4. Auschwitz

4.1. Einleitung

4.1.1. »Eine Oper im Holocaust

Wir alle kennen den Namen Auschwitz. Die meisten könnten es als ein Todeslager für Juden bezeichnen. Viele könnten hinzufügen, daß es in Polen liegt. Viele wären sich über die Details unsicher, aber den Namen kennen sie. Auf jeden Fall können wir dem Namen nicht ausweichen

Das übliche Bild von Auschwitz ist das einer unaufhörlichen, methodischen und zentral-geplanten Vernichtung der Juden. (Nein, nicht der jüdischen Rasse. So etwas gibt es nicht.)

Über den totalen Schrecken dieser Stätte gibt es viele Berichte, die überall vorhandene Atmosphäre des Leidens, des drohenden Todes und natürlich des Todes selbst; der unvermeindliche Tod; der massenhafte Tod. Könnte es an einem solchen Ort ein Schwimmbad für die Internierten gegeben haben? Könnte es ein soziales/erzieherisches/geistiges Zentrum gehabt haben, organisierte Diskussionsgruppen, Konzerte, Theater, einen Kinderchor, und Opernvorstellungen, alles von Häftlingen für die Häftlinge durchgeführt? Das ist natürlich unmöglich. Das könnte nicht Teil des Bildes sein, das wir alle kennen.

Und dennoch: denjenigen, die bereit sind, auch jene Bücher, Zeitschriften und Videos durchzustöbern, die die weniger gängigen Sichtweisen und Beweise aufzeigen, sind diese Behauptungen bekannt.

Das Schwimmbad kann auf einer Vielzahl von Abbildungen verschiedener Luftbilder aus der Kriegszeit gesehen werden. Die können freilich gefälscht worden sein; aber man sieht das Schwimmbad ebenso auf einem erst vor kurzem aufgenommenen Video des heutigen Lagers Auschwitz. Das Video, das ein recht überraschendes Interview mit dem Direktor des heutigen Auschwitz-Museums enthält, wurde von David Cole hergestellt.

Herr Cole ist ein amerikanischer Jude. Vielleicht ist ja auch sein Video gefälscht. Wenn aber die anderen oben erwähnten Einrichtungen bestanden, so wird auch die Existenz eines Schwimmbades plausibel.

Bezüglich Beweisen für die Realität der anderen Einrichtungen laßt uns keine geringere Quelle zu Rate ziehen als die Jerusalem Post (Lokalausgabe) vom 25. Januar 1995, Seite 7.

Die mir aus Israel zugesandte Originalausgabe dieser Ausgabe liegt mir vor. Darin wird ein halbseitiger Artikel mit der Überschrift "Inmitten des Mordens sangen Kinder über brüderliche Liebe" eingeleitet. "Der 10-jährige Daniel K. kam im Jahr 1943 in Auschwitz an. Der heutige hiesige Universitätsprofessor hält nun eine Rückschau auf eine andere Facette des Todeslagers", so lautet die Einleitung. Und Professor K. schreibt dann:

"Der Chorbeitrag für (Beethovens Neunte Symphony) stammte 1943 ... vom jüdischen Knabenchor von Auschwitz-Birkenau... Ich war Mitgleid dieses Chors... Ich erinnere mich noch an mein erstes Engagement in Kultur, Geschichte und Musik - in diesem Lager... Im März 1944 war ich schwer an Diphterie erkrankt und wurde daher in die Krankenbaracken verlegt. Meine Mutter bat, daß auch sie überstellt wird, um bei mir im Krankenhaus zu bleiben [Prof. K. gibt nicht an, ob dies erlaubt wurde.]... Die Krankenschwester, Doktoren und Patienten überlebten..."

Wozu Krankenschwestern, Doktoren und sogar ein Krankenhaus für Menschen, die doch dahin geschickt wurden, um ermordet zu werden? Warum wurde der Junge ernährt, gekleidet und für zwei bis drei Jahre untergebracht? Daniel K. fährt fort:

"Einer der Jugendführer unserer Gruppe... bat, ein Erziehungszentrum für die Kinder einrichten zu dürfen. Es wurde ihm erlaubt, und in kurzer Zeit wurde das Erziehungszentrum ein geistiges und soziales Zentrum im Familienlager. [Ein Familienlager!] Es war die Seele des Lagers. Musicals, Theatervorführungen, einschließlich einer Kinderoper, wurden in diesem Zentrum vorgeführt. Es gab dort Diskussionen über verschiedene Ideologien - Zionismus, Sozialismus, Tschechischer Nationalismus... Dort war auch ein Dirigent namens Imre,... (der) einen Kinderchor aufstellte. Die Proben wurden in einer großen Waschhalle durchgeführt, wo die Akustik gut war... Im Herbst 1944 wurden große Massen an Häftlinge, die arbeitsfähig waren, nach Deutschland geschickt." Ende des Zitats.

Aha, "große Massen" von ihnen wurden also arbeitsfähig erhalten! Ich habe hier absichtlich die üblichen Verweise auf die Vernichtung, die Gasöfen und so weiter ausgelassen; die kann man bis zur Vergasung überall um uns herum finden.

Meine Absicht ist, die zugegeben Existenz dieser Erholungseinrichtungen ins Bewußtsein zu bringen. Ihre Existenz kann nicht mehr angezweifelt werden. Ihre Existenz wirft ein neues und Gedanken anregendes Licht auf jene üblichen Geschichten, die wir alle kennen. Könnte es sein, daß Auschwitz nicht ganz jener Ort war, als der er üblicherweise beschrieben wird?«

Der obige Artikel von Dan McSweeney wurde am 1. Mai 1997 in der australischen Zeitung Killoy Sentinel (New South Wales) veröffentlicht. Das darin beschriebene, tatsächlich augenöffnende Video von David Cole kann auch heute noch bezogen werden.[69] Die in dem obigen Artikel beschriebenen Erholungseinrichtungen sind auch in der normalen Literatur keineswegs so unbekannt, wie es hier dargestellt wird. Vielmehr wimmelt es in der Erlebnisliteratur und der sich damit befassenden Sekundärliteratur nur so von derartigen Berichten über Krankenhausaufenthalte, aufwendiges Gesundpflegen schwer erkrankter, "arbeitsunfähiger" Personen, Zahnarztstationen, Kindergärten, Konzerte, Sportveranstaltungen (Birkenau hatte einen eigenen Fußballplatz), Freigänge in die Stadt Auschwitz usw. Diese Darstellungen sind freilich nicht dominant. Sie werden nebenbei erwähnt, neben den bekannten Schrecken und Greuel. Erst, wenn man diese Dinge bewußt sucht und sie zusammenträgt und auflistet, wird einem bewußt, welch paradoxes Bild diese Zeitzeugen von Auschwitz zeichnen - und beileibe nicht nur von Auschwitz. Dies sollte jedem von uns wahrlich »Gedanken anregend« sein. Eine konsequente Analyse der sich inzwischen schier unendlich ausdehnenden Zeitzeugenberichte unter diesem Blickwinkel ist erst noch zu erstellen. Wer wagt sich an diese undankbare Aufgabe heran?

4.1.2. Zur Geschichte des Lagers

Obwohl der Name des oberschlesischen Ortes Auschwitz als Synonym benutzt wird für das häufig als in jeder Hinsicht »einzigartig« bezeichnete vermeintlichen NS-Verbrechen der industriellen Judenausrottung, gibt es bisher weltweit zu diesem Konzentrationslager keine abgeschlossene Darstellung.[70] Im wesentlichen lohnt es sich eigentlich nur, unter den in die Tausende gehenden Werken zu diesem Thema drei hervorzuheben:

Danuta Czechs Kalendarium, ein Werk der polnisch-kommunistischen Nachkriegspropaganda, ähnelt einer katalogartigen, chronologischen Aneinanderreihung von tatsächlichen und erfundenen Einzelereignissen, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, durch eine kritische Sichtung des bestehenden Materials ein in sich schlüssiges Bild der Lagergeschichte zu entwerfen.[71]

Jean-Claude Pressacs Werke konzentrieren sich fast ausschließlich auf nur fünf Gebäude des Lagers, die Krematorien,[67],[72] jedoch versagt er mangels technischer und architektonischer Fähigkeiten jämmerlich, was die selbstgestellte Aufgabe anbelangt, die Technik und Funktionsweise dieser Gebäude zu klären.[73]

Robert van Pelt und Deborah Dworak behandeln in ihrer Geschichte der Stadt Auschwitz das Thema des Konzentrationslagers nur mit mäßigem Tiefgang.[74]

Abbildung 10: Landkarte der Umgebung von Auschwitz aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die Grenzen des Werksgeländes der IG Farbenwerke wurden nachträglich eingetragen und zeigen das Fabrikgelände nur annähernd. Das Gelände des KGL Birkenau entspricht dem Planungszustand für 1945, der de facto nie erreicht wurde. (Zum Vergrößern anklicken)

Abbildung 11: Lageplan des Kriegsgefangenenlagers Auschwitz I/ Stammlager, nach Informationsbroschüre des Staatlichen Museums Auschwitz 1991. (Zum Vergrößern anklicken)

Block 1 - 28: Wohnblocks
a: Kommandantenwohnhaus
b: Hauptwache
c: Lager-Kommandantur (Blockführerstube)
d: Verwaltungsgebäude
e: SS-Lazarett (SS-Revier)
f,g: Politische Abteilung l: Warenlager, Theatergebäude
h: Krematorium I mit "Gaskammer"
i: Wache beim Eingangstor zum Lager
j: Lagerküche
k: Aufnahmegebäude
m: neue Wäscherei

Abbildung 12: Lageplan des Kriegsgefangenenlagers Auschwitz II/Birkenau, rund 2 km nordwestlich des Stammlagers, Bauzustand Ende 1944. Die ausgefüllten Gebäude existieren noch heute, teilweise allerdings nur als Ruinen bzw. Fundamente (Krema II-V), der Rest wurde von polnischen Zivilisten nach Kriegsende als Baumaterial abgerissen. Nach Informationsbroschüre des Staatlichen Museums Auschwitz 1991. (Zum Vergrößern anklicken)

BI-III: Bauabschnitt I - III
BIa/b: Frauenlager K V: Krematorium V mit "Gaskammer"
BIIa: Quarantänelager
BIIb: Familienlager
BIIc: Ungarisches Lager 
BIId: Männerlager 
BIIe: Zigeunerlager  13
BIIf: Krankenrevier für Häftlinge
S: Zentralsauna, Heißluft-/Dampfentwesung
T: Teich
1: Bauwerk 5a - Zyklon B-Sachentwesung
2: Bauwerk 5b - Zyklon B-Sachentwesung
3: Häftlingsbaracke Nr.
4: Häftlingsbaracke Nr. 20
5: Häftlingsbaracke Nr. 3
K II: Krematorium II mit "Gaskammer"
K III: Krematorium III mit "Gaskammer"
K IV: Krematorium IV mit "Gaskammer"

Alles andere, was man in den Regalen der Büchereien findet, ist zumeist ein Sammelsurium aus Erlebnisberichten, angesiedelt zwischen ernsthaftem Dokumentationsversuch und niveauloser Belletristik.[75]

Erst seit Anfang der 90er Jahre, also seit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Osteuropa, sind uns die Akten jener Dienststellen des Dritten Reiches zugänglich, anhand derer sich überhaupt erst eine zuverlässige Geschichte des Lagers Auschwitz schreiben läßt. Es sind dies insbesondere die Akten der Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Auschwitz,[76] die in Moskau aufbewahrt werden, die Akten des Kriegsarchivs der Waffen-SS im Militärhistorischen Archiv in Prag sowie die im Auschwitz-Museum aufbewahrten Akten des KL Auschwitz. Da es sich bei diesen Unterlagen um über hunderttausend Dokumente handelt, wird man wohl noch einige Jahre warten müssen, bis man mit einer wirklich fundierten Arbeit zum Thema Auschwitz wird rechnen können. Daß mit dieser anstehenden Untersuchung durchaus weitere massive Revisionen unseres Bildes vom KL Auschwitz zu erwarten sind, wird man wohl als sicher annehmen dürfen.

