Kapitel VIII
Die Zyklon B-Lieferungen an das KL Majdanek

1. Zyklon B: Hersteller und Verteiler

In Deutschland wurde Zyklon B von zwei Firmen hergestellt: Den Dessauer Werken für Zucker und Chemische Industrie A.G. in Dessau und den Kaliwerken A.G. in Kolin[511]. Beide Firmen produzierten dieses Insektizid für die DEGESCH (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung), welche das Patent sowie die Herstellungslizenz besaß und damit als Patent- und Lizenzinhaberin der eigentliche Produzent war.

Die DEGESCH vertrieb das Zyklon B nicht direkt, sondern über zwei Hauptvertreter, die Frankfurter Firma Heerdt und Lingler GmbH (»Heli«) sowie die Hamburger Firma Tesch und Stabenow, Internationale Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung (»Testa«), die sich den Markt aufgeteilt hatten: Die Heli operierte in den Gebieten westlich der Elbe, die Testa in jenen Östlich davon, einschließlich des Sudetengaus, des Generalgouvernements und des Reichskommissariats Ostland; ferner verkaufte sie das Insektizid in Dänemark, Norwegen und Finnland. Dementsprechend bezog das KL Majdanek, welches sich ja auf dem Territorium des Generalgouvernements befand, sein Zyklon B bei der Firma Testa.

Dazu ist eine recht ausgedehnte Korrespondenz zwischen der Lagerverwaltung auf der einen sowie der Testa und den ebenfalls an den Zyklon B-Lieferungen beteiligten SS-Institutionen auf der anderen Seite erhalten. Dieser Briefwechsel[512] wurde von der polnischen Historikerin Adela Toniak untersucht, die in ihrer Studie 37 der insgesamt 60 darin enthaltenen Dokumente wiedergegeben hat[513]. Den Angaben der Verfasserin zufolge wurde die betreffende Korrespondenz im Juli 1944 zusammen mit anderen Dokumenten auf einem auf dem Lagergelände parkierten deutschen Lastwagen vorgefunden[514]. Die bestehende Dokumentation erlaubt es uns, diesen Aspekt der Lagergeschichte fast vollständig zu rekonstruieren. Um dem Leser das Verständnis zu erleichtern, wollen wir aber zunächst einige Ausführungen über die mit dem Erwerb dieses Insektizids verknüpfte bürokratische Prozedur vorausschicken.

2. Die bürokratische Prozedur beim Erwerb von Zyklon B

Eine Zyklon B-Lieferung an das KL Majdanek (wie auch an jedes andere deutsche Lager) konnte erst nach der Erteilung dreier Bewilligungen seitens höherer SS-Stellen erfolgen: Einer medizinisch-sanitären, einer finanziellen sowie einer wirtschaftlichen. Der Bestellungsweg sah wie folgt aus:

Der erste Lagerarzt forderte eine bestimmte Menge Zyklon B bei der Verwaltung an, wobei er die geplante Verwendung angab. Die Verwaltung leitete dieses Gesuch an das Amt DIII - Sanitätswesen und Lagerhygiene - des SS-WVHA weiter, welches die Lieferung genehmigte, sofern sie vom medizinisch-hygienischen Standpunkt aus gerechtfertigt war. Als nächstes wandte sich die Verwaltung des KL Majdanek an das Amt DIV (KL-Verwaltung), dessen Sektion DIV/5 (Rechts-, Steuer- und Vertragsangelegenheiten) sich um die Finanzierung kümmerte und die nötige Geldmenge bewilligte. Die Bezahlung erfolgte dann durch Sektion D IV/1 (Haushalt, Kassen und Besoldungswesen).

Da unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft alle Materialien - insbesondere Metalle - rationiert waren, konnte die Firma Tesch und Stabenow das Zyklon B nur dann an eine staatliche Stelle verkaufen, wenn ihr eine genügende Menge Eisen zur Herstellung jener Büchsen zur Verfügung gestellt wurde, in die man die Zyklon B-Granulate abfüllte. Diese Zuweisung - im Bürokratenjargon »Kennziffer« genannt - wurde von Tesch und Stabenow an die das Zyklon produzierenden Dessauer Werke gerichtet, die so von der zuständigen Staatsstelle das zur Herstellung der Büchsen notwendige Eisen zugeteilt erhielten. Für eine Büchse mit 1,5 kg Inhalt[515] wurden 776 Gramm Eisen zugewiesen. Dies läßt sich aus zwei vom 3. bzw. 21. Juni 1943 stammenden Anträgen ersehen, in denen es um die Lieferung von 1.144 kg Eisen für 1.474 Büchsen[516] bzw. von 2.328 kg für 3.000 Büchsen[517] ging.

Zwecks Zuteilung einer Kennziffer mußte die Firma Tesch und Stabenow zwei bürokratische Formalitäten erfüllen. Erstens mußte sie einen »Metallaufteilungsschein« in dreifacher Ausfertigung an das SS-Rohstoffamt in Berlin-Halensee schicken. Bei diesem kurz »Aufteilungsblatt« genannten Schein handelte es sich um eine Liste der angeforderten Metalle (Eisen, Kupfer, Zink etc.), wobei deren Menge und Bestimmung angegeben wurden. Zweitens mußte sie der Lagerverwaltung die »Eisenanforderung« mitteilen, also die Menge des zur Fabrikation der Büchsen benötigten Eisens.

Die Kennziffer wurde auf Antrag der KL-Verwaltung von der Eisenverteilungsstelle der Bauinspektion der Waffen-SS und Polizei im Generalgouvernement zugeteilt. Diese hatte ihren Sitz in Krakau, Außenring 118, und unterstand dem Höheren SS- und Polizeiführer im Generalgouvernement. Der SS-Wirtschafter. Baugruppe. Letztgenannte Behörde hatte ihren Sitz im gleichen Gebäude wie die Bauinspektion und war ihrerseits dem Rohstoffamt des Reichsführers-SS mit Sitz in Berlin-Halensee, Kurfürstendamm 143/6, unterstellt. Die zuvor erwähnte Eisenverteilungsstelle stellte auch ein besonderes Kennzeichen - die »Ostkontrollnummer« - aus, welche auf den Metallaufteilungsscheinen anzubringen war.

Nach Erhalt der medizinisch-sanitären sowie der finanziellen Genehmigung seitens der zuständigen Stellen im SS-WVHA - in manchen Fällen, wenn kein Zweifel an einem positiven Bescheid bestand, auch schon vorher - bestellte die Verwaltung bei Tesch und Stabenow eine bestimmte Menge Zyklon B. Die Firma leitete den Lieferungsantrag dann unter Angabe der gewünschten Anzahl (und des Formats) der Büchsen auf dem bereits geschilderten Wege an das betreffende Büro weiter.

Sollte das bestellte Zyklon B per Eisenbahn geliefert werden, mußte die Verwaltung zuvor einen Wehrmacht-Frachtbrief an Tesch und Stabenow schicken. Sie konnte das Produkt aber auch direkt per Kraftwagen beim Hersteller in Dessau abholen. ›Verbrauchtes Zyklon‹ (d.h. das inerte Trägermaterial) wurde gesammelt, an die Dessauer Werke zurückgeschickt und von diesen rezykliert. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden auch leere Büchsen wiederverwendet.

