Kapitel IX
Das »Erntefest«

Unter dem Stichwort »Erntefest« findet man in der Enzyklopädie des Holocaust folgende Angaben:

»Deckname für die Ermordung der meisten Juden im Distrikt Lublin des Generalgouvernements am 3./4. November 1943 [...]. Insgesamt wurden bei der ›Aktion Erntefest‹ 42.000 bis 43.000 Juden ermordet, darunter auch solche in kleineren Zwangsarbeitslagern wie Cheł[579].

Mit diesem von der offiziellen Geschichtsschreibung postulierten gigantischen Massaker haben sich etliche Autoren befaßt, aber kein einziger hat die Frage vom historischen und technischen Standpunkt angepackt. Dies wollen wir im vorliegenden Kapitel tun.

1. Herkunft des Namens

Beginnen wir mit der Feststellung, daß der angebliche »Deckname« Erntefest zwar in sämtlichen das angebliche Massaker behandelnden Schriften auftaucht, aber nirgends der Ursprung dieser Bezeichnung erklärt wird. Wer hat den Ausdruck geprägt? Wer hat ihn verwendet? In welchem Dokument taucht er auf? Über diese elementaren Fragen schweigen sich die Historiker aus. Dies ist nicht allzu verwunderlich, denn über die angebliche Massenerschießung liegt kein einziges Dokument vor. Die einzige belegte Verwendung des Worts »Erntedankfest«, die einigermaßen in diesen Zeitraum fällt, erscheint im Tagebuch Hans Franks. Bei seiner Zusammenfassung einer am 23. Oktober durchgeführten Besprechung mit Staatssekretär Josef Bühler, Präsident Ohlenbusch, Pressechef Gassner und Oberlandsverwaltungsrat Weirauch gebraucht Frank diesen Ausdruck aber in strikt wörtlichem Sinne: Graf A. Ronikier, Vorsitzender des Polnischen Hauptausschusses, hatte dem Generalgouverneur einen Brief geschickt, in dem er seine Teilnahme an der für den folgenden Tag angesetzten Begehung des Erntedankfestes von deutschen Garantien gegen die Erschießung von Polen abhängig machte[580].

2. Vorgeschichte und Gründe des angeblichen Massakers
laut der offiziellen Geschichtsschreibung

In einem langen Artikel über das »Erntefest« schreibt Adam Rutkowski:

»Die Revolte der Gefangenen im Vernichtungslager Sobibór [am 14. Oktober 1943] kam für die deutschen Besatzungsbehörden vollkommen unerwartet und löste eine Panik aus. Sie begannen die Nazilager für Juden in der Umgebung als ›höchst gefährliche Widerstandsherde‹ und als autonome Brutstätten der Unruhe und des Chaos zu betrachten. Diese Revolte erweckte nicht nur die Aufmerksamkeit der polizeilichen, militärischen und administrativen Behörden des Distrikts, sondern auch jene des Generalgouverneurs im besetzten Polen selbst, Hans Frank. Am 19. Oktober 1943, gerade fünf Tage nach diesem außergewöhnlichen Ereignis, berief Frank in Krakau eine außerordentliche Versammlung der ›Regierung‹ ein, die der Sicherheitsfrage gewidmet war. Alle Experten und alle für die ›Ordnung‹ im Generalgouvernement (G.G.) zuständigen Personen nahmen daran teil, nämlich Polizeigeneral Walther Bierkamp, Kommandant der Orpo [Ordnungspolizei], General Haseldorff als Vertreter der Wehrmacht, General Sommé als Vertreter der Luftwaffe, Staatssekretär Josef Bühler, General Schindler, der Chef der Heeresinspektion im G.G., usw. Sämtliche Teilnehmer hoben unter Bezugnahme auf die kürzlich geschehenen Vorkommnisse in Sobibór die große Gefahr hervor, welche die ›Judenlager‹ im Lubliner Distrikt für die Deutschen darstellten«[581].

Daß es am 14. Oktober 1943 im Lager Sobibór zu einem Ausbruch von ca. 300 Häftlingen gekommen ist, unterliegt keinem Zweifel. Zur Jagd auf die Flüchtigen wurden neben anderen Abteilungen die drei Schwadronen der in Chełm stationierten Pol. Reiterabteilung III abkommandiert. In ihren »Lageberichten« über die Zeit vom 26. September bis zum 25. Oktober 1943 heißt es hinsichtlich des Einsatzes der ersten Schwadron:

»In der Zeit vom 14.10.- 18.10. 43 nahm die Schwadron am Judeneinsatz des SS-Sonderkommandos Sobibór (40 km nordostwärts Cholm) teil. Von den 300 entwichenen Juden konnten im Zusammenwirken mit der Wehrmacht und des Zollgrenzschutzes [sic] etwa 100 Juden vernichtet werden«[582].

Über die zweite Schwadron wird gemeldet:

»Die 2. Schwadron nahm an folgenden Großeinsätzen teil: Am 14.10. 43 mit der SS.-Pol. Reiter-Abteilung III im Waldgebiet nördlich Kaplonosy. Am 16. bis 18.10. 43 mit der SS.-Pol.-Reiter-Abt. III bei Sobibór «[583].

Aus diesen knappen Berichten scheint allerdings nicht hervorzugehen, daß sich die deutschen Behörden allzuviel Kopfzerbrechen über die Sicherheit im Lubliner Gebiet machten. Es trifft zwar zu, daß Hans Frank am 19. Oktober eine Sitzung zu dieser Frage einberief, doch bei dieser ging es hauptsächlich um die Ergebnisse der Verordnung über die Bekämpfung von Angriffen gegen das deutsche Aufbauwerk im Generalgouvernement, die von Ministerialrat Wehr schon am 2. Oktober 1943 vorgeschlagen worden[584] und am 10. Oktober in Kraft getreten war, also vier Tage vor der Massenflucht aus Sobibór. Diese namentlich gegen die polnische Widerstandsbewegung gerichtete Verordnung sah eine Kompetenzerweiterung für sämtliche Sicherheitsorgane sowie Öffentliche Repressalien für die Ermordung von Deutschen durch Partisanen vor[585]. Eine von den Judenlagern ausgehende Gefahr für die Sicherheit des Lubliner Bezirks war dermaßen hypothetisch, daß in den Auszügen aus dem Protokoll der Sitzung vom 19. Oktober, welche beim Nürnberger Prozeß vorgelegt wurden, keine diesbezüglichen Hinweise vorkommen[585], obwohl die Verfasser des Nürnberger Dokuments PS-2233 das Tagebuch Hans Franks gründlich auf alle Stellen durchkämmt haben, aus denen man ihm selbst sowie den Mitgliedern seiner Regierung einen Strick drehen konnte.

3. Der Befehlsweg

A. Rutkowski rekonstruiert den einschlägigen Befehlsweg wie folgt:

»Nachdem man Himmler über die Revolte in Sobibór und über die Massenflucht der Aufständischen unterrichtet hatte, erteilte er Friedrich Wilhelm Krüger, dem Höheren SS- und Polizeiführer des Generalgouvernements, den Befehl, so rasch wie möglich alle Judenlager im Lubliner Distrikt zu liquidieren. Krüger ließ darauf Jakob Sporrenberg, den SS- und Polizeiführer desselben Distrikts, zu sich nach Krakau kommen, um ihm Himmlers Anordnung zu übermitteln und ihn mit ihrer Durchführung zu beauftragen [...]. Nach einem kurzen Aufenthalt in Krakau kehrt Sporrenberg nach Lublin zurück, wo er gleich eine telegraphische Botschaft erhält: SS- und Polizeiabteilungen werden in Lublin eintreffen, um die Operation gegen die Juden in die Wege zu leiten [...].

In jenen Tagen[586] gelangten entsprechend der Ankündigung General Krügers spezielle SS-Abteilungen und -kommandos in Majdanek an. Sie kamen aus verschiedenen Orten, u.a. aus dem KL Auschwitz-Birkenau. Erich Muhsfeldt, damaliger Leiter des Majdaneker Krematoriums, sagt aus, daß zehn von Otto Moll und Franz Hössler befehligte SS-Leute aus Auschwitz eingetroffen seien. Die übrigen Kommandos kamen aus Krakau, Warschau, Radom, Lwów, Lublin und Debica«[587].

Im Urteil beim Düsseldorfer Majdanek-Prozeß wird die letzte Phase des Befehlswegs wie folgt beschrieben:

»Am späten Abend des 2.11. 1943 rief Sporrenberg die Führer der für den Einsatz bei dieser Aktion vorgesehenen Einheiten des Kommandeurs der Sicherheitspolizei (KdS) in Lublin, der Waffen-SS und der Polizeiregimenter 22 und 25 sowie die Kommandanten der Lager Majdanek, Poniatowo [richtig: Poniatowa] und Trawniki zu einer Besprechung zusammen. Für das KL nahm hieran entweder der Vertreter des kurz zuvor verhafteten Lagerkommandanten Florstedt [...] oder der neu ernannte Lagerkommandant Weiss teil. Bei der Besprechung setzte Sporrenberg die Anwesenden von der bevorstehenden Maßnahme in Kenntnis und wies zur Begründung darauf hin, daß wegen angeblicher Unruhen ›auf höchsten Befehl‹ die noch im Distrikt Lublin befindlichen Juden liquidiert werden müßten«[588].

