscheinlich« durch die Lagerführung herbeigeführt wurde[113]. Litt die Lagerführung etwa unter manischer Todessehnsucht? Auch ihre eigenen Leute hatten die erste, im Frühling 1942 ausgebrochene Epidemie zu fühlen bekommen:[114]

»Die ersten Erkrankungen an Bauchtyphus kamen im Frühjahr 1942 vor. Bereits am 24. April starb Dr. Stefan Mirau, der seit 1939 Häftlingsarzt war, im Revier an Typhus; ferner wurden einige SS-Männer krank, von denen einer starb.«

D. Drywa widerlegt ihre eigene Behauptung, indem sie dem Leser an anderer Stelle mitteilt:[115]

»Bevor im Lager der Waschraum und die Entlausungsanlage fertiggestellt waren, wurden die Häftlinge zu diesem Zweck nach Danzig gefahren. Bei ansteckenden Massenerkrankungen wurde die Lagerkleidung desinfiziert.«

3. Die »direkte Ausrottung« durch andere Mittel als Vergasen

a) Euthanasie durch Injektionen

Wie auch für andere Lager wird für Stutthof behauptet, manche Häftlinge seien von SS-Ärzten oder Sanitätsgehilfen mittels Injektionen getötet worden. In den Akten sei dann als Todesursache »Herzschwäche« oder dergleichen angegeben worden. Die polnische Historikerin Maria Elżbieta Jezierska nennt mehrere Fälle von »Abspritzen« (szpilowanie). So sei beispielsweise nach Aussage dreier Zeugen die Russin Taissa Lyssenko, die sich in einem Anfall geistiger Verwirrung nackt in den Stacheldraht geworfen und so schreckliche Verletzungen zugezogen habe, durch eine Spritze getötet worden. Die betreffende Personalakte (Nr. 22967) gebe als Todesursache »Herz - allg. Körperschwäche. Schwere Psychose« an[116]. Die Verfasserin betrachtet drei Euthanasiefälle als sicher erwiesen und acht andere als »analog zu ersteren« wahrscheinlich[117].

Obgleich solche Tötungen nicht dokumentiert sind, hegen wir keinerlei Zweifel daran, daß sie sich tatsächlich ereignet haben. Ihre Zahl mag in der Größenordnung von einigen Dutzend gelegen haben. Auf einen Sonderfall von Euthanasie gehen wir später ein.

b) Die »mörderische Funktion des Lagerkrankenbaus«

Nicht ernst nehmen kann man, im Gegensatz zu Angaben über einzelne Euthanasiefälle, die Behauptung der polnischen Historiker, wonach der Lagerkrankenbau eine finstere Mordstätte gewesen sein soll. D. Drywa schreibt:[118]

»Eine der Stätten, wo die Häftlinge des KZ Stutthof planmäßig und systematisch vernichtet wurden, war der Lagerkrankenbau.«

J. Grabowska stößt ins gleiche Horn:[119]

»Häftlinge, die allzu lange im Revier lagen, töteten die SS-Ärzte durch Phenolspritzen oder in der Gaskammer. Alle diese Handlungen führten dazu, daß die Häftlinge das Revier als Vernichtungsstätte betrachteten.«

Doch führt J. Grabowska diese Behauptung selbst ad absurdum, indem sie uns in einem anderen Werk folgendes mitteilt:[120]

»Die Grundquelle für die Erforschung der staatlichen Struktur bilden die Evidenzbücher, Transportlisten, ferner das Verzeichnis der aus dem Lagerkrankenbau Entlassenen (18.000 Namen) und die Häftlingspersonalkarteien.« (Hervorhebung von uns)

Wie man sieht, hegten die kranken Stutthof-Insassen keine übertriebene Furcht vor dieser »Vernichtungsstätte«!

Was von der Behauptung zu halten ist, kranke Häftlinge seien »planmäßig und systematisch vernichtet« worden, ergibt sich auch aus der Tatsache, daß vor der Fertigstellung des Lagerkrankenbaus die schweren Fälle in ein ziviles Krankenhaus eingeliefert worden waren. E. Grot führt aus:[121]

»Die anderen (d.h. nicht an Ort und Stelle verarzteten) Kranken wurden zum Krankenbau in Neufahrwasser abtransportiert, besonders schwere Fälle (z.B. Amputationen der Extremitäten) in das Städtische Krankenhaus Danzig (die Stutthofer Häftlinge lagen dort in einer durch die deutsche Polizei bewachten Baracke). [...] Ab April (1940) wurden Amputationen der Beine oder Hände bereits im Lagerkrankenhaus durchgeführt.«

Wozu brauchte man noch Amputationen durchzuführen, wenn Arbeitsunfähige ohnehin liquidiert wurden?

Unfreiwillig komisch wirkt trotz ihres ernsten Hintergrundes die Geschichte von den mörderischen Krankenpflegern, die uns D. Drywa auftischt:[122]

»Eine andere Bedeutung [als die Überstellung von Häftlingen aus arbeitstechnischen Gründen] hatte der Transport mit zehn Häftlingspflegern, der am 22. April 1942 aus dem KZ Dachau kam. Speziell geschult, sollten sie im Lagerkrankenbau die Häftlinge mit intravenösen Phenolspritzen töten. [...] Aus dem KZ Dachau wurden im September 1944 weitere zehn Pfleger eingewiesen: zur Tötung der Jüdinnen mit Phenolspritzen.«

In einem anderen Artikel präzisiert die Verfasserin:[123]

»Am 23. August 1944 [richtig: am 23. September 1944[124] gelangten noch 10 als Krankenpfleger ausgebildete Häftlinge aus Dachau nach Stutthof (darunter die Franzosen Alphonse Kienzler und Paul Weil), was mit der Durchführung der damals in Stutthof ablaufenden Aktion zur „Endlösung der Judenfrage" zusammenhing.«

Alphonse Kienzler und Paul Weil, die beiden »mörderischen Krankenpfleger« aus Frankreich, gelten als Kronzeugen der behaupteten Massenverbrechen von Stutthof und sind als solche in die offizielle Lagergeschichte eingegangen[124]! Noch verschrobener wirkt D. Drywas These in Anbetracht der Tatsache, daß zumindest einer der beiden angeblich zur Teilnahme am Judenmord mittels Spritzen aus dem Elsaß nach Westpreußen Abkommandierten, P. Weil, selbst Jude war. Die polnischen Historiker sind so sehr in der Vorstellung befangen, alles, was sich in Stutthof tat, habe der Vernichtung von Menschen gedient, daß sie einfach nicht auf die Idee kommen, die Entsendung der Krankenpfleger könnte womöglich die Heilung von Menschen bezweckt haben. Dabei teilen diese Historiker uns selbst mit, daß im April 1942, als das erste Kontingent von Krankenpflegern aus Dachau eintraf, in Stutthof das Fleckfieber ausgebrochen war![121] Auch die zweite Krankenpflegergruppe ist fast mit Sicherheit im Zusammenhang mit einer Epidemie nach Stutthof geschickt worden, denn, so E. Grot:[125]

»Am Ende des Sommers 1944, als sich im Stammlager etwa 33.000 Häftlinge aufhielten, brach die nächste Epidemie aus, diesmal das Fleckfieber.«

Die Zeitangabe »am Ende des Sommers« paßt genau zum Datum der Entsendung dieser Krankenpfleger, dem 23. September!

c) Hinrichtungen

Wie in anderen Konzentrationslagern gab es auch in Stutthof eine erhebliche Zahl von Hinrichtungen. M.E. Jezierska hat dazu eine umfangreiche Untersuchung angestellt[126]. Sie stützt sich dabei teils auf Augenzeugenberichte, teils auf deutsche Dokumente sowie in zwei Fällen auf Sachbeweise (Exhumierungen); uns interessieren einzig und allein die Dokumenten- und Sachbeweise.

Für die erste Periode des Lagers (bis zum Januar 1942, als Stutthof den Status eines KL erhielt) sind laut M.E. Jezierska zwei Erschießungen von Häftlingsgruppen nachweisbar. Am 20. Januar 1940 wurden 22 und am 22. März desselben Jahres 67 Personen wegen Widerstandes gegen die Besatzungsmacht füsiliert. Die Erschießungen wurden von Zeugen geschildert und durch eine im Jahre 1946 durchgeführte Exhumierung bestätigt; die Leichen waren im Wald zwischen Stegna und Stutthof begraben worden[127].

Für die zweite Periode in der Lagergeschichte (Januar 1942 bis 1945) lassen sich nach den Untersuchungen M.E. Jezierskas anhand der Lagerdokumentation (Einlieferungsbücher sowie Personalkarten) 263 Exekutionen nachweisen, wobei die Mehrzahl der Todesurteile für politisch motivierte Taten (Partisanentätigkeit, Unterstützung des bewaffneten Widerstands, kommunistische Propaganda, Sabotage usw., in mehreren Fällen sogar für bloße Fluchtversuche aus dem Lager) verhängt worden war; eine Minderheit der Hingerichteten war wegen gewöhnlicher krimineller Delikte (Mord, Vergewaltigung, Diebstahl etc., in einem Fall sogar wegen Tierquälerei) zur Höchststrafe verurteilt worden.

Unter den während dieses Zeitraums Exekutierten befanden sich 126 Sowjetbürger, 122 Polen, 12 Juden, 2 Deutsche und ein Lette; 19 der Hingerichteten waren Frauen. Die Todesurteile wurden in 50 Fällen durch Erhängen und in 36 Fällen durch Erschießen vollstreckt; in den restlichen 177 Fällen wurde in den Urkunden lediglich die Exekution, nicht aber die Art ihrer Vollstreckung vermerkt[128].

d) Zwischenbilanz

Ohne jeden Zweifel war das Leben in Stutthof äußerst hart und die Lagerdisziplin rigide. Eine Ausrottungspolitik läßt sich aber dem bisher Gesagten in keiner Hinsicht entnehmen. Todesurteile mochten gelegentlich für absurd geringfügige Delikte wie Fluchtversuche verhängt werden, doch ging ihnen stets ein individuelles Strafverfahren voraus, und sie mußten von Berlin bestätigt werden[129]. Fälle von Euthanasie blieben jedenfalls auf eine geringe Anzahl von Schwerkranken und Schwerverletzten beschränkt, und die Legende von der menschenmordenden Funktion des Krankenbaus wird allein schon durch die 18.000 Häftlinge widerlegt, welche die dort gebotene Pflege in Anspruch genommen und das Gebäude lebendig verlassen haben.

Daß man sich in Berlin um die Verbesserung der Lebensumstände im Lager bemühte, geht aus folgenden Darlegungen E. Grots hervor:[130]

»Der Nahrungsmangel wurde außer der den Organismus auszehrenden schweren Arbeit zu einem der Faktoren der indirekten Extermination. Himmlers Runderlaß vom 5. Dezember 1941 über die Einführung zusätzlicher Essensrationen und Kleidung hatte keinen Einfluß auf die Verbesserung der Existenzbedingungen in Stutthof. Die Verordnung Himmlers vom 29. Oktober 1942 über die Zulassung der Lebensmittelpakete in den Lagern sowie Pohls Verordnung von Mitte Mai 1943 über die Zuerkennung von Geldprämien für gut arbeitende Häftlinge dagegen wurden realisiert und gaben den Häftlingen eine Chance, außer den offiziellen Rationen zusätzliche Nahrung zu erhalten.«

Auch dies spricht nicht gerade für eine Ausrottungspolitik!

4. Die Menschenvergasungen

a) Die Gaskammer von Stutthof. Struktur und Funktionsweise.

Ehe wir uns der Frage der Menschenvergasungen zuwenden, müssen wir die Struktur sowie die Funktion der behaupteten Tötungsanlage beschreiben.

Über die ca. zehn Meter nördlich des Krematoriums gelegene Stutthofer Gaskammer ist kein Dokument erhalten geblieben. Der offiziellen Geschichtsschreibung zufolge wurde sie im Jahre 1943 zu Entwesungszwecken gebaut. Die folgende Beschreibung beruht auf einem persönlichen Augenschein der Verfasser anläßlich ihres Besuchs in Stutthof im Frühsommer 1997.

Die Gaskammer (Foto 1) ist ein kleines, rechteckiges Bauwerk von 8.50 m Länge, 3.50 m Breite und 2.55 m Höhe (Außenmaße). Die Mauern bestehen aus gewöhnlichem Ziegelstein, die Decke aus Eisenbeton. Die Kammer besaß zwei einander gegenüberliegende gasdichte Türen aus Stahl, wie man dem auf einer sowjetischen Fotografie aus dem Jahre 1945 zu erkennenden Originalrahmen entnehmen kann (Foto 2). Die Stahltüren wurden - wahrscheinlich auf Geheiß der Lagerleitung - vor dem Eintreffen der Sowjettruppen abmontiert. Die heute vorhandenen, aus leichtem Eisenblech bestehenden Türen (Foto 3 und 4) wurden nach der Befreiung des Lagers installiert. Links der Südtür ist an die Außenmauer ein kleiner Ziegelofen angebaut (Foto 5 und 6), an dessen Vorderseite zwei kleine, metallene Türen angebracht sind. Bei der oberen handelt es sich um die Feuertür, bei der unteren um die Aschentür. Erstere diente zum Schließen der koksbetriebenen Brennkammer, in der sich ein aus Querstäben bestehender Rost befindet; eine in der hinteren Wand angebrachte Öffnung verbindet die Brennkammer mit einem gußeisernen Rohr (Foto 7) im Inneren der Gaskammer. Auf den Ofentüren steht die Aufschrift »Patent Bzrajber«.

Die Innenmasse des Raumes betragen 8 m × 3 m × 2.50 m. Der Fußboden besteht aus durchlöcherten Ziegeln[131], wobei die Löcher mit Zement aufgefüllt sind. Die Wände sind getüncht, die Decke ist aus rohem Zement gefertigt. Auf der Höhe des Ofens verläuft längs der Westwand das bereits erwähnte, etwa 25 cm Durchmesser aufweisende[132] gußeiserne Rohr; dieses biegt dann rechtwinklig ab und steigt senkrecht die Nordwand hoch (Foto 8), worauf es auf dem Dach des Raumes in einen gemauerten Kamin mündet (Foto 9). Heute ist dieses Rohr fast zur Gänze von einem Gemäuer umschlossen, welches einen massiven, 65 cm hohen und 50 cm breiten Quarder bildet. Nur in einem kurzen, auf Foto 7 erscheinenden Abschnitt ist es unbedeckt. Wie aus einer nach der Befreiung des Lagers angefertigten sowjetischen Aufnahme[133] hervorgeht, war die erste Hälfte des Rohrs ursprünglich von einem Gemäuer aus durchlöcherten Ziegeln von der Art der zum Bau des Fußbodens benutzten umgeben; die andere Hälfte war unbedeckt.

