Kapitel VI
Die Gaskammern

1. Struktur und Zweck der Gaskammern:
Die polnisch-sowjetische Expertise vom August 1944

Die bereits im vorhergehenden Kapitel wiederholt erwähnte gemischte Polnisch-Sowjetische Kommission, die anscheinend auf polnische Initiative entstanden war[315], fertigte eine technische und chemische Expertise über die angeblichen Einrichtungen zur Massenvernichtung von Menschen an. Am 4. August 1944 nahm die Kommission ihre Arbeit auf; am 23. desselben Monats war diese beendet. Wir geben den Text dieses historisch sehr bedeutsamen, doch niemals veröffentlichten und anscheinend auch der polnischen Geschichtsschreibung unbekannten Dokuments im folgenden wieder. Den Abschnitt über das (neue) Krematorium, der mit dem hier zur Debatte stehenden Thema nichts zu tun hat, haben wir ja bereits im vorigen Kapitel auszugsweise zitiert.

Hier also das Gutachten über die Gaskammern:

»Akte

4. bis 23. August 1944, Stadt Lublin

Technische und chemische forensische Expertise der Kommission, die sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzt:

- Vorsitzender: Ingenieur und Architekt der Stadt Lublin KELLES-KRAUSE,

- Oberingenieur und Dozent für Bauwesen D.M. TELJANER,

- Oberingenieur und Kandidat der technischen Wissenschaften sowie Dozent für Brandwesen G.P. GRIGOREW,

- Oberingenieur und Kandidat der chemischen Wissenschaften sowie Dozent für organische Chemie P.S. PELKIS,

- Oberst der Sanitätstruppe W.A. BLOCHIN,

welche in Übereinstimmung mit dem Vorschlag der Polnisch-Sowjetischen Kommission zur Erforschung der deutschen Greuel und Missetaten in der Stadt Lublin und deren Umgebung eine technische und chemische forensische Expertise über die auf dem Gebiet des Lubliner SS-Konzentrationslagers befindlichen Gaskammern, Giftstoffe und Leichenverbrennungsöfen angefertigt haben.

BESCHREIBUNG DER OBJEKTE

Anlage: Plan des Konzentrationslagers Lublin[316] und Schemen

Nr. 1[317], 2, 3 und 4

Insgesamt wurden inspiziert und schematisch mit Bleistift auf Pauspapier aufgezeichnet:

1. Sechs Gaskammern/vgl. Schema Nr. 1.

Darunter: Drei Gaskammern (Nr. I, II und III), gelegen an der nordöstlichen Stirnseite des Bads; eine Gaskammer (Nr. IV) schließt sich unmittelbar ans Bad an und bildet mit diesem äußerlich einen gesamten Gebäudeabschnitt. / Auf dem Plan des Konzentrationslagers sind Gaskammern I, II, III, IV und das Bad, welches in Wirklichkeit aus den Baracken Nr. 41 und 42 besteht, mit Nr. 16 gekennzeichnet. / Zwei Gaskammern (Nr. V und VI) sind auf dem Territorium zwischen den Feldern Nr. 1-2 gelegen.

2. Arsenal chemischer Stoffe.

3. Krematorium samt Nebenräumen.

Die GASKAMMERN Nr. I, II und III (siehe Schema 1) stellen in Wirklichkeit getrennte Einrichtungen von rechteckiger Form dar, mit einem aus der südwestlichen Seite hervortretenden Raum (Nr. 14) zur Aufbewahrung von Gasflaschen und einem anderen, sich an die nordwestliche Seite anschließenden (Nr. 4), in dem ein Lufterhitzer installiert ist.

Diese Kammern und der zum Aufbewahren von Gasflaschen dienende Raum 14 sind mit massiven Betonwänden von 50 cm Dicke sowie mit 20 cm dicken Zwischenwänden versehen. Die gesamte Einrichtung außer der Heizung ist mit einer 15 cm dicken Platte aus Eisenbeton verkleidet. Wände und Decke sind sorgfältig verputzt, die Fußböden bestehen aus Beton mit Stiftschraube. Auf den aus Betoneisen angefertigten Wänden ist eine Tonschicht aufgetragen.

Raum Nr. 4, wo der Lufterhitzer untergebracht ist /Lufterhitzerraum/, stellt einen Holzanbau vereinfachten Typs dar. Der ganze Raum ist aus zerlegbaren, hölzernen Latten angefertigt.

Auf dem Plan ist die Einrichtung der Gaskammern in drei Unterräume untergliedert, von denen zwei (Nr. I und II) gleich groß sind und jeweils 4,75 × 3,60 m messen. Der dritte Unterraum (Nr. III) weist eine Fläche von 9,70 × 3,70 m auf. Die Innenhöhe des Raums beläuft sich auf 2,2 m.

Somit sehen Fläche und Volumen der Gaskammern Nr. I, II und III wie folgt aus:

Nr. der Kammer

Fläche in m2

Volumen in m3

I

17,1

37,6

II

17,1

37,6

III

36,6

79,8

GASKAMMER Nr. I. Sie weist eine 2 × 0,9 m große Tür an der Südwand sowie ein 20 × 20 cm messende, hermetisch schließbare Entlüftungsöffnung in der Decke auf. Im Raum der Gaskammer befindet sich eine verzinkte Gasleitung von 1,5 Zoll Durchmesser mit 6 mm Durchmesser aufweisenden Öffnungen. Die Abstände zwischen diesen Öffnungen betragen auf der gesamten Länge der Gasleitung jeweils 25 cm. Die Gasleitung ist in der Höhe von 30 cm oberhalb der Bodenfläche angebracht und umsäumt alle vier Wände der Kammer, mit Ausnahme der von der Eingangstür eingenommenen Fläche. Ein Ende der Gasleitung ist ›blind‹, während das andere in die Kammer zur Aufbewahrung von Gasflaschen führt / Gerätekammer Nr. 14.

Die Tür der Kammer ist aus Kesselblecheisen angefertigt und 12 mm dick, mit Gummiverkleidung und Verschlußhebeln, die gewährleisten, daß sie hermetisch abgeschlossen werden kann. An der Eisentür befindet sich ein verglastes Guckloch von 85 mm Durchmesser, das mit einem Gitter umgeben ist.

Zur Beobachtung der Vorgänge in der Gaskammer Nr. I befindet sich in der Wand derselben ein Guckfenster von 20 × 12 cm Größe, durch welches man vom Gasflaschenspeicherraum /Gerätekammer Nr.14/ aus in die Gaskammer blicken kann. Es ist auf der Seite der Gerätekammer verglast. Dieses Guckfenster ist auf der Seite der Gaskammer Nr. I mit einem Gitter aus Rundeisen von 10 mm Durchmesser geschützt.

Zur Beleuchtung der Kammer dienen zwei elektrische Lampen, montiert in Nischen auf beiden Seiten der Eingangstür und geschützt durch eine doppeltes Eisengitter. Der Schalter führt in den Geräteraum.

GASKAMMER NR. II. Sie weist in ihrem Inneren keine Gasleitung, kein elektrisches Licht und kein Guckfenster auf. In der Decke befindet sich eine Öffnung von 20 × 20 cm Durchmesser. Diese Öffnung kann mit einem Deckel hermetisch geschlossen werden, welcher sich oberhalb des Raums befindet. Die Kammertür besteht aus Eisen und ist mit Klammern und Gummidichtungen versehen, um ihre hermetische Abschließbarkeit zu gewährleisten.

GASKAMMER NR. III. Sie weist zwei Eingänge auf, die an der Längsachse der Kammer an einander gegenüberliegenden Wänden angebracht sind. Beide sind 2 × 0,9 m groß. In der Wand auf der Heizungsseite gibt es zwei runde Öffnungen von 25 cm Durchmesser, durch die Gaskammer Nr. III mit der im Nebenraum installierten Heizung verbunden ist. In der gegenüberliegenden Wand der Gaskammer III sowie in der Decke sind keinerlei Öffnungen vorhanden. Gaskammer Nr. III ist mit einer Gasleitung aus verzinktem Eisen ausgestattet, deren Durchmesser 1,5 Zoll beträgt. Sie verläuft über die ganze

Länge des Raums, 30 cm über dem Betonboden. An beiden Enden des Rohrs sind Seitenöffnungen zum Herauslassen des Gases angebracht. Diese Öffnungen sind durch in die Wand einbetonierte, gußeiserne Gitter geschützt. Das Rohr führt aus der Gasflaschenspeicherkammer/Geräteraum Nr. 14/ in die Gaskammer.

Die Konstruktion der Türen und die Art ihrer hermetischen Abschließung entsprechen dem oben für Gaskammer Nr. I Gesagten. Eine der Türen weist ein eisernes Gehäuse zum Anbringen eines Thermometers auf.

Die Kammer ist durch eine elektrische Lampe beleuchtet, welche in einer Nische der Wand montiert und durch zwei Eisengitter geschützt ist. Der Schalter führt in den Gasflaschenspeicherraum.

GERÄTERAUM/Kammer für die Speicherung der Gasflaschen Nr. 14/ grenzt an die Gaskammern Nr. I und III. In den Geräteraum führen die Rohre der Gasleiter aus den Kammern Nr. I und III. Das Ende der Rohre ist jeweils mit einer speziellen kupfernen Muffe für die aus Gummi bestehenden Verbindungsschläuche zu den Flaschen versehen. In der Wand des Geräteraums befindet sich ein Guckfenster, durch das man in Gaskammer I blicken kann; es ist auf der Gaskammerseite von einem Metallgitter umgeben und auf der Seite des Geräteraums verglast. Neben dem Fenster befinden sich der Schalter des zur Beleuchtung der Gaskammern I und III dienenden elektrischen Lichts. Die Fläche des Geräteraums beträgt 2,9 m2.

Sämtliche drei Kammern wie auch der Geräteraum/Nr. 14/sind von einem auf Holzpflöcken errichteten Flugdach überdeckt, welches 6,5 m hoch ist und eine Fläche von 855 m2 besitzt. Das Flugdach ist durch einen drei Meter hohen Stacheldrahtverhau umgeben, in dem zwei Einfahrtstore für Autos angebracht sind. Der Zutritt zum Flugdach ist lediglich entweder durch besagtes Tor oder durch den unmittelbar anschließenden Entkleidungsraum der Baracke Nr. 42 und die Gaskammer der Baracke Nr. 41 möglich/siehe Schema Nr. 1/.

GASKAMMER Nr. IV. In der Baracke Nr. 41, die teilweise direkt zum Vordach führt, befindet sich die Gaskammer Nr. IV. Die Gaskammer Nr. IV besteht aus einem hölzernen Windfang/Nr. 7/ und dem durch eine verputzte Wand abgesonderten Raume Nr. 5, welcher zusammen mit Gaskammer Nr. IV ein Gesamtfläche von 28,8 + 72,2 + 6,7 m = 107,7 m2 einnimmt. Bei Kammer Nr. IV liegt der Heizungsraum/Nr. 15.

Gaskammer Nr. IV führt direkt zur nördlichen Wand der Dusche und bildet äußerlich mit dieser Räumlichkeit einen ganzen Gebäudeteil. An der Innenseite ist die Gaskammer vom Duschraum aus nur durch eine Türe zu erreichen, die auf beiden Seiten mit Eisen ausgekleidet ist und durch Klammern auf der Seite der Dusche hermetisch abgeschlossen werden kann.

Die Eingangstür auf der Seite des Vordachs ist aus Holz; innen mit Dachpappe beschlagen, von außen mit einem Riegel abschließbar und ist mit Schrauben für die Klammern versehen. An der Außenseite ist die Tür mit Filz verkleidet.

Die Gaskammer Nr. IV und der zu ihr führende Raum Nr. 6 stellen eine hölzerne Konstruktion dar; an der Außenseite verkleidet mit ›wagonka‹ [unbekanntes Wort], an der Innenseite mit dünnem Bretterwerk und zwischen den Verkleidungen mit gepreßten Hobelspänen verstopft. An der Innenseite sind Wände und Decke mit Zementmörtel verputzt. Die allgemeine Dicke der Außenwände mitsamt Verputz beläuft sich auf 10 cm.

An der Decke der Kammer Nr. IV befinden sich zwei hermetisch abschließbare einziehbahre Öffnungen von 20 × 20 cm Größe. An der Wand jener Seite, die an den Heizraum grenzt, gibt es zwei runde Öffnungen von je 25 cm Durchmesser, mit fest angebauten Rohren für die Aufnahme erhitzter Luft aus der in Raum Nr. 15 installierten Heizung.

Fläche und Volumen der Gaskammern sowie des anliegenden Duschraums und der restlichen Räumlichkeiten der Baracke 41 werden im folgenden in tabellarischer Form wiedergegeben:

Nr.

Bezeichnung des Raums

Numerierung

Fläche in m2

Vol. in m3

1.

Gaskammer Nr. IV

8

72,2

180,6

2.

Gaskammer Nr. IV

5

28,8

72,0

3.

Windfang GK IV

7

6,7

16,9

4.

Speicherraum Zyklon

6

6,6

16,5

5.

Heizung

15

6,9

15,2

6.

Raum f.72 Brauseköpfe

9

105,6

264,7

7.

Kesselraum

11

33,7

84,4

8.

Auskleideraum

12

64,9

162,2

9.

Korridor

10

20,6

51,5

10.

Windfang

13

6,6

16,5

Der Duschraum für 42 Duschen in Baracke 42/parallel zum Duschraum in Baracke 41 angeordnet/weist eine Hitzekammer zur Desinfektion der Kleidung der Badenden auf. Der Duschraum ist wie folgt angeordnet: Auf der Südseite befindet sich der Eingang zum Auskleideraum, aus welchem eine Tür in den Windfang vor der Desinfektionskammer führt, und eine andere in den Duschraum

An der gegenüberliegenden Wand der Dusche befindet sich eine Tür zum Ankleideraum. In diesem Zimmer verbindet eine Tür sie mit dem Windfang der Desinfektionskammer, eine zweite - die Ausgangstür - führt unter das Vordach. Von dieser Ausgangstür ist auf dem Boden unter dem Vordach ein Bretterbelag von 1,5 m Breite angelegt, der zu den Türen der Gaskammern I und III führt/Zum Zeitpunkt der Inspektion befand sich die Desinfektionskammer im Umbau.

GASKAMMERN Nr. V und VI/siehe Schema 1/ Auf dem Gebiet der mechanisierten Wäscherei zwischen den Feldern 1 und 2 in der Baracke Nr. 28 gelegen. Bei jeder Kammer gibt es eine Heizung, die im Korridor installiert ist. Die Seitenwände der Kammern auf der Seite der Heizungen sind aus rotem Ziegel. Innen sind die Wände mit Zementmörtel verputzt. Die gesamte Baracke Nr. 28 besteht aus Holzbrettern, und die Außenwände sind mit gepreßten Hobelspänen verstopft. Von innen messen die Kammern Nr. V und VI jeweils 70,5 m2, und ihr Volumen beläuft sich auf 170 m3. Die Türen in beiden Kammern sind aus Holz, mit Blatteisen verkleidet, und besitzen die erforderliche Einrichtung zur Abdichtung. An der Decke jeder Kammer gibt es eine ausziehbare Röhre von 30 × 30 cm Größe, welche oberhalb des Firsts des aus Pappe angefertigten Dachs austritt. Die ausziehbaren Röhren sind mit Deckeln hermetisch abschließbar.

2. ARSENAL von CHEMIKALIEN

Als Raum für die Speicherung verschiedener Chemikalien diente Baracke Nr. 52.In ihr wurden neben zahlreichen Chemikalien, die gewöhnlich zur Entwesung und Desinfizierung Verwendung finden, folgendes vorgefunden:

a) Fünf Flaschen von dunkelroter Farbe. Darauf ist folgendes Firmenzeichen in deutscher Sprache gestempelt:

›Kohlenoxid. Bei 150 Atmosphären abgefüllt 8.7. 42, Schönerwein und Brenen. Berlin B. 9. Getestet bei 225 Atmosphären. Leergewicht 75,8 kg. Volumen 40,6 Liter.‹ [Rückübersetzung aus dem Russischen.]

Bei der Überprüfung der Flaschen wurde festgestellt, daß das darin befindliche Gas verbraucht worden war, aber noch eine geringfügige Menge davon in den Flaschen vorhanden war.

b) Eine Schachtel mit Antigasmaterial mit spezieller Bezeichnung zum Schutz gegen Kohlenoxid. Der Durchmesser der Schachtel beträgt 12,8 cm, die Höhe 25,4 cm. Die Schachtel ist zylinderförmig und mit dunkler Schutzfarbe bestrichen.

Die Schachtel mit dem Antigasmaterial ist in deutscher Sprache wie folgt beschriftet:

›-CO Filter Nr. 86. Schützt vor Kohlenoxid. Außerdem vor sämtlichen chemischen Kampfstoffen und auch vor Gasen mit Säurecharakter, Dämpfen und Staub./1-38/25. Anwendung entsprechend & 8 der Luftschutzverordnung. AUER-Gesellschaft. A.G. Berlin.‹ [Rückübersetzung]

Außer der Aufschrift auf der Schachtel mit dem Antigasmaterial klebt darauf eine Etikette mit folgendem Text in deutscher Sprache:

›AUER, CO-Filter Nr. 09903. Darf nicht später als im Juni 1944 verwendet werden. Kann während zweier Jahren vom Zeitpunkt der ersten Anwendung an benutzt werden. Nicht mehr als 40 Arbeitsstunden. Erste Anwendung:

Datum: Anwendung: Stunden

von: bis:

Achtung. Nach jeder Anwendung die Schachtel oben und unten gut schließen. An kühlem und trockenem Ort aufbewahren.‹ [Rückübersetzung]

c) 135 Metallbüchsen mit dem Präparat ›Zyklon‹. Das Gewicht einer Büchse beträgt 1.400 Gramm. Über 400 Büchsen mit dem Präparat ›Zyklon‹. Gewicht einer Büchse 3.750 Gramm.

Auf den Büchsen sind Firmenetiketten mit folgendem Texte in deutscher Sprache angebracht:

›Zyklon B. Deutsches Patent: 438818, 447913, 490355, 524261, 575293. GIFTGAS! Cyanpräparat! Kühl und trocken lagern! Vor Sonne und offener Flamme schützen!

Nur durch geübtes Personal zu Öffnen und verwenden. Cyangehalt 1.500 Gramm. Hauptvertreter für das ostelbische Deutschland, Ge.-Gouv., Polen, Dänemark, Norwegen u. Randstaaten: TESCH & STABENOW. Internationale Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung. Hamburg. 1/Messberghof. Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung. Frankfurt am Main. Gewähr für Haltbarkeit nur innen 3 Monate‹. [Rückübersetzung]

Blechbüchsen, graugrün angestrichen, von zylindrischer Form.

Unter den großen Büchsen wurden solche mit Etiketten vorgefunden, deren Text sich von dem der oben erwähnten dadurch unterscheidet, daß anstelle der Bezeichnung ›Zyklon B‹ die Bezeichnung ›Zyklon‹ steht und auf das letzte deutsche Patent 575293 verwiesen wird.

