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15. Platon (427 - 347) - der griechische Philosoph.

Platon

"Herr Ford, sehen Sie dort drüben den Herrn mit dem eleganten Vollbart und der klassischen Ponnyfrisur?"

"Ja, kennen Sie ihn denn nicht, Mister Schulz? Das ist doch Plato, oder auch Platon, denn er ist Grieche."

"Der große Philosoph? Wollen wir die Gelegenheit nicht beim Schöpf packen und ihn interviewen? Bitte, machen Sie das!"

*

Ford: "Ehrwürdiger Meister und Lehrer, dürfen wir Sie einen kurzen Augenblick stören und ein paar Fragen an Sie richten?"

"Ich kenne Sie nicht. Waren Sie meine Schüler? In Athen oder in Rom?"


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Ford: "Weder in Griechenland noch in Italien. Aber Ihr Ruf ist ja weltweit und Ihre Lehren sind bis heute aktuell. - Dies ist übrigens Herr Schulz aus der Stadt des Immanuel Kant, und mein unbedeutender Name ist Henry Ford. - Wie kamen Sie zur Philosophie?"

"Jeder Mensch hat die Philosophie in sich. Es kommt darauf an, was er daraus macht. Ob er sie verkümmern läßt, öder ob er sich damit beschäftigt und versucht, sich der menschenmöglichen Lebensweise zu nähern. Ohne Philosophie werden Menschen, die sich anmaßen Bedeutendes zu tun, nicht weit kommen. Es werden ihnen die letzten Erkenntnisse der Zusammenhänge fehlen. Man sollte bemüht sein, eine Idee zwischen einer Allgemeinvorstellung und der verstandesmäßigen Erfassung zu koordinieren. Eine Idee schlummert in einem Menschen, man muß sie wecken, sich ihrer erinnern, sie erkennen und ausbauen, das heißt, sie für die Allgemeinheit verwertbar machen.

Man spricht von dem Begriff Tugend und stellt fest, daß sie hier oder dort fehlt. Man kann die Tugend verkommen lassen, aber man kann sie auch lehren und erlernen. Damit wäre sie eine Wissenschaft.

Überlassen wir den Generationen, was sie daraus machen. Daran werden sich die Staatsmänner messen lassen müssen, ob sie in der Lage waren, dieser Pflicht der Tugend zu dienen und damit ihrem Volk die Überlebensgrundlage zu schaffen!

Es gibt vier Kardinaltugenden: Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit. Jeder Mensch sollte seine Führer nach diesen Gesichtspunkten prüfen. Wer eine davon nicht erfüllt, taugt zum Führen nicht.

Ich weiß, daß es Kollegen gibt, die von meinen Erkenntnissen abgehen. Aber meine Devise ist: Das Leben durch Wissen und Freude zu gestalten, wobei die Freude nicht mit Schmerz gemischt


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werden darf. Ein simples Beispiel: Freude durch Rauschmittel, die einen Rückschlag verursachen, gehören nicht zu meinem Rezept. Denken Sie an die vorgetäuschte Freude durch Kokain und anderes!"

Ford: "Meister, Sie haben sich viel Gedanken um die Erziehung Jugendlicher gemacht. Wie sehen Sie die Freiheit, welche man den jungen Menschen auf der Erde heutzutage gegenüber einer sogenannten Diktatur gewährt?"

"Wohlan, meine Freunde, wie steht es mit der Diktatur? Ist es nicht so, daß sich die Demokratie selber auflöst durch eine gewisse Unersättlichkeit in der Freiheit?

Wenn sich die Väter daran gewöhnen, ihre Kinder einfach gewähren und laufen zu lassen, wie sie wollen, und sich vor ihren erwachsenen Kindern sogar furchten, ein Wort zu reden, oder wenn die Söhne schon so sein wollen wie die Väter, also ihre Eltern weder scheuen noch sich um ihre Worte kümmern, sich nichts mehr sagen lassen wollen, um ja recht erwachsen und selbständig zu erscheinen, dann sind sie die Unterlegenen. Und auch die Lehrer zittern bei solchen Verhältnissen vor ihren Schülern und schmeicheln ihnen lieber, statt sie sicher und mit starker Hand auf einen geraden Weg zu führen, letztendlich lassen die Schüler sich nichts mehr von ihren Lehrern sagen. Überhaupt sind wir schon so weit, daß sich die Jüngeren den Älteren gleichstellen, ja gegen sie auftreten in Wort und Tat. Die Alten aber setzen sich unter die Jungen und suchen sich ihnen gefällig zu machen, indem sie ihre Albernheiten und Ungehörigkeiten übersehen oder gar daran teilnehmen, damit sie ja nicht den Anschein erwecken, als seien sie Spielverderber oder gar auf Autorität versessen.

Auf diese Weise werden die Seele und die Widerstandskraft aller Jungen allmählich mürbe, sie werden aufsässig und können es


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schließlich nicht mehr ertragen, wenn man nur ein klein wenig Unterordnung von ihnen verlangt. Am Ende verachten sie dann auch die Gesetze, weil sie niemand und nichts mehr als Herr über sich anerkennen wollen - und das ist der schöne und jugendfrohe Anfang der Tyrannei!"

Ford: "Ehrwürdiger Gelehrter, wir sind erschüttert über Ihre absolut zeitgemäße Beurteilung der heutigen Situation auf der Erde!"

"Nein, meine Herren, das ist meine Erkenntnis von vor zweieinhalbtausend Jahren! Es sind die Voraussetzungen gewesen für den Untergang der Antike. - Die Frage bleibt: Warum lernt man aus Schaden nicht?"

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