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21. Mohammed (570 - 632), der Religionsstifter des Islam.

Mohammed

Ford: "Mister Mohammed, man sagt, Sie hätten weder lesen noch schreiben können. Ist das wahr?"

"Ihr Tonfall läßt darauf schließen, daß Sie das so ein bißchen von oben herab sagen. Gut, wenn ich also nicht schreiben und nicht lesen konnte, so hat das noch lange nichts mit fehlender Lebenserfahrung zu tun. Ich kenne eine Menge Leute, die hervorragende Schreiber sind. Aber haben sie auch Ideen? Sehen Sie, mein Lieber, man sagt: Der Mensch kann noch so dämlich sein, er muß sich nur zu helfen wissen! Und das wußte ich. Viele der Schreiberlinge schreiben auf Teufel komm raus. Und wenn Sie das Zeug lesen, dann können Sie feststellen, daß sie


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dämlich und leer sind wie Stroh. Stroh kann man noch als Unterlage für Mensch und Tier verwenden und letzten Endes auch als Mist. Aber was die Leute schreiben, das kann man nicht einmal als Mist zum Düngen verwenden. Das ist eben der kleine Unterschied auf geistigem Gebiet oder, wenn Sie so wollen, auf dem Gebiet der praktischen Nutzanwendung." Ford: "Wie kamen Sie auf den Gedanken, eine neue Religion anzubieten?"

"Da spielt vieles zusammen. Erstens habe ich es auf meinen Karawanenzügen mit Juden und Christen und auch anderen Völkern zu tun gehabt. Ich konnte, wenn man Augen und Ohren aufsperrte, feststellen, welche Macht hinter solchen Glaubensansichten sich verbarg. Je nachdem, zu welcher Gruppe die Menschen gehörten, gab es Fanatiker, die für ihren Glauben durch die Hölle gegangen wären. Es kam eben nur darauf an, den Menschen das, was sie Glauben nannten, so klar und begriffsnah zu bringen, daß sie nur noch darin ihr Seelenheil sahen. Aber lassen Sie mich gleich dazu sagen! Nicht das Seelenheil allein ist ausschlaggebend. Man muß den Menschen diese Gedankenspiele so hautnah und auch gegenwartsnah bringen, wie nur möglich. Es richtet sich dabei nicht so sehr nach dem eigenen Vermögen der sprachlichen Vielfalt, sondern ebenso nach dem Vorstellungsvermögen der Zuhörer.

Dabei kommt es wiederum auf die Verbindung zur Wirklichkeit, also des tatsächlichen Lebens und zum Wunschdenken, an. Alle Menschen haben Wünsche. Zuerst beziehen sie sich durchweg auf das diesseitige Leben. Wenn hier aber nicht alles in Erfüllung gehen kann, was besonders bei den armen Schichten der Fall ist, dann muß man ihnen erzählen, wo sie die Erfüllung ihrer Wünsche mit Sicherheit erreichen können. Und das ist eben das jenseitige Leben. Das Leben im Paradies."


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Ford: "Sind Sie ganz allein darauf gekommen, diese Philosophie zu entwickeln?"

"Schön war's! Aber ich hatte ja soviel Vorbilder in den beiden Religionen: dem Christentum und dem Mosaismus. Täglich hatte ich doch mit diesen Leuten zu tun. Und da ging mir ganz langsam ein Licht auf, das immer heller wurde. Ich sah bereits alles vor mir: Ich konnte meine eigenen Probleme damit lösen, wenn ich den Menschen die größten Versprechungen machte. Allmählich wurde mir immer bewußter, daß weder ich noch sie selber ihre Wünsche im diesseitigen Leben erfüllen können. Deshalb mußte ich ihnen klarmachen, daß der eigentliche Lohn ihres Lebens sie im Jenseits erwartet. Hier, auf der Erde, könnten sie aber die künftigen Schätze anhäufen. Und je mehr sie sammeln, desto reicher würde ihr Leben im Jenseits sich gestalten. Alles ganz einfach, nicht wahr?"

Ford: "Ja, es hört sich plausibel an. Aber Sie schlugen Ihren Weg ja nicht ein, um den Leuten wirklich zu helfen. Welches waren Ihre Beweggründe?"

"Der Grund war ein sehr einfacher. Unser Leben auf den Karawanenzügen war gefährlich. Jede Gruppe kämpfte gegen jede. Hierbei wurde jede Hand gebraucht, die eine Waffe tragen konnte. So habe ich zuerst meine eigenen Leute angesprochen und ihnen erzählt, was mir Allah durch den Engel Gabriel aufgetragen hat, ihnen zu sagen."

Ford: "War es denn wirklich der Engel Gabriel?"

"Wie Sie sicher wissen, litt ich an epileptischen Anfällen. In diesem Zustand hörte ich alle möglichen und unmöglichen Stimmen. Dazu zählte auch der Engel Gabriel. Ob er es nun wirklich war, der zu mir sprach, weiß ich nicht. Es wird Ihnen aber jeder Psychiater bestätigen, daß der Patient nicht dafür verantwortlich gemacht


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werden kann, was er über seine sogenannten Wahrnehmungen später sagt."

Ford: "Waren Sie, Mohammed, ein Gehilfe Allahs?"

"Aber ganz sicher war ich das. Wie hätte Allah sonst all das unter die Menschen bringen können, was Sie heute im Koran nachlesen können?"

Ford: "Damit haben Sie soeben bewiesen, daß Ihr Koran hinkt. Es steht nämlich in ihm, daß Allah keinen Gehilfen nötig habe. Allah würde direkt dem Menschen kundtun, was zu geschehen sei. Was nun, Herr Mohammed?"

"Es wird schwer sein, Ihnen das zu erklären. Ein Moslem glaubt, ohne Fragen zu stellen. Das ist ja auch beim Mosaismus und beim Christentum so. Fragen, die an die Grundlage gehen, hat man nicht zu stellen. Fragen, die zur Auslegung gestellt werden, sind erlaubt."

Ford: "Womit Sie meine Frage auch noch nicht beantwortet haben. Also, bitte!"

"Machen wir es so: Ich war der letzte der Propheten. Ich wurde von Allah noch als Vermittelnder benutzt. Nach mir darf es keine weiteren Propheten geben. Haben wir uns jetzt verstanden?"

Ford: "Nun gut, ich will Ihnen dies einmal abnehmen. Aber nun haben Sie ja beim Islam noch Ihre Koran-Gelehrten. Da kann es sich nicht nur um Fragen der Auslegung handeln, denn es werden von ihnen grundlegende Dinge bestimmt. Wenn ich nur an den Ayatollah Khomeini denke!"

"Dann sind Sie eben noch kein Moslem, Herr Ford. Aber gedulden Sie sich nur, Sie werden es auch noch!"


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Ford: "Ich verstehe Ihren Scherz. Aber ich erkenne an Ihrem Gesichtsausdruck, daß Sie nicht mich meinen, sondern die Erdenbürger, die noch nicht begriffen haben, zu -welchen Zwecken Religionen mißbraucht werden."

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