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14. Winston Churchill (1874 -1965) - der Totengräber eines

Imperiums.

Winston Churchill

Hearst: "Mister Churchill, wir beide kommen aus derselben Branche: Ich war Zeitungsverleger, Sie fingen als Journalist an und wurden Politiker. Wissen Sie, in welchem Ansehen Menschen dieser Berufe stehen?"

"Meinen Sie, ich sei taub und blind? Ich befinde mich damit auf der untersten Stufe der Beliebtheitsskala. Das war schon zur Zeit meiner Berufswahl so."

Hearst: "Was hat Sie dann bewogen?"

"Ich wollte allen Mächten den Kampf ansagen, die es wagen sollten, dem britischen Weltreich auf die Füße zu treten."


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Hearst: "Ich hatte Ähnliches erwartet, aber eine gewisse Reihenfolge erstaunt mich. Es rangiert nicht die Erhaltung des britischen Weltreichs an der Spitze, sondern der Kampf. Haben Sie dies mit Bedacht gesagt?"

"Lassen Sie mich nachdenken! - Sie sind ein Fuchs, Mister Hearst! Sie meinen, ich habe mehr in einer Art Rausch des Kampfes gelebt, als in erster Linie für die Erhaltung des Bestehenden. - Wenn ich an das Ergebnis denke, muß ich Ihnen leider zustimmen. Ich sah zeitweise nicht mehr das Ziel, sondern spürte nur meine blinde Wut.

Sie wissen, daß ich von Kindheit an ein bibelfester Mensch war. Meine Vorfahren gehörten zum 'auserwählten' Volk. Der Bibel nach lebte es ebenfalls im Rausch des ewigen Kampfes. Kriege ziehen sich durch alle Zeiten. Vielleicht war dies mein Erbteil?"

Hearst: "Bleiben wir bei den Gehilfen der Lüge, den Journalisten; die Meister sind die Politiker. Wissen Sie, was Sie zum Thema Lüge gesagt haben, und zwar in Bezug auf Deutschland?"

"Ja, natürlich! Ich war damals sogar stolz darauf: 'Die Wahrheit ist ein so kostbares Gut, daß man sie mit einem Schutzwall von Lügen umgeben muß.'"

Hearst: "Ist dies heute noch Ihre Meinung?"

"Sie wissen es ja selbst, wie wir hier zur Lüge stehen. Diese Einstellung war mein größter Fehler, auf dem alle anderen basieren. Es ist eine einzige Katastrophe. Und ich kann heute nicht mehr verstehen, wie derartiges auf der Erde möglich ist, wenn man andererseits die Auffassung vertritt, es gäbe einen menschenfreundlichen Gott. Heute, leider ist es zu spät, habe ich erkannt: 'Es gibt nur eine Sittlichkeit, und das ist die Wahrheit; es gibt nur ein Verderben, und das ist die Lüge.' Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß dieser Satz nicht von mir ist, sondern von dem Angehörigen des


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Volkes, das ich mit ins Verderben gezogen habe: Ernst Freiherr von Feuchtersieben hat es geprägt"

Hearst: "Sie gebrauchen das Wort Sittlichkeit. Wo blieb Ihr sittliches Empfinden, als Sie im Ersten Weltkrieg verbreiten ließen, deutsche Soldaten hätten Kindern die Hände abgehackt?"

"Erinnern Sie mich bitte nicht daran! Es war ein scheußliches Verbrechen unsererseits, mit dieser Lüge die Welt gegen Deutschland aufzustacheln."

Hearst: "Sie ließen auch verbreiten, die Deutschen hätten aus feindlichen Kriegsleichen Schweinefutter hergestellt."

"Ja, ich weiß es. Diese Lüge gehörte zu unserer Kriegsfuhrung. Es wird meine ewige Schande bleiben, zumal unsere Freunde dies glaubten."

Hearst: "Aber Sie ließen 1945, nach Beendigung der Kampfhandlungen, in ihrem Propagandaministerium alle Vorkehrungen dafür treffen, daß weitere Lügen aus der Zeit 1933 bis 1945 verbreitet werden sollten. Zur Umerziehung der Deutschen sollte solange mit Lügen gearbeitet werden, bis die Deutschen selbst, daran glauben. Ist das nicht ein teuflischer Plan?"

"Auch das ist mir heute bewußt. Wir waren uns aber niemals sicher, daß dieses Vorhaben auch gelingt. In der Praxis kam es aber noch schlimmer für die Deutschen: Sie übernahmen nicht nur unsere Lügen gegen sich, sondern sie zementierten alles im Sinne unserer Propaganda, das heißt, unserer Lügen. Dieses Ergebnis drückt mich mehr als die Deutschen. Sie scheinen den moralischen Boden unter ihren Füßen völlig verloren zu haben."