Ich werde mich daher, was die kurze Übersicht über die Geschichte des Lagers Auschwitz angeht, im folgenden wesentlich auf die Ausführung von Jean-Claude Pressac beziehen, wo diese unstrittig sind,[67][72] zumal Pressac weithin als die Autorität hinsichtlich der Technik von Auschwitz gepriesen wird.[77]

Die Anlagen des am Rande der Stadt Auschwitz gelegenen Lagers Auschwitz I, auch Stammlager genannt, sind ursprünglich Teile einer Kaserne der K. u. K.-Monarchie (später Polens) gewesen, die nach dem Krieg gegen Polen in ein Konzentrationslager umgewandelt wurden. Das Lager Auschwitz II, in der Nähe des Dorfes Birkenau gelegen (daher auch Auschwitz-Birkenau), wurde nach Beginn des Rußlandfeldzuges neu erbaut, offiziell als Kriegsgefangenenlager der Waffen-SS zur Aufnahme der russischen Kriegsgefangenen. Beide Lager gehörten zu einem komplexen System mit über 30 weiteren kleineren Lagern in Oberschlesien, die Arbeitskräfte für die bei Auschwitz in großem Ausmaß von den Deutschen neu errichtete chemische Industrie bereitstellen sollten, u.a. den oberschlesischen BUNA-Werken der I.G. Farbenindustrie AG zur Kohleveredelung (Kohleverflüssigung und -vergasung zur Kunststoff- und Betriebsstofferzeugung, siehe Abbildung 10). Das Lager Birkenau diente u.a. der Aufnahme der nicht zur Arbeit fähigen Gefangenen. Die Lagerkapazität für den anvisierten Planungsendstand von 200000 bis 300000 Insassen war einzigartig unter den vom 3. Reich geführten Lagern. Diese Größe wurde allerdings nie erreicht.

Das Zusammenpferchen großer Menschenmengen auf engstem Raume in Lagern, deren sanitäre Infrastruktur erst im Entstehen war, brachte in allen Lagern des Dritten Reiches schwere gesundheitliche Probleme mit sich. Sowohl Häftling wie auch die zu Hunderten im Lager arbeitenden Zivilisten (Deutsche und Polen) konnten allerlei schmarotzende Insekten wie Läuse ins Lager einschleppen. Läuse aber sind die Hauptüberträger der in Osteuropa damals öfter auftauchenden Fleckfieber-Erreger. Die Lager erhielten daher - zum Verhängnis aller zum Teil erst nach einiger Zeit - Hygieneeinrichtungen, darunter auch umfangreiche Entwesungseinrichtungen, in denen die Kleidung und die Habe der neu aufgenommenen Häftlinge entwest wurden, beispielsweise mit dem damals zu diesem Zwecke üblichen Insektizid Zyklon B (Blausäure auf einem porösen Trägermaterial adsorbiert). Die Häftlinge selbst wurden geschoren[78] und mußten sich in Duschen gründlich säubern. Aufgrund der bisweilen unzureichenden Ausstattung der Lager mit Entwesungsanlagen und -mitteln sowie durch die Unachtsamkeit bei der Entwesung der im Lager arbeitenden Zivilisten brachen immer wieder Fleckfieberseuchen aus, denen Insassen in hoher Zahl wie auch einige Bewacher zum Opfer fielen.

Wegen der hohen Sterblichkeitsrate in den Lagern waren diese mit Leicheneinäscherungs-/Kremierungsanlagen ausgestattet. In Birkenau plante man aufgrund einer im Sommer 1942 verheerend wütenden Fleckfieberseuche, bei der in den schlimmsten Wochen täglich mehr als 300 Insassen starben, vier Kremierungsanlagen, mit denen man in Zukunft hoffte, der Toten Herr zu werden. Von diesen vier Krematorien fielen allerdings zwei kurz nach Inbetriebnahme aus. Wegen der offensichtlich zu großen Kremierungskapazität im Lager wurden diese nicht mehr repariert. Das Stammlager in Auschwitz besaß nur eine Kremierungsanlage, die mit Inbetriebnahme der Anlagen in Birkenau stillgelegt wurde.

Die Geschichtsschreibung geht in der Regel heute davon aus, daß die erwähnten Kremierungsanlagen nicht nur ihrer geplanten Funktion dienten, also der Einäscherung verstorbener Häftlinge, sondern später zur Massenvernichtung u.a. der Juden mißbraucht wurden. Danach sei der auf die Gefangenen angewendete Terminus »arbeitsunfähig« gleichbedeutend mit lebensunwürdig gewesen. Das heißt, die ankommenden arbeitsunfähigen Menschen seien direkt getötet worden. Dazu sollen in einigen Räumen der jeweiligen Kremierungsanlagen nach wenigen baulichen Veränderungen mittels des eigentlich zur Schädlingsbekämpfung vorgesehenen Zyklon B Menschen umgebracht (»vergast«) und dann teils in den Krematoriumsöfen, teils in offenen Gruben verbrannt worden sein.

Es soll nach Zeugenaussagen damals im Stammlager Auschwitz I eine Menschengaskammer im Krematorium I gegeben haben, das bis heute erhalten ist, wenn auch stark manipuliert, wie wir noch sehen werden. Im ungefähr zwei km entfernten Lager Birkenau oder Auschwitz II soll es in den dort befindlichen vier Krematorien weitere Menschengaskammern gegeben haben, sowie zwei außerhalb des eigentlichen Lagers gelegene, zu Menschenvergasungszwecken umgebaute Bauernhäuser.

Von den damals im Lager Birkenau zur Entwesung von Häftlingskleidung mittels Zyklon B verwendeten Anlagen sind bis heute nur die Bauwerke 5a und b (BW 5a/b) in den Bauabschnitten 1a/b (B1a/b) erhalten geblieben. In ihnen diente je ein Trakt zeitweise als Raum zur Blausäure-Sachentwesung. Im folgenden werden die einzelnen Anlagen vorgestellt und baulich charakterisiert. Siehe dazu die Lagepläne vom Auschwitz-Stammlager und von Birkenau, Abbildung 11 und 12.

4.2. Seuchen und Seuchenabwehr

4.2.1. Seuchengefahr[79]

Man wird als bekannt voraussetzen können, daß schon immer in Kriegen, wie z. B. im amerikanischen Sezessionskrieg, Seuchen mehr Opfer unter den Soldaten und in der Zivilbevölkerung forderten als die Einwirkung von Waffen. Erst die Atombombe veränderte diese Tatsache.

Die meist gefürchtete Seuche im Ersten Weltkrieg an der Ostfront war das Fleckfieber, auch Flecktyphus genannt. Seit diesem Krieg, in dem diese Seuche unter den deutschen Soldaten an der russischen Front Zigtausende von Opfern forderte und es nur unter rigorosen Abwehrmaßnahmen verhindert werden konnte, daß sie gegen Kriegsende auch auf deutsches Gebiet übergreifen konnte, war die Gefahr im Bewußtsein aller medizinischen und militärischen Stellen fest verankert.[80]

So weiß auch Der große Brockhaus, Band 6, Leipzig 1930, unter dem Stichwort »Flecktyphus, Fleckfieber« umfassend zu berichten, die Übertragung dieser akuten Infektionskrankheit würde nur durch die Kleiderlaus erfolgen:

»Als Erreger wird die Rickettsia Prowazeki (von Ricketts 1910 und Prowazek 1913 entdeckt) angesehen, ein Mikroorganismus, der im Darm und auch in der Speicheldrüse infizierter Läuse angetroffen wird.«

Nach einer ausführlichen Beschreibung von Krankheitssymptomen und -verlauf stellt dieses Lexikon dann fest:

»Der Flecktyphus tritt vorzugsweise bei ungünstigen sozialen und hygienischen Verhältnissen auf, in dumpfen überfüllten Wohnungen, Hospitälern, Gefängnissen, Auswandererschiffen, durch Mißernten und Teuerungen, daher auch Hunger-, Lazarett-, Kerker-, Schiffs- oder Kriegstyphus genannt. Endemisch findet sich Flecktyphus in Rußland, in den Balkanländern, Nordafrika, Kleinasien, Mexiko. Nach Tarrassewitsch waren 1918-21 in Rußland 25-30 Mill. Menschen, das wären 20-23 % der Bevölkerung, an Flecktyphus erkrankt.«

Und weiter:

»Die erfolgreiche Bekämpfung und Verhütung des Flecktyphus besteht in der Durchführung aller Maßnahmen, die zur Vernichtung der Kleiderlaus zur Verfügung stehen.«[81]

Nicht anders waren die Erfahrungen deutscher Ärzte im Zweiten Weltkrieg.[82][83] In zahllosen Veröffentlichungen wurde das Thema weiter vertieft. Ebenso wurden praktische Versuche durchgeführt, die das Wissen über die Bekämpfung der Verursacher erweiterten.

Mit Fug und Recht stellt Prof. Dr. F. Konrich in seiner Veröffentlichung »Über die Sanierungsanstalten der deutschen Kriegsgefangenenlager«[84] fest, daß Seuchen wie die angegebene: »...bei uns längst ausgestorben waren.« So wird aber auch verständlich, warum alle beteiligten Behörden und Institutionen völlig überreagierten, als Anfang Juli 1942 das erste mal Fleckfieber im KL Auschwitz von außen durch Zivilarbeiter in das Lager eingeschleppt wurde.[85] Die Seuche entstand also nicht im Lager selbst und sie konnte sich auch nach Ausweitung zur Epidemie von dort nicht in die Umgebung, d. h. in die Zivilbevölkerung ausbreiten.

4.2.2. Seuchenbekämpfung mit Zyklon B

Eine der seit jeher wirksamsten Methoden zur Bekämpfung der Kleiderlaus - und damit zur Eindämmung und Ausmerzung von Fleckfieber -, aber auch vieler anderer Schädlinge wie Kornkäfer, Wanzen, Kakerlaken, Termiten, Mäuse, Ratten uvam., ist ihre Vergiftung mittels der leicht flüchtigen Blausäure.

