Enrique Aynat : Les « Protocoles d’Auschwitz » sont-ils une source historique digne de foi ?

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Appendice 1

Protocole 1
Document M20/153
Yad Vashem, Jérusalem
(Document YVA)

[Transcription]

(Note de VHO : L’édition originale de « Los « Protocolos d’Auschwitz » : una fuente histórica ? » contient une photocopie de l’original du Protocole 1 ; il en est de même pour les autres Protocoles. Les croquis repris dans cette transcription sont des photocopies du texte original. Les appels de notes et les notes elles-mêmes sont de l’auteur.)

[page d’introduction non numérotée]

Zwei jungen slowakischen Juden, – deren Namen vorläufig im Interesse ihrer Sicherheit verschwiegen werden soll [1] –, die im Jahre 1942 aus der Slowakei deportiert wurden und volle zwei Jahre in den Konzentrationslagern Birkenau, Auschwitz und Lublin-Majdanek verbracht haben, ist es geglückt, auf wunderbare Weise zu entkommen.

Der eine ist am 13. April 1942 aus dem Sammellager Sered direkt nach Auschwitz und von dort nach Birkenau gebracht worden, der andere wurde am 14. Juni 1942 aus dem Lager Novaky nach Lublin verschleppt, von dort nach kurzem Aufenthalt nach Auschwitz und dann nach Birkenau gebracht.

Der vorliegende Bericht enthält nicht alles, was die beiden während ihrer Haftzeit erlebten. Es ist nur das niedergeschrieben worden, was der eine oder beide gemeinsam erlebt, gesehen oder ganz unmittelbar wahrgenommen und erfahren haben. Es werden keine individuellen Eindrücke geschildert und nichts wiedergegeben, was sie nur auf Grund von Mitteilungen anderer dritter Personen erfahren haben.

Der Bericht ist so abgefasst, dass zuerst die Erlebnisse und Wahrnehmungen jenes jungen Juden, der aus Sered abgeschoben wurde, wiedergegeben werden. Diese Wiedergabe erfolgt von jenem Zeitpunkte an als auch der zweite nach Birkenau gebracht wurde, auf Grund der Aussagen von beiden. Dann folgt der Bericht des zweiten Juden, der aus Novaky nach Lublin und von dort nach Auschwitz verschickt wurde.

Die Aussagen decken die bisher erhaltenen, wohl nur fragmentartigen, jedoch verlässlichen Berichte und ihre über die einzelnen Transporte mitgeteilten Daten stimmen genau mit den amtlichen Aufzeichnungen überein. Die Aussagen sind also als durchaus glaubwürdig zu betrachten.

[page 1]

Am 13. April 1942 wurden wir – 1 000 Mann – im Sammellager Sered einwaggoniert. Die Waggontüren wurden geschlossen, weshalb wir die Fahrtrichtung nicht feststellen konnten. Als die Türen nach langer Fahrt geöffnet wurden, konstatierten wir, dass wir die slowakische Grenze passiert haben und uns in Zwardon befinden. Die Bewachungsmannschaft, welche bis hierher durch die Hlinka Garde gestellt wurde, wurde durch Waffen SS abgelöst. Nach Abkopplung eines kleineren Teiles unseres Tramsportes fuhren wir dann weiter und kamen bei Nacht in Auschwitz an, wo wir auf einem Nebengeleise halt machten. Die Zurücklassung des kleineren Transport-Teiles erfolgte angeblich wegen augenblicklichen Raummangels in Auschwitz. Übrigens kamen uns diese nac [sic] einigen Tagen nach. Wir wurden nun in Fünferreihen gestellt und gezählt. Wir waren 643 [2] Mann angekommen. Nach einem Marsch von etwa 20 Minuten mit unserem schweren Gepäck – wir sind gut ausgerüstet aus der Slowakei weggefahren – kamen wir in das Lager Auschwitz.

Wir wurden da sofort in eine grosse Baracke geführt. An der einen Seite mussten wir hier das ganze Gepäck abgeben, an der anderen Seite uns völlig nackt auskleiden und unsere Kleider und Wertsachen abführen. Nackt begaben wir uns dann in eine benachbarte Baracke, wo unser Kopf und Körper rasiert und durch Lysol desinfiziert wurden. Beim Ausgang aus dieser Baracke erhielt ein jeder eine Nummer in die Hand gedrückt. Die Nummern begannen mit 28600 und waren fortlaufend. Mit diesen Nummern in der hand jagte man uns dann in eine dritte Baracke, wo dann die Aufnahme stattfand. Die Aufnahme bestand darin, dass uns die in der zweiten Baracke erhaltene Nummer auf eine äusserst brutale Art – wobei viele von uns in Ohnmacht fielen – an die linke Brust tätowiert und unsere Personalien aufgenommen wurden. Wir wurden in Hundertergruppen in einen Keller gebracht, später in eine Baracke, wo wir gestreifte Häftlingskleider und Holzschuhe bekamen. Diese ganze Prozedur dauerte bis 10 Uhr vormittags. Noch am selben Nachtmittag wurden uns die Häftlingskleider abgenommen und durch alte schmutzige russische Militär monduren (eher Mondurfetzen) ersetzt. So ausgerüstet wurden wir dann nach Birkenau geführt.

Auschwitz ist ein Konzentrationslager für politische, sogenannte Schutzhäftlinge. In der Zeit meiner Einlieferung, d.h. April 1942, befanden sich dort etwa 15 000 Häftlinge, vorwiegend Polen, Reichsdeutsche und zivile sogenannte Schutzrussen. Einen kleineren Teil der Häftlinge stellten die Kategorien der Kriminalhäftlinge und der « arbeitsscheuen Elemente ».

Dem Lagerkommando Auschwitz ist auch das Arbeitslager Birkenau, ferner die kleine Lagerlandwirtschaft Harmense unterstellt. Alle Häftlinge werden in Auschwitz präsentiert, dort mit Häftlingsnummern versehen und dann entweder dort behalten oder nach Birkenau oder in ganze geringer Zahl nach Harmense geschickt. Die Häftlinge werden nach der Reihenfolge ihrer Einlieferung numeriert. Eine jede Nummer wird nur einmal benützt, so dass die letzte Nummer immer die jeweilige Gesamtzahl aller bisher eingelieferten Häftling zeigt. Zur Zeit unserer Flucht aus dem Lager Birkenau d.h. Anfang April 1944 war diese Zahl um die 180.000 – Die Nummern wurden Anfangs an die linke Brust tätowiert, später – weil sich dort die Tätowierung etwas verwischt hat – an den linken Unterarm.

Alle Häftlinge – ohne Rücksicht auf die Kategorie oder Nationalität werden gleichmässig behandelt. Zur Erleichterung der Evidenz sind sie aber unter schiedlich durch verschieden gefärbte Dreiecke an der linken Oberbrust unter der Häftlings-Nummer gekennzeichnet, wobei der Anfangsbuchstabe die Nationalität des Häftlings verrät. Dieser Buchstabe (z.B. bei Polen « P ») erscheint im Inneren des Dreieckes. Die einzelnen Farben bedeuten :

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rotes Dreieck
grünes       "
schwarzes "

rosa          "
violett       "
politischer Schutzhäftling
Berufsverbrecher
arbeitsscheu, asozial
(vorwiegend Russen)
homosexuell
Angehörige der Sekte der Bibelforscher

Die Bezeichnung der jüdischen Häftlinge unterscheidet sich von der beschriebenen Art der Bezeichnung der Arier dadurch, dass das entsprechende Dreieck (im überwiegenden Teile rot) durch gelbe Spitzen zu einem Davidstern ergänzt ist.

Innerhalb des Gebietes des Lagers Auschwitz befinden sich diverse Fabriken. Eine Fabrik der deutschen Aufrüstungswerke (DAW), eine Fabrik der Fa.Krupp und eine der Siemens-Werke. Ferner etwas ausserhalb des Lagerbereiches ein sich auf viele Kilometer ausbreitendes riesiges Bauobjekt « Buna » genannt. In diesen Betrieben arbeiten die Häftlinge.

Das Wohngebiet, also das Lager im engeren Sinne liegt auf einem Territorium von einem etwaigen Ausmasse von 500 x 300 [3] m. Es ist mit einer doppelten Reihe von 3 m hohen Betonpfosten umgeben, die beiderseits (also von innen und aussen) durch dicht angelegte, auf Isolatoren befestigte Hochspannungsleitungen miteinander verbunden sind. Zwischen diesen beiden Zäunen, in einem Abstand von 150 m stehen 5 m hohe Wachtürme, die mit Maschinengewehren und Scheinwerfern ausgestattet sind. Etwas vor dem inneren Hochspannungszaun ist noch ein gewöhnlicher Drahtzaun. Schon die Berührung dieses Zaunes wird durch Schiessen aus den Wachtürmen beantwortet. Dieses Bewachungssystem wird « kleine Postenkette » genannt. Das Lager selbst besteht aus 3 Häuser-Reihen. Zwischen der ersten und zweiten Reihe führt die Lagerstrasse, zwischen der zweiten und dritten war in der ersten Zeit eine Mauer gestanden. In den Häusern der durch diese Mauer getrennten Reihe waren bis Mitte August 1942 jene jüdischen Mädchen aus der Slowakei untergebracht, 7 000 an der Zahl, die in den Monaten März-April 1942 deportiert wurden. Nach der Überführung dieser Mädchen nach Birkenau wurde die Mauer zwischen der Häuserreihe 2 und 3 abgetragen. Quer durch die Häusserreihen führt der Einfahrtsweg. Über dem Eingangstor, das selbstverständlich ständig bewacht wird, ist mit grossen Buchstaben die ironische Aufschrift « Arbeit macht frei » angebracht.

Das ganze Lager ist in einem Umkreis von etwa 2 000 m in einem Abstand von 150 m wieder mit Wachtürmen umgeben, d.h. die « grosse Postenkette ». Im Raume zwischen der kleinen und grossen Postenkette befinden sich die Betriebe und sonstigen Arbeitsstellen. Die Türme der kleinen Postenkette sind nur bei Nacht besetzt, zugleich wird auch der elektrische Strom in die doppelte Umzäunung eingeschaltet. Bei Tag wird die Wachturm-Besatzung der kleine Postenkette abgezogen und zur gleichen Zeit werden die Türme der grossen Postenkette besetzt. Eine Flucht durch diese Postenkette – es hat viele Versuche gegeben – ist fast ausgeschlossen. Die kleine Postenkette bei Nacht zu passieren, ist ganz und gar unmöglich, während die Türme der grossen Postenkette so dicht beieinander stehen (nur 150 m also ein pro Turm zu bewachender Umkreis von einem Radius von 75 m), dass ein unbemerktes Herannahen nicht möglich ist. Bei Herannahung wird ohne Aufforderung geschossen. Der Abzug der Bewachungsmannschaft der grossen Postenkette nach der Abenddämmerung erfolgt erst nach dem innerhalb der kleinen Postenkette abgehaltenen Appell, wo festgestellt wird, dass sich alle Häftlinge im Kreise der kleinem Postenkette befinden. Wird beim Appell festgestellt, dass ein Häftling fehlt, wird durch Sirenen Alarm geblasen.

