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3. Reinhard Heydrich (1904 -1942) und das Wannsee-Protokoll.

Reinhard Heydrich

Hearst: "Hallo, Mister Heydrich! Das hier ist Herr Schulz, ein Landsmann von Ihnen. Wir befragen historische Persönlichkeiten zu bestimmten Ereignissen, mit denen die Menschen auf der Erde bis heute nicht klarkommen. Und Sie wissen ja, daß es hier keine Möglichkeit gibt, sich um die Wahrheit zu drücken."

"Na, das kann ja heiter werden! Was haben Sie denn auf dem Herzen?"

Hearst: "Über das Wannsee-Protokoll herrschen noch immer die verwirrendsten Geschichten. Gibt es ein solches Protokoll? "

"Ja, ja, ich bin im Bilde. Sie meinen also unsere Sitzung vom 20. 1. 1942. Über jede Sitzung wurde ein Protokoll geführt. Selbstverständlich auch über die am 20. l. 42. "


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"Können Sie uns sagen, welche Absicht gerade an diesem Tage zugrunde lag? "

"Es wurden in unregelmäßigen Abständen solche Konferenzen angesetzt. Als Teilnehmer gehörten dazu Spitzenbeamte der verschiedenen Ministerien, höhere Chargen der SS, Beamte der deutschen Dienststelle von Interpol. Vielleicht fragen Sie einmal Herrn Ernst von Weizsäcker; wenn ich mich nicht irre, war er am 20. 1. 42 auch dabei. Sie wollen also darauf hinaus, was es mit dem um die Erde geisternden Begriff 'Endlösung der Judenfrage' zu tun hat. Dazu muß ich Ihnen sagen, daß mir die Prägung gerade dieses Begriffes nicht in Erinnerung ist. Wenn ihm diese Bedeutung zugemessen wird, wie es auf der Erde jetzt geschieht, dann wäre er mir ganz bestimmt im Gedächtnis geblieben. Zur Frage des Protokolls kann ich klipp und klar sagen: Immer wurde ein Protokoll erstellt. Und es wurde, wenn ich die Sitzung leitete, auch von mir abgezeichnet. Die Protokolle wurden nicht jedesmal von ein und demselben Beamten geführt. Am 20. 1. 42 kann es Adolf Eichmann gewesen sein. Mit Bestimmtheit weiß ich es nicht mehr. Aber was ich sagen kann: Ich werde es abgezeichnet haben!

Da die Alliierten sämtliches Aktenmaterial beschlagnahmt haben, so wird sich gewiß auch das Protokoll vom 20.1.1942 darunter befinden. Sie brauchen also nur zu suchen! Und vergessen Sie nicht: Das Protokoll muß von mir abgezeichnet sein!"

Hearst: "Was stand denn damals auf der Tagesordnung, Herr Heydrich?"

"Wir haben tatsächlich darüber gesprochen, wie wir Europa judenfrei machen können. Im übrigen war dies unsere Absicht seit 1933! Warum hat man damals uns nicht gleich vorgeworfen, wir würden alle Juden umbringen wollen? Auf keinen Fall wurde 1942 von jemandem die Möglichkeit erwogen, die Juden physisch zu


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vernichten! Allerdings wurden die Probleme größer. Sehen Sie, die Juden hatten bereits am 24. März 1933, also kurz nach der Machtübernahme, dem Deutschen Reich einen Wirtschafts- und Finanzkrieg erklärt. Dies können Sie im 'Daily Express' nachlesen. Dazu gab es später weitere Kriegserklärungen von seiten der Juden. Am 8. September 1939 versicherte Chaim Weizmann, Präsident der 'Jewish Agency', dem britischen Premier Chamberlain: 'Ich wünsche in nachdrücklicher Form die Erklärung zu bestätigen, daß wir Juden an der Seite Großbritanniens stehen und für die Demokratie kämpfen werden.' Und im Eichmann-Prozeß (1960) bestätigte der Richter Halevy: 'Es gab tatsächlich eine Erklärung von Professor Chaim Weizmann, die man als Kriegserklärung des Judentums an Deutschland verstehen konnte.' Insgesamt kämpften zwischen 1939 und 1945 fast 1,5 Millionen jüdische Soldaten gegen Deutschland. Es gab viele jüdische Hinweise darauf, daß die Juden innerhalb des deutschen Machtbereichs dem Deutschen Reich jetzt noch mehr Schwierigkeiten bereiten wollten, da es im Kampf gegen den Bolschewismus stand. Und Sie, meine Herren, werden es noch besser wissen als ich, daß sich manche jüdische Organisation rühmte, in einer Art 'Fünfte Kolonne' in Deutschland aktiv gewesen zu sein. Aus diesem Grunde waren wir gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen, die Juden zu internieren, wie es alle Staaten gegen Angehörige der Feindstaaten machten. Dort hielt man diese Maßnahmen für legal, wir sollten unsere Feinde jedoch entgegen Völker- und Kriegsrecht ungeschoren lassen? Aber bleiben wir noch einmal bei dem sagenhaften Wannsee-Protokoll. Es gibt ja inzwischen eine ganze Reihe von diesen 'Protokollen'. Und von jedem wird behauptet, es sei das echte. Da gibt es eins, das immer wieder stark hervorgehoben wird. Nur in seinem Text will man etwas Bestimmtes nicht gelten lassen. Da


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werden nämlich Zahlen aufgeführt, über die seit 1933 bis zum Stichtag 31.10.1941 rund 537.000, einschließlich der aus der Ostmark und dem Protektorat, ausgewanderten Juden. Alles andere in diesem 'Protokoll' soll gelten, nur diese Zahl nicht, weil sie zu hoch sei!