90% aller vorgefundenen Büchsen wurden im Lager geöffnet und verbraucht.

[...[318]].

[...] Die aus Beton angefertigte Gaskammer mit aus Eisenbeton bestehender Überdeckung und zwei kleinen Guckfenstern auf der Seite der Leichenkammer. [...]

[...] Gaskammer : 6,10 × 5,62 Meter, 34,28 m2. [...]

(Unterschriften)

SCHLUSSFOLGERUNG

Auf der Grundlage der Resultate einer technischen Untersuchung sämtlicher hermetisch abschließbaren Kammern, die sich auf dem Gebiet des von der SS verwalteten Lubliner Konzentrationslagers befanden, der Ergebnisse einer chemischen Expertise, welche ebenfalls in allen Sondereinrichtungen des Lagers und bei den Kammern durchgeführt wurde, sowie der Untersuchung des chemischen Präparats ›Zyklon‹ und der Flaschen mit Kohlenoxid, aber auch unter Berücksichtigung von Zeugenaussagen, kam die Kommission zu folgendem Schluß:

A) Die auf dem Gebiet des Lagers errichteten Kammern wurden im wesentlichen zur Massenvergiftung von Menschen geplant und benutzt, was aus folgenden Punkten hervorgeht:

1. Bei Kammer Nr. I von 17,1 m2 Fläche und 37,6 m3 Volumen fällt an Bau und Ausrüstung auf:

a) Das Vorhandensein der Gasleitung;

b) Das Vorhandensein einer speziellen Räumlichkeit mit Vorrichtungen für die Öffnung der Gasflaschen sowie das Abführen des Gases in die Kammer;

c) Das Vorhandensein eines Guckfensters, welches mit einem massiven Eisengitter auf der Innenseite der Kammer geschützt war, sowie zweier elektrischer Lampen, die in Nischen der Wand installiert und ebenfalls mit doppelten Eisengittern geschützt waren, ferner das Nichtvorhandensein irgendwelcher anderer Apparate und Vorrichtungen innerhalb der Kammer, zeugen davon, daß Kammer Nr. I NUR zur Vergiftung von Menschen mit Kohlenoxid und Blausäure vorgesehen war; deswegen war ihre direkte Bestimmung DIE VERNICHTUNG VON MENSCHEN.

2. Kammer Nr. II, welche eine Fläche von 17,1 m2 sowie ein Volumen von 37,6 m3 aufwies, war ihrer Bauweise nach - es handelt sich um einen Raum aus Eisenbeton mit einer einzigen massiven, hermetisch abschließbaren Türe sowie einer Luke in der Decke, bei Fehlen irgendwelcher Ausrüstung oder Vorrichtungen /Heizung, Gestelle, Kleiderhaken etc./ - ausschließlich für die Vergiftung von Menschen mit Blausäure geplant.

3. Kammer Nr. III, die eine Fläche von 36,3 m2 und ein Volumen von 79,8 m3 besaß, war ihrem Bau nach und mit der Heizung und der Gasleitung, welche die Ausrüstung vervollständigten, gleichfalls FÜR DIE VERGIFTUNG VON MENSCHEN MIT KOHLENOXID bestimmt. Diese Kammer konnte zwar auch zur Entwesung der Kleider von Vergifteten verwendet werden, nicht jedoch zur Entwesung der Kleider von Menschen, die sich im Bad wuschen, weil sie mit dem Bad nicht verbunden ist; sie steht davon abgesondert und ist von diesem durch einen Stacheldrahtverhau getrennt.

4. Kammer Nr. IV, die größte, nimmt eine Fläche von 107,7 m2 sowie ein Volumen von 269,5 m3 ein. Von ihr führt eine Tür direkt in die Dusche, doch kann sie nicht als gewöhnliche Desinfektionskammer bei einem Bad betrachtet werden, weil sie für die Anwendung des Präparats ›Zyklon‹ vorgesehen war. / Der Einsatz von ›Zyklon‹ ist nicht zulässig, wenn die [Gas-]Kammer in direkter Verbindung mit einem Lokal steht, in dem sich Menschen aufhalten./ Die Heizung wurde zwecks Erwärmung der Luft zur Winterszeit errichtet, was unabdingbar für eine optimale Ausnutzung des ›Zyklon‹ ist. Die Nutzung dieser Kammer für Entwesungsziele mittels durch die Heizung erhitzter Luft ist hinsichtlich der besonderen Lage der Kammer, wie sie oben beschrieben wird, ausgeschlossen.

Folglich diente auch diese Kammer dem Ziel der Menschenvernichtung.

Zeugenaussagen zufolge war gerade diese Kammer die hauptsächliche Stätte der Massenvergiftung von Menschen.

5. Kammern V und VI, die sich auf dem Grundstück zwischen den Feldern 1 und 2 in der Nähe der Wäscherei befinden, waren mit Heizvorrichtungen versehen und auch zum Einsatz von ›Zyklon‹ geeignet. Dementsprechend konnten auch sie als Kammern zur Vergiftung von Menschen Verwendung finden, doch in Anbetracht ihrer Lage / der Nähe zur Wäscherei, wohin man die Wäsche, die den Getöteten gehört hatte, zum Waschen brachte, folgt, daß diese Kammern auch zur Entwesung gebraucht wurden.

Auf diese Weise bekräftigt die technische und sanitär-chemische Analyse der hermetisch verschließbaren Kammern des Lubliner Konzentrationslagers voll und ganz die dargelegte Tatsache, daß all diese Kammern, insbesondere Nr. I, II, III, sowie IV, als Stätten der massenhaften und systematischen Vernichtung von Menschen durch Vergiften mit Giftgasen wie Blausäure / Präparat Zyklon / und Kohlenoxid bestimmt waren und benutzt wurden. Wenn Kammern Nr. V und VI auch zur Entwesung verwendet wurden, dann nur zu der von Kleidung der Vernichteten.

B. Nimmt man an, daß auf einem Quadratmeter bis zu 6 stehende Menschen Platz haben, dann konnten bei gleichzeitiger Nutzung aller zur Vergiftung eingerichteten Kammern 1.914 Menschen auf einmal vergiftet werden.

Nummer

Fläche in m2

Anzahl Menschen pro m2

Insgesamt in der Kammer untergebrachte Menschen

I

17,1

6

102

II

17,1

6

102

III

36,3

6

208

IV

107,7

6

646

V

70,5

6

423

VI

70,5

6

423

insgesamt

319,2

6

1.914 Menschen

Zur Vergiftung von Menschen mit Blausäure in hermetisch abgeschlossenen Kammern braucht es 3 bis 5 Minuten, und für die Vergiftung mit Kohlenoxid 5 bis 10 Minuten.

Eine Blausäurekonzentration von 0,3 Milligramm pro Liter erweist sich als tödlich. Zur Erreichung einer solchen Konzentration in allen entsprechend eingerichteten Kammern /Nr. I, II, IV, V und VI/ mit dem Volumen von 684,7 m3 braucht es 684,7 mal 0,3 Gramm = 205,4 Gramm, d.h. weniger als die Hälfte der kleinen ›Zyklon‹-Büchse.

Eine Kohlenoxidkonzentration von 5,6 Milligramm pro Liter / oder 0,5% Luftvolumen / erweist sich binnen 5 bis 10 Minuten als tödlich. Diese Konzentration konnte man in den Kammern Nr. I und III, die zur Vergiftung mit eben diesem Stoff eingerichtet waren und ein Volumen von 116, 4 Kubikmetern aufwiesen, dadurch erreichen, daß man 0,1 Flaschen mit Kohlenoxid aufbrauchte.

AKTE

der forensisch-chemischen Laboruntersuchung.

Im Jahre 1944, vom 4. bis 21. August, führte eine Expertenkommission in der Zusammensetzung

Oberst des Sanitätstruppen W.A. Blochin, Oberingenieur und Dozent der chemischen Wissenschaften P.S. Pelkis, Oberingenieur und Dozent der technischen Wissenschaften G.P. Grigorew

eine forensisch-chemische Laborexpertise des Inhalts der Büchsen mit dem Markenzeichen ›Zyklon B‹ sowie der Flaschen mit dem Markenzeichen Kohlenoxid durch, welche auf dem Gelände des SS-Konzentrationslager Lublin vorgefunden worden waren.

1. Auf dem Gelände des Lagers wurden 535 Büchsen mit dem Präparat ›Zyklon B‹ vorgefunden. Darunter befanden sich 135 Büchsen von 1.400 Gramm Gewicht und 400 Büchsen mit 3.750 Gramm Gewicht. 90% der Gesamtmenge der Büchsen waren im Lager geöffnet und verbraucht worden.

Auf den Büchsen befinden sich Firmenetiketten mit folgendem Text / Etiketten samt dem Text in deutscher Sprache werden beigelegt:

›Zyklon B. Deutsches Patent: 438818, 447913, 490355, 524261, 575293. GIFTGAS! Cyanpräparat! Kühl und trocken lagern! Vor Sonne und offener Flamme schützen!

Nur durch geübtes Personal zu Öffnen und verwenden. Cyangehalt 1.500 Gramm. Hauptvertreter für das ostelbische Deutschland, Ge.-Gouv., Polen, Dänemark, Norwegen u. Randstaaten:: TESCH & STABENOW. Internationale Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung. Hamburg. 1/Messberghof. Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung. Frankfurt am Main. Gewähr für Haltbarkeit nur innen 3 Monate‹. [Rückübersetzung]

Etiketten desselben Inhalts befinden sich auch auf den kleinen Büchsen, mit Angabe des Cyanidgehalts: 500 Gramm.

Unter den großen Büchsen wurden solche mit Etiketten gefunden, deren Text sich vom oben zitierten dadurch unterscheidet, daß anstelle der Bezeichnung ›Zyklon B‹ einfach ›Zyklon‹ steht und daß nur auf ein deutsches Patent - 575293 - hingewiesen wird.

Alle Büchsen sind aus Blech, weisen zylindrische Form auf und sind graugrün gefärbt.

Gewicht einer vollen großen Büchse: 3.750 Gramm

Durchmesser der Büchse 15,4 cm

Höhe 31,5 cm

Gewicht einer vollen kleinen Büchse 1.400 Gramm

Durchmesser der Büchse 15,4 cm

Höhe 12,5 cm

Der Inhalt der Büchsen wurde auf das Vorhandensein von Blausäure untersucht; durch in Benzidinacetat getauchtes Anzeigepapier sowie durch Natriumpikrat wurde als Reaktion die Bildung von Preußischblau bewirkt.

Dabei wurden Proben aus 18 Büchsen entnommen, und es wurden 48 Einzelreaktionen durchgeführt. Alle Proben erwiesen eindeutig das Vorhandensein von Blausäure mit den oben erwähnten Reaktionen.

Bei der Öffnung zweier Büchsen mit ›Zyklon‹ von 1.750[319] Gramm Gewicht wurde die Blausäure durch Erhitzen bei einer Temperatur von 23 bis 28 Grad C. während zweier Stunden ausgetrieben; der gesamte Rest einschließlich der Büchse wog:

1. - 2.330 Gramm

2. - 2.310 Gramm

Das Gewicht einer leeren Büchse beläuft sich auf 600 Gramm.

Also beträgt das Gewicht des verdunstbaren Materials beim Präparat ›Zyklon‹ bei den großen Büchsen 1.430[320] bis 1.440 Gramm.

Da Blausäure bei ihrer Lagerung teilweise polymerisiert, was sich bei einer Analyse durch die Verminderung des Blausäuregehalts zeigt, wird man mit einiger Sicherheit annehmen können, daß die Menge an Blausäure, die in einer Büchse von 3.750 Gramm Gewicht vorhanden ist, 1.500 Gramm entspricht. Das entspricht auch der Menge Blausäure, die von der Firma auf der Etikette angegeben wird.

Für die kleine Büchse wurde nach Entfernung des verdunstbaren Teils bei 28 Grad Celsius im Verlauf von zwei Stunden bei zwei Büchsen folgende Werte ermittelt:

Gewicht des Rests mitsamt Büchse 930 bis 950 Gramm

Gewicht der leeren Büchse 350 Gramm

Gewicht der Blausäure 450 bis 470 Gramm

Dies entspricht ebenfalls ungefähr dem Gewicht von 500 Gramm an Blausäure, welches von der Herstellerfirma auf der Büchsenetikette angegeben wird.

Demnach stellt der untersuchte Büchseninhalt das Präparat ›Zyklon‹ dar, das aus speziell zubereitetem Kieselgur in Form von Granulaten von 1 cm Durchmesser besteht, welche mit flüssiger, stabilisierter Blausäure durchtränkt worden sind.

Der Inhalt der Büchsen, die in geringer Zahl mit der Etikette ›Zyklon‹ im Lager vorgefunden worden sind, ist mit demjenigen der ›Zyklon B‹-Büchsen identisch.

Blausäure /das Präparat ›Zyklon‹ / wird besonders gegen Schädlinge in Getreidespeichern eingesetzt / gegen Mehlmotten, Mehlkäfer und zur Begasung von Pflanzen.

In Anbetracht dessen, daß ›Zyklon‹ einen hohen Prozentsatz an Blausäure enthält und die üblichen toxische Auswirkungen auch auf den Organismus des Menschen hat, ist der Umgang damit nur speziell geschulten Leuten gestattet.

Außer den Büchsen mit dem Präparat ›Zyklon‹ wurden in Baracke Nr. 52 fünf Flaschen vorgefunden, die dunkelrot gefärbt waren. Auf sie ist eine Firmenmarkierung folgenden Inhalts gestempelt:

›Kohlenoxid. Bei 150 Atmosphären abgefüllt 8.7. 42, Schönerwein und Brenen. Berlin B. 9. Getestet bei 225 Atmosphären. Leergewicht 75,8 kg. Volumen 40,6 Liter.‹ [Rückübersetzung aus dem Russischen].

Die Flaschen weisen folgende Nummern auf: 10, 17, 44, 52, 60.

Bei der Überprüfung der Flaschen wurde festgestellt, daß das sich darin befindliche Gas größtenteils verbraucht war. Zur Durchführung einer chemischen Analyse des noch vorhandenen Gases wurden die Flaschen der Sonne ausgesetzt und erwärmt. Der dadurch bewirkte unbedeutende Druck in den Flaschen war ausreichend für die Entnahme von Gasproben.

Die allen fünf Flaschen entnommenen Gasproben wurden analysiert, um das Vorhandensein von Kohlenoxid durch Reaktionen mit Jodpentoxid sowie Anzeigepapier mit Palladiumchlorid zu ermitteln. Insgesamt wurden zehn Reaktionen mit Jodpentoxid sowie zehn Reaktionen mit Palladiumchlorid ausgelöst.

Alle Proben mit den angegebenen Reaktionen erwiesen eindeutig das Vorhandensein von Kohlenoxid.

SCHLUSSFOLGERUNG

1. Das Präparat ›Zyklon‹, das in den Lagerräumen und Aufbewahrungsräumen bei den Gaskammern des Lubliner Konzentrationslagers vorgefunden wurde, besteht aus speziell zubereitetem Kieselgur, die mit flüssiger stabilisierter Blausäure durchtränkt ist.

2. Der quantitative Inhalt an Blausäure in den Büchsen mit dem Präparat ›Zyklon‹ entspricht den Angaben, die von der Firma auf der Etikette angebracht worden sind. In den großen Büchsen befinden sich 1.500 und in den kleinen Büchsen 500 Gramm.

3. Die Resultate der chemischen Analyse ergeben, daß in den fünf Flaschen Nr. 44, 52, 10, 60 und 17 Kohlenoxid enthalten war.

Demnach erhärten die Ergebnisse der chemischen Analyse die Richtigkeit der Markierung auf den Flaschen.

Unterschriften«[321].

2. Planung, Bau und Zweck der Gaskammern

Die erhaltenen Urkunden belegen genau das Gegenteil der von der Polnisch-Sowjetischen Kommission formulierten Schlußfolgerungen: Alle Gaskammern des KL Majdanek sind ausschließlich zu sanitären Zwecken als Entwesungskammern geplant und gebaut worden.

Auf einem Plan der Zentralbauleitung vom 23. März 1942 waren drei Entwesungsanlagen vorgesehen. Bei der ersten handelte es sich um eine H-förmige, »Entlausung« genannte Einrichtung im Zentrum des KGL neben der Großwäscherei[322]; bei der zweiten um eine gleichfalls mit »Entlausung« bezeichnete Baracke, die jedoch außerhalb des Lagers vor seiner nordwestlichen Seite lag; die dritte befand sich in jenem Lagerteil, der, wie aus dem detaillierten Plan dieses Sektors hervorgeht, als »Bekleidungswerk der Waffen-SS« bezeichnet wurde[323].

Die erwähnte, H-förmige Installation des KGL war bereits im Oktober 1941 entworfen worden. Der betreffende Plan wurde von der Firma Hans Kori ausgearbeitet und sah einen großen hygienisch-sanitären Komplex vor, der aus zwei spiegelförmig angeordneten Entlausungsanlagen innerhalb der oben erwähnten Konstruktion bestehen sollte. Die eine, für die Häftlinge bestimmte lag auf dem linken Flügel, die andere, acht Kleiderentlausungskammern umfassende, auf dem rechten.

Die Entlausungsanstalt für die Häftlinge figuriert auf der am 23. Oktober 1941 von der Kori angefertigten Zeichnung J.- Nr. 9082[324] und wird in einem Brief beschrieben, welchen diese Firma am gleichen Tage an den SS-Sturmbannführer Lenzer sandte. In diesem hieß es:

»Infolge Ihrer plötzlichen Abreise von Berlin hatten wir leider keine Gelegenheit, mit Ihnen nochmals über die offenen Punkte bezüglich der Entlausungsanstalt zu sprechen. Wir teilen ihnen deshalb in dieser Angelegenheit folgendes mit:

Die Grundrißgestaltung für den linken Bauteil mit Desinfektionsraum wird zweckmäßig so aufgeteilt, wie es die beiliegende Skizze Blatt 1 darstellt[325]. Dabei kommt es auf eine Verkleinerung des Brauseraums und eine Vergrößerung des Abtrockenraums an. Zwischen Desinfektion und Abtrockenraum halten wir die Einschaltung eines Vorraumes, in gleicher Form und Größe wie zwischen Auskleideraum und Brauseraum, für wünschenswert. Die Aufteilung vor dem Brause- und Abtrocknungsraum kann beliebig erfolgen und soll in unserer Skizze J.- Nr. 9082 angedeutet sein«[326].

Wie aus der Beschreibung und dem beigelegten Plan hervorgeht, sah der zur Entlausung der Häftlinge dienende linke Flügel der Konstruktion folgenden Durchgang vor: Auskleideraum mit Kleiderannahme - Vorraum - Brauseraum - Abtrocknung - Vorraum - Desinfektion. Nach erfolgter Desinfektion[327] begaben sich die Häftlinge in den rechten Flügel, wo sie die entlauste Kleidung in Empfang nahmen.