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Die Bewachung der grossen Postenkette bleibt in ihren Türmen, die Mannschaft der kleinen Postenkette bezieht ihre Stellungen und dann beginnt das Absuchen des Terrains zwischen den beiden Postenketten, welches von hunderten SS Leuten und Spürhunden durchgeführt wird. Durch den Sirenenton wird auch die weite Umgebung von Auschwitz in Alarmzustand versetzt, sodass wenn es dem einen oder anderen Häftling auf ganz wunderbare Art irgendwie gelunge ist, die grosse Postenkette zu passieren, muss mit grosser Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden, dass er durch die dichten Patrouillen der deutschen Polizei und SS erwischt wird. Ein grosses Hinderniss für den Flüchtling ist der kahl geschorene Kopf, die gekennzeichnete Kleidung (gestreifte Häftlingskleider oder andere mit roter Farbe bestrichene Fetzen) und das im besten Falle passive Verhalten der ungemein stark eingeschüchterten Bevölkerung. Nicht nur eine kleine Hilfeleistung, schon die Unterlassung einer sofortigen Anzeige über das Verweilen eines vermeintlichen Flüchtlings wird durch den Tod bestraft. Wenn der Flüchtling nicht eher erwischt wird, bleibt die grossen Postenkette 3 Tage und Nächte hindurch bewacht. Nach dieser Zeit wird angenommen, dass es dem Flüchtling gelungen ist, die Postenkette irgendwie zu passieren, weshalb am nächstfolgenden Abend die Bewachung abgezogen wird. Wenn der Flüchtling lebend erwischt wird, wird er in Anwesenheit des ganzen Lagers gehängt. Wenn er tot aufgefunden wird,

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wird seine Leiche immer – mag sich der Auffindungsort wo immer befinden – in das Lager zurückgebracht (durch die eintätowierte Nummer kann die Identität und Lagerzugehörigkeit leicht festgestellt werden), sodann am Eingangstor bei der kleinen Postenkette mit einer Tafel in der Hand hingesetzt. Die Tafel trägt die Aufschrift : « Hier bin ich. » Es hat während unserer fast zweijährigen Haft sehr viele Fluchtversuche gegeben. Bis auf 2 oder 3 Fälle wurden aber die Flüchtlinge immer lebend oder tot zurückgebracht. Ob es den ganz wenigen, die nicht wieder in das Lager gebracht wurden, gelungen ist, tatsächlich zu entkommen, wissen wir nicht. Mit Sicherheit kann aber behauptet werden, dass von den Juden, die aus der Slowakei nach Auschwitz bzw. Birkenau eingeliefert wurden, bis heute wir die einzigen sind, denen es geglückt ist, sich zu retten.

Wie bereits erwähnt, wurden wir [4] am ersten Tage unserer Ankunft in Auschwitz nach Birkenau gebracht.

Eine Gemeinde mit der Benennung « Birkenau » existiert eigentlich nicht. Auch der Name « Birkenau » ist neu geprägt und von dem in der Nähe liegenden Birkenwald (Brezinky) abgeleitet. Das Gebiet, das heute den Namen « Birkenau » trägt, wurde und wird noch heute von der Bevölkerung « Rajska » genannt. Das heutige Lagerzentrum von Birkenau liegt vom Lager Auschwitz ca. 4 km entfernt. Die beiden grossen Postenketten von Auschwitz und Birkenau berühren sich, sie werden von einander lediglich durch ein Eisenbahngleis getrennt. Von Neu-Berun, das wir unbegreiflicherweise als Post-Stelle für Birkenau angeben mussten, haben wir nie etwas vernommen. Diese Stadt dürfte 30-40 km von Birkenau entfernt sein.

Zur Zeit, als wir in Birkenau ankamen, fanden wir dort lediglich eine enorm grosse Küche für 15 000 Personen vor, derner 2 fertiggestellte und ein sich im Bau befindliches Steinhaus. Diese Bauobjekte waren mit einem gewöhnlichen Stacheldrahtzaun umgeben Die Häuser, welche wir vorfanden, als auch jene, die später erbaut wurden, beherbergen die Häftlinge. Sie sind alle nach gleichem Muster gebaut. Ein jedes Haus ist etwa 30 m lang und 8-10 m breit. Die Wandhöhe dürfte kaum 2 m überschreiten, während der Dachstuhl unverhältnismässig, ca 5 m hoch ist. Es erweckt den Eindruck eines Stalles, über welchen ein grosser Heuboden gebaut ist. Der Raum ist von innen nicht abgedeckt, sodass die innere mittlere Raumhöhe sich auf etwa 7 m beläuft. Der Raum wird durch eine Wand, welche durch die Mitte der Länge nach gezogen wurde, in zwei Teile geteilt, wobei diese in der Mitte abgebrochen ist, um die Kommunikation zwischen den beiden Teilen des Raumes zu ermöglichen. Sowohl an den beiden Seitenwänden, als auch an beiden Teilen Seiten der mittleren Teilungswand sind der ganzen Länge nach je zwei paralelle Etagen in einer Höhe vom Fussboden und voneinander ca. 80 x 80 cm eingebaut. Diese Etagen sind durch vertikale Teilungswände auf kleine Kammern abgeteilt. Es entstehen hiedurch drei Etagen (Fussboden, und zwei Etagen aus den Seitenwänden). In einer Kammer werden normalerweise drei Personen untergebracht. Sie sind, wie es sich aus den Massen ergibt, zu schmal, um ausgestreckt liegen zu können und kaum hoch genug, um darin aufrecht sitzen zu können. Von Stehen kann gar keine Rede sein. Auf diese Weise werden in einem Haus oder « Block » – wie sie benannt werden, 400-500 Personen untergebracht.

Das heutige Lager Birkenau liegt auf einem Territorium von etwa 1 600 x 850 [5] m, welches ebenso wie das Lager Auschwitz mit einer sogenannten kleinen Postenkette umgeben ist. Anschliessend wird derzeit auf einem Territorium gearbeitet, welches noch grösser ist, als das bereits bestehende Lager und soll nach Fertigstellung dem bereits bestehenden Lager angeschlossen werden. Der Zweck dieser riesenhaften Vorbereitungen ist uns nicht bekannt.

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In einem Umkreis von etwa 2 km ist das Lager Birkenau, ebenso wie das Lager Auschwitz mit einer grossen Postenkette umgeben. Das Bewachungssystem ist das gleiche, wie im Lager Auschwitz.

Die Bauobjekte, welche wir bei unserer Ankunft, in Birkenau vorfanden, wurden von 12 000 russischen Kriegsgefangenen errichtet, die im Dezember 1941 hingebracht wurden. Sie arbeiteten im strengsten Winter unter solchen unmenschlichen Bedingungen, dass sie bis auf eine ganz kleine Anzahl, u.z.w. jene, die in der Küche beschäftigt waren, umgekommen sind. Sie waren von 1-12000 numeriert, dies jedoch ausserhalb der laufenden, früher beschriebenen Numerierung. Bei der Einlieferung von weiteren russischen Gefangenen erhielten diese in Auschwitz nicht die laufenden Nummern der sonstigen Häftlinge, sondern immer wieder eine Nummer von 1-12000 an die Stelle eines bereits verstorbenen Russen. Bei dieser Häftlingskategorie kann also aus der eben erteilten Nummer nicht auf die Anzahl der bisher eingelieferten geschlossen werden. Angeblich sollen russische Gefangene von den Gefangenenlagern strafweise nach Auschwitz bzw. Birkenau versetzt werden. Den Rest dieser Russen trafen wir in schrecklich verwahrlostem Zustand an, sie bewohnten die noch nicht fertiggestellte Baustelle, ohne jedweden Schutz vor Kalte und Regen und starben in Massen. Ihre Leichen wurden zu hunderten und tausenden ganz oberflächlich in die Erde gekratzt und verbreiteten einen pestartigen Geruch. Später mussten wir diese Leichen ausgraben und der Verbrennung zuführen.

Eine Woche vor unserem Eintreffen in Auschwitz ist dort der erste jüdische Männertransport (die Mädchen wurden separat behandelt und hatten eine mit den Männern parallele Numerierung ; die slowakischen Mädchen erhielten die Nummern 1000-8000), 1 300 [6] naturalisierte französische Juden aus Paris eingetroffen. Sie wurden beiläufig mit No. 27500 beginnend numeriert. Da wir – wie bereits erwähnt – Nummern mit 28600 beginnend erhielten, ergibt sich, dass zwischen dem französischen und unserem Transport kein Männertransport in Auschwitz eingetroffen ist. Den am Leben gebliebenen Rest dieser französischen Juden, etwa 700 an der Zahl, trafen wir in fürchterlichen herabgekommenem Zustande in Birkenau an. Die fehlende Hälfte ist innerhalb der einen Woche gestorben.

In den drei fertigen Blocks waren untergebracht : 

I. die sogenannte Prominencia – Berufsverbrecher und ältere polnische politische Häftlinge, die die Lagerverwaltung innehatten,

II. Rest der französischen Juden, ca. 700 an der Zahl,

III. slowakische Juden, anfangs 643 [7] ; nach einigen Tagen kamen auch die in Zwardon zurückgebliebenen an,

IV. die noch lebenden Russen hausten in dem noch nicht fertiggestellten Bau und auch im Freien. Ihre Zahl nahm derart rapid ab, dass sie mehr keine nennenswerte Gruppe repräsentierten.

Die slowakischen Juden arbeiteten zusammen mit dem Rest der russischen Gefangenen am Bau, während die französischen Juden Erdarbeiten verrichten mussten. Nach drei Tagen wurde ich zusammen mit 200 [8] slowakischen Juden zur Arbeit in die deutschen Aufrüstungswerke nach Auschwitz kommandiert. Unser Wohnstätte bleib weiterhin in Birkenau. Wir gingen zeitlich früh zur Arbeit und kehrten abends zurück, Wir arbeiteten in der Tischlerwerkstätte und bei Strassenbauten. Zu Essen bekamen wir zu Mittag 1 Liter Suppe aus Steckrüben und am Abend 30 dkg. schlechtes Brot. Die Arbeitsbedingungen waren von einer unvorstellbaren Härte, sodass die meisten von uns, durch

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das Hungern und durch das ungeniessbare Essen abgeschwächt, es nicht aushielten. Die Mortalität war erschreckend. Wir hatten täglich in unserer zweihunderter Gruppe 30-35 Tote. Sehr viele wurden von den Aufsehern « die Capos » ohne dass sie sich eine Schuld zukommen liessen, während der Arbeit einfach erschlagen. Der Ausfall, welchen diese Gruppe durch das Absterben erlitt, wurde aus dem in Birkenau arbeitenden Teil täglich ergänzt. Sehr schwer und für uns gefährlich, war allabendlich die Rückkehr aus der Arbeit. Wir mussten unsere Arbeitsgeräte, Brennholz, schwere Kochkessel und unsere Toten, die während der Arbeit starben oder erschlagen wurden, auf einer Strecke von 5 km nach Hause schleppen. Es musste mit der schweren Last stramm marschiert werden. Wer dem Capo missfiel, wurde grausam geschlagen, wenn nicht erschlagen. Bis der zweite slowakische Männertransport nach etwa 14 tagen bei uns ankam, blieben von unserem Transporte nur mehr ungefähr 150 am Leben. Allabendlich wurden wir gezählt, die Leichen wurden auf flachen Feldbahnwagen gelegt oder auf ein Lastauto verladen, nach dem sich in der Nähe befindlichen Birkenwald (Brezinky) geführt, wo sie in einer; einige Meter tiefen und etwa 15 m langen Grube verbrannt wurden.

Am Wege zum Arbeitsplatz begegneten wir täglich einem Kommando (Arbeitsgruppe) von 300 jüdischen Mädchen aus der Slowakei, die in der nahen Umgebung Erdarbeiten verrichteten. Sie waren in alten russischen Uniformfetzen angezogen und trugen Holzschuhe. Die Kopfe hatten sie kahl geschoren, sprechen konnten wir sie leider nicht. Bis Mitte Mai 1942 trafen insgesant 4 jüdische Männertransporte aus der Slowakei in Birkenau ein, die auf dieselbe Art wie wir behandelt wurden.