In der Mitte der Decke ist eine runde Öffnung von 15 cm Durchmesser angebracht (Foto 10). Über ihr befindet sich ein metallener Schacht mit Deckel (Foto 11). Genau unterhalb besagter Öffnung befindet sich im Fußboden ein kleiner Entwässerungsschacht (Foto 12), der früher ein Schließgitter besaß. Auf sämtlichen vier Innenwänden des Raumes sind riesige, von Eisenzyaniden (Preußischblau) herrührende Flecken zu sehen, welche eindeutig beweisen, daß in dieser Gaskammer Zyanwasserstoffgas zum Einsatz gekommen ist (Foto 13). Auch um die runde Öffnung in der Decke herum haben sich blaue Flecken gebildet. Schließlich lassen sich mächtige blaue Flecken auf den Außenmauern der Kammer erkennen, besonders auf der Ost- (Foto 14 und 15) und der Westmauer (Foto 16 und 17), in geringerem Umfang auch bei den Türen auf der Nord- und der Südmauer (Foto 5 und 9).

Mochte diese Gaskammer im Vergleich zu den Degesch-Kreislaufanlagen für Entlausung mit Zyklon-Blausäure auch eher rudimentär konstruiert sein, so war sie doch durchaus funktionstauglich. Die für das rasche Entweichen der Blausäure aus dem Trägergranulat nötige relativ hohe Temperatur gewährleisteten die Verbrennungsprodukte des Ofens; diese erhitzten das gußeiserne Rohr sowie das Gemäuer aus durchlöchertem Ziegelwerk, welches ersteres teilweise umschloß, und stiegen von dort aus durch den Kamin ins Freie. Der kleine Schacht an der Decke ermöglichte es, das Zyklon-B bei geschlossenen Türen von außen her einzuschütten, nachdem man zuvor die zur Entwässerung dienende Öffnung im Fußboden mit Papier zugedeckt hatte.

Durch das gleichzeitige Öffnen der beiden - längs der Nord-Süd-Achse plazierten - Türen erzielte man eine ziemlich rasche und effiziente Lüftung. Beschleunigt wurde diese durch die weiterhin dem Rohr entweichende Hitze; hielt man das Feuer im Ofen auch während der Lüftung im Gang, so erzeugte man im Inneren des Raumes einen Luftstrom, der ausreichte, um in kurzer Zeit einen fast völligen Luftaustausch zu gewährleisten.

Im Gegensatz zur Auffassung J.-C. Pressacs war die Öffnung in der Decke zum reibungslosen Funktionieren der Anlage sehr wohl notwendig. Ein bloßes, von Hand erfolgtes Ausstreuen der Zyklongranulate auf den Fußboden wäre nämlich durch die metallenen Gestelle behindert worden, an denen man die zu entwesenden Kleidungsstücke aufhängte und welche die gesamte Fläche der Gaskammer bis hin zu den Türen einnahmen[134]. - Daß diese Öffnung auf Rat von Rudolf Höß zu menschenmordenden Zwecken angebracht worden sein soll, hat sich Pressac schlicht und einfach aus den Fingern gesogen.

Immerhin wäre unserer Ansicht nach eine Verwendung dieser Entwesungskammer zur Tötung von Menschen in ihrem ursprünglichen Zustand rein technisch gesehen durchaus in Frage gekommen. Die im Bericht der sowjetischen Expertenkommission genannten Zeiten sowie die darin geschilderte Vorgehensweise liegen zumindest theoretisch im Bereich des Möglichen[135]. Es gilt nun zu ermitteln, ob der Raum tatsächlich zu diesem Zweck genutzt worden ist. Im folgenden wollen wir die Frage deshalb vom historischen Standpunkt aus anpacken.

b) Das Krematorium

Zunächst müssen wir freilich einige Ausführungen über das Krematorium des Lagers anbringen. Zwar spielt dieses im Zusammenhang mit der behaupteten Menschenvernichtung eine durchaus nebensächliche Rolle, doch sind die Angaben der Augenzeugen über seine Funktion und Kapazität ein handfestes Kriterium zur Überprüfung ihrer allgemeinen Glaubwürdigkeit.

In Stutthof wurden zwei von der Firma H. Kori erbaute koksbeheizte Krematoriumsöfen (Foto 18) sowie ein von derselben Firma errichteter Ölofen installiert. Diese drei Öfen sind im von den Polen nach Kriegsende rekonstruierten Krematorium aufgestellt.

Über das Krematorium ist nicht ein einziges Dokument erhalten. Alles, was in der Fachliteratur über diese Anlage behauptet wird, fußt auf Zeugenaussagen. Die ausführlichsten Angaben finden sich bei Ewa Ferenc; wir zitieren:[136]

»Mit den Plänen des Neuen Lagers trafen im Lager die Pläne des Lagerkrematoriums ein. Es sollte acht Doppelöfen und einen Leichenkellerraum haben, der mit den Öfen durch einen Aufzug Verbindung hätte. Dem Krematorium sollte eine Goldwerkstätte mit einer Panzerkasse und mit 4 Räumen von 20 m² Fläche angeschlossen werden. Auf dem Plan waren die Räume mit den Buchstaben z.b.V. (zur besonderen Verfügung) gekennzeichnet. Die Öfen sollten in einer Stunde etwa 100 Leichen verbrennen. Nach dem Plan sollte das ganze Krematorium von einer hohen Mauer umgeben sein. Der Plan wurde jedoch nicht ausgeführt.«

Als Quelle gibt die polnische Historikerin die Aussagen des ehemaligen Häftlings Wacław Lewandowski an. Dieser hat jedoch eine verzerrte Darstellung des ursprünglichen Krematoriumsprojekts geliefert. Ein Dokument der Zentralbauleitung von Auschwitz erhellt die Hintergründe: Am 15. Juni 1942 ersuchte die Bauleitung des KL Stutthof die Zentralbauleitung von Auschwitz brieflich um Auskünfte betreffs der Errichtung eines Krematoriums. Am 10. Juli antwortete der Leiter der Zentralbauleitung, SS-Hauptsturmführer Karl Bischoff, und legte seinem Schreiben die Pläne für das künftige Krematorium II von Birkenau bei, welche den Bau von »5 Stück Dreimuffel-Verbrennungsöfen« vorsahen. Bischoff teilte ferner mit, laut der Ofenherstellerfirma Topf belaufe sich die Verbrennungsdauer für einen Leichnam auf eine halbe Stunde[137]. Diese Angabe entsprach allerdings nicht der Realität, sondern spiegelte lediglich einen frommen Wunsch wider. Tatsächlich betrug die durchschnittliche Kremierungsdauer für eine Leiche nämlich ungefähr eine Stunde[138].

Der Zeuge Lewandowski hat also nicht nur die Zahl sowie das Modell der Öfen falsch wiedergegeben (er sprach von »acht Doppelöfen« statt von fünf Dreimuffelöfen), sondern auch die Einäscherungskapazität im Vergleich zu der von der Firma Topf behaupteten um das Dreifache übertrieben (sechs Leichen statt zwei).

E. Ferenc fährt fort:[139]

»Im Sommer 1942 wurde ein ölgeheizter Krematoriumsofen geliefert. Er wurde auf der östlichen Seite des Krankenbaus aufgestellt, darüber wurde eine Holzüberdachung gebaut; das Gelände des Krematoriums wurde von dem Lager abgegrenzt. Der Ofen war etwa ein halbes Jahr in Betrieb. Er verbrannte binnen 45 Minuten 5-6 Leichen und verbrauchte dafür etwa 5 Liter Öl. Die erste Leichenverbrennung fand am 1. September 1942 statt. [...]

Ende 1942 baute die Berliner Firma Kori zwei gemauerte Krematoriumsöfen und einen 18 Meter hohen Schornstein. Ein Ofen verbrannte in 45 Minuten 7-8 Leichen. Über den Öfen wurde eine Baracke aus Holz errichtet, die in der Nacht vom 3. zum 4. Dezember abbrannte. Darum wurde die Holzbaracke durch eine Steinbaracke ersetzt, in der sich auch ein Raum für die Heizer, Toiletten und zwei kleine Räume „z.b.V." befanden. Nach dem Wiederaufbau begann das Krematorium am 26. Dezember 1944 wieder zu „arbeiten". Bis dahin wurden die Häftlingsleichen auf einem Feldkrematorium verbrannt.«

Auch diese - wiederum ausschließlich auf Augenzeugenberichten basierenden - Informationen stehen sowohl historisch als auch technisch auf schwachen Füßen.

Was den historischen Aspekt betrifft, verweisen wir auf den einzigen bekannten Originalplan des Lagers, der vom 25. Januar 1943 stammt und auf dem das Krematorium nicht verzeichnet ist, was bedeutet, daß es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht einmal im Entstehen begriffen war. Die Geschichte von der abgebrannten Baracke bezieht sich dementsprechend vermutlich auf den ölbefeuerten Ofen. Daß dieser schon nach sechs Monaten seinen Betrieb eingestellt haben soll, noch ehe die stationären Öfen erbaut waren, ist alles andere als wahrscheinlich. Daß volle zwei Jahre lang - bis zum 26. Dezember 1944 - kein einziger Ofen in Betrieb gewesen sein soll, wird schließlich durch verschiedene Dokumente widerlegt, angefangen beim Register der Verstorbenen, von dem der sich auf den Zeitraum von Januar bis April 1944 beziehende Teil erhalten geblieben ist und in dem das Datum der Kremierung der Verstorbenen angegeben wird[140].

Technisch gesehen ist es ein Ding der Unmöglichkeit, in einem ölbeheizten Kori-Ofen innerhalb von 45 Minuten fünf bis sechs Leichen zu verbrennen. In unserem Buch über das KL Majdanek haben wir einen deutschen Bericht erwähnt, der diesem Ofentypus eine Kapazität von 50 Leichen in 12 Stunden zuschrieb. Unsere damalige Hypothese, wonach eine solch hohe Kapazität unter außergewöhnlichen Umständen tatsächlich im Bereich des Möglichen liegt[141], wird durch die - uns damals noch unbekannten - Unterlagen über die ölbeheizten Öfen des Krematoriums von Theresienstadt widerlegt. Diese waren sehr viel größer als die Kori-Öfen, konnten aber dennoch nur zwei Leichen pro Stunde einäschern[142]. Unter gar keinen Umständen kann die Kapazität der ölbeheizten Kori-Öfen höher gewesen sein.

Vollends abwegig ist die Behauptung, wonach man in einem koksbeheizten Kori-Ofen binnen 45 Minuten sieben bis acht Leichen einäschern konnte. Die Unterlagen über den koksbeheizten Kori-Ofen im niederländischen Durchgangslager Westerbork beweisen, daß für eine Kremierung im Schnitt 50 Minuten erforderlich waren[143].

Aus all dem ergibt sich, daß nicht nur den Aussagen der offiziellen polnischen Geschichtsschreibung, sondern erst recht der im zweiten Kapitel zitierten sowjetischen Expertise über die Kapazität der Krematoriumsöfen von Stutthof jegliche wissenschaftliche Fundierung abgeht. Insbesondere ist die in letzterer aufgestellte Behauptung, wonach man normalerweise 12 Leichen in einer Verbrennungskammer unterbringen konnte und ihre Einäscherung lediglich 50 Minuten dauerte, aus dreierlei Gründen purer Aberwitz:

Kehren wir nach diesem Exkurs über das Krematorium nun zu den behaupteten Menschenvergasungen im KL Stutthof zurück.

c) Zeitpunkt und Opferzahl der behaupteten Menschenvergasungen laut den verschiedenen Quellen

Im vorhergehenden Kapitel haben wir die in der offiziellen Geschichtsschreibung aufgestellten Behauptungen über die Ermordung von Menschen in der Gaskammer von Stutthof wiedergegeben. Was die entscheidende Frage des Zeitpunkts und der Opferzahl der Vergasungen anbelangt, sind diese Behauptungen meist sehr vage und widersprechen sich teilweise. Die folgende Tabelle veranschaulicht dies auf prägnante Art:

Behauptete Menschenvergasungen in Stutthof (1944)

 

Łukaszkiewicz 1947

D.-Wąsowicz 1970

G. Komisja 1979

D.-Wąsowicz 1983

D. Drywa 1988

Juni

 

 

 

22.6.: 100

 

Juli

 

 

 

26.7.: 12 ?, 70, 300

24.7.: ?

August

 

70, 300,

100

 

300

22.8.: 77

September

 

300

 

600 ?

 

Oktober

 

600 ?

 

 

 

November

 

200-250

 

250

 

ab Juni

 

 

4.000

 

 

vor August

1.000

 

 

 

 

Aug.- Dez.

3.000

 

 

 

 

Diese Tabelle ergibt folgendes Gesamtbild der behaupteten Menschenvergasungen:

22. Juni:100 Polen und Weißrussen
24. Juli:? Juden
26. Juli:12 polnische Widerstandskämpfer
22. August:77 invalide sowjetische Kriegsgefangene
August:300 Jüdinnen
August:100 Männer
September:300 Jüdinnen
Oktober:600 Jüdinnen
Oktober:einige Dutzend Männer
November:250 Frauen

Addiert man obige Ziffern, kommt man auf eine Gesamtzahl von 1.739, was weniger als der Hälfte der offiziellen Zahl von 4.000 entspricht. Bei acht Vergasungen mit insgesamt 1.550 Opfern wird lediglich der Monat angegeben; in einem Fall wird zwar das genaue Datum genannt, nicht jedoch die Opferzahl, in einem weiteren Fall werden wir sowohl über das Datum als auch über die Anzahl der Opfer im dunkeln gelassen.