Abbildung 13: Typisches Inserat der Firma DEGESCH über den breiten Anwendungsbereich der angebotenen Begasungsmethoden: Mehlmühlen, Schiffe, Lager, Kornspeicher, Häuser, Güterzüge, Lastwagen.[86]

Blausäure in flüssiger Form ist nicht sehr langzeitresistent und wegen ihrer schlechten Handhabbarkeit sehr gefährlich. Schon am Ende des 1. Weltkrieges brachte man die Blausäure in leichter zu handhabenderer und sichererer Form auf den Markt: Man tränkte poröse Materialien mit Blausäure unter Zusatz eines Stabilisators und meist auch eines Geruchswarnstoffes, der die Menschen schon bei geringen Konzentrationen vor dem nur schwach riechenden, von vielen Menschen aber gar nicht wahrnehmbaren Giftgas warnen sollte, und verpackte dieses Produkt sicher in Blechbüchsen, die nur mit einem speziellen Werkzeug geöffnet werden konnten. Allein die Anzahl der für die Zusatzstoffe von Zyklon B eingereichten Patente zeigt, daß es für Stabilisatoren und Geruchswarnstoffe für Blausäure keine einfache, eindeutige Lösung gibt.[87] Rechtlich gab es einen großen Unterschied zwischen dem Stabilisator für Blausäure und dem Geruchswarnstoff: Ein Stabilisator für Zyklon B war zwingend vorgeschrieben,[88] wohingegen ein Geruchswarnstoff nicht zwingend gefordert wurde.[89]

Das von der in Frankfurt ansässigen Firma DEGESCH[90] produzierte und lizensierte Präparat Zyklon B® stellte diese leicht handhabbare Form der Blausäure dar.[91] Es spielte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine außerordentlich wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Insekten und Nagern[92][93] in öffentlichen Gebäuden, Lebensmittellagern und Großraumtransportmitteln wie Züge, Schiffe.[94] So berichtet Dr. G. Peters in seiner Arbeit: »Blausäure zur Schädlingsbekämpfung«[95] von Schiffsdurchgasungen mit Blausäure in den USA schon 1910 und von Tunnelanlagen, in die ganze Eisenbahnzüge zur Entwesung einfahren konnten. Kasernen, Kriegsgefangenenlager und Konzentrationslager wurden ebenso in der damaligen Literatur behandelt.[96][97][98] Freilich gab es neben Zyklon B noch etliche andere gasförmige Schädlingsbekämpfungsmittel.[99][100] Auch nach dem Kriege spielte Zyklon B noch eine Zeit lang eine bedeutende Rolle, bevor es vom DDT und dessen Nachfolgern weitgehend verdrängt wurde.[101][102]

Abbildung 14: Ein verlauster Zug fährt in die Eisenbahnbegasungsanlage Budapest ein.[94]

Für die Blausäure-Sachentwesungsanlagen selbst ist aus der Kriegs- und Vorkriegszeit eine Fülle von Veröffentlichungen zugänglich, auf die verwiesen wird.[95]f.,[103][104][105][106][107] Daneben gibt es aus damaliger Zeit Richtlinien zur Begasung von Gütern und Räumen, die die Vorgänge bis ins Detail be- und vorschreiben.[108][109] Diese unterscheiden sich im wesentlichen nicht von den heutigen Vorschriften.[110] Auf dieser Grundlage soll die Technik und Verfahrensweise hier nur kurz erläutert werden.

Anfänglich wurden für die Sachentwesung einfache Räume (10 bis 30 m2 Grundfläche) provisorisch umgebaut, indem man Fenster und Türen mit Filzdichtungen und Papierstreifen möglichst "gasdicht" machte, für eine gute Heizung des Raumes sorgte sowie eine Lüftungsmöglichkeit vorsah. Das Zyklon B wurde von Arbeitern mit Schutzmaske gleichmäßig am Boden des mit dem Entwesungsgut versehenen Raumes verteilt. Diese Prozedur ähnelte den damals üblichen Begasungen normaler Räume zur Ungezieferbekämpfung. Noch heute sind im Stammlager Auschwitz I solche umgebauten Räume zu sehen. Das Betreiben provisorisch abgedichteter Räume zur Begasung ist nicht ohne jedes Risiko, zumal das Abdichten nur selten vollkommen gelingt.

Abbildung 15: DEGESCH Kreislauf-Entlausungsgaskammer.[111]

Später ging man zum Bau spezieller fensterloser, gasdichter Anlagen über, die mit leistungsfähigen Heizungen und Lüftungssystemen, später auch mit Umluftsystemen (sog. »DEGESCH-Kreislaufverfahren«) zur schnelleren Verteilung des Gases im Raum versehen waren. Hier wurden zunehmend die Zyklon B-Dosen durch einen von außen bedienbaren Mechanismus geöffnet, so daß sich die Arbeiter keinerlei Gefahren mehr aussetzten. Dabei fiel beim automatischen Aufschneiden des Dosenbodens das Präparat in einen Korb, über den ein Heißluftstrom, vergleichbar einem Fön, geleitet wurde. Diese Anlagen mit der sogenannten Kreislaufeinrichtung hatten ein relativ kleines Volumen von wenigen m3 zur Vermeidung von nicht für das Entwesungsgut benötigtem Totraum, also zur Einsparung des recht teuren Schädlingsbekämpfungsmittels.

Diese professionellen Anlagen waren oft Teil ganzer Hygienekomplexe. Im Regelfalle hatte diese Gebäudekomplex mindestens vier Bestandteilen, die sinngemäß etwa wie folgt angeordnet waren (vgl. Abbildung 16)[84]

Abbildung 16: à Weg der Kleidung è Weg der Menschen

Es kam nicht selten vor, daß im gleichen Gebäudekomplex ein Krematorium mit eingerichtet war, wie es etwa im Konzentrationslager Dachau noch heute gesehen werden kann, dessen neue Hygieneanstalt eine Reihe von DEGESCH-Kreislaufanlagen zur Kleiderentwesung besitzt, jeweils rechts und links der Häftlingsdusche einen Entkleide- bzw. Bekleideraum, sowie ein Krematorium. (Bei dem dort als "Gaskammer" ausgegebenen Raum handelt es sich tatsächlich um die im obigen Schema unerläßliche, vom Museum falsch etikettierte Häftlingsdusche).

Die Anwendungskonzentrationen bei Kleiderentwesungen konnten je nach Ungezieferart und äußeren Bedingungen recht unterschiedlich sein und lagen zumeist im Bereich zwischen 5 bis 30 g Blausäure pro m3 Luft. Die Anwendungszeit variierte ebenso stark von unter 2 Stunden bis zu 10 Stunden und mehr. Bei den moderneren Anlagen mit Heizung (größer als 25°C) und Kreislauf-/Umlufteinrichtung konnten mit Konzentrationen von 20 g pro m3 schon nach 1 bis 2 Stunden gute Erfolge verbucht werden. Entwesungen in einfachen Räumen dagegen konnten bis zu 24 Stunden und länger dauern.

4.2.3. Seuchenabwehr in Auschwitz

4.2.3.1. Begriffe und Zuständigkeiten

Wir verwenden die in der H. Dv. 194[108] (Heeresdienstvorschrift) 1939 festgelegten Begriffe, da das Personal, d. h. Ärzte und Desinfektoren der Lager, hiernach zu handeln hatte:

»Entseuchen

(desinfizieren) heißt [...]: die Krankheits-(Seuchen-) Erreger an Gegenständen, in Räumen, in Ausscheidungen und an Körpern ansteckungsfähiger Menschen vernichten.

Entwesen

heißt: Räume, Gegenstände und Menschen von Ungeziefer (Kleinlebewesen) befreien, das Krankheitserreger übertragen, wirtschaftliche Schäden verursachen oder den Menschen belästigen kann.«

Die zitierte Vorschrift gibt alle physikalischen und chemischen Entseuchungs- und Entwesungsmittel an, die bekannt waren. Ähnlich wurde 1943 eine »Arbeitsanweisung« vom Hygieneinstitut der Waffen-SS herausgegeben: »Entkeimung, Entseuchung und Entwesung«.[96]

Verantwortlich für den Bereich Hygiene in der Waffen-SS, auch für die KL, war das 1942 errichtete »Hygieneinstitut der Waffen-SS«[112], Berlin, das dann 1943 eine Zweigstelle in Rajsko bei Auschwitz einrichtete, mit der »Hygienisch-bakteriologischen Untersuchungsstelle Südost d. W-SS«. Die Akten[113] dieser Untersuchungsstelle sind erhalten (151 Bände von 1943 bis 1945).[114] Für die Durchführung aller hygienischen Maßnahmen war der Standortarzt (Truppenarzt) und das Sanitätspersonal zuständig. Dieser Arzt - und so wurde es auch in Auschwitz gehandhabt - war als Sachverständiger bei allen einschlägigen Bauplanungen u. ä. gutachterlich zu hören. Für Blausäure war sogar besonders ausgebildetes Fachpersonal zu beschäftigen. Dafür gab es in Auschwitz die Desinfektoren.

Im hier wesentlichen Zeitraum wurde Dr. E. Wirths am 6.9.1942 als Standortarzt eingesetzt.

4.2.3.2. Angewandte Verfahren

In Auschwitz wurden in wesentlichen vier Verfahren zur Entwesung und Entseuchung angewendet:

Angaben über die im Lager Auschwitz im Betrieb befindlichen Entwesungs- und Desinfektionsanlagen können wir einer Auflistung vom 9. Januar 1943 entnehmen: »Hygienische Einrichtungen im KL und KGL Auschwitz«[115] an den Amtsgruppenchef C (Berlin) und einer 30.7.1943 datierten »Aufstellung über die im KL. und KGL. Auschwitz eingebauten Entwesungsanlagen, Bäder und Desinfektionsapparate.«[116]

Die folgenden, dem letztgenannten Dokument entnommenen Leistungsangaben beziehen sich auf einen täglichen Betrieb von 24 Stunden.

a) im KL. (Schutzhaftlager):

b) im K.G.L.:

Alle vorstehenden Anlagen unterlagen Veränderungen. Die Anzahl der Hygieneanlagen wurde entsprechend der Anzahl der Häftlinge vermehrt, wie sich schon aus den beiden vorgenannten Dokumenten ergibt. Pressac erwähnt im ersten Buch[67] auf S. 550 allein 25 mit Zyklon B betriebene Kammern. Eine überprüfbare Aufstellung gibt es jedoch nicht.

4.2.3.3. Auswirkungen

Solche sind nur zu erfassen, wenn die Anzahl der Personen bekannt wäre, die mit den Einrichtungen entwest wurden. Diese Zahlen sind bisher noch unklar. D. Czech gibt in ihrem Buch[71] zwar an, daß über große Zeiträume solche Dokumente im Archiv in Auschwitz vorhanden sind, wir konnten sie aber bisher nicht einsehen. Eine zuverlässige Angabe darüber, ob die bestehenden Entwesungsanlagen ständig für die angegebenen Personenzahlen ausreichend waren, ist derzeit noch nicht möglich. Pressac gibt abschließend in seinem zweiten Buch[118] den Höhepunkt der ersten Epidemie zwischen dem »7./11. September« mit »375 Tote pro Tag« an.

4.2.3.4. Grundsatzentscheidungen

Zwei Entscheidungen des SS-Hauptamtes Haushalt und Bauten in der Reichsführung der SS und dessen Nachfolger beeinflußten sicher auch die Maßnahmen im Lager. Nach der ersten vom 5. Juni 1940[119] war zukünftig keine Blausäure mehr zu verwenden, statt dessen Heißluft. Die zweite vom 11. März 1942[120], also 21 Monate später, verlangte genau das Gegenteil, nämlich den »[...] Endzustand aller Entlausungsanlagen auf den Betrieb mit Blausäure abzustellen«, wobei angemerkt wurde:

»Abweichungen davon - eine Entlausung mittels Heißluft oder Heißdampf - ist nur zulässig soweit es sich um provisorische Anlagen handelt, bei denen die nötige Sicherheit bei der Anwendung von Blausäure nicht gewährleistet ist.«

In einem weiteren Schreiben des Amtes C VI vom 11.2.43[121] an den Kommandanten wurde dann der ersten Verbotsbefehl ausdrücklich bestätigt »[...] lt. Verbot der Blausäure-Entwesung [...]«.

Versetzt man sich nun in die Lage der Verantwortlichen der Lager, dann versteht man erst die aus diesen Entscheidungen entstandene Situation. Entscheidungsgewohnte Männer, die eine gefährliche Epidemie im Rücken haben, die auch die Zivilbevölkerung erreichen konnte, und die unabsehbaren Folgen vor Augen haben, finden einen Weg und gehen ihn! Blausäure (= Zyklon B) war das sicherste Entwesungsmittel zu dieser Zeit. (Nachzulesen in »Die Blausäure als Entlausungsmittel in Begasungskammern«,[122] oder »Entlausung mit Zyklon-Blausäure in Kreislauf-Begasungskammern«.[123]) Zu wählen war nur ein »sicherer« Platz für derartige schnell zu errichtende provisorische Anlagen, etwa außerhalb des eigentlichen Lagers (vgl. Kapitel 4.4.3.).

