TEIL 1:

DIE SOWJETUNION UND DIE OSTJUDEN

ERSTES KAPITEL
Das Ostjudentum

Legenden sterben langsam, historische Legenden aber werden manchmal ein Teil der »Geschichte«. In vielen Fällen ist es beinahe unmöglich, sie als solche zu entlarven, denn Legenden haben das gewisse Etwas, das den kalten Tatsachen gewöhnlich fehlt: Die Menschen wollen an sie glauben - oft aus ganz unterschiedlichen, sogar gegensätzlichen Gründen. Eine dieser Legenden mit einem fragwürdigen Einfluß auf unser Geschichtsverständnis und unsere Geschichtsanalyse betrifft das natürliche Wachstum des europäischen Ostjudentums.

Wenn es ein ostjüdische Bevölkerungsmerkmal gibt, dem Nationalsozialisten und Zionisten gleichermaßen zustimmten, dann war es ganz zweifellos die ostjüdische Tendenz, sich schnell zu vermehren. Was die einen aber als eine Gefahr empfanden, stellte eine Quelle der Hoffnung für die anderen dar.

Im letzten Jahrhundert hatte das in orthodoxem Glauben und Tradition befangene Ostjudentum sprunghafte natürliche Zuwachsraten zu verzeichnen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Das generell höhere Bildungsniveau ermöglichte es ihm, die Sterblichkeit früher und schneller zu senken als die es umgebenden Gastvölker. Gleichzeitig wirkten sich Tradition, religiöse Vorstellungen und starke Familienbande dahingehend aus, daß eine große Kinderzahl als Ideal weiterhin fortbestand.

Mit dem erwachenden politischen Selbstbewußtsein und der im Zuge der Industrialisierung wachsenden Säkularisierung jüdischen Lebens löste sich auch das soziale Gefüge -oft mit atemberaubender Geschwindigkeit. Innerhalb kürzester Zeit wurden althergebrachte Vorstellungen, Ideale und Eigenschaften total geändert. Die durch den Ersten Weltkrieg hervorgerufenen Umwälzungen hinterließen zusätzlich dauernde Spuren im ostjüdischen Leben. Die Schnelligkeit dieser Entwicklung wurde weder von den Zionisten noch ihren Gegnern bemerkt.

In diesem Kapitel werden wir aufzeigen, daß sich das Ostjudentum der 30er Jahre seit der Jahrhundertwende und insbesondere seit dem Ersten Weltkrieg von Grund auf gewandelt hatte. Ende der 20er Jahre lebten zwei Drittel der ostjüdischen Bevölkerung (außerhalb der UdSSR) in Polen; in dem Versuch, die demographischen Kennzeichen des Ostjudentums herauszuarbeiten, stützt sich diese Analyse deshalb hauptsächlich auf die polnischen Juden.

Die Bevölkerungsstruktur der polnischen Juden

Das Anglo-American Committee on European Jewry and Palestine (Anglo-American Committee) bezifferte die Anzahl der in Polen bei Kriegsanfang lebenden Juden auf 3.351.000. Der jüdische Publizist Gerald Reitlinger meint, die polnische Volkszählung vom 9.12.1931 habe nur 2.732.600 »völkische« Juden ermittelt[1]. Ein natürliches Anwachsen der jüdischen Bevölkerungszahl um 620.000 in den folgenden acht Jahren ist aber unmöglich: Dies entspräche einem geradezu phantastischen jährlichen Zuwachs von 2,6 % und hätte damit die Fruchtbarkeit der dortigen Gastvölker (hauptsächlich Polen und Ukrainer) weit übertroffen, was von der Universal Jewish Encyclopedia (Universal) klar in Abrede gestellt wird - und eine jüdische Einwanderung im judenfeindlichen Polen gab es nicht[2].

Das Statesman's Yearbook 1944 berichtet jedoch, die Polen hätten zwei unterschiedliche Zahlen für die jüdische Bevölkerungsgruppe veröffentlicht: Eine auf der Basis der »Sprach«- und die andere auf der der »Religions«-Zugehörigkeit[3]. Die erstere deckt sich genau mit der von Reitlinger angegebenen Zahl für die »völkischen« Juden. Der Religionszugehörigkeit nach gab es dem Statesman's Yearbook zufolge jedoch 3.113.900 polnische Einwohner jüdischen Glaubens. Die sich daraus ergebende Differenz von 237.000 (d.h. 3.351.000 minus 3.113.900) könnte auf den ersten Blick durchaus das während der Zeit von Ende 1931 bis Ende 1939 eingetretene Wachstum einer angeblich sehr fruchtbaren ostjüdischen Bevölkerung darstellen.

Andererseits behauptet die Universal, die durchschnittliche Geburtenzahl der polnischen Juden für die Jahre 1930 bis 1935 habe jährlich 85.000 betragen[4]; dies würde einem Anteil von 2,8 % bei einer Bevölkerung von ca. 3.000.000 entsprechen. Wenn die von derselben Quelle angegebene Sterbeziffer von ca. 40.000 jährlich stimmt[5], hätte der Geburtenüberschuß zwischen 1930 und 1935 pro Jahr rund 45.000 ausgemacht. Auf die Zeit von 1932 bis 1939 berechnet, könnte die polnisch-jüdische Bevölkerung um 360.0000 zugenommen und bei Kriegsanfang fast 3,5 Millionen betragen haben - eine Zahl, die in der Nachkriegsliteratur häufig mit den polnischen Juden in Verbindung gebracht wird.

Diese Ausführungen zeigen, daß die Zahl der jüdischen Bevölkerung Polens bei Kriegsanfang keineswegs gesichert ist, denn die jüdischen Quellen weichen oftmals erheblich voneinander ab und widersprechen sich oft selbst. Um Unklarheiten zu beseitigen oder zumindest einzugrenzen, ist es daher erforderlich, die Struktur und Entwicklung der jüdischen Bevölkerung Polens anhand verfügbarer Primärquellen nachzuvollziehen, da nur hierdurch mehr Licht auf das Ostjudentum der Vorkriegszeit geworfen werden kann. Der polnischen Volkszählung vom 9.12.1931 zufolge bekannten sich 3.113.933 der 31.915.779 Einwohner (ohne Armeeangehörige) zum mosaischen Glauben[6]; dies entspricht einem Anteil von knapp 9,8 %. Im Vergleich zur nicht-jüdischen Bevölkerung Polens wiesen die Juden allerdings in bezug auf geographische Verteilung, Verstädterung, berufliche Tätigkeit, natürliches Wachstum und Auswanderung erhebliche Unterschiede auf.

Während ca. 15 % der nicht-jüdischen Bevölkerung in den westpolnischen Wojewodschaften (Posen, Pommern und Schlesien) wohnten, waren es bei den Juden nur knapp 1 %. Die restlichen 85 % der nicht-jüdischen Bevölkerung verteilten sich etwa gleichmäßig auf die Östlichen und zentralen Wojewodschaften. Bedingt durch die große jüdische Bevölkerung Warschaus - jeder neunte polnische Jude lebte damals in der Hauptstadt - kamen auf die zentralen Gebiete weit mehr als die Hälfte der Juden, doch befanden sich immer noch mehr als vierzig Prozent der jüdischen Bevölkerung in den Östlichen Wojewodschaften (Tabelle 1). Diese Zahlen zeigen zwar, daß das Zentrum des polnischen Judentums im zentral-östlichen Bereich lag, sagen aber nichts über die wirtschaftliche Bedeutung und biologische Dynamik dieser Minderheit aus.