Die Verschwommenheit dieser Angaben erklärt sich selbstverständlich dadurch, daß keinerlei Dokumente über Menschenvergasungen vorliegen.

d) Die Quellen für die behaupteten Menschenvergasungen

i) Die Gaskammer

Bezüglich der Quellen führt J. Grabowska aus:[146]

»Mehrmals benutzte man vom Juni bis Oktober 1944 die Gaskammer, um dort polnische politische Häftlinge und Widerstandskämpfer zu töten. Auf diese Weise starb z.B. eine Gruppe von polnischen Partisanen (im Juni 1944) aus dem Gebiet um Białystok sowie eine Gruppe von Männern, die nach dem Warschauer Aufstand (September/Oktober 1944) eingeliefert worden waren. Das Datum und die Anzahl der zuletzt erwähnten Exekutionen wie auch die Anzahl der Hingerichteten kann man nicht genau feststellen, da die Dokumente darüber nicht erhalten sind (wenn überhaupt welche angefertigt worden sind). Die Berichte der ehemaligen Häftlinge sind ungenau; meist wiederholt sich, daß diese zwei Gruppen auf dem Weg zur Gaskammer gewarnt wurden, was sie erwartete; darauf seien sie ins Lager auseinandergelaufen. Die SS-Leute begannen zu schießen und töteten so einige; die anderen wurden wieder zusammengetrieben und vergast.« (Hervorhebung durch uns)

Auch D. Drywa räumt ein, es könne »nur schwer festgestellt werden«, wann die Gaskammer »zum Töten von Menschen eingesetzt wurde«. Im Zusammenhang mit der »Vergasung von zwei Polengruppen« spricht sie von »Schwierigkeiten« und »Divergenzen in bezug auf Datum und Verlauf der Aktion« in den Augenzeugenberichten. Dies ist alles andere als nebensächlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß eben diese Augenzeugenberichte die einzige Quelle für die behaupteten Menschenvergasungen darstellen und außerdem ausgesprochen spärlich sind.

Die wichtigsten Gewährsmänner sind der ehemalige polnische Stutthof-Häftling Zbignew Krawczyk, der freilich nur in der sowjetischen Expertise erwähnt wird, sowie vor allem der Italiener Aldo Coradello, ebenfalls früherer Insasse des Lagers und Kronzeuge der Gaskammer von Stutthof.

Zunächst zu Krawczyk. Der sowjetischen Expertise läßt sich entnehmen, daß dieser den Vorgang der Menschenvergasungen schilderte, doch ohne genauen Hinweis auf Datum und Opferzahl. Allein schon aus diesem Grund ist die Aussage viel zu unbestimmt, um als historische Quelle irgendwelchen Wert zu besitzen. Sobald Krawczyk bei seinen Ausführungen ins Detail geht, erweist er sich als ganz und gar unglaubwürdig, wie folgende Passage zeigt:

»Dank der Aussage Krawczyks konnte ermittelt werden, daß die Öfen Tag und Nacht in Betrieb waren. Die Bedienungsmannschaft arbeitete in Schichten. In zwei Öfen wurden gleichzeitig bis zu 30 Leichen eingeführt. Der Verbrennungsprozeß dauerte zwei Stunden. Als Brennstoff wurde Koks verwendet.«

Die gleichzeitige Verbrennung von 15 Leichen in einem koksbeheizten Kori-Ofen - und dann gar noch innerhalb von zwei Stunden - ist schlicht und einfach eine technische Absurdität; wir verweisen auf das früher zu diesem Thema Ausgeführte.

1946 verfaßte A. Coradello zuhänden des Strafgerichts Danzig einige längere Berichte. Zu den Menschenvergasungen führte er folgendes aus (die sprachlichen Unsauberkeiten erklären sich dadurch, daß Deutsch für Coradello eine Fremdsprache war):[147]

»Die weitaus größte Zahl der Todesopfer forderte in Stutthof, wie wohl auch in den anderen K.Z. die Gaskammer. Es ist schwer zu sagen, eine genaue Zahl dieser Opfer anzugeben [sic] . Aber man geht nicht fehl, wenn man behauptet, daß es viele Tausende sind. Diese Hinschlachtungsart ist von der SS im Laufe der Jahre zu einer reinen Wissenschaft ausgebaut worden.

Verschiedentlich waren die Arten dieser berüchtigten Gaskammern, die je nach Geschmack der SS konstruiert waren, woran extra Techniker gearbeitet haben mußten. Von einfachen dunklen Kammern, ohne jeglichen Komfort, nur mit der Aufschrift „Vorsicht Lebensgefahr. Türen bei Gebrauch gut schließen", bis zu mit allen Schikanen gut gebauten Eisenbahnwagons, die von der Deutschen Reichsbahn befördert wurden und selbst solche, die extra für die Schmalspurbahn Danzig-Stutthof konstruiert waren.

In der Gaskammer in Stutthof wurden hauptsächlich Juden Polen und russische Patrioten vernichtet. Außer dem extra geschilderten Fall der Vergasung von 50-60 russischen Kriegsinvaliden im August 1944 sind mir noch weitere Einzelheiten bekannt. Diese haben sich im Herbst 1944 zugetragen.

Nach der Evakuierung des Ostlandes transportierten die Deutschen eine große Anzahl von Juden aller Nationen nach Stutthof aus den Lagern von Estland, Riga, Kaiserwald und dem Ghetto von Kaunas. Namentlich erinnere ich mich z.B. der Juden Lulie und seines Sohnes Asjas aus Riga.

Diese Juden befanden sich in körperlich und seelisch denkbar schlechter Verfassung; nachdem sie kaum einen Monat in Stutthof zugebracht hatten, waren sie zu ausgehungerten Skeletten abgemagert. Sie waren die einzigen Überlebenden der Vernichtungspolitik der Deutschen in diesen Ländern. [...]

Im Herbst 1944 wüteten die Henkerknechte unbarmherzig, besonders im Frauenlager Nr.3 in S.[tutthof]. Von den dort untergebrachten Frauen waren ca. 14000 wegen allgemeiner Körperschwäche und Unterernährung nicht mehr arbeitsfähig. Als solche wurden sie auch in den täglichen Berichten des Arbeitseinsatzes geführt. Einige Tausende weiterer Frauen waren nur noch beschränkt arbeitseinsatzfähig. Die Zahl der Unfähigen wurde mit jedem Tag mehr. Durch die Unbillen des Lagerlebens und die ungenügende Kost magerten die Frauen immer mehr ab und wurden mit jedem Tag kränker.

Man traf in Stutthof sofort die geeigneten Maßnahmen, denn niemand zweifelte daran, daß der Zahlenvorschlag in Berlin nicht genehmigt würde. Im Krematorium arbeiteten bis jetzt 3 Gefangene. Hierzu wurde noch ein weiterer kommandiert. Das Kommando wurde außerdem durch eine Nachtschicht von 3 Häftlinge und den brutalen SS-Scharführer Peters, der früher Bierfahrer der Brauerei Fischer in Danzig gewesen sein soll und für diese Arbeit der richtige Mann war, verstärkt. [...]

Auch in Berlin erkannte man sofort die Möglichkeit, für die deutsche Lebensmitteleinsparung etwas zu tun, indem man vorläufig die Vergasung von 4000 Frauen als erstes Kontingent freigab. Mit der Arbeit wurde auch sofort beginnen. Foth, die SS-Wachfrauen und die „B.Ver." Blockältestinnen, manchmal auch unterstützt vom SS-Arzt Dr. Heidl, suchten nun die Opfer aus.«

Den »extra geschilderten Fall der Vergasung von fünfzig bis sechzig russischen Kriegsinvaliden im August 1944« finden wir in folgender Erklärung Coradellos:[148]

»In Stutthof wurden in der Gaskammer hauptsächlich Juden, Polen und Russen ermordet. Außer der Vergasung von 50 bis 60 russischen Kriegsinvaliden im August 1944 sind mir noch mehrere Morde bekannt, die im Herbst 1944 begangen wurden. [...]

Um die doch noch zu langsam sterbenden Juden loszuwerden, wurden sie alltäglich durch die Blockältesten ausgewählt; vor allem diejenigen, die sich besonders schwach fühlten oder einfach nur ausschlafen wollten. Nach dem Abendessen wurden Gruppen von 30 Häftlinge vor die Kantine gejagt, wo sie auf einfache Holzwagen verladen wurden. Oft kam es vor, daß der Vater danebenstand und seinen Sohn nicht retten konnte oder ein Bruder den anderen. Die Opfer, die auf den Wagen verladen wurden, waren meistens so schwach, daß sie sich ohne Protest wegfahren ließen. Falls jedoch unter ihnen jemand war, der damit nicht einverstanden war, dann hat ihn in einer der Berufsverbrecher mit einem Schlag niedergestreckt und auf den Wagen geworfen. Alle im Lager wußten dann, daß an diesen Abend die Gaskammer betätigt wurde. An demselben Tag wurden die aus meinem Block entfernten Juden beim Appell als „Abkommandierte" gemeldet. Der Kapo des Krematoriums, der „Berufsverbrecher" (B.Ver.) Willy Patsch, hat mir gesagt, daß sie vergast wurden. [...]

Im Herbst 1944 wüteten die SS-Leute besonders im Frauenlager Nr.2. Von den Frauen dort waren ungefähr 14.000 infolge allgemeiner Schwäche vollkommen arbeitsunfähig. Sie wurden so auch in den Berichten des Arbeitseinsatzes bezeichnet. Viele andere konnten nur sehr beschränkt arbeiten. Die Zahl der „Arbeitsunfähigen" stieg von Tag zu Tag. In Stutthof dachte man sich eine entsprechende Lösung aus. Um diese „unnötigen Esser" loszuwerden, schickte man einen Vorschlag nach Berlin. Zum Krematorium wurde zu den drei Häftlingen ein vierter abkommandiert. Eine zusätzliche Verstärkung dieses Kommandos geschah noch durch eine Nachtschicht unter dem Kommando von SS-Scharführer Peters, der vordem in der Danziger Brauerei Fischer tätig gewesen war. Er klagte nicht über diese Arbeit, denn, wie er selbst sagte, konnte man hier bei einer genauen Untersuchung vor der Verbrennung manchmal Goldzähne rauben. Das reichte für Schnaps und für eine kleine Rücklage.

In Berlin erkannte man schnell, wie man Lebensmittel für die „Helden an der Front" einsparen könnte: 4000 Frauen wurden als erstes zur Vergasung bestimmt. Man begann sofort mit der Arbeit. Die Opfer wurden durch den SS-Mann Foth, die Aufseherinnen und die Blockälteste, manchmal auch durch den SS-Arzt Dr. Heidl ausgesucht. Danach verließ eine erste Gruppe von 60 bis 70 Frauen das Lager. Es handelte sich um äußerst schwache, ausgehungerte Wesen, für die der Tod schon keine Bedeutung mehr hatte. Sie waren jederzeit zum Sterben bereit. Keine der Frauen hatte Kraft zu protestieren, auch wenn sie wußten, daß sie vergast werden sollten. Die SS-Leute machten aber aus einer menschlichen Tragödie noch ein Schauspiel, so war es auch diesmal. Man erklärte den Frauen, daß es gelungen sei, ein Schulgebäude freizubekommen, um dort ein Sanatorium für die Stutthof-Häftlinge einzurichten. Niemand glaubte daran, aber die armen Frauen wünschten in ihrem Innersten, daß es wahr sein möchte. Durch diese illusorische Hoffnung gestärkt, gingen sie freiwillig aus dem inneren Teil des Lagers. Sie wurden skrupellos in die Gaskammer hineingepfercht.

Oft war die Gasmenge zu klein, das bedeutete dann eine längere Qual - doch das Ergebnis war das gleiche.

Manchmal kam es vor, daß die Verbrecher wenig Zeit hatten, weil sie noch am Abendschmaus teilnehmen wollten. Um nicht zu spät zu kommen, beeilten sie sich sehr; so kam es vor, daß außer den toten Frauen auch nur betäubte aus der Gaskammer in die Öfen geschleppt wurden. Der politische Häftling Erich Rössler hat mir erzählt, daß die deutschen „Berufsverbrecher", wenn sie betrunken waren, den erst halb toten Opfern mit einer Axt den Schädel eingeschlagen haben. Dann sind sie blutverschmiert in den Block zurückgekehrt, weil sie keine Zeit hatten, sich zu säubern. Den Schnaps haben sie von ihrem „Schirmherrn" Chemnitz erhalten.

Die Vergasungsaktion Mitte November 1944 dauerte vier Tage und forderte den Tod von mehr als 400 Frauen. Dann wurden sie plötzlich gestoppt; unter den Häftlingen ging das Gerücht, daß die höheren Behörden in Berlin die Aktion unterbrochen hätten. [...]

Am 26. August [1944] wurde ich abermals in Stutthof eingeliefert. [...]. Da habe ich auf dem Platz vor der Entlausungsanstalt eine Gruppe von 50 bis 60 russischen Kriegsinvaliden gesehen. Den meisten war ein Bein amputiert, manchen fehlten sogar beide Beine, und sie konnten sich nur mit großer Mühe mit Hilfe von Krücken bewegen. Anderen fehlten die Arme oder sie waren blind. In einem waren sie alle gleich: sie waren in höchstem Masse ausgehungert und zerlumpt. Keiner besaß Schuhe, ihre Fersen waren geschwollen und voller Wunden. Sie waren so geschwächt, daß sie wie Todesskelette aussahen, noch schlimmer als die sogenannten Lager-„Krippel". Die langjährigen Häftlinge, die bei der Entlausung und beim „Empfang" der Zugänge beschäftigt waren, sagten mir, daß diese Invaliden zum größten Teil aus dem Kriegsgefangenenlager in Hammerstein kämen. Sie waren schon drei Tage unter freiem Himmel, ohne jede Nahrung, unterwegs. Das einzige, was sie bekommen konnten, war etwas Wasser und Essen, das ihnen von anderen Gefangenen gegeben wurde. Die Lagerkommandantur war zu der Auffassung gekommen, daß diese arbeitsunfähigen Invaliden des Essens nicht mehr wert wären.

