Die Februarrevolution 1917

Blutströme sind schon seit jener verfluchten Zeit unter der Brücke der Geschichte geflossen, als die aufständische Kompanie des Reservebataillons des Wolynischen Garderegiments sich erhob, sich dem aufständischen Pöbel anschloß und im "glänzenden St. Petersburg" einen Aufstand inszenierte.

Der an und für sich unbedeutende "Brotaufstand", der leicht lokalisierbar war und am Anfang keine Gefahr darstellte, verwandelte sich in eine kolossale Explosion. Seine fürchterlichen Folgen spiegeln sich in der ganzen Menschheit wider: angefangen beim New Yorker jüdischen Bankier bis zu den jetzt unabhängigen und freien, aber immer noch "halbnackten" Papuas.

Niemand hatte je in diesen fernen Zeiten angenommen, daß das "wilde, zurückgebliebene, arme und despotische" Rußland jener Ausgangspunkt sein würde, auf dem der ganze Frieden, die Ruhe und das Wohlergehen aller Völker unserer kleinen Erdkugel beruhen. Viele verstehen es nicht oder wollen diese einfache Wahrheit auch bis zum heutigen Tage nicht verstehen. Ein Nebel von allerlei leeren, verleumderischen Erfindungen hat so die Geschichte Rußlands überzogen, daß nicht nur Ausländer, sondern auch Russen schon lange jegliche Orientierung verloren haben und die wirkliche Bedeutung weder vergangener noch heutiger Ereignisse verstehen.

Ungeachtet der "ministeriellen Bocksprünge" und anderer Unstimmigkeiten und Unregelmäßigkeiten des russischen Staatsmechanismus herrschte damals die Meinung, daß der Sieg Rußlands und seiner Verbündeten über Deutschland und Österreich Ende 1916 schon völlig gewährleistet sei. Die Armee, vom General bis zum letzten Soldaten, war gut ausgerüstet, vollkommen gelassen und vom nahen Sieg überzeugt. Es existierten keine für den

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Staat gefährlichen "revolutionären Stimmungen", auch nicht im tiefsten Hinterland. Jedem war klar, daß es nach so vielen Opfern und Entbehrungen am Vorabend des Sieges dumm wäre, eine Revolution anzufangen. Es wäre sinnlos und einfach verbrecherisch.

Aber zu unserer aller Unglück fand die Revolution nicht nur statt und riß den verdienten Sieg aus den Händen des russischen Volkes, sondern sie wurde von vielen mit großer Begeisterung aufgenommen, besonders in den Hauptstädten des Imperiums. Das Publikum, mit roten Bändern geschmückt, sang abgeschmackte Liedchen:

"Ehre dir, Freiheit, tralala!
Denn vom russischen Volk
hast du die Last genommen!"

In ihrer kindlichen Verzückung verstanden sie nicht, daß diese "Last" der notwendige Ballast für ein Schiff ist, der ihm Stabilität und Widerstandsfähigkeit bei Stürmen verleiht. Das Schiff wurde von seinem "Ballast" befreit und bekam schnell Schlagseite.

Weder die Agrar- noch die proletarische Revolution waren, wie allen bekannt, "groß und blutlos". Wenn man diese Periode der russischen Geschichte analysiert, kann man leicht falsche Schlußfolgerungen ziehen, daß nämlich die Imperiumsregierung, die das Land zur Schwelle des Sieges führte, "plötzlich" schwach wurde und in sich keine Kraft mehr fand, diese Schwelle zu übertreten und die Macht an Laien übergab. Ist das denn so gewesen?

Nach vielen Jahren des Schweigens wurde eine völlig erschöpfende Antwort auf diese Frage von einem Juden, Gregory Aronson, in seinem langen Artikel gegeben, der vor einigen Jahren in der Zeitung "Novoje Russkoje Slowo" gedruckt worden war. Ganz offen und ohne Vorbehalt bestätigte Aronson in diesem Artikel, der in bezug auf die Wichtigkeit und Wahrhaftigkeit ungewöhnlich ist,

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daß die Februarrevolution in Rußland das alleinige Werk von russischen geheimen Freimaurerlogen, den "Töchterlogen" der jüdisch-französischen "Grande Loge d'Oriente", war. Kerenskij, der zu dieser Zeit noch lebte, hat nicht nur die Worte Aronsons vollkommen bestätigt, sondern fügte noch hinzu, daß er von sich aus diese Frage nicht hätte anschneiden können, da er unter "Freimaurereid" stünde. Wie Aronson mitteilte, waren ausnahmslos ALLE Mitglieder der Provisorischen Regierung, natürlich einschließlich Kerenskij, Freimaurer.