Ab Juli 1943 durften die Verteilerfirmen das Zyklon B den Lagern nicht mehr direkt zustellen; diese mußten sich an den Hauptsanitätspark Berlin-Lichtenberg wenden. Grundlage für diese Änderung der Lieferungsprozedur bildeten der Erlaß II L 120151/43 des Reichswirtschaftsministers sowie der am 22. Juli 1943 ergangene Erlaß Rü A Rü I Nr. 15325/43 des Reichsministers für Bewaffnung und Munition über die Erweiterung der zentralen Beschaffung des Bedarfs für sanitäre Zwecke.

3. Die Korrespondenz zwischen der Verwaltung
und der Firma Tesch und Stabenow

Im Dezember 1941 brach unter den in Majdanek internierten sowjetischen Kriegsgefangenen der Flecktyphus aus. Am 23. jenes Monats setzte sich die Lagerverwaltung mit Tesch und Stabenow in Verbindung, um zu erfahren, ob diese im Generalgouvernement über eine Zweigstelle verfüge; es bestehe nämlich die Möglichkeit, daß im Lager »eine Vergasung« stattfinde[518]. Am 27. antwortete Tesch und Stabenow verneinend, legte ihrem Brief jedoch einen »Fragebogen für Kostenvoranschlag« bei, in dem sämtliche nötigen Informationen zur optimalen Durchführung einer Vergasungsaktion enthalten waren[519]. Der Briefwechsel zog jedoch keinerlei praktischen Konsequenzen nach sich. Am 29. Juli 1942 begab sich der SS-Oberscharführer Hans Perschon, Angehöriger des Lagersanitätsdienstes, persönlich nach Hamburg und suchte den Sitz der Firma Tesch und Stabenow auf, wo er zwei Bestellzettel abgab: Zettel Nr. 200 für 3 Stück Schlageisen, 5 Stück Reservemesser, 10 Stück Gasmasken, 200 Stück Einsätze, 1 Gasrestnachweisgerät und 20 Gummikappen sowie Zettel Nr. 251 für 6.000 Dosen Zyklon B zu 1,5 kg, was einer Gesamtmenge von 9 Tonnen entsprach. Einen Teil des Hilfsmaterials nahm Perschon gleich mit. Tesch und Stabenow erteilten den Dessauer Werken die Anweisung, dem SS-Unteroffizier

20 Kisten mit je 12 1.500-Gramm-Dosen Zyklon B zur Verfügung zu stellen, zusammen also 240 Dosen mit 360 kg Gesamtgewicht. Der Rest des bestellten Zyklons konnte nicht ohne die erforderliche Kennziffer geliefert werden[520].

Am 3. August 1942 ersuchte SS-Hauptsturmführer Heinrich Worster, Leiter der Verwaltung, die Bauleitung der Waffen-SS und Polizei im Generalgouvernement um die Zuteilung von 6.516 kg Walzwarm und 98 kg Feinzink, wobei er sein Gesuch wie folgt begründete:

»Diese Kennziffern werden benötigt, um das im hiesigen Lager erforderliche Entwesungsgerät- und Material zu beschaffen, damit auftretenden Seuchen und teilweise jetzt schon stark verlausten Baracken energisch entgegen getreten werden kann«[521].

Am 22. August teilte Worster der Firma Tesch und Stabenow mit, die vorhergehende Bestellung sei von falschen Voraussetzungen ausgegangen: Der tatsächliche Bedarf belaufe sich auf 1.474 Büchsen zu 1.500 Gramm im Wert von 13.995,63 RM, von denen 360 Büchsen mit Rechnung Nr. 1.738 vom 6. August bereits geliefert worden seien. Unter Umständen werde noch eine weitere Bestellung von diesmal 1.114 Büchsen im Werte von 10.577,43 RM erfolgen[522]. Am gleichen Tage richtete der Leiter der Verwaltung folgenden Antrag an das Amt DIV des SS-WVHA:

»Zwecks Beseitigung der im hiesigen Lager auftretenden Seuchengefahr wird ein größerer Posten des von der Fa. Tesch und Stabenow, Hamburg 1, gelieferten Entwesungsmittels Zyklon CN benötigt. Vorerst wäre hierfür eine Lieferung von 1.474 Büchsen Zyklon CN über den Betrag von RM 13.995.63 notwendig. Um Beschaffungsgenehmigung sowie Zuweisung des o.a. Betrags wird gebeten«[523].

Fünf Tage später erteilte das Amt DIV die Lieferungsgenehmigung[524].

Am 26. August unterrichtete die Firma Tesch und Stabenow die Verwaltung, daß die Bestellung von 6.000 Büchsen annulliert worden sei. Die bereits gelieferten Büchsen würden der folgenden Bestellung von 1.747 Büchsen zugeschlagen. Am 30. Juli sowie am 20. August seien jeweils 360 Büchsen geliefert worden, so daß jetzt noch 754 Büchsen ausstünden. Die Gesamtlieferung bedinge eine Eisenanforderung von 1.601 kg, weshalb die Firma um eine prompte Zustellung der Kennziffer bitte[525]. Am 4. September fragte Tesch und Stabenow bei der Verwaltung an, ob sie die restlichen 754 Dosen per Eisenbahn spedieren solle, oder ob die Verwaltung sie selbst abzuholen gedenke[526]. Worster reagierte am 7. September mit der Absendung eines Frachtbriefs für den Bahntransport, wobei er vermerkte, das bereits gelieferte Zyklon reiche bis zum 1. Oktober 1942[527].

Am gleichen Tag sandte Tesch und Stabenow auf Worsters Gesuch vom 1. September[528] der Verwaltung das »Aufteilungsblatt für Eisen und Stahl mit der Kontrollnummer Ost 94584/1942/6.516 kg«[529]. Dieses hatte seine Gültigkeit eingebüßt, und die Bauinspektion der Waffen-SS und Polizei im Generalgouvernement mußte ein neues ausstellen, damit die Kennziffer durch eine für die Lieferung von 1.601 kg Eisen erforderliche ersetzt werden konnte. Dies tat Worster am 14. September[530]. Das Gesuch um die Zuteilung von 6.516 kg Eisen wurde aber nicht annulliert, wie es Worster gewünscht hatte: Laut einer Mitteilung des Leiters der Baugruppe beim Höheren SS- und Polizeiführer im Generalgouvernement, SS-Obersturmführer Norbert Grosch, der nur unvollkommen über den Stand der Dinge unterrichtet gewesen zu sein scheint, konnte dem Antrag nicht entsprochen werden, weil man der Bauleitung auf Beschluß des Reichswirtschaftsministeriums das bisher zugebilligte Kontingent gestrichen hatte[531].