Hearst: "Wann hat Ihr Haß auf das deutsche Volk begonnen? "

"Das ist lange vor dem Ersten Weltkrieg gewesen. Ich sah die deutsche Nation zu einer starken Einheit zusammenwachsen. Darin befürchtete ich eine kommende Gefahr für mein Vaterland."


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Hearst: "Das britische Weltreich bestand doch bereits und hatte einen Flächenumfang, der etwa fünfzigmal dem des Deutschen Reiches entsprach. Wie konnten Sie in dem kleinen Deutschland also eine Gefahr erkennen?"

"Well, es kann auch eingebildete Gefahren geben. Wenn ich aus jetziger zeitlicher Entfernung alles betrachte, so handelte es sich von unserer Seite aus nur um einen Machtrausch, in dem wir uns gegenseitig aufpuschten."

Hearst: "Wann erreichte dieser Rausch seinen Höhepunkt?"

"Das war die Zeit, als Adolf Hitler als Politiker in Erscheinung trat. Mit seiner Machtübernahme stand für mich fest, daß es jetzt zu einem Krieg kommen muß, ob er will oder nicht."

Hearst: "Aus welchem Grunde mochten Sie diesen Mann nicht?"

"Ich will nicht einmal sagen, daß ich ihn nicht mochte. Er stand nur auf der falschen Seite. Ich glaube, ich habe sogar zu meinen Lebzeiten gesagt, ich wünschte mir einen solchen Mann für das britische Weltreich, wenn es einmal in eine vergleichbare Notlage kommen sollte. Damit habe ich meinen gewissen Respekt bezeugt. Aber wenn man einer Nation angehört, gibt es keinen neutralen Respekt. In England kannte man nur: Right or rong - my country! Dies galt auch für die Zeit, da Hitler Reichskanzler wurde. Auch die Deutschen haben ja eine Zeitlang diese Weisheit zu beherzigen versucht, aber ohne Erfolg; sie hatten noch keine Übung darin. Und wie verhalten sich die Deutschen heutzutage? Sie sagen wie hypnotisiert: Egal, was es an Schlechtem in der Welt gibt, schuld daran sind wir. Deshalb fiel es uns ja auch so leicht, ganze Generationen umzuerziehen. Dieses Volk ist das gelehrigste, das es je gab. Und es geht soweit, daß es von sich aus Gesetze schafft, die die Forschung nach der Wahrheit verbieten und unter Strafe stellen. Dieser Feuchtersieben ist zwar ein Deutscher, und dennoch handeln seine Landsleute gegen eine solch grundsätzliche Weisheit.


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- Aber es ist nicht mein Volk. Sollen die Menschen sehen, wie sie damit fertig werden!"

Hearst: "Kommen wir zurück zu Ihren Aktivitäten, die zur Fortsetzung des Ersten Weltkrieges führten. Sie haben selbst vom Zweiten 30jährigen Krieg gesprochen. War die Fortsetzung wirklich nötig?"

"Wenn ich es heute sehe: Niemals! Wir haben in Versailles bereits Deutschland für alle Zeiten von der weltpolitischen Bildfläche verschwinden lassen wollen. Wir haben Millionen Deutsche unter Fremdherrschaft gestellt. Wir haben seine Wirtschaft zerschlagen. Doch dann kam Hitler. Er hat sein Volk erstarken lassen, während wir unsere Pläne davonschwimmen sahen. So mußten wir einfach das Deutsche Reich mit Krieg überziehen, und dazu kamen uns die unbeherrschten Polen zu Hilfe, denen wir schon Millionen Deutsche unterstellt hatten. Aber sie konnten den Hals nicht voll genug bekommen und waren damit die besten Provokateure, die wir uns wünschten. - Aber Sie kennen ja die ganze Geschichte! Nicht Hitler war unser Hauptfeind, sondern das deutsche Volk! Zum Schluß waren wir auch damit einverstanden, daß die Deutschen millionenfach ermordet oder vertrieben wurden. Wir wollten für immer von dieser deutschen Konkurrenz befreit werden. Diesmal wollten wir keinen Reinfall erleben und beschlossen, das deutsche Volk physisch durch Bomben, Mord und Vertreibung zu dezimieren, es in sich aufzulösen; durch Unterwanderung, durch Geburtenrückgang, durch Vernichtung ihrer Kultur, durch Verstümmelung ihrer Seele."

Hearst: "Wie konnten Sie diese grausamsten Verbrechen der Weltgeschichte gutheißen? Kamen Sie keinen Augenblick zur Besinnung darüber nachzudenken, daß jedes Volk seinen Platz hat?"


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"Erinnern Sie mich nicht daran! Es war der schrecklichste Moment meines Lebens, als ich erkannte, welch einen Verstoß ich gegen alle Naturgesetze begangen hatte: Leben und leben lassen! Die zweite Erkenntnis war, als ich merkte, damit auch dem britischen Weltreich den Todesstoß gegeben zu haben. Dieser Gedanke plagte mich bis zu meinem irdischen Abgang."

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