Wir neuangekommenen Häftlinge mußten auf unsere Aufnahmeformalitäten von 10 bis 18 Uhr in sengender Sonne warten. Um uns herum kreisten der Lagerkommandant, Obersturmbannführer Hoppe, der Schutzhaftlagerführer Meyer und der Rapportführer Chemnitz. Aus ihren Gesprächen konnte ich verstehen, daß sie sich mit dem Problem der russischen Kriegsinvaliden beschäftigten. Chemnitz meinte, daß man dieses „russische Gesindel" los sein müßte, er schaute dabei auf das Krematorium. [...] Nachmittags traten Chemnitz und Lüdtke zu den sowjetischen Kriegsinvaliden und verkündeten ihnen, daß sie in ein Sanatorium für Invaliden geschickt würden, wo sie sich bestimmt wohl fühlen würden. Ich sah, wie die Unglücklichen ihre Freude zeigten, daß sie endlich menschlich behandelt würden, so wie es ihnen als Kriegsgefangenen und dazu noch Invaliden zustand. Im Rest des Wassers, das ihnen noch übriggeblieben war, bemühten sie sich zu waschen, um ordentlicher auszusehen. Ich werde nie vergessen, wie einer sich bemühte, einem anderen, der keine Hände mehr hatte, den Bart mit einem Stück Glas abzurasieren. Sie hatten weder Seife noch Pinsel oder Rasiermesser. In schmerzlicher Erregung beobachtete ich, wie sie sich beeilten, um zur Abfahrt ins Sanatorium bereit zu sein. Sie wurden tatsächlich abtransportiert, aber nicht durchs Haupttor, sondern durch eine Seitenpforte rechts von der SS-Schuhmacherei, durch die täglich die Leichen aus dem Lager und dem Krankenrevier zum Krematorium hinausgefahren wurden. Für uns erfahrene Häftlinge war es klar, daß die Abtransportierten in wenigen Stunden grausam ermordet würden.

Am Abend hatte auch unser Transport alle Formalitäten hinter sich. Der Friseur hat uns die Haare bis auf die Haut geschoren. Jeder erhielt seine Nummer, die er an der linken Brustseite und an den Hosen annähen mußte. [...]

Als wir mit den Kameraden zusammensaßen, erschienen plötzlich die Häftlinge Wilhelm Patsch und Franz Knitter, beides deutsche „Berufsverbrecher", mit grünem Winkel. Sie haben in Stutthof hohe Funktionen ausgeübt. Patsch war Kapo im Krematorium und Knitter seine rechte Hand. An diesem Abend waren beide betrunken. Von einem habe ich erfahren, daß die russischen Invaliden gegen 6 Uhr abends in der Gaskammer ermordet wurden. Um jeden möglichen Widerstand zu vermeiden, hatten die SS-Leute eine besondere Vorstellung veranstaltet. Neben dem Krematorium verlief das Schmalspurgleis Stutthof-Danzig. An diesem Tage standen in der Nähe des Krematoriums zwei Wagen dritter Klasse. Die sowjetischen Invaliden mußten darin Platz nehmen. Sie waren überzeugt, daß man es gut mit ihnen meinte. Nach einer halben Stunde kamen Chemnitz, Lüdtke und Meyer, die fluchten auf den Lokführer, der unpünktlich sei. Dann erklärte man den Invaliden, daß die Lokomotive erst in einer Stunde da sein werde, also könnten sie noch Abendbrot essen. Alle stiegen aus und begaben sich in einen „Warteraum". Sobald sie sich in dem von Chemnitz angewiesenen Raum befanden, wurden hinter ihnen die eisernen Türen geschlossen, und aus der Dachöffnung strömte Gas hinein. Die ganze Lagerkommandantur war bei der Vergasung anwesend. Nach gut einer Stunde wurden die Türen geöffnet, die Leichen herausgetragen und am Krematoriumsofen niedergelegt. Jede Leiche wurde nackt ausgezogen, die Kleidung wurde zur weiteren Verwendung aufgestapelt. Jeder Tote wurde noch nach Schmuck und Goldzähnen untersucht. Die Goldzähne wurden mitsamt dem Kiefer mit Hilfe eines besonderen Gerätes entfernt und die Leiche gekennzeichnet: „Vom Zahnarzt untersucht". [...]

Patsch und Knitter berichteten, daß die Verbrennung der Leichen der sowjetischen Kriegsinvaliden sehr schnell gegangen sei, weil man ihre Ermordung verbergen wollte. Man habe die Leichen mit Öl und Benzin übergossen. Normalerweise faßte der Ofen 13 Leichen, und die Verbrennung dauerte 80 bis 100 Minuten. Die Leichen der Invaliden waren besonders mager, und man konnte 15 Leichen in den Ofen laden. Um Mitternacht war der Ofen mit den letzten Leichen gefüllt. Schon in den nächsten Tagen sind neu angekommene Häftlinge in der Kleidung der vergasten sowjetischen Kriegsinvaliden herumgelaufen; sie ahnten nicht, in welchem Martyrium die vorherigen Besitzer dieser Kleidungsstücke umgekommen waren.« (Hervorhebungen von uns.)

Prüfen wir diesen Bericht nun auf seine Glaubhaftigkeit. Zunächst wollen wir die offenkundige Tatsache unterstreichen, daß Coradello kein Augenzeuge ist, denn alles, was er über Menschenvergasungen erzählt, stammt aus zweiter Hand. Bereits dies vermindert den Wert seiner Aussagen entscheidend. Zudem sind diese äußerst ungenau - außer im Fall der russischen Kriegsversehrten, auf den wir gesondert zu sprechen kommen werden.

Was das Datum der Vergasung der Jüdinnen betrifft, so ist Coradello noch nicht einmal in der Lage, den Monat zu nennen, und er gibt sich mit der Jahreszeit, dem »Herbst 1944«, zufrieden!

Zur Zahl der angeblich vergasten Jüdinnen: Zuerst schreibt Coradello, es sei schwierig, »eine genaue Zahl« anzugeben, doch dann setzt er die Gesamtzahl dieser Jüdinnen auf 4000 fest, ohne sich auch nur auf eine Zeugenaussage - geschweige denn auf ein Dokument - zu berufen; diese Zahl hat er also noch nicht einmal von jemandem anderen gehört.

Außerdem stellt er die Behauptung auf, die Lagerbehörden hätten auf Befehl oder zumindest mit der Einwilligung von Berlin in Stutthof eine Politik der Ausrottung »unnötiger Esser« betrieben, doch von den 14.000 Arbeitsuntauglichen wurden ihm zufolge nur 4000 ermordet. Man begreift nicht so recht, warum dann die anderen 10.000 »unnötigen Esser« verschont blieben.

Was Coradello über die in Stutthof getroffenen Vorbereitungen zur Ausrottung dieser »unnötigen Esser« zum besten gibt, kann nur Heiterkeit erwecken: Die Zahl der im Krematorium beschäftigten Häftlinge wurde von drei auf vier erhöht!

Coradello beschreibt die für die Gaskammer ausgesuchten Jüdinnen als »äußerst schwache, ausgehungerte Wesen« und fügt hinzu, keine der Frauen habe Kraft gehabt, zu protestieren, »auch wenn sie wußten, daß sie vergast werden sollten«; nichtsdestoweniger hielten es die SS-Leute für erforderlich, sie mit List und Tücke in die Gaskammer zu locken, indem sie ihnen die Farce mit dem »Sanatorium« vorspielten!

Die Mär von der »zu geringen Gasmenge«[149] sowie jene von den lebend in den Öfen verbrannten Menschen gehört zum Standardarsenal der Greuelpropaganda, die den SS-Männern alle auch nur erdenklichen Schandtaten anzudichten pflegte.

Bei der Schilderung des Falls der sowjetischen Kriegsinvaliden malt Coradello mit großer Präzision alle möglichen Einzelheiten aus, doch bleibt nach einer näheren Prüfung seiner Aussagen nur noch die Tatsache übrig, daß er diese bedauernswerten Krüppel lebendig sah; was er über ihre Vergasung und Verbrennung berichtet, beruht auf dem Hörensagen: »Von einem habe ich erfahren, daß die russischen Invaliden gegen 6 Uhr abends in der Gaskammer ermordet wurden.« Der »eine«, von dem Coradello dies vernahm, muß einer der beiden deutschen Berufsverbrecher Pitsch und Knittler gewesen sein, die im Krematorium arbeiteten und wenn nicht an der Vergasung, so doch an der Leichenverbrennung beteiligt gewesen sein müssen, doch enthält die Schilderung beider Vorgänge absolute Unmöglichkeiten:

  1. Die Beschreibung der Vergasung ist seltsam kurz und nebulös; Coradello widmet diesem tragischen Geschehen ganze vier Sätze. Entscheidend ist aber, daß er nichts von Zyklongranulaten weiß, die durch eine Öffnung im Dach eingeschüttet wurden, nein, »aus der Dachöffnung strömte Gas herein«! Von Zyklon-B spricht er überhaupt nicht; falls er den Ausdruck überhaupt kannte, hatte er offenbar keine Ahnung davon, wie dieses Insektizid aussieht und wie es angewendet wird.
  2. Die Angaben zur Kremierung sind schlicht und einfach hirnverbrannter Unsinn. Normalerweise, so behauptet Coradello, seien in einem Ofen 13 Leichen zugleich verbrannt worden, aber in diesem Fall gleich 15!

Falls Coradello die ganze Geschichte nicht selbst erfunden haben sollte, hat er ganz einfach leichtgläubig die im Lager und über das Lager kursierenden Gerüchte kolportiert, ohne wenigstens den Versuch zu unternehen, sie miteinander in Übereinklang zu bringen. Wie im Fall der angeblich vergasten Jüdinnen gibt er auch hier lächerlichen Unfug über ein perfides SS-Täuschungsmanöver zum besten. Zwar war den meisten der Invaliden »ein Bein amputiert, manchen fehlten sogar beide Beine, und sie konnten sich nur mit großer Mühe mit Hilfe von Krücken fortbewegen. Anderen fehlten die Arme, oder sie waren blind.« Trotzdem dachten sich die SS-Männer die Komödie mit dem Sanatorium aus, »um jeden möglichen Widerstand zu vermeiden«!

ii) Die Vergasungswaggons

Die Behauptung, wonach - vor allem weibliche jüdische - Häftlinge »in zwei Waggons der Kleinbahn« vergast worden sein sollen, entbehrt jeglicher dokumentarischen Grundlage. Allein schon die geschilderte Wahl der Methode ist ganz und gar unglaubwürdig. Das neue Tötungssystem soll Anfang November 1944 eingeführt worden sein, »um die Opfer irrezuführen« und zu vermeiden, daß die »25 bis 30 Personen« starken Gruppen von Todgeweihten Widerstand leisteten. Hält man sich vor Augen, daß es sich bei den angeblichen Opfern um jeweils ca. zwei Dutzend Arbeitsunfähige gehandelt haben soll - Krüppel, Kranke, schwangere Frauen usw. -, und daß sie laut Coradello »meistens so schwach waren, daß sie sich ohne Protest wegfahren ließen«, fragt man sich, welchen Widerstand diese Armen denn noch hätten leisten können. - Wie erinnerlich, hatte Coradello schon über die Gaskammer denselben Unsinn erzählt.

Was von der Behauptung zu halten ist, die Kunde von den Menschenvergasungen habe sich im ganzen Lager verbreitet, und infolgedessen hätten die SS-Männer die tückische List mit den Vergasungswaggons aushecken müssen, geht schon daraus hervor, daß manche Zeugen, die ihre Erklärungen im Hinblick auf einen 1946 durchgeführten Prozeß gegen Angehörige der Stutthofer Lagermannschaft abgaben, nichts Konkretes von Vergasungen gewußt haben. Beispielsweise berichtet der Ex-Häftling Paul Wiechern, der am 3. Januar 1945 der Bedienungsmannschaft des Krematoriums zugeteilt wurde, mit keinem Wort darüber[150]. Ein anderer früherer Insasse des Lagers, Alfred Lehmann, begnügt sich mit dem Satz: »Exekutionen wurden ausgeführt durch Erschießen, Erhängen, Vergasen sowie durch Heranziehung von Häftlingen bei Experimenten«[151]. Es ist dies der einzige flüchtige Hinweis auf Menschenvergasungen in seinen Aussagen.

Daß die Geschichte von den Täuschungsmanövern frei erfunden ist, geht mit aller Deutlichkeit aus dem Bericht von K. Dunin-Wąsowicz hervor, der mit dem »in der vergrößerten Gaskammer« eingerichteten »Ärzte-Sprechzimmer« eine neue und noch närrischere Variante aus dem Hut zaubert. Es findet sich von dieser „Vergrößerung" nicht die Spur eines architektonischen Beweises.

Ins Reich der Fabel gehört auch das angeblich tragische Ende des »Strumpfstopfkommandos«. Diese Geschichte wird in Ermangelung dokumentarischer Beweise wiederum nur durch die Zeugenaussage Aldo Coradellos gestützt, der dazu folgendes zu berichten weiß:[152]

»Als noch eine andere sehr häufig angewendete Methode wurde das „Strumpfstopfkommando" erwähnt. Diese Art der Tötung war für ältere Frauen bestimmt. Beim Morgenappell wurden Frauen ausgesucht, die gut stopfen und stricken konnten. Mit Strick- und Nähnadeln ausgestattet, marschierten sie aus dem Lager. Irgendwo in der Nähe von Stutthof waren Strümpfe zu stopfen..., dabei wurde nicht vergessen, den Frauen gutes Essen zu versprechen. Damit sie rascher zu ihrem Bestimmungsort gelangen sollten, wurde von der Armee ausnahmsweise ein ganzer Eisenbahnwaggon ausgeliehen. Eine Brigade setzte sich aus 60 bis 70 Frauen zusammen, vorwiegend Jüdinnen. Der erwähnte Waggon wurde an eine Lokomotive angehängt, bisweilen sogar an einen Güterwagen, und fuhr mit seiner traurigen Ladung tatsächlich ab. Die Haltestelle lag in der Nähe des Krematoriums, das durch Schienen mit dem Zufahrtsgeleise verbunden war. Nachdem der Totenzug an einer oder zwei Stationen vorbeigefahren war, kehrte er wieder um und fuhr direkt zum Krematorium. Dort entfernte man die Leichen dieser unglücklichen Frauen aus diesem speziell eingerichteten Gaswaggon. Während der Fahrt wurde der - durch eine Doppeltür verschlossene - Wagen mit Blaugas gefüllt, und die nichtsahnenden Frauen fuhren dem Tod entgegen.