Bevor wie weiterfahren, gilt es darzulegen, wie der Polizeiapparat im Generalgouvernement und spezifisch im Bezirk Lublin Anfang November 1943 strukturiert war. Der Höhere SS- und Polizeiführer (HSSPF), der SS-Obergruppenführer Krüger, war direkt Himmler unterstellt; ihm selbst unterstanden der Befehlshaber der Ordnungspolizei (BdO), der Generalmajor der Polizei Grünwald, sowie der Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (BdS), SS-Oberführer Bierkamp. Der HSSPF untergeordnet war auch der SS- und Polizeiführer (SSPF) des Lubliner Distrikts, der SS-Gruppenführer Sporrnberg. Oberster Chef des Polizeiapparats war Himmler, doch Generalgouverneur Frank, welcher direkt Adolf Hitler unterstellt war, legte nicht nur auf seine völlige Unabhängigkeit von Himmler Wert, sondern auch auf seine Befehlsgewalt über sämtliche Polizeiformationen im Generalgouvernement, und machte kein Hehl aus dieser Tatsache. Hierzu ein Beispiel, das in den hier zur Diskussion stehenden Zeitraum fällt:

Am 23. Oktober 1943 hielt Frank anläßlich der Eröffnung des Wintersemesters der Verwaltungsakademie an der neuen Universität Krakau eine Rede zum Thema »Das Führerprinzip in der Verwaltung«, in dem er u.a. folgendes ausführte:

»Wir unterstehen ausschließlich und unmittelbar dem Führer. Die Regierung des Generalgouvernements hat hier die gleichen Funktionen, die im Reich die Reichsregierung hat und die übrigen Reichszentralen haben. Die Gesetzgebung ist uns für diesen Raum anvertraut. Polizei- und Sicherheitskräfte unterstehen dem Generalgouverneur«[589].

Drei Tage später, im Verlauf der Regierungssitzung vom 26. Oktober 1943, hieb Frank in die gleiche Kerbe:

»Die Politik, die ich in diesem Raum von Anfang an durchzuhalten entschlossen war, wird vom Führer gedeckt; nur ihm sind wir verantwortlich. Niemand anderer ist berechtigt, uns im geringsten Vorschriften zu machen«[590].

Dies war keine eitle Großsprecherei, denn der HSSPF des Generalgouvernements, Krüger, war gleichzeitig auch Staatssekretär für die Sicherheitsangelegenheiten und unterstand als solcher auch Frank.

In der Praxis hätte ein eventueller Befehl Himmlers zur Erschießung von mehr als 40.000 Juden der Lager im Lubliner Distrikt unter keinen Umständen ohne die Genehmigung Franks ausgeführt werden können. Hätte Himmler also tatsächlich ein solches Massaker geplant, hätten sich in Franks Tagebuch bestimmt diesbezügliche Bemerkungen gefunden, ganz egal, ob der Generalgouverneur den Plan gebilligt oder verworfen hätte. Doch steht im Tagebuch nicht der leiseste Hinweis auf einen solchen riesenhaften Massenmord, weder über seine Anordnung noch über seine Vorbereitung noch über seine Durchführung, angefangen bei der oben erwähnten Sitzung vom 19. Oktober 1943.

Ein weiterer merkwürdiger Umstand ist folgender:

Zwei Wochen nach der angeblichen Schlächterei, am 18. November, war Himmler als Gast des Generalgouverneurs in Krakau. Hätte sich dieses wirklich ereignet, dann nur mit Franks Erlaubnis, und was für eine bessere Gelegenheit hätte es dann für letzteren gegeben, die Vollstrecker des blutrünstigen Befehls zu lobpreisen? In Anwesenheit Himmlers und »führender Mitglieder der Regierung des Generalgouvernements und zahlreicher SS- und Polizeiführer« - also vor Männern, zu denen er offen sprechen konnte - hielt Frank eine Ansprache, in welcher er die Polizei rühmte und Krüger dafür dankte, daß er im Sommer eine Partisanengruppe zerschlagen hatte. Er sagte:

»Was die Polizei aller Teile hier geleistet hat, braucht nicht besonders betont zu werden; ihre Leistung ist eines der stolzesten Kapitel der deutschen Polizeigeschichte. Daß Sie sich, lieber General Krüger, in diesem Sommer besonders bewährt haben bei der Bekämpfung der sogenannten Kolbak-Bande, die plötzlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel in die beinahe befriedet geglaubten Gefilde des Distrikts Galizien einbrach, ist ein Ruhmesblatt Ihrer Bewährung. Dafür möchte ich Ihnen ganz besonders danken und diesen Dank im Namen aller Deutschen und aller Verwaltungsangehörigen zum Ausdruck bringen«[591].

Über eine Aktion »Erntefest« sagte Himmler hingegen kein Wort, obgleich er, hätte es diese gegeben, noch mehr Grund gehabt hätte, Krüger zu danken - und sei es auch nur in verschleierter Form, etwa mit einem verstohlenen Hinweis auf die Juden des Generalgouvernements, deren Zahl sich verringert habe, weil sie »ausgewandert oder nach Osten verbracht« worden seien[592].

Noch viel verwunderlicher ist jedoch die Art und Weise, wie Odilo Globocnik die Ereignisse jenes 3. Novembers schilderte:

»Am 3.11. 1943 wurden die Arbeitskräfte den Arbeitslagern entzogen und die Werke stillgelegt. Die Lagerführer waren von dieser Aktion nicht unterrichtet, obwohl bei ihnen die Verantwortung lag; ich wurde daher in meiner Aufsichtspflicht gehindert. Ich habe den Lagerführern den Auftrag gegeben, die Abschlüsse durchzuführen und Auftragsfeststellungen bzw. Überlagerungen fortzusetzen.

Am Tage vor der Lagerräumung hat General Schindler, Rüstungsinspektor Krakau, aufgrund einer Zusage von SS-Obergruppenführer Krüger mit den Lagerführern vereinbart, daß

a) künftig nur mehr Rüstungsaufträge in die Arbeitslager kommen;

b) er am 2.11. die Zusicherung bekommen habe, weitere 10.000 Juden für die Rüstungsarbeit abzustellen. Dieser Vereinbarung konnte nicht mehr entsprochen werden«[593].

Noch am Tage vor dem angeblichen Massenmord dachten Schindler und Krüger also an eine Verstärkung der Lager im Lubliner Distrikt und an die Zuteilung weiterer 10.000 jüdischer Zwangsarbeiter. Wenn aber Krüger ein paar Wochen vorher von Himmler den Befehl erhalten hatte, die Juden in den SS-Arbeitslagern erschießen zu lassen, wie erklärt sich dann seine oben zitierte »Zusage« an die Kommandanten eben dieser Lager, und dies noch am Vorabend der Massenerschießung?

Die Tatsache, daß diese Kommandanten nicht über die auf den 3. November angesetzte Räumung der Lager von Juden unterrichtet waren, ist freilich höchst merkwürdig, ob man nun von einer Ermordung oder von einer Verlegung der jüdischen Arbeiter ausgeht.

Hier liegt in der Tat ein ungelöstes Rätsel vor.

4. Die Durchführung des Befehls

Alle Beschreibungen des angeblichen Massakers fußen im Grunde genommen auf der Erzählung des SS-Oberscharführers Erich Mußfeldt, der aussagte, er habe der Massenerschießung beim neuen Krematorium beiwohnen müssen und anschließend die Verbrennung der Leichen beaufsichtigt. Deshalb lohnt es sich, ausführlich wiederzugeben, was Mußfeldt am 16. August 1947 in polnischer Gefangenschaft gesagt hat:

»Eines Tages Ende Oktober 1943 begann man hinter den Feldern V und VI Gräben auszuheben, die ungefähr 50 Meter hinter dem Gebäude des neuen Krematoriums lagen. Bei dieser Arbeit wurden 300 Häftlinge eingesetzt, die in zwei Schichten zu je 150 Mann drei Tage hintereinander ununterbrochen Tag und Nacht gruben. Binnen dieser dreier Tage wurden drei mehr als zwei Meter tiefe Gräben ausgehoben, die Zickzackform aufwiesen und jeweils ca. 100 m lang waren.

Während dieser dreier Tage strömten in Majdanek Sonderkommandos des Konzentrationslagers Auschwitz sowie auch SS- und Polizeikommandos aus Krakau, Warschau, Radom, Lwów und Lublin zusammen. Aus Auschwitz kamen Otto Moll und Franz Hössler mit 10 SS-Männern. Insgesamt gelangten aus allen von mir genannten Orten um die 100 SS-Leute an, welche das Sonderkommando bildeten. Am vierten Tage - es könnte der 3. November gewesen sein - wurde bereits um fünf Uhr früh der Alarm zum Wecken erteilt. Deshalb begann ich mich zu dem Lagerteil, wo ich mich aufzuhalten pflegte. Das gesamte Lager war von der Polizei umgeben; ich schätze, daß es vielleicht 500 Polizisten gewesen sein mögen. Mit schußbereiten Waffen in den Händen standen sie Wache. Sie waren mit schweren und leichten Maschinenpistolen sowie mit anderen automatischen Schnellfeuerwaffen ausgerüstet.

In der Nähe des neuen Krematoriums war ein Kraftwagen mit aufmontiertem Radiosender parkiert; ein zweiter solcher Wagen stand am Lagereingang unweit der Bauleitung. Als ich auf dem Lagergelände eintraf, liefen beide Apparate bereits. Sie übertrugen deutsche Märsche und Lieder sowie Tanzmusik auf Schallplatten. Die beiden Fahrzeuge waren vom Propagandaamt [der NSDAP] in Lublin zur Verfügung gestellt worden.

Ich möchte unterstreichen, daß ich bis zu jenem Tage keine Ahnung hatte, was sich da zusammenbraute. Während man die Gräben aushob, dachte ich, es handle sich um Luftschutzgräben, weil in der Nachbarschaft eine Flakbatterie stationiert war. Ich erkundigte mich bei einem SS-Mann, wozu sie dienten, doch konnte er mir keine Antwort auf meine Frage erteilen, und ich hatte den Eindruck, daß er selbst nicht wußte, worum es ging. Die bei den Grabarbeiten eingesetzten Juden erwiderten mir auf meine Frage, diese Gräben seien sicherlich für sie bestimmt. Das mochte ich nicht glauben; ich machte mich über sie lustig und entgegnete, es handle sich gewiß um Luftschutzgräben. Diese Bemerkung war ehrlich gemeint, denn ich war damals wirklich dieser Ansicht.

