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26. Pablo Picasso (1881 - 1963).

Pablo Picasso

Hearst: "Meister Picasso, mit Ihrem Namen verbindet man - für mein Kunstverständnis - den größten Blödsinn in der darstellenden Kunst. Dabei weiß ich, daß Sie in der Lage waren, hervorragende Bilder zu malen. Was ist echt an Picasso?"

"Was ist schon echt an mir? Mein Name? Der ist nicht echt, wenn man's genau nimmt. Picasso ist nämlich der Mädchenname meiner Mutter. Richtig müßte ich Rui y Picasso heißen. Und mit den Bildern? Ja, wissen Sie, auch in diesem Geschäft regelt sich alles nach Angebot und Nachfrage. Wenn da ein Verrückter kommt und


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weiß etwas Verrücktes in den Himmel zu loben, dann finden sich bestimmt noch ein paar Verrückte, die ebenfalls zum Fenster hinausspringen und denken, sie befinden sich im Erdgeschoß -dabei sind sie im 13. Stockwerk. Also, was soll ich mich wochenlang mit einem Gemälde herumquälen, wenn ich eine Sache in zwei, drei Stunden hinhauen kann und dafür das zehnfache Geld bekomme?

Da gibt es eine gewisse Kunstmafia, die alle sogenannten Kunstkritiker reihenweise übers Ohr haut. Wollen Sie es mir verübeln, wenn ich da mitmische?

Im Grunde ist es so, daß es sich um einen gigantischen Schwindel handelt, geistigen Betrug, wie ich ihn größer nicht gekannt habe. Und sehen Sie sich einmal an, wer da alles mitspielt. Die Medien sind sowieso nicht zurechnungsfähig. Die brauchen bloß von ihrem Herrn einen Knochen hingehalten zu bekommen und schon fangen sie an zu bellen, zu knurren oder auch zu beißen, je nachdem, was ihr Herrchen von Ihnen verlangt.

Interessant ist aber zu beobachten, daß die Mittelschicht, die also nicht soviel Geld hat, um Originale zu kaufen, sich Drucke oder Kopien in die Wohnung hängt, und meint, sie würden jetzt im Aufwind der Hautevolee mitsegeln. Die merken gar nicht, daß sie ihre eigene Dummheit an einer Fahnenstange zum Fenster hinaushängen.

Wer sich einen Sinn für Kunst und wahre ästhetische Schönheit bewahrt hat oder instinktiv besitzt, der wird auch die Charakterstärke aufbringen, ehrlich seine Meinung zur 'Moderne' zu äußern, nämlich, daß dies Schrott und miese Schmierereien sind. Genügt Ihnen meine Meinung über die 'Moderne' und ihre Anhänger?"

Hearst: "Ja, Sie haben es ganz ausgezeichnet formuliert. So soll es stehen bleiben. Aber eine andere Frage. Sie haben ebenfalls


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dieses verrückte Bild gemalt: 'Guernica'. Waren Sie dort? Haben Sie die Stadt so gesehen?"

"Legen Sie diesen Gigantismus zu dem eben Gesagten. Ich habe die Stadt nie gesehen. Da sollen ein paar Bomben am Stadtrand gefallen sein. Im übrigen heißt es zu dem Titel: 'Visionär der Schrecken des Krieges'."

Hearst: "Das war ein gutes abschließendes Wort, Meister Picasso. Ich danke Ihnen!"

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