Mit anderen Worten hatten die "Sieger" im voraus vorbereitete Kader verfügbar, welche sogleich die Macht an sich rissen.

Der Tätigkeitsbereich der Freimaurerlogen in Rußland bis zur ersten Revolution war für den einfachen Einwohner ganz undurchschaubar, aber er erfaßte weite Kreise der Bevölkerung, besonders jene Gruppen, deren Tätigkeit auf die Funktionen des Staatsapparates Einfluß nehmen konnten. Ein geheimer Freimaurer zu sein, war ganz schön "fortschrittlich", modern und auch im Sinne des Weiterkommens im Dienst und im Erwerb verschiedener weltlicher Güter nützlich. Die Freimaurer hielten viele Schlüsselpositionen im administrativen Apparat des Imperiums besetzt und hatten alle Möglichkeiten, auf den Verlauf der Ereignisse Einfluß zu nehmen. Faktisch gesehen gab es keinerlei Staatsgeheimnisse, die nicht sofort den Freimaurern bekannt wurden und die "auf Befehl" nach Paris in ihre "Mutterloge" weitergegeben wurden.

Welche Geheimnisse konnten ihrer Aufmerksamkeit entgehen, wenn sogar ein naher Verwandter des Zaren, der Großfürst Nikolaj Michailowitsch, ein bekannter Historiker, der zu allen wichtigsten Staatsarchiven Zugang hatte, auch Mitglied einer der russischen Freimaurerlogen war?

Der Großfürst Alexander Michailowitsch, Bruder des Nikolaj Michailowitsch, erwähnt in seinen Memoiren ein äußerst wichtiges Faktum, das der breiten Volksmasse

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wenig oder gar nicht bekannt ist: daß nämlich dreizehn Gardekavallerieregimenter auf persönlichen Befehl des Zaren von der Front nach Petersburg verlegt werden sollten, um mögliche Unruhen im Keime zu ersticken.

Weiter schreibt der Großfürst:

"Später erfuhr ich, daß Verräter im Hauptquartier, die unter dem Einfluß der Führer der Duma standen, sich erdreistet hatten, diesen Befehl zu widerrufen."

Die Freimaurer, die hohe Posten im Hauptquartier besetzten, erhielten von ihren Freimaurerbrüdern aus der Duma die Order, den Befehl des Zaren zu widerrufen. Somit ebneten sie den Weg für die Februarrevolution und all jenen "Wohltaten", die sie Rußland und der ganzen Welt brachten.

Die Worte des Zaren in seinem Tagebuch, daß "ringsumher Treulosigkeit und Verrat herrschen", bezogen sich wahrscheinlich auf diese Episode, die der ganzen Geschichte einen anderen Verlauf gab und die letztendlich die Vernichtung des Zaren, seiner ganzen Familie und vieler Verräter, einschließlich des Großfürsten Nikolaj Michailowitsch, zur Folge hatte.

Die Freimaurer, diese unbemerkten Feinde des russischen Kaiserreiches, begannen ihre Zerstörungsarbeit Anfang des letzten Jahrhunderts, als die Garde aus Frankreich zurückkehrte und in ihre Heimat jene Saat mitbrachte, aus der die Februarrevolution erwuchs. Natürlich gab es in Rußland auch vorher vereinzelte Freimaurerlogen, aber ihre Tätigkeit war unbedeutend und unmerklich. Die Organisation der nördlichen und südlichen Logen sowie ihrer Verästelungen kann man in den Zeitraum von 1815/20 zurückführen.

Als im Dezember 1825 die unveröffentlichte Abdankung des Großfürsten Konstantin eine plötzliche Verwirrung in Petersburg schuf, entschieden die Freimaurer, daß die Zeit zur Umwälzung reif sei und führten einige Gardeeinheiten auf den Senatsplatz hinaus. Wie bekannt, wurde

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dieser schlecht vorbereitete Aufstand schnell unterdrückt, hauptsächlich dank der energischen Aktionen des jungen Zaren Nikolaj I. Die Freimaurerorganisation wurde zerschlagen und ging in den Untergrund. Unermüdlich setzte sie ihre zersetzende Arbeit, die in Dunkel gehüllt und von Geheimnis umgeben war, unter der Devise fort: "Je schlechter (für Rußland), desto besser (für uns)."