Am 2. Februar 1943 sandte der Leiter der Verwaltung per Bahn eine Ladung von 1.163 kg »Leergut (verbrauchtes Zyklon)«, also inertes Trägermaterial), zusammen mit dem entsprechenden Wehrmacht-Frachtbrief an die Dessauer Werke[532]. Am 22. Mai fragte Worster bei Tesch und Stabenow an, ob er mit der »baldigen Lieferung weiterer 1.474 Büchsen Zyklon CN« rechnen dürfe, und bat darum, ihm die entsprechende Kennziffer gegebenenfalls mitzuteilen[533]. In ihrer Antwort vom 28. Mai erklärte die Firma, sie sei in der Lage, dem Antrag stattzugeben, und erkundigte sich, welcher Büchsentyp (1.000, 1.200 oder 1.500 g) erwünscht sei[534]. Am 3. Juni antwortete Worster telegraphisch, daß Büchsen mit 1.500 Gramm Inhalt gewünscht würden, und bat um die möglichst rasche Angabe der Kennziffer[535]. Tesch und Stabenow reagierten noch am selben Tage: Der Eisenbedarf für 1.474 Büchsen der angeforderten Größe betrug 1.144 kg[536]. Immer noch am 3. Juni[537] bestellte Worster bei der Firma auch »200 Stück Atemeinsätze ›J‹«[538]. Am 7. Juni antworteten Tesch und Stabenow, die Bestellung sei bereits an ihr Lieferwerk weitergeleitet worden, und die Lieferungsfrist sei mit 8 bis 10 Wochen anzusetzen[539].

Am 8. Juni sandte der Leiter der Verwaltung der Firma den Bestellzettel 23 über Lieferung von 3.000 Büchsen Zyklon à 1.500 g, wodurch die vorhergehende Bestellung von 1.474 Büchsen aufgehoben wurde[540]. Am 12. Juni schickte Worster einen Wehrmacht-Frachtbrief zur Verschickung von 200 Atemeinsätzen »J« an Tesch und Stabenow[541], und am 21. desselben Monats bat er den SS-Wirtschafter beim Höheren SS- und Polizeiführer im Generalgouvernement um die Zuteilung von 2.328 kg Eisen für die bestellten 3.000 Dosen Zyklon, wobei er folgende Begründung hinzufügte:

»Diese Kennziffern werden benötigt, um die erforderlichen Mengen an Blausäure (Zyklon) beschaffen zu können, damit wegen Seuchengefahr in der Entwesung der Häftlingsunterkünfte - u. Bekleidung keine Verzögerung eintritt«[542].

Am Tage danach stellte die Verwaltung der Firma Tesch und Stabenow einen Wehrmacht-Frachtbrief für 1.500 Büchsen Zyklon B zu und erkundigte sich, ob sie in Dessau einen Teil der übrigen 1.500 direkt abholen könne[543]. Die Firma erwiderte am 2. Juli, sie habe das Gesuch an die Dessauer Werke weitergeleitet, sei aber noch nicht in der Lage, eine verbindliche Antwort zu erteilen[544].

Am 10. Juli wandte sich der Leiter der Verwaltung direkt an die Dessauer Werke, um in Erfahrung zu bringen, wann er das bestelle Zyklon B abholen könne; die Angelegenheit sei sehr dringend[545]. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Schon zwei Tage später erhielt die Verwaltung ein Telegramm von Tesch und Stabenow, in welchem es hieß: »500 Kilo Zyklon in Dessau abholbereit - Testa«[546]. Die gleiche Mitteilung erging seitens der Dessauer Werke zunächst per Fernspruch und dann noch per Telegramm persönlich an den SS-Hauptsturmführer Worster: »500 kg Zyklon Donnerstag abholbereit - Raffinerie«[547]. Im Begleitbrief erteilten Tesch und Stabenow der Verwaltung einen Rüffel, weil sie sie übergangen habe, indem sie sich direkt an die Dessauer Werke wandte; sie teilte mit, in Dessau stünden die 500 kg Zyklon bereit, doch »infolge unaufschiebbarer Reparaturen« könnten vor August keine weiteren Lieferungen erfolgen[548].

Die Kennziffer für die am 8. Juni angeforderten 3.000 Dosen Zyklon B war Tesch und Stabenow am 17. Juni zugegangen[549], doch am 26. August hatte diese sie noch nicht erhalten[550]. Worster legte den Fall nun dem SS-Wirtschafter beim Höheren SS- und Polizeiführer dar[551], der sich an das Rohstoffamt in Berlin-Halensee wandte, damit dieses bei der Post nach der verlorenen Kennziffer suche und eventuell eine neue genehmige[552]. Am 12. Oktober hatte Tesch und Stabenow noch nichts erhalten[553]. Am 20. Oktober kam die Sache endlich zu ihrem Abschluß: Tesch und Stabenow erhielten eine neue Zuweisung von 2.328 kg Eisen[554].

Im August 1943 erforderten die sanitären Zustände im Lager eine allgemeine Desinfektion. Am 11. jenes Monats sandte der 1. Lagerarzt folgendes Schreiben an die Verwaltung:

»Da sowohl im MKL [Männerkonzentrationslager] als auch im FKL [Frauenkonzentrationslager] nochmals eine gründliche Desinfektion durchgeführt werden soll, wird eine größere Menge von Cyklongas benötigt werden. Es wird gebeten, einen Vorrat an diesem Gas zu bestellen, damit die Desinfektionsarbeiten keine Unterbrechung erfahren müssen«[555].

Am 12. August antwortete die Verwaltung, sie habe schon vor geraumer Zeit große Zyklon B-Mengen bei Tesch und Stabenow angefordert, doch bislang sei erst ein geringer Teil davon eingetroffen. Außerdem seien »infolge der Terrorangriffe auf Hamburg« kurzfristig keine weiteren Lieferungen mehr zu erwarten; die Verwaltung bitte darum, »vorläufig noch nicht mit den Desinfektionsarbeiten zu beginnen«[556].

Am gleichen Tag sandte die Verwaltung einen Brief an Tesch und Stabenow, in dem hervorgehoben wurde, daß von den am 8. Juni bestellten 3.000 Dosen Zyklon am 16. Juli mit Rechnung vom 19. Juli erst 342 Büchsen zu 1.500 kg, insgesamt also 513 kg, geliefert worden seien. Die Verwaltung ersuchte um die unverzügliche Lieferung von wenigstens 1.500 Büchsen und verlangte Auskunft darüber, wann die restlichen 2.658 Büchsen denn einträfen[557]. In ihrer Antwort hielt die Firma fest, sie habe die Anfrage an ihr Lieferwerk weitergeleitet, und wollte wissen, ob die Verwaltung die am 12. Juli in Dessau bereitgestellten 500 kg Zyklon denn schon abgeholt habe[558]. Da die Verwaltung lediglich 342 Dosen erhalten hatte und die betreffende Rechnung von Tesch und Stabenow ausgestellt worden war, ist es klar, daß die 500 kg nicht abgeholt worden waren. Am 31. August protestierte der Leiter der Verwaltung bei der Firma, weil außer den bereits erwähnten 342 Büchsen keine weiteren Lieferungen erfolgt waren; er schloß sein Schreiben mit folgenden Worten:

»Die dringend notwendige Desinfektion des Lagers verträgt keine weitere Verzögerung der Lieferung«[559].

Worster schrieb am gleichen Tag auch an die Dessauer Werke und ersuchte diese um die Verschickung der restlichen Zyklon B-Bestellung, die »zwecks Desinfektion des Lagers« dringendst benötigt werde[560].