4.2.3.5. Der Standortarzt

Im hier wesentlichen Zeitraum wurde Dr. E. Wirths am 6.9.1942 als Standortarzt eingesetzt. Vorgreifend können wir erklären, daß er seine Aufgaben den vorhandenen Akten zufolge in korrekter Form erfüllt hat. Wir beziehen dies vor allem auf seine an höchste Stellen gerichtete massive Kritik.

Mit der Zeit stieg die Zahl der Häftlinge stetig an, und es blieb leider auch nicht bei einer Seuche. Wir wollen daher - auch nur im Abriß - an Beispielen berichten, welche Konsequenzen dieser Arzt zog und wie er handelte.

Am 4.12.1942 berichtete Dr. Wirths an die Kommandantur über eine Besprechung beim Landrat des Kreises Bielitz. Thema war das Fleckfieber. An dem Gespräch nahm ein größerer Personenkreis teil, vom Amtsarzt über die Wehrmacht bis zu Regierungsvertretern. Dies zeigt, wie ernst man die Seuchenlage sah:[124]

»Er berichtet, daß zur Zeit 3 große Entwesungs-, Brause- und Sauna-Anlagen in Betrieb genommen werden konnten u. zw. 2 Anlagen für die Häftlinge und 1 Anlage für die SS-Truppen-Angehörigen. Die Kapazität dieser Anlagen beträgt in 24 Stunden 3-4.000 Mann. Von der Cyclon-B-Entwesung wurde völlig abgegangen, da es sich gezeigt hat, daß der Erfolg bei diesem Verfahren nicht 100%ig sicher ist.«

Für die Häftlinge waren die Bauwerke BW 5a und 5b gedacht.

Zu diesem Zeitpunkt war wohl die Kapazität der Entwesungsanlagen für die Anzahl der Inhaftierten ausreichend.

Man muß bedenken, daß zur gleichen Zeit der Rohbau für weitere 19 DEGESCH Kreislauf-Begasungskammern im Bauwerk BW 160 des Stammlagers (Aufnahmegebäude) fertiggestellt war.

Aus einem weiteren Absatz obigen Schreibens geht hervor, daß der Standortarzt von Kattowitz leihweise 2 fahrbare Kesselanlagen zur Verfügung gestellt hatte. Warnend berichtet Wirths am 18.4.1943 an den Kommandanten über das Kanalisationssystem in Birkenau mit dem Schluß, daß »[...] große Epidemiegefahren unvermeidlich wären[125]

In einer Besprechung mit dem Amtsgruppenchef C, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Dr. Ing. Kammler und anderen, am 7.5.1943 schildert der Standortarzt unter »II. Bauten in Zuständigkeit des Standortarztes«:[126]

»[...] dass die Gesunderhaltung der Häftlinge für die grossen Aufgaben nicht gesichert erscheint, durch die schlechten Latrinenverhältnisse, einem unzulänglichen Kanalsystem, Mangel an Krankenbaracken und gesonderten Krankenlatrinen und dem Fehlen von Wasch-, Bade- und Entwesungsmöglichkeiten.«

Dr. Wirths macht die Mängel deutlich und auch klar, wie diese Zustände zu beheben wären. An dieser Stelle müssen wir den zeitgeschichtlich nicht ausreichend informierten Leser vor Fehlschlüssen warnen. Ihm könnte das Wissen über alle Schwierigkeiten fehlen, die es sowohl bei Material als auch allen anderen Notwendigkeiten zum Bau dieser Anlagen im Krieg gab. Für jeden Ziegelstein, bildlich gemeint, brauchte man eine Genehmigung zum Bezug. Auch müssen wir darauf hinweisen, daß eine Kanalisation überhaupt in dieser Zeit bereits vorbildlich war. Mehr natürlich noch Kläranlagen, die für beide Lager mit großem Aufwand und technisch vorbildlich gebaut wurden.

Weiter heißt es in dem zuletzt zitierten Dokument:

»Der Brigadeführer nimmt die ganz besondere Dringlichkeit dieser Fragen zur Kenntnis und verspricht, alles in den Grenzen des Möglichen für die Abhilfeschaffung zu tun. Er wundert sich allerdings, dass er einerseits von zuständiger ärztlicher Seite die sanit. und hygienischen Verhältnisse in den Berichten in günstiger Weise geschildert bekommt und zum anderen unmittelbar nachher die gegenteiligen Berichte vorgelegt bekommt.« [Hervorhebung d. Verf.] Der Leiter der ZBL [Zentralbauleitung] erhält Weisung mit Termin zum 15.05.1943 für alle angesprochenen Probleme Abhilfevorschläge vorzulegen.«

Es fing an bei den Abortanlagen. Hier setzte er Änderungen durch, die er für notwendig erachtete. Zum Beispiel: Deckel auf die Aborte, weil sonst »[...] grosse Epidemiegefahren unvermeidbar wären.«[127] Bereits am 10.5.1943 ordnete der Amtschef C des WVHA diese Deckel an.[128] Es endete bei der Dachdeckung des Zigeunerkindergartens:

»Für die schadhaften Dächer der Kindergartenblöcke 29 und 31 im Zigeunerlager wird um 100 Rollen Dachpappe gebeten (Sehr dringend.)«[129]

Dazwischen erfolgte am 28.5.43[130] die Auswahl von 6 Umluft-Entwesungsanlagen, die - wie handschriftlich vermerkt - vom Heizungsfachmann der Bauleitung, Jährling, am 29.5.43 bestellt wurden. Weiter der Bericht über eine Wasseruntersuchung am 1.6.43[131] usw. Dieser reichhaltige Schriftverkehr führte im Aktenplan der Zentralbauleitung (ZBL) zu eigenen Akten wie »Hygienische Verhältnisse«[132] und anderen.

Der Arbeitsbereich des Arztes war so reichhaltig, daß es sich lohnen würde, eine eigene Veröffentlichung darüber zu schreiben. Selbst die Veranlassung der ständigen Untersuchungen des Häftlings-Küchenpersonals, samt Laboruntersuchungen des Stuhls usw., gehörte zu seinen Aufgaben. Dr. Wirths kümmerte sich um wirklich alles! So die Dokumente.

Die Mahnungen des Standortarztes steigerten sich im Verlauf der Zeit noch. Fazit: Auch in jener Zeit gab es »Opportunisten« und »Karrieristen«. Dagegen aber, wie unser Beispiel belegt, auch Männer mit Pflichtgefühl und Rückgrat, Berufsethos und Zivilcourage. Vier Eigenschaften, die im wahrsten Sinne des Wortes im heutigen Deutschland auszusterben drohen.

Am Ende des Besprechungsteiles im Aktenvermerk vom 9.5.1943 steht dann:

»Als Überbrückung bis zu diesem Zeitpunkt stellt der Brigadeführer einen neuen Kurzwellen-Entlausungszug leihweise zur Verfügung.« [Hervorhebung. d. Verf.]

4.2.3.6. Die Kurzwellenentwesungsanlage

Womöglich eines der faszinierendsten Aspekte des Konzentrationslagers Auschwitz ist die Installation einer stationären Kurzwellenentwesungsanlage, dem weltweit ersten technologischen Vorläufer der heute allgemein verwendeten Mikrowellenöfen. Diese Technologie war Ende der 30er Jahre von Siemens erfunden und während des Krieges zur Serienreife entwickelt worden. Es handelt sich dabei quasi um ein Abfallprodukt der starken Radioröhren, die für die Fernsehübertragung der Berliner Olympiade 1936 gebaut worden waren und deren energiereiche Radiowellen Insekten in deren Umgebung töteten. Die Entwicklung erfolgte mit Finanzhilfe der Wehrmacht, die sich davon eine wesentliche Verbesserung beim Kampf gegen die im Osten wütenden Seuchen erhoffte. Da gegen Kriegsende die in der Rüstungsindustrie eingesetzten Häftlinge in den Konzentrationslagern besonders wertvoll waren, entschied sich die Reichsführung jedoch, die ersten dieser Anlagen nicht an der Front zur Entwesung von Soldatenkleidern einzusetzen, sondern statt dessen im größten Arbeitslagerkomplex des Reiches, in Auschwitz. Aufgrund der alliierten Bombenangriffe kam es jedoch zu einer einjährigen Verzögerung der Errichtung dieser Anlage, was wahrscheinlich einigen zigtausend Häftlingen das Leben kostete, hatte die Lagerleitung von Auschwitz doch auf diese Anlage gesetzt und andere Projekte daher zurückgestellt. Die ab Sommer 1944 eingesetzte Anlage erwies sich dann tatsächlich als revolutionär effektiv, schnell und billig: die angefeuchteten Effekten wurden an einem Ende auf ein Förderband gelegt und kamen wenige Sekunden später am anderen Ende völlig ungeziefer- und keimfrei heraus.[133]

Abbildung 17: Grundriß des HCN-Entwesungstrakts der Bauwerke 5a vor dem Umbau (spiegelbildlich) und BW 5b bis heute, Probenentnahmestellen BW 5b eingezeichnet.[134] (Zum Vergrößern anklicken)

4.2.4. Sachentwesungsanlagen BW 5a und 5b in Birkenau

Die einzigen bis heute im Lager Auschwitz-Birkenau erhalten gebliebenen Gebäude mit einem Trakt für Zyklon B Sachentwesung sind die Bauwerke (BW) 5a und 5b im Bauabschnitt B1a bzw. B1b. Jeweils der West- bzw. Osttrakt dieser Gebäude wurde zumindest zeitweilig zur Blausäure-Entwesung benutzt. In den Bauplänen werden diese Räume ausdrücklich als »Gaskammer« bezeichnet, vgl. Abbildung 17.

Dies ist keine Trivialität, sondern vielmehr ein wichtiger Beweis dafür, daß dieser Begriff damals ausschließich zur Bezeichnung von Sachentwesungsanlagen benutzt wurde, und zwar sowohl von Architekten bei der Planung solcher Gebäude als auch von den Entwesungsfachleuten. Typisch hierfür ist der Titel einer der wichtigsten zeitgenössischen Veröffentlichungen zum Thema Blausäureentwesung von F. Puntigam, H. Breymesser, E. Bernfus: Blausäuregaskammern [sic!!!] zur Fleckfieberabwehr,[103] oder die Bezeichnung in einer Anzeige der Fa. DEGESCH: »Gaskammern«, vgl. Abbildung 13, S. 38. Dies war damals schlicht die üblichen Bezeichnung für Sachentwesungsräumlichkeiten!

Wir müssen daher bis zum Beweis des Gegenteils immer davon ausgehen, daß eine Sachentwesungskammer gemeint ist, wenn das Wort »Gaskammer« in einem deutschen Dokument dieser Zeit auftaucht!

Aus diesem Grunde wird nachfolgend der Begriff Gaskammer immer dann in Gänsefüßchen gesetzt ("Gaskammer"), wenn er sich auf Menschenhinrichtungskammern bezieht. Dies geschieht aus zwei Gründen:

Abbildung 18: Grundriß des Heißluftentwesungstrakts des Bauwerks 5a nach dem Umbau 1943, Probenentnahmestellen BW 5a eingezeichnet.[134] (Zum Vergrößern anklicken)

  1. Der deutsche Fachbegriff »Gaskammer« bezieht sich ursprünglich ausschließlich auf mit Giftgas betriebene Entwesungskammern. Ihn auf Menschenhinrichtungskammern anzuwenden ist eine falsche Verwendung des Begriffes.
  2. Allein schon, um Verwirrung zu vermeiden, was jeweils mit dem Wort »Gaskammer« gemeint ist, muß hier ein Unterschied in der Schreibweise gemacht werden.