Von den Angehörigen des ersten und zweiten Transportes wurden 120 Mann (darunter auch ich) ausgewählt und auf Verlangen der Lagerverwaltung Auschwitz, welche Ärzte, Dentisten, Hochschüler und Berufsbeamte anforderte, derselben zur Verfügung gestellt. Die Gruppe bestand aus 90 slowakischen und 30 französischen Juden. Da ich mir inzwischen in Birkenau eine gute Stelle erkämpft hatte, indem ich einem Kommando von 50 Personen vorstand, und hiedurch keinen unbedeutenden Vorzug genoss, wollte ich anfangs nicht nach Auschwitz. Doch liess ich mich überreden und ging. Nach 8 Tagen wurden von den 120 Intelligenzlern 18 Ärzte und Krankenpfleger und 3 weitere Personen ausgewählt. Die Ärzte wurden « im Krankenbau » Auschwitz beschäftigt, wir drei wurden nach Birkenau zurückgeschickt. Meine zwei Genossen Ladislav Braun aus Trnava und Gross aus Vrbové (?), die seitdem gestorben sind, kamen zum slowakischen Block, ich zum französischen, wo wir mit der Verrichtung der Evidenzarbeiten und der sogenannten « Krankenpflege » betraut wurden. Die restlichen 99 Personen wurden in die Kiesgrube zur Arbeit geschickt, wo sie alle nach kurzer Zeit umgekommen sind.

Kurz darauf wurde in einem Objet ein sogenannter « Krankenbau » errichtet. Es war der berüchtigte « Block 7 ». Ich wurde dort zuerst als « Hauptpfleger » später als Verwalter angestellt. Chef dieses Krankenbaues war der Pole Viktor Mordarki, Häftlingsnummer 3550. Der Krankenbau war nichts anderes, als eine Sammelstelle von Todeskandidaten. Hierher wurden alle arbeitsunfähigen Häftlinge eingeliefert. Von einer ärztlichen Behandlung oder Pflege konnte gar keine Rede sein. Täglich hatten wir ca. 150 Tote zu verzeichnen. Die Leichen wurden täglich in das Krematorium nach Auschwitz geführt.

Gleichzeitig begannen auch die sogannten « Selektionen ». Zweimal wöchentlich Montag und Donnerstag, bestimmte der Standortarzt (Lagerarzt) die Zahl jener Häftlinge, die durch Vergasung getötet und dann verbrannt werden sollen. Die Selektierten wurden in Lastautos verladen und in den Birkenwald geführt. Jene, die dort noch lebend ankamen, wurden in einer bei der Verbrennungsgrube zu diesem Zweck errichteten grossen Baracke vergast und

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und dann in die Grube geworfen und verbrannt. Der wöchentliche Ausfall in Block 7 war um die 2 000, hievon etwa 1 200, die « natürlichen Todes » und etwa 800, die durch Selektionen starben. Über die Nichtselektierten wurden Totenmeldungen ausgestellt und diese dem Lageroberkommando nach Oranienburg eingesandt. Über die Selektierten wurde ein Buch mit der Bezeichnung « SB » (Sonderbehandelt) geführt. Bis zum 15. Jänner 1943, bis zu welcher Zeit ich im Block 7 die Verwalterstelle innehatte, und daher die Möglichkeit besass die Geschehnisse unmittelbar zu beobachten, sind in diesem natürlichen Todes oder durch Selektionen ca. 50 000 [9] Häftlinge umgekommen.

Da die Häftlinge – wie bereits beschrieben – fortlaufend numeriert wurden, sind wir in der Lage die Reihenfolge und das Los der einzelnen eingelieferten Transporte mit einer ziemlichen Genauigkeit zu rekonstruieren.

Der erste jüdische Transport, welcher nach Auschwitz bzw. Birkenau eingeliefert wurde, war – wie bereits erwähnt – der Transport, der 1 320 naturalisierten französischen Juden mit Häftlinsgnummern ca :

ca. 27.400-28.600
 "   28.600-29.600 im April 1942 der erste Transport mit slowakischen Juden (unser Transport)
 "   29.600-29.700 100 Männer (Arier) aus diversen Konzentrationslagern
 "   29.700-32.700 3 komplette Transporte mit slowakischen Juden
 "   32.700-33.100 400 Berufsverbrecher (Arier) aus Warschauer Gefängnissen
 "   33.100-35.000 2 000 [10] Krakauer Juden
 "   35.000-36.000  l 000 Polen (Arier) politische Häftlinge
 "   36.000-37.300 im Mai 1942 1 330 [11] slowakische Juden aus Lublin-Majdanek 
 "   37.300-37.900 600 Polen (Arier) aus Radom, darunter einige Juden 
 "   37.900-38.000 100 Polen aus dem Konzentrationslager Dachau
 "   38.000-38.400

400 französische naturalisierte Juden. 
Diese Juden kamen mit ihren Familienangehörigen an. Der ganze Transport zählte etwa 1 600 Seelen, hievon wurden ca. 400 Männer und ca. 200 Mädchen durch die beschriebene Prozedur dem Lager zugeführt, während die übrigen 1 000 Personen (Frauen, Alte, Kinder und auch Männer) ohne jedwede Evidenz oder Behandlung direkt vom Abstellgeleis nach dem Birkenwald geführt dort vergast und verbrannt wurden. Von diesem Zeitpunkte an wurden alle jüdischen Transporte ähnlich behandelt. Ungefähr 10 % der Transportteilnehmer an Männern und 5 % an Frauen wurden dem Lager zugeführt während die übrigen unmittelbar vergast wurden.

Mit polnischen Juden wurde auch schon früher auf diese Weise verfahren. Unaufhörlich brachten Lastautos während langer Monate hindurch tausende von Juden aus den verschiedenen Ghetti direkt zur Grube in den Birkenwald. [12]

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ca. 38.400-39.200 800 naturalisierte französische Juden. Rest des Transportes – wie oben beschrieben – vergast. 
 "   39.200-40.000 800 Polen (Arier) politische Häftlinge. 
 "   40.000-40.150

150 slowakische Juden. Familientransporte. Ausser weiteren 50 Madchen, die dem Frauenlager zugeführt wurden, wurden alle übrigen im Birkenwald vergast. 

Unter den 150 Männern, die in das Lager kamen, befand sich u.a. Zucker aus der Ostslowakei (Vorname unbekannt) und Sonnenschein Viliam aus der Ostslowakei. 

ca. 40.150-43.800 ca. 4 000 französische naturalisierte Juden, durchwegs Intelligenzler. Aus diesen Transporten wurden gleichzeitig etwa 1 000 Frauen dem Frauenlager zugeführt, die restlichen ca. 3 000 Personen wurden im Birkenwald vergast.
 "   43.800-44.200 400 slowakische Juden aus Lublin, darunter Matei Klein und No. 43820 Meiloch Laufer aus der Ostslowakei [13].Dieser Transport kam am 30. Juni 1942 an.
 "   44.200- 45.000 200 slowakische Juden. Der Transport bestand aus 1 000 Personen. Eine Anzahl von Frauen wurde dem Frauenlager zugeführt, der Rest im Birkenwald vergast. Unter denen, die den Lagern zugeführt wurden, befanden sich : Jozef Zelmanovic, Snina – Adolf Kahan, Bratislava – Walter Reichmann, Sucany – Ester Kahan, Bratislava – Mit der letzteren habe ich am 1.IV.1944 [14] Gelegenheit gehabt zu sprechen. Sie ist Blockalteste im Frauenlager. 
 "   45.000-47.000 200 Franzosen (Arier), Kommunisten und andere politische Häftlinge, darunter der Bruder von Thorez [15] und der junge Bruder [16] von Léon Blum. Letzterer wurde furcht bar gemartert, dann vergast und verbrannt.
 "   47.000-47.500 500 Juden aus Holland, vorwiegend deutsche Emigrant. Der Rest des Transportes, etwa 2 500 Personen im Birkenwald vergast.
 "   47.500-47.800 Einige 100 sogenannte Schutzrussen.
 "   48.300-48.620 320 Juden aus der Slowakei. Etwa 70 Mädel wurden in das Frauenlager gebracht, der Rest von ca. 650 [17] Personen im Birkenwald vergast. In diesem Transport befanden sich 80 Personen, welche seitens der ungarischen Polizei nach Sered überstellt wurden. Mit diesem Transport kamen u.a. 
Dr. Zoltan Mandel, Presov (inzwischen gestorben), 
Holz (Vorname unbekannt) Fleischhauer aus Piestany wurde später nach Warschau geschickt 
Miklos Engel, Zilina 
Chaim Katz, Snina, arbeitet dzt. in der « Leichenhalle », Frau und 6 Kinder wurden vergast.
 "   49.000-64.800 15 000 naturalisierte französische und belgische, weiters holländische Juden. Die obige Zahl dürfte kaum 10 % der Transportteilnehmer ausmachen. Dies war

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in der Zeit vom 1. Juli [18] bis 15. September 1942. Grosse Familientransporte kamen aus allen Ländern, die direkt nach dem Birkenwald geführt wurden. Das Sonderkommando, welches bei der Vergasung und Verbrennung beschäftigt wurde, arbeitete in Tag- und Nachtschichten. Zu hunderttausenden wurden in dieser Zeit Juden vergast [19].
ca. 64.800-65.000 200 slowakische Juden. Aus diesem Transport wurden etwa 100 Frauen dem Frauenlager zugeführt, der Rest nach dem Birkenwald [20]. Unter den Eingebrachten befanden sich : Ludwig Katz, Zilina – Avri Burger, Bratislava- Poprad – (Frau gestorben) – Mikulas Steiner, Povazska Bystrica – Jurai Fried, Trencin – ? Buchwald – Josef Rosenwasser, Ostslowakei – Julius Neumann Bardejov – Sandor Wertheimer, Vrbové – Misi Wertheimer, Vrbové – Béla Blau, Zilina –
 "   65.000-68.000 naturalisierte französische und belgische, weiters holländische Juden. Aus den angekommenen Transporten wurden ca. 1 000 Frauen dem Frauenlager zugeführt und zumindest 30 000 [21] Personen vergast.
 "   68.888-70.500 2 500 deutsche Juden aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen. 
 "   71.000-80.000 naturalisierte französische, belgische und holländische Juden. Die in das Lager eingebrachte Zahl ist kaum 10 % der Gesamtzahl der Transporte. Bei vorsichtiger Schätzung kann man annehmen, dass 65-70 000 Personen vergast wurden.

Am 17. Dezember 1942 wurden 200 jüdische Jungen aus der Slowakei, die als sogenanntes Sonderkommando bei der Vergasung und der Verbrennung der Leichen gearbeitet haben, in Birkenau hingerichtet. Die Hinrichtung erfolgte wegen vorbereiteter Meuterei und Fluchtversuch, welches Vorhaben frühzeitig durch einen Juden verraten wurde. Das Kommando wurde durch 200 polnische Juden, die soeben mit einem Transporte aus Makow eintrafen, abgelöst. Unter den Hingerichteten befanden sich : Alexander Weiss, Trnava – Fero Wagner, Trnava – Scheiner Oskar, Trnava – Wetzler Dezider, Trnava – Aladar Spitzer, Trnava, Vojtech Weiss, Trnava.