Am 11. September richtete der erste Lagerarzt ein abermaliges dringendes Gesuch an die Verwaltung:

»Es wird gebeten, zu Desinfektionszwecken im Lager Desinfektionsgas in größeren Mengen zu bestellen. Begründung: Der Vorrat an Desinfektionsgas ist fast erschöpft, und es könnte eine unerwünschte Unterbrechung der Desinfektionsarbeiten eintreten«[561].

Am 13. September entgegnete die Verwaltung, die Herstellerfirma sei »außerordentlich stark überlastet«, so daß man nicht wisse, wann und in welchen Mengen das Lager mit »Desinfektionsgas« versorgt werden könne. Worster riet dem Lagerarzt

»mit dem noch vorhandenen Vorrat an Desinfektionsgas aufs sparsamste umzugehen und demgemäß die Desinfektionsarbeiten auf das notwendigste Maß zu beschränken«[562].

Am 21. desselben Monats unterrichtete der Leiter der Verwaltung den 1. Lagerarzt unter Bezugnahme auf das vorherige Schreiben in einem Brief, in dem es wiederum um »Desinfektionsgas« ging, in den nächsten Tagen erwarte man das Eintreffen von 666 Dosen Zyklon (was einer Menge von 999 kg entsprach), und bat ihn, »unter Berücksichtigung dieser Sachlage die Desinfektionsarbeiten ausführen zu lassen«[563].

Am 19. Juni 1944 fragte Worster bei Tesch und Stabenow an, ob die Firma dem Lager rasch weitere 1.500 Büchsen des Schädlingsbekämpfungsmittels liefern könne[564]. Die Antwort lautete wie folgt:

»Auf Ihr obiges Schreiben teilen wir Ihnen mit, daß auf Grund des Erlasses des Reichswirtschaftsministers II L 1/20151/43 und des Reichsministers für Bewaffnung und Munition Rü A Rü I Nr. 15325/43 vom 22.7. 43 über die Erweiterung der zentralen Beschaffung des Bedarfs für sanitäre Zwecke derartige Bestellungen unter das Verbot der direkten Lieferung fallen.

Wir bedauern daher, von Ihnen direkt keine Aufträge annehmen zu können, müssen Sie vielmehr bitten, Ihren zukünftigen Bedarf entweder unmittelbar oder über Ihren zuständigen Sanitärpark beim Hauptsanitärpark Berlin-Lichtenberg anzufordern«[565].

Die Verwaltung unternahm den Versuch, die Klippe zu umschiffen, indem sie sich an den Standortarzt-SS und Polizei Lublin wandte. Dieser reichte am 3. Juli 1944 beim Amt D III eine »Sonderbestellung auf 500 Büchsen Cyclon B« ein, da für dieses ein dringender Bedarf vorliege:

»Wegen der z.Zt. im sowj.-russ. Kriegsversehrten-Lazarett zahlreich auftretenden Fleckfiebererkrankungen und der Erhöhung der Häftlingsbelegstärke durch überstellte und neu eingewiesene Häftlinge kann auf Cyclon B nicht verzichtet werden«[566].

Dies ist das letzte Dokument der Korrespondenz. Zwanzig Tage nach der Abfassung dieses Schreibens rückte die Rote Armee in Majdanek ein.

4. Die Menge des ans KL Majdanek gelieferten Zyklon B

In ihrem oben erwähnten Artikel weist Adela Toniak auf Lücken in der erhaltenen Dokumentation hin und schreibt:

»Aus den genannten Gründen stößt die Berechnung der exakten Menge nach Majdanek gelieferten Zyklon auf eine ernstliche Schwierigkeit. Von der ersten, sich auf 6.000 Büchsen zu 1.500 g belaufenden Bestellung wurden am 30. Juli 1942 300 Büchsen und am 4. September 764 Büchsen geliefert. Nach der in der Korrespondenz bestehenden Lücke vom 22. September 1942 bis zum 1. Juli 1943 ist von dieser Bestellung nicht mehr die Rede; man muß also davon ausgehen, daß die Lieferung erfolgt ist und dem Lager dementsprechend 2.211 kg Zyklon B zugestellt worden sind.

Im ersten Dokument nach dieser zeitlichen Lücke heißt, in Dessau stünden 500 kg Zyklon B für das Lager bereit. Daraus ergibt sich, daß die Verwaltung in der Zwischenzeit eine weitere Bestellung des Gases vorgenommen hatte.

Nach einer neuerlichen Unterbrechung von diesmal zwei Monaten bestellte sie nochmals 1.474 Dosen Zyklon B und ein paar Tage später wiederum 3.000 Dosen = 4.500 kg, wobei sie diesen letzgenannten Brief als Bestellung Nr. 23 klassifizierte. Die anschließende Korrespondenz bezieht sich auf die zweite Bestellung, und nur diese wird in der Berechnung berücksichtigt. Anhand der späteren Briefe läßt sich erschließen, daß die Lagerbehörden 342 Dosen = 513 kg [Zyklon B] und 666 Dosen = 999 kg erhielten, zusammen also 2.012 kg.

Die sich anschließende dokumentarische Lücke von acht Monaten, nach welcher wiederum von einer Bestellung von 1.500 Dosen Zyklon B zu 1.500 g die Rede ist und die am 3. Juli 1944 in eine Bestellung von 500 Dosen umgewandelt wurde, bietet Grund zur Annahme, daß die Lieferung von 4.500 kg des einschlägigen Präparats vollumfänglich erfolgt ist. Anhand einer einfachen Rechnung läßt sich aufzeigen, daß das Lager Majdanek im Jahre 1943 vom Hersteller 5.000 kg Zyklon B erhalten hat«[567].

Die Korrespondenz endet mit der vom 3. Juli 1944 datierenden Bestellung von 500 Büchsen Zyklon B. In Wahrheit findet sich in den Akten der Lagerkanzlei keine Spur von dieser Bestellung, doch in Majdanek wurden gleich nach der Befreiung 1.000 Dosen Gas gefunden, die beweisen, daß die in diesem Brief aufgegebene Bestellung auch tatsächlich erfolgte.

Wenn wir die aufgrund der erhaltenen Briefe vorgenommenen Berechnungen zusammenfassen, gelangen wir zum Schluß, daß die Verwaltung des Lagers Majdanek vom 29. Juli 1942 bis zum 3. Juli 1944 insgesamt 7.711 kg Zyklon B erhalten hat.

Hier eine tabellarische Darstellung der von Adela Toniak vorgenommenen Berechnung:

Jahr

Anzahl der Dosen

Masse

1942

1.474

2.211 kg

1943

(333)

500 kg

 

3.000

4.500 kg

1944

500

500 kg

 

Insgesamt

7.711 kg

Diese Berechnung enthält zwei grobe Irrtümer. Der erste bezieht sich auf die 500 kg Zyklon B, die in den beiden Telegrammen vom 12. Juli 1943 enthalten sind; wie wir im vorhergehenden gesehen haben, machten diese nicht nur einen Teil der Bestellung vom 8. Juni 1943 aus, bei der es um 3.000 Dosen zu 1.500 g ging, sondern sie wurden von der KL-Verwaltung noch nicht einmal abgeholt. Dies heißt, daß die betreffenden 500 kg von Adela Toniak zweimal gezählt worden sind.