Tabelle 1: Prozentuale Verteilung der jüdischen und nicht-jüdischen Bevölkerung Polens nach Wojewodschaften (Stand 9.12.1931)


Wojewodschaft

Juden

Andere


Bialystok

6,34

5,02

Wilna

3.56

4,05

Nowogrodek

2,66

3,38

Polesien

3,66

3,53

Wolhynien

6,67

6,52

Lemberg

11,00

9,67

Stanislau

4,49

4,65

Tarnopol

4,31

5,09


Ost-Polen

42.68

41,92


Warschau-Stadt

11,33

2,84

Warschau-Land

7,04

8,02

Lodsch

12,16

7,82

Kielce

10,18

9,09

Lublin

10,09

7,47

Krakau

5,58

7,38


Zentral-Polen

56.37

42,62


Posen

0,23

7,29

Schlesien

0,61

4,43

Pommern

0,11

3,74


West-Polen

0,95

15,46


Polen insgesamt

100,00

100,00


Quelle: Drugi Powszechny Spis Ludno9ci Z Dn. 9.XII 1931 R.; Mieszkania 1 Gospodarstwa Domowe, Ludno§é, Stosunki, Zawodowe; Polska (Dane Skrôcone); Glowny Urzqd Statystyczny Rzeczypospolitej Polskiej, Statystyka Polski, Seria C, Zeszyt 62 (Deuxième Recensement Général de la Population du 9 Décembre 1931; Logements et Ménages, Population, Professions; Pologne - Données Abrégées -), Warschau, 1937.

In den zentralen und Östlichen Wojewodschaften stellte die jüdische Bevölkerung zwar nur jeden achten bzw. zehnten Einwohner dar, in den Städten der beiden Gebiete sah es dagegen völlig anders aus. Dort betrug der jüdische Bevölkerungsanteil 31 bzw. 37 % (Tabelle 2). Städte mit einem jüdischen Bevölkerungsanteil von 50 % und mehr waren nicht selten; dies trifft ganz besonders auf die kleineren Städte Ostpolens zu.

Tabelle 2: Jüdische Bevölkerung in den polnischen Provinzen. Anteil in Prozent (Stand 9. 12. 1931)


Wojewodschaft

Stadt und Land

Städte


Bialystok

12,01

38,40

Wilna

8,68

29,17

Nowogrodek

7,84

42,55

Polesien

10,07

49,14

Wolhynien

9,96

49,12

Lemberg

10,95

33,23

Stanislau

9,44

34,83

Tarnopol

8.38

34,68


Ost-Polen

9,92

36,90


Warschau-Stadt

30,01

30,01

Warschau-Land

8,66

29,70

Lodsch

14,38

31,24

Kielce

10,80

30.17

Lublin

12.75

43,71

Krakau

7,56

24,77


Zentral-Polen

12,51

30,94


Posen

0.34

0,81

Schlesien

1,46

3,90

Pommern

0,27

0,85


West-Polen

0,66

1,62


Polen insgesamt

9,76

27,26


Quelle: Wie Tabelle 1.

Im Gegensatz zu dem enormen Anteil der Juden in den polnischen Städten, lebten verhältnismäßig wenig auf dem Lande: In ganz Polen kamen auf 1.000 Nicht-Juden ungefähr 108 Juden, in den Städten aber 375 und auf dem Lande nur 33 Juden (Tabelle 3).

Tabelle 3: Verstädterung in Polen: jüdische und nicht-jüdische Bevölkerung (Stand 9.12.1931)


 

Bevölkerung


Juden auf tausend Nicht-Juden

 

Juden

(%)

Nicht-Juden

(%)


Land

733.858

(23,6)

22.450.874

(77,9)

33

Städte

2.380.075

(76,4)

6.350.972

(22,1)

375

davon: Städte mit Einwohnern von weniger als 20.000

929.852

(29,9)

2.301.566

( 8,0)

404

mehr als 20.000

1.450.223

(46,6)

4.049.406

(14,1)

358


Insgesamt

3.113.933

(100)

28.801.846

(100)

108


Quelle: Wie Tabelle 1.

Nur ein Viertel der nicht-jüdischen Bevölkerung wohnte in den Städten, bei den Juden waren es drei Viertel! Dabei ist die von den amtlichen Statistiken ausgewiesene »ländliche« jüdische Bevölkerung stark überzeichnet. Die ostjüdische Bevölkerung lebte zum Teil immer noch in den zwar oft kleinen, aber nichtsdestoweniger städtchen-ähnlichen sog. »Schtetls«, die eine Art lokaler Handels- und Fertigungszentren für die umliegende bäuerliche Bevölkerung darstellten. Diese »Schtetls« waren in keiner Weise mit »Dörfern« zu vergleichen, was schon aus der Tatsache hervorgeht, daß die dortige jüdische Bevölkerung in der übergroßen Mehrheit keiner bäuerlichen Beschäftigung nachging.

In ganz Polen waren von den 3,1 Millionen Juden nur 125.123 (einschließlich Familienangehöriger) in der Landwirtschaft tätig. Geht man davon aus, daß zwei Drittel von ihnen in den Östlichen Wojewodschaften lebten, dann könnte im Höchstfall nur jeder Fünfte der ca. 400.000 dort auf dem »Land« lebenden Juden der bäuerlichen Bevölkerung zugerechnet werden; der Rest war in der Hauptsache Händler oder Handwerker. Wenn man deshalb den Grad der Verstädterung der polnischen Juden näher bei 90 % sieht, dürfte dies eher dem tatsächlichen Sachverhalt entsprechen. Bei den Nicht-Juden traf das Gegenteil zu: Von den insgesamt 22,5 Millionen ländlichen nicht-jüdischen Einwohnern Polens waren 19,2 Millionen oder 85 % in der Landwirtschaft beschäftigt.

Tabelle 4: Ostpolnische Städte: Gesamtbevölkerung und Juden (Stand 9.12.1931)


Wojewod-
schaft
Stadt

Gesamt-
bevölkerung

Jüdische
Bevölkerung

Jüdischer
Anteil-%


Wilna Wilna

195.071

55.006

28

Nowogrodek Baranowicze

22.818

9.680

42

Bialystok Bialystok

91.101

39.165

43

 

Grodno

49.669

21.159

43

 

Lomza

25.022

8.912

36

 

Suwalki

21.826

5.811

27

Polesien Brest

48.385

21.440

44

 

Pinsk

31.912

20.220

63

Wolhynien Kowel

27.677

12.842

46

 

Rowno

40.612

22.737

56

 

Luck

35.554

17.366

49

 

Wlodzimierz

24.591

10.665

43

Lemberg Lemberg

312.231

99.595

32

 

Boryslaw

41.496

12.996

31

 

Drohobycz

32.261

12.931

40

 

Jaroslaw

22.195

6.272

28

 

Przemysl

51.038

17.326

34

 

Rzeszow

26.902

11.228

42

 

Sambor

21.923

6.274

29

Stanislau Kolomyja

33.788

14.332

42

 

Stanislau

59.960

24.823

41

 

Stryj

30.491

10.869

36

Tarnopol Tarnopol

35.644

13.999

39


 

23 Städte

1.282.167

475.648

37


Anteil Stadt

Gesamtbevölkerung

Jüdische Bevölkerung

Jüdischer Anteil-%


50-63 % 2 Städte

72.524

42.957

59

40-49 % 11 Städte

452.706

195.631

43

30-39 % 7 Städte

517.845

169.971

33

27-29 % 3 Städte

239.092

67.089

28


27-63 % 23 Städte

1.282.167

475.648

37

 

Andere Städte

1.221.809

448.364

37


 

Alle Städte

2.503.976

924.012

37

 

Flaches Land

10.898.567

405.069

4


 

Ostpolen

13.402.543

1.329.081

10


Quelle: Wie Tabelle 1, jedoch Zeszyt 48 (Miasto Wilno); 58 (M. Lwów); 65 (Województwo Stanisławowskie); 68 (W. Lwowskie); 70 (W. Wołyńskie); 71 (W. Nowogródzkie); 78 (W. Tarnopolskie); 83 (W. Białostockie); 87 (W. Poleskie).

