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18. Eva Braun-Hitler (1912 - 1945).

Eva Braun Hitler

Henry Ford: "Frau Eva Braun, als ehemaliger Beobachter und Verehrer Ihres Mannes, Adolf Hitler, freue ich mich, ein Gespräch mit Ihnen führen zu können. Man hat gemunkelt, daß Ihr Mädchenname nicht Braun sei, sondern ein Pseudonym wegen Hitlers Vorliebe für das Braunhemd, das Braune Haus, die Braune Bewegung."

"Davon ist natürlich kein Wort wahr. Aus der Ahnenforschung geht hervor, daß mein Vorfahr, Kaspar Braun, 1617 in Tuttlingen geboren wurde und dort Stadtrat war. Seit der Zeit heißt unsere Familie Braun."

Ford: "Wie ist Ihre Jugend verlaufen? "


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"Ganz normal. Ich bin am 6. Februar 1912 in München geboren und in einem gutbürgerlichen Haus aufgewachsen. Mein Vater war Gewerbelehrer. Sein Wunsch nach einem Sohn erfüllte sich nicht. Wir waren drei Schwestern, und so nannte man uns das 'Drei-mäderlhaus'. Die Ehe meiner Eltern war sehr glücklich. Wir drei Töchter besuchten eine Klosterschule. Durch eine größere Erbschaft meines Vaters lebten wir in sehr guten wirtschaftlichen Verhältnissen. Mein Vater kaufte sogar einen BMW, für die damalige Zeit ein Luxus.

Im übrigen waren wir alle sportbegeistert. Ich tanzte leidenschaftlich gern und bin Ski und Schlittschuh gelaufen. In der Schule und im Freundeskreis machte ich viel Blödsinn, und ich hatte eine große Neigung zur Schauspielerei." Ford: "Wann und wo haben Sie Adolf Hitler kennengelernt?"

"Als ich mit 17 Jahren die Klosterschule absolviert hatte, wollte ich gern eigenes Geld verdienen. So ließ ich mich 1929 als Buchhalterin beim Kunstfotografen Heinrich Hoffmann einstellen. Er war ein enger Freund Adolf Hitlers. Und anläßlich eines seiner häufigen Besuche im Atelier lernten wir uns kennen. Das war im Oktober 1929. Dort sah ich Adolf Hitler also zum ersten Mal." Ford: "Kannten Sie damals Hitlers politische Aktivitäten?"

"Nein. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wer der Mann war. Politik interessierte mich nicht im geringsten. Und ich kann Ihrer eventuellen nächsten Frage zuvorkommen: Ich war niemals Mitglied der NSDAP."

Ford: "Hitler war doch wesentlich älter als Sie?"

"Ja, deswegen waren meine Eltern auch strikt gegen diese Verbindung. Adolf Hitler war 23 Jahre älter als ich. Er nannte mich oft 'Kindchen'. Das war aber liebevoll gemeint."

Ford: "Wann merkten Sie, daß Adolf Hitler sich für Sie interessierte?"


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"Er kam immer häufiger ins Atelier Hoffmann. Ich hatte mich mit der Tochter, Henriette Hoffmann, angefreundet. Und oft saßen wir alle im Familienkreis zusammen. Es wurde nie über Politik gesprochen. Hitler saß am Flügel und spielte, oder er rezitierte Klassiker. Seine literarischen Kenntnisse waren erstaunlich. Ich empfand ihn als eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit. Er war das absolute Gegenstück zur Karikatur, die Bert Brecht von ihm machte. Aber der war ja wohl durch und durch ein Schmierfink.

Eines Tages lud Adolf Hitler mich in die Oper ein. Er war sehr galant. Wir gingen anschließend essen. Aber wie auch später immer, in Begleitung seines Adjutanten.

Ich wußte, daß Hitler Frauen gegenüber außerordentlich zuvorkommend war und daß er keinen Unterschied machte zwischen den Damen der sogenannten ersten Gesellschaft, seinen Sekretärinnen oder kleinen Angestellten.

Aber ich spürte eine besondere Zuneigung zu mir. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit."

Ford: "Wie hat sich Adolf Hitler erkenntlich gezeigt, so daß Sie an seine Liebe glauben konnten?"

"Zu meinem Geburtstag 1933 schenkte er mir eine wertvolle, wunderschöne Schmuckgarnitur und 1935 eine kleine Villa in München-Bogenhausen."

Ford: "Wie verlief sonst Ihr Leben? Waren Sie viel zusammen?"

"Leider nicht. Ich lebte wie eine Frau, deren Mann viel auf Reisen ist. Ich mußte ja aus bekannten Gründen im Hintergrund bleiben. Ich habe also gewartet und gewartet und mich oft tagelang nicht vom Telefon gerührt. Einzig und allein seine Zuneigung half mir über die Einsamkeit hinweg. Ich wäre gern zum Film gegangen. Aber davon wollte Adolf überhaupt nichts hören. Um mich zu


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beschäftigen, habe ich meine Garderobe selbst geschneidert. Es machte mir Spaß, und ich sparte Geld dabei.

Ford: "Was änderte sich für Sie nach der Machtübernahme 1933?"