Der zweite Irrtum hängt mit den 500 Dosen der Sonderbestellung vom 3. Juli 1944 zusammen. In Majdanek wurden laut der polnisch-sowjetischen Untersuchungskommission 535 Zyklon B-Büchsen vorgefunden[568], von denen 135 jeweils 500 g und die restlichen 400 je 1.500 g des Insektenvertilgungsmittels enthielten[569]. Somit hat Adela Toniak den erwähnten 500 Dosen einen Inhalt von 1.000 g Zyklon zugeschrieben, doch Dosen dieses Gewichts wurden weder in den Dokumenten je erwähnt noch je aufgefunden. Wenn die betreffenden 500 Dosen wirklich geliefert worden sind, enthielten sie entweder jeweils 1.500 g des Insektizids - und in diesem Falle betrug das Gesamtgewicht der Lieferung 750 kg -, oder aber der Inhalt wog jeweils 500 g, und dann belief sich das Gesamtgewicht auf 250 kg. Die wahrscheinlichste Annahme ist wohl die letztere, denn sämtliche vorausgehenden Lieferungen bezogen sich auf Büchsen zu 1.500 g, so daß die 135 Büchsen mit abweichendem Format (500 g) nur der letzten ans Lager erfolgten Lieferung entstammen konnten. Andere Erwägungen sprechen zugunsten dieser Hypothese.

Von der am 8. Juni 1943 aufgegebene Bestellung von 3.000 Büchsen = 4.500 kg Zyklon B erhielt die Verwaltung bis Ende September jenen Jahres 1.008 Büchsen: 342 Büchsen (= 513 kg) am 16. Juli, 666 Büchsen (= 999 kg) Ende September. Die übrigen 1.992 Büchsen wurden ihr also in den darauffolgenden Monaten zugestellt und reichten bis zu jenem Tage - dem 19. Juni 1944 -, an welchem sie bei Tesch und Stabenow anfragte, ob eine »baldige Lieferung« von zusätzlichen 1.500 Dosen zu 1.500 g möglich sei. Demnach machten die von der polnisch-sowjetischen Kommission erwähnten 400 Dosen zu 1.500 g zweifelsohne einen Teil dieser Lieferung von gesamthaft 1.992 Dosen aus. Die restlichen 135 Dosen zu 500 g, die eine recht unbedeutende Menge Zyklon (67,5 kg) enthielten, konnten wohl kaum einer ganzen Lieferung entsprechen, so daß es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um den Restposten einer Lieferung von 500 Dosen dieses Formats gehandelt haben muß.

Nach dem Gesagten deutet alles darauf hin, daß dem Lager auf die Bestellung vom 3. Juli 1944 hin 500 Dosen zu 500 g Zyklon B geliefert worden sind, zusammen also 250 kg.

Wir können nun tabellarisch darstellen, wieviel Zyklon B insgesamt an das KL Majdanek geliefert wurde:

Jahr

Anzahl der Dosen

Masse

1942

1.474

2.211 kg

1943

3.000

4.500 kg

1944

500

250 kg

Insgesamt

4.974

6.961 kg

Bleibt noch abzuklären, ob es andere Lieferungen gab, die nicht in der erhaltenen Dokumentation vermerkt sind. In der folgenden Tabelle fassen wir zunächst die erfolgten Bestellungen und Lieferungen anhand der Dokumente zusammen:

Zyklon B-Lieferungen an das Konzentrationslager Lublin-Majdanek

Bestellungen

Lieferungen

Datum

Anzahl
der Dosen

Masse [kg]

Zeitraum

Anzahl
der Dosen

Masse [kg]

25.07.1942/

22.08.1942-

 

1.474

 

2.211

30.07.1942

20.08.1942

Sept. 1942

360

360

754

540

540

1.131

Teilsumme

1.474

2.211

 

22.05.1943/

08.06.1943

 

3.000

 

4.500

16.07.1943

Sept. 1943

Okt. 1943 bis

Juni 1944

342

666

1.992

513

999

2.988

Teilsumme

3.000

4.500

19.06.1944/

03.07.1944

(500)

(250)

Juli 1944

(500)

(250)

Summe:

4.974

6.961

 

4.974

6.961

Wie man sieht, liegen zwischen den Bestellungen zwei lange Intervalle vor, eines von neun Monaten (22.8. 1942 - 22.5. 1943) sowie ein zweites von einem Jahr (8.6. 1943 - 19.6. 1944). Die wenigen aus den fraglichen Zeiträumen stammenden Dokumente enthalten keinerlei Hinweise auf zusätzliche Zyklon B-Lieferungen. Was das zweite Intervall anbelangt, kann man jedoch solche Lieferungen definitiv ausschließen, denn als die Verwaltung am 19. Juni 1944 bei Tesch und Stabenow 1.500 Büchsen Zyklon B anforderte, erteilte diese unter Verweis auf einen vom 22. Juli 1943 datierenden Erlaß des Reichswirtschaftsministers und des Ministers für Bewaffnung und Munition abschlägigen Bescheid. Ganz offensichtlich war die Verwaltung noch nicht über diesen ein Jahr früher ergangenen Erlaß unterrichtet, was beweist, daß nach der Bestellung vom 8. Juni 1943 keine weiteren solchen erfolgt waren.

Bezüglich des ersten Intervalls sei folgendes angemerkt: Für die Zeit vom 22. September 1942 bis zum 22. Mai 1943 verfügen wir über ein einziges Dokument, nämlich den Wehrmacht-Frachtbrief vom 2. Februar 1943, mit dem die Verwaltung den Dessauer Werken 1.163 kg »verbrauchtes Zyklon« zurückschickte. Da das inerte Trägermaterial einer Zyklon B-Büchse 1.650 g wog, entsprach diese Menge theoretisch (1.163 : 1,65 =) 705 Büchsen. In der Praxis mußte man freilich damit rechnen, daß ein Teil des Trägermaterials verloren ging, so daß die genannte Menge sowohl den 720 am 30. Juli bzw. 20. August 1942 gesandten Büchsen[570] als auch den 754 im September 1942 gesandten Büchsen[571] entsprechen konnte. Im ersten Fall verfügte die Verwaltung Anfang Februar 1943 noch über 754 Büchsen, und eine Bestellung vor der am 22. Mai desselben Jahres erfolgten Anfrage war ganz unnötig; im zweiten Fall hatte die Verwaltung den gesamten Vorrat aus dem Jahre 1942 verbraucht. Beim Brief vom 22. Mai 1943 handelte es sich, wie eben hervorgehoben, um keine eigentliche Bestellung, sondern bloß um eine Anfrage: Die Verwaltung wollte wissen, ob die Lieferung »weiterer 1.474 Büchsen Zyklon CN« möglich sei. Der Wortlaut weist klar auf eine vorhergehende Bestellung eben dieser Anzahl von Büchsen hin - handelte es sich nun um die 1942 erfolgte oder um eine andere, spätere?

Zwecks Beantwortung dieser Frage wollen wir das Erarbeitete nochmals knapp rekapitulieren:

1) Wie wir bei der Besprechung des zweiten undokumentierten Intervalls gesehen haben, muß das Fehlen von Dokumenten durchaus keinen Hinweis auf eine Lücke in der Dokumentation bedeuten;

2) Der Wehrmacht-Frachtbrief vom 2. Februar 1943 läßt sich zwanglos mit der Hypothese vereinbaren, daß damals erst 720 der 1.474 im Jahre 1942 bestellten Dosen Zyklon B aufgebraucht waren;

3) Es existiert keinerlei Hinweis auf in der fraglichen Periode erfolgte Zyklonlieferungen.