Gegen 6 Uhr - vielleicht war es auch bereits 7 Uhr früh - begann die große Aktion. Ein Teil der auf Feld V versammelten Juden wurde in eine Baracke getrieben, wo sie sich nackend ausziehen mußten. Dann trennte Schutzhaftlagerführer Thumann die Drähte des Zauns zwischen Feld V und jenen Gräben durch. So entstand ein Durchgang. Von diesem Durchgang zum Graben wurde eine aus bewaffneten Polizisten bestehende Kette gebildet. Durch diese Kette wurden die nackten Juden zu den Gräben geführt. Dort hetzte ein SS-Mann aus dem Sonderkommando sie in Zehnergruppen in jeweils einen der Gräben. Wenn sie sich in einer solchen befanden, wurden sie bis zu deren anderem Ende getrieben. Dort mußten sie sich hinlegen, und dann erschoß sie der am Grabenrand stehende SS-Mann aus dem Sonderkommando. Die nächste Gruppe wurden gleichfalls zum selben Ende geführt, wo sie sich auf die zuvor Erschossenen legen mußte, so daß sich der Graben nach und nach mit quer liegenden Leichenschichten füllte, die fast bis zum Rande reichten. Männer und Frauen wurden getrennt, also in gesonderten Gruppen, erschossen.

Diese Aktion dauerte ohne Unterbrechung bis 5 Uhr nachmittags. Die mit der Leitung der Hinrichtung beauftragten SS-Männer wechselten einander ab; nach ihrer Ablösung gingen sie in die Örtliche SS-Kaserne, um sich zu verpflegen, und die Aktion nahm ununterbrochen ihren Fortgang. Während der ganzen Zeit erscholl aus den beiden Radiosendern Musik. Ich beobachtete den Ablauf dieser Aktion vom Gebäude des neuen Krematoriums aus, wo ich ein eigenes Zimmer für mich und die meinem Kommando zugewiesenen Häftlinge besaß.

An jenem Tage wurden alle Juden erschossen, die sich im Lager Majdanek befanden, ebenso all jene, die bei verschiedenen Unternehmen wie den Deutschen Ausrüstungswerken und den Bekleidungswerken untergebracht waren, sowie schließlich alle in den Außenkommandos. Damals wurden auch Juden erschossen, die man vom [Lubliner] Schloß herbeigeführt hatte[594]. Die ganze Aktion war militärisch organisiert: Zwecks Verbindung mit dem Führer der SS und der Polizei in Lublin sowie mit anderen höheren Stellen wurde ein Radiosender in Betrieb genommen. Mittels dieses Senders erteilte der SD-Offizier, welcher die Aktion an Ort und Stelle leitete (ich erinnere mich nicht an seinen Namen) Informationen darüber, wie sie sich entwickelte, indem er in gewissen Abständen die Anzahl der Getöteten angab. Ich habe gehört, daß an jenem Tage insgesamt über 17.000 Juden beider Geschlechter erschossen worden sind. Unter dieser Masse befanden sich auch sämtliche Juden meines Kommandos. Als ich mich am Morgen, nach meiner Ankunft im Lager, erkundigte, was denn los sei, wandte ich mich an den Schutzhaftlagerführer Thumann mit der Bitte, mir mein Kommando zu lassen. Er erwiderte mir, dies sei unmöglich; die Aktion werde von Globocnik und vom SD geleitet, und auf Befehl des Generalgouverneurs Frank müßten alle Juden Lublins vernichtet werden. Er fügt noch hinzu, anstelle der Juden werde ich ein aus Russen gebildetes Kommando erhalten.

An jenem Tage wurden allerdings 300 Jüdinnen am Leben gelassen, die man dazu brauchte, die in der Baracke, wo sich die Unglücklichen vor dem Gang zur Richtstatt entkleidet hatten, aufgehäuften Sachen zu sichten. Weitere 300 Juden wurden im Lager zur Verfügung des sogenannten Sonderkommando 1005 bereitgehalten. Sie alle wurden auf dem Feld V untergebracht. Die Frauen dieser Gruppe waren im März bzw. April 1943[595] in Majdanek angelangt. Die Männer wurden nach einigen Dutzend Tagen nach und nach dem Sonderkommando eingegliedert [...]

Nach der am 3. November erfolgten Erschießung sämtlicher Juden wurden die Gräben mit einer dünnen Erdschicht zugedeckt.

Am Tage dieser Aktion bekam das Lager einen neuen Kommandanten. Der SS-Sturmbannführer Florstedt wurde abberufen, und seine Stelle nahm der SS-Obersturmbannführer Weiss von der Amtsgruppe D ein. Florstedt wurde seines Amtes enthoben, weil er jüdisches Eigentum an sich gerissen hatte. Diese Affäre wurde von einer Sonderkommission der Reichskriminalpolizei unter SS-Sturmbannführer Morgen untersucht. Um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, stellte sich Florstedt geisteskrank. Noch vor seiner Amtsenthebung befahl er mir, die Leichen der am 3. November Ermordeten zu beseitigen. Dieser Befehl wurde mir gegenüber vom Kommandanten Weiss wiederholt. Zu diesem Zweck wurden mir 20 Russen zugewiesen. Am vierten sammelte ich Holz und Bretter, und am fünften November 1943 begann ich mit dem Verbrennen der Leichname.

Da ein Teil der Gräben an jenem Ende, an dem die Todgeweihten in diese hinabgestiegen waren, nicht mit Leichen gefüllt war, häufte ich dort ein wenig Erde auf, so daß ein kleiner Abhang entstand, über den man leichter hinuntersteigen konnte. Am folgenden Tage richtete ich im Graben eine Art Holzrost her; auf diesen legten die Häftlinge jene Leichen, welche sich im entferntesten Teil des Grabens befanden. Als der Scheiterhaufen bereit war, übergoß ich ihn mit Methanol und steckte ihn in Brand. Die folgenden Scheiterhaufen errichtete ich mehr gegen das hintere Ende der Gräben zu, also an den Stellen, wo die bei den vorhergehenden Verbrennungen eingeäscherten Leichen zuvor gelegen hatten. Wenn die Asche nach dem Abbrennen des ganzen Scheiterhaufens erkaltet war, holten die Häftlinge meines Kommandos sie heraus, wonach die Knochen in einer speziellen, benzingetriebenen Mühle zu Pulver zerrieben wurde. Dieses Mehl wurde dann in Papiersäcke abgefüllt und auf Autos in eine nahe dem Lager gelegene SS-Fabrik gebracht. Dort wurde dieses Knochenmehl später zur Düngung des Bodens verwendet. Meine Arbeit wurde von einem SD-Funktionär aus Lublin überwacht, der dafür sorgte, daß alle Leichen eingeäschert wurden, daß in den Gräben kein unverbrannter Leichnam zurückblieb, daß den Leichen vor der Verbrennung die Goldzähne gezogen und daß sämtliche Edelsteine, die sie trugen, abgestreift wurden [...].

Ich beendete die Verbrennung der über 17.000 am 3. November ermordeten Juden vor Weihnachten 1943. Nach dem Abschluß des Einäscherungsprozesses wurden die Gräben mit Erde zugeschüttet und eingeebnet [...].

Der Bau des [neuen] Krematoriums wurde nach dem Neujahr 1944 vollendet. Die Leichen der bis zu diesem Zeitpunkt im Lager Gestorbenen verbrannte ich zusammen mit jenen der am 3. November 1943 Erschossenen«[596]. [Rückübersetzung aus dem Polnischen]

Untersuchen wir nun die wichtigsten Punkte dieser Aussage.

a) Die Gräben

Zunächst sei ein äußerst wichtiger Umstand hervorgehoben: Auf einer vom 18. September 1944 stammenden Luftaufnahme sieht man ca. 50 m vom neuen Krematorium entfernt in der Tat drei Gräben, deren längster rund 55 m mißt[597]. Doch auf dem von der polnisch-sowjetischen Untersuchungskommission im August 1944 angefertigten offiziellen Plan[598] erscheinen diese Gräben nicht, obgleich dieser Plan sehr genau ist und unter anderem eine Vertiefung von ca. 40 × 30 m Größe ungefähr 250 m nordöstlich der Baracke 42 verzeichnet[599]. Aus welchem Grund haben die polnisch-sowjetischen Experten die in der Nähe des Krematoriums liegenden Gräben nicht auf ihrem Plan eingetragen?

C. Simonov spricht in seiner Darstellung der angeblichen Erschießungsaktion vom 3. November 1943 wohl von »mehreren Gräben, die zwei Meter breit und mehrere hundert Meter lang« gewesen sein sollen[600], doch obwohl er das Lager selbst inspiziert hat, erwähnt er die Gräben in der betreffenden Beschreibung nicht. Simonov läßt sich ausführlich über das neue Krematorium aus und fährt fort:

»Daß die Errichtung des Krematoriums erforderlich war, trat vor allem nach der Katyn-Affäre zutage. Da die Deutschen fürchteten, sie könnten abermals durch eine Öffnung der Gräben, wo sie die Ermordeten verscharrt hatten, entlarvt werden, begannen sie ab Anfang Herbst 1943 mit umfangreichen Ausgrabungen in der Nähe des Lubliner Lagers. Sie entnahmen den zahlreichen Gruben um das Lager herum die halbverwesten Leichen der Erschossenen und verbrannten sie im Krematorium, um die Spuren ihrer Schurkentaten zu tilgen. Aus dem Verbrennungsofen wurden die Asche sowie die verkohlten Knochen in die gleichen Gräben geworfen, aus denen man die Leichen herausgeholt hatte. Einer dieser Gräben war bereits geöffnet worden. Man fand dort eine Ascheschicht von fast einem Meter Höhe vor«[601].

