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16. Golda Meir (1898 - 1978)- eine ungewöhnliche Frau.

Golda Meir

Otto Schulz: "Frau Meir, Sie waren Ministerpräsidentin in Israel. Kann sich der kleine Staat finanziell über Wasser halten?"

"Aus eigener Kraft natürlich nicht. Aber wir haben zwei große Spender: Die Bundesrepublik Deutschland und die U.S.A. Mit ihrer Hilfe wird es keiner israelischen Regierung gelingen, bankrott zu machen."

Schulz: "Die BRD verschweigt dem deutschen Volk, welche finanziellen Leistungen an Israel gezahlt wurden und immer noch gezahlt werden. Wissen Sie, wieviel Milliarden D-Mark Ihr Land bisher bekommen hat?"


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"Das weiß wohl niemand. Das ist auch weniger interessant. Wir leben ja von der Hand in den Mund. Und was vorgestern gewesen ist, bleibt Nebensache. Die Hauptsache ist, der Geldfluß versiegt niemals"

Schulz: "Normalerweise sind Nationen, die einen Krieg verloren haben, nur solchen Ländern tributpflichtig, die am Krieg teilgenommen haben. Israel bestand zur Zeit des Zweiten Weltkrieges noch gar nicht. Warum muß die BRD denn zahlen?"

"Sagen Sie nicht, daß es die israelische Nation damals noch nicht gab! Natürlich waren wir immer eine Nation, auch wenn sie nicht in Ländergrenzen bestand. Wir haben mehrfach dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Zum ersten Mal war es am 24. März 1933. Das ging vom Weltjudentum aus, und Weizmann war unser Sprecher. Sie können selbst nachlesen, was ich darüber geschrieben habe: 'Er war zweifellos Führer und erster Sprecher des Weltjudentums. Juden in der ganzen Welt sahen in ihm den 'König der Juden'. Was die BRD bezahlt, ist die Wiedergutmachung." Schulz: "Die BRD zahlt aber auch an die persönlichen jüdischen Opfer. Wenn dann darüber hinaus auch noch an den jüdischen Staat gezahlt wird, so ist das ja eine doppelte sogenannte Entschädigung. Sträubt sich da nicht Ihr Gewissen?"

"Warum sollte es sich sträuben? Es geht alles ganz reell zu. Sie brauchen bloß im Talmud zu suchen, um die Stelle zu finden, die uns das Recht zu solchen Forderungen gibt." Schulz: "Frau Meir, in den deutschen Medien ist immer wieder zu hören und zu lesen, daß der Irak eine große Gefahr für Israel sei, und zwar wegen des möglichen Baus von Atombomben. Bisher hat der Irak aber tatsächlich keinerlei Basis für einen solchen Bau. Hat denn Israel keine Atombomben?"

"Die Gefahr von Atombomben, die der Irak einmal haben könnte, ist permanent. Das heißt aber nicht, daß es umgekehrt eine Gefahr


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für den Irak bedeutet, wenn Israel Atombomben besitzt. Wir haben nicht die Absicht, den Irak anzugreifen."

Schulz: "Sie haben meine Frage nicht beantwortet: Besitzt Israel Atombomben?"

"Wir sind nicht für einen Krieg mit Atombomben. Unser Land ist viel zu klein, als daß es einen solchen Krieg überstehen würde. Der Irak dagegen ist ja viel größer. Dort würden schon mehrere Atombomben nötig sein, um das ganze Land zu vernichten." Schulz: "Frau Meir, Sie haben meine Frage wieder nicht beantwortet."

"Ja, richtig, wenn wir Atombomben hätten, würde der Einsatz vermutlich nicht von Israel gesteuert werden. In den USA sitzen sehr wichtige Leute, die unser Schicksal mitbestimmen. Wir wären also niemals in unseren Entscheidungen frei. Das haben wir übrigens immer wieder gemerkt, wenn wir kleinere kriegerische Aktionen unternahmen. Ich muß allerdings zugeben, daß zum Beispiel der Golfkrieg nicht die Entscheidung der USA war, sondern Israels. Sie brauchen mich deswegen gar nicht so fragend anzusehen. Sogar Ihr Bundeskanzler Kohl hat gesagt, daß die USA den Golfkrieg für Israel geführt haben."

Schulz: "Ich habe Sie nicht fragend angesehen, weil ich über den Golfkrieg im Zweifel war, sondern wie lange Sie noch um den heißen Brei laufen wollen, bis Sie mir sagen, ob Israel Atombomben hat. Also: Hat Israel Atombomben? "Ja."

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