Die logische Folgerung kann da nur lauten, daß keine undokumentierten Bestellungen stattgefunden haben.

Ein letzter Punkt bedarf noch der Klärung. Zwischen dem 27. Dezember 1941 und dem 29. Juli 1942 liegt ein weiterer längerer Zeitraum, in dem keine Zyklonbestellungen und -lieferungen nachgewiesen sind. Könnten trotzdem welche erfolgt sein?

Auch diese Frage kann man eindeutig verneinen. Im Brief der Firma Tesch und Stabenow vom 29. Juli 1942 heißt es nämlich:

»Die Lieferung werden wir zu unseren geltenden Listenpreisen unter Zugrundelegung unserer beifolgenden Verkaufs- und Lieferungsbedingungen ausführen. Ein Exemplar der Bedingungen[572] bitten wir unterschrieben und mit Dienststempel versehen zurück«.

Dies belegt, daß Tesch und Stabenow der Verwaltung zuvor noch kein Zyklon geliefert hatten, denn sonst wäre letztere bereits über die Verkaufsbedingungen auf dem laufenden gewesen, und die Firma hätte sich diese umständlichen Erläuterungen sparen können.

5. Der Zweck der Zyklon B-Lieferungen

Obwohl die Dokumente nicht den leisesten Zweifel daran aufkeimen lassen, daß das von der Verwaltung des KL Majdanek bestellte Zyklon B zur Entwesung und zu gar nichts anderem diente, zieht es Adela Toniak vor, an seine menschenmordende Bestimmung zu glauben. Sie schreibt:

»Auf der Grundlage der erhaltenen Korrespondenz bezüglich der an Majdanek erfolgten Lieferungen des Gases Zyklon B kann man festhalten, daß dieses Präparat in riesenhaften Mengen dorthin gelangte, aber nichtsdestowenig ständig knapp war, und daß die Lagerbehörden zahlreiche diesbezügliche Mahnungen absandten.

Man muß sich vor Augen halten, daß die Massenvernichtung streng geheimgehalten wurde, so daß in den Bestellbriefen für das Zyklon B die Bestimmung des letzteren nicht enthüllt wurde. Diese tritt lediglich im letzten Brief zutage, in dem wir eine Art Tarnausdruck (›Sonderbestellung‹) antreffen, welches von den Deutschen oft benutzt wurde, um die Liquidierung der Häftlinge anzudeuten.

Die Bestellbriefe für das Gas wurden mit der Notwendigkeit begründet, das Lager im Hinblick auf die dort wütenden Epidemien zu desinfizieren. Ursprünglich war dieses Gift auch tatsächlich als Insektizid entwickelt worden. Doch hätte die Durchführung dermaßen häufiger und ausgedehnter Entwesungsmaßnahmen, wie sie den bestellten Mengen des chemischen Produkts entsprochen hätte, in keiner Weise den Zweck und die Prinzipien des Lagers widerspiegelt.

Aus den Zeugenaussagen und den Erinnerungen der ehemaligen Häftlinge geht übrigens hervor, das eine Entwesung der Häftlingsunterkünfte im Lager nur sporadisch erfolgte. Außerdem bestanden, wie ich bereits hervorgehoben habe, zur Desinfektion von Kleidung Dampfentwesungskammern, die ganz in der Nähe der Gaskammern lagen.

Schließlich beweist die Absendung einer Bestellung für Gas kurz vor der Befreiung des Lagers nichts anderes als die Absicht, es zur Ermordung kranker und erschöpfter Häftlinge zu verwenden, deren Evakuierung Schwierigkeiten bereitet hätte. Die Haufen von Leichen vergaster Menschen (zagazowanych ludzi), die man nach der Flucht der Deutschen im Lager vorfand, bestätigen dies voll und ganz.

Die Korrespondenz über die Frage der Zyklon B-Lieferungen ans Lager Majdanek enthüllt, wenn man sie mit anderen Dokumenten in einen Zusammenhang stellt, ein Fragment des Mechanismus, nach dem das Lagersystem funktionierte. Sie wirft Licht auf eine wenig bekannte Frage, die von den Behörden des Reichs als strenges Geheimnis gehütet wurde«[573].

Diese Argumentation ist historisch gesehen vollkommen haltlos. Da in Majdanek, wie auch die polnische Geschichtsschreibung nicht verschweigen kann, immer wieder verheerende Fleckfieberepidemien wüteten, und da, was auch Adela Toniak zugibt, Zyklon B das wirksamste Mittel zu deren Bekämpfung war, gibt es keinen triftigen Grund zur Annahme, daß die Lieferungen des Zyklon ein anderes Ziel als die Ausmerzung der Läuse verfolgt hätten. Was das »Tarnwort« Sonderbehandlung angeht, so gehört diese Art der Deutung einem überholten System der Interpretation an, das in früheren Jahrzehnten seine Sumpfblüten trieb, jedoch von Jean-Claude Pressac definitiv erledigt worden ist. Pressac gibt an, 97 bis 98% des nach Auschwitz gelieferten Zyklon B seien für Entwesungszwecke und nur 2 bis 3% zur Vergasung von Häftlingen verbraucht worden[574]. Hätte es in jenem Lager Menschenvergasungen gegeben, so hätten diese 2 bis 3% in der Tat für die behauptete Zahl von Gaskammermorden ausgereicht, so daß Pressacs Kalkulation theoretisch stimmt.

Dies gilt in noch höherem Maße für Majdanek. Dort hätte rund 1% des gelieferten Zyklons für Menschenvergasungen des behaupteten Umfangs gereicht.

Die Beweisführung sieht wie folgt aus:

In Kammer III wäre eine Dose Zyklon B (1.500 g) ausreichend gewesen, um 1.900 Menschen mit einer Konzentration an HCN umzubringen, die um das Zehnfache über der rasch tödlichen von 3 g/m3 liegt[575]. Selbst wenn man die von der heutigen polnischen Geschichtsschreibung als übertrieben eingestuften Zahlen Z. £ukaszkiewiczs ansetzt, laut welchem ein Viertel der angeblichen 360.000 Majdanek-Opfer vergast wurden, hätte man diese 90.000 Menschen mit ca. 70 kg des Gifts, d.h. etwa. 1% der gelieferten Gesamtmenge, in dieser Kammer ermorden können.

Der Raum weist eine Fläche von ca. 35 m2 und ein Volumen von ca. 70 m3 auf. Geht man von einer Maximalzahl von 218 Opfern bei einer Mordaktion aus, und zieht man das von diesen eingenommene Volumen ab[576], so erhält man ein Restvolumen von etwa 57 m3. Unter diesen Umständen hätten (3 × 57 =) ca. 170 Gramm Zyklon B ohne weiteres ausgereicht, um die 218 Opfer zu töten, und eine einzige Dose mit 1.500 g des Gifts hätte zur Vergasung von 1.900 Menschen genügt.