Leider war die polnische Volkszählung mit Angaben über die Religionszugehörigkeit in den einzelnen Städten etwas zurückhaltend. Für die ostpolnischen Wojewodschaften, die uns in erster Linie interessieren, konnte der jüdische Bevölkerungsanteil nur für 23 Städte ausfindig gemacht werden; in zwei Städten betrug er 56 bzw. 63 - %, in elf Städten zwischen 40 und 49 %, in sieben Städten 31 bis 36 % und in drei Städten 27 und 28 %! Mit anderen Worten, keine einzige Stadt hatte weniger als 25 % Juden (Tabelle 4). Auf den geringen jüdischen Anteil in der polnischen Landwirtschaft wurde bereits hingewiesen. Daß die Juden in Polen dementsprechend eine um so größere Bedeutung außerhalb der Landwirtschaft innehatten, liegt auf der Hand. In Industrie, Handwerk, Handel und in den anderen nicht-landwirtschaftlichen Berufen kamen auf jeden Juden nur etwas mehr als drei Nicht-Juden, obwohl die jüdische Bevölkerung nicht einmal einem Zehntel der Gesamtbevölkerung entsprach.

Interessant dabei ist die Bedeutung der Juden in der Rubrik »Selbständige«, also Händler, Handwerkef, Ärzte, Rechtsanwälte usw.; in dieser Kategorie kam ungefähr nur ein Nicht-Jude auf jeden Juden. Berücksichtigt man den geringen jüdischen Anteil in den westpolnischen Wojewodschaften, die auf Grund ihrer höher entwickelten wirtschaftlichen Struktur einen erheblichen Teil der nicht-jüdischen »Selbständigen« aufwiesen, dann wird der starke jüdische Einfluß in den Sekundär- und Tertiärsektoren der zentral- und ostpolnischen Wirtschaft um so deutlicher. In Polen gab es also unter den Juden über siebenmal mehr Selbständige als unter den Nicht-Juden; bei den Angestellten war der jüdische Anteil immer noch 50 % größer, als es deren Bevölkerungsanteil entsprach, und nur bei den Arbeitern gab es zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen kaum einen Unterschied (Tabelle 5).

Sicher wäre daher zu erwarten, daß sich diese gewaltigen sozio-ökonomischen Unterschiede zwischen Juden und Nicht-Juden auch auf das natürliche Bevölkerungswachstum ausgewirkt haben. Bei einer Zahl von 3,1 Millionen betrug der Anteil der unter einem Jahr alten jüdischen Bevölkerung nur 1,7 %, oder 52.305 Seelen, bei den nicht-jüdischen Einwohnern dagegen lag er bei 2,6 %. Das Überraschende dabei ist, daß dieser enorme Unterschied zwischen der jüdischen und nicht-jüdischen Fruchtbarkeit eigentlich erst seit dem Ersten Weltkrieg aufgetreten ist. Bis Anfang der 20er Jahre betrug der Anteil der Juden im Schnitt ungefähr 12 % der nicht-jüdischen Bevölkerung -allerdings war ein leichter tendenzieller Rückgang von 13 % auf 11 % deutlich erkennbar; nach 1924 aber trat eine steil nach unten gerichtete Entwicklung ein (Schaubild 1). Schließlich wurden im Jahre 1931 nur noch 7 jüdische Geburten auf 100 nicht-jüdische verzeichnet!

Tabelle 5: Berufliche Gliederung in Polen: Juden und Nicht-Juden (Stand 9.12.1931)


Wirtschaftl. Bereich

[1]

[2]

Über- bzw. Unterrepräsentation der Juden

Juden

(%)

Nicht-Juden

(%)


Landwirtschaft

125.123

( 4)

19.221.825

(67)

- 94 %

Wirtschaft ohne
Landwirtschaft

2.988.810

(96)

9.580.021

(33)

+ 189 %

davon:
Selbständige

699.244

(22)

763.617

( 3)

+ 747 %

Angestellte

91.970

( 3)

555.274

( 2)

+ 53 %

Arbeiter

277.555

( 9)

2.473.344

( 9)

+ 4 %

Sonstige

54.256

(17)

420.206

(15)

+ 19 %

Nicht Werktätige

1.865.785

(60)

5.367.580

(19)

+ 222 %


Insgesamt

3.113.933

(100)

28.801.846

(100)

 


Quelle: Drugi Powszechny Spis Ludności Z Dit. 9.XII 1931 R. Polska: Stosunki Zawodowe - Ludność Poza Rolnictwern (Cześć 11); Głowny Urząd Statystyczny Rzeczypospolitej Polskiej; Statystyka Polski, Seria C, Zeszyt 94d (Deuxième Recensement Général de la Population du 9 Décembre 1931, Pologne: Professions - Population hors l'Agriculture - II Partie; Office Central de Statistique de la Republique Polonaise, Statistique de la Pologne), Warschau, 1939.

Schaubild 1: Verhältnis der jüdischen zur nicht-jüdischen Bevölkerung Polens nach Alter bzw. Geburtsjahr (Stand 9.12.1931)

Verhältnis der jüdischen zur nichtjüdischen Bevölkerung in Polen 1931

Quelle: Drugi Powszechny Spis Ludności Z Dit. 9.XII 1931 R. Polska: Mieszkania I Gospodarstwa Domowe, Ludność; Glowny Urzad Statystyczny Rzeczypospolitej Polskiej; Statystyka Polski, Seria C, Zeszyt 94a (Deuxième Recensement Général de la Population du 9 Décembre 1931; Pologne: Logements et Ménages, Population), Warschau, 1938.

Auch die nicht-jüdische Bevölkerung Polens zeigte eine deutliche Verlangsamung ihrer Geburtenentwicklung. Beide, der jüdische und nicht-jüdische Bevölkerungsteil, hatten während des Ersten Weltkriegs große Einbußen in der Geburtenzahl hinnehmen müssen, und beide registrierten nach Beendigung der Feindseligkeiten wieder eine rasche Geburtensteigerung. Zwar verzeichnete die nicht-jüdische Bevölkerung seit Anfang der 20er Jahre kein weiteres Anwachsen der Geburtenzahl, jedoch konnte sie diese bis 1931 auf dem relativ hohen Stand von 730.000 halten. Die jüdische Bevölkerung dagegen mußte seit dem Höchststand von 1925 (74.875) eine ständige Reduzierung der Geburten bis 1931 (52.305) in Kauf nehmen (Schaubild 2). Während also zum Zeitpunkt der letzten Volkszählung der Jahrgang 1931 der nicht-jüdischen Bevölkerung beinahe doppelt so stark war wie der Kriegsjahrgang 1917 und die Jahrgänge um die Jahrhundertwende - 30 bis 35 Jahre früher -, lag er bei den Juden in beiden Fällen nur noch knapp darüber! Wie recht doch die Universal hatte, als sie bezugnehmend auf die polnischen Juden schrieb: »Sogar in Osteuropa fiel die Geburtenrate und näherte sich der [jüdischen] in Westeuropa«[7] - und diese war vor dem Krieg schon geringer als die Sterberate.