In der Person P. A. Stolypins, einem Menschen mit ungewöhnlichem Willen, administrativem Talent und Furchtlosigkeit, sahen die Freimaurer ihren Todfeind. So wie Lenin begriffen sie wohl, daß, solange Stolypin an der Macht war, "große Erschütterungen" unmöglich waren. Man verfolgte ihn wie ein wildes Tier, und am l. September 1911 wurde er in Kiew getötet.

Der Rechtsanwalt Mordka (Michail) Bogrow, Sohn sehr wohlhabender Kiewer Juden, kam unter nicht geklärten und rätselhaften Umständen als Geheimagent zu der Kiewer Polizei und wurde in die Reihen jener Leibwächter abgeordnet, die den Zaren und Stolypin während der Theateraufführung beschützen sollten, die so tragisch endete.

Bogrow trat zu Stolypin, der im Parkett saß, und verwundete ihn tödlich durch einen Schuß aus seiner Dienstpistole. Die rechte Hand an die Wunde gepreßt, konnte sich Stolypin gerade noch zur Zarenloge drehen und mit der linken Hand den Zaren segnen.

Wer weiß, vielleicht hatte er in diesen Todesminuten die Vorahnung, daß auch sein Zar, dem er sein ganzes Leben lang treu diente, in naher Zukunft durch die Hände derselben "dunklen Mächte" sterben würde und schickte ihm seinen letzten Segen.

Beim Verhör hatte Bogrow niemanden verraten und wurde baldigst gehängt. Die in Wut geratene Kiewer Bevölkerung war bereit, alle Juden der Stadt zu erschlagen, und nur die energischen Maßnahmen der Regierung, die drei Kosakenregimenter nach Kiew schickte, brachte die-

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sen Versuch zum Stehen. Wie sich später herausstellte, hatte Bogrow am Morgen seines Verbrechens eine Zusammenkunft mit Bronstein (Trotzki) in einem Kiewer Cafe, offensichtlich um letzte Instruktionen zu erhalten. Man muß erwähnen, daß Trotzki am Anfang seiner politischen Karriere ein Freimaurer neunten Grades war.

Das Faktum der mehr oder weniger seltsamen Berufung solch einer wissentlich verdächtigen Person wie Bogrow in die Reihen der Leibwache des Zaren und Stolypins führt zu düsteren Überlegungen. Diese Berufung war natürlich von irgend jemandem vorsätzlich in die Wege geleitet worden. Der Polizeichef Lopuchin war Freimaurer.

Die Ermordung Stolypins war der erste Glockenschlag, der der Welt den baldigen Tod des zaristischen Rußlands verkündete. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Stolypin, der viel mehr als alle anderen die ganze Gefahr eines Krieges für Rußland sah, ihn hätte verhindern können, wenn er im Sommer 1914 gelebt hätte, als andere - oder dieselben! -"dunkle Mächte" die Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajewo organisierten. Wie seinerzeit behauptet wurde, hatten die Terroristen der "Schwarzen Hand", zu denen der junge Gabriel Princip gehörte, der Franz-Ferdinand ermordete, in der Spitze Verbindung zu den Freimaurerlogen Europas.

Die Petersburger Freimaurerrevolution traf die Fronttruppen völlig unerwartet. Sie nahmen in ihrer überwiegenden Mehrheit diese Umwälzung mit großem Mißtrauen, Zweifel und Angst um die Zukunft zur Kenntnis. Der Schreiber dieser Zeilen fiel fast aus seiner Hängematte im Unterstand an der Nordfront, als die monotone Stimme eines Brigadesoldaten des Nachrichtenwesens begann, ihm eine "kleine amtliche Mitteilung" von der Abdankung des Zaren durchzugeben.