Was den von Adela Toniak als »Tarnwort« gedeuteten Ausdruck »Sonderbestellung« betrifft, so hing dieser ganz eindeutig mit dem am 22. Juli 1943 ergangenen Erlaß des Reichswirtschaftsministers sowie des Reichsministers für Bewaffnung und Munition zusammen, auf den die Firma Tesch und Stabenow in ihrem Schreiben vom 19. Juni 1944 Bezug nahm; wie erinnerlich schrieb sie, sie könne infolge besagten Erlasses kein Zyklon B mehr direkt an die einzelnen Lager liefern. Der Brief, in welchem die Bezeichnung »Sonderbestellung« figuriert, stammte vom Standortarzt SS- und Polizei Lublin. Ihm war eine Kopie des Testa-Briefs vom 26. Juni 1944 beigefügt, in dem die Firma auf die eine Woche zuvor eingegangene Anfrage der Verwaltung antwortete. Es ist klar, daß letztere, indem sie sich zwecks möglichst rascher Beschaffung des Zyklons an den Standortarzt SS- und Polizei Lublin statt an den Hauptsanitätspark Berlin-Lichtenberg wandte, den alten bürokratischen Weg einschlagen wollte, bei dem das Amt DIII des SS-WVHA beteiligt war, doch dieser Weg galt inzwischen als irregulär und durfte nur in Ausnahmefällen beschritten werden. Auf eben solch einen Ausnahmefall nimmt auch der Ausdruck »Sonderbestellung« Bezug.

Das Argument, wonach gutorganisierte Entwesungsaktionen »in keiner Weise den Zweck und die Prinzipien des Lagers widerspiegelt hätten«, läuft darauf hinaus, daß solche Aktionen, die ja dazu dienten, das Leben der Häftlinge vor dem Seuchentod zu schützen, der Bestimmung eines Vernichtungslagers zuwidergelaufen hätten. Anders gesagt: Wenn Majdanek ein Vernichtungslager war, mußten die Zyklonlieferungen zur Tötung von Häftlingen dienen und konnten nicht zu ihrem Schutz vor dem Seuchentod erfolgen.

Hier liegt der klassische Fall eines Teufelskreises vor: Daß Majdanek ein Vernichtungslager war, wird durch die dorthin erfolgten Zyklon B-Lieferungen bewiesen, und daß diese Lieferungen nur kriminellen Zwecken dienen konnten, geht daraus hervor, daß Majdanek ein Vernichtungslager war!

Indem Adela Toniak zwecks Deutung der Dokumente auf Zeugenaussagen zurückgreift, läßt sie sich übrigens einen schwerwiegenden methodischen Fehler zuschulden kommen, denn ein wissenschaftlich vorgehender Geschichtsforscher beurteilt die Zeugenaussagen anhand der Dokumente und nicht umgekehrt[577].

Die eventuelle Existenz von Dampfentlausungskammern in der Baracke 42 (Adela Toniak liefert übrigens keinen Hinweis auf solche) beweist gar nichts, denn das bestellte Zyklon B diente sowohl zur Entlausung der Lagerbaracken als auch zu jener der Kleidung. Im Brief der Verwaltung vom 21. Juni 1943 ist denn auch ausdrücklich von der »Entwesung der Häftlingsunterkünfte und Bekleidung die Rede. Die Kleider wurden in der Gaskammer der Baracke 41 und in derjenigen (Kammer III) des angrenzenden Bauwerks (BW XIIA) entlaust.

Zu guter Letzt beansprucht Adela Toniak gar noch die Fähigkeit, bloße Absichten zu erkennen: Die am 3. Juli 1944 erfolgte Sonderbestellung von 500 Zyklon B-Dosen beweise nichts anderes als die »Absicht, es [das Zyklon] zur Ermordung kranker und erschöpfter Häftlinge zu verwenden«. Diese Interpretation fußt auf zwei vollkommen haltlosen Prämissen, nämlich der, daß »Sonderbestellung« ein Tarnwort mit krimineller Bedeutung gewesen sei, und daß man im Lager die Leichen von Vergasten vorgefunden habe. Über die Nichtigkeit der ersten Prämisse haben wir bereits das Notwendige gesagt; hinsichtlich der zweiten sei festgehalten, daß bei keiner einzigen der von der Polnisch-Sowjetischen Kommission durchgeführten Autopsien in Majdanek vorgefundener Leichen als Todesursache Vergasung festgestellt worden ist. Somit entbehrt Adela Toniaks Behauptung jeder historischen Grundlage. Ihre völlig willkürliche Deutung wird zusätzlich noch dadurch widerlegt, daß die transportfähigen Kranken vor dem Einrücken der Roten Armee massenweise in andere Lager verlegt wurden, während man die transportunfähigen dort zurückließ [578].

Fassen wir abschließend zusammen: Die Zyklon B-Lieferungen an das KL Majdanek dienten zur Entwesung und zu gar nichts anderem!