Die dort vorgesehene Entlausungsanstalt wird im oben erwähnten Schreiben der Firma Kori wie folgt beschrieben:

»Was nun noch die Disposition über die Entlausungskammern inmitten der Entlausungsanstalt anbetrifft, so dürfen wir wohl darauf hinweisen, daß wir uns z.Zt. im Auftrag der zuständigen Wehrmachtsdienststellen mit vielen Ausführungen solcher Art beschäftigen. Meist sind es 2 Entlausungskammern, die mit einem Kori'schen Kalorifer betrieben werden, oftmals aber auch liegen mehrere Entlausungskammern hintereinander, deren Betrieb dann je nach dem Umfang der Einrichtungen mit einem oder mehreren Kaloriferen erfolgt. Für die vorliegende Projektierung halten wir die Aufteilung der 8 Entlausungskammern nach der beiliegenden Zeichnung J.- Nr. 9081[328] für die zweckmäßigste. Es wurden zwar in dem Vorprojekt 10 Entlausungskammern projektiert, jedoch nur in einer Breite von je 1.400 bis 1.500 m/m. Die Praxis hat jedoch ergeben, daß man für die Entlausungskammern im mindesten eine Raumbreite von 2.000 m/m, wenn nicht noch etwas mehr, wählen muß, um genügend große Wagen bequem ein- und ausführen zu können. Dem wurde in unserer Zeichnung J.- Nr. 9081 Rechnung getragen. Zwischen je 2 Entlausungskammern liegt der Lufterhitzer rd. 1.000 m/m vertieft. Die gleiche Vertiefung erstreckt sich auch auf den kleinen Vorraum, von welchem aus nach dem Hauptgang der unreinen Seite einige Steinstufen führen. Hier sind auch die Zugänge zu den 4 Koksbunkern vorgesehen, die aber schon, um einen größeren Koksvorrat unterzubringen, zweckmäßigerweise in Längsrichtung des Entlausungsraumes zu einem gemeinschaftlichen Bunker vereinigt werden, wie dies im Grundriß der Zeichnung J.- Nr. 9081 angedeutet wurde. Über die Anordnung der Warmluftaustritts- und Umluftgitter geht Näheres aus dem Schnitt e - f hervor, während der Schnitt c - d die Höhenunterschiede der Raumfußböden zeigt«.[329]

Entsprechend diesem Projekt waren die acht Entlausungskammern also jeweils 2 m lang, 2,10 m hoch und 3,5 m lang und wurden mit einem koksbetriebenen Kalorifer oder Lufterhitzer erwärmt, der sich zwischen jedem Kammerpaar hinter den beiden Außenwänden befand. Auf jeder Innenseite war oben eine Öffnung zum Warmluftaustritt angebracht, die mit dem Lufterhitzer verbunden war; auf der entgegengesetzten Seite befand sich auf dem Fußboden jedes Kammernpaars eine über einen unterirdischen Luftkanal gleichfalls mit dem Lufterhitzer in Verbindung stehende Umluftöffnung. Die Einrichtung wies strukturell starke Ähnlichkeit mit dem am 5. Juli 1940 von der Kori für die Entlausungsanstalt in Alt-Drewitz entworfenen Modell auf. [330] Zur Entlausung wurde nicht etwa Zyklon B, sondern Heißluft verwendet.

Die von der Firma Kori projektierte, oben geschilderte Entlausungsanlage ist niemals verwirklicht worden.

Ein vom 31. März 1942 stammender Plan der Zentralbauleitung, der die »Prov. Entlausungsanlage K.G.L. Lublin« darstellt[331], zeigt 8 Entlausungskammern von wesentlich geringerer Größe und ohne Lufterhitzer; aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich um metallene Desinfektionsapparate, wie sie in den Bauwerken (fortan: BW) 5a und 5b von Birkenau installiert wurden.

Auf diesem Plan sind die 8 kleinen Zellen nebeneinander in einem »Entlausung« genannten Lokal von 13,5 × 4 m Größe angebracht. Sie trennen den »reinen«, an die Dusche angrenzenden Teil vom nach außen führenden »unreinen«. Die Entlausungsanlage besteht aus einer Baracke von 40,76 × 9,56 m Größe. Der Durchgang der Häftlinge sah wie folgt aus: Eingang/Anmeldung - Auskleideraum/Scherraum - Brausen - Ankleideraum - Ausgang. Für die Kleidung ergab sich folgender Zyklus: Kleiderannahme - Entlausung (»unrein« Ô »rein«) - Kleiderausgabe. Im Brauseraum waren 40 Duschen vorgesehen; das heiße Wasser kam aus dem Kesselhaus[332]. So sah das Originalprojekt der außerhalb des Lagers vorgesehenen Entlausungsanlage vom 23. März 1942 aus. Soweit man dies anhand eines Blicks durch die Fenster des (Besuchern unzugänglichen) Gebäudes beurteilen kann, wurde der Plan - mit einigen Modifizierungen - in der Baracke 42 (Bauwerk XII) verwirklicht. In dieser sieht man[333] das Kesselhaus[334] sowie eine mit Zement verkleidete Kammer[335], die weit größer sind als die auf dem erwähnten Plan erscheinenden.

Laut einem Bericht der Zentralbauleitung war das BW XII am 1. Juli 1942 zu 40% fertiggestellt. Es heißt dort:

»BW XII Entlausung und Bad - hierzu kam inzwischen eine 2. Pferdestallbaracke mit Brausebadanlage«[336].

Diese zweite Einrichtung war die Baracke 41, BW XII A, die (südlich) neben der Baracke 42 errichtet wurde. Über Baracke 41 liegen etliche Dokumente vor, die einiges Licht auf ihre Planung, ihren Bau und ihre Bestimmung werfen.

Am 19. Juni 1942 leitete der SS-Sturmbannführer Lenzer, Chef des Amtes Zentrale Bauinspektion des SS-WVHA[337], ein vom 27. Mai stammendes Gesuch des Amtes BII betreffend Errichtung einer Entwesungsanlage für das Bekleidungswerk Lublin an die Bauinspektion der Waffen-SS und Polizei Generalgouvernement:

»Durch oben angeführtes Schreiben[338] stellt das Amt BII einen Antrag zum Bau einer Entwesungsanlage nach dem System der Blausäure-Entwesung.

Da ich beabsichtige, diesem Antrag in Anbetracht der Dringlichkeit zu entsprechen, ist die zuständige Baudienststelle anzuweisen, umgehend einen Bauantrag anzufertigen und vorzulegen. Die Örtliche Dienststelle des Amtes BII ist hierbei zu beteiligen.

Nach einer mir gegebenen Auskunft steht der erforderliche Ofen durch das Amt BII zur Verfügung. Dieses Schreiben ist als dienstliche Veranlassung dem Bauantrag vorzuheften.

Termin zur Vorlage 30.6. 1942«[339].

Am 27. Juni 1942 teilte der Leiter der Bauinspektion der Waffen-SS und Polizei Generalgouvernement der Lubliner Zentralbauleitung mit, der »Vorentwurf mit Kostenanschlag« der Entwesungsanlage für das Bekleidungswerk Lublin müsse ihm »als Nachtrag zum Vorentwurf für die Errichtung der Pelz- und Bekleidungswerkstätte bis zum 10.7. 1942« vorgelegt werden[340].

Am 10. Juli 1942 stellte der Leiter der Zentralbauleitung der Bauinspektion der Waffen-SS und Polizei Generalgouvernement die gesamte administrative Dokumentation über die Entwesungsanlage zu, nämlich: Veranlassungsauftrag, Erläuterungsbericht, Bauanzeige A, Kostenanschlag, Lageplan 1 : 500, Zeichnung der Entwesungsbaracke. Im Begleitbrief hieß es:

»Als Anlage wird nach Maßgabe der Anordnung vom 27. 6. 42 der Nachtrag zum Bauantrag zur Errichtung einer Entwesungsanlage als Bauwerk XII in der Pelz- und Bekleidungswerkstätte Lublin in Höhe von RM 70.00 mit der Bitte um Prüfung und Bereitstellung der Mittel und Rohstoffkontingente eingereicht. Bei der Kostenberechnung wurden die polnischen Unternehmerpreise zugrundegelegt«[341].

Von den diesem Schreiben beigelegten Dokumenten sind lediglich der Erläuterungsbericht und der Kostenanschlag erhalten geblieben; beide wurden am 10. Juli 1942 vom Leiter der Zentralbauleitung abgefaßt. Das erste, im folgenden unverkürzt wiedergegebene Dokument erklärt den Zweck der Einrichtung:

»Erläuterungsbericht

zur Errichtung einer Entwesungsanlage für die Pelz- und

Bekleidungswerkstätte Lublin.

Zur Entwesung aller ankommenden Pelz- und Kleidersachen soll im Bereich der Pelz- und Bekleidungswerkstätte Lublin eine Entwesungsanlage nach der vom SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt übersandten Zeichnung erbaut werden. Die Entwesungskammer soll, wie aus der beigefügten Zeichnung ersichtlich ist, massiv mit einer Eisenbetondecke errichtet werden. Über dieser Entlausungskammer muß noch ein sogenanntes Flugdach errichtet werden. Um die entwesten Sachen auslegen und lagern zu können, soll dieses Flugdach in einer Größe von 60,0 × 18,0 m hergestellt werden. Der Ofen sowie die übrige Apparatur wird durch das Amt BII zur Verfügung gestellt.

Alles übrige ist aus der Zeichnung zu ersehen«[342].

Der »Kostenanschlag über Errichtung einer Entwesungsbaracke für die Pelz- und Bekleidungswerkstätte Lublin« umfaßt 27 Abschnitte und nennt eine Gesamtkostensumme von 140.000 Zloty. Abschnitt 18 lautet:

»4 Stück bauseitig zu liefernde luftdichte einserne [sic] Türen mit Hilfe des Schlossers einzusetzen, einschl. aller Stamm- und Verputzarbeiten«[343].

Das Originalprojekt, von dem eine anschließend angefertigte Zeichnung erhalten ist - die vom August 1942 stammende Zeichnung der Bauleitung »K.G.L. Lublin. Entwesungsanlage. Bauwerk XII A« -, zeigt einen rechteckigen Block von 10,76 × 8,64 × 2,45 m Größe, der zwei Entwesungskammern von jeweils 10 m Länge, 3,75 m Breite und 2 m Höhe enthält. Jede Kammer besitzt zwei einander gegenüberliegende Türen von 0,95 m Breite und 1,80 m Höhe, so daß jede der kürzeren Seiten ein Paar von Türen aufweist, die jeweils drei Meter voneinander entfernt sind. Über dem Block mit den beiden Entwesungskammern ist ein Flugdach von gleichfalls rechteckiger Form und 18 × 60 m Fläche vorgesehen, welches in der Mitte in zwei gleich große, dem »unreinen« und dem »reinen« Sektor entsprechende Hälften geteilt ist. Im »reinen« Teil ist auf der kleineren Blockseite zwischen den beiden Türen der Entwesungskammer eine mit Koks betriebene Ofenanlage angebracht, die strukturell den vorher beschriebenen Kori-Lufterhitzern ähnelt. Der Ofen ist 0,66 m vertieft und weist im unteren Teil eine Falltür und eine Feuerungstür auf, zu der vier Stufen hinunterführen. Im Oberteil befindet sich die Röhre zum Abführen des Rauchs. Der Ofen ist mit den beiden Entwesungskammern durch zwei runde Öffnungen von jeweils 35 cm Durchmesser verbunden. Letztere befinden sich links und rechts seitlich der die beiden Lokale trennenden Zwischenwand, 33 cm von dieser entfernt und 1,72 m über dem Fußboden[344]. Da die Entwesungsanlage mit Blausäure betrieben wurde, diente dieser Ofen zum Erhitzen der Luft und zur Beschleunigung des Zirkulierens des Luft-Gas-Gemisches.

Der Bau der Anlage folgte diesem Plan, außer beim Heizungssystem[345]: Der oben beschriebene mittlere Ofen wurde durch zwei Heißluftapparate ersetzt, die von der an der Knollstraße 26 in Ludwigshafen domizilierten Firma Theodor Klein, Maschinen- und Apparatebau, hergestellt worden waren. Die Zentralbauleitung hatte sie am 11. September 1942 bestellt[346]. Einer wurde vor der Außenmauer der nach Westen gewandten, in der sowjetischen Expertise als »Kammer III« bezeichneten Entlausungskammer installiert[347].

Der Heißluftapparat Klein war ein koksbetriebener Lufterhitzer. Er bestand aus einer Feuerung mit darüberliegender Heizkammer, in der ein Rekuperator installiert war. Dieser setzte sich aus einer Reihe senkrechter, mit Rippen versehener Erwärmungsrohre zusammen, die unten mit dem Feuerungsraume, oben mit dem Luftabzugskanal verbunden war.

In der Heizkammer war ein Ventilator montiert, unter dem neben der Feuerung eine Kammer angebracht war. Aus ihr führte das Druckluftrohr heraus; vor dem Ventilator befand sich die Öffnung des Saugrohrs, das eine Luftklappe zur Regulierung aufwies. Beide Rohre - Druckluftrohr und Saugluftrohr - hatten einen Durchmesser von 31 cm und waren durch zwei runde Öffnungen in der Wand mit dem Lokal verbunden, in dem man den Lufterhitzer installiert hatte. Die Vorrichtung funktionierte wie folgt: Der aus der Feuerung strömende Rauch durchquerte die Rohre des Rekuperators und gab einen Teil seiner Hitze an diese ab, worauf er durch den Kamin ins Freie drang. War der Ventilator in Betrieb, so kam die aus dem Lokal durch das Saugrohr dringende Luft mit den glühend heißen Rohren des Rekuperators in Berührung, erwärmte sich dadurch und wurde vom Ventilator durch das Druckluftrohr in den Raum gepumpt. Auf diese Art und Weise war eine ständige Zirkulierung von Heißluft gewährleistet. Der Lufterhitzer konnte eine Wärmeerzeugung von 80.000 Kcal./h liefern, wobei sich die Lufttemperatur auf 120 Grad Celsius belief. Die Lufttemperatur konnte mittels der Luftklappe sowie mit Hilfe geeigneter Lufteintritte reguliert werden, durch welche frische Außenluft in den Kreislauf gelangte[348].

Wenn man die Lufttemperatur niedrig hielt, erfüllte der Lufterhitzer dieselbe Funktion wie die DEGESCH-Kreislaufanlage für Entlausung mit Zyklon Blausäure.

J.-C. Pressac meint, der zweite Heißluftapparat sei symmetrisch zum ersten in der anderen Entlausungskammer aufgestellt worden[349], doch diese Hypothese ist unrichtig, weil in der Ostwand dieser - später in zwei Lokale untergliederten - Kammer[350] keine Spur runder Öffnungen für Warmlufteintritt und Umluft zu erkennen ist. In Abschnitt 3 kommen wir näher auf diese Frage zu sprechen. Ein dem eben beschriebenen ähnlicher Heißluftapparat wurde im Herbst 1942 im BW 20 L des Schutzhaftlagers in Auschwitz installiert[351].

Am 22. Oktober 1942 sandte der Leiter der Zentralbauleitung dem SS-Wirtschafter des Höheren SS- und Polizeiführers im Generalgouvernement einen Bericht über den Stand der Arbeiten in den verschiedenen Bauvorhaben des Lagers. Unter den im Bauvorhaben Kriegsgefangenenlager Lublin durchgeführten Arbeiten figuriert die Konstruktion von

»2 Entlausungsbaracken mit Bädern, teils auf Holzpfahlrosten und teils auf massiven Fundamenten aufgestellt«.

Betreffs des Bauvorhabens Pelz- und Bekleidungswerkstätten Lublin erwähnt der Rapport unter den durchgeführten Arbeiten die »Erstellung einer Entwesungsanlage«; unter den nach dem 1. November noch durchzuführenden Arbeiten erscheint der »Einbau von 4 Entwesungskammern«[352]. Die Entwesungsanlage war die neben der Baracke 41 installierte Anlage mit zwei Entlausungskammern, d.h. das BW XIIA.

Wie aus dem schon erwähnten Bericht der Zentralbauleitung über die »Fertigstellung der Bauwerke in % am 1. Juli 1942« hervorgeht, handelte es sich bei den beiden Entlausungsbaracken des Bauvorhabens Kriegsgefangenenlager um die Baracken 42 und 41. Dieses Dokument bezeichnet allerdings die Baracke 41 einfach als »Pferdestallbaracke mit Brausebadanlage«, was heißt, daß in den folgenden Monaten dort eine Entwesungsanlage eingerichtet worden sein muß.

Auf diese Einrichtung bezieht sich ein vom 18. November 1942 stammender Kostenvoranschlag der an der Sliskastr. 6/3, Lublin, domizilierten polnischen Firma Michał Ochnik, Bauunternehmer:

»Kostenvoranschlag

für die Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei in Lublin auf Arbeiten für das Pelz- und Bekleidungswerk.

Zwei Schornsteine in der Gaskammer aufmauern, Ausmaße 0.75 × 0.75. × 1.70 mit Aushauen der Betondecken. Pauschal zl. [= Zloty] 285.00«[353].

Die Zentralbauleitung nahm die Offerte der Firma an, und die Arbeiten wurden vermutlich im Dezember durchgeführt. Am 8. Januar 1943 präsentierte Michał Ochnik der Zentralbauleitung folgende Rechnung »für das Bekleidungswerk der Waffen-SS in Lublin«:

»Gegenstand

Geldbetrag Zloty

Für Aufmauern des Schornsteins u. Zuführen der Züge von zwei Seiten zum Schornstein in der Gaskammer im gemauerten Gebäude. Aushauen von 2 Öffnungen in der Betondecke, Aufmauern des Schornsteins, Ausmaße 0.75 × 0.75 × 1.70

285.00

In Worten: Zweihundert fünfundachtzig Zloty«[354].

 

In der Tat sind in der Decke des erwähnten Lokals noch heute zwei Öffnungen von rund 60 × 60 bzw. 40 × 40 cm Größe vorhanden, die ca. 4 Meter voneinander entfernt sind. Laut der genannten Rechnung wurden in den beiden Öffnungen zwei Röhren installiert, die in einen Zentralkamin von 0,75 m Durchmesser und 1,70 m Höhe führten.

Die Entwesungsanlage des BW XIIA erwies sich für die Bedürfnisse der Pelz- und Bekleidungswerkstätte Lublin offensichtlich als unzureichend, denn wie erwähnt plante die Zentralbauleitung für dieses Bauvorhaben den Bau weiterer vier Entwesungskammern. Zwei Zivilfirmen, die uns bereits bekannte Lubliner Baufirma Michał Ochnik sowie die Warschauer Firma »Polstephan«, Bauunternehmung G.m.b.H., wurden von der Zentralbauleitung mit der Durchführung der Arbeiten beauftragt, die darin bestanden, ein bestehendes Gebäude in eine Entwesungsanlage umzubauen. Beide Firmen legten einen »Kostenanschlag über Herstellung von 4 Entwesungskammern in einem bestehenden Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen H.K.P [?]« vor. Der Text der beiden Kostenanschläge ist identisch und auf gleiche Weise in acht Absätze unterteilt, was darauf hinweist, daß er von der Zentralbauleitung als eine Art Formular entworfen wurde, bei welchem die Spalte »Summe« leergelassen wurde; in dieser Spalte trugen die beiden Firmen dann bei jedem Absatz ihren Kostenanschlag ein. Der vom 7. November 1942 stammende Kostenanschlag der Firma Ochnik belief sich auf 8.855 Zloty[355], jener der Firma »Polstephan« - er wurde am 10. November 1942 eingereicht - auf 10.345 Zloty[356]. Aus diesen beiden Dokumenten ist ersichtlich, daß die vier Entwesungskammern mit eisernen Gußtüren ausgestattet sei mußten, wobei die Lichte Größe der Türöffnungen 0,83 × 1,93 m zu messen hatte. Mit jeder Kammer mußte ein »Entwesungsofen«, auch »Gasofen« genannt, verbunden sein, der von einem Schleppdach geschützt wurde[357]. - Ob diese Vorrichtung verwirklicht worden ist, entzieht sich unserer Kenntnis.