Schaubild 2: Alterspyramide der jüdischen und nicht-jüdischen Bevölkerung Polens
(Stand 9.12.1931 in 1. 000)

Alterspyramide der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung in Polen 1931 Quelle: siehe Schaubild 1

Über die polnisch-jüdische Sterbeziffer vor dem Krieg gibt es, soweit bekannt, keine amtlichen Zahlen. Billigt man jedoch die von der jüdischen Universal angegebene Sterbeziffer von durchschnittlich 40.000 pro Jahr für die Zeit von 1930 bis 1935 - für die sowjetischen Juden mit einer damals zahlenmäßig etwa vergleichbaren Bevölkerung wurde eine durchschnittliche Sterbeziffer von 43.000 angeführt -, dann hatte der jüdische Geburtenüberschuß in Polen im Jahre 1931 nur ungefähr 12.000 (d.h. 52.305 minus 40.000) betragen; dies entspricht einem natürlichen Wachstum von nur 0,4 %!

Sicher hat auch die starke Auswanderung polnischer Juden vor und nach dem Ersten Weltkrieg die Geburtenziffer sehr negativ beeinflußt, denn es sind meistens die jüngeren fruchtbaren Jahrgänge, die sich zu einer Auswanderung entschließen; die älteren haben oft zu starke Bindungen in ihrer angestammten Heimat. Ein gutes Beispiel für die tiefe Verwurzelung älterer Menschen in ihrem Geburtsland bietet die sehr unterschiedliche Auswanderung jüngerer und älterer deutscher Juden in den 30er Jahren.

Von den ca. 500.000 Juden, die im Juni 1933 in Deutschland lebten, waren ungefähr 160.000 fünfzig Jahre oder älter. Im August 1939 betrug die deutsch-jüdische Bevölkerung nur noch 272.000; in dieser Zahl enthalten waren aber noch über 140.000 Menschen im Alter von 50 Jahren und darüber. Das heißt, während die Zahl der Unter-50-Jährigen um beinahe zwei Drittel von ca. 340.000 auf weniger als 130.000 abnahm, verringerte sich die Altersgruppe »50 Jahre und darüber« nur um ein Achtel von 160.000 auf 140.000[8].

Vergleichbare Zahlen sind für die polnisch-jüdische Bevölkerung der 30er Jahre zwar nicht verfügbar, doch gibt die polnische Volkszählung von 1931 einen Hinweis darauf, daß Ähnliches sich auch bei den polnischen Juden abspielte. So betrug das Verhältnis der männlichen zur weiblichen Bevölkerung für die Jahrgänge 1917 bis 1931 - also die noch im Kindesalter befindlichen Null-bis-14-Jährigen - im Schnitt 102,9 zu 100 bei den Juden und 102,5 zu 100 bei den Nicht-Juden. Bei den 15-bis-29-Jährigen dagegen (Jahrgänge 1902-1916) war das Verhältnis nur noch 85,7 zu 100 bzw. 93 zu 100[9].

Es ist nur natürlich, daß sich das anfängliche männliche Übergewicht im Laufe der Zeit zugunsten einer allmählichen weiblichen Mehrheit verändert; doch eine solch drastische Verringerung der männlichen Seite in Friedenszeit muß entweder auf Grund einer im Vergleich zu den Frauen erheblich stärkeren Auswanderung der jungen Männer aufgetreten oder - da die polnische Volkszählung 191.473 Armeeangehörige nicht miteinbezog - durch den Militärdienst hervorgerufen worden sein. Geht man in Ermangelung genauerer Daten davon aus, daß drei Viertel dieser Armeeangehörigen unter 30 Jahre alt waren und die Juden davon wiederum ihrem Bevölkerungsanteil entsprechend ca. 10 % darstellten, dann erhalten wir zusätzliche 14.361 junge Juden zu den in der Volkszählung ermittelten 424.575 im Alter von 15 bis 29 Jahren. Verglichen mit den 495.405 Jüdinnen jener Altersgruppe, kommt man dann auf ein Verhältnis von 88,6 zu 100; bei der nicht-jüdischen Bevölkerungsgruppe betrug das berichtigte Verhältnis 96 zu 100.

Zwar weisen auch die Jahrgänge vor 1902 eine deutliche Mehrheit der Frauen auf, doch ist dies im Hinblick auf die längere Lebenserwartung des schönen Geschlechts und der den Männern im Ersten Weltkrieg zugefügten Verluste verständlich. Bei den zur Zeit des Ersten Weltkriegs wehrpflichtigen Jahrgängen (1872-1901) lag das Verhältnis der männlichen zur weiblichen Bevölkerung bei Juden und Nicht-Juden bei 88 zu 100. Um so erstaunlicher ist, daß auch die Juden der Jahrgänge 1902-1916 nur ein Verhältnis von 88,6 zu 100 aufwiesen. Es müssen also nach dem Ersten Weltkrieg sehr, sehr viele junge jüdische Männer ohne jeglichen familiären Anhang ins Ausland abgewandert sein[10]. Die ungefähre Anzahl kann mittels der absoluten Differenz zwischen weiblichen und männlichen Juden in dieser Altersgruppe geschätzt werden: Sie beträgt ca. 56.000!

Es ist jedoch eine Tatsache, daß die offiziellen polnischen Statistiken nur eine relativ geringe jüdische Auswanderung erkennen lassen. Deshalb aber auf eine geringe jüdische Auswanderung aus Polen zu schließen, wäre ebenso verfehlt, wie auf Grund mexikanischer Auswanderungsstatistiken nur eine geringe mexikanische Einwanderung in die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg anzunehmen. Illegale Grenzübertritte kann man nicht mit offiziellen Auswanderungsstatistiken belegen.

Polnischen Angaben zufolge wanderten von 1921 bis 1931 294.139 Juden aus Polen aus[11]. Zieht man davon die o.a. 56.000 jungen männlichen Juden ohne familiären Anhang ab, dann verbleiben noch 238.000, die familienweise ausgewandert sind. Unter Zugrundelegung von fünf Personen pro Familie, kommt man auf weniger als 48.000 mit ihren Familien ausgewanderte Juden.

Die Not der Juden in Polen nach dem Ersten Weltkrieg läßt sich aus der ungeheueren Anzahl dieser zum Teil blutjungen Juden erkennen, die ihr Heil in der Fremde suchten. Dies ist in der ostjüdischen Geschichte und angesichts der traditionell engen Familienverbundenheit der Ostjuden ohne Beispiel. Berücksichtigt man ferner die große Zahl jüdischer Familien, die - zum Teil aus der Sowjetunion während des Bürgerkrieges geflohen, vielfach im Ersten Weltkrieg und dem darauf folgenden polnisch-sowjetischen Krieg obdachlos geworden - praktisch nur noch die Auswanderung als einzigen Ausweg aus einer verzweifelten Situation sahen und außerdem in den meisten Fällen über zahlreiche verwandtschaftliche Beziehungen im Ausland, vor allem in Nordamerika,- verfügten, dann mutet es geradezu lächerlich an, wenn die Zahl der ausgewanderten jüdischen Familien weit unter der Zahl der jungen jüdischen Auswanderer ohne familiären Anhang gelegen haben soll. Hier ist nur eine Schlußfolgerung möglich: Diese polnischen Statistiken sind wertlos.