Die folgende, sehr bezeichnende Episode kann die Vorstellung vermitteln, wie sich Urteilsvermögen besitzende Offiziere der russischen Armee zu dieser verbrecherischen und "blutlosen" Revolution stellten:

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In der 1. Einheit jener Artilleriebrigade, in der der Schreiber dieser Zeilen diente, gab es einen Oberleutnant Kurdjumow, der aus den einjährigen Freiwilligen zum Offizier ernannt wurde. Von Beruf war er ein studierter Agronom, der die Universität in Deutschland absolviert hatte. Obwohl nicht mehr ganz jung, ruhig, von hohem Wuchs und etwas mürrisch, war er unter den Soldaten sehr beliebt, und nach der Revolution wurde er von ihnen zum Delegierten ihrer Brigade ausgewählt und auf einen Armeekongreß nach Pskow geschickt. Auf einer der ersten Sitzungen des Kongresses bat Kurdjumow um das Wort, trat auf die Rednerbühne und begann statt der gewöhnlichen Dithyramben auf die "Freiheit" und all jene Wohltaten, die sie der Heimat brachte, mit Donnerstimme diese "Freiheit", all ihre "Errungenschaften", ihre Verteidiger und all jenes Pack zu beschimpfen, das sich an ihr festgesaugt hatte. Am Ende der Rede, im Zustand prophetischer Klarsicht, sagte Kurdjumow den ganzen künftigen Verlauf der Revolution, den Bürgerkrieg usw. voraus und warnte seine Zuhörer, die vor Überraschung wie erstarrt waren, daß die Mehrheit von ihnen bald als Opfer jener "Freiheit" fallen wird, die sie so hoch in den Himmel loben. Augenzeugen berichteten, daß der Effekt dieser flammenden Rede erschütternd war. Von niemandem aufgehalten ging Kurdjumow in sein Hotelzimmer, nahm seinen Trommelrevolver und erschoß sich.

In den ersten Tagen nach der Revolution war die Armee einfach von der unerwarteten Neuigkeit wie betäubt und fühlte instinktiv, daß in nicht allzu ferner Zukunft sie alle etwas Furchtbares erwartete. Einige wenige Auserwählte, wie Oberleutnant Kurdjumow, begriffen das völlig, andere jedoch ahnten die näherkommende große Not, konnten sie sich aber in ihrer Gänze nicht vorstellen.

Nebenbei hat 1955, und zwar noch lange vor Aronson, Jekaterina Kuskow, die mit den Freimaurerkreisen in Rußland in enger Verbindung stand, auch auf deren Einfluß auf

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die Revolution in folgendem Satz hingewiesen, der in der Zeitung "Rossija" vom 30. 7. 1971 gedruckt wurde: "Das Freimaurertum spielte wegen seines Einflusses in den höchsten gesellschaftlichen und militärischen Kreisen bei der Vorbereitung der Revolution eine gewaltige Rolle."

Die "Vorbereitung" wurde systematisch und ohne Unterbrechung getroffen. Die unglückliche Zarin wurde als Hauptobjekt des Angriffs auserwählt. Auf sie wurden Kübel allergrößten Schmutzes geleert, die, wie später bewiesen wurde, lauter unverschämte Lügen beinhalteten. Der giftige Klatsch, der von den Freimaurern in den "höchsten Kreisen" verbreitet wurde, drang schnell in die unteren Volksschichten ein und bereitete ihre Demoralisierung vor.

Der Höhepunkt dieses Kampfes gegen die Dynastie war die verräterische Ermordung Rasputins durch Fürst Jussupow und seine Helfershelfer. Bis heute wurde noch nicht der Beweis erbracht, ob Jussupow selbst Freimaurer war. Keine Zweifel bestehen aber darin, daß er über die Tätigkeit des Freimaurertums in Rußland Bescheid wußte, auch welche Ziele es verfolgte, da er mit der Nichte des Freimaurers Großfürst Nikolaj Michailowitsch verheiratet war und selbst auch der höchsten Spitze der russischen Aristokratie angehörte. Jetzt, nach einem halben Jahrhundert, ist es schwer, sich vorzustellen, was für einen "psychologischen Schock" dieses niederträchtige Verbrechen, das von Menschen verübt wurde, die dank ihrer hohen Stellung auf Straffreiheit rechnen konnten, bei den Volksmassen Rußlands hinterließ.