Abbildung 17 zeigt den Grundriß der beiden Entwesung-Gaskammern der Gebäude 5a und 5b im annähernd ursprünglichen Zustand. Die Kammer des Bauwerks 5a wurde im Sommer 1943 umgebaut und erhielt zwei kleine Heißluftkammern, ersichtlich aus Abbildung 18.[134] Die Gebäude sind aus einfachen Ziegelmauern auf einem Betonfundament ebenerdig gebaut, innen mit einem Kalkmörtel verputzt und gekalkt. Der Raum im Bauwerk 5b besitzt heute keine Decke, der Dachstuhl ist von unten mit Platten unbekannten Materials belegt (womöglich Heraklith). Ursprünglich, wie heute noch BW 5b, fensterlos, erhielt der Entwesungstrakt des BW 5a bei der Umrüstung an allen Außenwänden fest eingemauerte, nicht zu öffnende Fenster.

Abbildung 19: Wasserrohrsystem mit Duschköpfen im Entwesungstrakt des Bauwerkes BW 5b. Diese Wasserrohre haben keinerlei Anschluß, sie enden in den Entlüftungsöffnungen. Siehe Abbildung 20.

Abbildung 20: Entlüftungsöffnungen des Entwesungstraktes des Bauwerkes BW 5b, heute ohne Apparaturen. Man erkennt darin die Enden der Wasserleitungen, siehe auch Abbildung 19.

Im Entwesungsraum des BW 5b erkennt man im Giebel zwei kreisrunde, im Durchmesser ungefähr 50 cm große Öffnungen der ehemaligen Abluft- oder Zuluftkanäle, Abbildung 20. Das Dach hat drei Entlüftungskamine; zur Betriebszeit soll es in diesem Raum drei Öfen gegeben haben.[135] Die in den Plänen eingezeichneten, nach innen öffnenden Doppeltüren sind heute durch ebenfalls nach innen öffnende einflügelige Türen ersetzt. Über die Ausrüstung der Entwesungskammern muß vorerst spekuliert werden.

Der Raum hat eine Grundfläche von ungefähr 130 m2, er ist bis zum Dachstuhl offen, hat somit einen Rauminhalt von mindestens 400 m3, wobei der gesamte Bereich ab 2 m Höhe als nicht nutzbarer Totraum angesehen werden muß. Eine Nutzung des gesamten Raumes als Entwesungskammer setzt den Einsatz einer Zyklon B-Menge von mindestens 4 bis 5 kg (10 g pro m3) Blausäure-Gehalt[136] voraus, egal ob der Raum nur mit wenigen Gütern beladen wird oder ob er im zugänglichen Bereich gefüllt wird. Damit wären z.B. bei je 100 Begasungszyklen jährlich (alle 3 bis 4 Tage einer) allein durch diese Anlage und durch das Bauwerk 5a rund 0,8 Tonnen Zyklon B verbraucht worden, was 10 % der gesamten Zyklon B-Lieferungen an das Lager Auschwitz im Jahre 1942 entspricht, bei einer Gesamtlieferung von 7,5 Tonnen.[137]

Es muß freilich offen bleiben, wie intensiv diese Räumlichkeiten tatsächlich für Blausäureentwesungen genutzt wurden, da beispielsweise in dem vorher zitierten Dokument davon die Rede ist, daß bereits im Dezember 1942, also wenige Wochen nach Inbetriebenahme dieser Anlagen, gänzlich von der Verwendung des Zyklon B-Verfahrens abgegangen wurde (vgl. S. 44).

Zieht man in Betracht, daß es in Birkenau neben diesen Gebäuden weitere Blausäure-Entwesungsanlagen gab, die Zyklon B-Lieferungen an das Lager Birkenau auch die angegliederten Arbeitslager versorgten (weit über 30 an der Zahl) sowie daß ab und zu Häftlingsbaracken mit diesem Insektizid begast wurden,[138] erkennt man, daß die an das Lager Auschwitz gelieferten Zyklon B-Mengen tatsächlich mit normalen Entlausungsaktionen erklärt werden können.

Offensichtlich war die jährliche Liefermenge sogar zu gering, um mit ihr eine gänzlich erfolgreiche Entwesung aller Güter und Gebäude in allen Lagern des Komplexes Auschwitz durchzuführen, da die Fleckfieber-Seuchen nie ganz unterbunden werden konnten.

Auffallend am Entwesungstrakt des BW 5b ist die heute dort zu findende filigrane Konstruktion von Wasserrohren, eingelegt in an den Dachquerbalken befestigten Haken, ersichtlich aus Abbildung 19. Einige der Rohrausgänge sind mit Duschköpfen ausgestattet. Die Wasserrohre haben keinerlei Anschluß. Sie enden paradoxerweise in den oben erwähnten Abluftöffnungen, können also erst nach der Entfernung darin installierter Ventilatoren angebracht worden sein. Zwar gibt es in diesem Gebäude Duschräume, allerdings an ganz anderer Stelle (siehe Abbildung 17). Dort jedoch sind die Duschinstallationen komplett abgebaut. Da die Türen zu diesen Räumlichkeiten offen stehen, kann jeder Besucher diese eigenartige Konstruktion bewundern.

4.3. "Gaskammer" im Stammlager Auschwitz I

Zu der "Gaskammer" im Krematorium des Stammlagers gibt es nach Pressac keine materiellen oder dokumentarischen Beweise, jedoch viele Zeugenaussagen:[139]

»As evidence to establish the reality of homicidal gassings there remain only the testimonies of participants,[...]«

»Als Beweise zur Feststellung der Menschenvergasungen bleiben nur die Aussagen der Teilnehmer [...]«

Diese zeichnen sich laut Pressac durch vielfältige Widersprüche, technische Unmöglichkeiten und allgemeine Unglaubhaftigkeiten aus. Er stellt eine »general tendency to exaggerate« »allgemeine Tendenz zur Übertreibung« fest, und versucht, die groben Fehler und sachlichen Unmöglichkeiten in den Aussagen und Aufzeichungen des Lagerkommandanten Höss dadurch hinwegzuerklären, indem er schreibt:

»He was present, without seeing.«

»Er war anwesend, ohne zu sehen.«

d.h., daß Höss keine Ahnung von den Methoden, Risiken und Gefahren im Umgang mit Zyklon B hatte. Dies steht aber im Widerspruch zu einem Befehl des Lagerkommandanten Höss, in dem er zur Vorsicht bei Barackenbegasungen mit Zyklon B auffordert, der aufgrund von Vergiftungsunfällen notwendig geworden war. Dieser Sonderbefehl des Kommandanten zur Warnung vor Gasunfällen mittels Zyklon B, der dem ganzen Lager mitgeteilt wurde, spricht für eine Vorsorgepflicht gegenüber jenen Häftlingen, die doch angeblich über kurz oder lang an diesem Gas sterben sollten.[140] Wir werden später noch intensiver auf Höss' Aussagen zu sprechen kommen.

Pressac erklärt darüber hinaus Form und Grundton des Zeugnisses des SS-Mannes Pery Broad für falsch wegen dessen polnischen Patriotismuses, seines durchscheinenden Hasses auf SS-Männer (der er ja selber war) und wegen »"leichter"« (Anführung bei Pressac) Überarbeitungen des Dokuments durch die Polen, dessen Original fehlt. Mit anderen Worten: Dieses offenbar von Polen zusammengeschusterte "Dokument" ist quellenkritisch betrachtet ziemlich wertlos. Dennoch seien aber, so Pressac, die Grundaussagen betreffs Vergasungen richtig.[141]

Abbildung 21: Grundriß des Krematoriums I im Lager Auschwitz I/Stammlager im ursprünglichen Planungszustand. Die Leichenhalle soll später angeblich als "Gaskammer" benutzt worden sein.[143] (Zum Vergrößern anklicken)

1: Vorraum; 2: Aufbahrungsraum; 3: Waschraum; 4: Leichenhalle; 5: Ofenraum; 6: Koks; 7: Urnen

Abbildung 22: Grundriß des Krematoriums I im Lager Auschwitz I/Stammlager nach dem Umbau zum Luftschutzkeller 1944.[147] (Zum Vergrößern anklicken)

1: Schleuse; 2: Operationsraum; 3: ehemaliger Waschraum, nun Luftschutzraum mit Klosetts; 4: Luftschutzräume; 5: vormaliger Ofenraum

Abbildung 23: Grundriß des Krematoriums I im Lager Auschwitz I/Stammlager heute, nach den nachträglichen Manipulationen.[149] (Zum Vergrößern anklicken)

1: "Gaskammer"; 2: Zyklon B-Einwurfattrappen; 3: Abflußrohre WCs; 4: ehem. Trennwand Leichenkeller - Waschraum; 5: Lüftungkamin des Luftschutzraumes; 6: Luftschutzschleuse, heute als Opfereingang bezeichnet; 7: Urnen, 8: Koks; 9: Rekonstruierte Öfen; 10: Neu durchbrochener Durchgang zum Ofenraum; gestrichelt: alter Durchgang; 11: Überreste des alten Ofens; 12: Kamin-Attrappe.

Die "Gaskammer" des Stammlagers ist ein Raum eines ebenerdig gebauten Gebäudes, hervorgegangen aus einem am gleichen Ort befindlichen Wirtschaftsgebäude der ehemaligen Kaserne aus der K u. K-Monarchie.[142] Boden und Decke dieses Krematoriums I bestehen aus Stahlbeton, die Außenwände aus Ziegelsteinmauerwerk, die außen durch eine Teerschicht isoliert ist. Bis auf die Zugänge zu dem Gebäude ist es durch eine Erdanschüttung an den Wänden praktisch im Erdreich eingelassen. Die Innenwände sind verputzt und gekalkt. Abbildung 21 zeigt den Grundriß des Gebäudes zu Beginn des Krieges, geplant und gebaut als normales Krematorium mit einer Leichenhalle.[143] Damit erklärt sich auch die Erdanschüttung, die eine gleichmäßig kühle Temperierung gewährleisten sollte. Aus demselben Grunde ist die Trennwand zwischen Leichenhalle und Leichenverbrennungsraum doppelt gemauert mit einem wärmeisolierenden Luftspalt dazwischen. Dokumentarische Belege für den Einbau einer Lüftungsanlage in diese Leichenhalle gibt es meines Wissens nicht, obwohl es eigentlich unvorstellbar ist, eine Leichenhalle ohne Fenster und ohne nach außen gehende Türen ungelüftet überhaupt betreiben zu können.

Später soll die Leichenhalle zu einer "Gaskammer" umfunktioniert worden sein. Zum Einbringen des Zyklon B für Menschenvergasungen sollen damals nachträglich 3 bis 4 Luken durch das Dach geschlagen worden sein sowie ein bis zwei zusätzliche Luken zum Einbau von starken Ventilatoren, wofür es allerdings keine dokumentarischen Belege gibt.[144] Der Leiter des Auschwitz-Museums, Franciszek Piper, meint dazu allerdings:[145]

»Im Falle des Krema I gab es keine Ventilatoren. Die Türen wurden geöffnet und das Gas wurde durch Konvektion gelüftet.«

Pressac bildet ein Foto des Krematoriumdaches ab, aufgenommen von den Sowjets kurz nach der Befreiung, auf dem die Dachpappe drei verdunkelte Flecken zeigt, angeblich Mulden der abgedeckten ehemaligen Einwurfluken.[144][146] Die in seinem Buch abgebildete Aufnahme ist aber von zu schlechter Qualität, als daß man auf ihr irgend etwas Deutliches erkennen, geschweige denn irgendwelche bautechnischen Schlußfolgerungen daraus ziehen könnte. Pressacs Spekulation ist daher als haltlos anzusehen.