Offizielle polnische Ziffern für die Jahre 1934 und 1937 weisen lediglich 75.527 jüdische Auswanderer aus[12]. Wie wenig diese Zahlen mit der Wirklichkeit zu tun haben, geht schon daraus hervor, daß die jüdische Einwanderung in westliche Länder und nach Palästina vor dem Zweiten Weltkrieg enorm hoch war, die große Masse der nichtsowjetischen osteuropäischen Juden sich bis September 1939 eben in Polen befand und die Juden in keinem Land Europas so feindlich behandelt wurden wie in Polen (wenigstens bis 1938). Die Polen versuchten, ihre Juden unter allen Umständen loszuwerden; andererseits sträubten sich die westlichen Länder, jüdische Einwanderer aufzunehmen. Es lag daher im polnischen Interesse, die internationale Öffentlichkeit nicht auf das tatsächliche Ausmaß der jüdischen Auswanderung aus Polen aufmerksam zu machen.

Zwischen 1934 und 1937 trafen in Palästina 68.000 jüdische Einwanderer aus Polen ein[13]. Wenn die polnischen Auswanderungsstatistiken stimmen, sind also 90 % der polnisch-jüdischen Auswanderer nach Palästina gegangen, obwohl polnische Juden engste verwandtschaftliche Beziehungen zu Hunderttausenden aus Polen stammenden Juden in Amerika hatten! Wie noch im 7. Kapitel erläutert wird, wanderten zwischen 1933 und 1943 ca. 400. 000 Juden in die Vereinigten Staaten ein. Aus Deutschland stammte nur ein Bruchteil davon, denn nach jüdischen Quellen sollen bis Ende 1940 nur 26 % der deutsch-jüdischen Auswanderer nach Amerika gegangen sein, also ca. 100.000[14].

Zwar haben auch andere mittel- und osteuropäische Länder eine große jüdische Auswanderung zu verzeichnen gehabt, der größte Teil dieser jüdischen Einwanderer in den Vereinigten Staaten mußte jedoch aus Polen stammen. In der Ländergruppe Polen, Baltikum, Rumänien, Ungarn und Tschechoslowakei lebten vor dem Krieg schätzungsweise 4,3 Millionen Juden, ungefähr zwei Drittel davon in Polen. Also muß der größte Teil der jüdischen Einwanderer in Nordamerika zwischen 1933 und 1943 aus Polen gekommen sein.

Gleichzeitig nahmen westeuropäische Länder in den 30er Jahren ungezählte Zehntausende jüdischer Einwanderer und Flüchtlinge aus Deutschland und Osteuropa auf. Ende der 20er Jahre lebten 315.000 Juden in Frankreich und den Beneluxstaaten[15], bei Kriegsausbruch aber wurde ihre Zahl auf 480.000 geschätzt[16]. Die natürliche Zunahme dieser großstädtischen, geburtenschwachen Bevölkerung war minimal; der Anstieg um 165.000 ist fast ausschließlich der Einwanderung zuzuschreiben. Da nach jüdischen Quellen aber 83 % der aus Deutschland emigrierten Juden nach Nord- und Südamerika, Palästina, Schanghai und England gingen[17], muß der größte Teil dieser jüdischen Einwanderer in Frankreich und in den Beneluxländern ebenfalls aus dem Osten stammen, und als Hauptauswanderungsland in Osteuropa kommt eben nur Polen in Frage.

Dazu bemerkte sogar das Institut für Zeitgeschichte in München: »Die Auswanderungswelle der deutschen Juden war nur ein Teil - und nicht einmal der größte - einer allgemeinen jüdischen Auswanderung aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Aus Polen wanderten in den Jahren nach 1933 jährlich etwa 100.000 Juden aus, sowohl wegen der wachsend antisemitischen Haltung der polnischen Regierung als auch wegen der immer mehr fortschreitenden wirtschaftlichen Verelendung der polnischen Juden. Ähnliche Tendenzen zeigten sich in Lettland, Litauen, Rumänien und, in geringerem Grade, in Ungarn«[18].

Die wirtschaftliche Lage der polnischen Juden in den 30er Jahren verschlechterte sich drastisch. In regelrechten Kampagnen wurden sie aus dem Wirtschaftsleben ausgeschaltet, der Boykott jüdischer Geschäfte mit Gewalt durchgesetzt, von den Gerichten für rechtens befunden, von der Katholischen Kirche Polens gesegnet und von der polnischen Regierung offiziell sanktioniert. Antisemitische Ausschreitungen verbreiteten sich über ganz Polen, wobei viele Opfer zu beklagen waren. Blutige Verfolgungen fanden 1937 in Brest-Litowsk und Tschenstochau statt[19].

Die Feststellung des Instituts für Zeitgeschichte, dessen pro-zionistische Ausrichtung keiner Betonung bedarf, daß der größte Teil der jüdischen Auswanderungswelle nicht aus Deutschland kam, ist also durchaus korrekt. Ebenso richtig ist die Aussage des Instituts, daß aus Polen nach 1933 jährlich etwa 100.000 Juden auswanderten; dies widerspricht zwar den offiziellen polnischen Auswanderungszahlen, deren Zuverlässigkeit zweifelhaft ist, wird aber durch die starke jüdische Einwanderung in der Vorkriegszeit in Palästina, USA, Südamerika, Frankreich, Beneluxländer, England usw. untermauert.

Die stetige Auswanderungsbewegung, insbesondere junger Juden im familiengründenden Alter, und die wachsende wirtschaftliche Not machen es unwahrscheinlich, daß die seit Mitte der 20er Jahre anhaltende Verringerung der Geburtenüberschüsse nach 1931 aufgehalten wurde. Alles spricht dafür, daß die polnisch-jüdische Bevölkerung Ende der 30er Jahre sogar Geburtendefizite verzeichnete. Geht man daher von einem jüdischen Bevölkerungswachstum für die Jahre 1932 bis 1939 von durchschnittlich 0,2 % per annum aus, scheint dies immer noch recht hoch[20].

Legt man eine Zahl von nur 500.000 für die jüdische Auswanderung aus Polen in den sieben Jahren und acht Monaten von Anfang 1932 bis September 1939 zugrunde - das Institut für Zeitgeschichte spricht von jährlich 100.000 nach 1933 -, kommt man auf eine Zahl von 2.664.000 Juden, die zu Kriegsanfang in Polen wohnhaft gewesen sein müssen. Subtrahiert man davon ferner die vom Oberkommando der polnischen Streitkräfte während des deutsch-polnischen Krieges als gefallen gemeldeten 31.216 Armeeangehörigen jüdischen Glaubens[21], dann hat die Zahl der polnischen Juden nach Abschluß der Kampfhandlungen 2.633.000 nicht überschritten. Die vom Anglo-American Committee herausgegebene Ziffer von 3.351.000 polnischen Juden bei Kriegsausbruch ist also um über 700.000 zu hoch!

