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4. Graf Stauffenberg (1907 - 1944) - der Hitler-Attentäter.

Graf Stauffenberg

Schulz: "Graf Stauffenberg, ich möchte Sie mit Mister Hearst bekanntmachen. Er ist der Gründer des Hearst-Presse-Imperiums in den USA. Um Licht in manche Ecken der Vergangenheit zu bringen, haben wir uns vorgenommen, historische Persönlichkeiten zu befragen. Wir hoffen, von Ihnen Aufschluß über Ihre Handlungen zu bekommen.

Sie werden von den zur Zeit in Deutschland aktiven Politikern als Held gefeiert, obgleich Sie doch ein Mörder sind. Wie sehen Sie

sich?"

"-----"


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Schulz: "Haben Sie meine Frage nicht verstanden, Graf Stauffenberg?"

"-----"

Schulz: "Ich sehe, Graf Stauffenberg, daß Sie eine schwere Verwundung haben. Vor allem fehlt Ihnen das linke Auge, und Professor Sauerbruch soll der Meinung gewesen sein, dass ein Geschoßteil noch in Ihrem Hinterkopf steckt und damit ein Gehirnschaden vorliegen kann. Ist es so?"

"Ja, Professor Sauerbruch hat dies geäußert. Aber ich kann meinen Zustand nicht beurteilen. Zu Ihrer anderen Frage: Ich fühle mich nicht als Mörder. Ich habe einen Tyrannen töten wollen." Schulz: "Ja, Graf Stauffenberg, Sie haben den Tyrannen töten wollen, aber andere tatsächlich getötet. Bereitet diese Tatsache Ihnen keine Schwierigkeiten?"

"Ich habe bei dieser Aktion nur solche Leute getroffen, die Hitler in seinem Machtwahn unterstützten."

Schulz: "Ich muß Sie verbessern. Sie trafen dabei auch den Stenographen Dr. Berger, der nur als Zivilist seine Arbeit erledigte."

"Das ist mir ganz entfallen. Dr. Berger habe ich nicht töten wollen. Es tut mir leid."

Schulz: "Erinnern Sie sich noch anderer Personen, die Ihnen nahestanden, und die Sie ebenfalls ermordeten?"

"Nein, es ist so lange her. Ich weiß es nicht." Schulz: "Können Sie sich an den Oberst Brandt erinnern? Er war ein Freund von Ihnen. Sie baten ihn, als Sie die Aktentasche mit der Bombe ablegten, auf diese Tasche zu achten. Fällt Ihnen diese Situation gar nicht ein?"

"Ja, ja, ich weiß es jetzt wieder. Ich wollte sichergehen, daß die Tasche nicht woanders hingestellt wird. Weitere Gedanken habe ich mir darüber nicht gemacht. Meine Absicht war, daß das


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Attentat endlich gelingt. Schließlich fordert solche Aktion auch Opfer."

Schulz: "Graf Stauffenberg, Sie sprechen von Opfern. Warum opferten Sie sich nicht selbst?"

"Ich hatte noch andere Aufgaben zu erfüllen. Es war notwendig, daß ich der Gruppe der Widerständler erhalten blieb." Schulz: "Als Sie nach dem Attentat in Berlin eintrafen, haben Sie mit Ihren Freunden des Widerstandes gegen Hitler telefoniert und ihnen gesagt, Hitler sei tot. Wie konnten Sie eine derartig falsche Meldung machen?"

"Ich war der festen Überzeugung, daß es Hitler getroffen hat, da ich die Bombe ganz dicht bei ihm abgelegt hatte." Schulz: "Graf, was hätten Sie mit einem einfachen Soldaten gemacht, der Ihnen eine solche Falschmeldung von dieser Tragweite erstattet hätte?"

"Lassen Sie mich nachdenken. - Ja, ich hätte diesen Mann wohl vors Kriegsgericht bringen müssen. Heute weiß ich auch nicht mehr, wie ich diese Meldung vom Tod Hitlers abgeben konnte, ohne es genau zu wissen. Es ist alles sehr schlimm. Vielleicht hat es doch etwas mit meiner Kopfverletzung zu tun." Schulz: "Sie sollen in jungen Jahren durchaus ein Anhänger Hitlers gewesen sein. Wodurch kam die Wandlung bei Ihnen, so daß Sie sogar zu diesem Attentat bereit waren?"