In den gleichen Zeitraum fällt auch ein auf den 12. November 1942 datiertes »Einschreiben« des Leiters der Zentralbauleitung an die Firma Bernhard J. Goedecker in München, in dem es um die »Lieferung von Lufterhitzern für Entlausungszellen« ging:

»Bezugnehmend auf ein Schreiben des SS-Wirtschafters-Gruppe-C-Bauwesen in Krakau erhalten Sie in der Anlage die 3 gewünschten Frachtbriefe für den Absand der 10 Stück kohlenbeheizten Lufterhitzer für Entlausungszellen laut Bestellung des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamts Berlin.

Die Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Lublin bittet, den Versand sofort nach Erhalt der Frachtbriefe vorzunehmen, da obenstehendes Material hier dringend benötigt wird«[358].

Die erhaltenen Dokumente erlauben keinen Rückschluß darauf, für welche Entlausungszellen diese zehn Lufterhitzer bestimmt waren. Man weiß lediglich, daß im Frauenkonzentrationslager (FKL) weitere zwei Entlausungsbaracken vorgesehen waren. Ihr Bau war am 29. Oktober 1942 vom Chef der Amtsgruppe C des SS-WVHA, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Kammler, angeordnet worden. Das FKL sollte »im Gelände des Bekleidungswerkes der Waffen-SS Lublin« entstehen[359]. Bauwerk IX des FKL sollte diese beiden Entlausungsbaracken enthalten, deren Kosten auf 45.000 RM veranschlagt worden waren[360]. Das Projekt stieß auf ernstliche Schwierigkeiten und blieb rund neun Monate lang auf dem Papier stehen. Der Leiter der Zentralbauleitung schickte dem SS-Wirtschafter der SS- und Polizeiführer im Generalgouvernement den »Rahmenantrag für die Errichtung eines F.K.L.« in der Tat erst am 10. Juli 1943 zu[361]. Von den diesem Brief beigelegten Dokumenten sind bloß zwei erhalten. Die »Bauanzeige A« definiert den Zweck des Lagers als »Unterbringung von weiblichen Häftlingen, die in Rüstungsbetrieben beschäftigt werden sollen«, und vermerkt die Liste der am 20. November 1942 vom Leiter der Zentralbauleitung festgelegten Bauwerke, einschließlich des Bauwerks IX mit »2 Entlausungsbaracken«[362]. Der »Erläuterungsbericht zur Errichtung eines F.K.L. für 5.000 Häftlinge in Lublin« enthält eine genaue Beschreibung der einzelnen Bauwerke. Bezüglich des BW IX heißt es da:

»Bauwerk IX - 2 Entlausungskammern.

Zur Entlausung der ankommenden Häftlinge und zur Sauberhaltung der Kleidungsstücke werden 2 RAD-Baracken aufgestellt und in Entwesungskammern unterteilt. Die Apparatur wird durch das Amt B II zur Verfügung gestellt, muß aber von hier bezahlt werden. Die Fundierung erfolgt durch Pfahlrost. Die Außenwände werden analog den anderen Baracken hergestellt«[363].

Es ist also sicher, daß die 10 erwähnten Lufterhitzer nicht für das FKL bestimmt waren. Laut Zofia Murawska wurde dieses am 1. Oktober 1942 auf dem Feld V des Lagers Majdanek eröffnet; zwei Monate später wurden die dort internierten Frauen in das neue FKL überstellt, welches ca. 500 m von Majdanek auf dem Flugplatz im Bau begriffen war, doch am 22. Februar 1943 wurden sie abermals und diesmal endgültig nach Majdanek verbracht[364]. Es ist durchaus möglich, daß die Baracke 28 des Zwischenfelds I in eine Entwesungsanlage für eben dieses FKL umgewandelt wurde; in diesem Fall hätte sie die beiden Entlausungsbaracken ersetzt, die im Projekt des Flughafenlagers vorgesehen waren. Denkbar ist auch, daß sie für diese Entwesungsanlage in kleinere Lokale unterteilt worden ist und daß die 10 Lufterhitzer für diese bestimmt waren; allerdings deutet die Beschreibung der Polnisch-Sowjetischen Kommission, insbesondere die von dieser angefertigte Zeichnung der Anlage[365], mehr auf eine Trockenanlage für die Wäscherei als auf eine Entlausungsanlage hin. Die Lufterhitzer waren nämlich nur mit einem einzigen Rohr mit den jeweiligen Lokalen verbunden, was heißt, daß sie nicht zur Zirkulierung von Heißluft, sondern zu deren ständiger Einleitung konzipiert waren: die Heißluft trat aus dem Lufterhitzer ein und durch die kleine Öffnung in der Decke aus. Der luftdichte Deckel[366] diente dazu, die heiße Luft während des Stillstands der Lufterhitzer länger in den Lokalen zu halten, beispielsweise zum Trocknen von Kleidern bei Nacht. Diese Deutung wird teilweise von der Polnisch-Sowjetischen Kommission bestätigt, welche auf dem von ihr entworfenen Plan von Majdanek die Baracke, in welcher sich die Gaskammern V und VI befanden, als »suschilka« - Trockenanlage - bezeichnete.

Z. £ukaszkiewicz hat eine undatierte Zeichnung mit dem Titel »Projekt der Be-, Entwässerung- und Hydrophoranlage in dem Gebäude der Gasanlage in Lublin« veröffentlicht[367], auf der acht »Gaskammern für Cyklon-Blausäure« und sechs »Gaskammern für Ventox« zu sehen sind[368]: außerdem erkennt man darauf eine Vorrichtung zur Herstellung von Heißwasser. Das von der Firma Ludwig Rechkemmer in Warschau für die »Zentral-Bauinspektion der Waffen-SS u. Polizei Lublin«[369] projektierte Gebäude ist niemals verwirklicht worden.

3. Die Verwendung der Gaskammern
zum Zweck der Menschentötung

Im vorhergehenden Abschnitt haben wir dargelegt, daß die Gaskammern von Majdanek im Gegensatz zu den Schlußfolgerungen der Polnisch-Sowjetischen Kommission ausschließlich zu hygienisch-sanitären Zwecken geplant wurden. Freilich wäre es grundsätzlich denkbar, daß sie später zur Massenvernichtung von Menschen umstrukturiert worden sind. Diese Möglichkeit wollen wir in diesem Abschnitt vom historischen und technischen Standpunkt aus untersuchen.

In seiner Antwort auf das Leuchter-Gutachten hat Jean-Claude Pressac eine ausführliche und streckenweise recht scharfsinnige Analyse der Gaskammern von Majdanek geliefert (15), die einen vorzüglichen Ausgangspunkt für die folgende Diskussion darstellt. Pressac bespricht die verschiedenen Räumlichkeiten in der chronologischen Reihenfolge ihres Entstehens. Wir untergliedern seine Argumentation in Abschnitte, die wir nach der in der polnisch-sowjetischen Expertise vorgenommenen Numerierung der Kammern benennen. Folgende Tabelle vermittelt Aufschluß über letztere:

Nummer

Lage und Bezeichnung

Masse

Fläche

Kammer I

Baracke 41, Lokal im SO

4,50 × 3,80 m

17,1 m2

Kammer II

Baracke 41, Lokal im NO

4,50 × 3,80 m

17,1 m2

Kammer III

Baracke 41, Entlausungskammer im Westen

9,27 × 3,80 m

35,2 m2

Kammer IIIa

Baracke 41, Entlausungskammer im Osten

9,27 × 3,80 m

35,2 m2

Kammer IV

Baracke 41, Gaskammer neben der Dusche

 

107,7 m2

Kammer V

Baracke 28, Trocknungsanlage

11,75 × 6,00 m

70,5 m2

Kammer VI

Baracke 28, Trocknungsanlage

11,75 × 6,00 m

70,5 m2

Kammer VII

Krematorium, Lokal zwischen Leichenhalle und Sezierraum

6,10 × 5,62 m

34,9 m2

Zelle 14

Baracke 41, Zelle südlich der Kammern I und III

1,80 × 1,30 m

2,3 m2

a) Die Kammern V und VI und die »ersten Menschenvergasungen«

Zu diesen beiden Kammern bemerkt Pressac:

»Die beiden ersten sogenannten Menschentötungsgaskammern, die in einer Holzbaracke eingerichtet worden sein sollen, lagen auf dem Zwischenfeld (einem Streifen zwischen den Feldern I und II). Sie befanden sich in der Nähe einer Wäscherei sowie des ersten Krematoriums, das gleichfalls in einer Holzbaracke mit betoniertem Boden installiert war und zwei mobile, mit schwerem Öl (Brennöl) geheizten Einmuffelöfen der Berliner Firma H. Kori enthielten [...]. Die beiden Gaskammern sollen teils mit HCN, teils mit CO betrieben worden sein. Anschließend, so heißt es, seien sie in einen Trockenraum für Kleider umgewandelt worden. Heutzutage existiert die Baracke, in der sie sich befanden, zwar noch[370], doch liegt sie abseits der den Touristen vorgeschlagenen Route. Allem Anschein nach haben die Polen dort nie nach Cyanidrückständen gesucht.

In ihrem heutigen Zustand weist die Baracke zahlreiche Fenster auf, was jede Menschenvergasung verunmöglicht hätte. Noch vielsagender sind die Berichte ehemaliger Lagerinsassen, die behaupteten, man habe die einige Dutzend [ungefähre Wiedergabe von »quelques dizaines«] damals täglich zu jenem ersten Krematorium geführten Kranken und ›Muselmänner‹ nicht etwa vergast, sondern durch mit einer Eisenstange geführte Schläge ins Genick liquidiert. Wahrscheinlich haben diese zwei improvisierten Gaskammern zur Entlausung von Kleidungsstücken mit Zyklon B (HCN) gedient. Die Nähe zur Wäscherei stellt ein zusätzliches Argument zur Stützung dieser Interpretation dar«[371].

Bereits im Jahre 1969 hatte Józef Marszałek den Versuch unternommen, diese Ungereimtheiten zu erklären. Sein damaliger Artikel diente Pressac als Grundlage für seine Studien. Marszałek schrieb:

»Es gilt noch das Problem der Lokalisierung des gesamten Kammerkomplexes zu klären. Merkwürdig ist, daß die Kammern mit dem Bad verbunden waren und nicht, wie beispielsweise in Auschwitz-Birkenau, mit dem Bau der Krematorien. Die Kammern beim damaligen Krematorium auf den sogenannten Zwischenfeld I waren ihrem Zweck nicht angemessen, weil es zu viele Zeugen der Menschenvergasungen gab. In der Nähe des Krematoriums befand sich noch die Wäscherei, in der ein zahlenmäßig starkes Kommando arbeitete; auch die auf den Feldern I und II eintreffenden Häftlinge konnten das verbrecherische Treiben der Lagerbehörden genau beobachten. Schließlich konnte die Lokalisierung der Kammern nahe beim Krematorium oder in diesem einen Aufstand der Todgeweihten hervorrufen. Hingegen maskierte die Verbindung mit den Badeanstalten und den tatsächlich als solchen dienenden Entwesungskammern ihre tatsächliche Bestimmung besser. Die Prozedur des Haareschneidens und des Bads vor der Vergasung übte vor allem auf die Neuankömmlinge eine beruhigendere Wirkung aus. Zu eben diesem Zwecke war vor der Eingangstür zum Bad die Aufschrift ›Bad u. Desinfektion‹ angebracht. Der geringe Abstand zwischen den Kammern und dem Krematorium - 150 m - sorgte dafür, daß beim Transport der Leichen zu den Verbrennungsöfen keine größeren Schwierigkeiten auftraten«[372].

Aus diesen an den Haaren herbeigezogenen Erklärungsversuchen[373] zieht Pressac mit Fug und Recht radikale Schlußfolgerungen. Seine - uns völlig logisch erscheinenden - Argumente können durch andere, noch stichhaltigere ergänzt werden.

Zunächst sei hervorgehoben, daß die offizielle Literatur noch nicht einmal die genaue Lager der beiden ersten angeblichen Menschentötungsgaskammern kennt! In seinem oben erwähnten Artikel begnügt sich Marszałek mit dem Hinweis, diese hätten sich auf dem Zwischenfeld I befunden; Näheres erfährt der Leser nicht. In seinem später erschienenen Buch Majdanek greift er die Frage im Abschnitt Die Vergasung der Häftlinge wieder auf:

»Die betonierten Gaskammern in Majdanek, die zur Verwendung von Zyklon B konzipiert waren, wurden im Oktober 1942 eröffnet. Früher hatte man, gestützt auf die in Auschwitz gesammelten Erfahrungen mit der Tötung sowjetischer Kriegsgefangener, in einer improvisierten Gaskammer mit Vergasungen begonnen. Den Beweis dafür liefern die Bemühungen der Lagerverwaltung, Zyklon B zu erhalten. Am 25. Juli 1942 wandte sich die Verwaltung an Tesch und Stabenow, die - als ›Testa‹ abgekürzte - Internationale Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung, welche die Rolle einer Mittlerin bei der Belieferung der Lager mit Giftgas spielte, um 1.474 Büchsen Zyklon B geliefert zu bekommen«[374].

Im umfangreichsten Werk über Majdanek schreibt Czesław Rajca, der sich mit der sogenannten »direkten Ausrottung« der Gefangenen befaßt:

»Zur Zeit der Fertigstellung der aus Zement hergestellten [Gas]Kammern - dies war im Oktober 1942 der Fall - wurden die Häftlinge in einer Gaskammer mit Zyklon B ermordet, welche sich in der Nähe des Bads[375] und wahrscheinlich (prawdopodobnie) in einer Baracke auf dem Zwischenfeld I befand, wo u.a. auch das sogenannte kleine Krematorium lag«[376].

Als Quelle verweist Rajca auf einen Artikel Adela Toniaks über die Zyklonlieferungen an das Lager Majdanek[377], doch steht in eben diesem Artikel auf der angegebenen Seite nichts weiter als der schlichte, durch keinerlei Quellenverweise gestützte Satz:

»Die ersten beiden Gaskammern des Lagers Majdanek wurden im Jahre 1942 auf dem Zwischenfeld I errichtet«[378].

Als einziger hat Z. £ukaszkiewicz die genaue Lage dieser beiden ersten Gaskammern angegeben. Er ortete sie im ersten Krematorium:

»Im Mai 1942 werden zwischen den Feldern 1 und 2 in einer hölzernen Baracke zwei Gaskammern von 10 × 6 × 2 m Größe eingerichtet. Die Kammern sind für den Einsatz von Zyklon B bestimmt. An der gleichen Stelle entsteht im Juni 1942 das erste, provisorische Krematorium, das aus zwei einzelnen Öfen besteht«[379].

Auf dem Lagerplan, der (auf einer unnumerierten Seite) diesem Artikel beigefügt ist[380], wird die mit »J« gekennzeichnete Baracke in der Tat als »stare krematorium i komory« - altes Krematorium und [Gas-]Kammern - bezeichnet.

Diesen Behauptungen geht jede historische Fundierung ab. Wie wir bereits dargelegt haben[381], befand sich das alte Krematorium in einer - später abgerissenen - Baracke südöstlich der Wäscherei, während die beiden angeblichen Menschentötungsgaskammern laut der Polnisch-Sowjetischen Kommission in der Baracke 28 lagen, die nicht südöstlich, sondern nordwestlich der Wäscherei gelegen war. Die auf dem von £ukaszkiewicz veröffentlichten Plan erscheinende Baracke »J« wies niemals dieselben Dimensionen wie die anderen Baracken des Lagers auf, war sie doch nur 15 m lang[382].

Abgerundet wird die Beweisführung, die Pressacs Ansicht stützt, durch ein möglicherweise noch schlagenderes Argument:

Im bereits erwähnten Bericht des Leiters der Zentralbauleitung vom 22. Oktober wird ausschließlich der Bau von »2 Entlausungsbaracken mit Bädern« erwähnt. Bei diesen Baracken handelte es sich, wie erinnerlich sein dürfte, um die Baracken 41 und 42[383]. Dies heißt, daß es noch am 22. Oktober in der Baracke »J« keine Gaskammer gab, und folglich können vor jenem Tag überhaupt keine Vergasungen, auch keine Menschenvergasungen, stattgefunden haben. Falls dort jemals Entlausungskammern eingerichtet wurden, dann erst später.

Was schließlich den ›Beweis‹ Marszałeks anbelangt, so bleibt es ein Rätsel der Schöpfung, wie man aus einer Zyklon B-Bestellung auf das Vorhandensein einer Gaskammer zur Menschentötung schließen kann.

b) Die Kammern I-III

Zu diesen Räumlichkeiten führt Pressac folgendes aus:

»Der aus drei Menschentötungsgaskammern bestehende Block in der nordöstlichen [richtig: nordwestlichen[384]] Verlängerung der Sektion ›Bad und Desinfektion I‹ hat innere und äußere Modifizierungen erfahren, die man rekonstruieren muß, um seine Anordnung und seine späteren Funktionen zu begreifen.

Im August 1942 wurde der Bau begonnen und im September oder Oktober desselben Jahres abgeschlossen. Der Block, dessen vorgesehene Maße 10,60 × 8,64 × 2,40 m betrugen, sollte zwei Kammern zur Vernichtung von Ungeziefer enthalten. Nach der Fertigstellung maßen sie im Inneren jeweils 9,2 × 3,62 × 2,05 m, was ein Volumen von 73 m3 ergibt[385]. Vorgenommen wurde die Entwesung mit trockener Heißluft, welche man mit zwei von der Ludwigshafener Firma Theodor Klein zum Gesamtpreis von 1.400.- RM gelieferten Öfen erzeugte. Der eine wurde längs der Nordwand [richtig: Ostwand] des Blocks aufgestellt und erhitzte das erste Lokal (das auf der Begleitskizze willkürlich als ›Lokal A‹ bezeichnet wird)[386]. Der andere wurde längs der Südwand [richtig: Westwand] installiert und diente zur Erhitzung des zweiten Lokals (›Lokal B‹ genannt). Die erzeugte Temperatur betrug 120 Grad Celsius (was der Normaltemperatur für eine Entwesung in Autoklaven entspricht), was bedingt, daß sie mittels eines Thermometers überprüft wurde. Mittels Ventilatoren (je einem pro Ofen) wurde die heiße Luft ins Innere der Räumlichkeiten getrieben.