Juden in anderen osteuropäischen Staaten

Viele der bei den polnischen Juden entdeckten Entwicklungen treffen ebenso auf das Judentum in den anderen osteuropäischen Ländern zu. Von wenigen Ausnahmen abgesehen war dessen Geburtenzuwachs gering, netto sogar negativ, und die Verstädterung fast total; das durchschnittliche Heiratsalter lag weit über dem der dortigen Gastvölker und die Auswanderung, insbesondere junger Männer, erreichte enorme Ausmaße. Nichtsdestoweniger gibt es bis zu einem gewissen Grad einige nennenswerte Unterschiede zur polnischen Situation.

Die tschechoslowakischen Juden darf man nicht als eine einheitliche Gruppe betrachten, denn die Unterschiede zwischen den tschechischen, slowakischen und karpathoukrainischen Juden waren einfach zu groß; von Ost nach West kennzeichneten sie im Grunde den unterschiedlichen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Vielvölkerstaat. Auch in diesem Staat verließen junge Juden die armen Östlichen Gebiete, wanderten aber nicht ins Ausland, sondern hauptsächlich in die hochindustrialisierten Provinzen Böhmen und Mähren. Während die 15-29jährigen karpatho-ukrainischen und slowakischen Juden im Vergleich zu den Jüdinnen derselben Altersgruppe nur 81,3 % bzw. 95,1 % darstellten, war die Situation in Böhmen und Mähren gerade umgekehrt. Dort übertrafen laut Volkszählung von 1930 die männlichen 15-29 Jahre alten Juden ihre weiblichen Altersgenossinnen um 23,5 %[22]. Diese einseitige Wanderung wirkte sich ziemlich nachteilig auf das natürliche Wachstum der Juden in der Slowakei und in der Karpatho-Ukraine aus, konnte andererseits jedoch keinerlei ausgleichende positive Effekte in der Tschechei herbeiführen.

In der Tschechei ging das Judentum schon einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg zurück. 1930 stellten die in den Jahren 1906-1910 Geborenen mit beinahe 10 % oder 2 % für jeden Jahrgang die größte Altersgruppe dar. Von dann an ging es schnell abwärts: Die Jahrgänge 1911-1915 wiesen nur einen Durchschnitt von 1,35 % auf und die der Jahre 1916-1920 sogar nur 0,77 %; nach dem Ersten Weltkrieg ließ ein kleiner Babyboom die Jahrgänge 1921-25 nochmals auf 1,1 % pro Jahrgang hochklettern, die dann aber von 1926-1930 fast wieder auf das Tief der Kriegsjahre zurückfielen, nämlich auf nur 0,8 %. Unter Berücksichtigung des Trends jener Jahre darf man wohl sagen, daß die bei der Volkszählung von 1930 ermittelten unter einem Jahr alten Juden nur etwa 0,6 % der tschechischen Juden ausmachten. Dieser niedrige Satz beinhaltet jedoch, daß das jährliche Geburtendefizit irgendwo zwischen 0,5 % und 1 % lag.

In der Slowakei war die jüdische demographische Krise nicht so ausgeprägt, der Trend aber verlief ähnlich. Zwischen den Zeiträumen 1906/1910 und 194/1930 fiel die durchschnittliche Jahrgangsstärke von 2 % auf 1,66 %. Die im Jahre 1930 Geborenen stellten wahrscheinlich nur noch 1,5 % der slowakischen Juden dar - nicht viel mehr als die Sterblichkeitsrate.

Nur in der rückständigen Karpatho-Ukraine blieb die klassische ostjüdische Familie intakt, obwohl alle Anzeichen darauf hindeuten, daß auch dort ein Wendepunkt erreicht worden war. Die Jahrgänge 1926/1930 stellten durchschnittlich 2,9 % der dortigen jüdischen Bevölkerung dar, verglichen mit 2,8 % der Altersgruppe 1921/1925. Wäre diese Geburtenrate beibehalten worden, hätte sich dies in den 30er Jahren in einem großen natürlichen Zuwachs von vielleicht 1,5 % pro Jahr oder mehr niedergeschlagen. Auf Grund der beachtlichen Wanderung junger lediger Juden in die böhmisch-mährischen Gebiete, der Wirtschaftskrise der 30er Jahre und der immer stärker werdenden Säkularisierung jüdischen Lebens in der Karpatho-Ukraine vor dem Zweiten Weltkrieg ist es aber wahrscheinlich, daß die Geburtenrate nach 1930 zurückging, obwohl sie sicher auch in jenen Jahren vergleichsweise hoch blieb. Wie dem auch sei, als Ungarn, das zwischenzeitlich die Karpatho-Ukraine wieder zurückerlangt hatte, im Jahre 1941 eine Volkszählung durchführte, wurden nur ungefähr 109.000 Juden gezählt (s. 6. Kapitel) verglichen mit den 102.542 Juden der tschechoslowakischen Volkszählung von 1930; die Differenz entspricht nur einem jährlichen Zuwachs von 0,6 % zwischen 1930 und 1941. Dieser relativ geringe Anstieg scheint zwar etwas zu niedrig für diese kinderreiche, aber zahlenmäßig kleine ostjüdische Gruppe, spiegelt aber wohl die während der 30er Jahre anhaltende Wanderung junger Juden in die industriellen tschechischen Gebiete wider.

Ungarns Volkszählung von 1930 ermittelte 444.567 Juden, von denen die große Mehrzahl in den Städten wohnte[23]: 204.371 oder 46 % lebten in der Hauptstadt, weitere 130.207 in den Distrikten der ungarischen Tiefebene Östlich der Donau, 49.252 im Norden und nur 60.737 westlich der Donau. Seit 1920 hatte sich die jüdische Bevölkerung von 473.355 um 28.788 verringert[24].

Seit dem Jahre 1927 verzeichneten Ungarns Juden beträchtliche Geburtendefizite. Von 1927 bis 1930 betrug der jahresdurchschnittliche natürliche Rückgang 467 (0,1 %)[25] und erreichte 0,5 % im Jahre 1938[26].

 

 

 

Natürliches Wachstum
Jahr

Geburten

Todesfälle

Saldo

In % der jüdischen Bevölkerung


1930

5.533

5.917

- 384

-0,1

1931

5.187

6.244

- 1.057

-0,3

...

...

...

...

...

1937

 

 

-1.574

-0,4

1938

 

 

- 1.899

-0,5

Offensichtlich befanden sich die ungarischen Juden in den 30er Jahren inmitten eines ernsten demographischen Rückgangs, wobei die natürliche Sterblichkeit die Geburtenanzahl um etwa 40 % überwog.

Im Jahre 1941, nach der Einverleibung weiterer benachbarter Gebiete, nachdem Ungarns jüdische Bevölkerung im Vergleich zu 1930 um 73 % oder 325.000 zugenommen hatte, lag die Gesamtzahl der Geburten (8.380) aber nur 50 % höher als elf Jahre zuvor, die Zahl der Todesfälle war aber mit 10.074 ebenfalls um 73 % angestiegen. 1942 zählten Großungarns 725.000 Juden nur noch 8.413 Geburten aber 10.787 Sterbefälle; im Verhältnis zur Gesamtzahl entspricht dies 1,2 % bzw. 1,5 % - ein natürlicher Rückgang von 0,3 % per annum[27].