Durch den hiedurch eingetretenen Wechsel beim Sonderkommando haben wir den direkten Kontakt mit dieser « Arbeitsstelle » verloren, was sich insbesonder auf unsere Versorgung sehr schlecht auswirkte. Die Transporte, welche nach dem Birkenwald gebracht wurden, – wenn sie auch ihr Gepäck in Auschwitz zurücklassen mussten – brachten ganz beträchtliche Summen Geldes in Valuten vorwiegend Papier- und Golddollars, eine Unmenge von Gold und Edelsteinen, ferner auch Lebensmittel mit sich. Obwohl die Wertsachen selbstverständlich abzuführen waren, konnte es doch nicht vermieden werden, dass nicht einige Wertgegenstände (hauptsächlich Golddollars) bei der Durchsuchung der zurückgelassenen Kleider der Vergasten in die Taschen unserer Burschen verschwinden sollen. Sie brachten auf diese Art beträchtliche Mittel in das Lager, ausserdem auch Lebensmittel. Man konnte wohl für Geld im Lager offiziell nichts kaufen, man konnte jedoch mit den SS Leuten und sonstigen Zivilarbeitern, die bei verschiedenen Facharbeiten im Lagergebiet verwendet wurden und Gelegenheit hatten, etwas Lebensmittel und Zigaretten mitzubringen, Geschäfte machen. Die Preise waren selbstverständlich den Umstanden

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gemessen, ganz abnormal. Für einige hundert Zigaretten wurde eine 20 Dollar Goldmünze gezahlt. Auch der Tauschhandel florierte. Die Teuerung spielte aber bei uns keine Rolle, Geld hatten wir soviel wieviel wir nur wollten. Auch Kleidungsstücke erhielten wir durch das Sonderkommando. Wir konnten unsere Fetzen durch die guten Kleider der zur Vergasung Gelangten austauschen. Der Rock, den ich noch heute anhabe, gehörte einem holländischen Juden (im inneren desselben ist tatsächlich das Firmenzeichen eines Amsterdamer Schneiders angebracht).

Die Leute des Sonderkommandos wohnten abgesondert. Man hatte mit ihnen auch schon wegen des fürchterlichen Geruchs, der von ihnen ausging, wenig Verkehr. Sie waren immer dreckig, ganz verwahrlost, waren ganz verwildert und ungemein brutal und rücksichtslos. Es war nicht selten – es galt übrigens auch bei den anderen Häftlingen als Sensation – dass den eine den anderen einfach erschlug. Das Erschlagen eines Häftlings ist kein Delikt. Es wird einfach registriert, dass Nummer so-und-soviel gestorben ist. Auf welche Art jemand in das Jenseits befördert wird, ist ganz nebensächlich. Einmal habe ich zugesehen, wie ein junger polnischer Jude namens Jossel einem SS Mann gegenüber das « fachgemässe Morden » an einem Juden demonstrierte, indem er den Juden mit der Hand, ohne irgendeine Waffe zu benützen, ermordete.

Mit Nummer ca. 80000 begann die systematische Vernichtung der polnischen Ghetti.

Ca. 80.000-85.000 ca. 5 000 Juden aus diversen polnischen Ghetti, darunter aus Mliawa – Makow – Zichenow – Lomza – Grodno Bialostok –
30 Tage hindurch rollten diese Transporte unaufhörlich. Nur 5 000 von ihnen wurden dem Lager zugeführt, alle anderen sofort vergast. Das Sonderkommando arbeitete in zwei Schichten 24 Stunden täglich. Sie konnten mit der Vergasung und Verbrennung kaum nachkommen. Ohne Übertreibung kann man annehmen, dass die aus diesen Transporten zur Vergasung Gelangten mit 80-90 000 zu beziffern sind. Diese Transporte brachten ganz besonders viel Geld, Valuten und Edelsteine mit sich.
 "    85.000-92.000 6 000 Juden aus Grodno, Bialostok und Krakau und 1 000 arische Polen. Der weit grossere Teil der jüdischen Transporte wurde direkt vergast. Täglich wurden ca. 4 000 Juden in die Gaskammern getrieben.
Mitte Jänner 1943 kamen 3 Transporte zu je 2000 [22] Personen aus Theresienstadt. Sie trugen die Bezeichnung « CU », « CR » und « R ». (Die Bedeutung dieser Zeichen ist uns unbekannt. Diese Bezeichnungen waren an den Gepäckstücken angebracht. Aus diesen 6 000 Personen wurden nur ca. 600 Männer und 300 Frauen den Lagern zugeführt, die übrigen wie gewöhnlich vergast.
 "    99.000-100.000 Ende Jänner 1943 kamen grosse Transporte mit französischen und holländischen Juden. Nur ein Bruchteil von ihnen kam in das Lager.
 "  100.000-102.000 im Feber 1943  2 000 [23] arische Polen, vorwiegend Intelligenz.


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ca.102.000-103.000 700 Tschechen-Arier. Später wurden die noch am Leben Gebliebenen dieses Transportes nach Buchenwald geschickt.
 "  103.000-108.000

3 000 französische und holländische Juden und 2 000 Polen (Arier).

Im Monat Februar 1943 kamen täglich durchschnittlich 2 Transporte mit polnischen, französischen und holländischen Juden, die zum grössten Teil – ohne dass man auch nur einen Bruchteil in das Lager gebracht hätte – vergast wurden. Die Zahl der in diesem Monate zur Vergasung Gelangten kann mit ca. 90 000 beziffert werden.

Ende Februar 1943 wurde das neu gebaute moderne Krematorium und Vergasungsanstalt [24] in Birkenau eröffnet. Die Vergasungen und Verbrennungen der Leichen wurden im Birkenwald aufgelassen und fortab wurden diese Prozeduren in den 4 neuen, zu diesem Zwecke gebauten Krematorien durchgeführt. Die grosse Grube wurde aufgeschüttet, das Terrain planiert, die Asche wurde schon auch vorher als Dünger in der Lagerlandwirtschaft Harmense verwendet, sodass man heute kaum eine Spur des fürchterlichen Massenmordens, das hier stattgefunden hat, entdecken kann.

Derzeit sind in Birkenau 4 Krematorien in Betrieb. Zwei grössere I. und II. und zwei kleinere III. und IV. Die Krematorien der Type I. und II. bestehen aus drei Teilen. A. der Ofenraum, B, die grosse Halle, C. die Vergasungskammer. Aus der Mitte des Ofenraumes ragt ein riesiger Kamin in die Höhe. Ringsum sind 9 Öfen mit je 4 Öffnungen. Eine jede Öffnung fasst 3 normale Leichen auf einmal, welche innerhalb 1 1/2 Stunden vollkommen verbrennen. Dies entspricht einer täglichen Kapazität von etwa 2 000 Leichen. Daneben ist die grosse Vorbereitungshalle, die so ausgestattet ist, dass sie den Anschein erweckt, als ob man in einer Halle einer Badeanstalt wäre. Sie fasst 2 000 Personen und soll sich angeblich noch darunter eine ebenso grosse Wartehalle befinden. Von hier geht eine Tür und einige Treppen führen hinunter in die etwas tiefer gelegene schmale und sehr lange Vergasungskammer. Die Wände dieser Kammer sind durch blinde Tuschanlagen maskiert, sodass es einen riesigen Waschraum vortäuscht. Am flachen Dach sind 3 durch Klappen von aussen hermetisch verschliessbare Fenster. Von der Gaskammer führt durch die Halle ein Gleispaar zum Ofenraum. Die Vergasung wird nun so vorgenommen, dass die Unglücklichen in die Halle B gebracht werden, wo ihnen gesagt wird, dass sie in das Bad geführt werden

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Dort müssen sie sich auskleiden und um sie in der Meinung, wonach sie tatsächlich zum Baden geführt werden, zu bekräftigen, erhält ein jeder von zwei in weissen Mänteln gekleideten Männern ein Handtuch und ein Stückchen Seife. Hierauf werden sie in die Gaskammer C gedrängt. 2 000 Personen füllen diese Kammer derart, dass ein jeder nur aufrecht stehen kann. Um diese Mengen in die Kammer einpferchen zu können, werden öfters Schüsse abgegeben, um die sich bereits in der Kammer Befindlichen dazu zu veranlassen, dass sie sich zusammendrängen. Wenn schon alles in der Kammer ist, wird die schwere Türe geschlossen. Eine kleine Zeit wird dann zugewartet, vermutlich darum, damit die Temperatur in der Kammer auf eine gewisse Höhe steigen soll, dann steigen SS-Männer mit Gasmasken auf das Dach, öffnen die Fensterklappen und schütten aus Blechdosen ein Präparat in Staubform in die Kammer. Die Dosen tragen die Aufschrift « Cyclon » zur Schädlingsbekämpfung und werden in einer Hamburger Fabrik erzeugt. Es ist anzunehmen, dass es sich um ein Cyanpräparat handelt, welches sich bei einer gewissen Temperatur vergast. Nach 3 Minuten ist in der Kammer alles tot. Es ist bisher noch niemand angetroffen worden, der bei Öffnung der Kammer ein Lebenszeichen gegeben hätte, was bei dem primitiven Verfahren im Birkenwalde, keine Seltenheit war. Die Kammer wird dann geöffnet, gelüftet und das Sonderkommando führt die Leichen auf flachen Feldbahnwagen zum Ofenraum, wo die Verbrennung stattfindet. Die beiden anderen Krematorien III. und IV. sind im grossen und ganzen auf ähnlicher Grundlage errichtet. Ihre Kapazität ist aber nur halb so gross. Die Gesamtkapazität der 4 Krematorien in Birkenau ist somit 6 000 Vergasungen und Kremationen täglich.

Zur Vergasung gelangen grundsätzlich nur Juden, Arier nur in seltenen Ausnahmsfällen. Diese werden gewöhnlich durch Erschiessen « sonderbehandelt ». Vor der Inbetriebnahme der Krematorien geschah dies im Birkenwalde, wo die Leichen nachher in der Grube verbrannt wurden, später in der grossen Halle des Krematoriums, welche . zu diesem Zwecke eine besondere Einrichtung hatte.

Zu der Einweihung des ersten Krematoriums Anfang März 1943, welche durch die Vergasung und Verbrennung von 8 000 Krakauer Juden begangen wurde, kamen prominente Gäste aus Berlin, hohe Offiziere und Zivils. Sie waren mit der Leistung sehr zufrieden und haben fleissig das Guckloch, welches an die Türe zur Gaskammer angebracht ist, benützt. Sie sprachen sich sehr lobend über das neu errichtete Werk aus.

Ca. 109000-119000 Anfang März 1943 kamen 45 000 Juden aus Saloniki. 10 000 von ihnen kamen in das Lager, ausserdem ein kleiner Teil von Frauen, der Rest weit über 30 000 in das Krematorium. Fast alle 10 000 aus diesen Transporten starben kurz darauf entweder durch eine malariaähnliche Krankheit, die unter ihnen gewütet, hat und scheinbar ansteckend war, ferner Flecktyphus oder zufolge der allgemein im Lager herrschenden Bedingungen, die sie nicht ertragen konnten.

Da die Malaria unter den griechischen Juden und der Flecktyphus überhaupt die Mortalitätsziffer der Häftlinge sehr in die Höhe schiessen liess, wurden die « Selektionen » zeitweilig eingestellt. Die kranken griechischen Juden wurden aufgefordert, sich zu melden. Trotz der unsererseits erfolgten Mahnungen haben sich von ihnen tatsächlich viele gemeldet. Sie wurden alle durch intercordiale Fenolinjektionen getötet. Diese Injektionen wurden von einem Sanitätsdienst-Gefreiten, wobei ihm tschechische Häftlingsärzte assistieren mussten, verabreicht. Die Ärzte waren : Dr. Honsa Cespira, Prag,

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dzt. Kzt. Buchenwald – Dr. Zdenek Stich, Prag dzt. Kz. Buchenwald –, die ihr Möglichstes getan haben, um den Opfern zu helfen.

Der noch am Leben gebliebene Rest der 10 000 griechischen Juden, nahezu 1 000 Männer, wurden mit weiteren anderen 500 Juden zusammen, zu Fortifikationsarbeiten nach Warschau geschickt. Einige Wochen später kamen einige Hundert von ihnen in hoffnungslosem Zustande zurück und wurden sofort vergast. Der andere Teil ist vermutlich dort umgekommen. 400 malariakranke griechische Juden wurden nach Einstellung der Fenolbehandlung angeblich zum « weiteren Behandlung » nach Lublin geschickt. Sie sollen dort tatsächlich angekommen sein. Über ihr weiteres Schicksal ist uns aber nichts bekannt. Soviel steht allerdings fest, dass sich heute kein einziger griechischer Jude von diesen 10 000 im Lager befindet.