Anmerkungen

  1. Die I.G. Farben stellte nur den Warnstoff (Bromessigsäuremethylester) sowie den Stabilisierungsstoff (Chlorkohlensäuremethylester) her.
  2. APMM, sygn. I.d. 2, Band 1.
  3. Adela Toniak, aaO. (Anm. 377), S. 129-170.
  4. Ebenda, S. 132.
  5. Die Gewichtsangabe bezieht sich auf das Gewicht des HCN. Wie wir in Kapitel VI gesehen haben, wog eine Büchse mit 1.500 g Zyklon B insgesamt 3.750 g und enthielt neben den 1.500 g HCN 1.650 g Kieselgur oder ein ähnliches Trägermaterial. Die leere Büchse wog 600 Gramm.
  6. 1.144 : 1.474 = 0,776.
  7. 2.328 : 3.000 = 0,776.
  8. APMM, sygn.I. d. 2, Band 1, S. 113. Brief des Leiters der Verwaltung an Tesch und Stabenow vom 23.11. 1941. Betrifft: Vergasung mit Zyklon B.
  9. Ebenda, S. 115. Brief der Firma Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KGL Lublin vom 27. 12. 1941.
  10. Ebenda, S. 107-109. Brief der Firma Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KGL Lublin vom 29.7. 1942.
  11. Ebenda, S. 103. Brief des Leiters der Verwaltung bei der Bauinspektion der Waffen-SS und Polizei im Generalgouvernement vom 3.8. 1942.
  12. Ebenda, S. 99. Brief des Leiters der Verwaltung an Tesch und Stabenow vom 22.8. 1942.
  13. Ebenda, S. 97. Brief des Leiters der Verwaltung an das SS-WVHA, Amt D IV, vom 22.8. 1942. Betr.: Beschaffung eines Entwesungsmittels.
  14. Ebenda, S. 95. Brief des Amtes D IV beim SS-WVHA an die Verwaltung des KGL Lublin vom 27.8. 1942. Betr.: Beschaffung von Blausäure-Zyklon.
  15. Ebenda, S. 93. Brief von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KGL Lublin vom 26.8. 1942.
  16. Ebenda, S. 89. Fernschreiben von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KGL Lublin vom 4.9. 1942.
  17. Ebenda, S. 87. Brief des Leiters der Verwaltung an die Firma Tesch und Stabenow vom 7.9. 1942. Betr.: Lieferung von Zyklon B.
  18. Ebenda, S. 87. Brief des Leiters der Verwaltung an die Firma Tesch und Stabenow vom 1.9. 1942.
  19. Ebenda, S. 85. Brief von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KGL Lublin vom 7.9. 1942.
  20. Ebenda, S. 83. Brief des Leiters der Verwaltung an die Bauinspektion der Waffen-SS und Polizei im Generalgouvernement vom 14.9. 1942.
  21. Ebenda, S. 79. Brief des Leiters der Baugruppe des SS-Wirtschafters beim Höheren SS- und Polizeiführer im Generalgouvernement ans KGL Lublin vom 21.9. 1942.
  22. Ebenda, S. 77. Verwaltung des KGL Lublin, Wehrmacht-Frachtbrief vom 2.2. 1943.
  23. Ebenda, S. 75. Brief des Leiters der Verwaltung an Tesch und Stabenow vom 22.5. 1943. Beschaffung von Zyklon CN.
  24. Ebenda, S. 73. Brief von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KL Lublin vom 28.5. 1943.
  25. Ebenda, S. 71. Fernspruch des Leiters der Verwaltung an Tesch und Stabenow vom 3.6. 1943. Betr.: Beschaffung von Zyklon CN.
  26. Ebenda, S. 65. Brief von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KL Lublin vom 3.6. 1943.
  27. Ebenda, S. 69. Brief des Leiters der Verwaltung an Tesch und Stabenow vom 3.6. 1943. Betr.: Atemeinsätze.
  28. Die deutschen Einsatzfilter zerfielen in folgende Typen: A, B, D, E, F, G, J, K, L, M, O, R und U. Jedem Buchstabe entsprach eine besondere Farbe und eine besondere Verwendung. Filter G (blau) war für Blausäure, Filter J (blau-braun) für Zyklon B. F. Flury und F. Zernik, aaO. (Anm. 397), S. 611.
  29. APMM, sygn I. d. 2, Band 1, S. 59. Brief von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KL Lublin vom 7.6. 1943.
  30. Ebenda, S. 63. Brief des Leiters der Verwaltung an Tesch und Stabenow vom 8. 6. 1942. Betr.: Lieferung von Zyklon.
  31. Ebenda, S. 57. Brief desselben Leiters vom 12.6. 1943. Betr.: Atemeinsätze »J«.
  32. Ebenda, S. 43. Brief des Leiters der Verwaltung an den Höheren SS- und Polizeiführer im Generalgouvernement vom 21. 6. 1943.
  33. Ebenda, S. 39. Brief des Leiters der Verwaltung an Tesch und Stabenow vom 22.6. 1943.
  34. Ebenda, S. 67. Brief von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KL Lublin vom 2.7. 1943.
  35. Ebenda, S. 61. Fernspruch des Leiters der Verwaltung an die Dessauer Werke vom 10.7. 1943.
  36. Ebenda, S. 51. Telegramm von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KL Lublin vom 12.7. 1943.
  37. Ebenda, S. 53 und 55. Fernspruch und Telegramm der Dessauer Werke an den SS-Hauptsturmführer Worster vom 12.7. 1943.
  38. Ebenda, S. 49. Brief von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KL Lublin vom 12.7. 1943.
  39. Ebenda, S. 35. Brief des Leiters der Verwaltung an Tesch und Stabenow vom 30.7. 1943.
  40. Ebenda, Seite 25. Brief von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KL Lublin vom 26.8. 1943.
  41. Ebenda, S. 21. Brief des Leiters der Verwaltung an den Höheren SS- und Polizeiführer im Generalgouvernement. Der SS-Wirtschafter, vom 1.9. 1943.
  42. Ebenda, S. 17. Brief des Gruppenleiters C - Bauwesen an das Rohstoffamt von Berlin-Halensee vom 7.9. 1943.
  43. Ebenda, S. 11. Brief der Firma Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KL Lublin vom 12.10. 1943.
  44. Ebenda, S. 7. Brief von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KL Lublin vom 20.10. 1943.
  45. Ebenda, S. 37. Brief des 1. Lagerarzt des KL Lublin an die Verwaltung vom 11.8. 1943.
  46. Ebenda, S. 33. Brief des Leiters der Verwaltung an den 1. Lagerarzt vom 12.8. 1943. Betr.: Desinfektion mit Zyklongas.
  47. Ebenda, S. 31. Brief des Leiters der Verwaltung an Tesch und Stabenow vom 12.8. 1943.
  48. Ebenda, S. 23. Brief von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KL Lublin vom 25.8. 1943.
  49. Ebenda, S. 27. Brief des Leiters der Verwaltung an Tesch und Stabenow vom 31.8. 1943.
  50. Ebenda, S. 29. Brief des Leiters der Verwaltung an die Dessauer Werke vom 31.8. 1943. Betr.: Lieferung von Zyklon.
  51. Ebenda, S. 19. Brief des 1. Lagerarztes an die Verwaltung vom 11.9. 1943.
  52. Ebenda, S. 13. Brief des Leiters der Verwaltung an den 1. Lagerarzt vom 13.9.1943. Betr.: Desinfektionsgas.
  53. Ebenda, S. 13.
  54. Ebenda, S. 5. Brief des Leiters der Verwaltung an Tesch und Stabenow vom 19.6. 1944. Betr.: Beschaffung von Zyklon CN.
  55. Ebenda, S. 3. Brief von Tesch und Stabenow an die Verwaltung des KL Lublin vom 26.6 1944.
  56. Ebenda, S. 1. Brief des Standortarztes SS- und Polizei Lublin an das SS-WVHA, Amt D III. Betr.: Sonderbestellung Cyklon B.
  57. Adela Toniak, aaO. (Anm. 377), S. 136/137.
  58. Die von A. Toniak genannte Zahl von 1000 Büchsen findet in der Dokumentation keine Entsprechung.
  59. Vgl. Kapitel VI.
  60. Der Verlust entspräche in diesem Fall ca. 2%.
  61. Der Verlust entspräche in diesem Fall ca. 6,5%.
  62. Es handelte sich um ein Merkblatt mit dem Titel »Verkaufs- und Lieferungsbedingungen für Zyklon, Calcid, Aethylenoxyd oder T-Gas, Tritox und Cartox«. APMM, sygn. I. d.2, Band 1, S. 121.
  63. Adela Toniak, aaO. (Anm. 377), S. 137.
  64. Jean-Claude Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers. The Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989, S. 188; sowie Jean-Claude Pressac, Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes. Piper, München 1994, S. 58.
  65. Die HCN »sofort tödlich[e]« Konzentration für Menschen ist 0,3 g/m3. F. Flury u. F. Zernik, aaO. (Anm. 397), S. 453.
  66. Die hier angenommene Maximalkapazität dieser Kammer bei hypothetischen Menschenvergasungen (218 Opfer pro Vergasungsvorgang) entspricht der von der Polnisch-Sowjetischen Kommission genannten (vgl. Kapitel VI). Diese 218 Opfer hätten ein Volumen von ca. 13 m3 eingenommen, so daß sich das tatsächliche Volumen der Kammer auf 57 m3 verringert hätte.
  67. Vgl. Kapitel VII.
  68. Vgl. Kapitel III.

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