Im Lager ließen diese Opfer ihre Töchter oder andere Verwandte zurück, welche vergeblich auf ihre Rückkehr warteten und hofften, dabei etwas zu essen zu erhalten, und seien es auch bloß rohe Kartoffeln. Und wenn die Wartenden die SS-Männer fragten, wo sich ihre Mütter oder Schwestern denn so lange aufhielten, wurde ihnen zynisch entgegnet, wenn diese noch nicht zurückgekehrt seien, habe man sie bestimmt freigelassen.

Bisweilen erfolgte die Abfahrt und Rückkehr des „Strumpfstopfwaggons" zweimal täglich. Der dabei benutzte Gaswagen erwies sich schließlich als nicht modern genug oder fuhr nicht ausreichend rasch; jedenfalls ist es eine Tatsache, daß im Dezember 1944 oder Januar 1945 in Stutthof zwei völlig neu gebaute Gaswagen eintrafen. Sie waren dunkelgelb angemalt wie Armeekraftwagen. Diese neuen Wagen kamen freilich nicht mehr zum Einsatz; daß es jedoch die Absicht der Deutschen war, auch diese in Betrieb zu nehmen, unterliegt keinem Zweifel, denn für irgend etwas hatte man sie schließlich zu einer Zeit gebaut, als die ganze deutsche Industrie ausschließlich für die Herstellung von Kriegsmaterial arbeitete. Hielten die SS-Männer diese satanischen Wagen etwa auch für Kriegsmaterial? Letzten Endes kann man sagen, daß die SS jedes Konzentrationslager als großes Schlachtfeld betrachtete, und zwar als das Feld einer siegreichen Schlacht, denn dort wurden Tausende und Abertausende von Menschen überwältigt und schließlich ermordet.« (Hervorhebungen von uns.)

Auch in diesem Fall hat Coradello offenbar kritiklos die im Lager umherschwirrenden Gerüchte kolportiert. Noch im Jahre 1947 boten zwei ansonsten gut informierte ehemalige Stutthof-Häftlinge, die Franzosen Alphonse Kienzler und Paul Weil, folgende Variante der Morde in den Vergasungswaggons feil:[153]

»Erschießen war nicht die einzige Methode, die „Feinde des Großen Reichs" auszurotten. Mehrmals, vor allem sonntags, mußten die Frauen zu fiktiven Kommandos ausrücken; sie wurden in hermetisch abgeschlossenen Waggons zusammengepfercht, und dann warf ein SS-Mann eine Bombe mit erstickendem Gas in ihre Mitte.«

Kehren wir zu Coradello zurück. Seine Geschichte enthält keinerlei greifbaren Angaben - mit einer Ausnahme. Er behauptet, »zwei völlig neue Gaswagen« seien »im Dezember 1944 oder Januar 1945« eingetroffen. Von diesen beiden »Gaswagen« findet sich ebensowenig eine Spur wie von den Waggons, die angeblich früher zur Menschenvergasung hergerichtet worden waren. Bei den beiden heute hinter dem Krematorium stationierten Waggons handelt es sich um ganz normale Güterwagen. Der erste, der noch nicht einmal ein Dach besitzt, ist 9,5 m lang, 2 m breit und 1,20 m hoch. Der zweite, der sich immerhin eines Daches rühmen darf, mißt 9,5 m × 2 m × 2,12 m, besitzt ein Fensterchen und weist überall im Dielenwerk zahlreiche Risse auf (Siehe Fotos 1 und 16).

Das Gerücht von den Vergasungswaggons ist zweifelsohne durch die Verzerrung eines tatsächlichen Ereignisses entstanden, dem freilich keine sinistre Bedeutung innewohnte. E. Grot schreibt:[154]

»Seit 1942 kamen Transporte mit der Eisenbahn ins Lager. Die Güterzüge mit den Häftlingen hielten auf der Station der normalspurigen Bahn in Tiegenhof, die wiederum mit Stutthof eine Kleinbahnverbindung hatte. Dort wurden die Häftlinge in offene Waggons verladen. Der Zug hielt an der Station Waldlager, unweit der Villa des Kommandanten. Die Station wurde 1940-1941 gebaut.«

Im Jahre 1944 fuhren von dieser Station die großen Transporte mit - vorwiegend jüdischen - Gefangenen in andere Lager ab. Dies läßt sich anhand der Kommandanturbefehle nachweisen, in denen in der Rubrik »Häftlingsüberstellungen« oft ausdrücklich festgehalten wird, daß der betreffende Transport vom Waldlager abging. Hierzu ein Beispiel. Im Kommandanturbefehl Nr. 64 vom 28. September 1944 heißt es im Zusammenhang mit der Überstellung von »500 weiblichen Judenhäftlingen« ins KL Neuengamme:[155]

»Der Abtransport der Häftlinge erfolgt am 29.9. 1944 um ca. 14.30 h ab Stutthof-Waldlager. Genaue Abfahrtzeit wird noch befohlen. Der Weitertransport in Tiegenhof durch die Reichsbahn erfolgt in 8 G- und 1 C-Wagen um 18.35 Uhr.«

Andere Dokumente erwähnen die »Kleinbahn«, nicht jedoch das Waldlager. Beispielsweise heißt es im Kommandanturbefehl Nr. 55 vom 16. August 1944:[156]

»Die Kleinbahn stellt für diesen Transport einen Transportzug mit 22 Wagen, der gleichzeitig die 500 weibl. Judenhäftlinge, die zum KL Buchenwald gemäß Ziffer 3 Absatz c zu überstellen sind, nach Tiegenhof bringt.«

Die Kleinbahn führte direkt hinter dem Krematorium und der Gaskammer durch und endete bei den Judenbaracken[157]. Es ist durchaus wahrscheinlich, daß die eine oder andere Gruppe von Jüdinnen, die in ein anderes KL oder ein Außenlager von Stutthof überstellt wurden, in diesem Gleisabschnitt den Zug bestieg. Da der Zug an jener Stelle losfuhr, wo sich die Gaskammer und das Krematorium befanden, und leer ins Lager zurückkehrte, kann man sich unschwer vorstellen, daß die Häftlinge, welche nur unvollkommen über die Vorgänge im Lager informiert waren, ihre Schicksalsgefährtinnen vergast wähnten. Anders läßt sich die Geschichte von den »Vergasungswaggons« nicht plausibel erklären.

Auch das Gerücht von den »Selektionen«[158] für die Vergasung ist das Ergebnis einer Verzerrung tatsächlicher, mit den aus dem Lager erfolgten Überstellungen zusammenhängender Geschehnisse. Einer Überstellung ging stets eine von der SS durchgeführte »Auswahl« voraus; dies läßt sich durch die Kommandanturbefehle belegen. Beispielsweise heißt es im Kommandanturbefehl Nr. 64 vom 28. September 1944:[159]

»Gemäß FT[160] vom 15.9. 1944 des Amtsgruppenchefs D im SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt werden am 29.9. 1944 1000 männliche Judenhäftlinge und 1500 männliche arische Häftlinge vom KL Stutthof nach Bahnstation Schömberg zur Verfügung des KL Natzweiler überstellt. Die Auswahl dieser Häftlinge ist gemäß mündlicher Besprechung durch den 1. Schutzhaftlagerführer, SS-Standortarzt und den Arbeitseinsatzführer erfolgt. [...] Gemäß FT Nr. 9485 vom 8.9. 1944 des Amtsgruppenchefs D im SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt werden am 29.9. 1944 500 weibliche Judenhäftlinge nach Bahnstation Hannover-Vinnhorst - Anschlußgeleise 2 - zur Verfügung des KL Neuengamme für die Brinkerwerke Hannover überstellt. Die zu überstellenden Häftlinge sind gemäß mündlicher Besprechung mit 1. Schutzhaftlagerführer, SS-Standortarzt und dem Arbeitseinsatzführer ausgewählt.«

Eine Auswahl wurde auch vor der Entsendung eines Kommandos in die Außenlager von Stutthof durchgeführt. So heißt es z.B. im Kommandanturbefehl Nr. 73 vom 30. Oktober 1944:[161]

»Gemäß FS [Fernschreiben] Nr. 11348 vom 11.10. 1944 und FS Nr. 11701 vom 17.10. 44 werden am 30.10. 1944 200 weibliche Judenhäftlinge zum Außenarbeitslager Frontreparaturbetrieb Thorn überstellt. Auswahl der Häftlinge ist gemäß mündlicher Besprechung durch den 1. Schutzhaftlagerführer, SS-Standortarzt und den Arbeitseinsatzführer erfolgt.«

Daß es in einem Frontreparaturbetrieb auch ein »Strumpfstopfkommando« gab, ist sehr wohl möglich. Für ein solches brauchte es allerdings lebendige Frauen und keine vergasten.

e) Die behauptete Vergasung sowjetischer Invalider: Analyse eines Einzelfalls

In Anbetracht des Fehlens jedweder Dokumente über Menschenvergasungen und angesichts der Unbestimmtheit und Widersprüchlichkeit der Zeugenaussagen war es für die offizielle Geschichtsschreibung eine schwierige Aufgabe, den Vergasungsgeschichten ein Minimum an Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Wie wir in Kapitel II gesehen haben, begnügte sich Z. Łukaszkiewicz im Jahre 1947 damit, die von A. Coradello erfundene Zahl von 4000 Vergasten wiederzugeben; weder versuchte er, diese Ziffer dokumentarisch zu erhärten, noch bemühte er sich um die Ermittlung der Daten, an denen die Morde stattgefunden haben sollen. 1970 stellte K. Dunin-Wąsowicz den Ansatz zu einer Chronologie der Vergasungen mit ungefährer Angabe der Opferzahl auf, kam jedoch nur auf etwas über 1600 Vergaste statt auf Coradellos 4000. Dreizehn Jahre später, anno 1983, lieferte er in zwei Fällen ein genaues Datum und in einem davon zusätzlich eine genaue Opferzahl, blieb dem Leser jedoch die Nennung der Quelle für seine neuen Erkenntnisse schuldig, so daß diese Angaben historisch bar jeden Wertes sind.

Die Bemühungen der offiziellen Geschichtsschreibung, die Vergasungsbehauptungen wenigstens in einem Fall dokumentarisch zu stützen, blieben bis zum Jahre 1987 erfolglos. Damals veröffentlichte Maria Elżbieta Jezierska einen interessanten und gut recherchierten Aufsatz, dessen Titel in deutscher Übersetzung Die Hingerichteten im Lager Stutthof lautet[162]. Wir geben den Absatz, der sich mit der behaupteten Vergasung sowjetischer Kriegsversehrter befaßt, im folgenden wieder:[163]

»Wer die Einlieferungsbücher mit den Nummer 60703-64672 (August 1944) durchsieht, dem fällt auf, daß bei einem am 15. August 1944 von der Sipo Riga abgesandten Transport sich in sehr vielen Fällen in der Rubrik „Tod" dasselbe Datum findet, nämlich der 22. August. [...] Dieses Datum steht bei 77 Häftlingen. Sie trafen am gleichen Tage ein und starben am gleichen Tage. Es geht um russische Männer, die mit einer Ausnahme (Piotr Kalinin, der 1860 geboren wurde und dementsprechend 84 Jahre alt war!) durchweg jung waren, sowie einen 38-jährigen Letten. Sogleich drängt sich da die Vermutung auf, daß sie unmöglich eines natürlichen Todes gestorben sein können.

Es ist bezeichnend, daß sich ähnliche Vermerke über Angehörige ein und desselben Transportes, von denen viele am gleichen Tag gestorben sind, auf die Judentransporte des Jahres 1944 beziehen. Bekanntlich wurden diese einer Selektion unterzogen - ältere und kranke Menschen, Mütter mit Kleinkindern sowie Schwangere wurden sofort umgebracht. Ins Lager aufgenommen wurden nur arbeitsfähige Juden. [...]

Ich kehre zur Frage des Russentransportes zurück. Im Aufnahmebuch finden wir nirgends den Buchstaben „E"[164]. [...]

Aufmerksamkeit verdienen [...] die unter der Rubrik „Besondere Kennzeichen" (Körpergroße, Haarfarbe, Augenfarbe etc.) stehenden Anmerkungen. Bei den 47 Häftlingen, deren Karten erhalten sind, fehlen in vier Fällen jegliche Angaben. Bei anderen stehen folgende Bemerkungen:

  • „Sehr schwach" (1 Fall);
  • Beinschuß - Narbe (3 Fälle);
  • Knieschuß - (3 Fälle);
  • Fehlen eines Beins - (8 Fälle);
  • Kopf- und Beinschuß - (1 Fall);
  • Beinschuß, hinkt - (3 Fälle);
  • Schenkelschuß, Narbe - (1 Fall);
  • Bein- und Lungenschuß - (1 Fall);
  • Beindurchschuß - (12 Fälle);
  • Kniedurchschuß - (2 Fälle);
  • Hüftendurchschuß - (2 Fälle);
  • Bein- und Armdurchschuß (1 Fall);
  • „Hinkt" (1 Fall);
  • Gesichtsschuß (1 Fall);
  • Kopf-, Fuß- und Armschuß (1 Fall);
  • Drei Schüsse - (1 Fall);
  • Beckenschuß - (1 Fall).

Bei allen Erwähnten steht auf der Karte auch die Anmerkung „ehem. Kgf.". Andere Gründe der Einweisung in das Konzentrationslager liegen nicht vor.