Gleichzeitig mit Einstellung der Selektionen wurde das Ermorden der Häftlinge verboten. Berüchtigte Mörder, wie

der reichsdeutsche Berufsverbrecher
               "                       "
               "                       "
               "                       "
               "                       "
               "   polit. Häftling
               "       "        " 

 Alexander Neumann
 Zimmer
 Albert Hämmerle
 Rudi Osteringer
 Rudi Berchert
 Alfred Kien
 Aloïs Stahler

wurden wegen häufig begangenen Mordens bestraft und mussten eine schriftliche Erklärung darüber abgeben, dass sie eine Anzahl von Häftlingen ermordet haben.

Anfang des Jahres 1943 erhielt die politische Abteilung in Auschwitz 500 000 [25] Entlassungsformulare. Wir nahmen nun mit Freude an, dass wenigste einige Entlassungen vorgenommen werden. Sie wurden aber mit den Daten der zur Vergasung Gelangten ausgefüllt und im Archiv hinterlegt.

Ca. 119.999-120.000 1 000 Polen (Arier) aus dem Zuchthaus Pawiak-Warschau.
 "    120.000-123.000 3 000 griechische Juden, welche teilweise dann als Ersatz für ihre verstorbenen Landesleute nach Warschau gesandt wurden. Der Rest ist rasch ausgestorben.
 "    123.000-124.000 1 000 Polen (Arier) aus Radom und Tarnow.
 "    124.000-126.000 2 000 Personen aus gemischten arischen Transporten.

Inzwischen kamen pausenlos Transporte polnischer, als auch einiger französischer und belgischer Juden, die restlos, ohnedass auch nur ein Teil in das Lager gebracht worden wäre, vergast wurden. Darunter auch ein Transport von l 000 polnischen Juden aus Majdanek [26], unter welchen sich auch 3 Slowaken befanden. Der eine unter ihnen, ein gewisser Spira aus Stropkov oder Vranov.

Ende Juli [27] 1943 hat die Flut der Transporte plötzlich aufgehört. Es ist eine kleine Pause eingetreten. Die Krematorien wurden gründlich gereinigt, die Einrichtungen repariert und für den weiteren Betrieb vorbereitet. Am 3. August begann die Mordmaschine wieder zu laufen. Es kam der erste Transport der Juden aus Benzburg und Sosnowitz und weitere folgten während des ganzen Monates August.

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Ca. 132.000-136.000

Nur 4 000 Männer und eine kleine Anzahl von Frauen wurden in das Lager gebracht. Weit über 35 000 wurden vergast. Von den 4 000 in das Lager gebrachten Männern sind zufolge Schikanierungen, Hunger und zugezogenen Krankheiten, als auch direkten Mordes viel schon in der sogenannten Quarantaine gestorben. Die Hauptschuld trägt hierfür der reichsdeutsche Verbrecher Tyn aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen und der polnische politische Häftling Nr. 8516 Mieczislav Katerzinski aus Warschau.

Die Selektionen wurden wieder eingeführt u.zw. im erschreckend hohen Masse, insbesondere im Frauenlager. Der Lagerarzt, ein SS-Hauptsturmführer [28], der Sohn oder Neffe des Berliner Polizeipräsidenten (der Name ist uns entgangen) hat sich hiebei durch seine Brutalität ausgezeichnet. Das System der Selektion wurde von nun an unaufhörlich bis zu unserer Flucht fortgesetzt.

 "    137.000-138.000 Ende August kamen 1 000 Polen aus dem Zuchthaus Pawiak und 80 Juden aus Griechenland.
 "    138.000-141.000 [29] 3 000 Männer aus diversen arischen Transporten.
 "    142.000-145.000 Anfangs September 1943, 3 000 Juden aus polnischen Arbeitslagern und russische Kriegsgefangene.
 "    148.000-152.000

In der Woche nach dem 7. September 1943 trafen Familientransporte mit Juden aus Theresienstadt ein. Es war für uns ganz unverständlich, dass diese Transporte eine noch nie dagewesene Ausnahmestellung genossen. Die Familien wurden nicht getrennt, kein einziger von ihnen kam zur sonst selbstverständlichen Vergasung. Ja sie wurden gar nicht geschoren und wurden so wie sie gekommen sind, Männer, Frauen und Kinder zusammen, in einem abgeteilten Lagerabschnitt untergebracht und durften sogar ihr Gepäck behalten. Die Männer mussten nicht zur Arbeit, für die Kinder wurde sogar eine Schule unter der Leitung von Fredy Hirsch (Makabi, Prag) gestattet und hatten sogar freie Schreibbewilligung. Sie wurden lediglich durch ihren « Lagerältesten » einem reichsdeutschen Berufsverbrecher namens Arno Böhm, Häftlingsnummer 8, einem der grössten Banditen im Lager, in unerhörter Weise schikaniert. Unsere Verwunderung ist noch gestiegen, als wir nach einiger Zeit das offizielle Verzeichnis dieser Transporte zu sehen bekamen, dessen Aufschrift lautete :

« SB – Transport tschechische Juden mit 6 monatlicher Quarantäne. »

Wir wussten sehr gut, was « SB » (Sonderbehandlung) bedeutet, konnten uns aber die Behandlungsweise und überaus lange Quarantänezeit von 6 Monaten nicht erklären, zumal die höchste Quarantäne-Frist nach unseren bescheidenen Erfahrungen 3 Wochen nie überschritten hat. Wir wurden stutzig. Je mehr sich


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aber die 6-monatliche Quarantäne-Frist ihrem Ende näherte, umsomehr gewannen wir die Überzeugung, dass auch das Los dieser Juden in der Gaskammer enden wird. Wir suchten Gelegenheit, mit den Leitern dieser Gruppe in Verbindung zu kommen. Wir haben es ihnen klargelegt, wie es um sie steht und was sie zu erwarten haben. Einige von ihnen, insbesondere Fredy Hisch, der augenscheinlich das Vertrauen seiner Lagergenossen hatte, haben uns mitgeteilt, dass sie für den Fall, dass sich unsere Befürchtungen bewahrheiten sollten, einen Widerstand organisieren werden. Die Leute des « Sonderkommandos » sagten uns zu, dass im Falle sich die tschechischen Juden zur Wehr setzen werden, sie sich ihnen auch anschliessen werden. Einige glaubten auf diese Art eine Generalrevolte im Lager inszenieren zu können. Am 6. März 1944 erfuhren wir dass die Krematorien zur Aufnahme der tschechischen Juden vorbereitet werden. Ich eilte zu Fredy Hirsch um ihm dies mitzuteilen und bat ihn eindringlich zu handeln, da sie ja nichts mehr zu verlieren hätten. Er antwortete mir, er wisse was seine Pflicht sei. Vor Abend schlich ich wieder zum tschechischen Lager, da erfuhr ich, dass Fredy Hirsch im Sterben liegt. Er hat sich mit Luminal vergiftet. Am nächsten Tag, am 7. März 1944, wurde er im bewusstlosen Zustande mit seinen 3 791 Gefährten, die am 7.IX.1943 nach Birkenau kamen, mit Lastautos zu den Krematorien gebracht und vergast. Die Jugend fuhr singend in den Tod. Es hat zu unserer grössten Enttäusschung keinen Widerstand gegeben. Die Männer des Sonderkommandos, die entschlossen waren, mitzutun, haben vergeblich gewartet. Etwa 500 ältere Personen starben noch während der Quarantänezeit. Nur 11 Zwillingspaare wurden von diesen Juden am Leben gelassen. An diesen Kindern werden in Auschwitz verschiedene medizinische Versuche durchgeführt. Als wir Birkenau verliessen, waren diese noch am Leben. Unter den Vergasten befand sich u.a. aus der Slowakei stammend auch Rozsi Fürst aus Sered.

Eine Woche vor der Vergasung, also am 1.3.1944 mussten alle Lagerinsassen an ihre Angehárigen im Auslande über ihr Wohlbefinden schreiben. Die Briefe mussten mit dem Datum von 23.-25. März 1944 versehen werden. Es wurde ihnen aufgetragen, Paketsendungen von den Angehörigen im Auslande zu verlangen.

 "    153.000-154.000 1 000 polnische Arier aus dem Zuchthaus Pawiak.
 "    155.000-159.000 Im Oktober und November 1943, 4 000 Personen aus diversen Zuchthäusern und kleinere Transporte von Juden aus Benzburg und Umgebung, die aus ihren Verstecken ausgehoben wurden, ferner eine Gruppe von Schutzrussen aus dem Gebiet Minsk-Witebsk. Es kamen auch russische Kriegsgefangene, die wie bereits erwähnt, Nummern von l bis 12000 erhielten.


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ca. 160.000-165.000

Im Dezember 1943, 5 000 Männer aus Transporten von vorwiegend holländischen, französischen, belgischen und zum ersten Male auch italienischen Juden aus Fiume, Triest und Rom. Mindestens 30 000 Personen aus diesen Transporten wurden sofort vergast. Die Mortalität unter diesen Juden war enorm gross. Ausserdem wütete noch immer das System der Selektion. Diese Bestialität erreichte ihren Höhepunkt um den 10. und 24. Jänner 1944, als man auch kräftige, gesunde Jugend, ohne Rücksicht auf Beruf und Arbeitseinteilung – bis auf Ärzte – selektierte.

Alles musste antreten, es wurde streng kontrolliert, ob alles anwesend ist, dann wurde die Selektion durch den Lagerarzt (Sohn oder Neffe des Polizeipräsidenten von Berlin) und den Lagerführer von Birkenau, SS Untersturmführer [30] Schwarzhuber vorgenommen. Die Juden, die sich im « Krankenbau » befanden, der inzwischen vom Block 7 in eine separate Abteilung übersiedelte und wo in der letzten Zeit verhältnismässig annehmbare Bedingungen herrschten, wurden restlos vergast. Ausser diesen wurden zufolge dieser Aktion 2 500 Männer und über 6 000 Frauen vom Frauenlager in die Gaskammern gebracht.

 "    165.000-168.000 Am 20. Dezember 1943 kamen wieder 3 000 Juden aus Theresienstadt. Die Transportliste trägt dieselbe Aufschrift wie bei denen, die am 7. September angekommen sind : « SB-Transport, tschechische Juden mit 6 monatlicher Quarantäne. » Nach ihrer Ankunft wurden sie, Männer, Frauen und Kinder in dem Lagerabschnitt, zu den im September angekommenen logiert. Sie geniessen alle Begünstigungen, ebenso wie ihre Vorgänger. 24 Stunden vor der Vergasung der ersten Gruppe wurden sie in das zufällig leerstehende Nebenquartal gebracht und auf diese Weise von der Gruppe abgesondert. Noch heute befinden sie sich in diesem Quartal. Nachdem nach der Vergasung der ersten Gruppe keine Zweifel mehr darüber bestehen, was man mit ihnen plant, bereiten sie sich schon heute auf Widerstand vor. Die Organisierung des Widerstandes wird von Ruzenka Laufschner, Prag und Hugo Langsfeld, Prag, durchgeführt. Sie beschaffen sich langsam Brennstoff [31] und beabsichtigen im Ernstfalle die Blocks ihres Quartals anzuzünden. Ihre Quarantäne-Frist läuft am 20. Juni 1944 ab.
 "    169.000-170.000 1 000 Personen in diversen kleineren Gruppen, Juden, Polen und Schutzrussen.
 "    170.000-171.000 1 000 Polen und Schutzrussen, auch eine Anzahl von Jugoslawen.
 "    171.000-174.000

Ende Februar-Anfang März – 3 000 Juden aus Holland, Belgien und zum ersten Male altansässige französische Juden (nicht naturalisiert) aus Vichy – Frankreich. Der überaus grössere Teil dieser Transporte wurde nach Ankunft sofort vergast.