"Wenn Sie meinen, nun wären wir gemeinsam in der Öffentlichkeit aufgetreten, dann irren Sie. Mein Leben verlief weiterhin in Distanz. Der 30. Januar 1933 wird mir dennoch nie aus dem Gedächtnis gehen. Ich war zwar nicht in Berlin, aber ich habe alles am Radio verfolgen können und später in den Filmen gesehen. Eine solche Überschwänglichkeit und herzerfrischende Freude habe ich nur noch 1938 beim Zusammenschluß in Wien erlebt: So etwas kann man nur miterleben, um es zu erfassen. Ich hatte gehofft, daß sich nach 1933 für mich etwas ändern würde. Aber das war nicht der Fall. Ich sah ein, daß der Führer, so wurde er ja genannt, frei bleiben mußte, um die vielen und schweren Aufgaben für sein Volk unbelastet und frei von einer Frau oder gar Familie durchführen zu können. Im vertrauten Zusammensein sagte er: Wenn ich meine Aufgaben erfüllt habe, werden wir heiraten. Und während des Krieges sagte er: Wenn der Krieg vorbei ist, werden wir heiraten."

Ford: "Man sah Adolf Hitler sehr oft auf Fotos mit Kindern."

"Ja, und das waren keine zu Propagandazwecken gestellten Bilder. Er liebte Kinder abgöttisch und suchte immer deren Gesellschaft. Kleinen flehenden Kinderhänden konnte er nicht widerstehen. Und meine Zuneigung zu Kindern war mindestens ebenso groß. Aber leider mußte ich ja auf eigene Kinder verzichten. Darunter habe ich manchmal sehr gelitten."

Ford: "Sind Sie übrigens nach der Machtübernahme öfter in der Reichskanzlei gewesen?"


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"Aber sicher. Nur durfte ich nicht als Privatperson auftreten. Das heißt, ich war wohl privat dort, hatte aber einen Ausweis als Sekretärin."

Ford: "Haben Sie Persönlichkeiten kennengelernt, die zu offiziellen Besuchen in Berlin oder auf dem Obersalzberg waren?"

"O ja, eine ganze Reihe von Damen und Herren lernte ich in Berlin und Bayern kennen. Da waren zum Beispiel Charles Lindbergh, der erste Ozeanflieger mit seiner Frau, oder der ehemalige Präsident der USA, Hoover, dann der britische Premierminister Chamberlain, König Boris von Bulgarien, Aga Khan, Kardinal Pacelli, der spätere Papst Pius XII. und noch viele andere Gäste des Chefs."

Ford: "Sie sagten eben 'Chef'. Was hat das zu bedeuten?"

"Ach, sehen Sie, jetzt bin ich wieder in den alten Ton verfallen. Alle Leute um Adolf Hitler nannten ihn 'Chef'. Natürlich nicht in seiner Gegenwart."

Ford: "Haben Sie Auslandsreisen gemacht? "

"Ja, ich reiste jedes Jahr nach Italien. Ein besonders grandioses Ereignis war ein Staatsbesuch bei Mussolini und eine Flottenparade vor Neapel, nicht nur für mich, sondern für die ganze Begleitung. Übrigens nahm ich einmal mit einer Pilgergruppe an einer Audienz beim Papst teil; sogar mit dem traditionellen schwarzen Schleier. Hitler hatte nicht den geringsten Einwand. Er war wirklich sehr tolerant."

Ford: "Wohnten Sie in Berlin in der Reichskanzlei?"

"Ja. 1939 bezog ich dort eine eigene Wohnung. Sie war sehr geschmackvoll eingerichtet, und ich fühlte mich sehr wohl."

Ford: "Ihr 'Chef' war einige Male in Lebensgefahr."

"Ja, ich habe immer schreckliche Angst gehabt und oft aus Sorge um ihn geweint. Jede Trennung war für mich eine Qual. Ich hatte ihm gesagt, daß ich ihm sofort folgen würde, wenn ihm etwas zustoßen sollte."


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Ford: "Wie verlief für Sie persönlich die Kriegszeit?"

"Ich habe auf ihn gewartet, wie jede andere Frau, deren Mann im Felde war. Aber ich habe nicht zu Hause gesessen, sondern ich war dienstverpflichtet, ebenfalls wie andere Frauen. Ich arbeitete wieder bei Hoffmann in München."

Ford: "Was veränderte sich für Sie nach dem Attentat am 20. Juli

1944?"

"Die Nachricht erschütterte mich bis ins Mark. Erst als ein Brief von Adolf Hitler kam, in dem er mich mit 'mein liebes Tschapperl' anredete und mir versicherte, daß es ihm gut gehe, konnte ich mich einigermaßen beruhigen. Aber es war dann kein normales Leben mehr. Adolf bekam gesundheitliche Probleme. Zwar hofften wir immer noch auf einen annehmbaren Ausgang des Krieges, aber wir machten auch unsere Testamente. Unser Wille stand fest, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden, wenn es keine Aussicht auf einen für uns positiven Ausgang des Krieges gäbe. Vorher aber wollte Adolf Hitler sein Versprechen einlösen, mich zu heiraten."

Ford: "Frau Hitler, haben Sie Dank für Ihr Vertrauen!"

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