Die Mehrheit sah in der Ermordung des "Mönches" den deutlichen Hinweis, daß die Heimat am Rande des Unterganges stand, dessen Ursache irgendwelche "inneren Feinde" waren, die die Zarin umringten und daß "Patrioten", zum Äußersten getrieben, gezwungen waren, einen dieser "Feinde" zum Wohle des Landes von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Das "einfache Volk" verstand

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diese Ermordung noch einfacher: "Wenn schon die hohen Herren in Petersburg anfangen, selbst Männer zu erschlagen, dann ist der Karren total verfahren, alles ist verloren, es gibt keine Gesetze mehr, und - alles ist erlaubt!"

Die verbissenen Angriffe der linken Deputanten der Duma auf die Regierung und besonders auf Kerenskij, die von der "progressiven" Presse, deren Mitarbeiter in jenen Jahren fast nur aus Juden bestanden, aufgebauscht wurden, haben ebenfalls auf die Zersetzung der Massen Einfluß genommen.

Der wichtigste Faktor, der den Zerfall des Regierungsapparates in der Hauptstadt des Imperiums beeinflußte, war das Gift der Freimaurer, das systematisch in alle administrativen Organe eingeflößt wurde und die sich in der kritischsten Minute einfach weigerten zu funktionieren. So gaben sie völlig beabsichtigt dem verschwindend kleinen Aufstand der "Brotscheibchen" die Möglichkeit, sich in eine allrussische, allumfassende Revolution zu verwandeln. Daß die Freimaurer sie erwartet hatten und für sie völlig bereit waren, beweist die Tatsache der Zusammensetzung der "Provisorischen Regierung", in der ja ausschließlich Freimaurer saßen.

Man hatte nicht länger warten können: Ein gewöhnlicher Krieg an der äußeren Front wäre eine tödliche Niederlage für die inneren Feinde des Imperiums gewesen und hätte ihre ganze zersetzende Arbeit, die sie schon mehr als ein Jahrhundert fortsetzten, wieder auf den Nullpunkt zurückgeführt. Im Jahre 1825 nützten die Freimaurer den Zeitpunkt der Verwirrung, der mit der Frage der Zarennachfolgerschaft verbunden war. Im Jahre 1917 war es die Verwirrung um den Mehltransport.

Der Anlaß war an und für sich ganz unbedeutend, aber die Zeit drängte. Das siegreiche Rußland wäre in kurzer Zeit erste Weltmacht geworden und all die Millionen, die von den "Mächten" für seinen Zerfall ausgegeben worden

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waren, hätte man als reinen Verlust abbuchen müssen. Nicht umsonst hat der bekannte amerikanisch-jüdische Bankier Jakob Schiff nach dem Zerfall Rußlands geprahlt, daß dies hauptsächlich Sache seiner Hände (eher seiner Tasche) gewesen wäre, und es ihn eine Menge Geld gekostet hätte.

Den wichtigsten Anteil am Untergang des Imperiums auf russischer Seite hatten gerade jene Elemente, d.h. "die höchsten Kreise und Militärs", deren Wohlergehen und sogar ihr eigentliches Leben vollständig mit gerade diesem Imperium verbunden war, das ihnen alles gab, was sie hatten. - Paradox, aber ein Faktum! Vor vielen Jahren bemerkte Graf Rastoptschin in seinem bekannten Epigramm:

"In Europa erhebt sich der Schuster,
um Herr zu werden. Verständlich!
Bei uns aber machen Herren die Revolution.
Wollen sie denn Schuster werden?"

Nikolaj I. rettete auf dem Senatsplatz die meisten Vorfahren unserer Aristokratie vor der traurigen Aussicht, Schuster in der Fremde zu werden, obwohl er einige nach Sibirien verbannte, damit sie ihre Gedanken in andere Bahnen lenkten. Trotzdem ist anzunehmen, daß im großen und ganzen das Leben dieser Verbannten im fernen Sibirien doch viel besser und leichter war als das Leben ihrer Nachkommen in der Emigration. Viele von ihnen wurden tatsächlich zu Schustern, und einer der direkten Nachkommen des Fürsten Trubeckoj, der Anfang des letzten Jahrhunderts ein bekannter Freimaurer war und nach Sibirien verbannt worden war, mußte in Amerika als Zimmermann arbeiten.