Wahrscheinlich ist es mir auf dem Wege der Deduktion gelungen, jenen tragischen Transport russischer Invaliden ausfindig zu machen, an den sich frühere Lagerinsassen erinnern, einen Transport von Kriegsgefangenen, von denen es heißt, sie seien einzig und allein darum ins Lager gesandt und dort umgebracht worden, weil sie sich als Versehrte nicht zum Arbeitseinsatz eigneten. Ich verweise darauf, daß es in diesem Transport noch weitere Russen gab, bei denen die Personalkarte davon zeugt, daß sie verletzt waren, doch befanden sie sich offensichtlich in einem besseren Gesundheitszustand, denn sie wurden nicht liquidiert, und ein Teil wurde später ins Lager Natzweiler überstellt. Ich habe 41 Personalkarten mit Hinweisen auf folgende Verletzungen aufgefunden:

  • Arm-, Schulter-, Hand- und Ellbogenschuß und -durchschuß (17 Fälle);
  • Beinschuß und -durchschuß (7 Fälle);
  • Knieschuß und -durchschuß (3 Fälle);
  • Amputation der abgefrorenen Zehen beider Füße (1 Fall);
  • Brustschuß (3 Fälle);
  • Kopfschüsse, darunter einen Schuß in die Augengegend (4);
  • Mehrere Schußwunden (7).

Ich unterstreiche, daß es mir nicht gelungen ist, alle Personalkarten von mit diesem Transport eingetroffenen Russen aufzufinden, und wir wissen nicht, wieviele der übrigen ebenfalls Invaliden waren.«

M.E. Jezierskas Entdeckung ist wichtig und darf keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Sie wirft vier essentielle Fragen auf, nämlich:

  1. Wurden die sowjetischen Invaliden getötet?
  2. Wenn ja, was war der Grund für ihre Tötung?
  3. Auf wessen Geheiß wurden sie getötet?
  4. Auf welche Art wurden sie getötet?

Wir wollen im folgenden versuchen, Antworten auf diese vier Fragen zu finden.

Zunächst zum ersten Punkt. Daß am gleichen Tage (dem 22. August 1944) 77 durchweg genau eine Woche zuvor (am 15. August 1944) eingelieferte Personen gestorben sind, und daß ihr Tod in alphabetischer Reihenfolge und fast genau in der Reihenfolge ihrer Häftlingsnummern registriert wurde[165] - und dies zu einem Zeitpunkt, wo im Lager keine Epidemien wüteten -, läßt mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Tötungsaktion schließen. Die einzige eventuell denkbare Alternative wäre folgende:

Diese körperlich aufs schwerste geschädigten Häftlinge starben alle im Zeitraum einer Woche, doch wurde ihr Ableben noch am selben Tage registriert. Dies kam in der Tat vor, wie sich anhand der Rubrik »Todesfälle« nachweisen läßt. Beispielsweise sind im Rapport vom 29. November 1944 fünf Häftlinge aufgeführt, die zwischen dem 21. und dem 24. November verstorben waren[166]. Ein ähnlicher Fall ist für einen am 29. November 1942 aus Buchenwald nach Auschwitz gelangten Transport nachweisbar; er umfaßte 163 Häftlinge, die ordnungsgemäß registriert wurden. Als der Lagerarzt am 4. Dezember eine medizinische Untersuchung der Neuankömmlinge durchführte, stellte er fest, daß in der Zwischenzeit 18 von ihnen gestorben waren[167].

Obgleich das Todesdatum der sowjetischen Kriegsgefangenen nicht aus Sterbeurkunden, sondern aus dem Einlieferungsbuch sowie den »Häftlings-Personal-Karten« hervorgeht, scheint uns die Hypothese einer Tötung wesentlich wahrscheinlicher. Bei den folgenden Ausführungen gehen wir stets von dieser Hypothese aus.

Kommen wir zur zweiten der von uns aufgeworfenen Fragen: Falls diese Invaliden - wie wir vermuten - getötet wurden, dann aus welchem Grunde? M.E. Jezierskas Erklärung (»weil sie sich nicht zum Arbeitseinsatz eigneten«) kann schon darum nicht stimmen, weil, wie die Autorin selbst darlegt, wenigstens 41 andere sowjetische Kriegsinvaliden mit demselben Transport eingetroffen waren, jedoch nicht umgebracht und teilweise später ins Lager Natzweiler überstellt wurden. Daß jene 41 nicht getötet worden sind, belegt allein schon, daß es keinen von der Reichsregierung ausgegangenen allgemeinen Befehl zur Liquidierung von Arbeitsunfähigen gab. Was den spezifischen Fall Kriegsgefangener anbelangt, liegt sogar eine entgegengesetzte Direktive vor, wie die Existenz eines »sowjetisch-russischen Kriegsversehrten-Lazaretts« im Lager Majdanek beweist[168]. Auch in Auschwitz wurden die „Invaliden" regelmäßig in der Rubrik »Nichtarbeits- und einsatzfähige Häftlinge« der von der Abteilung IIIa erstellten Tagesberichte »Arbeitseinsatz« aufgeführt. Beispielsweise hielten sich am 7. August 1944 im Sektor BII/d des Birkenauer Männerlagers 135 Invaliden auf[169].

Dieses Bild wird dadurch abgerundet, daß es in Stutthof eine »Krüppelkompanie« gab, sie[170]

»bestand aus Menschen, die derart ausgemergelt waren, daß sie zu keiner Arbeit fähig waren. Meldete sich jemand aus dieser Kompanie freiwillig, dann bekam er eine Arbeit zugeteilt. Die Baracke der Krüppelkompanie konnte 50 bis 60 Personen zählen. Vielleicht sogar mehr. Diejenigen, die noch etwas zu tun vermochten, wurden mit Wasserholen, Aufräumen, Reisigsammeln beschäftigt. Es waren dies leichte Arbeiten. Wer nicht arbeiten konnte, durfte liegenbleiben. Die Krüppel wurden nicht schikaniert.«

Erwähnt sei schließlich noch, daß am 14. sowie am 20. November 1942 aus Stutthof zwei Transporte mit 298 bzw. 172 schwachen oder invaliden Häftlingen nach Dachau abgingen[171].

Somit kommt als einziges Motiv Euthanasie in Frage: Im Gegensatz zu den anderen, am Leben gebliebenen Invaliden befanden sich diese 77 offenbar in einem so beklagenswerten Zustand, daß beschlossen wurde, ihnen den „Gnadentod" zukommen zu lassen.

Von wem wurde es beschlossen? Nach dem bisher Gesagten ist auch diese dritte Frage beantwortet: Der Entscheid zur Tötung muß von der Lagerverwaltung getroffen worden sein.

Bleibt noch die Frage, auf welche Weise die Tötung erfolgt ist. Wie wir gesehen haben, beruht die Behauptung, man habe die Kriegsversehrten vergast, lediglich auf den Aussagen A. Coradellos, der aber nur Gehörtes wiedergibt und überdies ganz und gar unsinnige Angaben zur Leichenverbrennung liefert, die seine Glaubwürdigkeit ruinieren. Zudem wäre eine Massentötung in der Gaskammer wegen der Todesangst, welche die Opfer während Minuten ausgestanden hätten, barbarisch gewesen und hätte nicht zur Vorstellung des „Gnadentodes" gepaßt - ganz abgesehen davon, daß ihre Schreie im unmittelbar an die Gaskammer angrenzenden Alten Lager zu hören gewesen wären, so daß sich die Tat im Nu unter den Häftlingen herumgesprochen und eine Panik ausgelöst hätte, die gewiß nicht im Interesse der Lagerführung war.

Am wahrscheinlichsten scheint uns, daß man die sowjetischen Invaliden im Lagerkrankenbau mit Injektionen umgebracht hat.

D. Drywa begründet die Vergasungshypothese wie folgt:[172]

»Beim Datum steht (im Einlieferungsbuch) weder die Nummer des Totenscheines aus dem Totenbuch noch der Buchstabe „E", der auf eine Exekution hinweisen würde.«

Zunächst zum fehlenden »E«; dieser Buchstabe stand nach der - mit größter Wahrscheinlichkeit richtigen - Auffassung der polnischen Historiker für »exekutiert«, »erschossen« oder »erhängt«. Wenn er auf den Totenscheinen der sowjetischen Invaliden fehlt, so ganz einfach deswegen, weil ihre Tötung keine Hinrichtung war, denn bei einer solchen handelte es sich um eine Strafe, und ihr gingen stets ein Prozeß und ein Urteil voraus.

Wichtiger als das fehlende »E« ist aber der erste der beiden von D. Drywa angeführten Punkte, die fehlende Nummer des Totenscheins im Einlieferungsbuch, denn dieser wird auch als Beweis für die Vergasung der Jüdinnen gedeutet. D. Drywa schreibt bezüglich letzterer:[173]

»Das Datum wurde in den Evidenzbüchern mit dem Datumstempel vermerkt, und es fehlen, wie bei den sowjetischen Kriegsgefangenen, die Nummern aus dem Totenbuch. Der Tod der ersten größeren Gruppe von weiblichen Häftlingen wurde am 24. Juli 1944 vermerkt, die weiteren Todesfälle werden den ganzen August, September und Oktober hindurch registriert.«

Somit wird die Hypothese von der Vergasung der sowjetischen Kriegsversehrten zum Beweis für die Vergasung Tausender von jüdischen Frauen! Betrachten wir dieser Argument näher.

Zunächst einmal bedeutet das Fehlen der Nummer der Sterbeurkunde im Einlieferungsbuch durchaus nicht, daß der verstorbene Häftling nicht im Sterbebuch registriert war. Vom Moment seiner Einlieferung ins Lager an erlangte der Gefangene einen bürokratischen Status, der sich nicht in nichts auflösen konnte. Die Dokumente über einen individuellen Häftling mochten gelegentlich verfälschte Angaben enthalten, doch durften sie unter keinen Umständen vernichtet werden, so daß im Fall seines Todes dieser in den Sterbebüchern vermerkt werden mußte - wenn auch unter Umständen mit falschem Todesdatum und/oder fiktiver Todesursache. Der Fall der 77 Kriegsversehrten beweist dies eindeutig.

Dem Fehlen der Nummer der Sterbeurkunde kommt keine besondere Bedeutung zu, denn auch in vielen nicht „verdächtigen" Fällen wurde diese nicht eingetragen. In der offiziellen Lagergeschichte ist beispielsweise eine Seite aus dem Einlieferungsbuch des Jahres 1943 abgelichtet, auf welcher der Tod zweier am 3. bzw. 7. März 1943 verstorbener Polen (Häftlingsnummern 19381 und 19385) verzeichnet ist, ohne daß die Nummer der Sterbeurkunde vermeldet wurde. Auf derselben Seite steht die Nummer hingegen bei zwei weiteren Todesfällen (zwei am 21. April bzw. 15. März gestorbenen Polen mit den Häftlingsnummern 19381 und 19387)[174]. Ganz offenbar hatte der verantwortliche Lagerfunktionär den Eintrag schlicht und einfach vergessen.

Auch in zahlenmäßiger Hinsicht vermag das Fehlen der Nummer der Sterbeurkunde die These von den Menschenvergasungen in keiner Hinsicht zu stützen. M.E. Jezierska konnte in den Dokumenten weder irgendwelche Spuren einer Massenvernichtung noch auch nur einen zweiten mit dem der 77 Kriegsversehrten vergleichbaren Fall aufspüren, obwohl sie die für den Zeitraum vom 19. Juli bis zum 1. Oktober 1944 erhaltenen Einlieferungsbücher, in denen sich ca. 17.000 Namen von Häftlingen - darunter ca. 14.400 von jüdischen - befinden, aufmerksam studiert und aufs gründlichste nach Beweisen für Massentötungen durchkämmt hat. Es handelte sich also ganz offensichtlich um einen Einzelfall.

Dies alles veranlaßt uns zu folgender Hypothese über die Entstehung der Geschichte von den Menschenvergasungen in Stutthof:

Man geht schwerlich fehl in der Annahme, daß die Gerüchte über Menschenvergasungen zuerst von den aus Auschwitz eingetroffenen Juden verbreitet worden sind, denn in jenem Lager waren solche Gerüchte seit Jahren von der Widerstandsbewegung emsig geschürt worden. Daß es in Stutthof eine Gaskammer gab, die zudem vom Alten Lager aus gut sichtbar war, mußte die Phantasie der Häftlinge zwangsläufig beflügeln.

Die Gaskammer befand sich unmittelbar gegenüber dem Krematorium, in welches die Leichen der sowjetischen Invaliden getragen wurden. Dies mußte von den Gefangenen, welche nur unvollkommen über die Ereignisse im Lager unterrichtet waren, zwangsläufig als Bestätigung der Vergasungsgerüchte betrachtet werden. So wurden in der Phantasie der Häftlinge auch die in Außenkommandos oder andere Lager überstellten Jüdinnen zu Vergasten.

5. Die Sterblichkeit in Stutthof von 1939 bis 1945

a) Die Gesamtzahl der im Lager verstorbenen Häftlinge

Die über die Sterblichkeit unter den Stutthof-Häftlingen vorliegenden Unterlagen sind annähernd vollständig und ermöglichen es uns, die Gesamtopferzahl recht genau zu bestimmen. Nicht erfaßt sind in der folgenden Statistik wohlverstanden die Opfer der am 25. Januar 1945 einsetzenden Evakuierungen zu Land und zur See, denn darüber liegen keine Dokumente vor.

Bei unseren Berechnungen stützen wir uns in allererster Linie auf die Sterbebücher; diese enthalten vorgedruckte Sterbeurkunden, die denjenigen von Auschwitz entsprechen (siehe Dokument 4).

Zum besseren Verständnis der folgenden Darlegungen wollen wir zunächst die vorhandenen Quellen in chronologischer Reihenfolge vorstellen.

1) Sterbebuch (Zweitbuch)[175]: Dieses umfaßt den Zeitraum vom 18. Januar 1939 bis zum 17. August 1940 und enthält 584 Sterbeurkunden, die sich wie folgt verteilen:

In diesem Sterbebuch sind auch einige Todesfälle von Bewohnern des Dorfes Stutthof eingetragen. Dies erklärt die Tatsache, daß es schon mit dem 18. Januar 1939 beginnt und nicht mit dem 2. September, dem Tag der Einlieferung der ersten Häftlinge.

Es existiert auch ein Sterbe-Erst-Buch[176], das einen Teil der bereits vom Zweitbuch umfaßten Periode abdeckt - den Zeitraum von 12. April bis zum 23. Mai 1940 - und 200 Sterbeurkunden enthält.

2) Sterbebuch (Zweitbuch)[177]: Es reicht vom 2. Januar bis zum 31. Dezember 1941 und beinhaltet 268 von 1 bis 268 numerierte Sterbeurkunden.

