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23. Prof. Theodor Heuss (1884 -1963), erster Präsident der BR Deutschland.

Theodor Heuss

Otto Schulz: "Herr Professor Heuss, es kann nicht jeder Deutsche Rechtsgelehrter oder Staatswissenschaftler sein. Zu meiner Zeit galt ein Volksgenosse etwas, wenn er seinen gesunden Menschenverstand walten ließ. Heute ist es anders. Man muß sich in Rechtsfragen auf politische Befehle stützen... "

"Darf ich Sie hier unterbrechen, Herr Schulz. Ich habe keine Ahnung, was Sie meinen und worauf Sie hinauswollen. Können Sie sich bitte kurzfassen?"

Schulz: "Ich will es versuchen. Ich habe an Ihren Amtsbruder Herzog einen Brief geschrieben, in dem ich ihm meine seelische Notlage schildere; aber er antwortet mir nicht. "


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"Ich muß Sie schon wieder unterbrechen. Lesen Sie mir einfach Ihren Brief an den Kollegen Herzog vor, und ich will versuchen, Ihnen an seiner Statt zu antworten. Einverstanden?" Schulz: "Ja, gern, Herr Professor. Hier ist der Brief vom 17. Mai 1995:

'Hochverehrter Herr Bundespräsident!

Da Sie nicht nur die erste Persönlichkeit im Staat sind, sondern auch Jurist, setze ich alle Hoffnung in Sie, daß Sie mir in der Beurteilung des heikelsten Problems, welches das deutsche Volk bedrückt, helfen. Es geht um den 'Holocaust' und parallele 'Verbrechen'.

Während der unendlichen Feiern zum Gedenken an die 'Befreiung am 8. Mai 1945' hatte ich den Eindruck, daß nur die Juden unter dem, was man mit 'Auschwitz' bezeichnet, gelitten haben. Wenn von '6 Millionen' gesprochen und geschrieben wurde, so war immer nur von Juden die Rede.

Wie ich höre, machen auch andere Gruppen ihre Verluste durch 'Vergasung' geltend: Zigeuner, Polen, Russen, Politische, Zeugen Jehovas, Kriminelle usw.

Seit den 'Nürnberger Prozessen' sind einige Beurteilungen und Urteile festgeschrieben, an denen nach Besatzungsrecht nicht gerüttelt werden darf, weil gewisse 'Tatsachen' 'offenkundig' seien und zu bleiben haben. Dies ist 'Nürnberg-amtlich' und so soll es auch bleiben! Was nun, da die Sowjets die Verantwortung für Katyn übernommen haben? Die Deutschen, als brave Erfüllungsgehilfen der Besatzungsmächte und deren Urteile, bleiben offiziell bei der Schuld der Deutschen. In der Öffentlichkeit wird die Wahrheit dieser Zwitterlage schamhaft verschwiegen! Welche Interessengruppen stecken dahinter? Hat man Angst, daß hier die Möglichkeit geboten wird, andere


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'Urteile', die unter dem Begriff der 'Offenkundigkeit' festgeschrieben wurden, genauer unter die Lupe zu nehmen? Während einer der 'Großen Feiern', an der auch Sie teilgenommen hatten, las ich in der Hessischen Allgemeinen einen Artikel, in welchem von 1,2 Millionen vergaster Juden die Rede war.

Jetzt komme ich zu meiner Kernfrage: Welche Zahlen über vergaste Juden sind gültig? Bleibt es bei den 6 Millionen, weil sie von den Siegermächten festgeschrieben wurden? Bleibt es bei den 1,2 Millionen, von denen in der Zeitung die Rede war? In Auschwitz soll es jetzt eine Gedenktafel geben, auf der 1,5 Millionen einschließlich der Juden und aller anderer Ermordeter, gedacht wird. Was ist also richtig? Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir eine gültige Zahl nennen wollten. Ich weiß, daß oft davon die Rede ist, man solle nicht 'aufrechnen' und sich nicht um genaue Zahlen bemühen. Da ich während des Krieges u. a. auch als Gerichtsoffizier tätig war, kann ich eine solche moderne Denkweise nicht verstehen. Selbst unter der Nazi-Herrschaft wurde nach allen vorgeschriebenen juristischen Regeln Recht gesprochen, und es wurde sehr wohl alles getan, um ein Verbrechen mit allen notwendigen Mitteln aufzuklären. Und Falscheide wurden geahndet.

Ich meine, wir sollten im heutigen Deutschland nicht unlauterer sein als die Nazis. Die normalen juristischen Spielregeln sollten eingehalten werden. Die Art einer gewissen juristischen Notverordnung, die allein auf dem Begriff der 'Offenkundigkeit' beruht, wird eines Tages kein gutes Licht auf die heutige Zeit werfen. Alle rechtschaffenen Politiker und vor allem die Juristen sollten diese Chance wahrnehmen und für alle Menschen sichtbar der Wahrheit zum Recht verhelfen.


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Was hilft es einem Menschen, der aufrecht durchs Leben gehen will, wenn er sagt: 'Ich leugne nichts! Aber warum scheut man den Weg, der die Wahrheit offenbar werden läßt?' Dies erinnert doch zu sehr an die Zeit der Inquisition, da sich die Sonne um die Erde drehen mußte. Hochverehrter Herr Bundespräsident, helfen Sie mir mit Ihrer ehrlichen Überzeugung. Ich würde Ihnen ewig dankbar sein.

Mit vorzüglicher Hochachtung!"

"Ja, mein lieber Herr Schulz, das ist ein gewichtiger Brief. Sagen Sie, ist das wirklich wahr mit den unterschiedlichen Zahlen der Opfer, die da von 6. Millionen über 1,5 bis runter auf 1,2 Millionen gehen? Warum zieht man nicht fundierte Prozesse durch, bei denen alle kriminaltechnischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden?"

Schulz: "Das ist es ja gerade, was diejenigen wollen, denen man blindwütig Revisionismus vorwirft. Wer am bestehenden Wirrwarr zweifelt, wird eingesperrt, bekommt eine hohe Strafe und muß obendrein mit seinem Vermögen an die Opfer der Nachkommen zahlen. Dafür hat man den Deserteuren und dem Massenmörder Harmann in Hannover ein Denkmal gesetzt."

"Herr Schulz! Jetzt reicht es mir aber! Sie wollen mich alten Mann wohl für dumm verkaufen?! Sie sollten sich schämen. Ich spreche kein Wort mehr mit Ihnen!"

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