Der Block lag auf Erdhöhe. Seine Mauern bestanden aus Ziegelstein, der Fußboden aus Zement und die Decke aus Beton. Jedes der beiden Lokale A und B wies am Östlichen [richtig: nördlichen] sowie am westlichen [richtig: südlichen] Ende je zwei schwere, dichte, mit Guckloch ausgestattete Eisentüren auf. In den westlichen [richtig: südlichen] Türen war zudem eine Öffnung angebracht, in die man zwecks Kontrollieren der Temperaturentwicklung ein Thermometer stecken konnte. Geliefert worden waren die Türen von der Berliner Firma Auert. Der Block sowie die nordöstlichen [richtig: nordwestlichen] Ausläufer der beiden Baracken ›Bad und Desinfektion‹ wurden durch ein großes, in 4 oder 5 m Höhe befindliches Flugdach von 60 × 18 m Fläche vor der Witterung geschützt. Zu jenem Zeitpunkt diente die Einrichtung zu gar nichts anderem als zur Entwesung von Kleidern mittels 120 Grad Celsius heißer Luft, die eine halbe Stunde lang eingelassen wurde. Das Flugdach ermöglichte es, Kleider zwischen dem Block und den beiden Baracken hin- und herzutragen, ohne daß sie dem Regen oder Schnee ausgesetzt wurden. In ihrem damaligen Zustande kann man die Lokale A und B mit zwei riesigen Autoklaven vergleichen.

Da entweder das Berühren der nach einem Entwesungszyklus noch glühend heißen Türen sicherlich Schwierigkeiten nach sich zog, oder die Öfen nicht die gewünschte Temperatur erzeugten, gab man diese Technik auf und ersetzte sie durch die Kleiderentwesung mittels Zyanwasserstoffgas (Zyklon B). Der Mechanismus der Öfen wurde vereinfacht, um sie der neuen Methode anzupassen, denn dreißig Grad Celsius reichten aus, um die Verdampfung des Zyanwasserstoffgases zu bewirken. So montierte man die Ventilatoren ab[387]. Die Zyklonscheiben oder -granulate wurden von einem Mann mit Gasmaske auf den Boden der Lokale gelegt, worauf man die Türen schloß. Nachdem das Produkt seine Wirkung getan hatte, wurde die Ventilation der Räume auf natürlichem Wege durch Öffnen der Östlichen [richtig: nördlichen] sowie der westlichen [richtig: südlichen] Türe bewerkstelligt, was einen Luftzug auslöste. Das Bedienungspersonal mußte sich dann entweder bis zur vollständigen Lüftung vom Gebäude entfernen, oder aber es nahm seine Arbeit mit aufgesetzter Gasmaske wieder auf, sobald sich die Gaskonzentration hinreichend verdünnt hatte. Daß die Lokale A und B zur Entwesung durch HCN benutzt wurden, läßt sich durch das Phänomen der ›blauen Wände‹ (Preußischblau) mühelos nachweisen. Die Intensität der Färbung ist noch größer als bei den Entlausungsanlagen BW 5 und 6 von Birkenau, weil heiße Luft direkt in die Lokale eingelassen wurde (und diese nicht nur, wie es in Birkenau der Fall war, innen geheizt wurden). Die bläuliche Verfärbung hat auf alle Trennwände des Lokals A sowie einen Teil jener des Lokals B übergegriffen«[388].

Pressacs Interpretation ist historisch unfundiert: Wie wir im vorhergehenden Abschnitt gesehen haben, waren die Entlausungskammern der Baracke 41 von Anfang an »nach dem System der Blausäure-Entwesung« konzipiert, so daß niemals eine Umformung von Blausäureanlagen in Heißluftanlagen stattgefunden hat; wenn es je eine Umgestaltung gab, dann höchstens in umgekehrter Richtung. Auf diese Frage gehen wir später noch ein.

J.-C. Pressac fährt fort:

»Eine letzte Umformung des Blocks führte zur Schaffung von Gaskammern, in denen Menschen mit Kohlenmonoxid umgebracht wurden. Es kann nicht der leiseste Zweifel daran bestehen, daß diese Vorrichtung verbrecherischen Zwecken diente, denn CO ist zwar für Warmblüter - also auch für den Menschen - tödlich, für die Bekämpfung von Läusen jedoch gänzlich unbrauchbar.

Lokal B wurde in zwei gleiche Räume untergliedert, die ich B1 und B2 nenne. Nur B1 besaß ein System zur Einleitung von CO. Es besteht aus einer durchlöcherten Metallröhre, die 30 cm über dem Fußboden längs drei Seiten des Raums verläuft. Sie war anfänglich mit einer Stahlflasche verbunden, die flüssiges Kohlenoxid enthielt. Ein äußerer Nebenraum wurde in der Mitte der westlichen [richtig: südlichen] Seite des Blocks angebracht. Er enthielt zwei CO-Flaschen - die zweite für Lokal A [= Kammer III] - sowie ein durch ein Gitter geschütztes gläsernes Guckloch. Die Vergasung der Opfer konnte man ausschließlich in Raum B1 verfolgen. In Raum B2 wurde keine entsprechende Vorrichtung angebracht. In der Decke der beiden auf diese Weise neu entstandenen Kammern brachte man jeweils eine Öffnung an. Der Ofen, der den früheren Raum B [= Kammer III a] geheizt hatte, war nun zu nichts mehr nutze; er wurde versetzt und neu an der Südmauer [richtig: Ostmauer] des Raums C angebracht. Daß Raum B erst nach seiner Verwendung als Zyklon B-Gaskammer unterteilt worden ist, läßt sich den blauen Flecken entnehmen, mit denen seine Wände übersät sind und von denen einer durch die Trennwand in zwei Hälften zerteilt wird. Die Trennwand selbst weist keine Blaufärbung auf.

Was nun das Lokal A betrifft, so enthielt auch dieses eine Vorrichtung zur Verbreitung von CO; das Kohlenoxid entströmte der zweiten, im Außenraum befindlichen Stahlflasche. Die Einrichtung besteht aus einer Röhre (mit geringerem Durchmesser als jene im Raum B1), die 30 cm über dem Fußboden längs der Südwand [richtig: Ostwand] verläuft. Das Gas strömte an beiden Enden der Röhre durch die durchlöcherten Metallplatten, die in den Ecken des Raums angebracht sind. In der Decke wurde keinerlei Öffnung angebracht, und vom Nebenraum aus konnte man nicht in dieses Lokal blicken.

Ob die Räume A, B1 und B2 als Blausäurekammern zur Menschentötung verwendet worden sind, ist eine schwer zu entscheidende Frage, die offen bleiben muß. In den Räumen B1 und B2 sollen die Zyklongranulate durch die in der Decke angebrachten Öffnung geschüttet worden sein. Soweit ich informiert bin, hat kein Zeuge jemals behauptet, er habe einen SS-Mann mit einer Leiter auf das Dach steigen sehen. Die Lüftung der beiden je 36 m3 messenden Räume dauerte mangels anderer Öffnungen als jener in der Decke sowie der Türe, aber auch aufgrund des Fehlens einer künstlichen Ventilation, zwangsläufig lange.

Im Raum A stößt die Einführung des Zyklon B auf Schwierigkeiten, die ein Historiker des Majdanek-Museums wie folgt charakterisiert hat: ›Man warf das Zyklon nicht durch eine Öffnung in der Decke wie in der vorhergehenden Kammer [B1], weil es keine solche Öffnung gab, sondern vor der Schließung der Türen durch deren Spalt.‹ Es ist offen gesagt unrealistisch, sich einen SS-Mann vorzustellen, der, mit aufgesetzter Gasmaske und einer Zyklon B-Dose in der Hand, die Granulate in einen Raum von 30 cm zwischen den Köpfen der Opfer und der Decke schleuderte (wobei Gefahr bestand, daß die Granulate vor der Gaskammer auf den Boden fielen) und anschließend versuchte, die Tür zuzuschlagen, ohne daß diese Operation zu einem verzweifelten Ausbruchsversuch der Todgeweihten geführt hätte.

Aus den genannten Gründen glaube ich nicht daran, daß Lokal A zur Menschentötung mit Zyklon B dienen konnte. In den Räumen B1 und B2 scheint dies zwar technisch möglich, doch ist es unwahrscheinlich, daß die Lokale wirklich zu diesem Zwecke genutzt worden sind. Es macht vielmehr den Eindruck, daß die SS über zwei verschiedene CO-Gaskammern (A und B1) verfügen wollte, die für unterschiedlich große Opfergruppen dienten: Kammer A (36 m2) für Gruppen von 250 bis 350 Personen, Kammer B1 (18 m2) für solche von 125 bis 175 Personen. Diese Zahlen sind wiederholt von Überlebenden genannt worden, welche die Stärke der in die Gaskammer geschickten Transporte angaben. Schließlich dienten die Öffnungen in der Decke der Räumlichkeiten B1 und B2 wohl eher zur Beschleunigung der Lüftung als zum Einschütten von Zyklon. Diese Deutung gilt nur für B1. B2 scheint bei der Einteilung des Blocks zu menschenmordenden Zwecken nur eine passive Rolle als ›toter Raum‹ gespielt zu haben, trotz der Öffnung in der Decke.

Bei der Befreiung des Lagers wurde das Flugdach, welches den Block schützte, teilweise beschädigt. Der Nebenraum war leer. Anfangs stapelte man dort Zyklon B-Büchsen, um den Anschein zu erwecken, deren Inhalt habe in die Röhre des Raums B1 (statt durch die Deckenöffnung) geschüttet werden können. Fünf stählerne CO-Flaschen wurden im Lager vorgefunden. Nach einer chemischen Analyse ihres Inhalts wurden zwei davon im Nebenraum abgestellt«[389].

Rekapitulieren wir kurz: Pressac hält die Verwendung von Zyklon B zur Menschentötung zwar theoretisch für möglich, schließt sie praktisch aber für Kammer III aus und hält sie im Fall der Kammern I und II für »unwahrscheinlich«.

Auch hier kommen wir nicht umhin, uns den Darlegungen des französischen Historikers anzuschließen, und wir fügen ein weiteres Argument an: Hätten die Lagerbehörden die beiden Entlausungskammern auch - wenn nicht ausschließlich - zur Ermordung von Menschen benutzen wollen, so hätten sie in beiden Lokalen eine Öffnung zur Einführung von Zyklon B angebracht. Andererseits schließt das Fehlen einer Öffnung die Nutzung der Kammer III zu solchen Zwecken aus den von Pressac genannten Gründen aus. In den Kammern I[390] und II[391] sind die bestehenden Öffnungen dermaßen klein (26 × 26 bzw. 29 × 33 cm), daß sie im Gegensatz zu Pressacs Ansicht schwerlich zur Beschleunigung der Lüftung dienen konnten. Zudem wurden sie auf ausgesprochen plumpe Weise durch die Decke gebrochen, besonders in der Kammer II, wo noch nicht einmal ein hölzerner Rahmen vorhanden ist. Alles weist darauf hin, daß die Öffnungen in aller Hast für die Polnisch-Sowjetische Kommission angebracht worden sind.

Von allergrößtem Interesse ist die folgende, von Constantino Simonov, einem Korrespondenten der sowjetischen Armeezeitung Roter Stern, der Majdanek gleich nach der Befreiung besucht hat, stammende Schilderung der Kammer I:

»Doch Öffnen wir die folgende Tür und treten wir in die zweite Entwesungskammer ein, die bereits nach ganz anderen Kriterien errichtet ist. Es handelt sich um ein viereckiges Lokal, nicht viel mehr als zwei Meter hoch und von ca. 6 × 6 m Fläche. Die Wände, die Decke, der Fußboden - alles besteht aus grauem, monotonem Eisenbeton. Kein Gestell für die Kleidung, wie wir es im vorhergehenden Lokal gesehen haben: Hier ist alles nackt und leer. Eine einzige, große Tür aus Stahl schließt den Eingang des Raums hermetisch ab; sie wird mittels starker stählerner Riegel von außen geschlossen. In den Wänden dieser Eisenbetonkrypta befinden sich drei Öffnungen: Bei zweien davon handelt es sich um von außen kommende Röhren, bei der dritten um ein Bullauge, ein viereckiges Fensterchen, mit einem großen, dicken Stahlgitter versperrt, solide im Eisenbeton verankert. Das dicke Glas ist auf der Außenseite angebracht, damit man es durch das Gitter nicht erreichen kann«[392].

C. Simonov hatte eben die Baracke 42 verlassen, die er wie folgt beschreibt:

»Dann kommen die Kammern, wo man die den Häftlingen abgenommenen Kleider entweste. In der Decke sind Röhren angebracht, durch welche man das Entwesungsmittel einführte. Diese wurden dann blockiert, die Türen wurden hermetisch abgeschlossen, und man ging zur Entwesung über. In der Tat waren die aus Holzbrettern bestehenden Barackenwände sowie die nicht mit Blech verkleideten Türen viel zu wenig solide gebaut, um zu etwas anderem als zur Entwesung von Kleidung dienen zu können«[393]. [Hervorhebung von uns.]

Wenn Simonov also die Öffnungen in der Decke der Entlausungskammern in Baracke 42 erwähnt, nicht jedoch die Öffnung in Kammer I, die er unmittelbar anschließend betrat, kann dies nur heißen, daß es jene Öffnung damals noch nicht gab.

Fassen wir zusammen: Die Entlausungskammern der Baracke 42, die anerkanntermaßen ausschließlich zur Desinfektion von Kleidungsstücken dienten, besaßen in der Decke Öffnungen zum Einschütten von Zyklon B, obgleich solche gar nicht unerläßlich waren (man hätte die Granulate auch einfach auf den Boden legen können). Hingegen waren die Gaskammern I und III der Baracke 41, die angeblich nur zum Ziel der Menschentötung genutzt wurden, mit keinerlei Zykloneinführungsöffnungen in der Decke ausgestattet, obschon solche völlig unabdingbar gewesen wären!

Als nächstes gilt es die angebliche Umformung der Kammern I und III in CO-Menschentötungsgaskammern zu untersuchen. Pressac hegt keinerlei Zweifel an deren Nutzung zu kriminellen Zwecken, doch seine Gewißheit entspringt einer reinen Hypothese - eben der, daß die Einrichtung tatsächlich für CO gebraucht wurde. In Tat und Wahrheit wird von der Polnisch-Sowjetischen Kommission aufgestellte Behauptung, daß die Räume für CO-Menschenvergasungen genutzt wurden, durch keinen einzigen Beweis gestützt. Ganz im Gegenteil sprechen zwei Argumente dagegen; das erste beruht auf einer Zeugenaussage, das zweite auf materiellen Fakten.

Erstens gab es unmittelbar nach der Befreiung des Lagers, wie Pressac zu Recht unterstreicht, in der Zelle vor den Kammern I und III keine Flaschen, sondern nur Zyklon B-Dosen. Diese waren von den eben befreiten Häftlingen dorthin geschafft worden, um den Eindruck zu erwecken, in diesen Räumlichkeiten seien Menschen durch Eingießen von Zyklon B in die Röhren umgebracht worden. Darauf kommen wir im Absatz 4 noch ausführlich zu sprechen; im Moment begnügen wir uns mit dieser Feststellung.

Zweitens wurden später zwei der fünf von den Sowjets in Baracke 52 vorgefundenen Stahlflaschen in der Zelle 14 aufgestellt. Laut dem Rapport der Polnisch-Sowjetischen Kommission hatten diese fünf Flaschen CO enthalten, doch die beiden Flaschen, die sich gegenwärtig in der Zelle befinden, tragen in die eingekerbte Aufschrift »CO2«, also Kohlendioxid[394]. Es ist allgemein bekannt, daß es sich bei Kohlendioxid um keine giftige Substanz handelt.

Diese nackten Fakten erlauben zwei wichtige Schlußfolgerungen: Wenn zwei der fünf CO-Flaschen in Wirklichkeit CO2 enthielt, liegt erstens der Verdacht nahe, daß die Polnisch-Sowjetische Kommission hier - wie auch in einer Reihe anderer Punkte - geschwindelt hat[395]. Zweitens existiert, selbst wenn die anderen Flaschen tatsächlich CO enthielten, immer noch kein Beweis dafür, daß die betreffenden Einrichtungen wirklich für CO anstatt CO2 benutzt worden sind. Dies alles reicht schon aus, um die behauptete verbrecherische Nutzung dieser Installationen nachhaltig in Frage zu stellen.

Der von der Kommission im Arsenal von Chemikalien vorgefundene Auer-Filter entspricht sehr genau der Beschreibung für einen CO-Filter, sowohl hinsichtlich seiner Größe als auch bezüglich der Lagerung. Ein Fachmann auf diesem Gebiet schreibt hierzu:

»Ein weitverbreiteter Mangel der verschiedenen entworfenen Filter gegen Kohlenoxid liegt in der merklichen Hygroskopizität der adsorbierenden Substanzen: Dies führte zur Modifizierung der Verteilung der filtrierenden und adsorbierenden Stoffe in den Filtern, zu ihrer beschränkten Verwendungsfähigkeit in feuchter Umgebung sowie zu strengen Maßnahmen zur Konservierung der Filter selbst, um ihre verfrühte Abnützung infolge der Feuchtigkeit zu verhüten; die Filter werden vor ihrem Gebrauch in hermetisch abgeschlossenen Schachteln aufbewahrt«[396].

Diese rigorosen Maßnahmen scheinen bei dem hier zur Diskussion stehenden Filter voll und ganz durchgeführt worden zu sein, wurde er doch in einer hermetisch abgeschlossenen Metallkiste mit folgender Aufschrift aufbewahrt:

»AUER-Filter Nr. 09903. Nicht nach Juni 1944 zu verwenden. Kann nach der ersten Anwendung zwei Jahre lang benutzt werden. Nicht mehr als 40 Arbeitsstunden. Erste Anwendung:

Datum: Anwendung: Stunden:

von: bis:

Achtung: Nach jeder Benutzung die Schachtel oben und unten gut schließen. Kühl und trocken lagern«. [Rückübersetzung aus dem Russischen; der deutsche Originaltext steht uns nicht zur Verfügung.]

Da die Felder für »Datum«, »Anwendung« und »Stunden« leer waren, darf man annehmen, daß der Filter noch unbenutzt war; der Lagerarzt, der die Verantwortung für die Aufbewahrung des Schutzmaterials gegen Gas trug, hätte den Gebrauch des Filters ohne Eintragung der verlangten Angaben auf der Etikette bestimmt nicht genehmigt.

Andererseits war der CO-Filter polyvalenter Art, schützte er doch auch gegen andere Gase wie Ammoniak, Benzol, Chlor, Phosgen, Schwefeldioxid, Schwefelwasserstoff und Tetrachlorkohlenstoff. Selbst gegen Blausäure konnte er Verwendung finden: Der Degea-CO-Filter konnte 6 Gramm HCN absorbieren, der Dräger-CO-Filter 3,3 Gramm[397]. Somit beweist das Vorhandensein eines solchen Filters keinesfalls, daß er zum Schutz gegen CO gebraucht wurde.