Im Herbst 1944 wurde das Krematorium in einen Luftschutzbunker umgewandelt. Die baulichen Veränderungen, besonders den Ersatz der leichten Trennwände durch massive Mauern, kann man Abbildung 22 entnehmen.[147] Die Zyklon B-Einwurflöcher wie auch die Lüftungslöcher sollen zu dieser Zeit verschlossen worden sein - vorausgesetzt, daß es sie je gegeben hat.

Einem Dokument der Zentralbauleitung kann man bis ins kleinste Detail die Bauarbeiten entnehmen, die für diesen Umbau durchgeführt worden sind.[148] Von der Auffüllung alter vorhanderner Deckendurchbrüche ist darin nicht die Rede, sehr wohl aber vom Einbau gasdichter Fenster und Türen sowie von neu durchzubrechenden Löchern:

»Einsetzen der Gasschutztüren, Fensterblenden, und Fenster, Herstellung der für die Beheizungsöfen, sowie für die Ent- und Belüftung erforderlichen Mauerdurchbrüche und Schläuche«

Dies ist ein starkes Indiz dafür, daß es zuvor eben weder gasdichte Türen und Fenster noch irgendwelche Durchbrüche für eine Lüftungsanlage oder für andere Zwecke (Zyklon Einführung) gab, sonst hätte man für diesen Zweck nämlich derartige alte Durchbrüche verwendet bzw. deren Auffüllung wäre wohl ebenso erwähnt worden.

Der direkte Zugang zu den Luftschutzräumen, durch vierfache Unterteilung der Leichenhalle/"Gaskammer" entstanden, erfolgte durch eine neu hinzugefügte Luftschleuse, die heute fälschlicherweise als Opfereingang ausgegeben wird, obwohl die "Gaskammer" dort noch keinen Eingang hatte.[144] Ebenfalls wurden zu dieser Zeit WCs im vormaligen Waschraum eingebaut.

Abbildung 23 zeigt den Grundriß des Krematoriums im heutigen Zustand.[149] Der Zugang von der Leichenhalle/"Gaskammer" zum ehemaligen Kremierungsraum wurde nach dem Krieg laut Pressac neben der ursprünglichen Stelle neu durchgebrochen. Die Trennwände des Luftschutzkellers einschließlich der Wand zum Waschraum, der nie zur Leichenhalle/"Gaskammer" gehörte, wurden herausgerissen. Dementsprechend sieht der irritierte Besucher noch heute die Abflußrohre der zwei WCs in der behaupteten "Gaskammer". Nach dem Krieg soll nach Pressac, der dafür aber keine Quelle angibt, das Dach mit Dachpappe neu gedeckt worden sein, wodurch die Spuren der Zyklon B-Löcher sowie der Lüftungslöcher der "Gaskammer" verdeckt worden sein sollen. Der erneute Einbau von vier versetzt angeordneten Zyklon B-Einwurfschächte durch das polnische Auschwitz-Museum nach dem Krieg soll daher nicht an der ursprünglichen Stelle erfolgt sein. Diese Argumentation Pressacs verwundert, da die Betondecke innen unverputzt und unverkleidet ist. Man hätte also von innen die Lage der originalen, nun eventuell verschlossenen Löcher feststellen und diese neu durchbrechen können.

Wie die Museumsverwaltung den Besuchern auf Nachfrage bestätigt, wurden nach dem Krieg auch die zwei Kremierungsöfen im Kremierungsraum und der außen stehende Kamin ohne funktionellen Zusammenhang aus "musealen Gründen" an den Stellen der ehemals dort befindlichen Anlagen errichtet.[150]

Der französische Journalist und profilierte Revisionisten-Gegner Eric Conan schreibt dazu:[151]

»Ein anderes delikates Thema: Was tun mit den Fälschungen, die die kommunistische Verwaltung hinterlassen hat? In den 50er und 60er Jahren wurden mehrere Gebäude, die verschwunden oder zweckentfremdet waren, mit großen Fehlern umgebaut und als authentisch vorgeführt. Einige, die "zu neu" waren, sind für die Öffentlichkeit geschlossen worden. Nicht zu reden von den Gaskammern zur Entlausung, die manchmal als Gaskammern zur Menschentötung gezeigt wurden. Diese Verirrungen haben den Bestreitern viel geholfen, die daraus das Wesentliche für ihre Märchen gezogen haben. Das Beispiel des Krematoriums I ist bezeichnend. In seiner Leichenhalle wurde die erste Gaskammer eingerichtet. Sie arbeitete kurze Zeit Anfang 1942. Die Abriegelung der Zone, die für die Vergasungen notwendig waren, störte den Lagerbetrieb. Es wurde also Ende April 1942 entschieden, die tödlichen Vergasungen nach Birkenau zu verlegen, wo sie im wesentlichen an jüdischen Opfern im industriellen Maßstab durchgeführt wurden. Das Krematorium I wurde in der Folge in einen Luftschutzkeller mit Operationssaal umgestaltet. 1948 bei der Schaffung des Museums wurde das Krematorium I in den angenommenen Originalzustand umgestaltet. Dort ist alles falsch:[152] die Abmessungen der Gaskammer, die Lage der Türen, die Öffnungen für das Einwerfen des Zyklon B, die Öfen, die nach dem Geständnis einiger Überlebender neu aufgebaut wurden, die Höhe des Schornsteins. [...] Für den Augenblick bleibt das, wie es ist, und den Besuchern wird nichts gesagt. Das ist zu kompliziert. Man wird später weiter sehen.« (Hervorhebung d.d.V.)

Frei nach dem Motto: Man log, man lügt, man wird weiter lügen...

Angesichts dieser nach dem Krieg durchgeführten realitätsfernen »Rekonstruktionen« kommt auch der jüdisch-amerikanische Architekt Robert van Pelt in Zusammenarbeit mit der jüdisch-kanadischen Holocaust-Historikerin Deborah Dwork zu nicht weniger deutlichen Schlußfolgerungen:[153]

»Die Architektur zur Durchführung der Metamorphose von Mensch zu Untermensch war bei der Befreiung des Lagers durch die Sowjets 1945 noch intakt. Alle Spuren wurden erst danach beseitigt. Der offizielle Lagerführer erwähnt das Gebäude [Krematorium I] überhaupt nicht. Vielleicht konnten die Männer und Frauen, die das Museum geschaffen haben, dies mit ihrer Ideologie des Widerstandes, eine Ideologie, die der ungerechten Behandlung total widersprach, nicht in Einklang bringen. Vielleicht war es auch einfach nur eine Frage der Mittel und die Notwendigkeit einer touristischen Dienstleistung. Ob aus doktrinären oder praktischen Gründen, die Zerstörung der Orginalbaulichkeit innerhalb des derzeitigen Besucherempfangszentrums stellt sowohl eine bewußte Nachkriegs-Irreführung als auch einen Verlust dar.

In dem Lager, das die Russen 1945 vorfanden, wurde Neues dazugebaut und Altes abgetragen. Und der Abbau des ehemaligen Häftlings-Aufnahmegebäudes paßt zum rekonstruierten Krematorium I außerhalb der nordöstlichen Umkreises des derzeitigen Lagermuseums. Mit seinem Kamin und seiner Gaskammer sorgt das Krematorium für einen besinnlichen Abschluß einer jeden Lagertour. Die Besucher erfahren nicht, daß es sich bei dem von ihnen besichtigten Krematorium weitestgehend um eine Nachkriegsrekonstruktion handelt.

Als Auschwitz nach dem Krieg in ein Museum verwandelt wurde, wollte man die Geschichte auf eine Komponente des Lagerkomplexes konzentrieren. Die berüchtigten Krematorien, wo die Massenmorde stattfanden, befinden sich als Ruinen im ca. vier Kilometer entfernten Birkenau. Das Komitee war der Meinung, daß am Ende einer jeden Gedenktour durch das Lager ein Krematorium besichtigt werden sollte. Und so wurde Krematorium I rekonstruiert, das die Geschichte der Verbrennungsöfen von Birkenau erzählen sollte.

Dieses Programm der unrechtmäßigen Aneignung war recht genau. Es entstand ein Kamin als herausragendes Symbol für Birkenau, vier abdeckbare Öffnungen auf dem Dach, die das Einfüllen von Zyklon B in die darunterliegende Gaskammer suggerieren sollten, und zwei der drei Einäscherungsöfen mit Originalteilen. Bis heute gibt es keine Schilder, die auf diese Nachkriegsentstehung hinweisen. Lagerführer bleiben still, wenn Touristen davon sprechen, daß es in diesem Bau geschah.«

Freilich birgt diese These von der »unrechtmäßigen Aneignung« mächtig viel Sprengstoff in sich, legt sie doch nahe, daß im Krematorium I eben nicht geschah, was uns die Augenzeugen Rudolf Höss, Pery Broad und einige andere berichten. Sie alle wären dann als reine Märchenerzähler zu charakterisieren. Doch damit unterminiert man von vornherein die Glaubwürdigkeit auch aller anderen Zeugen, also auch jener von Birkenau. Ob das den Autoren bewußt geworden ist?

Man kann wohl zumindest unwidersprochen feststellen, daß Decke, Außenmauern und Pfeiler sowie das Fundament des Gebäudes im ursprünglichen Zustand sind. Wären in der Stahlbetondecke Öffnungen zum Einbau von Einwurfschächte und Lüftungsanlagen vorhanden gewesen, so müßten an der von innen unverputzten Decke an entsprechender Stelle Verletzungen der Betonstruktur sichtbar sein, da diese nicht rückgängig gemacht werden können, ohne bleibend sichtbare Spuren zu hinterlassen. Neben den heutigen Einwurfschächte gibt es in der Decke jedoch keine Anzeichen weiterer ehemaliger Öffnungen. Es gab also die behaupteten Durchbrüche an anderer Stelle nicht!

Abbildungen 24 und 25: Zerfallserscheinungen, sichtbar an der Innendecke des Leichenkellers des Krematorium I im Auschwitz-Stammlager: Nach über 50 Jahren fangen die nahe der Oberfläche liegenden Eisenbewehrung an zu rosten und sprengen den Beton auf. Die provisorischen Versuche der Museumsleitung, diese Löcher zu verputzen (rechts), sind zum Scheitern verurteilt.

Die heute sichtbaren Betondurchbrüche sind weder verputzt, noch sind die Überreste der abgeschnittenen Bewehrungseisen korrekt entfernt worden. Die Löcher sind behelfsmäßig mit Holz verschalt und mit Teer abgedichtet. Eine solch unsaubere Arbeit entspricht weder der beim Umgang mit Giftgas gebotenen Sorgsamkeit noch deutscher Baufacharbeit. Hätte die SS seinerzeit diese Betondurchbrüche angefertigt (andere waren nie vorhanden!), so sollte zudem eine gleichmäßige Verteilung der vier Schächte in der Decke des ursprünglichen (!) Leichenkellers zwecks gleichmäßiger Verteilung des Zyklon B im Raum angenommen werden. Die heutigen Schächte sind aber nur dann gleichmäßig an der Raumdecke verteilt, wenn man den erst nach dem Krieg in diesen Raum einbezogenen Waschraum als Bestandteil des Leichenkellers ("Gaskammer") betrachtet (siehe Abbildung 21 und 23, S. ??). Die Anordnung der Einwurfschächte ergibt also nur dann einen Sinn, wenn sie speziell für den heutigen Zustand als falsch dimensionierte »museale Rekonstruktionen« (B. Bailer-Galanda)[150] erzeugt wurden, also nach dem Kriege. Bis heute wird unwidersprochen davon ausgegangen, daß die heute sichtbaren Einwurflöcher erst nach dem Krieg erzeugt wurden, ohne dabei auf angeblich vorhandene Überreste alter, zugemauerter Löcher zurückgegriffen zu haben.[154]

Das Flachdach dieses Krematoriums hat - wie alle Flachdächer - die Eigenschaft, nicht wasserdicht zu sein. Aufgrund seit Jahrzehnten durchdringenden Regens sowie aufgrund der Tatsache, daß die nahe an der Oberfläche liegenden Eisenbewehrungen mit der Zeit anfangen zu rosten und den Beton aufzusprengen beginnen,[155] zeigt die Decke an der Innenseite an vielen, unregelmäßig über die ganze Decke verteilten Stellen inzwischen deutliche Zerfallserscheinungen, vgl. Abbildung 24f. Die Museumsleitung hat zwar versucht, diese Stellen zu verputzen, aber der Putz wird vom bröckelnden Rost der Eisenbewehrungen sofort wieder zerstört. Heute müssen die Putzfrauen des Museums inzwischen wöchentlich die herunterfallenden Mörtel- und Betonkrümel wegfegen.