Mit anderen Worten, das Hinzufügen von 325.000 Juden in den einverleibten benachbarten Gebieten (s. 6. Kapitel) führte nicht zu einer deutlichen Verbesserung des durchschnittlichen natürlichen Rückgangs, obwohl fast ein Drittel der hinzugekommenen Juden dem relativ kinderreichen karpatho-ukrainischen Judentum angehörte. Es ist offensichtlich, daß die in den eingegliederten neuen Gebieten -nördliches Siebenbürgen, Banat und südliche Slowakei -lebenden Juden Geburten- und Sterblichkeitsraten aufwiesen, die denen der ungarischen sehr ähnlich waren; anders ausgedrückt, die natürliche demographische Entwicklung der meisten Juden in den dazugekommenen Gebieten war ebenfalls sehr negativ.

Die in dem Gebiet Trianon-Ungarn, frühere slowakische Gebiete, Banat (Serbien) und Nord-Siebenbürgen (Rumänien) lebenden Juden litten also unter großen jährlichen Bevölkerungsrückgängen auf Grund einer viel zu geringen Geburtenzahl. Nur die karpatho-ukrainischen Juden, deren Fruchtbarkeit ohne Zweifel ebenso zurückgegangen war, konnten noch positive Zuwachsraten aufweisen. Im osteuropäischen demographischen Gesamtbild stellten die letzteren aber eine Ausnahme dar; auch konnte ihre kleine Gesamtzahl den zahlenmäßigen Rückgang des Ostjudentums vor dem Krieg nicht aufhalten.

Was das natürliche Wachstum der rumänischen Juden in den 30er Jahren betrifft, kann die Universal Jewish Encyclopedia folgendes darüber berichten: »1932 betrug sie [die Zahl der Geburten] in Großrumänien 12.586 und 10.039 im Jahre 1938, wogegen die Sterblichkeitsziffer jeweils 9.891 und 10.250 betrug. Damit verwandelte sich der Geburtenüberschuß von 2.695 im Jahre 1932 in ein Defizit von 213 im Jahre 1938. Die Geburtenrate fiel stetig«[28]. Der Geburtenüberschuß - 1932 noch bei ungefähr 0,35 % - hatte sich bis 1938 in ein Geburtendefizit verwandelt; ein durchschnittlicher Bevölkerungszuwachs von 0,2 % in den 30er Jahren ist also reichlich bemessen.

Der Bevölkerungszuwachs Lettlands ging schon lange vor dem Ersten Weltkrieg zurück. 1935 betrug die Geburtenrate nur noch 1.67 %, und die Sterbeziffer lag in der vorangegangenen Fünfjahresperiode im Durchschnitt bei 1,38 %. Im ganzen betrug der natürliche Bevölkerungszuwachs also weniger als 0,5 % und fiel weiter zurück. Die jüdische Bevölkerung - laut Volkszählung von 1935 93.479[29] - stellte weniger als 5 % der Gesamtbevölkerung dar.

Ungefähr 50 % der lettischen Juden lebten in oder in der Nähe der Hauptstadt Riga; weitere 30 % bevölkerten die Östlichste Provinz, Lettgalen. Die Verstädterung war unter den Juden fast total: 93 % wohnten in den Städten im Gegensatz zu nur 34 % der nicht-jüdischen Bevölkerung; wegen ihrer relativ kleinen Gesamtzahl stellten die Juden in den lettischen Städten aber einen kleineren Anteil, als es in Osteuropa sonst üblich war. Unter den größeren Städten hatten die Juden nur in Dünaburg und Rositten einen Anteil von 25 %, in allen anderen Städten stellte die jüdische Bevölkerung durchschnittlich aber nur 11 % dar[30]. Das natürliche Wachstum der lettischen Juden war dem der polnischen sehr ähnlich. Bis zur Jahrhundertwende nahm ihre Bevölkerungszahl rasch zu, vor dem Ersten Weltkrieg trat jedoch schon eine deutliche Verlangsamung des Wachstums ein. Die durch den Krieg halbierten Geburtenzahlen stiegen nach Beendigung der Feindseligkeiten kurzfristig, aber sprunghaft auf ein Niveau an, das fast so hoch lag wie vor dem Krieg. Die Volkszählung von 1935 ermittelte 1.787 Juden im Alter von 11 Jahren; seit diesem Nachkriegshöchststand setzte ein schnell abfallender Trend ein. 1935 wurden dann nur noch 1.137 Juden unter einem Jahr gezählt - verglichen mit 1924 stellte dies eine Verringerung um 36 % dar. Die Geburtenrate betrug 1935 also 1,2 %[31]. Wie schon vorher erwähnt, lag Lettlands durchschnittliche Sterbeziffer Anfang der 30er Jahre bei 1,4 %; die jüdische ist zwar nicht bekannt, doch dürfte sie sich vom nationalen Durchschnitt kaum stark unterschieden haben. Das heißt, schon 1935 wiesen die lettischen Juden eine negative Wachstumsrate auf. Da sich die wirtschaftlichen Bedingungen danach jedoch noch weiter verschlechterten, wird sich die Geburtenzahl weiter verringert haben, was in den verbliebenen Jahren des Jahrzehnts vor dem Krieg zu immer größeren Geburtendefiziten führte.

Diese kurze Skizzierung des demographischen Bildes der verschiedenen osteuropäischen jüdischen Bevölkerungsgruppen außerhalb der UdSSR läßt die Feststellung zu, daß die durchschnittliche jüdische Familie kinderarm geworden war und daß das Judentum jenes Gebietes in den 30er Jahren überhaupt keinen natürlichen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen hatte. Unsere Betrachtung schloß fast 4,8 Millionen Juden der frühen 30er Jahre ein - 93 % des Ostjudentums außerhalb der Sowjetunion. Diese Bevölkerung, die sich schwerpunktmäßig in einem Gebiet aufhielt, das sich von Riga bis Budapest und Bukarest hinzog, befand sich inmitten einer demographischen Umwälzung. Die rasche Konzentration in den größeren Städten, das Verschwinden des Jiddischen zugunsten der verschiedenen nationalen Sprachen, die Massenauswanderung junger lediger Juden, ein spätes Heiratsalter, und das Überhandnehmen der Ein- und Zweikinderfamilien hatte das klassische jüdische Sozialgefüge schon zerstört; nur ein geringer Restbestand des traditionellen Ostjudentums hatte sich noch erhalten können, zum Beispiel, in der Karpatho-Ukraine - zu klein, um die großen Verluste des restlichen Gebietes auszugleichen, und gleichzeitig ebenfalls unter starkem Säkularisierungsdruck. Ende der 30er Jahre gab es kein Land in Osteuropa, wo die Juden noch ein natürliches Wachstum verzeichnen konnten; in einigen lag der Sterbeüberschuß weit über den Geburtenzahlen. Man kann mit einiger Berechtigung sagen, daß Osteuropas Judentum im Laufe der 30er Jahre sogar im Durchschnitt geringe natürliche Bevölkerungseinbußen erlitt.