Auch historisch gesehen ist Pressacs Hypothese fehlerhaft. Er meint nämlich, die Installierung der Röhren in den Kammern I und III sei zuletzt erfolgt, nachdem die beiden Lokale zunächst als Heißluft-Entwesungskammern und dann als Zyklon B Entwesungskammern benutzt worden seien. Doch wird die an der Ostwand der Kammer III befestigte Röhre der ganzen Länge nach von intensiv blau gefärbtem Verputz gesäumt[398], als habe sie gewissermaßen als Katalysator für die Bildung von Ferrocyaniden gedient. Kammer I weist hingegen keinerlei Spuren einer Blaufärbung auf; in Kammer II sind nur an der Ostwand, zwischen der Tür und der internen Trennwand in der Mitte sowie am unteren Teil dieser Trennwand selbst blauer Flecken zu sehen, also an der Stelle, wo sich im angrenzenden Lokale die Röhre befindet[399].

Daraus läßt sich schließen, daß in Kammer III HCN nach der Installation der Rohrwerks zum Einsatz gekommen ist, während in Kammer IIIa überhaupt kein solches verwendet wurde: Die Berlinerblau-Flecken sind zu klein und finden sich nur an einigen Punkten der Kammer II, so daß wir es hier sicherlich mit dem Phänomen der Diffusion des Berlinerblau zu tun haben, entsprechend jenem, das die Bildung von Ferrocyaniden an der Außenseite der nördlichen Mauer verursacht hat[400]. Kammer IIIa wurde noch vor der Inbetriebnahme der Entwesungsanlage in die Kammern I und II geteilt, was sich daraus ersehen läßt, daß der geplante Lufterhitzer nicht installiert wurde.

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich, daß Pressacs Hypothese von der Nutzung dieser Räumlichkeiten zu verbrecherischen Zwecken von Beginn an von falschen Prämissen ausgeht und auch rein technisch gesehen unerklärlich ist:

Obgleich ihnen zwei wirkliche Blausäuregaskammern zur Verfügung standen, die man durch Anbringen von zum Einführen des Zyklons dienenden Öffnungen in der Decke in Menschentötungsgaskammern umwandeln konnte, sollen die SS-Leute dort schon frühzeitig eine Vorrichtung zur Vergasung mit CO installiert haben - wozu denn bloß? Wenn, wie man uns erzählt, Menschenvergasungen mit Zyklon B in Auschwitz tadellos funktionierten, weshalb mußte man dann in Majdanek zu CO greifen?

Vom technischen Standpunkte aus ist Pressacs Erklärung - die Unterteilung der Kammer IIIa in zwei als Gaskammern dienende Räume, von denen der eine (von 17,1 m2) zur Vergasung von 125-175 Menschen und der andere (von 35,2 m2)zur Vergasung von 250-350 Menschen[401] benutzt worden sei -, schlechthin unsinnig. Nicht nur brachte sie keinerlei Vorteile mit sich - Gruppen von 125 bis 175 Opfern konnten sehr wohl ohne nennenswerte Vergeudung von Gas auch in der größeren Kammer ermordet werden -, sondern sie erschwerte den Vergasungsvorgang ganz erheblich. Einerseits hemmte die Zwischenwand die natürliche Lüftung der Kammern I und II, die nach einer Öffnung der einander gegenüberliegenden Türen erfolgt wäre. Andererseits wurde Kammer II, wie Pressac selbst einräumen muß, dadurch zum »toten Raum« degradiert.

Das kleine Fenster in der Südwand der Kammer I wirft weitere, unlösbare Probleme auf. Im gegenwärtigen Zustand wird es durch ein Gitter verriegelt, besitzt jedoch keine Vorrichtung zur hermetischen Abschließung[402]. Nach der Befreiung des Lagers war es, wie Simonov sowie die Polnisch-Sowjetische Kommission berichten, auf der Seite des Beobachters in Zelle 14 mit einer Scheibe versehen. Falls dies zutrifft, war die Scheibe nicht von Anfang an eingebaut, sondern lediglich ins Fensterchen eingeschoben, denn dieses weist kein Spur eines festen Rahmens oder von Fixierungsklammern für einen solchen auf. Somit war die Scheibe nicht nur nicht hermetisch abschließbar, sondern auch herausnehmbar. Außerdem konnte sie, da die Mauer nur etwa 40 cm dick ist, von den Opfern leicht eingeschlagen werden; das Gitter ermöglicht es nämlich, die Hand hindurchzustrecken. Zu guter Letzt begreift man, wenn das Fenster zur Beobachtung der zur Vergasung Bestimmten diente, nicht, weswegen es zwar für Kammer I, nicht aber für Kammer III erforderlich gewesen sein soll.

Wir können den Einsatz von CO also ruhigen Gewissens ausschließen. Somit bleibt noch zu erklären, weshalb die Abänderung überhaupt vorgenommen worden ist. Mangels Dokumenten muß man sich mit einer anderen Hypothese begnügen, die freilich ungleich plausibler ist als jene Pressacs. Gestützt auf die Tatsache, daß die beiden Flaschen CO2 enthielt, und unter Berücksichtigung des Zeitraums, in dem die Umgestaltung von sich ging, scheint folgende Erklärung am wahrscheinlichsten:

Ab Juli 1942 stieg die ›natürliche‹ Sterblichkeit im Lager stetig an, so daß im September bereits 2.431 Todesfälle zu verzeichnen waren; im Oktober schnellte die Zahl nochmals hoch und betrug nun 3.210[403]. Das damals existierende »alte Krematorium« besaß nur zwei (ölbetriebene) Öfen, welche die ständig wachsende Zahl von Leichen nicht mehr zu bewältigen vermochten. Dazu kam der Mangel an Brennöl, der, wie SS-Oberscharführer Erich Mußfeldt, Leiter des Krematoriums, berichtet hat, schließlich zu dessen Schließung im November 1942 geführt haben soll; dieser Angabe widerspricht freilich der Krone-Rapport, laut dem die Anlage im Januar 1943 noch in Betrieb war[404]. Übrigens war die Leichenhalle, das Bauwerk XIV[405], eine halbunterirdische Baracke von bescheidener Größe, betrugen ihre Ausmaße doch lediglich 11,50 × 6,50 m[406], so daß sie nur eine begrenzte Zahl von Leichen bergen konnte. In dieser bedrohlichen Lage entschied sich die Zentralbauleitung, die Entwesungsanlage neben der Baracke 41 in zwei zusätzliche Leichenkammern umzuwandeln, von denen die eine (Kammer III) provisorischen und die andere (Kammer I) permanenten Charakter trug. Dank den an zwei CO2-Flasche angeschlossenen Röhren konnten beide Räume abgekühlt werden[407], und zwar auf die gewünschte Temperatur[408]. Außerdem hat CO2 die Eigenschaft, Oxidationsprozesse und damit auch das Einsetzen der Verwesung bei Leichen erheblich zu verzögern.

Wenn die Notwendigkeit zur Verwendung als provisorische Leichenhalle nicht bestand, konnte Kammer III wieder ihrem ursprünglichen Zwecke zugeführt werden, der Blausäure-Entwesung, von welcher der Streifen Ferrocyanidpigment an der Ostwand längs der gesamten Röhre beredtes Zeugnis ablegt.

Was nun das Fensterchen in der Südwand der Kammer I anbelangt, so konnte dieses, da die Glasscheibe ja herausnehmbar war, zur Erleichterung der Lüftung des Lokals dienen, wenn man die Leichen fortschaffen mußte. Doch beweist nichts, daß es zum Zeitpunkt der Installation der Röhren in Kammer I und III bereits bestanden hat. Da mit der Eröffnung des neuen Krematoriums im Januar 1944 Kammern I und III ihre Hilfsfunktion als Leichenkammern einbüßten, wurde ihnen zweifellos eine neue Aufgabe zuteil. Kammer III wurde in Anbetracht des chronischen Mangels an Zyklon B wahrscheinlich als Heißluftentwesungskammer eingesetzt, wobei der damit verbundene Lufterhitzer zum Einsatz kam. Kammer I könnte als Depot für Material genutzt worden sein, das man visuell überwachen mußte, also z.B. Waffen und Munition.

c) Kammer IV

J.-C. Pressac schreibt:

»Die sechste Gaskammer (mit C bezeichnet) liegt in der Baracke ›Bad u. Desinfektion I‹, die in erster Linie zum Duschen diente. Das Lokal C befindet sich im äußersten Nordosten [richtig: Norden] des Gebäudes neben dem Brauseraum. Diese Nähe hat in den fünfziger und sechziger Jahren zu einer bedauerlichen Verwirrung geführt, weil damals der Brauseraum selbst oft als Menschentötungsgaskammer vorgestellt wurde, bei dem das Gift den Brauseköpfen entströmt sei. Lokal C weist eine Fläche von 75 m2, eine Höhe von 2,90 m sowie ein Volumen von 217 m3 auf. Es wurde durch zwei dichte, hölzerne Türen geschlossen (das Modell glich jenem der in Auschwitz-Birkenau benutzten Zellen). Es wies in der Decke zwei Öffnungen auf; zwei weitere solche befanden sich in seiner Südwand [richtig: Ostwand], wo auf Kopfhöhe ein festes Fensterchen den Raum erleuchtete. Nach der Umgestaltung des Entlausungsblocks in zur Menschentötung dienende Gaskammern wurde der Ofen des Raums B für Raum C bestimmt und an der Südwand [richtig: Ostwand] installiert. Daß Raum C intensiv zur Entlausung mit Blausäure genutzt worden ist, geht aus der ungewöhnlich starken Blaufärbung seiner Wände hervor.

Die Nutzung dieses Lokals zum Zwecke der Menschentötung ist nur unter zwei Möglichkeiten denkbar: Entfernung des Fensterchens, das die Opfer sofort eingeschlagen hätten, und Einbau einer mechanischen Lüftung. Nach einer Entlausungsaktion konnte die Öffnung der beiden Türen einen Luftzug bewirken, welcher gasförmiges Gift in andere Teile der Baracke geweht hätte. Daher war es unabdingbar, die zum Duschraum führende Türe geschlossen zu halten. Wäre die Lüftung nur zwischen den beiden oberen Öffnungen und der Tür erfolgt, so hätte sie lange gedauert und wäre ineffizient gewesen. Wenn man beide Türen geschlossen hielt, konnte man den Raum lüften, indem man (mit dem Ventilator des Ofens) Heißluft hineinpumpte. Das Cyanidwasserstoffgas wurde so leichter als die Luft und konnte durch die beiden Öffnungen in der Decke entweichen, worauf es sich in der Atmosphäre verflüchtigte. Nach kurzer Zeit war die Restkonzentration an HCN so niedrig, daß man die beiden Türen gefahrlos Öffnen konnte, wonach der dadurch entstehende Luftzug die letzten Spuren des Gifts verwehte und das Lokal abkühlte. Lokal C diente somit als Kleiderentlausungsanlage.

Zur Menschentötung hätte es die ›leistungsfähigste‹ Gaskammer werden können, hätte man das Fenster entfernt. Die Frage, ob dieses zum Zeitpunkt der Befreiung Majdaneks bestanden hat oder nicht, entscheidet darüber, ob das Lokal zur Menschenvergasung dienen konnte; da ich die Antwort darauf nicht kenne, muß ich mir mein Urteil vorbehalten«[409].

Wie wir im vorhergehenden Abschnitt gesehen haben, war Baracke 41 als schlichte »Pferdestallbaracke mit Brausebadanlage« entstanden und hatte auch am 1. Juli 1942 immer noch dieselbe Funktion inne. Vergleicht man einen Plan ihres Endzustandes mit dem ursprünglichen Plan der Baracke 42 (»Prov. Entlausungsanlage K.G.L. Lublin« vom 31. März 1942), so kommt man zum Schluß, daß erstere anfänglich bis auf den der Entlausung dienenden zentralen Teil spiegelbildlich zu ersterer geplant war und (von Nord nach Süd) folgende Bestandteile enthalten sollte: Windfang/Eingang, Anmeldung, Scherraum, Auskleideraum, Brausebad, Ankleideraum, Windfang/Ausgang. Dies wird auch dadurch bestätigt, daß die vier Hauptsektoren der beiden Gebäude - Eingang/Auskleideraum, Brausen/Kleiderausgabe, Kesselhaus, Ankleideraum - praktisch dieselben Maße aufweisen:

Eingang/Brausen/Kesselhaus/Ankleideraum Baracke 42 13,5 m 13,5 m 4,5 m 9,0 m

Auskleideraum/Kleiderausgabe Baracke 41 13,5 m 13,7 m 4,5 m 9,2 m

Ende September oder Anfang Oktober 1942 wurde in Baracke 41 eine Blausäuregaskammer mit Lufterhitzer eingerichtet, der mit der Ostwand verbunden war. Am 22. Oktober waren die Arbeiten abgeschlossen, und das Lokal erhielt die Bezeichnung »Entlausungsbaracke mit Bad«. Als Gaskammer gebrauchte man das Lokal, das vorher als Auskleideraum gedient hatte, ohne freilich allzu große architektonische Modifizierungen vorzunehmen, was beweist, daß es sich um eine provisorische Anlage handelte. So wie sie sich heutzutage präsentiert, besitzt Kammer IV eine sehr irreguläre Form mit zwei auf drei Seiten geschlossenen und deshalb sehr schlecht lüftbaren toten Winkeln sowie einen gleichfalls sehr schwer zu ventilierenden Innenraum. Dieser, dem in Baracke 42 spiegelbildlich der Scherraum entspricht, hätte eine gasdichte Tür besitzen müssen; Tatsache ist, daß er an der Decke und auch auf dem Verputz der Nordwand blaue Flecken aufweist. Solche finden sich auch auf dem Verputz der Südwand, in der Kammer IV. Noch deutlichere blaue Flecken erscheinen schließlich auf dem Verputz der Ostwand, im Windfang.

Wahrscheinlich gab es in dieser Gaskammer Schwierigkeiten mit der Lüftung, denn die Zentralbauleitung beschloß, auf dem Dach einen Ventilationskamin zu installieren, und wandte sich dazu an die uns bereits bekannte polnische Firma Michał Ochnik. Der diesbezügliche Kostenvoranschlag vom 18. November 1942 sah den Bau zweier Schornsteine von 0,75 × 0,75 × 1,70 m Größe mit Aushauen der Betondecke vor. Gemäß der folgenden Rechnung vom 8. Januar 1943 wurde jedoch auf dem Dach der Gaskammer ein einziger Schornstein errichtet, der »von zwei Seiten mittels Zügen« mit »2 Öffnungen in der Betondecke« verbunden war. Es unterliegt keinem Zweifel, daß es sich um eine Be- und Entlüftungsanlage handelte; dies geht schon daraus klar hervor, daß die beiden Öffnungen auf dem Gaskammerdach längs der Verlängerung der Achse des Lufterhitzersaugrohrs angebracht worden sind.

Die Gaskammer war nicht zur Ermordung von Menschen gedacht:

Erstens konnte die Schornsteinanlage, so wie sie in der erwähnten Rechnung der Firma Michał Ochnik beschrieben wird, keineswegs zur Einführung von Zyklon B dienen, weil die HCN-getränkten Granulate auf dem Boden des Kamins gelandet wären, ohne in die beiden parallelen Züge in der Betondecke zu gelangen. Zweitens wird zwar die südliche, gasdichte Tür (jene, die zur Dusche führt) von außen geschlossen[410], die gegenüberliegende, nördliche aber von innen[411]. Dies läuft darauf hinaus, daß der mit dem Ausschütten des Zyklon B beauftragte Desinfektor das Lokal mit aufgesetzter Gasmaske betreten, die Nordtür schließen, das Zyklon aus der Büchse schütten, den Raum durch die Südtür verlassen und sie vom Duschraum aus schließen mußte. Bei Menschenvergasungen wäre ein Öffnen der Nordtür wegen des vor dieser liegenden Leichenhaufens nicht möglich gewesen. Unter Zugrundelegung der von Pressac angenommenen Zahl von Opfern pro Quadratmeter wären in diesem 75 m2 (laut der Polnisch-Sowjetischen Kommission 72,2 m2) großen Lokal 520 bis 729 Menschen aufs Mal vergast worden! - Konnte aber nur eine der beiden Türen geöffnet werden, so verzögerte sich die Lüftung endlos.

Die beiden Öffnungen in der Decke des Raums messen heute ca. 60 × 60 cm (Ostöffnung) [412] bzw. 40 × 40 cm (Westöffnung) [413]. Beide münden in einen Holzschacht, in den ein kleiner, aus Brettern bestehender Kamin eingebaut ist; geschlossen wird er durch einen ebenfalls hölzernen Deckel auf dem Barackendach. Von der Decke des Raums an gerechnet, sind die Kamine ungefähr 1,15 m hoch. Ihr gegenwärtiger Zustand spiegelt (außer hinsichtlich ihrer Größe) das Projekt des Kostenvoranschlags vom 18. November 1942 wider, so daß die tatsächlich verwirklichte Struktur nachträglich abgeändert worden sein muß. Dies ergibt sich auch daraus, daß im Inneren des Raums die Holzrahmen um die Öffnungen die Preußischblauflecken auf dem Deckenverputz unterbrechen. An vielen Punkten um die Rahmen herum wurde der Verputz erneuert, was sich aus seiner schneeweißen Farbe ablesen läßt. Schließlich ist auf den Rahmen auch nicht der geringste Ansatz einer Blaufärbung zu erkennen - ganz im Gegensatz zum Fensterrahmen[414]. Damit ist einwandfrei bewiesen, daß die Rahmen erst zu einem Zeitpunkt installiert worden sind, wo in diesem Raum bereits kein Zyklon mehr eingesetzt wurde. Das Vorhandensein blauer Flecken auf dem Fensterrahmen zeigt hingegen, daß dieses Fenster schon vor der Befreiung des Lagers existierte. Somit ist Pressacs Frage, von deren Klärung er sein Urteil über die Möglichkeit von Menschenvergasungen in diesem Raum abhängig macht, verbindlich beantwortet.

Möglicherweise hängen die geschilderten Modifikationen damit zusammen, daß man den Einsatz von Zyklon B aufgab und die Entlausungsaktionen in Kammer IV mit Heißluft betrieb, wobei man sich des hinter der Ostwand angebrachten Lufterhitzers bediente.

Für diese Hypothese spricht der ständige Mangel an Zyklon B, der dem Lager besonders im Sommer 1943 aufs ärgste zu schaffen machte. Damals wütete nämlich in Majdanek eine verheerende Fleckfieberepidemie, und es brauchte gewaltige Mengen Zyklon »zwecks Desinfektion des Lagers«[415]. Die beschriebenen Modifikationen dürften aller Wahrscheinlichkeit nach in diesen Zeitraum fallen: Da die kargen Zyklonmengen, die dem Lager zugebilligt wurden, zur Entwesung der Baracken Verwendung fanden, wurden die Blausäureentwesungskammern III und IV in Heißluftentlausungskammern umgewandelt.