Es ist somit klar, daß die drei auf der Luftaufnahme vom 18. September 1944 erscheinenden Gräben zum Zeitpunkt der Befreiung des Lagers nicht existierten. Simonov wurde ja von Ex-Häftlingen begleitet, die ihm die Schrecknisse des Lagers schilderten, und nach seinem Besuch der Ruinen des neuen Krematoriums hätte er sich unter keinen Umständen die Gelegenheit entgehen lassen, bei diesen Gräben zu verweilen und zu berichten, daß an diesem Orte die viehischste Greueltat in der Geschichte des Lagers verübt worden war. Eine frühestens im August, vermutlich aber im September oder Oktober 1944 entstandene Fotografie, die dann beim Lubliner Prozeß als Beweismaterial vorgelegt wurde, zeigt den Querschnitt eines der drei Gräben, die man auf der Luftaufnahme erkennen kann: Im Hintergrund erhebt sich der Schornstein des neuen Krematoriums; im Vordergrund sind etwa 50 Schädel zu sehen, die man fein säuberlich in fünf Reihen angeordnet hat, und daneben liegt ein Haufen langer Menschenknochen. Weiter hinten befindet sich eine kleine Gruppe von Personen, von denen zwei bis auf Brusthöhe in einem anderen Graben und die übrigen an dessen Rand stehen. Es ist also klar, daß die Gräben von den Sowjets und den Polen geöffnet worden sind, und die erwähnte Fotografie zeigt jedenfalls die erschütterndsten der von ihnen gemachten Funde.

Heutzutage gibt es unweit des neuen Krematoriums zwei Gräben. Der erste, näher bei der Lagerumzäunung befindliche entspricht sowohl hinsichtlich seiner Länge als auch in bezug auf die Lage seiner drei Bestandteile weitestgehend dem auf der erwähnten Aufnahme. Er zerfällt in drei Segmente. Das erste ist von ca. 4 m Länge und verläuft in süd-südwestlicher Richtung (etwa 200 Grad), das zweite weist eine Länge von ungefähr 25 m auf und verläuft in süd-südöstlicher Richtung (etwa 145 Grad), das dritte ist von rund 27 m Länge und verläuft in Östlicher Richtung (etwa 85 Grad). Der Graben weist eine Trichterform auf; der Abstand von einem Rand zum anderen schwankt zwischen 4 und 7 Metern, während die mittlere Breite am Fuß des Grabens bei einem Meter liegt. Die Tiefe beträgt 1,50 bis 3,20 m. Vom dritten Segment entspringt ein anderer Graben, der vielleicht 11 m lang ist und in nördlicher Richtung verläuft (ca. 15 Grad). Er erstreckt sich bis zum Mausoleum, das man neben dem Krematorium errichtet hat. Letzteres ist auf dem Luftfoto übrigens nicht zu erkennen.

Der zweite, zum ersten streckenweise parallele Graben besteht aus zwei Segmenten, einem ca. 9 m langen und in süd-südwestlicher Richtung (etwa 220 Grad) verlaufenden sowie einem rund 11 m langen, das in süd-südöstlicher Richtung verläuft (etwa 145 Grad).

Auch dieser Graben ist trichterförmig. Von Rand zu Rand beträgt seine Breite wie beim ersten 4 bis 7 m, während sich die Durchschnittsbreite am Grabenfuß ebenfalls auf etwa einen Meter beläuft. Die Tiefe schwankt zwischen 1,60 und 2,60 Metern. Auf der Luftaufnahme ist dieses zweite Segment ungefähr 21 m lang. Die heutige Trichterform der beiden Gräben dürfte fraglos auf das allmähliche Abbröckeln ihrer Ränder zurückzuführen sein.

Die gegenwärtige Gestalt dieser zwei Gräben gestattet also keinerlei Rückschlüsse darauf, was vor über einem halben Jahrhundert dort geschehen ist.

Was nun die Lage am 3. November 1943 anbelangt, gibt es keinen materiellen oder dokumentarischen Beweis dafür, daß die drei auf der Luftaufnahme erkennbaren Gräben zu jenem Zeitpunkt bereits bestanden oder daß sie, falls sie bestanden haben sollten, die auf der Luftaufnahme ersichtlichen Ausmaße besaßen. Laut Erich Mußfeldt wiesen die Erschießungsgräben Zickzackform auf, was - teilweise - nur auf den ersten Graben der Luftaufnahme zutrifft. Andererseits sieht man auf dieser zahlreiche zickzackförmige Gruben, darunter wenigstens zehn W-förmige und um die dreißig m lange in der Zone des Bauhofs nordöstlich von Feld I, sowie eine von mehr als 50 m Länge neben der Umzäunung nahe bei der Kommandantur. Rund 500 m westlich des Lagers erscheint ein zickzackförmiger, beinahe einen Kreis bildender Graben von vielleicht 300 m Länge; er ist mit zwei anderen Gräben verbunden, die ebenfalls Zickzackform aufweisen. Der erste davon erstreckt sich einige hundert Meter gegen Osten bis hin zum Lagergut. Der andere verläuft ca. 60 m in entgegengesetzter Richtung. Überdies sind in rund 400 m Abstand von den drei nahe dem Krematorium befindlichen Gräben zwei zusätzliche, mächtige Gräben zu erkennen, die gleichfalls zickzackförmig und etwa 100 m lang sind. Schließlich erscheint ein zickzackförmiger Graben der gleichen Länge am Südrand des Feldes VI[602]. Der Ursprung sowie die allfällige Funktion all dieser Gräben sind unbekannt.

Beim Düsseldorfer Majdanek-Prozeß behauptete das Gericht, das sich ausschließlich auf Zeugenaussagen stützte, hinsichtlich der angeblichen Erschießungsgräben folgendes:

»Ende Oktober 1943 wurde - wahrscheinlich auf Veranlassung von Sporrenberg - damit begonnen, jenseits der Östlichen Ecken des Schutzhaftlagers hinter dem Feld V in der Nähe des sogenannten Krematoriums und in etwa 100 Meter Entfernung von der [auf] dieser Seite des Feldes V befindlichen sogenannten L-Baracke eine etwa 6 bis 7 m breite Grube und mindestens drei von der Grube ausgehende, in Zick-Zack-Form angelegte und schräg in das Gelände hineinverlaufende Gräben auszuheben. Die Gräben waren bis zu 100 m lang, ungefähr zwischen 1,5 und 3 m tief und hatten auf der Sohle eine Breite von etwa 3 Metern. Sie sollten als Exekutionsstätte für die Opfer dienen; die Grube war dazu bestimmt, die Opfer auf die Gräben zu ›verteilen'«[603].

Merken wir gleich an, daß auf der Luftaufnahme vom 18. September 1944 keine Spur dieser Grube zu erkennen ist. Was die drei Gräben betrifft, so drängen sich zwei Fragen förmlich auf:

Zunächst ist die Form der Gräben absolut unerklärlich. Warum mußten sie zickzackförmige Gestalt aufweisen? Normale, gerade verlaufende Gräben wären weitaus leichter und rascher auszuheben gewesen. Die Zickzackform ist um so rätselhafter, als E. Mußfeldt behauptet hat, man habe die drei Gräben in drei Tagen und Nächten im Schichtbetrieb ausgehoben, was bedeutet, daß die Angelegenheit äußerst dringend gewesen sein muß.

Zweitens war die Lage der Gräben so gewählt, daß nicht die geringste Aussicht auf Vertuschung des Massenmordes bestand. Wie aus der erwähnten Luftaufnahme ersichtlich ist, befand sich das Dorf Dziesiata in nur 400 bis 500 m Entfernung von den Gräben, so daß dessen Einwohner von den Fenstern ihrer Häuser aus das Gemetzel in aller Ruhe hätten mitverfolgen können. Das laute Abspielen von Musik zwecks Übertönen der Schüsse war unter diesen Umständen eine vollkommen unnütze Maßnahme, denn wenn die Dorfbewohner auch nichts hören konnten, so hatten sie doch Augen, um zu sehen.

b) Der Erschießungsvorgang

Laut E. Mußfeldt begann das Morden um 6 oder 7 Uhr morgens und endete um 5 Uhr nachmittags, so daß es höchstens 11 Stunden gedauert hat. Die Juden wurden in Zehnergruppen liquidiert. Wenn man davon ausgeht, daß die Erschießungen in allen drei Gräben gleichzeitig erfolgten, kommt man auf (17.000 : 30 =) 567 einzelne Erschießungsaktionen. Demnach dauerte eine solche ([11 × 3.600] : 567 =) ca. 70 Sekunden. In dieser kurzen Zeitspanne mußten die zehn Menschen, aus denen sich jede der drei Gruppen zusammensetzte, in den jeweiligen Graben hinabsteigen, durchschnittlich 50 Meter zurücklegen und sich auf die Leichen ihrer Vorgänger legen, um ihrerseits die tödlichen Kugeln zu empfangen. Nach den ersten Erschießungsaktionen mußten die Opfer buchstäblich auf die Leichen der zuvor Ermordeten klettern. Vielleicht wäre dies alles theoretisch in 70 Sekunden möglich gewesen, aber nur, wenn das Ganze absolut reibungslos ablief, d.h. wenn es niemals Widerstand oder Fluchtversuche gab - was ein Ding der Unmöglichkeit ist. Die Opfer hätten gewußt, daß sie nichts mehr zu verlieren hatten, und zumindest ein Teil von ihnen hätte sich verzweifelt gewehrt.