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Mitte März kam eine kleine Gruppe von Benzburger und Sosnowitzer Juden, die aus ihren Verstecken ausgehoben wurden. Von einem erfuhren wir, dass sich viele polnische Juden nach der Slowakei und von dort nach Ungarn retten und dass ihnen hiebei die slowakischen Judenhelfen.

Nach der Vergasung des Theresienstadter Transportes hatten wir bis zum 15. März 1944 keinen Zuwachs. Der Lagerstand sank, weshalb dann alle Männer von fortlaufend ankommenden Transporten von insbesondere holländischen Juden, in das Lager gebracht wurden. Wir verliessen das Lager am 7. April 1944 und horten noch, dass grosse Transporte mit griechischen Juden ankommen.

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Das Lager Birkenau besteht aus drei Bauabschnitten, Derzeit sind nur die Bauabschnitte I und II durch die kleine Postenkette umgeben, weil der Abschnitt III sich noch im Bau befindet und unbewohnt ist. Zur Zeit, als wir Birkenau verliessen (Anfang April 1944) war das Lager wie folgt belegt :

Bauabschnitt 1.(Frauenkonzentrationslager) Slow. Juden andere Juden Arier Anmerkung

Ia und Ib

ca.300 ca. 7.000 ca. 6.000

Ausser den 300 slowakischen jüdischen Mädchen sind noch ca.100 im Stabsgebäude Auschwitz.

Bauabschnitt II

IIa Quarantäne-lager

2 ca. 200 ca. 800

Unter den 2 slowakischen Juden Dr. Andreas Müller aus Podolinec Blockältester.

IIb Juden aus Theresienstadt

- ca. 3.500 -

Mit Quarantänefrist von 6 Monaten.

IIc drzt. unbelegt

- - -
IId Stammlager 58 ca. 4.000 [32] ca. 6.000

IIe Zigeunerlager

ca. 4.500

Das ist der Rest von 16 000 Zigeunern. Sie werden zur Arbeit nicht verwendet, sterben rasch aus.

IIf Häftlings-krankenbau

6 ca. 1.000 ca. 500

Die 6 slow. Juden sind alle Funktion im Häftlings-krankenbau u.zw.

No. 36832

"      29.867
"      44.989
"
"      32.407  [33]
"      30.049
Walter Spitzer-Blockältester aus Nemsova
aus Lublin nach Birkenau gekommen.
Jozef Neumann (« Leichencapo ») aus Snina.
Jozef Zelmanovic « Personal » aus Snina.
Chaim Katz « Personal » aus Snina.
Ludwig Eisenstädter, Tätowierer aus Krempachy.
Ludwig Solmann « Schreiber », Kezmarek.

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Die innere Verwaltung des Lagers Birkenau erfolgt durch hiezu bestimmte Häftlinge. Die Blocks werden nicht nach Nationalitäten bewohnt, sondern vom Gesichtspunkte der gleichen Arbeitseinteilung (Arbeits-Kommando). Ein jeder Block hat 5 Funktionäre u.zw.

ein Blockältester 
der Blockschreiber 
der Pfleger 
2 Stubendienste

Der Blockälteste

tragt eine Binde am linken Arm mit der Bezeichnung seines Blocks : Block No.... Er ist für die allgemeine Ordnung im Block verantwortlich, ist in seinem Block Herr über Leben und Tod. Bis Februar 1944 waren etwa 50 % aller Blockältesten Juden, dann kam aus Berlin die Direktive, wonach Juden diesen Posten nicht bekleiden dürfen. Sie wurden also his auf 3 slowakische Juden, die diesen Posten trotz des Verbotes weiter behalten konnten, abgelöst. Die drei slowakischen Juden sind :

Arnost Rosim (Hacek), Zilina – Blockältester im Block 24 [34], Aufräumungskommando und Benzburger Handwerker.
Dr. Andreas Müller, Podolinec – Blockältester im Block 15, Quarantänelager.
Walter Spitzer,  Nemsova – Blockältester im Block 14 – Krankenbau.

Der Blockschreiber

ist ausführendes Organ des Blockältesten, er macht alle angeordneten schriftlichen Arbeiten, führt den Stand und die Kartei. Die Arbeit des Blockschreibers ist sehr verantwortungsvoll. Der jeweilige Stand ist peinlich genau zu führen. Die Häftlinge werden nach ihren Nummern und nicht nach ihren Namen in Evidenz gehalten, weshalb sich ein Irrtum leicht einschleichen kann. Dies kann aber verhängnisvoll werden. Hat der Blockschreiber eine Nummer irrtümlicherweise tot gemeldet – was bei der gewohnt hohen Mortalität leicht möglich ist und auch öfters vorgekommen ist – so wird dieser Fehler einfach dadurch gutgemacht, dass der Betreffende tatsächlich nachträglich hingerichtet wird. In der einmal weiter beförderten Meldung kann keine Korrektur vorgenommen werden. Die Blockschreiber-Stelle ist eine Machtstellung im Block und wird häufig missbraucht.

Der Pfleger- und die Stubendienste

haben die manuellen Arbeiten in und um den Block zu erledigen, wobei von einer Pflege natürlich keine Rede sein kann.

Über das ganze Lager steht der Lagerälteste. Er ist auch Häftling. Der gegenwärtige Lagerälteste in Birkenau ist

Häftlingsnummer : 11182 Franz Danisch, politischer

Häftling aus Königshütte, Oberschlesien. Er ist uneingeschränkter Herr über das ganze Lager, er kann Blockälteste und Blockschreiber ernennen oder absetzen, Arbeitsstellen anweisen etc. Danisch verhält sich auch Juden gegenüber sehr korrekt, ist objektiv und unbestechlich.

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Neben dem Lageraltesten steht der Rapportschreiber. Er besitzt die grösste Machtposition im Lager. Er steht in direkter Verbindung mit dem Lagerkommando, indem er derjenige ist, der die Befehle der Lagerführung übernimmt und ihr auch alle Meldungen erstattet. Er übt einen grossen Einfluss auf die Lagerführung aus. Ihm unterliegen direkt alle Blockschreiber, die ihre Meldungen ihm zu unterbreiten habe. Der Rapportschreiber im Lager Birkenau ist :

Häftlingsnummer : 31029 [35] Kasimir Gork, Pole, ehemaliger Bankbeamter aus Warschau. Er ist
wohl Antisemit, hat aber den Juden direkt nicht geschadet.

Die obere Kontrolle über die Blocks haben 6-8 « Blockführer » inne, diese sind SS-Männer. Durch diese wird allabendlich der Appell angenommen, dessen Ergebnis sodann ihrem Vorgesetzten :

dem Lagerführer Untersturmführer [36] Schwarzhuber aus Tirol gemeldet wird. Schwarzhuber ist Alkoholiker und Sadist. 

Über dem Lagerführer steht der Lagerkommandant. Er ist gleichzeitig Lagerkommandant von Auschwitz. Das Konzentrationslager Auschwitz hat ebenfalls einen Lagerführer, der dem gemeinsam Lagerkommandanten Auschwitz-Birkenau unterstellt ist. Der Lagerkommandant heisst [37] :

Höss.

Führer des Arbeitskommandos (Arbeitsgruppe) ist der Capo.

Während der Arbeit ist der Capo die höchste Autorität, er verfügt vollkommen über die ihm unterstellten Häftlinge. Es ist nicht selten, dass der Capo einen ihm unterstellten Häftling während der Arbeit erschlägt. Bei grösseren Kommandos gibt es mehrere Capos, über welche dann der Obercapo steht. Früher waren häufig auch Juden Capos, eine Verfügung aus Berlin hat dies jedoch verboten. Ein Jude hat diesen Posten dennoch beibehalten können, es ist ein gewisser :

Roth aus Michalovce, Installateur von Beruf.

Die höchste Arbeitskontrolle wird durch deutsche Fachleute durchgeführt.

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Am 14. Juni 1942 verliessen wir Novaky, passierten Zilina und kamen gegen 5 Uhr abends in Zwardon an. Dort mussten wir aussteigen und wurden gezählt. Der Transport wurde von SS-Männern übernommen. Der eine SS-Mann hat sich sehr darüber aufgeregt, dass wir ohne Wasser fuhren, indem er die laute Bemerkung machte : « Diese Barbaren-Slowaken, kein Wasser gegeben ! » Die Fahrt ging dann weiter, nach zwei Tagen kamen wir in Lublin an. In Lublin wurde der Befehl gegeben : « Arbeitsfähige zwischen 15 und 50 Jahren aussteigen, Kinder und Alte sollen im Waggon bleiben. » Wir sind ausgestiegen. Die Station war von Litauern in SS-Uniformen umgeben, die mit Maschinenpistolen bewaffnet waren. Die Waggons, in welchen sich die Arbeitsunfähigen, Kinder und Alte befanden, wurden sofort geschlossen und der Zug fuhr ab. Wohin und was mit ihnen geschehen ist, wissen wir nicht.

Der kommandierende SS-Scharführer sagte uns, dass wir einen längeren Weg vor uns haben. Wer sein Gepäck mitnehmen will, kann es tun, wer hingegen nicht, kann es auf einen bereitstehenden Lastwagen aufluden, dieser wird bestimmt ankommen. Ein Teil unseres Transportes hat sein Gepäck mitgeschleppt, der andere Teil auf den Wagen aufgeladen. Gleich hinter der Stadt lag eine Fabrik « Bekleidungswerke ». Am Hofe der Fabrik standen etwa 1 000 Menschen in Reihen, mit schmutzigen, gestreiften Häftlingskleidern, sie warteten auf das Mittagessen. Dieser Anblick – wir erkannten, dass es Juden waren – war nicht allzu hoffnungserregend. Ganz plötzlich erblickten wir von einer Höhe das riesenhaft grosse Barackenlager Majdanek, umgeben von einem 3 m hohen Stacheldrahtzaun. Kaum passierte ich das Lagertor, da sah ich den Trnavaer Maco Winkler, der mich sofort darauf aufmerksam machte, dass hier einem jeden alles abgenommen wird. Rings um uns standen slowakische Juden in verwahrlostem Zustande, abgeschoren, alle in schmutziger Häftlingskleidern, mit Holzschuhen oder barfuss, abgerissen, sehr viele mit geschwollenen Füssen. Sie haben gebettelt, dass wir ihnen etwas von unserem Proviant schenken sollen. Was möglich war, haben wir unter ihnen verteilt, weil uns ja gesagt wurde, dass uns alles abgenommen wird. Wir wurden zur Effekten-Kammer geführt, wo wir alles, was wir bei uns hatten abgeben mussten. Dann wurden wir im Laufschritt zu einer anderen Baracke gejagt, wo wir uns auskleideten, unsere Haare wurden geschoren, wir mussten unter eine Dusche, erhielten dann Häftlingswäsche und Kleider, Holzschuhe und eine Mütze.

Ich wurde auf das sogenannte « Arbeitsfeld 2 » zugeteilt. Das ganze Lager bestand nämlich aus 3 voneinander durch Drahtzaun abgeteilte Arbeitsfelde. Das Arbeitsfeld 2 war von slowakischen und tschechischen Juden besetzt. Zwei Tage hindurch wurden wir darin unterwiesen, wie wir die Mütze zum Gruss abnehmen und wieder aufzusetzen haben, wenn wir einem Deutschen begegnen. Dann wurden im strömenden Regen stundenlange Appells abgehalten.