Anmerkungen

  1. Reitlinger, Gerald. The Final Solution, New York, 1961, S. 497.
  2. Universal Jewish Encyclopedia, New York, Vol. 10., 1943, S. 33.
  3. Statesman's Yearbook (The). New York, 1944, S. 1196.
  4. Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 10, S. 36.
  5. ebd., S. 36. In den Jahren 1930 bis 1937 betrug die Zahl der Gestorbenen in Polen durchschnittlich 479.000 (Schlag nach über Polen. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1940 [?] S.15). Der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Polen lag 1931 zwar bei 9,8 %, doch in der Altersgruppe 50 Jahre und darüber, wo der Hauptteil der G.estorbenen zu suchen ist, waren die Juden jedoch mit 10,9 % vertreten (Quelle wie Schaubild 2). Auch wenn man der jüdischen Bevölkerung Polens eine im Vergleich zur polnischen oder ukrainischen Bevölkerung etwas niedrigere altersspezifische Sterbeziffer konzediert, mußte die durchschnittliche jüdische Gestorbenenziffer in Polen der 30er Jahre eher bei 45.000 oder mehr pro Jahr gelegen haben.
  6. Drugi Powszechny Spis Ludnośći Z Dn. 9.XII 1931 R. »Polska (Dane Skrócone): Mieszkania I Gospodarstwa Domowe, Ludność, Stosunki Zawodowe«, Głowny Urząd Statystyczny Rzeczypospolitej Polskiej, Statystyka Polski, Seria C, Zeszyt 62 (Deuxième Recensement Général de la Population du 9 Décembre 1931. »Pologne (Données Abregées): Logements et Ménages, Population, Professions«, Office Central Statistique de la Republique Polonaise, Statistique de la Pologne, Serie C, Fascicule 62), Warschau 1937.
  7. Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 10, S. 33.
  8. Ruppin, Arthur. The Jewish Fate and Future, London, 1940, S. 100.
  9. Berechnet auf der Basis der in Tabelle 13 enthaltenen Angaben in Drugi Powszechny Spis Ludnośći Z Dn. 9.XII 1931 R. »Polska: Mieszkania 1 Gospodarstwa Domowe, Ludnośći, Seria C, Zeszyt 94a (Deuxième Recensement Général de la Population du 9 Décembre 1931, »Pologne: Logements et Ménages, Population«, Serie C, Fascicule 94a), Warschau 1938.
  10. Einen Hinweis auf die Richtigkeit dieser Schlußfolgerung ist im Statistical Abstract of Israel zu finden. Lt. Ausgabe Nr. 31 (1980), S. 133, wanderten in den Jahren 1919/1923 und 1924/193135.183 bzw. 81.613 Juden in Palästina ein. Ausgabe Nr. 2 (1950/51), S. 26, gibt den männlichen Anteil unter den Einwanderern mit jeweils 63,2 bzw. 54 % an. Daraus errechnet sich ein Schnitt von 57 % männlichen jüdischen Einwanderern in Palästina vom Ende des Ersten Weltkriegs bis 1931 - also ein Drittel mehr Juden als Jüdinnen. Ein großer, wahrscheinlich der größte Teil dieser Einwanderer aber stammte aus Polen.
  11. Lestschinsky, J. »National Groups in Polish Emigration«, Jewish Social Studies, Vol. 5, 1943, S. 109.
  12. ebd., S. 109.
  13. Die Zahl von 68.000 aus Polen kommenden jüdischen Einwanderern in Palästina zwischen 1934 und 1937 beruht auf folgenden Berechnungen: Die jüdische Einwanderung in Palästina wird von der Encyclopaedia Judaica, Jerusalem, 1971, Vol. 4, S. 534, wie folgt angegeben: 45.267 (1934), 66.472 (1935), 29.595 (1936), 10.629 (1937). Aus Polen kamen lt. Arieh Tartakower und Kurt R. Grossmann, The Jewish Refugee, New York, 1944, S. 345: 43 % (1934), 49 % (1935), 41 % (1936) und 35 % (1937); der Anteil der jüdischen Einwanderer aus Deutschland wurde mit jeweils 16 %, 11 %, 27 % und 34 % und der Anteil der jüdischen Einwanderer aus allen übrigen Ländern mit jeweils 41 %, 40 %, 32 % und 31 % angegeben. Da die »übrigen« Einwanderer praktisch nur aus Osteuropa stammen konnten, war die aus den anderen osteuropäischen Ländern in Palästina eingewanderte jüdische Bevölkerungsgruppe fast ebenso groß wie die aus Polen. Dies scheint jedoch nicht wahrscheinlich, da u.a. die polnischen Juden den anderen osteuropäischen (ausschl. UdSSR) Juden an Zahl weit überlegen waren; die »übrigen« jüdischen Einwanderer in Palästina haben wahrscheinlich viele Juden miteingeschlossen, die ursprünglich eigentlich aus Polen kamen. Die polnisch-jüdische Einwanderungsgruppe dürfte deshalb zwischen 1934 und 1937 weit über 68.000 stark gewesen sein, wahrscheinlich sogar über 80.000!
  14. Adlerstein, Fanny R., »Foreign Department«, The Jewish Social Service Quarterly, New York, Vol. XVII, Nr. 4, Juni 1941, S. 386. In der Zahl von 100.000 sind auch die jüdischen Auswanderer aus Österreich enthalten.
  15. Brockhaus (Der Große). Leipzig, 1931, Neunter Band, J-Kas, S. 473.
  16. Reitlinger, Final Solution, S. 71.
  17. Adlerstein, Jewish Social Service Quarterly, Juni 1941, S. 386.
  18. Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte, München, 1958, S. 79 und 80.
  19. Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 8, S. 574.
  20. Amtlichen polnischen Erhebungen zufolge reduzierte sich die Geburtenziffer in Polen zwischen 1931 und 1937 von 3,02 % auf 2,49 % (Schlag nach über Polen, S. 15). Die jüdische hatte 1931 schon 1,7 % erreicht und wird sich danach kaum dem sich weiter abschwächenden polnischen Trend entgegengestellt haben. Ein Geburtendefizit Ende der 30er Jahre ist für die polnisch-jüdische Bevölkerung daher sehr wahrscheinlich.
  21. Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 8, S. 576.
  22. Sčítání Lidu V Republice Československe Ze Dne 1. Prosince 1930 (Díl 1.: Rust, Koncentrace A Hustota Obyvatelstva, Pohlaví, Vĕkove Rozvrstvení, Rodinný Stav, Státní Příslušnost, Národnost, Náboženske Vyznání), Vydal Státní Úřad Statistický, Československá Statistika - Svazek 98, Řada VI., Sešit 7, Prag, 1934, Tab. 19, S. 156-164.
  23. Annuaire Statistique Hongrois 1931, Nouveau Cours XXXIX, l'Office Central Royal Hongrois de Statistique, Budapest, 1933, Tab. 10, S. 11.
  24. ebd., Tab. 9, S. 10.
  25. ebd., Tab. 21, S. 28.
  26. Magyar Statisztikai Évkönyv 1942, Új Folyam L, A Magyar Kir Központi Statisztikai Hivatal, Budapest, 1944, Tab. 21, S. 36.
  27. ebd., Tab. 14, S. 33 und Tab. 16, S. 34.
  28. Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 9, S. 265.
  29. Ceturtāī Tautas Skaitīšana Latvijā 1935. gadā, III: Vecums, Gimenes Stāvoklis (Quatrième Recensement de la Population en Lettonie en 1935, III: Age, Etat Civil), Valsts Statistiskā Pārvalde, Riga, 1937, Tab. 10, S. 217; Tab. 8, S. 206 und 120-121.
  30. ebd., S. 297, 298 und 319.
  31. ebd., S. 216-217.

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