Das Erschießungskommando soll aus 100 SS-Leuten bestanden haben, so daß für jeden Graben 33 oder 34 Mann verfügbar gewesen wären. Falls sich diese regelmäßig abwechselten, hätte jeder Mordschütze 17 Aktionen durchgeführt und wäre etwa 20 Minuten im Einsatz gewesen, also während knapp 3% der Zeit, welche die Gesamtaktion in Anspruch nahm. Es wären also gewiß mehrere SS-Männer an einer Erschießung beteiligt gewesen. Verwendeten sie automatische Waffen, so verbrauchte jede Hinrichtungsgruppe um ein Vielfaches mehr als 10 Kugeln, denn die automatischen Waffen jener Epoche verfeuerten rund 600 Schuß pro Minute, das MG 42 gar 1.200 Schuß [604]. Hätten beispielsweise vier Mordschützen auch nur zwei Sekunden lang gefeuert, so hätten sie dabei 80 bis 160 Schuß abgegeben, um 10 Opfer zu töten. Somit wäre der Munitionsverbrauch gigantisch gewesen. Darüber schweigt sich Mußfeldt aber aus und sagt auch nichts über die zahllosen Munitionskisten, die man längs der Erschießungsgräben oder auf in der Nähe stehenden Autos hätte stapeln müssen.

Wo waren die Sonderkommandomänner postiert? Mußfeldt begnügt sich mit dem lakonischen Hinweis darauf, daß sie »am Grabenrand standen«. Halten wir uns einige Zahlen vor Augen:

Dies bedeutet, daß am 3. November 1943 neben jedem Graben ein gewaltiger Erdhaufen von ungefähr 800 m3 Volumen lag. Auch darüber sagt Mußfeldt eigentümlicherweise nichts, obwohl diese Haufen ihm die Sicht erschwert haben mußten.

Daß Otto Moll und Franz Hössler mit 10 weiteren SS-Leuten kurz vor dem Massenmord nach Majdanek geschickt worden sein sollen, wird im Auschwitz-Kalendarium Danuta Czechs mit keiner Silbe erwähnt[606]. Auch über die Entsendung der anderen SS-Männer liegen keine dokumentarischen Belege vor.

c) Die Leichenverbrennung

Wie wir eben in Erinnerung gerufen haben, will E. Mußfeldt den Befehl zur Einäscherung der Leichname noch am Tage des Massenmords erhalten haben. In Anbetracht dieses Umstands begreift man nicht so richtig, weshalb die Leichen dann noch mit Erde bedeckt wurden.

Am 4. November besorgte sich Mußfeldt - immer seinen eigenen, in polnisch-kommunistischer Haft abgegebenen Erklärungen zufolge - das Brennholz, und am Tag danach fing er mit der Operation an. Die Frage nach dem Holz streift er im folgenden nicht mehr. Der Bedarf an solchem wäre freilich enorm gewesen. Da wir[607] selbst Experimente mit der Verbrennung von Tierfleisch durchgeführt haben, wissen wir, daß man in einem vorne und oben offenen, mit einem Rost versehenen Ofen zur Verbrennung eines Kilos Fleisch 3,1 kg Holz braucht. Äschert man das Fleisch in einer Grube ein, so erhöht sich der Holzbedarf auf 3,5 kg. Bei einer Massenverbrennung in einem großen Graben darf man ruhig ein Minimum von 3 kg Holz pro Kilogramm zu verbrennendes Fleisch ansetzen, was bedeutet, daß die Verbrennung eines Leichnams 200 kg Holz erforderte. Dies heißt, daß zur Einäscherung von 17.000 Leichen rund 3.400 Tonnen Holz vonnöten gewesen wären. Dies entspricht etwa 120 vollen Güterwagen! Woher und auf welchem Wege gelangte diese ungeheure Holzmenge nach Majdanek? Wo stapelte man sie, um sie vor dem Herbstregen und dem Frost zu schützen? Mußfeldt liefert nicht nur keine Antworten auf diese essentiellen Fragen, sondern geht überhaupt nicht darauf ein.

Da die Operation laut Mußfeldt vor Weihnachten beendet war, kann sie nicht länger als 50 Tage gedauert haben (vom 5. November bis zum 24. Dezember).

In seiner Erklärung vom 15. August 1947 sagte Mußfeldt aus, im Februar 1943 habe ihn der damalige Majdanek-Kommandant Florstedt nach Auschwitz geschickt, um sich mit der Technik der Leichenverbrennung vertraut zu machen. Er fährt fort:

»Nachdem ich mir alles angesehen hatte, kehrte ich am Tage darauf nach Lublin zurück. Auf Florstedts Geheiß begann ich zusammen mit dem mir zugewiesenen Kommando mit der Verbrennung der Leichen, welche Richtung Lwów im Wald vergraben waren. Zu Beginn hob ich eine Grube aus, doch weil die Verbrennung in dieser nicht genügend zügig verlief, errichtete ich selbst folgende Konstruktion zur Leicheneinäscherung: Ich breitete auf Steinen in ziemlicher Höhe alte Lastwagenplanen aus und ließ die Leichen auf diese legen, wonach ich sie mit Methanol übergoß. Unter den Planen ließ ich Holz stapeln und anzünden. Auf diese Weise wurden ca. 100 Leichen aufs Mal verbrannt. Es handelte sich teils um ausgegrabene, teils um frische, aus dem Lager herbeigeschaffte. Nachdem eine solche Ladung zu Asche geworden war, wurde diese zu Mehl zerstampft und in die Grube geschüttet, der wir die Leichen entnommen hatten. Zur Zerstampfung der Asche gebrauchten wir eiserne Platten und Stampfen. Diese Geräte lieferte uns ein SD-Funktionär aus dem sogenannten Kommando 1005, der meine Arbeit überwachte. Auf diese Art gelangt es mir, bis Ende Oktober sämtliche im Wald und in der Zone hinter dem Feld V vergrabenen Leichname zu verbrennen. Den Berechnungen zufolge verbrannte ich im Wald ca. 6.000 Leichen und hinter dem Feld V ca. 3.000. Diese Zahlen umfassen auch die frischen Leichen, die während dieses Zeitraums aus dem Lager anfielen«[608]. [Rückübersetzung]

Fassen wir zusammen: Mußfeldt verzichtete auf Grubenverbrennungen, weil diese ineffizient waren, und er benötigte mehr als acht Monate, um 9.000 Leichen einzuäschern! Im November und Dezember will er hingegen ausgerechnet die Methode der Grubenverbrennung gewählt und in maximal 50 Tagen mehr als 17.000 Leichen bewältigt haben!

Urteilt man anhand einer im Jahre 1943 im Wald von Krepiec entstandenen Fotografie, so verlief der Verbrennungsvorgang auch mit der von Mußfeldt geschilderten Einrichtung sehr schleppend. Die Aufnahme zeigt etwa 20 verkohlte Leichen, die auf einem Metallrost liegen. Dieser ist infolge der Hitzeeinwirkung verkrümmt und liegt auf Steinen[609]. Da verwundert es in keiner Hinsicht, daß die Verbrennung eines jeden der 90 Scheiterhaufen mit jeweils 100 Leichen im Schnitt beinahe vier Tage in Anspruch nahm.

Wenn man aber über vier Monate benötigte, um 9.000 Leichen einzuäschern, weshalb brauchte man dann für über 17.000 nur 50 Tage oder noch weniger - zumal für die Operation ganze 20 Mann zur Verfügung standen?

Bei einem der vorhin erwähnten Verbrennungsexperimente mit Tierfleisch in einer Grube ergab sich, daß die Temperatur der Glut noch 24 Stunden nach dem Inbrandstecken des Holzes nicht weniger als 280 Grad Celsius betrug! Nach 31 Stunden lag sie immer noch bei 160 Grad Celsius, obgleich die verbrannte Holzmenge nur 52,5 kg wog. Wie lange hätte es wohl gedauert, bis die Glut einiger Dutzend Tonnen Holz erkaltet wäre? Auch wenn man für die Verbrennung eines Scheiterhaufens eine Minimalzeit von 48 Stunden ansetzt, hätte man theoretisch nur alle zwei Tage eine Verbrennung durchführen können, so daß in diesem Zeitraum 700 Leichen eingeäschert worden wären[610]. Praktisch gesehen wäre der Abstand zwischen einzelnen Verbrennungen aber größer gewesen, denn die 20 Mann, die Mußfeldt für jeden Scheiterhaufen zur Verfügung standen, hätten eine ganze Reihe von Handlungen vornehmen müssen. Um eine Vorstellung von den Schwierigkeiten der Operation zu vermitteln, gehen wir bei den nun folgenden Angaben von 700 Leichen aus[611]:

1. Man mußte ca. 140 Tonnen Holz in eine Grube schaffen und dort aufhäufen;

2. Vorher mußten 700 Leichen herausgetragen werden. Nach dem Aufschichten der Holzstapel mußten die Leichen auf dieses gelegt werden;

3. Nach dem Abbrennen des Scheiterhaufens mußte man ca. 3,7 Tonnen Menschenasche[612] und ca. 11,2 Tonnen Holzasche[613] aus der Grube wegschaffen;

4. Man mußte die Asche sieben und ca. 3,7 Tonnen Menschenasche in die »Mühle« transportieren;

5. Man mußte ca. 3,7 Tonnen Knochenmehl in Papiersäcke abfüllen (74 Säcke zu 50 kg).

Sogar wenn man von der unrealistischen Annahme ausgeht, daß 20 Mann dies alles an einem Tage schafften, hätte ein Verbrennungsvorgang drei Tage in Anspruch genommen. Dies bedeutet, daß die Einäscherung von etwa 17.500 Leichen nur dann möglich gewesen wäre, wenn jeweils mehr als 1.000 Leichen aufs Mal verbrannt worden wären[614], also mindestens zehnmal mehr, als Mußfeldt in den vorhergehenden Monaten geschafft hatte.

In Anbetracht dieser nackten Fakten fällt es einem nicht mehr schwer, Mußfeldts Aussagen zu beurteilen. Sie sind durch und durch unglaubwürdig, was heißt, daß sie erzwungen worden sind.