Die Barackeneinrichtung war ganz originell. Drei lange Tische (fast so lang wie die Barackenlänge) waren aufeinander gestellt. Diese 4 Etagen (Fussboden und drei Tische) dienten als Nachtlager. Um die Tische entlang der Wände wurde ein schmaler Gang freigelassen.

Zum Essen bekamen wir in der Früh eine « Suppe ». Sie war ziemlich dicht und musste mit der Hand gegessen werden. Mittag eine ähnliche Suppe, am Abend sogenannten Tee und 30 dkg, ungeniessbar schlechtes Brot. Ausserdem 2-3 dkg. Marmelade oder Kunstfett, ärgster Qualität.

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Das grösste Gewicht wurde in den ersten Tagen auf die Erlernung der « Lagerhymne » gelegt. Stundenlang standen wir und mussten singen :

Aus ganz Europa kamen
Wir Juden nach Lublin
Viel Arbeit gibt’s zu leisten
Und dies ist der Beginn

Um diese Pflicht zu meistern
Vergiss Vergangenheit
Denn in der Pflichterfüllung
Liegt die Gemeinsamkeit

Drum rüstig an die Arbeit
Ein jeder halte mit
Gemeinsam wollen wir schaffen
Im gleichen Arbeitsschritt

Nicht alle wollen begreifen
Wozu in Reihen wir stehen
Die müssen wir dann zwingen
Dies alles zu verstehen

Die neue Zeit muss alle
Uns alle stets belehren
Dass wir schon nur der
Arbeit Der Arbeit angehören

Drum rüstig an die Arbeit
Ein jeder halte mit
Gemeinsam wollen wir schaffen
Im gleichen Arbeitsschritt.

Das Arbeitsfeld I. war durch slowakische Juden besetzt, 
 "           "        II. durch slowakische und tschechische Juden, 
 "           "       III. durch Partisanen 
 "           "       IV. und V. wurde von den Juden der Arbeitersfelder I. und II.gebaut.

Die Partisanen im Arbeitsfeld III. waren in ihren Baracken eingesperrt, haben nicht gearbeitet, das Essen wurde ihnen wie Hunden hingeworfen. Die Wache traute sich nicht in ihre Nähe. Sie starben in ihren überfüllten Baracken massenhaft und wurden seitens der Wache bei allen möglichen Gelegenheiten beschossen.

Die Capos waren Reichsdeutsche und Tschechen. Die ersteren waren brutal, während die Tschechen, wo es ihnen nur möglich war, halfen. Der Lagerälteste war ein Zigeuner aus Holic, namens Galbavy, sein Stellvertreter der Sereder Jude Mittler. Wahrscheinlich hat Mittler seine Stellung seinem brutalen Vorgehen zu verdanken gehabt. Er hat seine Machtposition dazu benützt, um die schon ohnehin schwer geprüften Juden noch mehr zu peinigen, er schlug und schikanierte sie, wo er etwas Böses anstellen konnte, hat er es nicht versäumt. Bei den allabendlichen Appells wurden wir von den SS-Männern auf brutalste Weise schikaniert. Stundenlang mussten wir draussen stehen, nach der schweren Arbeit und mussten die « Hymne » singen, wobei ein jüdischer Kapellmeister vom Dache eines Hauses unter hellem Gelächter der SS-Männer dirigieren musste. Bei diesen Anlässen liessen es

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die SS-Männer an körperlichen Züchtigungen nicht fehlen. Auf tragische Weise endete der Sereder Rabbiner Eckstein. Er kam einmal einige Minuten verspätet zum Appelle, weil er Diarrhöe hatte und am Klosett war. Der Scharführer lies ihn hierauf zweimal nacheinander mit dem Kopf nach unten tief in die Klosettmündung tauchen, worauf er ihn mit kaltem Wasser abgoss, seinen Revolver zog und ihn erschoss.

Zwischen dem Arbeitsfeld I. und II. stand das Krematorium. Dort wurden die Leichen verbrannt. Die Mortalitätsziffer pro Feld betrug bei einer Gesamtzahl von 6-8 000 Personen etwa 30 pro tag, später hat sich diese Zahl auf das fünf- und sechsfache gehoben. Dann wiederholten sich Fälle, dass man aus dem Marodenzimmer 10-20 [38] Kranke in das Krematorium brachte, wo sie auf eine mir unbekannte Art umgebracht und dann verbrannt wurden. Es war ein durch elektrischen Strom geheiztes Krematorium, bei welchem Russen beschäftigt waren.

Zufolge der unmöglichen Kost und der sonstigen sehr schlechten Lebensbedingungen vermehrten sich allmählich die Krankheiten. Ausser den schweren Magenerkrankungen grassierte im Lager eine unheilbare Fussödeme. Die Menschen bekamen geschwollene Füsse und konnten sich nicht bewegen. Man begann diese Kranken in immer grösserer Anzahl in das Krematorium zu führen. Als dann am 26. Juni l942 die Zahl der im Krematorium umgebrachten Kranken auf 70 stieg, beschloss ich die sich mir eben bietends Gelegenheit auszuhützen, und mich freiwillig zur Versetzung nach Auschwitz [39] zu melden.

Am 27. Juni 1942 führte ich die Sträflingskleider ab, erhielt Zivilkleider und fuhr mit einem Transport nach Auschwitz.

Nach einer Fahrt von 48 Stunden, welche wir im Waggon eingeschlossen, ohne Essen und Trinken verbracht haben, kamen wir halbtot in Auschwitz an. Am Eingangstor begrüsste uns die grosse Aufschrift « Arbeit macht frei ». Der Hof war rein, geordnet, die Ziegelbauten machten auf uns nach den schmutzigen und primitiven Baracken in Lublin einen sehr guten Eindruck. Wir dachten einen guten Tausch gemacht zu haben. Wir wurden sofort in einen Keller geführt, bekamen Tee und Brot. Am nächsten Tag wurden uns die Zivilkleider abgenommen, wir wurden rasiert, unsere Häftlingsnummern wurden uns am linken Unterarm eintätoviert, schliesslich erhielten wir ähnliche Häftlingskleider, wie wir sie in Lublin hatten und nachdem unser Personalien aufgenommen waren, waren wir regelmässige sogenannte « politische Häftlinge » im Konzentrationslager Auschwitz.

Wir wurden im Block 17 untergebracht, wo wir auf dem Fussboden zu liegen hatten. In einer Häuserreihe, welche von uns durch eine Mauer getrennt war, waren die jüdischen Mädchen aus der Slowakei, die im März und April 1942 nach Auschwitz gebracht wurden, untergebracht. Als Arbeitsplatz wurde uns die Baustelle des enorm grossen Fabrikobjektes « Buna » zugewiesen. Um 3 Uhr früh wurden wir zu der Arbeit getrieben. Zu Essen bekamen wir mittags eine Kartoffel- oder Steckrübensuppe, am Abend Brot. Während der Arbeit wurden wir fürchterlich misshandelt. Da die Arbeitstelle ausserhalb der grossen Postenkette lag, wurde der Arbeitsplatz auf Quadrate von 10 x 10 m geteilt. Jedes Quadrat wurde durch einen SS-Mann bewacht. Wer während der Arbeit die Grenzlinie seines Quadrates überschritt, wurde ohne Warnung « auf der Flucht erschossen ». Es kam oft vor, dass der SS-Mann einem Häftling die Weisung gab, ein Werkzeug oder einen Gegenstand, welcher jenseits des Quadrastriches lag, zu holen. Wenn dann der Häftling den Befehl befolgte, wurde er wegen Übertretung der Grenzlinie erschossen. Die Arbeit war sehr schwer, man gewährte uns keine Ruhepause. Der Weg aus der Arbeit musste in strammer, militärischer

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Ordnung zurückgelegt werden, wer aus der Reihe trat, wurde erschossen. Zur Zeit, als ich auf diese Arbeitsstelle kam, arbeiteten dort etwa    3 000 Personen, darunter ca. 2 000 slowakische Juden. Die harte Arbeit, ohne Nahrung und Rast, haben aber sehr wenige von uns ausgehalten. Fluchtversuche, obwohl diese fast gar keine Aussicht auf Erfolg hatten, waren an der Tagesordnung. Wöchentlich wurden einige gehängt.

Nach einigen Wochen qualvoller Arbeit an der Baustelle « Buna », brach im Lager plötzlich eine fürchterliche Flecktyphus-Epidemie aus. Die abgeschwächten Häftlinge fielen zu hunderten. Lagersperre wurde angeordnet und die Arbeiten am « Buna » wurden eingestellt. Die noch am Leben Gebliebenen von dieser Arbeitsstelle wurden Ende Juli 1942 in die Kiesgrube geschickt. Die Arbeit war hier womöglich noch schwerer, als die am « Buna ». Mit unseren abgeschwächten Kräften konnten wir beim besten Willen keine Leistung hervorbringen, die unsere Aufseher zufriedengestellt hätte. Die meisten von uns bekamen geschwollene Füsse. Unser Kommando wurde daher angezeigt, dass wir faul sind und unordentlich arbeiten. Es kam eine Kommission, ein jeder von uns wurde eingehend untersucht. Alle jene, die geschwollene Füsse hatten oder nicht ganz sicher auftreten konnten, wurden separiert. Obwohl ich in den Füssen furchtbare Schmerzen verspürte, habe ich mich beherrscht und trat stramm vor die Kommission. Ich wurde für gesund befunden. Von 300 Personen wurden ca. 200 für krank befunden. Sie wurden sofort nach Birkenau geschickt und im Birkenwald vergast. Ich wurde dann zur Arbeit in die DAW (Deutsche Aufrüstungswerke) kommandiert. Wir hatten dort Skier mit Farbe anzustreichen. Die vorgeschriebene Anzahl war täglich minimum 120 [40] Stück. Wer dieses Quantum nicht fertigstellte, wurde am Abend tüchtig durchgeprügelt. Man musste schon fleissig zugreifen, um den Prügeln zu entgehen. Eine andere Gruppe stellte Kisten für Granaten her. Als einmal 15 000 solcher Kisten-fertig waren, stellte es sich heraus, dass sie um einige Zentimeter zu klein waren. Hierauf wurde eine Anzahl von jüdischen Häftlingen, darunter ein gewisser Erdélyi (er soll in Banovce Verwandte haben) wegen Sabotage erschossen.

Mitte August 1942 wurden die jüdischen Mädchen aus der Slowakei, die jenseits der Mauer untergebracht waren, nach Birkenau überführt. Ich hatte sie kurz sprechen können. Sie waren sehr herabgekommen und ausgehungert. Sie waren mit zerfetzten alten russischen Uniformen bekleidet und trugen Holzschuhe oder gingen barfuss herum. Die Haare hatten sie abgeschoren und waren ganz verwahrlost. Am selben Tage wurden wir alle wieder streng untersucht, alle Flecktyphusverdächtigen wurden nach dem Birkenwald geschickt, wir Gesunden wurden nackt in die Ubikationen, die die Mädchen eben geräumt haben, einquartiert. Man hat uns aufs neue total rasiert, gebadet und bekamen neue Kleider. Ich erfuhr zufällig, dass beim « Aufräumungskommando » Platze frei geworden sind. Ich habe mich gemeldet und wurde hin zugeteilt.