"Sie wissen, daß ich aus dem Adelsstand komme. Wir hatten eine lange Tradition. Heute sehe ich etwas klarer. Es war wohl nicht immer nur Tradition, was uns einte, sondern auch eine gute Portion Standesdünkel.

Zuerst sah ich in Hitler den Retter Deutschlands aus tiefster Not. Später hörte ich von Standesgenossen, wie man über diesen Gefreiten aus Böhmen herzog. Als Hitler auch noch meinte, den Generalen etwas vormachen zu können, da wurde die Abneigung


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gegen ihn innerhalb des Kreises der adligen Offiziere immer stärker. Es waren nicht alle Adligen gegen Hitler. Er hatte auch dort seine Anhänger. Aber ein großer Teil war eben doch mehr aus Standesgründen gegen ihn. In diesen Kreis bin ich dann hineingeraten.

Als der Krieg für Deutschland immer aussichtsloser wurde, wuchs auch bei mir die Überzeugung, das Schicksal für Deutschland ändern zu können, wenn man Hitler beseitigt." Schulz: "Es war also Ihre Absicht, das zu verhindern, was später eingetreten ist: Deutschland wurde geteilt, der ganze Osten wurde Polen und der UdSSR zugesprochen. Haben Sie gewußt, daß die Alliierten dem Deutschen Reich dieses Schicksal bereiten wollten?"

"Wir hatten wohl davon gehört, was die Alliierten vorhatten, aber wir waren der Meinung, dies wäre nur Goebbelsche Propaganda. Es gab ja auch etliche Politiker im Widerstand. Und die glaubten, daß die Alliierten nur Hitler beseitigen wollten, das Deutsche Reich aber solle bestehen bleiben. Wir hatten keine Veranlassung, daran zu zweifeln."

Schulz: "Graf Stauffenberg, das Deutsche Reich wurde zerschlagen, die Alliierten haben das Land aufgeteilt. Die deutschen Nachkriegspolitiker haben hoch und heilig versprochen, die Dreiteilung Deutschlands niemals hinnehmen zu wollen. Jetzt sieht aber alles anders aus. Regierung wie Opposition haben dafür gestimmt, auf die deutschen Ostgebiete zu verzichten, wie es die Alliierten von ihnen verlangten. Dieselben Leute feiern aber jedes Jahr den 20. Juli und Sie und die Widerständler als Nationalhelden. Was sagen Sie dazu?"

"Wenn das Attentat auf Hitler keinen Sinn hatte, so wäre es jetzt gerechtfertigt, diese Vaterlandsverräter zu beseitigen!"


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Schulz: "Graf Stauffenberg, wir danken Ihnen für Ihre Schlußworte!"

***

"Morning Mister Schulz! Ich bringe heute einen Landsmann mit. Sie werden gewiß den Namen kennen: Mister Henry Ford!"

"Guten Morgen, Herr Ford! Selbstverständlich kenne ich Sie, das heißt, Ihren Namen. Sie haben also den sagenhaften und in der ganzen Welt berühmten fahrbaren Untersatz ins Leben gerufen. Dazu kann ich Ihnen nur gratulieren!"

"Ja, nicht nur dadurch ist Mister Ford weltberühmt geworden, Mister Schulz. Er hat außerdem ein Buch geschrieben. Kennen Sie es nicht?"

"Muß man es kennen? Es ist mir peinlich, diese Bildungslücke zu haben. Wie lautet denn der Titel?"

"Ganz bestimmt ist dieses Buch auf dem Index der BRD. Der Titel lautet nämlich: 'Der internationale Jude'. Nun, schon mal davon gehört?"

"Nein, ist mir absolut unbekannt! Aber vielleicht kann ich mehr darüber erfahren?"

"Alles zu seiner Zeit, Mister Schulz. Ich habe Mister Ford von unseren Aktivitäten erzählt, und da wurde er neugierig. Er möchte sich uns gern anschließen. Was halten Sie davon?"

"Na, sind drei Interviewer nicht ein bißchen viel? Ich mache Ihnen einen anderen Vorschlag: Sie beide suchen sich den nächsten Gesprächspartner, und ich werde mich einer anderen Aufgabe widmen."

"Gut, machen wir es so! Bye, bye, Mister Schulz!"

"Auf Wiedersehen, meine Herren!"


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