Es wäre völlig verfehlt, diese Zerfallserscheinungen als Überreste ehemaliger Durchbrüche durch die Decke zu deuten. Eine solche These wird durch vier Tatsachen widerlegt:

  1. Bei Durchbrüchen hätten die Eisenbewehrungen entfernt werden müssen, was sichtlich nicht der Fall ist.
  2. Es müßte eine Grenze zwischen Altbeton der Decke und dem nachträglich hinzugefügten Verfüllmaterial zu erkennen sein, was auch nicht der Fall ist. Die Korrosionsstellen weisen alle eine homogene Struktur des Betons auf.
  3. Diese Stellen müßten gleichmäßig über die Decke der originalen Leichenhalle verteilt sein, was nicht der Fall ist
  4. Diese Stellen müßten ein gleichartige, regelmäßige Form aufweisen (rund, quadratisch oder rechteckig), was ebenfalls nicht gegeben ist.

Aus all diesen Argumenten kann mit Gewißheit gefolgert werden, daß es zur angeblichen Verwendungszeit dieser Räumlichkeit als "Gaskammer" keine Durchbrüche zum Einwurf von Zyklon B gab. Es fehlt zudem jedes Anzeichen einer ehemaligen Einrichtung zur Entlüftung des Raumes. Weiterhin hat es von außen keinen direkten Zugang zur "Gaskammer" gegeben. Die Opfer hätten durch den Leichenraum (Aufbahrungsraum) bzw. durch den Ofenraum eintreten müssen. Sie hätten also vor ihrer eigenen Hinrichtung an Leichenbergen ihrer zuvor ermordeten Leidensgenossen vorbeidefilieren müssen, eine wahrlich makabre Vorstellung. Von Täuschung und Tarnung hätte keine Rede sein können, und eine willige Kooperation oder ein Sich-Fügen der Häftlinge hätte man unter solchen Umständen auch nicht erwarten können.