Das « Aufräumungskommando » zählte 100 Häftlinge, ausschliesslich Juden. Wir wurden in eine völlig abgeteilte Ecke des Lagers gebracht, wo riesige Berge und volle Magazine von Rucksäcken, Koffern und allerhand Gepäck waren. Unsere Arbeit ,bestand darin, dieses Gepäck zu öffnen und die darin befindlichen Gegenstände in Koffern, bzw. separaten Magazinen zu sortieren. Es gab also Koffer mit Kämmen, Spiegeln, Zucker, Konserven, Schokolade, Medikamenten. Die Koffer wurden dann laut Sorten gestapelt. Die Wäsche und Konfektion wurde in eine grosse Baracke gebracht, wo diese durch jüdische Mädchen aus der Slowakei sortiert und gepackt wurden. Diese Textilien wurden dann in Waggons verladen und zum Versand gebracht. Die schlechtenunbrauchbaren Kleidungsstücke wurden an die Adresse « Textilfabriken, Memel » gesandt, während die brauchbaren irgend einem Ankleidungsheim

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(ich habe die Anschrift nicht beibehalten) nach Berlin geschickt wurden. Die Wertsachen, wie Gold, Geld, Valuten und Edelsteine, mussten der politischen Abteilung abgeführt werden. Ein sehr grosser Teil dieser Gegenstande wurde aber von der SS-Aufsicht gestohlen oder ist in die Taschen der hier beschäftigten Häftlinge verschwunden. Chef dieser Sortierungsarbeit, der eine Autorität in diesem Fache geworden ist, ist Albert Davidovic aus Spisska Nova Ves, der diesen Posten auch heute noch bekleidet. Kommandant der Abteilung ist der SS-Scharführer [41] Wykleff, ein roher, brutaler Mensch, der auch die Mädchen oft verprügelte.

Die Mädchen kamen täglich aus Birkenau an die Arbeit. Sie erzählten über die schrecklichen Zustände, die dort herrschten. Sie wurden tyrannisiert und geschlagen. Die Mortalität unter ihnen war grösser als unter den Männern. Wöchentlich zweimal fanden Selektionen statt. Täglich kamen frische Mädchen an die Arbeit, an Stelle der Selektierten oder anders Hingerichteten.

Anlässlich meiner ersten Nachtschicht hatte ich zum ersten Male die Gelegenheit gehabt, zuzusehen, wie die nach Auschwitz angekommenen Transporte behandelt werden. Es kam ein Transport mit polnischen Juden. Sie hatten in den Waggons kein Wasser und als sie ankamen, hatten sie etwa 100 Tote. Die Waggontüren wurden geöffnet und wir mussten die von der Reise und den Entbehrungen völlig erschöpften Juden mit einem grossen Geschrei aus den Waggons treiben. Sie wurden auch durch häufige Stockhiebe der SS-Mannschaften zum raschen Aussteigen veranlasst. Sie wurden dann in Fünferreihen gestellt. Die Waggons von den Toten, Halbtoten und von Paketen zu räumen, war unsere Arbeit. Die Toten wurden auf eine Sammelstelle auf einen Haufen geworfen. Alles, was nicht auf eigenen Füssen gehen konnte galt als tot. Die Pakete wurden auf einen Haufen gelegt und die Waggons mussten gründlich gereinigt werden. Es durfte vom Transporte keine Spur zurückbleiben. Eine Kommission der politischen Abteilung hat dann ca. 10 % Männer und 5 % Frauen ausgewählt, die abgeführt und durch die bekannte Prozedur den Lagern zugeteilt wurden. Die Restlichen wurden auf Lastautos verladen und nach dem Birkenwald [42] geschickt, wo sie vergast wurden. Die Toten und die sich unter ihnen befindlichen Halbtoten wurden ebenfalls auf Autos verladen. Diese wurden im Birkenwald direkt verbrannt. Häufig wurden kleine Kinder auf die Autos der Toten geschleudert. Die Pakete wurden durch Lastautos in die Magazine gebracht und dann auf die bereits beschriebene Weise sortiert.

In der Zeit von Juli bis September 1942 hatte im Lager Auschwitz, aber besonders im Frauenlager Birkenau, die Flecktyphus-Epidemie gewütet. Die Kranken wurden überhaupt nicht behandelt. Anfangs wurden alle Typhus-Verdächtigen durch Fenolinjektionen getötet, später massenweise vergast. In zwei Monaten starben 15 - 20 000 Häftlinge, meistens Juden. Insbesondere schwer litt das Mädchenlager. Es hatte gar keine sanitären Einrichtungen, die Mädchen waren total verlaust. Allwöchentlich fanden grosse Selektionen statt. Die Mädchen hatte sich hiezu, ohne Rücksicht auf Witterung, nackt zu präsentieren und mussten jedesmal mit Todesangst erwarten, ob sie selektiert werden oder ob ihnen noch eine Woche Aufschub gewahrt werden wird. Es gab sehr viele Selbstmorde, die einfach so begangen wurden, dass man sich abends zur kleinen Postenkette begab und sich an die Hochspannungleitung lehnte. Dies ging lange, bis ihre Zahl auf nur ca. 5 % des ursprünglichen Standes sank. Heute leben noch in Auschwitz und Birkenau nur ca. 400 dieser Mädchen, der grösste Teil von ihnen konnte sich später gute administrative Posten im Frauenlager sichern. Die Eine von ihnen, eine gewisse Katja (Familienname mir unbekannt) aus Povazska Bystrica (wo sie Verwandte namens Langfelder hat) bekleidet den hohen Posten des Rapportschreibers. Etwa 100 jüdische Mädchen aus der Slowakei fanden im Stabsgebäude

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in Auschwitz Beschäftigung. Sie verrichten da die gesamte schriftliche Arbeit, die mit der Verwaltung der Lager Auschwitz und Birkenau zusammenhängt. Dank ihrer Sprachkenntnisse werden sie zu Dolmetscherdiensten bei Verhören von fremdsprachigen Häftlingen verwendet. Teilweise arbeiten sie auch in der Küche und in der Wäscherei des Stabsgebäudes. In der letzten Zeit sind diese Mädchen verhältnismässig gut gekleidet, da sie die Möglichkeit hatten, ihre Garderobe aus dem Bestand des Arbeitskommandos entsprechen zu ergänzen. Häufig tragen sie sogar Seidenstrümpfe. Sie lassen ihre Haare wieder wachsen und es geht ihnen verhältnismässig gut. Dies kann freilich keineswegs von den anderen, einige tausend Kopfe zählenden Häftlingen des Frauenlagers behauptet werden. Die slowakischen jüdischen Mädchen sind eben die ältesten Häftlinge im Frauenlager. Sie haben bis heute unsagbar viel gelitten und haben jetzt eine kleine Ausnahmeposition,

Meine verhältnismässig gute Einteilung beim Aufräumungskommando konnte ich aber nicht lange beibehalten. Nach kurzer Zeit wurde ich strafweise nach Birkenau versetzt, wo ich über 1 1/2 Jahre verbrachte. Am 7. April 1944 gelang es mir mit meinem Gefährten [43] zu entkommen.

= = = =

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Vorsichtige Schätzung der in Birkenau seit April 1942
bis April 1944 vergasten Juden [44] nach Herkunftsländern.

Polen (in Lastautos zugeführt)
  "      (per Eisenbahn    "      )
Holland
Griechenland
Frankreich
Belgien
Deutschland
Jugoslawien, Italien, Norwegen
Litauen
Böhmen, Mähren und Osterreich
Slowakei
Div. Lager fremdländischer Juden in Polen

 

ca.  300.000
 "     600.000
 "     100.000
 "       45.000
 "     150.000
 "       50.000
 "       60.000
 "       50.000
 "       50.000
 "       30.000
 "       30.000
 "      300.000

ca. 1.765.000

 


Notes

[1]

Dans le texte RA on ajoute : « heute befinden sie sich schon in neutralen Ausland » (p. 1) ; et dans le texte MAE : « Aujourd’hui ils se trouvent déjà en pays neutre » (p. 1). 

[2]

« 640 » selon les documents MAE (p. 10), NA (p. 1) et RA (p. 2). 

[3]

« 500 by 500 » selon le document NA (p. 4). 

[4]

« je » selon le document MAE (p. 12). 

[5]

« 850 x 1 600 » selon les documents RA (p. 4) et NA (p. 7) ; « 850 x 600 » selon le document MAE (p. 13). 

[6]

« 1320 » selon le document FDRL 2 (p. 6). 

[7]

« 634 » selon le document NA (p. 9). 

[8]

« 300 » selon les documents MAE (p. 13) et RA (p. 5). 

[9]

« 30 000 » selon le document FDRL 1 (p. 11). 

[10]

« 1 900 » selon le document FDRL 2 (p. 8). 

[11]

« 1 300 » selon le document FDRL 2 (p. 8). 

[12]

Dans le document NA on ajoute ; « where they were gassed and cremated without being entered on the records and assigned numbers » (p, 14) ; dans le document RA on ajoute : « wo die Juden zu tausenden vergast und verbrannt wurden » (p. 8) ; dans le document MAE on ajoute : « où l’on tuait et incinérait des milliers de Juifs » (p. 15). 

[13]

« Sl. occidentale » selon le document MAE (p. 15). 

[14]

« April 30, 1944 » selon le document FDRL 2 (p. 9). 

[15]

« Torrès » selon le document MAE (p. 16) ; « Torrés » selon le document RA (p. 8). 

[16]

« Les frères » selon le document MAE (p. 16) ; « Léon Blum’s Brüder » selon le document RA (p. 8). 

[17]

« 250 » selon le document MAE (p. 16). 

[18]

« 1 June » selon le document NA (p. 15) ; « 1 Juni » selon le document RA (p. 9) ; « 1 Juin » selon le document MAE (p. 16). 

[19]

Le document MAE ajoute : « et brûlés » (p. 16) ; le document RA ajoute : « und verbrannt » (p. 9) ; le document NA ajoute : « and burned » (p. 16). 

[20]

Le document FDRL 2 dit : « the rest of them gassed and burnt » (p. 10). 

[21]

« 3 000 » selon les documents MAE (p. 16) et NA (p. 16). 

[22]

« 200 » selon le document RA (p. 11). 

[23]

« 200 » selon le document RA (p. 11).

[24]

C’est au pluriel dans le document NA : « the newly-built crematoria and gas chambers were opened » (p. 19-20). 

[25]

« 50 000 » selon le document NA (p. 23). 

[26]

« Lublin-Majdanek » selon les documents MAE (p. 20) et RA (p. 14). 

[27]

« Juin » selon le document MAE (p. 20). 

[28]

« Sturmführer » selon le document NA (p. 25). 

[29]

« 142000 » selon le document NA (p. 25).

[30]

« Untersturmbannführer » selon les documents MAE (p. 22) et RA (p. 16). 

[31]

On dit le contraire dans les textes MAE et RA ; « étoffes ininflammables » (MAE, p. 22) et : « nicht entzündbare Stoffe » (RA, p. 16).

[32]

« 400 » selon le document MAE (p. 24). 

[33]

« 32408 » selon le document MAE (p. 24). 

[34]

« Block 25 » selon les documents MAE (p. 24), NA (p. 31) et RA (p. 19). 

[35]

« 30029 » selon les documents MAE (p. 25), NA (p. 32) et RA (p. 19).

[36]

« Untersturmbannführer » selon les documents MAE (p. 25) et RA (p. 20). 

[37]

Dans les textes MAE, NA et RA on précise : « Der jetzige Lagerkommandant heisst : Höss » (RA, p. 20) ; « II s’appelle actuellement : Höss » (MAZ, p. 25) ; « The name of the present comandant is Hoess » (NA, p. 33).

[38]

« ten to twelve » selon le document NA (p. 37). 

[39]

« nach Birkenau » selon le document RA (p. 22).

[40]

« 110 » selon le document NA (p. 40). 

[41]

« Sturmfuehrer » (NA, p. 41) ; « Sturmscharführer » (MAE, p. 27 ; RA, p. 22).

[42]

« sent to Birkenau » (FDRL 2, p. 26).

[43]

« avec les miens » (MAE, p. 27). 

[44]

« personnes » (MAE, p. 28) ; « Personen » (RA, p. 23).


Source: Akribeia, n° 3, octobre 1998, p. 5-208


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