Bekanntlich war die Aufgabe der Provisorischen Regierung, an deren Spitze der hohle, anmaßende und in sich selbst verliebte Schwätzer Kerenskij stand, das Land bis

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zur Gründungsversammlung zu führen. Es wäre genauer, wenn man diese totgeborene Versammlung nicht "Gründungs-", sondern "Spaltungsversammlung" benennen würde, da nach schon vorher ausgearbeiteten Plänen, die von den Freimaurern unterstützt wurden, Separatisten verschiedenster Färbungen für die Teilung des Imperiums in seine Bestandteile stimmen sollten. Der bekannte amerikanische politische Berichterstatter, der Jude Weintal, hat einmal auf den Seiten der Zeitschrift "Newsweek" ganz eindeutig erklärt, daß die jüdische Welt natürlich nicht ruhig sein kann, solange Rußland ungeteilt bleibt.

Was man in Amerika die "Institution" oder anders, die "Weltregierung" nennt, erhielt durch die russischen Freimaurer die Kontrolle über das größte territoriale Land der Welt. Es versteht sich von selbst, aber leider ist es lange nicht für alle verständlich, daß es im direkten Interesse der "Institution" lag, dieses Land im Ganzen und unversehrt zu belassen und es keinen gefährlichen sozialistischen Experimenten auszusetzen. Man beabsichtigte, Rußland in ein Konglomerat kleiner, natürlich "demokratischer" Republiken zu verwandeln und diese ruhig von außen, zum großen Nutzen und Vorteil der "Institution", zu regieren. Aber wie so oft im Leben kam alles ganz anders als geplant.

Die Freimaurer, die große Erfahrung in geheimer, zersetzender Arbeit an der Zerstörung ihrer Heimat hatten, waren ahnungslos, was die aufbauende Arbeit betraf. Sie kannten nicht jene innere Disziplin, die die ganze administrative Staatsstruktur zu einem Ganzen vereint. In ihrer Begeisterung über die "Freiheiten" haben sie völlig die Existenz des bekannten "Kamarinsker-Muschiks" vergessen, der bald darauf auf die Bühne trat, sich enthüllte und sich in seiner vollen Pracht zeigte. Wie man sagte, hatte selbst Kerenskij in den letzten Wochen seiner "Herrschaft" voller Verzweiflung ausgerufen, daß er erst jetzt ganz verstanden habe, über welche administrative Erfahrung die zari-

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stische Regierung verfügt hat und so ganz Rußland in Ordnung halten konnte.

Wie man auch erwarten mußte, war einer der ersten Akte der Freimaurer-Regierung in Rußland die Vergabe der vollen Bürgerrechte an alle Juden, die in jenen Jahren auf dem Territorium des Landes lebten, und deren Zahl etwa 3 % der Gesamtbevölkerung des Imperiums betrug. Außerdem wurde sofort eine Spezialkommission organisiert, die hauptsächlich aus Juden bestand. Sie hatte die Aufgabe herauszufinden, wer, entsprechend der in aller Welt lang verwurzelten "jüdischen Legende", aus der Administration Schuld an der Organisation der Pogrome in Südrußland hatte. Verlegenheit entstand: Es stellte sich heraus, daß es solche Leute nicht gab - und schnell wurde diese Sache vertuscht. Aber diese Legende, wie auch viele andere Legenden aus derselben Quelle, ist immer noch recht lebendig, und sie erscheint auch heute manchmal auf den Seiten der westlichen Presse.

Jetzt ist noch eine andere interessante Variante der russischen Geschichte im Umlauf. Die Freimaurer-Februarrevolution, die den Juden Gleichberechtigung schenkte, wird von gewissen amerikanischen "Experten für russische Angelegenheiten" vollständig aus den Analen der Geschichte gestrichen, und die aktive Teilnahme der Juden an der kommunistischen Revolution erläutern sie damit, daß angeblich Lenin & Co. die ersten waren, die den Juden in Rußland alle Bürgerrechte schenkten und damit ihre dankbaren Herzen eroberten.