5. Die Meldungen der polnischen Widerstandsbewegung

Die ersten Informationen über das angebliche Massaker sind in einem Kassiber[615] enthalten, das der Majdanek-Häftling Henryk Jerzy Szczê¶niewski noch am Tage des Verbrechens selbst, also am 3. November 1943, verfaßt haben soll[616]. Mehrere innere Widersprüche im Schreiben beweisen jedoch, daß dieses später entstanden sein muß. So wird der 2. November nicht als »gestern«, sondern als »der Tag zuvor« bezeichnet (na dzien przedtem)[617]. Noch verräterischer ist, daß der Verfasser ein drei Tage nach der angeblichen Massenerschießung (na trzeci dzien) eingetroffenes Ereignis erwähnt[617], also auf den 6. November Bezug nimmt. Der Brief wirkt recht unzusammenhängend und sprunghaft. Die Massenmordaktion selbst ist dem Autor nur einige wenige Zeilen wert, die durch eine Skizze[618] untermalt werden; der Text lautet wie folgt:

»Die Aktion verlief wie folgt: Auf Feld V, vor dem Krematorium, haben sie [d.h. die Wachen] einen Zaun um die Wäscherei angebracht - vor der Wäscherei auf Feld V zogen sie [die Juden] sich [in] A nackt aus und gingen durch den Zaun [in] C [in] B, wo sie mit Karabinern und mit Maschinengewehren erschossen wurden, und dort wurden sie [in] D begraben«[619].

Hinsichtlich der Opferzahl nennt der Verfasser die Ziffern von 17.000 und 22.000 Toten, »gemäß Gesprächen mit den SS-Leuten«[619].

Der ganze Brief ist in ausgesprochen nüchternem Tonfall abgefaßt: Das Grauen, das dem Schreiber ein Blutbad dieses Ausmaßes eigentlich hätte einflößen müssen, kommt darin keineswegs zum Ausdruck, und das Massaker wird zur banalen Ereignismeldung in der täglichen Lagerchronik. Nicht minder erstaunlich ist, daß der Brief keinerlei Aufforderung an die Empfängerin - eine Kazimiera Jarosinska, die für die Lagerhäftlinge eine Art Mütterchen (»mateczka«) war[620] - enthält, die illegale Widerstandsbewegung und die polnische Exilregierung in London über diesen Greuel zu unterrichten.

Es besteht also nicht der geringste Zweifel daran, daß der Brief erst nachträglich datiert worden ist - wir wissen nicht von wem, denn die Korrespondenz H.J. Szczê¶niewskis wurde erst 1966 aufgefunden[620]. Hinsichtlich der Massenerschießung gibt der Schreiber an, diese habe sich nicht in den Gräben selbst, sondern vor diesen abgespielt (in der Zone C seiner Skizze); erst anschließend seien die Leichen in den Gräben (Zone C) vergraben worden. Dies ist gewiß kein unbedeutendes Detail. Auch ist es alles andere als wahrscheinlich, daß der Verfasser die Zahl der erschossenen Juden »in Gesprächen mit SS-Leuten« in Erfahrung gebracht hat.

Die Delegatura erfuhr von dem angeblichen Massaker mit unerklärlicher Verspätung, und die ersten Meldungen weichen in wichtigen Punkten von der heutigen, offiziellen Version ab. Wir wollen die diesbezüglichen Berichte in chronologischer Reihenfolge wiedergeben.

Am 15. November meldete die Delegatura:

»Freitag, den 5. November, wurde in Lublin ein Massaker begangen. Die Juden aller Lubliner Lager wurden in Majdanek versammelt und dort erschossen«[621].

Am 18. November hieß es:

»Nach sicheren Informationen sind in Lublin alle Lager gänzlich liquidiert worden. (Insgesamt ca. 10.000 Personen.) Die Häftlinge sämtlicher Lager wurden in Majdanek versammelt und dort erschossen. Der Liquidierung zum Opfer fiel u.a. das Lager auf dem Lubliner Flugplatz, das (was auf dem polnischen Territorium einen Einzelfall darstellte) zuvor selektionierte Juden enthielt - soziale Aktivisten, Politiker, die namhaftesten Vertreter der Wissenschaft, der Kunst etc. Sie hatten dort lange in der Illusion gelebt, daß ihnen, da man sie speziell ausgesucht und oft aus anderen Lagern auf den Flugplatz verlegt hatte, ein besseres Geschick zugedacht sei. Mit der Liquidierung dieses Lagers erleiden die Juden den letzten schmerzlichen Verlust in ihrem sozialen Bestand«[621].

Am 24. November wurde seitens der Delegatura vermeldet:

»Lublin. In Majdanek wurde ein Massaker an Juden verübt, die dort aus allen Lubliner Lagern zusammengeführt worden waren. Ein paar Tage zuvor war den Juden befohlen worden, außerhalb des Lagerareals Gräben von ein paar hundert (kilkuset) Meter Länge, drei Meter Tiefe und fünf Meter Breite auszuheben. Am 4. November traf eine SS-Abteilung im Lager ein. Am Tage danach (5. November) wurden die Juden in Gruppen eingeteilt, die man eine nach der anderen zur Hinrichtung führte. Sie erhielten den Befehl, sich nackt auszuziehen, und wurden mit Maschinengewehren niedergemäht. Laute Tanzmusik aus Megaphonen übertönte die Schüsse. Den SS-Leuten wurde gesagt, die Hingerichteten seien allesamt bolschewistische Kommissare und Spione. Die letzte Gruppe wurde nach Trawniki geschafft, um die Leichen zu verbrennen, und dann ermordet«[622].

Zum Abschluß führen wir noch die Delegatura-Meldung vom 30. November an:

»Majdanek. Im Rahmen der Vorbereitungen für die Evakuierung Lublins haben die Deutschen mit der Liquidierung Majdaneks begonnen. Die Häftlinge wurden in drei Gruppen unterteilt. Die erste, ein paar hundert Personen zählende besteht aus politischen Gefangenen, denen man schwere Vergehen vorwirft, Kranken, Invaliden und Greisen. Diese Gruppe wurde von den anderen abgesondert. Man hegt die Befürchtung, daß sie zur Hinrichtung vorgesehen sind. Die übrigen wurden in zwei Gruppen untergliedert. Eine soll auf freien Fuß gesetzt und die andere zum Arbeiten ins Reich verschleppt werden.

Majdanek. Dort wurden die Juden sämtlicher Lager in Lublin zusammengebracht, gesamthaft etwa 13.000 Personen. Einige Tage vor der Liquidierung wies man die Juden an, außerhalb des Lagerareals mehrere einige hundert Meter lange, fünf Meter breite und drei Meter tiefe Gräben auszuheben. Am 4. November gelangte eine Abteilung der Waffen-SS im Lager an; am 5. November wurden die Juden abgesondert und mußten sich nackend ausziehen, worauf man sie einen nach dem anderen zur Exekution führte. Diese wurde mit Maschinengewehren vollstreckt. Laute Tanzmusik aus Megaphonen übertönte das Krachen der Schüsse.

Trawniki. Vor der Liquidierung war eine merkliche Verbesserung der Verhältnisse im Lager eingetreten, so daß der Schock um so größer war. Am 3. November führte man alle Männer weg, um ›Luftschutzgräben‹ auszuheben. Während dieser Arbeit wurden sie plötzlich umzingelt und erschossen. Die Frauen und Kinder wurden auf 60 Kraftwagen zur Hinrichtungsstätte geschafft und dort nackt erschossen. Zum Schluß wurde eine Gruppe von Kriegsgefangenen (jüdisch-polnische Soldaten) erschossen. Während der Hinrichtung übertönte laute Tanzmusik aus Megaphonen das Knattern der Schüsse. Es gab keinen Widerstand. Die Ukrainer beteiligen sich nicht an der Exekution. Sie wurden von den SS-Männern umzingelt und isoliert. Zur Verbrennung der Leichen wurden 150 aus Majdanek herbeigeschaffte Juden eingesetzt, die nach vollendeter Arbeit erschossen wurden. Dann brachte man ca. 3.000 italienische Juden ins Lager«[623].

Wie man sieht, umfaßt die erste Information über ein Blutbad von so ungeheuerlichen Ausmaßen aus sage und schreibe zwei Zeilen! Die darauffolgenden Meldungen suchen der Geschichte Glaubwürdigkeit zu verleihen, indem sie Einzelheiten hinzufügen, die freilich teilweise in merklichem Widerspruch zur heutigen Version stehen. Hier die beiden wichtigsten: Die Zahl der Opfer (10.000 - 13.000 anstellte von 18.000) sowie das Datum (5. statt 3. November). Während der erste ›Irrtum‹ verständlich sein mag, ist es absolut unbegreiflich, wie man sich noch Wochen nach dem angeblichen Ereignis im Datum täuschen konnte.

Wie wir im Kapitel VII dargelegt haben, standen der Delegatura erstklassige Informationsquellen über die Vorkommnisse im Lager Majdanek zur Verfügung. Wenn diese Quellen nachprüfbare Fakten vermeldeten, zeichneten sie sich durch bestechende Genauigkeit aus. Hierzu noch zwei nachträgliche Beispiele aus dem Zeitraum, der uns in diesem Zusammenhang besonders interessiert.

Am 1. Oktober 1943 besaß die Delegatura eine Liste von 35 SS-Männern mit Namen und Vornamen, Grad, vorhergehender Stationierung, Adresse und Geburtsdatum[624]! Am 22. November 1943 verfügte die Delagatura über eine in alphabetischer Reihenfolge erstellte Liste von 369 Häftlingen, angefertigt von der im Lager operierenden Zelle der Widerstandsbewegung[625].