Um noch einmal zu unterstreichen: Von einer 'Endlösung1 der Judenfrage in Europa im Sinne des heutigen Sprachgebrauchs, nämlich, daß damit die Ausrottung der Juden gemeint war, war nie die Rede! Vielleicht liegt hier auch ein willkommener Übersetzungsfehler vor.

Ich möchte darauf hinweisen, daß Hermann Göring in Nürnberg auf die Ursache der Falschinterpretation hingewiesen hat. Er verbesserte den Richter Jackson: 'Und jetzt kommt das entscheidende Wort, das falsch übersetzt wurde, es heißt hier (im Protokoll) nämlich "für eine Gesamtlösung" und nicht "für eine Endlösung". Damit, meine Herren, dürfte dieser Streitpunkt aus der Welt geschafft sein.

Hearst: "Mister Heydrich, war die SS nicht von vornherein den Juden gegenüber feindlich eingestellt?"

"Sie werden es kaum glauben, und die heutigen Geschichtsschreiber hören dies gar nicht gern: Wir von der SS hatten keineswegs ein feindliches Verhältnis zu den Juden. Wir haben nur erkannt, daß die Juden in Deutschland eine ungeheure Macht auf allen Gebieten erobert hatten und somit eine Politik betrieben, die nicht im Sinne des deutschen Volkes war. Ich will gern einräumen, daß es auch Juden gab, die absolut deutschnational eingestellt waren. Aber diejenigen, die dem deutschen Volk erheblichen Schaden zugefügt hatten, zählten natürlich nicht dazu. Es gab Thora- und Talmud- Juden, die auch unseren 'Nürnberger Gesetzen' zustimmten, weil sie ebenfalls für die Reinerhaltung ihres


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Judentums waren, wie wir für die Reinerhaltung des deutschen Blutes eintraten. Mit diesen haben wir gemeinsam die Auswanderung betrieben. Diese Juden verhandelten mit der SS, mit dem Wirtschaftsministerium, mit dem Außenministerium und der Gestapo. Wir richteten Ausbildungsstätten für solche Juden ein, die sich in einem besonderen Beruf weiterbilden wollten, um dann im Ausland, gegebenenfalls in Palästina, einen entsprechenden Beruf ausüben zu können.

Die Ausreise war finanziell mit Schwierigkeiten verbunden, weil wir eine Devisenbewirtschaftung hatten. Aber auch dieses Problem wurde gelöst. Für die Ausreise wurden besondere Fonds eingerichtet.

Für die Öffentlichkeit wird gewiß interessant sein, daß der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ernst von Weizsäcker, sich tatsächlich bemüht hat, das 'Rublee-Wohltat-Abkommen' zu Fall zu bringen. Diese Organisation wurde von dem New Yorker Rechtsanwalt Rublee ins Leben gerufen und sorgte für die reibungslose Abwicklung der jüdischen Ausreisewilligen. Hitler sanktionierte diese Tätigkeit.

Unsere Volkstumspolitik deckte sich mit der der jüdischen Fundamentalisten. Und halten Sie sich fest, meine Herren, das ging sogar soweit, daß wir ein Angebot von dem 'Irgun Zewai Leumi' erhielten, der uns die aktive Teilnahme am Krieg an der Seite Deutschlands anbot, wenn es gegen England gehen sollte, um Palästina für die Juden zu erobern.

Wir haben dieses Angebot Hitler vorgetragen, der aber keine Stellungnahme abgab. Es wurde auch nicht mehr darüber gesprochen."

Hearst: "Mister Heydrich, damit haben Sie uns eine völlig neue Situation der Verhältnisse zwischen den Juden und der deutschen Führung eröffnet. Wir danken Ihnen für dieses Gespräch!"


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"Es war mir ein Vergnügen, meine Herren, Ihnen etwas Neues zu erzählen. Vielleicht sehen wir uns noch einmal?"

Hearst: "Sehr gern, an uns soll es nicht liegen!"

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"Das sind ja nun unerhörte Neuigkeiten! Haben Sie schon mal davon gehört, dass Juden und die SS zusammen gearbeitet haben, Mister Schulz?"

"Kein Sterbenswort! Die Menschen auf der Erde würden ja Mund und Ohren aufsperren, wenn sie dies erfahren sollten. Aber wer soll es ihnen erzählen? Die Medien sind in Deutschland völlig mit Beschlag belegt. Das merkt man schon, wenn im Fernsehen Zeitzeugen vorgestellt werden. Es sind immer nur Leute, die mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun hatten. Das heißt, es kommen nur solche zu Wort, die dagegen waren. Da fängt doch schon der ganze Schwindel an!"

"Gut, Mister Schulz, nehmen wir uns morgen den nächsten Gesprächspartner vor. Sie werden sicher schon einen auf Lager haben."

"Ja, Herr Hearst, Sie werden doch von dem Attentat auf Hitler gehört haben. Am 20. Juli 1944 hat Graf Stauffenberg eine Bombe neben Hitler abgelegt, die ihn ins Jenseits befördern sollte. Wollen wir diesen Mann aufsuchen?"

"Ja, das kann interessant werden. Einzelheiten kenne ich nicht darüber."

"Da ich nun schon bei Ihnen gelernt habe, wie man ein Interview aufzieht: Was halten Sie davon, wenn ich die Sache in die Hand nehme?"

"Aber selbstverständlich, Sie werden sich in diesem besonderen Fall wohl auch besser auskennen. So long, Mister Schulz."

"Bis morgen, Herr Hearst!"

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