Die oben aufgestellte Hypothese, mit der die Modifizierung der Kammern III und IIIa erklärt wird, ermöglicht auch eine Deutung für die Einrichtung der Gaskammer IV. Während des Baus der Entwesungsanlage, die eigentlich für das Bauvorhaben Pelz- und Bekleidungswerkstätten vorgesehen war, entschied die Zentralbauleitung, zwei Räume der Anlage als zusätzliche Leichenkammern zu gebrauchen, die eine (Kammer I) als permanente, die andere (Kammer III) als provisorische[416], was bedeutete, daß die ursprüngliche Kammer IIIa nicht mehr für die Zyklon B-Entlausung benutzt werden konnte. Um diesen Verlust wettzumachen und einen Ersatz für die zeitweise nicht verwendbare Kammer III zu finden, wurde in Baracke 41 zu jener Zeit eine andere - provisorische - Blausäureentlausungskammer installiert, deren Fläche weitgehend derjenigen der Kammern III und IIIa entsprach. Vom verwaltungstechnischen Standpunkt aus gehörte diese also zum Bauvorhaben Pelz- und Bekleidungswerkstätten, auch wenn sie sich in einem Gebäude des Bauvorhabens Kriegsgefangenenlager befand. Die Wahl der Baracke 41 für die Installation der Gaskammer war dadurch bedingt, daß man das desinfizierte Kleidergut von ihr aus leicht in den »reinen« Sektor unter das Schutzdach legen konnte, welches sich über der ursprünglichen Entwesungsanlage befand. Dem Bauvorhaben Pelz- und Bekleidungswerkstätten wurde anschließend als definitive Vorrichtung die aus vier Gaskammern bestehende Entwesungsanlage zugeteilt, die bereits am 22. Oktober 1942 geplant und in den beiden Kostenanschlägen vom 7. und 10. November desselben Jahres erwähnt worden war.

Wir erinnern an den Rapport des SS-Hauptsturmführers Krone vom 20. Januar 1943 über die »hygienische Anlage« des Lagers, in welchem Krone festhielt, die vorhandenen Entlausungs-, Desinfektions- und Badeanlagen reichten zurzeit aus, nicht jedoch für die zu erwartende größere Belegung, weshalb demnächst drei größere Desinfektionsanlagen nach Lublin verschickt würden[417].

Dieses Dokument belegt, daß das Interesse der Lagerverwaltung den Entwesungsanlagen galt und nicht irgendwelchen Gaskammern zur Ermordung von Menschen. Dasselbe gilt für den Bericht des SS-Untersturmführers Birkigt, in dem gleichfalls auf die Körperreinigung der Häftlinge sowie die Desinfektionsanlagen eingegangen wurde[417].

d) Kammer VII

Auch hier lassen wir zunächst wieder Pressac zu Worte kommen:

»Die siebte angebliche Menschentötungsgaskammer befindet sich im neuen Krematorium, in dem eine massiver Komplex von fünf Kori-Einmuffelöfen installiert ist, die innerhalb von 24 Stunden etwa 300 (nach offiziellen Angaben 1.000) Leichen pro Tag einäschern konnten[418]. Die stellvertretende Direktorin des [Majdanek-]Museums hat dem Verfasser mitgeteilt, diese Gaskammer sei nur wenig, aber wirklich ganz, ganz wenig verwendet worden, was im Klartext heißt, daß sie überhaupt nicht verwendet worden ist. Die Fiktion wird aufrechterhalten, um die im Volksglauben spukende Vorstellung nicht zu verletzen, in einem Krematorium müsse sich unbedingt eine Gaskammer befunden haben (wie in den Krematorien von Auschwitz-Birkenau).

Ganz abgesehen von dieser verbalen Information wird das Vorhandensein einer Gaskammer in der Beschreibung der inneren Einrichtung des neuen Krematoriums nicht vermerkt, und zwar mit gutem Grund, denn der einschlägige Raum wird auf einem deutschen Plan des Gebäudes als Leichenkammer bezeichnet.

Hätte man in jenem Lokal Menschen mit Zyklon B umbringen wollen, so hätte seine enklavenförmige Lage innerhalb des Gebäudes, zwischen dem Autopsieraum, einem Korridor und der Leichenaufbahrungshalle, zwangsläufig eine künstliche Ventilation erfordert, von der aber keine Spur zu erkennen ist. Geht man von der Hypothese einer natürlichen Ventilation durch den Luftzug aus, so wäre für einen schwer abzuschätzenden Zeitraum eine völlige Evakuierung des Krematoriums vonnöten gewesen«[419].

Pressacs Bemerkungen treffen hier den Nagel auf den Kopf. Dies kann man dem Plan des Krematoriums entnehmen, den die Polnisch-Sowjetische Kommission nach einer Inspektion der Räumlichkeiten angefertigt hat[420], und dies ergibt auch ein Augenschein am »Tatort«. Der »Gaskammer« (»komora gazowa«) getaufte Raum (Kammer Nr. 3) befindet sich tatsächlich zwischen dem Vorsezierraum (Lokal Nr. 6) und der Leichenkammer (Lokal Nr. 4).

Wir fügen unsererseits noch folgende Beobachtungen hinzu:

a) Die Wände des betreffenden Raums weisen nicht die leiseste Spur von Berlinerblau auf;

b) Die durch die Decke gebrochene Öffnung - sie mißt 26 × 26 cm - wurde von der Polnisch-Sowjetischen Kommission nicht erwähnt, während sie diejenigen der Kammern I, II, IV, V und VI sehr wohl einer Erwähnung für würdig befand. Sie wurde nachträglich auf äußerst grobschlächtige Art und Weise angebracht, wobei man sich noch nicht einmal die Mühe nahm, die Rundeisen der Eisenbetondecke abzuschneiden und einen Holzkamin mit Deckel zu installieren[421], wie dies in Kammer IV geschehen ist. Da die Decke 2,2 m über dem Fußboden liegt, hätte sich bei einer Menschenvergasung dieselbe Schwierigkeit beim Einführen des Zyklon B ergeben, wie sie Pressac für Kammer III signalisiert.

c) An der Trennwand zur Leichenkammer sind zwei offene Guckfenster angebracht[422]. Die Polnisch-Sowjetische Kommission hat keinerlei Vorrichtung zu deren Schließung entdeckt, so daß sie sicherlich auch bei der Befreiung des Lagers keine solchen besaßen. Bei Menschenvergasungen wäre das Gas also in die Leichenkammer und in den Verbrennungsraum gedrungen.

Die Kommission wollte im neuen Krematorium um jeden Preis eine Menschentötungsgaskammer vorfinden, denn hätte die Lagerleitung tatsächlich eine Massenausrottung von Häftlingen geplant, wäre der Ablauf Gaskammer-Leichenkammer-Verbrennungsraum am logischsten gewesen. Obgleich die Errichtung des neuen Krematoriums in einen Zeitraum fiel, in dem die Vergasungen angeblich in vollem Gange waren, sah die Verwaltung für dieses Gebäude überhaupt keine Gaskammer vor, weder zur Menschentötung noch zur Entwesung. Und nicht genug damit: Obwohl die Lagerleitung zu einem Zeitpunkt, wo dem Lager laut der polnischen Geschichtsschreibung noch keine Rolle als Todesfabrik zugedacht war, bereits die Installation eines Kori-Ofens mit fünf Muffeln plante, hielt man nach der angeblichen Umwandlung Majdaneks in ein Vernichtungslager am Bau eben dieses Ofens fest und dachte nicht im entferntesten an eine Erweiterung der Kremierungskapazität! Dies beweist schlüssig, daß die Lagerverwaltung keinen gewaltigen Anstieg der Todeszahlen voraussah, den eine Massenvernichtung mit sich gebracht hätte.

In seinem bereits mehrfach zitierten Rapport hat der SS-Untersturmführer Birkigt übrigens die direkte Beziehung des Krematoriums zur sanitären Lage in Majdanek klargestellt, indem er im Hinblick auf dessen Erweiterung zwecks Aufnahme von bis zu 25.000 Häftlingen schrieb:

»Wichtig erscheint es, daß das Revier eine eigene Desinfektionsanstalt erhält und daß nach Möglichkeit auch das Krematorium in den Bereich des Lagerreviers versetzt wird«[423].

4. Die Gaskammern von Majdanek
in der revisionistischen Literatur

Wie wir in der Einleitung festgehalten haben, sind die einzigen Revisionisten, die sich zu den technischen Aspekten der angeblichen Menschentötungsgaskammern von Majdanek geäußert haben, Fred A. Leuchter und Germar Rudolf.

Anläßlich seines Besuchs in Majdanek am 2. März 1988[424] inspizierte Leuchter die Einrichtungen des neuen Krematoriums sowie die »Bad- und Desinfektion I« genannten Vorrichtungen in der Baracke 41. Anschließend verfaßte er sein bekanntes Gutachten, in welchem er zum Schluß gelangte, die erwähnten Installationen seien »ungeeignet, den angeblichen Zweck zu erfüllen«[425], hätten also nicht zum Zweck der Menschentötung Verwendung finden können. Zur Stützung dieser These führte Leuchter eine Reihe von Argumenten an, die Pressac wie folgt beurteilt:

»Hier tritt Leuchters historische Inkompetenz in aller Klarheit zutage. [...]. Nachdem das einzige wissenschaftliche Element seiner Untersuchungen weggefallen ist[426], schwächt Leuchter den Wert seiner Kommentare noch weiter ab, indem er sie auf den gegenwärtigen Zustand der Örtlichkeiten abstützt, ohne die Veränderungen zu berücksichtigen, welche seit der Befreiung an den Gebäuden vorgenommen wurden, um sie vor der schädlichen Auswirkungen der Witterung zu schützen. Leuchter versteift sich auf seine irrigen Berechnungen und läßt die Krematorien explodieren, sobald er die Verwendung von Zyanwasserstoffgas in einer Leichenhalle wittert. Ferner hat er es unterlassen, einen vollständigen Besuch des Lagers zu unternehmen, und einer der drei Gaskammern des Blocks im Nordosten [richtig: Norden] der Baracke 41 (Bad und Entlausung I) keinerlei Aufmerksamkeit gewidmet. Auch hat er es versäumt, das Lagermodell zu studieren, der ihm das Verständnis der ursprünglichen Anordnung der von ihm zu ›begutachtenden‹ Einrichtungen verstanden hätte. Er hat denjenigen der beiden mobilen Kori-Öfen des ersten Krematoriums übersehen, der sich heute in der Baracke 50 der Gedenkstätte befindet. Da Leuchters Bemerkungen zu den Gaskammern und dem neuen Krematorium von Majdanek durch diese Unterlassungen, Irrtümer und Auslassungen beeinträchtigt werden, ist ihnen jede ernsthafte Grundlage abhanden gekommen, so daß sie keinen Wert besitzen«[427].

J.-C. Pressacs kritische Bemerkungen sind durchaus berechtigt. Leuchter behauptet, vom neuen Krematorium seien »die einzigen Teile, die vor dem Neubau vorhanden waren, die Verbrennungsöfen«[425]. In diesem Fall wäre auch die angebliche Gaskammer erst später rekonstruiert worden, was jedoch nicht stimmt. Ferner glaubt er, bei einer Vergasung mit Zyklon B in einem solchen Lokal hätte das Gas »die Öfen erreicht und würde nach Tötung aller Techniker eine Explosion verursacht und das Gebäude zerstört haben«[425], was technisch gesehen unmöglich ist[428].

Die - ohnehin von niemandem behauptete - Möglichkeit einer Verwendung der Baracke 42 zu verbrecherischen Zwecken schließt Leuchter mit folgender Begründung aus:

»Bei Bad und Desinfektion Nr. 2, obwohl geschlossen, konnte eine Inspektion durch das Fenster bestätigen, daß es nur eine Entlausungsanlage war, ähnlich denen von Birkenau«[429].

In Wirklichkeit erlaubt ein Blick durch das Fenster keine solche Schlußfolgerung.

Bei Kammer IV nimmt Leuchter das Berlinerblau an den Wänden und an der Decke zur Kenntnis und stellt die Hypothese auf, es könne sich um einen »Entlausungs- oder Lagerraum für entweste Sachen« gehandelt haben, verwirft aber die Möglichkeit einer Verwendung zur Menschentötung kategorisch[430]. Die zur Untermauerung dieser These angeführten Argumente - Fehlen eines Schornsteins für die Entlüftung, unsachgemäß konstruiertes Luftumwälzungssystem, nicht hermetisch abgedichtete Türen - sind jedoch nicht stichhaltig, denn träfen sie zu, so könnte in diesem Lokal überhaupt kein Zyklon B eingesetzt worden sein, auch nicht zur Entwesung. Dies wiederum widerspricht Leuchters eigener Aussage, daß es sich um einen Entwesungsraum gehandelt haben könnte, und wird auch durch das Vorhandensein der blauen Flecken widerlegt, die eindeutig auf einen intensiven Einsatz von Zyklon B in dieser Kammer hinweisen.

Bei der Besprechung der Kammer III (die er Nr. 1 nennt) führt Leuchter noch trügerische Argumente ins Feld. Obwohl ihm die »charakteristische Eisencyanid-Färbung« der Wände sehr wohl aufgefallen ist[431], behauptet er, diese Kammer sei »nicht für HCN konstruiert« gewesen[432] und schließt nicht nur ihre Nutzung als Menschentötungsgaskammern, sondern sogar als einfache Entlausungskammer aus[433]. Wie soll man aber dann das Berlinerblau an den Wänden erklären? Laut Leuchter konnte Kammer III nicht einmal für Vergasungen mit Kohlenoxid gebraucht werden, weil es notwendig gewesen wäre, »4.000 Teile pro Million (die zum Tode führende Konzentration) bei einem Druck von 2,5 Atmosphären einzubringen«[434]. Dies ist technisch gesehen unsinnig[435].

Im Widerspruch zu seinen eigenen Aussagen schreibt Leuchter an anderer Stelle über den gleichen Raum, dieser sei »für Kohlenmonoxid-Verwendung funktionsfähig«[436].

Für Kammer I (von ihm als Nr. 2 bezeichnet) hält Leuchter Menschenvergasungen mit CO für unmöglich, weil »die Rohrverlegung unvollendet« und »die Luke im Dach nie geöffnet gewesen« sei[437]. Das erste Argument ist unklar, das zweite unfundiert, da das heutige Dach nach Kriegsende errichtet worden ist. - Oberflächlichkeit und Unkenntnis der historischen Ausgangslage kennzeichnen auch die folgenden Bemerkungen über den aus den Kammern I, II und III bestehenden, von einer Abflußrinne für Regenwasser umsäumten Block:

»Ein besonderes Charakteristikum dieses Komplexes ist ein tieferliegender ausgemauerter Gehweg, der die Kammern außen von drei Seiten umgibt. Dies ist vollkommen unvereinbar mit einem intelligenten Umgang mit Gas, weil durchsickerndes Gas sich in diesem tieferliegenden Graben ansammeln und, geschützt vor Windeinwirkung, sich nicht verflüchtigen würde. Dies hätte den gesamten Bereich zu einer Todesfalle gemacht, besonders bei Verwendung von HCN«[438].

In Wirklichkeit ist diese Abflußrinne im Anschluß an eine im Jahre 1965 erstellte technische Expertise des Ingenieurs und Architekten T. Makawski gebaut worden, um die Grundfesten der Entlausungsanlage vor der Feuchtigkeit zu schützen[439]. Man kann von Leuchter natürlich nicht verlangen, daß er dies wußte, doch ist sein Argument auch chemisch und technisch gesehen hinfällig: da HCN sich leicht verflüchtigt, ist nicht einzusehen, wie eine solche Rinne eine Gefahr hätte darstellen können.

Im Gegensatz zu Leuchter hat Germar Rudolf die angeblichen Ausrottungseinrichtungen von Majdanek niemals persönlich aufgesucht, und seine kritische Analyse fußt auf den Fotografien, die wir im Juli 1992 aufgenommen und Rudolf später zur Verfügung gestellt haben. Fünf davon hat er in seinem Artikel veröffentlicht[440]. In seiner »Kritik der Darstellungen«[441] hat er zusätzlich einige anläßlich unseres ersten Besuchs im Lager gemachten Beobachtungen und Entdeckungen schematisch dargestellt, wobei ihm das eine oder andere Versehen unterlaufen ist. Besondere Aufmerksamkeit widmete er der von uns hervorgehobenen nachträglichen Anbringung der zwei Öffnungen im Dach der Kammer IV, der blauen Pigmentfärbung auf dem Rahmen des Fensters im gleichen Raum sowie der Aufschrift »CO2« auf den Stahlflaschen in Zelle 14.

Zu diesen Argumenten fügt G. Rudolf andere hinzu, die jedoch keine Unmöglichkeiten, sondern bloße Unwahrscheinlichkeiten betreffen und gelegentlich historisch unzutreffend sind. So schreibt er:

»J. Marszałek berichtet von dem erfolglosen Versuch der Stadtverwaltung Lublins, die Lagerleitung von Majdanek daran zu hindern, daß das KZ an die Lubliner Stadtgasversorgung angeschlossen wurde. Somit stand dem Lager also das hochgiftige, kohlenmonoxidreiche Stadtgas zu einem Preis von wenigen Pfennig pro Kubikmeter zur Verfügung. Unter diesen Umständen sind Massenvergasungen mit teurem Flaschen-CO unglaubwürdig«.

Hier hat Rudolf sich jedoch offenbar verlesen: Marszałek spricht nicht vom Anschluß des Lagers an die Stadtgasversorgung, sondern an die städtische Kanalisation[442].

Ein Mißverständnis liegt auch folgender Argumentation Rudolfs zugrunde:

»Die Installation von Heißluftkesseln, die angeblich Heißluft von 120 Grad Celsius in die Kammern bliesen, deutet darauf hin, daß es sich bei diesen Räumen um Heißluftentlausungskammern gehandelt hat. Niemand würde in eine Menschentötungskammer CO-Leitungen für den CO-Mord und Heißluftgebläse für den Heißluftmord und zusätzlich Zyklon B-Einwurflöcher für den Blausäuremord einbauen, um mit diesen drei Methoden die Menschen gleich dreierlei Todesarten sterben zu lassen«.

Wie wir in Abschnitt 2 dargelegt haben, wurden die Kammern A und B (= IV und V) nicht etwa als Heißluftentwesungskammern, sondern als Zyklon B-Gaskammern entworfen. Niemand hat je die Behauptung aufgestellt, die beiden mit diesen Lokalen verbundenen Lufterhitzer hätten zur Ermordung von Menschen durch Heißluft Verwendung gefunden; sie dienten vielmehr eindeutig zur Beschleunigung der Verdampfung der Blausäure bei Zyklon B-Entlausungen. Was Kammer III betrifft, so gibt es rein theoretisch keinen Grund, weshalb man eine HCN-Vergasungsanlage nicht durch eine Anlage für CO (oder umgekehrt) ersetzen könnte; außerdem besitzt dieses Lokal kein Einwurfloch.

Zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich ist folgende Hypothese Rudolfs:

»Es gab früher durchaus einige Entlausungsmethoden, bei denen das Giftgas aus Druckflaschen eingeführt wurde (z.B. SO2). Bei solchen Verfahren würde zudem ein Fenster in der Entlausungskammer nicht gestört haben«.