Anmerkungen

[69]»David Cole Interviews Dr. Franciszek Piper, Director, Auschwitz State Museum« , VHS Video, verbreitet von CODOH, P.O. Box 439016, San Diego, CA 92143, USA (online: codoh.com/cole.ra (Tonmitschnitt)); Text-Kurzfassung: JHR 13(2) (1993), S. 11-13 (online: codoh.com/gcgv/gcgvcole.html (Auszug))
[70]Die neue Reihe des IfZ konnten wir noch nicht analysieren, jedoch legen die Titel nahe, daß es sich dabei nur um Detailuntersuchungen handelt, nicht aber um einen Versuch, die Geschichte des Lagers selbst in Gänze zu erfassen: Norbert Frei, Thomas Grotum, Jan Parcer, Sybille Steinbacher, Bernd C. Wagner, Darstellungen und Quellen zur Geschichte von Auschwitz, Bd 1: »Standort- und Kommandanturbefehle des Konzentrationslagers Auschwitz 1940-1945«; Bd 2: »"Musterstadt" Auschwitz: Germanisierungspolitik und Judenmord in Ostoberschlesien«; Bd 3: »IG Auschwitz: Zwangsarbeit und Vernichtung von Häftlingen des Lagers Monowitz 1941-1945«; Bd 4: »Ausbeutung, Vernichtung, Öffentlichkeit: Neue Studien zur nationalsozialistischen Lagerpolitik«; K.G. Saur, München 2000.
[71]Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945, Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 1989.
[72]J.-C. Pressac, Les crématoires d'Auschwitz. La machinerie du meurtre de masse, CNSR, Paris 1993, dt.: Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes, Piper, München 1994. Wenn nicht anders vermerkt, beziehen sich Verweise immer auf das französische Original.
[73]Bezüglich Kritik an Pressacs erstem Buch (Anm. 67) vgl. R. Faurisson, JHR, 11(1) (1991), S. 25ff.; ebenda, 11(2) (1991), S. 133ff. (online frz.: vho.org/F/j/RHR/3/Faurisson65-154.html); F. A. Leuchter, The Fourth Leuchter Report, Samisdat Publishers Ltd., Toronto 1991 (online: www.zundelsite.org/english/leuchter/report4/leuchter4.toc.html); zur Kritik an Pressacs zweitem Buch (Anm. 72) siehe: Herbert Verbeke (Hg.), aaO. (Anm. 42); zur prinzipielle Kritik an Pressacs Arbeitsweise vgl. G. Rudolf, »Gutachten über die Frage der Wissenschaftlichkeit der Bücher Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers und Les Crématoires d'Auschwitz, la Machinerie du meurtre de masse von Jean-Claude Pressac«, in: W. Schlesiger, Der Fall Rudolf, Cromwell, London 1994 (online: vho.org/D/dfr/Fall.html#Gutachten); inzwischen wurde Pressac auch von jüdischer Seite massiv wegen unwissenschaftlicher Arbeitsweise angegriffen, vgl. Rivarol, 22.3.1996, S. 8 (online: [Zur Zeit nicht erhältlich!!!]abbc.com/aaargh/fran/archFaur/RF960322.html); ebenda, 12.4.1996, S. 4; vgl. auch die Kritik von Pierre Guillaume, De la misère intellectuelle en milieu universitaire, B.P. 9805, 75224 Paris cedex 05, 1995 (online: [Zur Zeit nicht erhältlich!!!]abbc.com/aaargh/fran/archVT/vt9309xx1.html).
[74]Robert van Pelt, Deborah Dwork, Auschwitz: 1270 to the Present, Yale University Press, New Haven and London 1996; vgl. die Rezension von Carlo Mattogno, "Architektonische Stümpereien zweier Plagiatoren", VffG, 4(1) (2000), S. 25-33 (online: vho.org/VffG/2000/1/Mattogno25-33.html.
[75]Siehe dazu das Urteil von Norman G. Finkelstein in Norman G. Finkelstein, Ruth Bettina Birn, A Nation on Trial: The Goldhagen Thesis and Historical Truth, Metropolitan Books, New York 1998; vgl. die Rezension von Richard Widmann, »Holocaust-Literatur versus Holocaust-Wissenschaft«, VffG 2(4) (1998), S. 311ff. (online: vho.org/VffG/1998/4/Buecher4.html).
[76]Tsentr Chranenija Istoriko-dokumental'nich Kollektsii (nachfolgend TCIDK); vgl. daneben auch die Akten im Gosudarstwenny Archiv Rossiskoy Federatsii.
[77]Vgl. Manfred Köhler, »Pressac und die deutsche Öffentlichkeit«, in: Herbert Verbeke, aaO. (Anm. 42), S. 19-30 (online: vho.org/D/anf/Koehler.html).
[78]Im Dritten Reich sollen Haare ab einer bestimmten Schnittlänge einer Verwertung zugeführt worden sein, wozu sie gegebenenfalls zuvor entlaust wurden. (vgl. dazu: Schreiben des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes, Oranienburg, vom 6.8.1942, IMT-Dokument 511-USSR, zitiert nach: Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof, Nürnberg 1949, S. 553f. Darin wird die Wiederverwertung von Häftlings-Schnitthaar ab 20 mm Schnittlänge befohlen. Wenn nach dem Kriege in Haaren Cyanide gefunden wurden, so kann dies eine Erklärung dafür sein. Keineswegs ist dies ein Beweis für Menschenvergasungen, wie von J. Bailer und Brigitte Baier-Galanda postulieren, aaO. (Anm. 51), ebenda und S. 36-40. Selbst bei einer anstehenden Hinrichtung wäre es einfacher und sinnreicher, den Menschen vor der Tötung die dann noch sauberen Haare abzuschneiden.
[79]Nachfolgende Ausführungen basieren im wesentlichen auf den Ausführungen von H.J. Nowak, »Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Auschwitz«, VffG 2(2) (1998), S. 87-105, hier S. 88-93 (online: vho.org/VffG/1998/2/Nowak2.html).
[80]O. von Schjerning, Handbuch der Ärztlichen Erfahrungen im Weltkrieg 1914/1918, Band VII Hygiene, J. A. Barth Verlag, Leipzig 1922, besonders S. 266ff: »Sanierungsanstalten an der Reichsgrenze«.
[81]Der Brockhaus verweist dabei auf das Werk: A. Schittenhelm, »Flecktyphus« in: Handbuch der Inneren Medizin, 2. Auflage, 1925).
[82]R. Wohlrab, »Flecktyphusbekämpfung im Generalgouvernement«, Münchner Medizinische Wochenschrift, 89(22) (1942), S. 483-488.
[83]W. Hagen, »Krieg, Hunger und Pestilenz in Warschau 1939-1943«, Gesundheitswesen und Desinfektion, 65(8) (1973), S. 115-127; ebenda, 65(9) (1973), S. 129-143.
[84]Friedrich Konrich, »Über die Sanierungsanstalten der deutschen Kriegsgefangenenlager«, Gesundheits-Ingenieur, 19.7.1941, S. 399-404.
[85]Wilhelm Stromberger, »Was war die "Sonderbehandlung" in Auschwitz?«, Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 44(2) (1996), S. 24-25.
[86]Der praktische Desinfektor, Heft 2, Verlag Erich Deleiter, Berlin 1941, Umschlaginnenseite; vgl. F.P. Berg, »Typhus and the Jews«, JHR, 8(4) (1988), S. 433-481 (online: vho.org/GB/Journals/JHR/8/4/Berg433-481.html).
[87]Vgl. dazu Wolfgang Lambrecht, Otto Karl, Das Handelsprodukt Zyklon B, unveröffentlichtes Manuskript, bald im Internet unter vho.org/D/Beitraege/Zyklon.html veröffentlicht.
[88]Deutsche Reichsbahn Eisenbahnverkehrsordnung (EVO), Anlage C zu §54 EVO, Vorschriften über die nur bedingt zur Beförderung zugelassenen Gegenstände vom 1. Okt. 1938, S. 50:
»Die Blausäure muß durch einen von der Chemisch-Technischen Reichsanstalt nach Art und Menge anerkannten Zusatz, der zugleich ein Warnstoff sein kann, beständig gemacht sein.«
[89]L. Gaßner, »Die gesetzlichen Bestimmungen der Anwendung hochgiftiger gasförmiger Stoffe zur Schädlingsbekämpfung in Deutschland«, in Handbuch des praktischen Desinfektors, Th. Steinkopf, Dresden 1937, S. 185f. Die Tatsache, daß das KL Auschwitz Zyklon B ohne Geruchswarnstoff erhielt, ist daher nicht so ungewöhnlich, wie es in der Literatur bisweilen dargestellt und als »kriminelles Indiz« aufgebauscht wird. Auch die bekannte Ausnahmeregelung für die Waffen-SS bietet hierfür keinen Anlaß, bezog sie sich doch nur auf die geltenden Reichsvorschriften und Ausführungsbestimmungen, die die Anwendung von Zyklon B regelten, vgl. Deutsches Reich, »Anwendung von hochgiftigen Stoffen zur Schädlingsbekämpfung durch die Waffen-SS«, Rund-Erlaß des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft vom 3.4.1941, zitiert nach Zeitschrift für hygienische Zoologie und Schädlingsbekämpfung, 33 (1941), S. 126.
[90]Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpung, eine Tochterfirma der I.G. Farbenindustrie AG.
[91]Zur Firmengeschichte, vermischt mit Holocaust-Geschichtenschreibung, vgl. Jürgen Kalthoff, Martin Werber, Die Händler des Zyklon B, VSA-Verlag, Hamburg 1998; weitaus fachkundiger und sachlicher: Wolfgang Lambrecht, Otto Karl, aaO. (Anm. 87).
[92]O. Hecht, »Blausäuredurchgasungen zur Schädlingsbekämpfung«, Die Naturwissenschaften, 16(2) (1928), S. 17-23.
[93]G. Peters, W. Ganter, »Zur Frage der Abtötung des Kornkäfers mit Blausäure«, Zeitschrift für angewandte Entomologie, 21(4) (1935), S. 547-559.
[94]G. Peters, »Eine moderne Eisenbahn-Entwesungsanlage«, Anzeiger für Schädlingskunde, 14(8) (1938) S. 98f.; vgl. F.P. Berg, aaO. (Anm. 111).
[95]Gerhard Peters, Blausäure zur Schädlingsbekämpfung, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1933.
[96]Walter Dötzer, »Entkeimung, Entseuchung und Entwesung«, in J. Mrugowsky (Hg.), Arbeitsanweisungen für Klinik und Laboratorium des Hygiene-Instituts der Waffen-SS, Urban & Schwarzenberg, Berlin und Wien 21943.
[97]F.E. Haag, Lagerhygiene, Taschenbuch des Truppenarztes, Band VI, F. Lehmanns Verlag, München 1943.
[98]F. Puntigam, »Die Durchgangslager der Arbeitseinsatzverwaltung als Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge«, Gesundheitsingenieur, 67(2) (1944), S. 47-56.
[99]G. Peters, Die hochwirksamen Gase und Dämpfe in der Schädlingsbekämpfung, F. Enke Verlag, Stuttgart 1942.
[100]DEGESCH, Acht Vorträge aus dem Arbeitsgebiet der DEGESCH, 1942, S. 47; Dokument NI-9098 im Nürnberger Prozeß, Eigenschaftstabelle der von der DEGESCH verwendeten gasförmigen Insektizide/Rottizide.
[101]H. Kruse, Leitfaden für die Ausbildung in der Desinfektion und Schädlingsbekämpfung, Muster-Schmidt, Göttingen 1948.
[102]H. Kliewe, Leitfaden der Entseuchung und Entwesung, F. Enke Verlag, Stuttgart 1951.
[103]F. Puntigam, H. Breymesser, E. Bernfus, Blausäuregaskammern zur Fleckfieberabwehr, Sonderveröffentlichung des Reichsarbeitsblattes, Berlin 1943.
[104]G. Peters, »Gefahrlose Anwendung der hochgiftigen Blausäure in Entlausungskammern«, Arbeitsschutz, 5(III) (1942), S. 167 f.
[105]F. Puntigam, »Raumlösungen von Entlausungsanlagen«, Gesundheitsingenieur, 67(6) (1944), S. 139-180.
[106]E. Wüstinger, »Vermehrter Einsatz von Blausäure-Entlausungskammern«, Gesundheitsingenieur, 67(7) (1944), S. 179.
[107]Eine Zusammenfassung zum Thema neueren Datums ist erschienen von F.P. Berg, »The German Delousing Chambers«, JHR, 7(1) (1986), S. 73-94 (online: codoh.com/gcgv/gcdelouse.html); vgl. ebenso ders., aaO. (Anm. 86).
[108]Entseuchungs- und Entwesungsvorschrift für die Wehrmacht, H. Dv. 194, M. Dv. Nr. 277, L. Dv. 416, Reichsdruckerei, Berlin 1939.
[109]Richtlinien für die Anwendung von Blausäure (Zyklon) zur Ungeziefervertilgung (Entwesung), Gesundheitsanstalt des Protektorats Böhmen und Mähren, Prag o.J.; Dokument NI-9912(1) im Internationalen Militärgerichtshof, wiedergegeben in Herbert Verbeke (Hg.), aaO. (Anm. 42), S. 94-99.
[110]Technische Regeln für Gefahrstoffe, TRGS 512, Begasungen, BArbBl. Nr. 10/1989, S. 72, in: Kühn, Brett, Merkblätter Gefährlicher Arbeitsstoffe, ecomed, Landsberg 1990.
[111]Ludwig Gaßner, »Verkehrshygiene und Schädlingsbekämpfung«, Gesundheits-Ingenieur, 66(15) (1943), S. 174ff.; vgl. F.P. Berg, aaO. (Anm. 86).
[112]TCIDK 502-1-26-117
[113]Bobrach, Heinz u.a., Inventar archivalischer Quellen des NS-Staates, hgg. vom Institut für Zeitgeschichte, Band 3/2, K. G. Saur, München 1995.
[114]Ebenda, Band 3/1, 1991. Bisher haben wir Kenntnis von ca. 110 000 Laboruntersuchungen. Viele belegende und aufschlußreiche Faksimile sind in den Heften von Auschwitz enthalten, Nr. 1 bis 19, Sondernummern, Verlag staatliches Auschwitz-Museum, seit 1959.
[115]TCIDK 502-1-332-46/46a.
[116]TCIDK 502-1-332-9/10.
[117]Nach Pressac seit 1941/42 in Betrieb, aaO. (Anm. 67), S. 25.
[118]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 67), S. 157
[119]TCIDK 502-1-333-145
[120]TCIDK 502-1-336-94
[121]TCIDK 502-1-332-37
[122]Gerhard Peters und W. Rasch, »Die Blausäure als Entlausungsmittel in Begasungskammern«, Der praktische Desinfektor, September 1941, S. 93-96.
[123]Gerhard Peters und E. Wüstinger, »Entlausung mit Zyklon-Blausäure in Kreislauf-Begasungskammern. Sach-Entlausung in Blausäure-Kammern«, Zeitschrift für hygienische Zoologie und Schädlingsbekämpfung, Heft 10/11 (1940), Sonderdruck. TCIDK 502-1-332-86/90. Eingang bei Neubauleitung Auschwitz: 3.7.1941.
[124]TCIDK 502-1-332-117/119)
[125]TCIDK 502-1-332-219
[126]TCIDK 502-1-233-33/38
[127]TCIDK 502-1-322-219
[128]TCIDK 502-1-322-31
[129]Einem Schreiben vom 23.3.1944 an die ZBL entnommen, TCIDK 502-1-332-175.
[130]TCIDK 502-1-332-28
[131]TCIDK 502-1-332-212
[132]TCIDK 502-1-149-135
[133]Vgl. dazu H.-J. Nowak, aaO. (Anm. 79); H. Lamker, »Die Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Auschwitz, Teil 2", VffG 2(4) (1998), S. 261-272 (online: vho.org/VffG/1998/4/Lamker4.html)
[134]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 67), S. 55-58, Pläne der Bauwerke 5a/b, S. 59 f. Außenaufnahmen. Der Änderungsplan Nr. 2540 zur Heißluftentlausung datiert vom 5.7.1943.
[135]Ebenda, S. 53.
[136]Die Massenangaben bei Zyklon B beziehen sich immer auf den HCN-Nettogehalt des Präparates.
[137]Office of Chief of Counsel for War Crimes, Britisches Militärgericht, Verfahren gegen B. Tesch et al., hier eidesstattliche Erklärung von A. Zaun, Hamburg 24.10.1945, Document No. NI-11 396; zitiert nach U. Walendy, Auschwitz im IG-Farben-Prozeß, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1981, S. 62.
[138]Vgl. den Höss-Befehl zur Vermeidung von Vergiftungsunfällen bei Barackenentlausungen, wiedergegeben bei J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 67), S. 201. Pro Baracke mit einem Volumen von ungefähr 40m×12m×3,5m > 1500 m3, ergibt sich ein Bedarf von 15 kg Zyklon B, bei 100 Baracken im Lager Birkenau damit schon ein Bedarf von 1,5 Tonnen!
[139]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 67), S. 123.
[140]Ebenda, S. 201.
[141]Ebenda, S. 126-128.
[142]Ebenda, S. 129.
[143]Ebenda, S. 151/153.
[144]Ebenda, S. 131f.
[145]D.D. Desjardin, »My Visit to Auschwitz-Birkenau, May 30-31, 1996«, Interview mit F. Piper, online: codoh.com/newrevoices/nddd/ndddausch.html.
[146]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 67), S. 149; Foto des Daches von Krematorium I unmittelbar nach der Befreiung.
[147]Ebenda, S. 156.
[148]»Herstellung der für die Beheizungsöfen, sowie für die Ent- und Belüftung erforderlichen Mauerdurchbrüche und Schläuche«, Schreiben des Luftschutzleiters Auschwitz, 26.8.1944, TCIDK 502-1-401; vgl. auch »Erläuterungsbericht zum Ausbau des alten Krematoriums als Luftschutzbunker für SS-Revier mit einem Operationsraum im K.L.Auschwitz O/S. BW 98M«, TCIDK 502-2-147.
[149]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 67), S. 159.
[150]Ebenda, S. 133; daneben: Bestätigung der Veränderungen zur teilweisen Wiederherstellung der Anlage im Schreiben des Staatlichen Museums Auschwitz an Jole S. Hayward, Az I-8523/26/2120/ 91, vom 7.5.1991; B. Bailer-Galanda, Informationen der Gesellschaft für politische Aufklärung, Innsbruck Juni 1991, Nr. 29, S. 1, bezüglich Leuchters Aussagen zum Krematorium I: »2. Er verwechselt museale Rekonstruktionen der Gaskammern, die dem Betrachter einen Eindruck der damaligen Geschehnisse vermitteln sollen, mit real funktionierenden Gaskammern.«; Schreiben von Dr. Scheel, Auswärtiges Amt Bonn, 8.1.79, Aktenzeichen 214-E-Stuparek: »Auch mir ist bekannt, daß es im Lager Auschwitz keine Gaskammern gegeben hat. Die Gaskammern befanden sich im ca. 3 km davon entfernten KZ Auschwitz-Birkenau.«
[151] »Auschwitz: la mémoire du mal«, L'Express, 19.-25. Januar 1995; vgl. dazu auch die Ausführungen von Robert Faurisson: »Sur Auschwitz, lentement, la vérité reprend ses droits«, 4.2.1995 (online: vho.org/aaargh/fran/archFaur/1995-2000/RF950204.html).
[152]Im Original: »Tout y est faux«
[153]AaO. (Anm. 74), S. 363f.
[154]Siehe dazu auch das Interview von D. Cole, aaO. (Anm 69).
[155]Eisenbeton ist nur dann haltbar, wenn das Eisen tief im Innern des Betons verborgen ist und dort durch das langanhaltende alkalische Milieu des Betons über Jahrzehnte vor Korrosion geschützt wird, denn Beton wird vom Kohlendioxid (CO2) der Umgebung nur sehr langsam carbonatisiert, d.h. sein pH-Wert neutralisiert. Die Moniereisen der Decke im besprochenen Leichenkeller liegen recht nahe der Oberfläche, wo der pH-Wert recht schnell absinkt (d.h. weniger alkalisch wird), insbesondere wenn CO2-haltiges Regenwasser durch den Beton dringt, vgl. den regenwasserdurchlässigen Riß in Abbildung 25.

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