Wie bereits erwähnt, war der angebliche Tatort von den Häusern des Dorfs Dziesiata her mühelos einsehbar, so daß dessen Bewohner zuverlässige Informationen aus erster Hand hätten liefern können. Kurzum: Es gibt keine vernünftige Erklärung dafür, daß die Delegatura ungeachtet ihrer vortrefflichen Informationsquellen innerhalb und außerhalb des Lagers über ein Geschehnis von so enormer Tragweite wie das behauptete Riesenmassaker dermaßen schlecht informiert war. Nicht weniger schleierhaft ist, daß sie nicht das Geringste über die Verbrennung der Leichen erfuhr. Stellen wir uns das Szenarium bildlich vor:

Nach der Erschießung von zwischen 17.000 und 18.400 Juden muß das Lager die Aufmerksamkeit der Informanten zwangsläufig noch stärker erwecken als zuvor. Am 5. November beginnt Mußfeldt mit der Verbrennung der Leichname. Während knapp 50 Tagen haben die im Lager verbliebenen Häftlinge, die Einwohner des Dorfes Dziesiata und sämtliche anderen Anwohner die höllischen Flammen und den Rauch der Scheiterhaufen vor Augen, und sie riechen den Gestank des verbrannten Fleisches. Das alles dünkt aber keinen einzigen Informanten der Rede wert, und keiner widmet all dem auch nur eine einzige Zeile!

Dies gilt auch für den Häftling Henryk Jerzy Szczê¶niewski, der in seinen späteren Kassibern vom 25. November und 14. Dezember 1943, als die Verbrennung doch in vollem Gang gewesen sein soll, zwar eine Fülle von Nachrichten über das Lager liefert, jedoch nie ein Wort über die Leichenverbrennung verliert[626].

In der Zwischenzeit - am 17. November - lassen die Lagerbehörden seelenruhig 300 Häftlinge frei[627], zweifellos damit diese überall ausposaunen, was sie an Unfaßbaren miterlebt haben, und der Delegatura möglichst genaue Informationen über das Massaker vermitteln!

6. Die wirtschaftliche Aberwitzigkeit
der angeblichen Massenerschießung

A. Rutkowski betont den wirtschaftlich gesehen vernunftwidrigen Charakter der behaupteten Massenerschießung mit folgender Frage:

»Warum beschlossen die zentralen Behörden des Dritten Reichs gegen Ende 1943 ungeachtet des großen Mangels an Arbeitskräften die Ausrottung von rund 40.000 qualifizierten Arbeitern?« [628].

Das Problem ist noch wichtiger und komplexer, als sich aus dieser Formulierung ersehen läßt.

Gemäß der offiziellen Geschichtsschreibung war der angeblich am 3. November 1943 in Majdanek verübte Massenmord nur Bestandteil einer umfassenderen Aktion, welche alle Lager der Ostindustrie GmbH (Osti) im Generalgouvernement in Mitleidenschaft zog.

Die Osti wurde am 12. März 1943 von der SS ins Leben gerufen. Ihrem Vorstand gehörten O. Pohl, dem Leiter des WVHA, sowie dem Gruppenführer Lörner, dem Chef der Amtsgruppe B des WVHA, an. Der Aufsichtsrat setzte sich aus Pohl, Krüger, Lörner und Sammern-Frankenegg, dem Höheren SS- und Polizeiführer Warschau, zusammen. Die Direktoren der Firma waren O. Globocnik sowie Max Horn, Rechnungsführer des WVHA[629]. Globocnik leitete außerdem die Deutschen Ausrüstungswerke, die in Lublin und Lemberg (Lwów) ca. 8.000 Juden beschäftigten[630].

Ziel der Ostindustrie war die Errichtung einer Gruppe von SS-Arbeitslagern zur Ausnutzung der Arbeitskraft zwangsverpflichteter Juden. Im Juni 1943 kontrollierte die Osti bereits fünf Lager, in denen insgesamt 45.000 Juden arbeiteten: Das SS-Arbeitslager Poniatowa, das SS-Arbeitslager Trawniki, das SS-Lager Budzyn, die Deutschen Ausrüstungswerke in Lublin, das Bekleidungswerk in Lublin sowie das KL Lublin, also Majdanek[631].

Am 7. September 1943 beschloß Pohl, dem Lager Majdanek zehn SS-Arbeitslager im Lubliner Distrikt als Außenstellen einzuverleiben, was schon am 14. desselben Monats geschah.

Am 22. Oktober 1943 unterstellte Pohl der Amtsgruppe D des WVHA die folgenden Lager:

- Alter Flugplatz Lublin;

- SS-Arbeitslager Trawniki;

- SS-Arbeitslager Poniatowa;

- Zwangsarbeitslager und SS-Werkstätten in Radom;

- Zwangsarbeitslager und SS-Werkstätten in Budzyn;

- Hauptlager Krakau-Płaszów (Płaszów);

- Deutsche Ausrüstungswerke, Lublin;

- Rüstungslager in Lemberg.

Am gleichen Tage wurde Globocnik seines Amts als Osti-Direktor enthoben und durch den Vizedirektor ersetzt[632].

Am 26. Oktober stellte Pohl den Kommandanten von 19 Konzentrationslagern, darunter Lublin (Majdanek), eine Direktive über die Erhöhung der Produktivität der KL-Häftlinge zu, in der er folgendes festhielt:

»Im Rahmen der deutschen Rüstungsproduktion stellen die KL, dank der Aufbau-Arbeit, die in den vergangenen 2 Jahren geleistet wurde, einen Faktor von kriegsentscheidender Bedeutung dar. Aus dem Nichts haben wir Rüstungswerke geschaffen, die ihresgleichen suchen.

Wir haben nun mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß die bereits erzielten Leistungen nicht nur gehalten, sondern noch weiterhin dauernd gesteigert werden.

Das ist, nachdem die Werke und Fabriken im Wesentlichen stehen, nur dadurch möglich, daß wir die Arbeitskraft der Häftlinge erhalten und noch weiter heben.

In früheren Jahren konnte es im Rahmen der damaligen Erziehungsaufgaben gleichgültig sein, ob ein Häftling eine nutzbringende Arbeit leisten konnte oder nicht. Jetzt aber ist die Arbeitskraft der Häftlinge von Bedeutung, und alle Maßnahmen der Kommandeure, Führer des V-Dienstes und Ärzte haben sich auf die Gesundhaltung und Leistungsfähigkeit der Häftlinge zu erstrecken.

Nicht aus falscher Gefühlsduselei, sondern weil wir sie mit ihren Armen und Beinen benötigen, weil sie dazu beitragen müssen, daß das deutsche Volk einen großen Sieg erringt, deshalb müssen wir uns das Wohlergehen der Häftlinge angelegen sein lassen.

Ich stelle als erstes Ziel: höchstens 10% aller Häftlinge dürfen infolge Krankheit arbeitsunfähig sein. In einer Gemeinschaftsarbeit aller Verantwortlichen muß dieses Ziel erreicht werden.

Notwendig ist dazu:

1) eine richtige und zweckentsprechende Ernährung,

2) eine richtige und zweckentsprechende Bekleidung,

3) die Ausnützung aller natürlichen Gesundheitsmittel,

4) Vermeidung aller unnötigen, nicht unmittelbar für die Arbeitsleistung erforderlichen Anstrengungen,

5) Leistungsprämien«[633].

A. Rutkowski beantwortet die von ihm selbst gestellte, zu Beginn dieses Abschnitts zitierte Frage, die Gründe der Massenerschießung seien politischer Natur gewesen, und fügt hinzu, für Himmler seien wirtschaftliche Erwägungen nicht maßgeblich gewesen, wenn es um die Judenfrage ging[634]. Obgleich dieses Urteil allgemein gesehen ein gewisses Maß an Wahrheit enthält, trifft es im vorliegenden Fall nicht zu.

Erstens war Himmler schon vor dem hier zur Debatte stehenden Zeitraum bei seinen Bemühungen, auch die in der Rüstungsindustrie tätigen Juden zu evakuieren, auf den Widerstand Franks gestoßen. Am 31. März 1943 sprach Krüger im Regierungssitz in Krakau auf einer Sitzung, bei welcher es um die Sicherheitslage im Generalgouvernement ging, in seiner Eigenschaft als Staatssekretär. Der Stenograph gab seine Ausführungen wie folgt wieder:

»Die Entjudung habe ohne Zweifel auch zur Beruhigung geführt. Sie sei für die Polizei eine der schwierigsten und unangenehmsten Aufgaben gewesen, habe aber auf Befehl des Führers durchgeführt werden müssen, weil es im europäischen Interesse notwendig sei [...] Er (63) habe erst neulich wieder den Befehl erhalten, in ganz kurzer Zeit die Entjudung durchzuführen. Man sei gezwungen gewesen, die Juden auch aus der Rüstungsindustrie und den wehrwirtschaftlichen Betrieben herauszuziehen, falls sie nicht ausschließlich im kriegswichtigen Interesse eingesetzt seien. Die Juden seien dann in großen Lagern zusammengefaßt worden und würden von dort für die Tagesarbeit in diesen Rüstungsbetrieben abgegeben. Der Reichsführer SS wünsche aber, daß auch die Beschäftigung dieser Juden aufhöre. Er[635] habe mit Generalleutnant Schindler eingehend über diese Frage gesprochen und glaube, daß dieser Wunsch des Reichsführers SS wohl im Endeffekt nicht erfüllt werden könne. Es gebe unter den jüdischen Angestellten Spezialarbeiter, Feinmechaniker und sonstige qualifizierte Handwerker, die man heute nicht ohne weiteres durch Polen ersetzen könne«[636].

Zweitens unterstanden die SS-Arbeitslager im Lubliner Distrikt Anfang November bereits dem WVHA und galten als Außenstellen von Majdanek, dessen Kommandant zu den Empfängern des vorhin zitierten Pohl-Briefs gehörte.

In Anbetracht dieser Tatsachen wäre die Vernichtung von mehr als 40.000 für die deutsche Kriegswirtschaft ungemein nützlichen Facharbeitern wirtschaftlich gesehen heller Wahnsinn gewesen.