In diesem Fall wäre das wirksamste Flaschengas das T-Gas gewesen, eine in Stahlzylindern abgefüllte und gelieferte Mischung von etwa 10 Teilen Ethylenoxid und 1 Teil Kohlensäure. Der Stahlzylinder konnte gefüllt werden, indem man nach dem von Lenz und Gassner illustrierten Modell[443] erst eine Flasche Ethylenoxid und dann zwei Flasche CO2 benutzte. Da ja zumindest eine Flasche CO2 im Lager vorhanden war, wäre dies auch eine überzeugende Erklärung für die Installierung des Rohrwerks in den Kammern I und III, sprächen nicht zwingende chronologische Gründe dagegen.

Rudolfs wichtigstes Argument ist chemischer Natur:

»Als letztes ergibt sich die Frage, wie die großen Cyanidvorkommen in den Wänden der Räume A und B zu erklären sind, die sich durch die uns schon von den Birkenauer Entlausungskammern bekannte blaue Wandfärbung auch optisch bemerkbar machen, Abbildung 12. Es gibt zwei Möglichkeiten, sie zu erklären:

a)Die Rückstände entstanden durch die wenigen Menschenvergasungen mit Zyklon B, die heute für diese Kammern angenommen werden. Wenn dem so ist, so wären die in Auschwitz fehlenden Rückstände nur damit zu erklären, daß dort eben nicht vergast wurde. Alle Aussagen, die von Menschenvergasungen in diesen Räumen in Auschwitz berichten, wären also falsch. Daraus ergibt sich die Frage, warum dann die gleichlautenden Aussagen bezüglich Majdanek wahr sein sollen.

b) Die Rückstände entstanden durch Entlausungsbegasungen mit Zyklon B. Es handelt sich also bei diesen Räumen nicht um Menschengaskammern, sondern um Entlausungskammern. Somit hätten die Zeugen bezüglich Majdanek die Unwahrheit gesagt. Dann stellt sich die Frage, warum die Zeugen im Falle Auschwitz die Wahrheit gesagt haben sollen«.

Daraus folgert Rudolf:

»Wenn die Menschengaskammern von Majdanek existiert haben, so können sie nicht in Auschwitz existiert haben, denn das Eisenblau, das man in Majdanek findet, fehlt in Auschwitz. Wenn es aber in Auschwitz keine Menschengaskammern gab, alle Aussagen darüber also falsch sind, wer oder was beweist dann die Menschengaskammern von Majdanek?

Und umgekehrt:

Wenn die Menschengaskammern in Auschwitz existiert haben, so können sie nicht in Majdanek existiert haben, denn das Eisenblau, das man in Majdanek findet, ließe sich dann nur durch Entlausungskammern erklären. Wenn es aber in Majdanek keine Menschengaskammern gab, alle Aussagen darüber also falsch sind, wer oder was beweist dann die Menschengaskammern in Auschwitz?« [444].

Dieser - scheinbar einwandfreien - Überlegung Rudolfs mangelt es aber daran, daß eine dritte Möglichkeit außer acht gelassen wurde:

Da die beiden Räume nachweislich als Zyklon B-Entlausungskammern geplant und gebaut worden sind, gibt es vom rein chemischen Standpunkt aus keinen Grund, warum das Preußischblau nicht von Entlausungsvergasungen und von Menschenvergasungen stammen können! Wenn man von dieser Hypothese ausgeht, würden Menschenvergasungen in Majdanek chemisch gesehen die Möglichkeit von solchen in Auschwitz keinesfalls ausschließen.

Allerdings darf man natürlich nicht übersehen, daß besonders in medialen Darstellungen und leider auch in Gerichtsurteilen häufig so getan wird, als seien die Bezeichnungen bzw. Planung dieser Anlagen als Entlausungsanlagen nur zur Tarnung erfolgt. Die sich dahinter verbergende historische Manipulation möchte bei dem Konsumenten jeden kritischen Gedankengang verhindern, der entstehen könnte, wenn allgemein bewußt wird, daß Zyklon B-Entlausungsanlagen fast überall in den deutschen KL's massiv zum Schutze der Häftlinge eingesetzt wurden. Insofern wirkt Rudolfs provokative These, die den medialen und oft auch juristischen[445] und wissenschaftlichen Einseitigkeiten entgegensteht, womöglich zumindest denk- und diskussionsfördernd. [446]

Die Brüchigkeit der bisherigen revisionistischen Argumente hängt eng mit der Tatsache zusammen, daß die Revisionisten das Studium des KL Majdanek bisher genauso sträflich vernachlässigt haben wie die orthodoxen westlichen Historiker. Unter diesen Umständen mußte auch die Art und Weise, wie die Revisionisten einen dermaßen fundamentalen Aspekt der Lagergeschichte behandelt haben, zwangsläufig oberflächlich und wissenschaftlich unbefriedigend ausfallen.


Anmerkungen

  1. Im »Communiqué« der Agentur Polpress heißt es:
    »In Anbetracht der Tatsache, daß die Deutschen in diesem Lager Massenmorde und -tötungen an sowjetischen Kriegsgefangenen begangen haben, wandte sich das Polnische Komitee der Nationalen Befreiung an die Sowjetregierung mit folgendem Vorschlag: Zur Untersuchung der deutschen Schurkentaten in Lublin solle eine außerordentliche polnisch-sowjetische Kommission gegründet werden, und die Sowjetregierung solle dazu selbst Vertreter entsenden.«
    Text wiedergegeben in: Constantino Simonov, aaO. (Anm. 311), S. 18.
  2. Siehe Dokument 5.
  3. Siehe Dokumente 35 und 36.
  4. Aus dem hier ausgelassenen, im Kapitel V wiedergegebenen Abschnitt, in dem es um das neue Krematorium geht, führen wir hier bloß die wenigen Zeilen an, die sich auf die »Gaskammer VII« beziehen.
  5. Druckfehler. Lies: 3.750.
  6. Druckfehler. Lies: 1.420
  7. GARF, 7021-107-9, S. 229-243.
  8. Siehe Dokument 3a.
  9. Siehe J. Marszałek, , aaO. (Anm. 27), Karte auf unnumerierter Seite.
  10. Siehe Dokument 29.
  11. Dieses Dokument ist verlorengegangen.
  12. APMM, sygn. 9a, Band 1, S. 1.
  13. Die Desinfektion erfolgte mit in Wasser aufgelösten chemischen Substanzen. Man lese hierzu Walter Dötzer, Entkeimung, Entseuchung und Entwesung, Arbeitsanweisungen für Klinik und Laboratorium des Hygiene-Institutes der Waffen-SS, Berlin. Herausgegeben von SS-Standartenführer Dozent Dr. J. Mrugowski. Verlag von Urban und Schwarzenberg, Berlin und Wien 1943, S. 48 ff.
  14. Siehe Dokument 30.
  15. APMM, sygn. 9a, Band 1, S. 3.
  16. Siehe Dokument 30.
  17. WAPL, Zentralbauleitung, 41, S. 5.
  18. Siehe Dokument 31.
  19. Diese Baracke ist für Touristen geschlossen, doch kann man durch die Fenster einen Blick ins Innere werfen.
  20. Siehe Fotografie VIII.
  21. Siehe Fotografie IX.
  22. WAPL, Zentralbauleitung, 8, S. 3.
  23. Das Amt C/V, Zentralbauinspektion
  24. Gemeint ist der Brief des Amts BIII vom 27. Mai 1942.
  25. WAPL, Zentralbauleitung, 141, S. 3.
  26. Ebenda, S. 4.
  27. Ebenda, S. 2.
  28. Ebenda, S. 5.
  29. Ebenda, S. 7, 8.
  30. Siehe Dokument 32.
  31. Auch die Dimensionen der Lokale erfuhren geringfügige Modifizierungen: Die Kommission spricht von 9,70 × 3,70 m, die polnischen Gutachten geben die Größe mit 9,27 × 3,80 m an.
  32. J. Marszałek, aaO. (Anm. 82), S. 53, Anmerkung Nr. 117.
  33. Aus praktischen Gründen übernehme ich die Numerierung der Lokale aus der polnisch-sowjetischen Expertise, wobei ich die nach Süden ausgerichtete Entlausungskammer mit IIIa bezeichne. Siehe Tabelle auf S. 127.
  34. Instytut Techniki Cieplnej. Ekspertyza dotycząca konstrukcji i przeznaczenia pieców zainstalowanych przy komorach gazowych w Obozie na Majdanku w Lublinie. Lódz 1968. APMM.
  35. Siehe weiter unten.
  36. Fortan nennen wir dieses Lokal Kammer IIIa.
  37. TCIDK, 502-1-332, S. 46.
  38. WAPL, Zentralbauleitung, 8, S. 22.
  39. weiter , 145, S. 13.
  40. weiter , S. 14. Siehe Dokument 33.
  41. weiter , S. 1,2.
  42. weiter , S. 5,6.
  43. Ebenda, Abschnitte 1, 3, 4 und 7.
  44. Ebenda, 12, S. 85.
  45. Ebenda, 95, S. 3. Brief Kammlers an den Höheren SS- und Polizeiführer im Generalgouvernement SS-Wirtschafter-Baugruppe.
  46. Ebenda, S. 8. Bauwerksaufteilung für die Errichtung eines FKL in Lublin, erstellt am 20. November 1942 vom Leiter der Zentralbauleitung.
  47. Ebenda, 96, S. 2.
  48. Ebenda, S. 10, 11.
  49. Ebenda, S. 14.
  50. Zofia Murawska, »Kobiety w obozie koncentracyjnym na Majdanku«, in: ZM, IV, 1969, S. 94-97. Man vergleiche das hierzu in Kapitel I Gesagte.
  51. Siehe Dokument 35 und 36.
  52. Siehe Fotografie X.
  53. Siehe Dokument 34.
  54. Der von £ukaszkiewicz publizierte Plan ist in der Mitte durchschnitten; die linke Hälfte ist unterhalb der rechten angebracht. Der Schnitt ist nicht genau, und die linke Teil enthält einen Auszug aus der Zeichnung, der in der rechten erscheint. £ukaszkiewicz hat diese Manipulation nicht bemerkt und ist deshalb auf 12 statt auf 8 Zyklon B-Gaskammern gekommen; erstere Zahl gab er auch in der Bildunterschrift an.
  55. Unkorrekte Bezeichnung für die »Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Lublin«.
  56. Hier liegt ein Irrtum vor. Baracke 28 existiert nicht mehr. Pressac hat sie wohl mit einer anderen verwechselt.
  57. J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 15), S. VII.
  58. J. Marzsalek, aaO. (Anm. 82), S. 54, 55.
  59. Die 150 m betragende Entfernung von den angeblichen Gaskammern hätte die von Marzsalek erwähnten Probleme noch verschärft: Aufgrund der Nähe der Baracke 42 (Entlausungsanlage mit Bädern), welche alle ins Lager aufgenommenen Häftlinge passieren mußten, wären sämtliche Neuankömmlinge potentielle Zeugen der Menschenvergasungen gewesen!
  60. J. Marszałek, aaO. (Anm. 210), S. 133.
  61. Der Verfasser verwechselt Bad und Wäscherei.
  62. C. Rajca, »Eksterminacja besporednia«, in: T. Mencel, aaO. (Anm. 24), S. 270.
  63. Adela Toniak, »Korespondencja w sprawie dostawy gazu cyklonu B do obozu na Majdanku« (Korrespondenz hinsichtlich der Lieferung des Gases Zyklon B ans Lager Majdanek), in: ZM, II, 1967, S. 129-170.
  64. Ebenda, S. 130.
  65. Z. £ukaszkiewicz, aaO. (Anm. 10), S. 66.
  66. Siehe Dokument 6.
  67. Siehe Kapitel V.
  68. Siehe Fotografie III und IV.
  69. Dies ergibt sich aus dem bereits erwähnten Rapport des Leiters der Zentralbauleitung vom 22. Oktober 1942, der lediglich den Bau von »2 Entlausungsbaracken mit Bädern« erwähnt; wie wir im vorhergehenden Abschnitt sahen, handelte es sich bei diesen um die Baracken 41 und 42.
  70. Die von Pressac angegebenen Himmelsrichtungen sind falsch.
  71. Die beiden Lokale maßen ursprünglich 9,27 × 3,80 × 2 = 70,45 m. Die von Pressac genannten Maße ergeben ein Volumen von 68,27 m³.
  72. Siehe Dokument 37.
  73. Dies geschah in Wirklichkeit erst nach der Befreiung des Lagers, als man alles noch Verwertbare abmontierte.
  74. J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 15), S. VII, VIII.
  75. Ebenda, S. VIII, IX.
  76. Siehe Fotografie XI.
  77. Siehe Fotografie XII.
  78. C. Simonov, aaO. (Anm. 311), S. 8.
  79. Ebenda.
  80. »Dr. Pater Victoria Kohlensäurefabrik Nußdorf Nr 6196 Full. 10 Kg [...] und Fluid Warszawa Kohlensäure [...] Fluid Warszawa Lukowski. Pleschen 10,1 kg CO2 Gepr.« (Die Inschriften sind nur teilweise lesbar).
  81. Der Verdacht ist um so begründeter, als die anderen drei Flaschen nicht mehr auf dem Lagergelände zu finden sind. Wir wissen nicht, wohin es sie verschlagen hat.
  82. Cap. Dott. Attilio Izzo, Guerra chimica e difesa antigas. Editore Ulrico Hoepli, Milano 1935, S. 183.
  83. Ferdindand Flury und Franz Zernik, Schädliche Gase, Dampfe, Nebel, Rauch- und Staubarten. Verlag von Julius Springer, Berlin 1931, S. 617.
  84. Siehe Fotografie XIII.
  85. Siehe Fotografie XIV.
  86. Dieses Phänomen ist mit noch stärkerer Intensität auch auf den Außenwänden der Entwesungskammern der Bauwerke 5a und 5b von Birkenau ersichtlich.
  87. In beiden Fällen geht Pressac bei den erwähnten Lokalen aus unerfindlichen Gründen von einer Maximalkapazität von 9,72 Menschen pro m2 aus! Die Polnisch-Sowjetische Kommission hatte sich dagegen bescheidenerweise mit 6 Opfern pro m2 zufriedengegeben.
  88. Siehe Fotografie XV.
  89. Siehe Kapitel IV.
  90. Siehe Kapitel V.
  91. Am 1. Juli 1942 war dieses Bauwerk bereits zu 70% fertigerstellt. WAPL, Zentralbauleitung, 8, S. 3.
  92. Diese Angaben resultieren aus dem entsprechenden Plan: K.G.L. Lublin, Leichenhalle, Bauwerk XIV, Maßstab 1:100. Ebenda, 47, S. 14.
  93. Bekanntlich bewirkt die Expansion von komprimierten und verflüssigten Gasen eine Senkung der Raumtemperatur.
  94. Die Tür der Kammer III weist eine Öffnung zur Einführung eines Thermometers auf.
  95. J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 15), S. IX.
  96. Siehe Fotografien XVI und XVIa.
  97. Siehe Fotografie XVII.
  98. Siehe Fotografie XVIII.
  99. Siehe Fotografie XIX.
  100. Siehe Fotografie XX. Dies wurde von C. Mattogno nach seinem ersten Besuch in Majdanek im Juli 1992 hervorgehoben. Man vergleiche dazu die Ausführungen G. Rudolfs, dem Mattogno seine Unterlagen zur Verfügung gestellt hat, in seinem Artikel aaO. (Anm. 16), S. 277.
  101. Siehe Kapitel VIII.
  102. Natürlich entfiel die Notwendigkeit dieser beiden Leichenkammern mit der Fertigstellung des neuen Krematoriums.
  103. Siehe Kapitel III.
  104. Die tatsächliche Kapazität belief sich auf vielleicht hundert Leichen täglich; siehe Kapitel V.
  105. J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 15), S.IX.
  106. Siehe Dokument 26.
  107. Siehe Fotografie XXI.
  108. Siehe Fotografie XXII.
  109. Siehe Kapitel III.
  110. Das Datum wird von Leuchter selbst in seinem Artikel »The Leuchter Report: The How and Why« genannt. Dieser erschien in: The Journal of Historical Review, Nr. 2, 1989, S. 135-137.
  111. Fred A. Leuchter, aaO. (Anm. 14), 12.002. Wir zitieren nicht nach der englischen Originalausgabe, sondern nach der verkürzten deutschen Ausgabe, aaO. (Anm. 14).
  112. Gemeint ist die Entnahme von Mörtelproben aus dem Mauerwerk der als Gaskammern bezeichneten Räumlichkeiten, die Leuchter in Auschwitz I und Birkenau, nicht jedoch in Majdanek vornehmen konnte.
  113. J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 15), S. VII.
  114. Zur Frage nach der Explosivität des Zyanwasserstoffgases siehe Carlo Mattogno, Olocausto: dilettanti allo sbaraglio, Edizioni di Ar, 1996, S. 212-215.
  115. Leuchter, aaO. (Anm. 14), 17.001.
  116. Ebenda, 12.003 und 17.002.
  117. Ebenda, 17.004.
  118. Ebenda, 12.005.
  119. Ebenda, 17.005.
  120. Ebenda, 12.005.
  121. Eine Atmosphäre entspricht dem Druck von 10.333 kg/m²; ein Druck von 2,5 Atmosphären demjenigen von 25.825 kg/m². Auf jede der beiden Türen der Kammer III (ihre Fläche betrug 1,90 m²) wäre demnach ein Druck von ca. 49.000 kg ausgeübt worden, was sie gleich aus den Angeln gehoben hätte!
  122. Ebenda, 12.005.
  123. Ebenda, 17.005.
  124. Ebenda, 12.006
  125. T. Makarski, Orzeczenie techniczne sposobu zabezspieczenia i konserwacji [Technisches Gutachten über die Art der Sicherung und Konservierung], Juni 1965, S. 4. APMM, Pracownie Konserwacji i Zabytków, Nr. zlec. 8735/W-1.
  126. Die Fotografien 12 auf S. 257 sowie 14 bis 17 auf S. 278.
  127. Germar Rudolf und Ernst Gauss, aaO. (Anm. 16), S. 277-279.
  128. J. Marszałek, aaO. (Anm. 210), S. 35.
  129. Otto Lenz und Ludwig Gassner, Schädlingsbekämpfung mit hochgiftigen Stoffen, Heft 2: Aethylenoxyd (T-Gas). Verlagsbuchhandlung von Richard Schoezt, Berlin 1934, S. 17-19.
  130. Germar Rudolf und Ernst Gauss, aaO. (Anm. 16), S. 279.
  131. So weist Rudolf, ebenda, S. 276, FN 125, zu Recht daraufhin, daß die Aussagen der Angeklagten, bei den angeblichen »Gaskammern« habe es sich nur um Entlausungskammern gehandelt, beim Gericht zu Zornesäußerungen führte. Vgl. dazu Kapitel X.2. in diesem Band.
  132. Und so war sie wohl auch gedacht, persönliche Mitteilung von G. Rudolf.

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