Das, was in Jahrhunderten geschaffen worden war, haben die Freimaurer mit Hilfe des "Kamarinsker Muschiks" in einem halben Jahr zerstören können. Die Bazillen des Kommunismus, die dem russischen Organismus ganz fremd waren, hätten keinerlei Chancen auf Erfolg gehabt, wenn nicht die Freimaurer, ganz ungewollt, für sie die passende "Zersetzungskultur", ähnlich jener künstlichen Kulturen, auf denen Mikroorganismen in

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Laboratorien gezüchtet werden, vorbereitet hätten. Nach persönlichen Aussagen von Lenin hätten die Bolschewisten aber sogar in diesen für sie angenehmen Umständen keinerlei Chancen auf den Sieg gehabt, wenn sie nicht die volle Unterstützung und das Mitgefühl von hunderttausend sogenannter "Kleinstadtjuden" gefunden hätten, die während des l. Weltkrieges aus den westlichen Gouvernements nach Zentralrußland evakuiert wurden. Ihre Kader bildeten jenes administrative Gerippe, das den Kommunismus in der kritischsten Periode seiner Existenz rettete und ihm den Endsieg sicherte.

Mit derselben vollen Offenheit, wie Aronson über die Beteiligung der Freimaurer an der Februarrevolution schrieb, hat ein anderer Jude, Prof. Samuil Goldelman, einen bemerkenswerten Artikel geschrieben, wie nämlich die "Kleinstadtjuden" die Revolution Lenins unterstützten und retteten, und wie es ihnen die Nachfolger Lenins heimgezahlt haben. Der Artikel wurde im Bulletin des "Instituts zur Erforschung der UdSSR" Nr. 4/32, 1959, München, abgedruckt. In ihm wurden die oben erwähnten Worte Lenins angeführt, die er seinem jüdischen Freund Dimanstein sagte. Die Artikel des Prof. Goldelman und des Journalisten Aronson sind "Schlüsselartikel", die äußerst selten in der heutigen Presse erscheinen. Für einen Augenblick, wie das Aufflammen von Magnesium, beleuchten sie die dunklen Winkel der Geschichte. Sobald aber das Aufflammen verschwindet, gewöhnt sich das Auge des Publikums sofort wieder an die trübe Dunkelheit und alles ist sogleich vergessen.

Die Aufgabe des Autors dieser Zeilen ist es, diese Blitze zu summieren und sie auf einen Hauptnenner zu bringen. Man kann hoffen, daß sie in dieser Form besser in der Erinnerung unserer Nachkommen hängenbleiben.

Die Originalworte Lenins, angeführt im bemerkenswerten Artikel Goldelmans, waren wie folgt: "Diese jüdischen Elemente wurden gegen die Sabotage (der Russen) mobili-

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siert, und auf diese Weise hatten sie die Möglichkeit, die Revolution in diesem kritischen Moment zu retten. Wir konnten den administrativen Apparat nur deswegen an uns reißen, weil wir diesen Vorrat an vernünftiger und gebildeter Arbeitskraft verfügbar hatten."

Alles ist klar und völlig präzise ausgedrückt. Die wenigen, die noch am Leben sind und mit ihren eigenen Augen die Revolution in Rußland sahen, erinnern sich gut an diese "Kraft" und wie sie mit dem russischen Volk abrechnete. Die Zahl der "mobilisierten" Juden belief sich bis zu 1,4 Millionen Menschen, und ein beachtlicher Teil dieser "Rekruten" strömte zu der sich formierenden "Tscheka" und besetzte in ihr alle Befehlsposten.

Ein gewisser Nowak, ehemaliger Kommunist und aller Wahrscheinlichkeit nach Jude, hat in einem Artikel in der "Saturday Evening Post" vom 28. 5. 1960 die Worte Lenins voll bestätigt. Er schrieb folgendes:

"Die russischen Juden, die von den Zaren unterdrückt worden waren, haben ihr Schicksal mit der Revolution 1917 von Anfang an verbunden und die Ideale des Kommunismus unterstützt.

Die jüdische Intelligenz stand an der Spitze der Revolution und war in der schwierigsten Periode ihr Führer.

Aber die sowjetische Revolution hat, wie auch alle anderen Revolutionen, ihre Kinder gefressen."

Es ist unumgänglich, hier auch ein anderes "Paradox" der russischen Geschichte zu erwähnen, das von niemandem irgendwo je angeführt wird. Die jüdisch-französische "Grande Loge d'Oriente" hat durch ihre russischen "Töchter" die Macht über ein riesiges Land - Rußland - ergriffen. Das Schwindelgefühl über diesen Erfolg war selbstredend dem Umfang dieser Beute proportional. Aber es gelang nicht, sie zu verschlucken, und dieser Leckerbissen wurde in allerletzter Minute grob der Kehle entrissen.

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