7. Was ist am 3. November 1943 wirklich geschehen?

Angesichts des fast gänzlichen Fehlens von Dokumenten ist es ein Ding der Unmöglichkeit, diese Frage genau zu beantworten. Sicher ist nur, daß am 2., 3. und 4. November 1943 verschiedene Polizeieinheiten in Lublin an einer großen Aktion teilnahmen, die in den Meldungen der drei Schwadronen der Pol. Reiterabteilung III mit knappen Worten erwähnt werden. Die erste Schwadron rapportierte:

»Vom 2.11. - 4.11. 43 nahm die Schwadron, Stärke 1:25, an einem Großeinsatz des SS-Pol. Rgt. 25 im Raum Lublin und Pulawy teil«[637].

Die zweite Schwadron meldete:

»Die 2. Schwadron nahm an dem Großeinsatz vom 2.11. - 4.11. 1943 in der Gegend Lublin teil«[638].

Die dritte Schwadron vermerkte:

»Ein Zug in der Stärke von 1/40 war im Rahmen der Abteilung in der Zeit vom 2.11. bis 4.11. zu einem Sonderauftrag in Lublin eingesetzt«[639].

Zum 25. Regiment gehörte das Bataillon 101, dem Christopher R. Browning ein Buch gewidmet hat[640]. Brownings Werk enthält auch ein Kapitel über das »Erntedankfest«[641], doch bereichert dieses unseren Kenntnisstand in keiner Weise; vor allem wird dort nicht ein einziges Dokument angeführt, welches die Realität des behaupteten Massakers stützt.

Worin bestand also die Tätigkeit dieser zahlreichen zu einem Sondereinsatz abkommandierten Einheiten? Am wahrscheinlichsten ist, daß es um eine große Überstellung von Häftlingen in andere Lager ging.

Einen diesbezüglichen Hinweis vermittelt die in England gedruckte polnische Exilzeitung Dziennik Polski vom 20. November 1943. Das Blatt vermeldet die Ermordung von »15.000 Juden« und fügt hinzu:

»25.000 Juden sind von Majdanek nach Krakau überstellt worden, wo man sie in Hunderten von erst kürzlich errichteten Baracken unterbrachte. Diese Juden werden vermutlich in den deutschen Fabriken arbeiten müssen, die unlängst in den Bezirk Krakau verlegt worden sind«[642].

Für die Hypothese einer Massenüberstellung jüdischer Häftlinge nach Westen spricht auch folgender Sachverhalt:

Wie Raul Hilberg in seinem Standardwerk über den »Holocaust« vermeldet, waren im Oktober 1943 insgesamt 22.444 Juden in Rüstungsbetrieben des Generalgouvernements beschäftigt. Im Januar 1944, also zwei Monate nach dem angeblichen Massenmord, war die Zahl der im Generalgouvernement für die Rüstung arbeitenden Juden jedoch nicht etwa gesunken, sondern ganz im Gegenteil auf 26.296 angestiegen! [643]


Anmerkungen

  1. Enzyklopädie des Holocaust, aaO. (Anm. 7), Band I, S. 418- 419.
  2. PS-2233. In: IMT XXIX, S. 614, 615. Frank antwortete, wenn sich Graf Ronikier über die Erschießung polnischer Partisanen durch die Deutschen entrüste, so entrüste er, Frank, sich noch mehr über die Ermordung von fast 1.000 Deutschen durch die Polen. Ebenda.
  3. Adam Rutkowski, »L'opération ›Erntefest‹ (Fête de moisson) ou le massacre de 43.000 juifs les 3-5 novembre 1943 dans les camps de Maidanek, de Poniatowa et de Trawniki«, in: Le Monde Juif, octobre-décembre 1973, Nr. 72, S. 13 ff.
  4. Wojciech Zysko, »Eksterminacyjna działałno¶ć Truppenpolizei w dystrykcie lubelskim w latach 1943-1944« [Die Ausrottungstätigkeit der Truppenpolizei im Lubliner Distrikt in den Jahren 1943-1944], in: ZM, VI, 1972, S. 186.
  5. Ebenda, S. 187.
  6. IMT XXIX, S. 612.
  7. Ebenda, S. 612, 613.
  8. Zwischen dem 30. Oktober und dem 1. November.
  9. Adam Rutkowski, aaO. (Anm. 581), S. 14.
  10. Landgericht Düsseldorf, aaO. (Anm. 56), Band II, S. 459-460.
  11. PS-2233. IMT XXIX, S. 614.
  12. Ebenda, S. 630.
  13. Ebenda, S. 618.
  14. Ebenda, S. 619-621.
  15. Wirtschaftlicher Teil der Aktion Reinhardt. Undatierte Schrift Globocniks. NO-057.
  16. Im Lubliner Schloß inhaftierten die Deutschen politische Gefangene.
  17. Im polnischen Text steht die Jahreszahl 1944, was aber ein offensichtlicher Druckfehler ist.
  18. Anna Zmijewska- Winiewska, aaO. (Anm. 165), S. 142-146.
  19. Vgl. Fotografie V.
  20. Siehe Dokument 5.
  21. Auf der Karte trägt dieser Graben die Nummer 5.
  22. C. Simonov, aaO. (Anm. 311), S. 16.
  23. Ebenda, S. 11.
  24. Siehe Fotografie V.
  25. Landsgericht Düsseldorf, aaO. (Anm. 56), Band II, S. 459.
  26. Meyers Handbuch über die Technik, Bibliographisches Institut, Mannheim 1964, S. 500. Das MG 42 wäre allerdings nicht verwendbar gewesen, da es aufgrund seines massiven Rückstoßes und hohen Gewichts nur aufliegend bzw. montiert gezielt zu bedienen ist. Außerdem mußte bei diesem Gewehr durchschnittlich nach einem verschossenen Patronengurt der Lauf wegen Überhitzung ausgewechselt werden.
  27. G. Colombo, Manuale dell'ingegnere, Hoepli, Milano 1916, S. 190.
  28. Danuta Czech, aaO. (Anm. 124).
  29. D.h. Carlo Mattogno, der diese Experimente im Herbst 1994 und im Winter 1995 durchführte.
  30. Anna Zmijewska- Winiewska, aaO. (Anm. 165), S. 141, 142.
  31. Siehedortige [???, Anm. des Webmasters] Fotografie 1 und 2.
  32. Zu den 17.000 Erschossenen müßte man noch schätzungsweise 500 im November und Dezember 1943 im Lager verstorbene Häftlinge zählen.
  33. Wir gehen hier von drei Scheiterhaufen aus, also einem in jedem Graben.
  34. Wir gehen von einem mittleren Gewicht von 67 kg aus und nehmen an, daß nach einer Leichenverbrennung Asche im Gewicht von 8% des Körpers zurückbleibt. Letztere Zahl liegt leicht über dem Prozentsatz bei einer Einäscherung in einem Krematorium, denn bei einer Freiluftverbrennung wird das organische Gewebe stets nur unvollkommen verbrannt. Die Rechnung sieht so aus: (67 × 700 =) ca. 3,7 Tonnen. - Beim von uns (C.M.) durchgeführten Verbrennungsexperiment wog die Asche 4% des Fleischs, obgleich das verwendete Rindfleisch praktisch frei von Knochen war.
  35. Wir gehen von dem experimentell erhärteten Prozentsatz von 8% Asche aus und erhalten (140 × 0,08 =) 11,2 Tonnen.
  36. In diesem Fall hätte Mußfeldts Kommando eine entsprechend größere Arbeit erledigen müssen.
  37. Der polnische Ausdruck lautet »gryps«.
  38. Zbigniew Jerzy Hirsz, aaO. (Anm. 472), S. 212-214.
  39. Ebenda, S. 214.
  40. Siehe Dokument 38.
  41. Zbigniew Jerzy Hirsz, aaO. (Anm. 472), S. 214.
  42. Ebenda, S. 205.
  43. Krystyna Marczewska - Władysław Wa1/4niewski, aaO. (Anm. 450), S. 207.
  44. Ebenda, S. 218.
  45. Ebenda, S. 218- 219.
  46. Ebenda, S. 203-204.
  47. Ebenda, S. 208-217.
  48. Zbigniew Jerzy Hirsz, aaO. (Anm. 472), S. 215-217.
  49. Krystyna Marczewska - Władysław Wa1/4niewski, aaO. (Anm. 450), S. 219.
  50. A. Rutkowski, aaO. (Anm. 581), S. 28.
  51. Raul Hilberg, aaO. (Anm. 234), Bd.II, S. 561.
  52. Joseph Billig, Les camps de concentration dans l'économie du Reich hitlérien, Presses Universitaires de France, Paris 1973, S. 187.
  53. Brief Globocnik an den SS-Obersturmbannführer Brandt vom 21. Juni 1943. NO-485.
  54. NO-057.
  55. Archivum Muzeum Stutthof, I-IB 8, S. 53.
  56. A. Rutkowski, aaO. (Anm. 581), S. 31, 32.
  57. D.h. Krüger.
  58. IMT XXIX, S. 670.
  59. W. Zysko, aaO. (Anm. 582), S. 188, 189.
  60. Ebenda, S. 189.
  61. Ebenda, S. 190.
  62. Christopher Browning, Ganz gewöhnliche Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die ›Endlösung‹ in Polen. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1997. Das Buch stützt sich so gut wie ausschließlich auf zwanzig Jahren nach den Geschehnissen bei gerichtlichen Ermittlungen abgegebene Erklärungen von 125 ehemaligen Angehörigen des Bataillons 101 (S. 13 und 193 ) und enthält eine Reihe vom Autor fleißig gesammelter und kommentierter Anekdoten. Es handelt sich weit mehr um einen historischen Roman als um ein historisches Werk.
  63. Ebenda, Kapitel 15, S. 179-189.
  64. Jolanta Gajowniczek, aaO. (Anm. 451), S. 256.
  65. Raul Hilberg, aaO. (Anm. 234), Band 2, S. 563.

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