137

20. Dr. Kurt Schumacher (1895 -1952), ehemalige Vorsitzender der SPD.

Dr. Kurt Schumacher

Hearst: "Herr Doktor Schumacher, sind Sie ein Rechtsextremist und Rechtsradikaler?"

"Wer hat Ihnen denn diesen Unsinn erzählt? Wie kommen Sie überhaupt auf diese blödsinnigen Ausdrücke?"

Hearst: "Ich habe einmal nachgelesen, was Sie gesagt oder geschrieben haben, und da habe ich vieles gefunden, wofür Sie heute in der BRD eingesperrt oder zumindest vor den Kadi kommen würden. Distanzieren Sie sich denn von Ihren Äußerungen?"

"Ich habe keine Veranlassung, das zurückzunehmen, was ich einmal gesagt habe. Können Sie mir wenigstens ein Beispiel nennen, damit wir zur Sache kommen?"


138

Hearst: "Well, Doktor, Ich lese hier, Sie hätten 1951 folgendes gesagt:

'Keine deutsche Regierung und keine deutsche Partei können bestehen, welche die Oder-Neiße-Grenze anerkennen. Wir lehnen Nationalverrat ab!' Sind das etwa nicht Ihre Worte?"

"Aber selbstverständlich! Und dazu stehe ich auch! Sie werden sich dann wohl auch daran erinnern, was ich Adenauer an den Kopf geworfen habe: 'Sie sind der Kanzler der Alliierten!' Aber das war ja damals die USA-hörige CDU, die die Richtung der Politik bestimmte! Die SPD hat da eine ganz klare Linie bezogen, welche sie niemals verlassen wird.

Wer die Oder-Neiß-Grenze als deutsche Ostgrenze anerkennt, betreibt alles, was mit dem Begriff Verrat zusammenhängt: Vaterlandsverrat und Volksverrat!"

Hearst: "Doktor, Sie irren, wenn Sie der Meinung sind, daß die Vaterlandsliebe in der SPD heute noch ein positiver Begriff ist. Was sagen Sie zu diesem Wandel?"

"Dann müßte ich diesen Politikern ebenfalls an den Kopf werfen, sie seien Politiker der Alliierten. Vielleicht werden sie dafür sogar bezahlt?

Nach internationalem Recht ist es unzulässig, Gebietsabtretungen vorzunehmen, die nicht auf dem Boden des Selbstbestimmungsrechts der Menschen erfolgen. Es ist auch nicht zulässig, diese Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben oder gar zu ermorden. In einem solchen Falle muß ein Internationales Gremium dafür sorgen, daß die Zahl der ehemals in dem Gebiet Lebenden in die Waagschale geworfen wird. Also mit einem Wort. Eine Gewaltlösung ist verboten! Sollten sich deutsche Politiker finden, die einer solchen


139

Gewaltlösung zustimmen, so ist der Zustand des notwendigen Widerstandes erreicht. Die Politiker müßten zum Teufel gejagt werden!"

Hearst: "Die politische Lage in Deutschland hat sich grundlegend geändert. Sie, Doktor, und Ihresgleichen stehen auf der Abschußliste. Man könnte vorhaben, Sie nachträglich aus der SPD auszuschließen. Was sagen Sie dazu?"

"Das kann doch wohl nicht Ihr Ernst sein! Damit würde sich die SPD nicht nur auf eine Stufe mit den Nazis stellen, sondern sie wäre ja weit schlimmer. Damit würden die neuen Leute der SPD ja den ersten Schritt zum Untergang des eigenen Volkes machen!"

Hearst: "Das ist noch nicht alles. Ihre Genossen sind der Meinung, daß das deutsche Volk von Ausländern aller Farben unterwandert werden müßte. Einige sagen sogar, das deutsche Volk müßte als Volk restlos aufgelöst werden. Wer dagegenspricht, betreibe Deutschtümelei."

"Das ist ja nicht zu fassen. Ich setzte voraus, daß hier jeder zur Wahrheit verpflichtet ist. Somit erzählen Sie mir also keine Märchen. Aber ich will Ihnen sagen, wenn es sich tatsächlich so verhält, daß meine Genossen Volk und Vaterland verraten, gehören sie alle an die Wand gestellt, denn solch ein Verrat kann nur mit dem Tode bestraft werden. Ich bin erschüttert! Diese Lumpen sollen meinen Namen streichen! Ich habe nichts mehr mit ihnen zu tun!"

Hearst: "Doktor Schumacher, die aufrechten Deutschen können ihren Zorn verstehen. Leider herrscht aber in der BRDDR keine echte Demokratie, sondern eine rücksichtslose Parteien-Diktatur. Wir danken Ihnen für Ihre Offenheit!

"

***


Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Zum nächsten Kapitel
Zum vorhergehenden Kapitel
Zurück zum Archive