3) Sterbebuch (Zweitbuch)[178]: Es reicht vom 6. Januar bis zum 7. Juli 1942 und enthält 430 von 1 bis 430 numerierte Sterbeurkunden.

4) Sterbebuch (Zweitbuch)[179]: Es reicht vom 7. Juli bis zum 9. September 1942 und enthält 538 von 431 bis 968 numerierte Sterbeurkunden.

5) Sterbebuch (Zweitbuch)[180]: Es reicht vom 7. Oktober bis zum 19. November 1942 und enthält 558 von 1.325 bis 1.882 numerierte Sterbeurkunden.

Somit ist klar, daß das vorhergehende, verloren gegangene Sterbebuch den Zeitraum vom 10. September bis zum 6. Oktober 1942 abdeckte und 356 von 969 bis 1.324 numerierte Sterbeurkunden enthielt.

6) Sterbebuch[181]: Es reicht vom 19. November bis zum 31. Dezember 1942 und enthält 394 von 1.883 bis 2.276 numerierte Sterbeurkunden.

7) Sterbebuch Band 1[182]: Es reicht vom 2. Januar bis zum 17. Februar 1943 und enthält 383 von 1 bis 383 numerierte Sterbeurkunden.

Ein Vergleich mit dem Sterbebuch Band 3 ergibt, daß der - nicht erhalten gebliebene - Band 2 vom 18. Januar bis zum 29. März 1943 reichte und 798 von 384 bis 1.181 numerierte Sterbeurkunden enthielt.

8) Sterbebuch Band 3[183]: Es reicht vom 30. März bis zum 1. Mai 1943 und enthält 819 von 1.182 bis 2.000 numerierte Sterbeurkunden.

9) Sterbebuch Band 4[184]: Es reicht vom 7. Mai bis zum 1. Juni 1943 und enthält 376 von 2.001 bis 2.376 numerierte Sterbefälle.

10) Sterbebuch Band 6[185]: Es reicht vom 20. August bis zum 22. November 1943. Ab Anfang Juni 1943 änderte sich das System der Numerierung der Todesfälle in den Sterbebüchern. War früher vom Beginn eines Jahres an kontinuierlich durchnumeriert worden, so wurden die Todesfälle fortan in Sektionen von je 185 Sterbeurkunden festgehalten, die mit römischen Ziffern gekennzeichnet wurden.

Band 6 enthält 555 Sterbeurkunden, welche sich wie folgt verteilten:

Daraus läßt sich ableiten, daß Band 5 vom 2. Juni bis zum 19. August reichte und 740 Sterbeurkunden enthielt, die sich wie folgt verteilten:

11) Sterbebuch 7[186]: Es reicht vom 22. November bis zum 31. Dezember 1943 und enthält 309 Sterbeurkunden, die sich wie folgt verteilen:

12) Sterbebuch[187]: Es reicht vom 25. Januar bis zum 16. Dezember 1943 und enthält 54 Sterbekurkunden, aber nicht von Lagerhäftlingen, sondern von Bewohnern des Dorfes Stutthof.

13) Register Verstorbene[188]: Es reicht vom 5. Januar bis zum 7. April 1944 und enthält 987 Sterbeurkunden, die sich wie folgt verteilen:

Unter Berücksichtigung der 37 Todesfälle, die auf den fehlenden, die Zeit vom 1. bis zum 4. Januar abdeckenden Seiten registriert waren, geht aus diesem Register eine Zahl von 987 in der Zeitspanne vom 1. Januar bis zum 7. April 1944 Verstorbenen hervor.

14) Tagesberichte über »Todesfälle« für das Jahr 1944 sowie einige Tage im Jahre 1945[189]. Diese Berichte sind außer für den Monat Mai nur fragmentarisch erhalten. Folgende Tabelle gibt die darin enthaltenen Angaben wieder:

15) Liste der Verstorbenen im Stutthof-Lager entsprechend der vorgefundenen Dokumente für die Periode vom Januar bis zum April 1945[190]. Es handelt sich hier um ein Verzeichnis, das von den Sowjets anhand deutscher Originaldokumente - höchstwahrscheinlich täglicher Stärkemeldungen - erstellt worden ist. Wohin es diese Originaldokumente verschlagen hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Das Verzeichnis umfaßt den Zeitraum vom 30. Januar bis zum 23. April 1945 und vermerkt 6.550 Todesfälle, welche sich wie folgt verteilen:

Nach dem bisher Gesagten wenden wir uns nun der Ermittlung der Opferzahl für jedes einzelne Jahr zu.

1939: 47 Todesfälle (letzte bis zum 31. Dezember 1939 in dem unter Punkt 1 erwähnten Sterbebuch verzeichnete Zahl).

1940: etwa 860 Todesfälle. Das Sterbebuch/Zweitbuch für 1939/ 1940 reicht bis zum 17. August 1940. Unter Zugrundelegung der durchschnittlichen Sterblichkeit während dieser siebeneinhalb Monate gelangen wir auf etwa. (537:7,5 × 12 =) 860 Tote.

1941: 268 Todesfälle (letzte im unter Punkt 2 erwähnten Sterbebuch verzeichnete Zahl).

1942: 2.276 Todesfälle (letzte im unter Nr. 6 erwähnten Sterbebuch verzeichnete Zahl).

1943: 3.980 Todesfälle. Dies ergibt sich durch die Addition der in den einzelnen unter Punkt 7 bis 13 verzeichneten Zahlen:

Nicht berücksichtigt haben wir die im unter Punkt 13 erwähnten Sterbebuch vermerkten 54 Todesfälle, weil sich diese nicht auf Insassen des Konzentrationslagers, sondern auf Zivilisten beziehen.

1944; Ca. 7.500 Todesfälle.

Die genaue Zahl der Todesopfer kennen wir lediglich für die ersten fünf Monate:

Für die übrigen Monate können wir uns auf die Ziffern der Sterbeurkunden stützen, die in den Einlieferungsbüchern fast immer unter der Rubrik »Verstorben« figurierten und mit denjenigen der Sterbebücher übereinstimmten. Die Zahl der Verstorbenen kann dementsprechend auf folgende Weise recht genau festgelegt werden[192]:

Juni:

etwa 135

(45 Verstorbene in 10 Tagen = 45 ÷10 × 30 = 135).

Juli:

etwa 120

(am 24.7. wird die Zahl 95 registriert; 11 Todesfälle vom 25. bis zum 28.7., demnach 106 in 28 Tagen = ca. 120 in 31 Tagen).

August:

etwa 150

(am 29.8. wird die Zahl 135 registriert = ca. 150 in 31 Tagen).

September:

etwa 250

Todesfälle (am 26.9. wird die Zahl 219 registriert, also ca. 250 in 30 Tagen).

Oktober:

etwa 380

(am 30.10. wird die Zahl 365 registriert, also ca. 380 in 31 Tagen).

November:

etwa 1.450

(am 30.11. wird die Zahl 1.444 registriert);

Dezember:

etwa 3.560

(am 31.12. wird die Zahl 3.553 registriert).

1945: etwa 11.200.

Für den Januar kennen wir nur folgende, der Rubrik »Todesfälle« entnommenen unvollständigen Unterlagen:

Für diesen Monat geht die polnische Geschichtsschreibung von 5.000 Toten aus[193]. Diese Zahl scheint nicht übertrieben, wenn man bedenkt, daß vom 30. Januar bis zum 28. Februar 4.489 Häftlinge gestorben sind, also im Schnitt 160 pro Tag. Diese enorm hohe Sterblichkeit ging zum größten Teil auf das damals im Lager wütende Fleckfieber zurück.

Vom 1. Februar bis zum 23. April wurden nach der sowjetischen Liste 6.161 Todesfälle verzeichnet. Akzeptiert man die von der polnischen Geschichtsschreibung genannte Ziffer von rund 5.000 Toten für den Januar - was wir tun -, so ergibt sich für das Jahr 1945 eine Zahl von etwa 11.161 oder aufgerundet 11.200 Toten.

Die vorhergehend ermittelten Zahlen ergeben zusammengerechnet rund 26.100 Tote; hier eine Übersicht über die einzelnen Jahre:

1939: 47
1940: etwa 860
1941: 268
1942: 2.276
1943: 3.980
1944: etwa 7.500
1945: etwa 11.200
Insgesamt: etwa 26.100

b) Die Anzahl der zwischen Juli 1944 und Januar 1945 in Stutthof umgekommenen Juden

Laut den Schätzungen von K. Dunin-Wąsowicz sind bis Anfang 1944 rund 1.500 Juden nach Stutthof deportiert worden[194]. Die betreffenden Deportationen sind ihm zufolge aus Danzig (1939 und 1940), Pommern (1940), Warschau (22. Mai 1940), Deutschland und der Tschechei sowie den östlichen Regionen Polens, vor allem Białystok, erfolgt[195]. Dunin-Wąsowicz liefert allerdings bis auf einen Fall - einen Transport von 150 Juden aus Białystok Ende November 1943 - für diese Judendeportationen keine Zahlenangaben. Am 17. Dezember 1943 sowie am 12. Januar gingen zwei Transporte mit insgesamt 661 Häftlingen, darunter fast allen damals in Stutthof befindlichen Juden, nach Auschwitz ab[196].

Laut dem Korherr-Bericht waren bis Ende 1942 lediglich 31 Juden nach Stutthof geschickt worden, von denen 18 im Lager starben[197]. Vermutlich ist die von Dunin-Wąsowicz vorgenommene Schätzung also zu hoch; die Zahl der vor 1944 nach Stutthof gelangten Juden dürfte einige hundert kaum überschritten haben. In der folgenden Statistik müssen die wenigen Juden, die sich vor dem Eintreffen der großen Transporte noch im Lager befunden haben mögen, zwangsläufig unberücksichtigt bleiben.

Wie in Kapitel I.3. erwähnt, wurden zwischen dem 29. Juni und dem 28. Oktober 1944 insgesamt 48.609 größtenteils weibliche jüdische Häftlinge nach Stutthof deportiert. Am 24. Januar 1945 hielten sich noch 28.673 Juden (2.898 Männer und 25.775 Frauen) dort auf[198]. Vom 21. Juli bis zum 12. Dezember waren 12.548 jüdische Häftlinge aus Stutthof in andere Lager überstellt worden[199]. Folglich sind vom 29. Juni 1944 bis zum 24. Januar 1945 in Stutthof (48.609 - 12.548 - 28.673 =) 7.388 Juden gestorben.

Während derselben Zeitspanne ergab sich folgendes Bild der Gesamtsterblichkeit in Stutthof:

Juli - Dezember 1944 ca. 5.900; 1. bis 23. Januar 1945 ca. 3.700 (unter Zugrundelegung einer täglichen Zahl von 161 Verstorbenen), insgesamt also ca. 9.600.

Somit beläuft sich der Prozentsatz an Juden unter den Opfern während dieser Periode auf ungefähr (7.388 ÷ 9.600 × 100 =) ca. 77%.

c) Das offizielle Stutthof-Bild im Lichte der Statistiken über die Sterblichkeit

Die im vorhergehenden dargelegten Statistiken liefern uns ein zuverlässiges historisches Kriterium zur Beurteilung der These, wonach Stutthof ein - wenn auch nur behelfsmäßiges - Vernichtungslager gewesen sein soll. Dabei muß man sich vor Augen halten, daß eine Vernichtung nichtregistrierter Häftlinge für Stutthof nicht behauptet wird, im Gegensatz zu anderen Lagern wie etwa Auschwitz.

Während des Zeitraums, in dem sich die Ausrottung regulär ins Lager aufgenommener und registrierter jüdischer Häftlinge zugetragen haben soll - Juli bis Anfang November 1944 -, ergibt die Todesstatistik folgendes Bild:

Juli:

etwa 120

August:

etwa 150

September:

etwa 250

Oktober:

etwa 380

1. bis 8.November:

etwa 180[200]

Insgesamt:

etwa 1.080

Diese Todesstatistik erfaßt alle Häftlinge, die jüdischen wie auch die nichtjüdischen. Wie wir festgestellt haben, beläuft sich der Anteil der Juden an der Gesamtopferzahl während dieses Zeitraums auf etwa 77%. Daraus ergibt sich für die fragliche Zeitspanne eine Zahl von etwa (1.080 × 0,77 =) 830 verstorbenen jüdischen Häftlingen.

In Kapitel III, Abschnitt 4.c, haben wir die offizielle Statistik der angeblichen Vergasten wiedergegeben. Um deren historische Fundiertheit zu prüfen, brauchen wir nun nur noch einen Vergleich zwischen dieser Statistik und den dokumentarisch belegten Sterbezahlen für den Zeitraum vom 1. August bis zum 8. November anzustellen (der Juli bleibt wegen der geringen Zahl angeblich Vergaster unberücksichtigt):

Monat

angeblich Vergaste

Verstorbene

August:

477[201]

150

September:

300 Jüdinnen

250

Oktober:

600 Jüdinnen[202]

380

1. bis 8. November:

250 »Frauen«

180

Insgesamt:

1.627

960

Wie wir sehen, ist die Zahl der angeblich Vergasten weitaus höher als die der tatsächlich im Lager Umgekommenen! Wenn man nun das zuvor Ausgeführt bedenkt, daß nämlich alle nach Stutthof deportierten Juden bereits unter der Kontrolle des WVHA standen und somit als regulär registrierte Häftlinge nicht einfach so spurlos verschwinden konnten,[203]so ist der endgültige Beweis dafür erbracht, daß die in der offiziellen Geschichtsschreibung angeführten Behauptungen über Menschenvergasungen im KL Stutthof im trüben Moraste der Legendenbildung wurzeln.

Heben wir noch hervor, daß sich unter den ca. 960 Verstorbenen auch Nichtjuden befinden; wenn man den oben errechneten Prozentsatz von 77% jüdischen Opfern ansetzt, kommt man auf rund 740 im einschlägigen Zeitraum umgekommene Juden. Auch die Zahl der angeblich vergasten Juden liegt also höher als die der tatsächlich gestorbenen jüdischen Häftlinge!

Den Gnadenstoß versetzt dem offiziellen Stutthof-Bild schließlich folgende Tatsache: Während des Zeitraums der angeblichen Judenvernichtung war die Zahl der tatsächlich im Lager umgekommenen Juden recht niedrig, doch von dem Moment an, wo die Vernichtungsaktionen eingestellt worden sein sollen, schnellte sie dramatisch in die Höhe: Etwa 950 Tote, davon ca. 740 Juden, in den 131 Tagen zwischen Anfang Juli und dem 8. November, was im Schnitt (740 ÷ 131 =) 5 bis 6 verstorbene Juden pro Tag ergibt, im Vergleich zu ca. (8.400 - 830 =) 7.570 jüdischen Opfern für die Zeit „nach der Einstellung der Ausrottung", also die 75 Tage vom 9. November 1944 bis zum 23. Januar 1945, als, hauptsächlich wegen der Fleckfieberseuche, (7.450 ÷ 75 =) fast 100 Juden täglich den Tod fanden!

Die von der offiziellen polnischen Geschichtsschreibung vertretene These, wonach die Juden in Stutthof eine Gruppe bildeten, »die bis auf wenige Ausnahmen zur direkten Extermination im Rahmen der Sonderbehandlung vorgesehen war«, steht also in grellstem Gegensatz zu der obigen, dokumentarisch solide abgesicherten Statistik: Die zur Zeit der angeblichen Ausrottungsaktionen verstorbenen Juden stellen nur gerade (740 ÷ 48.609 =) 1,7% aller 1944 angeblich zu Ausrottungszwecken ins Lager eingelieferten Juden dar! Um „unregistriert Ausgerottete" brauchen wir uns im Fall Stutthof nicht zu kümmern, da solche, wie bereits erwähnt, in der offiziellen Geschichtsschreibung nicht geltend gemacht werden.

In Anbetracht dieser Fakten ist es vollkommen klar, daß die 1944 erfolgten Judendeportationen nach Stutthof rein gar nichts mit der sogenannten »Endlösung der Judenfrage« - worunter die offizielle Geschichtsschreibung eine systematische Judenvernichtung versteht - zu tun hatten.


Anmerkungen

[102] Vgl. dazu das von E. Grot verfaßte Kapitel »Indirekte Extermination«, in: Stutthof. Das Konzentrationslager, aaO. (Anm. 2), S. 167-199.
[103] D. Drywa, »Direkte Extermination«, in: ebenda, S. 234.
[104] AMS, I-IIB-6.
[105] MS, I-IB-3. Siehe Dokument 3.
[106] D. Drywa, »Direkte Extermination«, aaO. (Anm. 103), S. 250f.
[107] Ebenda, S. 239.
[108]

K. Dunin-Wąsowicz, Obóz koncentracyjny Stutthof, Warschau 1970, S. 90.

[109] E. Grot, »Indirekte Extermination«, aaO. (Anm. 49), S. 182.
[110] Ebenda, S. 189.
[111] R. Hilberg, Die Vernichtung der europäischen Juden, aaO. (Anm. 6), Band II, S. 1034.
[112] Gemeint ist Philip Friedman, Verfasser des von Hilberg mehrfach zitierten Buchs This was Oświęcim, London 1946. Die von Hilberg hier erwähnte Stelle steht auf S. 64.
[113] D. Drywa, »Direkte Extermination«, aaO. (Anm. 103), S. 253.
[114] E. Grot, »Indirekte Extermination«, aaO. (Anm. 49), S. 188.

[115]

Ebenda, S. 177.
[116] M. E. Jezierska, »Straceni w Obozie Stutthof«, in: SZM, Nr. 7, 1987, S. 151.
[117] Ebenda, S. 151f.
[118] D. Drywa, »Direkte Extermination«, aaO. (Anm. 103), S. 248.
[119] J. Grabowska, Stutthof. Informator historyczny, aaO. (Anm. 95), S. 24.
[120] J. Grabowska, »Die Häftlinge«, aaO. (Anm. 38), S. 142.
[121] E. Grot, »Indirekte Extermination«, aaO. (Anm. 49), S. 191.
[122] D. Drywa, »Direkte Extermination«, aaO. (Anm. 103), S. 162, 165.
[123] D. Drywa, »Ruch transportów...«, aaO. (Anm. 21), S. 19. Das Datum dieser Überstellung war der 23. September 1944; dies stimmt mit den Häftlingsnummern überein, welche den beiden Krankenpflegern zugewiesen worden sind; vgl. die Tabelle der Transporte auf S. 30 dieses Artikels.
[124] J. Grabowska, »Die Häftlinge«, aaO. (Anm. 38), S. 155. Wir geben später den wichtigsten Auszug aus der Zeugenaussage Kienzlers und Weils wieder (vgl, Kap. III, Abschnitt 4.d.ii).
[125] E. Grot, »Indirekte Extermination«, aaO. (Anm. 49), S. 188..
[126] M.E. Jezierska, »Straceni w Obozie Stutthof«, aaO. (Anm. 116).
[127] Ebenda, S. 114f.
[128] Ebenda, S. 127-142. Nach welchen Kriterien die Hinrichtungsmethode - Erschießen oder Erhängen - festgelegt wurde, läßt sich den Unterlagen nicht entnehmen. Sowohl bei Widerstandskämpfern als auch bei gewöhnlichen Kriminellen gelangten beide Hinrichtungsarten zur Anwendung.
[129] Ebenda, S. 112ff.
[130] E. Grot, »Indirekte Extermination«, aaO. (Anm. 49), S. 182f.
[131] Ziegel mit drei runden Löchern.
[132] Der Umfang beträgt 78 cm.
[133] Von dieser Aufnahme besitzen wir lediglich eine Fotokopie ohne Archivnummer.
[134] Diese Gestelle entsprachen jenen, die Pressac S. 83ff. seines Werks Auschwitz. Technique and Operation of the Gas Chambers (aaO., Anm. 93) abgelichtet hat.
[135] Unwahrscheinlich ist freilich, daß man, wie in der Expertise behauptet, 40 Minuten benötigt hätte, um die Kammer mit den Opfern zu füllen.
[136] Ewa Ferenc, »Bau und Erweiterung...«, aaO. (Anm. 13), S. 105f.
[137] TCIDK, 502-1-272, S. 168.
[138] Die Frage nach der Verbrennungsdauer wird in Carlo Mattognos demnächst erscheinenden Werk Die Krematoriumsöfen von Auschwitz ausführlich erörtert. In diesem Buch wird auch das in der vorhergehenden Anmerkung erwähnte Dokument abgelichtet.
[139] Ewa Ferenc, »Bau und Erweiterung...«, aaO. (Anm. 13), S. 106.
[140] Siehe Kap. III, Abschnitt 5.a.
[141] J. Graf und C. Mattogno, KL Majdanek, aaO. (Anm. 9), S. 114f.
[142] Dies erklärt sich durch die diesen Öfen eigene Struktur, auf die C. Mattogno in seinem in Vorbereitung befindlichen Werk über die Krematorien (siehe Anmerkung 138) näher eingehen wird.
[143] Die angegebenen Daten beziehen sich auf die Kremierung von Erwachsenenleichen. Auch auf diese Frage wird in C. Mattognos demnächst erscheinenden Werk über die Krematorien eingegangen.
[144] Die Verbrennung des Koks im Gasgenerator eines Koksofens hängt direkt vom Saugzug des Kamins ab; dieser muß genügend groß sein, um den Widerstand der Koksschicht gegen den Durchzug der Verbrennungsluft durch erstere zu überwinden. Ein Vollstopfen der Brennkammer mit 12 Leichen hätte die Verbindungsöffnung zwischen Gasgenerator und Verbrennungsraum ebenso blockiert wie die Abzugsöffnung für Brenngase, die sich hinter der Einschiebetür auf dem Gewölbe der Brennkammer befand. Der Verbrennungsvorgang wäre sogleich zum Stillstand gekommen!
[145] Vgl. dazu Carlo Mattognos Anmerkungen in J. Graf und C. Mattogno, KL Majdanek, aaO. (Anm. 9), S. 112f. Ausführlicher wird auf die Frage in Mattognos demnächst erscheinenden Werk (vgl. Anmerkung 138) eingegangen.
[146] Hermann Kuhn, Stutthof. Ein Konzentrationslager..., aaO. (Anm. 35), S. 62.
[147] »Ausschnitt aus dem Zeugenbericht des früheren Mitgliedes des Kgl. Ital. Generalkonsulates Aldo Coradello in Danzig, vom Sonderstrafgericht Danzig angefertigt«. ROD, 250i, doos 32a.
[148] Bericht von Aldo Coradello »geschrieben 1946 als Aussage in den Stutthof-Prozessen anstelle einer mündlichen Aussagen«, in: H. Kuhn (Hg.) Stutthof. Ein Konzentrationslager ..., aaO. (Anm. 35), S. 124-128.
[149] Wir verweisen darauf, daß die Sowjets wenigstens 368 ungeöfnete Büchsen mit Zyklon-B vorgefunden haben (AMS, 2-V-24, S. 46f., sowjetisches »Protokoll der Sicherstellung von Giftstoffen im KL Stutthof« vom 11. Juni 1945).
[150] Undatierte Erklärung Paul Wiecherns mit dem Titel Einzelheiten aus KZ-Stutthof-Danzig. ROD, 250v, doos 32a.
[151]

Bericht über das KZ-Lager Stutthof bei Danzig vom ehemaligen politischen Gefangenen Lehmann, ROD, 250v, doos 32 1.

[152] AMS, Berichte und Erinnerungen, Bd. I, S. 47ff. (keine Referenznummer).
[153] Alphonse Kienzler, Paul Weil, Stutthof. Document sur le Service Sanitaire d' un Camp d'Extermination, Témoignages Strassbourgeois, Paris 1947, S. 336.
[154] D. Drywa, »Häftlingstransporte nach und aus dem KZ Stutthof«, in: Stutthof. Das Konzentrationslager, aaO. (Anm. 2), S. 167; AMS, I-IB-3, S. 150.
[155] AMS, I-IB-3, S. 197.
[156] AMS, I-IB-3, S. 150.
[157] Siehe Lagerplan, Dokument 2.
[158] Der Begriff »Selektion« wurde nach Kriegsende erfunden. Der damals verwendete Begriff lautete »Auswahl«, wie sich auch aus den hier zitierten deutschen Dokumenten ergibt.
[159] AMS, I-IB-3, S. 196f.
[160] »Funktelegramm«.
[161] AMS, I-IB-3, S. 234.
[162] »Straceni w obozie Stutthof«, in: SZN Nr. 7, 1987, S. 79-167.
[163] Ebenda, S. 146-149.
[164] Laut M.E. Jezierska stand dieser für »exekutiert«, »erschossen« oder »erhängt«. Allerdings räumt sie ein, daß »E« in manchen Fällen auch »entlassen« bedeuten könnte. Ebenda.
[165] Vgl. dazu die von M.E. Jezierska auf S. 189-199 ihres Artikels veröffentlichte Liste der sowjetischen Häftlinge.
[166] Dieses Dokument ist im Anhang von Obozy Hitlerowskie..., aaO. (Anm. 12), abgelichtet (keine Seitenzahl
[167] TCIDK, 502-1-65, S. 100-103.
[168] J. Graf und C: Mattogno, KL Majdanek..., aaO. (Anm. 9), S. 40, 203.
[169]

Auschwitz II. Arbeitseinsatz für 7. August 1944, APMO, D-AuII/3a16, S. 46.

[170] M. Orksi, »Die Arbeit«, in: Stutthof. Das Konzentrationslager, aaO. (Anm. 34), S. 214.
[171] D. Drywa, »Ruch transportów....«, aaO. (Anm. 21), S. 21f.
[172] D. Drywa, »Direkte Extermination«, aaO. (Anm. 103), S. 251.
[173] Ebenda, S. 252.
[174]

Stutthof. Das Konzentrationslager, Dokument 28 (ohne Seitenangabe).

[175] AMS, Z-V-2.
[176] AMS, Z-V-3.
[177] AMS, Z-V-4.
[178] AMS, Z-V-5.
[179] AMS, Z-V-6.
[180] AMS, Z-V-7.

[181]

AMS, Z-V-8.
[182] AMS, Z-V-10.
[183] AMS, Z-V-12.
[184] AMS, Z-V-14.
[185] AMS, Z-V-15.
[186] AMS, Z-V-16.
[187] AMS, Z-V-11.
[188] AMS, 1-2C-9.
[189] AMS, I-VB-7.
[190] GARF, 7021-106, S. 3f. Siehe Dokument 5.
[191] 72 bis zum 7.4. gemäß dem Register der Verstorbenen, 141 vom 8. bis zum 30. 4. gemäß der Rubrik »Todesfälle« in den Tagesberichten.
[192] Die Daten gehen aus einer Analyse von 1.850 Namen von zwischen dem 19. Juli und dem 15. August 1944 eingelieferten Häftlingen hervor. AMS, I-II-11.
[193] Janina Grabowska, »Die Häftlinge«, aaO. (Anm. 38), S. 136.
[194]

K. Dunin-Wąsowicz, »Żydowscy Więźniowie...«, aaO. (Anm. 3), S. 9.

[195] Ebenda.
[196]

K. Dunin-Wąsowicz, »Żydowscy Więźniowie...«, aaO. (Anm. 3), S. 9; D. Drywa, »Ruch transportów...«, aaO. (Anm. 21), S. 29.

[197] NO-5194.
[198] Vergleiche Anmerkung 66.
[199] Siehe Kapitel IV, Abschnitt 1.
[200]

Nach Dunin-Wąsowicz wurden die Vergasungen »Anfang November« eingestellt (Nationalsozialistische Massentötungen..., aaO. (Anm. 4), S. 266, vgl. Kap. II). Wir setzen hier den 8.11. an, weil dieser der erste Tag jenes Monats ist, für den wir über sichere Daten verfügen.

[201] Darunter sollen sich 300 Jüdinnen, 77 sowjetische Kriegsgefangene sowie 100 »Männer« befunden haben.
[202] Plus »einige Dutzend Männer«.
[203] Für Stutthoff wird nicht behauptet, dort seien jemals Juden unregistriert eingeliefert und ebenso umgebracht worden; vgl. Abschnitt 1.3. und S. 29.


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